Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK bainom ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 16. Jahrgang Genosse Heeger in der Parlamentsdebatte: Donnerstag, 30. April 1936 Zwischen Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) Nr. 102 Deutschlands Nachbarn müssen zwei Wahlgängen Das Doppelspiel der SdP Wir haben bereits gestern berichtet, daß Genoffe Heeger im Laufe seiner Parlamentsrede mit den Leuten von der SdP wiederholt hart aneinandergeriet und durch seine Ausführungen über Hitlerdeutschland und über das Doppelspiel der SdP den ganzen ohnmächtigen Zorn dieser Herren auf sich lud. sich in acht nehmen! Nur den ersten Aft und nicht mehr. Nicht Paris.( E. B.) Ernst, nüchtern, worklos, darum aber nicht weniger leidenschaftlich auf die Durchießung seiner vielfältigen Wünsche und Interessen bedacht, hat das französische Volk den Aber wenn jemand kommt und wie Genosse wie für den einzelnen Menschen. Aber wer auf ersten Aft der Kammerwahl durchgeführt. Seeger sie scharf angreift, Schlag auf Schlag dem Boden des Staates ſteht und die Demokratie gegen sie führt, dann legen sie unwillkürlich dem ernst I ich verteidigen will, darf aber einmal der dritte Teil der Abgeordneten ist beaufmerksamen Beobachter ihr ganzes Herz bloß nicht vor Maßnahmen zurückschrecken, die für die ſtimmt, über weit mehr als zwei Drittel entſcheiAn ihrem Mienenspiel, an ihrer Aufregung, wenn Diese Notwendigkeit hat die SdP grundsäßlich durch Folge dieser überaus hohen Zahl noch offen ge= Verteidigung des Staates unerläßlich sind. det die Stichwahl vom nächsten Sonntag. Die ein Redner den Namen Hitler oder Hitlerdeutsch Dr. Peters und Dr. Kellner im Ausschuß aner- bliebener Entscheidungen besteht in der Schwieland auch nur ausspricht, geschweige denn wenn fannt.( Zwischenrufe.) Damit im Wider rigkeit sicherer Voraussagen für das endgültige er Kritik daran zu über wagt, an ihrem ironi- ipruch steht allerdings die Rede des Herrn Wahlergebnis. Was bisher feststeht, ist die a IIschen Lächeln, wen jemand ernsthaft von Demo- und anläßlich des Parteiengesebes, wo er fratie spricht, an den verkniffenen Lippen, wenn das, was ſeine Kollegen in den Ausschüssen als gemeine Tendenz der Wahl. An. dem iemand von ihnen Taten als Beweise für ihre notwendig für die Verteidigung des Staas grundlegenden Verhältnis zwischen Rechts und Loyalität verlangt, an all solchen kleinsten Klei- tes anerkannt haben, die ,, Errichtung der Diktatur" Links in der Kammer wird sich zugunsten der wie etwa Herr Dr. Ne unigkeiten kann man unschwer erkennen, wes' Gei- nannte. Sie scheinen sich also untereinander Linken, das heißt der Volfsfrontparteien, einiges wirth mit seiner allzu naiven Frage, was denn ſtes Kind die Herren sind. Nur ein bißchen Be- elb it nicht flar zu fein, welche ändern, wenn auch nicht so viel, wie es den HoffHaltung sie einnehmen sollen!( Widerspruch.) eigentlich die deutsche Aufrüstung mit unserem obachtungsgabe bei solchen Gelegenheiten und der nungen der Linken noch vor einigen Monaten und Verteidigungsgesetz zu tun habe, des Guten etwa Streit im tschechischen Lager über das wahre Gevor allem vor der Rheinlandbesetzung Hitlers ent au viel tun. sicht der Henleinpartei wäre beendet.... sprochen hatte. Die Radikalen die stärkste Partei der kleinbürgerlichen linken Mitte, haben Verluste, die nicht wunder nehmen, wenn man an das Auseinanderfallen dieser Partei bei jeder wichtigen Entscheidung der letzten beiden Jahre denkt. Die Arbeiterparteien insgesamt sind die Sieger der Wahl. Selbst wenn die Interessant ist es bei solchen Auseinander setzungen, das Mienenspiel der Zwischenrufer aus den Reihen der SdP zu beobachten. In ihren Reden und zurufen passiert ihnen so leicht keine Entgleisung in unerwünschter Richtung, wenn sie auch manchmal * * * Aus Heegers Rede tragen wir nachfolgend einen Inappen Auszug nach: Als der Weltkrieg im Jahre 1918 beendet war, herrschte nur eine Meis nung bei der entsetzten Menschheit: Nie wieder Krieg! Kaum 17 Jahre sind verflossen und das Bild hat sich bedeutend geändert: Der Faschismus hat alle Vortehrungen für neue Kriege getroffen. Die einzige Maßnahme, die den dauernden Frieden hätte sichern können, wäre die allgemeine Abrüstung aller Staaten gewesen. Aber Abrüstungsfonferenz und Flottenkonferenzen haben und diese Hilflosigkeit und Unentschlossenheit haben dem Faschismus die Möglichkeit zur offenen, wie versteckten Aufrüstung gegeben. Deutschland hat den ganzen Staat militarisiert, Volk und Wirtschaft in den Dienst des Militarismus gestellt. Ein besonderer Kenner der Verhältnisse hat in einer Schrift Die Motorisierung der deutschen Armee" den ungeheueren Rüstung swab n= sinn aufgezeigt, der Deutschland beherrscht. Der Verfasser kommt zu dem Schluß. ersagt Der Rüstungswahnsinn in Ziffern Im Jahre 1913, also kurz vor dem Kriege, betrugen die Rüstungsausgaben aller Staaten Die Herren haben im Ausschuß für einige Kapitel des Gesetzes gestimmt, um bei gewissen tschechischen Bänken ihre Visitkarte der Staatsloyalität abzugeben; sie haben gegen andere Kapitel gestimmt, um eine zweite Visit karte für die Agitation draußen zu haben! 44 Monate und kein Erfolg 60 Milliarden Kč. Im Jahre 1930, wo viel von dem Gesetz in einem Beschluß festgelegt, in dem wir Sozialistische Partei vielleicht die nahezu zwei der kollektiven Sicherheit gesprochen wurde, betrugen die Rüstungen der Welt 118 Milliarden Kč, und im Vorjahr, zu einer Zeit also, in der mehr als 30 Millionen vollständig Arbeitsloser dem Hunger preisgegeben find, gar 290 Milliarden Kč! Vor allem find es die faschistischen Staaten, die mit der Aufrüstung bis zum Wahnsinn begonnen haben: Italien, Japan und Deutschland, dessen Rüstungsausgaben sich gar nicht mehr abschäßen lassen. " Diese ungeheueren Rüstungen zwingen auch die friedliebenden Staaten dazu, alles zu tun, um ihre Verteidigung gegen einen plöslichen Angriff sicherzustellen. Das vorliegende Gesetz ist darum nach unserer Auffassung der Ausdruck nicht des Kriegswillens, sondern der gro= ßen Sorge vor dem Krieg. Auffällige Analogien... Ez ist bezeichnend, daß ausgerechnet Deutschland, das selbst bis zum Wahnsinn rüstet, in einem offiziellen Kommentar in der Deutschen diplomatischen Korrespondenz" von dem ,, alarmierenden Charakter" dieses Gesetzes spricht, daß die näheren und ferneren Nachbarn des Drit- der in auffälligem Kontrast" zu den gegenwärtigen ten Reiches auf der Hut sein müs- Friedens bemühungen in Europa sen: Hitler will den Krieg, Hitler ſtehe. Dann folgt eine Polemik über den in dem will Deutschland zur Macht über Europa ver- Gesetz festgelegten Begriff der Un verläglich helfen und das kann nur durch die Neberlegenheit keit und wenn man genau hinschaut, der Waffen möglich sein. 0 so findet man die Wiederholung dessen fast in affen Sätzen, die die Herren von der SdP in den Ausschüssen vorgebracht haben!( Wütende Proteste der Sdp.). ... Wir dagegen haben unsere Stellungnahme zu verlangen, daß die Durchführung des Gesetzes von beglei einerlei eben absichten Millionen Stimmen von 1932 nicht voll erreicht, ist ihr Erfolg groß; denn sie hat die Verluste fast tet sein darf und weder zu einer Beeinträchtigung aufgeholt, die sie seit 1932 durch die Abspaltung der sozialen Rechte der Arbeiterklasse noch zu einer der Neo- Sozialisten, eines Viertels der BarlaSchädigung der nationalen Minderheiten mißbraucht mentsgruppe mit einflußreichen Abgeordneten und werden darf. Bei den wichtigsten Kapiteln, soweit beträchtlichen Massenanhang, erlitten hatte. Die arbeitsrechtliche Fragen dreht, bei den Paragraphen Westen und Südwesten des Landes. es sich um verfassungsmäßige Rechte und um Gewinne der Sozialisten liegen hauptsächlich im 19 bis 21 über den Begriff der Unverläßlichkeit sind zweifellos durch die Bemühungen der deutschen Im Norden und in Paris feiern die Kom Koalitionsparteien Erfolge erzielt worden. munisten große Erfolge. Die Stimmenzahl der Sie( an die SdP gewendet) haben zu diesen Kommunistischen Partei erreicht fast 1.5 MillioErfolgen allerdings nichts beigetragen! nen und hat sich gegenüber 1932 nahezu verdop Wenn noch nie, so haben die Beratungen dieses pelt, gegenüber 1928 um etwa 30 Prozent er= Gesetzes deutlich den Beweis erbracht, wie ein höht. Es besteht kein Zweifel, daß es den Komflußlos hier in der gesetzgebenden Körperschaft munisten nach der Schaffung der Volksfront und die 44 Parlamentarier der SdP sind und wie der Preisgabe ihrer ultralinten Taktik zugunsten einflußlos der Teil des deutschen Volkes in diesem der vorbehaltlosen Bejahung der LandesverteidiStaate geworden ist, der ihnen seine Stimme ge- gung( im Zeichen des Russenpaktes und der Zus geben hat!( 3Zwischenrufe.) ficherungen Stalins gegenüber Laval in Mostau) und der ,, Einigung" aller Franzosen gegen ,, 200 Ausbeuterfamilien" gelungen ist, wichtige Arbeiterschichten und große Teile des verelendeten Kleinbürgertums zu ihrer Wahlgefolgschaft zu Tatsachen, über die man nicht hinweg kann... machen. Genosse Heeger hält nun, von wütenden Zwi schenrufen der vor der Ministerbank gescharten SdpMannen begleitet, der SdP den unlösbaren Zwiespalt zwischen den Loyalitätserklärungen auf parla- Der Erfolg der Kommunistischen Partei, mentarischem Boden und ihrer Agitation berbunden mit der Schwächung einiger wichtiger draußen eindringlich vor: In Prag sind sie loyal Positionen der rechten Teile der Volksfront, vor und staatstreu, daß die deutschen Regierungspar- allem der Radikalsozialisten, verleiht dem entteien nicht mitkönnen, draußen in den deutschen Ge- scheidenden Problem dieser Woche vor der Ent bieten liegen die Dinge wesentlich anders. scheidungsschlacht, nämlich dem Rücktritt aller In den SdP- Organisationen ist zweifellos bis zum| Volksfrontkandidaten zugunsten des im ersten Hauptfunktionär hinauf eine allgemeine Hitler Wahlgange Erfolgreichsten, einen besonderen verehrung und eine Freude über alles zu beobachten, Charakter. Denn es ist klar, daß bei der gegen ( Fortsetzung auf Seite 2.) Graziani kann nicht weiter Hitlers Politik ist ein einziger großer Kampf gegen den Frieden.( Dr. Neuwirth: Was hat das mit dem Staatsverteidigungsgesetz zu und Widersprüche tun?) Heeger: Ich will aufzeigen, warum Sicher ist das Gesetz von einschnei das Gesetz über die Staatsverteidigung gekommenden der Bedeutung für die gesamte Wirtschaft ist, und will feststellen, was die Ursache war! ( Zwischenrufe.) Wenn a II e eine so dopbelzüngige Politik treiben würden wie Sie, würde es auch um das deutsche Volk in diesem Staate schlecht bestellt sein! Ich wundere mich nur, waruni sich die Herren auf einmal so aufregen, wenn man über Hitlerdeutschland spricht. Da scheinen doch innige Beziehungen zwischen hier und drüben zu bestehen...( Proteste bei der Sdp.) Wie Hitler wirklich denkt, beweisen zur Genüge die Worte, die er am Nürnberger Parteitag zu der Auslandsdelegation des Bundes deutscher Mädchen sprach: wärtigen Konstellation dieser erste wirklich ent= scheidende praktisch- politische Aft der Volksfront vorwiegend den Kommunisten zugute kommen und darum auf den Widerstand rechter Teile der Voltsfront stoßen muß. Darum ist die Haltung aller Voltsfrontorganisationen und kandidaten zu Erfolgreicher Widerstand der Abessinier Italiener verwenden dem zweiten Wahlgang die erste Kraftprobe für Senfgas Vor ernsten Schwierigkeiten Italiens Addis Abeba. Von abessinischer Seite teidigungslinie zu durchbrechen, gescheitert sind. wird gemeldet, daß die Offensive der Graziani- Die abessinische Südfront wurde„ HindenburgArmee in Richtung auf Harrar bis auf kleine linie" benannt. Der Reuter- Korrespondent bestä Teilerfolge zusammengebrochen zu sein scheine. tigt übrigens die Meldung aus Addis Abeba, nach In den letzten Tagen hätten sich blutige und er- der die italienischen Angriffe an der Südfront erbitterte Kämpfe im Saffabaneh- Gebiet abgespielt, gebnislos waren. Eine Schlacht habe bei 60 Grad in denen die Italiener einige tausend Tote ver- aller italienischen Angriffe geendet. Size drei Tage gedauert und mit der Abweisung loren haben. Die Kampfkraft der abessinischen ,, Wenn ich einmal einen Gegner überfallen Truppen auf dieser Front sei völlig ungebrochen will, würde ich das anders machen wie Mussolini: und falls es den Italienern gelingen sollte, DaNicht monatelang verhandeln, sondern, wie ich es in meinem Leben immer getan habe, wie aus ghabur zu erreichen, so würden sie dann erst auf der Nacht emporschnellend, mich bligartig die erste große Verteidigungsstellung der Abejauf den Gegner stürzen." finier treffen. Die Meldungen, wonach inner- daß Langsamer Vormarsch auf die Hauptstadt Die italienische Heeresleitung telegraphiert, die motorisierte Stolonne, die auf die abesdie Volksfront und das eigentliche innenpolitische Problem der Stunde. Die Innehaltung der Volksfrontdisziplin wird vielen Kandidaten um so schwerer sein, als an manchen Stellen, vor allem in proletarischen Wahlkreisen, gerade Volksfrontkandidaten verschiedener Richtung es waren, die einander als Gegner im Kampfe um die Stimmen mit Leidenschaft und Erbitterung gegenüber standen. Die Erfolge der Arbeiterparteien sind ein Zeichen für den Willen der Massen, die Widerstände zu brechen, die sich der Erfüllung ihrer unablässigen Wünsche nach einer Steigerung ihrer Lebenshaltung, nach der Ueberwindung der Kirifenfolgen und nach der energischen Durchsetzung der Demokratie gegen die Ausbeuterschichten in sie nicht minder ein Zeichen Den Weg Deutschlands ist auch Oesterreich politische Machtkämpfe in Abessinien stattfanden, habe, einen Ort, der noch 190 Kilometer von für den Willen zum Frieden und zum Kampfe gegangen, indem es unter der Patronans Staliens entsprächen nicht der Wahrheit. die allgemeine Dienstpflicht einführte. So sehen Addis Abeba entfernt ist. Die Infanterie verließ, gegen das Pattieren mit dem Faschismus auf Der Reuter Berichterstatter wahrscheinlich infolge des unwegsamen Geländes, jedem Gebiete, in jeder Form, im Innern wie wir auf der ganzen Linie eine ungeheuere Aufrüstung bei den Nachbarstaaten, das meldet aus Diredaua, daß die Italiener an der die Automobile und setzte den Vormarsch zu Fuß außerhalb des Landes. Darüber hinaus aber zeigt Versagen aller Verträge und müssen feststellen, daß Südfront nunmehr das furchtbare Senf gas fort. Die erytreische Kolonne sei noch 100 Kilo- das Ergebnis der Entscheidung vom letzten Sonns der Krieg mehr als je zuvor in die Nähe gerückt ist, verwenden, da alle Versuche, die abessinische Ver- meter von Addis Abeba entfernt. tag die Entschlossenheit der Massen, sich mit Seite 2 Donnerstag, 30. April 1936 Nr. 102 größerem Nachdruck als bisher für den Kampf um die Lösung der dringendsten Existenzfragen der Führung und der Vertretung der Arbeiterparteien anzuvertrauen. Daß dabei die Kommunistische Partei mit ihren Anstrengungen, ohne Rücksicht auf ihre Vergangenheit und. die meisten Grundsätze ihrer Doktrin den Eindruck einer frischen, von Theorien unbeschwerten Kraft zu vermitteln, besonderen Erfolg gehabt hat, steigert ihre geschichtliche Verantwortung vor der Arbeiterklasse, ungemein und macht ihre Rolle in den künftigen Klassenkämpfen in Frankreich bedeutsamer als je zuvor. Der kommende Sonntag erst wird darüber entscheiden, wie weit die neue Kammer in ihrer Zusammensetzung sowohl der Ausdruck der klaren Wünsche der französischen Massen sein wird als auch zugleich ein Werkzeug zu ihrer Erfüllung. einem SdP-Unternehmen kerne Arbestl Im Gesetz selbst wurde dank der Tätigkeit der deutschen Koalitionsparteien dieser Begriff derart definiert, daß der Willkür der Bürokratie ein fester Riegel vorgeschoben ist. RamenS unserer Partei erklärt Herger ab» schließend, daß wir das Gesetz über die StaatSver- teidignng mit Rücksicht auf di« Gefahren, die in unseren Nachbarländern vorbandrn find, als notwendig erachten. Wir sind überzeugt, daß die Durchführung deS Gesetzes weder keine Beeinträchtigung der sozialen Rechte der Ardeiterklaffe bei«, haltet,»och zu einer Schädigung der nationalen Minderheiten mißbraucht werden wird, und werden daher für dieses Gesetz stimmen.(Lebhafter Beifall.) SdP-FUhrer In Glanz In einer Mitgliederversammlung der SdP in Aussig, die sich mit dem Thema Wirtschaftsfragen beschäftigte, meldet« sich kurz vor Schluß der Versammlung ein vielseitiger Funktionär der SdP, Herr Redakteur H ü t t l, zum Worte und erklärte, daß er in der Partei sämtliche Funktionen niederlege. Warum er zu diesem Entschluß gekommen sei, wolle er sich ersparen im Einzelnen zu erklären doch sollten die Anwesenden eins zur Kenntnis nehmen: „Mit Herren, die in Eger, Prag und Asch und so weiter an grünen Tischen fitzen, große Zigarren rauchen, und es sich gut gehen lasten, denen eS mit der Bolksgemeinschaft nicht rasch genug geht, für die sie doch selbst keinen Finger krumm machen und krumm gemacht haben, mit diesen Herren will ich mich, nicht a useinander- setzen! Ich habe genug für diese Bewegung geschuftet, gearbeitet und bin jetzt am Ende meiner Kräfte!• Aus welchen Gründen immer Herr Hüttl diese schweren Anwürfe erhob, sein Urteil über die Drahtzieher der Henleinpartei ist vernichtend. Herr Hüttl war Schulungsleiter der SdP und bekleidete eine Anzahl Vertrauensstellen und einflußreiche Funktionen. Die Herren von der SdP tragen aber selbst die Schuld, daß sich niemand die Mühe nimmt zu überprüfen, was an ihren Beschwerden Agitation und Taktik ist und was davon das deutsche Volk tatsächlich bedrückt. Ihr Schweigen ist eS, das irritiert, mit Mißtrauen erfüllt. Sie verstehen wohl, an Kleinigkeiten unseres Lebens Kritik zu üben, zeigen aber kein Verständnis für das Streben unseres Staates, mit der ganzen Welt in Frieden zu leben. Die Tschechen haben den Mut, eine Lösung ihres Verhältnisses zu den Deutschen im Sinn« Rasaryks zu finden, aber die Partner auf deutscher Sette werden sie sich nur in den Reihen jener suchen, die nicht nur demokratisch reden, sondern auch im tiefsteu Innern demokratisch sind! Debatte dis Mitternacht In der Plenarsitzung des Hauses liefen immer und immer wieder neue Wortmeldungen von Rednern ein, so daß sich die Debatte von neun Uhr früh bis nach elf Uhr nachts hinauszog und fast zwei Dutzend Redner sich auf der Tribüne abwechselten. Unter diesen Umständen mußte das Schlußwort der Referenten und die Abstimmung auf Donnerstag halb zehn Uhr früh verlegt werden. Die Kriegsrüstungen Hitlerdeutschlands wurde vor allem auch von Frau Zeminova(Nat.Soz.) heftig kritisiert. Er werde aber der Toy kommen, an dem auch England und Italien erklären werden, daß ihre Grenzen and er Donau und anderMol- d a u liegen. Jnnerpolitisch nahm sie schärfstens gegen Henleins Londoner Drohungen Stellung und sprach die Verwunderung aus, daß Henlein dafür noch nicht zur Verantwortung gezogen wurde. Trotz ellenlangen Vorlesungen über Litzalität glaube man Herrn Henlein nicht, selbst wenn alle TdP.Abgeordneten auch noch das„Hej Slo' van c" singen würden. Reden sind Reden, aber waS die SdP im Grenzgebiet macht, sind Taten. Dafür werden wir Euch ,rief sie den SdP-Lenten unter großem Lärm z», zur Verantwortung ziehen und strafen. Das ganze Volk wird an unserer Seite stehen,»m euere hochverräterischen Umtriebe Unmöglich zu machen. Unsere Partei fordert, daß man die Henleinpartei auseinanderjage, und bedauert nur, daß die in Verhandlung stehenden Gesetz« nicht zwei Jahre früher kamen. Henlein soll sich beklagen gehen wohin er will, wir werden, wenn nötig, mit eisernen Besen Ordnung machen I Auch die Opposition stimmt pro Der Vertreter der deutschen Christlichsozialen, Dr. Luschka, gab für seinen Klub die Erklärung ab, daß sie für b e i d e Vorlagen stimmen würden. Der Verdacht der staatlichen Unverläßlichkeit werde nach seiner Ueberzeugung von der deutschen Bevölkerung gerade dadurch am besten abgewehrt, daß deutsche Volksvertreter für das Gesetz stimmen. Auch der Sprecher der Hlinka-Partei, Doktor Tiso, erklärte, daß seine Partei es als eine S e l b st v er st än d l i ch k ei t, ja als direktes'Gebot ansehe, zu dem Gesetz einest positiven Standpunkt einzunehmen. Das slowakische Volk sehe in hem Staat der Tschechen und Slowaken seinen Staat und deshalb sei es natürlich» daß es diesen seinen Staat auch verteidige. Für das Gesetz sprach'sich bedingungslos auch die Nationale Vereinigung aus, sp daß bei der Abstimmung zweifellos eine weit über die Stimmen der Koalition hinausgehende Mehrheit für die beiden Vorlagen erzielt werden wird. Der Senat nahm Mittwoch die Regierungsvorlage, durch die einige Bestimmungen des Gesetzes über die Advokaten geändert werden, nach kurzer Debatte in der Fassung des Ausschusses an. Darin wird, wie wir bereits berichteten, u. a. die Konzipientenzeit für künftige Kandidaten der Advokatie auf sechs Jahre verlängert und die Einführung einer obligatorischen Alters- und JnvaliditätSversicherung möglich gemacht. VS« Parlamentsdebatte (Fortsetzung von Sette 1.) Politische Mahnworte in der Wehrdebatte Genosse Jaksch an die Adresse der SdP. was im Deutschen Reiche vorgeht. Selbst wenn man darüber hinweggehen möchte, so sprechen die Tatsachen: Hat sich doch in der letzten Zeit eine große Zahl von politischen Prozessen abgespielt, Spionagep^ozesse, Entführungen, ja politische Morde, an denen nur Henleinanhänger beteiligt sind. Die Hultschiner Brandstifter werden von Deutschland nicht ausgeliefert, weil es sich um politische Motive handelte. Ihr Parteigenosse S ch e i t h a u e r. der den Rosenzweig in Kunau erschossen hat, war ein Funktionär Ihrer Partei... (Zwischenrufe.) Auch er wird von Deutschland nicht ausgeliefert. Das find keine'„Gerüchte", gegen die Sie immer so energisch auftreten, das ^ind Tatsachen, über die man nicht binweg- stommt!(Zwischenrufe, Lärm.) Tatsache ist, daß Sie dir Politik fortsrtzen, die von den Nationalsozialisten begonnen wnrdr! Sie haben ja auch den größten Teil der Nattonalsozialisten in Ihre Reihen ausgenommen. Wie viele junge Leute, die von den Herren Krebs und Jung aufgewiegelt wurden, sitzen heute hinter Kerkermauern, während die Herren in Deutschland Reichstagsabgeordnete find. Auch bei Ihnen(an die SdP gewendet) gibt eS eine große Zahl von jungen Leuten, die nach dem Schutzgesetz und wegen des Geistes, den S i e in die Politik tragen, verurteilt worden find. Der„Kampf gegen die Unternehmer* Genosse Heeger hält der SdP das in der so« ziäldemokratsschen Presse bereits veröffentlichte Rundschreiben des Kreises 14 der Henleinpartei vor. in der Propagandafür Tuchfabriken gemacht wird, deren Inhaber Mitglieder der Henleinpartei sind. Ausdrücklich heißt es darin: Nachstehende Unternehmungen sind„unterstützende Unternehmungen der Hrnleinbewegung". Also die großen Textilunternehmer find„unterstützende" und auch offene Mitglieder der Hrnleinbewegung. DaS hindert aber nicht, daß die Herren von der SdP dann auftreten und sagen: Ihr Arbeiter müßt den Kampf gegen, die Unternehmer führen, von denen diese Partei Unterstützungen annimmt! Herr K u n d t hat in seiner Rede über daS Pqrteiengesetz u. a. auch gesagt, daß hier mit der Demokratie Schindstzdess getxjehep werd«. Sie fassen vie Demokratie" allerdings anders auf: für Sie gilt dir Httlerdivatur als reinste Demokratie!(Zwischenrufe.) Sie hichen hier den Totalitätsanspruch und das Führerprinzip eingeführt, was mit der pri- mitibsten Auffassung von Demokratie im Widerspruch steht. Sie sind nichts anderes als Lippendemokraten, die die Freiheiten der Demokratie nur benützen, um den Kampf gegen sie zu führen I Genosse Heeger befaßte sich dann noch mit einer Behauptung des Herrn Kundt, daß seinerzeit die deutschen Sozialdemokraten die Auflösung der nationalsozialistischen Gewerkschaften gefordert und so die Arbeiter samt ihren Familien um die karge Arbeitslosenunterstützung gäracht hätten. Als die SdP-Abgeordneten so unvorsichtig sind, noch laut zu rufen: Wo ist das Geld? antwortet ihnen Heeger mit der Feststellung, daß im Augenblick der Auflösung gar kein Geld mehr da Var, weil eS vor- her beifritrgeschafft wurde! Was die Unverläßlichkeit betrifft, gegen die die SdP so heftig opponiert, so sei nur daran erinnert, daß dieses Wort schon vorher im Sprachschatz der SdP bestand: Wenn ein Arbeiter nickt Mitglied der SdP ist, so ist er unverläßlich und bekommt bei In der großen politischen Aussprache über daS Staatsverteidigungsgesetz fanden unsere Genossen auch Gelegenheit, sich mit der verantwortungslosen Politik der SdP auseinanderzusetzen. Herr Sandner hatte in seiner Dienstag-Rede nach seinem längst vergilbten Rezept wieder die deutschen Regierungsparteien attackiert, sie als „bedeutungslos" abgetan und ihre Legitimation zur Vertretung sudetendeutscher Interessen bestritten. Ihm antwortete gestern Genosse Jak sch, welcher mit Entschiedenheit die These vertrat, daß die Rettung drs^ sudetendeurschen Volkes mit der Rettung des Friedens unlösbarver- kn ü p f t sei. Darum kämpft unsere Partei leidenschaftlich gegen jene Stimmungen«nd Strömungen, die den Krieg als Helfer und Erlöser herbeisehnen. Der Sprecher der SdP in diesem Hause hätte der Sache des Friedens einen großen Dienst erweisen können durch eine eindeutige Absage an alle Spekulationen auf den su- drtendeutschen JrredentiSmus. Herr Sandner bas Hirse historische Lcrpflicktung n ich t erfüllt, ss stndttv st»^k l e A im» tnrm g r M gemacht und an den erzielte» Verbesserungen kleinliche Partrikritik geübt. Jaksch setzte sich weiter mit der Behauptung Sandners auseinander, daß der deutsche Aktivis- mus keine politische Legitimation besitze, weil er Nicht die Mehrheit der Deutschen vertrete. Dasei eine gefährliche Argumentation, denn die aktivistische Minderheit im deutschen Lager ist weit größer als die deutsche Minderheit innerhalb der Staatsbevölkerung! Wer den Standpunkt verttitt, daß eine Minderheit nichts zu reden habe, der liefert zugleich dem tschechischen NattonalismuS die Begründung für die Bagatellisierung der sudetendeutschen. Forderungen. Die kleine Partei der tschechischen Realisten habe die Geschicke des tsche-, chischen Volkes führend zum Guten gelenkt. Nicht die Zufallsmajorität eines vergänglichen Wahlsieges entscheide, sondern die Idee. Zur vollen Sicherung des Staates sei es aber notwendig, daß die I d e e n M as ar y k s auch auf sozialem und nationalem Gebiete in die Tat umgesetzt werden! „Nut zur Lösung des tschechisch-deutschen Problems“ Ein Vorstoß des tschechischen Genossen Dr. Mares Auch der tschechische Genosse Dr. Mares befaßte sich später mit begrüßenswerter Objektivi- tät mit dem tschechisch-deutschen Verhältnis. Er stellte ausdrücklich fest, daß dieses Problem weiter ex i st i e r e und daß man es von tschechische Seite nicht mit dem Hinweis auf die in den Friedensperträgen, Gesetzen etc. verbürgten Rechte der Minderheiten aus der Welt schaffen könne. Wenn Sandner daS Verhältnis der SdP zur StaatSvettei- digung mit einer Reihe von„W e n n..." verklau- iuliert habe, so habe er der tschechisch-deutschen Annäherung wahrlich nicht gedient und vor allem jenen die Aufgabe erschwert, die ckn die Lösung diese-.Problems reell^h.esangehen wollen,- ,,• Wenn hiervondeurscker Seite Beschwerdest vorgebracht werden, so müsse man wohl unterscheiden, ob sie durch Ueberindustrialisierung der deutschen Randgebiete und durch die Wirtschaftskrise hervorgerufen oder zu einem gewissen Teil nur Agitationsmittel und Gegenstand des Li- zitierens sind. Wenn solche Beschwerden auch aus der Rede des Abg. Jaksch herauszuhören waren, so müssen wir, erklärte Dr. MareS dezidiert, den Dingen auf den Grund gehen und feststellen, ob nicht wirklich zu Unrecht der deutsche Arbeiter von seinem Arbeitsplatz verdrängt«nd den Abiturienten der deutschen Schulen ihr Anteil an der kleinen Partien verwehrt wird, die der Staat heute bieten kann. Ei» einziger billiger Erfolg eines Tschechen auf Kosten eines deutschen schädigt die Interessen aller der Millionen von Tschechen. Steht ein solcher Erfolg dafür, daß der wirklich demokratische Teil des deutschen BolkeS im Grenzgebiet geistig und phvsisch niedergedrückt werde? Wohin haben wir die attiviftischcn Schichten deS deutschen Volkes gedrängt? ES gab Zetten, wo wir viele Dinge rnhiger und billiger hätten lösen können. Mala Von Wer« Inder. Im Süden, an den Ufern des Schwarzen Meeres," liegt eine kleine Stadt. Sie hat, wie üblich, eine alte genuesische Festung, welche aus Trümmern, Unkraut und Eidechsen besteht. Drinnen ist eine griechische Käffeestube, an deren Wänden sich eine hundertjährige Glycinie emporrankt und ihre seidigen Blütenblätter in den samtglatten Kaffee fallen läßt. In der Stadt gibt es auch einen Markt, der im Sommer voll von Flundern und Pfirsichen ist. Die jungen Maiskolben auf dem Markt haben zarte, graue Härchen und Mausezähnchen; das übrige ist mit eifier grünen Haube bedeckt. Außerdem gibt es im der Stadt noch ein Kino und zwei oder drei Behörden; aber am Ende jeder Srraße ist daS Meer, und alle- andere ist nichts im Vergleich dazu. Auf dem Strand find Netze ausgespannt und Boote ruhen sich aus, auf dem Rücken oder auf dem Bauch. Manchmal rollt eine lange, schaumlos, wie Glas geschliffene Welle heran und, verläuft sich zischend im Sand. In der Stadt gibt es ein Museum... Wenn die Griechinnen auf ihre Männer warten und das Abendessen bereiten, unterhalten sie sich darüber, daß der alte Stawraki, der jetzige Museumsaufseher, und früher einfach ein reicher Mann, daß dieser Stawraki der Enkel eines Schmugglers sei, der sich ein schönes, geräumiges Haus gebaut hatte und auf den Tischen und Diwans all die Wunderdinge und Raritäten ausbreitete, die er i» fremden Ländern gesammelt hatte. Darunter war auch ein persischer Schal, weiß und rosa wie Rosen im Schnee. Sein Sohn Hadrian hatte schon keinen so anständigen Beruf mehr. Er lebte in einer großen Stadt, in Odessa. Dort hatte er einen Laden, in dem Korallen und Kanarienvögel verkauft wurden. Aber sein Sohn, der auch Hadrian hieß, dachte gar nicht mehr daran, den Läden zu übernehmen. Er verkaufte ihn, richtete einen Obsthandel ein, aber selber verkaufen tat er nicht, sondern nahm einen Geschäftsführer. Er selbst fuhr ins Ausland, lebte sehr lange dort, heiratete aber nicht. Dann kehrte er in seine Heimatstadt zurück» setzte das Haus seines Großvaters instand, er schmückte es auch wunderbar aus. Der persische Schal seines Großvaters litt nicht mehr Einsamkeit; er hatte eine ganze Kollektion Kameraden, ebensolche persische Schals wie er. Außerdem gab es dort Bilder, Statuen, alte Möbel, Spitzen und Minerale. So lebte der alte Stawraki, bis er alt wurde. Aber dann kam die Revolution. Das Haus des Hadrian Stawraki wurde in ein Museum umgewandelt und sein früherer Besitzer zum Aufseher gemacht. Als Wohnung wurde ihm ein Eckzimmer zugewiesen, in dem früher eine große weiße Statue lebte, die ein nacktes Mädchen mit einem Spiegel darstellte.- 2 Es ist Sonntag und im Museum sind besonders viele Besucher. Die Tochter der Krämerin Diamando ist schon ganz außer Atem. Sie muß nämlich Eintrittskarten verkaufen und den Besuchern Schirme, Stöcke und sogar Pfeifen abnehmen. Die letzte Vorschrift wird besonders streng befolgt seit dem Vorfall mit dem Fischer Christi, der vor dem Bild des italienischen Malers Canaletto stehen blieb und auSrief: .„Ein schauderhaftes Boot! Verflucht will ich sein, wenn man darin gegen den Wind rudern kann!" Und dabei stieß er mit seiner Pfeife so stark gegen die Leinwand, daß auf der zarten Oberfläche des Meeres ein Loch entstand. Worauf der Vorsitzende des„Fischerbüros", ein junger russischer Bursche, Pavel Sujew, ihm vorwurfsvoll sagte: „Genosse Christo, wir hielten Sie für einen bewußten Menschen, aber Sie haben das Gegenteil bewiesen. Ist es denn überhaupt denkbar, einen Gegenstand der Kunst auch nur mit dem Finger zu berühren? Auf keinen Fall." ; z Di« Arbeiterin Dorotschka Reußmann, braungebrannt, stürmisch, eine begeisterte Sportlerin, die auf dem internationalen Wettschwimmen alle Rekorde geschlagen hat, steht vor einem Gemälde, das eine Spanierin darstellt, in einem steifen Kleid, mit perlengeschmückten Haaren, und erklärt. ihren Freundinnen: „Denkt euch doch nur,- wie daS war, wenn sie sich alle zwei Stunden ihr Haar machten und sich nie richtig wuschen. Und das Kleid... Natürlich haben sie wie Parasiten gelebt." „Aber..."»sie blickt in das Gesicht, sieht darin ein leises Lächeln und fügt fast flüsternd hinzu—„aber sie ist dach sehr schön." Da geht der alte Stawraki vorbei und Dorotschka Reußmann verstummt. An einer anderen Wand steht ein Pionier vor dem Abguß des David von Michelangelo. Er steht breitbeinig da, die Arme auf dem Rücken verschräntt. Seine Mütze ist in den Nacken geschoben, seine rote Krawatte ist fest über der Brust "-rknotet. Schließlich knipst er-Mit den Fingen und ruft aus:„Ein begabter Alter!" „Wer?" fragt streng Stawraki, der seinen Ohren nicht traut. Aber der Pionier ist nicht so leicht einzuschüchtern wie d.ie Arbeiterin Dorotschka Reußmann. «Na, Michelangelo natürlich", antwortet er. „Was doch der Bursche für einen Bizeps hat. Und die Beine! Ja, wissen Sie, der würde bei einem Wettrennen jeden Rekord schlagen, ans jeder Strecke, sogar, wenn er Vorsprung gibt." 3. Der einäugige Afanaffi, jetzt Museumswächter und gleichzeitig Köchin, Waschfrau und Zimmermädchen des alten Stawratt, bringt auf einem kleinen Tablett das* Abendbrot: dicke Sahne in eine« flachen Steingutschale, Gebäck, Butter und Wabenhonig auf einem Weinblatt. Ein köstliches Abendmahl, daS auch ein Grieche der Antike nicht ablehnen würde. Außerdem bringt Afanaffi noch einige Briefe» den gestempelten Fang, den das Meer heMe auf den Schreibtisch des alten Stawraki angeschwemmt hat. Stawraki schraubt den Docht der Petroleumlampe tiefer, verzehrt langsam sein Mahl und überfliegt die erhaltenen Briefe. Sie sind uninteressant. Zwei, drei von seinen Kollegen. Einer von der Zentralbehörde, eigentlich kein Brief, sonders ein« offizielle Verordnung über die Ausfüllung von Fragebogen durch di: Besucher (ein Formular ist beigelegt). Der Alte lächelt ironisch und legt die offiziell« Verordnung beiseite. Und hier endlich ein richttger Brief. Auf einem gewöhnlichen Kuvert ist mit blaffen, ausdruckslosen Buchstaben die Adresse geschrieben. Er öffnet den Brief und liest:.Lieber, teurer Onkel!"— Er hält inne und blickt auf die Lampe; Onkel, ja wessen Onkel ist er denn? (Fortsetzung folgt.). Nr. 102 Donnerstag, 30. April 1936 Seite 3 Sudetendeutscher Zeitspiegel Zum 1. Mai In sämtlichen Mai- Kundgebungen der Deutschen sozialdemokratischen Ar» beiterpartei wird nachstehende Entschließung vorgelegt werden: Präser Arbeiter-Rundfunk zum 1. fiel Die Prager Deutsche Arbeitersendung bringt am F r e i t a g, den 1. Mai von 18 Uhr 10 biS 18 Uhr 50 folgendes Festprogramm im großen Sender des Prager Radiojournals: Ouvertüre zu„FigaroS Hochzeit" von W. A. Mozart LiedderArbeit, Männerchor(von Josef Scheu, Text von I. I. Zapf) Zudieseml. Mai(Gedicht von O. W.) Fest-Ansprache unseres Parieivorfitzenden Ministers Genoffen Dr. Ludwig Czech Wir Frauen!, Franenchor(von S. Kraßnig, Text von G. Mettler) Im Morgenrot, gemischter Chor(von G. Ad. Uthman«, Text von Carl Broch) Rezitationen: Mahnungen, Ahnungen von H. Heine Menschliche Gesellschaft von Fr. Hebbel DaS Brandmal Der Sieg des Lichtes von G. A. v. Maltitz Brüder, zur Sonne, zur Freiheit! Gemischter Chor(russische Volksweise, Text von Hermann Scherchen) Die StaatShymue Die Chöre werden gesungen von der Sängerriege des AtuS Kosolup; Chormeister: Fachlehrer Genosse Franz Hala, Landesvertreter. Die Rezitationen spricht Hans Lichtwitz-Prag. (Etwaige unwesentliche Programm-Aenderungen bleiben Vorbehalten.) » Die Kosoluper Unsere Atus-Sanger von Kosolupbei Pilsen, die bei unserer Maifeier im Prager Rundfunk <18.10 biS 18.80 Uhr) unter der Leitung HalaS Mitwirken werden, verkörpern ein Stück der hochentwickelten Arbeiter- Kultur in unseren Jn- dustriedörfern. Es ist ein angeborener Mangel un serer Bewegung, daß sie keinen großstädtischen Mit- telpunft hat, der zugleich das Herz ihrer sozialen und kulturellen Leistung sein könnte. Unser Schaffen ist auf zahlreiche Kleinstädte und Jndustrieorte verteilt; erreicht aber trotzdem in vielen Organisationen eine so beachtliche Qualität, daß es auch bei festlichen Gelegenheiten repräsentativ hervortreten kann. Die Kosoluper verkörpern auch ein Stück der besten politischen Tradition der sudetendeutschen Arbeiterbewegung. Ihre Treue hat noch nie gewankt. Seit 1919 hat Kosolup«inen sozialdemokratischen Bürgermeister, gestützt auf die ab- solute Mehrheit der deutschen Bevölkerung. Bei der letzten Gemeindewahl im Jahre 1931 wurden von 611 deutschen Stimmen 436 für die sozialdemokratische Liste abgegeben. Am 19. Mai 1935 konnten unsere Kosoluper Genossen die Stimmenzahl der Parlamentswahl vom Jahre 1929 noch um einige Stimmen erhöhen. Me Anstürme der SdP auf dieses sozialdemokratische Bollwerk vor den Toren Pilsens find gescheitert. Seit Jahren schon genießt das rote Kosolup die Ehre, der beliebtest« Tagungsort unserer Kreisorganisation Pilsen-Budweis zu sein. Seine Gast- sreundschaft und die Sangeskstnst der Atus-Riege haben den Delegierten unserer Böhmerwaldorganisationen schon viele frohe Stunden bereitet. Wir sind überzeugt, daß die Kosoluper Sänger auch am 1. Mai ihre diesmal weit größere Gemeinde nicht enttäuschen werden. Frans Hala. Kosolup, sozialdemokratischer. Landesvertreter, Gauchormeister. Eine Atus*Festschrift Der Atus hat dieser Tage eine sehr schöne Festschrift herausgebracht, die nicht nur als literarischer Auftakt des III. Bundesturnfest e s in K o m o t-a u(4. bis 6. Juli 1936) zu betrachten ist, sondern auch noch höheren Wert besitzt, indem sie eine vielfältige Würdigung unserer prachtvollen Arbeitersportbewegung und ihrer sozialistischen Bedeutung darstellt. Das schlanke Büchlein wird sinngemäß mit einem„Gruß über die Grenzen" eingeleitet, dann folgen, nach kampffrohen Versen Hubert Leins« m e r s, große schöne Bilder Masaryks und Bene s's, wieder Verse, die Festordnung, ein Gruß derArbeiter-Sport-Jnter- n a t i o n a l e, ein herzlicher Freundschastsarti« kel des tschechischen SASJ-Sekretärs S i l a b a» warme Begrüßungsworte unseres Ministers Dr. Czech und seines Kollegen N e L a s, dann in langer Reihe instruktive Aufsätze der führenden Funktionäre des Atus. Biele Porträts und eine große Zahl abwechslungsreicher Bilder und Zeichnungen geben der Festschrift schmuckes und interessantes Gepräge. Welcher Geist den Atus und das Komotauer Fest beseelen, geht am deutlichsten aus den Worten hervor, in die Senator Genosse Heinrich Müller seinen Schluß-Aufsatz in der Festschrift münden läßt: Alle Kräfte der klassenbewußten Arbeiterjugend für den Atus als Gegenpol der reaftjonären bürgerlichen Sporwerbände. Es gibt keine Neutralität. Es gibt kein lavieren zwischen den Fronten. Wir drücken unsere Stellung klar aus. Wir wollens«in di e j u n g« K r a f t d e r s o z ialist is ch enMenschheitsbewe- gung. Wir sind Marxisten! Netas über den Kampf um den Arbeitsplatz In einer Versammlung in Bratislava sagte der Fürsorgeminister Jng. Necas in Beantwortung einer Ansprache des deutschen Sozialdemokraten Wagner u. a.: Es wurde mir von den deutschen Sozialdemokraten ein Memorandum überreicht, in welchem besonders der schwierige und verzweifelte Kampf um den Arbeitsplatz betont wird. Ich will deshalb versichern, daß wir die Arbeitsbeschaffung als die wichtigst« politische und wirtschaftliche Aufgabe auffassen. Deutsche Sozialdemokraten ersuchen mich im Memorandum, daß wir ihren schweren Kampf für die Demokratie gegen antistaatliche und antidemokratische Elemente unterstützen. Hiezu erkläre ich, daß wir keine« Arbeiter terrorisieren lassen— weder den tschechischen, noch den deutschen. Die Schaffung eines Gesetzes in dem öffentliche Arbeitsvermittlung gerecht zugunsten der Arbeitslosen, sowie auch der ganzen Volkswirtschaft gelöst wäre, halte« wir auch für eine Staatsnotwendigkeit. Der Einbruch im Chodauer Konsumverein. Dem Kreisgericht in Eger eingeliefert wurde die Frau Hermine Günther aus Tasch- witz, die, wie die in der Angele^einheit des Einbruches in den Chodauer Konsumverein durchgeführten Erhebungen der Gendarmerie ergeben haben, an der Teilung der Beute beteiligt war. Die auf der öffentlichen Kundgebung der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei am 1. Mai 1936 in Versammelten erklären: Die Hauptaufgabe der arbeitenden Klaffe der ganzen Welt ist es, der drohenden Kriegsgefahr zu begegnen und alles für die Sicherung eines dauernden Friedens zu tun. Diese unsere Pflicht werden wir voll und ganz» erfülle«. Wir werden alle unsere Kräfte in den Dienst der Verteidigung unserer Republik stellen, um jene zu stürzen, die den Frieden und die Ruhe in Europa bedrdhe». Wir haben die schrecklichen Folgen des Weltkrieges noch gut in Erinnerung und fordern daher die Arbeiterklasse auf, ihre Kräfte zur Abwehr der Katastrophe zusammrnzuschlietzen, die von den Kriegshetzern in den faschistischen Staaten vorbereitet wird. Wie der Kapitalismus und Imperialismus, so arbeitet auch der Faschismus auf eine« neuen Krirgskonflikt hin. Der Faschismus ist ein Feind der Demokratie und des Sozialismus, ist «in Störer von Ruhe und Frieden, ist eine Gefahr für die Arbeiterklasse. Wir melden uns in die vorhersten Reihen im Kampf gegen de»Faschismus und rufen alle aufrichtigen Anhänger der Demokratie z«r Mitarbeit auf. Wir rufen sie auch zur Arbeit und zum Kampf für bessere wirtschaftliche und soziale Verhältnisse auf. Das arbeitende Volk in der Tschechoslowakei leidet durch die ungeregelten Wirt- schaftsverhältniffe, durch Arbeitslosigkeit, Mangel und Elend. Verschuldet haben dieS die entscheidenden Faktoren im heutigen Wirtschaftsleben, welche einem anarchistischen Treiben den Weg bereitet haben, statt eine ordentliche Wirtschaftsorganisation auszubauen. Schon Jahre hindurch führen wir den Kampf gegen dir Arbeitslosigkeit, um das Lebe« Hunderttausender von Männern, Frauen und ihrer Familien zu retten. Es ist nicht unsere Schuld, wenn nicht die Erfolge erzielt wurden, die wir anstrrben. Alle, die unsere Pläne hintertreißdn, die unser wirtschaftliches und soziales Programm atlehnen, tragen die Schuld daran, daß die Not des Volkes wächst, der Mittelstand der Proletarifierung anheimfällt und der Stand der öffentlichen Finanzen sich verschlimmert. Wir erklären: Es wird nicht Vesser werden, solange nicht das Programm der Sozialdemokratie durchgeführt sein wird. Wir verpflichten uns deshalb feierlich, immer und überall diesem Programm zur Durchführung zu verhelfen und dafür z« kämpfen. Durch seine Verwirklichung geben wir dem Volk Arbeit und Verdienst, verbessern die sozialpolitischen Einrichtungen, sichern den arbeitenden Landwirten und Gewerbetreibenden eine ordentliche Existenz und stellen sie für die Zeit sicher, da sie infolge ihres hohen Alters nicht mehr arbeiten können, ermöglichen den Staats- und öffentlichen Angestellten ein auskömmliches Leben und verbürgen unserer Republik die Voraussetzungen einer gesunden Entwicklun g. Durch die Erfüllung unseres Programme- retten wir auch die Arbeiterjugend und di« studierende Jugend vor der Gefahr des sittlichen und wirtschaftlichen Verderbens. Wir gehen in den Kampf auch gegen jene, die ihr wirtschaftliches Uebergewicht und di« Rot des Arbeiters ausnützen» die Arbeiterschaft unter Terror setzen und sie in die Reihen des Faschismus und der Reattion zwingen. In der demokratischen Republik wird nicht der Terror der Besitzenden herrschen, darf nicht die Existenz der sozial Schwachen vernichtet werden. Wir senden aufrichttge Grütze den sozialistischen Arbeitern in den Staaten, in denen rohe Gewalt und Terror herrschen, in denen die Demokratie vernichtet und die bürgerlichen Rechte und politischen Freiheiten vernichtet wurden. Unser Ruf ergeht an die Reihen der Arbeitsmenschen in Stadt und Land: Kommet zu uns in geschloffenen Reihen und starken Organisationen! Arbeitet mit uns für ein besseres Leven! Kämpft unter unsere» Fahnen für eine starke Tschechoslowakische Republik und für den Sieg des Sozialismus! Honza: Konsolidierung Zentraleuropas Eine Bede des Ministerpräsidenten Im Außenausschuß des Senates hielt gestern Ministerpräsident Dr. Hodra«ine Rede, in der, er u. a. sagte: Es wäre ein großer Irrtum, wollte man annehmen, daß die Erhöhung des handelspolitischen Volumens un> einige Prozent schon einen endgültigen Wandel zum Besseren darstelle. Dabei können wir aber bei uns eine bestimmte Besserung feftstellen, die die Ausmaße der Besserung in anderen, insbesondere den benachbarten Staaten übersteigt. Bekanntlich erzielte die Finanzverwaltung einen sehr bemerkenswerten Erfolg durch die 50prozentige Ueberzeich- nung der Staatsschatzanweisungen. Das ist ein Erfolg, wie wir ihn eben nur in Staaten finden, die wirtschaftlich und finanziell gut fundiert sind. Eine erfreuliche Besserung zeigten* auch die Steuerergebniffe der ersten drei Monate dieses JahreS, in denen der Reinertrag der direften Steuern 632 Millionen XC betrug, während im vergangenen Jahre in derselben Zeit nur 380 Millionen XL eingingen. Die Umsatzsteuer machte in den ersten drei Monaten 631 Millionen XL aus, im vergangenen Jahre in derselben Zeit 515 Millionen XL. Dr. Hodra ging dann zur Erörterung außenpolitischer Fragen über: Der Friede kann nur auf der Linie gerettet werden, die im Außenausschuß Außenminister Dr. Krofta gezeichnet hat, nämlich auf der Linie der kollektiven Sicherheit. Das Interesse der kollektiven Sicherheit ist ein organisiertes und nach Möglichkeit k o n s o* Im Außenausschutz des Senats stellte Genosse Dr. Heller an den Ministerpräsidenten eine Anfrage, welche die Phönix-Affäre betrifft: 1. ob die Prämien weiter bezahlt werden sollen oder nicht, 2. ob eine Liste der in der Tschechoslowakei Bestochenen veröffentlicht werden wird, und 3. ob in der letzten Zeit eine Revision der übrigen Versicherungsgesellschaften, besonders jener, die ihren Sitz im Ausland haben, in der Richtung erfolgt sei, ob ihre Prämienreserven intakt sind. Genosse Dr. Heller wies zur Begründung dieser Frage auf die ungeheure Aufregung hin, in der s.ch die mehr als 300.000 Versicherten des Phönix vrftnden, welche nicht wissen, ob sie die fällig werdenden Prämien bezahlen sollen oder nicht, und ob sie die BersicherungSleistungen er» liöserkes Zen^raleuropä. Die Desorganisation, Unvollkommenheft und Zerfahrenheit dieses geographischen Ganzen würde« den Keim unabsehbarer und bedenklicher Krisen bedeuten.-, Es handelt sich vor allem um die Annäherung zweier großer Komponenten, der Kleinen Entente und der Staaten des Römischen Paktes, d. h. Oesterreichs, Ungarns und Italiens. Die Annäherung zwischen diesen beiden Komponenten bedeutet ein intensiveres Präferenzsystem und seine Stabilisierung. Eine faktische Annäherung zwischen-en Regionen der Kleinen Entente und des Römischen Paktes wurde han- delspolftisch auf der Linie Prag—Wien durch den Abschluß des Handelsvertrages erreicht. Es ist von vielen Voraussetzungen abhängig, ob wir es zum Ausgangspunkt eines allgemeinen Systems werden machen wollen und können. In diesem Falle werden wir auch anderen Staaten besondere Verhandlungen Vorschlägen,-neben Italien namentlich auch Deutschland. Der Präsident der Republik empfing Mittwoch, den 29. April, die Vertreter des tschechischen Zentralvereines der Hochschullehrer in Prag. Weiter besuchte der Präsident der Republik die Ausstellung der Umelcckü beseda im Gemeindehaus und hierauf die Kollektivausstellung des Lebenswerkes des akademischen Bildhauers Prof. Karl Dvokäk im Mänes. Außerdem empfing der Präsident Finanzminister Dr. Josef K a l f u s und den Gouverneur der Nationalbank Dr. Karl EngliS. halten oder nicht. Selbstverständlich forderte Genosse Dr. Heller mit aller Entschiedenheit die Bezahlung der versicherten Beträge, insbesondere jener der minderbemittelten Schichten der Bevölkerung. Weiter verwies er auf die Verlautbarung der österreichischen Regierung, wonach in her Tschechoslowakei vier bis fünf Millionen Schilling, das find 20 bis 28 Millionen Kronen, verteilt worden sein sollen. Auch werden schon Namen genannt und es muß daher im Interesse der Oeffentlichkeit baldmöglichst Klarheit geschaffen werden. Schließlich verwies er darauf, daß gemeldet wird, daß in gewissen Gebieten der Republik Agenten der Versicherungsgesellschaft„Viktoria" Hakenkreuzpropaganda betreiben. Der Ministerpräsident beantwortete dies« Fragen dahin, daß die neue Verwaltung des Phönix in der Tschechoslowakei mit Zustimmung der Regierung in den nächsten Tagen Klarheit darüber schaffen wird, ob und an wen die Prämien zu befählen sind. Eine Liste der Bestochenen sei bisher nicht gefunden worden; sollte dies noch der Fall sein, so werde sie veröffentlicht werden. Was die Revision dtr übrigen Versicherungsgesellschaften betreffe, so findest dieselben fortgesetzt statt, da,ja die staatliche Aufsicht Über Hefe Anstalten besteht. # In einer vom Reichsgewerbeverband einberufenen Beratung derjenigen Stellen, die bisher Anschriften von Phönix-Versicherten gesammelt haben, zu der die deutschen politischen Parteien eingeladen waren, wurde der Beschluß gefaßt, einen Zentralaüsschlutz zur Wahrung der Inter« essen der deutschen Phönix-Versicherten zu schaffen, der sich in den nächsten Tagen konstituieren wird, um sofort die Verhandlungen mit den Regierungsstellen aufzunehmen. Mit der Führung der Agenden wurde vorläufig der Reichsgewerbeverband, Prag II, Graben 26, betraut. Truppenbewegungen an Oesterreichs Grenze? Französische Blätter berichten über ziemlich bedeutsame Verstärkungen des österreichischen Bundesheeres an der bayrischen Grenze. Es wird in diesem Zusammenhang auf die Gefahr eines neuen Naziputsches, auf die Uneinigkeit im Wiener Regierungslagcr und die bevorstehenden Veränderungen in der Regierung hingewiesen. Die österreichischen Gesandtschaften dementierten allerdings die Behauptung, daß eS sich um außerordentliche, mit den innerpolitischen Verhältnissen in Verbindung stehende militärische Maßnahmen handle. Auch die Londoner„Morning Post" macht auf die Gefahr eines RaziputscheS in Oesterreich und auf die Unstimmigkeiten im Regierungslager aufmerksam. Der„Manchester Guardian" schreibt, Deutschland würde ein großes Risiko auf sich nehmen, wen» es in die inneren Verhältnisse Oesterreichs eingriffe. Das„Prager Tagblatt" meldet aus London, daß auf deutscher Seite in der letzten Zsit eine auffallende Militärische Tätigkeit beobachtet worden sei. Sir Austen Chamberlain, der von seiner Mitteleuropareisr nach London zurückkehrte, sagte in Wien z« Journalisten, daß zwar keine englischen Garantien für Mitteleuropa existierten» datz aber England im konkreten Falle imstande sei, durch rasche Entscheidungen einzugreifen. Heue Unruhen In Polen Krakau. Die blutigen Arbeiterunruhen in Polen nehmen ihren Fortgang. I« der Fabrtt- stadt Chrzanow im Krakauer Kohlenrevier wiederholte« sich im Laufe des festigen Tages die bereits gestern ausgebrochenrn Arbeiterunruhen und führten zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei, wobei es zwei Tote und viel« Ber, letzte gab. Soll man Phönix-Prämien bezahlen? Dr. Hodta: Klarheit erst In einigen Tagen Seite 4 Donnerstag, 30. April 1936 Jagesneuigkeiten Hungerjahre und Festzeiten ,, 1 Prozent" Der Berliner Korrespondent der„ Neuen 3ürcher Zeitung" bringt in einem Bericht über den Stand der politisch en Häftlinge in Preußen folgende, offenbar aus authentischen Quellen stammende Zahlen: im Spiegel der Fleischkonsumstatistik Die in den„ Mitteilungen des Statistischen, fleisch an dieser Konjunktur gar nicht teilnimmt. Staatsamtes" fürzlich erschienene Statistik über den Rindfleisch ist eben, wofern überhaupt erschwinglich, Fleisch- und Fettkonsum. der. Bevölkerung unseres geschäßte Alltagsnahrung und kein Festschmaus. BeStaates enthält eine Reihe interessanter Daten. zeichnenderweise läuft die Verbrauchskurve des RindGleich das einleitende Diagramm, das die Schwan- fleisches( ohne stürmische Schwankungen) ungefähr kungen des gesamten Fleisch- und Fettverbrauches im parallel mit dem bekannten jaisons auf der lebten zwölf Jahre darstellt, ist in doppel- mäßigen Steigen und Sinken des all ter Sinficht bemerkenswert. Zunächst bestätigt uns gemeinen Beschäftigungsgrades. diese graphische Darstellung Was den Fleischgenuß im allgemeinen betrifft, das starke Absinken des Fleisch- und Fettkonsums so strebt er im weiteren Lauf des Jahres dem mit Einbrechen der Krise als Folge der gesunkenen sommerlichen Minimum Kauffraft, Ende 1935 befanden sich einzig in PreuBen 109.000 Häftlinge in den Gefängnissen. Im Jahre 1932 waren die preußischen Gefängnisse nur mit 37.000 Häftlingen besetzt. Gerade die das in der Mitte des Jahres 1931 einfeßt und feikleinen Delifte liefern gegenwärtig das Haupt- nen Tiefpunkt im Sommer 1933 findet. Von da kontingent, weil die Milderungen der liberalen an beginnt ein Wiederanstieg. Eine aufschlußreiche Aera( bei Gefängnisstrafen von weniger als Ergänzung findet die Darstellung der jährlichen sechs Monaten war früher die bedingte Verur- Durchschnittszahlen durch ein weiteres Diagramm, teilung an der Tagesordnung) nicht mehr beste- das es ermöglicht, den Konsum innerhalb der ein hen. Von den 109.000 Strafgefangenen in einen Monate der zwölf Vergleichsjahre Preußen sind 27 Prozent aus politischen Grün-( 1924 bis 1935) zu verfolgen und die VorausPreußen sind 27 Prozent aus politischen Grün- febungen gewisser, sich im Streislauf jedes Jabres den verurteilt worden( also fast 30.000, nur um regelmäßig wiederholender, und zwar sehr bedeuten7000 weniger, als die Gesamtzahl der der Schwankungen zu untersuchen. Häftlinge vor drei Jahren betrug). In Groß- Daß der Fleisch- und Fettverbrauch in der falBerlin sind sogar annähernd 50 Prozent der Ge- ten Jahreszeit größer ist, als im heißen Sommer, fängnisinsassen politisch Verurteilte. Die Ge- wird nicht wundernehmen. Im Winter braucht der fängnisse sind derart überfüllt, daß ehemalige Körper, wie wir wissen, viel mehr Heizstoff. Das Strafanstalten wieder in Gebrauch genommen Diagramm zeigt uns nun eine ganz steil aufsteiwerden mußten." gende, aber ebenso steil wieder abfallende Konsum Spitze, und zwar keineswegs zur kältesten, Zeit des und " Jahres( Jänner- Feber), sondern gerade zur Beit des Jahreswechsel 3. Die Deutung Wie der Korrespondent der„ N. 3. 3." noch ausdrücklich bemerkt, sind in diesen Zahlen nur die gerichtlich Verurteilten er- liegt nahe: in diesem jähen Steigen und Fallen des faßt. Die Untersuchungsgefangenen, die„ Schutz- Fleischverbrauches( im Vorjahr: sommerliches Minihäftlinge", die Insassen der Konzentrationslager num etwa 350.000 Zentner, Neujahrsmarimum als neueste Errungenschaft der Er- 640.000!) finden ganz einfach die traditionellen ziehungshäuser" sind darin noch gar nicht inbe- Weihnachts- und Neujahrsbraten griffen. Wenn man noch dazu nimmt, daß es auch außerhalb Preußens wesentliche Wider standszentren gegen die Naziherrschaft gibt ( Hamburg, Leipzig, der katholische Süden), dann kann man sich einen Begriff davon machen, wieviel Hunderttausende im Dritten Reich es trot allem gewagt haben, ihre Opposition gegen das faschistische Regime zum Ausdruck zu bringen! Presse tundgemacht. Mussa Ali JANAKIL Juhum USSA Kilelu FRANZ. SOMALI Obok Djibuti OZela iredaud Bulhar Hargeisa Djimba. Dawaali Gagab Nr. 102 Karam Bohot le Gobad Abasswer Harag Djid Worof Bia Koboba Berbera Da bas Dowai Scheich Djildesa BRIT. SOMALI larrar Ras' Nasibu Djidjiga Kirrit Dagabur Jasabaneh Milmil OGADEN Generall Agostini Frusci Gertorubi Gorahai Galadi Bur Suga Halla Bari Dabar Djilie Gallala Djerraseli 3u, wobei der nähere Verlauf in verschiedenen Jah- orgorà ren allerdings nicht ganz gleich ist. Auch in der Saison des geringsten Fleischkonsums( etwa von abdula Juni bis Oktober) zeigen sich in einzelnen Jahren plößliche vorübergehende Konsumsteigerungen, in denen offenbar ein weiterer maßgebender Faktor in Erscheinung tritt: nämlich die Martt Iage: Bemerkenswerterweise sind solche Konsumsteigerungen besonders in den Jahren der Dürre und des Futtermangels zu verzeichnen, der viele kleinere Bauern zu Notverkäufen und Notschlachtungen zwang, was einen vorübergehenden Preissturz auf dem Fleischmarkt zur Folge hatte und damit zeitweise erhöhte Kauffähigkeit der Kundschaft. Eine dauernde Erhöhung der allgemeinen Kauftraft wäre heute weitesten Kreisen zu wünschen. Im Jahre 1935 entfielen auf jeden Staatsbürger pro Jahr 27.29 Kilo und das Fleisch und 5.25 Kilo tierische Fettstoffe sind feine befriedigenden Ziffern. Wertschätzung, deren sich die verschiedenen Fleischior Interessant ist übrigens die unterschiedliche, ten in den einzelnen Teilen der Republik erfreuen. Die Beliebtheit des Rindfleisches sinkt von Westen nach Osten. In Böhmen bildet das Rindfleisch 44.6 Prozent des gesamten Fleischkonsums, in Mä ihren Ausdruck. Die Ursache dieser Konsumsteigeren Schlesien nur 39.2 Prozent, in der S10= rung ist ein eingelebtes allgemeines wafei 34.4 Prozent und in Karpathorußesttagsbedürfnis, das sich auch in den land nur 32.4 Prozent. Dagegen erfreut sich schwersten Strifenjahren, obwohl herabgedrückt, sehr deutlich geltend macht. Die Richtigkeit dieser Annahme bestätigen uns die Spezialtabellen, aus denen hervorgeht, daß an dieser stürmischen Konsumsteige rung vor allem das Schweinefleisch beteiligt ist, also der herkömmliche Festbraten breitester Schichten, wogegen das Rind General Birkuth General Jmi Nasi pjeldo Geladi Ual Ual Danane Harrehuno WEBI SCHEBELI Djallen Bodle Voladeje AFGAB Bahat Dolo Mekunno JTAL. SOMALI Zu den Kämpfen an der Südfront Eine Uebersichtskarte vom südabessinischen Kriegsschauplatz, auf dem die Italiener nun auch die Ents find hier aber größer als sonst an einem Teil der scheidung erzwingen wollen. Die Schwierigkeiten Front, denn die Abessinier haben sich in monatelanger Vorbereitung gut verschanzt und leisten er bitterten Widerstand. Den in drei Kolonnen vorrückenden Italienern blieb bisher ein entscheidender Erfolg versagt. Schweinefleich und Kalbfleisch in den zwischen dem vorderasiatischen Staatenblock( Türkei, östlichen Ländern weit größerer Beliebtheit, während Iran, Afghanistan, Irak) und dem arabischen Staadas Pferdefleisch in Böhmen und Mähren tenblock( Irak, Saudi- Arabien, Yemen) zufallen. zwar nur 1.5 Prozent des konsumierten Fleisches ausmacht, in den Ostländern aber nur den fünf> zehnten Teil selbst dieses bescheidenen Kontingentes. rb. Tod im Steinbruch. In dem der staatlichen Forstverwaltung gehörenden Steinbruch bei Uzhorod arbeiteten Mittwoch in einer Höhe von fünf Metern der 44jährige verheiratete Arbeiter Johann Pastelhat und der 26jährige ledige Arbeiter Andreas Mulesa aus der Gemeinde Zářici im Bezirke Berečin. Sie stürzten ab und erlitten schwere Verlegungen. Pastelhak ist bald nach der im Uzhoroder Krankenhauſe durchgeführten Operation seinen Verlegungen er legen. 2. Mai schulfrei! Aus pädagogischen Gründen seßte der Unterrichtsminister durch Erlaß Nr. 58.403/ 36 fest, daß Samstag, den 2. Mai d. I. mer nicht zurückgekehrt war, schickte das Polizei- Das Geheimnis der Sannikow- Insel. Der an den Volks-, Bürger-, Mittel-, Handels-, Ge- fommissariat einige andere Beamte hin, da es berühmte russische Eisbrecher ,, Sadko" wird diewerbe- und Fachschulen, die dem Ministerium für doch immerhin möglich war, daß ihm etwas zu- sen Sommer eine Aufgabe zu lösen haben, die Unterricht und Volksaufklärung unterſtehen, ein gestoßen war. Zu ihrer Verblüffung erfuhren sie, feit fünfviertel Jahrhunderten die Schiffahrt beschulfreier Tag ist. Dieser Erlaß wird durch die daß man den Beamten in durchaus freundschaft- schäftigt. Im Jahre 1810 wurde von dem ruſſilicher Weise mit Senora Pastor hatte weggehen schen Kauffarteischiff Sannifow" im nördlichen Ein mutiger Pastor. In Hannover wurde der Flucht dreier Strafgefangener. Aus dem sehen. Einen Koffer, den der Beamte ritterlich Eismeer eine Insel entdeckt, die den Namen des Pastor Middendorf, Mitglied des Rats der Bekenni Landes- Steinbruch in Olšovec bei Mähr.- Weiß getragen hatte, ließ darauf schließen, daß er ihren Schiffes erhielt. Sie sollte zwischen dem 78. und niskirche und das Haupt der Bekenntnisgemeinde zu kirchen gelang es am Dienstag, den 28. April, Verführungsfünsten erlegen und ins Lager der 80. Breitegrad liegen. Die Sannitow" sah sie Bentheim, verhaftet, weil er ein hohes Maß von den beiden Strafgefangenen Josef Sedlaček Monarchisten übergegangen war. deutlich aus 15 Meilen Entfernung, so daß ein Zivilcourage aufgebracht hat: der Pastor hatte näm aus Strben bei Olmüß und Josef Doležal, Irrtum ausgeschlossen schien. Seitdem hat man lich, als ihm bekannt wurde, daß bei den„ Wahlen" welche in der 3wangsarbeitsanstalt Italienische Kulturarbeit". Berichte aus wiederholt nach dieser Insel gesucht, ohne sie fin- bom 29. März auch die ungültigen, d. H. unbeschrie waren und aus Brünn zu Steinbrucharbeiten ge- Ostafrifa, die in der gesamten italienischen Presse den zu können. Nansen teilte mit, daß er in der benen Wahlzettel einfach zu den Ja- Zetteln gelegt schickt worden waren, in einem unbewachten in großer Aufmachung veröffentlicht wurden, er- Nähe große Landvögel gesehen habe, aber fein und mit ihnen als Ja- Stimmen gezählt wurden, den Augenblick zu fliehen. Am Mittwoch um zählten, daß die neugeschaffene italienische Ver- Land. Jetzt wird Professor Samoilowitsch end- Behörden einen Brief geschrieben, in dem er diese 15 Uhr 30 ist der bei Arbeiten in Littiz bei Pil- waltung für die eroberten Gebiete in Ostafrifa, gültig festzustellen haben, ob es sich um eine Sage Art der Stimmzählung als eine„ Gaunerei" besen beschäftigte Sträfling Emil Bečvat, 30 die Einrichtung von Schulen angeordnet hat, in oder um eine optische Täuschung handelt. Vielzeichnete. Jahre alt, ledig. Stutscher, entwichen. Er hat in denen italienisch und amharisch als Unterrichts- leicht wird Rußland durch diese Expedition eine Der neue Chaplin Film ungefürzt. Die tschecho der Strafanstalt Bory eine achtjährige schwere sprache verwendet wird. Stimmungsberichte füh- Polarinsel mehr haben. slowakische Filmzensur, die ansonsten nicht durch bes Kerferstrafe wegen Notzucht und Schändung zu ren uns in die Schulklassen, wo kleine Abessinier verbüßen. Er ist kleinerer Statur, hat schwarze, unter der Obhut italienischer Lehrer in die schwie- Ein gründlicher Kammerjäger. Ein Haus fondere Toleranz hervorragt, hat sich im Falle des furz geschorene Haare, ovales Gesicht, dunkle rige weiße Wissenschaft des Lesens und Schrei- in dem Pariser Vorort Asnieres beherbergte, ab neuen Chaplin- Films zu einer besonderen Tat auf: Augenbrauen, braune Augen, große Nase, großen bens eindringen, mit den Errungenschaften der gesehen von seinen Bewohnern, Scharen von gerafft: der Film wurde für die Tschechoslowakei Mund, gesunde Zähne und spricht tschechisch. Er italienischen Stultur" bekanntgemacht werden, Wanzen und Schwaben, so daß man sich endlich völlig ungekürzt freigegeben.( In Deutschland wurde der Film bekanntlich verboten.) trägt Anstaltskleidung und ist ohne Müze. wobei aber das Sprechen und Lesen in der am- entschließen mußte, den Kammerjäger zu rufen. Auf dem Gipfel des Vesuv bildet sich in einer Gnade für Eckener. Der Reuter- Bericht- harischen Muttersprache nicht vernachlässigt wird. Dieser erschien und vergaste nach den neuesten erstatter meldet aus Berlin, daß die Weisung des In Südtirol, dem uralten deutschen Kultur- wissenschaftlichen Methoden Zimmer und Keller Entfernung von 200 Metern des Hauptfraters ein Propaganda- Ministeriums an die deutsche Presse, lande, dürfen 30.000 deutsche Kinder ihre de ut- des Gebäudes. Sämtliche Mietsparteien des Hau- neuer Krater. Aus dem neuen Schlund strömt, den Namen Dr. Eckeners nicht anzuführen, aufge- che Muttersprache in der Schulses mußten ihre Wohnungen räumen und ver- flüssige Lava, die sich schnell in der Richtung zum nicht erlernen, deutsche Mädchen, die einige sammelten sich erivartungsvoll im gegenüberlie- Monte Somma ins Höllental ergießt. Neue Briefmarken. Am 30. April werden Unglück beim Manöver. Bei den Manövern Kinder zu Hause in der Muttersprache unterrich genden Café, um der Dinge zu harren, die da ten, werden unnachsichtlich verfolgt und bestraft kommen sollten. Auch der Kammerjäger, freund zwei neue Briefmarken in Umlauf gebracht, welche der österreichischen Bundesarmee überschlug sich auf einem engen Weg ein Tank. Ein Leutnant wurde und jedes in der Schule gesprochene deutsche Wor: lich eingeladen, betrachtete mit ruhiger Sicherheit das Denkmal des Dichters K. H. Mach a auf getötet, der Kommandant des Angriffswagen- wird ihnen als strafwürdiges Vergehen angerech das hermetisch abgeschlossene Gebäude. Seine dem Brager Laurengiberg zeigen. Die 50- HellerBataillons Oberst Theiß schwer verletzt. Die net. Man kann sich daher leicht ausrechnen, wie ausführlichen Erklärungen über die unfehlbaren Marke wird grün, die 1- Kč- Marte rot ein. Uebung der Angriffswagen wurde nach diesem Un- viel an den„ Kulturberichten" der Italiener wahr Wirkungen der neuen Gaskombination wurden ist, nämlich nichts! glück abgebrochen. hoben wurde. Der galante Polizist. Ein Polizeibeamter in Madrid wurde damit beauftragt, bei dem geflüchteten Monarchistenführer Pastor eine Haussuchung vorzunehmen und seine Frau zu verhaften. Als er nach einigen Stunden von diesem Wege noch im Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Freitag: unerwartet durch einen donnerähnlichen Krach illustriert. Alles stürzte auf die Straße, und die Vom Rundfunk Kampf um Rakosi. Die königliche Kurie in Bewohner des verivanzten Hauses glaubten zu empfehlenswertes aus den Programmen! Budapest befaßte sich Mittwoch mit den Rekursen träumen, als das ganze Haus durch den Gasdruck der Verteidiger des ehemaligen Volkskommissärs zersprengt und in sich zusammenbrach. In der Rakoji in der Frage der Zusammenlegung seiner Tat war keine Wanze, sei es durch Gas, sei es Prag, Sender 2: 7.30: Konzert aus Karlsbad, beiden Zuchthausstrafen. Rakoji wurde nämlich durch Steinschlag, dem Tode entronnen. Die 8.30: Mužits Salonquartett, 10: Orchesterkonzert, im Jahre 1925 wegen fommunistischer Propa- Rechnung des Kammerjägers wurde nicht liqui 11.45: Operngesänge auf Schallplatten, 12.15: gandatätigkeit zu achteinhalb Jahren Zuchthaus diert. 16.45: berurteilt und hat diese Strafe auch abgebüßt. Be- Vertrag Jrak- Yemen.( AP) Die Tange Reihe Orchesterkonzert, 13.45: Schallplatten, vor er aber auf freien Fuß gesetzt wurde, wurde der vorderasiatischen Freundschaftsverträge ist noch Tanzmusit, 17.35: Deutsche Sendung: Reportage Prag. Bei der Mittwoch- Ziehung der V. Klasse er wegen seiner während der Rätediktatur ver- immer nicht abgeschlossen. Auf den Vertrag zwischen aus Karlsbad, 18.10: Arbeiterfunk: Feier zum 1. der 34. tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden übten Delifte im Jahre 1935 zu lebenslänglichem Jrat und Saudi- Arabien soll nunmehr auch ein Ver- Mai: 18.50: Deutsche Presse, 19.10: Tschechischer folgende Lose gezogen: Zuchthaus verurteilt. Der Gerichtshof hatte die trag zwischen Irak und Yemen folgen, der sich au3 Arbeiterfunk. Sender S: 14.30: Deutsche Sendung: Prag, 29. April. Bei der heutigen Ziehung der Rusammenlegung der beiden Strafen abgewiesen. dem Vertrag zwischen Saudi- Arabien und dem Von Staat und Freiheit, klassische Szenen aus ,, Kas 5. Klasse der 34. tschechoslovakischen Klassen- Die Sturie annullierte das Urteil des Gerichts- Yemen nach Beendigung des Krieges zwischen bei- bale und Liebe" ,,, Dantons Tod", 15.30: Soldan: lotterie wurden nachfolgende Gewinnste ge- hofes und stellte fest, daß die Zusammenlegung der den Ländern logisch ergibt. Damit wäre der Ring Frühlingspoesie. Brünn 17.50: Deutsche Sen Kč 20.000 die Lose Nr. 4.874 46.558 80.036. Strafen gesetzlich begründet und daher am Plaze vorläufig geschlossen. Die treibende Kraft hierbei dung: Dr. Epstein: Präsident Masaryk und die Kč 10.000 die Lose Nr. 24.486 71.005 109.764. fei. Gleichzeitig wurde der Gerichtshof angewie- ist Ibn Saud, der sich mit aller Kraft um eine Eini- Weltrevolution, 22.30: Tanzmusik. Kaschau Kč 5.000 die Lose Nr. 11.031 13.537 17.720 sen, diese Maßnahme in merito durchzuführen. gung der arabischen Länder bemüht. Es ergäbe sich 19.35: Militärkonzert. 22.593 23.069 26.098 40.185 45.624 62.129 77.768 n der Urteilsbegründung wird ausgeführt, daß dann eine arabische Triple- Allianz. Die politischen Mährisch- Ostrau 17.50: Rakoji in der Zwischenzeit keine Minute die Frei- Ereignisse am Roten Meer haben diese Entwicklung Deutsche Sendung: Erwin Ott liest aus eigenen Kč 2.000 die Lose Nr. 303 6.701 9.208 9.466 heit zurüderlangt hat. Infolgedessen bestand keine sehr gefördert. Ibn Saud ist aber auch hiermit werken, Liederkonzert. 10.760 13.564 20.596 23.054 23.614 24.345 25.197 Ursache für die Verweigerung der Zusammen- noch nicht am Ziel seiner Wünsche. Er ist testrebt. 29.613 30.963 32.867 35.228 36.027 39.516 40.021 legung der verschiedenen Strafbemessung. Die nunmehr auch eine Annäherung Arabiens an Aegyp= Die neue Sendestation T. G. Masaryk in Ban 58.993 61.278 63.105 63.326 64.539 64.819 64.910 braktische Bedeutung dieses Urteiles ist die, daß ten zu erzielen, mit dem seit 1926 wegen eines Zwi- ffá Bystrica wird erst am Sonntag, den 24. Mai 66.623 71.009 71.358 71.966 72.785 75.763 75.841 akosi, wenn er sich kein Disziplinarbergehen zu fchenfalles mir noch notdürftige Beziehungen unter 1936 in Dienst gestellt werden. Es wird dies in 76.916 81.177 86.626 86.876 88.2 91.690 92.227 chulden kommen läßt, bereits im Jahre 1940 auf balten werden. Im übrigen würde nach der neuen feierlicher Weise in Anwesenheit des Vorsitzenden freien Fuß gelangen könnte. Konstellation jetzt dem Jraf die Rolle eines Mittlers der Regierung und einiger ihrer Mitglieder geschehen, zogen: 97.101 106.420 110.373. 41.861 49.792 51.692 53.492 53.961 56.128 56.589 94.262 98.444 101.818 101.917 107.875 109.842. Seite 5 Nr. 102 Donnerstag, 30. April 1936 So wesentlich die Demagogie in jeder Form tionalbank und einige Justizgeseze verwirklicht wers Wandlungen der ,, Deutschen Hochschule für Politik" dem auf Betrug gegründeten falten Faschismus ist, den konnten, andere Vorlagen jedoch durch die ( Von einem Hörer) in einem Lande mit nicht so überflüssig, ja hinderlich wird sie in dem auf Landsthingmehrheit vereitelt wurden. So auch der offene Erpressung gegründeten eigentlichen Faschis Plan, 36 Millionen Kronen( 180 Millionen Kč) Diese ursprüngliche Linksgründung bot einen zu lernen. Der katastrophale Prüfungsausfall erklärt mus. Die Erpressung sekt nur den zeitweiligen Bezugunsten langfristig Arbeitsloser und zur Arbeitset iterien Funktionärkurs allen, die weder Mittel sich aus allgemeiner Begabtenausmerzung, besonders trug voraus, mit dem aber, gerade zweds Durch beschaffung aufzunehmen. Die kommende Wahl muß noch Verbindungen hatten, durch reguläres Studium der schon vor 1933 Immatrikulierten. führung der Erpressung, gebrochen werden muß, um darin Wandel schaffen. Die Hoffnung auf ihren Verivaltungsstellen zu erreichen. Für geistig minder Die Abhängigkeit, in die verlorene Zeit bringt, an seine Stelle die unverhüllte zynische Drohung zu glücklichen Ausgang wird verstärkt durch die sehr autarke Dozenten war die DSP ,, außerparlamenta die bis in den Mutterleib zurüdverlegte Psycho- jezen. Die Fortdauer demagogischer Illufionen be- gün stige Entwidlung der sozial rischer Stützpunkt" gegen die unkontrollierbare Per- analyse rassischer und politischer Verdächtigung, der einträchtigt geradezu die Wirksamkeit erpresserischer demokratischen Partei. Im vergangenen jonalpolitik regulärer Fakultäten. So wurde die 3wang zur Vereinsmeierei, die Provokation der Drohungen. So wird der kulturelle Abbau geradezu Jahr hat sie 25 neue Ortsgruppen mit 3147 MitHP der Ort, wo Praktiker für Praktiker sprachen. Ausländer, die Rekrutierungen und der Abbau aller eine Lebensnotwendigkeit für den Faschismus. Eine gliedern gewonnen. Seit 1929, dem Jahr des ReHeute ist sie politische Beobachtungs- und Begabten Sozialeinrichtungen dezimiert die Hörerzahl wach- teilweise Ausnahme bildet die Auslandspropaganda, gierungsantritts des Kabinetts Stauning, beträgt prüfungsstelle für die Kategorien aus HI, SA, NS- send. An ,, Sozialeinrichtungen" besteht nur noch das weil Objekt dieser Demagogie nur jene Bevölkerungs- das Wachstum der Partei 163 Organisationen mit Frauenschaft, akademische Abteilung. Kein Unterricht, auf Ausübung des Gastwirte- und Vermietergewerbes schichten des Auslandes sein können, die nicht auch 50.000 Mitgliedern. Insgesamt hat die dänische sondern Schulung" in seelischer Teilhaftigkeit am feitens des NSDStB begründete ,, Kameradschafts- Gläubiger find. Hinzu tritt die Rationalisierungs- Sozialdemokratie jest 1232 Organisationen mit großen Stickstoffgeschäft, bei Ahnungslosigkeit über haus", zu dessen wirtschaftlicher Unabhängigkeit. Der und Monopolisierungstendenz nach innen und 195.142 Mitgliedern feine Grundlagen. Da die DHP aber auch darin Stempel ,, Erwerbslos" im Studienbuch der DSP außen. Der letzte Rest von Demagogie ist hier der viel über 3 Millionen Einwohnern! Im Oktober feine Führerbefähigung verschafft, sondern auswählt, wurde ab Frühjahr 1935 viermal so groß als frü- berufsständische Ritus als Ersatz für nicht beschaff- erhielt sie 46 Prozent aller Wählerstimmen. wer in militärische, bürokratische, auslandspropa- her und rot. Das ist Blumensprache. bare Arbeit. Diese Gesamtlage zeigt auch die DHP. gandistische Nurse fommt, ist sie heute Mitte Iich u I e. Dies wurde nicht deutlich in der Ueber= gangszeit, wo jene noch nicht bestanden. Herbst 1932 unterschieden sich Debatten von Jugendbewegten und ..Bündischen" der DHP, von denen auf lieberalen Versammlungen weder im Wortschatz noch in einem Rechtssyndikalismus, der unbewußt von Burckhardts Polis" in die Autarkie führte. Dieser politische Solipsismus entstand in fleinen Kreisen, nicht in der Massenorganisation. Diese innere Gleichschaltung der ,, kommenden" gipfelte zwischen BVG- Streit und Reichstagsbrand. tale. werden. " Internationale Führertagung der Sozialistischen Erziehungs- Internationale Wie Frankreich wählte Am Sonntag schritt das französische Volk im ersten Wahlgang der Kammerwahlen zur Urne. Oben wählt der frühere Ministerpräsident und Außenminister La va l; uns ten: Frankreichs Staatspräsi= dent e brun. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Plan gegen Arbeitslosigkeit in USA Präsident Roosevelt hielt fürzlich seine erste große Wahlrede, in welcher er sich mit den Problemen der Arbeitslosigkeit eingehend be= schäftigte. Als Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit schlug Roosevelt die Beschrän fung aller Arbeitenden auf den Zeitraum bis zum 65. Lebensjahr vor. Eine solche Beschränkung würde eine längere und gründlichere Schul- und Fachausbildung der amerikanischen Jugend ers möglichen. Gleichzeitig mit einer solchen Beschränkung müsse die Schaffung eines Planes als wünschenswert bezeichnet werden, der den älteren Arbeitern gestatte, sich in einem sicheren Ruhestand ohne Sorgen um das materielle Wohl zurückziehen zu können. Als ältere Arbeiter bezeich nete Roosevelt diejenigen, die das 65. Lebensjahr erreicht haben. Die Industrie, sagte Roosevelt, könne in weitem Maße an einer Erhöhung der Absatzmög lichkeiten mitwirken, wenn sie eine vernünftige Herabsetzung der wöchentlichen Arbeitsdauer unter Beibehaltung des gegenwärtigen Lohnniveaus vornehme. Was die Regierung erreichen muß, ist eine gewisse Stabilität in den Anstel= lungsverhältnissen und die Zahlung von angemess senen Minimallöhnen. Man behauptet, fuhr Roosevelt fort, daß bei voller Prosperität immer eine ständige Armee von Arbeitslosen zurückbleiben werde. Ich kann diese Behauptung nicht gutheißen. Niemand, der Verständnis hat für menschliche Werke, wird eine solche Theorie an= nehmen. Aus diesem Grunde wollen wir nicht nur die Prosperität wieder erlangen, sondern wir herantreten. Aft betreffend Export in der ministeriellen Schublade.„ České Slovo" schreibt: Samstag Gablonzer Gürtlergenossenschaft statt. Es wurde fand in Gablonz die Jahresversammlung der beschlossen, gemeinsam mit der Reichenberger Handelskammer und dem Gremium der Exporteure eine Delegation nach Paris zu entsenden, damit sie dort wegen der Freigabe des Erports Gablonzer Waren nach Frankreich verhandle. Auf der Versammlung wurde mitgeteilt, daß unser Han delsministerium die Lage der Gablonzer Industrie dadurch erschwert hat, daß es das Schriftitüd mit der Erklärung Frankreichs, das bewilligte Kontingent werde bald erschöpft sein, in eine Schubüberhaupt nicht verständigte. So geschah es, daß lade steckte und die Gablonzer Industrie einfach man sich in Gablonz nicht rechtzeitig um eine Neuregelung befümmern konnte. Im Jänner hätte noch ein Ausweg gefunden werden können, im März nicht mehr. Der Gablonzer Industrie droht Gefahr aus England, wo die Erzeuger von Schmuckartikeln bei der Regierung vorsprachen, damit bei der diesjährigen Krönung nur in England erzeugter Schmuck verwendet werde. Die Erfüllung dieser Forderung würde für die Gablon zer Industrie den Verlust einer großen und guten Bestellung bedeuten. Hier sollte das Ministerium eingreifen und so den schweren Fehler wieder gutmachen, der durch die Verlegung eines wichtiger Die neuen Dozenten der Vortrags und Diskusfionsabende der ,, Politischen Gesellschaft" und ,, Fichtegesellschaft"( deutschnational- freifonservativ, gemäß Behrers Mitteleuropa- Hegemonie- Projeft) berschwanden mit Ausnahme des Generals von Mezich in Kürze; Cleo. Pleyer, Boehm und Dovifat, die zubiel wußten, tauchten 1934 wieder auf. Doch vertraute man ihnen die grüne gefährdete Jugend der DHP kaum noch an, nur die akademische, rechtslibeWinter 1933 brachte die Politische Gesellschaft eine Pressekorrespondenz der Opposition besonders gegen Rust heraus, die April 1933 einging. Mai 1933 wurde Cleo Pleyers ,, Bündischer" nach erbittertem Versammlungskampf gegen Aufsaugung durch SA und NSDStV verboten. Die Presseforres spondenz ging auch an Ausländer. Die auswärtige Wirtschaftsberichterstattung war behutsam, im Sinne Behrerscher Mitteleuropaföderation. Sie führte 3. B. den Rückgang nordböhmischer Tuch- und Glasindustrie zurück auf russische Massenausmietung der Speze und Unterbietung auf dem Kolonialmarkt. Auf diese rechtsliberalen folgten in der DHP die eigentlichen ,, alten Kämpfer": Dr. v. Leers ,,, Angriff" Redakteur aus der Zeit, als dieser noch in einem Keller an der Potsdamer Brücke begetierte; Bofinger, als NSDStV- Führer Nachfolger Horst Wessels im Studentensturm 5/6, leitete an der DHP die HJ- Schulung. Dr. Kleist, auch aus dem NSDEIB fen, was wohl in der jetzigen Lage der„ Tiger" wollen an alle Probleme, die sich uns stellen, hervorgegangen, ging bereits Herbst 1933, vorher. unternommen hätte. Mordacques zitiert dabei Leiter des Sozialamts der DHP, zu dem um die folgenden Ausspruch von Clemenceau aus wirtschaftliche Osteuropaverständigung seinem Buch ,, Glanz und Elend des Sieges": bemühten ..Osteuropaverlag" über. In Leers fürchtete Goebbels Im Anschluß an die Situng der Exekutive derm Zentrum Europas lebt ein toller Hund, dem seinen einzig vorhandenen Ersatzmann, ließ ihn ge- Sozialistischen Erziehungs- Internationale fand am Wölferbund? Aber er ist kraftlos, das ist ja allen man unbedingt einen Maulforb anlegen muß. gen alle Parteianciennität nicht Berliner Gauleiter 12. und 13. April in der Arbeiterhochschule in flar. Pafte? Locarnovertrag, der alle gegen alle Brüssel- Uffel eine internationale Führertagung statt. schüßt? AberDeutschland wird ihn Ende 1935 brödelte es an der DSP unter dem Ueber 40 Faltenführer aus Holland, Belgien( Fla- wie einen Feßen Papier zer unakademischen, zähesten Teil der Alten Kämpfer"-men und Wallonen), England, Frankreich, Schweiz, reißen, sobald es ihm vorteil Dozenten, dem Schlosser Hadamowsky, dem Ver- Polen und der Tschechoslowakei hatten sich zu dieſer haft erscheinen wird. In den Gejammlungsreporter Seehofer, dem Razzialeiter Führertagung eingefunden, um in diesen beiden heimatten der Wilhemstraße liegt schon alles das Schulze- Wechfungen. Fragen gemeinsam Stellung zu nehmen. Im Mit- für Notwendige vorbereitet. Interessant ist die Herbst 1933 übernahm der NSDEIB, mangels telpunkt des umfangreichen Programmes stand ein Meinung von Mordacques über die the inKorporationen an der DSP, dasselbe Monopol, wie Referat des Genossen Kurt& öwenstein Paris befestigungen. Er hat nämlich selbst die über das Thema: Disziplin an der Universität erst Herbst 1935. Seine MitgliedIndivi Rheinarmee kommandiert. Die mächtig st e dualismus schaft begründet bei Inländern fast alle Begünsti- einer eingehenden Diskussion, an der sich Vertreter der Rhein selbst. Nach meiner tiefsten Kollektivism u 3. Nach Befestigung, meint Mordacques, se i gungen. Zur Kontrolle muß seit 1934 jeder Ausland- fast aller Länder beteiligten, wurde einstimmig eine Ueberzeugung, setzt der General, der diese Frage deutsche einen Fragebogen für den VDASt dichten. Resolution genehmigt, die eine sogenannte neutrale während seines Oberbefehls über die RheinEs gibt einen amerikanischen, einen belgischen, Erziehung ablehnt und feststellt, daß die Erziehungs- armee gründlich studiert hat, vermag keine Arzwei deutschrussische Dozenten; unter den Hörern arbeit der der S. E. J. angeschlossenen Verbände mee den Rhein zu forcieren, falls die BrückenJavaner und Desterreicher als stärkste, Sudeten grundsätzlich im Sinne der sozialistischen Weltan- föpfe genügend befestigt find. Mit anderen Mor deutsche als zweitſtärkste Minorität; ferner je schauung zu erfolgen hat. 2 bis 3 Polen und russische Emigranten, je ein UnUeber die Internationale Faltenrepublik 1937 gar und Ukrainer; der letzte Schwede verließ die referierten die Genossen Hocke( deutsch) und DHP nach dem 30. Juni 1934. Die Polen zu Nihon( französisch). Es wurde beschlossen, die folge der Energie ihres Konsulats die unbehelligteste, nächste Internationale Falken tepublit in Südangesehenste Minorität werden vom antipolni- england 1937 durchzuführen. schen Seminar Cleinow ferngehalten. Im allgemei- Zum Thema: Internationaler Kinderaus nen sieht die jetzige Dozentenstruktur so aus: tausch" sprachen ebenfalls die beiden Genossen. Die 1. Die arrivistischen Emporkömmlinge lesen die von der Erefutive vorgelegten Richtlinien wurden ge den Kongre ß, dessen Newyorker Mandat zu Schriftstückes in eine Schublade begangen wurde. Modefächer Propaganda, Rassenlehre ,,, Kulturphilo- nehmigt und mit Freude die Mitteilung zur Kennt sophie", Geschichte",„, organische" Nationalöfononis genommen, daß es bereits im Jahre 1936 zu würde Thomas für das von vielen ersehnte 3u- ersten Quartal 1936. Der Ausstoß aller Braueinem internationalen Austausch von Kindergruppen standekommen einer Labour Party arbeimie, Wehrwissenschaft und Wehrpolitik; hierzu ge= hört die antimarristische ,, Wissenschaft" Ehrts, die zwischen Dänemark, Belgien, England, Frankreich, ten können. Das Streben nach einer Labour- Party, ereien für den Inlandsverbrauch betrug im Mär: er vermutlich von seinem Onkel in Charkom bezieht, Grund der gemachten Erfahrungen foll in den kom zeichnen, entspringt der Scheu selbst proletarischer also heuer um 2.4 Prozent erhöht. Die größt: Schweiz und der Tschechoslowakei kommen wird. Auf die es vermeidet, sich offen als sozialistisch zu bes 514.497 Heftoliter gegen 502.610 Hektoliter in und die nur von Junkern gelesene Volfstums| der gleichen Vorjahrszeit. Der Ausstoß hat sic menden Jahren dieser Austausch weiter ausgebaut Massen in USA. vor den Sozialisten, die ihnen dank also heuer um 2.4 Prozent erhöht. werden. Martin Gleißner Amsterdam behan- der ungeheuren Gegenpropaganda als wirklichkeits- Ausstoßerhöhung, von 6 Prozent, weisen die Pre2. Die Halbrenegaten, moralischen Stillhalter, delte das Thema:„ Der Bewegungschor im Dienste ferne Schwärmer, wenn nicht als verdächtige Um- ger Großbrauereien auf. Einen Ausstoßrüdgan aufgeregten Eingeschüchterten oder reinen Beamten unserer Erziehungsarbeit", die Genossen Roger türler erscheinen. Aus diesem Grunde vermeiden von 7.8 Prozent weisen die Brauereien im Eger lesen die Sachgebiete in zeitgemäß sterilisierter und Foirier und Willi Hocke besprachen die sal die meisten Gewerkschaftsredner ängstlich das Wort Karlsbader Gebiet und einen Rückgang von zugleich aufgedonnerter Form. Als fommender Do- tengebote. Die nächste Internationale Führertagung zent ist der mit Loesch zusammenarbeitende ukrainis soll sich damit befassen, einheitliche internationale sozialistisch". Als im Interesse des Gemein- Prozent die Brauereien im Aufsig- Saazer Gebie: wohls" liegend, können sie ganz radikale Forderun auf. iche Irredentist Stuti chapiti anzusehen. Loesch Faltenregeln aufzustellen. Im ersten Quartal 1936 betrug der tsche befannte in seinem Seminar, bei statistischer Zäh- Sturt 2öwenstein referierte über die 3u- gen aufstellen. Es ist nur zu verständlich, daß nach choslowakische Gesamtausstoß 1,531.000 Seftolilung ſammenarbeit mit der Sozialistischen Jugend- Inter- Jahrzehnten opferreicher, aber vergeblicher Arbeit ter, gegen 1,406.000 Seftoliter in der gleichen Taschenbuch des Auslanddeutschtums" im Osten nationale und die von ihm erstatteten Vorschläge be- die amerikanischen Sozialisten nun ihre Hoffnungen Vorjahrszeit, ist also um 8.9 Prozent höher. Der und Westen nach verschiedener Methode, also wiffen treffend Busammenarbeit auf dem Gebiete der Jün- auf eine nicht offen sozialistische Zusammenfassung Inlandsabjaß ist heuer mit 1,512.000 Seftoliter schaftlich nicht allzu seriös, als Magd der„ Osthilfe" gerenarbeit( 14- bis 16jährigen) wurden einstim= der Arbeitermassen legen. um 8.6 Prozent größer als im Vorjahr. Der Er Der Schüler wird in usum delphini informiert, um mig genehmigt. Die Herausgabe eines internatio- Neuer Volksappell in Dänemark. Im Herbst Hektoliter um 35.7 Prozent größer als im Vor port ist heuer im ersten Vierteljahr mit 19.000 ihn ,, unbefangen" zu erhalten; weil er nie weiß, nalen Führerausweises, zu welchem Genosse Lie dieses Jahres ist das dänische Landsthing zur jahr, wo er nur 14.000 Hektoliter betrug. Was man eigentlich von ihm will, stößt er überall bermann Brüssel sprach, wurde der Eretutive Hälfte zu erneuern. Diese Kammer hat noch immer an, überzeugt nur bereits Ueberzeugte", macht den der S. E. J. zur Erledigung zugewiesen. eine reaktionäre Mehrheit, an der schon viele gute Paffiver Außenhandelsverkehr mit Ungarn Eindruck ,, der Geheimniskrämerei und Rückhaltigkeit"| Abfichten der sozialdemokratisch- radikalen Foltes Der Außenhandel mit Ungarn schließt im ersten ( Friedrich Rosen). Der Entschluß zur Diplomarbeit General Mordacques über die internatio- thingsmehrheit und Regierung gescheitert sind. So- Quartal d. 3. mit einem Passivum von 800.00m fällt schwer, da die Orthodorie von heute morgen nale Situation. Im lesten Heft des Pariser eben hat Staatsminister Stauning in einer Seßerei ist. Die Schulungstechnik verbirgt das We- ,, Vu" wird durch den Kriegsminister im Kabi- Sigung der Gesamtparteileitung darauf hingewiesen, Kč zu Ungunsten der Tschechoslowakei ab. Soivot sentliche unter gehäuft Anekdotischem; der Schüler nett Clemenceau und einen der bekanntesten fran- daß nach dem Folkethingswahlfieg am 22. Oktober die Einfuhr als auch die Ausfuhr ist gegenüb muß spezialistisch buchstabieren, um ja nicht lesen zösischen Militärschriftsteller die Frage aufgewors 1935 das Valutageses, die Sozialisierung der Na- der gleichen Vorjahrszeit zurückgegangen. funde"; " " | ten: es genügt, daß die Deutschen Köln, Düsseldorf usw. befestigen. Dann ist der Rhein ebenso start wie die Maginotlinie. Labour in USA. Dem ,, Daily Herald" wird aus Newyork gekabelt, daß Norman Thomas im November nicht nur für die Präsidentschaft fandidieren wird, was aussichtslos ist, sondern auch in erobern er gute Aussichten habe. Als Kongreßmann Seite 6 „Sozialdemokrat" Programm des 1. Mai 1936 Aüurst und Mssen Vlerünsnadmchkn Schleppwagen in die Höhe zu heben und Frl. Kuthan herauszuziehen. Sie hat Mhlreiche, aber nicht sehr- schwere Verletzungen erlitten und wurde von der Rettungsgesellschaft auf die Klinik Jiräsek gebracht. Autodiebstahl auf dem Wenzelsplatz. In der> Nacht'auf gestern meldete der Ingenieur Karli Scherinker aus Smichov auf der Polizdiwach- stube in Prag II.. das; ihm eben auf dem Wenzelsplatz vor dem Hause Nr. 88 sein dunkelblauer Tatrawagen Nr. 2348V gestohlen worden sei. Der Wert des Wagens beträgt Kd 20.000. Teppiche 1 leicht, als der mit Steinchen spielten. Was bis dahin holperig und unebenuvar, staubig im Sommer, schmutzig und glitschig an^Regentagen, das ebnen sie ein, schütten Sand hin, kämmen ihn mit hölzernen Rechen, betten und glätten die Fläche. Und dann knien sie hin, legen mit zurechtgeschnittenen Brettstücken das schwarze Muster aus, klopfen mit sanften Hammerschlägen Steinchen für Steinchen in den rauhen Kalksand und fügen in den hellen Grund das schwarze Muster ein — es hat gar nichts mit großstädtischer Hast zu tun. So breiten sie Steinchen für Steinchen den gemusterten Teppich hin und stampfen ihn mit eisenbeschlagenen Holzrammen in den weichen Grund. Und wenn sie dann die fertige Pflasterung mit Sand bestreuen und den Sand einkehren und eingießen, bis er alle kleinen-fugen füllt und das Muster festliegt, so gleichen sie Gärtnern, die ein Teppichbeet gepflanzt haben. Wenn sie mit ihrer Arbest fertig find, geben sie sich im nächsten Bhccp noch ein Bier und halten die schaumigen Gläser mit breiten Händen, die der Kalksand rauh gemacht hat. Und dann gehen sie nach Hause, unbekannte Männer. Wo sie gearbeitet haben, liegt nun der steinerne Teppich zu unseren Füßen, nicht weich, aber auf der würfeligen Struktur der Fläche angenehm zu begehen.. Mt der Zeit entstehen da und dort leichte Unebenheiten, Senkungen und flache Mulden, in denen das Regenwaffer ein Weilchen stehen bleibt in kleinen Lachen. Baumgezweig und gehende Menschen spiegeln sich darin, als flüchtige Wandelbilder eingefügt in den steinernen Teppich. Adolf Loos, der revolutionäre Architekt, war von diesen Steinmustern der Prager Gehsteige so begeistert, daß er den Vorschlag machte, Prager Steinsetzer möchten den Auftrag bekommen, den großen Schloßhof von Versailles mit solchen Steinchen zu pflastern Lud in die Pflasterung Äs Sijmböt fräii- zösisch-tschechischer Freundschaft das französische und das tschechoslowakische Staatswappen groß, schwarz auf rötlichgrauem Grund einzufügen. Leider haben sich die Mäcene nicht gefunden, die die Ausführung dieses großartigen Vorschlages ermöglicht hätten. Denn zu den Geldspendern hätten sich auch die ideellen Mäcene finden müffen. Und beides ist doppelt schwer in diesen schwierigen Zeiten. Jean Harlow in dem Film„Leichtsinnige Jugend". Aufführung diente, ohne übertrieben'leidenschaftlich zu sein. Das Publikum nahm Werk und Aufführung, um die sich vor allem auch das Orchester sehr verdient machte, mit starkem Beifall entgegen. E. I. ebenso bedeutend wie interessant war auch das Pro- nisch geratenen Opern n g w e l d e",, gramm dieses seltenen Bokalkonzertes.das Vokalkom-.Pfeifert^ag" und„Der Molo ch". Positionen geistlicher und weltlicher Richtung aus der Blütezeit der englischen Musik zu Ende des 16. mW im 17. Jahrhundert enthielt, Motetten. Madrigale und Balladen, Kanzonetten, Zwei- und Dreigesänge von Byrd, Sweelinck, Morley Wil- h y e, P u r c e l l, Batteson, Fornsete und anderen, aber auch Volkslieder in stil gemäßen Bearbeitungen. Eine dieser entzückenden Volksliedbearbeitungen von Ralph Vaughan Wil liams»Just as the tide was flowing" wurde sogar stürmisch zur Wiederholung begehrt und— gegeben. — Ein F cstkonzert von wirklich'■ festlichem Charakter in der äußeren Aufmachung und iw der künstlerischen Durchführung hatte im Smetanasaale deS Gemeindehauses der„Verein zur Er richtung. eines Dvokäk-Denkma- l e s' i n P r a g" veranstaltet. Die Gaben des Festkonzertes waren die drei großen Konzserte des tschechischen Meisters, die in der Rechenfolge ihrer Entstehung zur Aufführung gelangten: Als erstes das Klavierkonzert in G-Moll, das konser vativste unter den drei Konzerten, das am meisten auf den Ton der National- und Volksmusik einge stellte, dessen dankbare Wiedergabe der hervorragende junge tschechische Pianist Ruda Firkusny über nommen hatte, der es mit der ganzen ihm eigenen impetuosen Leidenschaftlichkeit, Musikalität und blen denden technischen Meisterschaft spielte; sodann das Violinkonzert in A-Moll, das dem Geiger so sehr entgegenkommt und ihm Gelegenheit zu technisch wirkungsvoller und ausdrucksstarker Bortragskunst gibt und das in dem Violinisten Richard Z i k a einen zuverlässigen Interpreten hatte; schließlich das wun dervolle und musikalisch hochbedeutende Cello-! Konzert in H-Moll, dem der Cellist Jaros mit der ganzen Hingabe des echten und in seiner Aufgabe aufgehenden Musikers diente. Die musikalische Lei tung des Konzertes, dem auch der Präsident der Re publik Dr. Benes, unter defien Protektorat es stand, beiwohnte, hatte der Dirigent der Prager Tschechi schen Philharmonie Prof. Stupka, dem es trotz Uebernahme seines Amtes in letzter Stunde glückte, das begleitende Orchester des Radiojournals und die unterschiedlichen Solisten seiner Auffassung und Stabführung unterzuordnen.— Ein schönes Spezial konzert danfte man dem Mährischen Bläser- Quintett, das. im intimen Paals der„UmUckä Beseda" konzertierte. Es machte uns mit einschlä- Verlanget überall Volkszünder Präser Konzertsaal Einige wertvolle Konzerte der Nachosterwochen sollen heute noch kritisch betrachtet werden. Zunächst das^Konzert der englischen Madrigalsinger, des unter der Leitung Cuthbert K e l l y r stehenden und difi Namen„T h f Ni tv English Singers" tragenden Polksensem- bleS. Diese drei Sängerinnen und drei Sänger sind zu Recht, berühmt in ihrer einzigartigen Bortragskunst. Höchste gesangliche Kultur und Technik, vollkommenste Musikalität und vollendete Stilgestaltung machen den Vortrag dieses Gesangs-Sextettes zum ungetrübten Kunstgenuß, den nicht einm.l die mehr oder weniger sich geltend machende Gleichförmigkeit Frauen am Scheidewege. Der amerikanische Regisseur John M. Stahl bleibt dem„Back-Streer" Stil treu: er verfilmt— auf vornehme Art— sentimentale Romane leidender Frauen und mit Liebesproblemen beschäftigter Männer.»Nachahmung des Lebens" nennt sich tim Original) sein jetzt hier gezeigter Film, der auch wieder die Nachahmung eines empfindsamen Romans ist: von zwei Müttern, die um ihrer Kinder willen leiden; denn der einen Mutter nimmt die Tochter den Geliebten weg, und der anderen, die eine»Farbige" ist. geht die Tochter aus dem Wege. Claudette C o l b e r t, die als Cleopatra komisch und dann in dem Film»Es geschah eines Nachts" angenchm heiter wirkte, versucht sich hier sehr ehrgeizig in einer Rolle, in der es aus Feinheit und Verhaltenheit ankommt. 441 Chauffeure hupen zu viel. Während der Razzia, die die Prager Verkehrspolizei— motori sierte Abteilungen und gewöhnliche Polizei—- in der Rächt auf den 26. April in Prag abhielt, wurden binnen vier Stunden, zwischen 11 Uhr abends und 8 Uhr früh, 518 Fahrzeuge angehalten. 441 Chauf feure wurden hiebei wegen unnötigen Hupens er mahnt; von den Restlichen 26 wegen ungenügender Beleuchtung und 34 wegen anderer kleiner Fahr lässigkeiten, zu schneller Fahrt, Verwendung vor schriftswidriger Signale etc. Gegen 15 Chauffeure wurde der Strafantrag gestellt, zwei wurden wegen Trunkenheit aufs Polizeikommiffariat gebracht. Vier Arbeitslose— Selbstmörder. Gestern vor mittags schoß sich der 20jährige Lackierer Jan M r ä z e k aus Liboc im Hause seines Arbeitgebers in der Stupartgaffe aus einer Flobertpistole in die linke Brustseite und verletzte sich schwer. Er wurde auf die Klinik Schlaffer gebracht. Er war kurz vor her entlassen worden, wollte aber daS Motiv feiner Tat nicht angeben.— In der Nacht auf gestern versuchte der 55jährige arbeitslose Musiker Friedrich David aus ZiZkov auf dem Bkevnover llebungs- platz sich zu erhängen, wurde aber rechtzeitig entdeckt und von der Rettungsstation auf die Klinik Nonnen bruch gebracht. Als Motiv seiner Tat gab er eine langwierige Nervenkrankheit an.— Der 24jährige arbeitslose Bauarbeiter Bohumil Polak schoß sich gestern nachmittags in seiner Wohnung in Zizkov in die linke Brustseite und verletzte sich schwer. Er wurde auf die Klinik Jiräsek gebracht.— In der Nacht auf gestern erhängte sich ist seiner Wohnung in Smichov der 85jährige ehemalige Angestellte Karl R o v h. Wahnsinniger in der Bata-Passage. In der Bata-Passage am Wenzelsplatz erregte nachmittags ein etwa 38- bis 40jähriger Mann mittlerer unter setzter Statur Aussehen, da er sich plötzlich zu entklei den begann. Ehe man aber noch einschreiten konnte, wurde er von einem plötzlichen Unwohlsein befallen und blieb ohnmächtig liegen. Er wurde auf die Kli nik Pelnät gebracht, da er unzusammenhängend re dete, jedoch vom Polizeiarzt untersucht, der feine Ueberführung in die Irrenanstalt in Prag II an ordnete. Nach seiner Identität wird geforscht. Lehrerin überfahren. Vorgestern nachmittags sprang an der Ecke der Taborstraße in Nusle die 21- jährige Lehrerin Bojena Kuthan aus Prag- Weinberge so ungeschickt in einen Straßenbahnwagen,. der Dreier-Linie, der eben losfuhr, daß sie unter den gigen Werken für Blasinstrumente mährrscher Schleppwagen geriet. Der Wagenlenker hielt sofort, Komponisten bekannt. Einem formschönen und unter Mithilfe des Publikums gelang es. den effekwoll instrumentierten viersähigen Bläserquintett Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Poft monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kä 48.—. halbjährig Kd 96.—. ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Mam.str pwn erfolgt nur bei Einsendung der Rewurmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Bott» und Tele- graphendirektwn mit- Erlaß Nr. 13.800/VI1/X930 bewilligt.— Druckerei:..Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.»G. Prag. Donnerstag, 30. April 1936, Nr. 102 In Präs Am Vorabend, den 80. April 1936, im Neuen Deutschen Theater Mal-Festvorstelluns»La Boheme*, Oper in vier Bildern. Musik von G. Pnccinft Texti von G. Giacosa und L. Jllica. Deutsch von Ludwig Hartmann. Preise der Plätze: Logen von 60 bis 70 Kc. Parterresitze von 13 bis 19 KC, Balkon von 13 bis 16 Kd, Galerie von 6 bis 11 Kd. Es sollte sich jeder Genosse und jede Genossin zur moralischen Pflicht machen, dieser Festvorstellung beizuwohnen. Am Vormittag, den 1. Mai: Demonstra- tionSaufmarsch, gemeinsam mit der tschechischen Partei, zur Mai-Kundsebuns auf der Slawischen Insel. Redner:.Senator Genosse Theodor Hackenberg. Treffpunkt: Prag II, Ecke Mezibranskä—■ Zitnä,% 10 Uhr. Am Nachmittag des 1. Mai: Am Turnplatz der DTJ, Pohotelec(Elektrische 1) Irefken aller Genossinnen und Genossen der SJ, Falken, Kinderfreunde, Atus, Singgemeinde, RW. Steinerne leppicke * Als wir vor zehn Jahren zum erstenmal nach Prag kamen, waren, noch ehe wir den Altstädter! Ring, die Karlsbrücke und den Hradschin gesehen hatten, die ersten Eindrücke der Pferdedroschkengeruch am Masarnkbahnhof und dann die Pjlastermusterung der Gehsteige. Am frühen Morgen fahen wir von hoch oben aus dem Fenster deS Hotelzimmers in die noch menschenleere Gasse hinab, und auS der Höhe gesehen schienen die vom Nachtrtgen blank gewaschenen Gehsteige mit gemusterten Teppichen belegt, einer langhin am andern und jeder mit einem andern Muster, blauschwarz auf graurötlichem Grund. Wir haben dann tagelang als gewissenhafte Reisende mit einem Finger zwischen den Seiten des Badeners Prag durch-, streift, aber auf allen Gängen hat uns immer wieder die Vielfältigkeit dieser Steinmuster beschäftigt. Und es geiiel uns, daß man in einer Stadt, die so emsig bestrebt, tvar, eine europäische Metropole zu werden, soviel Sinn für diesen aus kleiden Steinwürfeln sorgsam zusamntengesetzten»zwecklosen" Schmuck hat. Sieht anan den Steinsetzern, die diese steinernen nmchen, bei der Arbeit zu, so scheint es so ! ab diese bartstoppeligen Männer wie Kin- Srsin ienwx ft« HR Mona Lisa Max von Schillings hat die grausame Geschichte der schönen MonaLisa(sie lebt in unglücklicher Ehe mit ihrem Gatten, findet den Jugendgeliebten wieder und glaubt an ein neues Glück; das wird aber von ihrem Manne mit rauher Hand zerstört, indem er vor den Augen der Gattin den Nebenbuhler im Juwelenschrein dem grausamen Erstickungstod überPefert, so daß Mona Lisa in erwachter Leidenschaft und Rachsucht dem Gatten das gleiche Schicksal bereitet) auS zweierlei Gründen als Opernbuch gewählt: Einmal, um für sein starkes dramatisches Musiftalent eine wirksame stoffliche UNtdrstlyd zu haben,^stnn ÄNdernmale, nm dttn Mode gewordenen italiensschen Opernverismus auch als deutscher Opernkomponist seinen Tribut zu zahlen. Aber eS gelang Schillings nicht immer und überall, den richtigen nervenaufpeitschenden und dramatisch aufwühlenden musikalischen Ausdruck für die Brutalitäten dieser Oper zu finden, trotzdem er gerade in der Opernmusik zu„Mona Lisa" einen viel flüssi- .........„„ geren und lebendigeren musikdramatischen Stil ge» der Vortragsstücke zu stören vermag. Künstlerisch' funden hat als in seinen vorwiegend episch-sympho- ä.-,..D e r Denn auch in der„Mona Lisa" sind die besten Steven im musikalischen Sinn« jene, in denen der Komponist von der Stimmung ernster Tragik eingefangen ist, — man denke da nur gleich an die ersten Takte der Oper mit ihrem schicksalsvoll aufklingenden Mona- Lisa-Motiv der schwermütigen Holzbläser,— oder wo er, wie etwa in der empfindungsstarken Stimmungsmusik des Aschermittwoch-Morgens, Töne des inneren Gefühles anschlägt.„Mona Lisa" ist diejenige Oper Schillings, die seinen stärksten Bühnenerfolg bedeutete. Hinsichtlich der Veriftik und Brutalität ihres Bühnengeschehens sind wir heute an noch ganz anderes gewöhnt, so daß wir es kaum begreifen können, daß man dem Opernbuch der„Mona Lisa" von Beatrice Dovsky die Verwandtschaft mit kinomäßigen Erzeugnissen vorwarf und es bei der Stuttgarter Uraufführung des Werkes sogar zu einem lächerlichen Protest h§r Geistlichkeit kam. Die letzte Aufführung der Oper„Mona Lisa" am Prager Deutschen Theater fand in der Aera Kramer statt, wo man sogar Gelegenheit hatte, das Werk unter persönlicher Leitung des Komponisten mit seiner Gattin Barbara Kemp in der Titelrolle zu hören. Die gestrige Aufführung wurde wohl vor allem deswegen in Szene gesetzt, weil man in Rose Pauly eine hauptsächlich als Darstellerin interessante Mona Lisa zur Verfügung hatte. Rose Paulys Mona Lisa ist namentlich in den dramatischen Schlußszenen der Oper sehenswert, wo Leidenschaft und Rachsucht die Triebfedern des Handelns sind, ist abet weniger glaubwürdig in den Szenen, wo Mona Lisa als„sanfte und unschuldsvolle Heilige" austritt. Auch gesanglich liegen ihrer mehr ausdrucksscharfen als schönen Stimme die dramatischen Akzente weit besser als die lyrischen und kantavlen Stellen. Einen durchaus Äeiibürtigen Partner hatte Frau Pauly in Theodor Scheid!, der die Bombenrolle des eifersuchtbesessenen Gatten Francesco mit der ganzen großen Kunst seiner persönlichkeitsstarken und dämonischen Darstellung ausstastete und sich auch stimmlich ganz in ihr ausleben konnte. Den Geliebten Mona Lisas Giovanni gab Herr Fischer; gesanglich bedeutend im großen Duett, schauspielerssch aber allzu schablonenhaft. In kleineren Rollen zeichneten sich die Damen Book und R a y n sowie die Herren GÄllnitz, Andersen und L i b a l aus. Die Inszenierung Paul Schlenkers hatte sich in der Hauptsache auf die früheren Dekorationen gestützt. Musikalischer Erneuerer des Werkes war Prof. Georg S z i I, I, der mit einer sehr sauberen, rhythmisch und dynamisch wirkungsvoll gegliederten von Jaroflav K v a p i l, einem farbenfrohen und! phaMasievollen Bläserquinrelt von Theodor Schä fer, einem einsätzigen, tonmalerisch und program matisch gestaltetem(einer„Piccadilly" betitelten Phantasie) von Wladimir Ambros und Leos I a- näkekS meisterhastem Sextett„Jugend". In den Instrumentalisten des Mährischen Bläserquintetts (den Herren Dr. Kaslik, Suchh, Holub, V e j m o l a und Fürst sowie dem msthelfenden Anderle). lernte man Künstler kennen, die eben so hervorragende Techniker ihrer Instrumente find ! wie Meister des Zusammenspieles. und musikalisch lebendigen Vortrages; durch Tonschönheit sielen be sonders der Oboist und Fagottist auf.— Den Ruf, einer der besten unter den zeitgenössischen tschechischen Männerchören zu sein, bestäsigte neuerdings in einem großen Chorkonzerte der S ä n g e r ch o r der Prager „T y p o g r a f i a", der dieses Konzert gewisser maßen auch als Festkonzert anläßlich des 50. Ge- burtSfesteS seines verdienten langjährigen Dirigen ten Prof. V. B. A i m ins Werk gesetzt hatte. Was Spilka als musikalischer Führer für den tschechischen Männerchor»Smetana" bedeutet, ist sein Schüler A i m für die„Typografia", die er zu einem ihm immer und unbedingt gefügigen Chorinstrument von wundervoller Disziplin, Präzision und Vortrags sicherheit herangebildet bat. Als außerordentlicher Musiker zeigte sich Aim bei diesem Konzert auch in der Programmgesialtung. Die gesungenen Chöre waren werwollftes Schöpfungsgut der zeitgenössischen und jüngsten tschechischen Tonsetzer, darunter auch . Chöre, die nicht nur musikalisch bedeutend und höchst anspruchsvoll im chorgesanglichen Sinne, sondern . auch außerordentlich effekwoll waren; wie etwa der revolutionäre Chor.Ostrau" von I. Kunc(nach deiner Dichtung von Peter Bezred) oder ein Tendenzchor NejedlyS.— Im letzten Abonne mentskonzert der Prager Tschechischen Philharmonie gelangte daS Wunschpro gramm zur Durchführung, daS die Abonnenten der diesjährigen Abonnementskonzerte aus deren Pro grammen durch Abstinnnung ausgewählt hatten, und zwar Leos Janäöeks„Missa Glagolskaja", die 246 Stimmen erhalten hatte(sie hätte bekanntlich auch in einem der letzten Philharmonischen Konzerte des Prager Deutschen Theaters aufgeführt werden sollen), und Josef SukS symphonische Dichtung .TaS Reifen" mit 233 Stimmen. Dirigenten des Wunschkonzertes waren der temperamenwolle K. S e j n a und der tiefschürfende K. B. I i r ä k. E. I. Alle Atus-Turner und-Turnerinnen stellen sich am 1. Mai um% 10 Uhr vormittags(bei schöner Witterung mit Bluse—Hemd) Präg II, Ecke Mezibranskä—Zitna. Rach- PRAG mittags: DTJ-Platz, Pohoieletz. Caesar und Kleopatra.„Adolf Hitler und Leni Riefenftahl", so wird eine überaus lustige Groteske heißen, welche ein künftiger hoffentlich nicht in ferner Zukunft lebender Shaw schreiben wird. Und gar, wenn der Dichter in den Adern der göttlichen Leni nichtarisches Blut zirkulieren lassen wird! Vorläufig müssen wir uns mit der Komödie des 80jäh- rigen G. B. S h a w über den römischen Diktawr begnügen, der neben dem Backfisch auf dem ägyptischen Königsthrone, der Kleopatra, zu einem komischen Helden wird. Tas jetzt im Weinberger Stadltheater aufgeführte Stück betont die Lächerlichkeit aller dieser Eroberer und Machthaber, deren Siegeskranz nur dazu dient, um ihre Glatze zu verbergen. In ihrer Einbildung sprechen sie Monologe über ihre eigene Größe und werden zu jämmerlichen Ge- stalten, wenn ein junges Mädchen über ihre Selbstverherrlichung Witze reißt. Biele Szenen in dem Stücke sürd heute hochaktuell und nötigen zu Verreichen. Geistreich, witzig und voll vgn Humor und Satire ist dieses Stück, welches zu den besten, die Shaw geschrieben hat, gezählt wird. Die nenn Bilder hatten eine farbenprächtige, fast revueartige Ausstattung und von den Spielenden tat sich am besten Frl. Glaserovä als Kleopatra hervor. r. i. Heute halb 8 Ahr„La Boheme" mtt Z d e n k a Z i k a von der Wiener Staatsoper als Arbeüervor- stellung. Karren bis halb 8 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna, ab 7 Uhr abends an der Theaterkassa. Spielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heute, Donnerstag,.halb 8 Uhr: ,^iia Boheme", Arbeiter-Fe st vor st ellnng Gastspiel Zdenka Zika, Abonnement aufgehoben.— frei tag: geschlossen. Samstag halb 8: R o s e n- kavalier, A 1.— Sonntag halb 8 Uhr: Der heilige Antonius, halb 8: Liebe nichtgenügend. D 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag, 8 Uhr: Salzburg ausverkauft.— Freitag: geschlossen.— Samstag 8 Uhr: Salzburg ausverkauft.— Sonntag 3: D r. med. HiobPrätorius, 8: Salzburg ausverkauft.