16. Jahrgang Freitag, 1. Mai 1936 Nr. 163 IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG.TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.. fochova«. telefor ao77. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Ei«zBl*rais 70 IWItr (einichlieftlich 5 Heller Forte) Aus Tiefen urgewalti» gen Sehnens wuchs der Mai gedanke. Aus dem Sehnen der. durch den Kapitalismus vergewaltigten ausgebeuteten Massen nach menschenwürdi gem Dasein, nach Freiheit, nach Wissen und nach Schön heit und Lebensfreude. Wie anders hätte der Beschluß des Pariser Sozialistenkon gresses im Jahre 1889, am kommenden ersten Mai durch Arbeitsruhe für den Acht stundentag zu demonstrie ren, den ersten Mai des Jahres 1890 zu einem in ternationalen Kampftag für den achtstündigen Normalar- beitstag zu machen, so unge- ahpte Energien im Proleta riat entfesseln, so revolutio nierend wirken können l Denn sofort formte der Wille der diesen ersten Mai feiernden Arbeiter ihn aus einem Tag des Kampfes für eine damals vielen noch utopisch erschei nende Herabsetzung der Ar beitszeit auf acht Stunden um in einen Festtag, an dem es sich selbst und sein großes Ziel, den Sozialismus, fei erte. Größeren und erhabe- neren Inhalt, als die Füh rer der sozialistischen Bewe gung dem ersten Mai zuge dacht hatten, gaben ihm die proletarischen Masten. In dem sie alle ihre Hoffnungen und Sehnsüchte, aber auch ihre durch^die Mai-Parole, durch den Aufruf zur allge meinen Arbeitsruhe an die sem Tage crtveckte Zuversicht und ihr Kraftbewußtsein mit der'Maifeier verbanden, er hoben sie den ersten Mai zum Fest- und Kampftag des revolutionären, des seine ge schichtliche Aufgabe erkennen- d?p, für. den Sozialismus kämpfenden Proletariats, machten sie ihn zu einem Feiertag ohnegleichen, zum einzigen unter allen je von Menschen gefeierten Tag, an dem nicht der Vergangenheit, sondern der Zukunft, des Werdenden, des zu gestal tenden Neuen gedacht wird. 2«. Jener erste Mai war in Wahrheit der Tag, an deni die. Arbeiterklaste sich ihrer selbst bewußt wurde» Die großen Inhalte aber, die sie der Maifeier gegeben, sind geblieben. Kämpfende Arbeitergenerationen sanken ins Grab, aber die nachrtzk- kenden übernahmen ihren .Zukunftsglauben und ihre Kampfaufgaben, denn diese sind nicht die des Geschlechtes einer Zeit, sondern bedingt durch das Schicksal, durch die besondere gesellschaftliche Funktion der Arbeiterklasse. Die Kampfparolcn, die notwendig waren am ersten Mar bestimmter Jahre, wechsclien. aber wie ihre Värer und Min-ier, die stürmend den ersten Mas des Jahres 1890 sich eroberten, demonstrieren heute die Arbeiter und Arbeiterinnen für die unvergängliche Idee des Sozialismus und die untrennbar, mit ihr verbundenen erhabenen Ideen der Menschlichkeit, der Freiheit und des Friedens-. Und damit bekunden, wie in all den Jahrzehnten feit der Geburt des Maigedankens, die sozialistischen Arbeiter und Arbeiterinnen ihren Willen zum Kampf um die gipste, längst zur europäischen Schicksalsfrage gewordene Neugestaltung der Gesellschaft, die allein auch die Berwirklickmng ihrer menschheitlichen Ideale ermöglicht... Stolz erinnern sich alte Arbeiter an die schweren und opferreichen Kämpfe, die sie zu bestehen hauen, um die Arbeitsruhe am ersten Mai durchzusetzen, um ihn zu einem würdigen Feiertag machen zu können. Entlastungen und Aussperrungen, schwarze Listen und Ausweisungen und auch die.Einkerkerung der am ersten Mai demonstrierenden Arbeiter, alle die.kleincu und großen, brü-. talen und tückischen Kampfmittel der Bourgeoisie vermochten nicht die Maifeier zu verhindern, nicht den Maigedanken aus den Gehirnen der Arbeiter zu tilgen. So versucht denn die Bourgeoisie jetzt dort, wo staatsgestaltender Wille der Arbeiter den ersten Mai zum gesetzlichen Feiertag gemacht hat» ihn umzudeuten und umzulügen.„Tag der nationalen Arbeit" soll der erste Mai in Deutschland sein, schlichter„Tag der Arbeit" ist er urplötzlich dem iudetendeutschen gleichgeschäl- teten Bürgertum geworden. „Tag der Arbeit" l Wie verengt und verlleinert und verflacht tvird doch jeder große Gedanke, wenn das Bürgertum sich seiner zu beumchti- gen versucht! „Ehrung der Arbeit" — wie lächerlich in einer Zeit, da die Produktionsordnung Millionen Arbeitshuif- grigcn die Arhsit perweigerl! „Ehrung der Arbeit"— was soll sie dem Arbeiter, diese zu nichts verpflichtende schönrednerische„Ehrung" einer Arbeit, deren Erträgnisse der die Arbeit Ehrende" Nichtärbeiter, der Volksgenosse Aktionär einheimst! Ehrung der Arbeit? Dann nur in jenem Sinne, in dem unsere proletarische Hymne, das„Lied der Arbeit", sie feiert: als die revolutionäre Gewalt! Als von den Arbeitern sinnvoll gebrauchte gesellschaftserneuernde Getvalt! Nein! Keine.heuchlerische „Ehrung der Arbeit"! Und der erste Mai kein„Tag der Arbeit", an dem der Ausbeuter sich gemein macht mit seinen Opfern! Tag der Arbeiter, Tag der Sozialisten, roter Tag ist uns der erste Mai geblieben und er wirdesblei- ben! Welche Entwürdigung des 1. Mai dort, wo die Arbeiter ihre Freiheit verloren haben! Demonstration kämpferischer Massen, die sich, ihren Feiertag erzwungen hatten,' freiwillige Feier eines .selbstgewählten Festtages war in-Deutschlan.d den sozialistischen Arbeitern der" erste Mai. Seit der Vergewaltigung des deutschen Volles durch den Hakenkreuzfaschismus werden die Arbeiter kommandiert zur „Feier der nationalen Arbeit"!'Zwang an Stelle der Freiheit,' Kommando an Stelle des' eigenen Wollens, und nationalistische Verhetzung an dem Tage, dessen Feier beschlossen wurde von .. v...... j., internationalen? Sozialisten und den der Menschheitslville der Arbeiter zu-einem Weihetag der Völkerverbrüderung geformt hat! Aber in den Hirnen der Kommandierten lebt die.Erinnerung an das» was sie- verloren, lebt just mn ersten Mai mahnend und Trotz weckend, und in den Herzen der Vergewaltigten brennt die • die Schandung des ersten Mai erdulden zu müssen. Tröstend mag ihnen an diesem Tage das Wissen um' die Vergänglichkeit der Diktaturen und die Unzerstörbarkeit der Arbeiterklaste sagen— und der über die Pyrenäen fliegende und bis in die deutschen Konzentrationslager dringende Jubel der befreiten spanischen Arbeiter verstärkt diesen Trost—, daß so wenig wie alle Märzen- alle Maientage vorbei sind und diesen Maientagen der Demütigung ein strahlender Maitag de»^^"^.P4es folgen wird. Denn der Faschismus kann nur vorübergehend, durch Anwendung semev Gewaltmittel, die kämpferische Austragung der Klassengegensätze verhindern, aber er kann nicht-U- und darf es-seinem ganzen Wesen nach nicht—---die sozialen Spannungen in der Gesellschaft überwinden. Tie-Ursachen der Auferstehung der Arbeiter^ jene Ursachen, die die sozialistische Die Idee lebt! Leite 2■ Freitag, 1; Mai 1936 Nr. 103 Bewegung erzeugten und den ersten Mai als Tag proletarischer Heerschau und de^ Verkündung proletarischen Wollens erstehen liehen^ diese gesellschaftlichen Ursachen, sind geblieben und damit die Ursachen unvermeidbarer, schließlich nicht zu verhindernder neuerlicher Sammlung der.Arbeiter zu neuer Auflehnung, zu neuem Kampf. - Z u neuem Kampf?' Der erste Mai ist kein friedlicher„Festtag der Arbeit". Er ist unh wird, so lange es die bürgerliche Gesellschaft gibt, Kampftag sein. Er isteS mehr denn je in dieser Zeit der Steigerung der weltpolitischen Wirren, des unübersehbaren Wirtschaftschaos, der Flucht des Bürgertums in den Faschismus, der wachsenden Kriegsgefahr. Und jeder Blick in die Welt sagt dem Arbeiter, daß es nicht nur sein Schicksal ist, über das- in dieser gärenden Zeit entschieden wird, sondern dar Europas, und daß er nicht nur für stch und seine Brüder und Schwestern kämpft, sondern daß er Kämpfer gegen den Untergang des Abendländes, Kämpfer für die Erhaltung unserer Zivilisation«md Kultur ist. indem er«mein« sinn« volle Neugestaltung der Gesellschaftsorganisation ringt. Indem er am erste» Mai sein« Stimme für den Sozialismus erhebt, stellt er gegen den Fatalismus, mit dem«in so großer Teil der Menschheit die Wogen der Kriegsgefahr anschwellen sieht, seinen Kampfruf für den Frieden, stellt er der faschistischen Barbarei Gesittung und Kultur, dem Glauben an die Unvermeidbarkeit allgemeiner menschlicher Verelendung die Gewißheit der Rettung durch sozialistische Planung gegenüber. Aber gleicht er nicht einem Rufer in der Wüste? Kämpft er nicht auf verlorenem Vorposten für eine zwar edle, aber doch unterliegende Sache? Wälzen nicht, allen Versuchen des Aufbaues an- wchrcndcr Schutzdämme zum Trotz, die Schmutzflut des Faschismus sich näher? Zerreißen nicht, trotz dem inahnenden Erinnern an die Scheußlichkeiten und die Blutströme des Weltkrieges, die Bande kollektiver Friedenssicherung noch vor der Stunde, da sie sich bewähren sollen? Hat sich nicht zu manchem anderen Wahn, an dem die europäische Menschheit krankt, der Rassewahn gesellt? Scheint nicht unter den plumpen Füßen der- modernen Barbaren alles zu sterben, tvas Jahrhundert auf Jahrhundert an Menschlichkeit, an Kultur, an Schönheit angesammelt? Ach, offenbart denn nicht gerade das erschütternde Erlebnis, daß der Nationalfaschismus den ersten Mai so widerlich schänden kann,, die überlegene Macht der Kräfte des Untergangs? Ja, an diesem ersten Mai müssen auch wehmütige Gedanken wach werden und Anlaß zu leichtfertigem Optimismus bietet er wahrlich nicht. Aber die sozialistischen Arbeiter sind keine seichten Optimisten und längst geheilt von jedem Glauben an die Automatik des Fortschritts und die Zwangsläufigkeit des Aufstiegs. And doch sind sie Optimisten t Kämpferische Optimisten! Denn sie wissen: wäs immer geschehen mag an Wirtschaftszertrümmerung und an politischer Bölkerver- hetzung und an Freiheitsberaubung— das Proletariat ist da, bleibt da, und nichts ändert sich innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft an seiner sozialen Lage, und damit ist jtne Klasse da, bleibt jene Kraft erhalten, die, um sich zu behaupten, um leben und atmen zu können, immer wieder sich sammeln muß zu neuer Erhebung! Und: so schwer die Wunden sind, die in den letzten Jahren der Arbeiterklasse zugefügt wurden,— es sind doch nur einzelne proletarische Gruppen geschlagen worden und andere Abteilungen sind in der gleichen Zeit vormarschiert: die Arbeiter der skandinavischen Länder, die Arbeiter Jsankreichs, die tapferen Arbeiter Spaniens. Und unerschüttert nicht bloß, sondern gekräftigt-ist der'russische Arbeiterstaat. Und gewachsen ist die Macht der eng-' liscken, der Schweizer Arbeiter, der Proletarier Hollands,.—. reiche Früchte hat die Regierungsarbeit der belgischen Sozialisten getragen, in zä- Mala Von Wer» Inder. (Fortsetzung.) Uird dann fällt es ihm'ein. Ja, in der Tat, er hatty eine Nichte, sie hieß Aglaja. Soviel er sich erinnern konnte, war mit ihr irgend, etwas nicht ganz iä Ordnung. Ach ja: sie hatte einen Kommunisten geheiratet. Nun, was will sie denn von ihm,' diese Aglaja, mit dem Profil der byzantinischen Kaiserin Theodora. Sie kränkelt, schreibt sie. Ihr Mann ist ist die tatarische Republik geschickt wordep, um dort Genossenschaften zu gründen, und sie und die Kinder müssen unbedingt ans Meer. Und da fiel ihr der liebe, teure Onkel ein und sie hofft, daß er ihr die Gastfreundschaft nicht verweigern werde. .Stalvräki.überlegte sehr lange. Einerseits wird das natürlich'mit vielen Umständlichkeiten verbunden.sein, aber andererseits war Aglaja als Kind so drollig gewesen und so entzückend. Sie liebte Früchte und Märchen. Einmal, als sie eine Kokosnuß sah, fragte sie: „Wenn das ein Ball ist, warum springt er nicht, und wenn e<«in Affe ist, warum hat er keinen Schwanz?" Hadrian Hadrianowitsch Weckt Afiumffu der in einem Kämmerchen unter der Treppe schläft, in das das Moudlicht wie ein Dolch durch das schmale Fenster dringt. Er gibt ihm-einen Zettel, Geld und sagt;- „Das bringst du morgen auf das Telegraphenamt." Und schon im Fortgehen fügt er hinzu:„Und bringt das Zimmer, wo die alten Rahmen stehen, in Ordnung.'' hem Ringen bekämpfen hierzulande tschechische und deutsche Sozialdemokraten die KrnenwirkUN-] gen und in hartem, aber doch Erfolge brjngendetN Kampf wirht unsere Partei um die Seelen jener Arbeiter, die allmählich aus dem nationalistischen Rausch der trügerischen,.Volksgemeinschaft" erwachen....Wir dürfen Optimisten sein,-weil wir die Erfolge unseres Kampfes sehe»! Und wi»sind es erst recht am Ersten Mei! Denn er zeigt uns die Enttvicklung der Sozialisti- scheu Bewegung aus- kleinen, sich--mühsam- und mutig vorwärtslämpfcnde» Schare» zu wachsenden Heeren,— er zeigt uns die Ueberwindung so mancher Niederlage,-er offenbart uns die Unzerstörbarkeit und-darum Sicghaftigkeit des Glau»? bens der Arbeiter an sich selber.. Ja,>vir wissen um de» Ernst der Zeit) Ja, wir wissen, wie- schwer- unsere Kampsaufgaben .sind! O, wir wissen auch Bescheid über die Zahl und die Mackt der Feinde! Aber wir toissen auch, daß es für uns nichts anderes geben kann als den Kampf, daß wir nur kämpfend vorwärts kommen können. So lassen wir denn an diesem ersten- Mai unseren Kampfruf in die Welt fliegen,' einen Kmnpfruf, der zugleich Ruf der Zuversicht'ist! Trotz Schändung und Berstilschung des Maige- dankens dennoch roter Moi! •t>, R otor M a i i D e rn Ma i, W e rktä- tigerl MaiderArbeiterl An diesem Tage wirst du wie an keinem andern der Größe deiner Ziele dir bewußt, der geschichtsgestaltenden Kraft der Arbeiterbewegung, — an diesem Tage darfst du, sollst du stolz darauf sein, zur Arbeiterklasse zu gehören— stolz au? dem einzigen Grunde, weil die Aufgabe der Arbeiterklasse so groß, so gewaltig ist! Nicht um Selbstgefälligkeit zu erwecken, die dem Proletariat fernbleiben muß, wohl aber, damit du dich ganz als Kämpfer siehst, als Mitstreiter im einzigen heiligen Krieg, tzrinnere dich der Worte des Dichters Karl Henikell, der als treuer Herold den Lei-, dens-und Kampfweg des Arbeiters begleitete, de- an das ideale Proletariat gerichteten Worte: Auf dem Raienfeld d«S Werde Heil dir, junger Held der Erde, Siegfried Proletariat! Stählern in-der Kraft des Schönen Tritt einher du, Spott und Höhnen Schweig«, wo dein Morgen näht! 66N0886 Jaksch in,der Budgetdebatten vor den Schrecken des Krieges! I« feiner Rede in der parlamentarischen Debatte zum Staatsverteidi-ungsgeseh, über die wir bereit- gestern in knappen Zügen berichtet haben, führte Genosse Jaksch unter gespannter Aufmerksamkeit einer großen Zuhörrrschar u. a. aus: "Das vorliegende Gesetz ist'eine ausgesprochene' Defemsivmaßnahme. Wir stehen zu rhm in der^Erwartung, daß die Vernunft der Völker seme- Anwenimng. ins zur letzten bitteren,- Konsequenz überflüssig machen wird. In einem modernen Krieg gibt eS ja weder Sieger«och Besiegte, sondern nur geschlagene und aus lassenden Wunden blutende Völwr. Äu» dieser Erkenntnis heraus wende» wir unS leidenschaftlich gegen jene Stimmen und Strömungen, die den Krieg als-st e H e r und E r l ö her» brisobnen. Noch ist r» Zeit» den Frieden zu verteidigen und zu rette«! .-Der Sprecher der SdP. hätte hier der Sschc des Friedens einen großen Dienst erweisen können durch eine eistdentigeAbsage»» alleTprkulak.i» ne n auf einen sudr- tendeutschen JrrrdentiSmus. TäS wäre eiste Warnung gewesen an jene, d j e auf diesen I r r e d r n t i S MU« s p t k« H eren und dadurch i n ih re« K r i« g S w t l l r n gestärkt werden. Ter Sprecher der SdP.'hat sich aber auf dunkleA nde.« lange n- und auf Detailkritik an einzelnen- Punkte« des Gesetzes beschränkt.--.■<>■■■' Wir aber leiten gerade aast der n n g e h e u e- renGefährdungunserer Grrnz/- gebiete im Falle eine« europäischen Krieges die Verpflichtung ab, alle selbstmörderischen Hoffnungen zu bekämpfen. Wir zittern für den Kriegsfall um die phtzjifche Existenz der Sudetendeutschen, tyir fürchten zugleich um den Weiterbestand Deutschlands, denn niemand kann sich daS Graue» eines, Krieges ausmalen, bei dem unser Grenzland- Kriegsschauplatz und das zen- kral gelegene Deutschland die Zielscheibe der europäischen Luftflotten wäre. Jeder deutsche Patriot muß es darum als seine höchste Pflicht betrachten, den wahnwitzigen Aberglauben zu bekämpfen, der darin gipfelt, daß die sudetendeutsche Frage durch das Schwert gelöst werden könnte! Was die i n n e r- p o. l titsche Sache der Vorlage anlangt, hat Herr Sandner die Position der deutschen Regierungsparteien bedeutend erleich«. tert, indem er selbst sagte:„Wir behaupten n i ch t, daß konkrete Absichten bestehen, mit diesem Gesetz nationalpolitischen Mißbrauch zu treiben." Wenn Herr Sandner die Frage der Garantien aufwirst. dann antworte ich: Die beste Garantie ist eS,«en» sich dir ganze deutschrBevölkerung dieses Landes als Garant einschaltet, indem fi« durch ihr eindeutiges Verhalten in dieser Frag« keimen Anlaß zu Mißdeutungen gibt!(Sehr richtig!) «eine Radiepoiitüt In einer Auseinandersetzung mit Sandner weist Genosse Jaksch an Hand des Motwenberichtes nach,'daß Sandners. Behauptung, jene Stelle aus dem Paragraphen 19, welche den Uiiverläßlichkeits- begriff rückwirkend auf alle Anhänger der aufgelösten oder eiitgestellten Parteien ausdehnt, sei nicht beseitigt, sondern nur aus dem Gesetz in den M o.t i« v e n b e r i cht überführt worden, nicht den Tatsachen entspricht. Die deutschen Regierungsparteien haben vielmehr den Standpunkt durchgesetzt, daß man- keine Rachepolitik gegenüber j r r e g e f ü h r t e n M e n s ch e n und harmlosen Mitläufern und schon gar nicht gegen Menschen betreiben darf, die durch ihre Arbeitgeber in diesePartcien.h ineingczwungen wurden,..,• Wenn auf tschechischer Seite noch immer ernste Zweifel in di« sraatspolitische Zuverlässigkeit der Mitglieder der früheren nationalsozialistischen. Partei gesetzt werden, dann tragen nicht wir die Schuld daran, sondern die Herren Krebs und Jung, die heute im deutschen Reichstag sitzen. Diese Herren haben die Politik der Unverlaßlichkeit inauguriert und haben dann ihre Anhänger hier sitzen lassen! Ein getährlldies Argument! ' Wenn Herr Sandner uns die Legitimation bestreitet, überhaupt im Interesse des Sudetendeutschtums zu sprechen, so ist zu sagen: von Ihnen haben wir niemals eine Legitimation verlangt, wir sind nur unseren Wählern verantwortlich. ES ist«i« sehr gefährliches Argument, wen» Herr Sandner hier erklärt» die deutschen Aktivisten haben nichts zu reden, weil i Minderheit im Belke stnd^Die deutsche« ! rMivisie» sind eine Vie l grössere Minder- ? beit istittrhati threS Belke» als dlS'Deiitschrir' tN'- ' nerhalb des Staate». Wey» Sie(»ur SdP. gr- ' wendet) den totalitäre» Standpunkt gegenüber der aktivistischen Minderheit im sudetendeutschen -Volk anftrrben, dann geben ste damit dem IschechoslowakischenNationali»- m» s die Legitimation in die Hand, die er braucht, um die Frag» der sudetendeutschen Minderheit innerhalb de» Gesamtstaates zubagatelli- f V« r e n. Quantität oder Qualität? Wenn Herr Sandner auf die Quantität der Stimmen pocht, di« sie am 1v. Mai erzielt haben, so sei er-darauf verwiesen, daß das Wahlglück unbeständig ist und die letzten Wahlen noch nicht bis ans Ende der Welt emschieden haben. W i r können uns darauf berufen, dqtz seinerzeit di« R e a li st en im tschechischen Volke em« viel kleinere Partei gewesen sind, als heute die Aktivisten im sudetendeutschen Volk, aber dennoch haben sie der Politik des tschechischen Volkes in entscheidenden Stunden ihren Stempel aufgcbrückt. Nicht die Männer haben sich durchgesetzt, die mit dem Strom geschwommen sind, nicht die Demagogen, di« der Menge nach dem Mund redeten, sondern die Minderheit, die ihre Politik auf sittliche Gvundlagen, aut eine konstruktive Idee aufgcbaut hatte! Und was den Wettbewerb der Ideen anlangt, den nehmen wir mit Ihnen getrost auf!- Neue Aufgaben Unsere Zuversicht ist darauf gegründet, daß wir für die gleichen Ideen kämpfen, wie die Begründer dieses Staates: für Menschlichkeit, für soziale und nationale Gerechtigkeit. Der Kampf um die Vertin- digung des Staates muß auch ein Kampf um die Erfüllung jener Prinzipien sei», auf hie der Staat begründet ist. Deswegen sprcchen wir es auch ün Rahmen diestr Debatte aus, daß da» Verteidigungsgesetz«och wescn 1 li- ch e r E r g n n u n g e n durch soziale Maßnahmen» durch mdnftriellrn Wiederaufbau» durch Rücksichtnahme auf die begründeten Beschwerden der deutschen Bevölkerung in de« Grenzgebiete» bedarf. Die Heeresverwaltung wird durch die Handhabung dieses Gesetzes beweisen müssen, daß sie eine Hüterin der nationale» Gerechtigkeit in diesem Staate ist und daß das Gesetz keiner andere» Nebenabsicht dient. Die tschechische Politik steht vor der großen Aufgabe» die deutsch« und ungarische Bevölkerung im Interesse der Festigung de- Staates und der Erhöhung seiner Sicherheit in das Gefüge de» Staate» organisch etnzuglieder«. Unsere Aufgabe als deutsche Aksivisten ist es, die Vertraue nsbasis zwischen Tscheche» und Deutschen zu erhalten und zu verbreitern. Schätzen Si« diese Arbeit nicht zu gering ein. Ueben Sie weniger Kritik an unserer Innenpolitik, sondern blicke» Sih hinüber in die Länder her. Diktat»« And fragen SIesich, wie dort die Lage der»a- ' tivnake» Minderheiten iss, was etwa der Faschismus den Deutschen in Südtirol und in P»< len gebracht hat! Fragen Sie stch, ob die D i k- taturstaaten uns das Beispiel für die Lösung der nationalen Frage gegeben haben! Wir als deutsche Aktivisten haben versucht, jenen Schutt wegzuräumen, der durch die Kriegs- und Nachkriegspolitik zwischen Deutschen und Tschechen aufgehäuft wurde. Diese Aufgabe ist noch nicht erfüllt, aber die Voraussetzungen deo Friedensschlusses zwischen Deutschen und Tschechen haben wir aufrecht erhalten: den verfaffungSntäßi« gen Boden des demokratisch-republikanischen Systems. Aufgabe der tschechischen Patrioten in diesem Lande ist'es. Beweise ihre» Verständnisses für die berechtigten Wünsche und Forderungen auch der deutschen Mitbürger in diesem Lande zu liefern. In dem festen Glauben an den Sieg der Menschlichkeit, an den Sieg der sozialen Gerechtigkeit, an den'endlichen Sieg der politischen Vernunft bei allen Völkern dieses Landes werden wir für dieses Gesetz stimmen!(Lebhafter Beifall, auch bei den tschechischen sozialistischen Parteien.) 4. Der Droschkenkutscher Kostja Kontakki, dessen Wagen als einziger in der Stadt Gummireifen hat. fährt vor und setzt seine Gäste ab. Zuerst holt er aus deu Tiefen seines Wägens eine blasse, unbekannte Ficau(nicht Aglaja) mit einem Säugling auf dem Arm heraus. Dann einen großen Koffer, dann einen kleinen Koffer. Und endlich springt vom Wagemritt Aglaja herunter, ganz genau dieselbe, wie an jenem Tage, al» sie nach der Kokosnuß fragte. Diese Aglaja hat dieselbe kleine Nase mit den drei verschieden großen Sommersprossen, die genau so verteilt sind wie die Löcher auf einer dreilöchrigen Feder. Diese Aglaja hat denselben kastanienbraunen Haarschopf und dieselben goldenen Augen wie die Kaiserin Theodora iir ihrer Kindheit. „Guten Tag, Onkel", sagt die blaffe, unbekannte Frau(nicht Aglaja).„Onkel, Sie erkennen mich nicht, ich bin Aglaja. Und das ist meine Tochter und das mein Sohn, er ist erst elf Monate alt und hat schon drei Zähne." Der Tisch ist abgedeckt. Afanaffij fegt den Fußboden. Aglaja ist in ihr Zimmer gegangen, um ihren Sohn Grießbrei zu geben, nachdem sie Hadrian Hadrimwwitsch in kurzen Zügen ihr Leben während dieser Jahre sowohl wie die Lage der Genossenschaften in der tatarischen Republik geschildert hat. Stawrali blieb allein mit seiner Großnichte. „Nun, mein Kind", begann er,„wollen jvir un» jetzt einmal ein wenig unterhalten. Ich \ weiß ja noch nicht einmal, wie du heißt." „Maja. Und du, ich weiß eS, heißt Hadrian Hadrianowitsch. Aber ich werde dich Großvater nennen." „Gut, mein Kind... Maja! Ein wundervoller und inhaltsreicher Name. Aus indisch be« deuttt er„Illusion",„Träumerei", Wenn du kein Taschentuch» hast, Liebling, nimm mrinS." „Nein, nicht Träumerei, sondern der erste Mai, und nicht auf indisch/ sondern auf russisch. Und ein Taschentuch habe ich selbst, ich habe nur eine Oualle-darin- eingewickelt." „Der erste Mai... ach spj Und wie alt bist du denn, Maja, Mädelchen?" ^„Sechö Jahre. Ich bin drei Jahre jünger al» die Revolution» aber ich wachse mit ihr zu- sanuNey auf. Und wie-alt bist du, Großvater?" ‘„(jy Jahr».", antwortet Stawxakj ergeben und-fvagt dann ärgerlich:„Der hat dir denn das Mit der Revolution gesagt?" „DaS hat Papa-gesägt. Ich habe einen wundervollen Papa. Er hat ein kleines Bärtchen und weiß' alles.- Aekßt- du, wie unser Jimge heißtH Er' heißt Rem(Remus)" rVSehr schön"„ atmet Stawraki erleichtert auf und stochert mit der Feuerzange im Kamin herum.„Jetzt fehlt nur noch der Romulus. Aber- ich hoffe, daß ihn nicht eine Wölfin gesäugt hat." „Nein, wir hatten eine Ziege, weil wir außerhalb der Stadt wohnten. Sag' mal, Grotz- vater, was bedeutet denn RomuluS?" „Was das bedeutet?" „Ja, aus was für welchen Wörtern besteht es? Rem bedeutet Revolution, Elekt... rifikation Metarul..... Metallurgie. Und was heißt Romulus?" „Maja*, sagte der Alte voller Berzweif- limg,„Maja, liebst du Märchen? Hör' zu, ich werde dir ein Piärchen erzählen, genauer gesagt, eine Mythe." „Was ist das, Mythe?" fragte Maja unverzüglich. „Eine Mythe ist auch ei« Märchen, aber ein altes'— uralte», und deshalb ein noch viel schöneres. Komm, setz' dich näher zu mir und nimm doch lieber mein Taschentuch.". Mit runden Augen starrt Maja den Asien an, und er beginnt zu erzählen:', „Bor langer, langer Zeit lebte einmal ein kleines Mädchen Proserpina. Es war wunderschön. Einmal geschah es nun» daß Proserpina mit ihren Freundinnen weiße Blumen auf einer Wiese pflückte." „Gänseblümchen?" „Nein, nicht Gänseblümchen. ES kvaren wahrscheinlich Narzissen, aber sie waren noch »oeißer und duftender, als heute. Sie ging über die Wiese/und immer dichter standen die Blumen. Sie sah sie wachsen. Proserpma verließ ihre Freundinnen und ging immer weiter, immer weiter. Plötzlich... öffnete sich die Erde und in einem Wagen, der von festerspeienden Rossen gezogen wurde, erschien Pluto, der dort unter der Erde sein Reich hatte. Er ergriff Proserpina wie eine Blume und über ihnen schloß sich die Erde wieder. Proserpina hatte eine Mutter, Ceres. Als sie von dem schrecklichen Unglück erfuhr, machte sie sich msi Windeseile auf den Weg, um sie zu suchen." „Auf einem Flugzeug?" fragt Maja. „Nein, zu Fuß. TereS ging und ging, und- kam schließlich in ein fremdes Königreich. Damals war alles noch viel einfacher als heute, und darum wurde sie sogleich zum König geführt. (Fortsetzung folgt.) Rr. 103 Frettag, 1. Mai 1936 Seite 3 Ein Kapitel sndctcndcntsdicr Industricgcsdilditc Haida— Steinschönau! Mit dem Namen dieser beiden Städte verbindet sich die Vorstellung von Gewerbefleiß, sudetendeutscher Arbeiterintelligenz und ungeheurem Notstand. Von Gewerbefieis; und Arbeiter-Intelligenz zeugen zunächst die Museen in Haida und Steinschönau, welche die Leistungen der Glaskunst im In der Glashütte Wandel der Zeiten anschaulich darstellen. Es ist hier eines der interesiantesten Kapitel sudeten- deutscher Jndustriegeschichte zü sehen;, man begreift es allerdings nur dann vollständig, wenn man über die Menschen, die. dieses Kapitel verfaßten, nicht hinwegsieht, sondern sie in Beziehung setzt zu ihren Leistungen in Vergangenheit und Gegenwart und ihre soziale Position erkennt. Lin Museum der Arbeiter und der Arbeit Das Glasmuseum in Haida gehört der freigewerkschaftlichen Organisation der Glas- und Keramarbeiter. Seine Entstehung verdankt es der Tatkraft einiger' Pioniere' der Glaskünst aus den neunziger",Zahlen, dxren Brnysstalq durch einen Jeiurnalisten verletzt wurde. Jener Journalist schmähte anläßlich' einer Glasausstellung im Jahre 1892 die Erzeugnisse der Haida-Stein- säÄnauer Industrie, worauf die Arbeiter nicht etwa die Abfassung einer langen Polemik beschlossen,-sondern ihre alten und neuen Leistungen in einer rasch organisierten ständigen Ausstellung dem kritischen Beobachter zeigten. Am 14. Mai 1898 wurde das Museum eröffnet, die alten Stücke holte man aus den einzelnen Wohnungen, die Sammlung wird durch neue Stücke fortlaufend ergänzt. Auch die ältesten Stücke überraschen durch ihre Vollkommenheit; die wertvollsten waren bei der Gründung des Museums allerdings nicht erreichbar. Oie„goldene Zeit“ Da stehen ein paar farbige Flaschen in der Form moslimschrr Minaretts, verziert mit lebhaften orientalischen Farben. Daneben stehen Schachteln, in denen Serien einfacher, alter Trinkgläser ausbetvahrt werden. Es sind nicht die wertvollsten Stücke, aber sie erzählen dir von del gcldencn Zeit der Haida-Steinschönauer Glaskunst. Die Minarettflaschen wurden mit Pferdefuhrwerken nach der Türkei gebracht, die Gläier noch mit Schubkarren nach Spanien. Die Erzeuger waren noch ihre eigenen Händler: die Glaswaren wunden in fernen Ländern mit Gold ausgewogen. Das war der Anreiz zu einer immer weiter fortschreitenden Vervollkommnung der künstlerischen Leistung. An der Ausbildung der Menschen, die die Glaskunst der sudetendeutschen Heimat in der ganzen Welt berühmt machten, hatte auch das Piaristenkloster in Haida starken Anteil. Schubkarrenreifen nach Spanien gab es noch im Jahre 1725, ftöhliche Zecher konnten ihr Bier schon um daß Jahr 1600 aus kunstvoll verzierten Haida-Steinschönauer Gläsern trinken. Krisen der Wirtschaft— Krisen der Kunst Auch in jenen alten Tagen gab es immer wieder Absatzkrisen, die zu Preis- und Lohndruck führten. Und immer waren solche Krisen von einer Minderung der künstleriscben Leistung begleitet. Das ist im Museum genau zu beobachten. Die große Krise! in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts läßt eine Beeinträchtigung der damaligen Leistungen erkennen, im Weltkrieg wird die Glaskunst der KriegSprcPa« ganda dienstbar gemacht. Greuliche schwarz-gelb bemalteoTrintgläser zeugen von der Schande jener Zeit.' Man hat gute Glasmaler' der Dienstpflicht entbcchen. wenn sie sich verpflichteten, ihr Können in den Dienst der Kriegspropaganda zu stellen: Der hervorragende Glasmaler Hegenbarth, Steinschönau, der auch im Kriege Wertvolles ge- sckmffen hat, ist 1917 verhungert. Arbeiten, die heute, einen außerordentlich höhen Wert repräsentieren, hat er, wie viele andere, gegen ein Stück trockenen Brotes abgegeben.— Nach dem Kriege steigt die künstlerische Leistung wieder sichtbar, beim Einsetzen der großen Krise sinkt sie wieder. Der Nachwuchs hat keine Gelegenheit mehr zum Lernen, aber auch keinen Ansporn. Die figürliche Handmalerei wurde durch das Druckverfahren ersetzt. Lohndruck. und Absatzkrise, Serienerzeugung und Sinken des Geschmacks verlocken keinen jungen Menschen zur Ausbildung und Entfaltung der künstlerischen Fähigkeiten. Die Angehörigen der alten Generation be«' fürchten nicht mit Unrecht, daß die großen Fähigkeiten und das hiche Können der Glasarbeiter, der Kugler, Graveure und Maler mit ihnen aus- stirbt.— Die Einwirkung anderer Faktoren auf die Entwicklung der Glaskunst: Mit der Verwendung des Petroleums ist die Nachfrage nach schönen Petroleumlampen verbunden. Die Petroleumlampe ist ein Stück des traulichen Heimß, weitaus mehr als die nüchternen elektrischen Beleuchtungskörper, die im Wege der Serienerzeugung verfertigt werden. Die Erfindung der Glühbirne versetzte der Glaskunst des Gebietes Haida-Steinschönau einen, schwere». Stoß.■■■ Industrieverschleppung Zum Kapitel Krise gehört auch die Verschleppung der Glaskunst und der fortgesetzte Diebstahl des Auslandes an dem geistigen Eigentum unserer Arbeiter. In Amerika wurde in den letzten Jahren das Bleikristall(schweres, dickes Glas) erfunden. Verwendbar und marktfähig wurde es erst durch den Schliff, in dem unsere Glasarbeiter unerreichte Meister sind. Die Amerikaner, die heute nach Haida kommen, bringen in der Regel keine großen Aufträge, sondern nur kleinere. Der Exporteur gibt sie, immer in der Hoffnung, einen Massenauftrag zu tätigen, an die Erzeuger weiter. Es werden von unseren Graveuren und Kuglern die. in Amerika so gesuchten Verzierungen verfertigt; der Amerikaner nimmt die— übrigens schlecht bezahlten— Musterstücke mit und läßt die Maffenaufträge in Amerika ausführen— nach den hier angekauften Mustern und trotz dem Musterschutz. So werden sowohl unsere Arbeiter, als auch unsere Unternehmer regelrecht betrogen. Bei den wertvolleren Arbeiten ist d ie.Glasindustrie Haida- Steinschönau heute nur eine Musterindustrie. Diese Müsterindustrie lebt heute durch die unerreichte Qualität der Leistung.— Die Amerikaner können zudem die. gestohlenen Musterideen rationeller auswerten als unsere heimischen Erzeuger,, weil alle Zweige der Glasprcduktion in große» Unternehmungen zusammengefaßt sind. Auch die reichsdeutsche Konkurrenz ist aus diesen Gründen leistungsfähiger. Auch dort sind die Rohglaserzeugung und die Raffinerie gewöhnlich in einer Hand vereinigt.— Auch die besten Musterideen werden heute schlecht bezahlt. Die ärgsten Lohndrücker sind die Henlein-Unternehmer. In einem tschechischen Betrieb in Haida sind musterhafte Zustände, die Besitzer stammen aus Arbeiterkreisen. Von einem anderen tschechischen Unternehmen erzählt man sich, daß dort die Arbeiter nur wenig Nachtstunden in den Fabriksräumen auf Holzwolle schlafen und in überlanger Arbeitszeit zu Hungerlöhnen schuftem Die Ausbeutung, kennt keine nationalen Unterschiede. Die Unternehmer versuchen einander zugrunde zu konkurrieren. Dieser Kampf wird auf dem Rücken der Arbeiter auSgefochten. Industrisvsrschieppung Im Lands In den letzten Jahrzehnten ist in Eisen« b r o d, also in einer rein tschechischen Gegend, eine neue Glasindustrie entstanden, die sich viel größerer staatlicher Förderung erfreut als jene im Gebiet Haida-Steinschönau. Diese tschechische Glasindustrie ist eine große Konkurrenz, sie entwickelt sich gut, während die sudetendeutsche zu- Glasgraveur grundegeht. An dieser Verschleppung unserer Glasindustrie ins tschechische Gebiet haben allerdings unsere deutschnationalen Unternehmer den größten Anteil: sie brachten die um geringeren Lohn arbeitenden Tschechen nach Gablcnz und Haida.. Die in ihre Heimat zurückwandernden tschechischen Arbeiter konnten ihre in Gablonz und Haida erworbenen Kenntnisse beim Aufbau der tschechischen Industrie erfolgreich verwerten. —. Selbstverständlich haben diese deutsch- natianalen Unternehmer unseren sudetendeutschen Arbeitern das brüderliche soziale Zusammenwirken mit den tschechischen Klaffengenoffen immer zum Vorwurf gemacht. [doch ein nationales Kapitel Es fällt im Haida-Steinschönauer Gebiet nicht nur die bessere Beschäftigung der Eisenbroder Industrie auf, sondern auch die Tatsache, daß die tschechischen Firmen im. deutschen Gebiet durchwegs bester beschäftigt find als die deutschen. Ein früherer Exporteur aus Steinschönau meinte sarkastisch:„Man handle.mit französischen Kontingenten, das ist ein gutes Geschäft!" Die deutschen Arbeiter behaupten übrigens, daß die tschechoslowakischen Auslandsvertretungen bei der Propaganda für unsere Jndustrieprcdukte nur die tschechischen Firmen berücksichtigen. Es ist jedenfalls unbestreitbar, daß zur gleichen Zeit, da deutsche Firmen in großer Zahl eingehen, tschechische bei guter Beschäftigung hochkommen. Niemand kann die deutschen Arbeiter hindern, sich darauf einen Reim zu machen; und der Henleinpropaganda ist durch diesen Tatbestand gut vorgearbeitet worden. Polizeimaßnahmen gegen die faschistische Gefahr mögen mitunter sehr zweckmäßig sein; noch zweckmäßiger wäre eS, das Gefühl der nationalen llebervorteilung in den deutschen Arbeitern nicht erst aufkommen zu lasten und die Tatsachen zu beseitigen, denen'dieses für den Staat und die Demokratie gefährliche Gefühl entspringt..—■ Auf dem Oberbqü der Strecke Ullrichsthal—Wolfsdorf wurden unter den vielen Bewerbern deutscher und tschechischer Nationalität zehn Tschechen beschäftigt,, lonst niemand. Jetzt soll die Strecke Steinschönau—Preschkau, hergerichtet werden Vierzig Leute werden eingestellt, achtzig haben sich beworben.„Wir haben keine Hoffnung, dranzu- kominen", sagen unsere schon seit fünf Jahren arbeitslosen Genoffen aus Steinschönau, treue und eifrige Streiter der Demokratie, opferwillige i Kämpfer der Republik. Wanigar Lohn, mehr Arbeit Die Löhne sind in der Zett der Krise um fast 60 Prozent gesenkt worden. Auch die Arbeiter brechen aus der gewerkschaftlichen Front und. unterbieten einander die Hungerlöhne. Die Glaskuglerei Dinge liegen in Steinschönau schlechter als in Haida. Die Arbeiter' des Haidaer Gebietes siedeln geschloffener. Die Unternehmer Haidas find zugewandert, jene in Steinschönau sind— oder besser: waren— bodenständig. Die Klaffenscheidung war und ist in und nm Haida viel stärker ausgeprägt. Die Arbeiter in Steinschönau haben zudem stärker als die in Haida und Arnsdorf mit der Lohndrückerei durch die Bewchner aus den umliegenden Dorfgemeinden zu rechnen.„Für diesen Lohn arbeiten wir nicht, da gehn wir lieber stempeln!" Diese Aeußerung kann man in Haida weitaus öfter hören als in der Gegend von Steinschönau. Viele Dorfbewohner. arbeiten für jeden Lohn. Aber auch in Haida gibt es Tarif- brecher und Ueberstundenschinder. Die guten Gewerkschafter sprechen mit Verachtung von ihnen. Es gibt in Steinschönau und in Haida Ouali- tätSarbeiter, die nicht den Mindestlohn von 160 KL verdienen, sondern, bei angestrengtester Arbeit höchstens 60 bis 80 KL wöchentlich. Selbst manche Kugler, die die. schwerste und gesundheitschädlrchste Arbeit leisten, verdienen nicht mehr als 80 KL wöchentlich. Metallschlxifer sind in Steinscbönau rnif einem Stundenlohn von KL 1.60! Der,Kern der Arbeiter wird durch den gewerkschaftlichen Gedanken zusammengeschlossen. Das Elend der Arbeitslosen Steinschönau bietet einen trostlosen Anblick. Durch die zerbrochenen Scheiben der meisten Unternehmungen bläst der Wind, rder aber sehen dich' die verschmutzten Fenster so glanzlos an wie die Augen der Arbeitslosen. Der, Genosse, der mick begleitet, hat es eilig: er muß die Schule entlüften, sie wurde wegen Scharlach desinfiziert. Die Kinderkrankheften nehmen immer mehr überhand, das kommt vom Hunger. 5400 Einwohner hat Steinfchönau, davon gehören 2198 Ärbeitslosenfamilien an. Viele der noch Be- schäftigten sind Kurzarbeiter. Die Mitglieder der Sozialkommission sind verzweifelt, weil sie zu wenig helfen können. Bor allem ,für die Jugendlichen kann gar nichts getan werden. Die Brote aus der Brotaktion werden zerschnitten, damit mehr Bedürftige beteilt werden können. Der sozialdemokratische Stadtrat Paul Bittner—„Paule" wird der Unermüdliche von allen genannt—, bei dem die Fäden der Avbeitslosenfürsorge zusammeti- laufen, ist selber schon fünf Jahre arbeitslos. Er und die anderen Genossen harren tapfer aus, tröstend und helfend.„Drei Kronen hab' ich noch für eine ganze Woche, Paul! Hast du nichts fun mich?" So fragt eine Familienmutter, da ich gerade bei„Paulen" zu Besuch hin^ /.Da heißt eZ halt, die ganze Woche trocken Brot und Kaffee effen",„tröstet" Paul, dann rennt er zur Stadt- ratssitzung. Hungernde Unternehmer In Steinschönau arbeiten nur noch wenige Betriebe. Bei Pallme-König regnet es durch das Dach, in den Höfen wuchert Gras. Im Gebäude ist, welch' ein Symbol, das. Arbeits- losenamt untergebracht. Dem letzten Besitzer geht Glaspokal Leitr 4 Nr. 103 Freitag, 1. Mai 1S3K kür virlclidt nahrhaftes Essen sorgt Ceres, das Pflanzenfett. Es gibt dem Körper die Kraft, die ihn jeder Arbeit gewachsen macht I es schlechter als den Arbeitslosen. Die Frau holt Reisig aus dem Walde, für Kohle ist kein Geld da. Der frühere Besitzer eines anderen Unternehmens, der über drei Kcmplexe verfügte, lebt von der Unterstützung durch Angehörige, ein anderer Unternehmer, der früher 60 Menschen beschäftigte, bat oft nicht einmal genüg trockenes Brot, wieder ein anderer ehemaliger Besitzer ist, völlig verarmt, Funktionäre der kommnistischen Partei geworden. In den Kanzleien„seiner" Fabrik, wo ehedem der Mehrwert errechnet wurde, beraten jetzt die Kommunisten... Ein anderer ehemaliger Unternehmer ist Leiter des Arbeitslosenamtes. Der frühere Pächter einer Hütte bezieht nun gewerkschaftliche Arbeitslosenunterstützung, der Sohn Lebensmittelkarten. Es gibt da allerdings auch noch gutgehende Unternehmungen, in einer Fabrik, deren Besitzer'keine Arier sind, werden erträgliche Löhne bezahlt. Bei anderen Firmen ist der Stundenlohn auf 1 KL bis 1.20 KL gesunken! Die Lusterfabrik Elias Pglme, die früher 320 Menschen Arbeit gab,, beschäftigt noch 20 Leute! Ein SdP- Uiüernehmer entließ die Männer und beschäftigt dafür Mädchen, denen er Wochenlöhne von 50 bis 55 KL zählt.— Im Sägewerk gab es 1834 dreizehn, 1835 elf und 1836 bisher drei Arbeitswochen. Früher waren dcrt 70 Beschäftigte, heute sind es 12. Arbeit für die Nation Das wunderbare Glasmuseum in Haida ist das Werk und der Besitz der sozialdemokratischen Arbeiterschaft. Die in Stein verewigten Gründer waren Sozialdemokraten, die größten Künstler waren„Rote". Darüber spricht Alexander P f o h l, einer der Gründer, der mich durchs Museum führt, mit Stolz und Freude.„Wir lernen nie aus", sagt der Genosse, der die Befürchtungen über das Versagen der Jugend äußerte,„wir müssen vielseitig sein". Das ist Arbeiterstotz und Lcistuogswille I Und dieser Mann, der die Lohndrückermethoden der SdP-Unternehmer schildert, denen er das Selbstbewußtsein und das Können deutscher Arbeitsmenschen entgegensetzt, ist ein Roter! „Um eines Volkes Geist zu erkrune«, betrachtet man seine Werke!" Dies steht auf der Marmortafel, die von der Gründung des Museums Kunde gibt. Es ist das stärkste Argument gegen die Flachkövfigkeit und das Phrasengedresch der Völkischen, die eben diesen rcten Arbeitern die Zugehörigkeit zur Nation absprechen wollen. Das Können und die Fähigkeiten der Sudetendeutschen waren in der ganzen Welt schon längst durch die Werke der roten Arbeiter bekanntgeworden, als Henlein auszog, um, auf seine lohndrückenden Unternehmer gestützt, die„Neugeburt" der Nation vorzubereiten. Die stummen Werke unserer Arbeiterschaft, die man betrachten möge, um den Geist der Nation zu erkennen, sprechen eine beredtere Sprache als die hohltönenden und wortreichen Episteln des su- detendeutschen Stammesführers. Wem gebührt die Krone für die besten Lei« stungen? Den Haidaeru oder den Steinschönauern? Die Leute sind ein wenig eifersüchtig aufeinander. Und der Berichterstatter will niemanden kränken. Es ist wahr: der größte Teil der Arbeiten im Glasmuseum Haida stammt aus Steinschönau. Wer das beste Stück im Museum Steinschönau, zugleich eines der edelsten Erzeugnisse der GlaSkunst überhaupt, der Plehuer- Polal, stammt auS Haida. Das ist ein Ausgleich, der zufriedenstellt und erfreut. Ktzr! Kern. Wegen de» StaatSfriertage» sm Freitag, de» 1. Mai. itfSllt am Gamatag, de« 2. Mai unsere Ausgabe. Di« nächste Ausgabe erscheint dann zur gewohnten Stunde am Sonntag, de» 3. Mai. Dir Verwaltung. „freut euch des Lebens!“ Die Malparole Im Dritten Reich Riesige Mehrheit für das Staatsverteidigungsgesetz SdP-Theater nach der Abstimmung Prag. Dir Abstimmung über das Gtaats- verteidigungsgesetz und der Spionagevorlage am Donnerstagvormittag trug ganz den Charakter eines großen Errigniffes. Die Ministerbank war »oll besetzt, auf den Bänke» des Hauses fehlten nur die Ungarn, alle anderen Klubs waren fast bis auf den letzten Mann erschiene«. Die Abstimmung über beide Gesetze war in kurzer Zeit erledigt, da von der einzigen Opposi- tion— SdP und Kommunisten— nur wenige Abänderungsanträge eingebracht worden waren, für die immer nur die jeweiligen Antragsteller stimmten. Nur einmal ergab stch bei der Ablehnung des 6. Hauptstückes eine Ernh e.i ts- front zwischen SdP»nd Kom• m« n i st e n, die vom übrigen Haus mit leb-, basten Zwischenrufen ausgenommen wurde. Die Kommunisten stimmten konsequent gegen alle Kapitel der Vorlage,«ährend die SdP außer für ihre eigenen AbänderungSanträgr die Hand zweimal für die Hauptstücke V«nd VH erhob. Alle anderen Parteien, also außer der Koalition noch die deutschen Christlichsozialen, die Hlinka- partei, die Rationale Vereinigung und die Faschisten, stimmten geschlossen für die Vorlagen, die somit mit einer Überwältigenden Mehrheit in leiden Lesungen angenommen wurden. Nachträglich schickte dann, wie»stiziell gemeldet wurde, die SdP die Herren Dr. Peters und K n n d t zum Vorsitzenden des Hauses«nd ließ erklären, daß sie auch noch für die Kapitel 1, 3 und 8 gestimmt hätten, wenn sie die Enuntia- tionen des Vorsitzenden besser gehört und verstanden hätten. Daran stimmt etwa» nicht, denn die Abstimmung ging, von ein paar kommunistischen Randbemerkungen abgesehen, ganz ruhig vor sich, dir Worte des Vorsitzenden waren im ganzen Hause deutlich zu vernehmen; schließlich sitzen unter der SdP auch ein paar alte Parlamentarier, die über die Formalitäten einer solchen Abstimmung hinreichend informiert sind, um in einem solchen Falle den Klub fehlerlos dirigieren zu können. Da muß man schon annehmen, daß den Herren erst nachträglich so richtig zum Bewußtsein gekommen ist, wa» für verheerende Wirkungen die Rede des Herrn Sandner von den „Psychosenwirkungen" und die Abstimmung Schulter an Schulter mit den Kommunisten aus tschechischer Seite bis weit in die Bänke der Agrarier hinein ausgrlöst hat. Die nachträgliche Korrektur wird diese« Eindruck bestimmt nicht besser mache«.... » Unangenehme Feststellungen an die Adresse der SdP BoN den Referenten^ die vorher das Schlußwort hielten, hört« die SdP auch nicht viel Lob über ihr Verhalten. So sagte ihnen der Abgeordnete Richter, daß kein Wort der SdP.-Redner klar gewesen sei. Sandner hab« auf die Frag«, auf wen die Deutschen schießen würden, nur Höch st dunkel geantwortet. Di« Psychose unter den Sudetendeutschen, von der er sprach, sei nur der Reflex derBbrgänge im Rachbarreich. Diejenigen, die diese Psychose Hervorrufen, werden zur Verantwortung gezogen werden. Die SdP sollte ihren Anhängern lieber sagen, daß die Wirtschaftskrise aus der internationalen politischen Unsicherheit er- fließt? und sie aufklären, wer diese Unsicherheit hervorruft. Der Referent P e k ä r e k sagte ihnen. daß man kein« Vorbehalte bei der Verteidigung des Staates zulafsen könne. Dr. D u f e k(Agrarier) hielt den Patentdemokraten vor, daß die SdP doch selbst ganz auf das Führerprinzip eingestellt ist und nicht auf die Demokratie, und daß man von ihnen nie ein Wort der Entrüstung gehört hat, wenn in den Nachbarstaaten die Demokratie durch die Diktatur gestürzt würde. Was die von der SdP. verlangte„M o- bilisierungderHerzen" betreffe, so sei es schwer, diese Mobilisierung durchzuführen, wenn die Herren mit festen Banden an Berlin wder Moskau, aber nicht an Prag und die Tschechoslowakei gekettet sind. David(Nationalsozialist) sagte: Wie die SdP denkt, das zeigt am bedenklichsten die Antwort SandnerS auf die ost wiederholte Frage, wie sich die Sudetendeutschen in einem neuen Konflikt verhalten würden. Aus dem Gerichtssaale wissen wir, daß die Advokaten sich auf die Psychose erst nach dem Verbrechen berufen. Neu war es für uns, daß die Herren von der SdP. mit Hochverrat drohen und ihn mit einer Psychose schon vor dem Verbrechen entschuldigen wollen. Koalition und Regierung sollten die Rede SandnerS gründlich durchstudieren und darüber Erwägungen anstellen, denn die Sicherheit des Staate» gebiete es, daß afle, die dieser Psychose verfallen sind, im Interesse des Staates unschädlich gemacht werden. * Nach der Abstimmung vertagte sich das Haus auf Donnerstag, den 7. Mai, 3 Uhr nachmittags. Auf der Tagesordnung steht der Initiativantrag Keine Notstandsaktion? Au» kleinbäuerlichen Kreisen wird uns geschrieben: Mit großem Tamtam haben die zuständigen Stellen und noch dazu reichlich spät zwei Notstandsaktionen angekündigt zur Unterstützung der Landwirte in den Dürregebieten. Was dabei her» ausgekommen ist, war leider nicht viel. Seit sechs Wochen warten die notleidenden Viehzüchter aus die ihnen verheißene billige Kleie und das billige Futtermehl, inzwischen wächst bereits das Grünfutter heran, ohne daß es jemanden einfiele, die angeforderten Mengen der genannten Mahlprodukte zu liefern. Und die Ursache? Das Finanzministerium macht angeblich Schwierigkeiten bezüglich der Finanzierung dieser Aktion. Die Saatgutaktion ist in manchen Gebieten nicht viel besser ausgefallen. Heute warten noch viele Kleinlandwirte auf die Zuteilung durch die Lagerhäuser, in manchen Orten wurden sie durch die Lagerhäuser einfach abgewiesen mit dem Bemerken, daß kein Sacktgetreide vorhanden sei, oder daß man von einer solchen Aktion nichts wisse. WaS sollen die Bürger zu einer solchen Demokratie sagen?, die solche Zustände duldet und immer zu spät kommt, wenn es gilt, die Rot zu lindern. Hält man sich denn in Prag nicht vor Augen, daß derartige Zustände da» Ansehen drS StaateS, seiner Einrichtungen und der Demokratie überhaupt herabsetzen? Der Präsident der Republik empfing Donnerstag nachmittags den Minister Dr. Franz Spina und den Vorsthenden des Bunde» der deutschen Landwirte G. Hacker. Das dcQtsch-tschcclilsclic Problem Tsdiediisdic Diatlerstlmmen Mit dem deutsch-tschechischen Problem befassen sich einige Blätter, wcvon wir die Stimme der„Ptitomnost" und des„Prävo Lidu" anführen. Die„Pkitomnost" schreibt: Die deutschen Attivisten können gegenüber dem Henleinischen Radikalismus nur dadurch Widerstand leisten, daß sie sich auf einer gemeinsamen politischen Linie einigen, welche sowohl auf die berechtigten nationalen Forderungen der deuffchen Bevölkerung, wie die unumgänglichen Forderungen der staatlichen Sicherheit und der Loyalität zum Staate Rücksicht nimmt. Die zweite Rücksichtnahme gilt dem tschechoslowakischen Teil der Koalition. Der deutsche AktiviSmu» wird, wie eS scheint, seine Haupfforderungen nur dann durchsetzen, wenn er sie recht laut ausspricht und wenn er genügend Polstische Kraft zeigt, sie zu erzwingen.... Von neuem und enffchieden empfehlen wir der Regierung, der Stimme der deuffchen Akffvisten Aufmerksamkeit zu schenken. Insbesondere dem, WaS Abgeordneter Jaksch in Bodenbach gesagt hat. Wenn dieser ernste und unserem Staate sowie in der ffchechisch-deuffchen Zusammenarbeit über allen Zweifeln ergebene Politiker sagt, daß sich die Tschechoslowakei entscheiden müsse, ob darin für die Sudetendeuffchen Platz sei oder nicht, steckt etwa- sehr Ernstes dahinter. Es ist dahinter die Unzufriedenheit der deutschen Bevölkerung, die große Wirtschaftsnot in den deuffchen Gebieten, der Jndustriefriedhof in Nordböhmen, die Verbitterung über die Sprachschikanen, die Erregung darüber, daß öffentliche Arbeiten im deuffchen Gebiet nur Firmen aus dem Innern des Lande- vergeben werden und daß tschechische Arbeiter hingesührt werden usw. Die Regierung, welche es nicht so weit kommen lassen darf, die letzten Deutschen aus der Koalition zu vertreiben und gegen uns eine einheitliche deutsche Opposition zu haben, muß sich mit diesen Dingen ernstlich und gleich befassen. Unter dem Titel„PatriotlSmus darf nicht bestraft werden", schreibt der tschechische Genosse Dozent Dr. Josef Fischer(der an unserer Bodenbacher Konferenz teilgenommen hat): Es wäre der gleiche Fehler, welchen die Westmächte begingen, als-sie Konzessionen der Weimarer Republik gegenüber adleynren. Heute machen sie Hitler viel größere Konzessionen, als die Weimarer zu verlangen wagten. Wenn jemand das Recht hat, an unsere Republik Forderungen im Namen der deuffchen Bevölkerung zu stelle», .„ so. find. es gerade die Menschen, welche die ganze Schwere des Kampfe» und der Verantwortung tragen und keinesfalls Herr Henlein... Im Interesse des Staates muß solchen Dingen, wie, daß ein Henlein-Unternehmer einen deutschen Arbeiter entläßt, weil er Sozialist ist (es ist unwahr, daß nur Tschechen entlassen werden), ein Ende gemacht werden. Die politische Behörde kümmert sich nicht darum und wenn sie dann selbst öffentliche Arbeiten vcrgwt, beruft sie Arbeitskräfte aus dem Innern des Landes und kümmert sich nicht um die ArvettSlosen deS dortigen Gebietes. Wenn eine solche Poliffk bis zum Kampfe um den letzten Briefträgerposten geht, wenn sie den loyalsten deutschen Arbeiter, Vater von drei Kindern, zum Betteln zwingt, weil er es ablehnt, aus der sozialdemokratischen Partei aus- zutteten— wie glänzend agitieren wir selbst damit für die Henlein-Leute. Die volksparteilichen.Lidove Listy" befaßten sich Mittwoch in einem Leitartkel mit dem deutsch-ffchechischen Problem und drücken vor allem die Genugtuung über die aktivistische Tendenz bei den deuffchen Christlichsozialen aus; sie halten es aber für notwendig, andererseits zu betonen, daß vom staatlichen Gesichtspunkt aus kein sudetendeutsches oder überhaupt ein Minde'r- heitsproblem existiert, sondern nur Einzel- probleme, welche die tschechischen Bolksparteiler einvernehmlich, ruhig und in Zusaimnenarbeit und Liebe zum Nächsten zu lösen bereit sind. Daß es aber möglich wäre, heißt es weiter, durch irgendeinen Pakt ein für allemal alle Fragen zu lösen, glauben wir nicht. Von einem „Ausgleich" im altösterreichischen Sinn kann keine Rede sein. Gerade die Erfahrungen aus der alten Monarchie zeigen, daß das Leben des Volkes nicht in Paragraphen eingeschloflen werden kann und die Geschichte der alttschcchisckicn Punktattonen bezeugt, daß solche Pakte nicht eine Generation überdauern. Kein Vernünftiger bezweifelt, daß die Position der Akttvlsten im Interesse deS Staates erleichtert werden muß, aber die Versuche um eine integrale Lösung sind im vorhinein zum Mißerfolg verurteilt. Krisengerüchte aus Oesterreich Linz. Das„Linzer Volksblatt" ist wegen einer Meldung über bevorstehende Aenderungen in der österreichischen Regierung, insbesondere in den Ministerien für Landwirtschaft und soziale Verwaltung, der Beschlagnahme verfallen. Chamberlain wieder In London London. Sir Austen Chamberlain ist von seiner Mitteleuropareise nach London zurückgekehrt. Pressevertretern gegenüber erklärte er: Es ist lächerlich und unsinnig zu behaupten, daß ich irgend eine Mission hatte. Meine Reise war durchaus privater Natur. Nr. 103 Freitag, I. Mai 1930 Sekte 5 Dem Werte folgt die Tat! Das arbeitende Voll in Stadt und Land hat es heute notwendiger denn je, die falschen Propheten als solche zu erkennen. Zu oft ist die Arbeiterklaffe von trügerischen Versprechungen solcher falscher Propheten enttäuscht worden, als daß sie nicht Veran- laffung hätte, strenge zu prüfen, ob den gleisir-.-rischen Worten neuer Heilslehren auch wirklich die Tat folgt. Was nützt es der Arbeiterklaffe, wenn ihr von Volksgemeinschaft gepredigt wird, wenn ihr vorgeredet wird, es komme nur darauf an, daß kein Volksgenosse im anderen seinen Feind sehe, wenn wir auf Schritt und Tritt mit unseren eigenen Augen sehen, wie der deutsche Arbeiter und der deutsche Verbraucher von deutschen Kapitalisten auSgebeutet wird. Immer hat es sich als richtig erwiesen: das Los der breiten Masse deS schaffenden Volles in Stadt und Land kann nur mit dem Einsatz« seiner eigenen Kräfte gebessert werden. Nur was wir itttS' selbst erkämpfen, wird unS gegeben. Und selbst wenn eS den Anschein hat, als ob die Klasse der Besitzenden dem arbeitenden Bolle da und dort Gerechtigkeit widerfahren läßt, so ist es doch so, daß dies auf den tatsächlichen Einsatz der politischen und wirtschaft» lichen Kräfte deS schäftenden Volles zurückzuführen ist. Freiwillig gibt uns die kapitalistische Privatwirtschaft nicht einen Heller; alles ist das Ergebnis von wirtschaftlichen Kämpfen. Dies können wir augenfällig bei dem Beispiel der Konsumgenossenschaften sehen. Heute wollen die Händler und Zünftler den organisierten Genossenschaften weismachen, sie hätten nichts gegen den Bestand von Selbsthilfeorganisationen der Verbraucher. Wir haben es anders gekannt! Denken wir zurück an jene Zeiten, wo es für die Fabrikanten bei Lohnkämpfen eine Waffe gegen die Arbeiter war, wenn sie die Händler im Falle eines Streiks gegen die Arbeiter ausspielten. Die Konsumgenossenschaftsbewegung hat dem ein Ende gesetzt. Heute könnte eS der Privathandel nicht mehr wagen, vor streikenden Arbeitern den Laden zu sperren. Aber seien wir uns dessen sicher: morgen würden die gleichen Leute, welche heute behaupte», sie hätten nichts gegen die Existenz der Konsumgenossenschaften einzuwenden, genau so an den Arbeitern wie ehedem handeln, wenn sie die Möglichkeü dazu hätten. Die aufsteigend en Selbsthilfeorganisationen der Verbraucher haben daS Marktmonopol des privaten Einzelhandels gebrochen. Am Beginne der Tätigkeft unserer Konsumgenossenschaften stand dir Parole: Genossen'» schaftliche S elb sth ilf eT Mit dieser Parole wurde im Laufe der letzten 80—40 Jahre ein großes Werk geschaffen. Es gibt heute fast keinen Ort mehr, wo sich nicht eine Verteilungsstelle einer Konsumgenossenschaft befindet. Dem Worte der Genossenschaftsbewegung, daß der Zusammenschluß der Verbraucher in starken Selbsthilfeorganisationen mithelf«, den Existenz- EIN WÜRDIGES DENKMAL für sielbewuDte, unermüdliche Aufbauarbeit IST DIE GENOSS EN SCHAFT LICHE EIGENPRODUKTION SEID MIT TRÄGER UMD FÖRDERER DIESER GEWALTIGEN LEISTUNG! kampf der breiten Massen des Bolles zu erleichtern, ist die Tat gefolgt: Heute ist eS nicht mehr möglich, daß daS Boll dem privaten Handel schutzlos ausgeliefert ist. Heute find die vielen Tagesvorteile, welche die Kosumgenossenschasten ihren Mitgliedern bieten, zu bekannt, als daß sie verleugnet werden könnten. Heute macht die Konsumgenoffenschaftsbewegung wahr, was sie ihren Anhängern zur Zeit der Gründung als Kampfziel hingestellt hat: Mit den wachsenden Kräften des organisierten Verbrauches in den einzelnen Genossenschaften eine genossenschaftliche Eigenproduktion aufzubauen, welche imstande ist, die Verbraucher gegen dieübermächtigen Kartelle zu schützen. Gewiß, noch stehen dem Aufbau der genossenschaftlichen Eigenproduktion gewaltige Aufgaben bevor. Aber in jenen Gebieten, wa es, durch die vereinte Kraft der organisierten Verbraucher gelungen ist, eine leistungsfähige zentrale, genossenschaftliche Eigenproduktion» zu erreichen, ist das Diktat privater Erzeugerfinnen unmöglich gemacht worden. Ein typisches Beispiel; Mag ein Kartell der privaten Kafteesurrvgateerzeuger noch so geschlossen sein, an der Macht unserer genossenschaftlichen Eigenproduktion muß es zerschellen. Je mehr die organisierten Verbraucher diesem Bereich genossenschaftlicher Betätigung durch die praktische Tat stärken, um so mehr Boden, um so mehr an wirtschaftlicher Macht wird dem Privatkapitalismus entzogen. Die Konsumgenossenschaftsbewegung hat gerade in dieser Krisenzeit ihr« Kraft bewiesen. Hunderte und Tausende von- privaten Unternehmungen find zugrunde gegangen; die Konsumgenossenschaften stehen unerschüttert da, trotzdem die Kaufkraft der Mitglieder durch die Wirtschaftskrise ungemein geschwächt ist. Das GeheimiS ihres Erfolges in dieser Zeit ist dies: Immer mehr Verbraucher schließen sich als Mitglieder auS;; das Ausmaß genossenschaftlicher Betätigung wird erweitert. Je vollständiger die Mitglieder ihre Einkaufskrast in der Konsumgenossenschaft konzentrieren, desto tauglicher machen sie sie, in dem Chaos der Gegenwart standzuhalten und sich noch zu vergrößern. Heute, wo es überall darauf ankommt, konsequent zu sein, wo das gesprochene.Wort nur dann einen Wert hat, wenn ihm die Tat folgt, heute ist der dichte Anschluß aller jener, welche in ihrer Weltanschauung Gegner des herrschenden privatkapitalistischen Systems sind, an die Konsumgenossenschaften unumgänglich. Es nützt uns nichts, den Gegner der breitest. Massen des arbeitenden Volles mit schönen Sönntagsreden bekämpfen zu wollen, wenn wir i ihn wochentags in seiner Wirtschaft fördern. Konsequent zur Sache der Genossenschaft stehen ist nicht nur ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft, sondern auch ei» Gebot der proletarische« Selbstachtung. Fabrlksbesetzuns durch Arbeiter Madrid.(Havas.) Die Arbeiter der Sargfabrik La Aguila haben die Forderung aufgestellt, daß ihre Arbeitsbedingungen verbessert und die nach dem Streike im Oktober 1934 entlassenen Arbeiter wieder eingestellt werden. Da aber seit Montag weder der Direttor noch sein Stellvertreter in der Fabrik erschienen, besetzten die Arbeüer die Fabrik und erklärten, daß sie die Erzeugung auf eigene Rechnung fortführen werden. Vom Rundfunk SamStag: Prag, Sender L: 6.15: Gymnastik, 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Schallplatte», 18: Händel: aus dem.Messias", 16.50: Für die Jugend, 17.55: Deutsche Sendung: Schnnetschek: Sportbericht, 18.05: Mächa: Mai, romantische Dichtung, 18.45: Deutsche Presse, 22.15: Schallplatte». Sender S: 7.30: Populäres Konzert. 14.10: Deutsche Sendung: Volkslieder aus fünf Jahrhunderten, 14.40: Kulturrelief.— Brünn 12.35: Mittagskonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Musik für die Jugend, 19.80: Volkskonzert.— Preßburg: Millöker: aus „Dubarrh".— Kascha» 16.05: Rundfunkorchesterkonzert, 18.30: Schallplatten.— Mährisch-Ostran: 18: Lieder auf Schallplatte», 19.15: Harmonikakon- zert, 22.30: Buntes Orchesterkonzert. Sonntag Prag, Sender L.: 7.00; Uebertragung aus Karlsbad. 8.80: Flötensolos. 9.05: Orgelkonzert. 10.00: Musik- Salonquartett. 14.00: Deutsche landwirtschaftliche Sendung. 17.50: Deutsche Sendung: Uebertragung aus dem Stadttheater Reichenberg: Symphoniekonzert: Bruckner. 18.50: Deutsche Presse. 19.10: Operette aus dem Studio. 20.40: Rundfunkorchester. 22.85: Tanzmusik.— Sender S.r 14.30: Deutsche S-ndung: Arbeiters»»!: Dr. Roßmeisl: Die neue« Bauförderungsgesetze. 14.45: Aus ChamissoS„Schlemihl". 15.00; Tschechische Liederkompositionen.— Brünn: 10.25: Schallplatten. 11.15: Klassische Musik.— Preßbär«: 16.00: Nachmittagskonzert. 21.85: Unterhaltungsmusik.— Kascha«: 12.20: Mittagskonzert.— Mähr.-Ostraar 17.50: Deutsche Sendung: Rund» sunkorchesier. 22.20: Schallplatten. rals Graziani haben im Sturm die mächtig be festigte Linie zwischen Saffabaneh und Bnllale genommen, dir von den abessinische» Abteilungen des Ras Rassibu tapfer verteidigt worden war. Beide genannten Ort« wurden Donnerstag besetzt. Den fliehenden Feind verfolgen unsere motori- sierten Abteilungen. 10 Millionen Pfund r ü st u n g des MarineflugwesenS, und zwar mit neuen Flugzeugtypen, gerechnet. Es wurde auch beschlossen, die Anschaffung neuer Flugzeug-Abwehrgeschütze für die Kriegsschiffe zu beschleunigen Die Aufwendungen für Befestigungsarbeiten in der Flottenbafis Singaporc wurden von 8,603.000 auf 10,663.000 Pfund Sterling erhöht. Durch die neuen Rachtragskredite ist die Gesamtsumme der heuri-en Rachtrags-Budgetkre- dite für die britische Kriegsflotte auf 80,230.000 Pfund Sterling(mehr als 10 Rifliarden KL) an- gcwachsen. A d d i s A b e v a. In der abessinischen Hauptstadt trafen am Donnerstag die Mitglieder der britischen Ambulanz ein. Sie teilen mit» daß italienische Truppenabteilungen den wichtigen strategischen Punkt, den Talmadur-Hügel, besetzt haben, ohne auf großen Widerstand zu stoßen, und daß sie in einer 100.000 Mann starken Kolonne gegen Debra Birham vvrrücken. Rach Eroberung von Debra Birham werden die Italiener zwei Drittel des Weges nach Addis Abeba zurückgelegt haben. Der NrguS ist Donnerstag nachmittag in der Hauptstadt eingetroften. Die Lage in der abessinischen Hauptstadt ist unsicher. Es scheint, daß die italienischen Truppen auf ihrem Wege nach Addis Abeba auf keinen militärischen Widerstand stoßen werden. Auch Ras Nassibu überwunden Rom. Marschall Badoglio telegraphiert im 199. Kriegsbericht:„Die Abteilungen des GeneVlktor Emanuel Kaiser von Abessinien? Den faschistischen Organisationen wurden Dispositionen erteill, auf große Bollsverssunm- lungen(Adunata) vorbereitet zu sein, sobald die amtliche Nachricht von der Okkupation Addis Abebas eintreffen wird. Das italienische Voll wünsche und hoffe, daß der italienische König Viktor Emanuel III. nach der vollständigen Okkupation Abessiniens zum „König von Italien und Kaiser von Abessinien" proklamiert werden wird, doch ist dieses Gerücht bisher in polittschen Kreisen nicht bestätigt worden. Addis Abeba vor dem Fall? Konzentrischer Vormarsch von Nord und Süd Parteigenossinnen, Parteigenossen l Heute marschieren wir gemeinsam, heute ist unser aller Kampftag Oer 1. Mai Vom 4. bis 6. Juli ist das 3. bundesturnfest des Atus Vom 4. bis 6. Juli treffen wir uns alle in Komotau Wir marschieren wieder gemeinsam, weil wir nur gemeinsam siegen können. England beschleunigt Flottcnrflstungen Neue Naditragskredile von London. Die Regierung brachte im Unter haus« weiter Borlagea über Nachtragskredite für die Flotte in der Gesamthöhe von 10,3 Millionen Pfund Sterling ein. Davon werden annähernd 3 Millionen für den Beginn von Dchiffsbauten nach dem neuen vergrößerten Schiffsbaupro gramm für das Jahr 1936 verlangt. Die Bau vergebung der neuen Schiftseinheiten soll mög lichst noch im laufenden Finanzjahr erfolgen. Die Kredite beinhalte« weiter die für die Ausrüstung der Reserven notwendige« Beträge sowie die Ausgaben, welche„mit Rück- sichtauf die italienisch-abessi nische Lage" notwendig find. Ferner wird mit einer bedeutend verbesserten Aus- Seite 6 Freitag, 1. Rat 1936 Nr. 103 Bodenbach, die Stadt des Reichsjugendtages Das Jugendheim H Tetschener Schloß 1851 erfolgten Eröffnung der Eisenbahnlinie Prag—Bodenbach—Dresden nahm der Ort, der 1849 etwa sechshundert Einwohner gezählt hatte, einen Mpiden Aufschwung. In wenigen Jahren entstanden viele große und kleine Jndustriebe- ■ triebe und mit der Industrie wurde das Jndu- strieprolelariat. Die junge Saat des Sozialismus ist hier aufgegangen und in mühevoller Arbeit wurde Sproß um Sproß gesetzt, gehegt und gepflegt. In der öffentlichen Verwaltung, in den sozialen Instituten, überall sind unsere Arbeiter am Werk, den Gang der Entwicklung nach den seinen Arbeitervororten; eine wirtschaftlich außerordentlich, stark fundierte und bedeutsame Konsumgenossenschaft mit einer großen modernen Bäckerei legt Zeugnis ab von der voraussehenden und zielsicheren Arbeit im Dienste rung in dieser Grenzstadt zu erfüllen: den letzten Rest echten deutschen Freiheitsgedankens, von denen die Nachläufer Henleins nichts mehr wissen wollen, echter, deutscher Geistigkeit eine Zufluchtsstätte zu erhalten, das ist der heutige Sinn unseres Kampfes. Mühselig wurde Stück um Stück zusammengetragen: eine große Volkshalle in Bodenbach,«in schönes Dolkshaus in Krochwitz als Sitze und Treffpunkte der gesamten organisierten Arbeiterschaft, eine der besteingerichteten und leistungsfähigen Buchdruckereien Noxdböhmens, die Druckerei Gärtner& Co., gehört der Partei, schöne Turn- und SPortplätze, in solidarischer Arbeit von unserer starken Arbeiterturnbewegung geschaffen, zwei große Arbeiter- und Angestellten-,Baugenossenschaften schufen in der Vor- und Nachkriegszeit in vielen ansehnlichen Gebäuden schöne, gesunde und billige Wohnungen in Bodenbach und Oelmotorschiff bis zum schon selten gewordenen, bald aussterbenden Kettendämpfer, der die Kähne flußauf in langer Reihe befördert, sucht und findet das Auge bleibende Bilder. Jenes vielbewunderte aber, das unser" Zeichner Helmut K r o m- mer erfaßte, zeigt den Elbedurchbruch zwischen Sandsteinfelsen. Der eine, der steilaufragende, ist die S ch ä f e r wand, unter der sich Bodenbachs schönste Straße hinschmiegt. Der Initiative des jetzigen Bürgermeister dieser Stadt, des Sozialdemokraten Fritz Ke tz l e r, verdankt das Stadtbild von Bodenbach seine modernste Anlage, den ausgebauten Elbekai unter der Schäferwand, den sogenannten„Weiher". Zwischen der neuen, eleganten Elbebrücke und der älteren Eisenbahnbrücke ziehttsich diese breite und schöne Straße, besäumt von gärtnerischen Kulturen, an der Elbe entlang dahin, von der der Ausblick auf sie mit dem lebhaften Verkehr, auf die fernen Höhen des Elbesandsteingebirges, auf das Tetschener Schloß und die Stadt Letschen unvergeßlich bleibt. Wer des Abends von Tetschen kommt,.. der Schwesterstadt am rechten Elbeufer, ist erstaunt über die Lichterzahl, die ihm vom.„Weiher" entgegenblinken. Hunderte Meter lang zieht sie an der Kaimauer dahin, das Auge verfolgt die Lichterreihe, die sich im dunklen Elbestrom spiegelt, und schaut dann weit in die Elbeberge hinein, die den Hintergrund schaffen zu einem wunderbaren Bild. Es ist die Heimat tausender Brüder und Schwestern, di« treu zum internationalen Sozialismus stehen und nicht erst zu der Zeit, zu der es Aemter, Würden und Posten gab, sondern schon zu Zeiten, da es schwere Verfolgungen, Verlust der Existenz und große Opfer Lastete, wie heute, Sozialdemokrat zu sein. Bodenbach, das schönste städt. Gebiet des böhm. Elbetales, wird den denkbar würdigsten Rahmen für den Reichsjugendtag und den Kreisarbeitertag des Organisationskreises von Aussig— Bodenbach— Warnsdorf zu Pfingsten dieses Jahres abgeben. Diese Festtage werden ein Stück sozialistischer Kultur zeigen und unsere Idee wieder Vorwärtstragen. Diestnit Kultur und Fortschritt eng verbundene Bevölkerung, die um den Bestand ihrer Freiheit kämpfenden Arbeiter, alle, die um der Menschheit wertvollste Güter streiten« sie freuen sich auf ihre Gäste. Rote Fahnen werden unserer hoffnungsvollen Jugend und allen, die nach Bodenbach zu Pfingsten kommen werden, entgegenleuchten, um hier, hart an der Grenze der hitlerdeutschen Barbarei, Zeugnis abzulegen für die internationale Solidarität des Proletariats.'R. B. (Zeichnungen von Helmut Krommert zine, Betriebsanlagen und ihr größtes Warenhaus hier errichtet.— Was die Vertreter unserer Ideen in den öffentlichen Körperschaften schufen, wird immer ein starkes Zeugnis ablegen von dem Geiste, der uns führt: Kinderheim, K inderbewahran st alten,| Bäder, Säuglingsheim, Schulzahnpflege, Volks- und Schulküchen, Jugendherberge, Schulärzte- und Schulschwesterndien st, orthopädische Turnstunden und die vielseitige, erfolgreiche F ü r s o r g e für dieOpferder Wirtfchaftskrise, die Arbeitslosen, vom weißen Personendampfer« vom modernen Ein von der Elbe durchzogener schafft unvergeßlichen Eindruck von der s ch a f t l i ch e n S ch ö n h e i t der Stadt Bodenbach, die heute bereits, 23.000 Einwohner hat. Waldbekränzte Höhen umsäumen das Tal, in dem die Elbe ihren Weg zur Nordsee nimmt. Tagsüber gibt es auf ihr immer ein Bild regen Verkehrs, „Die Bluttat Keilings! Ein Unternehmersöldling erschießt aus Furcht, seinen Schandlohn zu verlieren, am 8. Feber 1914 in Tetschen einen Familienvater."— Ein in der nordböhmischen Arbeiterbewegung bisher unerhörter Vorfall macht die klassenbewußten Proletarier vor Zorn und Schmerz beben. Ein Zuchthäusler, dessen ehrloses Gewerbe darin besteht, den kämpfenden Arbeitern durch Lieferung von charakterlosen Streilbrechersubjekten in den Rük- ken zu fallen, hat den Vertrauensmann der ausgesperrten Buchdrucker von Tetschen-Bodenbach, Genoffen Johann Solinger, erster Maschinenmeister der Parteidruckerei Gärtner.& Co., Bodenbach, am Morgen Les 8. Feber im Hotel„Stadt Prag" in Tetschen während einer belanglosen Auseinandersetzung mittels einer Browningpistole tödlich verletzt„Genosse Solinger, der Vater von 5 Kindern war(ein sechstes ist auf dem Wege), ist 24 Stunden später verschieden. Er ist ein Todesopfer im Buchdruckerkampfe geworden, er ist gemordet worden von einem Verbrecher, der im Dierüte der Scharfmacher stand, die aus lauter„Deutschtum" und„Christentum" die berechtigten Wünsche der Gehilfen im Buchdruckereigewerbe zu erfüllen sich hartnäckig weigern." So begann eine Extraausgabe des„Nordböhmischen Volksboten" vom 9. Februar 1914. Die Nachricht kennzeichnet den Boden, auf dem die klaffenbewußte Arbeiterschaft,, erzogen im Geiste Lassalles und Marx', ihren schweren Kampf führt. Die Geschichte der Bodenbacher Arbeiterbewegung ist eine Geschichte steten Kampfes, aus dem aber aus kleinem, mühseligem Anfänge die bedeutungsvolle sozialdemokratische Arbeiterbewe- gung von Bodenbach entstand."Ganze Generationen haben hier politisch« Aufklärungsarbeit geleistet, gewaltige schöpferische Kraft war am Werke, um die Emanzipation des Arbeiters in die Wege zu leiten, um ihn dahin zu führen, wohin er klassenmäßig gehört. Bodenbach zählte 1878 sechstausend Einwohner und wurde erst 1901 mit elftausend Einwohnern zur Stadt erhoben. Nach der im Jahre Grundsätzen unserer sozialistischen Ueberzeugung zu lenken. Bodenbach ist aber auch Grenzstadt und Grenzstation, nur 11 Kilometer von hier wehen die Hakenkreuzfahnen des Dritten Reiches. Groß« kulturelle Aufgaben hat die sozialistische Bevölkc- jdes Fortschrittes; die GEC hat moderne Mag a- Weiher Talkessel land- u 1 ij KW M K Familientragödie. In Preschen bei Dux ereignete sich.Donnerstag eine Familientragödie. Aus'bisher unbekannten Gründen erhängte die 30jährige Bergarbeitersgättin BoZena B r u d a während der Abwesenheit ihres Mannes ihr vierjähriges Töchterchen Anna an einer Türklinke und brachte sich dann selbst Schnittwunden an der Pulsader der linken Hand bei. Wiewohl eine ’ Nachbarsfrau sofort die Gendarmerie und einen Arzt herbeiholte,' blieben die Wicderbelebungsver- Angst und Qualen, die sie erduldet, bei edlem Gerstensafts h. g. eine krlnneruns sn den„ersten 1. Mai" \ April 1890. Ein kleines Städtchen in der Nähe der Bergarbeiterstadt Kladno. Es schwirren Gerüchte in der Lust, daß die Kohlen- und Haldenärbeiter Kladnos am 1. Mai die Arbeit niederlegen wollen und Furchtbares planen. Wer und was sind diese Arbeiter? Angeblich Sozialisten und Anarchisten. Ja, was wollen sie denn eigentlich? Angeblich jedes Privateigen tum abschaffen und das Vorhandene untereinander teilen. Eine maßlose Frechheit und Auf- lehnung gegen die gottgewollte Ordnung. Diese schmutzigen und verlumpten Gestalten mit den starken Armen und schwieligen Fäusten, deren Bestimmung es nun sein soll, zu arbeiten und zu schuften, maßen sich das Recht an, auch mit- bestimmen zu wollen, was gemacht und wie es in der West gestaltet werden soll. Und was wer den sie am 1. Mai unternehmen? Sie werden einfach in Scharen in die nächsten Orte ziehen und sich, was fortgeschafst werden kann, an eignen, um es untereinander aufzuteilen, unbe weglicher Besitz wird vernichtet, damst das Pri- vateigentum abgeschafft wird. Das kann man nicht tatenlos hinnehmen, das muß verhindert werden, das ist gegen den Willen Gottes und der göttlichen Vorsehung. Also Abwehr und! suche an dem Kinde erfolglos. Die Frau erlitt nur I leichtere Verletzungen. Sie wurde ins Krankenhaus eingeliefert und weigert sich harMäckig, die Ursache ihrer Tat bekanntzugeben. Leipziger Sozialisten ehren ihren. Führer. Am 21. April 1936 fand in L e i p z i g auf dem Südfriedhof unter großer Teilnahme der Leipziger Arbeiterschaft die Einäscherung des sozialdemokratischen Reichstazsabgeordneten und früheren sächsischen Innenministers Richard Lipinski statt. Alle Polizeimaßnahmen konnten nicht verhindern, daß die Trauerfeier demonstrativen Charakter annahm.(ff) Lebensbild eines braunen Schinders. Aus einem Briefe:„... gibt fast keinen Bericht aus dem Konzentrationslager Dachau, in dem nicht der Kompagnieführer D a m m b a ch erwähnt würde. Er ist berüchtigt wegen der gemeinen Folterungen, die er an wehrlosen Gefangenen verübt. Wer ist Dammbach, wo kommt er her? sDas Früchtchen stammt aus Ludwigshafen a. Rh. 1 Haardtstraße. Er ist 1909 geboren, also gerade 27 Kampf gegen dieses verlumpte Gesindel am 1. Mai. Es ist ja im Orte ein Schützenkorps, aus- gerüstet mit alten Gewehren und Patronen, die einmal jährlich bei der Auferstehung als Extra salve abgeschossen werden. Dann ist ja auch eine Feuerwehr mit Spritze und Wasserschlauch im Orte, welcke den Mut des Raubgesindels mit einem kälten Wasserstrahl abkühlen wird. Also wird der Widerstand gegen die Rebellen plan voll organisiert. Beim Nahen der Arbeiter wer den dieAlannglocken vom Turmwächter geläutet. Die Bürgersöhne, die weder"bei der Feuerwehr noch beim Schützenkorps sind, bewaffnen sich nut Aexlen und langen Küchenmessern. Also es ist borgesorgt. Es kommt der 1. Mai. Den Wal teren und mutigen Verteidigern der göttlichen Ordnung fällt, als sie sich angekleidct, das Herz in die Hosen. Was bringt der Tag? Die Koh- len- und Haldenarbciter kommen nicht. Es er-4 eignet sich nichts.. Und als dieser 1. Mai-Tag alt. Infolge seiner»außerordentlichen gei» geendet, atmen sie erleichtert auf und vergessenIstigen Fähigkeiten" brachte er es mit viermaligem Sitzenbleiben in acht Schuljahren gerade nach zur vierten Klaffe der Volksschule. Seine Lehrer hatten große Rot mit ihm» denn er schwänzte die Schule regelmäßig und wenn er wieder mal kam, war er besttmmt nicht gewaschen. Er war aber nicht mir faul, sondern auch gefräßig und hatte es auf das Frühstück seiner Mitschüler abgesehen. Wenn eines fehlte, hatte es Dammbach g e st o h l e n. Ein paar Mal sollte er .in die Zivangserziehung kommen. Als Schulentlassener ging er auf den Bau. Seine Kollegen nannten ihn„E l st er", denn er stahl hier weiter; zuletzt mußte er deshalb entlasten werden. Er 'haßte die Organisation wie sein großer Meister Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der Donnerstag-Ziehung der V. Klaffe der 34. tschechoslowakischen Klaffenlotterie wurden folgende Lose gezogen: 80.000 Kc das Los Nr. 97378, 40.000 Kd das Los Nr. 17057, 20.000 K5 die Lose Nr. 62751, 4866, 10.000 K£ die Lose Nr. 47326, 7712, 26784, 48637, 5000 Kc die Lose Nr. 85899, 19451, 99623, 19481, 90221, 27518, 54438, 100806, 85374, 59665, 102992, 47009, 77921, 71770, 10740, 102508, 5984, 2000 K5 die Lose Nr. 70177, 54699, 41332, 75932, 9785, 10406, 109471, 97956, 108667, 40503, 293, 19089, 60212, 91076, 105480, 55097, 50815, 26513, 16838, 10689, 40498, 36561, 102541, 72121, 32899, 11940, 108780, 62892, 11070, 72538, 28184, 42047, 13106, 62104, 2346, 21849, 38581, 209, 423, 19193, 92900, 35793, 33668, 99868, 99339, 82112, 26155, 48910, 102173, 55336, 40103, 82910, 62583, 6991, 96123, 48274, 14708, 16524, 6326, 8738, 23517, 23860, 64174, 17597, 30544, 108277, 62368, 40195, 53344, 68208, 110398, 51052, 104035, 97707, 84064, 58804, 37370, 89375, 34666, 1871, 40805, 45508. und erklärte sich mit ihm solidarisch. Die.Raubrittergarde des SS-Sturmbanns 11/10 nahm ihn auf, schaffte ihn aber bald nach Dachau zum Wachkommando, damit er der Ludwigshafener Bevölkerung aus den Augen kam. Man fühlte, solche Repräsentanten könnten doch schließlich auch naive anständige Leute abstoßen. Aber in Dachau avancierte Dammbach zum Kompagnieführrr, ebenso wie der andere aus Ludwigshafen stammende Verbrecher Eicke zum Lagerchef." Nr. 102 Scite 7 Donnerstag, 30. April 1038 Komotau, Stadt des Bundesturnfestes Im nordwestlichen Böhmen, wo die Hänge des dichtbewaldeten Erzgebirges steil abfallen, die kahlen Fördertürme der Braunlohlenschächte und die Schlöte der hart nebeneinanderliegenden Industrieunternehmungen hoch emporragen, liegt Komotau. In die Nüchternheit der Stadt und ihr industrielles Leben schiebt sich die Romantik und Schöicheit der Gebirgslandschaft, einen seltsamen Kontrast schaffend. Der dunkle Tann des Töltschtalstratze liegt auch Gersdorf mit dem schönen Henn unserer Komotauer Naturfreunde und kaum eine Fußstunde weiter das Jugendheim der Metallarbeiter in K l e i n h a n. Das wirtschaftliche Leben der Stadt Komo- tau erhält seinen Stempel durch die großen Metallindustrien aufgedrückt. Das mächtigste Unternehmen sind die international bekannten Mannesmannröhrenwerke. Dort sind heute von durchschnittlich, 12 Personen bewohnt. Mit ge- ringen Ausnahmen fehlen die Fädtischen Hochhäuser vollständig. "Daß sich auf diesem Boden, mit der grasten Masse der Jnüustrieproleten auch frühzeitig die politische Partei entwickelt hat, ist eigentlich selbstverständlich. Die Gründung der Parteiorganisa- tion in Stadt und Bezirk Komotau geht in die Anfaugsperiode der Arbeiterbewegung zurück. In diesem einheitlichen Sprachgebiet entwickelte sich naturgemäß auch eine starke nationalistische Strömung, und die apen.Deutschnationalen haben bis zum Parteienauflösungsgesetz die Stadt beherrscht. Bezeichnend für die Auffassung des hiesigen Bürgertums ist ein Ausspruch, den einmal ein alter drutschuationaler Führer tat:„Ueberall wohnen Menschen, in Komotau aber—Deutschei" Diese Kommunikationen durchgcfiihrt; jetzt ist der Bau einer neuen Kaserne, eisies Finanzamtsgebäudcs und die Schaffung eines 100 Wohnräume umfassenden Hausblocks nach dem BauförderungSge- setz geplant. Dis Initiative zu diesen Arbeiten geht von den sozialistischen Vertretern aus. Wir haben außerdem eine große Genossenschaftsorganisation, den Konsumverein„Selbsthilfe". Sein weitverzweigtes Verkaufsstellennetz verbindet vielfach die Bezirksstadt mit den auswärtigen Organisationsgliederungen. In Komotau befinden sich die Zentralleitung, die eigene Bäckerei und auch das Zentralmagazin. Mächtige Kulturorganisationen entfalten rege Tätigkeit. Alle Zweige des sozialistischen Kulturlebens wetteifern miteinander in der Erzielung von Erfolgen. Daneben besteht eine herrliche Blick auf die Mannesmann-Werke ein Der Marktplatz die an Die zumeist axbeits Rings um die Mannesmannwerke liegen die kleinen Sicdlungshäuschen der Arbeiter, das sogenannte„Stachelbeerdörfel". Für die ganze Stadt ist diese Siedlungsart überhaupt typisch. Komotau zählt bei etwa 35.000 Einwohnern über 3000 Hausnummern, Jedes Haus wird also nur noch 1600 Arbeiter in Arbeit. In der letzten«Zeit ist die Beschäftigung günstiger geworden. Die Zahl der Feierschichten wurde geringer, die Arbeiter atmen auf. Auch die Poldihütte zählt zu den Großbetrieben. In den letzten Monaten wurden eine große Anzahl Arbeiter ausgenommen und heute sind wieder über 500 Menschen dort beschäftigt. Eine Reihe kleinerer Industrien ist dann noch vorhanden. In den meisten Betrieben bestehen freigewerkschastliche Mehrheiten. Die entscheidende Rolle im gewerkschaftlichen Leben spielt der I n- ternationale Metallarbeiterverband, der seinen Berbandssitz in Komotau auf-' geschlagen hat. „Stachelbeerdörfl“ deutschnationale Festung wurde 1932 von der I Hakenkreuzbewegung überrannt und heute sind sie alle zusammen in der SdP'vereinigt. Obwohl wir immer eine Minderheit waren, verstanden und verstehen es unsere Funktionäre,' sich überall durchzusetzen. Das größte Interesse wird dem Ausbau der Arbeitslosenfürsorge zugewandt. In Komotau besteht seit'fast fünf Jahren eine ArbeitslosenkÜche. Mit einet ganz kurzen Unterbrechung wird der Betrieb das ganze Jahr aufrecht erhalten. Die Gelder werden durch Sammlungen und Zuwendungen aus dem ordentlichen Budget aufgebracht. Leiter dieses Refforts ist Sozialdemokrat. Die Lebensmittelkarten und Brotzuweisungen werden trotzdem unverkürzt die Arbeitslosen abgegeben. Der Beschaffung von Notstandsarbeiten wird ebenfalls großes Augenmerk geschenkt. Da und dort werden Straßenbauten und sonstige Erzgebirges reicht bis in die Stadt, umschlingt die an der Peripherie liegenden Wohnstätten und schickt seine Ausläufer bis in das Zentrum vor. Im Norden ist die weitgedehnte Gebirgslandschaft wie ein schützender Wall vorgelagert, hinter dem das„Dritte Reich" liegt. Nach den anderen Richtungen liegt die Stadt offen. Im Süden erstreckt sich die weite Saazer Ebene mit ihren fruchtbaren Gefilden und Hopfengärten. Gegen Osten wandernd, durchquert man das zerklüftete Brüxer Bergrevier. Unzählige, durch den Bergbau hervorgerufene Bruchlöcher, Wasserpingen, die oft Seen gleichen, und qualmende Tag- baue säumen den Weg. Oedestes Industrieland, arme Bewohner! Westlich zieht sich das Egertal mit, seinen steilen Ufern und schmucken Dörfchen vZ , Am Rande der Stadt Komotau fliegt der Alaunsee mit seiner prächtigen Badeanlage. Am sandigen, wohlgepflegten Strande herrscht in den heißen Sommermonaten großer Betrieb. Aus der ganzen Umgebung strömen die Menschen zusammen, ein buntes Gewimmel von Farbe und Leben bildend. Alle modernen Einrichtungen des Badebetriebes sind vorhanden. Aber auch hier wird die soziale Differenzierung der Menschen ersichtlich, denn am anderen, freiliegenden Ufer lagern in dichten Scharen die Arbeitslosen, die Kurzarbeiter und Uiwemittelten, die sich den Eintritrs- preis nicht leisten konnten. Ihre Kleider hängen auf Sträuchern und Bäumen. ' Kaum cklne halbe Stunde entfernt liegt der H u t b e r g mit einem modern eingerichteten Hotelbetrieb und einer neuerrichteten Aussichtswarte» von der aus man einen herrlichen Fernblick genießen kann. In langgestreckten Tälern, von grünen, blumigen Matten besäumt, führen in mäßiger Steigung breite Straßen empor im Gebirge. Besonders schön ist das Grundtal, durch das der Assigbach fließt. Von seinen Wassern werden Mühlen betrieben. Die„Dritte Grundmühle" ist eine neuzeitlich eingerichtete Gastwirtschaft, Von dort aus kann man die Komotckuer Talsperre in einer halbstündigen Fußwanderung erreichen. Doch mich das in Görkau seinen Anfang nehmende Töltschtal ist reizvoll. Der im Bernauer Revier entspringende Bielabach betreibt eine Reihe Böettsägen; früher herrschte dort emsiges Leben, heute ist es auch da still geworden. Die Krise hat diese kleinen Industrien abgewürgt. An der Jugendbewegung. llfen Funktionäre sind umsichtig und tüchtig. Gemeinsam mit den Kinderfreunden haben sie sich ein eigenes Heim geschaffen, das„Afritsch-Heim". Die ZuswnmenaÄeit aller dieser Organisationen hat es ermöglicht, daß die-Gegner gegen dieses sozialisfische Bollwerk vergeblich angerannt sind« Wanchey.schweren Wurm haberl^wir in.den Letzten Jahren erl_ Ein erschütternder Kinder-Brief 'Wir lassen die Kinder hier selbst sprechen; eines schrieb an seine Eltern:' ,3.'~........i- Hause schicken könnte. Tas gute Butterbrot, Fleisch und Wurst und vieles mehr, was wir zu Hausrnoch gar nicht gesehen Hatz e ben. Die Höchststeigung beträgt 10 Prozent, für die Kurven gilt das gleiche wie für die Reichsstrahen. Die Straffen H. Klasse(Regional» ft rasten) müssen neun Meter breit sein,• wovon sechs Meter auf die Fahrbahn entfallen. Die Kurven muffen einen Halbmesser von mindestens 200 Metern haben. Die Straffen HI. Klasse(Kreis st rasten) haben eine Gesamtbreite von sieben Metern, wovon fünf Meter auf die Fahrbahn ent fallen. Die Kurven müffen einen Durchmesser von mindestens 50 Metern haben. Für Straffen IV. Klass e.(O rtsftrasten) sind noch keine entgültigen Bestimmungen getroffen worden. An nicht staatlichen Str asten I..Klasse besitzen Böhmen 2850 Kilometer, Mähren-Schlesien 2236, die Slowakei 3570 Kilometer und Karpotho» rustland 293 Kilometer, die ganze Republik also 8949-.Kilometer. An nicht staatlichen Straffen II. Klasse besitzet« Böhmen 3850 Kilometer, Mähren-Schlesien 2156 Kilometer, die Slowakei 2258 Kilometer und Karpathorutzland 493 Kilometer, die ganze Republik also 8757. An Stra ffen, die jederzeit mit Motorfahrzeugen befahren werden können, besitzt also die Tschechoslowakei-r- neben den Staatsstraffen— 17.706 Kilometer. Die oben angeführte Reueiuteilung wird in Zukunft für a l l e Straffen ohne Rücksicht auf deren Besitzer gel ten, und der künftige Ausbau des Straffennetzes wird nach den Vorschriften der Neuklaffifizierung erfolgen. Geld aus Grabkreuzen. In Warschau wurde der Falschmünzer Vladislav Barzinskij verhaftet, der sehr geschickt falsches Metallgeld herstellte. Das eigenartige an seiner„Arbeit" war, daß er sich das Material für seine falschen Münzen vom Kirchhof holte und metallene Grabkreuze zu Geld„verar beitete". Kaltluft van Norden. Aus dem Gebiet der Nordsee, wo Donnerstag nachmittags wieder nur 6 bis 7 Grad verzeichnet wurden, strömt kalte Luft dem Binnenland zu. Die Abkühlung hat bereits auch Böhmen ersaht, wo dabei strichweise Regen schauer auftreten. In den Karpathenländern hat es sich dagegen bei halbheiterem Himmel noch weiter erwärmt. Ein mächtiges Druckhoch, das sich über dem Ozean erstreckt, dürste auch in den nächsten Tagen den Zufluss kühlerer Luft aus NW. gegen das Festland aufrechterhalten.— Wahrscheinliches Wetter von heute: In den böhmischen Ländern weitere Bewölkungszunahme. Keine oder nur geringfügige Niederschläge, k L h- I e r, mäffiger NW.- bis N-Wind. Im Karpathen gebiet wechselnd bewöltt, vereinzelt Gewitter, im allgemeinen jedoch relativ warm.—,“........ sichten für S a m 8 t a g: Unsicheres Wetter, auch zu den angrenzenden ausgedehnten Waldungen in den östlichen Ländern kühler, des Erzgebirges sich erstecken. in Prag gefällt, der wird dorthin fahren und wer in dasd'Dritte Reich" verliebt ist, wird von einem Besuche in Dresden nicht abzuhallen sein. Es-kommt ganz darauf an, wie für den Besuch der Städte Deutschlands geworben wird. Wenn es aber etwa so geschieht, wie es das Reisebüro.Guba macht, hat die Oeffentlichkeit in einer demokratischen Republik doch einiges Interesse daran. Es wird in diesem Prospekt unter oben stehendem Titel nämlich geschrieben: Den Fremden erwartet in Dresden besonders der fr oh e Geist des neuen Deutschland, . das, unter herrlicher Führung stehend, Ordnung und Einttacht und Zuversicht kennt, wie nie zuvor. Jubelnde Fahnen in allen Sttaffen künden häufig von des Volkes Begeisterung und sagen dem Retter einmütig Dank. Sie winken a uch den Fremden a l s F r e u n d herbei. Organisiert das Reisebüro Guba aus Seestadt! etwa deswegen Fahrten nach Deutschland, damit die deutsche Bevöllerung dieses Landes ,,den Geist des neuen Deutschland" kennen lerne? Ober vielleicht deshalb, damit auch die Sudetendeutschen dem„Retter danken" können? Man stelle sich" vor, hie Tschechoslowakische Repüblik .würde in Deutschland durch ein Reisebüro mit. folgenden Worten werben lassen: Den Fremden erwartet in Prag der Geist der Demokratte, der politischen Freiheit, Am 1. Mai, dem Tage der Arbeit, marschieren gewaltige Züge durch die Sttaffen, wehen die roten Banner der Freiheit und sagen der Regierung einmütigen Dank, daß nicht auch dieser Staat ein Opfer des Faschismus wurde. Die einzige Antwort wäre, datz man den Verbreiter derartiger Werbeschriften, auf-die hin sicher sehr viele Deutsche nach Prag kommen würden, um einmal die Luft der Demokratie atmen zu können,- in das nächste Zuchthaus steckte und ihm den Prozess.wegen Hochverrates anhängig machen würde. In unserer Republik aber darf so etwas geschehen! Da darf für den deutschen Faschismus und für den„Retter" geworben werden. Da dürfen, eigens zu dem Zwecke, um den„Geist des neuen Deutschland", der seine"Spitze gegen unseren Staat richtet, kennen zu lernen, von„behördlich konzessionierten Reisebüros" Reklameschriften mit solchem Inhalt veröffentlicht werden. Und nichts geschieht dagegen! n!" Ein anderes schreibt seinen Eltern in weni- Worten: „Es gefällt mir hier sehr gut; wir bekommen fünfmal im- Tag zu essen."* Aus diesen einfachen Worten spricht- die furchtbare. Tragödie, unttr die Kinder leiden müffen. Die Kinder empfinden es schon als ein kolossales Glück, einmal gut und satt essen zu können. Der deutsche Sozi.aldemo- t r a t Dr. C zech war es, der diese,Attion iirs Leben gerufen hat, die doch viel Sonne bringt i zielt, denn die Spielperiode schloff mit einem klei- in 8000 Kinderherzen..< I nen Defizit ab, aber künstlerisch wurden groffe Er- Die Kinder find sonst nach dem uns gewor-. folge erreicht. Die Direktion Schlattner wird ver- denen Berichte alle gesund; sie werden wöchentlich' einmal"ärztlich untersucht und in der' Woche zweimal gebadet. Schon die bisherigen Gewichts zunahmen lassen auf einen guten Erfolg der Ak tion schliehen. ES ist ist nur zu hoffen, dah es dem Ein fluh der Sozialdemokraten und ihrem Minister Dr. Czech gelingen möge, diese Aktton fortzu setzen' und noch zu erweitern» damit noch recht viele Kinder dieser Erholung zugeführt werden können. Im Zuge der grotzen Erholungsaktion, die vom Gesundheitsminister Genoffen Dr. Czech ins Leben gerufen wurde, sind auch 79 Kinder aus dem Graslitzer Bezirke in das Kindererholungsheim Oberleutensdorf zur Erholung geschickt Wörden. Der-Vertrauensmann der sozialdemokratischen Partei von Oberleutensdorf, Genosse H ä ck l übermittelt uns folgende Schilderung seines Besuchs in diesem Heim: Das Erholungsheim der Kinder war ehemals das Schloß des Grafen Waldstein; wurde vom Revierrat des nordböhmischen sich vor.. Lage im Bezirke Vorträgen und aufferdem wird jedem Redner schlagwortartig zu bespre chendes Material der betreffenden Stadt, bzw. es einfallen, dagegen Sturm zu laufen. Wem es Gemeinde zur Verfügung gestellt. Ich ersuche Sie daher bestimmt, im Laufe des Samstagnachmittags, den 2. Mai 1936, in Teplitz einzutreffen und in der Kreisgeschäftsstelle, Frauengaffe 5, vorzusprechen. Bon hier aus wird Ihnen ihr Hotel angewiesen. Ich bitt« Sie nochmals zur Kenntnis zu nehmen. daff di« Aufstellung über Beschluß der Hauptlei- tung mit Konrad Henlein erfolgte, ebenso die Zu teilung durch den Klub. Ich bitte diese Form der Durchführung des Wahlkampfes streng vettraulich zu behandeln. Mit deutschem Gruff! Der Kreisleiter: Dr. Zippelius." Es handelt sich also um einen G r o ff a n- griff des Nazigeistes auf die Bevölke rung in den Bezirke» Dux und Bilin. Es ist felüst- verständlich, dass dem geheimen" Kriegsplan der sudetendeutschen Hitlerfreunde nach bester Mög lichkeit begegnet werden wird. Obwohl sich, selbst verständlich, die Herren Abgeordneten und Parla mentarier der SdP auf den Grohkampstag beim gemeinsamen Effen gut vorbereitet haben werden. Der Stammesführer befiehlt 46 Herren zum Abendessen, zum Schlafen, zum Reden! Ob wohl das Volk, das als Opfer ausersehen ist, dem Kom mando des Henlein auch so folgen wich wie die Abgeordneten, die es'überbringen?. Zäher Todeswillen. Bor einigen Tagen versuchte die Iöjährige Josefa Rudischar aus Buchen im Neuhauser Bezirke ihrem Leben durch Erhängen auf dem Dachboden ein Ende zu setzen. Ihre kurz vor ihrer Entbindung stehende Schwägerin suchte sie nach einer gewissen Zeit auf dem Boden und fiel, als sie die Rudischar hängen sah, in Ohnmacht^ Beide Frauen wurden später von den im Hause wohnenden Leuten aufgefunden und wieder zum Bewuhtsein gebracht. Die Rudischar wiederholte in einem unbewachten Augenblick den Selbstmordversuch mit Erfolg. Sie verzweifelte, weil ihr die Heirat mit einem Manne, mit dem sie bereits eine längere Bekanntschaft hatte, verweigert wurde. Auf der Dolomiten-Straße bei Bozen explodierte vorzeitig eine Dynamit-Spreng-Patrone, wobei drei Arbeiter durch den Luftdruck in eine 40 Meter tiefe Schlucht geschleudert und getötet wurden. Unter schwerem Verdachte verhaftet wurdet in Bodenbach der kommunistische Stadwertteter A. B e r g m a n n. Es wurde gegen ihn der Verdacht erhoben, an einem Einbruch in die Kanzlei des Bodenbacher Schlachthofes beteiligt gewesen zu sein, dcffcntwegen seinerzeit der betreffende Beamte verdächtigt worden war. Bergmann wurde dem Gerichte überstellt. Tas Straßennetz der Tschechoslowakei.(R. F.) Die Tschechoslow. Staatsstraffengesellschaft hat eine Neuklaffifizierung der Straffen durchgeführt. Danach müffen die Reichsstrahen(Fernsttatzen) zwölf Meter breit sein, wovon neun Meter auf die Fahrbahn entfallen, eine möglichst gerade verlaufende Traffe und Kurven von mindestens 300 Meter Halh- meffer besitzen. Die Höchststeigung beträgt 6 Prozent. Die Ausfall st ratzen aus grotzen Städten müffen eine Fahrbahn von zwölf Metern(je zwei Verkehrsströme in beiden Richtungen) und in der Mitte einen Grünstreifen haben. Bei den Straffen l. Klasse(Land st ratzen) ist eine Fährbahnbreite von sechs Metern, eine Gesamtbreite(mit Trottoiren) von zehn Metern vorgeschrie» Das Saazer Stadttheater vergeben. An der ! Sitzung der Stadtvertretung Saaz am Dienstag, den 28.. April, beschloss man auch die Vergabe des Theaters für die Spielzeit 1936-37 an die Thea- | terdirektion Josef Schlattner. In der letzten | Periode wurde erstmalig der Versuch gemacht, das j Theater mit eigenem Ensemble zu bespielen und j man muh sagen, dah dieser Versuch auch gelungen i ist. Wirtschaftlich wurde Wohl keine Befferung er« Ole ersten Erfolge unserer Frauenwerbeaktion Die Frauenwerbeaktion im Kreisgebiet Aus- fig-Bodenbach-Warnsdorf ist im vollen Gange. Nunmehr liegen die ersten Ergebnisse vor und zwar: Bezirk Aussig 109 neue Mitglieder und 13»)« neue Frauensekttonen; Bezirk Bodenbach 85 Liebe Mutter, wenn ich Dir nur das nach; neue Mitglieder, Bezirk Rumburg 24, Bezirk 'Leitmeritz 16, zusammen 18.4 neue Kämpferimwn. Es geht also auch in der Frauenbewegung vorwärts und wir zweifeln nicht daran, dah die nächsten Wochen neue Erfolge bringen werden. Der Teplitzer SdP-Abgeordnete Dr. Zippelius hat in seiner Eigenschaft alH Kreisleiter der SdP und bestrahlt von der Gnade des Stammesführers folgenden stteng vertraulichen Ukas an 46 Mannen des parlamentarischen Klubs der SdP ausgegeben(die Sperrungen sind voit uns. Die Red.): „Werter Kamerad! Inmeinem Wahlkreise finden am 10. Mai 1936 die Wahlen in die Bezirksverttetungen. imd zwar in den polittschen Bezirken Dux und Bilin statt. Auf Grund der auherordeytlichen Bedeutung dieser Wahlen wird Konrad Henlein den Wahlkampf in einer gemeinsamen Kundgebung der beiden Bezirke Dur und Bilin eröffnen. Am 3. Mai 1936 findet auf Grund meiner Besprechung mit Konrad Henlein in den beiden politischen Bezirken schlagartig eine einheitliche Versammlungswelle statt, die sich auf 46 Städte und Ortschaften erstreckt und von 46 Kameraden(Parlamentariern) durchgeführt wird. In Uebereinstimmung und auf Grund des Beschluffes der Hauptleitung wurden auch Sie in die Versammlungswelle«ingeteilt und vom Pari. Klub sowohl für den 2. Mai als auch für den 3. Mai d. I. freigeftellt. Sämtliche Kameraden treffen Samstag, den 2. Mai 1936, in Teplitz-Schönau ein, nächtigen hier und nehmen gemeinsam das-Nachtmahl. Sonntag morgens werden sie dann in die zuständigen Versammlungen gebracht. Am Samstag abends selbst werden die Be- zittsleiter der beiden Bezirke Dux und Bilin die militärischen Verrates, weil er den« Soldaten Josef Ullman« zur Flucht über die Grenze verhalfen harre. Nach der unter Ausschluß der Oeffentlichkett durchgeführten Verhandlung wurde Josef Herold wegen Vergehens und Verbrechens gegen das Schntzgesetz, wegen Verbrechen nach 8 8 des Strafgesetzes und wegen Ueberttetung des Waffenpatentes zu fünf Jahr en schwe- rcn Kerkers verurteilt, Heinrich Soff zu sechs Monaten schweren Kerkers. Wei- kert und Laubrr wurden freigesprochen, eine Haftentschadigung wurde ihnen jedoch nicht zuerkannt. es Bergarbeiterreviers Brüx angekäust und durch zweckmässige Zubauten zu einem der schönsten und modernsten Kindererholungsheime ausgestaltet. Groffe Verdienste darum erwarb sich der bereits verstorbene Genosse Anton K o f r o n. In diesem Ferienheim finden alljährlich Hunderte von Kindern Erholung und Wiedergesundung, etwas Freude und Licht in ihrem düsteren Dasein. Be- fonders während der Schulferien ist hier Hoch- bettieb. Das Heim kann bis zu 300 Kindern Unterkunft bieten; danebenbeherbergt das Heim 50 alleinstehende Bergarbeiter-Pensionisten. Jetzt wurde es auch der staatlichen Erholungsaktion für Kinder zur Verfügung gestellt. Normalerweise dient es zur Unterbringung tschechischer Berg°- arbeittrkinder, während für die deutfcken Bergarbeiterkinder ein anderes Heim in Hohenstein bei Teplitz geschaffen wurde. Jetzt sind dort neben 75 tschechischen Bergarbeiterkindern 140 deutsche Arbeitslosenkinder untergebracht, 79 aus dem Bezirke Graslitz und 61 ans dem Kopiotauer Gebiete. Es ist ein schönes Zeichen menschlicher Solidarität, datz sich die Tore dieses Hennes auch den deutschen Arbeitslosenkindern öffneten. Das Heim liegt am Ausgang der Stadt, in einer wunderbaren Lage, besitzt grosse Park- l anlagen, hat eine eigene Gärtnerei, Spielplätze Wetteraus-! für die Kinder und grosse Wiesenflächen, die bis Seite 11 Nr 103 Wreitnfl, 1. Mak 1S3« Vor dreifl g Jahren Der 1. Mai 1906 fiel mitten in den Wahl» rechiskampf. Noch war der heftige Widerstand des Herrenhauses nicht überwunden und auf ihn bauten die Wahlrechtsfeinde im Abgeordnetenhaus- das waren, die Großgrundbesitzer aller Nationen und die deutsche Bourgeoisie. So war denn die Bereitschaft zum Wahlrechtsstreik noch lange nicht aufgehoben, es wurde vielmehr mit allem Ernst an seiner Vorbereitung gearbeitet. Und gerade der Morgen jenes Maientages verstärkte die Notwendigkeit dieser Vorbereitung. Man muß sich erinnern, daß die Partei damals selbst in den Mittelpunkten der Sudeten- Industrie noch nirgendwo ein Tagblatt besaß. Ilcberall erschienen nur Wochenblätter und das Höchste war das halbwöchige Herauskommen. Von einem Depeschen- oder gar Telephondienst aus Wien oder Prag"war für uns keine Rede. Die Wiener.Arbeiter-Zeitung" kam erst am Abend an. So waren wir auf die bürgerlichen Lokal- hiättcr angewiesen, um uns„rasch" über die Vorgänge in der Hauptstadt zu unterrichten. i Als junger Mensch arbeitete ich damals in Äablonz für die Partei. Die Kreisvertretung batte mir die Maireferate fn Neuwelt-Harrachsdorf und Rochlitz im Riesengebirge zugewiesen. Bevor ich den Frühzug bestieg, kaufte ich noch die tagsvorher schon vorsichtshalber bestellte„Reichenborger Zeitung". Sie brachte die— für uns aufregende— Mitteilung, daß die Regierung Hohenlohe über den Widerstand des Herrenhauses gestürzt war. Prinz Konrad Hohenlohe hatte einst als Bezirkshauptmann von Teplitz Gerhart Hauptmanns noch verbotene„Weber" zur Aufführung freigegeben und sich auch sonst als fortschrittlicher Mensch erwiesen. Er hatte sich den Beinamen„Der rote Prinz" erworben. Für das gleiche Wahlrecht war er offen eingetreten. Und der war gestürzt I Es war ein herrlicher Morgen, als ich von der ersten preußischen Station Strickerhäuser— damals brauchte man einen Paß nur nach Rußland, Serbien und der Türkei!— ausstieg und den Waldweg nach Neuwelt hinunterging. Böllerschüsse krachten zu Ehren des Arbeiterfeiertages. Alle Arbeit ruhte in dieser Hochburg der Partei. Die Versammlung war prächtig. Alle wußten, als sie von Hohenlohes Sturz hörten, daß es jetzt Ernst werden konnte— sie trugen mir auf, der Kreisvertretung zu bestellen, daß es an ihnen „gewiß ne fahln" würde. Der Regierungskommissär von der zuständigen Bezirkshauptmann- scbaft Starkenbach fragte mich am Schluß, ob er wohl die Ueberwachung in Rochlitz sich sparen könne, eS würde hoffentlich nichts passieren. Diese Beruhigung glaubte ich ihm geben zu können und so fuhr er dankbar ab. Zwei Neuwelter Genoffen gingen mit bis nach Seifenbach hinauf, als ich am Nachmittag Rochlitz zuschritt. In dieser zwei Gehstunden langen'Gemeinde raffelten in den Fabriken die Webstühle— auch heute am 1. Mai. Die Textilbarone Nordböhmens durften damals jeden Maifeiernden noch mit Entlastung und Aussperrung bedrohen und noch hatte die Arbeiterbewegung den Feiertag nicht dckrchge- setzt, wie es den Glasarbeitern des Jsergebirges und den Proletariern mancher anderer Industrien längst gelungen war. Ein Jahr zuvor hatte ich in Wien am Vormittag vor Metallarbeitern gesprochen. Sie erledigten in der Mai-Versammlung auch noch Organisationsangelegenheiten und beschlossen, Bezirkskassierer anzustellen,' nachdem der Vorsitzende Franz Bretschneider—• 15 Jahre später Bezirksvorsteher von Floridsdorf— die finanziellen Bedenken mit dem individuell-sözialen Argument beschwichtigt hatte:„Genoffen, Oes könnts net verlangen, daß dr alte Hauschka in alle 19 Bezirk' umanandtanztl" Soweit war man hier in Rochlitz noch nicht. 'Erst abends konnte die Maiversammlung abgehalten werden. Aber desto imposanter war sie. Die hohe Behörde war nicht ganz sicher, daß alles ganz ruhig ablaufen werde. Sie batte.zur Perstärkung der Gendarmerie die Finanzwache von der nahen Grenze hereinkommandiert.„Heut werden sich die Schmuggler freuen" meinte ein Genosse dazu. . Nun ist der 1. Mai Staatsfeiertag. Der Sieg des Faschismus in Oestexreich hat ihn. dort nach dem Nazivorbild geschändet, das Dritte Reich feiert am 1. Mai bie- blutige Unterdrückung der Arbeiterbewegung. Die Proletarier in der Tschechoslowakei können an diesem Tage sich des Errungenen freuen— entschlossen, es nicht wieder zu verlieren.—r. Kampf-Mai $ $> $ K Kampf wird zum Fest! In einem Geist gestählt, Marschiert das Volk aus Werkstatt und Fabriken, Und tausend Gräben werden tausend Brücken, Sturmflut der Zukunft, die die Kräfte zählt! Der Hammer schweigt— die Räder stehen still, Und rote Fahnen schmücken unsre Gassen, Das ist der Tag der zukunftsfrohen Massen, Der Tag des Volkes, das beginnen will! So oft gehemmt und trotzdem unbesiegt— Wer kann die Flamme selbst in Ketten schlagen—? Ihr heißes Herz wird sie nach oben tragen, Weil man das Volk nicht um sein Ziel betrügt! i Die Erde bebt—. Wohin ihr immer blickt, Klingt unser Lied— entfalten sich die Zeichen, Marschieren Brüder, die die Hand sich reichen, Zieht sich das Band, das einst die Erde schmückt! K> Fest wird zum Kampf! O ewig junger Mai, Laßt uns die Fahnen in die Wolken heben, Laßt uns der Erde die Erfüllung geben, Die die Erfüllung für uns alle sei! Ernst D i tt mar. Präser Arbeiter-Rundfunk zum 1. Mal Die Prager Deutsche Arbeitersendung bringt am Freitag, den 1. Mai von 18 Uhr 10 biS 18 Uhr 50 folgendes Festprogramm im großen Sender des Prager Radiojournals: OnvertLre zu„Figaro- Hochzeit" von W. A. Mozart LiebdrrArbeit, Männerchor(von Josef Scheu, Text von I. I. Zapf) Z» d i r f e n» 1. M a i(Gedicht von O. W.) Fe st- Ansprache unseres Partei- Vorsitzende» Ministers Genoffen Dr. Ludwig C z e ch Wir Frauen!, F axenchor(von S. Kraßnig, Text von G. Mettler) Im Morgenrot, gemischter Chor(von G. Ad. Uthmann, Text von Carl Broch) Rezitationen:. Mahnungen, Ahnungen von H. Heine Menschliche Gesellschaft von Fr. Hebbel Ta- Brandmal Der Sieg de- Lichtes von G. A.». Maltitz Brüher, zur Sonne, znr Freiheit! Gr« mischtrr Chor(russische Volksweise, Text von Herman« Schrrchen) Die StaatShymne Die Chöre werden gesungen von der Sängerriege des Atus Kosolup: Chormeister: Fachlehrer Genosse Franz Hala, Landesvertreter. Die Rezitationen spricht Hans Lichtwitz-Prag. (Etwaige unwesentliche Programm-Aenderungen bleiben Vorbehalten.) Der 1. Mai 1890 In NorcIMHMnan Als im Jahre 1889 in Paris die Sozialistische Arbeiterinternationale wieder aüfgerichtet wurde, war die Arbeiterbewegung in den meisten Staaten Europas im erfreulichen Aufstieg. Ueberall meldeten die Arbeiter ihren Anspruch auf die politische Mitbestimmung, aus gleiches Recht und ausreichenden Arbeiterschutz an. In Deutschland hatte die sozialdemokratische Partei selbst unter dem Sozialistengesetz, durch das sie vernichtet werden sollte, an Einfluß und Kraft gewonnen. Man sah mit größter Spannung den im Jahre 1890 zu erwartenden Reichstagswahlen entgegen. Sie brachten der Partei 1,427.298 Stimmen, ein Erfolg von außerordentlicher Bedeutung für die weitere politische Entwicklung des Deutschen Reiches. Das Ausnahmegesetz gegen die sozialistische Arbeiterbewegung wurde nicht mehr erneuert. In Oesterreich besaßen die Arbeiter kein Wahlrecht, da wurde unter einem elenden Ku- riensystem ins Parlament gewählt. Doch, nicht nur im Staat, sondern auch im Lande, in Bezirken und in den Gemeinden herrschten unumschränkt die Besitzklaffen. Dazu hatte die Ar- beiterklaffe unerhört unter der Willkür der politischen Behörden zu leiden. Das gesprochene und geschriebene Wort stand unter scharfer und kleinlicher Zensur, die Errichtung von Organisationen stieß auf die engherzigsten behördlichen, Schwierigkeiten. Und doch ging es vorwärts. In Hainfeld hatte der Parteitag der österreichischen. Sozialdemokratie die Radikalen und Gemäßigten geeinigt. Der Friede war hergestellt und bald merkten die Genossen nichts mehr davon, daß es jahrelang arge Meinungsverschiedenheiten mit den unliebsamsten Begleiterscheinungen unter der Arbeiterschaft gegeben hatte. Sehr viel trugen zu dem Auflebey der Arbeiterbewegung in Oesterreich die Beschlüsse des Pariser Kongresses bei, vor allem jener, der■ dahin ging, für einen bestimmten Zeitpunkt eine große, internationale Manifestation zu organisieren, dergestalt, daß gleichzeitig in allen Ländern und allen Städten an einem bestimmten Tag die Arbeiter an die Behörden die Forderung nach Herabsetzung der Arbeitszeit auf acht Stunden täglich richten und die übrigen Beschlüsse des Kongreffes zur Ausführung zu bringen. Als Demonstrationstag wurde der 1. Mai bestimmt. In Oesterreich setzte schon, zu Beginn des Jahres 1890 eine umfaffende lebhafte Propaganda für die Arbeitsruhe am 1. Mai ein, der Aufruf dazu fand in den Jndustriecrten durchwegs große Begeisterung. In Nordböhmen fr» schlossen nacheinander viele Belegschaften großer und kleiner Betriebe am Mai zu feiern, meldeten das ihren Unternehmern, die das erstemal keine Schwierigkeiten machten, sondern bis auf gewisse Ausnahmen, die Arbeitsruhe nicht verweigerten. So gestaltete sich insbesondere im Reichenberger Industriegebiet die erste Maifeier zu.einer machwollen Kundgebung für die politische Gleichberechtigung, für den Acht-Stunden« Tag und für den Sozialismus. Zu einer so allgemeinen Arbeitsruhe am 1. Mai ist es in den späteren Jahren bis zum Kriegsausbruch in Reichenberg nicht mehr gekommen. Die Industriellen unter Führung verbissener Scharfmacher setzten cs sich in den Kopf, keine Arbeitsruhe am 1. Mai zuzulaffen und das mit allen Mitteln wirtschaftlichen Druckes und durch Maßregelungen zu erzwingen. Sie konnten aber nicht verhindern, daß der 1. Mai sich als der Feiertag der Arbeiter durchsetzte, der nach dem politischen Umstürze als solcher auch staatlich anerkannt wurde. Der gutherzige John D. Jobn D. Rockefeller hat neuerlich 25 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke gestiftet. Mit diesem Betrag hat Rockefeller insgesamt 690 Millionen der Wohltätigkeit und der Wissenschaft geopfert. Rockefeller— in Amerika nennt ihn jeder nur John D-— ist ein Wunder. Ein Dichter hätte diese Figur nie ausdenken können. Es ist schwer zu glauben, daß ein solcher Mensch exi» stiert. Nur das heroische Zeitalter des aufstrebenden Kapitalismus der U.S.Ä. konnte diesen Rann schaffen und zu unerhörter Geltung brin» gen. Sein Vater war Kurpfuscher, ein Betrüger. Mit einem alten Wagen besuchte er die amerikanischen Städte und in netten Fläschchen bot er eine Flüssigkeft feil. Er ließ sich„Herr Dokwr" nennen und war fast ein Analphabet.„Wunder»' Medikament"— so pries Rockefeller senior seine Ware. Es heilt den Krebs, auch Lungenentzündung. Gegen Rheumatismus einzig wirksam, bei Magcnbeschwerden unersetzlich und nach dem stab. Biele glaubten, sie kämpften für Vaterland, Rasieren kann man es auch verwenden.. All das nur für einen Dollar. Den kleinen John nahm der Alte auf seine Geschäftsreisen mit, damit er was lerne, die Welt erkenne. Und John David war gelehrig. Der Vater war reich, aber er gab dem Sohne kein Geld. Mft zwanzig Jahren ging dieser als Lehrling in eine Werkzeugfabrik. Nur 3000 Dollar und er könnte etwas auf eigene| ?adit beginnen. Er wurde beim Vater vorstel- Ug. Der Alte erklärte ihm dann,'was für eine. Bewandtnis es in dieser Welt mit dem Wucher I hätte. Der Sohn begriff die Lehre, weil er ein vernünftiger Junge war. Der Vater borgte dem Sohne 8000 Dollar. Der Sohn gab dem Vater einen Wechsel über— 6000 Dollar. Der junge Rockefeller wurde mit diesem Kapital Mitinhaber der„Cleveland Tool Manufacturing Company". Das Geschäft prosperierte. Der Kompagnon genoß sein Leben und kaufte sich eine Dacht. John D. machte ihm bittere Vorwürfe und verließ die Firma. Von den folgenden sechs Jahren fehlt jede Nachricht. Und Rockefeller schweigt sich darüber aus. Plötzlich tauchte er als Oelsachverständiger auf. Er kaufte für 100.000 Dollar(woher das Geld stammt, ist nicht zu ermitteln) Oelfelder. In vier Jahren stabilisierte er den stetig schwankenden Preis des Lels und begann die Konkurrenz auszurotten. Er kaufte Oelquellen, Raffinerien. Nur einen einzigen.Konkurrenten konnte er nicht auskaufen. John Dallon wollte seinen Besitz nicht verkaufen, auch einem Rockefeller nicht. Und eines Tages wurde Dalton in seinem Büro mit einer Kugel im.Köpf tot aufgefunden. Die Erben verkauften die Oelfelder. Eine Untersuchung wurde eingeleitet, lahm und langsam. Dann wär alles still. Dalton hat sich wahrscheinlich selbst das Leben genommen— hieß es. Er war ja sehr nervös. John D. aber war damals schon ungeheuer reiche John D. stand oft vor Gericht. Wegen Meineid, Erpressung, Bestechung und böswilliger Verleumdung der Konkurrenz. Manchmal war er rechtskräftig verurteilt. In Mexiko, in Mittel- und Südamerika schürte er Kriege und Revolutionen. Für Geld. Für Dollar. Um Mehr Dollars. Es wäk nur Geschäft. Und kein sauberes. Tausend« starben. Zehntausende ergriffen in jenen Ländern den Bettelstab. Viele glaubten, sie kämpften für Vaterland Ehre, Freiheit. Aber sie starben nur für Rockefeller. Doch keiner zog in die Schlacht mit dem Ruf „Für Rockefeller!" John D. ist der Götze der modernen Menschheit geworden, ein neuzeitlicher Krösus. - Zwanzigjährig beschloß er, der reichste Mann auf Erden zu werden und 100 Jahre zu leben. Nun ist er dem 100 nahe und die Weltkrise macht vor ihm Halt. Rockefeller lieferte das meiste Oel in U. S. A. Er benutzte die Züge der„Pennsylvania" Eisen- bähngesellschaft. Eines Tages entschloß sich die Gesellschaft, die Frachtsätze zu erhöhen. Den Arbeitern der„Pennsylvania" ging es schlecht. Sie waren nicht organisiert. Aber die Empörung steigerte sich vcn Tag zu Tag. Rockefeller wußte es und sandte Agenten unter die Arbeiter. Der Streik brach aus.„Pennsylvania" konnte nicht liefern. Sie mußte ein hohes Bußgeld an Rockefeller zahlen. Und Rockefeller half nun der Essen- bahNgesellschaft eine Streikbrecherarmee zu organisieren. Die Streikenden setzten sich zur Wehr. Blut floß in Bächen. Tausende Tote blieben auf dem Feld. Die„Pennsylvania" konnte die streikenden Arbeiter niederringen, und für die Unterstützung Rockefellers zeigte sich die Gesellschaft dänkbär: Es blieb bei den alten Frachtsätzen. Rockefeller triumphierte und bekam noch oben-' drauf das hohe Bußgeld für die nicht durchgeführten Transporte. Zehntausende Arbeiter wurden vertrieben, brotlos gemacht. Am nächsten Tag stiftete der gutherzige John D. 10 Millionen Dollar für die darbenden Mitmenschen. Bor Jahrzehnten war er nur gefürchtet und gehaßt. Die Oelquellen aber sprudelten nur ihm. Und dieser klebrigen Flüssigkeit entwuchsen Millionen, Hundertmillionen und der weichherzige Alte opferte viele Millionen für die Armen. Das Oel wirkte Wunder. Rockefeller verstand es, seine schlechtxiechenden Geschäfte mit Oel wohlriechend zu machen. Er ist sehr religiös, geht jeden,Tag in die Kirche und opfert unheimliche Summen für die Methodisten. Seit frühem Mannesalter ist er schwer magenleidend. Er besitzt Hunderte von Millionen» er ist der reichste und mächtigste Mann der Welt, aber er kann sich nicht erlauben, ein Stückchen Fleisch zu essen. Er lebt enthaltsam und darf nur Flüssigkeiten„essen". Der Arme! Außer dem Geldsammeln hat er noch eiüe Leidenschaft. Er spielt Golf. Immer wenn er Zeit hat. Auch davon hat er viel. Er ist ein berühmt schlechter Spieler. Er spielt ja erst fünfundsiebzig Jahre. Er wir es vielleicht noch erlernen! Er rasiert sich nie. Er ist nur runzelig. Kein Haar ist auf seinem Körper, schon lange hat er feind ganze Behaarung infolge Krankheit verloren. Er ist aber John D. Das verschönert ibn. Er hat keinen Freund. Er ist kein freundlicher Mann. Er ist nur gutherzig. Viele Jahre gab er jedem, dem er begegnete, ein glänzendes 10-Centstück. Seitdem die Weltkrise wütet, gibt er nur 5.Cent. Nicht daß es ihm so schlecht ginge. Aus erzieherischen Gründen. Man soll den Groschen ehren. Man muß sparsam sein, will man etwas werden. Es gibt Wochen, in welchem John D. 100 bis 150.000 Dollar ersparen kann. DaS macht was aus. Es lohnt sich, zu sparen. Sein gutes Herz läßt ihn nicht ruhen. Nun gab er wieder 25 Millionen Dollar. Ein wunderbarer Mensch. Ein häßlicher Mensch. Aus Gold, aus Oel, aus Blut. Dr. Gt.»z. Seite 12 gteiteg, 1. Mal 1936 Nr. 103 Maifeier im Gefängnis Erinnerung aus Wien 1934 Wit.jedem Tag mehr, den ich in der»Liesl" zubrachte, wurde ich mit in den Dienst dör Pro- paganda für den ersten Mai gestellt. Geheimnis- volle Klopfzeichen an der Wand mutzten entziffert werden, Kassiber wanderten von Zelle zu Zelle. Hausarbeiter wurden emgespannt, ohne zu wiffen, worum es sich handelt und in. der Nacht wanderten Schnüre von den Zellenfenstern mit geheimnisvollen Bctschäfien. Letzter April/ Alles ist voller Spannung. Anscheinend hat hie Polizei etchas in die Rase bekommen/ denn, im Gefangenenhof werden von der Heimwehr Sckiixtzübuugen mit Maschinengewehren vorgenommen. Allen Anschein will man andeuten, was uns geschehen könnte/, wenn wir den Tag, an dem dem Bolle Lesterreichs eine neue Verfassung gegeben wird, vielleicht zu einer Demonstration ausnützen würden. Die Diskussionen in der Zelle haben aufgehört. Alte Arbeiter sind in der Zelle, für die der erste Mai Meilen» steine der Entwicklung gewesen sind, die an die\ Spannung denken, die jeder erste Mai in Wien hervorgerufen hat, die das ungeheure Erlebnis dieses Tages, an dem sich die Arbeiter zum erstes Male ihrer Kraft ünd Stärke bewußt. wurden, nie vergessen werden. Die Jüngeren'sahen in diesem-Tage Höhepunkt der Freude, den gewaltigen Rausch der Massen, Macht, pulsierendes Leben. Und sie dachten an dievielen Gesichter, die sie gesehen und die nun der grüne Rasen des Zentralfriedhofes deckt, die> am Galgen sterben mußten, oder hinter den Kerkermauern von Stein an ihrem heißen Drange nach Freiheit zugrunde gehen. Morgen der erst« Mai. Jemand spricht Worte des. Gedenkens der Feier in den demokratischen Ländern.„Unser Schritt wird mit den Euren, unsere Lieder werden mtt den Euren klingen!" Ein Genosse weint. Im Hof unten krachen die Maschinengewehre. Es ist Abend geworden. In den Vorstädten rüsteten andere Jahre die Genossen zu den Vorfeiern. Die Straßen waren voll lebhafter Menschen. Die Straßenbahner putzen ihre Wagen, schmückten sie mit dem neuen Grün und roten Fähnlein. Von den Neubauten flatterten Fahnen und in den Fenstern standen Kerzen. Transpa- rente waren über die Straßen gezogen.— Graue Mauern werden unwahrscheinlich groß und die Eisenstäbe nehmen eine ungeheure Dicke an.— Der Inspektor kommt in die Zelle. Es ist der gleiche, der uns die Wochen über bis aufs Blut gepeinigt hat und für den wir immer nur die Gauner und Verbrecher waren. „Schaun's,-meine Herren"», fängt.-er an, „murgen i» der erste Mai, i woav, lvos der Tog für Sie bedeut, oba die G'schicht is amol vur- bei und ich ersuche die Herrn, machens murgen Ian Krawall!" In dieser Nacht schlief kaum jemand. Jeder hatte nur den Plan im Kopf, morgen, wenn der letzte Glockenschlag von der Kirche in der Porzellangasse verklungen sein würde, der die sechst« Morgenstunde anzeigt, laut im Sprechchor mitzurufen:„Hoch der erst« Mai! How das rote Wien! Nieder mit der Henkerregierung l Es lebe die Sozialdemokratie!" Das gleiche würde auf die Sekunde genau auch im Landesgericht I und II geschehen. In strahlender Schönheit brach der Morgen des erwarteten Tages an. Ueber dem Mitteltrakt leuchtete ein Stück des blauen Himmels in die Zelle, Kein Laut, keine ferne Autohupe, kein Kreischen einer Straßenbahn. Nur das Waffengeklirr der Posten im Hof war zu hören. Da in dem Stockwerk, wo die Frauen sind, hört man einen Stuhl- rücken. Und dann den Ruf einer Frau, die in den Hof, in alle Zellen schreit: i,„Hoch, der erste Mai! Es lebe die österreichische Sozialdemokratie!" „Ruhe",.schreit der Posten, Kn Nu' ist alles' beim Fenster.„Kusch, Arbeiterwördek!"» wird ihm von allen Zellen zugerufen. Ein. heilloser Spektakel entsteht und als er sich legt, ist nichts zu hören als-das-letzte W.immern der geschlagenen Frau....' Der Wärter kommt.„Aufsteh'nl" Das ist alles, was er sagt. Wieder folgt der endlose Marsch in der Zelle. Es ist fünf Uhr, es ist halb, es schlägt die sechste Stunde. Man hört keinen Schritt mehr, sondern nur das Zählen, eins, zwei drei Sechs. Vorbei. Eine winzige Pause, die voller unerträglicher Span- nuNg ist. Da schwillt von irgendwo ein mächtiger Strom an, kommt brausend über die Häuser der Inneren Stadt,, bricht sich an dem Hause, wo .heute die Männer des neuen Oesterreichs zusammentreten werden, um dem Volke die neue Verfassung zu geben, und da hat es auch das Polizeigefangenenhaus gepackt. Es waren dte Rufe aus dem Landesgericht. - 1 Sprechchöre werden ausgestotzen. Fünfzehnhundert Mann schreien in den Hof, der als Trich- Prag. Kein anderes Tribunal ist. so. geeignet, die Wurzeln des sozialen Uebels, das wir. Kriminalität nennen, blotzzulegen, als das Jugendgericht. Der bei dem hiesigen Jugendgericht als Anklägerbestellte Staatsanwalt Dr. C e s& t hat aus privatem Interesse eine Statistik- angelegt, die geeignet wäre, Sozialpolitikern und Strafrechtlern wertvolles Material zu liefern. Dr. Cesät hat nämlich bei jeder von ihm vertretenen Anklage gegen jugendliche Täter die Familienverhältnisse- des Jugendlichen und das Milieu verzeichnet, in welchem dieser ausgewachsen ist. Und fast in allen Fällen, die zur Anklage gegen jugendliche Personen führten, findet man die Vermerke: Vater Alkoholiker—■— Vater(oder Mutter) syphilitisch Barer(oder Mutter) im Irren haus.—— Vater unbekannt, Blutter verkommen — Neben solchen typischen erblichen Eiuflüssen treten verderbliche E inflüsse des Milieus in Erscheinung, in denyt sich die Nachtseiten des herrschenden Gesellschaftssystems spiegeln: Verwahrlosung durch Not, Verwahrlosung durch Verführung, ter-wirkt.„Hoch her erste Mai! Hoch das rote Wien!" Gesang der Internationale.„Nieder mit der Henkerregierung l Nieder! Nieder!" Türen werde« aufgerissen. Gefangene auf den Gang gezerrt. Schreie, Schläge. Jemand spricht aus dem Zellenfenster. Auch er wird aus i den Gang geschleift und geschlagen. Ein anderer' setzt seine Rede fort.„Alles bezwingend, siegt doch der Geist! Kerker und Eisen zerbricht seine Macht, wenn wir uns ordnen zur letzten Schlacht"— Und es geschieht das wun derbare: einem Häftling ist es gelungen, ein Stück rotes Tuch in seinen Besitz zu bringen, das flattert nun aus dem letzten Stock nieder in den.! Hof. Ganz langsam und bedächtig. Es schaukelt durch den warmen Wind,' der aus der Küche strömt, von Zelle zu Zell«, fällt, steigt wieder, um schließlich., auf einett Telephon draht zu landen. Die Genossen singen voller Begeisterung das Lied der Wiener Arbeiter:„So flieg du flammende, du rote Fahne, vorgn dem Wege, den wir zieh'n, »pir find der Zukunft getreue Kämpfer, wir find die Arbeiter von Wien!" Tann flaut die denkwürdige Feier ab. Nur das Jammern und Klagen der Geschlagenen ist zu hören. H. ll n g e r. sei es durch schlechte Gesellschaft, sei eS durch Schundliteratur und Schundfilm. Sechzehn Jahr« zahlt heute die jugendliche Angeklagte, die wogen Verschulden desDieb- st a h l s und der v e n e r i s ch e n Infektion nach dem Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten vor dem Jügendsenat des O G R D r. S v o b o d a angeklagt war. Sie ist die T o ch t e r einer P r o st i t u i e r t« n, die sic von einem unbekannten Vater empfangen und in die Welt gefitzt hat, ohne sich über die spätere Eriftenz des unerwünschten Kindes den Kopf zu zerbrechen. Dieses Mädchen Muß«ine wahrhaft höllische Kindheit verlebt haben. Von ihrer Mutter empfing sie keine Liebe, wenig Nahrung und viel Prügel. Als sie dreizehn Jahre alt.war, wurde, die Angeklagte von ihrer. Mutter einfach auf die Straße''gesetzt und die Mutter verschwand auf Nimmerwiedersehen und blieb für alle Zukunft verschwunden. Vielleicht hat sie der Tod irgendwo im Straßengraben ! Etwas£awz, Heues: Gemusf. Marocain-Kleid Kc I29S!95’- Paleto mit mod. Aermeln K6 98'-, Mr- Marocain-Kleid geblumt Aplikation Kc 129'-, 195.- Geblumfe Jacke mi KJW* Element PRAG II. PORIC IG. ereilt, oder ist in einem der dielen Strohschober verbrannt, in denen so viele Außenseiter der Gesellschaft ein gräßliches Ende finde«.,. Die jugendlich« Angeklagte sah sich also aus eigene Füße gestellt und nahm den Kampf um die Existenz auf, so gut sie konnte. Das völlig verwahrloste Kind verfiel der Prostitufion— der allererbärmlichsten Prostitution. Als jugendlich« Vagabun« den trieb sie sich mit allerlei Leuten herum und es gelang ihr durch mehr als zwei Jahre den Gendarmen aus dem Weg zu gehen. Bis schließlich einer ihrer Gelegenheitsliebhaber gegen sie Strafanzeige erstattete. Diesen Liebhaber, einen Drahtbinder, dem sie sich für einige- Tage angeschloffen hatte, bestahl sie nämlich um 180 Ke. Und außerdem hat sie ihn mit einer schweren Geschlechtskrankheit angesteckt. Diesmal wurde sie festgenommen und vor das Jugendgericht gestellt. Der Diebstahl ist einwandfrei erwiesen. Hinsichtlich des andern Deliktes verteidigte sich die jugendliche Angeklagte durchaus glaubwürdig mit ihrer Unwiffenheit um ihr« schwer« Erkrankung. Das Urteil lautete auf drei Tage Verschließung. Dieses formelle Erkenntnis tritt allerdings ganz in den Hintergrund gegenüber den sozialen Maßnahmen, die aus die« sem verwahrlosten Kind vielleicht doch noch einen brauchbaren Menschen machen werden. Spät— aber vielleicht nicht zu spät! Vierzehn Jahre zählt der Angeklagte^ der sich- vor dem Jugendsenat des GR. S o n k a wegen? Diebstahls zu verantworten hatte. Dieser Fall kann, geradezu als Schulbeispiel für die k r i m i n e l l e Verführung Jugendlicher durch den- Unverstand der Erwachsenen angesehen werden. Tas Bürschchen, das da vor den Jugendrichtern stand, war einige Wochen als Lehrling in einer Werkstätte be-' schäftigt gewesen, als er anläßlich der Geburtstags«' feier eine- dort beschäftigten Angestellten eingeladen wurde, an einer„Bummelrefie" teilzunehmen, dir in einer zweifelhaften Weinstube endete, wo der junge Bursche in die„Freuden" der käuflichen Liebe eingeweiht wurde. Eine Woche später stahl er seinem Dienstgeber 400 Kc ait- der Kassa und als er dieses übrigenrecht-ungeschickt angelegten Diebstahl- überführt wurde, verantwortete er sich damit/ er habe sich die genoffcnen Vergnügungen nochmal- auf eigene Rechnung verschaffen wollen. Ter Jugendliche, der ganz sicher nicht zu den verderbten Typen zählt,wurde zu drei Tagen Verschließung verurteilt und der Obhut drr sozialen Auffichtsstellen empfohlen. rb. Oie Hauptstraße von Addis Abeba, der abessinischen Hauptstadt Tragische Jugendschicksale Zwei Jugendgerichtsverhandlungen Goldgräber Bill war ein beruflich gut ausgebildeter Rann. Er war nacheinander Kellner, Trimmer. Portier, Maurer, Tellerwäscher gewesen. Er übte zumeist ans, zu dem sich gerade die Gelegenheit bot. So war es auch verständlich, daß er selten länger als einige Stunden arbeitete, weil dann feiste Chefs ihm di« Gelegenheit gaben, seinen Arbeitsplatz mit einem anderem zu vertauschen. Einige Cents brachte es aber doch ein und das war der Hauptzweck. Geofftey war ganz anders. Er konnte allerdings auch auf eine sehr abwechslungsreich« Tätigkeit zurückblicken, insofern sich diese auf den Wechsel von der Freiheit ins Gefängnis, bezog. Und diese beiden trafen sich. Auf einer Straße in der Nähe von San Francisco. Sie fanden, daß sie zusammen zwar kein Liebespaar abgeben würden, aber ansonsten doch sehr gut aufeinander abgestimmt seien. Sie saßen vor dem Laubhaufen, auf dem sie die Nacht, nur in ihre leichten Decken gehüllt, zugebracht hatten und dehnten ihre von der Kühle dec Nacht noch steifen Glieder. Bill stocherte mit Den ich aus Eisen schuf: Er steigert meinen Dichterzorn Und meinen Kämpserruf. Mein Ruf verhallt, man hört mich nicht. Doch glaube ich an mich. Vom Osten kommt das Tagelicht, Vom Osten träume ich: Ein Schiff eilt ostwärts ohne Rast, Stolz weht da? Fahnentuch. Und seltsam ist des Schiffes Last: Die Kette und mein Buch. Mit jedem späteren Heft wächst sein Glaube an die- Erreichbarkeit seines Traumzieies. Er glaubt sogar, daß die Zukunft, die Freiheit seines Volkes mit dem Klange seines Namens auf das engste verknüpft sein, wird und daß man ihn dort, in freiem Afrika, einst, wenn'die neuen Genera- tiynen seinen Traum zur Wirklichkeit gestalten werden, kennen, lieben und ehren wird: Hoffnung gibt mir Trost: im Heimatreiche Wird das Negervolk in Freiheit leben Und dem schönsten Weg am stillsten Leich«- Rach dem Lied von mir den Namen geben., Wir könne» sie nicht ohne Mitempfinden lesen, diese Versträume über einen Kontinent» dessen Leben und Natur, dessen mannigfaltigste Sitten und Sprachen den amerikanischen Negern gänzlich fremd und unbekannt sind. Afrika den Afrikanern—- das ist ein Traum der afrikanischen Neger. Die Träume des amerikanischen'' Negerdichters-kreisen um dasselbe Afrika, das ihm ein gelobtes Land zu sein scheint und dessen alter Gloriole und künftiger Glorie er die folgenden Zeilen widmet: Du alter Kontinent, das Wiegenland der Menschheit, Du bist allein gesegnet mit der Glut der Sonne, Die Frücht« deiner Erde sind. die farbenreichsten. Und Menschen zeugst und züchtest du, die nie erbleichen. Denn.Kinder deines Schoßes berge» in der Seele Die Größe der Vergangenheit, des Daseins Fronden Sowie den Ruhm der naben und der fernen Zukunft. Daher umschmeicheln dich die waffenstarken Völker, Dein Reichtum lockt das Enkelkind des • Sklavenhändlers, Du bist ein Freihertshori für alle Menschen,. Für die deS Erdenkreises Maschen viel zu eng sind. Wer dich gewinnen will, der öffne dir die Seele, Wer dich verstehen will, der schaue in dein Auge, Wer dich verstanden hat, der glaubt an deine Zukunft. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Wiederaufstieg der Textilproduktion *S’ Diik Prchntttiou der Texttlindustrix miseres Landes war in den Krisenjahren stark zusammengeschrumpft. Die Indexziffer 1929 ist gleich 190) sank im Jahre 1933 auf 63,3. In den folgenden Jahren ist da»» wieder eine Erhöhung eingetreten. Diese günstige Entwicklung hat auch irr den ersten Monaten dieses Jahres angehalten. Es betrug der Index 1938 1935 Jänner 89,0 64,8 "-. Feber 94,6 68,8 Her Produktionsstand liegt demnach ganz beträchtlich Wer dem der gleichen Monate des Vorjahres. Nicht in der gleichen günstigen Weise hat sich die Beschäftigung in der Textilindustrie ent- wickelt. Denn obwohl die Produktion der von 1929- sehr nahekommt, waren Ende Jänner 1936 rund 70.000 Arbeitslose in der Textilindustrie vorhanden.' Der Fleischverbrauch sinkt weiter Der Rückgang des Fleischkonsums, der für das vorige Jahr festgestellt werden mußte, seht sich auch in den ersten Monaten des laufenden Jahres fort. Von 42,9 Millionen Kg. im Jänner ist er auf 34,7 Millionen Kg. im Feber gesunken. Auf den Kopf der Bevölkerung berechnet, betrug der Fleischverbrauch im Feber 1936 2,29 Kg., während er im gleichen Vorjahrsmonat 2,35 Kg. betragen hätte. Am stärksten ist der Rückgang beim Schweinefletschlonsum. Wurden 1935 in- den ersten beiden Monaten 51,7 Millionen Kg. Schweinefleisch vervraucht, so im Jahre 1936 nur 45,6 Millionen Kg. Insgesamt beträgt die Verringerung im Fleischverbrauch gegenüber dem Vorjahre 8 Prozent. Diese Entwicklung müßte Anlaß zur Durchführung beschleunigter Maßnahmen sein, die der Bevölkerung billiges Fleisch zuführen ünv ihr damit die Möglichkeit geben, ihren Fleischverbrauch wieder zu erweitern. Auch das Interesse der Volksgesundheit drängt dazu. Aushau der heimlichen Radlolndurtrle Die' englische Firma Marconi hat gemeinsam mit der Radio-Slavia A.-G. in Prag eine Fabrik in Liben erworben, in der noch im Laufe dieses Jahres die Erzeugung von Rundfunklampen des Systems Marconi ausgenommen werden soll. Es wird zu diesem Zwecke eine selbständige tschechoslowakische Gesellschaft Marconi. unter Beteiligung der Radio-Slavia gegründet werden..... Aa-er Zeitung. Programm des 1. Mai 1936 in Präs Am Vormittag, den 1. Mai: Demonstrationsaufmarsch, gemeinsam mit der tschechischen Partei, zur- Mai-Kundgebung auf der Slawischen Insel. Redner: Senator Genoffe Theodor Hackenberg. Treffpunkt: Prag II,- Ecke Mezibranskä— Zitnä, 3^10 Uhr. Am Nachmittag des 1. Mai: Am Turnplatz der DTJ, Pohokelec(Elektrische 1), Treffen aller Genossinnen und Genoffen der SJ, Fallen, Kinderfreunde, Atus, Singgemeinde, RW. Straßenbahn und ElettrizttätSwerk in Prag. :(R. F.) lieber diese beiden größten Gemeindebetriebe sind einige interessaMe Zahlen veröffentlicht worden. Ter Höchststand der Einnahmen der Stra- ß e n b a h n wurde 1932 mit 234.9 Millionen XL erreicht. Der Ttiefststand fällt ins vergangene Jahr mit 211.7 Millionen, während die bisherigen Ergebnisse des laufenden Jahres eine beträchtliche Zunahme aufweisen. Von dem Gewinn der Straßenbahnen wurden letztes Jahr 62 Millionen an die .Gemeindelasse abgeführt.' Für 1936 sind 72 Millionen vorgesehen. Die Bilanzsumme der Strgßen« bahn betrug 1935 206 Millionen, der Reingewinn (nach allen Abzügen) 6,587.000 Kd, Das investierte Kapital beträgt pro Kilometer 1,250.000 KC; die Betriebskosten(pro Kilometer) 20 Heller. Die städtischen Elektrizitätswerke haben einen großen, auch durch die Krise nicht unterbrochenen Aufschwung aufzuweisen. 1925 lieferten sie 90.7 Millionen Kilowattsttmden, 1935 bereits 213.7 Millionen. Der Durchschnittspreis der Kilowattstunde sank dank der Erhöhung der Energie-Erzeugung von 1.38 KL im Jahre 1925 auf 0.89 KL im letzten Jahre. Die Bilanzsumme betrug 1935 197 Mil- lionen KL, der Reingewinn 12.6 Millionen.— Der A ü t 0 b u s b e t r i e b brachte bei einer Betriebskostenhöhe von 1.50 KL per Kilometer einDefizit von 5,655.000 KL.- Ein wirtschaftlich sehr viel versprechendes neues Verkehrsmittel ist der Trat le y- bus, der bei einer Jnvestitton von 450.000 KL pro Kilometer nur 80 Heller Betriebskosten erfordert, während die Straßenbahn bei zwar nur 20 Heller Betriebskosten 1,250.000 KL Investitionen,"- der Autobus dagegen bei nur 250:000- KL-Investitionen. 1.50 KL an Betriebskosten(alles pro Kilometer) notwendig macht. Mit Feuer gewaschen. Di« 26jährige Krankenschwester Marie Franz wuich sich gestern früh in ibrer Wohnung mit einer Mischung aus Alkohol und Benzin, die aus ungeklärttr Ursache— Wohl durch einen zum Fenster hereingeflogenen Funken— plötzlich Feuer fing, so daß Gesicht und Hände der Franz von Flammen bedeckt waren. Doch gelang es den Anwesenden, das Feuer rasch zu löschen. Die Franz wurde mit Brandwunden ersten und zweiten Grades ins allgemeine Krankenhaus gebracht; in der Wohnung waren noch die Kleider, die auf einem in der Nähe stehenden Sessel lagen und der Fenstervorhang verbrannt. Brennendes Auto. In der Palgcchstraße in Zisiov bemerkten gestern Passanten, daß der rückwärtige Teil des Autos des Ingenieurs Lädislaus Vrba Feuer gefangen habe, ohne daß der Chauffeur selbst noch etwas davon wußte. Tas Auto verbrannte noch vor Eintreffen der Feuerwehr fast völlig und mußte von der Straße weggezogcn werden. Personen wurden nicht verletzt. Lehrling bestohlen. Der vierzehnjährige Uhrmacherlehrling F. S. erschien gestern nachmittags auf dem Polizeikommiffariat und gab an. daß ihm kurz vorher— wahrscheinlich auf dem Tylplätz in Prag Xll— sieben Tamenuhren der Matte Alpine im Gesamtwerte von 1400 KL gestohlen worden seien. Nach--en Tätern wird geforscht. Seite 14 .Sozialdemokrat" Freitag, 1. Mai 1936. Nr. 103 "WEITBE RÜHMTE<$ T E ZIALITÄT C„.■ Machweisbar aiierfeinst JCunsl und Mssekt Festvorstellung„La Bohfeme" Wie alljährlich so auch gestern gab unsere Prager Bezirksorganisation den Auftakt zum 1. Mai in einer Festvorstellung am Vorabend. Die Wahl war diesmal letztlich auf Puccinis Oper„La Boheme" gefallen, deren mufitalischer Wert ebenso auster Zweifel steht wie die Zugehörigkeit ihrer handelnden Personen zu den sozial Schwachen, Leidenden. Dennoch eignet sich das lyrische Drama der armen K r o f t a alS Vorsitzender der Gesellschaft für Musikerziehung.- der Rektor für die deutsche Musikakademie in Prag Fidelio Fink«. Montag V. Philharmonische- Konzert. Dirigent: S z 11L Hindemith:.MatthiS der Maler"; Kiene!: Klavierkonzert(Solist: Kalix); Strawinsky:„Feuervogelsuite". Philharm. Extra-Abonn. Mittwoch neuinszeniert„Ein Volksfeind" von Henrik Ibsen. Regie: Liebl. B—1. Wochenspielplan de- Reue« Deutschen Theaters. Samstag halb 8:Rosenkavalier, AI.— Sonntag halb 3: Der heilige Antonius, halb 8:Liebe nichtgenügend, D 2.— Montag 8: V. Philharmonisches Konzert, Abonnement aufgehoben.— Dienstag halb 8 Uhr: M o n a L i s a, A 2.— Mittwoch halb 8: Volksfeind, neu inszeniert, BI.— Donnerstag halb 8: L i e b e nichtgenügend, C 2. — Freitag halb8: Orpheus inderUnter- w e l t, D 2.— Samstag halb 8: Glückmuß man haben, Erstaufführung, B 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag 8 Uhr: Salzburg ausverkauft.— Sonntag 3: Dr. med. HiobPrätorius, 8 Uhr: Salburg ausverkauft,— Montag 8 Uhr: Salzburg ausverkauft, Bankbeamte I und freier Verkauf.— Dienstag 8: Salzburg ausverkauft.— Mittwoch 8 Uhr: Ich und mein kleiner Bruder.| Der Mm „Die blaue Brigade*' ist einer der Flieger- und KriegSfilw«, die wir mit immer dem gleichen Thema seit Jahren sehen. Pilot und Beobachter, auf Tod und Leben aneinandergebunden, lieben die gleiche Frau und sehen ihre Kameradschaft durch Eifersucht bedroht. Natürlich fällt der eine und der glücklich überlebende gedenkt in Wehmut deS toten Rivalen, während er selbst sich mit der Frau versöhnt. Wodurch sich dieser französische Film (nach einem Roman von Kessel) von den Vorgängern amerikanischer und anderer Herkunft angenelsn unterscheidet, das ist die Beschränkung der Sentimentalität auf das nötige Mast, die kritische Stellung zum Problem des Heroismus, die Vermeidung des Kitschigen im Krieg tyie in der Liebe. Die Offiziere und Soldaten stnd durchaus menschlich gesehen, nicht als heldische Ungeheuer, und sie werden von sympathischen Künstlern dargestellt. Was den Film aber eigentlich sehenswert macht und ihm Wert über den Durchschnitt verleiht, ist wieder das Phänomen Annabella. Die makellose Schönheit dieser Frau mit den Kinderaugen wiegt viele Sünden der Filmtechnik auf und man i Spoft-Spüt-Xwiurpffege Der Kampf gegen die Cctaiti in Jugoslawien Die Schweizer taten für Berlin kein Gelt! Schweizerische Olympisch« Komitee(SOC) bar Sitzung abgehalten, in der bekanntgegeben det, die den Führer Kosta Petschanatsch desavouiert und ihn für alle Terrorakte verantwortlich macht. — Donnerstag 8: Salzburg ausverkauft. Theatergemeinde des Kulturverbandes urrd freier Verkauf.— Freitag halb 8: Menschen auf der Eissch olle, Erstaufführung.— Samstag 8 Uhr: Menschen auf der Eisscholle. Das eine_ wurde, hast für Berlin das Geld knapp sei, denn alle 22 Kantonsregierungen haben Subventionsgesuche abgelehut und von 104 Gemeinden haben nur acht im ganzen 630 Franken gespendet. Tie Zustände, di« stch allmählich herausgebildet haben— u. a. wurde jetzt auch in Split der Führer der lokalen Organisation der Eetnici tot auf der Straste aufgefunden—, haben di« Regierung veranlaßt, einerseits die Untersuchung über die Vorfälle bei Rakitije sehr behutsam durchzuführen, um nicht netleS Oel ins Feuer zu gießen, andererseits mit der Auflösung des Verbandes zu beginnen. Einige der verhaßtesten Führer wurden in Schutzhaft genommen, andere sind geflüchtet, um nicht der allgemeinen Haßatmosphäre, von deren Umfang man sich kaum«ine Vorstellung machen kann, zum Opfer zu fallen. Da die Gefahr eines Aufstandes besteht, erhielt die Gendarmerie Befehl, mit äußerster Vorsicht zu amtieren und die erregte Bevölkerung nicht zu reizen. TaS führt zu einer liberaleren Handhabung der BerlvaltungSpraxiS, die vielleicht die Grundlage zu einer Verständigung bilden könnte. Wäre das der Fall, so hätte wenigstens di« Auseinandersetzung mit den Eetnici doch ihr Guter gehabt. Wegen deS Tragens kroatischer Fahnen und wegen deS Singens kroatischer Lieder wird nicht mehr gegen die Bevölkerung vorgegangen. Leichtathletische BerbandSmeisterschaftrn der DTJE. In diesem Jahre werden vom Verband« der DTJE folgend« Meisterschaften durchgeführt: Am 8. und 9. August in Prag der Zehnkampf für Männer und der Fünfkampf für Zöglinge; 80. August der Fünfkampf für Frauen und der Dreikampf für weiblich« Zöglinge(Memorial Hummelhansovä) in Königgrätz; 27. und 28. September in Mähr.-Ostrau die Einzelwettkämpfe und der Fünfkampf für Männer sowie der Dreikampf für Frauen. Ferner wurden die Mannschaftsmeisterschaften deS Verbandes ausgeschrieben. Tie Männer stellen eine Vierermannschaft und tragen folgende Disziplin« auS: 60 Meier, Hoch- und Weitsprung, Kugel, Diskus und 4 X1000 Meter. Bei den Frauen gelangt ein Dreikampf zur Austragung, der auS 60 Meter, Hoch- sprung und Ballwerfen besteht. Berschuldnng der Lokal-Turnhalle«. Die»Sta- vitelske Listy" veröffentlichen«inen Bericht, nachdem tausend Sokol-Turnhallen in der Tschechoslowakei einen Schuldenstand von 288 Millionen KL ausweisen. Auf Hypothekarschulden entfallen auf die erste Hypothek 148 Millionen KL, welche in zirka 25 Jahren fällig stnd; auf Wechselschulden, für die Mitglieder der Ausschüße und einige Privatleute haften, rund 33.5 Millionen KL. Jene Schulden, welche für die Tum- hallen noch nicht bezahlt werden konnten, sind aus zweite Hypothek mit zirka 59.5 Millionen KL ver- büchert. Der Mtlglieberftanb M schweizerische« Latus beträgt für das Jahr 1936 27.472 Mitglieder, das sind um 742 mehr al- im Vorjahr«." Diese Mitglieder verteilen stch auf 20 Kantonalverbände, von denen die Kantone Bem, Zürich und Aargau die bedauert hier wie schon in dm letzten Annabella- Filmen nur das eine, daß der Regisseur seinen Star, einen Stem in besserem Sinne, ein milde strahlendes Himmelslicht, so sparsam hinter den Wolken hält. fr. Legen dl» Hitler-Olympiade Am 6. Juni findet in Paris ein in ter- !nationaler Kongreß statt, den das Jmer- i nationale Komitee zur Respektierung des Olympi- > scheu Gedankens einberuft und dazu alle Gegner, der j Abhaltung'der Olympiade in Berlin«ingeladen hat. iDem Komitee, dessen Vorsitzender der ehemalige , Minister Smawr Justin Godart ist, gehören zahl- ! reiche Persönlichkeüen des intemationalen Sport« lebens an. Joan Crowford spielt die Hauptrolle im neuen MGM-Film „Frau im Offside". (AP) Die Frage der Eetnici, die immer mehr als Verkörperung des grotzserbischen Zentralismus und des Diktaturgedankens sowie eines faschistischen Regimes angesehen werden, beschäftigt noch immer die Oeffentlichkeit. Stürmisch wird insbesondere in Kroatien die Auflösung der Organisation gefordert. Sie erscheint als das einzige Mittel, um die Stim- nmng zu beschwichtigen und der wachsenden Erregung ein Ventil zu öffnen. Denn es drohen sonst anarchische Zustände. Die kroatischen Bauern lei« sren den Eetnici Widerstand, dies« suchen daraufhin die Bevölkerung durch Terrorakte«inzuschüchtern, und das regt erneut die Tendenz an, zur Selbsthilfe zu greifen. Seitdem der kroatische Abgeordnete Brkljaischitsch von Eetnici ermordet wurde, gehen die kroatischen Bauern überall gegen die Eetnici vor. Ilcberall erfolgen Racheakte, die ein bedrohliches Ausmaß annehmen ynd leicht eine Situation schaffen können, deren die Regierung dann nur noch schwer Herr werden kann. Ties« Kampagne gegen die Eetnici hat bereits zyr Folge, daß zahlreich« Persönlichkeiten in den Zeitungen Erklärungen abgebe« in denen fi$. offen von den Eetnici«drücken und, der Massenstimmung Rechnung tragend, erklären, daß ste keinerlei Verbindung mit ihnen hab««. In der Leitung der Organisgtio« ist es selbst zu einer Krise zekommen. Es hat stch«ine Opposition herauSgebil- imprimö-Kleider und Complets Georgette Complets und Mäntel Reise-Mäntel und Kostüme England hat noch nicht endgültig entschiede«? Wie der.Daily Herats berichtet, wird di« British Amateur Athletik AssoLation noch auf Antrag der Arbeiter verbände di« Frage der Teilnahme an der Berliner Olympiade beraten. Das genannte Blatt weist darauf hin, daß die öffentliche Meinung in England gegen«ine Beteiligung an dieser Olympiade sei.— Auch die Havas-Agentur meldet, daß Großbritanniens Teilnahme an den Olympischen Spielen 1936 noch nicht endgültig beschlossen sei. Mimi zu keinerlei Feftvorstellung, da alS solche richtig nur ein ganz großes Werk dienen kann; aber die„Boheme" ist weder das, noch vermag sie Erhebung oder Freude zu vermitteln. Und daS ein« oder andere scheint uns gerade die Einbegleitung deS 1. Mai zu fordern. Es ist recht schade, daß man gestern nicht die avisierte Gelegenheit wahrnahm, den revo- .lutionären„Figaro" Mozarts spielen zu lassen, dessen Uraufführung just am 1. Mai vor 150 Jahren siattfand. Bedauerlich aber auch, daß es gestern nicht zur ursprünglich geplanten Aufführung des „Lohengri n" kam, dessen Charakter als große Oper dem festlichen Zweck deS Abends gleichfalls besser entsprochen hätte.. Erfreulicherweise brachte unser Publikum selber auch zur„Bohöme" genug gehobene Stimmung und Aufnahmsfreudigkeit mir, so daß dieser Opernabend, bei mittelmäßigem Niveau der Vorstellung in orchestraler, chorischer und zum Teil auch soltstischer Hinsicht, wärmsten Anklang fand. Die gastierende Zdeüka Z i k o v ä weiß den schönen Timbre ihrer Stimm« für die Lyrismen der Mimi sehr gut auszunützen und ist auch durchaus überzeugend in der Erscheinung(ohne daß aber, was die gesangstechnischen Mängel und das Konventionelle der Darstellung betrifft, die hier schon zweifach abgegebenen Urteile über die Künstlerin korrigiert werden könnten.) Herr Baum singt die Kantilenen Rudolfs mit schöner, wohllautender, ausgeglichener Stimme und erntete im ersten Akt großen Beifall auf. offener Szene. Als Musette war Frau Käte Walter eine reizende Nothelferin, übrigens diesmal auch! ■ stimmlich in bester Verfassung. Weniger erquicklich; stand es um den Baßschlüssel, insbesondere soweit er einem„Musiker" anvertraut war. Doch auch vom Pult her war Ruhigeres, Zarteres. Edleres zu erwarten gewesen. Freilich darf aber nicht verkannt "werden, wie schwierig gerade dies« Partitur ist und' ' daß die deshalb um so nötigeren Auffrischung-Proben i vermutlich nicht in genügender Zahl möglich waren.| Das gilt auch für das Regiemäßige, das uns gerade nicht sehr festlich vorkam. Nichtsdestoweniger wurde| allen Mitwirkenden reicher Dass! nach allen Akt-! schlüssen zuteil. L. G.| Eingang innen im Hause W‘ des Grabens) W■ nur im I. Stock. Feier des staatlichen VlufikkonservatariumS. Gestern um 11 Uhr vormittags wurde im Rahmen einer große« Feier im Saale des staatlichen Musikkonservatoriums des 12 5. Jahrestages der Grün-! düng des Prager Musikkonservatoriums gedacht und\ gleichzeitig das neue Gebäude des Konservatoriums in der Trojanovä ulice in Prag II seinem Zwecke übergeben. Der Rektor des staatlichen Musik« konservatoriumS, Prof. K. Hoffmeister, schil-, dette in seiner Eröffnungsansprache die glänzende| Geschichte, die Bedeutung und die Arbeiten des Instituts und betonte, daß das Konservatorium um eine Dirigenten-, pädagogische und selbständige dramati-! sche Schule erweitert wurde. Sodann sprachen u. a. Minister für Unterricht Dr. Emil Franke, Minister für öffentlich« Arbeite« Jng. Jan D o st a l e k, der Primator Dr. Karel B a x a, der Präsident der tschechischen Akademie Dr. I. B. F o erster, Ministör für auswärtige Angelegenheiten Dr. Kamil so^MODESCHAUEN TÄGLiCH VON 4-5 Prag ELEGINTE U. MODERNE HOtt II. Wil KUBEN- UND KINDERHZÜGE offeriert JURSCITjPrajJ./ffiX Zeleznä 14\jOy Witz-Sch., JOGI. Masarykstr. I Schutzmarke stärksten sind. Ter Satus konnte also trotz der immer einschneidenderen Krise eine Steigerung seiner Mitgliedszahl erzielen; eine Tatsache, welche'erfreulich wirkt. Sowjrtrusfischer Schwimmrekord, lieber 100 Meter Brust verbesserte Boitschenko in Moskau mit 1:06.2 Min. den USSR-Rekord, welcher besser ist als der bürgerliche Weltrekord. Boitschenko betreibt, wie übrigens fast alle russischen Brustschwimmer, den sogenannten Vutterflh-Stil. Sowjetsport in Zahlen. Der Oberste Rat für Körperkultur in der Sowjetunion veröffentlichte vor kurzem die Zahlen der-aktiven Sportler. Es betreiben demnach: Leichtathletik 2,500.000, Volleyball 2,000.000, Ski 1,000.000, Eisläufen(mit Kunstlaufen) 1,000.000, Fußball 1,000.000, Eishockey 240.000, Boxen und Ringen 210.000, Schwimmen 200.000 uüd Tennis 150.000. Rach jahrelangen„Bemühungen"... Di« ehemalige Bunde-schule deS früheren»Arbeiter« I Turn- und Sportbundes" in Deutschland, die von ! der SA— als Tummelplatz bezöget» wurde, ist jetzt der Studentenschaft Leipzigs als Sportschule überlassen worden. In Zeitungsartikeln wurde aus diesem Anlaß geschrieben, daß es nach jahrelangen Bemühungen nun endlich gelungen sei, für die Studenten eine gute Sportstätte zu schaffen. Die Herrschaften tun so, als ob sie aus eigenen Kräften diese vorzüglich eingerichtete Schul« gebaut hätten und es ihr Verdienst sei, daß die Schule überhaupt entstand. In Wahrheit schaut es aber anders aus. Die SA hat die von den deutschen Arbeitersportlern unter größten Opfern aus eigenen Mitteln«rbmite BundeSschule total verwüstet. Im Winter hat sie z. B. daS Wasser im Schwimmbecken stehen lassen und da daS Schwimmbad nicht geheizt wurde, sind eine Ilnmenge Steinplatten gesprungen. Dies« und andere Schäden, die dieser einzigartigen Schule, die einst die Hochschule für Leibesübungen de- deutschen Arbeitersports war, zugefügt wurden, sind die„jahrelangen Bemühungen", von denen in den Razi-Zei« tungen geschrieben wurde. Tie Oeffentlichkeit sollte, wie daS im Dritten Reich amtlicherseits immer geschieht, darüber hinweggetäuscht werden. Alle Sport- und Turnzentrale« deS Dritte« Reiche», wie z. B. der Deutsche Fußball-Bund, die Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik, der Deutsche Schwimmverband, di« Deutsche Turitttschakt, haben ihre Äuswsung beschlossen.' Alle' diese Zentralen gehen nun im nationalsozialistischen Reichsverband für Körperpflege aus. Damit sind alle Sportyer- bände im Dritten Reich„gereinigt". Veretnsnacßncßten Ortsgruppe Prag. Treffpunkt Sonntag, den 3. Mai um%8 Uhr am Weinberger Bahnhof. Fahrt RiLany, Wanderung Ondkejov—Mnichovice. Führt Landsmann. SJ-Jüngerrngrnppe. Samstag, den 2. Mai, um 16 Uhr in der Liga. Gemeinsames Heim beider Kameradschaften. 1. Erklärung der Marschbereitschaft zum Reichsjugendtag. 2. Unsere Aufgaben und Pflichten in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Pilichrbeteiligung. Wanderung am Sonntag, den 3. Mai, Erwachsene und Kinder. Treffpuitkt: 8 Uhr früh hei der Endstation der 21er-Elektrischen in Hodkovikky. Ziel: Libuser-Tal. PliAG Führer: Nossek. Mitteilungen aus dem Publikum. DaS ist daS Frühjahr: wie man stch anzieht, macht man'S falsch! Zieht man sich leicht an, friert'S, zieht man sich warm an, ist's heiß: auf jeden Fall aber kriegt man einen Schnupfen, wenn man sich nicht durch regelmäßige Einreibungen mit dem Alpa-Franzbramüwein chbhäri^t und schützt. Alpa- Einreibungen regulieren den Blutkreislauf, Härten den Körper ab und bannen die typische FrühlingS- müdigkeitl Loser Alpa existiert nicht! Alpa gibt es nur in plombierten Originalflaschen. 1 llWlgellW BeMliMMei der ArbeiterfLrsorge finde» jede« Sami* tag von 5—7 Uhr im Verein deutscher Arbei» j ter, Smekkagafie Nr. 27, statt. Urania-Kino, Kltmentsltä 4. Fernsprecher 61828. Es flüstert die Liehe B e z u g S b e d i n g u n g e n: Bei Zustellung in» HauS oder bei Bezug durch di. Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 96.—, ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde vcn der Bost» und Tele» graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/V11/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags» und Zeitungs-A.-G. Prag. Rr. 103 Freitag, 1. Mai 1936 Seite 18 sein in Prag Leim um MWMMei 3A1 Her Fabrikarbeiter-Verband i.d.CSR SITZ AUSSIG a. E. FABRIKARBEITER, AUF ZUR TAT! 3981 Postsparkassakonto Brünn Nr. 100.757 Postsparkassakonto Prag Nr. 14434 Bist du noch nicht Mitglied, dann vollziehe ohne Aufschub deinen Beitritt. Bist du aber Mitglied, dann agitiere unerschrocken und erfolgreich unter deinen noch indifferenten Arbeitskollegen. Glückliche Stunden im Kreise der Familie geben die Kraft für den Lebenskampf. Die verantwortungsvolle Vorsorge durdi eine Concordia-Lebensversidierung gibt das glüdclidte Bewußtsein, die Zukunft seiner Lieben gesichert zu haben; Beruhigung für schwere Stunden, die eMrefen können. vertritt jederzeit und rückhaltlos die wirtschaftlichen und sozialen Interessen der gesamten organisationszuständigen Ar» beiterschaft. Es ist daher Pflicht eines jeden Fabrikarbeiters, seiner Gewerkschaft anzugehören. Die sozialen Kämpfe der Zukunft verlangen unbedingt die geschlossene gewerkschaftliche Front der Arbeiterklasse. Schutzglas(splitterfrei). Es ist allgemein bekannt, daß beim Zerbrechen Von GlaStafeln dolchähnliche Splitter entstehen, die schärfer als die feinsten Damaszenensäbel sein können. Wenn wir uns vorstellen, wie eine gewöhnliche Glastafel in einem Auw oder Flugzeug bei einem Unfall zersplittert, so begreifen wir die schweren, oft tödlich«! Verletzungen deS Führer- und der Mitfahrer. Die Firma Wolf& Stktka Rachf. A.-G., Prag H, Truhläiskä 16, hat deshalb ein neues Glas unter der Bezeichnung„N e o- T r i p l e x" auf den Markt gebracht. Diese Glassorte besteht aus zwei Glasscheiben und einer dazwischen liegenden glasklaren Schichte, die die Aufgabe hat, im Falle eines Glasbruches die Bruchteile zusammenzuhalten und das Loslösen von Splittern zu verhindern. Neo- Triplex wurde bei gewöhnlicher Temperatur, nach Einwirkung von Kälte, Wärme, Feuchtigkeit und Licht auf seine Splittersicherheit hin geprüft, wobei festgestellt wurde, daß all diese Einwirkungen die Splitterficherheit von Neo-Triplex in keiner Weise beeinflussen. Daß Sicherheitsglas von großer Wichtigkeit als Schutz gegen Verletzungen und Lebensgefahr ist, ersieht man. daraus, daß die Verwendung dieses Schutzglase» für alle Automobile gesetzlich angeordnet wurde. 8 37 der Regierungsverordnung über den Verkehr von Kraftfahrzeugen vom 19. Oktober 1935 bestimmt, daß jedes zur öffentlichen Personenbeförderung bestimmw Fahrzeug mit Sicherheitsglas auSzustatten ist. Außerdem sind auch die Versicherungsprämien bedeutend geringer, wenn Reo-Triplex verwendet wird. Arbeitern, die Stein- und Eisensplittern während ihrer Arbeit ausgesetzt sind, ist in ihrem Interesse zu empfehlen, Brillen Mit Sicherheitsglas Reo-Triplex zu verwenden. 33—12 Regen-Mäntel schon von 39 Kd aufwärts bis zum allerfeinsten Genre in allen Größen bei Busch, Damen- und Kinder-Kleidung en gros und en detail, Prag, Pkiksph 27(Mitte de» Grabens), Eingang nur innen im Hause im 1. Stock. 34—45 Mitteilungen aus dem Publikum Drahtziune au» Maschinrndrahtgeflecht, la feuerverzinkt von der Fa. S. Semler— R. Hirsch, Pilsen, Cvokarskä 1, Tel. 29, sind das Ideal eines jeden, der auf praktische, billige und schöne Einfriedung seines Besitzes Anspruch erhebt. 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Außerdem werden gewährt: Kostenlose Fachpresse, Rechtschutz^ Geburtshilfsbeiträge, Beihilfe in Sterbefällen etc. Anmeldungen werden in allen Ortsgruppen des Verbandes entgegengenommen M48 MM Denin fär ludnatigu TKatmal and ausgeieidinete TVrrt» arbeit, deshalb bmriugen laut Statistik die IKehreaftl der Xjnsumenlen (£1 JEDEM SCMUHMACHEKMEI5TER ERHÄLTLICH 1 3lauft ‘Pefamos- JaArräder HEINZ& COMP. FAHRRAD- UND FAHRRADTEILEFABRIK ZOPTAU DAMEN-MÄNTEL KOSTÜME KOMPLETS die schönsten und billigsten bei MANDL PRAHA II Väclavske nämesti 31 II. Etage GEDENKET bei allen Anlässen der Arbeiterfürsorge! „Sphinx“ Vereinigte Emaillierwerke und Metallwarenfabriken A.-G. 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Ermäs- sigte Pauschalkuren: Pistyan- d bilro, Praha I., Prikopy(Cedok) Wir empfehlen allen unseren Lesern beim Besuch von Würbenthai das bestbekannte Stoffe nicht mehr länger im Körper verbleiben und nicht mehr durch Rückresorption(Wiederaufsau« gung) in die Blutbahn gelangen können. Die regelmässige und möglichst ausgiebige Bewegung in den frühen Morgenstunden erhöht die Blutzirkulation sowie die Herztätigkeit und durch reichliche Muskelarbeit auch die raschere Verbrennung des Blutzuckers. Durch die taufrische Morgenluft, die noch frei von Staub und Rauch ist, werden die Lungen gründlich ventiliert, die Kohlensäureabgabe erhöht und die Sauerstoffaufnahme vermehrt. Die regelmätzige Bewegung in den frühen Morgenstunden fördert gleichfalls die Darmtätigkeit. Da aber auf eine ausgiebige'Stuhlentleerung besonderer Wert zu legen ist, gehört zur Frühlings« kur"stets auch ein Abführmittel, am besten das Saidschitzer Bitterwasser, die reine echte Bitterquelle, welch« wegen ihrer milden, aber sicheren Wirkung auch von einem sensiblen Organismus gut Nieren-und Biesen-, Gaffen-und Leberleiden. wässern immer neue Heilwerte zu entdecken, so datz die heutigen Indikationen eine sehr stattliche Liste darstellen. Der Gebrauch der Karlsbader Thermen wird jetzt u. a. gegen folgende Krankheiten verordnet: Erkrankungen des Magens, des Darmes, der Leber und der Gallenwege, Stoffwechselkrankheiten, Tropenkrankheiten, Krankheiten der Harnorgane, der weiblichen Unterleibsorgane, chronischen Muskel- und Gelenkrheumatismus, Hautkrankheiten(als Folge von inneren Erkrankungen und Stoffwechselstörungen). Mit der Entdeckung der mannigfaltigen Heilwerte hielt die Verbreitung des Ruhmes von Karls-' bad gleichen Schritt, so datz die Kurliste in den letzten Jahren der Vorkriegszeit die achtunggebietende Zahl von 71.000 Kurgästen(ungerechnet der jährlichen 300.000 Passanten und Touristen) verzeichnen konnte. Datz für solche Massen in allen Belangen Fürsorge getroffen werden mutzte, ist selbstverständlich. So bestehen neben den 16 in einwand umgebenen Quellen, deren Temperatur zwischen 21 und 73» Celsius variieren, 6 elegante, vornehm ausgestattete Badehäuser, in denen gewöhnlich Mineralwasserbäder, Heissluft- und Dampfbäder, Moor-, elektrische Zwei- und Vierzellen-, sowie elektrische Lichtbäder, Kohlensäurebäder und MoSt- packungen, Sprudeldarmbäder, Gasbäder, Sonnenbäder usw. verabreicht werden. Massagekuren besorgen geprüfte Organe des medico-mechanischen Institutes für schwedische Heilgymnastik und sind in ihrer Art vorbildlich. Einen Hauptkurbehelf bilden die Wälder in der näheren und weiteren Umgebung des Kurortes, die von 120 Kilometer messenden, sauber gehaltenen, reichlich mit Ruhebänken versehenen Spazierwegen durchzogen werden, in denen, lauschig versteckt, Gastwirtschaften ihre Pforten offenhalten, und auf deren hauptsächlichsten Höhen AussichrSwarten eine herrliche Fernsicht bieten. Wir sind billig bei erstklassiger Einrichtung, Bedienung und Pflege. Ihre Gesundheit und Erholung wartet auf Sie in BOHDANEÖ Saison vom 2. Mai bis 30. September Bitterwasser, mild und reizlos. 9 Schöne Zimmer mit. fließendem Wasser, aufmerksame Bedienung. Vorsaison volle Pension einschließlich Wohnung in oder außer Haus, pro Person Kö 25*—, KS 30'— Juli—August Kc 25’—, Kc 30’—. Verpflegung ä la carte, 3309 eigene Fleischhauerei. Fernruf 18 war ursprünglich ausschliesslich Badestadt, für deren Badepraxis die neuzeitige Balneologie nur ein Kopffchütteln, der moderne Kurgast ein leichtes Gruseln übrig hat, denn damals blieb man solange im Wgsser sitzen— bis die Haut' aufgeätzt wurde und die böse Materie herauSfloh. Spätere Forscher führten die Trinkkur ein, aber wieder nur ausschlietzkich diese und abermals in heroischen Formen, so datz 40 bis 50 Becher zu einer richtigen Kur Borschrfft waren. Einen gründlichen Umsturz erlitten die genannten Bräuche, als die Bade- mit der Trinllur kombiniert und eine vernünftige Diät eingeführt ? wurde. Damit fanden auch' die bisher üblichen Gastereien und glänzenden Festlichkeiten, welche die zur„Änr" in Karlsbad anwesenden Fürstlichkeiten veranstalteten, ein Ende und die aufblühende Sprudelstadt wurde ein ernst zu nehmender Kurort. Aerztliche Wissenschaft und nicht erlahmender Forschergeist wussten in den gottgesegneten Mineral- Die Karlsbader Kureinrichtungen bleiben ganzjährig geöffnet Zahlreiche Kurheime. Inklusiv-Kuren ab Kd 1550*—. 50'/, Rückfahrtsermäßigung Auskünfte durch alle Reisebüros oder durch die Kurverwaltung Karlsbad 3418. vertragen wird. Daher früh nüchtern ein GlaS Saidschitzer Bitterwasser oder auch abends vor dem Schlafengehen, da es die Nachtruhe nicht stört! Durch diese Darmreinigung schützen wir die Haut vor Unreinigkeiten aus dem Bülte: Akne» Pusteln, Mitesser, Ekzeme, ResselauSschlag, Furunkulose, verschwinden, die Spannkraft des Körpers steigert sich, die Muskulatur wird wieder elastisch, das subjektive Wohlbefinden hebt sich, worin die deutlichsten Beweise des Erfolges der Frühlings, und Verjüngungskur zu erblicken sind. Agch anderen Erkrankungen kann wirkungsvoll begegnet werden. In ihrem Berufe leiden viele durch die sitzende Lebensweise an Darmträgheit und Folgeerscheinungen, wie Hämorrhoiden, Nervosität, Kopfschmerzen, Gemütsdepressionen, Blutandrang, Neigung zu Fettansatz, Gicht usw. All dem kann durch den regelmässigen Genuss von* Saidschitzer Bitterwasser wirkungsvoll vorgebeugt werden. Die Frühlingsmonate, welche für die ganze Natur eine Regeneration bedeuten, eignen sich auch besonders für die bewährten Haustrinkkuren mit Biliner Sauerbrunn, denn auch hier wird eine Regeneration des ganzen Organismus erzielt durch Anreicherung.des Körpers mit wertvollen Alkalien, durch' Tilgung der schädlichen Säulen und durch Förderung der Ausscheidung von harnsauren Salzen. 88—05 Dr. Otto Adam. Sommerfrische Karlsthal im Altvatergebirge• Frühlingskuren sind Berjüngungsknren. Die Frühlingskuren erfreuen sich bei jung und alt der allgemeinen Beliebtheit und der besonderen Aufmerksamkeit; werden doch mit gutem Recht darin Verjüngungskuren gesucht und auch gefunden. Die Art der Durchführung ist oft verschieden und es müssen dabei stets besondere Grundprin«■ zipien für einen sicheren Erfolg beachtet werden. Auf eine ausgiebige Stuhlentleerung ist besonders zu achten, da nur so alle Ballaststoffe und Körperschlacken restlos entfernt werden können. Darin liegt auch der Wert der Blutreinigung, da durch die erhöhte Harnsekretion und Darmreinigung diese Hartleibigkeit Hämorrhoidem Radiumbad St. Joadiimsthal Stärkste Radiumquellen der Welt Idyllische Lage inmitten des waldreichen Erzgebirges am FuBe des Keilberges. Bäder-, Trink- und Inhalationskiu'en sowie Bestrahlung mit Radiumpräparaten, Ausgezeichnete Heilerfolge bei: Gelenksrheumatismus, Neuralgien, Neuritis, Tabes dorsalis. Nervosität und Neurasthenie. Arteriosklerose, chronischen Entzündungen des Herzmuskels und der Blutgefäße, chronischen Eiterungen. Gelenks- und HBhlenexsudaten. Auskünfte u. Prospekte durch die Kurkommission. 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Viele Anerkennungen und Dankschreiben. 3312 Verlanget überall Volkszünder K arI 8 b a d, der weltberühmte Kurort im Herzen des Böhmerlandes, hat trotz der wirtschaft lichen Rückschläge in den letzten Iahten seinen Welt ruf.zu wahren gewusst, lieber die landschaftlichen Reize findet sich schon in^einem Briefe von der Recke an Goethe der charakteristische Satz: „Dies Karlsbad bleibt schön, wenn man zuvor auch die Schweiz, Tirol und Italien gesehen hatl" Und der Olympier selbst gesteht: „Ich danke den Karlsbader Wässern eine ganz neue Existenz!".,. In diesen beiden lapidaren Urteilen ist eigent lich alles gesagt, was Karlsbad an landschaftlichen Schönheiten, was seine Thermen an Heillverte» bieten. Die Gründung Karlsbads durch Kaiser Karl I V. fällt in das Jahr 1349. Die kleine Ansiedlung um den Sprudel wurde im Jahre 1370 zur Stadt er hoben. Die Entwicklung zum Weltkurort in seiner heutigen Bedeutung bewegte sich naturgemäss, anfangs in einem sehr langsamen Tempo. Karlsbad j freier Weise gefassten, von Hallen und Kolonnaden Suchen Sie Gesundheit? Quälen Sie Rheumatismus, Gicht, Ischias oder Frauenleiden? Wollen Sie in Ruhe schön und billig Ihren Urlaub verbringen? Besuchen Sie Bad Bohdaneö! Erfaßt alle aktiven Arbeiterinnen und Arbeiter der tschechoslowakischen Tabakregie sowie auch jene im Ruhestande. Die Gewerkschaft gewährt den Mitgliedern Kranxenunterstützung und Beerdigungskostenbeiträge MM MWWAUWkN Sitz Reichenberg, Mühlfeldstraße 52 Sekretariate: Reichenberg, Mühlfeldstratze 25 Karlsbad, Haus„Volkswille", Kantstrasse Olmütz, Gabelsberger Gaffe Rr. 4/III freigeverkschilstliche Srgonisotion der Aogestellten du öffentlichen Dienstes Fachgruppen und Sektionen für die einzelnen Berufsgruppen— Krankenunterstützung, Not- fallSunterftutzung, Stellenlosenunterstützung sowie Staatszuschutz, Rechtsschutz in allen Berufs« angelegenheüen 120 Ortsgruppen. Fachblatt „D erneue W e g". Es liegt im Interesse jedes einzelnen, alle noch ausserhalb unserer Reihen- stehenden öffentlichen Angestellten für den Verband zu werben. Niemand schützt euch, wenn nicht die Organisation! 3416 Mkl„SWklt" BMge Fremdenzimmer, anyckannt gute Küche. Zeitgemäße Preise. Telephon 33 Nr. 103 Freitag, 1. Mai 1938 Seite 17 Konsum- und Spargenossenschaft„Vorwärts** Bratislava Zentralbflro i Zen t r almagazin: Ratzersdorferstraße 29—31 im eigenen Hause Finalem...... Bratislava: Ratzersdorferstraße 29—31, Donaugasse 80, Radlinskystraße 71, Dynamitfabrik, Patronenfabrik, Zvo- leaergasse 955, Ziegelfeld, Leinwebergasse 10, Lumnitzergasse 3, Soltes- gasse 17—19 Oberufer; Hauptstraße 33, Hauptstraße 143, Habern 146 Engerau: K. Marxstraße 64. Stefanik- straße 80 St. Georgen: Mittergasse 101 Sommerein: Ungargasse 147, Frucht platz 18 Biskupice: Üzkä ulice 31^403 Die Konsumgenossenschaft ist die beste Einkaufsquelle des organisierten Konsumenten.-Tretet deshalb als Mitglied der Konsumgenossenschaft bei und besorgt eure Einkäufe nur in oben- angeführten Abgabestellen Jung Einen PetroleumgasKodier? Ja, aber nur dda modernsten, den Perffektus Nr. 40 Sieht aus wie ein Spirituskocher, hat wie dieser eine regulierbare Flamme, brennt aber mit dem billigen Petroleum, hilft Ihnen im Haushalt sparen! ERNST HAHNEL Brandau i. B. Jelluloid-Türschoner zum Schutze des Türanstriches, sehr hygienisch, sauberes Aussehen, in modernsten Farben, für jedes Profil paffend, liefert zeMIdvareiiWil M«t IW« Grottau, Böhmen Man verlange kostenlose Preisliste! 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G. für Der Bekleidungsarbeiterverband in der CSR. mit dem Sitze in Reichenberg, Luftgasse 10 ist die größte Organisation und wirksamste Interessenvertreterin für die Schneiderg Hilfen und.Gehilfinnen, Hutarbeiter, Lederarbeiter, Schuhmacher und Lederhand« Schuhmacher, Ledergalanteriearbeiter u. Koffermacher sowie der Friseurgehilfen Parteigenossen und Genossinnen, werbet unter diesen Berufsgruppen für unseren Verband! 3030 WM»kl KWMkl I» dkl MkWWMkll WM Sitz Aussig, Lauge Gasse 38 Verband der Holz- und Landarbeiter Reichenberg, Gutenbergstraße 7 Freigewerfschastliche Organisation für die Beschäftigten nachstehender Berufe: Brettsägearbeiter, Bildhauer, Bürsten- und Pinselinacher, Binder, Drechsler für Holz, Horn, Bein, Perlmutter, Galalith- und Steinnußknopfarbeiter, Holzschläger, Holzwarenarbeiter, Kork-, Flecht- und Korkwarenarbeiter, Klavier- und Orgelbauer, Streich- und gupfinstrumentenmacher, Spiel- warenarbeitrr, Tischler, Tapezierer, Vergolder, Wagner und Landarbeiter VnmeWunoen in jeder Lrtsgruppe und in der Verbnndzzenttnie dar tschechoslowakische Staatsgebiet Zentrale: R e i c h e n b er g, Schleusengasse 12 Sekretariat! la Asch, Freudenthal, Jägerndorf, Mähr.-Schönberg, Reichenberg, Römerstadt, Rumburg, Teplitz, Trautenau, Warnsdorf, Zwittau Unterstützungen:- rrni i- tu> ni Streik- und Arbeitslosen-, Hinterbliebenen-, Entbindungs- sowie Notfalls-Unterstützung und Rechtsschutz ■n Unterstützungen wurden bisher « 321,978.663- .... ausbezahlt, davon allein an Arbeitslosenunterstützung tt 311,716.970*** la Lohnerhöhungen wurden bisher 660 Millionen tt erreicht WVcheatllch erscheinendes Fachblatt Yerbandtvors(tzender: Gen. Halen Roscher Jeder Textilarbeiter gehört als Mitglied in die größte und leistungsfähigste Gewerkschaft der Textilarbeiter unseres Staates, in die •UNION DER TEXTILARBEITER Beitragsmarken Broschüren Zeitschriften and Zeitungen Plakate Farbendruck Massenauflagen 34,11 Hausfrauen unterstützt dte Veftrevungen der cungesdeillten E """~ kauft nur vor 6 Uhr abends ein Z SNetattarveiterr Der i. Mai ist ein proletarischer Kampftag. Stärkt an diesem Tage-enere Gewerkschaft durch r b eit! Jeder Metallarbeiter werbe agr 1. Mai ein neues Mitgiied für seine Kampforganisation, den Internationalen 8 NE» MMWMIt^9WW>WWMWWMWW»WW»WWE>WW>UW!MWW»W»M»6WUU r cuilgenieiner cvlngeftetttenvervand, ReiMenverg, Turnerstra-e M 5 8 Beitrittserklärungen bei allen Betriebs- vertrauensmännew und in den Sekretariaten in: Aussig, Bahnhofsplatz 1; Bodenbach, Poststraße 813; Böhmisch-Leipa, Schloßgasse 51^ Brüx, Weitengaffe 4; Eger. Schiffgasse(Volkshaus); Graslitz, Steingrube 99; Jägerndorf, Arbeiterheim; Karlsbad, I)r. Wenzel Payerstraße 1065; Komotau, Kreuzgaffe 3; Mähr.-Ostrau, Fiedlergaffel; Pilsen, Husova tr.6.35; Reichenberg, Hafnergasse 7; Teplitz-Turn, Masarykstraße Nr. 128; Trautenau, Prager Straße 19; Warnsdorf IV., Vereinshaus 1442 Der Verband zählte am 81. Dezember IvSS 16.600 Mitglieder. Der Beitrag beträgt, für Mitglieder im aktiven Dienste pro Monat KC 14.—. Für Mitglieder im Ruhestand werden Beiträge nach der Höhe der Ansprüche von Kd 5.— bis KC 11— pro Monät gezahlt..- Rechte und Ansprüche der Mitglieder: 1. Getvährung von unentgeltlichem Rechtsschutz in Rechtsfragen, die aus dienstlichen Verhältnissen entstehen. 2. Sterbeunterttützungen je nach Beitrittsalter und Mitgliedschaft von KC 400.— bis KC 5000.—, 3. Arbeitslosenunterstützung lohne. Staatszüschutz) wöchentlich KC 18.— bis KC 21.—»' 4. In besonderen Notfällen einmalige Unterstützungen.' 5. Unentgeltliche Beistellung eines gutausgestalteten Fachblattes. Leistuuge« de» Verbandes: Bis 31. Dezember 1935 wurden annähernd zur Auszahlung gebracht: Für Rechtsschutz Kä 1,6 Mill. Kd, nie Unterstützungen(ohne StaatSzuschutz zur. Arbeitslosenunterstützung) 10 Mill. KC, Ausgaben für das Fachblatt 6 Mill. KC, für Agitation und Altünien 1,9 Mill. KC. An ÄaatSzuschust von Arbeitslosenumerstützung erhielten die Mitglieder 6,25 Mill. KC. Vom Verband wurden 3600 Aktionen und 80.000 Rechtsschutz- und Interventionsfälle durchgestihrt. Annähernd zwei Drittel der Jntervenlionsfälle wurden mit Erfolg abgeschlossen. Kein Nsen- balmer im aktiven Dienste und im Reheftande sollte außerhalb des Verbandes der Eisenbahner, in der Tschechoslowakischen Republik stehen. 3417 »r. 103 Freitag, 1. Mai 1938 Seite 19 •1«etzerlaffuagea. OPTISCHE WERKE NEUERN 8407 Sohlen- und Oberleder 8276 Unterstützet die heimische Papierindustrie 3418 841» MÖBEL Verwaltung-kapital 990 Millionen XL. Haftung-kapital SO Millionen XL. 8 VEREINIGTE UP WERKE A.G. PRAG, BRÜNN, BRATISLAVA. PILSEN, KARLSBAD, GABLONZ». N.. 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