16. Jahrgang Sonntag, 3. Mai 1936 Nr. 164 Einzelpreis 70 Heller (•inschlieSlich 5 Holler Porto) ERSCHEINT MIT AUSNAHME MS MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UNO VE1WALTUHG PRAG XII., FOCHOVA 42. TELEFON E. HERAUSGEBER« SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR» DR. EMIL STRAUSS, FRAG. DER N DEUtShEN5OZIÄLDEMOKRATUCHEH ARBEITERPARTEI IN»ER ISCHECHOSIOWAKISCHEN REPUBLIK Chaos in Addis Abeba Flucht des Nesus Nervosität In London Aus Addis Abeba sind im Laufe des 1. und 2. Mai die widersprechendsten Gerüchte eingelangt. Die Nachricht von der Abreise des Argus und der kaiserlichen Familie nach Djibuti wurde mehrere Male wiederholt und wieder dementiert. Rach den letzten Meldungen scheint der Regus, nachdem seine Aufforderungen zur allgemeinen Bolks- bewaffnung und Verteidigung der Paffe ergebnislos geblieben waren, doch abgereist zu sei». Man nimmt in London an, daß damit jeder Widerstand aufhören und die letzte Armer Abessie- nirns, die des Ras Rasibu, die bei Tasabeneh ebenfalls geschlagen worden ist, zusammeu- Vrrchen wird.. Der Vormarsch der Italiener, der ohne Systematik und angesichts des fehlenden Widerstandes ohne Sicherungen erfolgt, so daß die Kolonnen Badoglios sich auf 100 bis 150 Kilometer Länge ausrinandergezogen haben, scheint durch die beginnende Regenzeit immerhin ins Stocken geraten zu sein. Für die italienischen Pioniere handelt es sich jetzt nur noch um einen Kampf mit denElementrn, nicht mehr mit den Kriegern der Amhara. Es zeigt sich aber jetzt, wie toll es war, die abessinischen Armeen im Feber und März im offenen Kampf zu opfern, statt sie bereit zu halten für den jetzt eintretenden Fall, daß die Italiener weit auseinan- dergezogen, über riesige Gebiete verstreut und von den tropischen Regrngüffen behindert, durch den Angriff weniger noch intakter Truppen aufs äußerste gefährdet werden. Aber nun fehlen diese Truppen, nicht so sehr, weil sie völlig vernichtet worden wären, als infolge der panischen Stimmung, di« sich nach den Feldschlachten im Norden, nach den GiftgaS- Angriffen und Bombardements der italienischen Barbaren eingestellt hat. In L o'n d o n scheint man jetzt, sehr spät erst, zu merken, in welche üble Situation England durch den Zusammenbruch Abessiniens kommt. Samstag nachmittags wurde im Foreign offiee fieberhaft konferiert, ohne daß man zu einem Ergebnis gekommen wäre. England hat Abessinien m den Krieg gehetzt, indem eS den Glauben in die„kollektive Sicherheit" und dir Bertragsfähigkeit der europäischen Mächte nährte und wohl auch die Hoffnung, daß Abessinien Waffen erhalten würde. England hat dann, nicht fähig oder nicht gewillt, die einzig wirksamen Mittel gegen Italien zu ergreifen, Abessinien kaltblütig geopfert. Es kommt jetzt in dir v e r- diente Lage, daß es, nachdem es keine abessinische Regierung mehr gibt und Muffolini tatsächlich Herr des Landes ist, selbst wird mit Rom verhandeln müssen, um die britischen Interessen zu sichern. • Paris. Die Samstag abends beim französischen Außenministerium aus Addis Abeba eingegangenen Depeschen bestätigen, daß sich der Regus im letzten Moment der Kaiserin und den übrigen Mitgliedern der abessinischen Herrschrr- samilie, welche die Hauptstadt in einem Sonder- zng verlassen haben und heute Nacht in Dschibuti Eintreffen werden» angeschlossen hat. In Addis Abeba wurde vormittags eine Reihe von Däusern ausgrraubt; insbesondere soll der kaiserliche Palast geplündert worden sein. Die französischen Staatsangehörigen haben auf der' französischen Gesandtschaft Zuflucht gesucht, wo Maßnahmen für ihre Sicherheit getroffen wurden. Auch die Mitglieder der abessinischen Regierung haben Samstag vormittags Addis Abeba verlassen und das kaiserliche Archiv mitgenommen. Sie sind in Automobile« in westlicher Richtung davongefahren. Man ist der Ansicht, daß sie sich nach Gornai begeben haben. Zehn Tote bei einer ägyptischen Wählerversammlung London. Am Verläufe einer Wahlversammlung in der Nähe von Zagazio(Aegypten) entstand zwischen politischen Gegnern eine wilde Schießerei, bei der zehn Personen ge, tö t e t und viele ander« verletzt wurden» Der 1. Mai der tudetendeutschen überall große Aufmärsche Sozialdemokratie für die Demokratie und gegen den Faschismus Wolkenverhangener grauer Himmel, von dem manchmal leichter Regen niederrieselt. Ein kühler, unfreundlicher Morgen. Aber die Arbeiter und Arbeiterinnen lassen sich durch das ungünstige Wetter nicht abschrecken. Wohl sind Kleider und Schuhe noch schlechter, noch dünner als am ersten Mai des Vorjahres." Aber damals sind sie durch peitschendes Schneegestöber marschiert— wie könnte sie drohender Regen, wie könnte sie die Kühle des Tages abhalten vom Zug nach den Bezirksstätten, vom Marsche zur Feier ihres Tages, des Tages der Arbeiter! Aber nicht nur die Ungunst des Wetters ist zu überwinden! Da stehen, wenn die Arbeiter aus ihren Wohnorten hinausziehen auf die Landstraßen, beobachtend„Volksgemeinschaftier" am Wege, sich genau die Leute betrachtend, die es wagen, den ersten Mai als sozialistischen Festtag zu feiern, mit den Sozialdemokraten zu marschieren! Da sind Photoaparate bereit, die Vorbeimarschierenden im Bilde festzuhalten! Und die Marschierenden wissen: jedes dieser Bilder ist eine schwarze Liste. In ein paar Tagen schon, am kommenden Samstag vielleicht schon kann Arbeitsverlust die Strafe für ihre Treue zur sozialistischen Idee sein. Und kann man nicht je- den Sozialdemokraten entlassen, so gibt eS doch mancherlei andere Mittel, den Terror spielen zu lassen gegen die Roten... ES ist wie in den alten Zeiten, wie in den Fahren zwischen 1890 und 1900, wie damals, als so viele, so viele Arbester ihren Idealismus, ihre Begeisterung für den ersten Mai büßen mußten mit Aussperrung, mit Entlassung, mit kleinlich-gehäsfiger Verfolgung. Aber wie da- mals auch jetzt: die Arbester feierten ihren ersten Mai, den sozialistischen, den roten ersten Mai! Und weil wieder, wie einst, Mut und Opferbereitschast Voraussetzung der Teilnahme an den Maifeiern find, genügt es nicht, die Mar- schierenden und die an den Versammlungen teil- nehmenden zu zählen. Sie müssen gewertet werden als einsatzbereüe Kämpfer, als die tapfersten Verteidiger der Demokratie unseres Landes» als die zähesten Strester gegen den Faschismus! Schlechtes Wester, das manchen Arbeiter und manche Arbeitersfrau, für die Schonung des letzten Anzuges, des letzten Kleides zu einem lebenswichtigen Problem geworden ist, vom Mit- marschierest abhielt. Kaum noch verhüllter Ter- ror der Volksgenossen Nazi. Und doch große, herrliche Aufmärsche! Und doch gewallige Versammlungen! Und doch Maikundgebungen, die nicht nur Beweise der Unerschüsterlichkest unserer Kader find, sondern vielerorts schon wieder den neuen Aufstieg unserer Bewegung offenbar- ten! Sie glaubten nach den Wahlen schon triumphieren zu können über die Sozialdemokratie. Sie meinten nun leichtes Spiel zu haben, wähn- ten durch Zwang und Lockung, durch den Gebrauch von Zuckerbrot und Pestsche, durch Massenschauspiele von prahlerischen Kundgebungen auch jene von uns reihen zu können, die am 19. Mai dem faschisstschen Ansturm standgehallen hasten, lind siehe: s i e w e ck t e n d e n Trotz! Das erbitterte„Nun erst recht!„Und zu denen, die durch den nationalfaschistischen Angriff zusammengeschweißt wurden zu einer unzerstörbaren Gemeinschaft, gesellten sich jene, die ein Fahr des Erlebens der„Volksgemeinschaft" ernüchtert und enttäuscht hat, die gelernt haben, hinter die Maske der Prediger der Nationsge- meinschäst zu schauen und die die Fratze deS Un- ternehmeregoismuS erblickt hasten. Und eS kamen jene dazu, die aufgeschreckt wurden durch die faschisstsche Entfesselung der Kriegsgefahr und die begriffen hatten, daß der Kampf der Sozialdemokratie um die Erhaltung der Demokratie und des Friedens auch Kampf für sie, für ihre Freiheit, für Leben und Glück ihrer Familien ist.. Wir wissen gut genug, daß immer noch auch viele Proletarier dem trügerischen Bilde der „Volksgemeinschaft" folgen, daß noch lange nicht alle, die ihrer Klassenlage nach zu uns gehören, den Weg zu uns zurück gefunden haben. Zu kurz ist ein Jahr, als daß es hätte allen Betötten po- litische Ernüchterung geben können. Aber zum Stehen gebracht ist die faschistische Welle— und schon beginnt sie zuriickzufluien! Und unsere Or- ganisationen, die so herrlich sich bewährt haben, können zum Gegenangriff schreiten! Sie haben diesen ersten Mai zu einem herrlichen Kampftag für die Demokratie und wider den Faschismus gemacht! Die mehr als-hundertfünfzig Maiver- sammlungen der deutfchcn Sozialdemokratie— das waren nicht nur ebensoviele Bekundungen der Treue der Arbester zur sozialistischen Idee — sie waren auch nicht nur Heerschau über die Scharen derer, die zur Verteidigung der Demo- kratte bereit sind— sie waren auch hundertfünf- zigfaches Signal zum Angriff, zu neuem Vor- marsch! kundrunk-kede Dr. Czecns am 1. Mai In der Prager deutschen Arbeitersendung Di« von hunderttausenden Genossen bei unS und jenseits der Grenzen gehörte Rede, die unser Parteivorsitzender.Minister Genosse Dr. Ludwig Czech am 1. Mai in der deutschen Ar- ' beitersendung deS Prager Rundfunks hielt, hatte folgenden Wortlaut: Meiste lieben Freunde! Die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik entbietet Ihnen zum Maientag innigsten Freund- schaftsgrutz. Alle bisherigen Maikundgebungen hatten stets ihr den jeweiligen Verhältnissen entsprechendes charakteristisches Gepräge. Mit tiefer Wehmut gedenken wir jener herrlichen Maientage, die Fest- und■ Freudentage waren mit fröhlichen Gesängen, schwungvollen Prologen, begeisternden Festreden und einer Feiertagsstimmung, die die Arbeiterschaft— an dem einen Tage— die Mühsale deS Lebens, ihre harten Kämpfe, aber auch alle Rückschläge vergessen ließ. Die Arbeiter schöpften aus diesen Festtagen immer wieder neue Kraft zu neuer Arbeit und neuen Kämpfen, Allerdings lang lang, ist es her. In den letzten Jahrzehnten änderte sich das Bild. Es kam der Weltkrieg mit seinen grauenhaften Auswirkungen. Es kamen die furchtbaren Krisenjahre, die Massenarbeitslosigkeit, die. bitteren Wirtschaftsnüte der arbeitenden Schichten. Es kamen die schweren. Erschütterungen der Arbeiterbewegung. Dichte Giftnebel verwirrten den Weg des Proletariates. Es kam die Zerschlagung der proletarischen Reihen durch, das kommunistische Verbrechen und damit wieder die Stunde der Feinde der Arbeiterklasse. Und wieder> war die Reaktion obenan. Der Faschismus erlebte einen einzigartigen Aufstieg. Er zog ein Land nach dem anderen in seine Bannsphäre und feierte überall blutige Orgien. Er vernichtete die jahrzehntelangen. Errungenschaften der Arbeiterklasse. Er löschte.die Freiheit ganzer Völker aus. Er zerstörte ihre demokratischen Einrichtungen. Erlaubte ihnen den LebenSatem und ruinierte ihre Wirtschaft. Er verwandelte Europa in ein einziges großes Konzenttations- und Heerlager. Er schuf in allen seinen Teilen die gefährlichsten Brandherde und legte schließlich ein Feuer, das Europa in jedem Augenblick in Brand zu stecken vermag. Roch niemals fett dem Weltkrieg lagerte« so finstere Wolken über Euro» da. Nie zuvor lagen so schwere Schatten über dem 1. Mai! Roch nie seit dem Weltkrieg stand die internationale sozialistische Arbeiterklasse vor so schick« salsschweren Aufgaben als gerade in dieser Stund«. Blicken wir Um uns! Trotz unermeßlichen Reichtums und UeberflusseS auf der einen Seite sehen wir entsetzlichsten Notstand auf der andere»/ Millionen arbeitsfreudiger.Menschen,die aus nutzbringender Arbeit verdrängt sind, lechzen nach der Wiedereingliederung in den Produktionsprozeß. Aber die Produktion und der Verkehr sind in weiten Gebieten gelähmt, und vielfach ganz abgestorben, die FabrikStore geschlossen, die Ocfen gelöscht, die Maschinen trotz hundertfältigen Bedarfes kaltgestellt. Denn der Kapitalismus ist unfähig, die zerbrochene Wirtschaft wiederaufzurichten» sie wieder in Gang zu bringen und damit die Millionen Urbeitshungrigex Menschen wieder dem Nährständ zuzuführen.. Noch läßt er den Gedanken, daß er endgültig abgewirtschaftet habe, nicht aufkommen. Noch immer erkennt er die Ausweglosigkeit seiner Lage nicht. Noch klammert er sich krampfhaft an seine letzten Machtposittonen, die er durch bezahlte Schergen zw stützen sucht. Aber seine verzweifelten Anstrengungen sind umsonst. Weit über den Kreis des Proletariates hinaus besteht kein Zweifel mehr darüber, daß tzr- reitö die letzte Stunde des Kapitalismus geschlagen habe und daß uns lediglich die Ablösung des kapitalistischen Wirtschaftssystems durch eine sozialistische Neuordnung die Menschheit aus dem wirtschaftlichen Chaos herauszuführen vermag. Die sozialistische Arbeiterklasse hat dies schon längst erkannt. Sie sieht ihre Ausgabe klar vor sich. Sie stellt sich beherzt und mit der größten. Hingabe in ihren Dienst und ist entschlossen, bei' dem Umbau der Wirtschaft mit Hand anznlegcn und das unabwendbare Schicksal des kapitalistischen Wirtschaftssystems durch planvolle undzielklareAuf bau arbeit besiegeln zu helfen. Dabei verkennt sie in keinem Augenblick die tausendfältigen Hindernisse und Schwierigketten, die auf dem Weg zum Ziele liegen. Aber sie weiß, daß niemand anderer als sie diese schwerige Aufgabe meistern kann. Sie weiß, daß nur sie ihre notleidenden Brüder aus dem kapitalistischen Elend zu erretten, nur sie allein sie einem menschwenwürdigen Dasein zuzuführen vermag. Doch diese schwierige Aufgabe wird nur gelöst werden Können, wenn es gelingt, den Faschismus, der die letzte Stütze des zusammenbrechenden Kapitalismus ist, aus seinen Machtpositionen zu werfen. Der F a s ch i S m u s, d a s ist der Feind Nummer.il- Der Faschism u.S, dasfist der K r i e g. Bis an die Zähne bewaffnet, zwingt er der ganzen Welt ein fieberhaftes Rüsten auf, das an sich schon die größte Kriegsgefahr in sich-birgt. Der Faschismus will den Krieg, weil-er ihn braucht, um seine, geknuteten Völler gewaltsam niederhalten zu können. Wir aber brauchen den F r rede n, ohne den es keine F r e i h e i t und keine Kultur, kein Brot und kein Leben gibt. Wir brauchen die B e r st ä n d i gun g, das herzlichste Zusammenleben und die innigste Zusammenarbeit ■eite 2 Sonntag, 3. Mai 193« Sr. 104- Die Demonstrations Aus unseren Organisationsgebirtrn find bisher folgende Berichte eingelongt: tschechischen Freunde der Genoffe Srämek aus Aussig sprach. Von stürmischem Beifall begrüßt, sprach nun die Genossin K i r p a l. Dann formierten sich die Teilnehmer zu einem wuchtigen Demonstrationszug durch die Straßen der Stadt. Auf dem Marktplatz folgt noch eine kurze Kundgebung, bei der Genosse Patz aus Bodenbach werbende Worte für den Reichsjugend- und Kreiearbeüertag und noch ein- mal'die Genasfin K i r p a l einen wuchtigen Appell zu neuer Arbeit an die Versammlung richtet. nicht mir für uns, die wir als freie Menschen leben und frei atmen, schaffen und kämpfen können, sondern auch für u n s e r e unter den Fesseln der faschistischen Diktatur schmachtenden Brüder. Denn auch ihre Herzen erwärmt er mit seiner Glut!' Und auch sie erfüllt er immer und immer wieder mit neuer Hoffnung und gibt ihnen die Kraft, auszuharren und,nicht zu verzagen. Er gibi ihnen die sichere Gewähr, daß wir in Liebe und Treue zu ihnen stehen und im Vereine mit dem internationalen sozialistischen Proletariate aller Rationen für ihre Befreiung kämpfen und alle Kräfte daransehen werden, den Faschismus niederzuwerfen und dadurch sie, aber auch die ganze Welt von dieser fluchwürdigen Geißel zu befreien, Freunde! Das Leben ist hart, aber es lohnt sich, zu leben und zu Kämpfen, denn es gilt, eine neue, eine bessere Welt aufzubauen und damit wahrem Menschentum eine Heimstätte zu schaffen. Anbeugsam wolle« wir diesem Ziele zusteuer«, das der arbeite«de« Menschheit die Erfüllung ihres Zukunftstraumes:- den Sieg der sozialistische« Idee bringe« wird. Komotau Aus den vielen Stunden entfernten Organisa- tionSgebieteu waren sie gekommen. Früh nm 6 Uhr sind sie abmarschiert, um halb 10 Uhr, pünktlich zur angegebenen Stunde trafen sie auf dem Stellplatz «in. Männer, Frauen, Jugendliche, Turner. Musik hallte von allen Seiten auf und bald waren die um daß.Volkßbauß" liegenden Straßen dicht besetzt. Au der Spitze des Zuges gingen die Radfahrer, dann folgten die Jugendlichen mit dem Spielmannszug und die RW-Männer, denen fich die Turner anschloffen..Atuk an di« Front!" In großen Buchstaben leuchtet dir Parole weithin und kündet die große Aufgabe, die sich unser« Arbeiteriurner gestellt haben. Auch viele Mitglieder der DTJ waren unter ibnen. Tann folgen unsere braven Genossinnen! Ein gewaltiger Zug..Arbeiterfrauen, her zu uns!" Tin großes Transparent fordert abseits- stchende zur Eingliederung auf. Ihnen schließt fich der Zug der Männer an! Er ist cm überwältigendes Bild. Mit klingendem Spiel marschiert der 3600 Teilnehmer zählend« Zug auf dem Marktplatz ein. In der Gass« vor dem Kino stehen unsere Kleinen, die jubelnd ihre Estern begrüßen. Freundschaft! Freiheit! Nazdar! Immer wieder klingt«k begeistert auf, die Menschen werden vom Jubel mitgerissen. Ter Marktplatz ist von dichten Menschenmafien umlagert. Die Arbeitersänger begrüßen die Maikundgebung. Dann eröffnet Genosse Reichl, Als erster sprach der tschechisch« Genoffe Prima- dann Franz Kaufmann für unsere Partei. Mit dem.Lied der Arbeit" wurde die herrliche Kund- Denn immer und immer wieder zog er die Massen an und scharte sie um sich und ritz sie mit. Immer aufs neue entfachte und ihren Kampfes- nurt und ihre Kampfbegeisterung. Immer und immer wieder erweckte er ihre Solidarität. Jm- nttr lebendigeren Ausdruck gab er ihrer Gehnsticht nach dem Völkerfrieden und der Völkerverständigung. Immer mehr entzündete er ihre Herzen. Immer mehr rebellierte er ihre Hirne. Juuner neuen Antrieb gab er ihrem Ringen um die sozialistische Idee, Immer neue Kräfte sich' e er ihr zu tind machte sie zur lodernden, weithiii ncht- baren Flamme des um seine Befreiung ringenden sozjalistischtzn Proletariates. In Niemes war die Versammlung von zirka 800 Teilnehmern besucht. Das Referat erstattete Genoffe Senator Grünzner. In Zwickau sprach zu zirka 350 Personen Gr« noffe Hocke. Warnsdorf. Der 1. Mai stand Heuer im Zei chen der Vorwärtsentwicklung unserer Bewegung. Der Demonstrationszug war um 500 Teilnehmer stärker als im Vorjahre, die Teilnehmer an der Kundgebung am Akarktplatz schätzte man auf weit über 8000. Die Kundgebung wurde vom Genoffen R e i l i ch eröffnet. Für die Partei sprach Genoffe L ö w i, Warnsdorf, für die Jugend Genoffe Patz, Bodenbach, und für die tschechische Bruderpartei der Genosse Keji. Die Redner wurden immer wieder von stürmischen Zuftstumungskund-rbungen unterbrochen. Am Vorabend fand im Stadtpark ein Platzkonzert statt, nach dem sich ein Lampionszug-um Vereins haus bewegte.— Die Henleinpartei, die in ihrer Hochburg Warnsdorf 12.000 Teilnehmer am Demon- strationszug aufbringen wollte, erlitt eine große Blamage; Es marschierten l genau gezählt) lediglich 8100 Personen. Die Kommunisten brachten 250 Menschen auf die Beine. In Wegstüdtl war Unsere Kundgebung auch heuer sehr güt' besucht, die Referate hielten die Ge- noffen Schweichhart deutsch und Rujicta tschechisch. In Aiischa beteiligten sich an unserem Umzug zirka 800 Personen. Die Ansprache hielt Genoffe Schwarz. Schluffen au. Auch an diesem 1, Mai feierte die Schluckenauer Arbeiterschaft trotz allem Terror ihren Maitag. Hunderte Arbeiter und Arbeiterinnen kamen aus den Orten des Bezirkes und vereinigten fich in Pohls Gasthof zu einer wuchtigen Manifestationsversammlung. Genoffe Weirbach eröffnete mit markigen Worten die Versammlung, worauf für di« j gebung geschloffen. der Völker, ohne die ein Wiederaufbau der Wirt-1 Daß danken wir dem Maientage, der jn den schäft ausgeschlossen ist. Darum müssen fich alle Herzen der sozialistischen Arbeiterklasse fortlebt freiheitlichen Kräfte Europas zu gemeinsamem. und weiterwirkt und ein ewiges Feuer bleibt, Kampf gegen den faschistischen Feind zusammen schließen, wobei unserer Arbeiterklasse noch die besondere Aufgabe zufällt, sich dem Faschismus im eigenen Land mit elementarer Wucht rntge- genzuwerfen und das Land und seine demokrati schen Einrichtungen mit dem größten Kräftcauf- gebot gegen seinen Ansturm zu sichern. Alles dessen müssen wir am Maientage ein gedenk sein, der in den letzten Jahren immer mehr den Charakter eines Kampftages annahm nnd so erst recht seine hohe Mission zu erfüllen ver mochte. Kreis Teplitz-Saaz Teplitz-Schönau Der Maikundgebung gingen am Borübend' Fackelzüge in fast allen Orten voraus. Der Hauptstellort für den Mai-Umzug war Turn, wo sich die einzelnen Züge um 1 Uhr mittags versammelten. 2000 Kinder waren da und bildeten Spalier. Di« ! Republikanisch« Wehr marschierte dem Zuge voran, dann folgtest die bunten Züge der Jugendlichen, j der GIG./ di« Radfahrer, die tschechisch« Jugend und die Turner. Tie Massen waren m Hundertschaften geglietzutt. Fanfarenbläser der JugeMi- I chcn eröffneten die Kundgebung aus dem Marktplatz. Dann erklangen die Staatshyinney. Die Lraats- sahnc wurde aufgezogen. Bei den Klängen der Jn- ternationale'stieg die rote Fahne am Mast empor, 100 rote Fahnen flankierten das Präsidium. Daun trugen die tschechischen Jugendlichen eine Sprechchor vor, der Bezirkschor der deutschen Arbeilersänger fang„Sturm" von Uthmann. Die Genossen Hegen- barth und Hejkal eröffneten die Kundgebung. Für die demsche sozialistische Jrigend sprach Hermann P r e i b i s ch, für die tschechische Jugend K a d- l e c. Die Hauptrede hiZr für die tschechischen Sozialdemokraten P u k a c, für die deutschen Franz Seidel. Die Reden waren wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochen. Mit dem Liede der roten Fahne wurde die«indruckvolle Kundgebung beendet. Kreis Bodenbach- Aussls-Warnsdorf Aussig An unserer Kundgebung nahmen mehr als 5000 Personen teil. Di« Ansprache hielt Genoffe P ö l z l in deutscher und Genoffe Senator T u n d r in tschechischer Sprache. in Bodenbach war die Kundgebung die stärkst« im ganzen KreiS- gcbiete. Zckzirka 8 000 Demonstranten sprachen die Genossen Abgeordneter K ö g l e r deutsch und Genoffe P o u r tschechisch. Die Kundgebung erhiey eine besondere Note durch ein ausgezeichnetes Festspiel der Krochivitzer unter dem Motto ,/Lorwärrß, du Volk*. An der Demonstration in Bensen beteiligten sich etwa 8000 Personen. Wie in W e r n st a d t, wo die Versammlung nachmittags siansand, referierte auch in Bensen Genoffe Gründ. In Karbitz beteiligten sich im Demonstrgtions- zug zirka 15 0 0 Personen. Die Referate hielten die Genossen Arnberg deutsch und die Genossin Bulikovä tschechssH. In Böhm.-Kamnitz nahmen an unserer Kundgebung 2 2 0 0 Personen teil. Redner waren die Genoffen Senator Reyzl deutsch und,Genosse R i h a tschechisch.«... In Böhm.-Leipa sprachen zu etwa 10 0 0 Teil ne hmerrj di« Genossen Senator Grünzner deutsch und Kcenovskh tschechisch. Jn Haida betrug die Gesamtzahl der. sozialdemokratischen Manifestanten 2 5 0 0, die den Ausführungen des Genossen Kokcß in tschechischer und des Genossen Keßler in deutscher Sprache mit Aufmerksamkeit folgten. Laar Was für Kömotaü galt, gilt im vermehrten Maße für Saaz. Aus den schlechten zerweichtcn Straßen find die armen Landarbeiter snmdenlang marschiert; aber Terror und wirtschaftliche^ Boykott hat hie Menschen nicht abzuhalten vermocht. Tie .Volksgemeinschaft" auf dem Dorfe hat versagt! Die Veranstalter hatten Vorsorge getrofferr, daß di« Teilnehmer, die vollständig durchnäßt waren, in einem geschloffenen Lokal untergcbracht werden tonnten. So sand denn di« Maikundgebung nicht auf dem Markr- platz, sondern in der Turnhalle statt. Beide S^ie waren dicht besetzt imd viele Genoffinne'ii und Genossen mußten noch in anderen Lokalen untergebrächt "werden'' Ter durch die Straßen der Stadt mar- schicreude Tcmoniuaiionszug umfaßte 1200 Per- 'sostest. Die' Kundgebmtg wurde von den Arbeiter- gesaiigvercinen cingcleiret. Tann eröffnete der Vorsitzende, Genoffe R e i chl, die Kundgebung. Tie Ansprache hielt Genoffe-Schaffersch-Teplitz für , unsere und der Genosse Blazek aus Laun für die tschechischen Genoffen. Poste Iberg Auch da hatte das Wetter furchtbar gewütet. Stundenlanger Regen hatte die Straßen tast unpassierbar gemacht. Aber die Kundgebung wies trotzdem Mafienbestich aus. Ter große Saal im Hotel .Krone" war zu klein und konnte die Menschen nicht sauen. Für unsere Partei sprach der Genoffe Mate r n a und außerdem noch»in tschechischer Genoffe. Nach der Versammlung formierte sich ein Festzug, an dem etwa 500 Genossinnen und Genoffen t«is-. nahmen tind der in strömendem Regen durch die Stadt zog. Ssbastiansberg In' unverminderter Stärke marschierten die Teilnehmer auf. Herrlicher Kampfgeist beseelte die Menschen. Tas Erzgebirge steht zur sozialistischen Bewegung trotz alledem. Regenschauer und große Kälte konnten die Arbeiter und Arbeiterinnen nicht abhalten, teilzuhaben an dem Erlebnis des 1. Mai. Ein über 800 Personen umfassender Demonstrationszug bewegt« sich durch di« Straßen der Stadt. Rote' Fahnen und Musik waren die Kennzeichen, Auf dem Marktplatze sprach Genosse Franz Kern. Heinriehsdorf Tie alten Nagelschmiede und ihre junge Generation halten dem Sozialismus di« Treue. Tort können die Volksgemeinfchaftlcr'keine Erfolge erzielen. Aber auch di« Genossen aus Kd lisch waren in beträchtlicher Anzahl gekommen. Ein herrlicher TemonstrationSzug bewegte sich durch Kallich nach Heinrichsdorf. Unser« tapfere RW war wie immer am Platze. Tie Ansprache hielt der Genosse Franz K a u f m a n n. Duz. Die Jugend marschierte dem mächtigen Zuge voran. Auffallend war die starke Beteiligung der Frauen und Mädchen. Der Zug bewegte sich durch ein dichtes Spalier, der Marktplatz war schon zum Tejl gefüllt, als der Zug erst einzumarschieren begann. Wenzel Schneider und Alois D v o- f a t eröffneten nach den Klängen der Staatshym- neu di« Kundgebung. Dann sprach, stürmisch begrüßt, Senatspräsident Tr. S o n k u p die einleitenden. Worte tschechisch und deutsch. Auch später sprach Dr. Soukup wieder deutsch über hie wachsende Kriegsgefahr. Mr di« deutschen Sozialdemokraten sprach der Bergarbeitersekrctär Haase. Vitia. An dem Festzug beteiligten sich 3000 Personen. Mr die tschechischen Genoffen sprach Äbg. IH I a d k h, für die deutschen Senator Tr. H e I- Mala Bon Wrra Inder. (Fortsetzung.) Im Schloß herrschte große Freud«; dem König und der Königin war der langersehnte Sohn geboren, und die Königin-Mutter suchte für ihn ... eine Ainderfrau. Man fragte Ceres, und sie willigte ein, aber nur unter einer Bedingung..." „Viajachen", ruft in diesem Augenblick Aglaja,„du mußt schlafen gehen. Ich bin schon ohnehin todmüde. Remik weint die ganze Zeit;' er kriegt wohl einen vierten Zahn, oder er ist erkältet, ich weiß es schon selber nicht mehr." „Nein, nein, noch nicht", bittet Maja,„ich muß doch die Bedingung wissen." „Noch fünf Minuten", ruft Stawraki ins andere Zimmer,„in fünf Minuten, nach der Ilhr, werde ich sie selber bringen. Na also... Sie willigte-ein unter der Bedingung, daß weder der Vater, noch die Mutter, noch irgendwelche Verwandte sie beaufsichtigen oder ihr Ratschläge geben sollten. Man sollte sie ganz frei schalten und walten lassen. Und so wurde es auch beschlossen. Die Zeit verging. Der. Knabe konnte schon stehen und war so gesund, schön und fröhlich wie kein anderes Kind im ganzen Reich. Er war niemals krank, niemals erkältet, und sogar, als er Zähnchen bekam, lächelte er." „Ausgeschlossen", sagte Maja.' „Doch, ganz bestimmt. Und da beschloß die Königin-Mutter, sie einmal heimlich zu beobachten, um zu erfahren, auf welche Weise st« all dtts erreichte." „Durch Sport", erwiderte Maja.„Papa sagt..." „Sei still. Einmal, spät abends, als alle im Schloß schon schliefen,- zog dir. Königin ihre Schuhe aus und schlich leise an die' Tür des Kinderzimmer». Und was sah sie da?" „Im Zimmer brannte ein Feuer, die Kohlen funkelten wie schimmerndes Gold, so, wie hier bei uns, Ceres ging heran, schürte das Feuer und setzte das Kind mitten in die Glut hinein, als ob es Sand wäre." „Ach", rief Maja leis« aus. „Ja. Das Kind schlug mit den Händchen auf die Kohlen, so daß die Funken aufstoben. Dann nahm es fein Füßchen in den Mund und lachte. Als die Königin ihr Kind im Feuer sah, schrie sie laut auf. Und sogleich, wie als Antwort darauf, fing das Kind vor Schmerz zu weinen an." „Wieso? Das verstehe ich nicht." „Es war doch ein Zaubermittel. Du darfst nicht vergessen, daß Ceres eine Güttin war. Sie wollte aus dem Kinde einen unverwundbaren Helden machen, und sie hatte es schon erreicht, daß er zum Beispiel keine Brandwunden mehr bekam. Aber ein sterbliches Auge durfte das alle- nicht sehen. Die Mutter hatte alle- verdorben." „Einen unverwundbaren Helden", wiederholte Maja verträumt,„aber die Mutter hatte alles verdorben. Was ist das: Göttin?" „Die fünf Minuten sind um", verkündete Aglaja. auf der Schwelle erscheinend.„Ich wünsche, daß du sofort schlafen gehst. Es ist schon spät. Remik ist endlich eingeschlafen. Ich bi« wie gerädert." „Und Pros... pcrina? Was ist denn aus ihr geworden?" /.Das werde ich dir morgen erzählen, wenn e- dir interessant ist." „Ja, es ist mir interessant." Maja geht langsam zur Tür. Ihre Bewegungen sind unsicher, ihre Augen starr und weit geöffnet Sie sah wohl jetzt im Geist den Feuerherd, da- königliche Kind, das wehende Kleid auf der Wiese. Eine Flut ungewohnter Bilder überströmt sie und macht sie verwirrt. An der Tür bleibt sie stehen. „Wirft du eS mir morgen zu Ende erzählen?' „Ist, ganz bestimmt." „Aber hept« sag' mir nur noch daS eine; ist dar alle- wahr, oder nicht?" Und der alte, kluge Mann, der seine eigene Kindheit verteidigt, gibt dem Kinde eine listige Antwort. „ES ist eine Mythe, Maja", sagt er,„eine Mythe. DaS ist schon alle- so. lange her, daß niemand mehr genau weiß, ob es wahr ist, oder nicht. Gute Nacht, Mädelchen." v. Das Unwetter war vorüber. Die Wolken, von Wetterleuchten durchzuckt, verschwanden hinter dem Horizont, und hie schmale Sichel des abnehmenden Mondes erhob sich über dein Neer. Die feuchten Jasminsträucher funkelten, von großen, duftenden Brillanten übersät. Auf dem großen türkischen Diwan, der ihm gleichzeitig als Bett dient, schlummert Stawraki ein. 3m Kamin knistern leise die Scheite. Durch das unverhängte Fenster dringt schwaches Mondlicht ins Zimmer. Immer mehr und mehr nähert sich der Schlaf dem cilten Mann. Er berührt seine Hände, er berührt die Kissen, er berührt seine grauen Haare, und Stawraki ist eingeschlafen. Er sieht im Traum ein Roggenfeld, da- gleichzeitig auch ein Meer ist. lieber ihm hängt eine tiefe, schwere Wolke, ein krachender Donnrrschlag,,. ein furchtbarer Schrei... Stawraki öffnet die Augen. Bor dem Kamin steht in einem langen, weißen Nachthemd die zitternde Maja, tränenübrrstrümt wie der Jasminstrauch. Hinter ihr Aglaja. noch bleicher al» am Tage. Auf ihren Armen der brüllend« Remik, An der Tür steht der zu Tode erschrockene, nur notdürftig bekleidete Afanassij- „Was... was ist denn geschehen?" fragt Stawraki und versucht Remik zu überschreien. „Warum seid ihr denn alle hier? Afanassij, gib mir Baldriantropfen. Aber so redet doch!" Alle reden durcheinander. „Barmherziger Gott", jammert Afanassij. während er die Tropfen sucht.„Ich gehe durch den Korridor, nachzusehen, ob die Tür verschlossen ist, und da sehe ich, du barmherziger Gott, wie das Fräulein da» Brüderchen schleppt. Sie ist ganz aufgeregt, ihr« Augen funkeln... und geradeswegs hier ins Zimmer rein. Ich hinterher, und da sehe ich, wie sie das Kindlein in den Kamm legt, wie ein Holzscheit, du barmherziger Gott." „Ich schlafe," schluchzt Aglaja,„plötzlich höre ich ein leises Geräusch. Ich öffne die Augen— die Kinder sind weg. Ich stürze heraus und sehe gerade noch Majas Nachthemd hier im Zimmer verschwinden. Ich kam gerade noch zurecht*— wie sie Remik... ins Feuer..« legte. Zum Glück war es schon ausgebrannt. Fast nur Asche. — Da- Händchen, da» Händchen tut meinem Jungchen weh... eia, eia, mein Liebling, mein Süßer. Und du, du böse- Kind.. „Nicht doch, nicht doch, Aglaja," unterbricht. Stawraki sie,„laß sie doch. Sieh doch nur, sie zittert am ganzen Leib." „Ich... ich wollte doch.., einen unverwundbaren Helden... aus ihm.,. machen ,.. „weint Maja;„aber die Mutter, die Mutter hat alles verdorben, wie... wie damals." Endlich tritt wieder Ruhe ein, alle sind wieder eingeschlafen. Sogar der eingepuderte Remik. Es dämmert schon leise über dem Meer, und immer blasser wird das Licht der Sterne. Aber Stawraki kann nicht mehr einschlafen. Er sitzt an seinem Schreibtisch. und beim dämmernden Licht schreibt er an seinen Freund, den Dichter. „Alle- ändert sich," schreibt er,„sogar die Kinder. Was schön für uns war— ist für sie verhängnisvoll. Und umgekehrt..." (Au- dem Ruffischrn von Nina Stein.) Sonntag, 3. Mai 1936 «rite 3 Wr: 104 „Die SdP glaube, daß Deutschland keine Angriffsabsichten habe... der Frieden sei nicht gefährdet“- Aus dem Bericht über die Rede des Abg. Birke. l« r. Die Kundgebung Ivar ein guter Auftakt für die am 10. Mai stattfindenden Bezirkswahlen. Brüx. Trotz strömendem Regen war der Besuch nicht geringer als im Vorjahr. Der Zug war sehr bunt und eindrucksvoll. Nach der Eröffnung durch Souiek und Haas sprachen die Genossin S v ä b o v ä(tschechisch) und R i- chard Lorenz(deutsch). Mit der Staatshymne und dem Liede der Arbeit wurde die Kundgebung geschlossen. Lderleutensdorf. Ter sozialdemokratische Maiumzug am Nachmittag war sehr stark, er bewegte sich durch ein dichtes Spalier. Auch hier sprachen auf der Kundgebung S v ä b o v ä und Lorenz. Svabovä sprach auch deutsch. Katharinaberg. An der Kundgebung nahmen 600 Menschen teil, darauter viel Jugend» Es sprach Rudolf Geißler, Teplitz-Schönau. Lobositz. Die Kundgebung wurde durch den strömenden Regen stark beeinträchtigt. Trotzdem war die Teilnahme imponierend. Das deutsche Referat erstattete Bund. Die Kundgebung wurde mit der Staat-Hymne geschloffen. Die SdP hat sich bei der Propagierung ihrer Kundgebungen verrechnet. In Komotau nahmen an der Henleinkundgebung 1600 Personen teil, die bis aus Sebastiansberg herbeigeschleppt worden waren. In Saaz hatten sie 12.000 angeknndigt und 2000 waren gekommen. Heuer nahmen sie die Frauen mit! Sie mufften diejenigen, die nach ihrer frü» deren Theorie angeblich hinter den Kochtopf gehören, zur Verstärkung herbeirufen. Maltas des Aufstieges des Kreises Karlsbad Au- allen Bezirken, aus dem Erzgebirge, aus dem Egerer, Kaadener and Podersamrr Gebiete, kommen dir gleichen Meldungen: trotz des ungeheueren Krisensturmes und der Hochflut drS Hen- lrin-FaschiSmns und deS stärksten Unternehmerterrors steht unsere Partei überall unerschütterlich da. Dir Beteiligung an den Maikundgebungen war trotz des ungünstigen WrttrrS w e i t a u s ft ä r< krr als im Borjahr«. Der hrurige erste Mai hat eindeutig gezeigt: der Schlag deS 19. Mai 1935 ist überwunden, di« sozialdemokratische Arbeiterbewegung befindet fich im Aufstiege! Besonders betont werden mutz, datz bei unseren heurigen Maikundgebnngen die überaus starke Beteiligung der Jugend auffiel. In Karlsbad gestaltete sich der Mai-Aufmarsch zum Triumph der Mai-Idee und zur Warnung an alle Arbeiterfeinde. Zu vielen Tausenden kanien die kampferprobten Männer und Frauen aus den Orten des Bezirkes auf dem Bechcrplatz in Karlsbad zusammen, um durch ihre einmütige Zustinnnung zu den Ausführungen des Genoffen D e W i t t e ihr Bekenntnis zum Sozialismus und zu den Forderungen der Partei zu unterstreichen. Für die tschechischen Genoffen sprach Genosse Ulrych. Im Bezirk Falkenau fanden zwei große Kundgebungen in Falkenau und Königsberg statt, an denen mehr als 7000 Menschen teilnahmen. In Königsberg sowohl als auch in Falkenau sprach Abgeordneter Gen. Katz, der stürmische Zustimmung erntete. Für die tschechischen Genoffen sprach in Königsberg Genosse Raus und in Falkenau Genosse Krätth. In GraSlitz hielt das Referat Genosse N o v ü aus Eger, die Beteiligung stand trotz des Regens hinter der vorjährigen nicht zurück. Das gleiche gilt für Neudek, wo über 3 0 0 0 Arbeiter und Arbeiterinnen zu unserer Kundgebung am Marktplatz aufmarschierten. Zwei Ma i-K undgebungen im Bezirk Reudek und Abertham wurden für das obere Erzgebirge abgehalten, die ebenfalls einen Maisen- besuch aufwiesen. In R e u d e k fanden die Ausführungen deS Genoffen W o n d r a k einmütigen Beifall. In Abertham referierte vor über 800 Personen Genosse Mader aus Aussig. Besonders wuchtig und eindrucksvoll gestaltete fich die Maikundgebung in der alten Burgstädt El- bogen, wo unser Aufrasch größer war als in früheren Jahren und vor allem weit stärker und wuchtiger wirkte, als der Auszug der SdP. Das Referat hielten die Genossen Horn deutsch und Vondrak schechisch, die Genossin Marterer sprach namens der Frauen. Nutz imLandgebiete zeigte sich, datz unsere Bewegung allen Stürnien standgehalten hat. So wurden im Bezirk Kaaden zwei Maiversammlungen abgehalten, die an die t a u s e n d Menschen vereinigten. Auf dem Marktplatz in K löst e r l e sprachen die Geuoffen Kleiner aus Komotau und S ch a r i n g aus Karlsbad. Im Rat- hauS in Wilomitz sprach Genosse W e i l- t e r aus Karlsbad.. In Buchau war unser« Maifeier trotz des Hen- leinterrors beffer besucht als im Vorjahr«. In Pobersam und Jechnitz litten unsere Kundgebungen sehr unter der Ungunst des Wetters, dennoch war auch dort die Beteiligung befriedigend. In Podersam sprach Genosse H o l i k deutsch und Ge- noffe M r ä z tschechisch. In Jechnitz hielt Genosse Ernst das Referat. Für den Bezirk Wildstein fand die Kundgebung in Schönbach statt, wo sich mehr als 12 0 0 Genossen eingefunden hatten. Ueber die Bedeutung des 1. Mai sprach Genoffe T« jessy aus Ausstg, dessen Ausführungen stürmischen Beifall fanden. Tie Mai-Aufzüge der SdP waren im Karlsbader Kreisgebiet ein förmliches Spiessrutenlaufen. Die Zahl der Teilnehmer betrug überall nur einen Bruchteil der Wählerzahl, die die SdP am 19. Mai 1935 aufzubringen vermochte. Kreis Reichenbers Reichenberg Bei der Maifeier in Reichenberg beteiligten sich am Umzug etwa 2000 deutsche und tschechische Sozialdemokraten, der Kundgebung vor dem Theater, bei welcher die Genossen Dr. Emil Strauß und Abg. Genoffe Stibin sprachen, wohnten an 3000 Zuhörer bei.— Außerordentlich gelungen und glänzend besucht war das politische Kabarett am Abend zuvor. Der Zug der Sozialdemokraten erregte durch seine Buntheit und Wucht großes Aufsehen. erbrachten neuerdings den Beweis, daß die Hoffnungen der Gegner der Sozialdemokratie eitel sind und daß das Gerede und Geschreibe der Henlein- söldlinge von dem Ende der Sozialdemokratie ein aufgelegter Unsinn ist. Trotz dem trüben, kalten, zum Teil auch regnerischen Wetter war der Aufmarsch der deutschen und tschechischen sozialdemokratischen Arbeiterschaft über alle Hoffnungen hinaus s e h r st a r k und in seinem Perlauf äußerst zufriedenstellend. So. war besonders. her. Aufmarsch und die Kundgebung in Trautenau selbst sehr gut, obzwar man in den Fabriken mit großem Druck für die Henleinversammlung geworben hatte. Die Reden der Genossen Svoboda, Erben und des Abg. K r e j c i wurden mit großer Begeisterung ausgenommen und immer und immer, wieder von Beifall unterbrochen. Während der Rede des tschechischen Genossen wurden von Henleinbubcn aus den Dachlucken der Ringplatzhäuser Knallerbsen geworfen, um die Kundgebung zn stören. Trotz ost großer Erregung der Demonstranten" über diese niedere Handlungsweise verlief die Kundgebung in voller Ruhe und Ordnung.— Der Aufmarsch der Kommunisten war unbedeutend, die Kundgebung der Henleinleute wirkte lächerlich, weil man eben die Maikundgebung einer Partei, in der sich der Unternehmersekretär Dr. Stade und eine Reihe bekannter Fabrikanten befinden, nicht ernst nehmen kann. Kreis Pilsen-Budweis Neuern Die rührige Arbeiterschaft dieses Böhmerwaldstädtchens veranstaltete am Vorabend einen Fackelzug durch die Stadt. Auch das unfreundliche Wetter des Sonntags— es fiel seit den frühen Morgenstunden ein dauernder Sprühregen— konnte den guten Verlauf unserer Maifeier nicht wesentlich beeinträchtigen. Auf grundlosen Wegen waren auch aus den entfernteren Waldgemcinden die Teilnehmerzüge pünktlich eingetroffen. Am Festzuge beteiligten sich eine starke Abteilung der sozialistischen Jugend in syrcm blauen Dreß, Atus-Turner und-Turnerinnen, die unerschütterlichen Kolonnen unserer Bähmcrwaldproleten und sehr viele Frauen. Vor 1500 Zuhörern sprachen am Marktplatz bei der Maikundgebung Genoffe P i c k a(tschechisch) und Genoffe I a k s ch unter allgemeiner Zustimmung. Tie Gesichter der Henlein- Funkrionäre halten beim Vorbeimarsch unseres imposanten Festzuges merklich an Länge gewonnen. Zwei besonders„loyale" Sudetendcnffche ivurden von der Gendarmerie in Obhut genommen, weil sie beim Spielen der Slaatshymne höhnische Grimassen ge- schnitten hatten. Tie Kundgebung erfreute sich auch der verdächtigen Aufmerksamkeit von Amateurphotographen aus demHenlein- lager. Die Herren werden noch aujzuklären haben, zu welchem Zweck sie die Bilder verwerten wollten. Soweit bisher über die sozialldemokrafischen Maifeiern im Böhmerwald Berichte vorliegen, zeugen sie davon, daß das arbeitende Volk am 1. Mai stolz« Beweise seiner festen Verbundenheit mit der sozialistischen Gesinnung abgelegt bat. Trotz des schlechten Wetters waren überall eine zufriedenstel- Friedland. An der Versammlung in Kretscham beteiligten sich etwa 600 Personen. Der Saal und seine Nebenräume waren überfüllt. Es sprachen der Abgeordnete Stivin(tschechisch) und Max Kout- nik(deutsch). Nach der Versammlung marschierten die Teilnehmer auf den Marktplatz, wo die beiden Redner noch kurze Ansprachen hielten. Gablonz. Die Behörde hatte im Vorjahre öffentliche Aufmärsche verboten. Heuer war es wieder möglich, öffentliche Kimdgebungen abzuhalten. In Gablonz, das eine Hochburg der Henleinleute ist, hatte die sozialdemokratische Kundgebung ganz besondere Bedeutung. Ter sozialdemokrafische Zug formierte sich beim Hotel„Schwan" und bewegte sich dann auf den Masarykvlatz. Nach der Eröffnung durch Stöckl und Elstner sprachen der tschechi- sche Genosse F r y d r y ch und Genoffe R e h w a l d zu den Versammelten. Grottau. Di« deuffchen und tschechischen Sozialdemokraten versammelten sich im Gasthaus „Krone" in Grottau. Um 9 Uhr erfolgt« der Abmarsch zum„Lidovö düm". Tort eröffnete Franz Seidl die Kundgebung, dann sprachen Johann Schiller(deutsch) und Borlikek(tschechisch). Die Kommunisten versuchten den.sozialdemokratischen Umzug durch Zurufe zu provozieren. Kratzan. Ti« Teilnahme an der sozialdemokratischen Maikundgebung Ivar in dieser einstigen Hochburg der Kommunisten außerordentlich groß. Nach der Eröffnung durch Heinrich Scholz sprach, ost von Beifall unterbrochen, Genoffe H l a d i k: Für die tschechischen"Teilnehmer sprach I a n d a. Besonders stark war die Beteiligung ans Weißkirchen.— Der kommunistische Zug war etwa so stark wie unserer...' Tannwald. Der Zug der deuffchen und tsche- schen Sozialdemokraten war imposant und eindrucksvoll. Er bewegte sich vom„Dklnicky düm" zum Sportplatz in Schumburg. Dort sprachen der Genoffe S v a r c(tschechisch) und Genoffe Köller (deutsch) zu den Massen. Ter kommunistische Zug war kleiner als im Vorjahr, allgemein fiel die schwache Beteiligung der Kommunisten aus dem Gebiet Morchenstern auf. Die Henleinleute hatten die Riedelsklaven, zirka 800 Personen, zusammengetrieben. Auch ans Brannan meldet man einen prachtvollen Aufmarsch und eine sehr gute Stimmung während der Reden, die vom Genossen Dr. F r a n z e I und einem tschechischen Genossen gehalten wurden. Hier, wo der in den letzten Tagen als Rosenkavalier besonders bekannt gewordene Abgeordnete Hubert Birke das große Wort führt und alle Augenblicke den Untergang der Sozialdemostatie prophezeit, wirkte die Masse der Maidemonstranten geradezu verblüffend auf die guten Spießer. Tie Maifeier in Königinhof, bei der von unserer Seite Genoss« Marks sprach, wurde durch die deutschen Arbeiter vor allem aus dem Rettcndorfer Gebiete machwoll gestaltet; jene in Marschendorf mit Dr. Mühlberger, die in WrkelSdorf mit Genossen G e r b r i ch als Redner, wie auch die Maifeiern in Hohenelbe und Starkstadt waren mehr als zufriedenstellend im Hinblick auf Teilnahme und Stimmung. In Arnau sprach Genosse Rambauske neben dem tschechischen Genossen vor ungefähr tausend Teilnehmern, eine Ziffer also, die in Arnau kaum Überboten werden kann. Von stien größeren Kundgebungen wär« noch jene in Schahlar erwähnenswert, die durch ihr Ausmaß besonders unsere Gegner in Staunen versetzt«. Hier sprach Genosse Hoffmann, der mit seinen Worten ebenso große Zustimmung fand wie der tschechi- sche Redner. *' lende Teilnahme und glänzende Kampfstimmung zu verzeichnen. Unter starker Beteiligung der arbeitenden Bevölkerung von Mies und Umgebung konnte im heurigen Jahr unsere gemeinsame Maidemonstration abgehalten werden. Es muß festgestellt werden, datz sich besonders wieder unsere Genoffen und Genossinnen aus Hermannshütte hervorgetan haben. Aber auch alle übrigen Organisationen haben heuer ihren Mann gestellt. Zahlreicher als sonst waren die Kleinbauern und Häusler vertreten. Mit den Klängen der Internationale wurde unsere herrliche Kundgebung eröffnet. Danach begrüßte Genoffe K ü h n l alle Teil- nehmer deutsch und Genoss« L a s k a tschechisch, worauf unser Redner, Genosse Adolf Schmidt aus Prag, der lebhaft applaudiert wurde, das Wort er- ; hielt. Nach ihm sprach tschechisch noch Genoffe P e- p r n ü aus Zwug. Mit dem Lied der Arbeit wurde di« schöne Kundgebung geschloffen. In Staab spiellen in dem Festzuge, der die deutschen und tschechischen Genossen und Genossinnen zum Leriamnilungeplatze führte, drei Muntkapellen. Erfreulich stark war die Teilnahme der Frauen an der Kundgebung, in"der tschechisch Genosse HenWk, deutsch Genosse Hofbauer und(für die Sozialistische Jugend) Genosse Korschinsky sprachen. Neuhaus. Die Maifeier, welch« gemeinsam mit der tschechischen Partei statifand, war heuer sehr stark. Am Umzug beteiligten. sich weit über tausend Personen, an der Kundgebung auf dem Wil- sonplatz noch einig« hundert mehr. Für die tschechische Partei sprach Genoffe Grünzweig-Prag, für unsere Partei Genoffe Schönfelder-Prag. Neubistritz. Zur großen Bestürzung unserer Gegner war die Beteiligung an unserer Maifeier heuer besonders ji.'-«», 2m Temonstrationsumzug marschierten an die 800 bis 900 Genossinnen und Genossen, an der Kundgebung nabmen über, 1200 Personen teil. Die Rede des Genossen S ch ö n f eld e.r- Prag fand begeisterte Zustimmung. In Tachau vollzog sich der Aufmarsch genau zu der von den Veranstaltern festgesetzten Zeit. Freund und Feind wären erstaunt ob der Größte und" Wucht unserer Maikundgebung. Nach einem Vortrag des Arbeiter-Gesangvereines eröffnete Genösse Kreutzer. Dann sprach Karl Kern unter begeisterter Zustimmung der Versammelten. Eine Kapelle spielte das„Lied der Arbeit", dann marschierte der Zug zum Arbeiter-Sportplatz, wo die Auflösung erfolgte. Biele Teilnehmer waren in strömendem Regen mehr als drei Stunden aus ihren Wohnorten nach Tachau marschiert. Auch die Genossen aus Neudorf, die drei Stunden mit dem Rade fahren mußten, kämen nach Tachau. Die Fahrt war infolge der aufgeweichten Straßen so anstrengend, daß diese Genossen erst nach der Kundgebung eintrafen. Und doch waren sie nicht umsonst gekommen: alle freuten sich ihre- Opferwillens und sagten immer wieder leuchtenden Auges:„Das sollen uns die Gegner" nachmachen!"— Die Henleinkundgebung war weitaus schwächer als unsere und wurde im Saale abgebalten. An der kommunistischen Kundgebung beteiligten sich 30 Kommunisten und 300 Henleinleute, die den Redner wiederholt störten. Nicht schwächer war die Kundgebung in Tusch- kau-Stadt, wo ebenfalls vorsichtig gegen tausend Teilnehmer geschäht wurden.. Zu den Versammelten, di« mit kampffreudiger Stimmung. erfüllt waren, sprachen Genosse Dr. Adler(deutsch)!""und Masak(tschechisch). Die Beteiligung an der Maifeier in Stankan blieb, trotzdem es regnete, hinter jener" der flehten Jahre nicht zurück, Im erstaunlich langen, bnnt- bewegten Umzug schritten fünf Musikkapellen, viele Frauen, ferner zahlreiche Turner und Jugendlich« in ihren Trachten, darunter eine Gruppe des" Atus mit einer großen Fahne. Di« Versammlung fand auf dem Stadion der DTJ statt, wo vor" etwa 1800 Personen die Genossen Abg. Novh, Dr. Löwh und Kafka(für di« Jugend)-über die diesjährigen Parolen des 1. Mai sprachen, unter lebhaftem Beifall der Zuhörer.— Die Faschisten, deren Hochburg einmal Stankau war und die noch vor zwei Jahren eine öffentliche Maifeier am Marktplatz abgehalten hatten, brachten heuer, im unauf- batffamen Verfall begriffen, überhaupt keine Kundgebung mehr zustande. Die Kundgebung in Ronsperg wurde sehr, durch das schlecht« Wetter beeinträchtigt, weil dadurch-re Genossen auS den weit entlegenen Orten zurückgehalten wurden. Die"Stimmung war auch, prächtig. Es referierte unter Zustimmung Genosse F. K. Stark aus MieS. Besonders brav waren unsere Freund« im mittleren Böhmerwald. Sie scheuten auch das.schlechte Wetter"nicht mid marschierten bis zu hier Stunden weit nach Nnterreichenstein. Im Festzuge schritten 60 Mann der Republikanischen Wehr in schmucken blauen Hemden und fünf Musikkapellen. Insgesamt waren es 800 Teilnehmer. Zu ihnen sprach unter Beifall Genoss« Wanka. In Lihn war die Maikundgebung von präch- ffger Stimmung getragen. Es referierten Genosse Glaser(deutsch) und Bankk(tschechisch)."In Reffchetin war eine öffentliche Versammlung nicht gestattet worden, weil auch die Kundgebung der SdP verboten worden war. In einer geschlossenen Versammlung referierte Genosse Halbritter. Auch die Kundgebung in Weseritz litt unter dem schlechten Wetter. Genosse Hala-Kosolup sprach vor 200 Arbeitern und Kleinbauern. Die Stimmung war glänzend. In Südböhmen war die stärkste Kundgebung in B.-Kruman, wo im Demonstrationszuge 1500 Teilnehmer marschierten. Bei der Kundgebung auf dem Marktplatz folgten gut 3000 Menschen den"begeisternden Ausführungen des Senators Genossen Müller. Aus den weit entlegenen. Orten hätte die Teilnehmer ein Sonderzug nach B.-Krumau gebracht. In Wintrrberg fand am 30. April eine Mäi- versammlung statt. Für den Bezirk Winterverg fand ein« Kundgebung am 1. Mai vormittags"in Eleonorenhain statt. Im Umzug marschierten bier 400 Teilnehmer, bei der Kundgebung waren, 600 Menschen versammelt. Die Eleonorenhainer Genossen haben für 200 Menschen«ine Ausspeisung- durchgeführt, waS besonder« Anerkennung verdient. Nachmittags fand für den Winterberger Bezirk ein« zweit« Kundgebung in Anßergrfild statt, wo ebenfalls 400 Menschen im Zuge marschierten und sich 700 Menschen zur Kundgebung einfanden.-Die Stimmung war besonders hier ausgezeichnet. In allen drei Veranstaltungen im Winterberger Bezirk sprach Genosse John aus Aussig. Kreis Landskron Vorläufig wird uns berichtet, daß in Landskron Genosse Weigel vor etwa 2500 Menschen sprach, in Böhm.-Trüban Genoffe Z e m a n n vor ungefähr 1500 Teilnehmer.— Ausführlich berichtet wird uns über die Maifeier in Leitomischl, die dort gemeinsam mst den tschechischen Genoffen abgehalten wurde. Die Genoffen waren aus den Orten Jansdorf, Mickel, Lauterbach und Mendrick in großer Zahl, erschienen. Der Festzug gestaltete sich in diesem Orte nach Jahren zu einer imposanten Kundgebung der Sozialdemokratie. Im Smetana-Saale fand die gemeinsam« Versammlung mit 500 Teilnehmern statt, in der die Genossen Käsek, Bürgermeister von Chrudim, tschechisch, und Genosse Abg. Ma c o u n deutsch unter begeisterter Zusfimmung sprachen. Prachtvolle Maifeiern im Kreis Trautenau Seite 4 Sonntag, 3. Mai 1333 «r. 181 Die deutsche Maifeier in Prag Unsere Genossen, einschließlich der RA mehr ats sechshundert Frauen und Männer, nahmen auch Heuer am großen Demonstrationszug der tschechischen Sozialdemokratie teil und versammelten sich dan in einem festlich geschmückten Gaal auf per Slawischen Insel zu einer eindrucksvollen Kundgebung, die von der Bolkssinggemeinde schön er» öffnet wurde. Das Referat erstattete unter viel Beifall Genosse Hackenberg.—< Biel bemerkt wurden zwei kämpferische Standarten, die dem Lug der deutschen Genossen vorangetragen wurden. Die Festversammlung wurde mit der»Internationale" geschlossen, von allen Teilnehmer» gesungen. Um 8 Uhr zogen die Faschisten mit Gajda.im Schtvarzhemd an der Spitze über den Wenzelsplatz. Eine Viertelstunde später folgte die Konkurrenz, die Rationale Bereinigung, mit Stkibrny und Dr, Hodat an der Spitze, Um 10 Uhr nahm der Zug der Sozialdemokraten seinen Anfang, ab halb 11 Uhr marschierten auch die Nationalsozialisten zugleich mit den Sozialdemokraten über den Wenzelsplqp. Gegen Mittag Ivar der Wenzrlsplatz für den kommunistischen Umzug freigegeben, dem ein fünfzackiger roter Stern mit dem Bild« Dimitrows vorangetragen wurde. Kreis Brünn Brünn Der gemeinsame Demonstrationszug der deutschen und tschechischen Sozialdemokraten war der stärkste von allen Mai-Umzügen und auch im Vergleich zu früheren Jahren gewaltig. Namentlich di« Jugend war stark vertreten. Vom Arbeiterheim in der Marx-Gasse nahm der prächtige Festzug seinen Weg auf den Wilsonplah; fast«ine Stunde dauerte ei, bis die letzten Teilnehmer auf dem Platz eintrafen. Genosse Taub sprach, von der Menge freudigst begrüßt, deutsch und tschechisch zu den Versammelten; das tschechische Referat hielt Genoffe T y m e t. Trotz dem einsetzenden Regen harrten die Massen bis zum Schluß aus. Imposante Mai-Kundgebung In Mithrisch-Trllbau Die Witterung war für di« diesjährige Maidemonstration noch ungünstiger als im Vorjahre. Und trotzdem gestaltet« sich die Feier ebenso imposant wie sonst. Eingeleitet wurde ste— so wie alljährlich— am Vorabend mit einem prächtigen Fackel- und Lampionszug, an dem über 680 Genossen und Genossinnen teilnahmen, Vormittags veranstalteten Kinderfreunde und Sozialistische Jugend auf dem Sportplatz deS AtuS«ine künstlerisch« Mai-Vorfeier, Um halb 8 Uhr formierte sich beim Bolkihaus ein Zug von wohlgezählten 1660 Menschen, der ebenfalls zum Sportplatz des Atus marschiert«, voran die Radfahrer, denen die Republikanische Wehr, di«..Sozialistische Jugend und hse Par- teivertretpng folgt«. An dies« schlossen sich die tschechischen Genossen an, und nun folgten in sehr großer Zahl die Genossinnen und Genossen aus unseren Lokalorganisationen. Biele Transparente, darunter auch zwei tschechische, wurden im Zuge getragen und zwei Musikkapellen spielten flott« Märsche. Am Sportplatz eröffnet« Genosse Friedl die Kundgebung und begrüßte unter großem Beifallssturm den Genossen Taub sowie die Vertreter der ^tschechischen Bruderpartei. Als erster Redner sprach der tschechische Genoffe H l o» s k a-Brünn, der die internationale Situation besprach, die Bedeutung der Maifeier hervorhob und der Zusammenarbeit beider sozialdemokratischen Parteien im Kampfe für die Demokratie gedachte. Mit großem Beifall wurde sein Referat ausgenommen. Dann betrat unter brausendem Beifall Genosse Taub die Tribüne, die wahrhaft zu einer Tribüne wurde, auf der mit den Feinden der Demokratie und per Arbeiterklasse schärfste Abrechnung gehalten wurde. Genoss« Taub richrete auch einige herzlich« Worte an di« tschechischen Genossen. Die weit nzebr als 2600 Köpke zählende Meng« spendete wiederholt während keiner Ausführungen und auch am Schluffe dem Redner großen Avplaus. Zum Abschluß wurde di«„Internationale" gespielt. Im Anschluß daran fand im „Sandsaal"«ine künstlerische Feier statt. Die Kommunisten batten vormittags ein« klägliche „Kundgebung" veranstaltet. In Zwittau nahmen trotz strömendem Regen ungefähr 1060 Personen am Mai-Umzug teil. Die Kungebung fand am Stadtplatz statt. Es referierten Gen, B. Rother, deutsch«, und Gen. S u l e, tschechisch. Nachmittag trafen die Genossen einander im Voltshaus zu gemütlichem Beisammensein. In Prüf«» bewegte sich der überaus starke Mai- slmzug über Unterwald, Brünnlitz und Chroslan wieder nach Brüsau zurück, wo mehr als 1600 Personen an der Kundgebung teilnahmen. ES referierten die Gen. B. Rother, deutsch, und Eule, tschechisch. In Lundenburg bewegte sich der gemeinsame Festzug durch die Straße» der Stadt auf den Haupt- platz. Di« organisierten deutschen Sozialdemokraten waren vollzählig erschienen. Es referierten Dr, L a m a k m deutscher und Gen. F i a l k a, Prag, in tschechisch« Sprache. Trotz dem Regen harrten di« Versammelt,n bis zum Ende der Versamm- lmtg aus, Die Veranstaltung der Kommunisten zeichnete sich durch einen kläglichen Besuch aus, Di« Rai-Feier in Saitz fand infolge der schlechten Witterung nachmittags im geschloffenen Raum statt» Tie Versammlung war überfüllt. G«n. Dr. L a m a k hielt die Festrede. Die Versammlung nahm das Referat mit Begeisterung auf. Di« Maikundgebung in 9t(*a wurde gemeinsam mit den tschechischen Genosse» ahgehalten. Die Beteiligung war bedeutend stärker als im Vorjahre. Auf dem Masaryk-Platz sprachen zu. den ungefähr 2000 Versammelten Gen. S ch m e r d a aus Brünn deutsch, und Gen. L u l ä k aus Znaim, tschechisch. In Znaim bewegt» sich der Zug der deutschen und tschechischen Sozialdemokraten in der Stärk« von mindestens 8000 Teilnehmern, worunter di« deutsche Arbeiterschaft doppelt so stark wi« im Vorjahre vertreten war, durch die Straßen der Stadt. Unter den mitgetragenen Plakaten nahm besonders eines mit der Aufschrift:„Wir haben genug von derBolksgemeinschaft" die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch, da es voll behängt war mit den Mitgliedsbüchern jener, die der SdP bereits wieder enttäuscht den Rücken gekehrt und zur Sozialdenuffratie zurückgesunden haben. Das deutsche Referat erstattete Genosse Dr. Freund aus Brünn, das tschechische Genosse Dr, Rares, Beide Ansprachen wurden mit Begeisterung ausgenommen. In JoSliwitz beteiligten sich trotz starkem Regen am Umzug und der Versammlung etwa 800 Personen. Die beifälligst aufgenommene Festrede hielt Gen. Dr. Freund. Vereinzelte Henlein- Nazi unternahmen zu Beginn schüchterne Störungsversuche, wurden aber sehr rasch zum Schweigen gebracht, so daß ste»S vorzogen eiligst zu verschwinden. Die Kundgebung war«in voller Erfolg unserer an der Grenze exponierten Genossen. Kreis Sternberg Sternberg Der Morgen verhieß«inen wundervollen Maieniag. Am Weckrus beteiligten sich 650 Teilnehmer, wobei di« RW in ihren blauen Hemden und die Frauen in blauen Blusen farbenprächtig in Er- schrinung traten. Aber um die Mittagsstunde setzte ein strömender Regen ei», durch den die Nachmittagskundgebung gewaltig gestört wurde. Mit bedeutender Verspätung setzte dann erst der Demonstrationszug ein, der trotz deS schlechten Wellers«inen gewaltigen Eindruck bot. Die Kundgebung selbst, bei welcher Genosse Vierer das Referat erstattet«, mußte im Saale des Arbeiterheims abgehalten werden, der die Menschen nicht fassen konnte. Die Ausführungen des Redners wurden mit großem Beifall quittiert. 5088 auf dem Marktplatz in Mährisch-Schönberg Die Maifeier gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung der nordmährischen klgffenbewußten Arbeiterschaft. Im Demonstrationszug marschierten gegen 4000 Menschen, mit fünf Musikkapellen, an der Kundgebung auf dem Marktplatz nahmen mindestens 8000 Personen teil. Die Genossen aus dem Hein- richsrhalrr Gebiet waren mit einem Sonderzug gekommen. Tas Referat ersiattei« Genosse Ernst Paul- Prag, für die tschechischen Sozialdemokraten sprach Genoffe Pavelka,—r Der Kinderzug zählte 1202 Köpfe. Die Kommunisten hatten in ihrem Zug etwa 3O0 Leute; die TdP, oi« bet den Wahlen gegen 16.000 Stimmen erhalten hatte, brachte wohlgezählte 1244 Leute auf die Pein«, Freudenthal Vorweg kann gesagt werden, daß die Maifeier einen schönen Verlauf»ahm. Nach 9 Uhr vormittags setzte sich ei» prächtiger Demonstrationszug von 1100 Teilnehmern vom Aübetterheim aus in Bewegung. Im Zuge wurden zahlreiche Fahnen und Standarten und Biidplakaie getragen, die Jugendlichen, die RW und die Frauen verliehen dem Zuge «in farbenprächtiges Bild. Bei der Kundgebung, auf welcher Genosse Ondiejka sprach, waren rund 1800 Menschen anwesend, Di« Ausführungen des Redners wurde» mit Beifall ausgenommen, die Resolution fand einstimmig« Annahme.— Die Kommunisten. die Heuer zum erstenmal eine eigene Matfeier veranstalteten, hatten gezählt« 136 Leute im Zuge, während bei den Henlein-Leuten 1066 Teilnehmer gezählt wurden.. Imposant war die sozialdemokratische Kundgebung durch Olmüv. Der Demonstrationszug der tschechischen und deutschen Genossen zählt« mindestens 3000 Personen. An der deutschen Kundgebung nahmen einig« hundert Genossen und Genossinnen teil. Referent! Kittel. Klefn-Mohra«: Trotz strömenden Regens setzte sich»in Zug von 3H0 Teilnehmern aus Klein- Mohrau und Karlsdorf beim Gasthaus Knoll in Bewegung, woselbst die Kundgebung startfand. Dar mit Beifall aufgenommene Referat erstattete Genosse «ndLejka. Hof: Trotz Terrors und schlechten Wettert gestaltete sich unsere Maifeier zu einer verhältnismäßig schönen Kungebung, Am Demonstration-zug durch die Stadt, der bei strömendem Regen ftqttfand, und an der Kundgebung im Arbeiterheim nahmen nahezu 200 Menschen teil, lieber die Bedeutung d«S 1. Mat sprach Genoffe Göbel aus Sternberg. Dir Ausführungen wurden mit großem Beifall ausgenommen,—« Bormittag veranstaltete di« SdP einen Aufmarsch, zu dem auch aut Baulich und der «eiteren Umgebung 246 Anhänger zvsammengetrom- melt wurden. In Bär« hatten«S sich 1060 Genossen und Genossinnen trotz det Regenwrtters nicht nehmen lassen, öffentlich zu demonstrieren, daß auch hier die Sozialdemokratie lebt. Mit zwei Musikkapellen marschierten sie auf dem Marktplatz auf, wo die Festrede des Genossen Kittel- Mähr.-Schönberg lebhaften Beifall fand. Di« Maifeier in Müglitz war wider Erwarte« stärker als im Vorjahr«. Im Zuge marschierten meße als 600 Teilnehmer, mit zwei Musikkapellen. An der Kundgebung auf dem Masarvkplatz nahmen mehr als 600 Person«» teil. Referent: Genosse Vierer, für die tschechische» Genossen Micck. Die diesjährig« Maifeier in Bautsch war ebenso stark wie im Vorjahr«. Die Kundgebung fand im Saale d«S Lrbeiterheims statt. Das Referat erstattete Genoffe Wilhelm Häusler- Mährisch- Schönberg. Nach Schluß der Festversammlung formierten sich etwa 400 Teilnehmer zu einem Demon- stralionszug durch di« Stadt. In Stobt Licbau wurde infolge des Regenwetters die Kundgebung im Saal abgehalten. Teilnehmerzahl: 200, Referent: Häusler. Kreis Troppau Zug der Tausende in Jögerndorf Tausende fanden sich zur Maifeier«in. Der Abmarsch vom Bahnhof, unter Vorantragung roter Fahnen und Transparent«, begleitet von zwei Musikkapellen, war eindrucksvoll. Auf dem Masaryk- platz wurde die Maifeier durch die Staatshymne und durch«inen Arbeiterchor eröffnet. Vom Balkon des Rathauses begrüßt« Bürgermeister Genoss« R i ch t e r die Erschienenen. Genoss« H e e g« r, mit großem Beifall begrüßt, hielt die Mairede. Für di« tschechischen Genossen sprach Genosse Zeh, der bas Gelöbnis Megte. Unter stürmischen„Freundschaftsrufen" wurde di« imposante Kundgebung geschlossen, Im geordneten Zuge marschierten die Massen ins Arbeiterheim. Di« Henleins hatten in der Nacht vorher tausende Flugzettel verbreitet, worin sie di» deutschen Kiänner und Frauen auftorderten, nur an der Henleinkundgeümffi tetlzunehmen. Rach genauen Zählungen ergab.sich, daß sie, sage und schreibe, nicht ganz 600 Jägerndorfer und mit dem Zuzuge von den Dörfern stn Zuge sechst k e i ne 2000 Menschen austrachten. Ein klägliches Ergebnis, wenn man bedenkt, daß sie noch im Mai vorigen Jahres in Jägerndorf ein« Stimmenanzahk nach Tausenden erhielten. Die Anhänger dieser Partei scheinen sich selbst zu schämen, mit den Henleins auf die Straße zu gehen. Wäre nicht die Bauernjugend erschienen, so wäre di« Maifeier sehr kläglich gewesen. v? Die Maifeier der Kommunisten war äußerst schwach. Oie Feier In MUhrlseh-Ostrau Die Maifeier in Mhrisch-Ostrau erfreute sich einer großen Beteiligung, Die tschechischen, deuts ch e n und polnischen Sozialdemokraten hielten, wie alljährlich, eine gemeinsame Kundgebung auf dem Ringplatz ab, auf dem sich nach einem imposanten Umzug, in d«m viel« Fahnen und Transparent« mikgerrqgen wurden und der von vielen Musikkapellen durchsetzt war, über 11,0 00 Menschen eingefundcn hatten. Für die deutschen Sozialdemokraten sprach Genösse König- Pkivoz. Zum Abschluß der erhebend verlaufenen Feier wurde die„Internationale" intoniert. In Troppg» nahmen am Demonstrationszug zirka 8300 Menschen teil und an der Kundgebung vor dem Stadtrheater 3000 Personen. Das Referat für die tschechischen Genossen hielt Genosse Curda-Lipovskh aus Mähr,-Ostrau und Genoss« T i tz aus Troppau hielt die deutsche Ansprache. Während der Ansprache unserer Referenten marschierten die Kommunisten zirka 70 Mann hoch mit klingendem Spiel vorbei.•— An der Versammlung der SdP auf dem Eislaufplatz beteiligten sich zirka 1500 Menschen, Der Weltfeiertag der Arbeiter hat trotz der faschistischen Gewaltherrschaften einzelne» Staaten auch Heuer seinen Charakter als internationaler Kamps- und Festtag wahren können. In den Ländern, in denen es legale Arbeiter-Organisationen gibt, fanden überall in der gewohnten Weise, die je nach dem Charakter des Landes angelegten Feiern oder Demonstrationen statt. In den von Sozialdemokraten verwalteten nordischen Staaten war ebenso wie in Belgien der 1. Mai vor allem Demonstration der bewährten und sich festigenden Macht der organifstrten Arbeiterschaft. In Frankreich stand der Raifeiertag im Zeichen der bevorstehenden Stichwahl und des Kampfes der Bergarbeiter. In den großen Industriegebieten ruht« die Arbeit, in den meisten Städten fanden Demonstrationsversammlungen statt, In England hat sich der 1, Mai als Massendemonstration bis heute nicht eingebürgert, doch traten die sozialisftschen Organisationen auch in den englischen Städten sichtbar in Erscheinung. Besonders mächtig war die Feier des 1. Mai tn dem befreiten Spanien, das anderen faschistischen Staaten durch den raschen Wandel, der sich Heuer dort vollzogen hat, eine Warnung sein kann. In Polen erwies die Arbeiterschaft in großen Streiks und Demonstrationen ihren Kampstvillen. In Ungarn. Rumänien, Jugoslavien und den baltischen Staaten wurde der 1, Mai den Verhältnissen dieser Länder entsprechend meist durch kleinere Veranstaltungen begangen. Ln Bulgarien fand zum erstenmal eine ofstzielle, von der Regierung angeordnete Maifeier statt. In Rußland trat die Arbeiterdemonstration noch mehr als in den letzten Jahren gegenüber den militärischen Paraden zurück. Der größte Aufmarsch fand natürlich in Moskau statt, wo sich neben den Spitzen der Partei und der Regierung auch ausländische Vertreter offiziell zeigten. Insbesondere fiel die Anwesenheit der Oderberg. Di« Maifeier fand gemeinsam mit den tschechischen und polnischen Genossen statt. Im Festumzuge marschierten 1300 Menschen, während die Feier auf dem Platz« 3600 Menschen zu einer festtichen Stunde vereinte. Bon den in unserer Stadt abgehaltenen Maifeiern war di» der Sozialdemokraten, wie alle Jahre, die am stärksten besucht«. Die Maifestrede hielt für die deutsche Partei der Genosse Leopold Kreutz, Mahrisch-Ostrgu, In Freistadt beteiligten sich 600 Menschen am Umzug und am Ringplatz waren dann über 1000 Zuhörer versammelt, für die deutschen Genossen sprach Wessely, für di« tschechische» Genossen Kou- delka und für di« polnischen Gromnica. In Freiwoldau marschierten zirka 10 0 0 Menschen im Zuge, Genosse Palme hielt die Ansprache. In Schönbrunn zählte unser Festzug zirka 1500 Teilnehmer, die Reden hielten deutsch Genoffe Dr. Fritz Haag und tschechisch Genoffe Fidor. In Königsberg beteiligten sich im Festzug zirka 800 Teilnehmer und an der Kundgebung über 1000 Personen, die tschechische Ansprache hielt Genosse Sze« muga und die deutsche Czerny aus Privoz. In Wigftadtl war die Kundgebung besonders eindrucksvoll. Der am Vorabend veranstaltete Fak- kelzug wies schon starke Beteiligung auf, anschließend fand eine Kundgebung auf dem Marktplatz ftatt, bei der Genoffe Hugo Mader sprach und nach der Kundgebung erfolgte im Arbeiterheim die Angelobung von 60 RW-Männern durch Genoffen Karl Mader. Freitag vormittags nahmen am Umzug über 15 0 0 Personen teil, besonders ausgefallen sind di« RW-Männer und zirka 100 Frauen in ihren blauen Blusen. Das Referat erstattete im Arbeiterheim Genoffe Skotniea aus Mähr.-Ostran(tschechisch) und Genoffe L e i n S m e r aus Troppau(deutsch). Auch di« Maidemonstration in Römepstabt wie! stark« Beteiligung auf, das Referat hielt Genoffe Fischer auS Freudenthal. I» LiSkevee fand die Kundgebung gemeinsam mit den tschechische» Genossen aus Friedek-Mistek auf dem Marktplatz in Mistek statt, es wurden über 2600 Teilnehmer gezählt, die Referate hielten die Genossen Läufer aus Mähr.-Ostrau(deutsch) und Abg. Kukera(tschechisch), für unsere Partei sprach noch' Genoffe Hillebrand aus Troppau, Auch die Mai-Vorfeiern in P k i v o z und W i t k o w i tz sind gleichfalls würdig verlaufen. 2» Privoz sprach der Genoffe Dr, Wilhelm Haas, in Ditkowitz der Genoss» Tr. Fritz Haas. Die Vor- feiet» wurden durch gesanglich«, musikalische und sportlich« Darbietungen feierlich umrahmt. Besonders erfreulich zu begrüßen war die emsige Mitarbeit der Fugend. FreBburg Trotz strömendem Regen, der viele Teilnehmer abschreckte, und an die Tausende wegen ihrer mangelhaften Kleidung stn Arbeiterheim zurückhielt, niarschiene ein imposanter Festzug von zirka 3000 Demonstranten durch di« Straßen der Stadt. Vom Balkon deS Theaters sprachen Abgeordneter Genosse Dr. Mqrkovik(slowakisch), Genoffe Dr. Wiener(deutsch) und Genosse F«h«r(ungarisch) zu den Versammelten, Generalstabschefs der baltischen Staaten(Litauen und Lettlands) auf, dj» in Moskau zu Gast wejlen. Auch in den anderen Großstädten der USSR hatte der erst» Mai vor allem m i J i t ä« rischen Charakter. Auffällig still verliefen diesmal die offiziellen Maifeiern der faschistischen Regimes. Italien erwartete den Fall von Addis Abeba, den Badoglio trotz seines überstürzten Vormarsches noch nicht melden konnte. In D e U t s ch- land stand der 1, Mai im Zeichen jener Ernüchterung und Depression, die sich nach dem Wahlrummel vom März so überraschend schnell eingestellt hat, In Oesterreich verhielt sich das Regime begreiflicherweise möglichst unauffällig. Wieweit illegale Maifeiern da oder dort stattfanden, ist zur Stunde nicht zu überprüfen, da die Regierungen alle Meldungen darüber sorgfältig unterdrücken. ♦ Polen Im Kampfe Warschau. Entgegen den gehegten Befürchtungen nahm die 1, Mat-Feier sowohl in der polnischen Hauptstadt als auch in anderen größeren Städten Polens im allgemeinen einen ruhigen Verlauf. In Warschau folgte die Arbeiterschaft dem Aufrufe der sozialistischen Partei und legte solidarisch die Arbeit nieder. Bon offizieller Seite wird zugegeben, daß mindestens 80 Prozent der Warschauer Arbeiterschaft streikten. In Wirklichkeit arbeitete nur ein ganz kleiner Bruchteil der Arbeiter der polnischen Hauptstadt. Der Tramway- und Autobusverkehc blieb bis 14 Uhr stillgelegt. Auch bi« Autotaxi« Chauffeure schloffen sich dem Streik an. Im Laufe der Vormittags fanden in der Hauptstadt größere Straßenumzügeder Arbeiterschaft statt. An dem Straßenwnzug der oppositionellen sozialistischen Partei nahmen ea. 20.000 Arktiker teil. Die jüdischen Sozialisten durften im Sinne einer behördlichen Verordnung ihr« Straßenumzüa« bloß im Bereich« der jüdischen Stadtviertel veranstalten. Zu ernsteren Zwischenfälle» ist es in dem iü- dischen Stadtviertel Warschaus gekommen, wo«ine Der 1. Mal als Weltfeiertag der Arbeiter Machtvolle Kundgebungen In Ost und West Nr 104 Seite 5 Sonnfnfl, 3. Mai 1936 gröbere Gruppe von Mitgliedern des illegalen„Ra- FrgukN ins Parlament ge schickt dikal-nmionaliftischen Lagers" hie Teilnehmer an haben," Darob natürlich große Etttrüstung auch einer Versammlung der jüdischen Sozialisten an- auf Seiten der männlichen Kollegen unserer Par- griff. Zwischen beiden Lagern kam es zu einer schwe- lamentarierinnen. Die SdP-Abgeordneten deren Schlägerei, wobei es schließlich auf beiden Sei-! mühten sich zwar, den Herrn Birke damit heraus- ten ea. 30 Verwundete gab. Um 14 Uhr waren alle zureden, daß sie behaupteten, er habe lediglich Umzüge und Versammlungen zu Ende und die—*• r-*'*-*■-*■’-~ Hauptstadt nahm wieder ihr normales Aussehen an. In Lemberg, Krakau, Czenstochqu sowie in ganz Polnisch-Oberschlesien verlief der 1, Mai vollkom men ruhig. Bloß m Lodz demonstrierten Tellneh- mer eines Arbeiterumznges vor der Redaktion des nationaldemokratischen Lrgans, wo sie sämtliche Fensterscheiben einschlugen. * gesagt?...solche Frauen(wie die Frau Ze-- minovä), aber damit wurde die Sache nur noch .schlimmer und schließlich ließ sich der Wortlaut aus dem stenographischen Protokoll unschwer fest- I stellen, Die weiblichen Abgeordneten stellten ein ! Ultimatum: Entweder Herr Birke kriecht zu Kreuz und widerruft oder sie leiten ein Verfahren auf I Erteilung einer Rüge ein. Hern: Birke blieb nichts übrig/ als in aller Forin von der Parlamentstribüne aus die Erklärung abzugeben, es sei ihm vollkommen fern gelegen, die Kolleginnen beleidigen zu wollen, etc. etc. Damit noch nicht genug, entschuldigte er sich bei den anwesenden Frguen- Abgeordneten auch noch persönlich. Und Donnerstag früh bekamen alle seine Kolleginnen in Seidenpapier je e i n en StraußmitdreiRo- s e n in den Klub zugestellt und dazu eine Bisit- karte des Herrn Birke. In den Couloirs war natürlich die ganze Geschichte Gegenstand des allgemeinen Gelächters.,, Spanien marschiert! Madrid.(Havas.) In ganz Spanien wurde der Festtag der Arbeit gefeiert. Die Hauptstadt durchzog vormittags ein Umzug, an dem 220.000 Menschen teilnahmen. Als die Teilnehmer die^ r Ranifestasion-er organisierten proletarischen Gruppen das Gebäude des Ministerpräsidiums passierten, überreichte eine Delegation dem Ministerpräsidenten eine Denkschrift, welche die Forderungen der Manifestanten enthielt. Die Denkschrift fordert energischen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, Anbahnung großer öffentlicher Arbeiten, Unterstützung der Arbeitslosen, Auflösung der faschistischen unmonarchistischen Organisationen, Regelung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Sowjetrußland usw. Es wurde auch die, Forderung ausgesprochen,-ah sich Spanien an-en Olympischen Spielen in Berlin nicht beteilige. Eine Aktion für die arbeitslose Jugend Das Gesundheitsministerium führt im Rahmen der großen Kinderhilfsaktion ein« Erhol» ngsaktion für arbeitslos« Jugendliche durch, di« Mitte Mai beginnen soll. Bon dieser Jugend- lichcn Atlion werden 1000 Jugendliche erfaßt werden. Die Aufteilung der Plätze geschah so, daß die Bezirke mit der höchsten Arbeitslosigkeit besonders berücksichtigt wurden. Dir Auswahl der Jugendlichen erfolgt durch-ix Präsidien der Komitees für dir Arbeitslosen-Heilfürsorge. Die Jugendlichen werden sechs Wochen hindurch in verschiedenen Heimen«ntergebracht«erden. Der 1. kiel In Zlin In Zlin wurde, wie alljährlich, der 1, Mai in Form einer Gemejnschaftskundgebung der gesamten Belegschaft der Bakawerke— derzeit 28.810 Mann-— gefeiert. Die Beteiligung, welche durch Sonderzüge aus allen Richtungen gesteigert wurde, wird von amtlicher Seite auf weit mehr als 100.000 Personen geschätzt. Das äußere Bild der Mastenpersammlung, auf welcher I. Baka sprach, und des darauffolgenden Umzuges wurde noch durch-ie große Zahl von allegorischen Wagen, Transparenten und Fahnen, und durch die Flugzeugstaffeln der Baka« Werke gehoben, welche den ganzen Tag über der Stadt kreisten, Mit großer Begeisterung wurde ein eben von einem Jndienflug zurückkehrendcs Flugzeug begrüßt, welches über dem Bcrsamm- lungsplatz einen Blumenstrauß abwarf. Die Entschädigung für Berufskrankheiten. Für die letzt« Rechnungsperiode hat-ie Arbeiter- Ünfallversicheruns in Prag im Rahmen der Entschädigung für Berufskrankheiten in 36 Fällen Renten von insgesamt 74,482 Kf zuerkannt. Tie Versicherung in Brünn hat i» sieben Fällen 26.980 Kö zugesprochen. Insgesamt wurden bisher von der Prager Versicherung 889 BerufS- erkrankungen entschädigt, davon 98 freiwillig und 261 obligatorisch. In Brünn betrugen die entsprechenden Ziffern 88.10 und 78, Bon allen bei beiden Anstalten angemeldeten Fällen, insgesamt 417, waren 74 Krankheiten tödlich. Zu den juitgflktivistischrn Kundgebungen vom letzten Sonntag schreibt die ,.H o s p o d ä k s k ä Politika" u. a.l«Die Sprache der Jungaktivisten ist überhaupt weit heftiger und explosiver im Vergleich z. B. mit den ruhigen und rechtschaffenen Reden des Schöpfers des deutschen Ak- tivjsmus bei uns, des eben verstorbenen K t e p e k. Aber wir dürfen auch nicht die Augen der Tatsache verschließen, daß die Wirtschaftskrise in Nordböhmen schon— wenn auch zum beträchtlichen Teil ohne unsere Schuld eine Reihe von Jahren dauert. Unsere Schwierigkeit liegt gleichzeitig darin, das deutsche Problem gerade jetzt zu lösen, wo in Deutschland der Nationalsozialismus am Ruder ist und wo ein beträchtlicher Teil der hiesigen Deutschen sich zu den radikalen Henkeinanhängern meldet. Trotzdem, und auch unter diesen Verhältnissen, müssen wir zu ihnen gerecht sein; die Staatsverwaltung und insbesondere die Finanzverwaltung sollten in ihre Dienste junge Deutsche aufnehmen und bei öftentlichen Arbeiten in Gebieten mit deutscher Mehrheit sollten vorwiegend deutsch« Arbeiter und deutsche Unternehmer beschäftigt werden. Einen kläglich mißglückten Vorstoß gegen die politisch tätigen Frauen unternahm Herr Birke von der SdP in einer Parlamentsrede am Mittwoch abends, 2m Anschluß an«ine Polensik gegen die Abgeordnete Z e m i n o v ä, die, wie wir berichteten, gegen di« SdP außerordentlich scharf losgegangen war, erklärt« Herr Birke;„Wir danken Gott, daß wir keine Heute Stichwahl Paris.(Eigenbericht.) Die Vorbereitungen der fraizzösischen Parteien für die Entscheidungsschlacht vom Sonntag stehen unter dem Eindruck der hochbcdeutsamen Tatsache, daß mit ganz geringen Ausnahmen in allen Wahlkreisen die Vereinbarungen der Volksfrontparteien strikt durchgeführt wurden, ihre Kandidaten zugunsten des Volksfrontkandidaten mit der größten Stimmenzahl zurückzuziehou. Ln der Regel folgen die französischen Wähler solchen Stichwahlanordnungen ihrer Parteien mit großer Disziplin; aller Voraussicht stach sinrd sich daran auch dieses Mal kaum etwas ändern, obwohl an vielen Orten der radi- kalsoziasistische Wähler zum ersten Male vor der j Aufgabe steht, seine Stimme einem Kominunisten zu geben. 2n den ersten beiden Tagen nach dem Wahlgang vom vorigen Sonntag wurde die radikalsozialistische Partei mit allen Mitteln von rechts her unter Druck gesetzt, um doch ja noch rechtzeitig die Ehe mit den linken Bundesgenossen zu brechen. Herriot, in Lyon zum ersten Male nicht gleich im ersten Wahlgang gewählt, ja sogar von seinem rechten Konkurrenten überflügelt, schien zeitweise aus Verstimmung über seinen schweren persönli- ! chen Mißerfolg, vor allem jedoch aus Bedenken gegen die Inanspruchnahme der fvzialistischen und I kommunistischen Stimmen auf die Kandidatur endgültig verzichten zu wollen. Die Verwirklichung dieser Absickt wäre ein fühlbarer Angriff gegen das radikalsozialistische Bündnis mit den Arbeiterparteien gewesen, Gerade weil diese Wirkung möglicherweise auch den Wünschen Herriots ent- gegcugekommen wäre, ist seone Entscheidung für die Kandidatur als Vertreter der drei Volksfrontparteien ein wichtiges Kennzeichen auch für die Haltung weniger stark zur Volksfront hinneigender Teile der Radikalsozialisten, die unter dem Eindruck des Linksruckes vom Sonntag stehen, Nachdem ein gemeinsamer Appell Daladiers stir die Radikalen, SeveraeS für die Sozialisten, Thorez' für die Kommunisten die Bündnisverein- Schacht und Göring schon uneins Berlin. Wie aus zuverlässiger Ouelle verlautet, hat am Donnerstag eine Wirtschaftskonferenz unter dem Vorsitze des mit der obersten Kontrolle der Rohstoff- und Devisenfragen be- ; trauten Ministerpräsidenten Göring getagt. \ Gegenstand der Verhandlungen bildete di« Frage der Verlängerung derjenigen Bestimmungen, durch welche der deutschen Industrie eine Abgabe für Exportföderung auferlegt worden ist. Tie Debatte war ergebnislos und die Konferenz mußte sich vertagen, so daß die Entscheidung erst in ein oder zwei Wochen stattfinden dürste. Die Meinungsverschiedenheiten, die zutage traten, seien ziemlich groß gewesen. Reichs- wirrschafrsminjster Dr, Schacht halte die Exportprämien für unerläßlich, sei aber nicht gehörig, rmterstützt woxtzeg, namentlich sei ihm.der | Beauftragte des Führers für wirtschaftliche Angelegenheiten Keppler energisch entgegenaetreten. Gerüchtweise verlautet, daß Dr, Schacht der Sitzung gar nicht bis zum Ende beigewohnt habe, sondern sie vorzeitig verließ. Phönix-Krawalle Im ungarischen Parlament Budapest,(ffi, P.) Im ungarischen Ab- geordnrtenhans kam es aus Anlaß einer Ministerred» über di« Phönix-Affäre r» stürmischen Kundgebungen. Genoste Buchinger rief dem Minister zur »In Wim ist geschwindelt, gestohlen und defraudiert morden! Das sind Eure faschistischen Freunde!" Buchinger wiederholte, obwohl ein Riesen- lärm auf den Bänken der Regierungspartei entstand, seine Anklagen und rief wirderholtr „Euro Wiener faschistischen Freimdrrln haben das ersparte Vermögen der kleinen Lmte geraubt und gestohlen!" Buchinger wurde dreimal zur Ordnung gern fm und wird vor den JmmunitättauSschuß gestellt werden. Die Regierung hat jede Meldung über dir Zwischenrufe unterdrückt. *** Prager Phönix-Direktor verhaftet Prag. Im Zusammenhang mit der„Phö- ux"-Untersuchung wurde am Donnerstag der Repräsentant der Prager Filiale Franz R. sind res von der Polizei verhaftet und SamS- wg nach dem Verhör in die Haft des Kreisstraf- grrichtes in Prag ringeliricrt. Tie Untersuchung, In Frankreich bprungen neu besiegelt hatte, ließ die B ö r s e am 29. April eine kleine Probepanik vom Stapel, ein Vorspiel der Methoden, die in den Kämpfen der nächsten Zeit eine Rolle spielen werden. Inzwischen haben die Auseinandersetzungen der Bergarbeiter mit den Grubenbesitzern unter Vermittlung des Ministers für die öffentlichen Arbeiten Chautemps ein Ergebnis gehabt, das die Gewerkschaften befriedigt; dir Unternehmer haben sich zur Unterzeichnung von Rahmenvereinbarungen bereit gefunden, die den Forderungen der Arbeiter sehr weitgehend entgegen kommen. Gegenwärtig finden in den einzelnen Revieren die vorgesehenen Unterhandlungen über die einzelnen Kollektivvcrträge im Rahmen der Mqntelabmgchungeu statt. Der Bergarbeiterstreik ist dadurch vermieden. Die Beilegung des Bergarbeiterkampfes nahm den Maikundgebungen der Gewerkschaften in Frankreich nichts von ihrer Entschlossenheit. Vor allem die Bau- und die Metallarbeiter, aber auch die Transportarbeiter kündigtest neue Vorstöße zur Vevhessemng ihrer Lebenslage an. Es ist aber doch zu verstehen, daß auch diese ersten Maifeiern der geeinten Gewerkschaften vor allem im Zeichen der Wahlen standen, wenn auch ihrer Tradition entsprechend die französischen Verbände sede direkte Einwirkung auf politische Entscheidungen vermeiden. Frankreich, und zwar auch die rechten Parteien, erwarten von der Sonntagswahl eine Kammer mit einer gegenüber 1982 leicht verstärkten, innerlich jedoch beträchtlich veränderten Linksmehrheit. Man sieht eine gewisse Abnahme der radikalsozialistischen und der reptMikanisch-sozialistisöhev Parlamentsgruppen voraus. Dagegen rechnen die Sozialisten, die ihre Stimmenzahl von 1932 (1,957.000) mit 1,922.000 trotz der ncosoziali- stischen Spaltung fast wieder erreicht haben, damit, die stärkste Fraktion zu werden, während die Kommunisten mehr als das Fünffache ihrer bisherigen 10 Kammersitze erwarten. bezieht sich auf Verbrechen gemäß den Pnrnzra- phen 105 und 214, szw. 183 des Strafgesetzes. Weitere Verhaftungen in Budapest und Wien In Ungarn wurde der früher» Direktor des Wiener„Phönix" Wilhelm Bachmann verhaftet, alö er in der Nacht im Aut», aus Preß, bürg kommend, die Grenze postierte. Gegen Bachmann, der nach der amtlichen Wiener Perlaut- dorun» 430,000 Schilling für Nazi-Zwecke erhalten hohen soll, liegt ein Steckbrief der Wiener Polizei vor. lieber seine Auslieferung wird verhandelt, In Budapest wurde der bekannte Generaldirektor Maximilian Knapp und eine Reihe anderer Persönlichkeiten verhaftet; rö werde» ihnen Uebertretungen der Valuta Vorschriften im Zusammenhang mit der Phönix-Affäre zur Last gelegt. Im Zusammenhang mit diesen Berhqftun- gcn in Budapest steht auch die Samstag in Wien rrsolgte Verhaftung des Prokuristen eines Bankhauses, dessen Nam» noch geheim gehalten wird. Mit ihm wurden auch andere Personen-er Polizei vorgeführt. Dem Herausgeber der„Wiener Sonn- und Montagszeitung", Ernst K l» h i n d e r, der nach dem offiziellen Kommunique 635,000 Schilling erhalten Haden soll, wurde die Bewilligung zur weiteren Herausgabe seines Blattes mit sokor- tigrr Wirksamkeit entzogen. VorstoS im Unterhaus gegen die Sanktionen? London, Die konservative„Morning Post" meldet, daß eine Gruppe konservativer Abgeordneter beabsichtigt, am Mittwoch im Unterhaus bei der Debatte die Forderung vorzutragen, von der weiteren Durchführung der Sankttonen abzulasten. Das Blatt fügt hinzu, daß Churchill in einer Sitzung des konservativen Parlamenisaus- schustes für auswärtige Politik angeführt habe, daß unter den gegenwärtigen Umständen die Sanktionen zu keinem Ergebnis führen könnten, welcher Ausspruch mit stürmischem Beifall aufgenommen wurde, und daß die Aussprache, welch» der Erklärung Churchills folgte, einmütig zum Ausdruck gebracht habe, die SanktionSPolftik zu verkästen. Neue Zusammenstöße In Haifa Jerusalem. Der mohammedanische Feiertag am 1. Mai verlies in ganz Palästina bis auf kleiner« Zwischenfälle ruhig. Nvr in Haifa kam es zu einem ernsteren Zusammenstoß zwischen arabischen Demonstranten und der Polizei, wobei«S einen Toten und mindestens acht Verwundete gab. Unsere Stimme Im Aether Der Rundfunk hat viel Schuld an der Uns- breituug her faschistischen Gedanken in der ganzen Welt. Von Goebbels und seinen-Kreaturen jahraus, jahrein in der schamlosesten Weise miß- braucht, verbreftet er Lüge und Ungeist, Militärmärsche und Unkultur. An diesem ersten Mai hat er einiges gut gemacht. DaS tschechoslowakische Radiajournal gab in richtiger Auslegung demokratischer Grundsätze der sozialistischen Arbeiterbewegung genügend Raum, damit sie den Weltfeiertag der Arbeit in; Rundfunk würdig begehen konnte. Unserer Ar- beitersendung gebührt das Verdienst, die kurze, ihr zur Verfügung stehende Zeitspanne richtig genützt zu haben. Wir hörten am frühen Abend ein vorbildliches Programm. Es erklangen unsere weltbekannten ttampfgesänge. Nicht daß sie gut gesungen wurden— daß Arbeiter und Arbeitslose für Arbeiter und Arbeitslose sangen, das war das Große, dos war es, was uns zu tiefst ergriff. Wir hörten auf den Tag abgestimmte Dichtungen, wirkungsvoll vorgetragen, und erfaßten mit gläubigem Herzen die Wahrheit des Schlußverses eines der Gedichte: zu- letzt siegt dennoch die Idee!Dann kgm die mutige, im besten Sinne sozialistische Rede unseres Porteivorsitzenden, rethorisch wie inhaltlich eine Meisterleistung, die all das noch einmal zusammenfaßte, was uns an unserem Kampftag bewegte. Und es war eine organische Ergänzung, daß dann die feierlichen Klänge unserer, dm Hörer immer aufs Neue packenden Staatshymne ertönten; sie warm Symbol dafür, daß die Arbeiterschaft mit dem ganzen Einsatz ihrer Kraft hinter dem demokratischen Staate steht, der ihren Kämpfen und ihrer Stimme Raum gibt. Unsere Maifeier fm Rundfunk war nicht nur ein prächtiger Abschluß, eine würdige Krö, nung Unseres Maitages; für zehntausende Pro- letaricr in den Ländern des Faschismus war sie solidarischerGruß undAufmun- t e r u n g.Sie war Sinnbild dafür, daß der Tag kommt, wo am 1. Mai von allen Sendern der Erde unsere Reden und Gesänge erklingen werden. Hot treibt rum Mord und Selbstmord Der 29jährige Emil Wostatek aus Ladowitz ist seit Jahren arbeitslos und lebt mit seiner Frau und einem vier Monate alten Kind in den mißlichsten Verhältnissen. Die Not in der Familie wuchs von Tag zu Tag und führte den Mann zur Verzweiflung, so daß er in der Nacht von« 30, April zum 1. Mai seine schlafende 24jährige Gattin mit einem Wickelband im Bett? erwürgte und selbst versuchte, sich nach der Tat diAPulS- adern durchzuschneiden, Darnach hängte je sich an der Scheune des Herrn Gaube auf. I» den frühen Morgenstunden meldete es Herr Podiökq, der auS dem Fenster seiner Wohnung den Wostatek hängen sah, der Gendarmerie in Ladowitz. Hieraus wurde von der Gendarmerie die Wohnung des Erhängten geöffnet und man sah die grauenhafte Tat. Der Säugling lag unberührt im Bett und neben ihm staird eine Flasche mit schwarzem Kaffee, In einem hinterlassenen Brief teilte der Vater mit, daß er das Kind nicht umbringen konnte, da er es zu sehr liebte. Es solle sich seine Schwester um das Kind annehmen.— Vater und Mutter tot; das Kind allein auf dex Welt! Das sind die Segnungen der kapitalistischen Gefells chaftSor-nung I Dir Frier der Erhebung SchrrckrnsteinS zur Stadt findet um 10 Uhr vormittags in der Aula der neuen Bürgerschule statt. Vierfacher Lustmörder erhängt sich. Donnerstag nachmittags erhängte sich d»r älteste Sträfling der Männerstrafanstalt in Bory bei Pilsen, Ludwig H a b l, in seiner Zelle. Habl war ein unverbesserlicher Verbrecher, In Bory büßte bereits die zweite Strafe ab. Bor 28 Jahren war er nach Verbüßung einer zwanzigjährigen schweren Kerkerstraße, in welche die ursprüngliche Todesstrafe des Lustmordes an zwei Knaben umgewandelt worden war, iu Freiheit gesetzt worden. Bald aber wanderte er wegen eines neuerlichen Lustmordes an zwei weiteren Knaben wiederum ins Gefängnis. Er wurde zu lebenslänglichem schweren Kerker verurteilt, von dem er sich jetzt nach 24jähriger Haft durch den Selbstmord be- fteit^hat. Er hatte insgesamt 44 Jahre Kerker verbracht, Renegat erschossen. Am 1. Mai nachmittags wurde in einer Gasse in Sevilla ein gewisser Eduardo Franc erschossen, welcher eine Gruppe von Sozialisten dadurch provozierte, daß er sie auf faschistische Weise begrüßte, als er an ihnen vorbeiging. Franc war früher Mitglied der anarchistischen Gewerkschaftsorganisation, später Mitglied der Republikanischen Linken und trat schließlich in die faschistische Partei ein. Nr. 104 Seite 6 Sonntag, 3. Mai 1838 Ziehung der Klassenlotterle Unverbindlich. Prag. Bei der Samstag-Ziehung der V. Klaffe der 34. tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden folgende Lose gezogen: 20.000 Kd die Lose Nr. 4866 62751 68141 72645. 10.000 Kd die Lose Nr. 31523 34395 76494. 5.000 Kd die Lose Nr. 5909 5984 16814 22526 25080 33014 48832 59665 73238 81430 85374 95386 102308 102992. 2.000 Kd die Lose Nr. 39 695 7308 14703 15315 15793 18337 21344 24095 33827 34021 34122 34967 37500 41835 4369 47871 48011 48964 49657 53908 70476 73275 73957 76239 77226 78612 78718 79753 81921 90366 90984 91987 92799 92891 95238 96081 96278 100329 102785 103899 108136 15260. Todesfahrt eines Radfahrers. Am Freitag gegen 7 Uhr fuhr Ferdinand Kohout aus Wistritz bei Teplitz, mit seinem Rade gegen Alt-Tischau. Beim Hause Nr. 155 stieß er mit voller Wucht an einen Baum, wobei er sich die Hirnschale einschlug. Obzwar seine sofortige Ueberführung ins Krankenhaus veranlaßt wurde, starb der Verunglückte noch in der gleichen Nacht, ohne das Bewußtsein erlangt zu haben. Kohout stand im 18. Lebensjahre.— Die Ursache dieses tragischen Unglücksfalles dürfte darin zu suchen sein, daß Kohout in einer Kurve die Herrschaft über das Fahrrad verlor. Raffische Erneuerung. Die„Medizinische Welt"(Berlin) berichtet, daß in einzelnen Bezirken eine Steigerung von Neuinfektionen an Syphilis erfolgt sei. Dies sei zu erklären durch die— politisch bedingten großen Kundgebungen(!), bei welchen oft aus allen Teilen des Reiches und auch aus dem Ausland« riesige Menschenmengen zusammenftrömten. Ein weiterer Grund sei die Zusammenfassung der jungen Männer in Kameradschafts- und anderen Lagern, in deren Nähe sich, besonders in den Großstädten, häufig ziveifelhafie Individuen Herumtrieben, eine Zeitcrschcinung, der die zuständigen Stellen mehr Beachtung als bisher schenken müßten. Razi-Bilderstürmrr. Der Nationalsozialis- muS hat ein neues Angriffsobjckt für seine Zerstörungswut und seine destruktiven Tendenzen gefunden: die Meistertverke der spätmittelalterlichen Kunst. Unter dem Einfluß von'Rosenbergs Mythos verwirft man jetzt schon die Skulpturen Rientenschneiders und die Stiche und Zeichnungen Dürers. Man argumentiert, daß die Altäre und Apostelköpfe, überhaupt der ganze Inhalt dieser Jahrhunderte der mittelalterlichen Kunstblüte nicht von den Lehrinhalten des. christlichen Glaubens zu trennen sei. Ta das Neuheidentum diese Dinge ablehnt, kommt es dazu, auch die Kunstprodukte einer ganzen Epoche zu verwerfen. 142.4 Millionen Millionen(29.5 Millionen(26.1 Millionen(12.7 Italienische Kriegsgewinne. Die Gewinne der großen italienischen Rüstungsbetriebe sind im Zusammenhang mit dem abcffinischen Kriege außerordentlich gestiegen. So betrug u. a. der Reingewinn von Fiat 1935: 39.1 Million Lire (24.1 Millionen im Vorjahre), Pirelli 29.2 Mil- linen(25 Millionen), Edison (137.6 Millionen), Jlva 36.4 Millionen), Snia Viscosa 34.1 Millionen), Jtal. Cementi 14.1 Millionen), Isotta Fraschini 5.2 Millionen(2.3 Millionen), Montecatini 92.4 Millionen(86.9 Millivudn). 'ldas neue Wien.„Wenn uns in Zukunft wieder eimnal Delegierte der Liga für Menschenrechte, wie es F r a u B a n d e r v e l d e ist, mit ihren Besuch beehren, so werden wir für ein Empfangskomitee sorgen, aber nicht mehr aus den höflichen Diplomaten bestehend, die die Leute bis jetzt kennen gelernt- haben, sondern aus Hcimatschützlern, die sie mit dem hölzernen Haussegen begrüßen werden." („D er Heimat schützer", Wien.) „Oeffentlicher Feind Nr. 1" verhaftet. Wie Associated Preß aus New Orleans meldet, ver- hafiete die Polizei Alwin Karpis, den„öffentlichen Feind Nr. 1", welcher am 17. Jänner 1935 die Entführung des Bankiers Bremer organisierte, für den er ein Lösegeld von 200.000 Dollar forderte. Ferner entführte er am 15. Juni 1934 den Bierbrauer Hamm, für welchen ein Lösegeld von 100.000 Dollar gefordert wurde. Tas Federal-Departement für Justiz schrieb vor kurzem eine Belohnung von 7500 Dollar für denjenigen aus, der Informationen erteilen würde, die zur Verhaftung des Karpis führen könnten. Die Verfolgung des waghalsigen Gangsters dauerte drei Jahre und endete Freitag mit seiner Verhaftung. Gangster hüben und drüben. In den letzten Tagen wurden in den amerikanischen Städten einige große Banküberfälle verübt. In Detroit drangen fünf bewaffnete Banditen in eine Bank ein, und raubten 50.000 Dollars. In Bogota im Staate New Jersey wurden bei einem Banküberfall 20.000 Dollars geraubt.— Die Ueberfälle der Gangster in Paris dauern trotz den Bemühungen der Polizei weiter an. In der Nacht auf Samstag drangen sechs Banditen mit Revolvern in ein kleines Kaffeehaus in der Pariser Vorstadt Colombes ein und nahmen sowohl dem Kaffeehausbesitzer Is auch mehreren Kaffeehaus- Gästen das Geld ab. Dann fuhren sie unter Mitnahme der Tageslosung in der Kasse davon. Wieder Zyklone. Im nordöstlichen Gebiete des Staates Iowa und im südwestlichen Teile des Staates Minnesota wütete ein Zyklon, wobei fünf Personen verletzt und Sachschäden angerichtet wurden, der einige Millionen Dollar übersteigt. In einer 60 Kilometer langen Zone von 400 Geheimnisvolle Fluszeugkatastrophen Im Dritten Reich Aus Berlin wird gemeldet: Wie bei Katastrophen, die sich in Deutschland abspielen, üblich, find auch jetzt erst verspätet, u. zw. durch Privatnachrichten oder ausländische Telegraphenagenturen, schwere Anglücksfälle bekanntgeworden, von welchen deutsche Militärflugzeuge betroffen wurden. Die erste der Katastrophen ereignet« sich in Siiddeutschland bei Biberberg im Kreise Schwaben-Neuburg bereits am 24. April. Erst am 1. Mai aber sah sich das Deutsche Nachrichtenbureau— nachdem die englische Telegraphenagentur Reuter gerüchtweise von 15 Toten gesprochen hatte— veranlaßt, eine Mitteilung auszugeben, die folgenden Wortlaut hat: „Ein für eine Vcrdunkelungsübung im Kreise Schwaben-Neuburg eingesetztes Flugzeug ist am 24. April bei Biberderg im Bezirksamt Reu-Ulm abgestürzt und zerstört worden. Als Ursache muff ein Bedienungsfehler angenommen werden. Dir Besatzung des Flugzeuges und die am Flug teilnehmenden Vertreter der zuständigen Dienststellen kamen dabei ums Leben." Auch in diesem Bericht werden also weder die Zahl der Toten noch deren Namen angegeben. Reuter meldet, daß sich unter den Opfern u. a. ein Oberst und ein Kapitän der Augsburger Polizei sowie ein junger SA-Offizier befinden. Nicht minder geheimnisvoll und durch das Metern Breite würden Gebäude und einige Brücken zerstört. Die Verbindungen zwischen zahlreichen Städten und Gemeinden sind unterbrochen, so daß die genaue Zahl der Opfer noch nicht bekannt ist.— Die Küste der Provinz Arakan in Birma ist von einem hcffigen Zyklon heimgesucht worden, welcher etwa 100 Menschenleben zum Opfer forderte. Einsturz einer alten holländischen Kirche. In dem niederländisch-deutschen Grenzgebiete, in der Ortschaft Rhanen, ist die dort bestehend« berühmte Kirche eingestürzt. Sechs in der Kirche beschäftigte Arbeiter konnten sich im allerletzten Moment retten. Die Kirche war eines der berühmtesten Kunstdenkmäler Hollands. Die aus dem Jahre 1673 stammende Kanzel,«in Meisterwerk ihrer Zeit, wurde durch den Einsturz vollkommen zertrümmert. Hakenkrrnzpropaganda in Warensendnngrn. Tie deutsche Hakenkreuzpropaganda benutzt alle Kanäle, um im Auslande tiefer vorzustoßen.'Auch di« Handelsbeziehungen mit anderen Staaten werdest für ihre Zwecke mißbraucht. Offenbar in der Annahme, datz ein Ausländer, der nach drei Jahren nationalsozialistischer Herrschaft noch Aufträge nach Deutschland gibt, ein Freund der Diktatur und ihrer Methoden sei, wurden kürzlich einer Firma in Prag, die bei dem Vertreter einer deutschen Fabrik Zahnbürsten bestellt hatte, mit der War« zehn dicke, in der Tsche- chosiowakischen Republik verbotene hakenkrcuzlerische Broschüren zugeschickt. Das nazistische Propagandamaterial war zwischen den Zahnbürsten so verpackt, daß es der Kontrolle der tschechoslowakischen Zollorgane entgangen war. Wer mit den Nationalsozialisten die Verbindung aufrecht erhält, muß immer mit derartigen hinterhältigen Beeinflussungsversuchen rechnen. Der beste Schutz gegen die unerwünschten Propagandamethoden ist, keine Aufträge an Nazifirmen zu geben. Ein Wolkenbruch beschädigt die Bahnstrecke. Die Staatsbahndirektion in Prag teilt mit: Infolge eines heftigen Wolkenbruches, der am 1. Zstai 1936 um 12 Uhr 15 Minuten niederging, wurde die Strecke zwischen den Stationen Deutsch-Brod— Okrouhlice überschwemmt und beschädigt. Der Personenverkehr wurde um 13 Uhr 40 unterbrochen und nach Instandsetzung der beschädigten Stellen um 15 Uhr 14 wieder ausgenommen. Räuber von Gendarmen erschoffen. Am 28. April batte eine aus drei Männern bestehende Einbrecherbande in St. Leonhardt bei Freistadt in Ober- Oesterreich einen Einbruch verübt. Donnerstag brach dieselbe Bande auch in Schönau ein. Bei der Verfolgung der Einbrecher griff einer von ihnen zur Waffe. Jnfolgedeffen eröffnete auch die Gendarmerie das Feuer, wobei der 27jährige Maresch aus Eger lebensgefährlich verlebt wurde. Seine beiden Komplicen, die ebeyfalls Tschechoslowaken sind, konnten die Flucht fortsetzen. Lebens-Elixier und Löwen-Konserven. Vor dem Schwurgericht in Paris stand ein Mann, der es ausgezeichnet verstanden hatte, die Leichtgläubigkeit seiner Mitbürger auszunuhen. Jede Frau möchte Kinder haben, und jeder Vater möchte überdies gern wissen, ob er. einen Sohn oder eine Tochter bekommt. Ter geschäftstüchtige Erfinder kam gleichzeitig beiden Wünschen nach. Er vertrieb ein..Lebens- Elixier", das nicht nur Nachkommenschaft garantierte, sondern auch die Vorausbestimmung des Geschlechtes zulieb. Man brauchte nur ein Fläschchen mit rotem Etikett für einen Sohn, mit grünem Etikett für eine Tochter für fünf Franken zu kaufen. Der Inhalt dieses Fläschchens war taffächlich ein Lebens-Elixier, nämlich... reines Wasser. Immerhin dürften Zehntausende von„Präparaten" im Laufe der Zeit durch Wiederverkänfer abgesetzt worden sein, denn erfahrungsgemäß dauert es sehr lange, bis solche Betrugsmanöver angezeigt werden. Ter menschcnfreundlcche Betrüger wurde zu einem vollkommene Schweigen der amtlichen deutschen Stellen undurchsichtig sind aber noch weitere Flugzeugab st ü r z e mit furchtbaren Folgen. So ist dem Tsch. P.-B. zufolge am 28. April ein deutsches Bombardierungsflug- z e u g in Ulm in stark frequentierter Straße der Stadt abgestürzt. Hiebei sind neben der Besatzung der Maschine zahlreiche Passanten ums Leben gekommen oder verwundet worden. Der Apparat hatte sich an einem Flugzrngabwehr- manöver beteiligt. Reuter nennt unter den Opfern dieses Unglückes einen Major Otto von Lichtenfels, Inhaber deS Eisernen Kreuzes, und sagt weiter:„In der deutschen Presse wird hierüber nichts berichtet, doch ist dem Münchener Vertreter des Reuterbüros die Meldung über das Unglück offiziell bestätigt worden." Trotz dem Geheimnis, mit welchem dieses Flugzeugunglück umgeben wird, berichtet der Reuter-Korrespondent, daß sechs Passagiere getötet wurden. Auch einige Straffenpassanten seien getötet oder verletzt worden. Postflugzeug am Rigi zerschellt Bern.(SDA.) Wie aus Luzern gemeldet wird, wurde das seit Donnerstag vermißte Postflugzeug Frankfurt—Basel in Felsen am Rigi zerschellt aufgefunden. Die beiden Insassen waren tot. Jahr Gefängnis für dieses Delikt verurteilt. Ein zweites Jahr wird er dafür absitzen müssen, weil sich eine von ihm gegründete Gesellschaft für Fleischkonserven aus... aftikanischen Löwen als Schwindelunternehmen erwies. Eine echt amerikamsche Idee, Die Stadtfinan- zen von Burry-Mountains im Staate Alabama wiesen seit langer Zeit ein klägliches Defizit auf. Alle Versuche, sie zu sanieren, blieben erfolglos, und der Bürgermeister war schon vollkommen verzweifelt. Da fiel ihm eine großartige und echt amerikanische Mechode ein. Er kündigte durch amtlichen Anschlag an, daß derjenige, der die Finanzen der Stadt Burry-Mountains in Ordnung brächte, die Hand seiner Tochter erhalten soll«. Damit sich jeder von ihrer Schönheit überzeugen könnte, würde sie in der Bürgermeisterei öffentlich zur Schau gestellt und ausgeboten werden. Die Sensation lockte natürlich jung und alt an dem betreffenden Tage herbei, und wirklich fand sich jemand, der 75.000 Dollar der Stadt schenken wollte, sofern-die schöne Bürgermeisterstochter ihn heiratete. Ta er kein Unbekannter, sondern ein junger Bankier war, schlug diese ein, und alle Welt ist zufrieden: die Stavtfinanzen sind saniert, und der Bürgermeister hat seine Tochter unter die Haube gebracht. Tie Nackttänzerin und Wespe«. Miß Sally Rand ist eine berühmte amerikanische Tänzerin, di« vor allem Nackttänz« vorführt. Sie tritt nicht nur in Music-Halls auf, sondern ist besonders für private Garden-parties begehrt. Vor einigen Tagen sollte sie nun bei einer solchen Veranstaltung in einem Park nächtlicherweise den Tanz„Leda und der Schwan" vorführrn. Aber kaum hatte sie di« Bühne im Eva-Kastüm betreten, als plötzlich ein Schwarm von Wespen, offenbar durch das Licht der Scheinwerfer aufgescheucht, sich auf sie stürzte. Sie har am ganzen, durch keinerlei Kleidung geschützten Körper zahlreiche gefährliche Stiche bei diesem Abenteuer Vavongetragen. Pech gehabt! Die kubanische Polizei, verhaftete drei Männer— darunter auch einen Senats-Angestellten— die versucht hatten, den berühmten Diamant des kubanischen Kapitols zu stehlen, der einen Wert von 15.000 Dollar besitzt und in einer Vitrine im Borsaale des Senats aufbewahrt ist. Wahrscheinliches Wetter von hente. Andauer des wenig günstigen und unsicheren Witterungscharakters. Vorwiegend bis wechselnd bewölkt, strichweise Schauer oder Gewitter, im Osten der Republik weiterhin wärmer als im Westen. Wind aus nordöstlichen Richtungen.— Wetter au ssichten für Montag: Allgemeine Wetterlage noch nicht stabil, Neigung zur Ausbildung lokaler Wetterjtörungen. Vom Rundfunk ta*l«hlMiw«rtu ras 4m Pruriwm Montag Prag, Sender L.: 6.15: Gymnastik. 7.00: Salonorchester. 11.00: Chopin: Polonaise. 11.40: Kammermusik. 12.10: Operngesänge. 15.00: Geigenkonzert. 15.30: Aus„Manon". 17.40: Klavierkonzert. 18.10: Deutsche Sendung: Konzert. 18.45: Deutsche Presse. 19.30: Aus dem Nationaltheater: Novak: Karlötejn, Oper. 22.40: Deutsche Presse.— Sender S.: 7.30: Salonorchester. 14.20: D e u t s ch e Sendung: Ullmann: Geist und Werk Mahlers. 14.50: Deutsche Presse. 18.10: Militär- konzert.— Brünn: 17.00: Kinderstunde. 17.40: Deutsch e S endung: Dr. Kocaurek: Erste Hilfe bei plötzlichen Erkrankungen.— Preßbnrg: 22.55: Tanzmusik.— Mährisch.»Oftran: 12.35: Mittaaskonzert. 17.35: Schallplatte». 18.10: Deuts ch e Sendung: Arbeiters««!: Ritschmann: Wirt- schastsumsturz— Knlturumfturz. Dienstag Prag, Sender L.r 6.15: Gymnastik. 11.00; Arie von Bach. 11.05: Deutscher Sch ulfunL 12.10: Operngesäng«. 13.40: Dvorak: Aus.Jakobiner". 17.00: Für die Jugend. 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Albrecht: Wirtschaftliches Relief.- 18.20: Sudetendeutsche Komponisten, Lieder von Kobias und Grauer. 18.45: Deutsche Presse. 20.15; Orchesterkonzert. 21.00: Rundfunkorchesterkonzert.— Sender S.: 7.30: Populäres Konzert. 14.15: Deutsche Sendung: Meyer; Einige.Worte über zweckdienliche Beleuchtung. 14.30: Schallplatte». 18.00: Aus Operetten. 18.45: Aus.Lauber- flöte".— Brünn: 16.10: Nachmittagskonzert. 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiter funk: Sozialinformationen, Schramek: Arbeiterklasse und europäischer Frieden. 19.30; Volkslieder.— Preßburg: 22.30: Tanzmusik.— Mähr.-Ostrau; 12.35: Militärkonzcrt. 17.35: Saxophonkonzert. Der richtige Sport für Nazi-Deutschland In der Versuchsanstalt in Wannsee sind die olympischen Pistolenschießstände. Dort stehen auch die sechs schlvarzen lebensgroßen Figurenscheiben der olympischen Pistolenschnellfeuerübungen. Die Figuren müssen von den Olympiateilnehmern in acht Sekunden getroffen werden. Die Sieger müssen dann die Uebung in sechs und nachher sogar in vier Sekunden wiederholen. Es .-st anzunehmen, daß die SS besonders glänzen wird! 9?r. 104 Sonntag, 3. Mai 1938 Seite 7 chsplins„Moderne Leiten" flusfani Wem gilt der nächste Schlag? Im Pariser . Leuvre" werden einige interessante In- formationen über die deutschen Befestigungen in der R h e j n z o n c mitgcteilt. Die erste Spcrrlinie soll bereits Anfang November fertig sein. Die deutschen Befestigungen tragen einen anderen Charakter als die französischen. Man baue möglichst viele Forts, Außerdem wird ie ganze Zone mit einem Netz von permanenten Schützengräben mit geschützten Maschinengewehrnestern und nraskierten Batterien bedeckt. Es werden auch unterirdische Unterkünfte für Truppen und Flugplätze errichtet. Diese» ganze Befesti- gungssystem stellt ein Mittelding zwischen einer permanenten und einer Feld-Befestigung dar, etwa in der Art der au» dem Weltkrieg bekannten „Siegfried-Linie". Der Schutz dieser neuen„Siegfried-Linie* Kinn sogar wenig ausgebildeten Truppen überlassen werden, wodurch Elitetruppen für eine Offensive in anderer Richtung frei werden.„Oeuvre" glaubt nun, daß die Diplomatie und die Kriegführung Deutschlands zunächst eine Eroberung Oesterreich» vorbereiten. Das solle der erste Schritt zur Schaffung eines deutschen„Mitteleuropa" werden. Immer noch japanisches Dumping.(AP.) Man hat lange Zeit nichts vom japanischen Dumping gehört. Neuerdings mehren sich aber wieder die Klagen. Aus Holland kommen Nachrichten, daß dort Fahrräder zum Preise von 5 Gulden verkauft werden. In England gibt es japanische Strümpfe für sage und schreibe —' 3 Penny. Jugoslawien wird mit japanischen Pullovers zum Preise von 15 Dinar überschwemmt. In Berlin gibt es japanische G l ü h l a m p e n, die nur 2 Pfennig kosten. Die Schweizer Uhrenindustri« sieht sich ebenso wie die tschechoslowakische Glasindustrie durch das japanische Dumping bedroht. Japan offeriert Uhren für 36 Franc» das— Kilogramm! Zur Zeit exportiert Japan schon mehr Baumwolle als Lancashire. Der Gußeisenexport, der 1929 nur 541.000 Tonnen betrug, ist inzwischen auf 17 Millionen Tonnen gestiegen. England und di» japanische Gefahr. Di« große Londoner Tageszeitung„Daily Expreß" empfiehlt den Engländern, Abessinien zu vergessen. Die Komödie sei aus, nun muß man den Verhäng fallen lassen. Andererseits sei es noch zu früh, sich im Ernst mit Hitler zu beschäftigen. Obgleich Krupp ununterbrochen Geschütz« produziere, sei Deutschland noch nicht genügend für den Krieg gerüstet. Statt alledem sollen wir unsere Aufmerksamkeit Japan- zuwenden,, das heute bereits den ersten Platz 4m Pacific einnimmt. Und was tvixd morgen sein? Das sei die Frage, Russisch-japanischer Offiziersaustausch. Im Austausch gegen die japanischen Offizier«, welche jüngst nach der Sowjetunion abgereist sind, treten nunmehr sowjetrussische Offiziere ihren Studien- Rach vier Jahren Pause und Vorbereitung ist ein neuer Film der Künstlers erschienen, der den „Goldrausch" und den„Pilgrim", den„Zirkus" und die„Lichter einer Stadt" schuf, alles Märchen der Wirklichkeit, Gedichte aus Schmerz und Lachen, Phantasien aus Narrheit und Güte, aus Angst und Tapferkeit, aus Einfalt und Spott: Gipfelwerke der Filmkunst, weil sich bier in einer Gestalt der Dichter und der Darsteller, der Clown und der Held vereinten. Und auch Charlie Chaplins neuer Film ist wieder ein G i p f e l w e r k, das»in- sam und groß, lächelnd und wehmütig in der Flur der Flüchtigkeiten, Mittelmäßigkeiten und Jämmerlichkeiten des Filmschaffens steht. Wenn man, wie es so üblich ist, den neuen Chaplin-Film mit den früheren vergleicht, wird man zwar Unterschiede in der Art, aber keine im Wesen bemerken können. Tas rein Akrobatische in seinem Auftreten hat Chaplin diesmal auf ein geringeres Maß beschränfi, was nicht nur die Folge des Alterns, sondern die Konsequenz seiner Entwicklung ist, die vom Spielerischen zum Darstellerischen führt. An den Sprechfilm hat er ein paar Konzessionen gemacht, -— aber er selbst spricht nicht, er singt nur einmal in einer Universalsprache, die es nicht gibt, und mit einer Stimme, die keine ist, und er macht das so erschütternd unsinnig und so erregend ausdrucksvoll, daß alle Filmschlager und Leinwandmonolog« davor in Nichts versinken und die Vision einer Sprache erscheint, die jeder versteht und keiner begreift. In dieser Spanne zwischen Verstehen und Nichtbegreifen liegt das ganze Wesen der Chaplinschen Komik, die eben deshalb nicht nur Gelächter stiftet, sondern Herzen rührt und Fragen stellt,'— zwischen Verstehen und Nichtbegreifen bewegt sich Chaplins Kunst, die Wirklichkeit staunend als Märchen zu sehen, das Gewohnte als Narrheit erscheinen zu lassen, dar scheinbar Einfach« unmöglich und das scheinbar Unmögliche einfach zu machen. Wenn Chaplin in seinem neuen Film die moderne Zeit, die Zeit der Rationalisierung, der Krise und der politischen Unruhen, im Lichte feiner Komik und Kunst erscheinen läßt» dann geschieht anfenthalt bei der japanischen Luftwaffe und schweren Artillerie an. Der sowjetrussische Gesandte in Tokio, Jurjcnew, schließt sich der Eskader der japanischen Bombenflugzeuge in Heijo an. Die japanische Presse betont die Bedeutung dieses Austausches angesichts des gegenwärtigen Stande» der sowjetrussisch-japanischen Beziehungen. Die zukünftige deutsche„Maginot-LInie" soll im Gegensatz zur französischen nicht unmittelbar an der Grenze verlaufen. Die Hauptlinie läuft vielmehr über die Eifel, das Bergland recht» und links der..Mosel,„den Hunsrück, das Pfälzer Bergland, di« Höhen und westlichen Abhänge des Schwarzwaldes. Als Reservelini« ist außerdem schon ein« zweite Stellung im Ausbau, die sich von Frankfurt a. M. Wer den TaunnS und Odenwald ins Neckartal hineinzieht. Die Arbeiten sollen bis zum Einbruch des Winters fertiggeftellt werden. Merkwürdiges: das wohlersonnene Getriebe einer hochmodernen Fabrik erscheint als vollendeter Unsinn; die Maschine, zum Nutzen des Menschen erdacht, erscheint als bedrohliches Ungeheuer: der Arbeiter, der die Maschine beherrschen soll, wird von ihr verschluckt und gerädert, und der kleine Chaplin, der am laufenden Band Schrauben anzuziehen hat wird selbst zum Schraubenzieher, bekommt den Tchraubkrampf sozusagen, springt herum als tollgewordener Apparat, an dem die Tollheit das einzig Menschliche ist, während der menschliche Vorgang des Essens, wenn ibn eine Eßmaschine besorgen soll, unweigerlich znr Tollheit wird. DaS rote Fähnchen, dal laue Polizeivorschrift an der Rückseite«ineS Lastwagens angebracht ist, wird zum Schrecken der Polizei, sobald«S ein Mensch in die Hand nimmt. Das Gefängnis, das eine Strafe sein soll, wird zi»r Erholung für einen, dem die Freizeit nur Hunger und Angst' zu bieten hat. Und wenn ein solcher dann unbezahlt nimmt, was er will und braucht, da ihm doch nicht mehr geschehen kann als wieder ins Gefängnis zu wandern,— dann wird unsere geregelte und behütete Wirtschaftsordnung zu einer Schrulle, über die sich jeder Strolch überzeugend lustig machen kann, Am Wesen der Chaplinschen Kunst hat sich nichts geändert. Sie war im Grunde immer revolutionär. Aber dieser Film ist der revolutionär sie, den er je gemacht hat, weil er die eingebildete Ordnung unserer Zeit, den Wahnsinn unserer Zeit, dem befreienden Gelächter I preisgibt. Am End« sehen wir das Landstreicherpaar, das die Abenteuer dieser Zeit gründlich anS- gekostet hat, die Straße hinunterziehen, dje zu den Bergen führt, und es lächelt in der Erkenntnis, daß der Mensch nicht untergehen kann, solange es«ine Erd« gibt— und auf ihr ein ewiges Weitergehen. Tschechoslowakische Wirtschaftsnachrichten Spiritus wird teurer. Der Zcntralverband der Kartoffelzüchter hat beschlossen, durch Vermittlung der Brennereiorganisationen eine Preisneuregelung für Rüben- und Kartoffelspiritus auf Grund der tatsächlichen, den Inten» tionen des Spiritusgesetzes entsprechenden Roh» stoffpreise zu verlangen. Kurz gesagt heißt da», sie'fördern höher?. Preise, um höhere Gewinne zu bekommen. Weitere Baustoff-Preiskommiffionen. Zur Prüfung der Preise wird die Ernennung von je einer Kommission für Tafelglas und Heizkörper vovbereitef, Von Chaplin» schauspielerischen Leistungen, von seiner neuen Partnerin Paulette Goddard und von anderen Einzelheiten dieses denkwürdigen Films soll hier nicht die Rede sein. Man gehe und sehe selbst, —eis— Die Ausfuhr von Hüten. In den ersten Zwei Monaten 1936 sind aus der Tschechoslowakei 864.1U) Stück Hüte im Werte von 10,2 Millionen Kronen ausgeführt worden. In der gleichen Zeit deS Vorjahre» wurden nur etwas über eine halbe Million Hüt« für 7 klillionen Kronen exportiert. Erneuerung des Schiffparks. Zur Erneuerung des Schiffparts der Elbe-Schiffahrts» gescüschaft wurde der Bau von sieben Schleppkähnen in Auftrag gegeben. Zinnverhrauch gestiegen. Im Zusammenhang mit der Aufrüstung zeigt auch der Zinnverbranch der Welt gegenüber dein Borjahre eine beträchtliche Steigerung, nämlich 21,5 Prozent. Die Tschechoslowakei erhöhte ihre,, Zinn- pcrbrauch im letzten Jahr« um 25,1 Prozent, Dänisch- tschechoslowakische- Handelsabkommen. Mit Dänemark wird nächstens ein neues Handelsabkommen unterzeichnet werden. Es wird eine Bcübcsftrung in. der dänischen Einfuhr- bewilligungspraxi» bringen, die di« Ansfuhrniög- lichkeiten in Textilien, Konfektion, Wäsche, Por, zellan- und Glaöwaren günstiger gestalten dürste. Ausweis für den Monat April (Tie erste Zahl bedeutet Parteifonds, die em» geklammerte Wahlfonds.. Brün n: Ke 1200,-7--(300.7—), Bodenbach; Kd' 4140.—(860,—), Karlsbad: Kd 6080.—(1520.—), LondskromrKd 470.—' (100.—), Pilse n: Kd 960.—(240.—), Pretz- burg: Kd 202.—(33—), Sternberg: Kd 1200.—(800.—), T e p l j tz- S a a zr Kd 3780.—(840,—), Trauten« u: Kd 960.— (240,—), Troppau Kd 1800.—(450.—). Durdi Berlin fließt Immer no