Dienstag, 5. Mai 1936 16. Jahrgang Nr. 105 Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto) IE NT PALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME. MS MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova a. telefon aon. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Großer Sied der iranzöslsdicn Unken 146 Sozialisten, 73 Kommunisten> Absolute Mehrheit der Volksfront Paris. Das Innenministerium veröffentlicht eine Statistik über die künftige Zusammensetzung der Kammer nach dem Ergebnis der, Stichwahlen. Bei einer Gesamtzahl von 618 Mandaten fehlen drei Ergebnisse, und -war aus Martinique, Guadeloupe und Oran. Die politische Gruppierung der neuen Kammer ist folgende: Zahl Gewinn Verlust Kommunisten 73 62 — Unabhängige Kommunisten(Prolet. Vereinig.) 10 — — Sozialisten 146 50 — Republikanisch-sozialistische Vereinigung... 25 — 19 Unabhängige Sozialisten 9 — 12 Radikale und Radikal-Sozialisten..'... 115 — 43 Volksfront insgesamt: 379 Unabhängige Radikale 31 — 34 Republikaner der Linken und des Zentrums. 83 — 16 Volksdemokraten........... 23 7 — Republikanisch-demokrattsche Union.... 88 12 — Aeußerfte konservative Rechte...... 11 5 — Rechte insgesamt: 236 unter den wiedergrwähltrn bekannten Persönlichkeiten befindet sich auch H e r r i o t. Neber das Wahlergebnis meldet Haugs:„In sirgesfrendigen Aufschriften teilen die Blätter der äußersten Linken mit großer Freude und tiefer Befriedigung den Wahlerfolg der Bolksfrönt mit. Auf der Rechten herrscht große Bestürzung ü-er die mit elementarer Wucht hereingebrochene Linksschwenkung der Wählermaffen, die nicht einmal die schwärzesten Voraussagen ahnen ließen." Sozialisten zur Kabinettsbildung bereit Bier Mitglieder der Regierung wurden ge», schlagen, ein fünftes Mitglied hat nicht kandidiert. Bei dieser Situation erscheint der Fortbestand des Kabinetts S a r r a» t und seine Vorstellung in der neuen Kammer unmöglich. | Tas Kabinett verbleibt wahrscheinlich bis Ende ! des Monas im Amte, wo dann der Präsident der j Republik eine Persönlichkeit mit der Zusammensetzung des neuen Kabinetts betrauen wird. Der sozialistische Deputierte Leon Blum erklärte: Wir beharren auf unserer Erklärung, wobei wir auch nicht eine einzig« Stunde vcr- I säumen wollen, daß wir. bereit sind, dir Aufgabe zu erfüllen, die uns als stärkste Kammcrgruppe gebührt, nämlich die Regierung der Volksfront zu bilden und zu leiten. Die Verhandlungen der nächsten Tage werden sich hauptsächlich um die Unterredungen der Führer der Linksfront, namentlich Leon Blnms und des Vorsitzenden der Radikalen Partei, Da- ladier, drehen. Die Kommunisten erklärten, in die Regierung nicht einzutretrn, sind jedoch bereit, ein Kabinett der Linksfront je nach ihrem Programm zu unterstützen. der Negus nach Haifa An Bord des englischen■■ Kreuzers„Enterprise** London Der Negus ist mit seiner Familie am Sonntag gegen 2 Ahr nachmittags mit dem Zuge in Dschibuti, dem Hafen von Franz^Somaliland, eingetroffen. Schon vor seiner Abreise aus Addis Abeba hatte er dem englischen Gesandten den Wunsch mitgeteitt, sich mit seiner Familie nach P a last i n a zu begeben. Die britische Regierung hat, wie Außenminister Eden im Unterhaus mitteilte, es für ihre Pflicht gehalten, diesem Wunsche nachzukommen und die Reise des Negus nach Jerusalem zu erleichtern. Mit Zustimmung der franzöfischen Regierung wurde der britische Kreuzer „Enterprise** nach Dschibuti beordert, um den Negus und seine Begleitung direkt nach Haifa zu bringen. Der Negus hat fich mit seiner Familie am Montag an Bord des Kriegsschiffes begeben, das um 7 Uhr in See ging. Er hat die Erklärung abgegeben, daß er auf die Leitung der Staatsgeschäfte verzichtet und fie auf den Ministerrat übertragen hat.. ■ Der Sozialismus und die Demokratie haben in Frankreich eine harte Wahlschlacht geschlafen und einen überlegenen Sieg errungen, der das Herz jedes Sozialisten höher schlagen läßt. Nach all den Prophezeiungen von Hitler- anbctern und Miesmachern, daß es mit dem Sozialismus nun endgültig abwärts gehe, haben wir kurz hintereinander Siege der Sozialdemokratie in den nordischen Ländern, in England, in Spanien und nun auch in Frankreich. Die faschistis ch e Welle hat sich überschlagen, die Demokratie i sr w i e d e r i m V o r m a r s ch. In der Stunde des Jubels und der Freude, die wir ob des Sieges unserer französischen Freunde-r- leben, wollen wir nicht vergessen, daß der Faschismus in Europa eine Macht darstellt, die nicht unterschätzt werden darf. Hitlers Herrschaft in unserem größten Nachbarstaat bedeutet ständige Kriegsgefahr und Mussolini hat durch den Sieg über Abessinien seine Macht gestärkt. Aber das Ziel des Faschismus, ganz Europa zu unterjochen und die sozialistische Arbeiterbewegung zu vernichten, mehr als ein halbes Jahrhundert Geschichte einfach auszulöschcn ’— dieses Ziel wird, nicht erreicht tyerden. Ter europäische Faschismus hat seinen Höhepunkt überschritten, Frankreich und England sind für ihn ebenso verloren wie die nordischen I Staaten, die Schweiz und die Tschechoslowakei. An der Demokratie und am Sozialismus liegt es nun, auszuharren und.nicht nur das, wieder vorwärts zu schreiten, den verlorenen Boden zurückgewinnen im Bunde mit allen, die den Faschismus als Todfeind aller Kultur und Menschlichkeit ansehen. Für alle diese und insbesondere für uns Sozialdemokraten find die Wahlen in Frankreich die frohe Bctschaft. Wir heißen Euch Hof fe n! Das Interesse Europas wendet sich nun der Frage zu: Was wird in Frankreich geschehen, wie wird dieneue Regierung ausschauen? Daß der französischen Sozialdemokratie und ihren Führern eine bedeutsame Rolle bei der Regierungsbildung zufallen wird, steht außer Zweifel. Die französische Sozialdemokratie wird ihre Entscheidung fällen, getragen von der Verantwortung, die sie der gesamten europäischen Demokratie und der Arbeiterbewegung aller Länder gegenüber in diesem Augenblicke trägt. Freilich ist sie, obwohl nunmehr die stärkste Partei der Kammer, nur ein Teil der siegreichen Linken. Neben ihr sind die Kommunisten und die Radikalsozialisten. Die Kommunisten— das sei schon heute gesagt— tragen die Mitverantwortung für das Schicksal der französischen Demokratie, sie werden jetzt die Probe darauf abzulegen haben,$ sie ihren eigenen ansehnlichen Erfolg, den sie der Stichlvahlhilfe der Sozialisten und der Radikalen verdanken, in die Waagschale werfen und so mithelfen werden am Triumphbogen der europäischen Demokratie mitzubauen, Ebenso wird es bei den kommenden Entscheidungen auf den zweiten Partner der französischen Sozialdemokratie, die Radikalen, ankommcn, die bei den Beratungen über das Programm der kommenden Regierung zeigen müssen, ob sie den ernsten Willen haben, einem radikal-demokratischen, wirtschafts-umgestaltenden und sozialpolitischen Regierungsprogramm zuzustimmen. Nur so kann der Wille der Wähler, der Ruck nach links, in der Bildung einer ausgesprochen linken Regierung zum Ausdruck kommen. Tie Rechte ist wohl besiegt, aber sie ist weiter ein Faktor der französischen Kammer, eine Uneinigkeit der Linken würde die Positionier Geschlagenen stärken. Dazu werden es die demokratischen Sieger nicht kommen lassen. Europa ist heute das Schlachtfeld zwischen faschistischer Reaktion und demckratisch-soziali- . ftischem Fortschritt. Die Schützengräben ziehen sich durch alle Länder. Wohl halten die Faschisten große Territorien noch in ihrem Besitz, aber ein großes Land ist ihren Raubtierkrallen entrissen worden. Auch für uns nähert sich die Stunde des Vormarsches. Vorläufig heißt cs für uns: Ar- bciren und bereit sein! In Dschibuti wurde der Negus vom französischen Gouverneur und dem militärischen Ortskommandanten in Galauniform empfangen. Eine Kompanie Senegalschützcn bildete Spalier. Der Kaiser lehnte jedwede Abgabe von Erklärungen ab. Ein italienischer Journalist versuchte, den Negus zu photographieren, doch wurde er rechtzeitig daran gehindert. Die kaiserlicheFamilie fuhr vom Bahnhof zum Palais des Gouverneurs. Zusammen mit dem Negus, trafen etwa 30 hohe abessinische Würdenträger in Dsibuti rin. Im Gefolge des Kaisers befand sich auch Prinz Mako n ne n und die kaiserlichen Prinzessinnen, wei- tevs Ras Kassa, der Außenminister und andere Würdenträger. Ter Kaiser ist abgemagert und sichtlich ermüdet. Nack der Ankunft im Palais -des Gouverneurs nahm die Familie des Negus j eine kurze Mahlzeit ein; sie hatte seit dem Abend zuvor nichts zu sich genommen. Zum Kaiser, der die Nacht im Valais verbrachte» wurde niemand zugelaflen, außer den offiziellen Persönlichkesien. Rach Meldungen ans italienischer Orille hat sich der Negus in den Tagen vor seinem letzten Aufenthalt in Addis Abeba in einem Kloster südlich von Sokota, also in einem von Italienern schon lange besetzten Gebiet, verborgwr gehalten, nachdem es ihm gelungen war, der Verfolgung durch den aufrührerischen Galla-Stamm zu entgehen. Italienische Kundschafter hatten dieses Versteck ausfindig gemacht und italienische Flugzeuge übernahmen, als der Negus mit kleinem Gefolge Addis Abeba zu erreichen trachtete, feine Versal-. ^Fortsetzung auf Seite 2) »SS politische Ende des Negus Ein symbolischer Fall Wie die Laufbahn so vieler berühmter Männer vor ihm, solcher, die unstreitig größer, und solcher, die kleiner waren als er, endet auch die politische Karriere des Negusa nagast Haile Se- laffie mit wenig rühmlicher Flucht. Dennoch wird jener Mensch, der sich einen Rest moralischen Bewußtseins und kulturellen Schamgefühls bewahrt hat, den Fall des dunklen Kaisers nicht ohne bittere Gefühle anschen. Nicht daß es,, wo so viele Opfer fielen und Tausende Untertanen des abessinischen Selbstherrschers grausamer endeten, um das persönliche Schicksal des einen Mannes ginge. Aber es geht von diesem einen Fall eine zu starkcSymbolwirkung aus. als daß man nicht einmal den Teil für das Ganze, den einen für viele nehmen und sich bewußt werden mußte, daß mit Hailö Selassie und seinem Staate einPrinzip unterlegen ist. Die Niederlage dieses Prinzips aber schließt bielleicht für viele der heute lebenden und das Schicksal Abessiniens gleichgültig Mit-Erlebenden die Sicherheit eines düsteren Endes ein. Haile Selassie war vielleicht der letzte Staatsmann beider Hemisphären, der an jenen neuen Geist der Weltpolitik und des Völkerlebens glaubte, der seit 1917 die Erde erfaßt hauen wollte.- Er ist in gewissem Sinne der letzte vonWoodrowWilson düpierte Politiker gewesen, ein Spätling unter den Illusionisten, die vor fast zwei Jahrzehnten die lockenden Klänge des Rattenfängers von Washington für die Verheißung einer tvirk- lich besseren Zukunft nahmen und ihm in den verzauberten Berg folgten. Der Völkerbund, den der amerikanische Senat schon 1919 durchsckMite und ablehnte, an dem dann soviele gezweifelt, den soviele halb ernst genommen, zu dem die meisten wohl die Stellung bezogen haben, die der Komiker Vallentin zu seiner Brille ohne Gläser hat:„Besser als gar nichts!"' dieser Völkerbund erschien dem Aethiopierfürsten als eine Institution, auf die man bauen könne. Haile Selassit hätte seinen Thron und die Unabhängigkeit seiner amharischen Feudalherren auf mancherlei Weise retten könnend Er konnte im vorigen Frühjahr einen Präventivkrieg gegen die Italiener führen. Er konnte sich mit Mussolini verständigen, indem er ihm ein Drittel seines Reiches hin- wavf und für den Rest eine italienische Oberhoheit in Kauf nahm. Er konnte durch Abtretung der Randprovinzen die Italiener hinhallen und inzwischen wirklich rüsten. Jeder dieser Versuche wäre aussichtsreicher gewesen, als das, was er dann getan hat, getan im Glauben an die Heiligkeit der Verträge, im Glauben daran, daß die Mächte, die täglich von den heiligen, unauflöslichen, unverbrüchlichen Verträgen rede«, für die Einhaltung dieser Verträge etwas tun würden. Die Mächte haben Abessinien untergeben lassen. Mit den lächerlich„sanften", gerade die kriegswichtigsten Rohstoffe nicht erfassten Sanktionen haben sie Mussolini eher gestärkt und jedenfalls ermuntert, als. geschwächt. Sie habest dem römischen Kater, der die abessinische Maus fing und noch zappeln und umherlaufen ließ, ein wenig das Fell gekrault: aegen den Strich, daß der Kater manchmal bös knurrte und fauchte. Aber mehr taten sie nicht. Mussolini durfte den Widerstand der äthiopischen Krieger mit einem der scheußlichsten Giftgase brechen und zugleich vier Verträge in einem: den Frieden— den er formell nie aufgekündigt hatte— den Völkerbundpakt, den Kellogpakt und die Gaskonvention. Die Mächte taten ihm nichts. Und diejenigen unter den europäischen Mächten, die am lautesten die Heiligkeit der Verträge hinausgeschrieen hatten, wenn es ihre Sache betraf, waren zuerst bereit, die Vertragsverletzung in Afrika zu sanktionieren, statt sie unter Sanktion zu stellen. Bis zuletzt hatte der Negus auf Genf gesetzt und Hilferuf über Hilferuf nach Genf entsandt. Statt Waffen und Geld erhielt er Vertröstungen darüber, daß alles sich im„G e i st e u n d i in Rahmen des Völkerbundes" abwickeln werde. Der Rahmen ist aus Tanks und Bombengeschwadern gebaut, de r G e i st i st Senfgas. Es geht uns alle an und darum. rührt cs beklemmend an unser Herz, wenn dieser an sich gleichgültige, vielleicht trotz aller Ritterlichkeit Seite 2 Dienstag, 5. Mai 1936 Nr. 105 Verständnis für die deutsche Frage Bemerkenswerte tschechische Pressestimmen und Anständigkeit in seiner Politik mit Schuld beladene Mann vor dem zynischen Friedensbrecher, dem Gewaltmenschen, der von ferne den Tod dirigiert, vor dem Henker der Völker und Schinder des Volkes fliehen uiuß. Wer nichts hat als die Verträge und den Glauben an sie, dem würde es bald ebenso ergehen wie Haile Selassie. Wer sich auf Genf verlassen wollte und auf den Geist Wilsons, der in Akten konserviert wird, der würde so enden wie Abessinien und Haile Selassie. Das Symbol von Addis Abeba wird zur Warnung der Völker, zur Warnung des Volkes: verschanzt Euch nicht hinter den Illusionen Und Lügen von gestern— rüstet Euch für das Morgen, baut an der neuen Welt! Und noch eines eriveist mit der Anschaulichkeit eines Exempels fiir Elementarschulen der Fall des Negusa nagast: daß im Staate Britannien etwas faul geworden ist seit anno 1914. Das Empire, die große WeltmachtEng- lands hat sich als einPopanz erwiesen, als eine Vogelscheuche. London hat den Negus und die Welt monatelang in dem Glauben gehalten, es werde den Friedensbrecher gung. Trotzdem gelang es dem Negus, in mehreren Nachtmärschen nach Addis Abeba zu entkommen. Hier versammelte er sofort den Arktestenrat, der angeblich die Fortsetzung des Widerstandes beschlossen hatte. Der Negus kam aher zur Einsicht, daß die Situation für ihn verloren sei, da strafen oder doch in seine Grenzen weisen. Und London blieb untätig, London ließ es Ku, daß ein Emporkömmling unter den Völkern mächtige Ouadern aus dem Bau des Empire brach, die Pforte zum Nil, die Pforte nach dem Jndiameer aus den Angeln zu heben beginnt. Die Welt ist um eine Hoffnung, einen Glauben, eine lähmende Angst ärmer geworden. Der britische Leu beißt nicht mehr... Mit zahnlosem Kiefer schnappte und jappte er ein wenig, mehr nicht. Abessinien hat an zwei Trugbilder geglaubt, an das allgemein bindende Völkerrecht mit seinem „unteilbaren Frieden", und die„pax Britanni- ca", den englischen Frieden, der jedem Land gesichert schien, das Interessengebiet des Empire war. So fällt von dem Dunkel, in dem das Reich des Negus versinkt, ein Schatten auch auf Europa, und/, wie sich am Siegesgeheul der zivilisierten Barbaren Mussolinis die Hoffnungen aller Gleichgesinnten entzünden, so tönt uns aus dem Bae victis, dem'„Wehe den Besiegten!" das drohendere„Vae sexuentibus" herüber: Wehe denen, die folgen werden.... die Truppen nicht mehr zu-einem organisierten Widerstand zu Haben waren. Seine Versuche, den Italiener die Straße nach Addis Abeba zu sperren, blieben erfolglos, ebenso die Versuche, wenigstens in der Hauptstadt den Widerstand ne« zn organisieren. Daraufhin entschloß er sich nach langem Zögern zur Abreise. - Die sonntägigen tschechischen Zeitungen rnt- halten zwei bemerkenswerte Stimmen, welche Zeugrnschaft dafür ablegen, daß in gewissen tschechischen Kreisen Verständnis für die sozialen Probleme des Sudetendeutschtums vorhairden ist. Es freut uns, daß die eine Stimme aus dem Zentralorgan unserer tschechischen Bruderpartei ertönt, die andere aus den ebenfalls linksgerichteten.Lidovö Noviny". Im»Prävo Lidu" stellt Abg. Prof. Dr. Marek die Frage, ob die tschechischen Politiker das ihrige zur Lösung des deutsch-tschechischen Problems beigetragcn haben. Er schreibt;. t t . Die deutsch-tschechische Frag« kehrt in den Vordergrund unserer Polittk mit demselben Ernst zurück, welchen sie unmittelbar nach dem Umsturz hatte. Ich weiß nicht, wieviel tschechoslowakische Politiker ein ruhiges Gewissen, haben können,, daß > sie taten, was ihre Aufgabe und in ihren Möglichkeiten war. Ein großer Teil beschwichtigt noch heute sein Gewissen mit allerlei Ausreden. Die Einen sagen, wenn es keinen Hitlerismus in der Nachbarschaft gäbe, wäre bei uns kein Henleinis- mus. Möglich,''aß die Unzufriedenheit usiserer Deutschen. nicht jene Form annehmen würde, welche uns durch ihre äußern Kundgebungen be- .. fremdet und uns mit Mißtrauen in ihren inneren Inhalt erfüllt. Aber wir haben noch genug Nicht- henleiner und hören wir zu, was sie uns über unsere Politik sagen. Legen wir uns die Frage vor, warum diese Deutschen den Ansturm der Henleinbewegung ausgehalten haben, aber warum es so wenige ausgehalten haben? Wurden nrcht unsere deutschen Aktivisten auch durch unsere Schuld dezimiert? Heute beginnt man schon in Frankreich die Meinung zu verbreiten, daß Hitler die schlechte Politik der Sieger, insbesondere Frankreichs, in den Sattel gehoben bat. Es wäre nicht zwecklos, sich die Frage zu stellen, wer Henlein gegen die aktivistischen Deutschen in der heutigen Wirtschaftskrise geholfen hat, in der das materielle Elend unserer deutschen Mitbürger ihnen als nationale Unterdrückung von tschechischer Seit« hingestellt wurde. Sagen wir uns, wir Tschechen und Slowaken, ob es überhaupt möglich ist, die Politik so zu treiben, daß bei Tschechen und DeMschen das gleiche Gefühl entstünde, daß in diesem Staate für beide Nationen kein Platz sei: Soll der Tscheche arbeiten und leben, muß der Deutsche arbeitslos bleiben und . hungern und umkehrt: Wird der Deutsche an irgendeiner staatlichen Arbeit oder im Staatsdienst arbeiten, daß dies Arbeitslosigkeit und Hun- ,ger für den Tschechen bedeutet? Wer di« Wirtschaftspolitik in diese.Alternative, in dieses Entweder-Oder drängt, der, glaube ich, untergräbt die Grundlagen dieses Staates. In den»Lidove Noviny" beschäftigt sich mit demselben Problem Zdenek Smetäcek, ein Publizist, der sich intensiv mit dem nationalen Problem befaßt. Er meint: Die Forderungen der aktivistischen Deutschen sind zweierlei: soziale und nationale. In ersterer Hinsicht handelt eS sich vor allem um die Frage des Arbeitsplatzes,' in zweiter hauptsächlich um «ine liberalere Sprachenpraxis. Die Frage des Arbeitsplatzes übersteigt weit den Rahmen eines rein deutschen Problems und ist zum größten Teil ein Problem der gesamten Staatswirtschaft. Mit anderen Worten: Dieses wirtschaftiche Gesamtproblem des Staates betrifft die Deutschen genau blieb, in der Hütte verweilen, denn sie brachten nicht mehr die Kräfte auf, pirschend herumzustapfen. Ilja hockte meist zusainmengekauert auf der Bank vor dem offenen Kamin und grübelte ist das flackernde Feuer, während Maßjä-Lisaweta regungslos unter den Fellen der gemeinsamen Lagerstätte lag. Das Schweigen zwischen den beiden begann im Herbst vor einigen Jahren, da Ilja anfing, sich heimlich Gedanke« über Maßjas Gehör zu machen. Bei der Jagd mußte er sie an der Hand führen, oder sie plötzlich, wenn er im Gestrüpp das Geräusch einer Bestie wahrnahm, zurückreißen. Und neigte er sein Gesicht an ihr Ohr, dann fühlte sie aus dem Hauch seiner Worte die Angst. Bor nahezu fünfzig Jahren hatte Ilja, als er von Peterskoje her nach weiteren Revieren der Edelfüchse pirschte, die Höhle entdeckt, in die sie beide, nachdem sie in Peterskoje geheiratet hatten, die Hütte'einbauten. Zuvor gehörte die Höhle den Bären. Ja, einst, wenn der sibirische Winter sie hinderte, ihre Hütte zu verlassen, hockten sie auf der Bank vor dem Kamin, aber nicht so still und nicht zusammengeduckt. Damals ließen sie ihr Feuer höher brennen. Denn sie zögerten nicht, wenn ihr Vorrat an geräuchertem Bärenfleisch und der Bestand an klotzigem Brennholz kleiner wurde, hinauszugehen in die beißende Kälte, um sich, trotz des Geheules draußen, frisches Fleisch zu verschaffen und von dem gehackten Holze, das zu beiden Genen ihrer Hütte aüfgespeichert war, eine Ladung hereinzuholen. Damals brauchten sie auch nicht mit jedem Schuß zu rechnen, denn der Munitionshändler in Peterskoje gab ihnen Waffen und Patronen auf Kredit. Aber jetzt, da ihnen der Weg zum Markt zu weit geworden war, und sie ihn nur noch einmal im Jähr zurücklegen konnten, graute ihnen vor dem Verglimmen ihres Feuers. Sie schwiegen darüber. Und sie hörten durch die Gedanken, die sie sich machten, nicht, daß auch ihre Wanduhr auf so wie die Tschechoslowakei und die anderen Nationen und deswegen sind die deutschen Aktivisten auch weiterhin bereit, mit den verwandten Parteien der Mehrheitsnation aufs engste zusammenzuarbeiten. Nach einigen Seiten hin jedoch betrifft die Frag« des Arbeitsplatzes die Deutschen fühlbarer als die anderen und damit gewinn sie den Charakter einer nationalen Frage. Hierher fallen insbesondere die Beschwerden über ungenügende Vertretung der Deutschen in der öffentlichen Verwaltung und. in den Staatsbetrieben. Die Lässigkeit"des Staates bei der Durchführung öffentlicher Arbeiten in überwiegend deutschen Gebieten, bei der Vergabe von Arbeiten, welche dort dennoch unternommen werden, an Firmen ans dem Innern des Landes, bei der Einfuhr tschechischer Arbefter dorthin, wo die deutschen ohne Arbeit sind und ähnliches.. Ueberall dort, wo Wiri- schaftsfragen durch die Protegierung des tschecho- slowakischen Elementes nationalen Charakter annehmen oder wo es sich um sprachliche Schul- oder Kulturangelegenheitcn handelt, wollen sich die aktivistischen Parteien verbinden, um so die politische Kraft zu vermehren, welche bei den isolierten Parteien zu gering wäre. Wie man sieht, beginnen einzelne tschechische Politiker den sozialen Kern des deutschen Problems in der Tschechoslowakei zu erkennen und ihn ibren Mitbürgern darzulegcn. Das soll gebührend gewürdigt werden. Die böhmische Landesvertretung tritt am 26. Mai zu einer kurzen Session zusammen. Auf der Tagesordnung steht u. a. auch der Rech- nungsabschluß für 1935. Wien entschuldigt sich Wien. Die österreichische Regierung hat an die Regierungen der interessierten Staaten «in Memorandum gerichtet, in dem sie ihre Beweggründe für die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht darzustellen sucht. Formal klammert sie sich daran, daß nicht die allgemeine Wehr- pflicht, sondern nur eine„D i e n st P f l i ch t" eingeführt worden sei. Das„volkserzieherische" Moment spiele dabei eine große Rolle, aber auch die Tatsache, daß die Erhaltung eines Berufsheeres sehr teuer sei. Die österreichische Regierung verfolg« rein' friedliche und defensive Ziele. Sie verweist auch darauf, daß ihr tote’ Wahrung der österreichischen Unabhängigkeit vertraglich auferlrgt sei und ihr bereits über den Friedensvertrag hinaus militärische Zugeständnisse seitens Genfs gemacht worden seien. Wafd-Partei siegreich Kairo. Die Ergebnisse der Wahlen in das ägyptische Abgeordnetenhaus zeigen-klar, daß die nationalistische Wafd-Partei über eine große Mehrheit verfügen wird. Die Wafd-Partei wird über 80 bis 85 Prozent der Mandate verfügen. Unter den Gewählten befinden sich der Parteisuh- rer Nahas Pascha und alle Mitglieder der ägyptischen Abordnung, die für die Verhandlungen mit England vorgesehen sind. einmal schwieg. Die Stunden wurden länger als Tage, und die Tage länger als Wochen. Und die Türe der HüttÄ klapperte vor Kälte. Und unaufhörlich fiel Schnee. Die Felsen verblaßten. Das Geheul nahm zu. Die Stürme kampn. Immer tiefer sank der Waiv ein. Immer und immer wieder wurde der gefallene Schnee aufgestübert, so daß es schien, als schneie es auch aus ber Erde. Matzja-lttsawcta tastete sich leise zum Madonnenbild, das im düsteren Hintergrund hing, und gab dem.ewigen Lämpchen das letzt« Oel. Und in der Nacht wirbelten, während es so unentwegt schneite, allenthalben im Walde hohe, bleiche Schneefontainen auf, flanerren durcheinander und stoben plötzlich mft unpänvigem Geheul drauflos, verfolgt von neuen, die überall zwischen den Bäumen entstanden. Die Berge heulten. Die Raubtiere heulten. Der Wald heulte. Die Stürme vevwehten Klüfte und Reviere. Alles schien in den Stürmen zu enden, zu verenden. Mitten in der Nacht lugte Ilja unter den Fellen der Lagerstätte hervor und sah an der Wand neben sich, durch den matten Schein der verglimmenden Glut, den Schatten der alten Frau, die sich aufgerichtet hatte, und vornübergebeugt immer so vor sich hin nickte. Er faßte nach ihrer Hand. Sie war kalt. Er hielt, sie fest, um ihr seine Wärme zu geben. Da scMk ihr Kopf zur Brust, müde, ganz müde. Er bettete sie unter die Felle. Und während er seine Seele mit frommen: Gelispel beschwichtigte, kam es ihm vor, als.höre er draußen an der Tür das Gekratze kralliger Tatzen.„Die Bären, die Bären sind wieder dal" flüsterte er erregt. Ex erhob sich, schlich an die Tür und stieß seine spitzen Messer in ihre Ritzen; und die Tür jaunerte, als sei sie voller schmerzenden Wunden. Er floh an die Lagerstätte, verkroch sich in die muffige Wärme, zog sich in seiner Angst die Felle über die Ohren und wartete, daß es helle werde.(Schluß folgt.) Dai brennende Addis Abeba in der Gewalt von Plünderern Die Lage in Addis Abeba, wo ei« großer Teil der Stadt und der kaiserliche Palast in den Händen von plündernden Soldaten sind, ist chaotisch und namentlich für die Ausländer äußerst kritisch. Der mittlere Teil der Stadt und der kaiserliche Palast wurde im Laufe des Freitags vollkommen a u s g e- p l ü n d e r t, verwüstet und in Brand gesteckt. Tie Ausländer haben sich in die Gesandtschaften geflüchtet. So sind im Schutzgebiet der britischen Gesandtschaft über 2000 Flüchtlinge von 23 verschiedenen Rationalitäten untergebracht. Schwer bedroht ist namentlich die amerikanische Gesandtschaft, die von Aufständischen angegriffen wird und bereit- unter Munitionsmangel leidet. Der Gesandte sandte Montag um 18 Uhr einen drahtlos r n H i l f e r ft f nach Was hi n g t o n, worin er mitteilt, daß sich die Situation ständig verschlimmert. Washington hat sich sofort telephonisch an das englische Außenamt gewendet und ersucht, daß die britische Gesandtschaft der amerikanischen militärisch« Hilfe leiste. 9 Auf der französischen Gesandtschaft befinden sich 1500 Flüchtlinge, darunter auch eknige Tschechoslowaken. Zahlreiche Franzosen hatten auf dem Bahnhof Zuflucht gefunden; sie mußten ebenso wie die Gesandtschaftswache zahlreiche Angriff von Plünderern zurückschlagen. Die türkische Gesandtschaft leistete den plündernden Horden lange Widerstand; dann mußte sie britische Hilfe ansprechen und das Personal zog sich in die britische Gesandtschaft zurück. Die Angestellten der Abessinischen Bank verteidigten mutig das Bankgebäude. Die deutsche und die englische Gesandtschaft haben nachts bewaffnete Suchkolonnen ausge- fchickt, die in der von den Aufständischen beherrschten, brennenden Stadt versprengte Europäer sammelten und in Sicherheit brachten. Zwei deutsche Gruppen konnten so gerettet werden. Es verlautet» daß bei den Unruhen bereits 24 Europäer ums Leben gekommen sind. Die Gattin eines amerikanischen Missionärs wurde durch eine verirrte Kugel getötet. Unter diesen Umständen warten die Ausländer sehnsüchtig auf den Einmarsch der italienischen Truppen. Die ausländischen Gesandtschaften haben an das italienische Oberkommando ein dringendes Telegramm gerichtet, in dem sie um die schnellste Besetzung der Hauptstadt ersuchen. Rom will den Sieg voll ausnützen R o m. Mussolini hat in der Kammer angekündigt, daß er den Befehl zu einem neuen Gene x a l a p p e l l des italienischen Volkes erteilt habe, der nach dem Fall von Addis Abeba erfolgen soll. In der Sitzung erhob sich Graf C i a n o, der Schwiegersohn Mussolinis, und führte u.-ft. aus, daß Abessinien heute auf Gnade und Ungnade den italienischen Waffen ausgeliefert fei. Der Sieg sei heute bereits als militärisch vollzogen zu betrachte». Die Ration erwarte jetzt die volle Belohnung für den vollständig errungenen Sieg. Keine menschliche Kraft, keine Koalition werde Italien die Frucht dieses Triumphe- entreißen können. Auf den Krieg müsse der Frieden folgen, von dem Italien der Welt gezeigt habc^ daß es ihn machen könne und auch machen«erde. Die. Vorhut der Askari soll sich bereits dicht vor Addis Abeba befinden, doch warten sie das Eintreffen der motorisierten Kolonnen ab, die unter großen Schwierigkeiten den Termaberpaß passiert haben. 150 Flugzeuge begleiten die Truppen. Marschall Badoglio soll persönlich die aus 3000 Autos bestehende motorisierte Kolonne kommandieren. Auf dem überaus schwierigen Terrain sind jedoch zahlreiche Autos für die Weitrrfahrt unbrauchbar geworden» Di««nauf, hörlich niedergehenden Regengüsse erschweren den Bormarsch außerordentlich. Man nimmt an, daß die Italiener vor dem Einzug in Addis Abeba zunächst die Stadt im weiten Umkreis umzingeln werden, um jedwede Urberraschung hintanzuhalten. Balkan-Entente tast Belgrad. Dit Minister der Staaten der Balkanentente traten Montag zur ersten Beratung zusammen. Die zweite fand um 17 Uhr statt. Die weiteren Beratungen werden Dienstag vormittags, die Schlußsitzung um 17 Uhr 30 stattfinden. IDie Konferenz verlief in freundschaftlichem und herzlichem Geiste. Die Pdzjäöcr Von Albert Daudistel. Schon wochenlang kamen aus dem Westen schwere Wolken über den nördlichen Ural.» Die Sonne und der Mond schienen nicht mehr. Der große Wald geriet, in Unruhe. Er sMhnte über das Sterben, dem seine Blätter verfielen. Die Bäume wurden nackt und schwarz und sahen gespenstig aus. Manchmal gaben sie sich bedeutsame Zeichen, indem sie leise einen Zweig fallen ließen oder einen lauten Ast. Die Zwiesprache hörte sich unheimlich an, zumal sich das tote Laub bewegte, aus dessen Rascheln der Modergeruch der Erde und der Gedanke über die Auferstehung drang. Die Adler, die sich oben in dem dichten Dunst, der ihre Felsen verzauberte, indem er sie unsichtbar machte, nicht mehr auskannten, hockten durchnäßt in den Kronen und horchten auf das Klopfen der Regentropfen. Dee Wolken wurden grau, finster. Sie geisterten aufgeregt durcheinander. Aber es entstand keine Lücke, durch die ein Stern dem greisen Pelzjäger Ilja Jushny und dessen bedenklich schweigenden Frau Maßja-Lisawetta seine trö- stende Nähe hätte zeigen können. Sie hausten in einer jammervollen Hütte, etwa sechzig Kilometer von dem Marktflecken Peterskcse entfernt. Das Häuschen kauerte aus Furcht vor den Stürmen des Winters und wegen der Hinterlist der Raub- ticre in de^Höhlung einer kahlen Felswand, die durch das Drückende Uebergwicht die Befürchtung zulietz, sie könne ihrer Neigung zum Diese Kundmachung stellt die. erste Durchführungsbestimmung zu dem zitierten, im Vorjahre j beschlossenen Bundesgesetz, dar. -Seife 4 Dienstag, 5. Mai 1936 Nr. 105 AgesneulgLeiten „Freut Euch des Lebens** Im Dritten Reich hat alles seinen Platz, wie denn die Parole des Nationalsozialismus lautete: Jedem das seine! Die Deutsche Shakespearegesell- schäft konnte auf ihrer 72. Tagung melden, daß die Zahl ihrer Mitglieder dauernd sinke. Der Frankfurter Goetheverein, eine der ältesten und verdientesten Volksbildungsvereine Deutschlands hat im Herbst seine Tätigkeit einstellen müssen, weil Stadt und Staat keine Sub-> ventionen mehr zahlten. Nunmehr hat auch die Lessing-Hochschule in Berlin, eine der berühmtesten und führenden Volkshochschulen, zusperren müssen, weil man ihr keine Zuschüsse mehr gibt. Wozu auch im Reiche Strei- chers Namen wie Goethe und Lessing eitel nennen?! Daß es auf den wichtigen Gebieten nationalen Lebens trotzdem vorwärts geht, beweisen nicht nur die letzten Beförderungen Görings zum Rohstoff-Diktator und Generalobersten, sondern auch folgende Meldung: Goebbels hat sich in der Jnselstraße auf Schwanenwerder eine Billa für 6 8 8.0 0 0 Markgekauft und bar bezahlt. Auch das Nebenhaus hat er erworben und einem Gestapo- Ehepaar zu seinem besonderen Schutz unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Außerdem haben beide Villen und das in der Jnselstrahe bestehende Wassersturm-Heim der SA besondere Wachen zum Schutze des Propaganda-Ministers erhalten. Die Villa des Herrn Goebbels wird vollkommen neu hergerichtet. Täglich bringen Lastwagen kostbare Möbel, die Wände werden mit Seide bezogen. Gleichzeitig hat Goebbels von dem früheren Besitzer der Billa eine Diesel- mo^or-Dacht für 30.000 Mark gekauft. Goebbels ist mittelloser Leute Kind. Sein Studium ließ er sich von dem— katholischen Albertus Magnus-Verein bezahlen..Wie man sicht, hat er sich unter der Devise„Gemeinnutz geht vor Eigennutz" recht schön heraufgearbeitet und kann sich das ganze Jahr, nicht nur am 1. Mai, des Lebens freuen. Land im Fieber. Montag verbreitete sich in Madrid das Gerücht» daß in einem Krankenhaus im Arbeiterviertel von Cudrocaminos Kinder infolge einer schweren DSdgkfkVklg"nM dein Genuß von ihnen verabreichtem Zuckerwerk erkrankt sind. Eine große Zahl von Arbeitern demonstrierte vor dem Krankenhause, in Welchem die Kinder in ärztlicher Behandlung stehen. Die Garde schritt gegen die Manifestanten ein und suchte die Menge zu zerstreuen. Bei dem Zusammenstoß wurden oinige Schüsse hörbar. Es verbreitete sich die Nachricht, daß aus dem Innern einer nahegelegenen Kirche Schüsse abgegeben wurden. Die Manifestanten unternahmen daraufhin einen An- BArne Zu seinem hundertfünfzigsten Geburtstag Von Hermann Wendel Wenn Treischke, zeternd über„die zerreibende und verhetzende Wirksamkeit des radikalen Judentums" im Vormärz, Ludwig Börne als„Ahnherrn dieser deutsch-jüdischen Zwitter- Literatur" unzweideutig ablehnte, mußte er jedoch einräumen, daß der Vielgeschmähte„ein im Grunde ehrlicher, weicher, warmherziger Mann" sei,„nicht ganz ohne Sinn für die Größe seines Vaterlandes" und„auf seine Weise ein Patriot". In Wahrheit war Börne die Redlichkeit in Per-' son, hing mit heißer Liebe an seinem Volk und Vaterland und übertraf an leidenschaftlichem Patriotismus sämtliche Zeitgenossen, die ihren Buckel vor Fürsten krümmten. Nicht weil er ein Meister des geschliffenen Wortes war, wirkte rr wie kein anderer Schriftsteller auf seine Epoche, sondern weil sein politischer Charakter an Härte, Klarheit und Glanz dem Diamanten glich. In der Frankfurter Judengasse kam er am 6. Mai 1786 auf eine Welt, die für seine Glaubensgenoffen Doller Demütigungen und Unbilden war. Ursprünglich Löw Baruch geheißen, empfand ec am eigenen Leibe den Wechsel zwischen Warm und Kalt in der Behandlung der Juden, da er seine Kindheitsjahre im Ghetto verbrachte, in der napoleonischen Zeit des gleichen Rechts genoß und nach Leipzig und Waterloo den Rückfall in die Rechtlosigkeit erlebte. Daß er d e r g r t'm inst e Widersacher der Herr sch enden Mächte wurde, wollte professorale Weisheit immer wieder mit diesen seine» persönlichen Schicksalen erklären. Wie viel oder wie wenig es damit auf sich hatte, umgrenzte er selbst:„Ja, weil ich als K n e ch t geboren, darum liebe ich die Freiheit mehr als ihr. Ja, weil ich die Sklaverei gelernt, darum verstehe ich die Freiheit besser als ihr. Ja, weil ich keinem Vaterlande geboren, darum wünsche ich ein Vaterland heißer als ihr, und weil mein Geburtsort nicht größer war als die Judengaffe, und hinter dem verschlossenen Tore das Ausland für Fisch Rom statt nach Addis Abeba! Der französische Flieger Drouillet war vom Flugplatz Paris trotz eines Verbotes gestartet, um den Negus mit seiner Maschine zu retten. Durch Störung in der Oelzufuhr wurde er zu einer Notlandung in. Italien gezwungen, wo seine Maschine beschlagnahmt und er selbst interniert wurde. Unser Bild zeigt ihn hier in Rom auf der Piazza di San Pietro, wo er getonfilmt und interviewt wurde. griff gegen die Kirche und steckten sie in Brand. Es wurden aber nur die Kirchentüren verbrannt. Bei dem Zusammenstoß wurden vier Personen verletzt. Die Polizei stellte die Ordnung wieder her. Britisches Flugzeug abgestürzt. Unweit von Rovan(Aegypten) ist ein britisches Militärflugzeug abgestürzt, wobei der Pilot und ein Passagier getötet und ein anderer Passagier verletzt wurden. Auto vom Zug.gerammt. Bei der Bahnübersetzung Neudruck—Gemeinde Neustift b. Scheibbs rammte Sonntag morgens ein Triebwagenzug der Bundesbahn ein Linzer Personenauto und schleuderte es ungefähr 20 Schritte weit. Das Automobil würde vollkommen zertrümmert. Während der Chauffeur mit leichten Verletzungen davonkam, wurden drei in dem Wagen befindliche Frauen aus Linz getötet. Die Ursache des Unglücks dürfte auf die Unvorsichtigkeit des Chauffeurs zurückzuführen sein. Der Löffel im Knopfloch. Deutsche Zei- tungsmeldung:,„Die Bevölkerung- der- Braunschweig wird gemeinsam, Eintopf essen. Tie Ortsgruppen der Partei werden sich an besonderem Sammelpunkte zusammenfinden und unter Vorantritt von Musikkapellen zu den Kasernen der Stadt marschieren, in denen Soldaten das Esten in den Kantinen verabreichen. Teller und Löffel muß sich jeder Teilnehmer mitbringen. Es wird aufgefovdert, den Löffel beim Ummarsch in das Knopfloch zu stecken." Charlie Chaplin über Fernsehen«nd Film. Die Meinung Chaplins über das Thema: Television und Film dürfte gewiß nicht uninteressant sein. Einem Journalisten gelang es, Heu berühmten Charlie darüber auszufragen. Vor allem stand die Frage im Vordergrund, ob die Television dem Kino schaden würde. Chaplin meinte hierauf, daß das nicht der Fall sein würde. Es wäre eine bekannte und feststehende Tatsache, daß die Menschen diejenigen Darbietungen besonders schätzen, die sie in Gesellschaft vieler anderer genießen können. Und dafür biete die -Television, die sozusagen eine„individuelle" Borstellung darstelle, keinen Ersatz. Deshalb würden sich doch wie vorher die Menschen in den Kinos drängen. Erfolg der Wohlfahrtsbriefmarken. Von den vier Millionen Wohlfahrtsbriefmarken für das Kind wurden binnen drei Wochett den Postämtern 2,760.000 Stück zugeteilt, also mehr als zwei Drittel. Dies beweist, daß diese Emission in der Oeffentlichkeit das erwünschte Interesse erweckte. Nur die 2 Xä-Wohlfahrtsbriefmarken mit einem Zuschlag von 50 Hellern werden verhältnismäßig wenig gekauft. Ungeschützter Bahnübergang: Montag.stütz stieß ‘stn* Lastqusil oe^^PraAr^söäiida-Theq^rs auf einen ungeschützten Uebergang auf der Strecke Holice- Borohrqdek mit einem Motorzug zusammen. Der Wagen wurde zertrümmert, der Chauffeur und ein neben ihm sitzender Arbeiter kamen mit unbedeutenden Hautabschürfungen davon. Telephon-Propaganda. Die Postverwaltung veranstaltet unter Mitarbeit des Verbandes zur Förderung des Telephons in der Republik in der Zeit Gesetz der Serie Ein zweites Auto-Unslück bei Röhrsdorf Samstag früh kam es auf der Straße zwischen Reuhütte und Röhrsdorf neuerlich zu einem schweren Autounglück. Das Lastauto des Reichen- bergers Rudolf K o z a k, das Reichenberger Marktfieranten zum Kreuzbergfest in St. Georgenthal bringen sollte, kam, als es den Tamme- berg hinauffuhr, infolge Versagens der Schaltung ins Rückwärtsrollen. Da auch die Bremsen ihren Dienst versagten, mußte der Fahrer den Wagen in den Straßengraben lenken, wobei die ausgr- ladenen Kisten herunterfielen«nd die im Wagen fitzenden Personen mitriffen. Sieben Personen, und zwar das Ehepaar Peier, Marie Müller, Anna Paul, Grete Fleischmann, Adele Scholz und Friedrich Kern, wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Lorbeikommende Autos brachten die Schwerverletzten nach Reichenberg. vom 27. April, bis 9. Mai l. I. eine Propaganda- Aktion.^Jn dieser Zeit werden in einigen Orten bei Errichtung von Telephonstationen nur 50 Prozent an Baugebühren eingehoben. In berücksichtigungswürdigen Fällen kann die Bezahlung dieser verringerten Gebühren auch in Raten bewilligt werden. Nähere Auskünfte, erteilt das Postamt jenes Ortes, für welchen diese Aktion gilt. Das Wetter. Mit dem östlichen Wind ist Montag über die böhmischen Länder wieder eine Erwärmung vorgedrungen. In den Niederungen wurden nachmittags rund 18 bis 20 Grad verzeichnet. Trotzdem traten an vielen Orten Regenschauer, in den böhmischen Ländern in Begleitung von schwachen Gewittern auf. Eine Kältewelle, die sich über Nordrußland entwickelt hat, dürfte zunächst Biitteleuropa nicht erreichen, da ihr Vorrücken ziemlich langsam ist.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Andauern des bisherigen Witterungscharakters. Wechselnd bewölkt, nur verschiedentlich Neigung zu Schauern oder Gewittern, mäßig warm, östlicher Wind. Vom Rundfunk tavtaMmwvtu aus 4aa SrsarMMMi Mittwoch Prag, Sender L.: 7.00 Morgenniusik. 10.05: Deutsche Preffe. 10.15: Deutscher Schulrundfunk für niedere Stufen. 12.10: Schallplattenkonzert. 16.55: Theater für die Jugend. 18.10: Deutsch» Sendung: ,Dr. Woucha:, Peue. Bücher, 18.20:^. Arbeiterfunk. Ernst Paul: Die Tschechoslowakei, das Land der Dörfer. 18.40: Sozialinformationen. 18 45: Deutsche Presse. 20.25:.Lieder und Arien.— Sender<5.: 7.30: Salonorchesterkow. rt. 14.15: Deutsche Sendung: Kinderstunde: Rübezahl will sich modernisieren. 14.50: Deutsche Preffe. 18.00: Tanzmusik. 19.10: Liederkonzert.— Brünn: 11.00: Salonguartett. 12.35: Mittagskonzert. 17.40: Deutsche Sendung. Konzertstunde. 21.35: Liederkonzert.— Preßburg: 15.00: Nachmittagskonzert.— Kascha«: 16.10: Rundfunkorchesterkonzert.-— Mähr.-Ostrau: 18.00: Volkslieder. 21.00: Opernstunde. mich begann, genügt mir auch dir Stadt nicht wehr zum Vaterlande, nicht mehr ein Landgeüiet, nicht mehr eine Provinz; nur das ganze große Vaterland genügt mir, soweit seine Sprache reicht." Aber nicht als unterdrückter Jude, alsun- terdrückterDeutscher rief er sein Wehe über die Schmach des vormärzlichen Deutschland. Schon vor der Juli-Revolution lenkte er mehr als einmal den Fuß nach Frankreich und nach 1830 wurde er ganz in Paris seßhaft, weil er nur hier freie Luft atmen konnte. Die Franzosen behagten ihm als ein Volk,.das es unternommen hatte, sich in zwei großen Revolutionen sein Schiasal selbst zu schmieden,, und nichts ersehnte er heißer, als die Veständigung der beiden Nachbarvölker rechts und links des Rheins, von deren Einigkeit Glück und Freiheit Europas abhing, aber unbeirrbar wies die Magnetnadel seines Wesens und Wirkens nach Deutschland. Was alles er an Hartem den Deutschen sagte, entfloß lediglich sauer gewordener Liebe. Ja, er liebte Deutschland, und nun sah er diese Deutschen vor sich, eni großes und gescheites, ein tüchtiges und tapferes Volk, schöpferisch und zukunstweisend in vielem, aber politisch unmündiger als ein kleines Kind, gehudelt Und gebüttelt von schäbigen Machthabern und ohne den Nerv, sich gegen solche schmähliche Zwingherrschast aufzulehnen. Nicht müde ward er da, sich zu entsetzen über„diesen Lakaiencharakter der Deutschen^, diese Deutschen vor sich, ein großes und gescheites, über ihre freiwillige Unterwürfigkeit. Niedergehalten von fremden oder einheimischen Despoten waren auch andere Völker:„Die Spanier, Italiener, Russen und andere sind Sklaven; die Völker deutscher Zunge sind Bediente. Aber Sklaverei macht nur unglücklich, entwürdigt nicht, doch Dienstbarkeit erniedrigt. Ob er nun Theaterkritiken in seiner Vaterstadt schrieb, ob er in der Heimat als Herausgeber der„Wage" und der „Zeitschwingen" s zu wirken suchte, ob er auf französischer Erde in den„BriefenausPa- r.i s" sein Wesentlichstes gab, ohne Unterlaß schrie B ö.r n e dem auf der Ofenbank dösenden deutschen Michel sein helles:„Wach auf!" in die Ohren. Wie er all seine Kraft in Grimm und jZorn, in Hohn und Spott, in Klage und Anklage verströmte, galt, alles dem einen Ziel: Freiheit! Freiheit, die„das unersetzliche Nahrungsmittel der Völker war, für die Deutschen! Freiheit für Europa! Freiheit für die Welt!". In einer Zeit, die mit dec Lehre Hegels den Staat zu einem menschenfrefsenden Götzen machte, ging der Freiheitsbegriff Börnes unverzagt vom Menschen aus. Daß die Menschheit um der Menschen willen da sei, erklärte er klipp und klar:„Den Individualitäten die möglichst größte Freiheit der Entwicklung zu verschaffen, ohne daß sie sich wechselseitig hindern, das, ist die Bestimmung der bürgerlichen Gesellschaft". Die Regierung war ihm darum nur etwas Negatives— „sie hat dem Volke nicht den rechten Weg zu zeigen, sondern dasselbe nur vom falschen abzulenken"— und der Staat selbst, gleichviel ob es sich um eine Monarchie oder eine Republik handelte, schien ihm verdächtig als„das Bett des Prokru- stes, worin man den Menschen ausreckt oder verstümmelt". Dieser unbedingte Liberalismus, der ganz bewußt auf der Anarchie, der Herrschaftslosigkeit, fußte, betrachtete auch die Freiheit im Grunde als etwas Negatives, als Abwesenheit von Unfreiheit, und entbehrte darum der rechten Perspektive in die Zukunft. Sicher sah Börne über die breite Maffe nicht hochmütig hinweg und desto weniger, je mehr er zu der Ueberzeugung gelangte, daß bei der Verrottetbeit der deutschen Zustände gegen Gewalt nur Gewalt helfe; er raffte sich zu dem herzhaften Bekenntnis auf:„Ich finde wahre menschliche Bildung nur'im Pöbel, und den wahren Pöbel nur in den Gebildeten." Auch mußte ihn die Gärung in Frankreich mit der Nase auf die soziale Frage stoßen, so daß ihn 1832 der Weberaufstand in^Lvon zu der Feststellung brachte:„Der Krieg der Armen gegen die Reichen hat begonnen", und zu der Erkenntnis zwang,„daß man nicht gegen die Armen, sondern gegen die Armut zu Felde ziehen müsse." Richt minder empörte er sich dagegen, daß das Wahlrecht an den Besitz gebunden war:„Die reichen Leute machen allein die Gesetze, sie allein verteilen die Auflagen, davon sie den größten und schwersten Teil den Armen aufbiirden." Aber die Saint-Simonisten, die sozialistische Saat in die Furchen der alten Gesellschaft streuten, zogen ihn nicht übermäßig an. Aus Zeitmangel las er weder ihr Blatt, den„Globe", noch besuchte er ihre Versammlungen, und beschäftigte er sich doch einmal mit ihrer Lehre, ließ ihn gerade das unbefriedigt, was sozialistisch daran war. Dafür begrüßte und übersetzte er„Die Worte des Glaubens", mit denen Lamennais 1834 in den Tönen der Apokalypse das Ende einer Welt des Eigennutzes und Ungerechtigkeit imd die Verschmelzung der Völker in eine Nation, in eine große Dkenschheitsfamilie verkündete. Daß sich aber Börne, unbehelligt durch nationalökonomische und philosophische Probleme, ganz auf den einen, den politischen Punkt, die Erringung der Freiheit, konzentrierte, machte seine Stärke aus. Seine gewollte oder notgedrungene „Einseitigkeit" trug Früchte, denn wie bedenkenlos opferte er sich und alles Seine der Sache, die er erkoren hatte! Er war kränklich und verzehrte sich in der Glut seiner Idee; er verachtete billigeren Lorbeer, der ihm winkte;„ich habe", durfte er sagen,„nie für meinen Ruhm, ich habe für meinen Glauben geschrieben", und bis zum letzten Atemzug loollte er nichts anderes sein als ein unverdrossener Kämpfer„für das geschändete Recht und die mißhandelte Freiheit aller Menschen". Es war sfttliche, es war antike Größe in seinem Charakter. Darum neigten sich, als er am 12. Februar 1837 gestorben war, die freiesten und besten Geister nicht nur seiner Generation vor ihm; auf dem Emigrantengrab des Pariser Friedhofs Pere-Lachaise schichteten die Ludwig Pfau, die Dingelstedt, die Hoffmann von Fallersleben ihre lyrischen Kränze und Friedrich von Sollet grüßte ihn als einen Rittersmann ohne Furcht und Tadel: Dein Roß war nur von Leder, Doch bügelfest dein Sitz, Tein Schwert nur eine Feder, Doch traf sie wie der Blitz. Aber auch der junge Friedrich Engels bekannte sich unumwunden zu ihm, er sprach von der„direkten und indirekten Wirkung Börnes" auf den linken Flügel der Hegelianer, ass dem der wissenschafüiche Sozialismus hervorgehen sollte; für ihn war der Verfasser der„Briefe aus Paris" der einzige Mann im Deutschland seiner Zeit, nichts weniger als ,,d e r B a n n e r t r gec deutscher Freiheit". Nr. 105 Dienstag, 5. Mai 1936 Seite 5 »er größte Kolonialkrieg der Gcsdiiüitc in den ver- entfallen: Volkswirtschaft und Sozialpalitilt I Wohnungen im Industriegebiete beschäftigt, hat vorzügliche Typcnlösungen für Groß- und Siedlungshäuser sowie Arbeitslosensiedlungsanlagen zur Verfügung, die den interessierten Gemeinden und Projektanten ihre Arbeit sehr erleichtern können. Bei diesem Vergleich muß berücksichtigt werden, daß er nach dem anMchen Material der Arbeitslosenzählung angestellt wurde, die nach recht unterschiedlichen Methoden vorgenommen Wind. Die Tendenz, nach der in den Goldblyck- ländern die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren noch verstärkt worden ist, während sie in der Mehrzahl der anderen, ohne Irland, Norwegen, Polen und die Tschechoslowakei, zurückging, dürfte jedoch richtig zum Ausdruck kommen. Betens Fragebogen Der quf dem Gebiete der auswärtigen Politik, gewöhnlich gut informierte Pariser «Oeuvre" behauptet, daß der ursprüngliche Entwurf des Fragebogens, den die englische Regierung an Hitler senden soll, bedeutende Aende- rungen erfahren hat, die, wie das Blatt bemerkt, für Paris keineswegs angenehm seien. Die britische Regierung sei fest entschlossen, die nächste Session des Völkerbundes, die am 11. Mai be- Problem darstellte. Die Tonnage der italienischen Handelsflotte vermehrte sich in den letzten zwölf Jahren um bloß rund 16 Prozent auf 3.2 Millionen Tonnen, an Dampf- und Motorschiffen aber relativ stärker als andere Flotten. An Handelsschiffen über 15.000 Tonnen und über 18 Knoten Geschwindigkeit besitzt heute Italien 35 Prozent des Weltbestandes, trotzdem sein Anteil an der gesamten Dampf- und Motorflotte der Welt nur 4.5 Prozent beträgt. Italien besitzt eine der modern st enHande l s flotten der Welt, man hat dort in den letzten Jahren rund die Hälfte der Tonnage abgewrackt und durch Neubauten ersetzt. Die Marineverwaltung hatte für den Transport nach Ostafrika bis Ende Feber 1936 166 Schiffe mit einer Gcsamttonnage von rund 900.000 Tonnen eingestellt. Bedeutende Schwierigkeiten hat beim, Transport die Enge des Hafens von Massaua in Eritrea bereitet. Mitte 1934 hat die Ausladekapazität dort bloß 30 Tonnen pro Tag betragen, wobei die Ausdehnung der Kais die gleichzeitige Löschung von höchstens vier mittleren Dampfern erlaubte. Heute sind die Ausladeverhältnifle infolge des vorgenommenen Hafenumbaues viel besser, aber auch heute noch müssen die Truppen auf den Dampffchiffen in Massaua ein bis zwei Tage zur Ausladung warten, in Mogadischo(Somali) sogar zehn Tage, also immer noch ziemlich lange Wartefristen im tropischen Klima. Ueber die Anzahl der nach Afrika transportierten Flugzeuge stehen keine Daten zur Verfügung. Der Transport mußte durchweg mit Schiffen erfolgen, da eine Ueberfliegung Aegyptens unstatthaft war. In Eritrea sind 25, in Somaliland 54 Flugplätze errichtet worden. In der Zeit vom 3. bis 5. März sind 637 Bombardierungsflüge mit insgesamt 6477 Flugstunden unternommen worden, bei denen.üher eine Million Kilogramm Bomben abgeworfen wurden. 155.000 Schuß wurden mit Maschinengewehren aus Flugzeugen abgefeuert, vorgeschobenen Posten wurden mit 178 Apparaten 46.580 Kilogramm Lebensmittel und Materialien zugeworfen. Die Wohnungsfürsorge für Arme und Arbeitslose im Baubewegungs* gesetz vom 26. März 1936 Von Jng. Hugo Reumann, Teplitz-Schönau Die Arbeitslosigkeit und das Wohnungselend in unseren Notstands-Industriegebieten ist andauernd sehr groß, die Privatbautätigkeit ruht besonders in den Jndustrielandgemeinden vollständig. Ohne staatliche Förderung ist eine Besserung nicht zu erwarten. Tas*neue Bauförderungsgeseh bietet nun den Gemeinden im Hauptstück V ganz besondere Vorteile zur Schaffung von Kleinstwohnungen mit niedrigsten Mietzinsen. Es ist Pflicht besonders der Gemeinden in den Notstandsgebieten, die Vorteile dieser Gesetzes ernstlich zu studieren und davon den weitgehendsten Gebrauch zu machen, im anderen Falle unbedingt dem Fürsorgeministerium bekannt zu geben, welch« Bauabsichten bestehen und dringlich sind, warum aber das Gesetz nicht in Anspruch genommen werden kann. Die Wohnhausbauten für Wohnküchenwohnun- gen, die 24 Quadratmeter Wohnräumfläche mit kleinstem Zubehör haben können, genießen außer den Steuerbegünstigungen folgende Vorteile: Die Gemeinde braucht außer der Beistellung .des Grundes keine eigenen Mittel nachzu- ' weisen, die staatliche Bürgschaft erstreckt sich auf die volle Darlehens summe. Die Gemeinde braucht zur Verzinsung und Tilgung des Darlehens nur ein .Prozent beizutrogcn, durch den Mietzins sind 2 Prozent aufzubringen, den R e st(2% bis 3%) trägt der S,t a a t bis zum Tilgungizeirpüntt. Die Bau- und Regiekosten erniedrigen sich gegenüber den früheren Wohnungsbauten bedeutend, da die Badegelegenheiten entfallen. Gleichviel sollen die Wohnküchenwohnungen baulich abgeschlossen und das Klosett im Gesperre enthalten sein, also keine der Wohnkultur züwiderlau- send« Zinskaserne alten Stile- werden. Ter Mietzins einer solchen einwandfreien Wohnküchenwohnung errechnet sich mit 60 Ximonatlich. Dar Gesetz erleichtert den Gemeinden, die nach den früheren Bauförderungsgesetzen Wohnhäuser gebaut baben, ihren derzeit"schlimmen Zustand und ermöglicht den Gemeinden, die noch nichts in der Wohnungsfürsorge getan haben, jetzt ihren Teil zur Milderung des Wohnungselends und der Arbeitslosigkeit beizutragen. Im besonderen müssen die Industrieland- g.emcinden alles daransetzen, daß auch sie einen entsprechenden Anteil der staatlichen Beiträge für den Bau von Wohnhäusern für Arme erhalten. Tenn gerade die Landgemeinden in der Nähe größerer Städte und der Industriezentren haben dir meisten Arbeitslosen und das größte Wohnungselend. Sie dürfen von den Vor- ' teilen der Gesetzes nichr ausgeschlossen bleiben. Sie . müssen sich daher rühren und mit begründeten Eingaben ihre Bauabsichten anmelden(bis Ende Mai). Bei den Planungen von Wohnhäusern für Arme in den durch dar Gesetz und die zu erzielenden^ niedrigen Mietzinse gezogenen Grenzen muß doppelte Mühe darauf verwendet werden, daß ■ nur solche Typen zur Ausführung zugeloffen werden, die auch eine W oh n u ng I k u ltu r zeigen. Eine cinräumige Wohnung darf keinesfalls gegen Norden liegen, sie muß Ouerlüftung haben, damit der Küchendunst rasch entfernt werden kaun, die Schlafstätten(4 bi- 5 vorzusehen) müssen vom Koch- und Wohnraum räumlich getrennt und separat entlüftbar sein, eiye Schlafstelle muß für Krankheitsfälle dem Besucher-uge verdeckt angelegt werden können, der kleine Haußrät, Wirtschaftsgeräie und Hauskleider sollen abseitig untergebracht werden können usw. Im Grundrißplan ist daher die Ein- Zeichnung der Einrichtungsstücke mit genauen Maßen unbedingt erforderlich Es darf nicht auf die Klopf- und Reinigungsgelegenheiten (Betten, Schuhe, Kleider) vergessen werden, Badeoder Duschgelegenheiten werden Wegen des Wasserverbrauches wohl nur gemeinschaftlich angelegt werden können. Wichtig wäre die Anlage von Schcebek- gärten in der Nähe solcher Großhäuser, um die Nachteile der kleinsten einräumigen Wohnungen wenigsten? in der Sommerszeit mildern.zu können. Bei der Planung solcher einräumiger Wohnküchenwohnungen ist noch besonders vorzüsehen, daß ein« spätere Erweiterung auf mehr- r ä u m i g e Wohnungen ohne kostspielige Umbauten jederzeit möglich ist. Denn die«inräsimige Wohnung ist und bleibt nur ein Notbehelf für die Krisenzeit, die vergehen wsrd. Gemeinden, die über größeren Grundbesitz verfügen, sollen das Vl. Hauptstück des Gesetzes«Unterstützung für Ansiedlung Arbeitsloser" besonders studieren. Auch für SiedlerhäuSchen bis 40 Quadratmeter Wohnfläche und mit Grund von' 500' bis 2000 Quadratmeter wird ein Staatsbeitrag uyd die staatlich« Bürgschaft gewährt. Diese Baufördexyng hat den Vorzug,, daß sich der ArbeitSlofe oder Kurzarbeiter seine Nahrungsversorgung durch, seine brachliegende Arbeitskraft, seihst""erleichtern kann und die Gesund hei tderFamili« bedeutend gebessert werden wird- Die Siedlertzestrebun- gen, die bei uns noch in den Kinderschuhen stecken, Knuten durch diese staatliche Unterstützung besonders in den Notstandsgebieten einen starken Anreiz bekommen. Es wird den Gemeinden dringend anS Hertz ge- legt, nicht leichthin über das Gesetz tzür Tägesord-( nung überzugehen, wenn Schwierigkeiten vorhanden< sind. Dir W ohnungSfürsorgepflichi für: Arme wird bei der Gemeinde nicht verschwinden, sie muß zu Ende gedacht werden. Wenn der Stagt Mittel hiefür beistellt, dann muß Weitere Baustoff-Prciskommiffioncn. Zur Prüfung her Preise wird die Ernennung von je einer Kommission für Tafelglas und Heizkörper voübereitet. Erneuerung des Schiffparks. Zur Erneuerung des Schiffparks der Elbe-Schiffahrts- gesellschaft wurde der Bau von sieben Schleppkähnen in Auftrag gegeben.. Hitler bereitet einen neuen Justizmord vorl (P. G.) Hundertfacher Justizmord wird täglich in Deutschland verübt. Geradezu ein Schulbeispiel für die Methoden der Hitlerjustiz ist die Borgrschichte des Prozesses, der am 4. Mai in Hamburg gegen Edgar Andree begonnen hat. Der Angeklagte, der früher kommunistischer Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft gewesen ist und in der kommunistischen Bewegung Hamburgs eine große Rolle gespielt hat, sttzt seit drei Jahren in Untersuchungshast, aber der Tatbestand, auf den sich die Anklage stützen will, hat schon im Jahre 1931 stattgrfunden. Damals wurde anläßlich der Abwehr eines faschistischen Ueberfalles auf Hamburger Arbeiter ein SA-Mau» getötet. Die Anklage gegen Andree lautet auf Hochverrat und intellektuelle Urheberschaft bei Zusammenstößen. Dir Art der Aufmachung de» Prozesses, der sich durch lange Zeit hindurch ziehen soll, heutet darauf hin, daß die Hjtlrrschergrn wieder einmal ein Todesurteil planen. Wie barbarisch die Rachepläne der Nazi sind, ergibt sich schon aus der Tatsache, daß Andree nur durch einen Zufall vor fünf Jahren der Ermordung durch die Nazi entging. Damals, am 15. März 1931, erschossen die Nazi„aus Versehen" Mit dem Rufe ,,D« bist Andree, Du mußt sterben" den kommunistischen Bürgerschaftsabgeordneten Ernst Hennig. Zivilisierte Menschen würden annehmen, daß schon allein dieser tragische Vorfall die Nazi veranlassen sollte, dir Hamburger Ereignisse von 1931 der Vergessenheit anheimzugrben. Wer AehnlicheS von RaziS erwartet, kennt sie schlecht. Als sie vor drei Jahren Edgar Andree verhafteten, wurde er bestialischen Foltern bei den„Verhören" ausgesetzt. Monateläng mußte er in einem Wasserbett liegen, da seine Haut nicht zuheilen wollte. Daß er trotz plledem seine Ueberzeugung bewahrt hat,, zeigt folgender Vorfall, der aus seinem Gefängnisgebäude erzählt wird. Er erfuhr von einem Verräter in den Reihen der Arbeiterklasse und fürchtete, daß andere Antifaschisten auf dessen Provokationen hinrinfallcn könnten. Er riß sein Zellenfenster auf und schrie mit weithin schallender Stimme:„Achtung, Achtung, hier spricht Andree, Willi Kaiser ist Polizeispitzel! Warnt alle Arbeiter vor diesem Subjekts getrachtet werden, sie den Notleidenden dienstbar zu machen— die Arbeit hiefür darf nicht gescheut werden. Anmerkung. Der Verfasser, der sich seit Jahren mit der Lösung des Problems der Elends-1 fuhr, und gesteigerter Produktion, und Distribution am inneren Markt Hand in Hand geht." Mit diesen Bemerkungen ist die Begrenztheit des Einflusses des Währungssystems auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit schon abgesteckt. Es wäre, auch falsch, anzunehmen, daß die Währung für den Umfang der Massenarbeitslosigkeit in einem Lande der entscheidende Faktor sei. Wir geben aus dieser Arbeit die nachstehende Uebersicht wieder, die zeigt, wieviel Arbeitslose auf je 1000 Einwohner schiedeNen Staaten ginnen wird, ausschließlich mit Italien und dem abessinischenKonflikt zu beschäftigen. Wenn man an Deutschland allzu präzise Fraaen richten würde, so könne mit Sicherheit erwartet werden, daß Berlin darauf nicht im Sinne der europäischen«Sicherheit" reagieren werde. Das könne jedoch dazu führen, daß der italienisch- abessinische Konflikt, angesichts der deutschen Drohung, ganz in den Hintergrund treten und vielleicht sogar eine Lösung finde, die den Interessen Englands nicht entspräche. Zuerst sei der Fragebogen, unter hem Einfluß von F l a n d i n, sehr genau und präzise formuliert worden. Dieser Entwurf sei aber in dem britischen Kabinett einer scharfen Opposition begegnet. Man sei vor allem gegipr eine allzu scharfe Fassung solcher„wenig aktuellen" Fragen gewesen, wie M e m e l, D a n- z i g, O e st e r r e i ch. Im Ergebnis der Beratungen im Kabinett habe sich der Entwurf aus einem scharf formulierten Fragebogen in eine ziemlich dunkelgehal teneDenkschrift verwandelt, die, falls sie überreicht werde, lediglich die Anfrage an den«Führer" enthalte, was seine nächsten Absichten seien. England wolle, bemerkt zum Schluß das Pariser Blatt, offenbar den 11. Mai abwarten, um zu sehen, wie sich Frankreich in der italienischen Frage halten werde. Arbeitslosigkeit und Währungsystem In der„Sozialen Revue"(Heft 3) wird der interessante Versuch unternommen, die Entwicklung der europäischen Arbeitslosigkeit und ihre Beeinflussung durch das Währungssystem aufzu- zeigen./Dcr Verfasser, Dr. Josef N a ch a n k i s, bemerkt selbst, daß das vergleichende Studium der Entwicklung der Avbeitslosigkeit in den eiyzelnen Ländern nach der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Währungssystem sehr schwierig und nur unter gewissen Vorbehalten und Voraussetzungen durchführbar ist. Er gelangt zu der Feststellung, daß in den Ländern des Sterlinblocks und in Ländern mit gebundener Devssenwirtschast die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im ganzen seit 1933 wieder rückgängig war, während sie in den Ländern mit einwechselbarer Goldwährung weiter aufwärts ging. „In den Ländern mit gebundener Devisenwirtschaft", so heißt es bei der Bewertung der Er- gebnisie der Analyse,„ist die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nicht so ungünstig wie in den Län dern mjt reiner, einwechselbarer Goldwährung. Die Arbeitslosigkeit nimmt in den Ländern mit entwerteter Wcchrung hauptsächlich dort ab, wo die Währungspolitik mit einer Politik billiger Kredite, zweckmäßiger Investitionen, nicht nur steigender Ausfuhr, sondern auch steigender Ein-- denfälichuna. ßencktsLaat Gefälschte Postsparkassabücher Prag. Vor einigen Tagen haben wir über den Kriminalprozeß einer ehemaligen Rechtshörerin berichtet, die in raffiniertester Weise dys von ihr gestohlene Postsparkassabuch einer Kollegin zu verwerten verstand. Diese gescheiterte Studentin brachte es fertig, die Aufhetzung der nach dem Diebstahl. verhängten Sperre des Sparbuches durchzusetzen, indem sie den Beamten der Postsparkasia sinter Vorlage einer gefälschten Vollmacht der Verlustträgerin vorspiegelt«, sie komme in deren Auftrag. Dann plünderte sie nicht nur die Einlage, sondern es glückte ihr bei einem Postamt, eine unvorsichtig zur Seite gelegte Stämpiglie zu erwischen, mit deren Hslfe sie sich eine neue hohe Einlage in dem Sparbuch'fabrizierte, die sie dann schnell bei anderen Postämtern behob. Diese Affäre bedeutet natürlich einen ganz extremen Fall, wie er nur vereinzelt zur Ausführung kommt. Tatsache ist aber, daß das Postsparkassabuch gls Fälschungs- und BetrugSobjekt nur allzuhäufig mißbraucht wird, wovomdie Leitung der Postsparkasia ein Lied zu singen weiß. Ob der 82jälirige Alois K o i l a. der wieder einmal des Betruges angeklagt war, tatsächlich die ihm von der Anklage zur Last gelegten siebenPostsparkassabsichfäl- s ch u n g e n begangen hat, kann noch nicht gesagt Werden, da die Verhandlung kurz nach ihrer Eröffnung wieder vertagt werden mußte. Typisch für solche Fälschungen ist aber jedenfalls die Art und Weise der Betrügereien, wie sie die Anklage dem Angeklagten zur Last legt. Nach der Anklage hat Koila nämlich unter verschiedenen Namen siebenmal je fünf Kronen als Anfangseinlage geopfert und sich auf diesen Betrag. sieben Sparbücher ausstellen lassen. Da solche Sparbücher zwar bei jedem Postamt durch Erlegung der ersten Einlage(mindestens 5 X£) begründet werden können, aber von der Postsparkasse nur zu eigenen Händen des Empfängers als rekommandierte Sendung zugestellt werden, muß in diesem Fall der Beschuldigte wohl Komplicen gehabt baben. Doch abaesehen von den Komplikationen dieses Falles— die Methode solcher Sparbuchschwindler ist stets die gleiche. Sie melden bei einem beliebigen Postamt ein Sparbuch an und erlegen die Mindesteinlage von 5 Xi. Und aus diesen 6 Xi machen die Fälscher dann in ihrem Sparbuch drei- oder vierstellige Beträge und heben bei verschiedenen Postämtern pro Tag 300 Xc ab(das Maximum der direkten Auszahlung). Da sie mit Sicherheit damit rechnen können, daß drei bis vier Tage vergehen, ehe die Fälschung bei der Zentrale entdeckt und die Sperrung des gefälschten Sparbuches an sämtliche Postämter bekanntgegeben wird, kann der Täter in der Zwischenzeit mindestens seine 900 bis 1100 Xc ziemlich risikolos einheimsen. Die Postsparkasia scheint als Gegenmaßnahme vor allem scharfe Legitimationsvorschriften für die Empfänger der rekomme tz iert zugeschickten Sparbücher festgesetzt zu. haben. Im Falle seiner Entdeckung— und mit dieser enden regelmäßig solch' Schwindeleien— hat der Täter freilich eine Straf« zu gewärtigen, die ryit der Beute in keinem Einklang steht. Denn. in solchen Fällen belastet ihn noch die Qualifikation der Urkun- rb. Italien kann sich immerhin rühmen, wohl den größten Kolonialkrieg zu führen, den die Geschichte kennt. Indien ist im achtzehnten Jahrhundert durch unbedeutende Truppenabteilungen erobert worden, die in ihrer Gesamtheit jeweilig drei bis vier moderne Divisionen nicht überstiegen haben. Am Ende des Burenkrieges, der drei-Jahre dauerte, haben die Engländer in Südafrika allerdings etwa vierhunderttausend Soldaten, einschließlich der Dominienkontingente, zusammengezogen, aber es handelte sich um diese Zeit' um keine Kriegsoperationen mehr, sondern um die Besetzung des Landes. Italien hat aber bereits nach vier Monaten Kriegsführung, zum i. Feber 1936, 360.090 Mann nach Ostafrika hinübergeworfen, einschließlich der Arbeiter, aber ohne die Eingeborenentruppen. Die amtlichen Zahlen, die nun vorliegen, vermögen einen Begriff von denk Krastauflvand zu geben, den das faschistische Italien bis jetzt im Krieg entwickelt hat. Man kann schätzen, daß der abessinische Feldzug heute-von Italien an direkten Ko st en misidestens 35 bis 40 Millionen Lire tägsslich fordert, was im Monat etwa 1 bis 1.2 Milliarden Lire ausmacht. Das Heer hat nach Abessinien sieben Infanteriedivisionen entsandt, dazu kommen eine Alpinedivision, sechs Schwarzhemdendivisionen und 27 Bataillone Spezialtruppen, die außerhalb der Divisionen stehen; außerdem Abteilungen von Pionieren, Karabiniers, Kavallerie und Artillerie, medizinisches und Veterinärpersonal. Das Heereskommissariat hat 215 Backöfen errichtet, es hat 16 Millionen Meter Khakizeltbahn und 19 Millionen Meter Leinwand verbraucht. Bis 1. Feber 1936 sind von den Pionieren 1892 Kilometer Telephonlei- tungen gelegt mit 1053 Zentralen und 5501 Anschlüssen. 1081 Radiostationen stehen den Truppen zur Verfügung, 11.000 Behälter für Wasser oder Brennstoff wurden errichtet, 87.000 Pferde und Maulesel,• 13.500 Motorfahrzeuge, 11.500 Maschinengewehre, 450.000 Gewehre, 800 Kanonen, 300 Kampfwagen wurn den nach Ostafrika geschickt. Man kann verstehen, daß der Transport ein besonders schwieriges Tterlingblock 1929 1932 1935 Großbritannien 24,9 56,9 36,1 Irland 6,9 20,8 39,6 tz Dänemark 12,6 35,5 25,3 . Finnland 1.1 4,7 1,9 Norwegen 6,8 11,6 12,1 Schweden 5,3 14,8 10,8 Goldblock ' Frankreich 0,2 7,3 11,1 Schweiz 2,0 13,1 19,0 Holland 2,9 18,3 20,5 Länder mit gebundener Devisenwirtschaft Deutschland 29,4 84,3 32,4 Italien 7,3 24,4 17,7. Oesterreich 28,4 55,9 51,1 Ungarn 1.7 7,4 5,8 Polen 4,0 8,0 11,4 Tschechoslowakei 2,8 36,9 45,6 Seite 6 9 )ümst und Wlasen 3*28 der Derlanoüf überall Dolhsziinder! Landsmann. seit eint sehr Wohnung in Prag II. anfgefunden. Er mit Leuchtgas vergiftet. Motiv: materielle vor dem ...■ jk. Die Fra« im Offside. Von einer Liebenden, die Lpfer bringt, erzählt dieser Hollywood-Film, in dessen Mittelpunkt die Schauspielerin Joan Craw- f o r d lieht, von der man seit langem schon den Eindruck hat, daß ihr natürliches Talent durch Srar- Rollen verdorben wird, in denen sie sich— wie hier —- allzu interessant und allzu dramatisch geben must. Dieser Gesellschaftsroman, in dem es mondän und erotisch, rührselig und moralisch zugeht, nimmt ibr die Möglichkeit, natürlich und munter zu sein, und zwingt sie zu gefährlichen Garbo- und Dietrich- Kopien. Da der ganze Film(unter der Regie von Clarence Brown) eine Kopie erfolgreicher, weun auch nicht immer wertvoller Vorbilder ist, ruft er zwar Reminiszenzen, aber keine Wirkungen wach. —eis— Opernbudget des ,L)efizittheaters" größere Summen zu wagen und wenn man auch zugeben muß, daß der Besuch zu einem solchen Wagnis kaum ermuntern konnte, so wäre für späterhin eine so arge Vernachlässigung der Oper doch kaum tragbar. Die wenigen Aufführungen— das muß anerkannt werden— erwiesen ebenfalls das ehrliche künstlerische Streben; sie erreichten Erfolge, die umso beachtenswerter sind, als ja di- tragenden Partien von Mitgliedern der Operette gesungen wurden. Das war natürlich nur möglich, weil eben die führenden Operettenkräfte von der Oper kamen! Am 2. Mai wurde die vom Stadtrate bewilligte Nachspielzeit eröffnet, die von einer unter Leitung Direktor H u r r l e s stehenden Arbeitsgemeinschaft bestritten werden wird— solange, als sie sich als wirtschaftlich tragbar erweist. Man wird sich auf das Schauspiel beschränken und dabei naturgemäß die leichtere und heitere Spielart bevorzugen. Desicn- ungeachtet sind prominente Gastspiele und auch En- scmblegastspicle vorgesehen. Für die Stadt wäre es zweifellos ein Gewinn, wenn das Theater auch während der Kurzeit geöffnet wäre, um den Badegästen Zerstreuung zu bieten. Von nicht geringer sozialer Bedeutung ist es. daß wenigstens einige der Künstler und Angestellten über ihren sicbcnmonatigc» Vertrag hinaus eine bescheidene Versorgung haben könnten. Ernst T h ö n e r. Mit Ende geschloffen. drcmratisch..... fein zugespitzte Gesellschastskomödie von Frede- ric P o t t e ch c r. Der stürmische Beifall im ausverkauften Hause durfte billigerweise aufgefaßt werden als Ausdruck des Vertrauens, das Direktor Curth Hurrle während der neben Monate seiner Wirksamkeit in allen cheatexfreundlichen Kreisen durch ehrliche und zielbewußte Arbeit gewonnen hat. Wenn man bedenkt, daß Direktor H u r r l e auf ziemlich verwüstetem Boden neu aufbauen mußte, so ist dieser Erfolg erhöht zu schätzen.. 2" Das Schauspiel hatte an dieser Aufbauarbeit den Häuptanteil. Der Spielplan berücksichtigte die verschiedenen Spezies der Wortkunst, war auf Ab- wechslung bedacht und steigerte die künstlerischen Erfolge des wertvollen Ensembles, das Mit beispiellosem Fleiße die Aufgabe bewältigte, ohne Atempause in sechs Tagen regelmäßig eine Premiere auf die Bühn« zu bringen. In der Operette ist als besonderer Gewinn die llebevolle Pflege der älteren Werke zu verzeichnen. Tas Neue kam deswegen nicht zu kurz. In beiden erreichte das besonders in den stinunlichen Oualüären hoch über dem Durchschnitt stehende Ensemble, geführt von erfahrenen Regisseuren, überaus erfreuliche Erfahre. Die Miuuspost in der abgelaufenen Spielzeit war die O p.e r. Wenn es auch begreiflich ist, daß Direktor Hurrle davor zurüflschreckte. an das Dienstag, 3 Mai 19.16. Nr. 105 Zu« Gedächtnis MächaS. Im Nationalmuseum in P r a g wurde Sonntag bormittags unter Beteiligung zahlreicher Gäste hauptsächlich aus wissenschaftlichen und literarischen Kreisen dir Ausstellung „Tas Leben und Werk K. H. Mächas" eröffnet. Die erschienenen Gäste hieß der Direktor der Bücherei des Nationalmuseums, Dr. J. Volf. willkommen. Lysol, Leuchtgas, Jod. Ter 21jährige arbeitslose Tischler Bohumil Svozilik aus Zaböhlitz trank in der Nacht auf gestern auf der Sophien! nsel ein Fläschchen Jodtinktur aus und wurde auf die Klinik Nonnenbruch gebracht.— Die 27jährige Hermine Adamec. Frau eines Kohlenhändlers aus Smichow, wurde gestern auf die Klinik Hynek gebracht. Sie hatte häuslicher Zwistigkeiten wegen in selbstmörderischer Absicht, Lysol getrunken.— Der 40jährige Chauffeur Josef Hryhoröuk wurde gestern früh tot in seiner hatte sich Notlage. Ein Wir sind billig bei erstklassiger Einrichtung, Bedienung und Pflege. Ihre Gesundheit und Erholung wartet auf Sie in BOHDA.NEC Saison vom 2. Mai bis 30. September steckt als nur artistische Formciispielerei, doch die Bilder entstammen einer absonderlichen Vorstellungswelt, in die man dem Künstler eingestandenermaßen nicht zu folgen vermag." ld. Spielplan des Neuen Teutschen Theaters. Dienstag)H8: M o n a L i s a, A 2.— Mittwoch%8: Volksfeind, neu inszeniert, B 1.— Donnerstag halb 8: L iebe nicht g e n ü g e n d, C 2. — Freitag halb 8: Orpheus inderllnter- w e l t, D 2.— Samstag halb 8: G man haben, Erstaufführung, B 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Salzburg ausverkauft. 8 Uhr: Ich und mein kleiner — Donnerstag 8: Salzburg ausverkauf 1, Theatergemeinde des Kulturverbandes uild freier.Verkauf.— Freitag halb 8: Menschen auf der Eisscholle, Erstaufführung.— Samstag 8 Uhr: Menschen auf der Eisscholle. Konfetti. Ein Wiener Film. Ter Zauber einer Faschingsnacht ist seine Handlung und alle, die in den Trubel der Redoure gezogen werden, kommen eia wenig verwirrt und ramponiert in den Aschermittwoch. Jin Mittelpunkt steht die reizende Friedl Szepa, die eine kleine Verkäuferin, ihr Faschings- abemeuer im heimlich geborgten Kleid und ihr« romantische Liebesgeschichte,, die die Nacht überdauert, mit großem Charm spielt. Man merkt ihr auch noch, wenn sie ihren heileren Unsinn plaudert, die Burgtheaterschule wohltuend hn. Um sie kreisen drei bekannte und beliebte Kontiker: Hans Moser, der an allem schuld ist, der auch alles wieder gutmacht und schimpfend und knurrend seine halben Sätze spricht, Leo. Slezak, der in seiner ganzen Fülle dem Modellkleid durch die Sofiensale nach und seiner Frau davonläuft und der in Prag gut bekannte Romanovsln, ein biederer'Bücherwurm, den eilte ernste Angelegelt- heit in den Faschingswirbel verwickelt, aus dem er mit aller Logik nicht mehr herausfindet. Das ganze würzt«in bißchen Musik von Robert Stolz., Em heiteres kleines Spiel um nichts, nicht sehr neu, nicht sehr originell, aber im ganzen ordentlich gemacht, eine Sammlung alter Scherze, ehrwürdiger und er- ,»Sozialdemokrat" Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di Post monatlich Xö 16.—. vierteljährig Xt 48.—. hall jähen XL bst— ganziährig Xe l»2.—Jinerate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.—Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post» und Lele« graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei: jDd)i8“. Truck-, Verlags- und ZettungS-A.-G. Prag. Deutschs sozialdemokratische Frauenorganisation Prag Freitag, den 8. Mai, abends 8 Uhr: Feierstunde der Mutter Einleitung und verbindende Worte: Maria Deutsch. Mitwirkende: Lilli Dörfler, Trude Fanta, Eva Fluffer, Helene Kohn, Grete Winkler. Ter Abend findet im Parteiheim, Narodni tkida Rr. 4, statt. freudvoller sein werde. Wie die Sache nun steht, ist der Prager Gau— wenigstens vorläufig die Leitung— nicht gewillt, sich der„Diktatur" der CsAF zu unterwerfen und trifft seine Gegenmaßnahmen und forderte auch seine Klubs auf, dasselbe zu tun. ES scheint jedoch, als ob dieser Ausschluß nur das Mittel zum Zweck ist, um der rußlandfreundlichcn Sportpolitik dieses bürgerlichen Fußballgaues ein Ende zu bereiten. Freitag deutsche Uraufführung„Menschen auf der Eisscholle" von Wilhelm Werner in-der Kleinen Bühne. Regie; Marls.(Kulturverband und freier Verkauf.). Bojtkch Tittelbach stellt in der Umöleckä B e s e d a seine eigenartigen Bilder aus. Er konstruiert seltsame Gebilde, die nur entfernt an menschliche Körperformen erinnern und eher an muschelig durchhöhlte, ausgewaschene, ausgeschliffene Gesteinsformen, an.Korallenstöcke denken lassen. Manchmal legt er darüber noch netzartig lineare Zeichnungen, die zum Beispiel den nackten Körper einer Frau mit einer Traube von Masken überlagern. Das Bild nennt er„Druse", worunter ein mit Kristallbildungen ausgekleideter Gesteinshohlranm oder auch ein Kristall schlechthin verstanden wird- Vielleicht sollen in diesem Falle die Frau erfüllende gedankliche Vorstellungen angedeutet sein. Aehnlich vexierhaft einen kaum deutbaren Sinn verbergend muten auch die anderen Bilder den Betrachter an, dem es bei aller Bereitwilligkeit kaum möglich sein wird, außer der Andeutung eines spanischen Spitzenschleiers zwischen d-n höhlig verschlissenen Formen eines Frauenkörpers und seiner Bezeichnung als„Melancholie Spanklska" eine Beziehung zu finden. Gewiß liegt in den ist»'.legt modellierten Formen und in! den sehr gewählten Farben ein durchaus künstlerisch bestimmter Reiz und man spürt, daß mehr dahinter Lehrmädchen überfahren. Das 16jährige Lehrmädchen Marie Bach aus Dejwitz lief gestern in Podbgba vor das Auto P-4384 des Chauffeurs Bo- humir Flanderka aus Lieben, wurde zu Boden geworfen und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung und Rißwunden. Tas gleiche Auto brachte sie auf die-Klinik Jiräsck: dem Chauffeur wurde bis zur Beendigung des Verfahrens der Führerschein entzogen. Betrunkener rollt einen Hügel herab. Der 38jäh- rige Mechaniker Eenek Mejsnar aus Lieben ging Sonntag nachmittags in betrunkenem Zustand auf dem Vitekberg in ZiZsiev spazieren, wobei er auf dem kotigen Boden ausrutschte und über den Rasen bis zum Geleise der Eisenbahn herabkollerte. Er erlitt hiebei drei Rißwunden am Kopf und wurde von der Rettungsgesellschaft auf die Klinik Jiräsek gebracht. Der Vorfall hatte einen großen Menschenauflauf zur Folge. l ü ck m u ß Dienstag 8:> — Mittwoch; Bruder. Krach im tschechischbürgerlichen Fußball Aussehluß des Mittelböhmischen Gaues sus der CsAF. . Der tschechische mittelböbmische Gau, kurz Prager. Gau, steht bekanntlich seit langem mit seinem Verbände, der CsAF, auf keinem guten Fuße. Tie Situation zwischen Verband und dem Prager Gau hat sich in den letzten Wochen statt gebefferi eher noch verschlechtert. Eine am Samstag abends begonnene Vorstandssitzung der CsAF. welche Klarheit schaffen sollte, endete in den späten Nachtstunden mit dem Ergebnis, daß der Prager Gau wegen„Nichtbefolgung von Weisungen" aus dem Verband ausgeschloffen wurde. Davon sind auch 520 Vereine samt ihren Spielern betroffen, welchen bis 15. Mai eine Frist gesetzt wurde zur neuerlichen Anmeldung. Mit den Neuangemeldeten soll dann ein neuer Gau ausgebaut werden. Wir schrieben seinerzeit schon, daß der Ausgang dieses Streites für einen Teil kein postierte und der dazugehörige Jüngling mit seinem großen Phowapparat aufgeregt bin und her rannte, um von seinem Mädchen ein möglichst echreS„Früh- lingsbild" zu erhaschen, machte mir das schon einen Heidenspaß. Bald aber ertappte ich mich dabei, daß ich oft eine ganze Weile lang mindestens ebenso entzückt wie. diese jungen, verliebten Menschen dastauö und mich an der Farbenpracht und dem buntbewegten Leben ringsum nicht saiisehen konme. Schließlich fand ich doch auf einer Bank ein bescheidenes Plätzchen. Tie Menschen waren bei diesem plötzlichen neuerlichen Frühlingsausbruch so friedlich geworden, daß sie bereitwillig zusammenrückren, während sie sonst, wie man das leider nur allzu oft in der Elektrischen beobachten kann, ruhig breit und bequem sitzen geblieben wären. Nun kann ich rastend mein Butterbrot verzehren; wenn man während der Mittagspause den Frühling genießen will, bleibt keine Zeit zu ordentlichem Mittageffen. Doch lvar meines Bleibens nicht lange: das alte Mütterchen neben mir, das vor übergroßem Behagen fort mit dem Kopf wackelte, begann sofort redselig zu erzählen, daß es das erstemal mit der Zahnradbahn hinaufgefahren sei und daß es ihn nun selbst komisch vorkomme, daß sie sich ein Jahr lang davor gefürchtet und nicht dazu eni- schloffen habe. Tas war noch ganz intereffant, als aber nebenan ein Säugling, den anscheinend die pralle Sonne zu sehr kitzelte, zu brüllen anfing, ergriff ich die Flucht, um mich noch ein bißchen Ruhe und Beschaulichkeit erfreuen zu können. Schließlich hatte ich ja noch das Schönste mir, das ich mir immer zum Schluß laste. Auch Kinstygarten, der jenseits der sogenannten Hungermauer liegt, mußte noch ein kurzer Besuch abgestattet werden, vor allem deswegen, um noch ein einzigartiges Bild zu genießen: Wenn man auf dem ovi Vom Stadttheater In Teplitz-Schönau April wurde die vertragliche Spiel- Den Schlußstein legte„Treff Aß", sehr wirksam gebaute und satirisch hervor; Wäsche machen das idyllische Bild farbiger, lustiger. Gaslaternen strecken ihre verbogenen Arme aus und ein halb zerbröckeltes Relief schmückt eine verborgene Tür im.Gemäuer.. Und über all dem thront der Hradschin und unter ihm liegt das vielfältige Gewirr von Tächern und Giebeln der Kleinseite. Doch plötzlich werde ich jäh aus dem Zauber ge- riffen und in die gar nicht frühlingshafte Wirtlichkeit versetztl Auf den letzten Stufen, die schon ganz flach und ausgetreten sind, liegen ein paar Männer, halb schlafend, halb vor sich hin dösend. Ihre abgezehrten verbitterten Gesichter fügen sich schlecht in den Rahmen dieses lieblichen Bildes. All die heiße Freude, die mich noch vor ein Payr Sekunden durchflutete, ist vorbei. Diese Menschen, die, weiß Gott wie lange schon arbeitslos sind, haben keinen Sinn mehr für die Schönheiten dieses Frühjahrstages. Fast schuld- . bewußt gehe ich an ihnen vorbei. Es, ist mir plötzlich artiges Bild zu genießen: Wenn man auf dem ober-^att geworden und ich eile zur Elektrischen, um rechtsten Weg durch das alte Gemäuer der Hungermauer zxstjg ins Büro zu kommen, wieder auf den Laurenziberg kommt, da bleibt wohl jeder stehen und ist immer wieder von neuem ent- Spaziergang in den Frühling Auch der Angestellte, der den ganzen Tag über in. Trubel und Staub der Großstadt schuftet, kann sich einmal in der Zeit ohne besondere Kosten eine wirtlich herzerftischende Freude verschaffen. Wenn man auch nur zwei Stunden Mittagspause hat, so genügt das doch für einen sehr lohnenden Spaziergang in die Blütenpracht des Laurenziberges. Ich fuhr nach Beginn der Arbeitspause schnurstracks mit der Elektrischen zumSeminargarien und stieg dort bei der Volksschule den äußersten.Weg rechts längster Mauer hinauf. Die Sonne brannte schon wie im Sommer, doch das Bild, das sich bald zu meinen Füßen ausbreitet, ist noch strahlendster Frühling. Tie Baumrcihen, die terraffenförmig aufsteigen, sind mit weißen und rosa Blüten übersät, die sich grell vom tiefblauen Himmel abhebcn. In der Mitte des Seminargartens, auf dem großen Kinderspielplatz, bewegen sich Hunderte von leuchtenden, hüpfenden Punkten und in unzähligen Abtönungen schallt das Lachen undSchreien der bunt durcheinander wirbeln- dcnKinder zu mir herauf. Unterhalb dieses blühenden Anlagengürtels breitet sich das Häusermeer der Stadt, ,aus dem die vielen Kirchtürme Prags spitz in den Himmel schneiden. In den Anlagen sucht man fast vergebens ein Plätzchen; die Bänke sind dicht besetzt und.man fühlt es fast mit, wie jeder die lang entbehrte Wärme wohlig genießt und sein Gesicht der Sonne zulvendet. Als ich das erste junge Mädchen sah, die von ihrem Liebsten„unter blühenden Bäumen" photographiert wurde, fiel mir das weiter nicht auf, als ich aber dann schließlich das vierte Pärchen beobachtete und sich das hübsche blonde Mädchen möglichst malerisch zwischen den blütenbedcckten Sträuchern zückt. Ihr kennt ja alle das Bild, wo plötzlich der Hradschin mit seiner prachtvollen Längsfront bis zur Daliborka greifbar nahe daliegt, der Dom mit sei nem phantastischen Spitzenwerk hebt sich deutlich vom tiefblauen Hintergrund ab, unterhalb der Burg brei ten sich in sanften Hängen Wein- und Obstterrassen. — Und nun kommt mein LicblingSiveg. Bom Aus- I sichtsturm auf dem Laurenziberg geht es erst in Ser pentinen an den kleinen Wallfahrtskapellen vorbei und bald beginnen die Stiegen: man glaubt sich ins s tiefste Mittelalter versetzt. Hinter der windschiefen 'Mauer, die die holprigen Stiegen säumen, liegen geheimnisvolle Gärten, die der Oeffentlichteit noch verschlosten find. Direkt in das altertümliche Ge-, mäuer eingebaut lugt hie und da ein halb zerfallenes,, probier Lustspielverwicklungen, die sich reibungslos aber noch bewohntes Häuschen aus dem dichten Grün einem happy end lösen, leicht und vergänglich»wie Blumen auf der Holzveranda und bunte^""lktll eben Nt. Die mittelböhmische Division trug am Sonntag folgende Spiele aus: Bohemians gegen Nuselsky SK 3:1, Viktoria Zijkov gegen Sparta Kladno 6:3, Spartc^KoSik gegen SK Nusle 1:1(1:1), Rapid gegen Slavoj VIII 2:1, CAFC gegen Union Zi,flock .1:1(0:1,); Lissa gegen Meteor VHI 3:0. Am Samstag schlug Cechi« Karlin die Nufler Vittoria 10:1. Division Böhmen-Land. SK Pardubitz gegen Tnchari Taus 3:1, Königgrätz gegen Kopisty 4:1, Jungbunzlauer SK gegen Königinbof 2:1, Polaban Rimburg gegen AFK Pardubitz 2:1, Slavia Karlsbad gegen Rakdnitz 3:2. Division Mähren-Schlefien. Baka Zlin gegen Ostrauer Slavia 2:1, CSK Olmüh gegen Prerau 1:0, Zabovresky gegen Freistadt 2:2(0:1), Moravia Brünn gegen Han. Slavia 2:1, Polonia Karwin i gegen Kral. Pole 4:0. Sonstige Fußhallergedniffe. B.-Bud weis: CSK gegen Spart».Prag 5:5(4:0); die Prager wurden ausgepfiffen^ gegen Ende mußte Polizei ihren Schutz übernehmen, da Ctyroky einen Budweiser Spieler k. o. schlug!— Graslitz: DFC gegen Karlsbader FK 2:1.— Schönpriesen: SpVg Bodenbach gegen DSM 8:2.— Gablonz: BSK gegen TSV Trautenau 6:2.— Rc^chenberg: RFK gegen DFK 3:0.— Warnsdorf: WFK gegen DSV B.-Leipa 0:2.— Brünn: Husovice gegen DSV 4:0.— Lundenburg: Zidenice Brünn gegen CSK 5:1.— Troppau: DSV geg. DFC Jglau 5:1.— Mähr.-Schönberg: SK gegen TSK Teschen 4:0.— Preßburg: Budapest gegen Preßbnrg 5:2.— Buda p-e ft: Irland gegen Ungarn 3:3(2:1).-— Wien: WAC gegen Jlor.- RC 2:2 abgebrochen.— Bern: Spanien gegen Schweiz 2:0(0:0).— Brüssel: Belgien gegen Holland 1:1(0:1). Internationales Lvndhqckeh. In Prag trug dir. DEHG Samstag und Sonntag Spiele mit Mannschaften des Wiener WAC aus. Tie Spiele der ersten Mannschäften endeten 2:2. und 3:0, während die zweiten Teams je einen Sieg buchen konnten, und zwar 1:2 und 1:0.. F Die Staatsliga hatte diesmal ihre Spiele geteilt ausgetragen. Am Freitag verlor die Prager Spartg in Nachod mit\ viel Glück nur einen Punkt(3:3), Slavia schlug die Mor. Slavia in Prag knapp 3:2, Zidenice gewann' am eigenen Platz gegen SK Proßniv überraschend 4:1 und CSK Preßburg siegte über Viktoria Pilseni 1:0. Tie restlichen Spiele am Sonntag brachten, bis auf T F C—K ladno, so ziemlich erlHartete Ergcbniffe. Ter Prager TFC ist in dieser Saison, in der Liga gerade nicht auf Rosen gebettet. Nach* ein paar Erfolgen sind Niederlagen an der Reihe. Tas sonntägige Spiel in Kladno war gewiß nicht leicht, aber zu gewinnen. Daß dies dem DFC nicht gelang, zeugt weder für den Trainer, noch weniger für die Bereinsleitung, die Spieler an- und verkauft, ohne damit nur um ein Jota Nutzen für den, Klub und für seinen Verbleib in der Liga zu bilden. Es ist an dieser Stelle schon oft darauf hingewiesen worden, daß es der Mannschaft nicht an Können, wohl aber an Kampfgeist mangelt, ohne den man i zwar ein schönes Sviel vorführen, jedoch in den seltensten Fällen gewinnen kann. So war es auch\ diesmal. Kladno ist eine Kampimmmschaft, die nicht viel Technik besitzt— und derHL i Ile genügte, um den DFC 4:1 zu schlagen. In T e plitz ging das deutsche„Promnzderby" zwischen hem TFK und DSV Saaz vor sich und brachte armseligen Fußball. Tie Teplitzer behielten gnit 3:1 die Oberhand, obzwar die Hopfenstädter zur Pause mst 1:0 führten. Saaz ist endgültig für die Liga erledigt, Teplib und auch der TFC Prag bleiben in Gefahr des Abstiegs. SK Pilsen schlug daheim den AFK Ko- l i n mit 8:4. i Suchen Sie Gesundheit? Quälen äie Rheumatismus, Gicht, Ischias.oder Frauenleiden? Wollen Sie in Ruhe schön und billig Ihren Urlaub verbringen? Besuchen Sie Bad Bohdaneö!