18. Jahrgang Mittwoch, 6. Mai 1938 Nr. 108 IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xiufochova«2. telefon 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Heller («intchlitSlich 5 Heller Port») Einzug Badoglios in Addis Abeba London. Der britische Gesandte in Addis Abeba meldet radiotelegraphisch dem britischen Außenamt, daß die italienischen Truppen am Dienstag nachmittags in Addis Abeba einmarschiert sind. Die italienischen von Marschall Badoglio persönlich befehligten Truppen besetzten am späten Nachmittag die italienische Gesandtschaft, auf der unter militärischen Ehren die italienische Flagge gehißt wurde. Spater besetzten sie die beiden kaiserlichen Paläste, den Flugplatz und die Eisenbahn, sowie die Funkstation. Bei dem Einmarsch wurde vereinzelt auf die Kolonnen geschossen. Zm übrigen hat die Bevölkerung auf fast allen Häusern Weiße Flaggen gehißt. Mussolini:„Abessinien ist italienisch!“ Rom. Dir Meldung von dem Einzug Badoglios in Addis Abeba wurde von Mussolini DienStag gegen Abend bei dem angckündigten Generalappell bekanntgrgeben, zu dem die Bevölkerung in ganz Italien durch Glockengeläut und Sirenrnsignale aufgerufen wurde. In wenigen Minuten war ganz Rom in ein Flaggenmeer gehüllt. Hunderttausende versammelten sich vor dem Palazzo Brnezia, wo Mussolini kurz vor 20 Uhr auf dem Balkon erschien. Mussolini erklärte u. a.: Der Krieg ist beendet. Der Friede ist wiederhergestellt. Allein es ist dringend notwendig hinzuzufügen, daß es sich um unseren Friede«, um den römischen Frieden handett, der in folgender einfachen, unwiderruflichen, endgültigen Losung seinen Ausdruck findet: Abessinien ist italienisch. Italienisch de faeto, weil es von unseren siegreichen Heeren besetzt ist; italienisch de jure, weil mit dem römischen Adler die Kultur über die Barbarei triumphiert, die Gerechtigkest * i über die grausame Willkür, die Erlösung über die tausendjährige Sklaverei. Mit der Besetzung von Addis Abeba ist der Friede bereits eine vollzogene Tatsache. Die vielfältigen Rassenstämme des Exkaiserreiches des Regus haben mtt ganz klaren Zeichen bewiesen, daß sie ruhig im Sch atten der italienischen Trikolore leben und arbeiten wollen. Die Stammesführer und die Ras', die geschlagen und geflohen find, zählen nicht mehr und keine Macht der Wett wird sie jemals wieder zur Gattung bringen könne«. Mussolini erklärte dann, er habe sein Ber- , sprechen gehalten, alles zu tun, um zu verhm- ! dern, dnü der afrikanische Konflikt zu einem ! europäischen Krieg answachse; er müsse aber sofort hinzusügrn, daß Italien bereit sei, seinen i glänzenden Sieg„mit der gleichen Unentwegt- | hrit und nnerbittlichen Bestimmtheit zu ver- jt e i d i g e n, mit der es ihn errungen habe." O* USA-Gesandtschaft geräumt •■ Tie chaotischen Verhältnisse in Addis Abeba haben sich bis zum Eintreffen der Italiener nicht viel gebessert. Die stark bedrohte amerikanische Gesandtschaft wurde auf radiotelegraphischen Befehl' aus New Nork«lm Dienstag geräumt, da sich der britische Gesandte außerstande erklärte, mit seiner Gesandtschaftswache auch noch die amerikanische Gesandtschaft zu verteidigen. Die Amerikaner wurden unter dem Suh britischen Militärs in das britische Gesandtschaftsgebäude ge bracht. Angriffe gegen die belgische Gesandtschaft wurden abgeschlagen. Verstärkung der Gesandtschaftswachen Ter französische Gesandte hat zum Schuh des Gesandtschafrsgebäudes aus Dschibuti dringend B e r st ä r k u.n gen für die Ge- s a n d t s ch a f t s w a ch e angefordert. Infolgedessen ist in der Nacht auf Montag eine Kompanie französischer Kolonialtruppen mit der Eisenbahn nach Addis Abeba abgegangcn, die auch i^prräte au Mmiition und Lebensmitteln mit sich führt. Am Laufe des Montags ist noch eine zweite Kom- panie mit demselben Ziel abgegangen. Eine dritte Kompanie wurde von Tiredaua, wo sie sich seit Monaten zur Bewachung der Eisenbahn befindet, nach der abessinischen Hauptstadt dirigiert. An der Bewachung der Bahn wurde sie durch andere Truppen abgelöst, die Montag abends Dschebuti verlassen haben. Nach Meldungen aus Aden sind Montag zwei britische Zerstörer von Aden mtt dem Ziel Dschibuti in See gegangen. An Aden ist das Gerücht verbreitet, daß sich'auf den Zerstörern britische Marine-Anfanterie befinde, die als Hilfstruppen für die britische Gesandtschaft nach Addis Abeba geschickt werden sollen. Das ganze Unternehmen werde äußerst geheim gehalten. Amtlich wird dieses, Gerücht weder bestätigt noch dementiert. Unterwegs nach Haifa Dschibuti. Tvr britische Kreuzer„E n t r e- prise", auf dem der Negus mit seiner Gattin und sechs Kindern, sowie mit seinem Gefolge am Diontag abends Dschibuti, verlassen hat, wird voraussichtlich am Freitag in Haifa eintreffen. Der Kreuzer, der zu den schnellsten Schiffen der britischen Marine zählt, ist von einem Torpedobootzerstörer begleitet. Nach italienischen Meldungen soll der Negus z w t i Waggons Ma r i a-The r e- sienfhaler und sechs Waggons K a f f-'e e mit nach Dschibuti gebracht haben. An Dschibuti ist>nich RasNassibu mit seinem Generalftabschcf Weh'b Pascha eingetroffen, welche bis vor wenigen Tagen die letzte noch intakte Armee der Abessinier kommandierte». Wird Mussolini einlenken? London.(Reuter) Viele Anzeichen weisen darauf hin, das; die erste Sorge der Politik Mussolinis nach der triumphalen Feier des Einmarsches der italienischen Truppen in Addis Abeba die Beruhigung der heutigen Spannung sein wird. Italien wünscht sehnlich die Einstellung der Sanktionen, um seine Finanzen wieder in Normalzustand zu versehen. Allgemein wird nunmehr in diplomatischen Kreisen von der Reform, des Völkerbundes gesprochen, die die Aufhebung des Artikels 18 des Nölkerbnndpaktes bedeuten würde, der die Pflicht statuiert, unter gewissen Umständen in den Krieg zu treten. Frankreich erwartet ein Volksfront-Kabinett Entscheidung bei den Kommunisten Paris.(Tsch. P.-B.) Das Innenministerium gab am späten Abend des Montag die vollständigen Wahlergebnisse für die neue Kammer bekannt. Es haben von den 818 Sitzen erhalten: Der Sieg der Volksfront in den Stichwahlen ist so eindrucksvoll, daß die öffentliche Meinung Frankreichs mit einer nicht erwarteten Einmütigkeit für die Uebertragung der Regierungsgewalt an die Volksfront eintritt. Die Rechte scheint von den befürchteten Repressalien— Kon- ^rminen gegen den Franc und die Staatspapiere I Kommunisten Sitze: . 72 Unabhängige Kommunisten. . 10 Sozialisten . 146• Gemäßigte Sozialisten.. . 26 Unabhängige Sozialisten.. 11 Radikalsozialisten.... . 116 Unabhängige Radikale.. . 31 Linksrepublikaner.... . 84. Bolksdemokraten..... . 23 Rechtsrepublikaner..■-. . 88 Konservative und Unabhängige . 11 Insgesamt:.. . 618 etc.— zunächst absehen zu wollen, weil das Manöver zu deutlich wäre, um nicht im Augenblick die Leidenschaften der Massen zu schärfster Abwehr anzusporncn. Nun ist damit nicht gesagt, daß nicht sehr bald gegen ein Kabinett der Linken die Sabotageversuche der kapitalistischen Landesverräter einsetzen würden, aber fürs erste scheint diese Gefahr gebannt. Auch die Rechtspresse betont, daß es unfair und unklug wäre, gegen die deutlich kundgegebene Meinung des Volkes mit parlamentarischen Jntriguen demonstrieren zu wollen. Wenn man auch in diesem Lager die Hoffnung nicht aufgibt» daß es gelingen werde, die Radikalen von der Volksfront abzusprengen, so weiß man doch, daß es heute mindestens zu früh für ein solches Manöver ist. Interessant ist auch, daß• es gegen die E i n b e z i e h u n g d e r K o m m u n i st e n in die Regierung eigentlich in weiten Kreisen keine psychologischen Wider- stände gibt. Auch die bürgerliche Presse hält eine Regierungsteilnahme der Kommunisten kür durchaus möglich, wenn nicht für wünschenswert. Es ist nun die Frage, ob die Kommunisten selbst btreit find, ein Stuck Verantwortung zu übernehmen. Vorläufig scheinen sie sich, wie aus einem Artikel C a ch i n S hervorgeht, zu sträuben. Das alte Spiel, außerhalb zu stehen und zu kibihett, erscheint ihnen gerade nach dem großen agitatorischen Erfolg der Wahlen verlockender. Andererseits wäre ein Kabinett der Sozialisten und Radikalen(zu dessen Bildung Vincent- A u r i o l oder D a l a d i e r vor allem berufen erscheinen), das auf die Hilfe der 70 Kommunisten angewiesen ist, ohne sie irgendwie fest gebunden zu haben, in einer sehr schwierigen Lage. Man wird darum, zunächst in Verhandlungen zwischen den Kommunisten und Sozialisten, alles daransehen, die KP zur aktiven Teilnahme an der Regierung zu bewegen. Die französischen Kommunisten können jetzt zeigen, ob sie wirklich eine innere Wandlung vom demagogischen zum staatspolitischen Denken durchgemacht haben oder ob es ihnen lediglich darum ging, agitatorische Erfolge einzuheimsen yhne ein Gefühl der Verantwortung dafür, was in Frankreich auf dem Spiele steht. Es ist anzunehmen, daß das entscheidende Wort Moskau sprechen wird,, wenn auch das Anwachsen der KPF die Tendenzen zu einer selbständigen, von Moskau weniger abhängigen Politik verstärkt haben mag. Als Kammerpräsident kommt wahrscheinlich nicht mehr Bouisson, der die Sozialistische Partei vor Jahren verlassen hat, sondern L e o n Blum oder de M o n z i e* in Betracht. Das Kabinett Sarraut-Flandin wird bis Ende.Mai im Amt bleiben, da auch das Mandat der alten Kammer erst am 1. Juni erlischt. Spaniens Kernproblem Boden für das Volkl Die Tatsache, daß Spanien und Rußland eine andere Spurweite haben, als sie das europäische kontinentale Schienenneh aufweist, ist gewissermaßen symbolhaft. Denn ebenso wie in der Sowjetunion eine Entwicklung nach eigenen Gesetzen sich vollzieht, scheint das politische und soziale Leben Spaniens auch heute noch auf anderen Voraussetzungen zu beruhen, als das der anderen europäischen Länder. Der Feudalismus bat sich jenseits der Pyrenäen in einem erstaunlichen Maß gehalten und selbst das Volksleben, mag eS sich um Prozessionen, öffentliche Feste, um das leuchtende Spiel der Srierkämpsc oder um das eigenartige abgeschlossene Verhältnis der-Geichlech- ter zueinander handeln, trägt noch ZMe. die ein lebendiges Vermächtnis des Mittelalters erkennen lassen. Trotzdem kann kein Zweifel darüber bestehen, daß seit Beginn dieses Jahrzehntes Spanien, sich in einer tiefgreifenden Wandlung befindet. Wird sich der neue Linkskurs in Spanien halten können? Alles hängt davon ab, ob er mit. den Grundfragen, die ihm aufs neue gestellt sind, fertig zu werden vermag. Politik zu treiben ist in Spanien noch schwerer als anderswo. Denn der Spanier Ist ein ausgesprochener Individualist, und die Macht der syndikalistischen Gewerkschaften hat von dieser Eigenart, die auch innerhalb der Arbeiterbewegung sich bedeutsam zugunsten anarchistischer Tendenzen auswirkte, ein beredtes Zeugnis abgelegt. Allerdings scheinen die Syndi- , kalijten grlydNt zu haben, selbst in Barcelona, dem viclgeplagten Sitz ihres Jndividual-Terrors, scheinen sie bisher nicht aus den Reihen der Volksfront tanzen zu wollen. Die katalanische Frage, einst ein Sorgenkind der spanischen Republik, ist weitgehend geklärt. Das arbeitsame und lebenslustige Mittclmecr-Volk der Katalanen, das sich von dem herben Ernst der Kastilier ebenso unterscheidet, wie seine fruchtbaren Gestade von den steinernen Wüstenflächen Hochspaniens, hat jene Autonomie der Verwaltung und der Kultur erhalten, die den glänzenden Traditionen seines geistigen Lebens und dem Aufschwung seines Jn- dustriesleißes entspricht. Was also vor allem bleibt, ist der Kampf gegen die feudalen Mächte: gegen Kirche, Heer und Großgrundbesitz. Sozis-' logisch betrachtet bedeutet das den Kampf gegen die Machtbasis der kirchlichen und aristokratischen Herrenschichten, den Kampf gegen den Großgrundbesitz. Das Agrar-Problem ist das Kernproblem Spaniens. Bon dem katastermäßig aufgenommcnen Land (22 Millionen Hektar) besitzen 1,774.104 Eigentümer mit weniger als je' 250 Hektar, insgesamt 11,368.390 Hektar, im Durchschnitt also pro Kopf 6.41 Hektar. Sie alle zusammen haben also nur 50.66 Prozent des bebauten Landes inne. Demgegenüber haben 12.721 Eigentümer mit mehr als je 250 Hektar insgesamt 11,068.700,. im Durchschnitt also 870.1 l Hektar inne. Gerade der frucht« barste Boden ist in Händen der Großgrundbesitzer. So in den Provinzen Cinda Real 67.43 Prozent uud in Cadiz 68.13 Prozent. Jose German bringt hierüber nähere Angaben und stellt fest, daß etwa 30 Großgrundbesitzer, 21 Prozent der gesamten durch Kataster erfaßten Fläche ihr Eigen nennen. So besitzen: Herzog von Medinaceli 79.146 Hektar; Herzog von Penaranda 51.015 Hektar; Herzog von Villahermosa' 47.203 Hektar; Herzog von Alba 34.455 Hektar; , Herzog de la Romana 29,098 Hektar; Marquis de Comillas-23.719 Hektar; Herzog von Fernan Runez 17.732 Hektar; Herzog von Arion 17.6^6 Hektar; Herzog von.Jnfantado 17.171 Hektar; Graf von Romanones 15.132 Hektar. Diese Ziffern werden noch eindrucksvoller, wenn man ihnen di« Einkommenverhältnisse in den Zwergwirtschafien gegenüberstellt. So find beispielsweise in der Provinz Avila 91 Prozent Bauern vorhanden, die weniger als der Durchschnitt der städtischen Arbeiter verdienen, der schon gering genug bc» zahlt ist. In den letzten Jahren des Königreiches hatten von 1,026.412 steuerpflichtigen Landwirten 1,007,616 einen täglichen Verdienst von weniger als acht Peseten,- aber 847.548 einen Tagesverdienst von weniger al seiner P e s«t e. In der Provinz Avila hatten von 13.530 Grundsteuer-Zahlern 11.452. ein Einkommen von Seite S Mittwoch, 6. MailvOK Rr. 108 weniger als einer Pcsete täglich. Noch schlimmer ist die Lüge der etwa drei Millionen Landarbeiter. Ihre Löhne schlvanken zwischen 1 Pesete und Deputat bis zu 5 Peseten, durchschnirilich erreichten sie nur 2J4 bis 3 Peseten. Dazu kamen aber A r b e i t s l o s i g- k c i i« P c r i o d e n, die von 90 bis zu 150 Tagenim Jahr dauerten. Aeußer'ste Armut . und Unwissenheit, rücksichtslose Ausbeutung durch die Granden, den Klerus und deren Pächter war ihr . Schicksal. Dabei könnte ei ihnen allen viel besser gehen, denn es ist kein Zweifel, dass aus dem Land bei richtiger Pflege noch unendlich viel herauszuholen wäre. Die letzten Statistiken aus der Zeit Alfons XIH. geben neben der bereits erwähnten Ziffer von etwa 22 Millionen Hektar bebauten Landes auf einem Gesamtareal von etwa 50 Millionen Hektar einen Prozentanteil von Weid« und Wald in Höhe von 20 Millionen Hektar an, so dass also nur sechs Millionen, Hektar völlig unbebaubaren Landeübrig bleiben. Mag nun selbst die Zerklüftung des Binnenlandes erklären, dass Weide und Wald«inen so grossen Prozentsatz des noch fruchtbaren, aber schwer kultivierbaren Bodens ausmachen, so ist es doch keine Frage, dass aus dem Lande noch unendlich viel herauszuholen wäre. Man bedenke nur, dass die landwirtschaftliche Produktion Spaniens wertmässig von 2440 Millionen Peseten im Jahre 1897 auf 9201 Millionen Peseten zu Beginn dieses Jahrhunderts gestiegen ist. Diese Zahlen datieren noch aus einer Zeit vor dem Rückgang der Kaufkraft der Peseten und sind darum um so überzeugender. Bedenkt man, daß die Hälfte der landwirtschaftlichen Produk- - iion auf Getreide und Futterpflanzen entfällt, und bedenkt man ferner, dass das Hauptunglück des Landes eine mangelnde Bewässerung ist, so kann man sich vorstellen, wie bei einer vernünf- tigenBewässerungspolitikdie Möglichkeiten der Bolksern'äh- rung sich steigern könnten. Wein- und Olivenkulturen haben gleichfalls noch grosse Ausdehnungsmöglichkeiten, die Anbauflächen für Kartoffeln, ja selbst für Zuckerrüben und für Jndustriepflanzen könnten wesentlich vermehrt werden. Das Problem ist aber rein machtpolitisch. Wie kann das Los der Pächter und der landwirtschaftlichen Arbeiter gebessert werden, wie entzieht man dem Grossgrundbesitz der im Ausland lebenden Granden und der mit kirchlichen Pfründen gesegneten Geistlichkeit seine Rechtsbasis, wie fördert man die innere Kolonisation und die landwirtschaftlichen Kredite? Trotz seines Individualismus sind dem Spanier genossenschaftliche Einrichtungen nicht fremd, in den„Positos" besitzt das Land alte kommunale' Kreditgenossenschaften. Für die Bewässerungsfrage gibt es gleichfalls eine interessante Tradition, die offenbar noch auf die Maurenzeit, zurückgeht, das„Tribunal de Las AguaS". Salvador de Madagiaga, der grosse politische Porträtist seines Heimatlandes,'Vertreter Spaniens beim Völkerbund, berichtet darüber: „Das Tribunal ist eine Körperschaft mit Gerichtsund Berwaltungsbefugniffen, auf der das ganze Bewäfferungswesen ruht. Jeden Donnerstag tagt das Tribunal vor dem Apofteltor der Kathedrale unter freiem Himmel. Sieben Syndici, die Vertreter der Nutzniesser der sieben Hauptkanäle der Huerta, bilden das Tribunal, selber hart arbeitende Bauern, von ihresgleichen gelvählt und morgen vielleicht dem Urteil des Wählers von gestern unterworfen. Trotz, seiner demokratischen Herkunft und Zusammensetzung und seinen schlichten Formen umgibt eine merkwürdige ^Majestät dieses Tribunal, dessen Autorität von den Männern, über dessen Interessen es verfügt, nie bestrftten wird." Die Aufgabe ist also groß, aber keineswegs unlösbar. Ob man dazu bereit ist, mit den füh renden Mächten abzurechnen, muss die Zukunft lehren. Das Programm des antifaschistischen Wahlblocks sah in dieser Hinsicht noch recht bescheiden aus. So wurden beispielsweise zugunsten der Landarbeiter und Pächter folgende Forderungen aufgestellt: 1. Herabsetzung der Steuern und Abgaben. 2. Abschaffung der Wucherzinse. 3. Herabsetzung übersetzter Pachtzinse, Erleichterung landwirtschaftlicher Kredite, Aufwertung der landwirtschaftlichen Produkte. 4. Landwirtschaftliche Schulung, Förderung der Weidekultur, der Viehzucht, des Ackerbaues, der Aufforstung, Bewässerungsarbeiten, Ersteäung von Strassen und landwirtschaftlichen Gebäuden. 5. Sofortige Aufhebung des reaktionären Pachtgesetzes und Rückgängigmachung der Exmissionen von Pächtern, die auf Grund dieses Gesetzes in den letzten zwei Jahren erfolgt sind'; Konsolidierung des Pachtbesitzes für die alten Kleinpächter; Erlass eines neuen Pachtgesetzes; Förderung' der Genöffen- schaften und der landwirtschaftlichen Kollektive; Niederlassungsfreiheft für Landarbeiter, Zuteilung von Gemeinden; Ausserkraftsetzung des Ge- Dle Staatsangestellten beim Finanzminister Äm Dienstag verhandelte das Präsidium der Arbeitsgemeinschaft der Staatsangestelltenorganisationen mit dem Finanzminister Dr. I. Kalfus in Anwesenheit der Fachreferenten über die vier Hauptforderungen der öffentlichen Angestellten. Der Minister nahm zu den einzelnen Forderungen einen klaren Standpunkt ein. Er erklärte, dass auf eine Milderung der Gehaltsabzüge keine Hoffnung bestehe und begründete dies in einer übersichtlichen Zergliederung der Einnahmen und Ausgaben der Staatskasse. Ueber die Gleichstellung der vierten Etappe der Altpensionisten sagte er, dass diese Forderung noch in diesem Jahre so, wie es bereits der Vorsitzende der Regierung Dr. Hodza zugesagt hat, werde verwirklicht werden können, lieber die weitere Forderung betreffend bie 7 Rückverlegung des A uszah- lungStermins sprach sich der Minister zwar günstig aus, verwies aber darauf, dass ihre Verwirklichung von den Bedürfnissen der Staatsfinanzen abhänge, deren gegenwärtiger Stand eine solche Lösung, wie sie die Angestellten wünschen, noch nicht gestattet. In einer ausführlichen Unterredung mit den Mitgliedern des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft lieh sich dann der Minister eingehend über das Arbeitsprogramm informieren und sagte bereitwillig die Unterstützung der Bestrebungen der Gemeinschaft. zur Herstellung des engsten Kontaktes mit den offiziellen Referenten in den Frq-v gen der öffentlichen Angestellten zu. Schliesslich chiN er die Notwendigkeit der Vereinfachung der staatlichen Administrative im Interesse des Staates und seiner Angestellters hervor. Der deutsche Rundfunk In der Tschechoslowakei >Jn der vom Verlage Jan Laichter herausgegebenen ausgezeichneten Revue„Nase doba" wurden die Aufgaben des deutschen Rundfunkwesens in der Tschechoslowakei in bemerkenswerter Weise behandeü. Dem ausführlichen Artikel können wir nur kurze Auszüge entnehmen: „Endlich hat es den Anschein, als ob die selbstverständliche Forderung. nach Verwirklichung einer ordentlichen, gut organisierten und zumindest überall dort, wo in unserer Republik deutsch gesprochen wird, gut hörbaren deutschen Rundfunks im Prinzip aus- setzcS, wonach für die beschlagnahucten Güter des Adels Entschädigungen gezahlt werden müssen. Die neue spanische Regierung, von bürgerlichen Politikern gebildet, aber von den sozialistischen Parteien unterstützt, hat vor kurzem einen manches versprechenden Anfang in der Durchführung ihrer Programmpunkte gemacht. Sie hat 100 Millionen Peseten für Siedlungszwecke an die Provinz Toledo überiwesen. Aber das ist erst ein Tropfen auf den heissen Stein, viel reicher müssen die Aufwendungen sein, um das Land wirklich fruchtbar zu machen und die Scbuld vergangener Zeiten bei Zwergbauern und Landarbeitern auszutilgen. Ganz wörtlich verstanden: Auf ihrem Boden ruht die Zukunft der spanischen Republik! Otto Friedrich. Ter Druckfehlerteufel hat am Schluss« unseres gestrigen Leftartikels, Wohl zu einer Art Vorfeier d«S 80. Geburtstages S. Freuds, aus seque-ntibus das Phantasiewort sexuan- tibus gemacht. gekämpft sei... Unser deutscher Rundfunk wurde bisher als politische Konzession an die Deutschen bewachtet, als unfreiwilliges Zugeständnis, welches einerseits durch die Mitregierung der deutschen Aktivisten, andererseits durch die Tatsache, daß unter den Abonnenten des Radiojournals doch eine anständige Quote deutscher Mitbürger ist, erzwungen wurde.." Der Attikel geht von dem Standpunkt aus, daß das deutsch« Voll heute ein Voll mit zwei Kulturen ist, die durch keine territorialen Grenzen gettennt werden, sondern durch die, Seelen der einzelnen Dlen- schen hindurch gehen.„Diese Zwiespältigkeit der deut- fchen'Vollsseele", heißt es dann,„gibt unserem deutschen Rundfunk eine«inzigarfige Gelegenheit stch geltend zu machen. Und zur Geltungmachung nach seiner Art, nach deutscher Art. Denn— scheuen wir davor nicht zurück— der Erfolg der Sache hängt davon ab, ob es ein wirklich deutscher Rundfunk werden wird. In blutlosem Opportunismus, in schulmeisterhafter Erziehung um jeden Preis, in der Verdolmetschung tschechischer und slowa- kischer Interessen, in einer politischen Kritik, welche die antidemokratischen Systeme nur negiett, liegt die Zukunft dieses Rundfunks picht. Seine Zukunft liegt darin, ob er es verstehen wird, das Organ jenes anderen deutschen Geistes zu werden, welcher der Gegenpol des(kurz gesagt) kolonialen PangermaniS- mus ist. DeS Geistes, der ähnlich wie es die großen allen Böller des Westens verstehen, das Rational« mit dem Allmenschlichen vermählt. Nicht des altgermanischen und heidnischen Geistes, sondern des europäischen und christlichen(des christlichen als Resultat eine» mehr als zweitausendjährigen SttebenS der europäischen Menschheit nach universell^:..Kylzur) dieser deutsche Geist-wftd^ unserem Stuckt-gegenüber loyäl sein, nicht' aus Gründen eines'politischen Opportunismus, sondern deshalb, weil er den Sinn seiner Existenz im Rahmen des modernen Europa» begreift... Kurz, es scheint uns, daß die Aufgabe einer deutschen Sendestation in der Tschechoftowaki- schen Republik die ist, unfern aber auch allen andern Deutschen zu Bewußtsein zu führen, daß eS auch noch eine andere große deutsche Kultur gibt, als die, welche Leipzig und Berlin verkünden. Verhaftung russischer Emigranten Antisowjet-Organisation in Prag In einer russischen Restauration in Prag II wurde in der Nacht auf Dienstag«ine geheime Versammlung russischer Emigranten von der Polizei überrascht. Ungefähr 30 Personen wurden angehalten. Sie gehören einer weissgardisttschen Organisation an, welche Zweigstellen in einigen Ländern hat und sich die Propaganda gegen Sowjet-Russland zum Ziele gesetzt hat. Einige der Angehaltenen, unter welchen auch Mittelschüler sind, blieben in Haft. Informationen für Genossen Bechynt über die Lage in Westböhmen. Karlsbad. Dienstag weilte der politische Sekretär des EisenbahnininisterS 7 und stellvertretenden Ministerpräsidenten Genossen Bechhnk, Genosse Dr. Jng. K r i j, in Karlsbad, um im Auftrage des Ministers eingehende Informationen über die polifische und wirtschaftliche Situation einzuholen. Genosse Dr. Kiiß wurde bei seiner Ankunft von den Genossen Holik, Horn, Schneider und Werner begrüßt, worauf er zunächst eine ausführliche Ueberjicht über die nächsten Arbeften der Regierung gab. In mehrstündiger Aussprache zeichneten die Ver- ttauensmänner ein Bild der politischen Verhältnisse in Westböhmen und unterrichteten den Genossen Dr. Kriz über die Notwendigkeit, den Forderungen der aktivistischen Parteien und besonders der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterschaft im GrenzgebietRechnung zu tragen. Am Schluß der Aussprache, in der viele Detailftagen, vor allem die Frage der Arbeitsvermittlung und des Schutzes des deutschen Arbeitsplatzes, behandelt wurden, gab Genosse Dr. KtiZk die Zusicherung, dass er die berechtigten Wünsche der deutschen Arbeiterschaft an zuständiger Stelle vortragen und sich für deren baldige Erfüllung mit seinem ganzen Einfluss einsetzcn werde. Der Senat verabschiedete am Dienstag in einer kurzen Sitzung ohne Debatte die Vorlage über den Umtausch der Schuldverschreibungen der inneren Staatsschuld gegen die neue Unifizierungsanleihe. Der Referent Doktor K a r a S gab eine Uebersicht über die Massnahmen, die bisher zwecks Herabsetzung der für Verzinsung und Amortisierung der Staatsschuld nöti- gen Budgetpost getrosten wurden. Nachdem die Verzinsung seit 1933 um eist Viertel gekürzt wurde, soll nunmehr die Amortisierung, die seit 1933 eingestellt ist, wieder ausgenommen, zugleich aber einheitlich auf den Zeitraum von 50 Jahren verteilt werden. Die Amorttsierung der Baulose wird mit 1. Feber 1937, die Amortisierung der Staatspapiere längstens 1938 aufgeommen werden.— Ab Mittwoch werden die Ausschüsse an der Beratung der Staatsverteidigungs- und der Spionagevorlage arbeiten, die dann das Plenum voraussichtlich schon in der nächsten Woche ver« Abschieden-dürfte. Der Rechtsbeirat nahm am Montag in einer unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Dr. Hodja und des Justizministers Dr. T e r e r abgehaltenen Sitzung daS Referat des Ersten Präsidenten des Obersten Berwaltungsgerichtshofes Dr. Emil H ä ch a, betrestend die gesetzliche Regelung der Gebundenheit der Verwaltungsbehörden durch die RechtSanschäuungen deS Obersten Verwaltungsgerichtshofes entgegen. Die Verhandlungen über diesen wichtigen Gegenstand werden in der nächsten Sitzung fortgesetzt werden. Madrid von der Welt abgeschnitten Madrid. Nun haben sich auch die Lokomotivführer dem Streik angeschloffen, der von den Kohlenaufladern der Eisenbahngesellschast in Madrid am Montag proklamiert wurd». Seit dem gestrigen Tage hat kein ZuK mehr Madrid verlassen. Die Pcizfögcr Von Albert Daudistel. (Schluss.) Am folgenden Tag, oder vielleicht war es bloss nach ein paar Stunden oder gar nur Minuten, lugte er wieder einmal unter den Fellen hervor. Misstrauisch richtete er sich auf und starrte mit angehaltenem Atem umher. Das Feuer im Kamin war erloschen. Die Finsternis schien endlos. Beftemdung überkam ihn. Und da sah er drüben, weit in der dynklen Ferne, ein winziges Licht untergehen, das Lichtchen, in dessen mattem Schein die Seelen Gott vermuten. Er schlodderte vor Frost, vor innerem Frost. In sinnverwirrender Angst stammelte er:„Erbarme, erbarme dich unser... Er bekreuzigte sich und redete, um sich zu beruhigen auf Maßja ein:„Ja, Mütterchen, schlafe ruhig weiter: gleich hole ich Holz von draußen, gleich, gleich...." Und während er zur Tür hin trippelte, plapperte er in einemfort: „Gleich, Mütterchen,'gleich...." Er nahm sein geladenes Gewehr von der Wand. Ein Kochtopfdeckel, der in dem Dunkel fiel, schetterte, dass es klang wie höhnisches Gelächter. Äja erschrak. Aber schon herrschte die beftemdende Stille wieder. Zaghaft schob er den Riegel der Tür weit zur Seite. Aber als er sie aufstoßen wollte, blieb sie unbeweglich. Er versuchte sie aufzurütteln. Sie verhielt sich jedoch still, starr und unnachgiebig, als sei sie zugenagelt. Er stellte sein Gewehr ab und klemmte seine Hände, an denen die Kälte nagte, in die Achselhöhlen. Seine Seele wimmerte. Seine Kieferladen klapperten. Er begann, an der Tür, die er vor Finsternis nicht sah, zu trippeln. Er trippelte so schnelle so aus- d iuernd, als befände er sich auf der Flucht aus seinem Elend, als sei er schon auf dem Wege zu den Menschen. Auf einmal verhallte sein Laufschritt. Er buckelte sich. Er stürmt« gegen die Tur/ zweimal, dreimal. Immer und immer wieder warf er seinen greisen Körper mit der Karst der Verzweiflung gegen sie. Aber der Schnee, der sie zuwehte, war hart wie Sand. „Schlaf nur weiter, Mütterchen, schlaf nur," keuchte er, in dem er sich anschickte, mit dem Knüppel, auf dem sie einst ihre Jagdbeute nach Hause trugen, die Tür aus den Angeln zu heben. Zentimeter um Zentimeter zwängte er sie hoch, bis zur Kienhöhe. Dann stellte er die Bank unter sie, da er keinen anderen Ausweg sah, als durch den Schneeberg, der die Felshühlung geradezu vermauert hockte, ein Loch zu graben. Denn die Wände links und rechts waren Gestein, und das Ueber- gewicht des Felsens hing herab bis aufs Dach. Entschlossen begann er, den Schnseberg mit einer Schaufel zu unterhöhlen. Den Schneeschutt warf er in die Hütte und flüsterte erregt:„Gleich gibt's Holz, Mütterchen, gleich, gleich...." Dann wühlte er weiter. Und immer wieder kam er aus dem niederen, unterirdischen Gang herausgekrochen, und schippte den Schnee, der sich an der Bank, die die Tür hochhielt, so anhäuste, daß er den Eingang verstopfte, in den Hintergrund. Und der Schneeberg in der Finsternis der Hütte wuchs und wuchs. Plötzlich hielt er in dem dunllen Loch inne und zweifelte:„Aber es kann doch nicht möglich sein, dass ich mich aus Versehen nicht aufwärts herausgrabe, sondern nach abwärts vorarbeite...." Bei dieser Erwägung schrie es aus ihm:„Wir brauchen doch Lust!" Und da kam eS ihm vor, als habe nicht er, sondern Maßja-Lisaweta oder irgend ein ihm fremder Mensch weit auS der Ferne in ! Todesängsten so gerufen, so nach Hilfe geschrien...' „Gleich!" stammelte er,„gleich, gleich...." Er griff die Decke des Schachtes mit der Schaufel an und keuchte verbissen:„Luft! Doch Luft!" Und da durchstiess seine Schaufel die Schneedecke. Sie stürzt» ein. Er stieg auf di« Brocken, so daß er aus dem Berg herausschauen konnte. Um ihn war es Nacht. Weiße Stürme wüteten. Schützend hielt er sich die Hände vor» Gesicht und jammerte:»Holz! Holz! Wir brauchen doch Holz!" Er wusste, drüben, etwa zwanzig Meter von ihm entfernt, lagen dürre Aeste, die einmal der Wind brach. Aber stets, wenn Ilja sich an der Kante des Schachtes hochziehen wollte, versanken seine Arme im Neuschnee. ,Holzl" schrie er aus Leibeskräften,„Holz! Holz!" Aber das Geheul des Sturmes war stärker als seine Sfimme. Und die Angst, verenden zu müssen, trieb ihn zurück in die Hütte. An der Tür blieb er stehen. Die Dunkelheit verwirrte ihn. Er rieb sich die Augen. Aber es blieb Nacht. Der Raum u.'die Zeit schienen ihm fremd, so fremd, daß er sich einredete, er träume. Mit gespreizten Fingern tastete er in dem Dunkel herum. Er wünschte sich, nichts mehr über sein aussichtsloses Dasein zu wissen, zu schlafen, zu entschlafen. Aber überall, wo er hingriff, fühlte er nur Kälte und Nässe.„Mütterchen," rief er, als wolle er sie wecken,„Mütterchen, antworte doch!" Da faßte seine Hand in die Felle. Schnee lag ans ihnen. Er schrie:„Hör doch! So hör doch!" Sie schwieg. Er rüttelte sie:„He! He! Was denkst du, an was denkst du, dass du schon so lange schweigst...." Er horcht« nach ihrem Atem. Da heulte es im Kamin. Die Lust wurde lebendig. Die eiserne Bratpfanne, die an der Wand hing, bewegte sich. Und das Bild des Zaren und die Säge schürften am Gestein. Mit beiden Händen hielt er ihre Hand. Sie blieb kalt. Da» Grauen packte ihn. Und in der Angst lallte er vor sich, hin:„In Petcrskojc kommen die Jäger zum I Markt, tralala, tralala; und der Ural ist f j| weit...." Er brach ab.„Nein, nein, nein," hastete er,„hier wollen wir nicht enden, oder wenigstens im Tode bei den Menschen sein!" Er bahrte sie auf den Schlitten und bedeckte sie, als lebe sie noch, mit den Fellen. Kauernd hockte er sich neben den Schlitten und vertröstete sich:„Wir müssen noch warten, bis es helle wird, bis der Ostwind kommt; dann wird der Schnee hart; und wir können fahren, nach PeterSkoje... nach Pe« terskoje..." Und er summte traurig:„Nach Pe- terskoje kommen die Jäger zum Markt..." Er dachte an die Menschen, die ihm und Mffja-Lisa« weta nicht vermissten. Er dachte an die Welt, in der sie, trotz ihrer wertvollen Dienste zugrunde gehen muhten. Er horchte sehnsüchtig in die Ferne. Ruhe kam über ihn. Müde lehnte er den Kopf an den Schlitten. Plötzlich hielt er den Atem an. ES heulte in der Ferne.. Das Geheul wurde lauter, wie das Geheul nahender Bestien. Und heimlich lähmte die Kälte seine Glieder.„Ruhig, Mütterchen, nicht fürchten; ich din ja bei Dir!" flüsterte er. Er nahm sein Gewehr an sich. Bald kam das Geheul aus dem Schacht, bald verhallte es im Walde. Und da vernahm er das kindlich feine Ge« quitsche deck Hakens, an dem das erloschene Lämpchen vor dem Madonnenbilde unruhig pendelte. Es überlief ihn. Er lachte auf, irre, blechern, so dass es klang wie das Geschetter des Kochtopfdeckeis, der in dem Dunkel fiel.„Nicht fürchten, Mütterchen", lispelte er frierend,„es ist der Wind auf den wir warten; bald wird es helle; dann müssen wir fahren, fahren nach... nach...", sagte er zögernd und vermochte nicht mehr zu Ende zu sprechen. Der Frost liess sein angstvoll klopfendes Herz erstarren. Einige Jahre später, als die Vermessungskommission der künftigen Uralbahn an der Fels- höhlung vorbeikam, war die Hütte zerfallen. U»d die Höhle gehörte wieder den Bären. "Nr. 106 Mittwoch, 6. Mai 1836 Seite 3 tfudetendeutscfieg Zeitspielel Das Reichenberger „Kabarett der 13" am Reichsjugendtag Durch die Initiative der rührigen Reichen- derger Kreisführung des Sozialistischen Jugendverbandes entstand in Reichenberg selbst im Rah- nicn unserer Organisation eine Spicltruppe, dir sich„Kabarett der 13" nennt.und unter der Leitung des Genoflen Gustav Luft steht. Am 30. April 1936 trat das„Kabarett der 13" in einer Mai-Vorfeier der sozialdemokratischen Bezirksorganifation Reichenbcrg mit einem gelungenen Programm vor die Oeffentlichkeit. Das sehr gut zusammengestrllte Programm, das im ersten Teil<„So sieht die Welt aus") in Gedichten und Songs ans die Ungerechtigkeit der Welt hinwies, in einem 2., herzlich belachtem «Kapitel Volksgemeinschaft" mit dieser— aber gründlich abrechnete, und mit einem„roten Kapitel" schloß, gewann vor allem durch den Eifer und die Spielfreudigkeit der Darsteller. Dem ersten Auftreten der Reichenberger Spielgruppe wohnte der Programmleiter des Reichsjugend- tagcs, Genosse FerrN Schimmel, bei, der gleich nach der Feier die Mitwirkung des„Kabaretts der 13" am Reichsjugendtagsprogramm vereinbarte. Also auch das Reichenberger „Kabarett der 13" am Reichsjugendtag! Nochmals Prospekte Wir haben in unserer Zeitung vom 1. Mai berichtet, daß das Reisebüro Guba in Seestadt! Prospekte verteile, auf denen zu lesen ist: Den Fremden erwartet 1 in Dresden besonders der frohe Geist des neuen Deutschland. das, unter herrlicher Führung stehend, Ordnung und Eintracht und Zuversicht kennt, wie nie zuvor. Jubelnde Fahnen in allen Straßen . künden häufig von des Volkes Begeisterung und sagen dem Retter einmütig Dank. Sie winken auch den Fremden als Freund herbei. Es wurde nun festgestellt, datz diese Prospekte nicht von der Firma Guba in SeestadÜ, sondern vom„Deutschen Verkehrsverein" inKomotau zur Ausgabe gelangt sind.— Mit der Stampiglie des Reisebüros Guba waren sie nur deswegen versehen, weil der Verkehrsverein über einen Firmenstempel des Guba'schen Reisebüros verfügt. Wir stellen dies gerne fest und haben keine Ursache, an der Richtigkeit dieser Mitteilung zu zweifeln, weil uns gerade die Firma Guba' als ein seriöses Unternehmen bekannt ist. Das ändert aber nichts an der Tatsache, datz die Verleitung derartiger Prospekte in. unserem Staate zumindest eine Frechheit ist. Wie wir jetzt einwandfrei festgestellt haben, wurden diese Prospekte in Deutschland gedruckt und von dort zum Versand gebracht. Alle Reisebüros im deutschen Grenzgebiet erhielten solche Rundschreiben zugeschickt. Sie gingen sogar durch die Zollzensur. Allerdings mutz hier eine Einschränkung gemacht werden. Die Prospekte erscheinen in deutscher und tschechischer Sprache. Im tschechischen Wortlaut ist die oben angeführte verfängliche Stelle w eggelassen. Das lätzt den Schlutz zu, datz eben nur der tschcchiche Text gelesen und zensuriert und dann die Sendung frcigegeben wurde. Unseres Erachtens wäre es Die Präser deutsche Abendsendung im April Langsam dringt in die deutsche Sendung ein Zug zur demokratischen Erziehung ein. Es sei freudig frstgestellr, das; das Hauptverdiem't daran der Arbeitersendung zukommt, die als Beispiel dient und in her auch im April eine Reihe von ausgezeichneten Vorträgen gehalten wurde, die all« anderen Vorträge durch ihren sittlichen Ernst und ihre demokratische Grundhaltung übrigens aber auch formell überragen. Genosse Heinrich Wondrak- Karlsbad, setzte klar auseinander, warum für den Arbeiter und di« gesamte kulturell« Entwicklung von Volk und Staat die Demokratie notwendig ist, er verlangte aber auch, datz die Demokratie wachsam sein müsse, damit sie nicht mit demokratischen Methoden gestürzt wird. Der Vortrag Josef Bunzls über Victor Hugo und den Parlamentarismus war insoferne von starkem Inter« esse, al« er den großen Franzosen mtt der heutigen Zeit konfrontierte; die bedeutenden Worte, die Hugo für den Parlamentarismus als die Tribüne des Volkes fand, wirkten erhebend und anfeuernd. Als Verfechter demokratischer Grundsätze und eines föderativen Europas erwies sich auch Dr. Honig in seinem Vortrag: Paneuropa, die Ret« tungder Demokratie in Europa. Die Erkenntnis der wirtschaftlichen und chaotischen aber sehr notwendig, gerade den aus Deutschland kommenden Werbeschriften ein erhöhtes Augenmerk zuzuwenden. Den Behörden ist nun der Inhalt dieser Drucksorten bekannt. Wird man jetzt dafür sorgen, datz deren Verteilung im Gebiete unseres Staates eingestellt wird? Das Ringen der Jugend spiegelt sich auch in dem neuesten Heft der Zeitschrift„Das junge Volk"(Folge 8 des 2. Jahrganges) wieder, aus dessen reichem Inhalt vor allem die Worte über„Jugend und Demokratie" vermerkt zu werden verdienen; vie einer beim vorjährigen sozialistischen Jugendkongreh in Kopenhagen gehaltenen Rede des Vorsitzenden der Jugendinternationale, Genossen Koos Vorrink, entstammen und ein aufrüttelndes Bekenntnis zu der grotzen Aufgabe sind, die der sozialistischen Jugend gerade in der Gegenwart gestellt ist: die sozialistische Bewegung aus dem billigen, doktrinären Optimismus herauSzufüh- rcn, der so bitter enttäuscht wurde, und den Kampf für den europäischen Geist der menschlichen Verantwortung aufzunehmen, der die Grundlage unserer Kultur ist und dessen Verkörperung, die Demckratie, von der sozialistischen Jugend gegen den barbarischen Rückfall des Faschismus verteidigt werden mutz,— ein Kampf, zu dem freilich mehr Lebensmut gehört als zur willenlosen Gefolgschaft hinter einem Führer, ein Kampf aber, für den die Jugend sich entscheiden mutz, wenn sie ihre europäische und sozialistische Mission erfüllen will. Wie sehr unsere deutsche sozialistische Jugend in der Tschechoslowakei von dieser Mission durchdrungen ist, zeigt der Aufruf Deutschland schafft neutrale Grenzzone 7 Paris, Der Berliner Berichterstatter der „Information Financiöre" teilt mit, datz Kriegs- Minister Marschall von Blomberg am Dienstag eine Regierungsverordnung ausgege- ben habe, durch die eine 5 Kilometer breite neutrale Zone entlang der Grenzen Drutslchands mit Frankreich, Belgien und der Tschechoslowakei errichtet wird. Ausdrücklich werde allen deutschen Soldaten verboten, in Uniform diese Zone zu betreten. Die Entführung Jacobs vor Gericht Bern. Montag begann in Basel der Prozeß gegen den rekchsdeutschen Staatsangehörigen W e s e m a n n, der angeklagt ist, den Journalisten Jacob im März 1938 über die deutsche Grenze entführt zu haben. Nach Verlesung der Anklageakten wurde mit der Einvernahme Wesemanns und der Zeugen begonnen. Aus den Verhandlungen des ersten. Tages geht hervor, datz Wesemann auf weit grötzerem Fuhr lebte als es sich mit seinen bekannten Einnahmequellen erklären lietze, daß er bei der deutschen Botschaft in London ein- und ausging und datz die Nachricht von der geglückten Entführung Jacobs im deutschen Reichswehrministerium von Göring und vom Reichskanzler mit Genugtuung ausgenommen worden sei. In der diestägigen Verhandlung schilderte Jakob seine Berliner Erlebnisse. Er sei 16 Nächte hindurch in einer ständig erleuchteten Zelle angekettet gewesen,' da man ihn am Schlafen hindern wollte. Man habe ihm bedeutet, wenn er Komplicen nennen würde, habe er Aussicht, nach 18 Jahren freizukommen; sonst sei er verloren. Zustände in der Welt führt auch den Paneuropäer zur wirtschaftskritischen Fundierung seines politischen Ideals. Er erkennt, daß die sozialistischen Ideen und Programme die Reaktion sind auf wirtschaftliche Unterdrückung, er erkennt aber auch, daß die Reak- tion sich gegen das Weltbürgertum und gegen die sozialen Strömungen stellt. Seine Forderung nach größerer Disziplin, die die Demokratie benötigt, sei unterstrichen. Josef Kants Vortrag über die sozialistischen Utopisten war einer der besten.der letzten Monate. Die NotdesAr- beiters in dieser Zeit verstand Genosse Franz Kogler, Bodenbach, klar zu umrcißen, indem er in einer großen Zahl von Antworten aus allen Kreisen von Arbeitslosen diese selber sprechen ließ und die Antworten kommentierte. Viele gute Vorschläge zur Lösung des Arbeftswsenproblems machen die Arbeitslosen selbst und tausendfache Geduld bringen sie auf, diese Zeit durchzuhalten. Sie schildern alle Folgen der Untätigkeit, von der Ehezerstörung bis zum Gefübl der Ueberflüsiigkeit, aber man hört auch aus mancher Antwort die Erfolge der sozialistischen Erziehung: den sittlichen Ernst, mit der diese Menschen ihre Lage betrachten, und ihr Begreifen und Verstehen, daß die Demokratie die beste Voraussetzung zur Ueberwindung der Krise bietet. Genosse Karl Kern erhob in seiner, Schilderung der Not rm Haida-Steinschönauer GlaSgebiet die Forderung nach besserer sozialer Fürsorge, besonder- für die Jugend, die statt drei, sechs Jahre in der Fachschule arbeitet, nur um nicht müßig zu gehen! des Genoflen Rudolf Geißler zum Bodenbacher Reichsjugendtag zu Pfingsten, der im Zeichen des Kampfes gegen den Faschismus und für den Frieden stehen wird und über dessen Programm und dessen Vorbereitungen das neue Heft des„Jungen Volk" viele aufschlußreiche Mitteilungen enthält. Ein Bericht über die Brüsseler Tagung der Exekutive der Sozialistischen Jugendinternationale und die von ihr beschlossene Anti-Kriegskundgebung ergänzen den politischen Inhalt des Heftes, dem auch diesmal wieder eine Erzählung aus dem Leden der heutigen Jugend und psychologisch-pädagogische Aufsätze(über die„Vierzehnjährigen" und die „Wehrertüchtigung") beigegeben sind, die besonders lesenswert sind, weil sie von der richtigen Voraussetzung ausgehen, datz die Erfassung der Jugend nicht nur eine Sache des Programms, sondern eine Angelegenheit des Verstehens und der Erziehung ist. 38 Minuten„Atus-Sendung“ im Prager Rundfunk Am 10. M-i von 14.30 bis 15 Uhr— Prag I, Liblice Leitung: Bundesturnwart Genosse Grasse. Mitwirkende: AtusPrag Die Sendung ist eine Uebungsstunde für alle Freiübungsturner und-Turnerinnen zum 3. Bundesturnfest. Alle Uebungen, auch die der Kinder, werden mit Klavier- und Harmonikabegleitung geturnt. Alle Kinder und Erwachsenen, alle Vereine treten deshalb Sonntag, den 10. Mai, von 14.30 bis 15 Uhr zur ersten Kontrollstunde für Komotau an. Die Vereinsleitungen tragen Sorge, daß in den Hebungslokalen Lautsprecherapparate aufgestellt werden. Balkanberatunsen verlängert Belgrad. Die vier Autzenminister der Balkan-Entente verhandelten Dienstag nachmit- tkrgs hauptsächlich über die Auslegung des Balkan-Paktes in der Frage der Meerengen und über den eventuellen Standpunkt Bulgariens zur Balkan-Entente. Die Verhandlungen fanden in einer ungewöhnlich herzlichen und freundschaftlichen Atmosphäre statt. Entgegen den ursprünglichen Disposftionen werden die Beratungen erst Mittwoch vormittags abgeschlossen werden. Flat justlda I Wien. In Wiener-Neustadt wurde der Kommunist Franz Bredal zu sechs und seine beiden Genossen zu je fünf Jahren schweren Kerkers verurteilt, weil, sie auf einer Vervielfältigungsmaschine Flugblätter herstellten, deren Inhaft, wie sie bei der Verhandlung einstimmig erklärten, ihnen unbekannt war. Dagegen erhielt der Mechaniker Rudolf K a l b a s, der die illegale hakenkreuzlerische Zeitschrift„Die braune Front" verfaßte und druckte, vom Wiener Schöffensenat lediglich acht Monate strengen Arrestes. bleuer Fememord In Villach Klagenfurt. In Villach gab ein unbekannter Täter gegen den 28jährigen Nationalsozialisten K u st e r n i g g, der erst kürzlich aus dem Konzentrationslager in Wüllersdcrf entlassen worden war, einen Schutz ab. Kusternigg erlag bald darauf seinen Verletzungen. Man vermutet, datz Kusternigg einem Fememord zum Opfer gefallen ist. Unsere aktuellen zehn Minuten wachsen sich zu internationaler Bedeutung aus, weil sie zu den wesentlichsten politischen Ereignissen Stellung nehmen und offen diejenigen nennen, die vom Frieden reden und hinterlistig den Krieg vorbereiten. Sie unterrichten«wer auch über die inneren Zustände jener Länder, in denen die Be- völlerung aus ihrer Presse darüber nichts erfahren darf. Es ist für die Demokratie eine lebenswichtige Frage, daß der Rundfunk über alle Dinge des politischen Lebens often berichtet. Daß es in den aktuellen zehn Minuten geschehen darf, sei anerkannt; daß es aber in der Woche nur in zehn Minuten geschieht, ist zu wenig! Erwähnt sei noch die gelungene Uebertragung eines Hörberichtes aus einer Kaserne, der einen Tag ast s dem Leben des Soldaten brachte, wobei deutsche Soldaten mitwirkten.— Hans Be-ck-Utitz machte die Hörerschaft ausgezeichnet mit Land und Leute K a r p a- thorußlands bekannt. Mit wirtschaftlichen Fragen befaßte sich Karl B e n d a, die Quintessenz seiner Forderung: daß sich unsere Industrie erst selbst organisieren müsse, bevor ihr durch den Staat geholfen werden könne. Zur Kritik forderte ein Vortragender der christlichen Gewerkschaften heraus, der in der„berufständischen Gliederung" einen Ausweg sieht. Von dieser Forderung werden außerhalb der katholsschen Gewerkschaftsbewegung die Arbeiter nicht überzeugt werden können. Soll Weiteres Sinken der Arbeitslosigkeit Ende April 716.500. Ende März 797.770 Arbeitslose Die Zahl der arbeitslosen Strllenbewrrber. festgestellt auf Grund der vorläufigen Meldungen der öffentlichen Arbcitsvermittlungsämter, betrug Ende April 1936 716.500 Personen gegen 797.770 Personen Ende März. Die Zahl der Arbeitslosen ist also gegenüber dem Bormonat um 81.270 Personen, das ist um 10.2 Prozent gesunken. Die Anzahl der Arbeitslosen ist Ende April 1936 auch niedriger als Ende April 1935, wo sie 734.550 Personen betrug. Paul Faure: Das Volk hat gesprochen - In dem sozialistischen Blatte„Le Populaire* erklärt der Generalsekretär der sozialistischen Partei Genosse Paul Faure: „Ohne leere Drohung und ohne Prahlerei warnen mächtige Bank- und Industriekapitäne, datz es notwendigerweise Repressalien und Re- vanchematznahmen Hervorrufen würde, wenn der Nation Widerstand entgegengesetzt und auf irgendeinem Gebiete ein zersetzender Standpunkt eingenommen würde. Die Zeiten sind bereits vorbei, wo aus Mitschuld oder aus Schwäche eine Sabotage großer Interessen Frankreichs geduldet wurde. Das französische Volk hat gesprochen, und jedermann ist verpflichtet, seiner Stimme zu gehorchen, selbst wenn er an einer noch so hvhen Stelle sich befindet." Das kommunistische Blatt„Humanite" schreibt:• „Die von den Massen geforderten Gesundungsmaßnahmen müssen unverzüglich durchgeführt werden: Sofortige Säuberung des schleichhändlerischen Milieus der politischen Unterwelt. Verbot der Anhäufung von Funktionen, ein an die Deputierten zu erlassendes Verbot, Mitglieder von Verwallungsräten zu sein, Finanzgesellschaften anzugehören oder deren Rechtsvertreter und Berater zu sein; Einleitung der Untersuchung betreffend das Eigentum von Politikern und betreffend die Quellen, aus denen die Presse finanziert wird. Diese vorläufigen Maßnahmen werden sicherlich dazu beitragen, Vertrauen und Ruhe herbeizuführen." Dimitrow gegen die Gottwald-Linie? Paris. Die Pariser Blätter bringen aus Moskaik„die Ikach,rjcht,,,datz Georg Dimitrow an die Kommunisten ausländischer Parlamente die Weisung gesandt habe, nicht gegen die Maßnahmen zur Landesverteidigung zu stimmen. Er habe erklärt, daß sie in gewissen Fällen für diese Maßnahmen stimmen müßten, allerdings unter der Bedingung, daß die bürgerlichen Regierungen die auf diese Weise durch kommunistische Stimmen unterstützt würden, eine antinazistische Politik befolgten. Diese Weisungen seien offenkundig für den Gebrauch der französischen kommunistischen Partei bestimmt. Außerdem begrüßte Dimitrow in seiner Botschaft die guten Ergebnisse, die in Frankreich und in Spanien durch die enge Zusammenarbeit der sozialistischen und der kommunistischen Parteien erreicht worden, seien. In der Gefangenschaft gestorben... Assuncion. Wie amtlich bekamttgegekstn wird, beabsichtigt die Regierung von Paraguay. 18.000 gefannengenommene Bolivier in Freiheit zu setzen. 4500 Bolivier sind an den Folgen von Verletzungen und Krankheiten bereits gestorben, 5000 weitere sind geflohen. Bolivien wird demgegenüber 2500 Paragugyaner in Freiheit setzen; 1600 Mann sind in der Gefangenschaft gestorben. Oesterreich oder Italien vielleicht das Ideal sein, das ein Arbeiter für sich erkämpfen soll? Unter den kulturellen Sendungen waren die Buchbesprechungen Archivrats M o u ch a wieder beispielgebend, ebenso seien, die meisten musikalischen Sendungen anerkannt, nur hätte man ohne weiteres auf das Auftreten Erna Sacks verzichten können, die man samt der Wertlosigkeit ihrer Kunst aus vielen anderen Sendungen kennt.— Auch in der landwirtschaftlichen Sendung fand sich endlich in der Person des Oberlehrers Josef Blau jemand, der zu den Bauern über das sprach,■ was an dieser Stelle so oft gefordert wurde: nicht nur über Fütterung und Düngemittel, sondern über dön nötigen Anschluß des Dorfes an die gebildete Welt, über die Ausnützung unserer Gesetzgebung hinsichtlich der Gemeindebüchereien, der Orts- und Be- zirksbildungsausschüfse, über die Schaffung einer Torfkultur, ähnlich wie in Dänemark. Wenn freilich schon dieses Land als Beispiel herangezogen wurde, darin müßte man auch weiter gehen in der Forderung nach Erziehung zur Demokratie, der dieses vorbildliche Land seinen aesamren Reichtum und seinen kulturellen Fortschritt zu verdanken bat; dann müßte aber auch die weitere Forderung nach der gleichen Zusammenarbeit zwischen Bauer und Arbeiter wie in Dänemark erhoben werden. Wir hoffen, dass auch der Landwirtefunk bald darnach handeln wird. RichardBäumk. j Seite 4 Mittwoch, 6. Mai 1936 Nr. 108 A-estremgLelten Eines Mannes Rede Ist keines Mannes Rede... Lakonisch wird gemeldet: Alle Hochschulen in der§SR. haben sich für Beibehaltung des heutigen Zustandes der Hochschulautonomie aus. gesprochen^ Um Klarheit zu haben: Gefragt wurden nur die Nu tz nieß e r d es heutigen S y st e m S der Hochschulantonomie, d. h. die ordentlichen Professoren. Einer dieser Nutznießer, der Abgeordnete Prof. Dr. D o m i n, hat sogar in einer Interpellation an den Schulminister eine Erklärung verlangt, daß eine Einschränkung der Hochschulautonomie nicht zugelassen werde. Der Schulminister antwortete ausweichend,,daß. die Grundsätze der Hochschulautonomie gewahrt bleiben und betonte zugleich die Notwendigkeit, -aß die b e st e n w i s s e n s ch a f t l i ch e n Fachmänner zur Geltung kommen müssen. Warum wurde nicht der wissenschaftliche Nachwuchs, außerordentliche Professoren und Dozenten, warum wurden nicht Hörer, Nrivat- gelehrte, Schriftsteller, Politiker, Künstler be. fragt? Weil die meisten— soweit sie nicht mit" den ordentlichen Professoren verwandt oder verschwägert sind— für Aufhebung der Hoch- schulautonomie und Geltendmachung der Ouali- fikcmon gewesen wären. Welcher vernünftige Mensch würde dem Alkoholkapital die Entschei- duna über die Prohibition, der Rüstungsindustrie die Frage über Krieg und Frieden, den Sklavenhändlern die Entscheidung über die Auf- Hebung des Sklavenhandels überlassen? Aber die ordentlichen Professoren sollen über das Schicksal der Hochschulautonomie entscheiden! Marianne Hämisch gestörten. Die Mutter des gewesenen Präsidenten der Republik Oesterreich und bekannte Vorkämpferin der österreichischen Frauenbewegung, Marianne Hainisch, ist in Wien im Alter von 97 Jahren gestorben. Stürzende Ruine begräbt neun Menschen. In der Nacht zum Dienstag stürzte eine Mauer von dey Ueberresten des am Etschufer gelegenen römischen Theaters in Verona auf das Dach eines dreistöckigen Hauses, das bis auf die. Grundmauern in Trümmer gelegt wurde, Sämtliche Hausbewohner wurden unter den zusammenstür- zenden Schnttmassdn begraben. Unter den neun Toten befindet fich ein Ehepaar mit drei Kindern. Glücklicherweise waren zwei Stockwerke des Hauses unbewohnt, so daß die Zahl der Opfer noch verhältnismäßig gering ist. Verheerende Gewitter, lieber Subotica und Umgebung(Ungarn) ging Montag ein heftiges Frühjahrsgewitter nieder, bei dem der Blitz zweimal einschlug und an verschiedenen Stellen zwei Personen, einen Bauern und eine Hirtin, tötete. Im Bakonyer-Wald wurde die Ortschaft Györra- vazd fast vollständig vernichtet. Der Blitz zündete dort einigemale und überaus zahlreiche Gebäude wurden durch Feuer zerstört. Der größere Teil der Gemeinde liegt in Trümmern. Die über die Ufer getretenen Wildbäche haben Gärten und Felder überschwemmt. Das Gewitter hielt sechs Stun-! den an. Immer dieselben dummen Witze. Am Montag, den 4. d. M., ereignete sich in der Stefänik- Kaserne beim Znf.-Reg. Nr. 5 eine ernste Verletzung eines Soldaten. In einem MannschaftsDer Begründer der Psychoanalyse Zu Sigmund Freuds 80. Geburtstag , Die Bedeutung der Forschungen und Lehren des Wiener Mediziners und Psychologen Sigmund Freud kann nicht dadurch verdunkelt werden, daß seine Psychoanalyse von geschäftigen Schreibern verflacht und „popularisierend" entstellt wurde und von den bebeu- tendsten Schülern Freuds(Alfred Adler und C. G. Jung) kritisiert und ergänzt worden ist. Wenn Jahre hindurch— und wohl heute auch noch—„Kamst lexe",„Fehlleistungen" und„Wunsch- t räume"' als Unterhaltungsstoff für Bpdgegesell- schaften und als schmückende Beiworte für pikante Lektüre dienten, so hat das zwar zur Diskreditierung der Psychoanalyse als Modewissenschast beigettagen, aber andererseits war es doch ein Zeichen dafür, daß Sigmund Freuds Vorstöße in bisher kaum erforschte Gebiete des menschlichen Seelenlebens' nicht nur wissenschaftliche Probleme berührten, sondern einem Neu-Orientierungsbedürfnis des menschlichen Geistes «ntgegenkamen. Freud ist von der Medizin zur Psychologie vorgedrungen, vom Studium der„neurotischen" Erkrankungen zum Studium des„Unterbewußtseins", in dem er die Ursachen jener Krankheiten suchte, die für die Schulmedizin rätselhafte Tatsachen waren, die man bis zu Freud(und wohl auch später noch) mit Kaltwasserkuren und ähnlichen äußeren Waffen auszurotten versuchte. Der Schritt unter die Schwelle des BewußffeinS ist die große Pioniertat Freuds gewesen, die über seine bleibende Bedeutung entscheidet, auch wenn manche seiner Lehren und sogar seiner methodischen Grundsätze der Krikik nicht jlandhalten sollten. Mit diesem Vorstoß ins Unterzimmer legte der Soldat Joses Kinczec im Scherz gegen den Soldaten Ladislaus Gejsa-Ruhäs ein Dienstgewohr an, in welchem sich aus bisher unbekannter Ursache eist UebungSgeschoß.. befand. und drückte ab. Durch den Schuß wurde der Soldat Gejsa-Ruhäs oberhalb des linken Auges am Kopfe verwundet. Der Verwundete wurde'sofort in die chirurgische Abteilung des Divisionskran- kenhaiffes geschafft. Es wurde sodann die Untersuchung eingeleitet. Laut der vorläufigen ärztlichen Untersuchung ist die Verletzung schwerer Natur, jedoch nicht lebensgefährlich. Das blaue Licht am Genfer See. Die, Be-i wohn er von Thonon auf der französischen. Sette des Genfer Gees und der umliegenden Ortschaften sind zur Zeit über selffame Lichtcrscheinungen, die allnächtlich auf den Hügeln zu sehen sind, sehr beunruhigt. Das Phänomen Macht den Eindruck, als' ob Baumkronen elektrisch geladen sind und ein diffuses blaues Licht ausstrahlen. Die Strahlenkronen sind weithin sichtbar und bewegen sich, als ob sie vom Winde göstreist würden. Da es keine Sümpfe gibt, kann man unmöglich von Irrlichtern reden. Auch eine Massensuggestion kommt nicht in Frage, da die meteorologische Station Gland in der Schweiz aus 20 Kilometer Entfernung die Erschipnung registriert hat und den' französischen Behörden in aller, Form darüber Mitteilung machte. Zur Zeit steht man noch vor' einem vollständigen Rätsel, aber man munkelt bereits in der dortigen Gegend, daß Versuche mit neuen„Todesstrahlen" von irgendwelcher Sette her gemacht werden. Die Erregung ist um so größer, als man auch im Jahre 1914 um die gleiche Jahreszeit die Erscheinungen wahrgenommen hat. Selbstverständlich führt dies zu abergläubischen Voraussagen. Ei« Kind statt einer Katze erschossen. Ein Gärtner von Quessoh(Frankreich) verfolgte seit einiger Zeit Katzen,'. die auf. sein Gelände kamen und sich angeblich nicht verscheuchen» ließen. Er hatte bereits, mehrfach ohne Erfolg Schreckschüsse abgegeben, bis er die Geduld verlor und nun in der Ansicht, eine Katze unter'den Stachelbeerbüschen zrr bemerken, auf das Tier schoß. Er hatte das Unglück, statt dessen ein 18 Monate altes Kind zu treffen und schwer zu verletzen. Bei dem Versuch der Amputation des gettoffenen Beines verschob das.Kind. Der Mann konnte mit Mühe von einem Selbstmordversuch abgehalten werden. Hinrichtung eines Löwen. Eine furchtbare Dompteur-Tragödie hat sich auf einer Jahrmarktschau in Paris abgespielt. Auf dieser Schau hatte auch die Menagerie„Zum großen Käfig", die dem Dompteur Jouviano gehört, ihre Zelte aufgeschlagen.. Das Glanzstück der Schau war der große Löwe Schura, der schon immer sehr wild war und vor einiger Zeit Jouviano selbst verletzte. TaS Tier, das, ein besonders schönes Exemplaf war,' fvllie Yn* einkitz! Film mitwirken und wurde von dem Reffen des Be-, sitzers Charles Hulin abgerichtet. Dabei stürzte sich' der Löwe Schura auf den jungen Dompteur und zer-> biß ihm die Gurgel. Jouviano beschloß nunmehr, das Tier zu töten. Es wurden vergiftete Fleischslücke in den Käfig geworfen, aber der Löwe beroch sie, ohne sie zu fressen, da offenbar das Gift spürbar war. Daraufhin wurde die Hinrichtung des Löwen durch die Kugel beschlossen. Jouviano und«in Gehilfe mußten nicht weniger als fünfzehn Schüsse auf das- Tier abgeben. Rach der furchtbaren Agonie seines Lieblings brach Jouviano zusammen. Ei» Saphier von 100.000 Karat. Auf Ceylon ist der bisher größte Saphir der Welt gefunden worden. Er wurde mit den entsprechenden Vorsichts-, maßregeln nach London zur Bearbeitung gebracht. Der Stein wiegt 42 englische Pfund und hat in un-, geschliffenem Zustand 10.0.000 Karat. Allerdings sst er sehr weiß und nur mit bläulichem Schimmer; darum wird sein Wert nur auf zirka 2000 Pfund geschätzt; in geschliffenem Zustand dürfte sich dieser Wert, verfünffachen. Würde es sich in diesem Fglle ■ um einen tiefblauen Saphir gehandelt haben, so wäre der Stein unschätzbar. Eine Miniattrr-Eisendabn für einen König. 'Die Effenbähn-Löidenschäft dcS bulgarischen Königs ist im ganz Europa bekannt; der König ist ein ausgezeichneter Amateur-Lokomotivführer und versäumt keine Gelegenheit, die neuesten Modelle von Maschinen selbst am Führerstand auszuprobieren. Ein arbeitsloser Mechaniker aus Tirnovo hat nun dem König eine exakt ausgearbeitete Miniatur- Eifenbahn zum Geschenk gemacht. Die Lokomotive ist zweieinhalb Zentimeter laug, besitzt aher einen richttgen Dampfkessel und wird automatisch aus einem angebauten Tender mit richtigem Kohlenstaub befeuert. Fast zwei Jahre hat der Mechaniker mit der Herstellung der Eisenbahn zugebracht; dafür hat ihm jetzt der König Boris einen Ingenieurposten bei den staatlichen Eisenbahnen verschafft. Ein« Indianerin wird heilig gesprochen. Zum ersten Mal in der Geschichte der katholischen Kirche soll«ine Indianerin heilig gesprochen werden. Es handelt sich um Catherne Tekvkwitha, deren Fall im Augenblick das Konsistorium beschäftigt. Berichterstatter ist der Kardinal Carlo Sa- lotti. Es gilt als sicher, daß Tekakwitha als selig erklärt werden, wird, womit der erste Schritt zur späteren Kanonisierung getan ist. „Halbheiter." Wahrscheinliches Wetter heute: Halbheiter, bis auf kleine Ausnahmen niederschlagsfrei, Temperatur im ganzen wenig verändert, Wind aus östlichen Richtungen.— Wetteraussichten für Donnerstag: Etwas kühler, sonst noch keine größere Aenderung. Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der Dienstag-Ziehung der V. Klasse der 34. tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden folgende Lose gezogen: 10.000«ö die Lose Nr. 57945, 25999, 12680, 107224; 5000 K£ 48006, 819, 50495, 81881, 15090, 24128, 3370, 22039, 52979, 56307, 61808, 8401, 42,021, 50122, 49299, 30779, 84833, 82797, 50501, 97177. 2000 Kß 19783, 63952, 100891, 82741, 88896, 53290, 54831, 58166, 64249, 21450, 68150, 102689, 69125, 18609, 50200, 29295, 1437, 26174, 47193, 37139, 74872, 50830, 52194, 69505, 8567, 63768, 68404, 68988, 39886, 22325, 50616, 18868, 18656, 21101, 51225, 22713, 86637, 105254, 97678, 90035, 98645, 85904, 14421, 57242, 94707, 68255, 65926, 94881, 43143, 55362, 37275, 39662, 28058, 87770, 21929, 69532, 89996, 89712. 95920, 5409, 102403, 82007, 107514, 31345. Ein Vorläufer des.Führers" Metternich hat einmal an die Gräfin Lieven geschrieben:„Wäre ich ein Pierd, so würde ich meinen Stall und meine Futterkrippe anbeten." lleber seine sehr zettgemäßße Rednergabe berichtet einer seiner Biographen, Victor Bibi („Metternich in neuer Beleuchtung", Wien, 1928): „Fürst Metternich wiederholtes! ch st a r k in seinen Ausdrücken und Phrasen, so daß man seine Geschichten zuletzt nicht ohne Gähnen vernahm. Aehnlich drückte sich die Gräfin Lietzen" aus, seine einstige Freundin, die den Fürsten nach seinem Sturze, im Mai 1848, in London sah und hörte. Der halbtaube Mann, so erzählt sie uns. schwatzte und wiederholte sich zehnmal, wenn er so vor wenigen Fremden, vor einem I sehr dummen Auditorium abends in seinem Salon sehr lang und sehr langsam immer wieder von sich selbst sprach, und im Grunde alle langweilte... Die große Redseligkeit Metternichs war aber schon der Gegenstand allgemeiner Klage, als er noch im Neue Briefmarken Aus Anlaß des hundertsten Jubiläums der Veröffentlichung der Gedichte von K. H. M a ch a gibt die Postverwaltung Erinnerungsmarken heraus, von denen wir den Wert 1 Kc(rot) zeigen, die das Denkmal des Dichters trägt. Vollbesitze seiner Macht dastand. Graf Kolowrat berichtete im Jahre 1838 über eine Konferenz, in welcher der Fürst wie gewöhnlich das große Wort führte. Er begann dieselbe mit einer Rede, die ungefähr zwei Stunden dauerte, Sobald jemand eine Bemerkung Vorbringen wollte, unterbrach ihn der Fürst mit den Worten:„Erlauben Sie, ich weiß, was Sie sagen wollen, allein...", und nun ging es wieder fort. Endlich sagte der Fürst:„Uebri- gens freue ich mich, wie gut es war, der Sache hier den Impuls gegeben zu haben. Wir fragten uns gegenseüig, worüber wir denn einverstanden wären und was nun zu tun wäre? Kurz, man spielte die Komödie„Er spricht allein". Auch der Feldmarschall Radetzky erzähü uns über die Gesprächigkeit des Kanzlers eine artige Geschichte, die uns zugleich zeigt, daß man aus'dem vielen Reden nicht immer klug wurde. Kaiser Franz fragte den General, ob er schon bei Metternich war, was er bejahte. Als ihm nun der Monarch bedeutete, daß er dann bereits alles wisse, erwiderte Radetzky: „Bitte, um Vergebung, der Fürst sprach drei Stunden, aber ich weiß nichts," Aber so sehr geistig höherstehende Männer über die ihnen aufgetischten Plattheiten sich ärgerten; auf einfachere Gemüter wirkte der Fürst gerade durch solche Selbstverständlichkeiten, die ihr Fassungsvermögen nicht überstiegen."...,^... Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Proflranunani Donnerstag Prag, Sender S.: 7.00: Morgenkonzert. 10.05: Deutsche Presse. 12.10: Operngesänge. 12.35: Mu- jfiks Salonorchefterkonzert. 15.00 Schallplattenkonzert. 17.45: Deutsche Sendung: Die liebe Maienzeit, deutsche Volkslieder. 18.10: Landwirtschaftliche Sendung. 18.45°: Deutsche Presse. 19.10: Englisch für Anfänger. 22.15: Salonorchesterkonzert.— Sender S.: 7.30: Populäres Konzert. 14.15: Deutsche Sendung: Bilek: Haftung für die Umsatzsteuer. 14.35: Vorlesung aus besprochenen Büchern. 18.00: Erste Maiennacht. 19:10: Klavierkonzert.— Brünn: 13.30: Deutscher Arbeitsmarkt. 17.15: Aus der„Verkauften Braut". 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Etrich: Zweck der Fachorgani- sationcn. 19.35: Volkskonzert.— Pressburg: 20.20: Lieder aus dem Süden.— Mährisch-Ostrau: 16.10: Nachmittagskonzert. 18.10: Deutsche Sendung: Ar- beiterfunk: Konzert der Arbritersänger„Frohsinn" aus Oderberg. bewußte, in die Welt der Wunsch- und Angstttäume, der aus dem wachen Bewußtsein verdrängten Begierden und der aus Kindheitserlebnissen geformten Komplexe, die, das Verhalten des Menschen(und vor allem^des Neurotikers) stärker beeinflussen können als seine bewußten Erkenntnisse und Vorsätze,— mit diesem Vorstoß ins Unterbewußte ist Freud aus der Reihe der großen Mediziner in die Reihe der bedeutenden Philosophen der nachmaterialistischen Richtung getreten, in die Reihe, die durch die Namen Schopenhauer, Nietzsche und Bergson gekennzeichnet ist. Es ist jene Philosophie, die sich aus der Kritik an den Lehren Kants entwickelte, die auf das bewutztp Erkennen und den bewußten Willen aufgebaut waren, und aus der Kritik am Mechanismus und PofirivisinuS der Büchner, Feuerbach und Comte, die den Menschen nur als naturwissenschaftliche Tatsache und nicht als psychologisches Problem sahen. Man hat der Philosophie, die beim Bewußtsein nicht stehen blieb und die naturwissenschaftliche Wclterklärung als unzulänglich empfand, oft den Namen„Irrationalismus" gegeben, und in diesem Sinne wäre auch Freud, der im Unterbewußtsein die Wurzel seiner Erkenntnisse fand,«in „irrationaler" Psychologe. Aber man muß den philosophischen„Irrationalismus" gegen den Mißbrauch in Schutz nehmen, der mit seinem Namen und(soweit es Nietzsche angeht) auch in seinem Namen heute von jenen Dunkelmännern gettieben wird, die mit dem Schlagwott.^Irrationalismus" die Menschheit bewußtlos machen und verblöden wollen, die den Aberglauben an Blut und Boden an die Stelle der Erkenntnis und des Willens setzen wollen, den„rassischen" Aberglauben, der viel ärger als der platteste Positivismus ein wüster Mißbrauch naturwissenschaftlicher Begriffe zur Mißbildung einer Weltanschauung geworden ist. Während diese„Jrrationalisten" vom Schlage Alfred Rosenbergs das Bewußtsein für minderwertig erklären, um sich und die Menschheit ungehemmt in den Blut-Rebel stürzen zu können, ist es Ziel und Ausgabe des philosophischen„Irrationalismus", das Unbewußte und Unterbewußte ins Licht des Bewußtseins zu erheben, es zu durchforschen und zu erkennen. Gerade Sigmund Freuds psychoanalytische Heilmethode ist ein klassisches Beispiel dafür: denn sie besteht, kurz gesagt, darin, dem Nerottker seine„Komplexe", Verdrängungen und Begierden bewußt zu nmchen. Die Ergänzung der Vernunft-Philosophie Kants und des Materialismus durch eine auf außerhalb des Bewußtseins liegende Triebkräfte des Menschen ge- richtete Philosophie wird jedem notwendig und frucht- bar erscheinen, der bei aller Bewunderung für Kant und aller Treue zum politisch-sozialen Marxismus, doch nicht im Gedankenkreis einer vergangenen Jahrhunderts unbetveglich verharren will. Aber er wird ebenso wenig die Gefahr verkennen können, in die eine psychologisch orientierte Wissenschaft gerät, wenn sie die Bindung an Kant und Marx völlig loslöst, indem sie ihr neues Prinzip überspannt und sich tatsächlich an den Rand jenes Abgrundes begibt, in dem die Nebel der Blutmystik und des Nihilismus brauen. Und die berechtigte Krtttt an Freud mußte dort einsetzen, wo er den gefährlichen Weg zum Abgrund betteten hat. Er ist der Gefahr nicht entgangen, sein neu gefundenes Prinzip zu überspannen und die „libido", die sexuelle Begierde, immer mehr zum einzigen Prinzip der Welterklärung zu machen. Und in seinem Alterswerk„DasUnbehagenin der Kultur", in dem er die Todcssehnsucht predigt, ist er hart an jenen Puntt geraten, an dem das Bc- wußffein zu versinken und das Unterbewußffein auch in seinem Entdecker zu trnnnphieren droht. Es scheint, als hättt sich in diesen späteren Werken Freuds die Medizin an der Psychologie gerächt und eine Zehre,, die aus dem Studium von Krankheitsbildern entstand, dahin gebracht, die ganze Welt als ein Krankheitsbild zu bettachten. Aber Vie Bedeutung Sigmund Freuds als eines psychologischen Bahnbrechers und philosophischen Anregers kann durch solche Kritik nur eingeschränkt, aber nicht aufgehoben werden. Denn diese Kritik trifft nur die Konsequenzen, di« Freud aus einer an sich fruchtbaren Entdeckung später gezogen hat. Bezeichnend genug, daß die schärfste Kritik an Freuds lieber» betonung der Sexualität und des Irrationalismus sein eigener Schüler, der.Lndividualpsychologe" Alfred Adler, geübt hat, der an die Stelle des nursexuellen Triebs den„Geltungstrieb" setzen will und den Begriff des sozialen Minderwertigkeitskomplexes eingeführt hat, um die Brücke von Freud zu Marx schlagen zu können.—eis—> Nr. 106 Mittwoch, 6. Mai 1936 Seite 5 fluslcmU Entspannung zwischen Japan und der Sowjetunion. Seit dem die Einsetzung eines Ausschusses zur Regulierung der Grenzstreitigleiten zwischen der Sowjetunion und Mandschukuo grundsätzlich beschlossen ist, mehren sich Anzeichen einer fortschreitenden Entspannung in den Beziehungen zwischen Tokio und Moskau. Die Parole desMini- sterpräsidenten Koki Hirota:„Sieg ohne Krieg" findet Unterstützung nicht bloß bei dem neuen Außenminister Arita, der als Berufsdiplomat natürlich ein Mann des Gaimusho, des mit friedlichen Mitteln vorgehenden Außenamtes ist, sondern auch in den Kreisen der gemäßigten Militärs um den Kriegsminister Grafen Terauchi. Auf der Sowjetseite ist man aber, angesichts der schwierigen Situation in Europa, mehr als je geneigt, der neuen japanischen Taktik auf halbem Wege, entgegenzukommen. Am 25. April hat, anläßlich des Ausscheidens des japanischen Militärattaches Obersten Hata und Ernennung des neuen Attaches Oberstleutnant Osato, in der Moskauer japanischenBotschaft ein Bankett stattgefunden, an dem die ganze Sowjetgeneralität mit dem Verteidigungsminister Woroschilow an der Spitze, unter anderen auch die Marschälle Jegorow und B u d e n n y, teilgenommen hat. Woroschilow und dtzr japanische Botschafter wechselten dabei Trinksprüche, in denen von einem Nichtangriffspakt zwischen den beiden Großmächten die Rede war. Woroschilow erbot sich dabei zwecks Abschluß eines solchen Paktes, nach Tokio zu reisen. Der Botschafter Ota hat in seiner Antwortrede darauf hingewiesen, daß zwischen Rußland und Japan gegenwärtig keine wichtigen Streitobjekte existieren und begrüßte eine Reise des russischen Verteidi- gungskommiffärs nach Japan. Es scheint nun, daß dieser Gedanke in nächster Zeit verwirklicht werden soll. Am 29. April hat der Sowjetbotschafter in Tokio Ju r e n e w den Kriegsminister Terauchi besucht. Wie man aus offiziellen japanischen Quellen berichtet, habe Jurenew bei dieser Angelegenheit zu verstehen gegeben, Woroschilow würde gern nach Japan rammen, wenn er eine Einladung von der japanischen Regierung erhielte. Man habe sogar die Möglichkeit des Gegenbesuches von Terauchi in Moskau erwogen. In diesem Zusammenhangs mutz man noch darauf Hinweisen, datz zwischen der Roten Armee und der japanischen Armee vor kurzer Zvt ein Abkommen getroffen wurde, wonach ein gegenseitiger Austausch von Offizieren stattfinden soll. Japanische Offiziere sind bereits nach Rutzland abgereist. Sowjetoffizier« werden ihrerseits ein Dienstjahr bei der japanischen schweren Artillerie und der Flugwaffe verbringen. Sowjetbotschafter Jurenew selbst, der den Grad eines Leutnants hat, wird noch im Laufe des Mai Hebungen bei einem japanischen Bombengeschwader durchmachen. Die japanische Presse kommentiert alle diese Nachrichten mit grosser Genugtuung. Wer führt i« Pele«?(AP.). Die AuSschalwng der Oberstengruppe, von der sich inzwischen Oberst Bebt stark distanziert hat, führte dazu, daß sich innerhalb des Kabinetts eine andere Gruppe durchsetzte. DaS find die ehemaligen Mitglieder der patriotischsozialen Jugendorganisation Zarzewi«(Zündung"), kurz Z-Gruppe genannt. Zu ihr gehören u. a. d«r Finanzminifter Kwiatkowski, der HandelSminister General Gorecki, der BerkehrSminisler Oberst Ulrych und der oberschlesische Wojwode Grazynski. Der außenpolitische Kopf dieser Gruppe war der-im vorigen Jahr verstorbene Berliner Botschaftsrat Wyszinski. Diese Gruppe wird durch den Staatspräsidenten Mosricki und den Armeeführer General Rydz-Smigly gestützt und gibt zur Zeit den Ausschlag in der polnischen Innenpolitik. Sie wird auch den Neuaufbau der Regierungspartei übernehmen, nachdem Oberst Slawe! den Unparteiischen Block auflöste und die Versuch« der Oberst Miedzinski zur Schaffung eines Ersatzgebildes gescheitert sind..Bon dieser Plattform aus will man dann einen Ausgleich mit der demokratischen Opposition suchen. Wie weit man dabei aber wirklich neue Wege beschreiten wird, ist abzuwarten. gewaocden uns 6» ist er leicker eia wenig eingegangen.,.. Oss Geschäftsviertel von Addis Abeba In den letzten Stunden spielten sich in Addis Abeba, das der Negus fluchtartig verliess, unbeschreibliche Szenen ab. Die Menge stürmte den Kaiserpalast und ging gegen die Europäer in dem Geschäftsviertel vor. Vierundzwanzig Weihe sind bei diesen Unruhen getötet worden. Dies Bild zeigt die Ras-Makonnen-Strahe in Addis Abeba, die einer der Mittelpunkte der Plünderungen war. Volhswlrtsdiatt und Sozialpolitik Zahlen über die ttchechodowakitche Landwirtschaft (R. F.) Soeben sind die genauen Ergebnisse der landwirtschaftlichen Betriebszählung vom Jahre 1930 bekannt geworden. Danach gab es damals 1,648.604 Landwirtschaftsbetriebe in der-Tschechoslowakei. Davon entfielen 1,625.705 auf Einzel(Privat-) wirtschaften, 12.050 auf Gemeinden, 4921 auf Gesellschaftsunternehmungen, 1521 auf Kirchengüter, 1307 auf Genossenschaften, 549 Betriebe waren Eigentum mehrerer Einzelpersonen(Kompoffesorate), 200 Betriebe gehörten Landes- und 111 Kreisbehörden» 58 Betriebe waren Stiftungs- und 1508 anderweitiges Eigentum. Bezüglich der Betriebsgrösse war folgende Aufteilung zu verzeichnen- bis'"0,1 Hektar 41.666 Betriebe 0,1. 0,5. ■ ■ 232.447 ff 0,5. 1,0. ■ ■ 190.219 ff 1,0. 2,0. ■ ■ 265.675 0 2,0. 5,0. ■ 438.348 ff 5,0. 10,0. ■ 258.076 * 10,0. 20,0. ■ ■ 147.310 E 20,0. 30,0„ ■ 40.758 30,0. 50,0„ ■ ■ 18.113 50,0„ 100,0. • ■ 7.302 * 100,0„ 200,0 ■ ■ 4.217 über 200,0(„ • 4.616 Aus diesen Zahlen ergibt sich, dass die eigentlichen Kleinbauernwirtschaften(eines bis fünf Hektar) zusammen 962.099, also 58,3 Prozent, die Mittelbauernbetriebe(5 bis 20 Hektar) zusammen 24,6 Prozent, zusammen also mehr als acht Zehntel der gesamten Betriebe ausmachen. Dieses Uebergewicht gegenüber den Grossbauern und Restgütlern wird noch dadurch gesteigert, dass die Zwergbetriebe bis zu einem Hektar teils Nebenerwerbswirtschaft, teils Spezialbetriebe (vor allem Gemüsegärten) find, die ausserhalb des-Rahmens der eigentlichen Agrarpolitik fallen, während andererseits ein erheblicher Teil der Grossbetriebe(über 100 Hektar) öffentliches Eigentum(vor allem Forstwirtschaft) ist. Dazu kommen noch andere wichtige Tatsachen. Nach dem amtlichen Betriebszählungsergebnis wurde mehr als die Hälfte der verfügbaren Bodenfläche mit Getreide bestellt: Bei Betrieben mit weniger als 0,1 Hektar in 10% der Betriebe * 0,1 bis 0,5 ff 28,7% 9 0,5„ 1,0 ff 50,7% ff 1,0. 2,0 ff 63,0% ff 2,0. 5,0' ff 76,1% ff 5,0„ 10,0 E 81.9% ff 10,0. 20,0 84,4% ff über 20,0 73,4% ff Hieraus ergibt sich, dass, abgesehen erstens alle Zwergbetriebe(bis 1 Hektar, insgesamt 464.332 oder über ein Viertel aller Betriebe) noch die 265.675 der Betriebe mit ein bis zwei Hektar und ein erheblicher Teil der übrigen Kleinbauernwirtschaften(488.348 mit zwei bis fünf Hektar) an den hohen Getreidepreisennichtinteressiert sind, weil sie höchstens den eigenen Bedarf'decken, zum grossen Teil noch Getreide zukaufen müssen. Betrachtet man dagegen die Verteilung der Viehzucht, so ergibt sich ein fast entgegengesetztes Bild: , Viehzucht betrieben: Von den Betrieben mit weniger als 0,5 Hektar... 0,1 Prozent 0,5 bis 1,0 ff .. 30,7. ff 1,0„ 2,0 ff M .. 66,2„ ff 2,0, 5,0 ff ■ V• 80,8 ff ff 5,0, 10,0 ff • ■• 56,7 ff 10,0„ 20,0 • .. 23,8„ M • über 20,0 • • •• W H Dies« Zahlen zeigen, dass dte Zwergbetriebe zum überwiegenden Teil Gärtnereien, Kartoffelfelder usw. find, während die Produktion der Kleinbauern in allererster Linie von den Produk- tions- und Marktbedingungen der Viehzucht abhängt, also einerseits an niedrigen Futtermittelpreisen, andererseits daran interessiert ist, dass das allgemeine Niveau der Lebensmittelpreise sich so gestaltet, dass den Käufermassen der KonsumvonFleisch möglich ist. Diese Tatsache, die ganz besonders für die sudetendeutsche Landwirtschaft Geltung hat» ist ein Beweis dafür, dass die Forderung nach einer gründlichen Reform des heutigen Getreidemonopols, vor allem durch Staffelung der Uebernahme« preise nach den gelieferten Mengen und nach Verbilligung der Futtermittelpreise, auch im Interesse des weitaus überwiegenden Teiles unserer Landwirtschaft liegt. Durch die Abstufung der Uebernahmepreise würde ohne Schädigung der Kleinbauernmaffen ein^ Herabsetzung des Mehl- und Brotpreises erzielt werden können, die der beste oder vielmehr der einzig mögliche Weg zu einer Aufsaugung der Getreideüberschüsse durch den einheimischen Konsum wäre.'-'} Mitteilungen aus dem Publikum Drahtzäune aus Maschinendrahtgeflecht, la feuerverzinkt von der Fa. S. Trmler— R. Hirsch, Pilsen, Cvokakflä 1, Tel. 29, find das Ideal einer jeden, der auf praktische, billige und schöne Einfriedung seines Besitzes Anspruch erhebt. Wegen ihrer Dauerhaftigkeit und ihres stets netten Aussehens, sind solche Drahtumzäumungen allen anderen Ausführungen, wie Mauer- und Bretterzäunen, welche leicht beschädigt und beschmiert werden, also ästiger Reparatur benötigen, borzuziehen. Verlangen Sie unverbindliche, kostenlose Voranschläge! S. Semler — R. Hirsch, Pilsen, Cvarkakskt 1. 33—55 Die Königshofer Cement-Fabrik, Actiengesell- schaft in Prag, hielt heute ihre 45. ordentliche Generalversammlung ab, an der 46 Aktionäre, die 180.169 Aktien vertraten, teilgenommen haben, und in welcher die Bilanz für das Geschäftsjahr 1935 genehmigt wurde. Es wurde beschlossen, den Reingewinn von Ke 8.986.69 auf Rechnung des Jahres 1936 zu übertragen und aus dem ordentlichen Reservefonds eine Dividende von 4^j%, d. s. 9 KL pro Aktie, ab 5. Mai 1936 auszuzahlen. Ferner hat die Generalversammlung die Kooptierung der Herren Dr. Petr Zenkl und Vaclav Stome in den Berwaltungsrat bestätigt und von den Bevwaltungs- ratsmitgliedern, deren Funktionsperiode abgelaufen war,. die Herren Johann Blaschczik, Dr. Emil Fürftenberg, Dr. Heinrich Sluka und Jng. Dr. Franz Hummelberger neuerlich gewählt. In der anschliessenden konstituierenden Verwaltungsratssitzung wurde konstatiert, daß der Absatz der gesellschaftlichen Erzeugnisse in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres beträchtlich höher ist, als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Zentralisierter Kohlenverkauf in Großbritannien Zur Sanierung des Kohlenbergbaus in England und Beseitigung des Unterbietens der Kohlengruben untereinander wurden im vergangenen Herbst Bestimmungen über den zentralisierten Kohlenverkauf von der Regierung ausgestellt und von allen Grubenbesitzern angenommen. Das Bergbau-Departement hat nunmehr drei weitere Bedingungen aufgestellt: 1. Es mutz eine genaue Kontrolle der Erzeugung jeder einzelnen Grube eingeführt werden. 2. Die jeder Grube zugewiesene Quote ist auf Grund der tatsächlichen Leistung und nicht auf Grund von Schätzungen festzusetzen und 3. für Mehr- und Minderlieferungen sind Geldstrafen einzuführen. Die Verhandlungen mit den Grubenbesitzern gestalten sich äusserst schwierig, so daß es unsicher ist, ob sie bis 1. Juli d. I., an welchem Tage das neue Schema in Wirksamkeit treten soll, beendet sein werden. Schwere Strafe für Falschzeugen Prag. In der Silvesternacht 1933/34 ereignete sich auf der Königssaqler Straße im Gemeinderavon Klein-Chuchle ein schweres Verkehrsunglück. Der junge Student der Medizin Houzvikka wurde auf dem Straßenbankett von einem von rückwärts hetanrasenden Tatra-Wagen erfaßt und auf der Stelle getötet. Der schuldtragende Lenker dieses Autos,- AntonSlädek, der nach Tötung des jungen Menschen mit abgeblendeten Lichtern davonraste, wurde festgehalten, nachdem er in Smichow noch einen schweren Zusammenstoß mit einem Autobus verschuldet hatte. Die Tötung des armen Burschen konnte dem gewissenlosen Chauffeur dadurch nachgewiesen werden, daß am Tatort in Hlein-Chuchle der Reflektor, des Autos, der den Kopf des Opfers zerschmettert hatte, abgebrochen war und an der Un- glücksstelle aufgefunden wurde. Der Chauffeur Slä- dek wurde seinerzeit, wie berichtet, verdienterweise zu einem Jahr strengen Arrestes unbedingt verurteilt. Damals meldete sich als Tatzeuge der Handlungsgehilfe A n t o n F i l i p, der den Gendarmen erklärte, Augenzeuge des tragischen Todes des jungen Studenten gewesen zu sein. Er schilderte bei seiner ersten Einvernehmung den Unfallshergang mit allen den Einzelheiten, die später durch das objektive Beweisverfahren festgestellt wurden. Als er zwei Tage später zur ordentlichen Protokollierung seiner Wahrnehmungen vorgeladen wurde, bewies er indessen' einen merkwürdigen Gedächtnisschwund, verkehrt« seine früheren Aussagen.ins Gegenteil und gab eine Aussage zu Protokoll, die den inzwischen eindeutig überführten Chauffeur absolut entlastete. Der Zusammenhang ist klar. Inzwischen haben offenbar irgendwelche Subjekte diesen Zeugen beeinflußt. Gestern war Anton Filip des Verbrech e n s d.e r,/.a l s.ch.e n 3 e u g e na u ssaa e angeklagt, zog eS aber vor, seine offenkundige Schuld hartnäckig zu leugnen. Nach Abschluß der Verhandlung legte der Vorsitzende GR Dr. Kaplan dem Angeklagten nahe, sich wenigstens durch ein Geständnis einen mildern-, den Umstand zu beschaffen, der ihm vielleicht zur b e- dingten Verurteilung verhelfen könne. Aber der Angeklagte blieb verstockt. Das Urteil lautete auf fünf Monate schweren und verschärften Kerkers, und zwar trotz bisheriger Unbescholtenheit unbedingt. rb. Zugluft In 6er Amtskanzlei Prag. Die Automobilisten des Schlauer Bezirkes hatten in den- Jahren 1932 bis 1934 allerlei Unannehmlichkeiten auszustehen. Jeden Augen- blick wurde ein Kraftwagen auf offener Straße von Gendarmen angehalten, die den Besitzer des Autos Nr. soundsoviel höflich aber energisch aufforderten. dier ückstän big eMotorfahr- z e u g a b g a b e zu begleichen. Die Gendarmerieorgane bekamen den Auftrag zu diesen Amtshandlungen vom Schlaner Gefällskontrollamt, mußten aber in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle unverrichteter Dinge abziehcn, denn die entrüsteten Auto-esiher konnten sich mit Empfangsbestätigungen ausweisen, auf welchen ihnen schwarz auf weiß die richtige Abführung der Abgabe zu Händen des Assistenten der Gebührenkün- trolle Josef H g k r bescheinigt war. Die Gendarmen bekamen schließlich die vermeintliche Schlamperei des Gebührenkontrollamtes> satt und gaben Anlaß zu einer Untersuchung, deren Ergebnis darin bestand, daß der Assistent Hakr gestern vor dem Strafsenat Cervinkades Verbrechens der Veruntreuung in achtzehn F.ällen angeklagt war. Die Anklage beziffert den verursachten Schaden auf rund 10.000 KL. Der 34jährige Assistent Josef Hakr(Monatseinkommen 840 KL) war mit der Einhebung der Geldstrafen für Automobilisten betraut, die sich irgendeines Verstoßes gegen die Verkehrsordnung schuldig gemacht hatten. Bei solchen Gelegenheiten machte sich der Angeklagte nach der Anklage verschiedenen Automobilisten ,,auS Gefälligkeit" erbötig, gleichzeitig auch die rückständigen Kraftfahrzeugabgaben«ntgegenzunehmen, die nach dem Gesetz sehr pünktlich erlegt werden müssen, obwohl diese Einhebung keineswegs seines Amtes war. Er stellte darüber auch ordentliche Bestätigungen aus, nach den Belegen ist aber nicht nachzuweisen, daß er di« eingehobene Abgabe auch abgeführt ehrlich abgeführt. Wenn die betreffenden Belege hat. Der Angeklagte, brachte eine einzigartige. Verteidigung. Er habe sämtliche eingehobenen Beträge im Akt nicht aufzufinden seien, so trage daran bloß der Umstand schuld, daß in derKanzlei des Angeklagten eine so starke Zugluftgehexrschthabe, daß diese Bestätigungen offenbar vom Wind verweht worden seien. Der Prozeß wurde vertagt, rb. Teile 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 6. Mai 1936. Nr. 106 ••• KALODDNT utyeH,! Regelmäßiger Gebrauch von Kalodont bringt den gefährlichen Zahnstein zum Schwinden und verhindert seine Neubildung. 1. der milde Kalodont-Schaum reinigt die Zähne gründlich^,. 2. der feine, rund gemahlene Putz* körper poliert den Zahnschmelz schonend— blendend weiß; 3 Vorzüge garantieren für Kalodont und damit für richtige Zahnpflege: ACHTUNG! 3. das Sulfo rizin-Oleat nach Dr. Bräunlich entfernt allmählich den gefährlichen Zahnstein und verhindert seine Neubildung. Schön ein Versuch beweist die hohe Konzentration, die große Sparsamkeit, die desinfizierende und herrlich erfrischende Wirkung des neuen GEGEN ZAHNSTEIN 1 KALODONT« Mundwasser Ha-ee Zeikm- Was ist deS Menschen Ruhm...! Gestern wurde in Prag ein Mann zu Grabe getragen, dessen Namen einst in'aller Munde und über viele Länder hinweg berühmt war. Freilich kannte ihn kaum jemand unter seinem bürgerlichen Namen Reicher, wohl aber wußten schon die Schulbuben, wer Stuart Webbs war. Dieser berühmte Vorgänger des Harry Piel, Star des Sensations- Stummfilm-, ist arm und elend in Prag in der Emigration gestorben. Zu seiner Bestattung hatten sich, ihn preisend mit viel schönen Reden, zahlreiche und auch recht illustre und wohlhabende Freunde eingefunden. Tragische- Los des Gestürzten, zu Lebzeiten Vergessenen: daß er unbekannt und unbe- fireut zugrundegehen mutz, von Wenigen noch mit Hilfe bedacht, und dah erst an der Bahre sich die einfinden, die vielleicht helfen konnten, datz erst auf den Sarg«in letzter Strahl des alten Ruhmes fällt, den toten Mann nicht mehr wärmend, der kalt und stumm zwischen den Brettern liegt. Ueberfahren. Der 39jäbriae arbeitslose Schmied Jakob Beselh aus Karolinental wurde gestern nachmittags in der Wässevgaffe von einem Motorrad, das der 23jährige Schlosser Ladislaus Berka aps Jinonitz lenkte, zu Boden geworfen und mutzte mit einer schweren Gehirnerschütterung und Quetschungen auf die Klinik Jiräsek gebracht werden. AuS dem Auto gefallen. Der Chauffeur Wenzel Jittna aus Modtan fuhr gestern nachmittags mit einem leichten Lastauto, in dem er den 17jährigen Heinrich Demlynk aus Cholupitz mitgenommen hatte, über den Rasinkai und bemerkte gar nicht, datz beim Einbiegen in die Frikgasse Demlynk aus dem Wagen gefallen war und bewutztlös auf dem Pflaster liegen blieb. Der Verunglückte wurde mit einem Schädelbruch ins Podoler Sanatorium gebracht. 18 Fahrräder gestohlen. Der 22jährige arbeitslose Diener Wenzel Rüjikka wurde dieser Tage wegen verschiedener Fahrraddiebstähle verhaffet. Es wurden ihm nicht weniger als 18 in den letzten beiden Monaten verübte Fahrraddiebstähle nachgewiesen, wobei er hauptsächlich in Prag Xll Fahrräder, die ohne Aufsicht auf der Stratze oder in Durchhäusern standen, mitgehen liefe; er hatte sie fast sämtlich dem arbeitslosen Portier Jan S. aus Zijkov verkauft, der gleichfalls nach Pankratz eingeliefert wurde. Nach den Fahrrädern wird gesucht. Der Schad« beträgt über 8000 Kd. Arbeitsunfall. Der Arbeiter I. Slabh schlug gestern früh mit einem vier Kilogramm schweren Hammer über einer Grube im Hof der städtischen Gasanstalt in Michle Bretter ein, als sich plötzlich der Kopf des Hammers vom Griff löst« und etwa vier Meter tief in die Grube sauste, wo er. den 34jährigen Arbeiter Jan Klima, der darin arbeitete.. auf den Kopf traf. Klima wurde bewutztlös auf die Klinik Schlaffer gebracht, wo.«in« schwere Gehirnerschütterung sowie eine tiefe Ritzwunde am Scheitel mit Blutergutz festgestellt wurde.., Neber b|f„Äeförm D- Re!htsftni>!»ms" sprechen Tonnexstag, den 7. d. M.,.um halb 20 Uhr im Vortragssaal des Jürsorge.ministeriums(Prag H., Palacköbo näm. 4) Prof. Dr. E. Chalupny, Prof. Dr, E. Svoboda und Dr. E. Stern. Eintritt frej. JCuft&t und Mss«t Fünftes Philharmonisches Konzert Georg Szell, der musikalische Leiter dieses genau um einen Monat verspäteten Konzertes, darf das Verdienst.für sich in Anspruch nehmen, im Rahmen der diesjährigen Philharmonischen Konzerte des Prager Deutschen Theaters endlich auch der modern e n T ö n k u n'st zu ihrem Rechte verhalfen, zu haben. Zwar bescherte uns das Programm des vorgestrigen Fünften Philharmonischen Konzertes nicht die moderne Musik des Heute, aber doch wenigstens die des Gestern, und dies« in durchaus repräsentativen Werken. Hauptwerk des Konzertes nach moderner Bedeutung und Wertung war Paul H indemiths Symphonie„Mathis, der Maler". Diese Symphonie ist im Schaffen Hindemiths ein ganz besonders merkwürdiges Faktum. Denn sie. ist das programmatische Werk eines bis dahin durchaus„sachlichen" und dem konzertanten Klangstück dienenden Musikers. Der„Jsenheimer Altar" des berühmten mittelalterlichen deuffchen Malers Matthias Grünewald mit seinen ausdrucks starken drei Bildflügeln, der lyrischen Darstellung eines„Engelkonzertes", der mystisch-tragischen „Grablegung" und der phantasrisch-svukhaften„Versuchung des heiligen Antonius", bildet das nicht mitzzuverstehende Programm der dreiteiligen Symphonie, von der. der Komponist selbst sagte, datz er mit musikalischen Mitteln dem Gefühlszuftande nahekommen wollt«, den die Bilder im Zuschauer auslösen. Das Klavierkonzert in Fis-dur von Ernst K t e n e t, das als Solistenstück des Konzertes geboten wurde, fist eines der früheren Werke des bedeutenden modernen Wiener Komponisten, ein Werk, in dem sein Autor vor allem Freude am Rhythmus und am Klange hat. ein Werk übrigens, das konzertante Klaviermusik wirksamster Art darstellt. Der Profeffor der Prager Deuffchen Mufikakademte Engest K a l i r spielte es mit bedeutendem rhyrhmischen Schwung, schöner Klanggestaltung und brillanter.technischer Virtuosität. Igor S t r a- Win s k v S Orchestersuite„Der Feuervogel" schließlich, die blendende Schlutznummer des Konzertes, ist vom Komponisten nach seinem gleichnamigen ersten Ballett eingerichtet worden, gehört also zu jenen ersten Schöpfungen des grotzen neurussischen Meisters, fin denen die naffonal-rusiische Volksmusik sich ebenso stark durchsetzt, wie sich in ihnen die maWebenden Einflüsse des französischen Jmpreffionismus geltend machen.„Der Feuervogel" ist ein wundertätiges Märchentier, das einem Prinzen aus Dankbarkeit dazu verhilft, die verzauberte Prinzessin Tmisc.ndschön aus der Hand eines bösen Zauberers zu befreien und zur Gattin zu gewinnen. Klangraffinement fin allen Schattierungen, rhythmische Vielseitigkeit und Lebendigkeit sowie virtuoseste Ausdruckskunst des Orchesters kennzeichnen diese Märchen-Suite. Datz S z ö l l gerade sie ausgezeichnet gestaltete, ist ihm weniger hoch anzurechnen als seine ganz hervorragende, geistig-inhaltlich bedeutende, klanglich abgewogene und rhythmischdynamisch kontrastreiche Wiedergabe der Symphonie Hindemiths. Einen Ehrenabend hatte auch das'hingebungsvoll musizierende Orchester. Ti« Teil-, nähme des Publikums aber an diesem^zeitgenössi-. scheu Konzertabend war nur gering. E. I. Dem Andenken Josef Stolovskhs, des im Feber dieses Jahres verstorbenen Dialer«. ist eine Ausstellung seiner Bilder im Myslbeck-Pavillon gewidmet. Skolopsktj, ein fleitziger uüd vielseitiger | Landschafter, hat seine Motive mit Vorliebe immer wieder auch im Mährisch-Ostrauer Industriegebiet gesucht. Ein Vergleich mit den Bildern von Ferdis Dusä auS dem gleichen Revier, die kürzlich im „Elan" ausgestellt waren, ist kennzeichnend für beide. Dusa drückt in seinen Bildern das Bedrückende, düster Lastende dieser Szenerie aus; er gibt das seelische Erlebnis. Den Realfften Stolovfktz reizte lediglich das„Malerische" der Erscheinungen. Ihn begeisterten die sprühenden Feuerströme fliehenden Eisens in Schmelzbütten und Metzeleien, die von Dampf und Glut umflammten Hochöfen und Kokereien, das Lodern und Glühen effraffscher Farben. Auch der Mensch, der Arbeiter in diesem Plutonischen Inferno fft ihm nur malerische Staffage, Silhouette im Feuerwerk der Farben. Demgemäß sind die In« duftrieszenerien, in denen der Prunk der Farben sich zum Furioso steigert, di« wirkungsvollsten unter den hier ausgestellten 140 Bildern von seiner Hand. Die gleiche Begeisterung für reichste Emfaltung der Farben spricht aber auch aus den Landschaften, die diese von der Jednota vytvarnHch umklcü arrangierte Aus« stellung zur bullten Schau vereinigt. ld. Spielplan des Renen- Deutschen Theater-. Mittwoch sh8: D o l k s f«i n d, neu insz., B 1.— Donnerstag%8: Liebe nicht genügend, C 2. — Fpeiwg halb 8: Orpheus in bet U n t e t» w e l t, D 2.— Samstag halb 8: Glückmutz man haben, Erstaufführung, B 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch 8 Uhr: Ich und mein kleiner Bruder. — Donnerstag 8: Salzburg ausverkauft, Theatergemeindd des KulturverbandeS und. freier Verkauf.— Freitag halb 8: Menschen a u f d e r E i s s ch o ll e, Erstaufführung.,— Samstag 8 Uhr: Menschen aufder E i s- schölle. G Mittwoch, den 6. Mai 1936, gemeinsamer Gruppenabend aller Gruppen nm 20 Uhr im Heim der Holleschowitzer Gruppe in der Kamenickä 1. Jüngerengruppe: Devko-Kirm: Freitag um 19 Uhr in der Liga. Heipe-Käm: Samstag um 16 Uhr 30 Mm. in der Liga. Nachtwanderun g: Treff- puntt Samstag 19 Uhr Liga; für die, welche die Nachtwanderung nicht mitmachen können, Sonntag 8 Uhr 21er Hodkoviöky. Ginkgo biloba * Im Kinstygatten und vereinzelt noch da und dort in Prager Anlagen und in einem besonders schönen Exemplar jm Schlotzpatt zu Zbraslav grünt ein Baum, merkwürdig schon in seiner Gestalt, noch mehr aber durch sein« langgestielten Blätter, di« an die, Form eines aufgeklappten Fächers erinnern und kerbig gelappt und in der Mitte vom oberen Rande her geschlitzt sind,.derart, datz es scheint, als seien zwei Blätter zu einem verwachsen.. Es sind Blätter, deren fossile Abdrücke sich schon in den Gesteinen der Jurazeit vorfinden. Und es sind gar keine richtigen „Blätter", denn dieser Ginkgobaum, der einzige noch lebende Nachkomme eines uralten Baumgeschlechtes, ist eine Konifere, ein„Radelbaum", der Blätter -trägt und sie im Herbste abwirfi wie ein Laubgehölz. Auch Früchte ttägt er, wenn in der Näh« des weiblichen ein männlicher Baum steht, fluchtartige Samen mit fleischiger Hülle, gelb, kugelrund und der Mirabelle ähnlich. Mithin: merkwürdiger kann ein Bamn nicht sein als dieser Ginkgo, den die Japaner um ihre buddhistischen Tempel Pflanzen. Gerade jetzt, später als anderes Laub, brechen die Knospen auf; der spindelförmige Baum scheint von grünen Funken umschwirrt. Dann steht der Baum den Sommer über im Laube, kaum auffällig unter anderen Bäumen. Jm Herbste aber verfärben sich die längsnervig feingerillten Blätter. hellschwefelgelb, und dann ist der Baum am schönsten. » Es war Herbst. Die Blätter deS Ginkgobaumcs leuchteten. Schon lösten sie sich leise und sanken zur Erde, vereinzelt und.sacht,-Weg.und Rasen mit zier-, lichen gelben Fächern, bedeckend. Durch den Garten schritt ein junges Paar."Sie sprachen deuffch mit nordböhmischem Klang. Anscheinend erzählten sie einander von ihrem Studium. Tas Mädchen blieb stehen und ahmte mit seiner jungen Stimme den kratzigen Batz irgendeines Pro- feffors nach. Beide lachten belustigt. Sie sahen' einander an und aus beider Augen sprach glückliches L'ebeseinverständnis. Zärtlich nahm er ihren Arm und aneinandergeschmiegt gingen sie langsam weiter. Vor dem Baum mit dem gelben Flitterwerk blieben sie sieben. Der junge Mann hüb-einen der kleinen Blattfächer auf und zeigte ihn seiner Freu»-' bin. Sie befühlte das Blatt; fest und geschmeidig wie feinstes sämisches Leder war cs zwischen den Fingern. — ES gibt ein schönes Gedicht von Goethe auf dieses Blatt, sagte der junge-Mann-.Es heißt wie der Baum„Ginkgo biloba"; im-„Wcstöstlichen Diwan" steht-es: Dieses Baums Blatt, der von Osten Meinem Garten änvertraut. Gibt geheimen Sinn zu kosten. Wie s den Wissenden erbaut. i Ist es ein lebendig Wesen, Das sich in sich selbst getrennt? Sind es z w e i, die sich erlesen, Datz man sie als eines kennt? Solche Frage zu erwidern. Fand ich wohl den rechten Sinn; Fühlst du nicht an meinen Liedern, Tcktz ich eins und doppelt bin? Tas Mädchen iah ihn an. und in ihren Augen schimmerte zärtliches Verstehen. Nun hob sie zwe: der schönsten Blätter aus dem Grase auf und bat ihren Freund, sie in der Brieftasche zu verwahren. — Eins für dich— eins für mich... Tie lächelte ihm zu. Und sie dachte sich, dah sie' auf diese Blätter, aus die zarte Fläche fein an den Rand das Tatum des heutigen Tages schreiben würde-.. Arm in Arm gingen sie davon.. Vor der Bank hinter rotflammenden Sträuchern blieben sie stehen. Er legte den Arm um ihre Schultern und kuhte sie'.'... < dah-ich- eins und doppelt bin.., Leise taumelnd, fiel ein Blatt. Aktivität im 6. Atus-Kreis Tie S chwerathle t e n der Kraftriegen des 1. Athletikbezirkes trafen sich Sonntag zur Ausscheidung für das Bundesturnfest. Die höchste Gesamtleistung im Viertampf erzielte der Chodauer Heinrich Hampl mit 350 Kilo im Halbschwergewicht. Als sehr gut ist auch die Leistung des Bantamgewichtlers Fischer(Chodau) mit 240 Kilo zu vermerken. Die Ringer starteten am Nachmittag; in fünf Klassen blieben Chodauer Ringer siegreich, im Weltergewicht wurde der Neudeker Pecher mit drei Siegen Erster. Die Leichtathleten beginnen bereits mit Be» zirksübungsst nden; in Zwodau fand ein« solche unter der Leitung des Krrissportwartes statt. Auch die Turnspieler sind in voller Tätigkeit, in allen Bezirken des 6. Kreises laufen die Settenspiele. Jm 2., 3. und 5. Bezirk werden Ralf- b-allspiele ausgetragen, der alte Bundes- meister Oberrothau hat sich mit einem zweistelligen Sieg über GraSlih wieder vorgestellt; im 5. Bezirk schneidet bisher Atus Königswerth gut ab. Die Bezirke 1, 2 und 4 spielen vorwiegend Handbal l; Faustball spielen jedoch alle Bezirke. Es zeigen sich auch Ansätze im W o I« lehballspiel. ASV Graslitj führt unangefochten Die sonntägige Niederlage des KreismeffterS Materhöfen in Fi schein zählt zu den immer wiederkehrenden lieberffrschungen der Fützballbewe- gung. Der Spitzenführer G r a s l i tz, welcher in Neudek sowie auf eigenem Platz gegen D r a h o- Witz sicher gewinnen konnte, bekommt eine Gutschrift von vier Punkten. FAK Falkenau war spielftei und fällt wieder hinter Rapid Karlsbad zurück. Tie Falkenauer verloren am 1. Mai gegen die Militärelf Falkenau und gewannen Sonntag gegen ASK Eger. Karlsbad blieb int Kampfe mit Schankau siegreich, zwei wettvolle Punkte blieben im Ort. In N e u d e k rollte sich ein harter Kampf unter teilweiser Beteiligung des Publikums ab, unentschieden trennten sich Neudek und Chodau. Auch das Spiel in Franzensbad trug das Zeichen eines harten Punktekampfes, die Gaste aus Unterreichenau blieben glückliche Sieger und rücken damit auf den sechsten Tabellenplatz. Atus Fischern kommt trotz seinem unerwarteten Erfolg nicht vom vorletzten Platz. Ein Abstieg eines derzeitig.Erstklassigen" dürste aber nicht in Frage kommen, da durch das Ausscheiden einiger Mannschaften eine Ergänzung platzgrei- fen wird. Tie erste Spielklasie des 6. Kreises dürfte auf zwölf Mannschaften stabllisiett werden. Spielergebnisse vom 1. und 3. Mai: ASV Graslitz gegen Atus Drabowitz 8:0, Atus Karlsbad gegen ASB Schankau 3:1, ASV Neudek gegen Rote Elf Chodau 1:1, Atus Franzensbad gegen Atus Unterreichenau 1:3, Atus Fischern gegen ASV Maierhöfen 5:4, FFK Falkenau gegen ASK Eher 4:1 und gegen Jus.-Reg. 33 Falkenau 2:4, Atus Drabowitz gegen Inf-Reg. 83 Falkenau.8:4, FFK Falkenau 1b gegen ASV Granesau 8:2, AtuS Cho- dau 1b gegen ASB Horn 5:1, Forffchtttt Komotau gegen AtuS Karlsbad 3:0, ASV Maierböfen gegen komb. Bezirksmannschaft 1. Bezirk 2:1, ASV Nen- dek gegen ASB Graslitz 2:7, ASB Maierhöfen 1b gegen ASV Aich 0:2, ASB Sittmersgrün gegen Atus.Sodau 4:5, Atus Drahowitz 1b gegen Atus Neuhammer 7:1. Stand der Tabelle ASV Graslitz.. 16 14 0 2 28 90:80 ASB Maierhöfen.■ 16 11 1 4 23 55:33 Rapid Karlsbad. 16 9 4 3 22 27:21 FFK Falkenau.. 15 9 2 4 20 44:28 Unterreichenau.. 15 6 1 7 13 34:37 Unterreichenau.. 15 6 4 7 13 34:37 ASV Neudek... 17 5 3 9 13 34:49 Atus Drahowitz.•. 14 5 1 8 11 30:45 ASV Schankau.. 14 4 2 8 10 41:47 AtuS Fischern".. 15 4 1 10 9 26:39 Atus FranzenSbad. 15 2 3 11 7 22:61 Kreisausscheidung der Schwerathleten Sonntag, den 3. Mai, trafen sich in Chodau die Athletenverein« und Araftriegen des 1. Athletikbezirkes zur Kreisausscheidung für^das Bundesturn- fest. Vormittags traten 20 Gewichtheber in sechs Klassen an, am Nachmittag wurden die Kämpfe im Ringen abgcwickelt. Tie Wettkämpfe waren schwächer besetzt als in früheren Jahren. Tie Bereine des 2. Athletikbezirkes(Eger, Asch) konnten wegen finanzieller Schwierigkeiten nicht teilnehmen. Jm Gewichtheben wurde der Bundesvierkampf(bestarmig Reitzen, bestarmig Stotzen, beidarmig Stotzen und beidarmig Reitzen) durchgesührt. ' Die Sieger im Gewichtheben: Bantamgewicht: Karl Fischer(Chodau) 240 Kg..; Federgewicht: Alfred Blob(Chodau) 227.5 Kg.; Leichtgewicht: Willi Schreiber(Neudek) 235 Kg.; Mittelgewicht: Anton Hampl(Chodau) 282.5 Kg.; Halbschwergewicht: Heinrich Hampl(Chodau) 350 Kg.; Schwergewicht: Franz Fischer(Chodau) 245 Kg. Die Ergebnisie der Einzelwettkämpfe im Ringen: Federgewicht: Johann Görisch(Cbodau); Leichtgewicht: Anton Totzauer(Chodau); Weltergewicht: Johann Pecher(Neudek); Mittelgewicht: Heinrich Hampl(Chodau); Halbschwergewicht: Franz Fischer(Chodau). Mit„Zauberdung“ behandelt wächst alles eins, zwei, drei, und trotzdem ist der„Zauberdung“ noch lang’ nicht Hexerei l Paket zu K6 5*60 durch die Verwaltung der „Frauenwelt**, Prag XIL, Fochova tr. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bet Bezug durch di. Post monatlich fft 16.—. vierteljährig Kd 48.—. halbjährig Kd 96.—. ganzjährig KC 192—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlatz.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nUr bei Einftndling der Rrtourmarken.— Die Zettuugsfrankatur wurde vcn der Bost- und Tele» gcaphendirektton mit Erlatz Nr. 13.800/V11/1930 bewilligt.— Druckerei:„OrbiS".' Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag.