Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 16. Jahrgang 31 Donnerstag, 7. Mai 1936 am Ruder wäre, so fönnte sie faum eine andere Politik einschlagen als diejenige, welche die gegenwärtige Regierung betreibt. Genf und London sind ratlos! fit in eigen and beter Eden gibt die Niederlage zu Es wird weiter gewurstelt Mussolini Herr der Lage Die Debatte, die das englische Unterhaus Mittwoch über das Budget des Außenministeriums abführte und die den Anlaß zu einer außenpolitischen Erklärung Edens bot, zeigte den kläglichen Niederbruch der britischen Politik und des Systems der kollektiven Sicherheit in dem ganzen trostlosen Umfang, den die Katastrophe bereits angenommen hat. Eden mußte das Versagen des Völkerbundes und die Niederlage der britischen Politik unumwunden zugeben, er ver= mochte aber auch keinerlei brauchbare Vorschläge für die Zukunft zu erstatten. Die Parole des Festhaltens an dem System, das eben zusammengebrochen ist, kann nur als die Losung des Fortfrettens bezeichnet werden. Unterdessen erwägen verschiedene kleinere Staaten, so die skandinavischen Königreiche und Holland ernstlich den Austritt aus dem Völkerbund, der sich ja unfähig gezeigt hat, einem kleinen Staat wirksam zu helfen. Auch in Belgrad, wo die Tagung der Kleinen Entente eröffnet wurde, fielen harte Worte gegen Genf. Mussolini läßt verkünden, daß es für ihn nur die totalitäre Lösung gebe: Annegion ganz Abessiniens ohne Einschränkungen. Man wird zugeben müssen, daß dies auch die einzige ehrliche Gewaltlösung ist, die einzige, die dem kläglichen Versagen Englands und des Bundes entspricht und die wenigstens nicht mit irgendeinem moralischen Mäntelchen behängt werden könnte( Mandat etc.). Widerlich wirkt es freilich, wenn manche Blätter schreiben, daß Jtalien die einzige Macht sei, die heute in Aebessinien dei Ruhe herstellen könne. Das heißt, den Brandstifter zum Löschen herbeirufen und ihn ob seiner Tüchtigkeit beloben! In einem Interview mit Ward Price versucht Mussolini, sich mit England wieder besser zu stellen. Italien sei jest saturiert und werde nichts weiter verlangen. Es ist durchaus anzu nehmen, daß sich unter den europäischen Diplomaten genug Schwachsinnige finden werden, dic das glauben und die Mussolini jezt bis zum Beweis des Gegenteils für ein friedfertiges Element halten werden. Ueber den Fragebogen an Hitler hat Eden in der Debatte nichts Konfretes ausgesagt. Man wird sich nicht wundern dürfen, wenn der Fragebogen inzwischen zu einem harm= losen Freundschaftsbrief geworden ist. Die Gen fer Mächte haben ja durch ihre klägliche Haltung vor Mussolini selbst die moralische Legitimation preisgegeben, mit der sie Deutschland imponieren fönnten. Daß Hitler alles daransehen wird, einen Erfolg einzuheimsen, der sich mit dem Italiens meffen kann, ist selbstverständlich. Europa fann sich noch glücklich schäzen, wenn Hitler sich auf die Forderung nach kolonien festlegt und Mitteleuropa noch eine Schonzeit gibt. Gegen die Kolonialforderung wird nach dem Erempel Abessinien wenig Ernsthaftes vorzubringen sein. Will man der Katastrophe Europas entgehen, so wird man aber die Zeit bis zu einem Vorstoß Hitlers oder Mussolinis an der Donau ausnügen müffen, um über eine neue Form der Sicherheit ernst haft nachzudenken! Rededuell Dalton- Eden London.( Reuter.) Mittwoch begann im je inzige Sanktion, die augenüberfüllten Unterhaus die Debatte über die aus- blicklichen Erfolg gehabt hätte, u. zw. das wärtige Politif. Als erster sprach der labouristis Verbot der Benüßung des Suezsche Abgeordnete Dalton, ehemaliger Unter- tanals für Italien. staatssekretär im britischen Außenministerium. In seiner Rede beantragte er die Herabseßung des Budgets des Außenamtes. Die Opposition, sagte er, wünscht auch etwas über die Verhand lungen mit der deutschen Regierung und den In halt des Fragebogens an Deutschland zu erfahren. Die umgehenden Gewaltdrohungen gegen die Tschechoslowakei und Oesterreich können uns genügend erregen, obzwar uns die Versicherung zuteil wurde, daß bis zur Beendigung der olympischen Spiele für den Frieden keine Gefahr besteht. Die Sperrung des Suezkanals hätte eine militärische Aktion unausweichlich zur Folge gehabt. Wenn die Opposition den Wunsch hegt, daß militärische Schritte unternommen werden, muß ich sie darauf aufmerksam machen, daß der Suezkanal nicht durch Schiffe aus Papier ge= sperrt werden kann. Wenn die Regierung nicht auf militärische Sanktionen drängt, tut sie dies, um einen Krieg zu vermeiden und keineswegs aus Furcht vor dem schließlichen Ergebnis. Im Hinblick auf die Stellungnahme zahlreicher ReWir sind darüber glücklich, sagte Dalton unter gierungen gegenüber den Sanktionen stellt Eden dem Gelächter bei der Opposition, wissen aber die Frage, ob die Opposition wirklich glaube, daß froßdem, daß die deutsche Wiederaufrüstung rasch der Völkerbund tatsächlich mit Stimmeneinhelund gefahrdrohend fortschreitet ligkeit die Sperrung des Suezkanals beschließen tönnte. Hiezu berechtigte niemals auch nur die geringste Hoffnung, und wenn die Labourparay Der Regierung macht Dalton hauptsächlich zum Vorwurf, daß sie für den Ausbruch des italienisch- abeiinischen Krieges verantwortlich sei und es unterlassen habe, die Verpflichtungen hauptsächlich aus dem Artikel 16 des Völkerbundpattes durchzuführen. Dalton jagte weiter, daß die Opposition trissen möchte, was die Regierung bei dem gegen wärtigen Stand des italienisch- abessinischen Konfliftes tun werde, da nach seiner Anschauung kein Grund zur An erkennung des italienischen Sieges, und zur Aufhebung der Sanktionen bestehe. Wir müssen, fuhr Eden fort, der Situation cin Hinsichtlich des fünftigen Verhaltens erklärte Eden, es sei klar, daß der Völkerbund seine Tätigteit fortseßen müsse. In der gegenärtigen Welt sei der Völkerbund zur Regelung internationaler Angelegenheiten absolut notwendig.. Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) Nr. 107 Achtzehn Jahre Herr Henlein hat wieder einmal geruht, ins Auge blicken und den Miserfolg des eine politische Kundgebung zu erlassen. Es geVölkerbundes sowie unsere eigenen schah dies in Bilin am 1. Mai. Der Führer beEnttäuschungen zugeben. Dem Instrument mühte sich höchstpersönlich in die Mauern dieses des Völkerbundes und der Vorstellung einer tol- Städtchens, weil er sich von seinem Auftreten eine Teftiven Sicherheit wurde unzweifelhaft gute Wirkung auf die am kommenden Sonntag Schlag versetzt. Wir dürfen uns nicht scheuen, durchzuführende Bezirkswahl verspricht. Man darf aus dieser Prüfung eine Lehre zu ziehen. Indem allerdings bezweifeln, daß die Bevölkerung, sowir angesichts der Ereignisse über unser Ver- fern sie willens und imstande ist, die Erkenntnisse halten schlüssig werden wollen, müssen wir der des Stammesführers zu analysieren, am 10. Mai Welt erklären, welchen Weg wir einzuschlagen be- die von Henlein gewünschte Entscheidung fällen Es waren altgewohnte Töne, die man absichtigen, also was wir tun und was wir nicht würde. tun werden, denn es gibt nichts Gefährlicheres da zu hören bekam. Also sprach er:„ Wenn desals eine Außenpolitif, die auf Irrealitäten halb heute gewisse Parteien sagen: Ihr erreicht beruht. nichts, die Erfolge werden wir erringen!, dannt antworte ich: Ihr habt 18 Jahre Zeit gehabt, die Dinge zu meistern, heute gehen wir sie an, und Der Bericht der zwar auf der ganzen Front." Henleinpresse läßt nicht erkennen, ob es an dieser Stelle besonderen Beifall gab. Aber wir wollen bekennen, daß sie zumindest ironische Zustimmung verdient hätte. Achtzehn Jahre! Das sind genau vier Jahre mehr als die„ vierzehn Jahre der Schmach", von denen Hitler so lange gelebt hat. Im nächsten Jahr werden es dann neunzehn sein Hinsichtlich der britischen Politik sei der am und später zwanzig, eine endlose Kette. Und so kommenden Montag beginnenden Tagung des gewissenhaft Henlein den Lauf der Jahre vermerVölkerbundrates, erflärte Eden, daß es unter den fen wird, so geflissentlich wird er vergessen, daß heutigen Umständen nicht unvernünftig sein er vor genau einem Jahre einen anderen werde, zu verlangen, daß den Vertretern der Ablauf des Geschehens versprochen hat Regierung so wie bisher auch bei dieser Ge- und daß also in die achtzehn Jahre zumindest legenheit bis zu einem geivissen Maße das Bertrauen ausgesprochen werde. Die Aftion, welche eingeleitet werden muß, muß follettiv icin und wir werden unsere Rolle in dieser Attion spielen. Wir müssen uns jetzt vergegenwärtigen, daß der Völkerbund weder den Ausbruch des Krieges zu verhindern, noch den Krieg selbst nach dessen Ausbruch einzustellen vermocht hat. Diese Erscheinung muß gut durchstudiert werden. SANKTIONEN 棚 RUNE GANFT ,, Begräbnis dritter Klasse" und die lachenden Erben ein Jahr der nichterfüllten Versprechungen HenTeins eingeschlossen ist. Und wenn man den Aufbruch der Sudetendeutschen zu Hitler vom Tage des Eintrittes Henleins in die Politik an rechnen will, also vom Oftober 1933, muß man von den achtzehn Jahren des Herrn Henlein, immerhin die Kleinigkeit von zweieinhalb Jahren abzie= hen. Wir wollen uns aber mit der Betrachtung des einen letzten Jahres bescheiden, das vom 19. Mai an datiert. Ja, es sind fast achtzehn Jahre seit der Staatsgründung verflossen, und es ist bedauerlich, daß Henlein damals nicht dabei war. Die Dinge hierzulande und wahrscheinlich auch im übrigen Europa wären sicherlich anders gelaufen. Im leßten Teil der achtzehn Jahre hat also Henlein wacker mitgetan. So, wie er eben konnte. Und das Sudetendeutschtum, das ihm in der Mehrheit gefolgt ist, hat die Hoffnung haben müſſen weil sie in ihm durch eine eifrige Flüsterpropaganda genährt wurde, es werde nach dem 19. Mai alles anders werden. Sieh da: vor jenen Maiwahlen hat der Henlein von den siebzehn Jahren geredet! Und die Sudeten= deutschen haben ihm den Auftrag erteilt, die Aera dieser unfreundlichen siebzehn Jahre ab zu= fchließen. Und jetzt redet er von den a cht= zehn, als ob es nicht 67 Henleinparlamentarier gäbe, als ob es keinen 19. Mai 1935 gegeben hätte. Wozu, so darf man wohl fragen, hat sich das Sudetendeutschtum am 19. Mai 1935 so für Henlein exponiert, wenn der Stammesführer durch den Hinweis auf die achtzehn Jahre, in denen auch sein„ Wirken" steckt, seine absolute Ohnmacht, sein Unvermögen eingesteht, an die Reihe der schlechten Jahre eine solche von guten anzufügen und sie von eins an zu Wesemann drei Jahre! er über genügend andere Mittel zur Sicherung des numerieren? Wenn man den Henlein so agieren Bern.( SDA) In dem Baseler Prozeß wegen der Entführung des reichsdeutschen Journalisten Jacob aus der Schweiz wurde heute der Ange. klagte, der Agent provocateur Wese Es wurde die Ansicht ausgesprochen, daß der mann, zu drei Jahren Kerker verdemokratische Sinn der übrigen Länder einem derartigen Vorgehen auch nicht zustimmen könne, urteilt. Die Hauptaufgabe des Unterhauses werde es nach der Erklärung Daltons jezt sein, die erschütterte Autorität des Kollektivsystems ernstlich zu ber Sicherung des Franc Francs verfügt. und sich an den Lauf der Jahre anflammern sieht, der die Agitation so fröhlich fortplätschern läßt, Vor einer Panik und tendienziösen Spekukann ihm, dem Agitator, wohl zum Troste das lationen warnen die Rechtsblätter ebenso, wie die ißwort gesagt werden: Jetzt kommen noch sieLinkspresse, die die Bevölkerung und die Sparer ben schlechte Jahre, dann ist die gute Zeit vorzur Ruhe ermahnen. Leon Blum schreibt im bei! Bor einem Jahr, ja, da hieß es, daß die Leitartikel des offiziellen Blattes der Sozialisti Not des Sudetendeutschtums durch Henlein ein schen Partei Populaire", daß die Finanz- und Ende finden werde, und zwar rasch. Zehntau Währungspanit gleichermaßen unbegründet wie sende machten sich bereit, die verschiedensten PoLinksfront alle ihre Macht und Autorität zur Ge- ten anzutreten, die man ihnen verheißen hatte. fundung und Belebung der Volkswirtschaft ein jezen werde. " ,, Volksgemeinschaft", das war die Zauberformel, das war das Sesam- tu dich auf!" und heute redet sich der große Politiker Henlein darauf aus, daß das System" weiterregiere, ohne ihm MiDer Londoner Gesandte des nisterstühle anzubieten. Und er gesteht ein, daß Paris. Die Regierung Sarraut verhandelt er für den Fall, daß dieses Angebot ausbleibt, Negus nicht mehr anerkannt? fein anderes Rezept hat als das Schimpfen auf mit dem Generalgouverneur der Bank von FrankLondon. Der abessinische Gesandte in Lon- das" System" und auf die Parteien, die zwar reich Tannery über geeignete Maßnahmen, durch welche die Spekulation verhindert werden don befindet sich nicht unter den Botschaftern und mehr erreicht haben als die große Sdp, dafür foll. Die Regierung beabsichtigt, eine strenge Ston- Gesandten von mehr als 50 Ländern, die sich in aber auch weniger versprachen: Auch dem Hitler trolle der Bankinstitute, sowie der Einzelperso- den Buckinghampalast begeben werden, um dem ist bei der Maifeier 1934 das Malheuer passiert, nen anzuordnen, die Gold und Devisen ankaufen englischen Könige ihre neuen Beglaubigungs- daß er den vierzehn Jahren der Schmach" ganz und sie wird genau feststellen laſſen, zu welchem schreiben zu überreichen. Auf die Frage, wodurch einfach ein fünfzehntes anfügte. Der JahZwecke dies geschicht. Aeußerste Mittel, wie es dies verursacht wurde, erklärt Gesandter Martin: reskalender Henleins ist kein Wegweiser für das Der Völferbund hat dies gewußt, erklärte 3. B. ein Goldembargo ist, erwägt der Finanz- Mein neues Beglaubigungsschreiben ist bisher Sudetendeutschtum. Das wird dem Stammesfüh rer noch flargemacht werden. Eden, aber in Wirklichkeit gab es nur eine minister nach seiner eigenen Erklärung nicht, da nicht eingelangt." teidigen. Minister Eden, der hierauf das Wort er griff, erklärte, daß die Situation, vor die heute Großbritannien und alle Mitglieder des Bölferbundes gestellt seien, schwierig und voll von Enttäuschungen sei. Eine schwache Seite der Sanktionen sei es, daß ihr Erfolg nicht augenblicklich eintreten Tonnte. " Seite 2 Das Verteidigungsgesetz Donnerstag, 7. Mai 1936 in den Senatsausschüssen Im Verfassungsausschuß des Senates ge- hindern. Der Minister gab diese Zusicherung. Yangten Mittwoch u. a. das Gesetz über die Spionage und das Staatsverteidigungsgesez zur Beratung. In der Generaldebatte über das Spionagegesek begründete Genoffe Dr. Heller die Haltung unserer Partei zu dieser Vorlage mit den geänderten Die Debatte dürfte Donnerstag beendet werden. Unverständliche Taktik der Kommunisten Im Wehrausschuß des Senats wurde Verhältnissen, welche eine verschärfte Bestrafung der Mittwoch das Spionagegese angenommen und Spionage zur Notwendigkeit machen. Der Partei dann die Beratung des Staatsverteidigungsgesetfalle es schwer, für die Einführung der Todesstrafe zu stimmen, die als die einzige nicht wieder gutzu- es begonnen. Genosse Müller erklärte u. a.: Wir stehen auf dem Standpunkt, daß man den machende Strafe aus modernen Gesezen verschwinden sollte. Wenn wir trotzdem für die Einführung Verteidigungswillen der demokratisch gesinnten Eleder Todesstrafe für besonders schwere Spionagefälle stimmen, so nur deshalb, weil wir dies als eine mente im Staate mit allen Mitteln heben) mu B, um im Falle einer ernſten Verwicklung, die wir nicht wünschen, eine geschlossene Abwehr zu haben. Selbstverständlich müssen auch in der ernsten Zeit alle demokratischen und sozialen Rechte der Arbeiter geschützt werden. Gesetz über Nr. 107 die Unterhaltsbeiträge Das vor kurzem beschlossene Gesez über die Staatsverteidigung hat keine Bestimmungen darIn einer Polemik gegen die Rede des kommunistischen Vertreters reibi ch sagte Genosse Mül- über, ob und wie für die Angehörigen ler, daß die Taktik der Kommunisten und ihre Hal- jener Staatsbürger gesorgt wird, die zur Kriegstung zum vorliegenden Gefeß unverständlich ist. Wenn wir mit der Sowjetunion ein Militär- dienſtleiſtung oder zur Arbeitsleistung im Kriege bündnis haben, so können die Kommunisten doch nicht herangezogen werden. Gestern hat nun der Verwegen einiger Schönheitsfehler oder weil sie zu eini- treter des Nationalverteidigungsministeriums im den Personen fein Vertrauen haben, das ganze Senatsausschuß mitgeteilt, daß eine Novelle, durch Gesez ablehnen. Das Bündnis mit Sowjetrußland, denten die Arbeiter, müßte zur Folge haben, daß welche diese wichtige Frage geregelt wird, bereits die. Kommunisten dem Staatsverteidigungsgesetz, im interministeriellen Verfahren sei und in der welches allerdings hart ist und hart sein muß, zu allernächsten Zeit dem Parlament vorgelegt werit immen. πus na smsmaßnahme für die gegenparti Arbeitszeitverkürzung gen besonders schwierigen und gefährlichen Zeiten ansehen. Genosse Dr. Heller ersuchte weiter den anwesenden Justizminister, ausdrücklich zu erklären, daß für die Aufnahme in das Verzeichnis der zur Verteidigung in Spionagefällen berechtigten Anwälte die Zugehörigkeit zu irgendeiner Partei nicht entscheidend sein werde, sondern nur das Verhalten dem Staate gegenüber, Justisminister Genosse Dr. Dérer stimmte die fer Auffassung bei. Nach kurzer Debatte wurde das Gesetz angenommen. * Bei der Beratung des Gesezes über die Staatsverteidigung entwickelte sich eine längere Generaldebatte. Genosse Dr. Heller hob hervor, daß auch dieses Gesetz zahlreiche Härten aufweist, welche nur mit den besonders schwierigen Verhältnissen zu rechtfertigen sind. Im übrigen wird sich erst bei der Durchführung des Gesetzes zeigen, welche Bestim= mungen desselben für die Bevölferung untra gbar sind und beseitigt werden müssen. Der Standpunkt der SdP, für einige Paragraphen des Gesetzes zu stimmen, andere abzulehnen, ist nur der Ausdruck der Ratlosigkeit und Zwiespältigkeit dieser Partei. Auf der einen Seite wollen die Herren den tschechischen Parteien beweisen, daß fie lonale Staatsbürger seien, auf der andern Seite wollen sie sich die Stimmung unter ihrer Wählerschaft nicht durch allzugroße Loyalität verderben. Die Haltung zu diesem Gesetz ist die gleiche wie sie die SdP seit ihrem Bestande auf weift: Das doppelte Gesicht! Genoffe Dr. Heller erhob später die Forderung, bak der Staat für die Angehörigen der zum Militär Eingerückten sowie für die Kriegsbeschädig= ten, die Witwen und Waisen schon jetzt in ausreichender Weise vorsorgen müsse. Die Investitionen im Grenzgebiet In der Spezialdebatte, welche sehr rasch vorwärts ging, machte Genoffe Dr. Heller insbesondere darauf aufmerksam, daß dadurch, daß der Entwurf alle Arten von Arbeiten im Grenzgebiet von der Zustimmung des Ministeriums für nationale Verteidigung abhängig macht, die Durchführung von Investitionsarbeiten in diesem Gebiet nahezu un möglich gemacht werden könnte, obwohl gerade in diesem Gebiet die größte Arbeitslosigkeit herrscht und dort die Durchführung von Investitionsarbeiten am notwendigsten ist. Dr. Heller verwies auf das grenzenlose Elend in diesem Gebiet, insbesondere in den westböhmischen Bezirken, in welchen bis zu 50 Prozent der Erwerbstätigen und darüber hinaus arbeitslos find. Er ersuchie den anwesenden Minister für nationale Verteidigung, bei der Beurteilung sol= cher Arbeiten nicht engherzig zu sein und nicht durch das Votum seines Ministeriums die Durchführung von Arbeiten im Grenzgebiet zu ver= 1 Der Ruhm des Kämpfers Don Jack London ist sozialer Fortschritt Ein Unternehmer über den Sechsstundentag Es sind die alten, oft widerlegten Argumente, die das Unternehmertum gegen die Arbeitszeitverkürzung vorbringt. Was von kapitalistischer Seite vor achtzig Jahren in England bei der Einführung des Zehnstundentages und später in anderen Ländern gegen die Verwirklichung des Achtstundentages an Gründen vorgebracht wurde, damit wird heute der Kampf gegen die Vierzigstundenarbeitswoche geführt. Wie wenig zutreffend sie waren, das ist dadurch bewiesen worden, daß weder die Wirtschaft zum Stillstand, noch die kapitalistischen Unternehmungen zum Zusammenbruch gekommen sind. Daß sie auch für die jetzt geforderte Vierzigstundenwoche oder für eine noch geringere wöchent= liche Arbeitszeit nicht zutreffen, das lehren die Erfahrungen jener Unternehmungen, in denen auf Grund freiwilliger Vereinbarungen statt des Achtstunden, der Sechsstundentag zur Einführung fam. In der amerikanischen Presse wurden in der letzten Zeit Mitteilungen über die Firma W. e II og g, Lebensmittelerzeugung in Battle Greef im Staate Michigan gemacht. Dieses Unternehmen arbeitet bereits das sechste Jahr mit der sechsstündigen Arbeitszeit. Der Arbeiterschaft wird der gleiche Lohn weiter gezahlt, der früher bei der achtstündigen Arbeitszeit gegolten hat. senkte, daß wir für sechs Stunden Arbeit ebenso viel zahlen können, wie wir früher an Lohn für achtstündige Arbeitszeit bezahlten. Die Gesellschaft ist mehr als zufrieden mit diesem Ergebnis." In der amerikanischen Tagespresse werden außer dem noch Aeußerungen von W. Kellogg wiedergegeben, in denen er mitteilt, er ſei zu der Ertenntnis gefommen, daß der Arbeiter, wenn er kürzere Zeit arbeitet, fleißiger und leistungsfähiger ist, daß Unfälle und Krankheiten seltener werden. Auf Grund sorgfältiger Beobachtungen, die er Jahre hindurch angestellt habe, könne er feststellen, daß bei sechsstündiger Arbeitszeit mehr geleistet werde als bei achtstündiger. den wird. Zwei neue Verhaftungen " in der Phönix- Affäre Die Polizeiforrespondenz in Prag teilt mit: Im Zusammenhang mit der Untersuchung in Angelegenheit der Lebensversicherungsgesellschaft Phönig“ wurde in der Sicherheitsabteilung der Polizeidirektion in Prag eine ganze Reihe von Personen verhört, von denen zwei nnch dem Verhör in Haft genommen und dem Kreisstrafgericht in Prag eingeliefert wurden. Es sind dies Ignaz Kalisch er, geboren 1880 in Krakau, zuständig nach Wien, wegen des Verdachtes des Verbrechens auf Grund des 8 105, eventuell 183 des Strafgesetzes, und Eugenie Schlein, nach Wien zuständig, wegen des Verdachtes einer strafbaren Tat nach§ 124 des Strafgesetzes. Eugenie Schlein wurde auf Ersuchen der Wiener Unteruchungsorgane in Haft genommen. fionsgefahr können vorläufig keine näheren Die Untersuchung wird fortgesetzt. Wegen KolluEinzelheiten veröffentlicht werden. Der Selbstkritiker in Permanenz Im Herbst des vergangenen Jahres hat dieser In einem Jubiläumsartikel in der„ Roten Unternehmer aus eigenem Antrieb den Lohn der Arbeiter um 12 Prozent erhöht, so daß diese Fahne" vom 4. Mai führt sich reibich in jezt den höchsten Lohn beziehen, der je in diesem die neue Goldwaldlinie nicht nur mit einer Betriebe gezahlt worden ist. Schimpforgie gegen die Troztische Gangsterbande" etc. ein, sondern stellt auch rückgrat los fest: Diese Erfahrungen mit dem SechsstundenArbeitstag decken sich im allgemeinen mit jenen, die früher bei dem Uebergang zum Achtstundentag gemacht worden sind. Obwohl sie also nicht für einen Einzelfall gelten, werden die Unterneh mer aus ihnen taum die erforderlichen Schlüsse ziehen. Wird in den Vereinigten Staaten für immer weitere Schichten von Arbeitern die Einführung des sechsstündigen Arbeitstages und die Verwirk lichung der von dem legten amerikanischen Gewertschaftsfongreß aufgestellten Forderung nach muß in unserem Lande die Arbeiterschaft unter der dreißigstündigen Arbeitswoche spruchreif, so die Durchsetzung der vierzigstündigen ArbeitsFührung ihrer Gewerkschaften in zähem Kampfe woche erringen. Der Unternehmer, der mit seinen sozialwirtschaftlichen Auffassungen in den Bereinigten Staaten sicher feine Massenerscheinung ist, vertritt die Ueberzeugung, daß die kürzere Arbeitszeit mit unverändertem Lohn die einzige, dauernde und erfolgreiche Lösung des Problems der Arbeitslojigkeit sei. Nach dem Organ des Amerikanischen Gewerkschafts- Bundes sagte er wörtlich: ,, Das ist keine bloße Theorie. Wir haben sie in fünfjähriger praktischer Arbeit erprobt. Wir haben festgestellt, daß bei kürzerer Arbeitszeit die Leistungs- Der Präsident der Republik hat Mittwoch fähigkeit und Moral unserer eine Abordnung des Klubs der tschechoslowakischen Arbeiter in dem Maße stieg, Militärredakteure empfangen und in einer An= daß sich überdies die Verhältnisse, was Unfälle sprache an sie die Aufgaben der Presse in Angeund Krankheiten anbelangt, so verbesserten und legenheiten des Militärs und der Landesvertei die Einheit der Gestehungskosten sich derartig digung erörtert. Lieber Sam! Sie kennen mich nicht persönlich, nur dem Namen nach. Sie tamen nämlich erst nach meiner Zeit, als ich schon mit dem Spiel aufgehört hatte. Aber glauben Sie mir, ich habe die Zeit nicht verCopyright by Universitas Berlin, durch Dr. Präger schlafen. Mir ist nichts entgangen, was den Sport betraf, und ich habe Ihre Karriere verfolgt, seit Sie von Kal Aufman besiegt wurden bis Sie neulich Pat Nelson losließen, und ich bin der Ansicht, daß Sie der tüchtigste Manager sind, den ich ie in unserer Sache getroffen habe. Pressedienst, Wien. Sam Stubener überflog nachlässig und hastig seine Post. Als Boger- Manager war er gewohnt, sehr verschiedenartige und höchst seltsame Briefe zu erhalten. Alle möglichen verdrehten Menschen, Sportsleute, Sportinteressenten und Sportrefors matoren schienen Jdéen zu haben, die sie ihm mitteilen mußten. Ich will Ihnen einen Vorschlag machen. ch biete Ihnen den besten Unbekannten an, der je gelebt hat. Das ist keine Redensart, sondern boller Ernst. unter dem er kämpfen soll. Man redet von der Hoffnung der weißen Rasse. Die ist er. Kommen Sie her und schauen Sie sich ihn an. Als Sie Jeffries managten, da waren Sie ganz wild darauf, auf die Jagd zu gehen. Wenn Sie mich besuchen, sollen Sie ein bißchen richtige Jagd und Fischfang erleben, das Sie Ihre Filmeinnahmen vergessen läßt. Der junge Pat soll sich Ihrer annehmen. Ich selbst bin nicht imstande, Sie richtig zu führen. Das ist auch der Grund, daß ich Ihnen schreibe. Eigentlich hätte ich selbst sein Manager sein wollen. Aber es geht nicht mehr, meine Zeit kann jeden Augenblick um sein. Ich möchte, daß Sie ihn in die Mache nehmen. Sie können beide ein Vermögen damit verdienen, aber ich will selbst den Kontrakt auf seßen. ersten Selbstverständlich spielte die Haltung der Parteipresse in den Zeiten der inneren Krisen und Kämpfe in der Partei stets eine große, entscheidende Rolle. Die erste Probe hatte da der„ Vorwärts" in der Parteidiskussion zwischen dem V. Weltkongreß und dem II. Parteitag, im Jahre 1924, zu bestehen. Während des Weltkongresjes war seine Haltung noch unklar. Die Redaktion veröffentlichte meine Moskauer Korrespondenzen und Artikel und schien deren rechte Tendenz nicht zu durchschauen. Aber bald fam sie auf den rech ten Weg. Der erste in der Redaktion, der an meinen Artifeln Kritik übte und im Vorwärts" die richtige Linie des V. Weltfongresses bertzat, war der voriges Jahr in Moskau verstorbene ungarische Emigrant Gen. J. Pollat( Eugen Paul), was der Vergessenheit entrissen zu werden berdient. Wollte Kreibich dieses„ Entreißen aus der Vergessenheit" wirklich gründlich besorgen, dann wäre dafür auch die stärkste Jubiläumsnummer zu schwach, das gäbe einen ganz dicken Wälzer. Sein Ruf schien fast übertrieben zu sein. Es gab kaum jemand, den man höher in Ehren hielt, und doch war er nie Inhaber der Weltmeisters schaft gewesen. Er hatte nämlich immer Pech gehabt und war zuletzt nur als der ,, unglückliche Borer" bekannt gewesen. Viermal wäre er fast Schivergewichtsmeister geworden, und jedesmal mit Recht. Da war zum Beispiel der Kampf auf dem Schiff in der Bucht von San Franzisko. Bei dieser Gelegenheit brach er sich den einen Arm, als er gerade im Begriff stand, den Träger der Meisterschaft zu besiegen. Bei einem anderen Kampf auf einer kleinen Themseinsel, wo die Kämpfenden zuletzt in sechs 3oll Wasser herumwaten mußten, weil die Flut zu steigen begonnen hatte, brach er sich im entscheidenden Augenblick ein Bein, als jeder schon sehen konnte, daß er der sichere Sieger war. Was meinen Sie zu einem Kerl, der mit Von fürchterlichen Bedrohungen seines der ganzen Bande bis zu zweihundert Pfund Lebens bis zu sanfteren Warnungen, daß man fertig wird, zweiundzwanzig Jahre alt ist und Lebens bis zu sanfteren Warnungen, daß man einen Schlag im Leibe hat, der doppelt so hart Stets der Ihre Pat Glendon. ihm die Fassade zu verschandeln gedächte, von ist wie der beste, den ich seinerzeit leisten konnte? Stubener war verwundert. Im Angeboten glückbringender Hasenpfoten und Huf- ist wie der beste, den ich seinerzeit leisten konnte? In Texas geschah es eines Tages, den man eisen bis zu Angeboten kleiner Barbeträge oder der junge Pat Glendon das ist der Name, aus die Leute vom Ring galten für große blid, als sein Gegner ihm völlig preisgegeben So ist dieser Junge, und es ist mein Sohn, Augenblick sah die ganze Sache wie ein Spaß nie vergessen wird, daß gerade in dem AugenVermögen bis zu einer Viertelmillion Dollar von unverantwortlichen Unbekannten, tannte er Spaßvögel und er studierte die Schrift genau, war, die Polizei eindrang und den Kampf verbot. diejen ganzen Schwung von Briefen. ob er nicht die feinen Schriftzüge Corbetts oder und endlich der Kampf in der Maschinenhalle in Fitzsimmons herauserkennen sollte. die großen, Vertrauen einflößenden Buchstaben San Franzisto, wo er einem elenden Schieber von Schiedsrichter und einem ganzen ganzen Komplott von Spielern zum Opfer fiel. Bei dieser Gelegen heit tam Pat Glendon nicht zu Schaden, da er seinen Gegner aber mit einem rechten Haten gegen das Kinn und einem linken gegen den Solar plerus t. o. geschlagen hatte, disqualifizierte ihn der Schiedsrichter wegen Tiefstoßes. Ich habe den ganzen Plan schon fix und das Sie mit dem ersten Zuge herkommen und fertig. Und das beste, was Sie tun können, ist, Einmal hatte er einen Abziehriemen für Einmal hatte er einen Abziehriemen für Rasiermesser, aus der Haut eines gelynchten mit mir reden. Negers verfertigt, erhalten und ein andermal einen in der Sonne gedörrten, eingeschrumpften Finger, der von der Hand eines Weißen abgehauen und später im Tal des Todes" gefunden war. Sam war ganz sicher, daß der Briefträger nichts mehr bringen konnte, das ihn jemals verwundern würde. Heute morgen aber befand sich unter den Briefen einer, den er zweimal las, dann in die Tasche steckte, um ihn später wieder herauszu holen und ein drittes Mal zu lesen. Die Briefmarke trug den Stempel einer Poststation irgendwo im Siskiyon- Bezirk, von der er noch nie etwas gehört hatte, und der Brief lautete: Ich habe ihn selbst erzogen und trainiert. Alles, was ich vom Spiel kenne, habe ich ihm in den Schädel gehämmert. Und Sie werden mir faum glauben, wenn ich Ihnen sage, daß das, was er selbst hinzugefügt hat, noch bedeutend mehr ist. Er ist der geborene Boyer. Es ist geradezu fabelhaft, wie er die Entfernung berechnen und den rechten Augenblid abpassen kann. Er irrt sich nicht um einen Zoll und nicht um eine Sefunde, und er braucht nicht einmal zu berechnen, er macht das ganz gefühlsmäßig. In einem seiner fleinen furzen Schläge aus sechs Zoll Entfernung ist mehr von der richtigen Schlafmedizin als in einem Vollschwinger von all den andern. War dieser Brief aber echt, so war er es schon wert, daß man sich näher mit ihm beschäftigte. Pat Glendon war aus der Zeit vor der seinen, aber er konnte sich erinnern, als Kind einmal den alten Pat ein Schaubogen zugunsten Jack Empseys haben geben sehen. Schon damals Jeder einzelne Zuschauer, jeder, der etwas hatte man ihn den ,, alten Pat" genannt. Schon bom Boren verstand, und die ganze Welt, soweit seit Jahren war er nicht mehr im Ring. Wer sich sie sich für Sport interessierte, wußte, daß es sich für Boren interessierte, tannte Pat Glendons hier nicht um einen Foul gehandelt hatte. Aber Namen, wenn auch nur wenige von den heute Pat Glendon war ja wie jeder Boger verpflichtet, Lebenden ihn in seiner Glanzperiode gesehen die Entscheidung des Schiedsrichters anzuerfenhatten, aber sein Name war in die Geschichte nen, und Pat fand sich in das Geschehene als in des Boxsportes übergegangen, und kein Sport- etwas, das er seinem gewöhnlichen Bech zu verlegifon fonnte vollständig genannt werden, wenn danken hatte. nichts über Pat Glendon darin stand. ( Fortsetzung folgt.) Nr. 107 Donnerstag, 7. Mai 1936 Seite 3 fudetendcutsdicr Xcitepiegef Der Kampf Internationale Revue, Heft 5, Mai 193«. Inhalt: H. W.: Die Bankiers des Austrofaschismus. Emil Franzet: Europa— eine sozialistische Aufgabe Stefan Mahler: Der Wiener Soziqlistenprozeh Robert Werner: Rach dem Siege MuffoliniS Josef Hofbauer: Do geht es nicht! Wera Alexandrowa: Die Jugqld der Generallinie in der Literatur Weltpplitik Weltwirtschaft Internationaler Sozialismus Aus der Sowjetunion Bücherschau. Preis des Hefte- 5 K£, JahreSbezugsprei- 50 Kö. Redaktion u. Berwaltnng: Prag II., Lützowova Rr. 37. gewählt. Zu diesem Kongreß werden Teilnehmer aus einer Reihe europäischer Staaten erwartet. Im Rahmen dieser Tagung werden die Brünner Naturfreunde u. a. am 8. August einen Festkommers Und am 9. August eine große öffentliche Kundgebung im Stadion der DTL veranstalten. Diese beiden Veranstaltungen sollen zu machtvollen Kundgebungen der Brünner Arbeiterschaft ausgestaltet und so ein unvergeßliches Erlebnis für alle Teilnehmer an der Hauptversammlung werden. An alle befreundeten Organisationen und Korporationen ergeht hiemit die Aufforderung, sich an den Vorbereitungen für die beiden Veranstaltungen zu beteiligen. Das Pflegekind in der Kiste. Vor 14 Tagen wurde bei der Gendarmerie in D.-B e n e s chä u die Anzeige erstattet, daß das Pflegelind des Häutehändlers Karl Sonnberger abgängig ist. Die Gendarmerie untersuchte das Haus des Häutehändlers und fand das neunjährige Pflegekind, ein Mädchen, in einer Kiste im Keller ein- geschlossen. Für das Kind soll ein Betrag von 20.000 Kö erlegt sein, welcher Betrag im Falle des Ablebens vor dem 16. Lebensjahre den Zieheltern zufallen sollte. Bei der Befreiung aus der Kiste sagte das Kind Wohl aus, daß es selbst in die Kiste gekrochen sei, es wurde aber in andere Pflege gegeben und die Strafanzeige gegen die Pflegeeltern erstattet. Die Gattin des Häutehändlers hat nun nach Erhalt der gerichtlichen Vorladung Selbstmord durch Erhängen begangen. Sonnberger selbst steht unter Aufsicht. Ein Vielseitiger. Bei der letzten Gemeindewahl inKaplitz wurde als kommunistischer Gemeindevertreter Herr Wenzel Leisch gewählt. Als die Nationalsozialistischen Wellen sehr hoch gingen, war Herr Leisch mit dabei älS fleißiger Agitator. Am 1. Mai 1936 marschierte er mit dem Henleinumzug. Er ist und bleibt aber immer kommunistischer Gemeindevertreter. Anscheinend haben die Kommunisten keinen Ersatz für ihn... Freigewerkschaftlicher Sieg bei der Firma Pfefferkorn in Parscbnitz Bei der Betriebsausschusiwahl, die am S. Mai i« der ehemaligen nationalsozialistischen Hochburg der Firma Z. Pfefferkorn durchgeführt wurde, errang die„Anion der Textilarbeiter" eine« Sieg, der sogar die letzten freigewerkschaftlichen Erfolge übertrumpft. Das Ergebnis ist, dem Jahre 1934 Segenübergestellt, folgendesr 193« 1934 Beschäftigte... 330 325 Wahlberechtigte.. 301 297 Stimmen: Anion...... 221 184 Gablonzer Verband. 73 80 Angültig..... 4 29 Die„Anion" gewinnt also gegenüber 1934 3 7 Stimme» und ei« Mandat. Die Mandatsaufteilung ist folgende: 1936 1984 Mandate Union ,,.»,.5 4 Gablonzer Verband., 1 2 Diesem Wahlergebnis brauchen wir wohl sonst nichts hinzufügen als den Wunsch, daß die Arbeiterschaft in allen Betrieben so treu hinter der freien Gewerkschaft stehen möchte. Mit dem BolkSgemeinschaftsschwindel und dem Hakenkreuzspuk wäre es dann bald zu Ende. „Eindeutig Sozialer“ diktiert Hungerlöhne f Die Unternehmer in der Handschuhindustrie sind in der letzten Zeit dazu übergegangen, die Ware in Heimarbeit verfertigen zu lassen. Auf diese Weise ersparten sie die sozialen Ausgaben und die Kosten der Betriebserhaltung. Run hat der Bekleidungsarbeiterverband in Reichenberg, eine freigewerkschaftliche Organisation, die die Handschuhmacher fast restlos erfaßt hat, die Löhne der Heimarbeiter in der L e d e r h a n dsch u h- Industrie für verbindlich erklären lassen. Im Mindestlohntarif ist festgesetzt, daß ein Handlascher 2.50 bis 3 XL pro Paar, in Fakwreien 2 bis 2.50 Kd erhält. In Meretitz bei Kaaden werden Stoffhandschuhe hergestellt. Der Henlein-Unternehmer Schröder richtet sich jedoch nicht nach den Löhnen in der Lederhandschuh-Industrie, sondern hat einen eigenen Tarif. Nach diesem Tarif verdienen die Frauen und Mädchen bei übermäßig langer Arbeitszeit 20 bis 30 K£ wöchentlich, höchstens 1,30 Kd für ein Paar. Aber auch dies« Löhne warm dem Volksgenossen Unternehmer noch zu hoch, weshalb er einen Subagenten beauftragte, die Arbeiten zu noch billigeren Sätzen in Wartha ausführen zu lassen. Die Arbeiterschaft nahm den Subagenten auf dem Bahnhof in Klö- sterle in Empfang und hinderte ihn an der Ausführung des schändlichm.Auftrages. Dafür wurde sie von Henlein-Schröder als„Pöbel" beschimpft. Politische Verhaftungen In Aussig Bon Organen der Staatspolizei wurden kn den letzten Tagen eine Anzahl SdP-Funktionäre hinter Schloß und Riegel gesetzt. Unter anderem wurde auch der Bollshilfe-Funktionär I n- genieurSteppan, der erst vor kurzer Zeit in den Maschinenwerkstätten der Firma Schicht eingestellt wurde und das bei der gleichen Firma beschäftigte ehemalige nationalsozialistische Mitglied des Betriebsausschusses, Greger, verhaftet. Weiter wurden verhaftet ein Amtswalter der SdP in K a r b i tz und ein Kreisfunkbionär Dr. B l Dm e l a u s K a r b i tz, ein junger Mann, der erst kürzlich seinen Dokwr gemacht hat. Wie wir weiter erfahren, wurde in der Wohnung eines Medizinstudenten aus politischen Gründen eine Haussuchung vorgenommen. Die bürgerliche Nazipreffe, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit sozialdemokratische Funktionäre mit vollem Namen und Beruf nennt, um sie bei Arbeitgebern und Behörden zu denunzieren, verschweigt schamhaft die ihr sehr wohlbekannten Namen. „Vorsorge." Die von den deutschen Gewerkschaften und Genossenschaften ins Leben gerufene Allgemeine Versicherungsaktiengesellschaft„Vorsorge" teilt uns mit, daß sie nicht das geringste zu tun hat mit der Sterbekasse„Vorsorge" in Tep- litz-Schönau, welch letztere lediglich die reine Sterbegeldverficherung betreibt, die sie bei einer privaten Versicherungsgesellschaft rückversichert. Sie muß infolgedessm als eine Agentur dieser Gesellschaft angesprochen werden.> Viele Tausende deutsche und tschechische Sozialdemokraten in begeisterter Kampfstimmung Die Genossen Netas und Czech mit Jubel empfangen Herrliche Wahlkundgebung in Dux Dux.(E. B.) Beflaggte Straßen kündigte« Mittwoch eine der herrlichsten Wahlkundge- bunsien an, die je auf dem Duxer Marktplatz stattgefunden haben. Bon halb sieben Uhr an strömten die Massen der Arbeiter aus allen Teilen des Bezirkes nach Dux. Sie kamen in ihrer Arbeitskleidung, zwischen den Männern sah man Frauen und Jugendliche, Tausende Kämpfer. Fahnen und Transparente umsäumten die Rednertribüne, von der die Genossen Pichl und D v o t ä k die Demonstranten begrüßten und auf den ungeheuren Ernst der gegenwärtigen Epoche hinwiesen. Richt endenwollender Jubel erhob sich, als die Genossen Jng. N e ö a s, Dr. Czech und Taub auf der Tribüne erschienen und begrüßt wurden. Ueber den weiten Platz, auf dem Kopf an Kopf die Tausende standen, erklangen immer wieder die begeisterten Zurufe der Massen. Bon brausendem Beifall begrüßt, sprach Minister Genosse R e L a s, der in seinen tempe- ramenwollen Ausführungen dem negativen Programm der Gegner die positiven Leistungen der Sozialdemokratie gegenüberstellte. Er verwies auf das Bauförderungsgesetz, welches gerade im Duxer Wohnungselend Anwendung finden sollte und er zeigte die intensiven Bemühungen der sozialdemokratischen Parteien zur Linderung der Wirtschaftsnot auf. Er begrüßte die Teilnehmer auch in deutscher Sprache und betonte, daß wir unbeirrt und fest in gemeinsamer Arbeit die unveräußerlichen Menschenrechte verteidigen werden. Wir werden— so schloß Reins— weder im deutschen noch im tschechischen Gebiet einen Terror dulden, wir werden unser Wirken einstellen auf den Frieden und den KampfumAr- beit und Brot. Stürmischer Beifall der Massen scholl dem Fürsorgeminister entgegen»„Freiheit" und„Raz- dar"-Rufe ertönten und gingen in den Orkan desBeifalls über, mit dem Genosse Czech begrüßt wurde, der nunmehr das Wort ergrift. Unser Parteivorsitzender gab seiner Freude über die Massenkundgebung Ausdruck und bemerkte, daß hier dir Fu n d a m e n t e einer bessere«Zukunft liegen, die in dem über wältigenden Anblick ihren strahlenden Ausdruck findet. Der kommende Sonntag solle zeigen, ob eS zu einer Wandlung im sudetendeutschen Lager kommt» ob der Weg zur notwendigen Gesundung, beschritten werde. Genoffk'Dr. Czech nahm dann zur wirtschaftlichen und polittschen Situation Stellung und schilderte di« fruchtbare Arbeit, die von der Sozialdemokratie geleistet wurde. Er hielt eine Generalabrechnung mit der SdP, deren Führer das deutsche Volk in die Katastrophe treiben. Wir müssen den Faschismus schlagen und der Welt das Beispiel der treuen Wacht in ernster Zeit demonstrieren. Alle Kräfte gilt eS anzuspornen, damit die Schande des 19. Mai getilgt werde. Man nennt uns eine„Splitterpartei"— nun hier find die Splitter! Tosender Beifall der Tausende widerlegte di« Phrase» der bramabarsierenden Henlein- faschisten. Wirleben und müssen leben, schloß Genosse Czech, für unserWerk, für die Verwirklichung deS Sozialismus! Freie Bahn unseren Ideen— das ist die Losung des 10. Mai! Wieder brach brausender Jubel los. Das prächtige Grenzvolk, da» ungebeugt und trotzig auf dem umbrandeten Fels steht, ließ in dieser Stunde in allen die Ueberzeugung erstehen, daß es stark genug sein wird, das Glück der Menschheit ans Ufer zu tragen. Wählt rot für Arbeit und Brot! war die Schlußparole der Versammlungsleiter. Die FreundschaftSgrüße des Genossen Taub quittierten die Massen mit donnerndem, langanhaltendem Beifall. Bor den Genosse« ReäaS, Czech und Taub defilierte dir Republikanische Wehr und Tausende „Freundschaft", und„ Freiheit"-Rufe schollen durch den späten Abend. Damit schloß eine der imposantesten Kundgebungen der vereinigten sozialdemokratischen Parteien, einer der schönsten Berttauensschwüre der Funftionäre unserer Bewegung. Nochmals die Propagandaschriften Behördliche Leberprüfung des Falles zugesagt Im volkswirtschaftlichen Ausschuß des Senates brachte Genosse R e y z l bei der Behandlung eines Vertrages mit Rumänien über den gegenseitigen Touristenverkehr die E in f u h r r e i ch S- deutscher Propagandaschriften zur Sprache, in welchen das Mrziregime in Deutschland über die Maßen gelobt wird.(Unser Blatt hat sich mit diesem Fall in den letzten Tagen eingehend beschäftigt.) Genosse Reyzl verlangte, daß die zuständigen Aemter bei der Einfuhr solcher Propagandaschriften sie auch auf den Inhalt g e- nau prüfen. Wenn wir es versuchten, in touristischen Propagandaschfiften, die nach Deutschland gehen, unser demokratisches Regime so anzupreisen, so würde dieses Propagandamaterial sicherlich von der reichsdeutschen Zensur beschlagnahmt werden. Der Vertreter des Ministeriums sägte zu, die Angelegenheit zu überprüfen und das Nötige zu veranlassen. Hungerlöhne In Iglau Aus Iglau wird uns geschrieben: 3» keinem Gebiete der ELR dürften so schlechte Lehn- und Arbeitsverhältnisse bestehen wie in der Wirk- und Strickwarenindustrie in Iglau. Gut qualifizierte Arbeiter verdienen im Durchschnitt bei achtundvierzigstündiger Arbeitszeit 60 bis 70 Kc, und nur ganz vereinzelt kommt es vor, daß ein Wochenlohn von 100 KC und etwas mehr gezahlt, wird. Der Stundenlohn für Jugendliche beträgt allgemein 40 bis 50 Heller und da in der Strick- und Wirkwarenindustrie ein großer Prozentsatz dieser jugendlichen Arbeiter beschäftigt ist, so kann man sich einen Begriff über den Umfang der Ausbeutung machen. Schlechte Ernährung, ungesunde Wohnungen sind die Folgen dieser schlechten Lohnver- bältnisse. Der Arbeiterschutz dürfte für die Jglauer Industriellen nur ein nebelhafter Begriff sein, sonst wäre es unmöglich, daß ein Teil der beschäftigten Textilarbeiter aussetzen muß, während ein anderer Teil täglich vier bis sechs Ueberstunden leisten mutz. In allen diesen Fällen liegt bestimmt eine Bewilligung der Aufsichtsbehörde zur Leistung dieser Ueberstunden nicht vor. In fast keinem Betriebe der Strick- und Wirkwarenbranche besteht ein Betriebsausschuß. Eine freie Wahl von Betriebsausschüssen wird mit allen Mitteln verhindert und wenn nur die Rede Don einer solchen Belriebsausschüssewahl ist. so besteht die Sicherheit, daß die Arbeiter, die die Wahl fördern, ehestens aus dem Betrieb geworfen werden. Solange die Arbester und Arbeiterinnen dem Borgehen der Unternehmer tatenlos zusehen, wird es auch nicht möglich sein, diesen schlechten Lohn« und Arbeitsverhältniffen ein Ende zu bereiten. Der Zusammenschluß in der GewerkschastSorga- nisation ist notwendig. Di« Hauptversammlung des Touristenver- «ineS„Die Naturfreunde". Wie schon wiederholt berichtet wurde, findet in der Zeit vom 7. bis 10. August 1986 zum ersten Male die Hauptversammlung der Naturfreunde-Jnternattonale in der ESR statt. Als Tagungsort wurde Brünn Bor dem Zivillreisgericht in Brünn fand Mittwoch eine überaus interessante Verhandlung statt. Der Genosse KarlHeinz(österreichischer Emigrant) ist geklagt auf Herausgabe eines Betrages von 879.506.30 KL, die er der Soziäl- demokratischen BerlagSgeselhschast m. b. H. in Wien entfremdet haben soll. Der Tatbestand, der in der Verhandlung durch die Zeugenaussagen der Genossen Dr. Otto Bauer und Julius Deutsch erhärtet wurde, ist folgender: Heinz war Gesellschafter des genannten Zeitschriftenverlages, dem u. a. der „Kuckuck", die„Bunte Woche",„Frauenwelt" u. a. Zeitungen gehörten. Der Verlag hatte ein Konto in der Tschechoslowakei, da bei uns die erwähnten Zeitschriften in großer Auflage verbreitet waren. Als Ende Jänner und Anfang Feber 1934 nicht mehr zu verkennen war, daß die österreichischen Heimwehren einen Gewaltstreich gegen die Organisationen der Arbeiterschaft planten, als die Kapitulation Dollfuß' vor den Heimwehren sichtbar wurde und die ersten verfassungswidrigen Gewaltakte in den Landeshauptstädten vorkamen, beauftragten die Gesellschafter des Berlages, die natürlich nicht feine privaten Nutznießer, sondern die Treuhänder der Organisationen waren, den Genossen Heinz, das in der Tschechoslowakei liegende Geld des Unternehmens vor dem räuberischen Zugriff des Faschismus zu sichern. Nach dem Heimwehrputsch und der gewaltsamen Niederiverfung der Arbeiterbewegung ordnete die widerrechtlich amtierende österreichische I Regierung einfach auf Grund des lriegSwirtschaft- Mabrid. In Valladolid und in Cadix wurde der Generalstreik proklamiert. Algier.(Havas.) Die Polizei zerstreute die Teilnehmer einer von der Volksfront veranstalteten Demonstration. Bier Personen wurden hiebei leicht verwundet. Die Demonstranten versuchten sich an einer anderen Stelle der Stadt neuerdings zusammenzuscharen, wurden aber wiederum zerstreut. Hiebei wurde ein Polizeikommis« säc verwundet. Der Abend verlief in Algier vollkommen ruhig. lichen Ermächtigungsgesetzes von anno 17 die Liquidation des Berlages an, setzte Liquidatoren ein und forderte durch diese nun auch das Geld zurück, das im Ausland gesichert schien. Nicht genug damit also, daß man in Oesterreich Arbeitervermögen raubte,'"' wvllte man das vor dem Raub bewahrte Geld im Ausland heimholen. Der Beklagte bestreitet die Rechtmäßigkeit der behördlichen Auflösung der Verlagsgesellschaft. Die Zeugen Dr. Bauer und Dr. Deutsch bestätigten die Angaben des Genossen Heinz über den Hekgang der Affäre. Beide erllärten auch, daß di« österreichische Regierung ohne jede gesetzliche Handhabe die Auflösung der Gesellschaft verfügt habe, daß di« Gesellschaft zu Recht weiterbestehe und daß nu» ihre ordentlichen Gesellschafter ein Verfügungsrecht über das Vermögen besitzen. Bauer sagte u. a.:„Ich halte die Verordnung, mit der der Verlag äufgelüst wurde, für verfassungswidrig und daher für nichtig. Die Verordnung hat den Zweck verfolgt, dtr Partei ihr Eigentum gewaltsam wegzunehmen, was das Strafgesetz als Raub bezeichnet." Das Gericht hat im Grunde also darüber zu befinden, ob die Regierung Dollfutz-Fey- Starhemberg das kriegswirtschaftliche Ermächti- gungsgesetz in verfassungswidriger Weise angewandt hat. Das Urteil wird schriftlich bekanntgegeben wenden. Wo sitzen die Räuber T Die Legalität der Helmwehrdlktatur vor dem Brünner Zivilgericht angefochten Seile 4 Donnerstag, 7. Mai 1936 Nr. 107 Oie Zuflucht zahlreicher Europäer in Addis Abeba Das Gebäude der britischen Gesandtschaft in der abessinischen Hauptstadt, in das sich während der'Schreckenstage nach' der Flucht des Negus zahlreiche Europäer flüchteten. Noch in den letzten.Stunden vor dem Einmarsch der Italiener war die Lage der Gesandtschaft sehr kritisch, obwohl schon seit längerer Zeit die Gesandtschaftswachen durch eine Abteilung indischer Truppen verstärkt wurden. AgesnemgKeiten. kln Wehrproblem „lieber Anregung des ständigen Ausschusses für das Studium und die Vorbereitung eines Wirtschaftsplanes der Tschechoslowakischen Republik hat das Soziale Institut der Tschechoslowakischen Republik ein« Beratung über die Planung des Verbrauchs und der Ernährung einberufen. Dabei ist man zu intereffanten Resultaten gekommen, nämlich zur Erkenntnis, daß sich bei uns höchstens 40 Prozent der Jnduftriearbeiterschaft eine normale Kost leisten können, während die übrig bleibenden 60 Prozent nur mit einer Notkost rechnen können. Es wird jetzt das Material über die. Ernährung der Bevölkerung gesammelt werden, um die Bedeutung der Hebung der Ernährung für die Aufstellung eines Wirtschaftsplanes der Tschechoslowakei zu erkennen." Zwischen den Sorgen um die neuesten Früh- jahrs-Moden-Modelle und um die Sommerwohnung in den Bergen oder an der See hat die Welt also auch noch diese. Aber man muß es den gebildeten und zur Führung berufenen Schichten der bürgerlichen Welt lassen, daß sie zwischen dem Nötigen und dem weniger Nötigen zu unterscheiden vermag und darum peinlich darauf sieht, daß in den Zeitungen das Interesse an der Mode und am Tratsch immer die Vorhand vor dem Interesse an. dem Hunger habe. Und so kann man gewiß sein, daß die Tatsache, daß 60 Prozent der Induslrie-Arbeiter nur eine„Notkost" genießen, die Zeitgenossen nicht allzusehr erschüttern und gewiß von wich- tigeren Problemen nicht abhalten wird, als da sind: Fußballmeisterschaften und andere Sportsensationen, Modefragen, Probleme der Schön- hestspflege und selbst Kochrezepte für das Schlankwerden, das heute nachgerade ein totalitäres Problem geworden ist, indem die einen nicht wissen, was sie fressen sollen, um nicht schlank wie ein Bindfaden zu werden und endlich Hungers zu sterben, der Rest wieder sich den Kopf zerbricht, was man essen könnte, um trotzdem schlank zu bleiben. Wenn es aber alle gleichgültig läßt, die nicht selbst davon betroffen sind, dann sollten wenigstens die amtlich oder aus Ueberzeugung mit der Vielbeschrochen en Frage der Wehrhaftigkeit beschäftig, ten Männer einmal darüber nach» denken, ob die Aufrüstung nicht bei der Zufuhr von Einweiß, Kohlenhydraten und Vitaminen in die Körper halbverhungerter Proleten beginnen sollte, die sonst bei dauernder Abrüstung ihrer Muskel- und Nervenkrast schließlich auch zur passivsten Form der Abwehr, zum lebenden Kugelfang untauglich werden! Offene Worte hört man ab und zu selbst im Nazirundfunk. Da brachte Breslau Mittwoch eine Reportage aus einer dort in Vorbereitung stehenden landwirtschaftlichen Ausstellung. Bei Besprechung der ausgestellten Objekte wurde z. B. von der„Verschwendung öffentlicher Gelder zu F L r s o t g e zwecken" im demokratischen Deutschland gesprochen— mit den Ausgaben für Erbkranke hätte man 50.000 Erbhöfe ankaufen können. Also die Armen, die vererbte Krankheiten ryü ins Leben bekommen haben, totschlagen oder verhungern lassen, damit den Bonzen Güter geschenkt werden können I Man erfuhr auch, daß die Erbhöfe jetzt wieder Waffen halten„wie in alter Zeit." Es werden aber kaum Morgensterne und Speere sein, sondern hübsche moderne M.-G., Handgranaten u. a. Bluttat in Podersam. Mittwoch kurz vor 12 llhr gab im Podersamer Park der 29jährige Arbeiter Fr. Schmied aus Podersam gegen seine Lebensgefährtin Franziska Konrad, mit der er ein uneheliches Kind hat, aus einem alten Trommelrevolver einen Schuß ab. Die Waffe entwendete er feinem Schwager, bei welchem er nach den häuslichen Zwistigkeiten übernachtete. Durch den Schuß aus einer Entfernung von drei Metern wurde die Konrad leicht verletzt. Schmied richtete dann die Waffe, gegen sich und schoß sich in die rechte Schläfe, wobei er sich eine so schwere Verletzung, berbrachte, daß er ihr nach der Ueber- führüng ins Krankenhaus erlag. Auch die Konrad wurde ins Krankenhaus gebracht. Vom Zuge erfaßt. Mittwoch nach 6 Uhr erfaßte der. aus Pilsen nach Saaz fahrende.Personenzug in der Station Podersam den 44jähri- gen Bremser Vaclav Hrubh aus Pilsen, der auf der Stelle, getötet wurde. Das Unglück ereignete sich in dem Augenblicke, da der Personenzug in die Station'einfuhr,. Der Tote hinterläßt eine Witwe üiid drei unversorgte Kinder. Der tschechoslowakische Rundfunk sucht Orchestrrmusiker. Der tschechoslowakische Rundfunk hat. einen Musiker-Konkurs für seine Stationen ausgeschrieben. Gesucht werden für Prag einige Geiger, Bratschisten, Cellisten und Baßgeiger, ein Trompeter und ein Schlagwerker, für Kaschau ein Fagottist und ein Hornist. Konservatoriums-Absolventen im Alter bis zu ,35 Jahren mögen ihre Gesuche bis 15. Mai einbringcn. Nur wenn sich nicht genügend solcher Absolventen melden, werden qualifizierte Musiker ohne Konservatoriums Ausbildung in Betracht gezogen. Schwarzer Brudermord. Wie dem„Daily Herald" aus Nairobi in Kenya, Britisch-Ost- afrika, gemeldet wird, wurden drei aus einem dort, bestehenden Lager für desertierte italienische Askari geflüchtete Eingeborene von einer britischen Reiterpatrouille erschossen, einige weitere Ausreißer verwundet und sind sechs von ihnen ertrunken. als sie durch einen angeschwollenen Fluß vor den. Verfolgern flüchten wollten. Warum sie aus dem Lager entwichen und wohin sie wollten — ob etwa zur italienischen Armee zurück, von der sie doch desertiert sind, geht aus dem Bericht nicht hervor. In diesem Lager sind mehr als 400 iralienische Askäris interniert, 31 waren mit so traurigem Erfolg, für mehrere von ihnen geflüchtet, 16 wurden wieder eingefangen, sechs blieben verschwunden. Und die. sie. entdeckt, verfolgt und wegen Nichistehenbleibens trotz Anruf beschossen habest, sind—: gleichfalls Schwarzei(bn) Gefilmte Korruption. In einer Stadt der Normandie hat vor der Stichwahl em aristokratischer Politiker, Angehöriger einer großen Rüstungsfirma, den vergeblichen Versuch gemacht, seinen Gegenkandidaten durch Bestechung zuu» Rücktritt zu seinem Gunsten zu bewegen. Er bot zunächst 100.000 Franken, was jedoch abgelehnt wurde. Dann wiederholte er seinen Besuch. Gerade als er eine Ledertasche mit 150.000 Franks und einer auszufüllenden Quittung des Empfängers auf den Tisch legte, öffnete sich ein Schrank im Zimmer und heraus trat in voller Uniform ein Polizeibeamter, der die Bestechungssumme beschlagnahmte. Der Gegenkandidat des Grafen hatte auch dafür gesorgt, daß dieser sowohl beim Betreten des Hauses mit der Mappe, wie auch bei seinen? Abzug gefilmt wurde,(bn) Schaffalitzky von Muckadell ist der edle Name des Berliner Berichterstatters der Kopenhagener „Berlinske Tidende". Die Würdigkeit zum weiteren Verbleiben, in diesem Amt beweist er durch einen Berichts den sein Blatt abzudrucken so kühn'war. Danach sollen im Dritten Reich kaum noch mehr als vier oder fünf Konzentrationslager mit höchstens 3000 Gefangenen bestehen!„Sozialdemokraten" stempelt dieses Goebbelsei als faul ab und stellt allein an international bekannten Konzentrationslagern fünfzehn fest, die sämtlich stark belegt, wenn nicht überfüllt find, weshalb auch in mehreren neue BarackcnLiur PepM^erHNg.tA Fassungsraunies erbaut werden'— natürlich von den bereits Eingekerkerten. Unser Bruderblatt erinnert dabei an zahlreiche, seit Einbruch des Dritten Reiches Einge- sperrre, wie Heitmann, Ossietzky, Dr. Jasper, Rieke u. v. a.(bn) Millionärsparade vor dem Louvre. Die Gewinne der französischen Nationallotterie werden im sogenannten„Pavillons de Flore" einem Flügel des Louvre, ausgezahlt. Vor einigen Tagen gab es im Schnellfeuer der Objektive eine wahre Millionärsparade vor dem schönen Renaissance-Portal. An diesem Tag wurden 22 Millionen Franks an Gewinnen- ausgezahlt. Tie Vertreter der Kriegs« verletzte n-Orgänisatiön„Guelles caffees", die den Verkauf der Zehntellose organifiert haben(nachdem etliche Privarbankiers mit den Gewinnen für diese staatlich nicht aüsgegebenen Teillose davongegangen waren), kassierten allein 6,500.000 m Hundertfrankscheinen ein, die fie in Körben abschleppten. Ein neuer Lotterie-Millionär kam in einem alten Citroen angefahren,' hinter dem ein wunderbarer neuer Delage anfuhr. Er holt« den Gewinn ab, bezahlte ostentativ den Wägen und hängte ein Schild„Zu verkaufen" an das nicht mehr standesgemäße Auto, für das sich mich sofort ein Liebhaber fand. Internationale Kongresse ohne Sprachschwierig- keitrn. Tie„UebersetzerzeMrale" des Völkerbundes macht Schule. Demnächst findet in Wien der neunte internationale Kongreß der Zahnärzte statt. Um Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der Mittwoch-Ziehung der 5. Klasse, der 24. tschechoslovakischen Klassenlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen': Ke 40.000— 30.960. Kc 10.000— 29.693, 53.863, 55.351, 70.498, 67 K6 2, 5000 3— 16.016, 29.554, 32.848, 43.594, 45.951, 50.967, 72.410, 73.207, 83.713, 86.432, 89 347 95.117. K« 2000— 1927, 3886, 6819, 7613, 9311, 9445, 17.736, 19.179, 25.525, 26.518, 32.524, 32.757, 32.761, 33.900, 33.914, 34.128, 42.398, 49.687, 51.151, 52.121, 57.1Y3, 57.108, 61.179, 62.727, 68.610, 70.843,70.920,76.851,78.739, 79.288, 79.833, 82.938, 84.137, 87.573, 88.365, 102.903, 102.928, 104.078, 109.194.. keine Sprachschlvierigkeiten aufkommen zu lassen,, wird dem Kongreß eine nach dem Völkerbundmufter eingerichtete Uebersetzerzentrale beigegeben werden. Ter jeweils Vortragende wird sein«. Rede in einer der am Kongreß zulässigen Sprachen— Deutsch, Französisch oder Englisch— halten und ein Teil der Zuhörer wird ihn verstehen. Wer aber die Sprache, in der er spricht, nicht beherrscht, braucht bloß die Kopfhörer untzuschnallen und durch einen Knopfdruck sich für eine oder die andere der beiden übrigen Sprachen einschalten. Die Drähte der Kopfhörer führen ihn dann in die Zimmer, wo Üebersetzer sitzen, die den Vortrag in der gewünschten Sprache vor sich liegen haben, dem Redner— gleichfalls durch Kopfhörer— zuhören, mit ihm also Schritt halten, und das, was er gerade sagt, in der vom Zuhörer gewünschten Sprach« vom Manuskript ablesen. Selbstredend steht vor jedem Dolmetscher ein eigenes Mikrophon, das durch den schon erwähnten Knopfdruck mit den Kopfhörern der fremdsprachigen Zuhörer verbunden ist. Auf diese Weise wird jedes Mißverstehen und jede Unterbrechung verhindert.(g) Ein falscher Untersuchungsrichter. In der hana- kischen Gemeinde Chropyn bei Kremsier erschien dieser Tage ein anständig gekleideter unbekannter Mann, der sich das Betrauen der Einwohnerschaft daditrch gewann, daß er sich als Untersuchungsrichter aus Mährisch-Ostrau vorstellte. Zahlreiche Leute suchten ihn auf, um juristische Ratschläge in Privat- angelegenheiren zu erhalten. Für jeden Ratschlag ließ sich der„Untersuchungsrichter" gut bezahlen und bei komplizierten Fällen hob er fette Vorschüsse ein. Als ihm der Boden zu heiß wurde, verschwand er. Die Gendarmerie stellte fest, daß der Gauner der 82jährige Josef Olsäk aus Tücap bei Holcsov ist, der festgenommen und dem Gerichte übergeben wurde. Wetter gemischt. Eine mäßig warme Luftströmung aus Südosrrußland erhält bei uns und in ganz Mitteleuropa' die Temperaturen- andauernd um 2 bis 5 Grad über dem Normalisiert.' Da die allgemeine Luftdruckverteilung in Europa ihre Lage nicht wesenüich ändert, kann erwartet werden, daß auch bei uns vorläufig noch kein Wctterumschlag eintreten wird.— Wahrscheinliches Wetter heute: Halbheiter, Neigung zu lokalen Schauern oder Gewittern, mäßig warm, Ostwind.— Wetterausfichten fürFreitag: Ohne wesentliche Aenderung. Vom Rundfunk IssafeMefiswertes aus 4m ProirMBMi Freitag. Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Presse. 12.10: Operngesänge auf Schallplatten, 13.40: Straußwalzer, 18.10* Deutsch« Sendung: Lilly Freud-Marle: Sigmund Freund in seinem Heim, zum 80. Geburtstag, 18.35: Arbeiter funk: aktuelle zehn Minuten, 18.45: Deutsche Presse, 20.30: Klavierkonzert, 22.15: Leichte Musik. Sender S: 7.30: Salonorchester, 14.15: Deutsche Sendung: Für die Frau, die Wanderzeit beginnt, 14.30 Leppin singt aus seinem„Frühling nm 1900", 18.20: Lieder von Glazunov, 18.35: Baln- laikakonzert.— Brünn. 15: Rachmittagskonzert, 17.40: Deutsche Sendung: aus Tucholsky-Büchern, 19.20: Salon-Trio.— Kascha«. 12.35: Rundfunkorchestcrkonzert, 20.30: Geigenkonzert.— Mähr.»Ostrau: 18.10: Deutsche Sendung: Drapal: 100 Jahre Essenbahn.— Liederkonzert. Von einem Zensor Von Jaroslav Hasek In der Zeit, als es noch, keine, solche Pressefreiheit gab wie heute, als man noch. Druckschriften beschlagnahmte, was man bekanntlich heute schon aus der ganzen Welt nicht mehr tut, lebte in einem gesegneten Lande ein Zensor) der Wasser im Kopfe hatte. Vom medizinischen Standpunkt war dieser Zensor insofern ein Kuriosum? als die Witterung einen gewissen Einfluß auf die Ausdehnung des Wassers in seinem Kopfe übte. Und fo wie die Witterung, spielten auch Mond und Sonne«ine wichtige Rolle im Leben des Zensors. Er selbst nannte diese Erscheinung Ebbe, und Flut. Entweder nahm das Wasser in seinem Kopf ab, oder nahm es zu, auf alle Fälle gab es jedoch immer Wasser genug. Er war Vorsitzender eines Klubs» in dem alle jene vertreten waren, die mit Verachtung auf Leute herabsahen, die kein Wasser im Kopse hatten. Als Vorsitzender sorgte er unermüdlich um die geistige Entwicklung der Klubmitglieder und hielt daher gern und häufig Vorträge darüber, was Zensoren siind, warum Zensoren sind, wozu Zensoren da sein müssen, und wie es aus der Welt auSsähe, wenn es keine Zensoren gäbe. Diese Vorträge strotzten schon deshalb von Geist, weil der Herr Zensor nur dann vortrug, wenn das Wasser, im Kopse zunahm. In diese geistreichen Vorträge über seine erhabene Tätigkeit pflegte er Betrachtungen über die Weltordnung, den Staat Und- die guten Bürger einzuflechtctt, welche Betrachtungen er wieder Mit einer Reihe selbstverfaßter Aphorismen durchspickte, Er setzte auseinander, was jeder Zensor sein Eigen nenne. Ein Zensor besitze einen Kopf, Ohren, Nase, Mund, Hände, Füße, Hals, Haare, Bart, Nabel und einige von ihnen auch ein Muttermal. Von den Vierfüßlern üuterschieden sie sich dadurch, daß sie größtenteils aufrecht gehen, keine körperlichen Beziehungen zu Tieren unterhalten, sprechen, rauchen, Alkohol, trinken und auf die Reinheit der Presse achten.: Warum, um. Himmels willen, gebe es ässo Menschen, die auf Zensoren spucken? Er stellte sich diese Frage selbst, die er dann scharfsinnig und witzig in' seinem Vortrag beantwortete. Darum. weil die betreffenden Menschen kein Wasser im Kopfe haben. Ein Mensch, der Wasser im Kopf hat. besitze einen viel schärferen Verstand als'der ohne Wasser. Im folgenden gab der Herr Zensor Beispiele aus seiner Tätigkeit: In einer Zeitschrift habe man cs gewagt, Verse abzudruk- len, die begannen:„Frühling, der frucht brin gende, ist wieder da, alles atmet wieder Liebe, Auf den ersten Blick würde darin niemand eine Aufforderung zu Handlungen vermuten, die dem Schamgefühl und der allgemeinen Sittlichkeit zum Aergernis gereichen könnten. Zerlege man jedoch die Verse, fallen einem sofort die Worte„fruchtbringend".und„Liebe" auf. Also: fruchtbringende Liebe und Frühling. Er.der Zensor, hab« daheim einen Kater und eine Katze. Sowie der Frühling anfängt, find der Kater und die Katze..., kurz, er, der Zensor, wisse nur, zu gut, was der Dichter mit dem fruchtbringenden Frühling und derLiebe sagen wollte.„Schaut euch den Kater und die Katze des Herrn Zensors an", wollte er sagen,„und macht es aucb so wie die lieben Tierchen." Fn einem anderen Falle war er gezwungen gewesen, in einer Zeitung folgenden Satz zu beschlagnahmen:„Der arme Mann schritt müde die Landstraße dahin. Da raste ein Auto vorüber. Der arme Mann blickte nachdenklich dem in der Ferne entschwindenden Wagen nach." Wieder könnte da jemand behaupten wollen, das sei recht harmlos geschrieben. Gewiß, aber lest nur einmal zwischen den Zeilen! Das Wort„nachdenklich" beinhaltet ein Vergehen gegen die öffentliche Ordnung und Sicherheit, weil der arme Mensch in seiner Nachdenklichkeit überlegt hat. Was er überlegt hat, steht zwar nicht in dem Artikel, aber das tann j jeder leicht zu Ende denken. Sicherlich dachte er daran, es wäre das beste gewesen, den Wagen zum Stehen zu bringen, den Chauffeur zu erschlagen und das Geld der Herrschaft zu rauben. Und was meinen die verehrlichen Mitglieder des Klubs zu diesem Satz:„Bei uns gibt es 127-.600 Schnapsbudiken und 18.200 Schulen. Demnach entfallen auf eine Schule 7 Budiken Die Vorträge des Herrn Zensors über seine Tätigkeit erregten allgemeines Aufsehen. Einige Psychiater bedachten einander mit groben Briefen, da jeder dem. andern im Beweis zuvorkommen wollte, daß der Herr Zensor entweder ein Narr oder ein Idiot sein müsse. Allen diesen Streitigkeiten machte der Herr Zensor durch nachstehende kurze Erklärung in einem offiziellen Blatt ein Ende: „Mit Rücksicht auf die dauernde Uneinigkeit der Herren Psychiater antworte ich wi« folgt: Warum heißen Sie mich«inen Narren oder Idioten? Nennen Sie mich so, wie mich der Großteil der Leute nennt: Herr Zensor." Diese seine Erklärung im offiziellen Blatte beschlagnahmte er selbst und belangte die Schriftleitung wegen Ehrabschneidung, begangen in der Presse. Seit der Zeit sagt man von ihm, er sei unparteiisch. ^Denchch von 2utmr Made x.X Str. 107 Donnerstag, 7. Mai 1936 Seite 5 IWfcswtecfioft und bestimmt. Moskau habe das ostafrikanische Abenteuer Italien- vor allem-aus Gründen der Aufrechterhaltung des europäischen Gleichgewichtes verurteilt. Heute jedoch, da es sich erwiesen habe, daß die Sanktionen erfolglos seien, und da Abessinien tatsächlich erobert ist, müsse man mit d e r Sanktionspolitik brechen. Bor allem müsse man, angesichts der durch den Gewaltakt vom 7. März geschaffenen Lage, danach trachten, Italien in die europäische Völkergemeinschaft zurückzuführen. Die Sanktionen können hertte, nach Ansicht der Sowjetdiplomatie, nur schaden. und der Handelsvertretungen im Ausland, För- ders in der mittleren Industrie, genossenschaftliche Organisation des Agrarexportes. Kredites. Nm öffentlichen Sdktvr"Liquidierung der Krisenzuschüsse, Schaffung eines Konsortiums der öffentlichen Finanzinstitute und ihre Verwendung zum Wiederaufbau der Wirtschaft; im privaten Sektor Verstärkung der Kontrolle über die Depotbanken, ihre Ausdehnung auf Geschäftsbanken, Kontrolle der Tarife und Prämienreserven bei den Versicherungsinstituten. 3. Organisierung der Produktion: Oeffentliche Monopole für Elektrizität, Brennstoffe und Düngemittel, Kontrolle der Kartelle, Trusts und übrigen Monopolgebiete, Entfaltung des industriellen Informationsdienstes, Schaffung öffentlicher Finanzierungsinstitute für Industrie und Landwirtschaft, Förderung neuer Industriezweige. 4. Organisation des Verkehrs: Oeffentliche Finanzierung und Kontrolle der Cisenunterneh- mungen, Ausbau der Häfen, Wasserwege und Straßen u. a. 5. Organisation des Außen- negativen Sinne entschieden. Die Anhänger der Demokratie in Frankreich und England aber, die fich aus parteipolitischer Verärgerung noch immer vom Schicksal Oesterreichs desinteressiert abwenden zu können glauben, sollte« sich in letzter Stunde darauf besinnen, daß eine Eroberung des heutigen Oesterreichs durch den Nationalsozialismus nichts anderes bedeuten kann, als daß Mitteleuropa,—■ und bald nicht nur Mittel-1 an Wertpapieren beträgt llö Die Realitäten stehen mit KC zu Buche. Das mit Ende 1985 Verwaltungsvermögen per KC die Einlagen von Sa uhjml auißH. Safat gMrl Überalterung der Bevölkerung Ein interessantes Wirtschaftsproblem Die Londoner Zeitschrift„Planning"(Organ der P. E. P., Political and Economie Planning) befaßt sich in ihrer letzten Nummer mit den Wirkungen, die der drohende Bevölkerungsschwund auf die Wirtschaftspolitik der Staaten ausüben muß und kommt zu folgenden Schlüssen: Nach den verschiedenen Schätzungen wird die Bevölkerung Großbritanniens in den nächsten Jahrzehnten im besten Fall stabil bleiben, vielleicht stark zurückgehen. Hingegen tst die durchschnittliche Lebensdauer des einzelnen Menschen stark gestiegen. Es steht also eine gewisse Ueberalterung der Bevölkerung allmählich zu erwarten, was in gewissen Gebieten hereits sichtbar sei; dg.die durch-■ lschvÜUiche Lebensdauer.der- Frauen,-höher sei-:, werde vermutlich der Frauenüberschuh^noch steigen. Die Arbeitskraft der Bevölkerung werde jedoch weiter ansteigen, da die erwähnte Bevölkerungsbewegung wieder zu einer Bevorzugung der Männer gegenüber der Frauen- und Jugendlichenarbeit führen werde. Die Wanderungen, zumindest gegenüber dem Ausland, verlieren an Bedeutung. Flasche zu K8 4*80,7*20 u. 9*50 Kanister zu KB 9-.17-u.32- europa— definitiv unter den Stiefel der braunen Diktatur gerät." So richtig es ist, daß Oesterreich eine Schlüsselstellung ist, die nicht in Hitlers Hände fallen dürfte, so unmöglich ist natürlich, diese Stellung auf. die.Dauer zu halten,.wenn in. ihr S t a r h e m b e r g—- also Mus.solini — kommandiert. Die Beseitigung der i t a l i e n i sch en Dikt a t u r ist das Mindeste, was die Demokratien und Demokraten von Oesterreich fordern müßten, das auf die Dauer nicht davon leben kann, daß auch die schlechteste Wiener Regierung noch besser sein mag als eine Berliner Statthalterschaft! Sowjetunion für„Stresa-Front“? Der Moskauer Mitarbeiter des Pariser „TempS" gibt eine ausführliche Darstellung der dortigen Stimmungen gegenüber der internationalen Lage. Die französische Taktik nach dem 7. März ist in Moskau einer scharfen Kritik begegnet. Man ist in Moskau überzeugt gewesen, daß eine energischere Politik Hiller zum Nachgeben und London zu einer Unterstützung der französischen Aktion gezwungen hätte. Nun sei die deutsche Position, besonders gegenüber den klei- neren Staaten auf dem Balkan und im Baltikum, sehr gestärkt.„Wie kann nun Deutschland die Sowjetunion angreifen". Darauf hat man dem Mitarbeiter des„T e m p s" folgende, etwas unerwartete Antwort gegeben: Die Deutschen werden versuchen, Rußland über Rumänien anzugreifen, nachdem vorher O e st e r r e i ch besetzt und die Tschechoslowakei mit Hilfe Ungarns zertrümmert sein werde. Der deutschungarische Angriff werde über die rumänischen Naphthagebiete nach der Ukraine gehen. Man könne dabei nicht wissen, wie sich Jugoslawien verhalten werd«, da Belgrad durch die französisch-italienische Annäherung desorientiert sei und allmählich unter den deutschen Einfluß gerate. Moskau lege aus diesen Gründen der Aufrechterhaltung der österreichischen Unabhängigkeit einen großen Wert bei und sei bereit, alles zu tun, um die Verwirklichung der Berliner Anschlußpläne zu verhindern. Durch ähnliche Erwägungen werde auch die Stellungnahme Moskaus gegenüber dem abessinischen Kon flikt Einigung der deutschen Monarchisten? Wie Otto Strassers»Deutsche Revo l n t i o n" meldet, haben die deutschen Monar chisten sich auf die Person des Erb-Großherzogs von Braunschweig, E r n st A» g u st v o n Cum berland, als zukünftigen Monarchen geeinigt. Ernst August von Cumberland ist mütterlicher seits ei« Enkel Wilhelms H. und ist als Welfe'derung einer Organisation der Exporteure, beson und Abkomme der englischen Welfen(Hannover) angeblich in England sehr genehm. Er ist 22 Jahre alt und dient gegenwärtig in der Reichs wehr. Mit dem System soll man sich darüber ver ständigt haben, daß der Prätendent nach dem Tode Hitlers zum Kaiser ausgerufrn wer den und Herrn Heß als Kanzler bestellen wird. Angesichts der Spannungen zwischen Monarchi sten und System kommt der Einheitskandidatur der bisher in verschiedene Lager gespaltenen Mon archisten aber auch für den Fall eines baldigen Konfliktes zwischen Reichswehr und NSDAP eine hohe Bedeutung zu. Die eben jetzt beginnende Tagung der Kleinen Entente wird sich vor allem mit dem österreichischenProblem zu beschäftigen haben. Es ist nicht nur das Kardinalproblem der europäischen Sicherheitspolitik überhaupt, sondern stellt auch jene Frage dar, über die innerhalb der Kleinen Entente am schwersten eine wirlliche Einigung zu erzielen ist, da I u g o s l a w i e n bekanntlich einer „deutschen Lösung" der mitteleuropäischen Probleme nicht gerade ablehnend gegenübersteht, während es die Restauration der Habsburger nach wie vor als einen Kriegsfall erllärt und bemüht ist, die Son- derinterefsen der Dynastie Karageorgevic zur Magna carta der Kleinen Entente zu machen. Im Hinblick auf die Bedeutung der österreichischen Frage für die Kleine Entente und die Notwendigkeit für diese, statt der bisherigen negativen Formel„Weder Habsburg noch Anschluß" endlich zu einer positivenFormel zu gelangen, ist die Meinung der angesehenen Basler„National- Ze i t u n g" von Interesse, die dieser Tage an leitender Stelle u. a. ausfuhrte: „Wenn man die Grundtendenzen der durchaus expansiv gerichteten nationalsozialistischen Außenpolitik überdenkt, so kommt man zu dem zwingenden Schluß, daß der Nationalsozialismus seinem Wesen nach auf die Eroberung Wiens gar nichtver- z i ch t e n kann; die Eroberung Wiens bedeutet den entscheidenden Schritt zur Berwirklichung jenes Mitteleuropa, auf das Hitler seinen unbedingten Hegemonie-Anspruch anzumelden nie müde war— bedeutet einen entscheidenden Vorstoß in der Richtung auf das Mittelmeer, auf den Ballan und auf den Orient. Die Eroberung Oesterreichs würde— sozusagen als zweiter Schritt nach der Rheinlandbesetzung— die völlige Lahmlegung der östlichen Verbündeten Frankreichs, vor allem der dadurch restlos eingekreisten Tschechoslowakei bedeuten, der dann überhaupt nichts anderes übrig bliebe, als eine befristete Weiterexistenz durch eine bedingungslose Anpassung an die neudeutsche Außenpolitik zu erkaufen. Gesetzt den Fall, die Lenker der neudeutschen Außenpolitik ließen einen'Einmarsch in Oesterreich unter dem Borwand starten, sie hätten den habsburgischen Aspirationen gegenüber die vitalen Interessen des deutschen Bluter zu schützen— so kann man sich schon heute auSmalen, welche propagandistischen VernebelungSkünste in einem solchen Moment schlagartig auf die Welt losgelassen würden, um ihr wie Notwendigkeit, die Berechtigung und— die Unabänderlichkeit eines solchen Eingriffes von außen zu suggerieren— der ja nach nationalsozialistischer Ideologie nichts anderes bezwecken würde, alt Menschen gleichen Blutes und gleicher Gesinnung zu vereinen. ES müßte mit dem Teufel zu- gehen, wenn es der einzigarttgen, auf dar Gemüt des europäischen Massenmenschen berechneten nationalsozialistischen Propaganda nicht gelänge, mittels eines auf alle Schichten der notleidenden Bevölkerung niedergehenden Trommelfeuers von Verheißungen und Versprechungen dem nationalsozialistischen Regime und seinem Führer einen ttiumphalen Einzug in Wien zu sichern, dessen(über alle großen Radiostationen vermitteltes) Erlebnis die schwachen Ansätze der übrigen Welt zu einem aktiven Widerstand gegen die nationalsozialistische Expansion im Keime ersticken müßte. Jugoslawien, dessen über alle Wirtschafts- und Handelsabkommen hinauSgehenve politi fch e Bindung an das Dritte Reich kaum mehr zu verschleiern ist, würde«in deutsches Vordringen nach Oesterreich auS einem doppelten Grunde nicht ungern sehen: einmal, weil dadurch der Gedanke jener habsburgischen Restauration eliminiert wäre, die speziell auf die kroatische Bevölkerung eine kaum zu ü b e r w i n d e n d e A n« ziehungSkraft ausübt, und dann, weil ein deutscher Vorstoß in den Donauraum die europäische Position Italiens, des Gegenspielers Jugoslawiens, außerordentlich erschüttern müßte; solange Oesterreich selbständig bleibt, wird Jugosiawien bei der engen Bindung Oeftrrreichs an Italien den Verdacht nicht ganz loS werden, daß das österreichische Bundesheer sozusagen als linker Flügel der in der Venezia Giulia stehenden italienischen Armee funktionieren könnte. Die französischen Zeitungen erörtern gerade in diesen Tagen eifrig die bedrohte aktuelle Situation Oesterreichs und verhehlen ihre Besorgnis nicht, daß der auf außenpolitische Ablenkungsmanöver angewiesene Nationalsozialismus jene unheimliche Zeitspanne vir zur chefinitiven Regelung des englisch- italienisch-abeffinischen Konfliktes dazu benützen könnte, um den österreichischen Programmspunkt durch einen Handstreich zu bereinigen. Wenn auch die fortgesetzten, schadenfrohen Berichte der nationalsozialistischen Presse über Unstimmigkeiten innerhalb der österreichischen Regierung heillos übertrieben sind, so ist doch der interne Kampf deS Hirtenberger Rüstungsgewinnlers Mandl gegen den klugen S o z i a l m i n i st e r Do- b r e t» b e r g e r, der in vorausschauender Weise die Arbeiterschaft für daS kämpfende Oesterteich gewinnen möchte, leider noch immer nicht im Generalplan des Wiederaufbaues Ein Wirtschaftsprogramm der belgischen Arbeiterpartei Die im„Plan der Arbeit" enthaltenden Forderungen des Umbaus der Wirtschaft werden in der Plattform der Arbeiterpartei für die kom menden Wahlen näher erläutert. ES handelt sich um folgende sechs Punkte: 1.'Reorganisation des OREE(Amt für wirtschaftlichen Wiederaufbau). Es soll aus allen Ministerien mit wirtschaftlichen Ressorts(Handel, öffentliche Arbeiten, Landwirt schaft, Verkehr, Kolonien, Finanzen) zusammen gesetzt, über alle einschlägigen Mittel verfügen, einen Generalplan des Wieder aufbaus und der Arbeitsbeschaffung ausar beiten und einen Generalstab von Technikern, eine Studienkommission und Sonderkommissäre in gewissen Gebieten besitzen. 2. Organisation des! handels: Ausbau des Außenhandelsamtes Generalversammlung der böhmischen Sparkassa Die ordentliche Generalversammlung der Böhmischen Sparkaffe und ihrer Pfandbriefanstalt wurde am 6. Mai 1986 unter dem Vorsitze des Oberkura- tors Herrn JUDr. Karl Urban abgehalten, welcher zunächst mit warmen Worten der Verdienste des verstorbenen Vereinsmitgliedcs und Kurators Herrn JUDr. Vladimir FäCek gedachte. Hierauf wurden die Rechnungsabschlüsse für das Jahr 1935, die Verwendung des Gebarungs- LberschusseS, ferner die Geschäftsberichte der Direktion, deS Kuratoriums und des Direktoriums der Blindenversorgungsanstalt in Smichov„Palata" von der Generalversammlung genehmigt. Der Gebarungsüberschuß der Böhmischen Sparkasse pro 1985 beträgt KC 5,494.912.6t, welcher zu-Wertabschreibungen und zu Rücklagen verwendet wird. Mit Ende deS Jahres 1935 betrugen die Einlagen KC 922,047.461.—, sämtliche Hypothekardarlehen KC 846,448.292.26(zur Förderung der Bautättgkett wurden mit Staatsgarantte bis Ende 1985 Darlehen per KC 164,854.410.44 auSge- zahlt), die Kommunaldarlehen KC 68,525.496.05, eskomptierte Wechsel KC 870.182.—, Lombarddarlehen KC 198.798.26, angelegte Ueberschüsse KC 118,709.589.80 und sämtliche Wertpapiere KC 443,791.288,89. Der Fonds zur Deckung von Kursverlusten 27,782.614.64. 27,546.000,— ausgewiesene 1.045,068.883.24 umfaßt KC 922,047.461.— und die Rücklagen von KC 123,020.922.24. Mit Ende 1935 waren Pfandbriefe von Nom. KC 89,710.800.— tm Umläufe. Zu neuen Verein-Mitgliedern wurden gewählt die Herren: Eenkk HoudeCek, Rechnungssekretär, und Bohuslav Ottomanskh, Kaufmann. Zu Direktion--, räten wurden die Herren Ministerialrat JUDr. Eugen Lirsch und EenK HoudeCek, zum Kurator Herr JUDr. Josef Patejdl, Sekttonschef und Mitglied der Abgeordnetenhauses der Nationalver- sammlung, neugewählt. Schließlich genehmigte Vie Generalversammlung die Pensionierung des leiten«. den Direktors Herrn JUDr. Karl Peterka und die Bestellung des Herrn JUDr. Friedrich Klöckner zum leitenden Direktor. vor Marsch nach Wien Oesterreich Im Brennpunkt der Gefahr/ Deutschlands Hoffnung auf Jugoslawien Der„fliegende Mensch“ Im Auftrage einer Londoner Zeitung gab ein junger Amerikaner Clem Sohn'Auf dem Flugplatz Hanworth Park bei London eine Vorführung des ersten Menschenfluges. Er hatte einen Anzug mit Schwingen und Schwanzflügeln, die mit Armen und Beinen bewegt wurden. Aus 3000 Meter Höhe sprang er ab und vollführte dann einige Spiralen. Erst in 300 Meter Höhe öffnete er seinen Fallschirm und landete wohlbehalten. Unser Bild zeigt Sohn vor dem Start. Scite 6 Prager Zeitung Nachtbilder aus Prager Bahnhöfen Schafft Schlafstätten für vermögenslose Durchreisende! schonungsvoll. ren ,, Sozialdemokrat" Verhängnisvolle. Kartoffeln. Der 23jährige Arbeiter Wilhelm Schneider aus Žižkov trua gestern vormittags einen Sad Kartoffeln aus dem Keller. eines Hauses in Břevnov auf einen Wagen, als ihm einige der Kartoffeln aus dem Sack rollten. Als er sich nach ihnen bückte, zertrat er einen, glitt aus und fiel die Stiege hinunter. Auf der Klinik Schloffer wurde festgestellt, daß er sich das rechte Bein und den rechten Arm gebrochen hatte. 5000 Kč. Eine seiner Bekannten führte er sogar in Erkrankungen, werden vorteilhaft beeinflußt durch heiße Milch, welche vermengt mit Mattonis Gießhübler als Getränk verabreicht wird. Oeffnen wir deshalb misere Augen, bevor es zu spät ist und hören wir auf den Rat des Arztes; zur Erhaltung unserer Gesundheit, zur Vorbeugung gegen Erkrankungen der Galle, der Niere und der Blase trinken wir den kostbaren: Mattoni's Gießhübler. Kunst und Wissen Ein Volksfeind 23. Die Neuinszenierung dieses Jbsen'schen Donnerstag, 7. Mat 1936. Nr. 107 Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker Mitgliederversammlung Dienstag, den 12. Mai, um 20 Uhr im Parteiheim, Národní 4, Vortrag des Genossen Dr. Emil Strauß: Geschichte der tschechoslowakischen Arbeiterbewegung vor 1914. Dieses Referat bildet den Beginn einer Vortragsreihe über die Geschichte der Arbeiterbewegung in unserem Lande. Weitere Vorträge jeden zweiten Dienstag. Unsere Genossinnen und Genossen werden aufgefordert, fich vollzählig und pünktlich einzufinden. Im Wartesaal dritter Klasse des Masaryk Bahnhofes sitzt im Winkel neben dem altmodischen Kachelofen ein ganz junges Mädel in slowakischer Tracht, so vierzehn oder fünfzehn Jahre und weint herzbrechend. Der Bahnhofsportier und der Ein falscher Zuckerbäcker. Der befannie 46jähdiensthabende Polizeiinspektor stehen railos vor diesem Fall. Sonst ist diese Bahnhofspatrouille damit rige Heiratsschwindler Franz Kutil aus Davle, der befaßt, Obdachlose, die unter der„ listigen Vor- am 26. Feber aus der Strafanstalt entlassen worden spiegelung" Abreisende zu sein, einen Teil der war und seither bereits dreizehn Betrügereien und Schauspiels durch das Prager Deutsche Theater erAbgang des lesten Zuges an die Zuft zu jeßen. In berübt hatte, wurde verhaftet. An Frauen pflegte er funden hatte; denn dieser Volksfeind" steht unserer mäßig und in der ſittlichen Wirkung. Hier wurde schlaflosen Nacht im Wartesaal verschnarchen, bei Heiratsschwindeleien, hauptsächlich an armen Leuten weist sich dankenswerter noch, als man es voremp dieſem Fall aber handelten diese Amtsorgane, was sich heranzumachen, indem er ihnen erzählte, er wolle Zeit näher, als man nach den Resten weit zurückrei- das ungeklärte, Widerspruchsvolle und Widerspruchzu ihrer Ehre gesagt sei, außerordentlich zart und für Mobilar und Gebühren; so erschwindelte er gegen als fait alle anderen Ibsenstücke, die man in den achtens in überflüssiger und sogar schädlicher Weise sich eine Zuckerbäckerei einrichten und bedürfe noch Geld chender Erinnerung vermutet hatte, wirft moderner Weckende, in der Ibsen'schen Konzeption unseres ErDer Sachverhalt ist flar: Dieses slowakische eine Konditorei, die er als seine eigene ausgab. lezten Jahren wieder zu sehen bekam. Nicht nur ist noch unterſtrichen. Kind, dessen Dialekt kaum verständlich klingt, bat Ueberdies pflegte er sich bei verschiedenen Leuten als freiem Denken und Autoritätsgläubigkeit, zwischen der Kampf zwischen Recht und Macht, zwischen einen Bruder, der irgendwo im Brdywald bei Mieter einzuquartieren, sich Geld, manchmal auch Mníšek eine Anstellung als Landarbeiter gefunden Kleider auszuborgen, sich gründlich verköstigen zu Großzügigkeit und Kleinlichkeit, zwischen Temperabat. Er fordert seine Schwester auf, zu ihm zu fah- laffen und dann zu verschwinden. Er tat dies unter ment und Sturheit durchaus aktuell geblieben; nicht er werde ihr einen Posten verschaffen. In dem Namen Karl Jerych oder Karl Báčet. Unter nur dürfte es Stockmänner( die Oito sowohl wie diesem Brief hat er versprochen, das arme Kind am diesen Namen ist er auch in den Konsumgenossen- die Hans) geben, so weit unser Blick auch vorwärts 4. Mai im Wartejaal des Masarykbahnhofes abzuschaften„ Včela“ und„ Rovnost" bekannt; Mitglieds- tastet, sondern gerade in unseren Tagen berührt die holen. Die Eltern konnten dem Mädel gerade das und Sparbücher dieser Genossenschaften wurden bei Auseinandersetzung zwischen den Beiden Lebendiges, Reisegeld bis Prag mitgeben um das weitere seiner Verhaftung bei ihm gefunden und es besteht Wichtiges, Wesentliches. Man glaubte, seinen Jbjen hatte sich der Bruder zu kümmern. der Verdacht, daß er dort ebenfalls zahlreiche doch ganz gut zu kennen, und ist nun dennoch über Schwindeleien begangen hat. Er wurde nach Pankraz rascht von der politischen Argumentation des Dich ters, die auch und gerade heute nachdenklich macht. Man bekommt Lust, mit Dottor Stodmann und mit Ibsen, so sehr man sie leidenschaftlich bejaht, zu debattieren und zu polemisieren also fein veraltetes Problemstück, feine überholten Probleme. Gegen MUDr. A. Brammer, Prag. eine ganze Stadt kämpft dieser Doktor Stockmann Merkwürdig, daß der Mensch so selten das für die von ihm gefundene Wahrheit, für Anständig feit, Gesinnungstreue, gegen die Doppelmoral der Schöne sieht und das Nützliche erkennt, welches sich Politik, gegen die Giftschwaden des Geldes, des ewiin seiner allernächsten Umgebung befindet. Wie sieht gen Kompromisselns. Dieser Stockmann, der die es z. B. in unserem Lande aus, welches mit natür- kompakte Mehrheit" um sich verachtet und der zum lichen Mineralwässern so gesegnet ist, wie nur Schluß den Alleinstehenden, sich selber, als den stärkwenige Länder der Erde. Von ferne her, von weit sten Mann erkennt, fann dennoch nicht als der über den Weltmeeren, kamen und kommen die Kran- w abre Demokrat verkannt werden, weil er ten, um am Ursprungsort dieser Heilquellen Gesundheit zu trinken. Diejenigen aber, welche im Lande selbst wohnen, gehen meist unachtsam an den fostbaren Heilmitteln vorüber und manchem flingt der Name derselben wie leerer Schall. Unser Slowakenmädel saß vom Eintreffen ihres Zuges um sieben Uhr früh den ganzen Tag im Wartesaal. Aber der Bruder erschien nicht. Und nun sigt das arme Kind ausgehungert und ratlos in später Nachtstunde im Winkel des Wartesaales und wartet darauf, daß auch sie hinausgewiesen wird. Sie hat feinen Heller in der Tasche und in den Ohren klingt ihr noch die Mahnung des Portiers: ..ier tönnen Sie nicht über nachten, Fräulein! Das ist gegen die Vorschrift." Das bedeutet: Hinaus auf die Straße! Draußen aber wandeln Polizeipatrouillen und das ahnungslose Kind hat die Anwartschaft darauf, wegen Vagabundag e" eingesteckt zu werden. Und dann sind draußen allerhand Leute, denen das unerfahrene hübsche Kind gerade recht käme. Nicht nur Liebhaber des weiblichen Geschlechtes, sondern auch Suppler und Supplerinnen, die für die Zuschleifung" einer Jungfrau in die verschiedenen getarnten Bordelle fette Provisionen einheimsen. Beträgt doch die Tare für eine Deflorierung in solchen Lokalen, wie aftenmäßig festgestellt ist, 1500 Kč...! " Dem verheulten Slowakenmädel blieb dieses Schicksal zum Glück erspart. Mit Genehmigung des diensthabenden Beamten wurde ihm ausnahmsweise gestattet, die Nacht im verschlossenen Wartesaal zu verbringen. Kein angenehmes Nachtlager auf der schmalen, harten Holzbant im ungeheizten Raum aber doch ein Unterschlupf. Und am nächsten Tag werden sich schlimmstenfalls die sozialen Hilfsstellen seiner annehmen und es an seinen Bestimmungsort befördern. Bei dieser Gelegenheit sei wieder einmal die Anregung gegeben, für mittellose Durchreisende irgend eine menschliche Unterkunft in der Nähe der drei Prager Hauptbahnhöfe zu schaffen. Fälle der bezeichneten Art sind ja nicht vereinzelt. Zur Zeit der Saisonarbeiterwanderungen lagern auf den Bahnhofsstufen ganze Scharen armer Teufel, die mit dem letzten Zug ankommen und erst am nächsten Morgen weiterfahren können. Eine einfache Pritsche und ein Dach über dem Kopf bedeuten viel für Leute in solcher Situation und für polizeiliche Kontrolle könnte gleichzeitig hinreichend gesorgt werden. Die Kosten wären so geringfügige und ein beschämendes Nachtbild der Hauptstadt wäre beseitigt. rb. Roswitha Bitterlich = eingeliefert. Die Heilkraft der natürlichen Mineralwässer eben fein Bündnis eingeht mit den Verlogenheiten und verwerflichkeiten der Macht und derer, die es immer mit den stärkeren Bataillonen halten. Doktor Stockmann stebt zum Schluß allein; aber er will und wird es nicht bleiben; die Reinheit seines Fühlens und Denkens wird fortwirken, aufrütteln, die junge Generation um ihn scharen und dem faulen Zauber des Liberalismus ein Ende bereiten helfen. her gut ausgewogene Dynamit, den richtigen RhythIm übrigen hat die Aufführung vom Regisseur mus, endlich einmal flottes Tempo; auch die schwierige Versammlungsszene erscheint uns sehr gut ge= lungen. Was die Darstellung anlangt, ist Herr Volker ein sehr wirkungsvoller Doktor Stockmann; seine reife Schauspielkunst und fühlbare innere Anteilnahme an Gestalt und Gesinnung schaffen eine beachtliche Leistung, der allerdings mehr ständig verspürbare Kraft( vor allem der Stimme) zuteil werden müßte. In May Liebl hat er einen überzeugenden Gegenspieler, der es versteht, mit. äußerer Noblesse den plebejischen Kern seines Wesens einigermaßen genießbar zu machen. Sehr inter essant& Lippel als Redakteur, Costa als Karis fatur des Spieß- und Geldbürgers und Marlé als der bösartige Alte( allerdings wieder, wie so viele Leistungen dieses Künstlers, übercharakteri siert). Die Damen Stein und Warnholz, die Her ren Valt und Trabauer hatten sich brav ihrer bläßlichen Rollen angenommen. Es gab starken und herzlichen Beifall. L. G. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Donnerstag 28: 2iebe nicht genügend,€ 2. - Freitag halb 8: Orpheus in der Unterwelt, 2. Samstag halb 8: GIüd mus man haben, Erstaufführung, B 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Donners tag 8 Uhr: Salzburg ausverkauft. Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf. Freitag halb 8 Uhr: Menschen auf der Eisscholle, Erstaufführung. Samstag 8 Uhr: Menschen auf der Eiss scholle. Vereinsnachrichten dafteusgestalten des Ibsen'schen Schauspiels zu den gleichgeschalteten Journalisten! Und wie viele seinesgleichen hat der liberale" Stadtvogt, gegen RW Ortsgruppe Brag. Der für Samstag, ben dessen Methoden sich die Demokratie erst durchießen 9. d. M. angesetzte Kameradschaftsabend muß aus muß? Allerdings nur die Demokratie; denn in der technischen Gründen verschoben werden. Dittatur ist er am Plaz. Jahrhundertelang war Gießhübl Sauerbrunn bekannt, aber es bedurfte erst der Tatkraft eines Mannes, um in der zweiten Hälfte des vorigen Wer fann zweifeln, daß wir solcher Otto Stock Jahrhunderts dieses rein natürliche Mineralwasser männer mindestens so sehr bedürfen wie die Zeit der der ganzen Welt zugänglich zu machen. großen norwegischen Dramatifers? Wie nahe ist doch eigentlich von dieser ,, kompakten Mehrheit" zur ,, To,, Das Alte wird nie alt!" was nach jahrtalität", zum Faschismus! Wie nahe von den Rehundertelanger Erfahrung und Tradition sich bewährt, das wird heute durch die Fortschritte der Medizin bewiesen. Die.Natur hat vorgesorgt, aber ihre Werke wurden oft verkannt oder vernach lässigt. Heute wissen wir, daß viele Stoffwechselfrankheiten, wie: Gicht, Zuderkrankheit, AdernverDie Regie( Liebl) und die Darstellung ers falfung u. a. m. seltener auftreten oder ganz ausfüllen ihre ethisch- politische Aufgabe insofern, als bleiben, wenn wir über einwandfreies Trinkwasser verfügen oder wenn unserem Organismus ein Mineralwasser zugeführt wird, welches die für den selben notwendigen Aufbaustoffe enthält. Dabei muß ein solches Mineralwasser imstande sein, überschüssige Säuren zu neutralisieren, damit Nieren und Blase reinen Harn ausscheiden und Sand oder Steine nicht Gelegenheit haben, sich in diesen Organen zu bilden und dort, wo sie sich bereits gebildet haben, zu ihrer Ausscheidung beizutragen. Aber auch Krankheiten der Luftwege, namentlich die gefürchteten Katarrhe bei und nach Grippeschen. Aber auch das wäre noch als virtuoses Können der Nachahmung denkbar, so verblüffend in der technischen Sicherheit auch schon die Arbeiten der Achtjährigen sind. Erstaunlicher jedoch ist, was sie mit den Mitteln ihrer Begabung ausdrückt. Eine äußerst sensible Erlebnisfähigkeit, eine geradezu geheimnis volle Kraft, Eindrücke, die ihr Erlebtes, Geleſenes, Gehörtes vermitteln, zu eigenen Vorstellungen zu berarbeiten und künstlerisch zu gestalten, gibt ihren Bildern inneren Gehalt. durch sie die Erbärmlichkeit der Gegenspieler Doktor Sport- Spiel- Körperpflege Stockmanns in der schärfsten Weise unterstrichen wird, so daß der Volksfeind" tatsächlich bis zum Schlusse als der wahre Volksfreund erscheint und sein Neue Leitung der FPT. Die kommunistische moralischer Sieg außer Zweifel steht. Aber der be- Sportorganisation der Tschechoslowakei hielt in sonderen demokratischen Zeitaufgabe unserer Bühne, Prag einen Kongreß ab, welcher nicht weniger als wenn sie diesen Ibsen spielt, ist die Regie Wesent- drei Tage in Anspruch nahm. Die Referate beliches insofern schuldig geblieben, als sie zwar die faßten sich mehr mit der Forderung der Errichtung undurchdachten, verwirrenden, durchlöcherten Tiraden einer Volksfront- auch mit„ fortschrittlichen Sportals gegen Parteien und Programme am Ende des Stücks lern"( aus dem bürgerlichen Lager also) sprechen ließ, dafür aber den erhebenden Ausblick mit sporttechnischen Fragen. Darum braucht es auch in eine Gemeinschaftszukunft strich. Aus diesem nicht zu verwundern, daß auf dieser Tagung ein Ver= Grunde vor allem fiel der letzte Aft ab, theater- treter des tschechischbürgerlichen Prager FußballGaues die kommunistischen Delegierten begrüßte. Bei den Wahlen wurde zum Vorsitzenden Karl Aksamit, bekanntlich Prager RSJ Setre tär, gewählt. nicht in frühreifer Virtuosität zu erschöpfen droht. In den Bildern aus lezter Zeit bahnt sich ein aus eigenem innerem Erleben schöpferischer GestaltungsDie Bilder einer Frühvollendeten Der Krach CAF- Mittelböhmischer Gau. Der drang seinen Weg. Bilder wie das apokalyptische Man ist darauf gefaßt, die mehr oder minder Best, Hunger, Krieg und Arbeitslosigkeit"( 215), ultimativen Forderung der CSAF, daß die Vereine birtuosen Leistungen eines Wunderkinds" zu sehen der tanzende, auf einem Strick um den Hals gei- und Spieler des ausgeschlossenen Mittelböhmischen zu bekommen, und man meditiert schon im voraus, gende ,, Wahnsinnige"( 287), die„ Flucht der Heili- Gaues sich neu anzumelden haben, sind bisher die wieviele Wunderkinder es schon gegeben hat und wie genfiguren"( 325), die Bilder aus dem Buche des im Gau tätigen Ligavereine Sparta, Slavia, Kolin selten ein Mozart darunter war, wie oft jugendliche Grauens"( 390-395), der„ Würgengel"( 417) und Kladno sowie alle Divisionsvereine nachgefommit der meisterhaft erfaßten Vision der flammenden men. Der Mittelböhmische Gau hat dadurch seine Genialität nur alles vorwegnehmende Frühreife war, vorzeitige Blütezeit ohne Frucht und Reife. Mit Als dreijähriges Kind hat Roswitha angefangen Luft, zu dem Roswitha durch einen Zeitungsartikel besten Klubs und damit auch nicht unbeträchtliche diesen Gedanken geht man in die Ausstellung der zu zeichnen. Aus dieser Zeit stammt eine entzückend über die Schrecken des Gastrieges inspiriert wurde, Einnahmen schon verloren. Wie verlautet, tragen Bilder von Roswitha Bitterlich im naive und doch schon überraschend ausdrucksvolle der Engel mit der Zornschale"( 436) sind schon sich auch Klubs der Amateurklasse mit dem GedanClam Gallas Palais und ist über- 3eichnung: ,, Der Gärtner freut sich am Sonntag ganz persönliche Schöpfungen einer erlebnisstarken fen, den Gau zu verlassen. Das Mitteilungsblatt des rascht: dieje jetzt sechzehnjährige Künstlerin scheint über die Schneeglöckchen". Aus ihrem sechsten Le- Phantasie, die zwar noch das Absonderliche, Sput- Gaues," Sport", befaßt sich unter dem Titel„ Nicht wirklich ein Phänomen zu sein. Scheint um es bensjahre sind zwei Bleistiftzeichnungen besonders hafte sucht, die aber in dem zuletzt gemalten ein- um Disziplin, sondern um Geld geht es" mit dem vorsichtig auszudrücken, denn auch in diesem Falle ist aufschlußreich. Auf der einen stehen Kühe vor einem drucksvollen Bilde ,, Die Niegekannten"( 460) schon Vorgehen der CAF und wirft diesem vor, daß er ja noch ein unerwartetes Stagnieren und schließ- aufgehängten geschlachteten Schwein; darunter hat anderen, rein aus dem Inneren erklingenden The unmäßige hohe Geldausgaben" usw. mache. In men sich zuwendet. Bestimmt bezeugen diese Bilder der tschechischen Presse, die nicht berhehlt, daß es liches Versiegen einer allerdings außergewöhnlichen das Kind geschrieben:„ di füe heilen( heulen) um Begabung denkbar, obwohl die Photobildnisse dieses das schwein". Die andere Zeichnung schildert tief aus Tester Zeit, daß es sich bei dieser jungen Künst- weniger um sportliche als um persönliche Ambitionen ganz natürlichen jungen Mädchens mit den kindlichen nachdenklich die libe zu den Pfert und zum schlus lerin um mehr als nur virtuose Begabung handelt. gehe, wird die Hoffnung ausgesprochen, daß es trotz Hängezöpfen gar nicht en Eindruck treibhaushafter wird es getetet". In der Ausführung sind das noch Ihr Schaffen entspringt einer fünstlerischen Veran- allem doch eine Brücke der Verständigung geben Frühreife machen, und man bekommt versichert, daß ganz und gar kindliche Zeichnungen, ihr gedanklicher Tagung, die unter Umständen auch dichterisch sich und eine Spaltung im tschechoslowakischen FußballRoswitha sich selbst gar nicht als Wunderkind fühlt, Inhalt aber ist für ein sechsjähriges Kind außerge- ihren Weg hätte bahnen fönnen und ihn sich viel sport vermieden wird. Die Gau- Ausschuß hielt am daß sie von ihrer frühesten Kindheit an ebenso selbst- wöhnlich. Er läßt eine Tiefe der Phantasie erkennen, leicht auch noch bahnen kann, denn Roswitha Bitter- Montag eine Versammlung ab, in der sich mit einer verständlich zeichnete und malte, wie sie findliche die auch alle anderen Zeichnungen aus den Jahren lich hat sich bereits auch schriftstellerisch versucht; es Ausnahme alle Redner hinter den ausgeschlossenen siehe oben.. Spiele trieb, und daß sie auch jetzt noch ihre Bilder der Kindheit einen eigenartigen Reiz verleiht und wäre nicht unmöglich, daß diese Frühvollendung als Gauvorstand stellten. Aber gar nicht wertschäßt, daß ihr, die als Gymnasiastin der sich frühzeitig auch Sinn für Humor zugefellt. gestaltende Künstlerin eines Tages abgeschlossen sein die Schule besucht wie andere Mädchen ihres Alters Es kommen dann Jahre, in deren Ablauf in Ros- und in dichterische Leistung umschlagen könnte. Alles auch, die Zensuren in Mathematik eigentlich wichtiger withas Bildern allerhand zufällige Einflüsse, rasch bleibt abzuwarten unbestreitbar ist das PhänoUnd merkwürdig angesichts der schöpferischen find. So hat man es also mit einem Naturtalent zu und erstaunlich restlos aufgenommene Anregungen aus men. tun, dessen künstlerische Leistungen umso erstaunlicher irgendwo gesehenen Vorbildern spürbar sind. Aber Fülle innerer Gesichte ist, daß Roswith Mathematit find, als es niemals dem Drill ausgesetzt worden ist. durch die vielseitige Virtuosität des formalen Kön zu studieren wünscht. Erstaunlich ist nicht nur die produktive Fülle nens schlägt ihre eigene Phantasie immer wieder Einige Lebensdaten sind von gewissem Inter477 Nummern umfaßt die hiesige Ausstellung, die selbstgestaltend durch. Und auch ein schon frühzeitig effe. Roswitha Bitterlich wurde 1920 in Bregenz am nur eine Auswahl gibt. Erstaunlich ist auch nicht bemerkbarer Hang zur„ gotischen" Form bleibt; er Bodensee geboren. Von ihrem ersten Lebensjahre an Der argentinische Langstreckerläufer Zabala ist nur die technische Fertigkeit, mit der Roswitha, ohne scheint ihrer inneren Veranlagung zu entsprechen, wuchs sie in Schluckenau in Nordböhmen auf, wohin je akademischen Unterricht genossen zu haben, Zei denn er behauptet sich, stärker und reicher im Aus- ihre Eltern berzogen waren, verlebte also ihre frühe nun auch in Prag gestartet. Mittwoch lief dieser thenstift und Zeichenfeder, Kreide und Kohle, Aqua- druck werdend, bis in die letzte Zeit und bestimmt Kindheit durchaus nicht in einer fünstlerischen Me-.. Amateur" bei einem Slavia- Meeting ein Stunrell- und Delfarben handhabt, wie richtig ihre Bilder sichtlich ihre besten Bilder aus den letzten Jahren. tropole. Seit 1928 wohnt die Familie in Innsbrud, denlaufen und erzielte 18.249.8 Meter. Die Verin der Anatomie der Figuren, in der Behandlung des Und diese sind es die die Gewißheit zu gewähren to Roswitha noch jezt das Gymnasium besucht. Von anstalter hatten geglaubt, mit diesem Mann ein die erste fand gutes Geschäft zu machen, doch waren kaum 2000 Bildraumes sind. Das alles scheint sie aus angebore- scheinen, daß es sich bei Roswitha Bitterlich um eine den Ausstellungen ihrer Bilder will sie nichts wissen. Id. Interessenten erschienen. her Intuition einfach selbstverständlich zu beherr- wirklich phänomenale Begabung handelt, die sich 1935 in Wien statt Inserate werden laut Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich Kč 16.-, vierteljährig Kč 48.- halbjährig Kč 96.-, ganzjährig Kč 192. Die Zeitungsfranfatur wurde von der Posts und Tele Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt. Druderei:„ Orbis". Druds, Verlags- und Zeitungs- A.- G. Prag. Desterreich schlägt England 2: 1( 2: 0). In Wien fand am Mittwoch der Fußballänderkampf Oesterreich- England statt, welcher überraschend mit einer Niederlage der als sehr stark angesehenen englischen Elf endete. Die Oesterreicher waren in der ersten Spielhälfte sehr gut und schossen durch Viertel und Geiter ihre Tore. Nach der Pause waren wohl die Engländer start im Vorteil, doch vermochten sie nur ein Tor aufzuholen.