Freitag, 8. Mai 1986 16. Jahrgang Nr. 108 Etatfcrtls 70 Ifflfer («intchliaSlich$ Haller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xn., fochova«. telefor SW7. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUS?, FRAG. Phönix-Schicksal noch ungewiO Innenminister säst Schutz den kleinen Versicherungsnehmern und strenge Untersuchung zu Prag. Im verfassungsrechtlichen Ausschuß des Abgeordnetenhauses gab Innenminister Dr. Eerntz am Donnerstag anläßlich der Beratung der kürzlichen Regierungsverordnung über den Phönix eine Erklärung ab, aus der hervorgeht, daß immer noch keine Klarheit über das endgültige Schicksal der Phönix und ihrer Bersicher» krit herrscht, daß aber die Regierung den Schutz der kleinen Versicherungsnehmer ausdrücklich züsagt. Er schilderte zunächst die ganze Genesis der Wirksamkeit des Phönix in der Tschechoslowakei und verwies darauf, daß die Ursache des heutigen unerfreulichen finanziellen Standes dieser Gesellschaft schon in ihrer Tätigkeit während des Krieges zu suchen sei, wo sie Lebensversicherungen auf Grundlage der später entwerteten Kriegsanleihen abschloß. Eine nicht geringe Einbuße erlitt die Gesellschaft weiters dadurch, daß sie die Versicherungsleistungen aus Polizzen, die bis zur Währungstrennung am 26. Feber 1919 in alten Kronen abgeschlossen waren, inTschckchokronen auszahlte und daß sie nach den zwischenstaatlichen, auf Grund des Friedensvertrages abgeschlossenen bilateralen Verträgen die tschechoslowakischen Versicherungsstöcke österreichischer und anderer ausländischer'Versicherungsgesellschaften übernahm, deren Prämieureserven nur durch entwertete Vorkriegsvermögenswerte gedeckt waren. Trotzdem dem Phönix zur Deckung der so entstandenen Belastung die N o st r i f i z i e- rung der Renten auf Grund zwischenstaatlicher Vereinbarungen bewilligt wurde, wurde bei einer Vom Innenministerium im Jahre 1931 durchgeführten Revision ein beträchtlicher Fehlbetrag in der Deckung der Prämienreserven festgestellt, zu dessen Tilgung eine hinreichend lange Frist in Aussicht genommen wurde. Zur Amortisierung dieses Fehlbetrages wurde dem Phönix vom Innenministerium eine d r e iß r g- jährige Frist bewilligt. Als Ausgangsbetrag, der Amorfisierung mit dem Stichtag des 31! Dezember 1927 wurde in dem am 16. März 1932 zwischen der tschechoslowakischen und der österreichischen Aufiichtsbehörde abgefaßten Protokoll der Betrag von 387 Millionen XL festgesetzt, der dem Gesamtstand der Prämienreserven des tschechoslowakischen Stockes des Phönix zum 31. Dezember 1927 entsprach. Die Vertreter unseres Innenministeriums unterzeichneten dieses Protokoll unier der selbstverständlichen(und darum nicht ausdrücklich hervorgehobenen) Voraussetzung, daß der Phönix als Ganzes in der Zentrale bilanzmäßig sich im Gleichgewicht befinde, wie dies sowohl von den Funktionären des Phönix, als auch vom Leiter des österreichischen Aufsichtsamtes ständig betont wurde. Das Phönix-Defizit gab die Veranlassung zur Regelung der Deckung der vorgeschriebenen Prämienreservrn durch das Gesetz 147/34. Als offenkundig wurde, daß der Stand des Phönix sich verschlechtert» wurde im Jahre 1935 vom Innenministerium eine Revision durchgeführt, welche die Befürchtungen bestätigte» daß das Defizit faktisch noch gewachsen ist. Gleichzeitig führte das Innenministerium eine Untersuchung über die Ursache des Defizits und gedachte auf Grund der Revision und der Untersuchung Maßnahmen zu treffen und beim österreichischen Aufiichtsamt einzuschreiten» um die Tilgung des Mankos zu ermöglichen. Dieser Absicht kamen die Maßnahmen der österreichischen Regierung zuvor, welche in der Zwischenzeit in der Widner Phönix-Zentrale einen beträchtlichen Fehlbetrag festgestellt und sich zu einer Regelung der Rechtsverhältnisse- des Phönix entschlossen hatte. Sobald diese Maßnahmen und der finanzielle Stand der Wiener Phönix-Zentrale dem Ministerium bekannt wurden, bestellte es für die Prager Phönix-Bertretung einen Regierungskommissär, bereitete eine entsprechende Regierungsverordnung vor und verlautbarte sie am 21. April d. I. unter Rr. 101 in der Gesetzessammlung. I Im Sinne dieser Verordnung gehen die von der Regierung ernannten Verwalter an die Feststellung des inländischen Vermögensstandes deS Phönix und an die Beseitigung der ungerechtfertigten Vorteile, die den Versicherungsnehmern bei Abschluß von Versicherungen zu einem vom Ministerium nicht genehmigten Prämiensatz zuteil wurden. Ob und inwieweit noch andere Unkorrektheiten in der Gebarung der inländischen Phönix-Filiale vorgekommen sind, wird durch die Untersuchung gegen die verantwortlichen Funktionäre festgestellt werden, von denen einige bereits durch die Polizeidirektion in die ordentliche Gerichtshaft überstellt wurden. Dir Untersuchung wird mit aller Strenge und Rücksichtslosigkeit geführt. Die Regierung beschäftigt sich intensiv mit den wirtschaftlichen Verhältnissen des Phönix, wobei sie namentlich die Interessen der Versicherungsnehmer» in erster Reihe der sogenanntenBolks- Polizzen» berücksichtigen wird. Die Feststellung der wirtschaftlichen Verhältnisse wird noch einige Zeit beanspruchen, weil die einzelnen Daten auf Grund des in der Wiener Zentrale aufbewahrten Materials sichergestellt werden müssen. Das Innenministerium bat neuerlich auf diplomatischem Weg« um die Herausgabe dieses Materiales ersucht. Dabei behält es auch die Interessen der Angestellten der Gesellschaft im Auge. Parteiberatung in Paris Paris. Die sozialistische Partei hat auf telegraphischem Wege für Sonntag eine Sitzung des erweiterten Präsidiums einberufen, um vor dem Kongreß der Partei» der für den 30. Mai angekündigt ist, die Hauptgrundsätze der Politik und des Programms der sozialistischen Partei durchzuberatrn. Das erweiterte Präsidium hat eine Reihe ausgedehnter Vollmachten und kann der Partei gültige Weisungen für dir gegebene Lage und sofortige Verhandlungen geben. Der Allgewerkschastsverband beruft für den 18. Mai das erweiterte Präsidium rin, um zu der durch die Kammerwahlen geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Es wird erklärt, daß die Linksfront beabsichtige, einem der zwei Generalsekretäre des Allgewrrkschaftlichen Verbandes, entweder Jouhaux oder Roeamonde das Portefeuille des Arbeitenministeriums anzubirten. Roeamonde war bis zur Bereinigung der beiden Verbände Generalsekretär des kommunistischen Verbandes. Das radikale Blatt„L'Oeuvre" erwartet, daß Blum Ministerpräsident und sonst kein Portefeuille übernehmen oder auch Außenminister sein werde. Paul Boneour würde Außenminister oder Kriegsminister werden. Stellvertreter des Ministerpräsidenten und Justizminister würde der Vorsitzende der Radikalen Partei Daladier werden, eS wäre denn, daß er es vorziehen wiirpe, das Kriegsministerium zu leiten. In diesem Falle würde der Radikale Delbos Justizminister werden. Kriegsmarineminister wird wahrscheinlich der bisherige Ministerpräsident Albert Sarraut, Lüft- schiffahrtsminister der Radikale Pierre Cot und Finanzminister der Sozialist Vincent Auriol werden. Innenminister wird höchstwahrscheinlich der Sozialist Salengro werden. Reglerungsdemlssion Anfang Juni Der Ministerrat ist Donnerstag im Palais Elyse unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik Lebrun zusammengetreten. Es wurde beschlossen, daß die Regierung bis Anfang Juni im Amte verbleibt, zu welchem Zeitpunkte die neue Kammer zusammentreten wird., Bis zu dieser Zeit wird der Ministerrat die Führer der Hauptparteien der linken Mehrheit über alle wichtigen Fragen, namentlich aber über die Entwicklung der Finanzlage, unterrichten. Die Debatte über die Ausführungen deS Ministers wird erst in der nächsten Ausschußsitzung abgeführt werden, deren Termin erst festgesetzt werden wird. Rechtsanwalt des Phönix verhaftet Die Prager Polizeidirektion verlautbart: Bei der Untersuchung der Strafangelegenhrit der Versicherungsanstalt Phönix in Prag wurde festge- stellt, daß der Rechtsbeistand Dr. Berliners in Prag der 48jährige Advokat Dr. Norbert Eisler war, welcher nach einem Verhör wegen Kollusionsgefahr in Haft genommen und dem Strafgericht in Prag übergeben wurde. Eine neue Verhaftung In Wien Die Wirtschaftspolizei hat auf Ersuchen des Untersuchungsrichters in der Strafsache gegen Funktionäre der„Phönix" Erhebungen betreffend den Direktorstellvertreter der„Phönix" Friedrich Grübel, wegen des Verdachtes der Por- schubleistung eingeleitet. Er steht im Verdachte Ende März Material, das mit der„Phönix"-An- gelegenheit im Zusammenhang steht, frühzeitig durch Mittelspersonen aus seiner Wohnung verschwinden gelassen zu haben. Da durch die Erhebungen der Wirtschaftspolizci der Verdacht verstärkt wurde, ist seine Einlieferung in das Landesgericht erfolgt..» Selbstmord Klebinders Wien. Blättermeldungen zufolge hat der ehemalige Herausgeber der„Wiener Sonn- und Montagszeitung", Regierungsrat Ernst Klebinder in Susak auf jugoslawischem Boden Selbstmord-verübt. Sein Rechtsvertreter fand ihn in seinem Hotelzimmer tot auf. Klebinder war, wie bekannt, in die Affäre der Lebensversicherung „Phönix"' verwickelt. Blum für AbrUstungsversuch London, 7. Mai.„Daily Herald" veröffentlicht eine Unterredung mit dem Führer der französischen Sozialisten, Leon Blum, in welcher dieser u. a. erklärte: Der Sieg meiner Partei ist in einem für Frieden, Demokratie und Zivilisation schicksalsschweren Augenblick eingetreten. ES ist tragisch, daß wir zu'spät kamen, um die Eroberung Abessiniens durch die Italiener zu verhindern, doch wenn auch die Vergangenheit nicht in unseren Händen war, ist es die Zukunst. Tier Böllerbund muß wieder fest aufgebaut und von neuem Geiste erfüllt werden. Die europäischen Staaten müssen wiederum zu aufrichtiger Zusammenarbeit zusammentreten. Dies kann einzig und allein nur auf der Grundlage der Abrüstung erfolgen. Blum bestätigte die feste Entschlossenheit seiner Partei, mit llnverzagtheit und Vertrauen den Versuch zur Erfüllung der Aufgabe, zu unternehmen, die für die Verwirklichung eines internationalen Abrüstungsabkommens gegeben ist. Deutschland mutz eingeladen werden, sich an der Ausarbeitung eines derartigen Abkommens zu beteiligen. Der richtige Fragebogen, der Deutschland von allen europäischen Staaten— sowohl großen wie kleinen— vorgelegt werden muß, muß folgende Lebensfrage enthalten:„Seid ihr bereit, mit uns abzurüsten?" Wenn Deutschland es ablehnt, zu antworten, und wenn es sich an unserem Abrüstungswerk nicht wird beteiligen wollen, dann müssen wix ein Abrüstungsabkommen ohne es abschließen. Es muß dies ein so gerechtes Abkommen sein, als ob sich Deutschland an dessen Redaktion beteiligt hätte. London, Moskau und Paris müssen mit den' anderen Böllerbundmitgliedern zusammenarbeiten und die daraus erfließende Verantwortung auf sich nehmen. Ueber die abessinische Frage erklärte Blum: Es ist wichtig, vom internationalen Recht zu retten, was zu retten möglich ist. Die Sicherheit und die kollektive Organisation hängt im Grunde von der Zusammenarbeit der französischen und englischen. Demokraten ab. Es wäre eine Tragödie, wenn eS sich zeigen würde, daß England diese großen Dinge gerade in dem Augenblicke verlassen will, wo Frankreich sich darauf vorbereitet, sie mit allen seinen Kräften zu verteidigen. Bon jetzt an kann England in der Frage der Unterstützung der kollektiven Aktion des Völkerbundes vollkommen auf Frankreich rechnen,| Die kapitalistische Geißel Massenarbeitslosigkeit trotz Produktlonsaufschwuns Alle Krisen der kapitalistischen Wirtschaft haben jedesmal ein jähes Anschwellen der Maffen- arbeislosigkeit ausgelöst. Es scheint für die Eigentümer an den Produktionsmitteln, für die Beherrscher des gesellschaftlichen Produktionsapparates, das einfachste Mittel zu fein, die Lösung der beim Ausbruch der Wirtschaftskrise so plötzlich in Erscheinung tretenden Folgen des Widerspruches der gesellschaftlichen Eigentumsverhältnisse zu den Produktionsverhältnissen in der Drosselung der Produktion, in der Vernichtung von Produktionskräften durch Stillegung von Maschinen und Massenentlassung von Arbeitern zu suchen. Riesig vermehrt sich in den Monaten und den Jahren früherer Krisen die Arbeitslosigkeit oder sie bringen sie in anderen Ländern als eine der schwärzesten Begleiterscheinung des kapitalistischen Wirtschaftssystems überhaupt erst ins Bewußtsein der Menschen. Für den Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise wird die Arbeitslosigkeit ost mit etwa 35 Millionen Menschen angegeben. Aber nach den statistischen Angaben waren im Feber bezw. im März 1933 in den Vereinigten Staaten 13,700.000, in Deutschland 6,100.000, England 2,400.000, Italien 1,200.000, Tschechoslowakei 920.000, in Japan 500.000 Arbeitslose, also allein in die sensechs Ländern rund 25 Millionen A r b e i t sl o s e vorhanden. Zu Hunderttausenden wurden damals außerdem die Arbeitslosen gezählt in Frankreich, Belgien, Polen, Oesterreich, in Schweden, Spanien, der Schweiz und auch in Außcreuropa, in Kanada, in den mittel- und südamerikanischen Staaten, in den industrialisierten Gebieten des asiatischen Kontinents und in den Ländern des australischen Bmrdes hatte sich die Massenarbeitslosigkeit eine Art Heimatrecht erworben. So ist es wahrscheinlich, daß eine exakte Zählung der in de r s ch li mm st e n Kris e nz e i t i m P ro- duktionsprozeß und im gesamten Wirtschaftsleben zum Nichtstun gezwungenen Menschen eine we- sentlich höhere Ziffer als 35 Millionen ergebenhätte! Sefther haben sich in der W i r t s ch a f t zahlreicher Länirer und in dem Gebiet, das als Weltwirtschaft bezeichnet wird, unzweifelhaft bedeutende Veränderungen vollzogen. Es ist eine Besserungzu verzeichnen, die ganz besonders in dem St eigen derPro- duktionsziffern. zum Ausdruck kommt. Im gnazen hat die industrielle Weltproduktion den Stand von 1928/29 bereits überschritten. Das heißt also, e swirdheute anindu st riel- len WarenmehrerzeugtinderWelt als jemaIs zuvor! Es wird mehr Kohle gefördert, es wird mehr Roheisen und mehr Rohstahl produziert, die Kunstseideproduktion ist ungemein emporgeschnellt und auch die gesamte Textilindustrie hat eine höhere Weltproduktion als im besten Konjunkturjahre. Noch für eine ganze Reihe weiterer Waren ist dieselbe Feststellung zu machen. Und gleichzeitig läßt sich in einigen Ländern beobachten, daß die wirtschaftliche Entwicklung sich weiter in aufsteigender Richtung bewegt. Ist es denn da überhaupt richtig, von einem Fortdauern der Wirtschaftskrise zu sprechen? Haben nicht jene recht, die sagen, die Krise sei beendet und die Wirtschaft befände sich entweder bereits in dem Zustand der Hochkonjunktur oder beginne in anderen Ländern in ihr einzutreten? Nun, von ihrem privatkapitalistischen Standort aus mögen sie die Wirtschaftsentwicklung zutreffend beurteilen. Denn es ist wahr, daß sie mit einer Steigerung der Produktion eine Erhöhung der RentabUität, ein Wachsen des Profits gebracht hat. Grund genug für sie, den Traum einer neuen Hochkonjunktur, vielleicht gar einer neuen, langandauernden Weltprosperitätsperiode zu träumen. Wer die anderen, zur arbeitenden Klaffe gehörenden Menschen können dieses hoffnungsfrohe Zukunftsbild des Kapitalismus nicht sehen. Gewiß, die produzierte Warenmenge wird höher und höher in jedem einzelnen Lande und in der Well insgesamt. Die Kursgewinne für Jndustriewerte, die Profite steigen' Seite 2 Freit««, 8. Mai 1936 Nr. 108 Das bewahrte Genfer Rezept: Montag Sitzung- und Vertagung Pari». In Paris ist man der Meinung, daß die Montag beginnende BölkerbundratSsitzung nur kurz sein wird und daß die Lösung der.Hauptprobleme, vor allem des italienisch-abessinischen Konfliktes auf eine außerordentliche Ratstagung um den IS. Juni herum vertagt werden wird. Einen der Hauptgründe dafür bietet die innerpolitische Lage in Frankreich, wo die verantwortliche Regierung der neuen Legislativperiode erst Anfang Juni konstituiert werden wird. Andererseits ist der Umstand maßgebend, daß die drei an der abessinischen Frag« am meisten interessierten Großmächte, nämlich England, Frankreich und Italien, sich hinsichtlich des künftigen abessinischen Statutes bisher noch nicht geeinigt haben. Der faschistische Große Rät ist für ZamSiäg abends zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen worden. Man erwartet, daß Mussolini hiebei seine endgültige Entscheidung über das künftig« Schicksal Abessiniens treffen wird. Besonder- bemerkt wird, daß die Tagung des Großen Rates und des Ministerrates am Vorabend von Genf erfolgt. Labour-Party verlangt Abstimmung Uber die englische Regierungspolitik London. Die Debatte im englischen Unterhäufe wurde trst in den späten Nachtstunden abgeschlossen. Als letzter Oppositionsredner sprach der Abgeordnete der Labour-Party Lees-Smith. Er forderte von der Regierung, sie solle das Unterhaus um seine Meinung befragen, bevor sie die Sanktionspokitik aufgebe. Die Opposition werde diese Angelegenheit möglicherweise zur V er- trauensfrage machen. Die Aussprache wurde mit einem allgemein überraschenden Eingreifen Winston Churchills in die Debatte abgeschlosien. Churchill richtete einen scharfen Angriff gegen den Ministerpräsidenten Baldwin. Er sei der Mann, der die Macht in den Händen habe, daher müsie er auch die Verantwortung tragen. Die Aussprache wurde hierauf beendet, ohne daß die von der Arbeiterpartei angekündigte Abstimmung stattfinden konnte, da die für die eine Abstimmung vorgeschriebene Zeitspannebe- reits abgelaufen war. Der Negus nach Europa? Port Said. Donnerstag um 16. Uhr traf hier bei bewegter See das Kriegsschiff.^Enterprise" mit dem Negus und seinem Gefolge ein. Das britische Kriegsschiff war von dem Torpedobootzerstörer„Wolsey" begleitet. Der Rechtsvertreter des abeffinischen Kaisers in Jerusalem erklärte, daß der Negus wahrscheinlich nur einige Tage in Palästina bleiben wird, um für einen sicheren Aufenthalt seiner Familie zu sorgen und hierauf nach Europa reisen wird, wo er versuchen wird, auf diplomatischem Wege seine Sache zu vertreten. Der Sturm auf den Franc Der Ausweis der Bank von Frankreich für die vergangene Woche vermerkt eine Verwinde» rung deS GoldvorrateS um 1169 Millionen Franks. Die Bank von Frankreich hat gegenwärtig einen Geldvorrat von 60.768 Millionen Franks. Die Verminderung der fremden Devisen betrug in der vergangenen Woche 3.5 Millionen Franks. Die Golddeckung des umlaufenden Geldes sank von 66.47 Prozent auf 64.83 Prozent. WasaberwirdmitdenArbeits- losen? Wenn die industrielle Weltproduktion höher ist als 1929— müßts da nicht auch die gewaltige Arbeitslosenarmee unter dem Stand vor dem Krisenausbruch zusammengeschrumpft sein? Müßte nicht überall, wo die Produktion wieder an das Konjunkturjahr herankommt, die Arbeitslosigkeit, na sagen tpir, auf das„normale" Maß herabsinken?, Es ist nichts dergleichen festzustellen. Wohl ist die Weltarbeitslösigkeit von ihrem Höhepunkt etwas zurückgegangen. Doch werden in den Bereinigten Stäaten bei einem Produktionsgrad, der zwischen 75 und 80 der letzten Hochkonjutiktur entspricht, elf bis zwölf Millionen Arbeitslose gezählt, in England gibt es, bei poch günstigerer Produktionskonjunktur noch fast zwei Millionen und selbst in Deutschland offiziell zugestanden einschließlich der mit rund 700.000 angegebenen „unsichtbaren" etwa 2,700.000 Arbeitslose. In Italien konnte nur der Zwang zur Kriegsteilnahme die industrielle Reservearmee wesentlich vermindern. In unserem Lande erreichte die industrielle Produktion drei Viertel der Höhe von 1929 und gleichzeitig betrug die Zahl der ausge- wiescnen Arbeitslofen mehr als 700.000! So ähnlich ist eS auch in den anderen Staaten. In keinem Lande der Welt hat die Entwicklung der Arbeitslosigkeit seit ihrem Höchststand mit der Ent- Wicklung der Produktion von dem Krisentirspunkte hinweg Schritt gehalten. Mit einer um viele Ml» lionen geringeren Anzahl von menschlichen Arbeitskräften bewältigt die kapitalistischeWarenvroduk- tion heute eine ungleich viel größere Menge als vor dem Ausbruch dieser Krise. Darin drückt sich einmal die Folge des ununterbrochen vor sich gehenden„S i e g e s z u- ges" der industriellen Produktion aus, der di« Wirtschaft selbst der entferntesten Länder aller Kontinente revolutioniert und für die ausgebeuteten Menschen meist verheerende Folgen hat. Zweitens aber sind die mindestens 25 Millionen Arbeitslos«, die heute„an der Schwelle der Krisenwende" vorsichtig geschätzt werden dürfen, ein Beweis dafür» daß die Rationalisierung ünd die Intensivierung der Arbeit in den Krisenjahren nicht unterbrochen worden ist. Es kann der Kapitalismus der Menschheit nicht die Ordnung geben, in der Alle ihre Bedürfnisse befriedigen können und in der der Menschen Arbeit sich in Glück und Freude für sie umsetzt. Seine Gesetze sind zu Fesieln für die Entwicklung, zu Geißeln für die Menschen geworden: 35 bis 40 Millionen Arbeitslose auf dem Krisen,,höhe-, punkte", 25 bis 30 Millionen an der„Kristn- wende" und eine um viels Millionen stärkere industrielle Reservearmee beim Ausbruch einer neuen Krise! Ein Wirtschaftssystem mit Gesetzen, deffen Wirkungen so aussehen, ruft zu seinem Sturz äuf. 2 Der Ruhm des Kämpfen Don Jadt London Copyright by Universitas Berlin, durch Dr. Präser Pressedienst. Wien. Das war Pat Glendon. Was Stubener aber besonders interessierte, war, ob Pat wirklich den Brief geschrieben hatte ooer nicht. Er suhr damit in die Stadt. „WaS ist aus Pat Glendon geworden?" So begrüßte er alle Sportsleute an diesem Morgen. Niemand schien es zu wissen. Einige meinten, er müsse tot sein, aber keiner wußte etwas Bestimmtes. Ter Sportredakteur einer Morgenzeitung schlug in der Rekordliste nach und konnte feststellen, daß von seinem Tode nichts vermerkt war. Erst Tim Donovan brachte ihn auf die Spur. „Gestorben ist er bestimmt nicht", sagte Donovan.„Warum hätte, er sterben sollen?— ein Mann von seiner Konstitution, der weder trunksüchtig noch rauflustig war! Er hat viel Geld gemacht, und was mehr ist, er hat es gehalten und gut angelegt. Hatte er- doch einmal drei Kneipen auf einmal. Und als er sie verkaufte, hat er einen schönen Batzen dabei verdient. Ueberigens war es damals, als ich ihn das letztemal sah. Das ist rund zwanzig Jahre her, wenn nicht mehr. Seine Frau war gerade gestorben. Ich traf ihn, uls er zur Fähre ging. „Wohin, älter Sportmann?" fragte ich. »»Ich gehe in die Wälder", sagte er.„Hier hab ich nichts mehr zu suchen. Leb wohl, Tim, mein Junge." Und seit dem Tage habe ich nichts mehr von ihm gesehen oder gehört. Aber rot ist er natürlich nicht." Fragebogen überreicht Berlin. Der britische Botschafter übergab Donnerstag vormittags dem Außenminister von Reurath de« britischen Fragebogen. Vie Belgrader Tagung Belgrad. Donnerstag vormittags wurde die zweite Beratung des Ständigen Rates der Kleinen Entente eröffnet, nach deren Beendigung die Minister vom Prinzregenten Paul ist Audienz empfangen wurden. Um 17.30 Uhr trat der Ständige Rat der Kleinen Entente zur dritten Beratung zusmnmen. Das Tschechoslow. Presse-Bureau gibt über die Sitzungen folgenden zusammenfassenden Bericht aus: Die Verhandlungen des Ständigen Rares der Kleinen Entente bekräftigen den günstigen Verlauf der Beratungen am Mittwoch. Die Arbeit an den einzelnen nacheinander behandelten Fragen nimmt einen glatten Verlauf und schreitet im Garste des gemeinsamen Vorgehens fort, der alle Mitglieder des Rates beherrscht. Auch das herzliche persönliche Verhältnis spiegelt sich in den Verhandlungen wider. Die Beratmrgen sind eigentlich eine ernste Programm- und Arbeitsaufgabe, dir zugunsten der vollständigen Festigkeit der Verbundenheit der Kleinen Entente, der absoluten Einheit und der Treue zum Gedanken des Friedens, der Treue zum Völkerbund, sowie auch des Verlassens auf die eigenen Kräfte geleistet wird. Die Beratungen des Ständigen Rates der Kleinen Entente wurden Dcnnerstag abends abgeschlossen. Ursprünglich waren für das Programm der Verhandlungen vier Sitzungen vorgesehen, jedoch der Erfolg der Verhandlungen, der aus der Uebereinstimmung der Ansichten und dem aufrichtigen Willen der Außenminister, die Idee der Kleinen Entente zu verwirklichen, er- flossen ist, haben diese vierte Beratung gegenstandslos gemacht. SolldarltSt der baltischen Staaten Riga.(Lew.) Die„Baltische Korrespondenz" schreibt am Vorabend der estländisch-lettisch- litauischen Konferenz, daß die baltischen Staaten wohl oder übel mit der Lage rechnen müssen, welche sich aus der Tatsache ergibt, daß der Völkerbund als erster großer Versuch, ein System der kollektiven Sicherheit zu schaffen, gescheitert ist. Auf der Tallinner Konferenz werden die baltischen Staaten-einmütig hervorheben, daß sie zwar immer zur Mitarbeit an der Gewährleistung des Friedens und der Sicherheit bereit sind, daß sie aber nicht wünschen, vor ein fait accompli gestellt zu werden. Ebenso kategorisch werden die baltischen Staaten das Prinzip der Unkeilbütkeft bei Friedens verteidigen. Es lassen sich keine Sicherheitssysteme am Rhein konstruieren, wenn nicht gleichzeitig ähnliche Systeme an der Weichsel und an den Ufern des Peipus-Sees geschaffen werden. Eisenbahnerstreik In Spanien Madrid. Anläßlich des Eisenbahner-Generalstreikes in Valladolid sind die Eisenbahnarbeiter der Nordbahn in Pkadrid in den Sympathiestreik getreten. Da sich der Eisenbahnerstreik von Madrid und Valladolid auch auf die übrigen Stationen der Nordlinie ausdehnt, ruht der Personen- und Güterverkehr. In Madrid konnte Mittwoch kein Zug ausfahren, andere sind unterwegs liegen geblieben. ner Dustizmlnister zum Advokatengesetz Der verfassungsrechtliche Ausschuß des Abgeordnetenhauses befaßte sich am Donnerstag mit dem Advokatenges etz. Gegen die Verlängerung der Konzipientenpraxis von fünf auf sechs Jahre sprach sich eine ganze Reihe von Rednern aus. Der Faschist Dr. Dominik will den Zustrom zum Advokatenberuf eher durch den Numerus clausus einschränken. Allseits begrüßt wurde die Schaffung einer Altersversicherung der Advokaten. Wie Gen. Dr. Marko- v i c anführte, haben die Advokaten in der Slowakei bereits eine freiwillige Aüersversichrrung, die aber leider gerade mit dem„Phönix" abgeschlossen wurde. Die versicherte Summe erreicht die Höhe vcn etwa 19 Millionen und umfaßt 552 Einzelversicherungen.' Justizminister Gen. Dr. Derer wieS darauf hin, daß die sechsjährige Konzipientenpraxis em Kompromiß zwischen den Interessen deS Advokatenstandes und der sozialen Interessen der Advokaturskandidaten sei. Die Advokatcnkammern haben eine siebenjährige Vorpraxis gefordert. Seit dem Umsturz hat sich die Zahl der Advokaten verdoppelt, obwohl die Agenda, mit der sich die Advokaten befassen können, beträchtlich eingeschränkt wurde. Die Verlängerung der Vorpraxis um ein Jahr wird unstreitig zur Verbesserung der Qualifikation der Mitglieder des Advokatenstandes beitragen. Einen numerus clausus werden wir aber nicht einführen, w il das den demokratischen Prinzipien unserer Republik widersprechen würde. Zu der Fc-rderung des Abg. Dr. Markovik, dahin zu wirken, daß alle Advokatenkammern sich auf eine einheitliche Altersversicherung einigen, bemerkte der Minister, daß die vorbereitenden Arbeiten in dieser Richtung bereits in allen Advokatenkammern im Gange sind und die Aussicht besteht, daß die Advokatenversicherung tatsächlich einheitlich sein wird. In diesem Sinne wird auch das Ministerium seinen Einfluß ausüben. Vas Assistentengesetz Im Plenum Der Initiativantrag der Koalition auf Regelung der Rechtsverhältnisse der Hochschulassistenten gab gestern im Abgeordnetenhaus Anlaß zu einer ausführlichen Debatte. Der Antrag, über den wir seinerzeit ausführlicher berichtet haben, regelt vor allem die materiellen Verhältnisse jener Assistenten, die schon»die venia docenti, die Berechtigung zu Vorlesungen an der Hochschule, erworben haben. Weiters wird den Assistenten der Uebertritt in andere Zweige der Staatsverwaltung erleichtert werden. In einer Resolution wird gefordert, daß Assistenten dabei den Vorrang vor anderen Bewerbern haben^qAn-r-^Aitz"Debatte Wurde schließlich auf Freitag 11 Uhr vertagt. Kunstsammlung in Staatsbesitz. Das Abgeordnetenhaus verhandelte am Donnerstag die vom Senat bereits verabschiedete Regierungsvorlage über die Uebernahme der Sammlungen der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde in Böhmen durch den Staat. Die Sammlungen repräsentieren einen Betrag von 60 Millionen KL und umfassen 1366 Bilder, 6368 Stiche, 170 Plastiken und 4200 Zeichnungen. Der Staat übernimmt das Personal(jährlicher Aufwand derzeit 266.000 KL und 8000 KL Pensionen) und J>ie Schulden der Gesellschaft, die rund 400.000 KL betragen, und wird außerdem jährlich den Bekpag von 1 Million KL zur Vermehrung der Sammlun- werden, wenn Sie mich ansehen. Und das hab ich auch dem Jungen eingetrichtert. Ich Weitz nicht, WaS Sie zu einem Burschen von zweiundzwanzig sagen, der noch nie im Leben Alkohol getrunken oder Tabak geschmeckt hat? So ist er. Er ist ein Riese und hat sein Leben» lang natürlich gelebt. Warten Sie nur, bis er mit Ihnen auf die Jagd geht! Sie würden einen Herzschlag von dem kriegen, was ihm so leicht wie gar nichts fällt, und dabei können Sie ihn ruhig Ihr ganzes Gepäck und einen großen Rehbock obendrein schleppen lassen. Er ist im Freien aufgewachsen und hat weder Sommer noch Winter je mit einem Dach über dem Kopf geschlafen. Frische Luft ist das beste für ihn, das hab ich ihm beigebracht. Und das ist eS auch eigentlich, wovor ich die meiste Angst habe: Wie wird es ihm bekommen, in einem Haus zu schlafen, und wie soll er den TabakSrauch ertragen können, wenn er in den Ring steigt? Das ist so ziemlich das Schlimmste, was ich kenne, dieser TabakSrauch, wenn man kämpft und nach Luft schnappt! Aber jetzt genug davon, Sam, mein Junge. Sie sind müde und hätten längst schlafen sollen. Warten Sie, bis Sie ihn sehen, mehr sage ich sticht. Warten Sie, bis Sie ihn sehen!" Aber die Geschwätzigkeit des Alters war über Pat gekommen, und es dauert« noch» lange, bis er Stubener erlaubte, die Augen zu schließen. „Er kann mit seinen Beinen einen Hirsch einholen der Bengel", rief er wieder.„Das ist gerade das rechte Training für die Lunge, das Jägerleben. Sonst weiß er nicht viel, wenn er auch ein paar Bücher mit so poetischem Zeuge gelesen hat. Er ist der reine Naturmensch, wie Sie selber sehen werden, wenn Sie ihn erst vor Augen haben. Die alte irische Kraft ist in ihm. .(Fortsetzung folgt.), „Du sagst, das war, als seine Frau starb — hatte er Kinder?" forschte Stubener. „Ja, eines, ein ganz kleines. An dem Tage trug er es gerade auf dem Arm." „War es ein Junge?" „Wie sollte ich das wissen?" Da faßte Sam Stubener einen Entschluß, und am Abend saß er in einem Pullmannwagen und war auf dem Wege in die Wildnis Nordkaliforniens. II. Früh am nächsten Morgen stieg Stubener in Deer Lick aus und trat sich eine Stunde lang die Hacken ab, ehe die einzige Gastwirtschaft ihre Türen öffnete. Der Wirt wußte nichts von Pat Glendon. Er hatte nie von ihm gehört, und wenn er hier in der Gegend lebte, so muhte es irgendwo auf der andern Seite des Tals sein. Auch der einzige Stammgast hatte nie etwas von Pat Glendon gehört. Im Hotel wußte man ebenso wenig, und erst als der Kaufmannsladen und die Post geöffnet wurden, kam Stubener auf die richtige Spur.'. Jawohl, Pat Glendon wohnte drüben. Sam müßte die Post bi- Stage nehmen—- das wäre ein Holzfällerlager, vierzig Meilen von Teer Lick. In Alpine sollte er sich ein Pferd mieten und durch das Antilopental über die Wasserscheide nach dem Bärenbach reiten. Dort wohnte Pat Glendon irgendwo. In Alpine wüßten die Leute sicher Bescheid. Ja, es gäbe einen jungen Pat, der Kaufmann hätte ihn gesehen, er sei vor ein paar Jahren mal in Deer Lick gewesen. Aber der alte Pat hätte sich seit fünf Jahren nicht gezeigt. Er kaufte seine Waren in der Zweigniederlassung und bezahlte stets mit Schecks — er sei ein wunderlicher weißhaariger alter Mann.* Das wäre alles, was der Kaufmann wüßte, aber in Alpine könnte er sicher jede gewünschte Auskunft erhalten. Stubener war ganz zufrieden. Es lebten also zweifellos sowohl ein junger Pat Glendon wie ein alter hier in der Gegend. Die Nacht verbrachte der Manager im Holzfällerlager von Alpine, und früh am nächsten Morgen ritt er auf einem Gebirgspfad nach dem Antilopental hinauf und kam über die Wasserscheide zum Bärenbach. Er ritt den ganzen Tag durch das wildeste, rauheste Gelände, das er je gesehen hatte, und erreichte bei Sonnenuntergang das Pinwtal auf einem Steig, der so steil und schmal war. daß er es mehr als einmal vorzog, abzusteigen und das Pferd am Zügel zu führen. Es war elf Uhr, als er vor einer Blockhütte abstieg, wo er von dem Bellen zweier riesiger Jagdhunde empfangen wurde. Tann öffnete Pat Glendon die Tür, legte ihm den Arm um die Schulter und führte ihn ins Haus. „Ich wußte, daß Sie kommen würden, Sam, mein Junge", sagte Pat, während er herumschlürfte, Feuer machte, Kaffee kochte und«in großes Stück Bärenfleisch briet.„Der Junge kommt heute nacht nicht nach Hause. Das Fleisch geht uns aus, und da ist er bei Sonnenuntergang weggegangen, um einen Hirsch zu schießen. Aber ich will Ihnen noch nichts von ihm erzählen. Warten Sie nur, bis Sie ihn sehen. Morgen früh kommt er heim, und dann können Sie draußen einen Versuch mit ihm machen. Dort liegen die Handschuhe. Aber warten Sie nur, bis Sie ihn sehen. Was mich betrifft, bin ich fertig. Im kommenden Jänner werde ich einundachtzig, und das ist recht hübsch für einen früheren Boxer. Aber ich habe auch nie gegen meine Natur gewütet, mich nie spät in der Nacht schlafen gelegt und mein Licht nie an beiden Enden angezündet. Ich! hab ein ganz hübsches Licht gehabt und soviel wie| nützlich daraus hcrvorgeholt, wie Sie zugebcn j Nr. 108 Freitag, 8. Mai 1938 Seite 3 gen ins Budget einreihen.— Dem Kommunisten Zupka entzog der Vorsitzende in der Debatte nach fruchtlosen Ermahnungen das Wort, weil er nicht zur Sache sprach. Ein SdP.-Redner brachte verschiedene Beschwerden über die unzulängliche Berücksichtigung des deutschen Elementes in der Verwaltung der Staatsgalerie etc. vor. Die Abstimmung wurde auf Freitag vertagt. Neuer Abgeordneter. An Stelle des kommunistischen Abgeordneten D v o k a k, dem vom Wahlgerichtshof das Mandat aberkannt wurde, tritt der Bergarbeiter Karl Prochazka aus Pilsen, der gestern im Parlament die vorgeschriebene Angelobung leistete. Lehrplan-Aenderung in Mittelschulen. Der Echulminifter Dr. Franke genehmigte den Erlaß über die Bewilligung des sogenannten„Elcktio"- Systems an Mittelschulen. Es handelt sich um die Differenzierung bei den siebenten und achten Klassen der Real- und Reformrealgymnasien. Än Schulen, an denen in der Septima zu Beginn des Schuljahres weniger als 30 öffentliche Schüler und Schülerinnen sind, kann in der ganzen ungeteilten Klasse die deskriptive Geometrie eingeführr werden. An Mädchen-Instituten kann an Stelle dieses Gegenstandes Konversation treten, wenn sich für sie mindestens zwei Drittel der Schülerinnen aussprechen. An Schulen mit mehr als 30 Schülern können beide Elektivzweige errichtet werden: deskriptive Geometrie und Fremdsprache oder Konversation. Ein Novum ist die Abstimmung der Studenten über die Wahl des Gegenstandes(Geometrie, Fremdsprache, Konversation). Der Erlaß regelt auch die Einzelheiten der Bedingungen für die Elektion. Der deskriptive Zweig kann eingeführt werden, wenn sich für ihn wenigstens 8 Schüler aussprechen, der Sprachzweig bei 12 Stimmen. Allerdings wird dieses System nur dort durgeführt werden können, wo genügend Raum für die Unterbringung der einzelnen Abteilungen vorhanden ist. Die Prager tschechischen Rechtshörer haben beschlossen, zum Zeichen des Protestes gegen die Verlängerung der Konzipientenzeit in einen zweitägigen Streik zu treten. Der Streik begann Donnerstag und wurde mit einer Versammlung auf der Slawischen Insel eingeleitet. Kongreß der böhmischen Selbstverwaltung. Die böhmische Landeszentrale der Gemeinden, Städte und Bezirke beruft für den 21. Mai d. I. die Jahreshauptversammlung in das Gemeindehaus in Prag ein. Für die wirtschaftliche Gesundung der Selbstverwaltung I Unter diesem Titel schreibt Landesausschußbeisitzer Genoffe Fr. M a ch a c t t im„Prävo Lidu" vom 7. Mai: In der Mittwoch-Sitzung des Landesausschusses wurden die Richtlinien genehmigt, nach Serien sich einerseits der Landesausschuß, andererseits das gemäß 8 5 des Gesetzes Nr. 69/35 errichtete Kuratorium bei der Regelung der Schulden der Selbstverwaltungskörper richten wird. Nach der endgültigen Formulierung des Gesetzes, wenn hier das Wort„endgültig" überhaupt gebraucht werden kann, ist der zweite- wichtige Schritt auf dem Wege, der zur Verbesserung der Wirtschaftsverhältnisse vieler Gemeinden und fast aller Bezirke in Böhmen führt, wichtiger Faktoren, welche bei bessereO wirtschaftlicher Ausrüstung bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch Investitionen wirksam helfen könnten. Nnn werden Gemeinden und Bezirke aufgefordert werden, schleunigst dem Landesausschuß die Gesuche zur Regelung ihrer Schulden zu überreichen. Der Landesausschuß wird dann darüber entscheiden, welche Gemeinden und Bezirke in die Aktion ausgenommen und welche Schulden geregelt werden sollen. Das erwähnte Kuratorttun, aus acht Vertretern des Landesausschusses, zwei Vertretern der Regierung und dem Generaldirektor der Landesbank zusammengesetzt, werden die Regelung der Schulden im einzelnen durchführen. Der Landesausschutz hat seine acht Vertreter ins Kuratorium schon längst gewählt, die Regierung hat ober ihre zwei Vertreter noch nicht ernannt. Es ist höchst notwendig, daß sie die Ernennungen in nächster Zeit durchführe, damit das Kuratorium konstituiert werden und an die Durchführung seiner wichtigen Aufgabe schreiten kann. Man muß hervorheben, daß wir noch immer in Unsicherheit sind über die Höhe der Mittel, welche der Regelung der' Schulden der Selbstverwaltung gewidmet sein sollen. Es ist ein großer Fehler, daß die Regierung dieser wichtigen Frage ausgewichtn ist und daß sie nicht genau und bestimmt die Höhe des Betrages, mit dem gerechnet werden muß, entschieden hat. Dieser Fehler wird sich rächen, denn dies wird der Bremsschuh sein, der das Tempo des Ganges der Dinge in gefährlicher Weise hemmen wird. Wir sind aber überzeugt, daß schließlich sowohl der Finanzminister als auch die ganze Regierung werden einsehen müssen, daß es in der Selbstverwaltung so nicht weitergeht, daß Hilfe, wirksame Hilfe unumgänglich notwendig ist, soll die Selbst- verwaltung fähig bleiben, ihre wichtige Sendung zu erftillen. Ueber die Schmerzen der Selbstver- waltung darf nicht weiterhin zur Tagesordnung Übergegangen werden. fudctendeutsdier£eitepiegcf Franzbranntwein Schraubenflug wiederholte sich. Inzwischen war das Flugzeug schon sehr tief gekommen, überflog gerade noch einen Viadukt und fuhr mit großer Geschwindigkeit auf einer Wiese auf dem linken Egerufer auf. Die Landung wäre noch glimpflich verlaufen, wenn sich auf der Wiese nicht ein großer Erdhaufen befände. Der Apparat stieß dort mit größter Wucht auf und wurde vollständig zertrümmert. Leutnant Lorenz war auf der Stelle tot, während der Pilot Gottwald lebensgefährlich verletzt wurde. Rheumatische, neuralgische und Kopfschmerzen mildert der gute Donnerstag um 2 Uhr nachmittags stürzte ein von einem Doppeldecker geschlepptes und vom Rottmeister Chovanec gelenktes Segelflugzeug ab. Der Pilot wurde dabei so schwer verletzt, daß er kurz darauf im Krankenhaus D.-Brod starb. den Fremden, die in die Tschechoslowakei kommen, den Aufenthalt nicht durch Visum- und Zollschikanen und durch Sprachschwicrigkeiten bei den Behörden zu verleiden. Bei allen Fortschritten, die in der Fremdenverkehrs-Organisierung in der Nachkriegszeit gemacht wurden, bleibe, wie Verkehrsdirektor O t t vom Deutschen Landesverband für Fremdenverkehr in Böhmen ausführte, eine straffere Organisation der Fremdenverkehrsvereine und insbesondere die weitere Ausgestaltung des heimischen Zentralreisebüros Cedok notwendig. Archivar Dr. Oberdorffer vom Deutschen Verband für Heimatforschung machte darauf aufmerksam, daß die Propaganda für die böhmischen Kunstschätze noch mehr als bisher in den Dienst des Fremdenverkehrs gestellt werden könnte, und Dr. Turnwald vom Verband deutscher Kraftfahrervereine zeigte, daß auch durch Ermäßigung der Auwbus- und Benzinsteuer für ausländische Kraftwagen und durch Aufhebung der Nachtsperre an den Grenzen noch etwas für die Hebung des Fremdenverkehrs getan werden könne, der ja, wie immer wieder mit Recht betont wurde, nicht nur einem einzelnen Gewerbe oder Gebiet, sondern dem ganzen Staate nützt. Daß die deutsche Presse ,in der Tschechoslowakei die Bestrebungen zur Förderung des Fremdenverkehrs immer bereitwillig unterstützt hat, wurde allgemein anerkannt. Aber nicht minder wichtig zur Förderung unserer Kurorte wäre es nach unserer Meinung, wenn man auch die ausländische Presse(besonders der valutastarken und devisenfreien Länder) zur Propagierung unserer heimischen Kurorte gewinnen könnte. Wegen Totschlags verurteilte Donnerstag wurde vor dem Chrudimer Schwurgericht der Prozeß gegen den Maurer Emil Lukes aus Knappendorf bei Wildenschwert wegen Totschlages beendet. Lukes wurde beschuldigt, im Juni v. I. nach einem Wirtshausstreste den Fleischer Franz Veverka überfallen und getötet zu haben. Die Klage führte eineneinzigen Zeugen, der in der Aussage behauptete, den Lukes bei dem Angriff erkannt zu haben. Die Geschworenen bejahten die Frage auf Totschlag mit 9 Stimmen, worauf das Gericht den Angeklagten zu 18 Monaten schweren Kerkers verurteilte. Die Untersuchungshaft vom 15. September an wurde dem Verurteilten in die Strafe eingerechnet. Der Deutsche Musikpädagogische Verband in der Tschechoslowakischen Republik trat am 2. und 3. Mai d. I. zu seiner satzungsgemäßen Delegier- ten-Bersammlung in Aussig a. d. E. zusammen. Die Tagung trug festlichen Charakter, da gleichzeitig das 25jährige Jubiläum gefeiert wurde. Zu Beginn der Tagung fand in der. städtischen Bücherei ein Festkonzert des Aussigen Kollegium Musicum unter Leitung des Kapellmeisters Leo Franz statt, in dem die Altistin Wally Horner aus Tetschen und die Professors« der Musik- Akademie Eugen Kali x, Dr. Karl Kall i- w o d a, Emanuel K l i c p e r« und Franz Langer als Solisten mitwirkten. Die Festrede hielt der Obmann des Verbandes Prof. Fidelio F. Finke.— Der nächste Tag war Beratungen gewidmet, die nicht lediglich Standes- und soziale Fragen betrafen, sondern sich auch in ernstester Weise mit der Hebung der Musikerziehung befaßten. Es wurde einstimmig eine Resolution angenommen und den zuständigen'Regierungsstellen übermittelt. Dr. Rudolf Meckel auS der SdP ausgeschlossen. Dr. Rudolf Meckel, der Vorsitzende der„Deutschen Hochschülerschaft", erhielt diesem Tage von der Parteileitung der SdP die Verständigung, daß er über Wunsch Konrad Henleins aus der Partei ausgeschloffen worden sei. Offiziell ist kein Grund für dieses Vorgehen angegeben. Schweres Flugzeugunglück bei Eger Segelflieger an der Sazawa abgestürzt Eger. Donnerstag kurz nach halb 5 Uhr nachmittags führte der Pilot-Gefreite Gottwald mit dem Beobachter Leutnant Lorenz einen Flug aus. In großer Höhe geriet der Apparat in einen sogenannten Schraubenflug. Dem Piloten gelang es zwar noch, die Maschine abzufangen, aber der delt, wurde ihm der Paß, obwohl nicht bekannt ist, in welchem Teil Rußlands er sich derzeit aufhält, bereits zugesandt. Interessant ist, daß Ulichs- bevger von den Ereignissen seit Kriegsende nichts weiß. In seinen Personalangaben bezeichnet er al? seine Heimat noch immer„Oesterreich, Deutschböhmen"s—'■>:if:«I: 30 Minuten„Atus-Sendung“ im Prager Rundfunk Am 10. Mai von 14.30 bis 15 Uhr— Prag l, Liblice ' Leitung: Bundesturnwart Genoffe Grasse. Mitwirkende: AtusPrag Die Sendung ist eine Uebungsstunde für alle Jreiübungsturner und-Turnerinnen zum 3. Bundesturnfest. Alle Uebungen, auch die. der Kinder, werden mit Klavier- und Harmonstabegleitung geturnt. Alle Kinder und Erwachsenen, alle Vereine treten deshalb Sonntag, den 10. Mai, von 14.30 bis. 15 Uhr zur ersten Kontrollstunde für Komotau an. Die Vereinsleitungen tragen Sorge, daß in den Uebungs- lokalen Lautsprecherapparate aufgestellt werden. Achtung! Am 13. Mai bringe« wir unser Bundesfestlied„Vorwärts, Du Volk". Achtung auf den„Bund der Deutschen“ Er will die Arbeitsvermittlung für Hopfenpflücker monopolisieren! Wie einige nordböhmische Blätter melden, ist der„Bund der Deutschen" bemüht, eine Organisation zur Bereitstellung von Pflückern für die heurige Hopfenernte aufzuziehen. Diese Absicht muß. pün der gesamten Oeffentlichkeit und insbesondere vön der Arbeiterschaft wohl'brächtet werden, denn was da der„Bünd der" Deutschen" unternimmt, kann viele hunderte deutscher Hopfenpflücker um einen Verdienst bringen, mit dem sie Jahr für Jahr rechnen. Der„Bund der Deutschen" steht seit Jahr und Tag vollkommen unter dem Einfluß der SdP wenn auch ein paar Landbündler und Christlichsoziale dort eine traurige Staffage bilden. Wie bei der„Volkshilfe" soll nun auch bei der Hopfenpflücke der„Bund" das Werkzeug des Terrors der SdP bilden. Arbrst soll nur der derjenige bekommen» der seine Seele den Henleinleuten verschrieben hat. Die ganze Sache deichselt obendrein ein evangelischer Pfarrer,(der Herr Wehrenpfennig aus Turn) der sich lieber um die ihm anvertrauten Gläubigen kümmern sollte als armen Teufeln ihr karges Brot zu nehmen. Es gibt Hunderte von deutschen Proletariern, die durch Jahre arbeitslos sind und sich während der Hopfenpflücke etwas verdienen wollen. Ihnen soll jetzt vom Bund der Deutschen der Revolver an die Brust gesetzt werden: Entweder werdet Ihr henleinistisch oder Ihr bekommt keine Arbeit! Das Unterfangen des„Bundes der Deutschen", der nur waschechte Henleinanbeter leben kaffen will, zeigt am deutlichsten, wie notwendig das schon lange geplante Arbeitsvermittlung s g e s e tz ist, wodurch aller privater Arbeitsvermittlung und allem Seelenkauf ein Ende gemacht werden wird. Bon Werner Hegemann dem vor kurzem verstorbenen genialen Geschichtsphilosophen, sind bei der Zentralstelle für Bildungswcsen Prag XII, Slezska 13, folgende Werke erhältlich: Enllarvte Geschichte, geb.,. KL 40.- brosch.. Kc 32’— Jugendbuch vom großen König KL 28. Der gerettete Christus,., KL 23.— Die deutschen Kurorte und das Fremdenverkehrsgesetz Verwaltungskommisslon in Brüx Brüx. Die Bezirksbehörde hat auf einheitlichen Wunsch aller politischen Parteien, sowohl der deutschen, als auch der tschechischen, den Regierungskommissär der Stadt Brüx, Oberkom» miffär der politischen Verwaltung Dr. Pfleger, voN seinem Amte enthoben, und an die Stelle des Regierungskommiffariates eine ernannte Verwaltungskommission eingesetzt. Diese Verwaltungskommiffion besteht aus sechs Vertretern ffchechischer und 7 Mitgliedern deutscher Parteien. Zum Vorsitzenden der Kommiffion wurde vorläufig der Oberkommiffär der politischen Verwaltung Dr. Slemr ernannt. Die Mitglieder der Verwaltungskommiffion auf beiden Seiten haben erflärt, alles daran setzen zu wollen, um die Zusammenarbeit einvernehmlich zu gestalten. Die Amtsübernahme des Vorsitzenden der Verwaltungskommiffion ist bereits erfolgt. Die(unter dem Vorsitz des Abgeordneten Genossen de Witte stehende) Freie parlamentarische Vereinigung für den-Fremdenverkehr hatte am Donnerstag im Verein mit einer Reihe anderer am Fremdenverkehr interessierter sudetendeutscher Verbände die Vertreter der deutschen Tageszeitungen zu einer Besprechung eingeladen, um die Oeffentlichkeit über die Bestrebungen dieser Verbände zur Förderung des Fremdenverkehrs und über ihre Stellung zu dem vom Handelsministerium vorbereiteten Fremdenverkehrsgesetz zu informieren. Gegen diesen Gesetzentwurf machten vor allem die Vertreter der deutschen Kurorte Bedenken geltend und forderten, daß die Fachleute der Fremdenverkehrswerbung aus den Weltkurorten, die über alte und reiche Erfahrungen verfügen, bei der Aus- arbeitang des Fremdenverkehrsgesetzes zu Rate gezogen werden sollen, daß die Fremdenverkehrspropaganda in erster Linie eine Propaganda für die K u r o-r t e sein muß, die 80 Prozent des gesamten Fremdenverkehrs an sich ziehen, und daß insbesondere die Weltkurorte Karlsbad und Marienbad berücksichtigt werden müffen. Di« Fachleute, die bei der Konferenz das Wort ergriffen(u. a. der Karlsbader Bürgermeister Schreitter für den Verein der deutschen Kurorte in Böhmen, Landesausschußbeisitzer Kaiser für den Deutschen Landesverband für Fremdenverkehr in Böhmen und Josef Mauder für den Reichsverband der deutschen Gastgewerbe-Genossenschaften) wiesen übereinstimmend auf die großen Mängel der tschechoslowakischen Fremdenver- kchrspropaganda hin, die mit der anderer Länder', vor allem Oesterreichs, nicht wetteifern könne, und machten weiter auf die Notwendigkeit aufmerksam. ein Totgeglaubter kehrt heim Dieser Tage traf auf dem Wege über die tschechoslowaftsche Gesandtschaft in Moskau bei der Warnsdorfer Bezirksbehörde das Ansuchen eines längst totgeglaubten Warnsdorfer Kriegsteilnehmers um Ausstellung eines Paffes ein. Es handelt sich um den am 14. Juli 1896 geborenen Eduard Ulichsberger, der im Jahre 1914 mit seinem Truppenkörper, dem Jnf.-Reg. 42 in Theresienstadt, an die russische Front abging und im Jahre 1916 in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Seine Frau, Emilie Ulichsberger, vermochte über seinen Verbleib nichts zu erfahren und da man auch nach Kriegsende nichts mehr von ihm hörte, wurde er am 20. August 1923 vom Kreisgericht Böhm.-Leipa für tot erklärt, weil man annahm, daß er in der Gefangenschaft gestorben sei. Diese Annahme wurde nun durch die Personalangaben und ein Lichtbild widerlegt. Seine Gattin erkennt ihn auf dem Lichtbild und nach der Handschrift wieder und da auch die Erhebungen ergaben, daß es sich um den Totgeglaubten Han- Seite 4 Freitag, 8. Mai 1936 Nr. 108 Neue Unruhen in Madrid Nachdem es bereits am 1. Mai in der spanischen Hauptstadt zu stürmischen Kundgxbungen gekommen war, haben sich die Unruhen auch in den letzten Tagen fortgesetzt. Das Bild zeigt eine kommunistische Demonstration in den Straßen der Stadt. Moral In der Politik Der nationalsozialistische Politiker Dr. Georg B e n e s beschäftigt sich in einem Artikel mit denen, die auch hier in der Tschechoslowakei über das Versagen des Völkerbundes jubeln und glauben, daß die Einhaltung von Verträgen' für die Außenpolitik auch unseres Landes ein überwundener Standpunkt zu sein habe. Wir geben die Ausführungen Dr. Benes's hier wieder, weil sie die klarste Zusammen- faffung dessen sind, was vom Standpunkt eines Kulturvolkes gegen diese Auffassungen zu sagen ist: „Abessinien hat also den Krieg verloren. Der Kaiser ist aus dem Lande geflohen,, und das italienische Heer hat Addis Abeba besetzt. Die Sanktionen haben nichts genützt. Jene, die uns auseinandergesetzt haben, daß es für unsere Taschen vorteilhafter gewesen wäre, sich an den Sanktionen nicht zu beteiligen, drehen uns eine lange Nase.— Vor kurzem haben wir einen hervorragenden italienischen Journalisten über die Sanktionen gesprochen. Im wesentlichen sagten wir ihm folgendes: Wir anerkennen, daß Abessinien ein ungeordneter Sklavenftaat ist. Aber es ist Mitglied des Völkerbundes, und ist es auf Vorschlag Italiens geworden. Wir haben ein ausgesprochenes konkretes Interesse daran, mit Italien die besten Beziehungen zu unterhalten, und wir haben, praktisch keinerlei Interesse an Abessinien. Aber wir haben den Välkerbundpakt unterzeichnet. Wir brauchen eist möglichst freundschast- liches Verhältnis zu Italien. Aber wir haben - en P e r t rag unterzeichnet, daß wir uns an Sanktionen gegen einen Staat beteiligen, der zum An greifer wird. Wir haben von Anfang an gewußt, daß die Sanktionen uns wirtschaftlich schaden werden. Aber wir haben uns dennoch an ihnen beteiligt, weil wir den Pakt un terzeichnet haben. Unser Volk ist demokratisch. Wir haben ein Sprichwort: Was du selbst nicht willst, das tue auch keinem anderen. Unser Volk konnte es nie als gerecht anerkennen, wenn irgendein Staat zu der Ansicht käme, daß er unser Land brauche, um weiter leben zu können, und wenn er deshalb einen Angriff auf uns versuchen sollte. Darum wird unser Volk nie anerkennen, daß Italien berechtigt gewesen sei, sich eines anderen. Staates zu bemächtigen, um seine eigene Zu- kunst besser zu gestalten. Deshalb gab es auch in unserem Volke soviel Sympathie für Abessinien. Aber die'bloße Sympathie war nicht ent- scheidend, sondern etwas anderes. Hier entschied ein G r u n d s a tz, der höher steht als das wirtschaftliche Interesse. Hier entschied unsere moralische Ausfassung der Verträge, die stärker ist als das materielle Bedürfnis, und deren unbedingte Geltung die Grundlage unseres National st olzes bildet. Entscheidend war die Tatsache, daß die Unterschrift der Tschechoflowakei auf internationalen Verträgen jedem Tschechoflowakischen heilig ist. Es gab, gibt, und wird nie einen Fall geben, wo die Tschechoslowakei einen Vertrag bricht, den sie unterzeichnet hat. Dos haben wir dem italienischen Faschisten gesagt. Er, der italienische Faschist, hat das anerkannt. Bei uns aber gibt es einige Leute, die den Patriotismus geradezu gepachtet haben. Wer je an der Vaterlandsliebe von Dr. K a r e l K r a m a k gezweifelt hätte, hätte ihn tödlich beleidigt. Und' doch drückt dieser alte Mann, der seit sechzig Jahren täglich mit dem Wort„Vaterland" aufsteht und mit dem Wort„Nation" auf den Lippen schlafen geht, seinen Patriotismus in der Weise aus, daß er gegen eine tschechoslowakische Polstik wütet, die ihr Ziel nicht in einem von der Konjunktur abhängigen Erfüllen oder Nichterfüllen von Verträgen sieht, sondern die Verträge abschließt um sie einzuhalten, nicht aber, um mit ihnen Handel zu treiben." Berurteiltrr Bersicherungsbetriiger. Das Schwurgericht in Pilsen verurteilte den 3sijähri- gen Häusler Josef Poppel aus Myslinka bei Mies wegen Verbrechens der zweifachen Brandstiftung und Verbrechens des Betruges zu vier Jahren schweren Kerker, verschärft durch eine Faste vierteljährlich, sowie zum Verluste des Wahlrechtes. Poppel hatte im Jahre 1932 sein Anlvesen in Brand gesteckt, um sich durch die Versicherungssumme aus seiner materiellen Notlage zu befreien. Als er jedoch in weitere Geldschwie- rigkciten geriet, zündete er heuer im Feber einen Stall seines Nachbarn Wirth an. Als er jedoch sah, daß das Feuer nicht auf sein Anlvesen Übergriff, führte er sein Vieh aus den Ställen und zündete auch diese an. Beide Gebäude brannten vollständig nieder. In der Voruntersuchung wollte Poppel den Verdacht auf seinen Nachbarn Wirth lenkesti nach einem zweitägigen Kreuzverhör legte er jedoch ein. vosles. Geständnis ab. Vor dem' Schwurgericht entschuldigte er seine Tat mit Not. Die Geschworenen bejahten die drei Schuldfragen mit allen zwölf Stimmen. Explosion im Kino. Donnerstag vor 18 Uhr legte im Bio„Svornost" in Prag XIX. der Kinooperäteur Franz Eelba einen Film in die Vorführungsmaschine und sein Gehilfe Josef Walter schaltete den elektrischen Strom in die Maschine ein. Hiebei entstand eine Explosion und ein Feuer, hei dem. der Film„Der Kurier des Zaren" und die Vorführungsmaschine vernichtet wurden. Die beiden Angestellten erlitten bei dem Versuch, das Fester, zu löschen, Brandwunden. Die Feuerwehr konnte das Feuer in kurzer Zeit I löschen. Der Schaden beträgt etwa 20.000 KL. Die Explosion erfolgte vor der Vorstellung, als sich noch lein Publikum im Zuschauerraum befand.. Suffragettcn-Luftbalkons. Die französischen Frauen durften, wie man weiß, auch diesesmal nicht mitwählen. Und das hat sie so geärgert, daß, sie noch am Wahlsonntag eine. Demonstration veranstalteten, die ebenso ungewöhnlich wie wirksam war. Aus dem Stadion in Colombes fand in An!v?senhtztt. des Präsidenten der Republik-ein großes Wortfest^statt, aus Wem die Entscheidung, über die"„Coupe de France"'astsgetragcn wurde. Das Erscheinen des Präsidenten bei irgendwelchen Veranstaltungen wird immer mit dem Absingen der Marseillaise gefeiert, wobei sich'sämtliche Anwesenden von ihren Plätzen.erheben. Genau in diesem.Augenblick flatterten Hunderte von Luftballons hoch. Die.Suffragetten hatten sich unter das Publikum gemischt, die Ballons sorgfältig verborgen, und genau ihre Plätze nach der Windrich- tunz gewählt, so daß tatsächlich alle Ballons direkt auf die Präsidententribüne losflogen. Sie flogen so niedrig, daß das Pstblikum aus den Rängen sie ergreifen konnte. Und-da las man auf der bunten Hülle in großen Buchstaben:„Wahlreckit für die Frauen— Liberte, Egalitö, Frarcrnite." Die Fliegerin Mollison überflog Donnerstag Karibik», welches 100 Kilometer nordwestlich von Winhoek entfernt ist. Um 7.30 Uhr landete sie in Winhoek in Südwestafrika. Es verbleibt ihr noch die Zurücklegung einer Strecke von mehr als 800 Meilen zur Erreichung ihres Zieles, nämlich Kapstadt. Lachgas als Geburtshelfer. In der Leningrader Frauenklinik wurde ein operatives Experiment mst großem Erfolge durchgeführt. Man gab gebärenden Frauen,, um ihre Schmerzen zu lindern,' Lachgas zum Einatmen. Dabei stellte es sich heraus, daß die Gebärende nicht' nur keine Schmerzen verspürte, sondern in eine sehr angenehme Stimmung kam. Außerdem verlief der Geburtsäkt viel leichter und schneller als es sonst üblich ist. Man hatte befürchtet, daß das Einatmen des Lachgases möglicherweise auf die Konstitution des Neugeborenen ungünstig einwirken könnte, jedoch hat sich nach wiederholten Versuchen das Gegenteil gezeigt, so daß man nunmehr be- schloffen hat, das Lachgas in den Gebärkliniken Rußlands ganz allgemein anzuwenden. Es dürfte die einzige Gasart auf der Welt sein, die Leben nicht tötet, sondern im Gegenteil Leben fördert.• Tobsucht bei her Zwangsarbeit. Einer der Häftlinge der Zwangsarbeitsanstalt in St. O u e N t i n(Kalifornien) erlitt einen plötzlichen Tobsstchtsänsall und stürzte sich'mit einem Messer in der.Händ auf seine Mithäftlinge. Fünfzehn von ihsten verletzte er durch Stiche schwer; drei von ihstxn haben tödliche'Verletzungen erlitten. Den Wächtern gelang es, ihn schließlich mit den Gewehrkolben zu Böden zu schlagen. Der. Tobsüchtige versetzte sich dann selbst Stiche mit dem Messer und starb im Krankenhaus«, wohin er geschafft worden war.'. Mendelssohn-Gelder— nicht für Juden! (dKd) Im Oktober 1930 sollen zwei Stipendien der Felix. Mendelssohn-Parthoidpscheu Stiftung! für befähigte und strebsame Musiker in der Höhr j von. je 1500 Mark verliehen werden. Bewerbungsfähig sind laut Mitteilung des„Reichsanzeigers" nur Schüler der vom Staat unterstützten Musikinstitute. Angabe der Nationalität und Abstammung ist erforderlich. Es sind also alle Sicherheiten dafür geschaffen, daß die Stipendien(die bisher selbstverständlich ohne Ansehung der Her- kstnft verliehen wurden) nicht in die Hände von Anwärtern kommen, die derselben Abstammung sind wie der Stifter. Warum auch nicht? Die von der Familie Rathenau dem Staat geschenkte Villa Walter Rathenaus ist jetzt ein Braunes Haus für Schauspieler. In Mannheim und Dresden gibt es zwei städtische Bäder, die von reichen jüdischen Bürgern ihren Vaterstädten zum Geschenk gemacht worden sind. Jetzt steht an ihren Portalen:„Juden ist der Eintritt verboten!" „Liebe ist nicht so einfach." In der Korrespondenz-Rubrik einer Prager Tageszeitung war letzthin die folgende Mitteilung zu lesen: Ein Blick in mei. Porte-, monnaie müßte Dir Ursache' mei jetzig Schweig erklär schrieb doch schon daß Br es um die-HiMDreduziette. „Es ko d Wurm u wird . zertreten u Nichts bezeichnet mei Lebens Spur" scheint rein auch mich geprägt. Erwartete Dich im April, wie angegeben war. Wieso? Tei Bedienerin war hier u forschte bei mir nach Adresse der bereits geschiedenen, durch d. A. Hintergangenen Frau—itsch um!! sie angeblich von Scheidung ab- zured. Dann wollt« sie Adresse von ihm!, ich sagte: die'kann Ihnen ja A. viel besser geben, da sie ihn besuchte.— Kann ich Dich 6. 5. um 3—1 in Teplitz Bahnhof treff? Deine, Mi. In einem Roman spricht die Geliebte eines verheirateten Mannes abwehrend von der„doppelten Buchführung" einer solchen Liebe. Tas hier aber scheint schon eher eine Art„Algebra der Liebe" zu sein. Der Flieger Wodopjanow,„Held der Sowjetunion", der vor kurzem einen überaus bemerkenswerten Flug Moskau—Franz-Fosephland vollendete, hat nunmehr einen neuen Flug im hohen Norden unternommen. Nachdem er auf der Hooker-Jnsel gestartet war, überquerte Wodopjanow ganz Franz- Josephland und drang über die Rudolfsinsel(die nördlichste Insel des Archipels) hinaus weiter nach Norden vor. Der Flug, der der Erkundung der Beschaffenheit und des Zustandes des Eises nördlich von Franz-Josephland diente, währte sieben Stunden drei Minuten. Tie Flüge Wodopjanows sind von um so größerer Bedeutung, als über die Eis- verhältniffe im Winter in diesem Teile des Eismeeres bisher nur sehr wenig bekannt war. Sonderbare Narretei. Nach fünfzehnjährigem Aufenchalt ist der frühere Bauer Stavropulos aus den Bereinigten Staaten wieder in seine Heimat zu- rückgekommcn.. Er hat über dem großen Teich sein Glück gemacht, ist heute vielfacher Drachmen-Mil- lionär und hat sich mst seinem amerikanischen, Vermögen in Saloniki zur Ruhe gesetzt. Seinem Glück steht nur die gähnende Langeweile entgegen, die er fern vöm Broadway-Trubel empfindet. Er sucht sich auf eine Weise Zerstreuung und ist in ganz Saloniki als Original bekannt. Ter neueste Spleen, dem er huldigt, besieht' darin, daß er nach schnurrbärtigen Männern Ausschau hält, sie auf der Straße anspricht und ihnen vorschlägt, ihnen den Schnurrbart ahzukgufen» I« nach Ange, und Gepflegtheit dieses männlichen Attributs zahlt Stavropulos dafür zwischen 500 und 3000 Drachmen. Für diese Summen ist so mancher bereit, seinen Schnurrbart zu opfern. Allerdings stellt Stavropulos noch die erschwerende Bedingung,. daß die Operation sofort auf offener Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der Donnerstag-Ziehung der V. Klass« der 24. tschechoslovakischen Klasjenlotterie wurden nachfolgende Gewiime gezogen: 80.000 KC das Los Nr. 93020. 10.000 Kc die Lose Nr. 24791 65457 101737 23317 38255. 5.000 Kd die Lose Nr. 102124 24395 82488 96055 22629 13500 96709 62910 57143 66682 20696 47936 54862 23191 58472 1897 49925 46113 63985 74703 54207.. 2.000 Kc die Lose Nr. 84261 37065 30186 59723 11388 35740 88978 82363 79592 105539 47875 67637 28137 8999 87694 19676 36331 8790 11037 98617 76274 49704 79749 39177 74276 74977 70947 14470 25483 27253: 35076 1Y9691 76794 83571 8527 70929 79874 45232 6274 101012 43940 24461 23493 37231 47836 10211 83545 85699 84470 30855 30486 71675 6716 62940 33928 45429 77843 71270 75417 69025 69878 81535 41272 105720 94917 105967 47664 51791 89845 85354 89748 98719 17201 59380 35116 17181 107903. Straße vorgenommen wird. Auch darein willigen die meisten ein, und Stavropulos hat bereits für 46.000 Drachmen Schnurrbärte angekauft, die er demnächst öjfcnrlich ausstellen will. Amerika wirkt eben nicht nur auf die Geldbörsen, sondern auch auf dir Gehirne! i Ziehung der VII. Jugendfürsorge-Tachlotterie. Am 6. Diai d. I. fand in Anwesenheit eines Notars und des Vertreters der Aufsichtsbehörde die Ziehung der VII. Jugendfürsorge-Sachlotterie der Deutschen Landeskommifsion für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Böhmen im Zentralhause in Reichenberg statt, bei welcher folgende Gewinstwse gezogen würden: 1. Haupttreffer im Werte von 100.000 Kc: Los Nr. 280.267.— 2. Haupttreffer int Werte von 20.Ü00 Kör Los Nr. 121.046.— 3. Haupttreffer im Werte von 5000 KL: Los Nr. 33.629.— Ein Treffer im Werte von 3000 KL: Los Ni. 210.367.— Zwei Treffer int Werte von je 2000 KL: Lose 148.984 und 270*489.— Treffer(20) im Werte von 1000 KL entfielen auf die Los-Nummern: 22.394, 119.964, 130,820, 131.878, 144.731, 148.277, 157.192, 176.800, 177.183, 177.768, 184.831, 198.009, 198,799, 224.917, 225.153, 226.530, 257.804, 279.883, 286.467, 295.680.— Treffer(30) im Werte von 500 KL entfielen auf die Los-Nummern: 5646, 13.145, 15.012, 26.747, 30.894, 31.483, 32.244, 33.917, 39.557, 46.979, 54.620, 55.168, 60.401, 88.459, 103.034, 121.957, 129.381, 129.853, 139.901, 164.237, 178.267, 195.228, 203.399, 204.821, 218.993, 249.481, 251.976, 278.982, 288.519, 286.013.— Treffer (50) im Werte von je 200 KL entfielen auf die Los- Nummern: 8052, 8208, 11.981, 12.317, 14.446, 16.636, 21.051, 25.483, 29.542, 31.549, 39.367, 57.3,62, 60.867, 82.484, 84.541, 84.826, 86.087, 88.836,' 98.719, 112/724^ l 17.878, f 720.730, 135:835, 139.788, 148.024,' 173.874, 174.485, 180.755, 182.626, 190.378, 191.361, 197.353, 201.915, 216.496, 229.178, 229.493, 236.056, 238.033, 240.262, 243.242, 244.976, 251.306, 254.367, 254.958, 258.488, 260.949, 270.419, 277.524, 279.658, 285.243.— Treffer(300) im Werte von je 100 KL entfielen auf die Los-Nummernt(Serien zu 10 Treffern) 1001 bis 1010, 25.261—25.270, 57.901—57.910, 59.921? bis 59.930, 70.711—70.720, 80.141—80.150, 90.951—90.960, 95.941—95.950, 98.531 bis 98.540, 119.051—119.060, 150.481—150.490, 152.971—152.980, 160.461—160.470, 163.961 bis 163.970, 170.181—170.190, 186.151—186.160, 195.281—195.290, 195.821—195.830, 210.811 bis 210.820, 224.521—224.530, 233.531—233.540, 244.641—244.650, 245.961—245.970, 260.661 bis 260.670, 262.841—262.850, 266.101—266.110, 269.291—269.300, 27^441—275.450, 293.041 bis 293.050, 299.651—299.660.— Die weiteren Treffer zu 20 und 10 KL werden mit den übrigen Gewinsten in der amtlichen Ziehungsliste veröffentlicht, die am 11. Mai d. I. erscheint und bei der Deutschen Jugendfürsorge in Reichenberg, Waldzelle 14, be! allen Deutschen Bezirksjugendfürsorgen und bei den Losverschleißstellen-und Trafiken, welche Jugendfür» forgelose verkauft habe», erhältlich ist. Preis 1 KL- Wetterbericht. Die Witterung in Mitteleuropa sicht nunmehr mster dem Einfluß eines umfangreichen Drucktiefs, dessen Kern über dem Mittelländischen Meer lagert. An seinem Nordrand rücken über das Staatsgebiet einzelne Randstörungen in der ostwestlichen Richtung vor und verursachen daher bei uns stärkere Himmelsbedeckung mit Schauern oder Gewittern. Deshalb bleibt die weitere Entwicklung der Witterung bereits unsicher. Ein stärkerer Tem- peraturrückgang dürfte jedoch vorläufig noch nicht eitstreten.— Wahrscheinliches Wetter h e u t e: Vorwiegend bis wechselnd bewölkt, Neigung zu Schauern oder G. oittern, vorläufig noch warm, Ostwind.— Wetteraussichten für Samstag: Andauern der ungünstigen Witterung, allmähliche Temperaturabnahme. Vom Rundfunk ta*M*taa*w«rtae au dm* PrograniaMi Samstag. Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Preffe, 12.35: Schrammellonzert, 13.40: aus der„Verkauften Braut", 17.55: Deutsche Sendung: Zum Muttertag, 18.45: Deutsche Preffe, 22.15: Orgelsolo, 22.30: Saloiwrchesterkonzert.— Sender S: 7.30: Populäres Konzert, 14.10: Deutsche Sendung: Ja« netschek: musikalische Zeitgeschichte, mit Schallplatten, 18.45: Tanzmusik.— Brünn: 17.40: Deutsche Sendung.— Prößbukg: 16.05: Rundfunkorchesterkonzert.— Mährifch-Oftran: 18; Mozqrt-Kompo- sitionen... t.. Nr. 108 Freitag, 8. Mai 1936 Seife 5 Die Religion der Menschenliebe Zum fünfundslebzigsten Geburtstag Rabindranath Tagores am 7. Mai In den beiden großen Gestalten, die daS heutige| Mysterienspiel vom Sterben eines armen Kindes und Indien vor der Welt repräsentieren, Mahatma G ha n d i und RabindranathTagore, stehen einander zwei grundverschiedene philosophischpolitische Gedankenreiche gegenüber. Dem veredelten, von allen imperialistischen Tendenzen freien Ratio» nalismus Ghandis, der die Erhaltung der nationalen Eigenart als Voraussetzung der nationalen Freiheit und den Abbruch aller Beziehungen zum Abendland fordert, stellt Tagore das Ideal eines Ueber- nationalen Weltgeistes entgegen, der aus den Quellen aller Völker schöpft und sie zu einer kosmopolitischen Gemeinschaft zusammenschweißt. Gandhi und Tagore sind denselben Lebensweg gegangen: sie stammen beide auS begüterten indischen Familien, sie haben beide in London di« Rechtswissenschaften von der Ueberwindung der harten Wirklichkeit durch die erlösende Menschenliebe; es ist am ehesten mit „Hanneles Himmelfahrt" zu vergleichen, es schlägt denselben Märchenton des Kindertraums an, in dem Gerhart Hauptmann sprach, als er noch ein Dichter der Menschlichkeit war. DaS erzählende Werk Tagores umfaßt den No« vellenbgnd„Nacht der Erfüllung", das breite, gesellschaftsschildernde Epos„Der Schiffbruch", den in der Form, durch die dreifache Beleuchtung der Ereignifse aus dem Blickwinkel dreier Figuren reizvollen pazifistischen Roman„D a s H e i m n n d die Welt" und eine Abrechnung mit MahatmaGhandi: „Gora". In„Heim'-und die Welt" wird«in Chauvinist als Betrüger entlarvt; in„Gora" entpuppt sich der Vorkämpfer eines indischen Nationalfanatismus als— Ire. Die nationalistische Theorie von den nicht abstreifbaren und nicht erwerbbaren, angeboren,„blutbedingten" Nationaleigenschaften ist ein plumper Schwindel; der Geist des Abendlandes ist nicht unbedingt, schlecht, die Tradition Indiens nicht unbedingt gut, und«in anfrichtiger, edler Mensch, der einem anderen Volk angehört,- sollte unserem Herzen näher stehen als ein Gauner, der Volksund Religionsgenosse ist. Seine Ansichten über di« nationale Frage hat Tagore in den Essays des Bundes„Nationa- l i s m u s" ausgesprochen. Die Nation ist für ihn nur eine„Organisation von Politik und Handel", die nicht so weit gehen darf, daß sie den Einzelmenschen mechanisiert und seines Persönlichkeit beraubt. Denn sobald es ihr gelungen ist, die Menschen zu einer willenlosen Masse zusammenzuschweißen, die nur dem Gesetz des nationalen Wirtschaftsapparates gehorcht, können Habgier und Eroberungslust der wenigen, die den Apparat lenken, die größte Kata strophe über die Menschheit heraufbeschwören. Volk und Nation sind verschiedene; Begriffs Polk ist etwas Bestehendes, natürlich Gewachsenes; Nation aber eine Zweckyerbindung, dierden Keim großer Gefahren in sich trägt. In„Sadhana" und dem abgeklärten, gütigen Buch seiner„L«bensweishei t">gab Tagore seinen politischen Anschauungen die philosophische ljntermauerung. Aste, Strömungen des Weltgeistes haben die Steinchen zusammengetragen,, aus denen Tagore das Gebäude seiner-Weltanschauung aufgebaut hat. Das System, zu.dem er die philosophischen Einflüsse aus aller Wert ordnete, will nicht mehr sein als Ergebnis persönlicher Erkenntnis. Der Dichter des Internationalismus, der die Grenzen zwischen den Völkern niederreißen will, ist zugleich ein I n d i v i d u ä l i st zinsten Wassers, für den jeder Einzelmensch eine eigene, wertvolle Welt bedeutet. Da Tagore von allen Dichtern des heutigen Indien am meisten europäischen Geist in sich ausgenommen hat, konnte er auch am stärksten auf Europa zurückwirken. Vor einigen Jahren ist er geradezu ein Mode-Autor gewesen. Aber die patriarchalische,’ erhabene Gestalt dieses indischen Weisen hat durch die überlauten Ehrungen, die ihr geschäftige und geschäftstüchtige europäische und amerikanische Literaten und Reporter zuteil werden ließen, nichts an ihrer Größe und Ehrwürdigkeit verloren. Heute, da er daS fünfundfiebzigste Lebensjahr erreichte, ist es still geworden um Rabindranath Tagore, denn die Welt scheint nicht den Weg zu gehen, den der indische Dichter ihr weist: den Weg zur Versöhnung der Völker und zum ewigen Frieden. Doch in Santiniketan, in der Abgeschiedenheit der indischen Berge, gilt ein anderes Maß der Zeit, und der Dichter erlebt mit der ungeheuren wirkenden Kraft seines Wunsches bereits als Gegenwart, was uns nur bang erträumte Zukunft sein mag: die übernationale Republik des Geistes, ein Reich, in dem die Menschenliebe das einzige Gesetz und die einzige Religion sein wird. FritzRosenfeld. studiert und sich nach der Rückkehr in die Heimat mit heißem Herzen"in den Kampf um die Befreiung Indiens gestürzt. Aber sie sind verschiedene Temperamente, und so wies den einen, Gandhi, der nüchterne, praktische Geist«ineS aktiven Realismus zur Tagespolitik, den andern aber, Tagore, führte die Beschäftigung mit den ewigen Fragen der Menschheit über den Alltag hinaus zu einer philosophischen Poesie, zu einem dichterischen Denkerwerk, das nicht nur der Gegenwart und nicht nur Indien, das der Menschheit gilt, Dedendranath Tagore, der Vater des Dichters, war der Begründer der Brahma Samadsch, einer religiöser^ Sekte, die zwischen dem Hinduismus und den Grundlehren des Christentums eine Brücke zu schlagen versucht und ihr ethischer Ziel in der Verbrüderung aller Menschen sieht, ganz gleich, welcher Ration oder Religion sie angehören. Au? dieser.Gei- fteSwelt des Vaters ist Tagores internationaler. Pazifismus und seine tiefe, eigentlich keiner Religion verhaftete Religiosität geboren worden. Auf langen Reisen durch Europa, Amerika, Japan, hat Tagore mit der Kultur und Zivilisation aller Völker engere Bekanntschaft geschloffen. Die RechtSwiffenschaften gab er bald auf, um sich der Dichtkunst widmen zu können, für die ihn vor allem die genaue Kenntnis der englischen Literatur begeisterte. Wenige Jahre nach der Heimkehr erscheint sein erster Gedichtband, „Abendlieder", dem bald darauf als Gegenstück die „Morgenlieder" folgen. AlS Lyriker hat Tagore begonnen, und «in Lyriker ist er in seinem ganzen Werk, auch dort, wo seine Dichtungen äußerlich die Form der Erzählung oder des DramaS annehmen. Um seine Gedichte Bildtelegramm von der Flucht des Negus Dieses Bildtelegramm aus Dschibuti zeigt das Boot, auf dem Haile Selassie mit seiner Familie den französischen Hafen verließ, um sich an Bord des englischen Kreuzers„Enterprise" zu begeben. voll ersaffen zu können, muß der europäische Leser sich in die Welt versetzen, aus der und für die sie geschaffen werden: Sie sind nicht geschriebenes Gedicht, sondern gesungenesLied. In der Musterschule, die Tagore in Santiniketan,. der alten Einsiedelei seiner Vaters, gegründet hat, fingen seine Schüler auf mondbestrahlten Bergwiesen die Verse ihres Meisters. In einem Rahmen, der selbst ein Gedicht ist, entfalten diese Lieder den vollen Zauber ihrer unirdischen Schönheit. Wir kennen Tagores Gedichte nicht in ihrer ursprünglichen Form, sondern nur in einer freien Uebersetzung, die auf eine in Prosa aufgelöste englische Faffung zurückgeht. Der kunstvolle Strophenbau und der reiche Reim des indischen Textes laffen sich in fremden Sprachen kaum wiedergeben; die Uebersetzung kapn uns nur den Inhalt vermitteln, und nur durch eine refrainartige Wiederholung einzelner Sätze den liedhaften Rabindranath Tagore zu einem berühmten Dichter gemacht und ihm im Jahre 1913 den Nobelpreis eingetragen haben. Si« werden gekrönt von dem Buch„Gitanjali", in dem Tagore sein religionsphilosophisches Bekenntnis ablegt: Gott ist nur der Name für das Gefühl des Verbundenseins mit allem Lebendigen, für das Erlebnis der Einheit allen Seins. Tagores Theaterstücke verzichten auf jede äußere Bühnenspannung, auf jeden grellen dramatischen Effekt. Sie find Legenden, wie der„König der dunklen Kammer" oder Umdichtungen alter Sagen, wie „Chitra". Im„Opfer" hat Tagore«in pazifistisches Manifest dramatisch zu gestalten versucht. Sein schönstes Stück, das einzige, da« sich auf europäischen Theatern halten konnte, ist das„P o st a m t", dal Bankensturm gegen Volksfrontsieg Genau wie vor zehn Jahren Der groß» Sieg der Volksfront bei den Kammerwahlen in Frankreich, der die Sozialistische Partei mit 144 Abgeordneten zur stärksten Fraktion im Parlament gemacht hat, hat sofort die kapitalistischen Feinde des Volkes zu einem groß angelegten Angriff mobilisiert. Noch während sich die Volksmassen über den errungenen Sieg freuen und bevor sich die neugewählte Kammer konstituieren kann, hat unter der Führung der Großbanken der Sturm auf den Franken eingesetzt. der Goldstock der Bank von Frankreich unter 60 Milliarden Franken gefallen sei und daß die Berlustziffer innerhalb der letzten drei Tage 1500 Millionen Franken beträgt. An der Pariser Börse herrschte in den ersten Tagen nach dem Wahlsieg ein umfangreiches AngebotnamentlichinBankaktien und die Kurse erreichten einen Re- ko r d t i e f st a n d, Dagegen war ein Hamstern in auswärtigen Valutapapieren festzustellen, deren Kurse sich erhöhten. Dazu hat die Kapital- i flucht aus Frankreich in starkem Umfang eingesetzt. Kein Wunder, daß an den internaticmalen Devisenmärkten der Kurswert des Frank sinkt. In London hat der englische Ausgleichsfonds eingegriffen, um den Rückgang des Franken gegenüber dem Pfund Sterling aufzuhalten. Der Zweck dieses groß angelegten Ansturmes ist nicht schwer zu erraten: es soll unter der Bevölkerung, an der die Klein- rentner und Sparer einen starken Anteil haben, eine Panikstimmung erzeugt«erden. Ihre Rückwirkungen auf die Währung und die Wirtschaft hoffen die„nationalen" Kreise durch die Fortsetzung ihrer Manöver so zu steigern, daß aus den sich vermrhrendtn Währungs- und sinanziellen Schwierigkeiten des Landes nur die Bildung einer„nationalen Regierung", das heißt also einer Rechtsregierung, als einzig möglicher Ausweg erscheint. Damit wäre dann der auf dem demokratischen Boden errungene politische Sieg des Volkes unwirksam gemacht. Die Kapitalisten und ihr politischer Anhang könnten sich dann angesichts der gelungenen Sabotage die Hände reiben. Es ist nicht das erste Mal, daß man in Frankreich unter Führung der Banken versucht, eine demokratische Entscheidung im kapitalistischen Jntereffe zu korrigieren. Es sind genau zehn Jahre her, daß die Großbanken auf ähnliche Weise wie heute die seinerzeit nach dem Linkssieg im Mai 1924 eingesetzten Linksregierungen, die von den Sozialisten unterstützt wurden, torpedierten und im Sommer 1926 endlich erreichten, daß der Mann der im Wahlkampf geschlagenen Rechten, es war damals Poinrare, eine nationale Regierung bildete und die Lasten der Frankenstabiliste- rung der arbeitenden Bevölkerung auferlegte. Damit war das soziale Programm der Linken gefallen. Das ist das Ziel derfranzösi- schen Kapitalisten auch heute. Das Wahlprogramm der Volksfront enthielt keinerlei revolutionäre Forderungen. Es stellt nur eine Reihe von notwendigen wirtschaftlichen, sozialen, und politischen Reformen in den Vordergrund, von denen einige allerdings mit der heftigsten Feindschaft gerade vom Bankkapital bekämpft werden, weil ihre Durchführung sich da werden. Aus New Dork wird gemeldet, daß Balladen der„Fruchtlese", die Parabeln und Oden des Bandes„Zum anderen Ufer", die Hymnen der „Gabe des Liebenden" sind die Versammlungen, die Bereits am Tage nach den Stichwahlen hat die Bank von Frankreich durch.Goldkäufe und Rhythmus des Gedichtes andeuten. Wortmusik, Bilderrhythmus, zarteste Stimmungsmalerei und ein tiefes pantheistisches Naturgefühl sind die Wesenheiten der Lyrik Tagores. Sein schönstes Gedichtbuch ist der„G ä r t n e r". . wohl eines der zauberhafte-1 Goldverschiebungen ins Ausland 500 Millionen sten Gedichtbücher der Weltliteratur überhaupt.| g. ranIen@ oIb verloren und es ist damit zu rech- Seine Kindergedichte„Der zunehmende Mong", die nen, bflfe bie Goldabzüge noch weiter andauern »kl Ikvk« SCHUHAAACHf KLEISTER.EBHA'LTUCH I CONCAV GUMMIABSÄTZE... kann genisee^eUer imlKntaiat nur sdma festetellen. deshalb sieht a m allem auf du (jarantiezeiihen.fiersin',eudem die ganze TVell Vertrauen haL in erster Linie um eine.Aenderung des Statuts dey Basil von Frankreich, durch di«der Einfluß des Staates gestärkt werden soll, und um die Verstaatlichung der Versicherungsgesellschaften, die alle vertrustet sind und sich im Besitz der Banken befinden. Die noch im Amte befindliche Regierung hat die Möglichkeit, Maßnahknen zu ergreifen, mit denen sie der Kapitalflucht, den Panikmachern und dem Entstehen einer Währungsabwertungspsychose entgegenwirken kann. Die Diskonterhöhung um 1 Prozent wird allerdings kaum genügen. Es wird zu schärferen Mitteln, und zwar ohne Zögern, gegriffen werden müssen. Vor allem aber werden die französischen Wählcrmassen in wachsamer Bereitschaft stehen müssen, damit ihnen der Sieg nicht vernichtet werden kann, bevor er seine Früchte trägt. MjM III WM Die Banken In der Tschechoslowakei Das Statistische Staatsamt veröffentlichte vor kurzem die Daten über das Bankwesen in der Tschechoslowakei bis und mit 1934. Was sich aus den mitgeteilten Zahlen ergibt, sst erstens ein ausgeprägter Konzentrationsprozeß, dann aber auch ein näheres Bild darüber, wie sich die Weltwirtschaftskrise auf die Banken ausgewirkt hat. Die einzelnen Zahlen sind folgende: 2 A £ .' SS e» WnKSä.-x f|s§ 1925 190 2349.8 1348.4 18.9 1929\ 141 2322.5 2078.1 31.2 1930 128 2321.3 2226.1 35.5 1931 123 1915.7 1719.5 29.6 1932 120 1651.4 1661.3 27.6 1933 108 1612.7 1671.2 30.4 1934 105 1634.2 1717.2 33.7 Man sieht daraus, daß der Konzentrationsprozeß während der Krise unvermindert weiterging. Der Unt.erschied gegenüber der Konjunkturperiode liegt allerdings darin, daß er sich von 1930 in Form von Fusionen, nachher aber in Form von Zusammenbrüchen bei den kleineren Geldinstituten durchsetzte. Seit 1934-steigt wieder das Aktienkapital und gleichzeitig die Durchschnittsgröße der Anstalten, was ein Zeichen dafür ist, daß die Krise auf diesem Gebiete fast überwunden ist. Es ist allerdings nicht ersichtlich, was die 11.200 Angestell- t e n, die Ende 1934 in den Geldinstituten beschäftigt waren,- durch diese günstigere Entwicklung gewonnen hatten. Es sei noch nachgetragen, daß die fremden Gelder, die 1934 den Geldinstituten anvertraut waren, die Höhe von fast 30 Milliarden XL erreichten, also einen stattlichen Teil unseres Volksvermögens ausmachten. Verlust von Auslandsmärkten Es ist gelegentlich darauf aufmerksam gemacht worden, daß der schwere Rückschlag, den in den Krisenjahren die industrielle Ausfuhr aus der Tschechoslowakei erlitten hat, auch darauf zurückzuführen ist, daß andere Länder ihre Industrien ausbauen und zur Eigenproduktion jener Waren übergehen, mit denen sie früher die Tschechoslowakei belieferte. Das trifft insbesondere für Textilerzeugnisse. aber auch für Ausfuhrartikel anderer Industriezweige, zu. Jetzt ist die gleiche Beobachtung an der Entwicklung der Ausfuhr der Pottasche-Industrie zu machen. Im Zusammenhang mit der Besserung des Glasexports hat sich auch der Jnlandsabsatz der Pottaschefabriken gebesserte Aber diese Verbesserung wird durch schwere Rückschläge im Export fast aufgehoben. Die tschechoslowakische Pottasche-Industrie hatte bis vor kurzem in den Vereinigten Staaten von Nordamerika ein wichtiges Absatzgebiet. Durch die Errichtung eigener Pottasche-Fabriken geht ihr dieser wichtige Exportmarkt fast vollständig verloren. Auch nach anderen Absatzgebieten stößt die Ausfuhr auf wachsende Schwierigkeiten. Da mit der Errichtung neue.r Pottasche-Industrien in anderen Staaten das Ausfuhrangebot überhaupt steigt, dürfte es der heimischen Industrie schwer werden, an Stelle der eingebüßtey Exportmärkte neue zu erschließen Seite 6 Prager Zeitung Wird es den Prager Mietern besser gehen? Anstieg der Bautätigkeit nungen ,, Sozialdemokrat" Kašpar aus Nusle in einen Streit geriet, der bald in Tätlichkeiten ausartete. Da Kašpar auf sie eindrang, setzte sie sich mit der Peitsche zur Wehr, 740 Kleinstwoh- Kašpar gelang es jedoch, ihr die Peitsche zu entreißen. Hierauf stürzte er sich auf sie und schlug sie mit der Faust so heftig in den Mund, daß er ihr zwei Vorderzähne aus dem Oberkiefer und zwei aus dem Unterfiefer ausbrach. Die Ziegler wurde vom Polizeiarzt verbunden, gegen Kašpar wurde das Strafverfahren eingeleitet. Mietzinssenkung der Gemeinde ( R. F.) Die erste Vierteljahresbilanz der Prager Bautätigkeit läßt erwarten, daß dieses Jahr der Tiefpunkt der Wohnbaufrise überwunden werden fann. Verglichen mit dem Vorjahre und mit 1932, dem Jahr der stärksten Baukonjunktur in Prag, sieht die Bilanz der bewilligten Bauvorhaben folgendermaßen aus: 1. Vierteljahr 1936 1935 1932 174 142 426 129 130 153 48 Neubauten Zubauten. Umbauten Bauliche Aenderungen Abbrüche.. B 23 34 B N 565 685 310 34 32 . 12 42 11 49 O 6 Barzellierungen. Interessant ist hier besonders die hohe Zahl der Parzellierungen, die anzeigt, daß die Bauinteressenten sich in erster Linie auf die Vorstädte konzentrieren. Begonnene Neubauten gab es im März 1935 45, im März dieses Jahres 65; im Bau waren im März 1935 312, im März 1936 349 Objekte. Am meisten wird in Bankrac und in Holleschowiz gebaut. Greis überfahren. Der Beamte Eduard Báča aus Karolinental fuhr vorgestern abends mit seinem Motorrad mit Beiwagen durch die Weinberger Straße in Karolinental, wobei er den 72jährigen Schmied Franz Mikolášek beim Ueberschreiten der Fahrbahn zu Boden warf und verlebte. Mikolášet wurde mit einem Bruch des linken Fußes auf die Klinik Jirásek gebracht. Einbruch in der Volksschule. In der tschechischen Volksschule in der Mährischen Gasse in Prag- Weinberge wurde in der Nacht auf gestern ein Einbruch versucht, doch konnten nur einige Kronen in bar aus der Schublade des Direktionszimmers entwendet werden. Selbstmord aus Furcht vor dem Tode. Gestern früh wurde die 51jährige Privatbeamtin Marie Kubát aus Smichov in ihrer Wohnung erhängt aufgefunden. Als Motiv der Tat wurde Angst vor einer ichweren Operation festgestellt. Die Leiche wurde zur Bestattung freigegeben. Einen sehr wesentlichen Beitrag zur Belebung Selbstmordversuch im Rausch. Gestern mitter der Bautätigkeit werden die 740 Klein it wohnachts versuchte sich der 26jährige Arbeiter Jaroslav nungen bilden, die die Gemeinde Prag auf Dvořáček aus Prag I. im Wirthaus„ U Rozvařilů" Grund des neuen Bauförderungsgesetzes errichten in der Trunkenheit mit einem Rasiermesser die will. Sie sollen in vier- bis fünfstödigen Häusern Adern der linken Hand aufzuschneiden. Er wurde auf gebaut werden, und zwar: 300 Wohnungen an der die Klinik Schloffer gebracht. Palacky- Straße in Břevnov; 150 in Pantrac neben den Bauten der Zentralsozialversicherungsanstalt; 150 in Brschowiz an der. Nádražni ul.; 90 in Holle schowitz auf dem Areal der ehemaligen Gasanstalt, und 50 an der Třebizity- Straße in Vysočany. Sie werden mit allen Einrichtungen ausgestattet sein, die nach den Begriffen der modernen Wohnkultur unbe dingt erforderlich sind. Der Monatszins wird höchstens 80 Kč betragen. Ferner ist die erfreuliche Nachricht zu verzeichnen, daß die Mietzinse in den der Stadtgemeinde gehörenden Wohnhäusern, die ohne Staatsbeihilfe errichtet worden sind, ab 1. Juli 1936 um zehn Prozent herabgesezt werden sollen. Diese Maßnahme wird 1566 Mieter von Wohnungen und 188 Werkstätteninhaber betreffen. Auch das ist ein begrüßenswerter Schritt dazu, die überhöhten Mieten in Prag auf das richtige Maß herabzudrücken. der 36jährige Joiefermann. Beim Roli zeiverhör gab er zu, im Einverständnis mit dem 39jährigen Werfführer Ladislav Beran diese Diebstähle durchgeführt zu haben. Das erbeutete Material wollten sie bei der Einrichtung einer ge= meinsam zu gründenden Druckknopffabrik verwerten. die erlob" heißen sollte. Die Hausiuchung förderie ein ganzes Lager zusammenge itohlener Maschinenteile zutage, deren Gesamtgewicht viele Zentner beträrt und einen sehr beträchtlichen Wert repräsentiert. Freitag, 8. Mai 1936. Nr. 108 Deutsche sozialdemokratische Frauenorganisation Prag Freitag, den 8. Mai, abends 8 Uhr: Feierstunde Feierstunde der Mutter Einleitung und verbindende Worte: Maria Deutsch. Mitwirkende: Lilli Dörfler, Trude Fanta, Eva Fluffer, Helene Kohn, Grete Winkler. Der Abend findet im Parteiheim, Narodni třida Nr. 4, statt. Kunst und Wissen Diese zweifellos originelle Methode der Beschaf= fung des technischen Inventars hatte gestern ein gerichtliches Nachspiel vor dem Straffenat Nobotný, vor welchem die beiden behäbig aussehenden Herren des Verbrechens des Diebstahls angeklagt waren. Ihre seinerzeitigen Geständnisse widerriefen fie natürlich bei der Hauptverhandlung und erklärten fogar, ausschließlich im Interesse der Firma gehandelt haben, indem sie in der unruhigen Zeit der Betriebsübernahme wertvolle Maschinenbeitandteile vorübergehend zu sich genommen" hätten, um sie Freitag, halb 8: Orpheus in der Unterdem Zugriff allfälliger Diebe zu entziehen. Das Gee It, D 2. Samstag halb 8: Glüd mus richt schenkte dieser furioien Verteidigung keinen man haben, Erstaufführung, B 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag, halb 8: Glauben und verurteilte er mann zu fünf, Ber anzubier Monaten Kerfer Menschen auf der Eisscholle, Erstauffüh= aber bedingt mit Rücksicht auf ihre bisherige Un- rung. Samstag halb 8: Menschen auf der bescholtenheit. Ein Selbstmordversuch mit unangenehmen Folgen Raubmordversuch bei Prag. Gestern früh ereignete sich in Kolowrat bei Uhrineves, in der Nähe von Ričan ein Raubmordversuch, dessen Urheber noch nicht verhaftet ist. Der Bäcker Wenzel Holub war in den frühen Morgenstunden zum Benzinverfäufer Jan Vonavka nach Nerbohol gekommen, um ihn von dort abzuholen; auf der Landstraße in der Nähe von abgebrochene Verhältnis Kolowrat streckte er ihn mit drei Revolverschüssen| in den Kopf zu Boden und fuhr auf Vonavtas Rad davon. Der Täter ist 1905 in Sázava- Buda, Bezirk Kuttenberg, geboren, mit rundem Gesicht, Stirnglaze, fehlenden Vorderzähnen, mittlerer Statur, die restlichen Haare kastanienbraun. Er wird auch durch den Rundfunk gesucht. rb. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Eisscholle. Sport- Spiel- Körperpflege Der ,, loyale" DFV Vereinsnachrichten Falken, Achtung! Samstag um 4 Uhr alle Ka6 Uhr: Biblio= meradschaften im Parteiheim. Halb 7 Uhr: Helferrat. Brag. Der 30jährige Kutscher Anton Šitfa unterhielt durch mehr als ein Jahr eine intime BeMädchen rechnete feit damit, daß Sitta fie heiraten deutschbürgerlichen Sportbewegung gegeben haben fanntschaft mit einer gewissen Karoline K. Das Wenn es je Zweifel an der Loyalität“ der werde. Ihre Enttäuschung war daher groß, als sie sollte, so ist es diese selbst, welche ihn bestätigt. Die eines Tages feststellen mußte, daß der Bräutigam Leser werden sich noch der Affären des DSK Brüg feineswegs ledig war, wie er ihr gegenüber stets be- und des Leitmerizer FK erinnern, welche um des hauptet hatte, sondern verheiratet und überhaupt noch lieben Geldes willen die Staatsfahne einzogen. Nun Vater zweier Kinder, wir die er Alimente zahlen ist der Deutsche Fußball- Verband in muß, da er die Ehegemeinschaft aufhob( ohne aber feinem Amtsblatt im„ Reichenberger Sportblatt" die gerichtliche Ehetrennung durchzuführen). Im mit einer Bekanntmachung an seine Vereine März d. 3. gab Karoline ihrem Liebhaber aus diesem herausgerüdt, in welcher jenen flipp und flar mitGrunde den Abschied. Sitta war aber nicht gesonnen, geteilt wird, daß sie nicht verpflichtet seien, so ohne weiteres zurückzutreten. Er kaufte zunächst die Staatsfahne zu hissen. Wie gesagt, es einen Revolver natürlich ohne Waffenpaß und ist etwas eigenes mit der„ Loyalität" im deutschlauerte am 25. März seiner gewesenen Braut auf. bürgerlichen unpolitischen Sportlager Mit dem Revolver in der Hand drang er in sie, das wieder aufzunehmen; andernfalls werde er sie über den Haufen schießen. Die Bedrohte erklärte ihm zivar, daß zwischen ihnen alles zu Ende sei, mußte sich aber aus Angst vor der Waffe die Begleitung des rabiaten Er- Bräutigams gefallen lassen, der dann in der Wohnung des Mädchens in Gegenwart einiger entfekter Familienmitglieder einen großen Auftritt inszenierte. Die An- thek. ivesenden verlebten eine ungemütliche halbe Stunde vor der drohenden Mündung des Revolvers, mit dem der Wütende ständig herumfuchtelte. Als seine ge= wesene Braut indessen tros aller Drohungen fest blieb Als Mittel gegen rheumatische Schmerzen ist bon und auf der Lösung des Verhältnisses beharrte, frönte Alpa"-Franzbranntwein ganz besonders Sitta die Szene damit, daß er die Waffe gegen den schmerzberuhigender und angenehmer Wirkung! Der eigenen Kopf tehrte. Allzu ernst wird dieser theatra Arzt wird Ihnen sicherlich gern bestätigen, daß regellisch inszenierte Selbstmordversuch kaum gemeint gemäßige und gründliche Massagen mit Alpa- Franz wesen sein, denn ein Schuß durchschlug die branntwein den Blutkreislauf beschleunigen und Müze und der zweite pfiff hoch über den Kopf des regeln, die Muskeln stärken, die Nerven beruhigen Brag. In Brag existierte seinerzeit eine Drud Selbstmörders" weg und ging in die Wand. Aufträgen zurüchielten, weil sie eine eventuelle Ver- fnopffabrit Wolf u. Co., die nach dem Tode des keine Sache, die ohne peinliche Folgen für den Be- Criginalflaschen mit der blauen Etikette und Plombe Solches Hantieren mit Schußwaffen ist freilich und den Schmerz lindern. Alpa wird nur in Firmenchefs liquidiert und von der Großfirma Wa ldes u. Co. übernommen werden sollte, was auch treffenden bleibt. Gestern war Anton Sitta vor dem verkauft. tatsächlich geschah. Der neuen Werkleitung, die die Straffenat Marečet angeklagt des VerbreArbeiter und Angestellten der liquidierten Firma chens der gefährlichen Drohung und der Uebertretuna übernommen hatte, fiel nun auf, daß nd: Verluste gegen die körperliche Sicherheit und des Waffenvon Maschinenbestandteilen gemeldet wurden, und patentes. Das Urteil lautete auf drei Monate zwar von Bestandteilen gerade der wertvollsten Spe- chweren Kerkers unbedingt. rb. zialmaschinen. Diese Verluste erreichten schließlich eine solche Höhe, daß die Polizei verständigt werden mußte, die einige Detektive zur unauffälligen Be wachung der Maschinensäle entsandte. Den Polizeiorganen gelang es alsbald, einen Dieb dingfeit zu machen, der nach Arbeitsschluß einen Maschinen- Bezirksorganisation Prag: Sihung der Bebestandteil kunstgerecht abmontierte und davonirug. In dem Dieb wurde- einer der leitenden zirksvertretung. Mittwoch, den 13. Mai, 8 Uhr Beamten des Betriebes feitgestellt, abends, Parteiheim. Es ist nur zu bedauern, daß die Unklarheit, die die angekündigte, aber bisher praktisch unwirksame Errichtung von Preisprüfungskommissionen für die Baumaterialien die Entwicklung der Bautätigkeit gehemmt hat. Auf diese Weise ist die Verteuerung der Baumaterialien nicht verhindert, wohl aber beibirkt worden, daß viele Bauinteressenten mit ihren billigung der Baufosten abwarten wollten. Schülerin überfahren. Die 16jährige Schülerin Marie Zima aus Nusle wurde in der Nacht auf gestern beim lleberschreiten der Palachstraße in Nusle vom Auto P- 29.525 des Beamten Georg Beran aus Krč erfaßt, da sie, trotzdem er das Warnungszeichen gegeben hatte, nicht auswich und mit dem Kopf gegen den Rahmen der Schußscheibe an rannte. Mit einem Schlüsselbeinbruch und einer Verlegung der Schädelbasis wurde sie vom selben Auto auf die Klinik Jirásek gebracht. Ländliche Szene. Gestern nachmittags weidete die 40jährige Ziegenhirtin Sophie Ziegler aus Nusle auf einem Weideplas bei Podol eine Ziegenherde, wobei sie mit dem 32jährigen Arbeiter Jaroslav Neue Bücher Gerichtssaal Aus zusammengestohlenen Maschinenteilen wollten sie einen neuen Betrieb gründen " aus der Partei denten, seine Ideen, seine Tätigkeit im Weltkriege, seine Leistungen als Außenminister, finden eingehende Würdigung. Daneben wird manche Anekdote erzählt, die viel belacht werden wird. Dabei ist alles leicht und flüssig erzählt, liest sich also sehr angenehm. Das Büchlein, das gut ausgeftattet ist, es weist 20 ganzseitige Abbildungen und sechs Dokumentenwiedergaben auf, kann empfohlen werden, insbesondere Lehrern und Professoren wird es gute Dienste leisten. Mitteilungen aus dem Publikum. 2 Ein Auto ohne Pneumatifs Matador" ist dasselbe, wie ein Schuh ohne Berson- Konkav- Abfäße. Man kommt schlechter vorwärts, ruiniert rasch die Absätze und macht einen überflüssigen Lärm. Urania- Kino, Klimentská 4. Fernsprecher 61623. Wer zuletzt küßt.... Sehr lustiger Film. 66 23c 1935 in chronologischer Weise, dabei sehr übersichtlich zusammengestellt. Hinzugefügt sind alle wichtigen Dokumente, Kommuniqués und Reden, welche die internationalen Beziehungen betreffen und ein Bersoneninder. Ein höchst brauchbares und verwendbares, nüzliches und gelungenes Werkt. E. St. Sprachenstreit und ergebnislose Verständigungskon-| Biographie zu schreiben, ohne dabei seicht zu werden:| Kč 45.- Man findet da alle Ereignisse des Jahres ferenzen zwischen Deutschen und Tschechen erstehen Auch der politische Entwicklungsgang des Präsiwieder vor uns, es wird uns das Verhalten der Tschechen zu den großen außenpolitischen Gescheh nissen, die schließlich zur Katastrophe des Weltkrieges geführt haben, geschildert. Die handelnden Personen der tschechischen Politik erstehen plastisch vor uns eine der Vorzüge von Toboltas Geschichtsschreibung ist es, diejenigen, welche eine Rolle in der tschechischen Geschichte spielten, bis in die Einzelheiten ihres Aussehens und Auftretens zu beschreiben wir finden darunter die ganze ältere Politifergeneration der Tschechen, die noch heute eine Rolle spielt oder bis vor kurzem gespielt hatte: Švehla und Šrámek, Klofáč und Smeral, Kramář und Hruban. Die meisten von ihnen sind auch im Bilde dargestellt, so daß man eine wirklich lebendige Vorstellung der tschechischen Politik der VorkriegsTschechische Geschichte Einer der fruchtbarsten historischen Schriftsteller des tschechischen Volkes ist Dr. Zdeněk Tobolta, von Beruf Leiter der Parlamentsbibliothek in Prag. Tobolka hat wertvolle bibliographische und eine ganze Reihe historischer Schriften verfaßt. Schon vor dem Weltkriege trat er mit einem Buche über die Geschichte der tschechoslowakischen Politik hervor ( das er gemeinsam mit Kramář geschrieben hatte) sowie mit einer Darstellung der Entstehung der tschechischen Arbeiterbewegung, die er später, nach dem Kriegsende, zu einer Geschichte der tschechischen Sozialdemokratie gestaltete, wobei er leider nur bis in die neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts geTangie. Dann schrieb er eine Geschichte der tschechischen Politik im Weltkriege, ein nicht zu umfang- zeit empfängt. reiches Büchlein, das sich jedoch durch Mut und Wahrheitsliebe auszeichnet. Sein bedeutendstes, ja man fann sagen, sein Lebenswerk ist jedoch seine ,, Politische Geschichte der tschechoslowakischen Nation vom Jahre 1848 bis zur Gegenwart", dessen erster Teil( 1932) die Zeit von 1848 bis 1859 umfaßt, der zweite Teil( 1933), 1860 bis 1879, der dritte Teil, Abteilung I.( 1934), 1879 bis 1891 und die jetzt erscheinende zweite Abteilung des dritten Teiles die Zeit von 1891 bis 1914*). Die Geschichtsschreibung der Arbeiterbewegung E. St. A. C. Breycha- Vanthier: Jak pracuje společnost národi?( wie arbeitet der Völkerbund?) Mit einer Vorrede von Dr. Ed. Beneš. 1936, Orbis, Preis Kč 45.-. Das Buch enthält eine wertvolle llebersicht über die Einrichtungen und Arbeitsmethoden des Völkerbundes. E. St. Das Wirtschaftsjahr 1935 in der Tschechoslo. Die Historische Kommission des Sozialen In- wakischen Republik. Jahr für Jahr gibt die Stu stituts der Tschechoslowakischen Republik" hat eine dienabteilung des Prager Bankhauses Petschet ein Reihe von Vorträgen veranstaltet, wobei sie den Wirtschaftsjahrbuch heraus, das einen ausgezeichReferenten die Aufgabe gestellt hat, die Geschicht- neten Ueberblick über das jeweilige Wirtschaftsjahr Hoffentlich schreibt der Verfasser noch die ge- schreibung der Arbeiterbewegung in den einzelnen gibt und als ständiger Behelf jenen gute Dienste plante Darstellung der tschechischen Politik im Welt- Ländern zu besprechen, d. h. die Hauptsächlichen leistet, die sich mit wirtschaftlichen Vorgängen befriege und in der Nachkriegszeit, so daß eine ge- Bücher und sonstigen Quellen der Geschichte der fassen. Auch das Jahrbuch für 1935 ist in seiner schlossene Darstellung der tschechischen Politif von Arbeiterbewegung anzuführen. Die Vorträge sind knappen und doch informativen, verläßlichen Darstellung beispielgebend. 1848 bis in unsere Zeit vorliegen wird, ein Lehr- nun gesammelt erschienen.( Dějepisectví dělnicbuch der tschechischen Politik, um das wir Sudeten kého hnutí na evropském kontinentě Prag 1936, deutschen die Tschechen beneiden können, da wir noch Preis 5 Kč, Verlag des Sozialen Instituts der immer feine Darstellung der judetendeutschen Politik SR.). Es behandeln darin die Arbeiterbewegung ſeit 1848 befizen, deren Kenninis, insbesondere der der Tschechoslowakei( auch der deutschen) Dr. Mis Illusionen und Enttäuschungen, die diese Politik im Toslav Wolf, die der Sowjetuion Dr. Jan Slavik, Wandel der Jahrzehnte mit sich brachte, für die die der deutschsprechenden Arbeiterbewegung gegenwärtige judetendeutsche Generation außer( Deutschland, Desterreich, Schweiz, ČSR.) Dr. Friz ordentlich lehrreich wäre. Brügel, die Polens Dr. V. Čejchan, die Frankreichs und Italiens Dr. Josef Matoušet. Es ist meines Wissens der erste Versuch, eine Historiographie der Arbeiterbewegung herauszugeben und der Historischen Kommission des Sozialen Instituts gebührt dafür hohes Lob. Eine Beneš- Biographie E. St. Gewerbehygiene, Lehrbuch für gewerbliche Fortbildungsschulen von MUDr. Ernst Ka I mus unter Mitwirkung von Albert Ka e 3, Verlag der Staatlichen Lehrmittelanstalt für Gewerbe- und Fachschulen, Prag, Preis Kč 6.-. Das Büchlein Die soeben herausgekommene Darstellung, soll als Lehrbuch für Fortbildungsschulen dienen. welche über 600 Seiten zählt, schildert die tschechische Es enthält in sehr gedrängter und knapper Form Politik bereits in einer Zeit, an die sich viele Aneine Darstellung des menschlichen Körpers und der Inüpfungspunkt in der Gegenwart ergeben. Mit Funktion der Organe und anschließend die Stapitel: großem Interesse lernen wir die neuen geistigen Allgemeine Gesundheitslehre, Arbeitshygiene, spe= Strömungen in der tschechischen Politik zu Beginn Dr. Artur Werner, befannt durch eine zielle Schädigungen in Gewerbebetrieben. Erste Hilfe der neunziger Jahre fennen, die sogenannte fort nette und flotte Masaryk- Biographie, hat nun auch bei Unfällen, gefeßlicher Arbeiterschuß und Allge schrittliche Bewegung, die ebenso realpolitisch wie die Biographie des zweiten Präsidenten der Tichemeine Gesundheitsregeln. Angefügt sind Bildtafeln antihabsburgisch, nationalradikal wie arbeiter choslowakischen Republit, Dr. Eduard Beneš, geüber Anatomie, Hygiene und Erste Hilfe bei Un Eine Chronik des Jahres 1935 fällen. freundlich war und wie sich dann die Geister schie- schrieben.( Eduard Beneš, der Mensch und der Das Büchlein ist als Unterlage für den den und die noch jetzt herrschenden Parteien, Kles Staatsmann, Roland- Verlag Morawik, Prag, 248 Eine beachtenswerte Neuerscheinung ist die Unterricht durch einen fachkundigen Lehrer gut ge= rifale, Agrarier, Nationalsozialisten entstanden. Seiten, Breis Kč 36.-). Auch dieses Werk ist„ Kronika československé a světové politiky za eignet. Für eine Neuauflage wird der Wunsch nach dem Autor gelungen. Dr. Werner versteht die Kunst, rok 1935"( Chronik der tschechoslowakischen und ausführlicherer Darstellung ausgesprochen, damit es *) Erschienen im Verlag..Tschechoslowakischer Kompak". eine sehr volkstümliche, auch der Jugend zugängliche Weltpolitik für das Jahr 1935), Orbisverlag, Preis sich auch als Nachschlagebuch eignet. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich Kč 16.-. vierteljährig Kč 48.-, halbjährig Kč 96.-. ganzjährig Kč 192.-. Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. Die Zeitungsfranfatur wurde von der Bosts und Tele graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt. Druderei: Orbis", Druds, Verlags- und Zeitungs- A.- G. Prag. E. St. -