Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TAGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 16. Jahrgang Arbeitstagung des Parteivorstandes Dank an die tapferen Genossen von Dux und Bilin Der Parteivorstand der deutschen sozialdemo kratischen Arbeiterpartei brachte Montag vormittag seine in der Vorwoche aufgenommenen Beratungen über die aktuellen Aufgaben der sudeten= deutschen Arbeiterbewegung zum Abschluß. Eingangs der Sizung nahm Genosse Dr. Czech zu den sonntägigen Bezirkswahlen Stellung und brachte unter allgemeiner Zustimmung den Dank der Gesamtpartei an die Dux- Biliner Genossen für ihre von restloser Hingabe getragene erfolgreiche Wahlarbeit zum Ausdrud.netto ind In der ausführlichen Erörterung aller sozialen und staatspolitischen Aufgaben, welche der tschechoslowakischen Innenpolitik namentlich in den industriellen Notstandsgebieten gestellt sind, wurde eine völlige Einmütigkeit des gesamten Barteivorstandes konstatiert. Besonderes Gewicht wurde in der Diskussion, an der sich Vertreter fast aller Parteifreise beteiligten, auf die Fragen einer gesteigerten Arbeitslosenfürsorge und Arbeitsbeschaffung, Exportförderung, Regelung des Arbeitsmarktes und der Arbeitsplatzfrage, Schuk der kleinen Versicherten in der Phönig- Affäre usw. gelegt. Der Vorsitzende Genoffe Dr. Czech legte nach Abschluß der Debatte die entsprechenden Anträge über die einleitenden Schritte vor, welche einstimmige Annahme fanden. Nach Erledigung der laufenden organisatorischen Fragen fand die arbeitsreiche und nach allen Seiten fruchtbare Arbeitstagung des Barteivorstandes ihren Abschluß. Dienstag, 12. Mai 1936 Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) Nr. 111 Wahlerfolg in Bilin und Dux| ,, Das rote Geschmeiß" Stimmengewinn der Sozialdemokratie trotz tausendfachen Widerständen SdP gewinnt auf Kosten der Christlichsozialen- Fortschritte der Kommunisten Am vergangenen Sonntag wurde die mit Spannung erwartete Wahl in die Bezirksvertretungen Dug und Bilin durchgeführt. Diese Wahl war das erste bedeutende Kräftemessen nach dem 19. Mai 1935, ihr Ergebnis ist für die Beurteilung der gegenwärtigen politischen Schichtung im Sudetendeutschtum von ziemlicher Wichtigkeit. Allerdings darf man nicht übersehen, daß es sich hier um zwei Bezirke handelt, die national sehr stark umfämpft sind, so daß die SdP Gelegenheit hatte, die soziale Note des Wahlkampfes vollständig hinter die nationale zurücktreten zu lassen. Die SdP hat Stimmen gewonnen, im Verhältnis zu ihrer Stärke fällt dieser Ge= winn faum ins Gewicht, zumal da die Christlichsozialen im Bezirke Dug nicht kandidierten. Es ist anzunehmen, daß die Angehörigen der Christlichsozialen Partei für die SdP gestimmt haben, weil sie befürchteten, daß ihre Stimmen sonst verloren gehen. Die deutsche Sozialdemokratie hat sich in diesem schweren Ringen glänzend behauptet. Sie hat in beiden Bezirken ungefähr je hundert Stimmen gewonnen und dadurch wieder bewiesen, daß sie der einzige Faktor ist, der als Gegner der SdP im deutschen Lager in Betracht kommt. Der unter den schwierigsten Verhältnissen erzielte Erfolg der deutschen Sozialdemokraten ist vor allem der Tapferkeit und der Treue aller Gliederungen der sozialistischen Bewegung zu danken. Die Wahlergebnisse Auf die einzelnen Parteien entfielen Stimmen:( In Klammern die Ergebnisse der Be zirfswahl vom 26. Mai 1935): Partei: Dur: Stimmen Mandate Deutsche Sozialdemokraten T SdP 3.567 12.908 " B 662 nicht fand. ( 3.466) 2 ( 12.346) 8 ( 292) O 2.434 3.417 4.254 714 ( 767) ( 2.300) 1 ( 3,068) 2 ( 4.742) 3 ( 962) ( 1.343) Bilin: Stimmen Mandate 2.763( 2.645) 2 9.785( 9.505) 50 722( 752) 683( 657) 2.409( 2.189) 2 1.785( 1.538) 1 2.311( 2.616) 1 Bund der Landwirte Deutsche Christlichsoziale Tschechische Sozialdemokraten. KPC.. Tschech. Nationalsozialisten Tschechische Gewerbepartei Nationale Vereinigung Tschechischer Wahlblock . 1.451 Symbolische Geste in Genf Abessinien auf der Tagesordnung Aloisi verläßt die Ratssitzung Genf. Die erste Sigung des Völkerbundrates, I uni- Tagung verschieben wird. die für Montag 11 Uhr vormittags angejezt war, Die Bariser Abendblätter hatten noch gewurde auf 17 Uhr verlegt, um den Ratsmitglie- meldet, daß es Paul- Boncour und Eden gelungen dern vorher Gelegenheit zu privaten diploma- sei, dem zu erwartenden Protest Aloisis gegen die tischen Beratungen zu geben. Der Sekretär der Anwesenheit der abessinischen Delegation den italienischen Delegation hatte schon am Sonntag Charakter einer bloßen Formalität zu nachmittags dem Generalsekretär des Völkerbun- geben. Die Meldung von dem vollzogenen Exodus des eine Note überreich, in der die italienische der Italiener hat darum in Paris Ueberraschung Regierung die Angliederung Abessi hervorgerufen. niens an Italien anzeigt. Der Negus gibt sich Der Negus gibt sich noch nicht verloren Telegramm an den Völkerbund 1.955( 2.234) 1 Die Bezirkswahlen in Dur und Bilin zeu gen für die sozialistische Idee. Durch die admini strative Trennung der Bezirke Dur und Bilin und die analoge Schaffung von vier tschechischen Bezirken Böhmens ergab sich die Notwendigkeit, die dortigen Bezirksvertretungen neu zu wählen. Die Wahlen wurden am vergangenen Sonntag durchgeführt. Sie hatten insoferne allgemeine politische Bedeutung, als sie der erste größere Waffengang zwischen den konkurrierenden Parteien seit dem 26. Mai 1935 waren. Das gab vor allem den Bezirkswahlen von Dur und Bilin ein besonderes Gepräge. Im tschechischen Lager sind die Kräfteverhältnisse ungleich stabiler. Soweit die deutsche Bevölkerung der zwei nordwestböhmischen Bezirke zur Wahl aufgerufen wurde, hat sich mit Recht das Interesse der breitesten Oeffentlichkeit auf ihr Votum konzentriert. Das Resultat sollte ein Maßstab dafür sein, inwieweit Henleins politischer Totalitätsanspruch neue Gefolgschaft findet und inwieweit ihm aus der deutschen Bevölke rung heraus ein verstärkter Widerstand entgegengesetzt wird. Die SdP sezte alles daran, diese Bezirkswahlen zu einer großen politischen Machtprobe zu machen. Sie überflutete das Gebiet mit einer " Versammlungswelle" nach berühmten Mustern. Konrad Henlein wurde am 1. Mai höchstpersön= lich strapaziert. Am darauffolgenden Sonntag, den letzten vor der Wahl, wurden 46 seiner parlamentarischen Gefolgsleute auf die Industrieorte und Dörfer der beiden Bezirke losgelassen. Die SdP führte den Wahlkampf in der denkbar rüdesten Weise. Symbolisch dafür war die Rede eines sicheren Herrn Peschke, der zu seiner akademischen Würde auch den Titel eines Volks bertreters führen darf, in einer Biliner Versammlung. Dieser„ ritterliche" Politiker pries die Sdp als die Partei der anständigen Leute. Ihre politischen Gegner bezeichnete er schlicht als„ Lumpen und Verräter". Ein Flugblatt der Henleinpartei verstieg sich zu der nazistischen Unverschämtheit, die deutschen sozialdemokratischen Arbeiter und Arbeiterinnen als„ rotes Geschmeiß" zu beschimpfen. Der Feldzugsplan der„ ritterlichen" Nach einer Reutermeldung haben die Italie- Sudetendeutschen war auf die denkbar günstigsten ner bereits mit der Konskription der Eingeborenen Voraussetzungen aufgebaut. Furchtbar wütet in zwecks Schaffung einer eigenen abeffinischen den Bezirken Dur und Bilin die Krise. Der bisArmee begonnen. Damit wird eine frühere Miel her einheitliche politische Bezirk zählte an die dung des„ Daily Herald" bestätigt, daß zehntausend Arbeitslose. Dur- Bilin gehört zu den Mussolini beabsichtige, aus den kriegerischen, nun in nationaler Beziehung heiß umstrittensten Geunterworfenen Abessiniern ein schwarzes bieten der Republik. Seit Jahrzehnten hat es für Heer von einer Million Mann das nationale Schlagwort den fruchtbarsten Boden zu bilden, mit dem dann auch andere afrikanische geliefert. Darauf spekulierte die SdP. Sie malte Gebiete den jeßigen Herren entriffen und dem an- in den letzten Tagen die Gefahr des Verlustes der gestrebten großen italienischen Kolonialreiche an- deutschen Mehrheit in den krassesten Farben vor gegliedert werden sollen. Dieser Plan würde nicht nur England, sondern auch Frankreich und den belgischen Kongostaat bedrohen. zösische Eisenbahnwache in Diredaua abgelöst, wobei es sehr freundschaftlich zugegangen sein soll. Mit der Bahn sind bereits Abteilungen des Marschalls Graziani in Addis Abeba einge troffen und haben somit die symbolische Vereinigung der Nord und Südtruppen vollzogen. Nachtsltzung des britischen Kabinetts die Augen der Wählerschaft. Sie versuchte den Eindruck zu erwecken, daß nur der„ deutsch" wähle, wer seine Stimme für die Kandidaten Hen leins abgebe. Ein wahres Trommelfeuer der Propaganda wurde auf die Bevölkerung losgelassen. Nachdem der Rat um 17 Uhr zu einer nichtöffentlichen Sizung zusammengetreten war, for derte der Ratsvorsitzende Eden die Ratsmitglieder auf, sich darüber zu äußern, ob sie es für angezeigt halten, die abessinische Frage auf die Jerusalem. Aus der Umgebung des Negus Tagesordnung der gegenwärtigen Tagung zu verlautet, daß er während der Juni- Tagung des jezen. Rates persönlich in Genf erscheinen und dort seine Auf der anderen Seite wies die demokratische Baron Aloisi, der Führer der italienischen Sache vertreten will. In einer Presse- Erklärung Delegation, lehnte es ab, am selben Tisch mit den sagte der Negus u. a., daß er nach reiflicher im Gebäude des Unterhauses zusammengetreten ihren Reihen die Depression nach dem 19. Wai des London. Das britische Kabinett ist abends Front im deutschen Lager eine empfindliche Lücke auf. Die deutschen Christlichsezialen scheinen in abessinischen Delegierten Platz zu nehmen, und Ueberlegung zur Ansicht gekommen sei, den Inverließ mit sämtlichen Mitgliedern der italieni- teressen seines Volkes am besten zu dienen, wenn um über die internationale Situation zu beraten. Vorjahres noch nicht überwunden zu haben. Im schen Delegation den Sisungsfaal. Er begründete er ſeine Anstrengungen im Ausland in Freiheit Kaiserkrönung in der Peterskirche Bezirk Dug wagten jie keine Liste aufzustellen. Im diesen Schritt damit, daß in Abessinien keine Spur fortseße, um die tausendjährige Bezirke Bilin kandidierten sie wohl, aber in ausRom. Gerüchte, daß Mussolini bereits mit fichtsloser Position, weil die christlichsozialen Beeiner staatlichen Organisation bestehe und das Unabhängigkeit Abessiniens zu Land übrigens bereits unter der Souveränität erhalten. Eine den Völkerbundgrundsäßen dem Vatikan über die feierliche Strönung Viktor zirksgrößen aus Angst vor der Gegenpropaganda Italiens stehe. treu ergebene Nation könne und dürfe nicht durch Emanuels in der Peterskirche zum Kaiser des die schon zugesagte Koppelung mit den deutschen Von den Mitgliedern des Rates sprachen sich den Willen einer vertragsbrüchigen Nation von neu entstandenen römischen Imperiums verhandle, aktivistischen Regierungsparteien ablehnten. Der finden in hiesigen zuständigen Kreisen keine Be- Bund der Landwirte wurde in schwerstes Kreuznur die Vertreter Spaniens und Däne- der Landkarte verschwinden. In einem Telegramm an den Generalsekre- stätigung. Meldungen, daß Mussolini bald nach feuer genommen, weil er aus naheliegenden polimarks für die Aufnahme der abessinischen Frage in die Tagesordnung des Rates aus, die tär des Völkerbundes spricht der Negus ähnliche Ostafrika reisen wolle und auch der König selbst tischen und nationalen Gründen seine Listen mit übrigen Ratsmitglieder verhielten sich schweigend. Gedankengänge aus und verlangt, daß der Völ- sich bald in der heiligen Stadt Aksum krönen denen der deutschen Sozialdemokraten gekoppelt Nach einer Havas- Meldung hat der Rat ausdrück- kerbund seine Bestrebungen fortseße und die Re- lassen wolle, werden weder bestätigt noch hatte. Die SdP wetterte in begreiflicher Furcht lich beschlossen, die Prüfung des italienisch- abes- spektierung des Völkerbundpaktes sichere. Er folle dementiert, finischen Konfliktes auf seiner Tagesordnung zu auch die territoriale Expansion und die angebliche belassen. Rekrutierungen im annektierten Gebiet Eingeborenen- Heer soll weitere Kolonien erobern Streik in Saloniki dauert an Athen. Bei den Unruhen in Salonifi wurvor einer engeren Kooperation der demokratischen Gegenträfte gegen den„ grünen Marrismus". Ohne Scham zeigte sie ihr kapitalistisch- reaktionäres Gesicht und versuchte die Bauern mit Souveränität nicht anerkennen, welche aus GeDas dürfte hauptsächlich a us for malen walt und einer fortgeschten Verlegung interGründen erfolgt sein, um zu dokumentieren, nationaler Verpflichtungen hervorgegangen sei. den 20 Personen getötet und 152 verlegt, darun- Schreckensbildern von der russischen und spanischen daß der Völkerbund Abessinien immer noch als ter 30 schwer. Die Regierung hat die Eisenbah- Revolution zu bluffen. Trotzdem konnte der Bund einen mit den übrigen Mitgliedstaaten gleichner und die Straßenbahnangestellten von Salo- der Landwirte seine Reihen in beiden Bezirken nifi mobilisiert, um den Betrieb der öffentlichen beisammenhalten und dadurch seine fortschreitende berechtigten Staat ansieht. Aus verschiedenen Verkehrsmittel aufrecht zu erhalten. Die Ver- Konsolidierung unter Beweis stellen. In Dur geDarstellungen scheint jedoch hervorzugehen, daß handlungen zwischen der egierung und den sellte sich ihm ein beachtlicher Teil der christlich= das Vorgehen der Italiener in privaten BespreStreifenden haben sich zerschlagen. Der Streit sozialen Wähler zu. Der andere Teil wurde der chungen der Ratsmitglieder vorher festge= Legt wurde. Addis Abeba. Die Besetzung der wichtigsten dauerte am Montag noch an; es machte sich bereits SdP zur leichten Beute. Deshalb vermag auch Den letzten Meldungen zufolge nimmt man Punkte Abessiniens kann nunmehr als vollzogen Brot- und Wassermangel bemerkbar. Die Strei- das Duyer Resultat kein flares Bild zu geben. an, daß die Aussprache am Mittwoch zwar auf gelten. Den italienischen Behörden stellen sich im kenden wollen für Mittwoch den Generalstreit in Klarer zeichnet sich die politische Schichtung der der Tagesordnung stehen wird, daß jedoch der Rat mer mehr Häuptlinge der verschiedenen Provin- ganz Griechenland proklamieren. Die Regierung deutschen Wählerschaft im Bezirke Bilin ab. Dort nach Anhörung des abessinischen Delegierten zen, um jich zu unterwerfen. Die Italiener haben hat vier Torpedobootzerstörer nach Saloniki diri- ist der perzentuelle Gewinn der SdP geringer als der der deutschen Sozialdemokratie. Wir haben Wolde Mariam die abessinische Frage auf die die Eisenbahn zur Gänze bejezt und die frangiert. Seite 2 Dienstag, 12. Mai 1936 " Nr. 111 Wahlen in tschechischen bigung der Kleinlandwirte, insbesondere aber Bezirken Gerichtsbezirke Poděbrady und Městec Králové: ten in den guten Getreidegebieten, die auch einige Meterzentner zu verkaufen haben, und ebenfalls Die für das Getreidemonopol Verantwort in dem vorwiegend induſtriellen Bezirk Dug und wenigstens wissen, daß die ganze Partei mit Stola in dem industriell- agrarischen Bezirk Bilin gleich auf sie blidt. Sie haben in schwerster Stunde ein die letzte, denn sie würde herbeiführen, daß die mäßig aufgeholt. Die deutsche Sozialdemokratie leuchtendes Beispiel gegeben und das Signal zu Kleinlandwirte das Mehl um 15 bis 20 Kč teurer hat trob Krise und entfesseltem Nationalismus einer neuen Offensive sozialistischen Geistes im den Tiefpunkt überwunden. Es geht wieder vor- sudetendeutschen Gebiete. Lebte noch ein Funken zirken zeigen, daß die Nationalsozialisten Stim- eigenes Getreide vermahlen lassen können. Wenn Die Ergebnisse in den rein tschechischen Be- bezahlen müssen als in dem Falle, wo sie ihr wärts und aufwärts. Das ist das erfreulichste Resultat der Be- müßten sich vor dem„ roten Geschmeiß", vor seis men an die Kommunisten verlieren, während sich erster Linie die größeren Getreideproduzenten vom Anständigkeit in unseren nazistischen Gegnern, sie auch bei der Reduzierung der Einkaufspreise in zirkswahlen vom 10. Mai. Uebermenschlich war nem unbeugsamen Charakter, vor seiner reinen die Sozialdemokraten behaupten. Im Lager der erster Linie die größeren Getreideproduzenten vom die Leistung der proletarischen Männer und und edlen Gesinnung in Ehrfurcht beugen. Aber Rechten gewinnen die Volkspartei, die Agrarier Berlust betroffen würden, so gibt es immerhin Frauen und unserer roten Jugend in diesem darauf kommt es garnicht an. Die Geschichte wird den Wählerzuwachs, das Národni sjednocení die noch eine kleinere Anzahl von kleineren LandwirWahlkampf. Sie haben gegen Wind und Sonne entscheiden, wem die Zukunft gehört: den„ Lum- faschistischen Stimmen. gefochten. Sie haben heiß gerungen mit dem läh- pen und Verrätern" mit ihrer Liebe und Treue menden Bann der Not, mit den höllischen Versus zur sozialistischen Idee oder den traurigen Spekuchungen des gegnerischen Seelenkaufs. Ein seit lanten auf das sudetendeutsche Elend. Auch die drei Jahren arbeitsloser Vertrauensmann sagte tschechischen Genossen hatten in den Bezirken Dur unserem Referenten:„ Diese Woche hätte ich schon Bilin schöne Erfolge zu verzeichnen, wie denn zweimal Arbeit bekommen können gegen Vor- auch die Positionen der Bruderpartei auch in den weis des Mitgliedsbuches der SdP." Und diese tschechischen Wahlgebieten unerschüttert blieb. Die Menschen, die ihre tapfere Gesinnung vielfach mit gemeinsamen Kundgebungen in Dur und Bilin, Hunger und Entbehrung bezahlen müssen, sie wo der nationalsozialistischen Heze in beiden haben in den Tagen vor der Wahl keinen Weg und Sprachen der Kampf angesagt wurde, trugen ihre kein Opfer gescheut. Am Vorabend noch wurde Früchte. Dagegen buchen die tschechischen Natiounsere Abschlußkundgebung in Bilin von einem nalsozialisten fast durchwegs empfindliche VerRegenschauer überrascht. Bi sauf die Haut durch- luste zugunsten der Kommunisten. Es scheint also, näßt marschierten die Teilnehmer wieder stunden- daß die arbeitenden Menschen mehr Sozialismus weit in ihre Dörfer heim und erfüllten ihre und weniger Nationalismus wollen. Der vergan schwere Pflicht bis zum letzten Augenblick. Kein gene Wahlsonntag hat erneut unsere heilige Wort des Lobes vermag jene Bewunderung aus- Ueberzeugung befräftigt, daß die Zukunft den unzudrücken, die solche restlose Hingabe verdient. Die vergänglichen, unzerstörbaren Idealen der soziaParteigenossen von Dug und Bilin mögen listischen Bewegung gehört. Offener Krach in Wien Umzug der Schuschnigg- Anhänger von Heimwehr überfallen Wien. Auf dem Heldenplas fand Sonntag die Maifeier der Militärorganisationen des Schuschniggschen Freiheitsbundes der verwandten christlichen Gewerkschaftsorganis sationen( Sunschat) statt, auf der auch Bundesfanzler Dr. Schuschnigg sprach. Der Bundesfanzler wandte sich am Schlusse seiner Rede gegen die Elemente, die zu Hause und im Ausland neue Minister und das„ politische Wetter" machen. Der Kanzler betonte, daß die Minister in Oesterreich nur der Bundesprästdent ernenne und die Politik ausschließlich der Bundeskanzler und Führer der Vaterländischen Front mache. Dann veranstalteten die beiden Organisationen einen Umzug; der Freiheitsbund trat in Uniform, jedoch ohne Waffe an. An die Spize des zweiten Teiles des Umzuges stellte sich Schuschnigg selbst und zog mit den Formationen von der Burg bis zum Hotel„ Imperial". Nationalsozialisten 4654( 4991); Volkspartei 2910 ( In der Klammer das Ergebnis vom 26. Mai 1935.) zu Schaden fämen. Republikanische Partei 8426( 8552); Sozialdemo- lichen wissen ganz genau, was zur Sanierung des raten 3682( 3522); Kommunisten 3573( 2771); Monopols notwendig ist. Es gibt nur eine Rege( 2867); Nationale Vereinigung 2233( 2232); treidepreise nach dem Regie= lung und die lautet: Staffelung der Ge Gewerbepartei 3364( 3486); Faschistengemeinde auf wand. Der Heine Landwirt hat die höch= kandidierte nicht( 627). Bezirk Nymburk: Republikanische Partei 4336 bekommen. Bei dem mittleren Landwirt verrinsten Regien, er kann ruhig den heutigen Preis ( 4102); Sozialdemokraten 2664( 2826); Kommunisten 2750( 2619); Nationalsozialisten 3686 gern sich die Regien, so daß er einen kleinen Ab( 3943); Volkspartei 1962( 1907); Nationale Ber- 3ug erträgt. Der größere Landwirt hat fast immer den niedrigsten Aufwand, daher muß er auch ( 2130); Faschistengemeinde kandidierte nicht( 228). den niedrigsten Getreidepreis erhalten. Warum wollen die Agrarparteien sich zu Bezirk Hořovice: Republikanische Partei 3302 diefer Magnahme nicht bekennen? ( 3192); Sozialdemokraten 6778( 7016); Rommueinigung 1956( 1638); Gewerbepartei 2061 nisten 3139( 2923); Nationalsozialisten 3407 Die Wahlen in den Betriebsausschuß der Pra ( 3330); Volfspartei 1201( 1273); Nationale Vereinigung 1249( 1327); Gewerbepartei 2231 ger Eisen- A.- G. in Kladno hatten folgendes Ergeb( 2329). nis: Von 3346 abgegebenen Stimmen waren 3286 Bezirk Beroun: Republikanische Partei 3461 gültig und 60 ungültig. Es erhielten: Die Ver( 3430); Sozialdemokraten 4423( 4586); Kom- einigten Kandidaten der tschechoslowakischen Metallmunisten 5354( 4961); Nationalsozialisten 3261 arbeitenden und Metallarbeiter 823 Stimmen und ( 3643); Volksparteiler 1699( 1459); Nationale 4 Mandate, der kommunistische Industrieverband Vereinigung 1552( 1564); Gewerbepartei 2213 1913 Stimmen und 10 Mandate und die nationale ( 2273). Vereinigung 548 Stimmen und 2 Mandate. Das Getreidemonopol in Bedrängnis monstranten mit dem Freiheitsbund zusam= Der Kleine Landwirt" hält den großagramenstießen, wurden sie zurückgeschlagen, insrischen Plänen zur Sanierung des Getreidemonobesondere beim Goethe- Denkmal, wo es au pols Vorschläge entgegen, welche die Interessen dem schärfsten Scharmüzel kam. Hiebei ver- der Kleinlandwirte wahren. Wir zitieren: streuten die Heimwehrdemonstranten grünweiße Flugblätter mit einem Text gegen Kunschat und für Starhemberg. In der Eschenbachgasse konnte man den geweſenen Mi nister& e y auf dem Balkon eines Hauses sehen. Eine Gruppe der Heimwehren brachte Hochrufe auf den aus, während eine andere Gruppe Starhemberg hochleben ließ. Bei der Intervention der Polizei wurden insgesamt 60 bis 70 Personen, darunter ein Stabsoffizier, verhaftet. Die Hahnenfeder Arbeitszeitverkürzung bei öffentlichen Arbeiten Genf. Bei der nächsten Arbeitskonferenz in Genf werden außer anderen Fragen auch das ProMan hat den Weizenpreis überhöht, was blem der Arbeitszeit behandelt werden. Das Ineinen Konsumrüdgang in Weizenmehl verursachte. ternationale Arbeitsamt hat die Enquete über Nun haben sich böse Folgen auch für das Mono- dieses Problem bereits abgeschlossen. Das Prin pol selbst eingestellt. Der übechöhte Weizenpreis zip der 40stündigen Arbeitswoche bei öffentlichen gab Anreiz zu einer immerwährenden Steigerung Arbeiten wurde bereits im Jahre 1935 angenom der Weizenanbaufläche, was zusammen mit dem men. In vielen Fällen kann die Herabsehung der Konjumrückgang erhebliche Vorräte im Monopol Arbeitszeit bei öffentlichen Arbeiten durch bloße anwachsen ließ. Man spricht von 50.000 Waggon Verwaltungsmaßnahmen eingeführt werden. Auf Weizen, die am Ende des Wirtschaftsjahres übrig diese Art fann der Kampf gegen die Arbeitslosig= sein werden, ohne daß ein Absatz dafür gefunden keit, insbesondere wenn für die öffentlichen Arteiwerden kann. Wahrscheinlich kommen hierzu noch ten feine qualifizierten Arbeiter notwendig sind, etwa 20.000 Waggon anderes Getreide. Nun sucht man nach Auswegen. Der neue öffentlichen Arbeiten ungefähr 50 Prozent der gegeführt werden. Es ist bemerkenswert, daß bei unter den Rädern... Plan" der Agrarier besteht aus zivei Teilen. famten Auslagen auf Löhne entfallen. Daher Aufmerksamkeit rief auch ein Flugblatt Zuerst will man die Spannung zwischen glaubt man, daß die Einführung der vierzigstinhervor, das trotz der Konfistation auf der Ring- den Einkaufs- und Verkaufspreidigen Arbeitswoche bei öffentlichen Arbeiten den Begreifliche Erregung rief hervor, daß die straße verstreut wurde. In dem Flugblatt wird en vergrößern bei gleichbleiBeschäftigungsgrad heben und zur allgemeinen Manifestation des Freiheitsbundes von den gegen die Totalitätsbestrebungen der Heimwehren benden Verkaufspreisen, d. b. also. Sebung der Wirtschaftstätigkeit beitragen werde. Heimwehren gestört wurde, die von polemistert und Gleichberechtigung sowie das das Getreide monopol will den Die Arbeitszeitverkürzung bei öffentlichen ArbeiAnfang an das Verbot der Kundgebung ver- Recht der Mitbestimmung der christlichen Arbeiter and wirten beim Einkauf des ten wurde bereits in zahlreichen Staaten eingelangt, aber nur eine Verschiebung um eine reklamiert. Am Kopf des Flugblattes befindet sich Getreides erheblich weniger zahlen, führt, insbesondere in Deutschland, Australien, Woche erreicht hatten. Daraufhin erteilten die das Bild eines großen Automobils mit Anhän- während der Verkaufspreis und also auch der Heimwehren die Parole, sich auf dem Helden- gern und Fahnen des Freiheitsbundes, das Mehlpreis auf dem gleichen Stand bleiben soll. Belgien, Kanada, den. Vereinigten Staaten, Neuplass einzufinden und gegen den Frei- Hafenkreuze, Sowjetsterne und einen Hahn Der zweite Teil des Planes sieht ein Mehlmono- seeland und der Tschechoslowakei. Die Regierunheitsbund und Kunschat zu demitgrünen Federn( Abzeichen der Heim- pol vor, und zwar beabsichtigt man einen einheit gen, welche die Arbeitszeit herabseßen, entledigen monstrieren. Tatsächlich fanden sich wehren) in den Boden stampft. lichen Mehlpreis durch das Monopol festzusetzen. jich indirekt der Ausgaben für die Unterstügung der einige hundert Mann in Zivil auf dem Helden= der nicht nur für Konsumenten, sondern auch für Arbeitslosen. plat ein, doch wurden sie von der Polizei ver= Landwirte gelten soll, mit anderen Worten, man drängt. Die Demonstranten zogen sich in ver= beabsichtigt, den Bauern die Vermahlung des Tofio.( Reuter.) Das japanische Kriegsminischiedene Kaffeehäuser auf der Ringstraße, wo London. Auf dem Jahresbankett der Vereini- eigenen Getreides in der Mühle zu untersagen. sterium teilt mit, daß das Kriegsgericht den Oberst der Umzug stattfand, zurück und versuchten, gung der britischen Banfiers erklärte der Vorsitzende, Man spricht sogar von Mehltrafiken. leutnant Aizawa, der im August des Vorjahres den den Umzug zu stören. Die Polizei drängte sie daß teine britische Bank, die Mitglied der Clearing- Beide Maßnahmen, die Preisherabfeßung Chef der Kanzlei für Militärangelegenheiten, Genes zum größten Teil zurück. Dort, wo die De- tammer ist, Deutschland einen Kredit bewilligt hat.| und das Mehlmonopol, bedeuten eine schiere ral Nagata, ermordet hatte, zum Tode verurteilt hat. 5 Der Ruhm des Kämpfers Keine Anleihe an Deutschland unter dem Vorwand, daß ich sie für mein Sam melbuch brauchte, nur damit er sie nicht lesen fellte. Daher hat er nie etwas von Borern gehört, die aufgaben oder sich absichtlich besiegen ließen. Bringen Sie dem Jungen nichts Schlechtes bei. Copyright by Universitas Berlin, durch Dr. Präger Das ist der Grund, daß ich den Ungültig Don Jack London Pressedienst, Wien. Sein Geist war jungfräulich, unberührt von allem, außer den Erfahrungen, die die nahen Berge ihm schenken konnten, und doch erwies er sich im Besitz von Scharfsinn und Verschlagenheit über den Durchschnitt hinaus. feitsparagraphen in den Kontratt eingefügt habe. Die erste Schiebung stößt den Kontrakt um. Keine verabredete Kassenteilung. Keine geheimen Vereinbarungen mit Filmleuten, die eine gewisse Dauer der Kämpfe für ihre Aufnahmen garan tiert haben wollen. Es bleibt noch genug Geld zu verdienen für euch beide. Aber ehrliches Spiel; oder es ist aus. Haben Sie mich verstanden?" ihn im geheimen ab, wenn er auch ihre lärmenden Straßen mit der Unermüdlichkeit eines Indianers durchstreifte. Ich bin hierher gekommen, um zu bogen", verkündete er nach Ablauf der ersten Woche. Wo ist Jim Hanford?" " Stubener stieß einen leisen Pfiff aus. „ Ein großer Champion wie der sicht Sie gar nicht an", lautete die Antwort.„ Geh erst, und schaff dir einen Namen", würde er sagen. „ Ich kann ihn besiegen." " Aber das weiß das Publikum nicht. Wenn Sie ihn besiegten, würden Sie Weltmeister sein, und das ist noch keiner bei seinem ersten Kampf geivorden." „ Ich kann es." " „ Warum lachen Sie? Glauben Sie nicht, daß ich mit denen fertig werde?" „ Das weiß ich, daß Sie das fönnen", ber sicherte Stubener ihm. Aber jo läßt sich das nicht machen. Sie müssen sich immer einen zur Zeit vornehmen. Vergessen Sie nicht, daß ich das Geschäft verstehe. Es muß alles genau zurechtgelegt werden, und ich weiß, wie. Wenn alles klappt, können Sie in einem Jahr oben sein, Weltmeister werden und Geld scheffeln." flärte sich sein Gesicht auf. Pat seufzte über diese Aussicht, dann aber „ Und dann kann ich mit zurückziehen und wieder nach Hause zu dem Alten gehen", sagte er. Stubener wollte antworten, besann sich aber. war dieser Anwärter auf die Meisterschaft auch recht sonderbar, so war er doch davon überzeugt, daß der junge Mann, wenn er das Ziel erst erreicht hatte, genau so werden würde wie die Auf seine Weise war er ein Rätsel für Sam, der den unerschütterlichen Gleichmut des jungen Mannes nicht verstehen konnte. Nichts war ihm Und als eine letzte Ermahnung an den jununangenehm, über nichts konnte er sich ärgern, gen Pat, der schon zu Pferde saß und das Tier„ Aber das weiß das Publikum nicht. Es und seine Geduld war von einer nie versagen- pflichtschuldig zügelte, um zu hören, sagte der würde niemand kommen, um sich den Kampf anden Einfalt. Nie fluchte er, nie gebrauchte er die alte Bat: zusehen. Und die Zuschauer sind es doch, die das üblichen nichtssagenden Kraftworte, die junge ,, Und was auch immer geschieht, nimm dich Geld und die großen Börsen bringen. Das ist Leute seines Alters stets im Munde führten. vor den Weibern in acht. Weiber bedeuten Tod auch der Grund, daß Jim Hanford nicht eine andern, die es so weit gebracht hatten, wie sie Der alte Pat schloß den Vertrag und verab- und Verdammung, vergiß das nicht. Wenn du Sekunde daran denken würde, mit Ihnen zu fonnten. Außerdem waren zwei Jahre eine lange aber die eine, die einzige findest, dann lasse sie fämpfen. Bei einem solchen Kampf fönnte er Zeit, und unterdessen konnte viel geschehen. schiedete sich vor dem Hause von ihnen. ,, Es wird nicht lange dauern, bis ich in den nicht. Sie wird mehr für dich sein als Geld und Zeitungen über dich lese, Pat, mein Junge. Ich Ruhm. würde dich am liebsten begleiten, aber ich glaube doch, es ist am besten für dich, wenn ich bis ans Ende meiner Tage hier in den Bergen bleibe." Und dann zog der Alte den Manager beiseite und wandte sich in fast drohendem Ton an ihn: ,, Vergessen Sie nicht, was ich Ihnen immer wieder gesagt habe. Der Junge hat ein reines und ehrliches Herz. Er weiß nichts von den Schiebungen beim Sport. Davon hab ich ihm nie was erzählt, will ich Ihnen sagen. Er kennt den Schwindel nicht. Er kennt nur die Tapferkeit, die Aber zuerst mußt du deiner Sache sicher ſein, ganz sicher, und wenn du das bist, dann lasse sie nicht wieder aus den Fingern. Halte sie fest mit beiden Händen und laß nicht locker. Halt fie fest, und wenn die Welt zusammenstürzt. Pat, mein Junge, eine gute Frau ist... nun eben eine gute Frau. Das ist mein erstes Wort und mein leztes." III. nichts verdienen. Außerdem verdient er jetzt gerade dreitausend wöchentlich an einem Varieté. Glauben Sie, darauf würde er verzichten, um mit einem Mann zu kämpfen, den kein Mensch tenni? Zuerst müssen Sie mal was geleistet haben. eine Refordliste aufweisen. Sie müssen mit den fleinen lokalen Größen anfangen, die die weitere Oeffentlichkeit nicht kennt, Vogelscheuchen wie Klempner- Collins, Kittchen- Kelly und dem Fliegenden Holländer. Wenn Sie die erledigt haben, dann stehen Sie erst auf der untersten Sprosse der Leiter. Aber dann werden Sie auch steigen wie ein Luft„ Ich will mit den dreien hintereinander im Als Pat sich in der Gegend herumzutreiben begann und unaufhörlich Gedichtbücher und Romane las, die er sich aus einer öffentlichen Bibliothet holte, schickte Stubener ihn auf eine Ranch auf der anderen Seite der Bucht, wo er unter Aufsicht Spider Walshs leben sollte. Aber nach einer Woche kam Spider und erklärte, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Sein Bögling war von morgens bis abends verschwunden, war über alle Berge, angelte Forellen in den Gebirgsbächen, schoß Wachteln und Kaninchen und schoß den einsamen Rehbock, der Dußenden bon Jägern, die es auf ihn abgesehen hatten, entgangen war. Spider saß faul herum und wurde did, Kaum waren sie in San Franzisko, so beRomantik und den Ruhm des Kämpfers, denn gannen auch schon die Schwierigkeiten für Sam ich hab ihm tausend Geschichten von den alten Stubener. Nicht, daß der junge Bat unfreund- ballon." Helden des Rings erzählt, obgleich das, weiß lich oder träge gewesen wäre, wie sein Vater ge= Gott, wenig genug geholfen hat, ihn zu begeistern. fürchtet hatte. Im Gegenteil, er war unfagbar felben Ring antreten", sagte Bat. Arrangieren während sein 3ögling gut in Form blieb. Mann, Mann, ich sage Ihnen, ich habe die milde und sanft. Aber er hatte Heimweh nach Sie die Sache nur." Sportberichte aus den Zeitungen ausgeschnitten, seinen geliebten Bergen, und dann stieß die Stadt| Stubener lachte. ( Fortsetzung folgt.). Nr. 111 Dienstag. 12. Mai 1836 Seite 3 Judetendeutsdier Zeitspiele# Eine Entführung aus Freiwaldau? Der Handelsreisende Hugo Hkebik aus Zuckmantel kam am 4. Mai nach Freiwaldau. Dort gesellten sich ihm in einer Restauration fünf Leute, und zwar Rudolf Schieber, Karl Hauke, Arnold Schmidt, Rudolf Werner und die Brünner Bartänzerin Margarethe P o l- z e r. Sie machten den Hrebnik betrunken und luden ihn dann zu einer Autofahrt ein. Das Auto gehört einem gewissen Werner. Die Gesellschaft kehrte nicht mehr nach Freiwaldau zurück, auch Hrebik blieb aus. Tschechische Blätter behaupten, daß ernachDeutschlandentführt worden sei. Das Auto habe jenseits der Grenze gehalten, wo uniformierte SA-Leute den Hrebik in Empfang genommen haben. Hrebik sei in Reitze den reichsdeutschen Behörden übergeben worden. — Eine Bestätigung dieser Nachricht war bisher noch nicht zu erreichen. Jedenfalls ist die Behauptung tschechischer Blätter unrichtig, datz es sich bei Hkebik Um einen Sozialdemokraten handle. Die Sicherheitsbehörden sind fieberhaft mit der Aufklärung des Falles beschäftigt. ES wird behauptet, datz die fünf Leute, die in der Gesellschaft des Hkebik gesehen wurden, der SdP angehören. Ins. W. Weber fliest aus der „Volksgemeinschaft“ Die Hauptleitung der SdP hat den Großindustriellen Jing. W. Weber in Schluckenau aus der Partei ausgeschlossen. Der Ausschluß des Mannes, der als Landesvertreter der SdP immerhin eine hohe Funktion bekleidet, erregt allgemeines Aufsehen weit über das Schluckenauer Gebiet hinaus. Der Grund für den Ausschluß soll in einem Brief Webers an die Hauptleitung der SdP zu sehen sein. Weber will sich angeblich erst dann zu dem Ausschluß äußern, wenn ihm die näheren Gründe mitgeteilt worden sind. Man kann gespannt sein, was da wieder ans Tageslicht kommen wird! Gestapoagenten in Prag Prag. Die Polizeikorrespondenz meldet: Zu den Nachrichten, die in der Tagespresse betreffend Agenten der„Gestapo" erschienen sind, wird mitgeteilt, datz in Prag der 28jährige Tischler Rudolf K o s s e k aus Gietzhübel im Adlergebirge verhaftet, worden ist, chei dem bei.der Anhaltung eine größere Menge nichtentwickelter Filmpacks vorgefunden wurde. Die Filme wurden entwickelt und es wurde festgestellt, datz es sich um photographische Aufnahmen derKartothek des Emigran- ten-Hilfskomitees in Prag II. handelt. Im Zusammenhang damit wurde weiters in Prag verhaftet Peter Ochmann, 48 Jahre alt, der als Portier in dem erwähnten Komitee beschäftigt war. Durch die Untersuchung wurde festgestellt, daß Koffek in Verbindung mit einem Agenten stand, der unter dem Namen„Held" auftrat und von ihm daS Material übernahm. Er führte es an die Grenze, wo er es übergab. Dieser Held erhielt von Ochsmann die Kartothek zum Photographieren immer für eineNacht, so datz diese Kartothek bereits früh wieder am richtigen Ort war. Ochmann und Kossek wurden in Gerichtshaft eingeliefert. Die Untersuchung und insbesondere die Nachforschung nach jenem Held wird fortgesetzt. ♦ Zu dieser Meldung der Polizeikorrespondenz sei nur bemerkt, datz ebenso die Flüchtlingsfürsorge in Prag II, wie die S. P mit Ochmann nicht das geringste zu tun hatte und mit ihm in keinerlei Verbindung stand. Der„Prager Mittag" wutzte gestern zu berichten, datz es Ochmann, gegen den bereits früher Verdachtsmomente aufgetaucht seien, gelungen sei. Vie Truppe 36 und ihre sozialistische Kulturmission im sudetendeutschen Gebiet Wir haben über das kabarettistisch-satirische Programm des Kollektivs„Truppe 36", das zur Zeit das sudetendeutsche Gebiet bereist, bereits berichtet. Zu diesem Thema ist noch einiges zu sagen. Kritische Analyse, rein künstlerische Wertung dieser zweifellos auf hohem, ja höchstem Niveau stehenden sozialistischen Schauspielertruppe, die sich mit ehrlicher Leidenschaft und starker Begabung bemüht, die Massen des Sudetendeutschtums kulturell zu beeinflussen und aktivieren, genügt nicht. Man mutz auch etwa- über den immensen Wert einer solchen Bühne sägen. Diese Schauspieler schwimmen, unter.Einsatz ihrer Persönlichkeit, gegen den augenblicklichen Strom und während sich die ängstlichen Mimen distanzieren, um ja nicht den Anschluß(an Henlein usw.) zu versäumen, haben die 15 Menschen. die sich um den 31jährigen Basa Hoch- m a n n geschart haben, sich bewußt und demonstrativ zur Sache der Freiheit und der Menschlichkeit bekannt. Charakter findet man nicht allzuhäufig, Talent noch weit seltener, aber Talent und Charakter in einer Front sind ein Aktivum, das man gar nicht hoch genug einschätzen kann! DaS Programm der„TrutzAe 26" ist eindeu- diesen Verdacht zu zerstreuen, indem er sich auf die Empfehlung„eines führenden Politikers aus dem jungaktivisti- s ch e n Lager" berufenhabe. Wir stellen- hiezu kategorisch fest, daß diese Darstellung vollkommen aus der Luft gegriffen ist und daß kein sozialdemokratischer Politiker in diesem Sinne für Ochmann interveniert hat. Pfingsten— ein Pflichtwandertag für alle Falkengruppen Nach dem Jahresarbeitsplan sollen zu Pfingsten alle Falkengruppen wandern und damit verbunden große Falkenkapellen durchführen. Die Falkengruppen der Gaue Aussig, Bodenbach, Teplitz und Reichenberg haben sich als Wanderziel Bodenbach gewählt und werden im Rahmen des Jugendtages ein großes Zeltlager aufschlagen. Nach den bisherigen Meldungen ist mit einer Mindestbeteiligung von 800 Jung- und Rotsalken zu rechnen. 200 Falken des Gaues Trautenau wandern zu Pfingsten nach Schatzlar zu einem großen Falkentreffen. Die Falkengruppen der Bezirke Karlsbad, Eibogen und Neudek treffen sich zu P f i n g st e n in Neudek zu einem großen Appell. Im Gau Jägerndorf sind Hennersdorf, Spachen darf und Neuti t s ch e i n als Treffpunkte für die Falkengruppen ausersehen. Auch in den übrigen Gauen rüsten bereits jetzt alle Jung- und Rotfalkengruppen zu ihren Pfingstwanderungen. Tausende Arbeiterüuben- und Mädeln werden so ihre Pfingstferi'en in der Geineinschaft'unserer Flllketi- gruppen verbringen. Neben diesen grotzest Wanderungen der Jung- und Rotfalken, bereiten die Ortsgruppen auch kleinere Wanderungen für unsere Nestfalken vor. Die Parole lautet: kein Falke bleibt zu Pfingsten zu Hause. Erfolgreiche Betriebsausschußwahlen In Schönllnde und Wolfsberg Am 6. Mai 1936 sollten in dem Betriebe der Firma I. H. Vatter, Wirkwarenfabrik in S ch ö n l i n d e, die Betriebsausschutzwahlen stattfinden. Trotz den Bemühungen eines maßgebenden Beamten in diesem Betriebe war es der Deutschen Arbeiter-Gewerkschaft nicht möglich, eine Kandidatenliste zu dieser Wahl zu überreichen. Es war nur eine Liste, die der Union der Textilarbeiter eingebracht worden. Es entfiel daher die Wahl und gilt die Liste der Union als gewählt. Im Betriebe der Firma Joh. Ritsche jun., Wirkwarenfabrik in Wolfsberg, fand am 8. Mai die Betriebsausschutzwahl statt. Dort kandidierte neben der Union derTextilar- beiter auch die DAG. Wahlberechtigt waren 149 Arbeiter, 141 Stünmen wurden abgegeben. tig, ist, alles in allem, künstlerisch werwoll, wichtig und wegweisend, es ist sauber, politisch kompromißlos und gekonnt. Das muß in einem Zeitpunkt, da ein Teil der sudetendeutschen Theater offen für Henleins Kulturprogramm votiert, besonders hervorgehoben werden. Das Theaterleben im sudetendeutschen Gebiet leidet unter-dem mittelbaren und auch unmittelbaren Truck von Faktoren, die von Kunst und Theater nichts, von Propaganda im Goebbels-Stil jedoch sehr viel verstehen. Soweit die Theater nicht kapituliert haben, stolpern sie von einem Kompromiß zum anderen, Bekenntnisse werden ängstlich vermieden und die entschiedenste Farbe, die die meisten Theaterdirektoren zeigen, ist die der Farblosigkeit. Darum ist es eine Pflicht aller Funktionäre unserer Bewegung, der Truppe Vasa Hochmanns überall Bahy zu brechen und organisatorisch das Menschenmögliche dazu beizutragen, daß die Arbeit des Kollektivs hie kulturelle und politische Resonanz findet, die sie verient. Die tschechische Linke hat, neben so manchen änderen, ihren Burian, ihre Boskovec und Wer ich..... Die deutsche Linke hat kaum mehr als diese werwolle, lebendige und aufgeschlossene Truppe. Stellen wir uns hinter ihre Arbeit! Wir stehen damit im Kampf für unsere eigenen Ideen! Pierre. eine Stimme war ungültig, die Wahlzahl betrug 25. Es erhielten: die Union 90 Stimmen» 3 Mandate, 15 Reststimmen; die DAG 50 Stimmen, 2 Mandate, keine Reststimmen. Vie Kote Spielschar der sozialistischen Jugend in Halda debütierte in einem Kabarettabend in Haida. In den grauen, durch Not und Krise fast unerträglich gewordenen Alltag der Haidaer Glasmachergegend brachte die von soviel jungem Geist und Temperament getragene Veranstaltung wirklich einen Zug frischer Freude, den die den Saal füllenden Arbeitsmenschen aus Haida und Umgebung gerne aufnahmen und mit dankbarem Beifall quittierten. Das Programm, das— auch hinsichtlich der meisten Texte— an Ort und Stelle unter Mitwirkung älterer Genossen entstand, und das die fast durchwegs aus ganz jungen Leuten bestehende Spielschar mit einer Begeisterung auf die Bühne pfefferte, die man bei einer Erstaufführung gar nicht erwartet hätte, war sehr geschickt zusammengestellt und stand auf beträchtlicher geistiger Höhe. Ernst und heiter, in Songs und Bänkelsängerweisen, in kurzen Theaterszenen, Sprechchören und Liedern griff die Spielschar an und wo sie hingriff, dort hatte sie die Feinde der Arbeiter, die verlogenen Reaktionäre aller Sorten, richtig beim Genick und ließ sie unter dem hellen Gelächter des Publikums zappeln. Man mühte den Obergützen der neuen deutschen Rebbich-Weltanschauung, denen aus Berlin und denen aus Asch, das Kabarett Vorspielen können, auf daß sie die wirkliche Volksstimung hörten, die in Haida viel besser zum Ausdrück kam als auf allen gewaltsam zustandegebrachten Maikundgebungen der SdP. Es fällt einem schwer zu sagen, was am besten gefallen hat: Soll man den nach einer Dreigroschen-Melodie von Weil gesungenen„Krisensong" erwähnen oder das deutsche Miesmacher-Potpourri, das von zwei Babys im Kinderwagen gesungen wird.„Hier stinkts doch so"— sagt das eine Baby,—„hast du vielleicht...?"—„Aber erlaube mal",— darauf das andere;„Ich bin schon stubenrein. Aber bedenke, du bist doch in Deutschland!!" Oder soll man den an Schärfe kaum übertrefflichen Szenen den Vorrang geben, die den TiteH„So macht Hitler Wahlen" führten, oder doch lieber der glänzenden Schietzbudenszene oder den„Spie- ßertypen der Gegenwart"? Mit einem Wort: man weiß nicht, was man bevorzugen soll, es war alles köstlich. Aus,.dey ernsten Programmnummern - wollen,-f wir aber-'ganz besonders da» Lied aus dem-deutschen Konzentrationslager Börgermoor«Die Moorsoldaten" hervorheben.— Die Haidaer sozialistische Jugend' kann diesen Abend als einen vollen Erfolg ihrer Arbeit buchen. Im übrigen teilt der Sozialistische Jugend- verband mit, daß-auch die Haidaer Dpielschar am Nach den letzten Nachrichten aus Paris scheint es festzustrhen, daß ein Kabinett Leon Blum schon in den nächsten Tagen in den Grundzügen, sowohl was die Personen, als auch was das Programm betrifft, fertig sein wird. Die Radikalen haben sich zur Teilnahme an der Regierung bereit erklärt, doch wird allgemein angenommen, daß sie nur Leute ihres linken Flügels in das Kabinett entsenden werden. Es kommen da vor allem Dalladier, Delbos, Cot und auch S a r r a u t inBetracht. Blum selbst würde neben dem Präsidium das Auswärtige übernehmen. Innenminister soll der Sozialist Salengro werden, die Finanzen würde wahrscheinlich Vincent Au ri o l übernehmen. Die Radikalen fordern mehr als die sechs Portefeuilles, die man ihnen angeboten hat, da sie sich darauf berufen, daß sie ja im Senat die stärkste Fraktion seien. Die Kommunisten haben in einem Telegramm an den„Kleinen Kongreß" ihre Bereitschaft erklärt, die Regierung zu unterstützen, zugleich aber versichern sie, daß sie nicht gewillt find, an ihr teilzunehmen. Das wird die Stellung des Kabinettes natürlich erschweren und läßt den Termin seines Sturzes beinahe vorausbrrechnen. Dir Kommunisten— unter denen Ca ch in für den Eintritt gewesen sein soll, T h o r e z dagegen— übernehmen damit eine schwere Verantwortung vor Frankreich und vor Europa! In dem gleichen Telegramm bietet die KPF. allerdings Verhandlungen über die Bildung einer einheitlichenArbeiterparteian» was einen Fortschritt bedeutet, da die Kommunisten im Vorjahr noch die Einladungen der Sozialisten, über den Zusammenschluß zu verhandeln, mit dem Hinweis darauf abgelehnt hatten, daß ihnen die Einheitsfr o n t genüge und sie keine Einheitsp arte! wollten. Auf der Rechten und in der Mitte zeigt man fich gewillt, dem Kabinett der Volksfront Fair play zu gewähren und, nachdem fich Blum gegen die Abwertung des Franc ausgesprochen hat, find die Kontermine» der Börse zunächst eingestellt Mussolinis Friedensengel Programm des Reichsjugendtages in Bodenbach mitwirken und am Pfingstsonntag nachmittags die Burleske„Freude ist unser Motor" am Festplatz aufführen wird. F. Sch. Gen. Dr. Czech In Bllin Am Samstag, den 9. Mai, veranstalteten die deutschen und tschechischen Sozialdemokraten auf dem Biliner Marktplatz eine große Wahlkund- gebunz, die ihr besonderes Gepräge durch die Teilnahme einiger uniformierter Abteilungen unserer Republikanischen Wehr erhielt. Minister Doktor Czech wurde bei seinem Erscheinen stürmisch begrüßt. Er und Genosse S v e r crk sprachen tschechisch und deutsch zu den Massen, die trotz des strömenden Regens aushielten. Ihre Ausführungen fanden lebhaftesten Widerhall. Genosse Pichl konnte mit einigen markanten Schlußworten diesen letzten Wahlappell in der Ueberzeugung schließen, datz unsere Kaders ungebeugt stehen und am Wahltag ihre Treue zur Sozialdemokratie bekunden werden. .-, Arbeitslager in Neu-Lhlisch,. Tas Arbeitslager des Bezirkes Tetschen in Neu-Ohlisch wurde am 6. Mai mit 50 Teilnehmern eröffnet. Davon sind 25 aus dem Gerichtsbezirke Tetschen, zehn aus dem Gerichtsbezirke Bensen und 15 aus dem Gerichtsbezirke B.-Kamnitz. worden. Eifrig diskutiert man die Frage, welches Währungs- und Wirtschaftssystem die neue Regierung wählen und ob fie fich an das Vorbild Roosevelts, de Mans(van Zeelands) oder an das englische Beispiel halten werde. Per„Kleine Kongreß“ der Sozialisten Paris. Der Nationalrat. der sozialistischen Partei, bzw. der„Kleine Kongreß", der Sonntag in Paris tagte, setzt sich aus je einem betrauten Delegierten jeder der 90 Kreisorganisationen der Partei zusammen und hat eine große Vollmacht. Bor dem außerordentlichen Kongreß der sozialistischen Partei, der für den 30. Mai einberufen ist, hat er das Recht; die Programmlinien der Partei festzusetzen und dem Exekutivausschutz die gültige Ermächtigung zu erteilen. Alle Hauptredner der sozialistischen Partei vom rechten Flügel bis zum linken stimmten darin überein, datz die sozial! st ischePar« tei dieRegierungsverantwor» tung auf sich nehme. Abends nahm der Nationalrat einmütig eine Resolution an, in der es heißt, daß der Sieg der Sozialisten bei den Kammerwahlen für die sozialistische Partei eine neue Situation geschaffen hat. Die Sozialisten sind die zahlenmäßig stärkste Kammergruppe, es gebührt ihnen somit die Mission, die Regierung zu bilden. Die sozialistische Partei will sich dieser Mission nicht entschlagen, sie erklärt vielmehr, datz sie alle Verantwortung erfüllen und auf sich nehmen wird. Alle Gruppen und Parteien der Linksfront werden ersucht, mit den Sozialisten in die Regierung einzutreten. Wenn einige von ihnen ablehnen sollten, an der Regierung teilzunehmen, so werden die Sozialisten die Regierung selbst bilden, eine vollkommen sozialistische Regierung, ansonsten, mit den erwähnten Gruppen. Tvr Nationalrat erteilt. dem Exekutivausschuß und dem engeren Parteipräsidium und ebenso dem Vorsitzenden des Kammerklubs Leon Blum die Vollmacht zu allen Anregungen, die in der Resolution und in den Hauptkundgebungen der Kongretzverhandlungen niedergelegt wurden. Kabinett Blum in Sicht Kommunisten fliehen vor der Verantwortung Seite 4 DienStag, 12. Mai 1936 Nr. 111 Azaria zum Präsidenten gewählt Madrid. Der bisherige linksrepublikanische Ministerpräsident Emanuel A z a ti a ist am Sonntag von der Nationalversammlung zUm Präsidenten der Republik gewählt worden und hat am Montag vor den Cortes den Eid auf die Republik und die Verfassung abgelegt. Nach der Wahl legte Azana zunächst den Vorsitz der Regierung nieder und überreichte dem interimistischen Staatspräsidenten B a r r i o die Gesamtdemission des Kabinetts. Mit der Neubildung der Regierung wurde Außenminister G a r- c i a betraut, der das Kabinett in der bisherigen Zusammensetzung beiüehiclt. Nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten überreichte Garcia sofort wieder die Demission. Die Besprechungen über die Kabinettsneubildung beginnen Dienstag, lieber die Person des neuen Ministerpräsidenten ist noch nichts Sicheres bekannt. Es wird angenommen, daß er der Partei der republikanischen Linken entnommen werden wird, die unter den republikanischen Parteien die stärkste Kammerfraktion besitzt. Die Wirkung der Sanktionen Genf. Das Völkerbundsekretäriat veröffentlicht eine ausführliche Statistik über die Wirkungen der Sanktionen gegen Italien. Die Statistik basiert auf den Daten aus 52 Staaten und umfaßt 95 Prozent der Ausfuhr und 93 Prozent der Einfuhr Italiens. Es geht daraus hervor, daß die Sanktionen eine immeuschär- sere Wirkung auf Italien ausüben. Der italienische Export betrug im Jänner 1936 nur noch 9.9 Millionen Golddollars gegenüber 19.2 Millionen im Jänner 1,935; der Import verringerte sich innerhalb dieses Jahres von'25.2 auf 14.8 Millionen Golddollars. Im Feber gingen diese Ziffern noch weiter zurück und die Daten für den März zeigen gar, daß die italienische Ausfuhr auf ein S e ch st e l des Vorjahres, die Einfuhr etwa auf d i e H L l f t e zurückgegangen ist. * London. In Beantwortung einer Anfrage im Unterhaus erklärte Ministerpräsident Baldwin, daß die Frage über die weitere Stellung des abessinischen Kaisers Haile Selassie sehr weit- g e st e ckt sei und daher eingehend würde geprüft werden müssen. vle Schwindelwahlen In Vorarlberg In seiner Rundfunkrede am 1. Mai hat Schuschnigg bie’Bauernratswahleu. in Vorarlberg als den ersten Schritt zur Durchführung „freier Wahlen" in den östcrreichischen„Ständen" gerühmt. Er erwähnte dabei, daß 80 Prozent der Wahlberechtigten in Vorarlberg für die offiziellen Kandidaten gestimmt hätten und stellte dies als einen großen Erfolg der Regierung hin. Wie sieht dieser Erfolg aus? Wahlberechtigt waren überhanpt nur die Mitglieder des klerikalen Bauernbundes: wer ihm nicht angehört, durfte nicht wählen. Gegen die Aufnahme in den Bauernbund hat die Vaterländische Front ein Einspruchsrecht; wer ihr nicht als politisch zuverlässig erscheint, wurde aus dem Bauernbund ausgeschlossen und damit seines Wahlrechts beraubt. In der Kurie der Landarbeiter durften überhaupt nur 1190 Landarbeiter wählen; die überwiegende Mehrheit der Landarbeiterschaft war von der Zugehörigkeit zum Bauernbund und damit auch vom Wahlrecht ausgeschlossen. Es gab nur offizielle Kandidaten; keine Organisation durfte Gegenkandidaten. aufstellen und keine gegen die offiziellen Kandidaten eine Agitation betreiben. Nnd trotz alledem habe-20 Prozent der Wähler, der von der Vaterländischen Front gesiebten Wähler gegen die offiziellen Kandidaten gestimmt! Das heißt:' selbst unter den wohlgesiebtcn bäuerlichen Mitgliedern der Vaterländischen Front und des klerikalen Bauernbundes haben 20 Prozent gegen die Vaterländischen demonstriert! Das sollen „freie Wahlen" und das soll ein Erfolg der Regierung sein? Oswald Spengler Der e eben verstorbene deutsche Kulturphilosoph, mit dessen Tod das System auffallend wenig Aufhebens macht, obwohl Spengler zu den Vätern des älteren— konservativen— Nationalsozialismus gehört. Hochwasser wütet in USA Am Columbia-River in den Vereinigten Staaten wütete ein besonders schweres Hochwasser.' Ein im Bau befindlicher Staudamm, der unter den größten Schwierigkeiten errichtet wurde,, ist von den Fluten fast völlig zerstört worden. Nur die Brücke steht noch, während die Unterbauten sämtlich weggerissen wurden. Die Wölfin macht Toilette Mussolini hat das neue Imperium Roma- num verkündet. Ein sinniger, wenn auch fürs erste noch ein wenig größenwahnsinniger Vergleich. Das Wappenbild des alten Rom war die Lupa, die Wölfin. Dieses gefräßige Tier hat im Laufe der Jahrhunderte alle Länder des damals überhaupt vom Mittelmeer aus zu durchdringenden Erdkreises verschlungen, bis sie schließlich an einer Art Indigestion, an der Unmöglichkeit, alles ui verdauen, was sie da geschluckt hatte, zugrundeging. Das Italien des Gistgaskrieges in Afrika, das Italien des vielfachen Vertragsbruches, der brutalen Gewaltpolitik,'mit der römischen Wöl- fin zu vergleichen, ist also kein schlechter Einfall, so wenig dem kleinen, alten Herrn, für den schon die Königskrone und der Tschako ein wenig bombastische Kopfbedeckungen waren, das Diadem des Augustus und des Tarajn zu Gesicht stehen wird, das Mussolini ihm aufgesetzt hat. Aber es wäre tfut, wenn auch die anderen Nationen nun immer daran dächten, daß Mussolini ein Imperium geschaffen und damit den Höch st en Macht anspruch angemeldet hat. Er versichert zwar zugleich durch seine Diplomaten, daß Rom saturiert, daß also die Wölfin sattgefressen sei. Aber aus wie lange wohl? In seiner Rede vom Samstag sagt der Duce doch auch, daß mit der Erwerbung Abessiniens e i n e„Pforteauf- g e r i s s e n" sei, das Tor zum Imperium. Es ist also nur ein Anfang. Und das darf man glauben. Sobald die Wölfin den großen Bissen der- baut haben wird, kann man einen neuen Raubzug erwarten. Wenn sie unterdessen ein wenig das Lammfell anzieht und friedliche Sinne vortäuscht, wenn sie für G e n f T o i l e t t e macht und sich den Opfern von morgen und übermorgen als sattes und harmloses Tierchen vorstellt, so gehört das ganz zum Programm. Wer sich täuschen läßt, reiht sich selbst in die Reihe der Schafe ein, die zu dumm sind, den Wolf unter dem Schafspelz zu erkennen und dke darum von ihm gefressen werden. Es gibt eine Reihe Mutterschafe, die feiste Lämmer aust der Weide haben, auf der Mussolinis Lupa demnächst jagen wird: Tunis, Korsika, Aegypten, Palästina, Arabien, Dalmatien... Nächtliche Schießerei in einer Pfarre. In der Nacht auf Samstag vernahmen Einwohner des Dorfes Borkä bei Rosenau in der Slowakei Schüsse aus der Pfarre. Als sie in die Wohnung des Pfarrers eindrangen, fanden sie ihn mit einem Revolver in der Hand vor der Haushälterin stehen, die mit einem Schuß im Bein auf dem Boden lag. Der Pfarrer, der angetrunken war, i wurde von der Gendarmerie abgeführt. Weder er noch die verletzte Frau konnten die Vorfälle erklären. Der Oberkommandicrendc der kubanischen Marine, Major Gonzales, wurde das Opfer eines Attentats. Gonzales erhielt mit der Post ein Paket» das in seinen Händen explodierte, als er es öffnete. Es handelt sich um ein Attentat seiner politischen Gegner. Schlacht mit Räubern. In der Nacht auf Montag stießen Rcgierüngsiruppen im Distrikt Caracol im Staate Jaliseo mit einer großen Banditenbande zusammen. Dabei wurden 13 Aufrührer getötet. Die Regierungstruppen hatten acht Verletzte" darunter einen Offizier. Eisenbahnermäßigung für Arbeiterurlauber. Die Arbeiterorganisationen haben sich an das Eisenbahnministerium mit dem Ersuchen gewendet, Arbeitern und ihren Familienangehörigen für Sommerurlaubsreisen Fahrpreisermäßigungen zu gewähren. Das Gesuch wird vornehmlich damit begründet, daß die Arbeiter ihre kurzen Sommerurlaube durchwegs im Inland verbringen. Die durch die gewünschte Fahrpreisermäßigung erzielbare Belebung des Reiseverkehrs käme daher ausschließlich den inländischen Sommerfrischen zugute.(DND.) Bei einer Torpedo-Explosion im Arsenal von Kobe(Japan) wurde ein Zivilarbeiter getötet. Fünf Zivilarbeiter wurden schwer verletzt. Die Arbeiter waren mit dem Löschen eines Frachtdampfers beschäftigt. Tollwütige Wölfe in Bulgarien. In der Umgebung einiger Gemeinden bei Burgas am Schwarzen Meer sind üxej tollwütige Wölfe aufgetaucht, die sich bis mitten in die Dörfer wagen und unter dem Viehbestand großen Schaden anrichten. In einer Gemeinde fielen ihnen an einem Tage 20 Schweine und 40 Schafe zum Opfer. Als einer der Wölfe am hcllichten Tage in der Gemeinde Obzor erschien, eröffneten die Bauern das Feuer. Als sie dem Wolf hierauf den Todesstoß versetzen wollten, brachte dieser drei Bauet» gefährliche Bißwunden bei, so daß sie schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden mutzten. Sowjetfahne auf dem Obersten Gericht. Wie dem„Daily Herald" aus Washington berichtet wird, ereignete es sich dieser Tage, daß plötzlich in der Illor« genfrische auf dem 27 Meier hohen Flaggenmast des Daches des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten eine riesige rote Fahne mit Hammer und Sichel lustig im Winde flatterte. Die Polizei bemühte sich vergeblich, zu ihr vorzudringen, da die Strickleiter absichtlich verdreht und verwickelt worden war. Erst die Feuerwehr konnte in stundenlanger Arbeit das Aergernis beseitigen, das um so größer gewesen sein must als ja dieser höchste Gerichtshof die Sozialgesetzgebung Roosevelts kassiert hat.(bn.) Blutige Wahnsinnstat. In Pabjanice bei Lodz tötete der eben nach einem mehrmonatigen Aufenthalt aus einem Tuberkulosenheim entlassene 25jährige Privatbeamte Rosentrctcr die Kaufmannsgattin Maryc und deren zwei Töchter im Alter von 25 und 14 Jahren durch mehrere Revolverschüsse. Rosentrctcr verbarrikadierte sich sodann in seiner Wohnung und eröffnete gegen die Polizei das Feuer. Er hatte drei Revolver und mehr als 100 Patronen bei sich. Die Polizei sah sich gezwungen, Tränengasbomben durch das Fenster der Wohnung zu schleudern. Rosentreter steckte daraufhin die Wohming in Brand und fand in den Flammen den Tod. Das ganze Wohnhaus ist abgebrannt. 60 Jahre Kerker! Das Gericht in Tacoma im Staate Washington verurteilte den Gangster William Mahan, der in die Entführung des neunjährigen Erben des Millionenvermögens Georg Weyer- Hausers mitverwickelt ist, zu 60 Jahren Kerker. Mahan forderte ftir die Rückstellung des entführten Kindes von der Familie 200.000 Dollar Lösegeld. Mahan wurde am vergangenen Donnerstag in San Francisco verhaftet und sofort verurteilt. Das Gericht will sichtlich den Beweis des energischen Strebens»ach Säuberung des Landes von den Gangstern liefern. Die höchste Fahnenstange der Welt. Seit drei Jahrzehnten wird am Belgrader Parlamentsgebäude gearbeitet, cs ist aber. noch immer nicht vollendet. Man hofft indes, es in absehbarer Zeit fersigzustellen. Die Krönung des Baues soll möglichst würdig sein, und man will sich mit einer Kuppel nicht begnügen. Vielmehr ist der Plan aufgebaut, in die Kuppel einen Mechanismus einzu- Ziehuns der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der Montag-Ziehung der V. Klasse der 24. tschechoslowakischen Kiasscnwttcrie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: Kc 60.000 das Los Nr. 23145. Ke 20.000 die Lose Nr. 44442 102610 60770. K6 10.000 die Lose Nr. 1781 24155 49250 54369 99905. Kc 5000 die Lose 5156 14265 16583 18170 20248 25527 25933 28794 34362 34608 35102 35906 36642 46172 49718 49719 56971 59815 62513 65374 86837 87702 89224 90959 93377 95908 100142 104249 110491 Kß 2000 die Lose Nr. 1304 3633 4208 6780 12771 16302 16971 17799 18344 18371 18669 20145 \ 20793 21797 23049 26936 28081 29591 30890 33062 33941 34929 36240 36279 38515 41008 43171 43754 | 44061 44525 46974 49953 50599 50971 51547 53553 54193 59764 63170 65096 67922 68085 70189 70299 75629 77508 77940 80502 81484 82513 82705 84909 85205 87547 90803 92158 94267 99879 10..71 101788 102593 102841 103883 105779 106583 107816. Die nächste Ziehung erfolgt am 14. Dlai, um 8 Uhr ftüh. Von 9 bis 9.35 wird der Schlußakt mit der Verlosung der Prämie von einer Million im Radio übertragen. bauen, der eine Fahnenstange in die Höhe schiebt. Diese soll nicht mehr und nicht weniger als 1000 Meter hoch werden. Nach dem Projekt soll die Fahne an der Spitze dieser kilometerlangen Stange nachts durch Scheinwerfer beleuchtet werden, so daß sie weithin sichtbar ist. Man muß sagen, daß dieser Plan nicht unbescheiden ist; er hat wahrhaft amerikanische Dimensionen, und sein Fehler liegt nur darin, daß die Errichtung dieser höchsten Fahnenstange der Welt rund 700.000 Dinar kosten würde. Und das Geld ist vorläufig noch nicht bewilligt. Rekordtag des sowjetrusstschen Eisenbahntransportes. Die„Leningradskaja Pravda" berichtet in ihrer Nummer vom 4. Mai, daß am 1. Mai die Eisenbahnen des Sowjetverbandes 111.274 Waggons verladen haben. Der Bericht verzeichnet diese Leistung als einen neuen und noch nicht dagewesenen Erfolg in her Geschichte des sowjetrussischen Eisenbahntransportes und vermerkt, daß am 1. Mai des Vorjahres nur 75.934 Waggons verladen worden sind. „Feinde Nr. 1". Die amerikanische Polizei hat Harry Campbell verhaftet, der nach dem vor einigen Tagen festgenommcnen Alvin Karpis zum„Public Enemh Rr. 1" erklärt worden war. Campbell ist der Polizei durch KarpiS verraten worden. Karpis hat damit Anspruch auf einige Tausend Dollars des auf Campbell» Festnahme ausgesetzten Preises erlangt. Nach Campbell wurde der Kidnapper William Mahan vom Chef des Untersuchungsdepartements der USA, Edgar Hoover, zum„Public Enemy Nr. 1"(Feind der"Allgemeinheit) erklärt.""Hoover"hat allerdings die von den Gangstern als Ehrung enipfundene — Bezeichnung in„Oeffentliche Ratte" umgeändert und die Zeitungen gebeten, von diesem neuen Namen Gebrauch zu machen. Mahan wurde wenige Stunden nach seiner„Beförderung" an-so prominente Stelle in San Francisco verhaftet und inzwischen verurteilt. Die amerikanische Polizei hat innerhalb zwei Wochen vier große Fänge getan: außer Karpis, Campbell und Mahan ist auch der Bandenführer Torrio, mit zehn seiner Komplicen, erwischt worden, einen Tag vor seiner Abreise nach Europa,(m. b.) Rekordflug mit Hindernissen. Kapitän Brock startete am Donnerstag, den 7. Mai, von Rom mit dem „Praga-Baby"-Flugzeug und landete bei Palermo in der verbotenen Zone. Er wurde von den italienischen Behörden angehalten, am nächsten Tag jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt, worauf er nach Tunis weiterflog. In Tunis startete er Sonntag früh, wurde jedoch, da er wahrscheinlich keine Bewilligung zum Ueberfliegen des Gebietes von Tripolis hattet am Sonntag bei der Landung in Tripolis neuerdings von den italienischen Behörden festgehalten. Er berichtete darüber telegraphisch nach London und teilte mit, er stehe in Verhandlungen über die Erteilung einer Bewilligung zum Weiterflug nach Aegypten. Flucht aus der Erziehungsanstalt. Sonntag abends sind aus der Landeserziehungsanstalt in Opatovice n. L. zwei Zöglinge enfflohen, und zwar der 16jährige Frantisek Kubrt aus Kukleny und Jiij Levinsky aus Nepolisy, Bezirk Nüvy Bydjov. Vor der Flucht brachen sie in die Wohnung des Buchhaltungsassistenten der Erziehungsanstalt Josef Slävik ein und entwendeten dort Juwelen und Geld in bisher unbekanntem Werte. Der derzeit abwesende Wohnungsinhaber ist noch nicht zurückgekehrt. Vom Rundfunk iBlhhlMmitw aut«tau ProamMMei Mittwoch Prag, Sender L.: 7.00 Salonorchester. 10.08 Deuffche Presse. 10.15 Deutscher Schulrundfunk für niedere Stufen. 10.35 Klaviersolo. 13.40 Deutscher Arbeitsmarkt. 16.55 Theater für die Jugend. 18.10 Deutsche Sendung: Sportbericht. 18.20 A rb.e i- terfunk: Else Schmid: Die Aufgabe der Frau in der Krise. 18.40 Sozialinformationen. 18.45 Deutsche Preffe. 20.05 Sinfoniekonzert.— Sender St.: 7.30 Salonorchesterkonzert. 14.15 Deutsche Sendung: Kinderstunde: Oberlehrer Scholz liest Märchen. 14.40 Schallplatten. 19.10 Liederkonzert. 19.40 Leichte Musik.— Brünn: 17.40 Deutsche Sendung: Volksmusik. 20.00 Salonquartett. 20.50 Rundfunkorchesterkonzert.— Preßbnrg: 16.10 Nachmittagskonzert. 22.30 Tanzmusik.— Kascha«: 12.35 Rundfunkorchesterkonzert. — Mähr.-Ostrai^l5.00 Konzert: Russische Musik, 18.00 SchrammeWnzert. Nr. 111 Dienstag, 12. Mai 1938 Seite 5 Ausland Balkan-Entente»nd albanische Frage. Airs der eben beendeten Konferenz der Balkan-Entente hat, Ivie man uns aus wohl informierter Quelle berichtet, die albanische Frage eine bedeutende Rolle gespielt. Laut dem Balkan-Pakt haben sich bekanntlich die Bundesmitglieder verpflichtet, den heutigen Besitzstand auf der Balkan-Halbinsel einander zu garantieren. Aber dieser Pakt wurde sti- nerzeit vom griechischen Parlament mit der Einschränkung ratifiziert, daß Griechenland nicht zur Hilfeleistung verpflichtet sein werde, wenn es dadurch mit einer Macht außerhalb der Balkan-Halbinsel in Konflikt geraten könne. Damit war deutlich auf den Fall eines jugoslawischalbanischen Konfliktes hingcwiesen, in dem Italien hinter Albanien stände. Mitte März ist aber in Genf durch den griechischen Vertreter MaximoS ein Protokoll unterschrieben worden, durch welches diese Einschränkung außer Kraft gesetzt wurde. Die Schwenkung Athens ist wahrscheinlich auf englischen Einfluß zurückzuführen. Auf der gegenwärtigen Konferenz ist nun diese Frage endgültig bereinigt worden: Griechenland hat jede Einschränkung fallen gelassen, obgleich einflußreiche griechische Kreise dagegen protestiert haben. Dieses Konferenzergebnis ist auf den Druck der jugoslawischen Regierung zurückzuführen, die gerade in der weiteren Einflußnahme Italiens an Albanien eine große Gefahr für sich sieht. Nach dem Balkan-Pakt in seiner letzten nunmehr gültigen Fassung sind alle Bundesmitglieder, also Rumänien, die Türkei und Griechenland, im Falle eines italienischen Einmarsches in Albanien verpflichtet, Jugoslawien zu helfen. „Klaffenkämpf von oben" Die letzte Aprilnummer der in Wien erscheinenden Wochenzeitschrift „Der christliche Ständestaat" schreibt in einem bezeichnenden, nicht signierten Artikel:.Das Wort vom„christlichen Staat" in Oesterreich verpflichtet. Kardinal Jnnitzer wird nicht müde, das immer und immer wieder zu wiederholen. Er ist die Stimme aller jener Katholiken— e8 find gewiß nicht die Schlechtesten—, denen es angesichts mancher Dinge in diesem Staat angst und bange wird um die Rückwirkungen auf ihr« Kirche und ihren Glauben. Voll Sorge fragen fie sich, warum vieles nicht geschieht, was geschehen müßt«, um diesem großen und heiligen Programm zum Durchbruch zu verhelfen, und warum viele- nicht unterbunden wird, was unterbunden werden müßt«, wenn es ernst werden soll mit diesem„christlichen Staat". ES fehlt immer noch die große katholische Kulturinitiative und die große katholische Sozialreform. Man kann sich nicht auf„Gott, von dem alles Recht ausgeht" berufen und dann alles beim alten lassen. Insbesondere der f or t dau t rnde.Klass«nkamp s von oben" ist.geeignet, dar Wort christlich schwer zu kompromittieren. Die Gefahr des Mißbrauch- ist«ine größere Gefahr alber offene Kampf. Der.Klaffenkampf von unten" ist gebrochen: wenn nun der nicht minder unverantwortliche.Klaffenkampf von oben" andauert, ,so lauft nicht nur der Staat Gefahr, sondern die Kirche, die jene Prinzipien vertritt, auf die er sich berufen hat. ES ist begreiflich, wenn gute Katholiken voller Sorge«ine solche Entwicklung der Dinge betrachten, aber es. wäre«in verhängnisvoller geistiger Kurzschluß zu meinen, man könne dieser Gefahr durch «in Desintereffement der Kirche am Staat und eine Distanzierung vom Regime begegnen. Eine solche Distanzierung ist nicht mehr möglich. Also bleibt nur der Weg verstärkter Anteilnahme der Katholiken am Aufbau eines Staatswesens, für dar ihnen, ob sie wollen oder nicht, die Verantwortung zugeschoben werden wird. Ein verärgerte- Beiseiteschieben ist vielleicht psychologisch verständlich, aber e- ist sachlich unerlaubt und unmöglich." und äosiaLpoktik Wendepunkt auch bei den Löhnen? Das Odborove sdruzeni. veröffentlicht auf Grund der Angaben des Zentralversicherungsamtes über den Stand der Krankenversicherung einige graphische Darstellungent über die Entwicklung der täglichen Lohnsumm? und des täglichen Durchschnittslohns. Es sei ausdrücklich bemerkt^ daß die folgenden Zahlen sich nur auf die A r b e i t e r, nicht auf die Angestellten beziehen, für die die Zahlen der Pension sversicherung maßgebend sind: Die tägliche Lohnsumme betrug im August 1929 August 193V August 1931 August 1932 August 1933 August 1934 August 1938 Feber 1935 Feber 1936 Man wird bei dem 52,000.000 KL 49,000.000 KL 47,000.000 KL 39,500.00V KL 34,000.000 KL 32,000.000 KL 33,500.000 KL u. im 26,000.000 KL 27,800.000 KL Unterschied zwischen den Feber-, und den Augustzahlen selbstverständlich berücksichtigen müssen, daß im Hochsommer viele Saisonarbeiter(mit teilweise relativ höheren Löhnen) beschäftigt sind. Bei der täglich-» Lohnsumme ist also ein gewisser A u f st i e g zu verzeichnen. Inwieweit er nur auf eine Steigerung der Beschäftigtenzahl zurückzuführen ist, zeigt die Entwicklung der Durchschnittslöhne. Diese gestaltete sich folgender- maßen: August 1929 August 1930 19.30 KL 19.30 KL August 1931 19.05 KL August 1932 18.— KL August 1933 16.90 KL August 1934 16.50 KL August 1935 16.10 KL und im Feber 1935 15.70 KL Feber 1936 15.70 KL Wie die beiden letzten Zahlen zeigen(bei denen das bereits oben Gesagte ebenfalls berücksichtigt werden muß), hat sich die Abwärtsentwicklung der Durchschnittslöhne von 1935 bis 1936 bisher nicht fortgesetzt. Es ist zu hoffen, daß der gegenwärtige Stand wirklich den Tiefpunkt bildet, von dem aus durch eine kräftige Belebung unserer Wirtschaft und durch eine zielbewußte So- zialpolitik eine Hebung des Lebensniveaus der breiten Massen beginnen wird. Zuckerproduktion und Zuckerverbrauch geringer Die Gesamtproduktion an Zucker in der siebenmonatigen Periode des laufenden Zuckerjahres beträgt 5,699.860 Zentner gegenüber 6 Millionen 344.476 Zentner in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die diesjährige Zuckerproduktion ist demnach um 644.615 Zentner kleiner als im Vorjahr. Die Raffinerien haben in den ersten sieben Monaten dieses Jahres für den einheimischen Konsum 1,960.041 Zentner Zucker versteuert, das sind 291.090 Zentner weniger als im Vorjahre. Die Spiritusfabriken haben in diesem Jahre nur 48.266 Zentner gegenüber 204.869 Zentner im Vorjahre bezogen. Der Zuckerverbrauch im Inland ist demnach im ganzen in diesem Jahre wesentlich niedriger als im Vorjahre. Kompensationsgeschäfte. Zwischen Oesterreich und Deutschland wurde ein neues Kompensationsgeschäft abgeschlossen, auf Grund dessen Deutschland Oesterreich 250.000 Tonnen Saarkohle für die Bundesbahnen im Werte von mehr als 3.8 Millionen Mark liefert. Diese Lieferungen bezahlt Oesterreich mit Holz und Milch. Rekordernte in Ungarn zu erwarten. Den letzten Saatenftandsberichten zufolge ist in Ungarn eine Rekordernte zu erwarten, wie sie schon seit einer langen Reihe von Jahren nicht verzeichnet werden konnte. Ehemaliger Ministersekretär unter Betrugsanklage Ein phantastischer Prozeß.— Unglaubliche weibliche Leichtgläubigkeit— Viertelmllllon Schaden und Freispruch Prag. Der Mann, der gestern auf der Anklagebank vor dem S t r a f s e n a t P ernt Unter Anklage m e h rf a ch e~» B^.t i n ttie s erschien, hat tatsächlich«ine bewegte Vergangenheit hinter sich. Der 53jährige Johann Raset, der in höchst herabgekommenem Zustand aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde, war seinerzeit Doktor der Rechte und politischer S ekretä r eines Ministers. !Wie er aus der Bahn geschleudert wurde, ist nicht j bekannt. Fest steht soviel, daß er vor einigen Jahren' wegen schwerer Betrügereinen zu einem Jahr schweren Kerkers verurteilt wurde, womit er natürlich auch sein Doktorat verlor. Die Angelegenheiten, welche Gegenstand des neuerlichen Strafverfahrens bildeten, haben sich zum Teil noch vor dieser Verurteilung abgespielt. Raset suchte der Verurteilung dadurch zu entgehen, daß er den seinerzeit angerichteten Schaden, dessen Höhe aus den Akten nicht hervorgeht, gutzumachen trachtete. Durch Inserate suchte und fand er..Ehebekanntschaft mit einer vermögenden Dame, dieeinem Dr. jur. zur Uebernahme einer Advokatenkanzlei verhelfen könnte. Zunächst meldete sich eine Frau B l a Z e n a, die an dem Herrn Doktor Gefallen fand und bereit war, mit ihm in den Stand der Ehe zu treten. Als sie nach einiger Zeit erfuhr, daß der Bräutigam verheiratet sei, ließ die praktische Frau das Eheprojekt schwimmen, nicht aber die zarten Beziehungen-und lieh ihm sogar 30.000 KL, als er ihr eines Tages erklärte, daß er durch Verschulden seiner Frau, von der er sich trennen wall«, in eine ärgerliche Sache geraten sei und ihm eine Anklage wegen Veruntreuung drohe. Später lieh sie ihm noch einige kleinere Beträge(zusammen über 5000 KL). Das war aber zu einer Zeit, als schon eine wcitexe.per-, '-mögende Dame' namens L u d m stl! a ange- bisferr hatte,'"bi«' ohne weiteres zur'angeblichen Gründung einer Advokatenkanzlei ebenfalls 30.000 KL herausrückte, gegen Ausstellung von Wechseln, die natürlich niemals eingelöst wurden. Bei dieser Frau Ludmilla erschien nun eines Tages die Gattin Raseks und brachte ihr schonend bei, ihr Gatte, mit dem sie in Scheidung stehe, sei wegen Unterschlagung verurteilt worden. Sonst aber sei er ein kreuzbraver Mensch und„brauche nur die richtige Frau." Sie, die bisherige Gattin, wolle das Glück ihres Gatten nicht stören. Und Frau Ludmilla war mit der Rolle einer Retterin so einverstanden, daß sie nicht nur das verflogene Projekt mit der Advokatenkanzlei verschmerzte, sondern dem zu rettenden künftigen Gemahl noch 9000 KL vorstreckte, als Kosten eines Gnadengesuches. Aber das alles war nur eine Einleitung, denn schließlich investierte Frau Ludmilla auf Vorschlag des Bräusigams noch 91.000 KL in ein von ihm gegründetes„Bankgeschäft", dessen „T e i l h a b e r i n" sie wurde. Es fiel ihr zwar auf, daß ihr Bräutigam mit seiner geschiedenen Frau ständig in bestem Einvernehmen lebte und Charlie Chaplin als Napoleon In Prag und in der Provinz läuft zur Zeit mit ungewöhnlichem Erfolg Chaplins letzter Film „Moderne Zeit". Damft wird die Frage nach dem Thema seines nächsten Films zeitgemäß, der angeblich nicht so lange auf sich warten lassen' soll. Einen endgültigen Entschluß hat Chaplin noch nicht gefaßt, doch kehrt er immer wieder zu seiner Lieblingsidee, den Napoleon zu spielen, zurück. In einer Unterhaltung mit dem Prager Schriftsteller A. I. Urban äußerte sich Chaplin näher dazu: „Und doch möchte ich gern einmal eine tragische Rolle spielen", sagt er fast beklommen.„Ich denke, als nächsten Film mache ich doch endlich den Napoleon. Es wird ein Tonfilm." „Ist das Ihr eigenes Libretto?" frage ich. „Ja", bestätigt Chaplin und spinnt die Unterhaltung weiter.„Ein schönes Libretto. Und zeitgemäß. Es ist nicht der Napoleon der Geschichte, wie man ihn für gewöhnlich sieht. Es ist das Leben Napoleons, des Pazifisten, der.... Mein Libretto geht von der Voraussetzung auS, daß nicht Napoleon, sondern sein Doppelgänger aus Sankt Helena gestorben ist. Stellen Sie sich vor, daß zu dem auf Sankt Helena gefangen- gehaltenen Napoleon eines Tages ein Mann kommt, der ihm unheimlich ähnlich sieht und zu ihm sagt: Ich opfere mich für Sie, Mre. Ich! bleibe statt Ihrer hier und Sie gehen nach Frankreich, unser schönes Vaterland zu retten. Eie verstehen, dieser Doppelgänger ist gleichfalls tzranzose. Es kommt also wirklich zu diesem Per sonenwechsel, Napoleon reist ab und auf Sankt Helena bleibt sein Doppelgänger. Napoleon kommt nach Frankreich, das sich mühsam von den ihm durch die napoleonischen Kriege zugefügten Schlägen erholt. Als er die Schrecken gewahr wird, die seine Kriege im Gefolge hatten, erforscht er sein Gewissen und entschließt sich, diesmal die Welt nicht mehr mit Gewalt, sondern friedlich zu erobern. Er wird Pazifist. Durch ein Spiel des Zufalls wird er auch Geschichtsprofessor und in dieser Rolle verbreitet er pazifistische Ideen. Er erzählt, welch ein Tyrann Napoleon gewesen und wieviel Uebel er verursacht hat. Stellen Sie sich vor", erzählt Chaplin lebhaft,„ich habe da eine Szene, wie Professor Napoleon die Tochter des Polizeipräfekten in Geschichte unterrichtet und wie er ihr vor Augen hält, welch ein Ungeheuer Napoleon war. Das Mädchen springt auf und schreit Napoleon wütend an: How dare You?(Was unterstehen Sie sich?)" Chaplin lebt förmlich auf, aus seinen Augen leuchtet der Schalk, der ihn nie Zerläßt, während er fortfährt: „Professor Napoleon aber besichtigt ab und zu die Kanonen und andere Zeugen seines Ruhms, und plötzlich lockt ihn wieder der Gedanke an einen Sieg. Er beruft heimlich seine Generale ein, die ihn lange nicht erkennen, als er ihnen aber schließlich verschiedene Einzelheiten vorhält, glauben sie, daß E r vor ihnen steht. Der Umsturz wird vorbereitet. Auf die Einwände, warum er plötzlich seine Ueberzeugung ändere, antwortet Napoleon: Jcb will die Welt friedlich unterwerfen, aber vorerst muß ich sie militärisch erobern! Erst muß ich sie unterjochen und dann bezwinge ich sie durch Güte!" Chaplin unterbricht sich und bemerkt:„Er sagt nämlich das gleiche, was alle Staatsmänner von heute sagen. Aber damit ich zu Ende erzähle. Alle Vorbereitungen zum Umsturz sind getrosfeü, es bleibt nur die Stunde zu bestimmen. Ausschlaggebend ist, daß sich Napoleon gleich zu Beginn der Revolution dem Volk zeige, damft das VoU glaubt, daß der wirkliche Napoleon zurückgekehrl ist. Doch in dem Augenblick, da der Umsturz beginnen soll, kommt die Nachricht, daß Napoleon auf Sankt Helena gestorben ist. Sie verstehen, dort ist nämlich laut Libretto sein Doppelgänger gestorben", erinnert Chaplin,„doch jeder glaubt, daß der wirkliche Napoleon gestorben ist. Die Umsturzpläne müssen natürlich sofort^begraben werden und der wirkliche Napoleon stirbt schließlich aus Gram. Seine letzten Worte werden sein: Es war die Nachricht von meinem Tode, die mich getötet hat", endet Chaplin. „Wollen Sie den Napoleon spielen?" frage ich. „Ja. Ich weiß aber noch nicht.sicher, ob ich auch die Regie führen werde. Es wird ein Sprech- film. Ich will ihn ganz anders machen, als nian heute Sprechfilme macht.„Natürlich will ich für mein Leben gern erfahren, wie sich das Chaplin vorstellt. „Ich habe den Eindruck", sagt Chaplin,„daß der Sprechfilm ganz überflüssig das Theater nachahmt. Der Sprechfilm kennt von der Sprache nur den Dialog, nichts mehr. Wissen Sie, was ich versuchen will? Den Autor direkt auf die Leinwand zu bringen. Das heißt, statt, der Dialoge stellenweise Erläuterungen einschalten. Selbstverständlich versucbe ich das erst in kleineren Filmen, ehe ich mit einem großen Film beginne." (Deutsch von Julius Mader.), Das künftige Heim des Regus? Das Haus Prinzeß Gate 5 in Knightsbtidge, London, das vor ein paar Tagen vom abessinischen Gesandten Dr. Martin im Auftrage des Negus gekauft wurde. Wie es heißt, wird der Negus später in diesem Hause Wohnung nehmen. diese sogar als Beamttn in seinem„Bankhaus" anstellte. Aber die geschiedene Gattin, die ja schon einmal als„guter Engel" aufgetreten war, wußte die Bedenken der freigebigen Frau trefflich zu zerstreuen, so trefflich, daß sich diese schließlich auch damit abfand, daß ihr Bräutigam oftenkundig zu seiner früheren Frau zurückgekehrt war. Das Idyll fand das unausbleibliche Ende. Das„Bankhaus" des Hern Raset war ein Kartenhaus gewesen und brach so gründlich zusammen, daß die Teilhaberin L u d m i l l a bei der Liquidation dieser famosen Firma von ihren investierten rund 150.000 KL ganz« eintausend Kronen zurückbekam! Nehmen wir gleich vorweg, daß Ex-Doktor Rasek freigesprochen wurde. Alle diese „Transaktionen" waren verteufelt fein eingefädelt und zeigten sich vom formal-juristtschcn Standpunkt nur als Darlehens- bezw. Teilhabergeschäfte. Die betörten Frauen mußten selbst zugeben, daß der Angeklagte st e t s rechtzeitig demaskiert hatte, bezw. auf schlaue Weise demaskieren ließ, so daß die„l i st i- g e V o r s p i e g e l u n g", die ein wesentliches Tatbestandsmerkmal des Betruges bildet, hin-' fällig wurde und sie sich des Risikos ihrer Hand- lnngstpesse bewußt sein muhten. Auf ähnliche . Meise schlüpfte, der talentierte Herr-Rasek in zwei weiteren Fällen durch die allzuweiten'Maschen des „gesetzlichen Tatbestandes", nämlich in zwei Fällen, wo ihm zwei weitere Frauen insgesamt 17.000 KL liehen— natürlich auf Nimmerwiedersehen. rb. Tragisches Kinderspiel am Mühlgraben Ist Kanzlei- und Hauspersonal verantwortlich für Kinderbeaufsichtigung? Prag. Eine Mühle ist wohl ein wundervoller Ort für Kinderspiele— zugleich aber auch ein recht, gefährlicher. Gar nicht zu reden von der geheimnisvollen Romantik des Mühlrads und Schüttbodens— schon der Mühlgraben mit der pfeilschnell hinschießens den Wasserflut übt mächtige Anziehung auf Kinder aus. Zuweilen endet solches Kinderspiel tragisch. Am 1. Oktober vorigen Jahres fand das dreijährige Söhnchen des Müllers in U n e t i c e auf solche Art den Tod. Das Kind kroch unter dem Zaun, der nicht, ganz bis zur Erde reickte. durch und stürzte, in den Mühlgraben, tri welchem-die kleine Leiche cril nach einigen Stunden vergeblichen Suchens aufgefunden wurde. Es wurden strenge Voruntersuchungen wegen fahrlässiger Tötung und Vernachlässigung der pflichtgemäßen Aufsichtspflicht eingeleitet, das mehrere Strafuntersuchungen zur Folge hatte. Tas Verfahren gegen den unglücklichen Müller, dem zur Last gelegt worden war, er hätte den Zaun so einrichten sollen, daß das Kind nicht unter ihm durchkriechen konnte, wurde eingestellt. Dagegen erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Mutter des ertrunkene» Kindes als unmittelbar verantwortliche Aussichtsperson und gegen zweiweibliche Angestellte. Tie Mutter hatte, nämlich zu ihrer Verteidigung angeführt, sie sei am krittschen Tag von schweren neuralgischen Schmerzen befallen, an denen sie öfter leidet und habe sich zu Bett gelegt, nachdem sie vorher das Kind der Obhut, ihrer Ka nz le i ay g e st ellt c n Marie D. und der Hausgehilfin Anna B. anverlraut habe.■• Vor dem Einzelrichte; GR. Ka plan »lachten die Verteidiger dieser beiden mitangcllaglen Angestellten eine interessant« Verteidigung geltend. Beide waren nachgewiesenermaßen ausfchliest- lich für ihre K a n z lei-, bzw. Hausarbeit ausgenommen und auch nur für diese bezahlt worden, nicht aber für die Beaufsichtigung des Kindes.'Sieftien also weder als g e s e tz l i ch« A u f s i ch t s p e r s o nen anzusehen, noch seien fie vertraglich zu einer solchen Aussicht verpflichtet gewesen.- Dazu kam, daß sie nachweisbar aM kritischen Tag vollkommen mit ihren ordentlichen Dienstobliegenheiten beschäftigt waren. Die Kanzleikraft hatte Abrechnungen durch- zufübren, die Hausgehilfin tvar durch Wasche vollkommen in Anspruch genommen. Daher falle die all- fällige Verantwortung einzig der Mutter zu. ftir die aber wieder ihre Krankheit einen Entlastungsgrund bildet. Angesichts dieser Sachlage sprach der Richter sämtliche drei Angeklagten frei. rb. Seite 6 „Sozialdemokrat" DienStag, 12. Mai 193». Rr. 111 Verlanget Volkszünderl du» der Partei der Spxwt-Spiet-Xörperpffege Sonntag in M- Aümst mul MsLe:1, Schics.-Ostrau gegen Kral. Pole 2:1, Han. Slavia gegen Zabovkesky 3:0, Mo- ravia Brünn gegen Prerau 4:1, Ostrauer Slavia gegen Freistadt 5:1. Suchen Sie Gesundheit? Quälen Sie Rheumatismus, Gicht, Ischias oder Frauenleiden? Wollen Sie in Ruhe schön und billig Ihren Urlaub verbringen? Besuchen Sie ner, Dudek, Costa, Stadler. Ihnen steht List Mach einer grotesk-lustig zur Seite. Käthe Walter läßt ihren Charme spielen und ein neues Gesicht. Ruth K u t h a n; verdirbt nichts, wenn man auch zumindest vorläufig über die Oualttäten dieser Soubrette noch nicht viel Günsttges aussagen kann. Das Publikum unterhält sich dreieinhalb Stunden lang größtenteils ausgezeichnet, am besten über die urkomische Gerichtsverhandlung am Schluß. Vermutlich hat das Deutsche Theater mtt der Parole„Glück muß man haben" ein neues Kaffenstück gefunden, l. g. Spielplan des Reuen Deutsche» Theaters.Dienstag 7s4: G l ü ck muß man haben, A 1— Mittwoch, 7Z4: Der Rosenkavalier, B 2.— Donnerstag, 7%: Pariser Zug, Erstaufführung, CI.— Freitag, 7(4: Ein Volksfeind, D l.— Samstag, 7s4: Katarina Ismailowa, CI.— Sonntag: Zum 30. Male 2%: Ilnentschuldigte Stunde, 714: Glück muß man haben. Dl. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Dienstag, 8 Uhr ccheirds: Menschen auf der Eisscholle, Bankbeamte ll und freier Verkauf.— Mittwoch, 8: Salzburg aus- verkauft.— Donnerstag, 8: Menschen aufderEisscholle.— Freitag, 8: Salz- burg aus verkauft, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag, 8: Salzburg ausverkauft.— Sonntag, 8: Menschen auf der Eisscholle. UMn Karlsbad: Sportbrüder Eger gegen KFK 2:1.— Komotau: DFK gegen Srurm Teplitz 2:0.— Teplitz: VfB gegen Turner SK 8:4.— B.- Leipa: DSV gegen DFK Aussig 3:2.— Gablonz: BSK gegen Sportbrüder.Schreckenstein 6:1.— Reichen« berg: RFK gegen DFK 7:3.— Budapest: Hungaria gegen 3. Bezttk 0:0, Ferencvaros gegen Kispest 6:3.— Wien: Austria gegen Rapid 3:2, FC Wien gegen Sportklub 3:0, Fav. AC gegen Wacker 5:3.—'Bukarest: Rumänien gegen Jugoslawien 3:2(1:1).— Brüssel: Belgien gegen England 3:2(0:1)! Samstag.— Luxemburg: Irland gegen Luxemburg 5:1(1:1).— Hamburg: Everton(England) gegen deuttchcs Ans- wahlteam 3:0(2:0)1 Den tschechoslowakischen Rekord im Hammerwerfen verbefferte Knotet(Slavia Prag) bei einem Hochschüler-Meettng, indem er den Hammer 50.61 Meter wett brachte. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich KC 16.—. vierteljährig KC 48.—, halbjährig KC 96.—, ganzjährig KC 192.—.—• Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft- und Telegraphendirektum mtt Erlaß Rr. 13.800/VID1930 bewilligt.— Druckerei: ,F)rbir". Druck-, Verlags« und 8ettungS-A.-G. Prag.