Mittwoch, 13. Mai 1936 Nr. 112 16. Jahrgang (•iMdiliefilich i Heller Forte) ZENTRALORGAN? DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECNQSI0WAKI5CHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag m„ fochova«r. Telefon no77. HERAUSGEBER* SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR* DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Vertreter unserer Partei beim Präsidenten Montag den 11. Mai wurden die Genossen Dr. Czech, T a u d und Iaksch vom Präsidenten der Republik Dr. B e n e i empfangen, wobei zwischen den genannten Vertretern unserer Partei und dem Präsidenten die aktuellen politischen Probleme zur Erörterung gelangten. Starhembers muß Abbitte leisten Wien. Die Pressestelle des Vizekanzlers Starhemberg teilt zu den Heimwehrdemon- strationen gegen den Freiheitsbundaufmarsch mit: Bon feiten des Bundesführers des österreichischen Heimatschutzes war rechtzeitig der Befehl ausgegeben worden, sich jeglicher politischer Aeußerungcn und Kundgebungen anläßlich des Freiheitsaufmarsches zu enthalten. Unbesonnene Elemente haben sich jedoch, p r o v o- ziert durch die unerhörte Demagogie eines Flugblattes des Freiheitsbundes, zu störenden Kundgebungen hinreisten lassen. Soferne es sich um Angehörige des Heimatschuhes, beziehungsweise der freiwilligen Miliz handelt, werden diese zur Rechenschaft gezogen werden. Falls die bisher nicht bestätigten Gerüchte sich bewahrheiten sollten, daß eine Dienststelle der Miliz Weisungen zur Ruhestörung ausgegeben hat, wird der betreffende Kommandant seiner Stelle entheben und aus der Miliz ausgeschloffen werden. War den Zusammenhang der ehemaligen Minister« Fey mit den Kundgebungen betrifft, llhnen sowohl die Bundesführung der Miliz als auch die Führung des Heimatschuhes jegliche Verantwortung a b, da es sich nur um eine Eigenmächtigkeit des ehemaligen Ministers Fey handeln kann. Noch keine Entscheidung über das Volksfront-Kabinett Paris. Die von den Kommunisten angeregt» Sitzung der Deputierten der Volksfront wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, vor allem deshalb, weil die meisten Parteien noch keine definitive Entscheidung über die Art der Teilnahme an der Regierung getroffen haben. Auch ist das Programm der Linksfront noch nicht definitiv ausgearbeitet. Der Allgewerkschaftliche Arbeitsverband hielt Dienstag eine Vorstandssitzung ab, in der die Anschauung Oberhand gewann, daß der Verband selbst keine Vertreter in die Regierung der Linksfront entsenden, ihr gegenüber aber eine günstige Haltung einnehmen und mit ihr durch eine ständige Sonderkommission in enger beratender Fühlungnahme bleiben soll. Die definitive Entscheidung über die Antwort an die sozialistische Partei, die die Gewerkschaften zur Teilnahme an der Regierung aufgefordert hatte, wird am Montag der Föderalrat treffen. 24 stündiger Generalstreik in Griechenland Athen. Zum Zeichen der Solidarität und des Protestes gegen die blutigen Zwischenfälle, die sich in Saloniki abgespielt haben, ist für das ganze Land ein 24stündigcr Generalstreik ausgerufen worden. Die Regierung hat Maßnahmen ergriffen, um die Versorgung mit Licht und Brot sowie den Verkehr sicherzustellen. Das britische Rote Kreuz ausgewiesen I London. Der Sonderberichterstatter des Reuter-Büros meldet aus Addis Abeba: Das britische Rote Kreuz in der abrffinischen Hauptstadt wurde von den italienischen Behörden aufmerksam gemacht, dast es Abessinien innerhalb von 14 Tagen zu verlassen habe. Diese Mitteilung machte der Vertreter des italienischen Hohen Kommiffärs dem Leiter der britischen Miffion Dr., Jmpey gegenüber. Alle Kranken und Verwundeten, die sich zur Zeit beim britischen Roten Kreuz in Behandlung befinden, werden vom Sanitätsdienst der italienischen Armee übernommen Verben. Neuer Bluff Mussolinis: Aloisi aus Genf abgereist Der Rat vertagt z Sanktionen laufen weiter Mussolini hat Dienstag in London offiziell die Annexion Abessiniens anzeigen lassen und zugleich hat die italienische Delegation züm Teichen des„Protestes" dagegen, daß man im Böl- kerbundrat von der Annexion keine Kenntnis genommen hat, Genf»erlassen. Der Bluff soll wie italienische Stellen zugeben, noch nicht den Austritt aus dem Bund, wohl aber eine Art Warnung bedeuten. Italien hat freilich der englischen Politik in diesem Falle offensichtlich einen Dienst erwiesen. Eden konnte leichter, als man erwartet hatte, einen Brr- tagungsbeschlust durchsetzen. Diesmal kommt aber die Vertagung einer Fortdauer der Sanktionen und einer Schädigung Italiens gleich. Am 15. Juni wird in Frankreich bereits ein Kabinett der Linken am Ruder sein, das nach den Aeußerungen der französischen Presse zu schlichen, durchaus bereit ist, den Straust durchzufechten und Italiens völlige Abkehr von Genf in Kauf.zu nehmen. Was die Entwicklung in England selbst betrifft, so kann der Verlauf der Genfer Ereignisse nur dazu beitragen, die radikale Gruppe zu stärken, die für engste Zusammenarbeit mit Frankreich, aber gegen Hitler und gegen Mussolini ist. In dem wrchselvollen Ringen zwischen Rom und London hat wieder einmal Mussolini einen offensichtlichen Fehler begangen, indem er seine Frechheit übertreibt. Es wäre an den Gegenspielern, die Blöße kräftig auszunützen. Genf. Nach einer kurzen vertraulichen Sitzung, in welcher der Generalsekretär des Völkerbundes Avenol den Beschluss der italienischen Regierung bekanntgab. die italienische Delegation aus Genf abzuberufen, behandelte der Völkerbundrat einen Resolutionsentwurf betreffend den abcssimsch-italicnischen Konflikt. Das Wort ergriff der abeffinische Delegierte Wolde Mariam, der u. a. aüsführte, dass"die abessinische Regierung enffchlossen ist, die Unab- hängiglcj't Abcffinicns auch weiterhin zu schützen, und verlangte, daß der Vülkerbundrät alle im Artikel 16 des Völkerbundpaktes vorgesehenen Massnahmen gegen Italien anwende. Der argentinische Delegierte Ruiz Guinazu stimmte zwar der Resolution zu, machte aber Vorbehalte hinsichtlich des Aufschubes der weiteren Behandlung der abessinischen Frage. Der Vertreter Chiles Rivas Bicuna sprach sich für die Aufhebung der Sanktionen aus und erklärte, dass er sich der Abstimmung über die Resolution enthalte. Zaldum- bid, der Delegierte Ecuadors, trat gleichfalls gegen die Sanktionen auf und enthielt sich der Abstimmung über die Resolution. Der Rat nahm sodann einmütig folgende Resolution an: „Der Rat» berufen zur Prüfung des abessinisch-italienischen Konfliktes, bringt fein» Feststellungen und seine Beschlüsse vom 3. Oktober 1935 in Erinnerung. Er ist der Meinung, dast es einer bestimmten Frist bedarf, damit die Mitgliedstaaten die durch das ernste Vorgehen der italienischen Regierung geschaffene Situation prüfen könne«. Der Rat hat beschlossen, am 15. Juni zu weitere» Beratungen zusammrnzutreten, und ist der Meinung, dast es nicht am Platze ist, bis dahin die im gemeinsamen Einvernehmen der Mitgliedstaa- ten des Völkerbundes getroffenen Maßnahmen zu ändern.". ■ In Genfer politischen Kreisen wird die Verschiebung der heutigen Ratsverhandlungen im ganzen als befriedigend angesehen. Dkm betont haupffächlich, dass das Recht Abessiniens aus Schutz von Seiten des Völkerbundes voll gewahrt blieb und daß sich der Vülkerbundrät am 15. Juni mit dem Substrat des afrikanischen Kon- ■ slikte« befassen wird. In der Zwischenzeit/ kann sich, wie man hofft, die allgemein^, insbesondere die europäische politische Situation so weit klären, daß auch die Lösung des abessinischen Problems teilweise erleichtert werden wird. In einigen Kreisen rechnet man damit, daß die Regierungen Italiens, Frankreichs und Großbritanniens nunmehr diplomatische Beratungen aufnehmen werden, allerdings nur für den Fall, daß Italien nicht aus dem Völkerbünde austritt. Strikter befehl aus Rom Rom. Das Propagandaministerium hat der Presse noch keine genauen Erklärungen über dir Gründe, warum die italienische Delegation aus Genf abberufen wurde, gegeben. Halboffiziell wird jedoch erklärt, daß der Befehl zum Verlassen Genfs v on Rom aus gegeben wurde und daß der Grund hiezu wahrscheinlich in dem„absoluten Unverständnis" liege, welches der Bölkrrbundrat gegenüber bet' gegenwärtigen Situation an den Tag gelegt habe. In politischen Kreisen wird daran erinnert, daß das Scheiden der italienischen Delegation aus Genf deshalb besonders wichtig fei, weil Italien auch an den Beratungen !der Locarno-Mächte n i ch t teilgenommen habe. neue Zuspitzung der Lage In Palästina Jerusalem. In Jaffa wurde erneut der Ausnahmezustand verhängt, da es im Verlauf einer Schülerkündgebung zu neuen Zusammenstößen kam. In Haifa trafen am Montag weitere englische Truppenverstärkungen ein. Nach den „Time i“ erhielt der britische Hohe Kommissar in Jerusalem von dem englischen Kabinett die Zusicherung, er könne mit jedweder Hilfe rechnen, welche er als notwendig für die Aufrechterhaltung der Ordnung halten werde. In einer Botschaft an die Bevölkerung teilt der Hohe Kommissar die An- kunft der Verstärkungen mit und droht strenge Bestrafung aller gesetzwidrigen Handlungen an. Seit Beginn der Unruhen sind 606 Personen verhaftet worden. Ter Groß-Mufti von Jerusalem erklärte, die Araber seien trotzdem entschlossen, den Streik fortzusetzen, bis ihren Forderungen voll entsprochen wird. Kabinett Quiroga Madrid. Der Staatspräsident hat den bisherigen Innenminister und Minister für öffent-^ lichc Arbeiten Casares Ouiroga mit der Neubil- dung der Regierung üeanftragt. Oer Fragebogen .„Auch dieses Hindernis werden wir irgendwie nehmen..." Die Not der Jugend Die Landcsbchörde in Prag hat auf Grund eines Antrages in der Landesvertretung, der Maßnahmen zum Schutze der arbeitslosen Jugend verlangt, eine Erhebung über die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen im Alter von 14 bis zu 18 Jahren angestellt. Diese Erhebung erstreckt sich auf die Städte mit über 20.00,0 Einwohnern. Das Ergebnis ist erschütternd. Und es zeigt außerdem, daß die deutsche Jugend in einer viel schlechteren Lage ist als die tschechische. Lassen wir die nüchternen Ziffern sprechen: In Böhmisch-Budweis gibt es 70 arbeitslose Burschen und 80 Mädchen. Die Eltern sind beteiligt an der Unterstützungsaktion der Stadt, der Bezirksjugendfürsorge und des Roten Kreuzes, die Jugendlichen wohnen bei den Eltern oder den nächsten Anverwandten. Für elf Jugendliche ohne Angehörige sorgt die Stadtgemeinde. In Eger sind etwa 200 jugendliche Arbeitslose im Alter von 14 bis 18 Jahren, davon haben 50 keine Unterkunft bei den Eltern. Hier gab es ein freüvilligcs Arbeitslager für Jugendliche im Alter von 17 bis 24 Jahren, in den Sommermonaten gibt rs ein Nachtasyl. In K l a d n o gibt es 66 jugendliche Arbeitslose, die alle in der Versorgung der Eltern sind. Hier sind zwei Heimstätten, für die das Essen in der Gemeindeküche hergestellt wird. JnKomotau aber sind 440 Beschäftigungslose gleichen Alters, von denen 358 im Haushalte der Angehörigen versorgt werden, während 82 dieser Versorgung und der Unterkunft entbehren. In Ko- motau war eine Heimstätte, verbunden mit einem Fortbildungskurs. In Pardubitz sind 6 Mädchen und zwti Burschen arbeitslos, für sie ist gesorgt. In Brüx sind 300 arbeitslose Jugendliche, die bei den Angehörigen untergebracht sind, hier gab eS eine. Wärmestube und eine Heimstätte. In P i l s e n sind 143 Burschen und 159 Mädchen arbeitslos, für sie ist in Heimstätten und Ar« beitislagern gut gesorgt, von den arbeitslosen Jugendlichen Prags haben sich nur 50 für die Heimstätte gemeldet. In Reichenberg aber kamen in den letzten vier Jahren allein aus den Bürgerschulen 639 Bur« schen und 714 Mädchen, von denen nach den An« gaben der städtischen Aemter der größte Teil arbeits, los ist. Ungefähr 30 arbeitslose Jugendliche sind ganz auf sich selbst angewiesen. In Reichenberg waren eine Heimstätte und zwei Wärmestuben. Außerdem gibt es hier ein Nachtasyl und eine Volksküche. Aus Aussig waren keine genauen Angaben zu erhalten, doch ist bekannt, daß hier alle Heimstätten und Arbeitslager überlaufen sind. In Teplitz-Schönau sind 97, in Karlsbad 56 arbeitslose Jugendliche im Alter von 14 bis zu 18 Jahren. Zum besseren Verständnis dieser Zahlen sei darauf hingewiesen, daß die meisten der von der Arbeitslosigkeit betroffenen Jugendlichen besonders in den deutschen Gebieten nicht in den Städten, sondern in den angrenzenden Jndu- striegemeinden siedeln. Das trifft vor allem bei Brüx, Karlsbad, Teplitz-Schönau, Aussig und Rcichenberg zu. Der wirkliche Umfang der Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen ist also aus den oben mitgetejlten Angaben des Landesamtcs nicht ersichtlich; die Situation der deutschen Jugend ist also noch weitaus schlimmer als dieser Bericht besagt. Wie ist nun für arbeitslose Jugend gesorgt? In den Wintermonaten gab es in den größeren Städten sogenannte Heimstätten, in deren jeder einige Dutzend Jugendlicher durch je. acht Wochen verpflegt und manchmal auch geschult wurden. Einige Städte führen die Heimstättenaktion in der Form der„Arbeitsgemeinschaften" im Sommer weiter, in denen allerdings auch nur wenige Jugendliche Unterkunft finden/ Zum erstenmal waren in diesem Winter die arbeitslosen Jugendlichen in einer staatlichen Unterstützungsaktion: ein bestimmter Kreis Bedürftiger wär in die Winterhilfe einbczogen. Sonst aber ist für die arbeitslosen Jugendlichen überhaupt nichts vorgekehrt. Sic sind weder in das Genter System, noch in die Ernährungsaktion eingereiht. »Von den etwa 1000 jugendlichen Arbeitslosen der Stadt. Reichenberg sind nach den Angaben des Landesamtes nur 12(3 fr ö I f I) im Bezug der Lebensmittelkarten. Aber auch die Jugendlichen im Alter von 18 bis zu 21 Jahren sind SiM M d:e Ernährungsattion eingereiht. Um ptz Seite 2 Mittw-», 13. Mai 1936 Nr. 112 Verteidisungssesetz im Senat Neue MIBtrauenskundgebungen gegen die SdP Streik-Unruhen in USA Pew V-rk.(Tsch. P.-B.) Zwischen der Polizei und streikenden Matrosen kam es vor den Dockanlagen der„International Mercantile Marine Company" am Hudson zu blutigen Zusam- menstötzen. Die Polizei fuhr mir Radiowagen und Motorrädern in die Streikenden hinein, als diese sich weigerten, die Eingänge zu den Dockanlagen freizugeben. Es wurden 250 Matrosen verhaftet. Ernährungskarte zu bekommen, muß man nämlich nachweisen, daß man vor dem Jahre 1929 drei Monate hindurch in Beschäftigung stand. Die Jugendlichen, die aus der Schule direkt in die Erwerbslosigkeit hineinwachsen, können diesen Nachweis selbstverständlich nicht erbringen. Es gibt Jugendliche, die 1929 aus der Schule kamen, heute also 21 Jahre alt sind und noch nie arbeiteten! Und in nicht Wenigen Füllen sind auch die Eltern arbeitslos, so daß diese ihre karge Unterstützung mit ihren den Wachstumsgefahren ausgesetzten Söhnen und Töchtern teilen müssen. Es versteht sich, daß für die Mädchen fast überhaupt nichts geschieht. Heimstätten für Mädchen gab es nur in geringer Zahl, in Arbeitslagern können die Mädchen nicht untergebracht werden. Die Einreihung der Jugendlichen in das Genter System ist schon deshalb nicht möglich, weil das Genter System eine gewisse Dauer der Beschäftigung und der Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft voraussetzt. Diese Bedingungen können Jugendliche, die noch nie das Glück hatten, sich einen Bissen Brot zu> verdienen, nicht erfüllen. Dieser sozial vollkommen entwurzelten, fast ohne jede Hilfe dastehenden Jugend spreche man also von Sicherung der Demokratie, in der sie verkommt, von Sicherung der sozialpolitischen Errungenschaften, die für sie nicht da sind! Man darf sich nicht wundern, daß man da tauben Ohren predigt. Umso größer aber ist der Opfermut der in den soziiilistischen Organisationen vereinigten Jugendlichen, die trotz alledem die Fahne der Demokratie kämpfend hochhalten. Was wir an Hilfsmaßnahmen für die Jugendlichen haben, wurde von den sozialistischen Mitgliedern der Regierung in schwerem Ringen durchgesetzt. Die. Bemühungen der sozialistischen Parteien müssen rückhaltlos anerkannt werden. Aber man darf nicht verheimlichen, daß sie angesichts des Umfanges der Jugendnot überhaupt nicht ins Gewicht fallen. Die bürgerlichen Parteien aber, die von Patriotismus überfließen, lassen die Jugend des Staates buchstäblich verhungern und sind eifrig bestrebt, durchgreifende Hilfsmaßnahmen für sie zu verhindern. Als ob die Brotbeschaffung für den Nachwuchs, als ob dessen soziale Betreuung durch die Republik weniger wichtig wäre als der Bau von Festungen und Kanonen! Der SOsch dÜ'ReMbÄk^fsit itz^y' fistr aus ganzem Herzen eintrrten, muß bei den Menschen beginnen, bei der Jugend^vor allem, dir im Ernstfall die ersten und schwersten Blutopfer zu tragen hätte! Als ob die Bekämpfung des Henleingeistes unter der sudetendeutschen Jugend nur eine Aufgabe der Sicherheitsbehörden fein könnte! Gebt der arbeitslosen Jugend das Gefühl der sozialen .Geborgenheit in der Republik, auf daß die Demokratie und die Sicherheit des Staates bei dem Nachwuchs in guter Hut sei I Seit dem Beginn der Krise erheben die sozialistischen Jugendverbände der Republik ihre mahnende Stimme. Sie fand nur geringen Widerhall. Will man warten, bis es zu spät sein wird? Prag. Dienstag nachmittags eröffnete der Senat in Anwesenheit der Minister Dr. Derer und M a ch n i k die für zwei Tage berechnete Aussprache über das Bertridigungs- und Spio- nagrgesrtz; auch die Debatte über das Partrien- auflösungsgesttz wird in einem abgrführt. Bon den Berichterstattern gab Dr. Milota in Besprechung der Minderheitenproblems offen zu. daß von beiden Seiten Fehler gemacht worden seien; auf tschechischer Selle dadurch, daß man zugunsten der Staatsnation auf wirtschaftlichem und sozialpolitischem Gebiet den Bogen manchmal überspannt hat. auf deutscher Seite dadurch, daß man lange nicht daran glaubte, daß die Republik ein. dauerndes Staatengebilde sei und daß der demokratische Geist der tschechoslowakischen Nation auch für die Deutschen eine verläßlichere Garantie der Entwicklung sei, als das frühere Chaos und die jetzige undemokratische Gleichschaltung des eigene Volkes. Dr. Milota betonte, daß die SdP nur Mißtrauen wecken könne, wahrend man den aktivistischen Teil der Minderheitspolitiker unterstützen und ihre schwere Situation erleichtern müsse, indem man ihnen die Rechte gibt, die ihnen gehören. Das Gefühl der Ungleichheit und der unge- Jn der Debatte wies der tschechische Genoffe Tundr darauf hin, daß es die deutschen Unternehmer sind, die staatstreue Angestellte entlassen, um an ihre Stelle treue Anhänger Hitlers und des Hakenkreuzes zu setzen; und es sind auch tschechische Unternehmer, die ihre Angestellten zum Eintritt in gelbe Gewerkschaften zwingen. Biele SdP- Fübrikanten beschweren sich, daß sie von StaatSliese- rungen ausgeschlossen sind, aber andererseits schließen sie selbst gerade die treuesten und festesten Stützen dieses Staates von der Arbeit aus. Eine unerläßliche Ergänzung des Bertei- digungSgesetzeS muß daher ein ordentliches Gesetz Lter dir öffentliche Arbeitsvermittlung fein. lieber die L o Y a l i t ä t der SdP ist Dundr ebenfalls sehr schlechter Meinung; sie dürfte im Grunde dasselbe sein, was Hitler in Deutschland machte, bevor er zur Macht kam; ein« Legali- täraufKündigu n'g. An Hand von Zitaten aus der„8 e i t" legt Dundr dar, wie die Herren nur darauf brennen, daß der Völkerbund auch im Herzen Europas eine Niederlage erleide und daß dann Schafft Klarheit In der„Phönix"-Affäre! Die Tatsache, daß die Phönix-Angelegenheit noch immer nicht aufgeklärt ist, gibt naturgemäß allen möglichen Gerüchten Raum. So wird darüber berichtet, daß einige Zeitungen, darunter zwei deutsche und einige tschechische Tageszeitungen, ein.deutsches Montagsblatt und zwei deutsche Wirtschaftsblätter namhafte Beträge erhalt«: haben und daß einer Reihe von Persönlichkeiten, darunter dem bereits verhafteten Ministerialrat Autengruber Gratispolizzen im Gesamtbeträge von 30 Millionen KC(!) verabfolgt wurden. Außerdem sollen verschiedene Institutionen dadurch Zuwendungen erhalten haben, daß sie für ihre im Phönix-Palais untergebrachtcn Kanzleien keine Miete zu zahlen brauchten. Dar„Prävo Lidu" stellt, sowie wir dies in den Artikeln, die wir über die Phönix-Angelegenheit veröffentlicht haben, eine Reihe von Forderungen auf, die vor allem dahin gehen, die Schuldigen festzustellen, die Sachlage zu klären und Verschiedenes zu veranlassen. Das Blatt verlangt I „jemand ander er drankomm e^. In diesem Wunsch spiegle sich die wahre Gesinnung der SdP. Wo solche Lehren aus„Mein Kampf" verbreitet werden, wie sie Dundr zittert, sei es kein Wunder, wenn sich dort Jrredrnta breit macht und das Bestrebe», dir Republik und ihre Bekenner zu schädigen. Ti« Anhänger solcher Bestrebungen muffen ohne jedrsKompromitz unschädlich gemacht werden. Gegen die weiteren Ausführungen Dundrs hinsichtlich der Kommunisten polemisiert, später Dr. Smeral, der den ablehnenden Standpunkt der Kommunisten verteidigen muß. Während seiner tempe- ramenwollen Rede kommt cs des öfteren zu schärferen Wortgefechten. Er plädiert natürlich für die Volksfront und verzapft als höchste Weisheit zum Schluß«inen Gottwald-Artikel aus dem„Rude Prävo", worin der oberste Cbef der KPC treuherzig darlegt, was eine Linksregierung auch ohne parlamentarische Mehrheit alles machen sollte.— Im Innern wird sich Smeral Wohl selbst darüber ganz klar sein, daß Gottwalds Rezept auf keinen Fall zu einem Sieg der Linken, wohl aber zwangsläufig zu einer Diktatur des Faschismus auch bei" uns führen nrüßte. K• Bon deutschen Rednern wiederholte Schar- nagl lChr.-Soz.) die bekannt« Erklärung seiner Partei, daß sie für die Staat-Verteidigung stimmen werde,' während Dr. Greger für die SdP die enrgegingesetzte Erklärung gegen das Parteiengesetz ccbaai. Phönix-Subvention an die SdP? Der Kommunist Wenderlich befaßte sich mit den Zusammenhängen zwischen dem Phönix und nationalsozialistische« Kreisen wir fie aus dem Falle Bachmann hervorgebrn: ES muffe frftgestrllt werden, daß in den Phönix, Skandal auch Exponenten derSdP verwickelt find. Ist der SdP bekannt, fragte der Redner, daß Abgeordneter Dr. Reuwirth mehrmals de« Besuch eine« gewissen M y t i k empfangen hat, und ist der SdP bekannt, daß fie vom Phönix 40 0.0 00ttöalsSubvcntion «halten hat? Fortsetzung der Debatte Mittwoch vormittags. insbesondere 1. die Regelung des Verhältnisses zwischen Regierungskommissären und Direktoren des»Phönix", welch letztere weiter amtieren, 2. es mutz entschieden werden, ob die Anstalt weiter neue Geschäfte abwickeln kann. 3. Einstellung des Gehalts an jene Funktionäre des„Phönix", welche für die Anstalt nie etwas gemacht haben und weiter nichts machen. 4. Es ist notwendig, den Versicherten Weisungen zu geben, ob sie die Prämien weiterzahlen sollen oder nicht. 8. Jene Personen, Weiche vom^Phönix" TäntiKmen bezögen haben, insbesondere in der Zeit, da die Anstalt schon passiv war, haben diese Gelder zurückzuzahlen. 6. Diejenigen, welche Lokale im Phönix-Palais hatten, ohne Miete zu zahlen, haben diese Miete nachträglich zu entrichten. 7. Es ist notwendig,.da» Verzeichnis der Personen, welche Bestechungsgelder oder Gratispolizzen angenommen haben, zu veröffentlichen und 8. mutz man es verhindern, datz gewisse Institutionen, die Gelegenheit ausnützen, um an der Affäre zu verdienen. Es ist tatsächlich an der Zeit, volleKlar- heitindiePhönix-Affärezu bringen, damit die Bevölkerung Weitz, welche Personen, Zeitungen und Einrichtungen vom„Phönix" Gelder angenommen haben. Landwlrtschaftskammern in Sicht? Einritt Artikel im„Kleinen Landwirt" entnehmen wir: Datz die Landeskulturräte in der heutigen Form einer gerechten Interessenvertretung aller landwirtschaftlichen Schichten nicht entsprechen, ist durch die praktische Erfahrung mehr als einmal erwiesen worden. Die gegenwärtige Zusammensetzung der Landeskulturräte sichert den ein« festig und großagrarisch orientierten Agrarparteien die ausschließliche'Herrschaft über diese wichtige Jnstituticn. Die Reichsverbände der Kleinbauern und Häusler haben lediglich das Reckt auf Ernennung eines einzigen Vertreters, was dazu führt, daß z. B. in der Deutschen Sektion des Landeskulturrates von Böhmen unter 120 Delegierten ein einziger Vertreter des deut- scken Kleinbauernverbandes ist, der noch dazu von allen wichtigen Ausschüssen im Landeskulturrate ausgeschaltet wurde. Die schönsten Zustände herrschen bei der deutschen Sektion des Landeskulturrates in Mähren. Dort wird schon seit etwa fünf Jahren überhaupt keine Versammlung des Delegirrtenplenums abgchalten. Ei« paar Leute regieren. Was planen nun die Agrarier? Selbstverständlich sollen die zukünftigen Landwirtschaftskammern ihnen wieder die Macht sichern. So will man ein modernisiertes Kurienwahlrecht einführen. Je eine Kurie für landwirtschaftliche Arbeiter und Angestellte errichten, weitere Kurien für die Besitzer bis 5 Hektar, für jene von 5 bis 20 Hektar und solche über 20 Hektar. Jede Kurie soll die gleiche Anzahl von Mandaten erhalten. Das Wahlrea/t will man nur Landwirten über 1 Hektar zubilligen." Gegen solche Absichten wenden sich mst aller Entschiedenheit die Kleinbauern. Der deutsche Kleinbauernverband hat folgende grundsätzliche Forderungen aufgestellt: Die Kammern find nach Gemeindekammern» Bezirkskammern und Landeskammern zu organisieren. Die Pflichtmitgliedschaft gilt für alle landwirtschaftlichen Interessenten mit einem Besitz vcn 25 Ar aufwärts, weiter für Arbeiter und Angestellte. Ihnen steht das aktive und passive Wahlrecht nach dem Grundsätze des allgemeinen, geheimen und verhältnismäßigen Wahlrechtes zu, analog der Gemeindewahlordnung. Das Kuriensystem wird entschieden verworfen. Diesen Kammern unterstehen alle landwirtschaftlichen Angelegenheiten. Die nationale Sanktionierung ist anzustreben. Mit dieser grundsätzlichen Stellungnahme hat der deutsche Kleinbauernverband seine Position in dem kommenden Kampfe um die Landwict- schaftskanunern bezogen. Die Reustilifierung der Steuernovelle durch das Finanzministerium hat anscheinend noch nicht alle strittigen Punkte aus der Welt schaffen können. Am Dienstag hat darum das Steuersubkomitee der Koalition die Punkte, bezüglich deren noch Differenzen bestanden, erneut verhandelt. Ungelöst blieben nur drei oder vier Fragen, die heute in Anwesenheit des Ministerpräsidenten und des Finanzministers bereinigt werden sollen. Für nachmittags ist bereits das erweiterte Sub- komitee. in dem auch die Opposition vertreten ist, einberufen. Der Prästdent der Republik empfing Dienstag den Direktor des Neuen deutschen Theaters Dr. P. Eger, ferner den Oberst des Generalstabs E. M o r a v e c. Weiters beteiligte sich der Präsident an der heutigen feierlichen Eröffnung des Smetana-Museums. 8 Der Ruhm des Kämpfers Don Jadt London Copyright by Universitas Berlin, durch Dr. Prüfer Pressedienst, Wien. Es ging, wie Stubener erwartet hatte. Die Manager der Boxklubs lachten, wenn er mit seinem neuen Mann kam. Waren die Wälder nickt voll von Unbekannten, die, sich plötzlich für di« Meistwschaftskämpfe meldeten? Einen Kampf auf vier Runden, um das" Programm zu füllen— ja, darüber ließ sich reden. Aber als Hauptnummer— nie. Stubener hatte sich indessen in den Kopf gesetzt, daß der junge Pat gerade als Hauptnummer anfangen sollte, und durch das Gewicht seines eigenen Namens setzte er es schließlich durch. Nach vielem Hin und Her willigte der Missionsklub ein, Pat Glendon auf fünfzehn Runden gegen Zuchthaus-Kelly zu stellen, und zwar um eine Börse von hundert Dollar. Es war etwas ganz Uebliches, daß junge Boxer die Namen der alten Helden des Rings annahmen, und deshalb kam keiner auf den Gedanken, datz der junge Pat ein Sohn des grotzen Pat Glendon sein könnte. Stubener sagte auch nichts davon. Es konnte später gut als Sensation für die Presse gebraucht werden. Einen Monat mutzten sie warten, dann kam endlich der Abend, an dem der Kampf stattfinden sollte. Stubener war sehr nervös. Er hatte seinen Namen dafür eingesetzt, daß sein Schützling eine Sehenswürdigkeit wäre, und zu seinem Entsetzen sah er jetzt, daß Pat, als er kaum fünf Minuten in seiner Ecke des Ringes gesessen hatte, die Fgrbe verlor und ganz fahl wurde. „Kopf hoch, mein Junge", sagte Stubener und klopftt ihm auf die Schulter.„Es ist immer «ist komisches Gefühl, wenn man das erstemal üy Ring steht, und Kelly hat den Trick, daß er seinen Gegner warten läßt, in der Hoffnung, daß er Lampenfieber kriegt." „Das ist eS nicht", antwortet« Pat.„Es ist der Tabakrauch. Ich bin ihn nicht gewohnt, und er macht mich ganz krank." Der Manager atmete erleichtert auf. Wenn cs nur der Tabakrauch war— an den würde sich der Junge schon gewöhnen. Der Eintritt des jungen Pat in den Ring erfolgte unter allgemeinem Schweigen, während Zuchthaus-Kelly mit ohrenbetäubendem Beifall begrüßt wurde, als er unter den Seilen hindurchkletterte. Es war ein Mann von wirklich furchteinflößendem Aussehen, dunkelhäutig, stark beharrt und mit gewaltigen Muskeln, der gut hundertachtzig Pfund wog. Pat betrachtete ihn neugierig und mutzte dafür einen bösen Blick einstecken. Als sie beide dem Publikum vorgestellt waren, mutzten sie sich die Hände reichen. Und sogar, als ihre Handschuhe sich berührten, knirschte Kelly mit den Zähnen, sein Gesicht verzerrte sich vor Wut, und er knurite: „Du hast doch wohl keine Angst?" Roh schlug er Pats Hand beiseite und zischte: „Ich will dich bei lebendigem Leibe fressen, du kleiner Köter." Das Publikum lachte; es hatte erraten, was Kelly gesagt haben mutzte, und freute sich darüber. Als Pat wieder in seine Ecke kam, um dort auf den Schlag des Gongs zu warten, wandte er sich zu Stubener und fragte: „Warum ist er böse auf mich?" „Das ist er gar nicht", antwortete Stubener. „DaS ist seine Art, er will versuchen, Sie einzuschüchtern. Das ist nur Großmäuligkeit." „Aber das ist doch kein Boxen", meinte Pat, und Stubener, der einen schnellen Blick auf ihn warf, bemerkte, daß seine blauen Augen so mild wie immer waren. „Aber passen Sie auf!" warnt er Pat, als der Gong zur ersten Runde ertönte.„Er wird wie ein Menschenfresser auf Sie losgehen." Und wie ein Menschenfresser ging Kelly auf ihn los, schoß in wilder Wut durch den Ring. Pat, der in seiner leichten Art nur zwei Schritte vorwärts gemacht hatte, berechnete die Schnelligkeit des andern, tanzte seitwärts und landete einen rechten Kinnhaken. Dann blieb er stehen und wartete neugierig, was da kommen würde. Der Kampf war aus. Kelly war wie ein vor die Sttrn geschlagener Ochs« auf den Boden gegangen und lag da, ohne sich zu rühren. Der Schiedsrichter beugte sich über ihn und zählte mit lauter Stimme die zehn Sekunden aus. Als Kellys Sekundanten»ach Ablauf der zehn Sekunden in den Ring sprangen, um ihn fortzuttagen, kam Pat ihnen zuvor. Er las das grrtze, schlaffe menschlich« Bündel auf und trug es in die Ecke des Ringes, wo er es auf den Stuhl setzte und den Sekundanten zu weiterer Behandlung überließ. Nach einer halben Minute hob Kelly den .Kopf und öffnete die Augen. Er sah sich verwirrt im Saal um, dann wandte er sich zu dem einen seiner Sekundanten. „Was ist geschehen?" fragte er heiser.„Ist das Dach über mir eingestürzt?" IV. Im allgemeinen herrschte die Ansicht, Pat habe lediglich durch einen Zufall gesiegt, aber trotzdem verschaffte der Sieg Lher Kelly ihm doch einen Kampf mit Rufe Mason. Dieser Kampf wurde drei Wochen später vom Sierra Klub in Dreamland Rink arrangiert, aber das Publikum bekam nicht zu sehen, was geschah. Rufe Mason war ein Schwergewichtler, der in gewissen Kreisen seiner Tüchtigkeit wegen einen guten Ruf genoß. Als der Gong das Zeichen zum Beginn der ersten Runde gegeben hatte, ttafen sich die beiden in der Mttte des Ringes. Keiner von ihnen griff an, keiner schlug, fie umschlichen sich mit gebeugten Armen einander so nahe, daß ihre Handschuhe sich fast berührten. Dann geschah es und so schnell, datz kaum einer von hundert Zuschauern es sah. Rufe Mason machte mit der Rechten«ine Finte. Es war augenscheinlich nicht einmal eine ricktige Finte, nur em Versuch, einen Ausfall vorzutäuschen. In diesem Augenblick landete Pat seinen Schlag. Sie waren so dicht aneinander, datz ein freier Raum von kaum zwanzig Zentimetern vorhanden war, und es war em Haken mit dem lin- ken Vorderarm, von einer Schulterdrehung be« gleitet. Der Schlag traf Rpfe Masons Kinn, und das erstaunte Publikum sah, wie die Beine des Mannes nachgaben und er auf der Stelle, wo er ständ, zusammenbrach. Der Schiedsrichter hatte genug gesehen und begann gleich zu zählen, und wieder trug Pat den Gegner an seinen Platz. Als Rufe Mason zehn Minuten später imstande war, den Ring zu verlassen, mutzten seine Sekundanten ihn stützen, seine Knie waren noch schlaff und seine Augen matt. „Kein Wunder", sagte«r später zu seinem Sekundanten,„datz Zuchthaus-Kelly glaubte, das Dach wäre über ihm eingestürzt." Nachdem Pat auch Klempner-Collins in der zwölften Sekunde der ersten Runde eines Matches von fünfzehn Runden k. o. geschlagen hatte, sah Stubener sich genötigt, mit Pat Glendon zu reden. „Wissen Sic, wie die Leute Sie nennen?" fragte er. Pat schüttelte den Kopf. „Ten Einschlag-Glendon." Z Fortsetzung folgt.) Nr. 112 Mittwoch, 13. Mak 1930 Seite 3 Brief an den Zeitspiegel Ein Mittelschullehrer schreibt uns: Unseren Mittelschülern, wird gegenwärtig auf Veranlassung des Ministeriums für Landesverteidigung der Film„U ns er e Soldaten“(Na&i vojdci) vorgeführt. Der erklärende Text wird von einem hiezu bestellten Offizier gesprochen. Das Ministerium sollte aber bedenken, daß der Eindruck des Films auf die jungen Zuhörer sehr abgeschwächt wird, wenn nicht ins gerade Gegenteil gewandelt wird, wenn die Erklärungen, wie dies in meinem Dienstorte geschah, in einem ganz unmöglichen Deutsch gegeben werden, das die Lachmuskeln der Schüler reizen und ihre Aufmerksamkeit von dem Gegenstand ablenken muß. Es wäre für das Ministerium sicherlich'ein Leichtes, die Aufgabe der Bildererläuterung solchen Offizieren zu übertragen, die die Unterrichtssprache der betreffenden Schule einwandfrei beherrschen. leben, und am 20. Mai ab 11.05 Uhr:„Ein Pfingst« spiel aus Westböhmen". Ferner folgende a u ß e r» ordentliche Sendungen: am 18. Mai ab 11.35 Uhr eine Ansprache des Generalsekretärs des Völkerbundes Avenol an die Jugend des tschechoslowakischen Staates, weiter Die Botschaft der Kinder von Wales und„Holder Friede, süße Ein« tracht"» von Franz Schiller, Musik von Romberg, gesungen vom Schülerchor der deutschen Lehrerbildungsanstalt in Prag. Schließlich am 28. Mai ab 10.15 Uhr eine Feier zum Geburtstage des Präsidenten der Republik., Ein desertierter Reichswehrsoldat in Komotan verhaftet. Die Komotauer Gendarmerie verhaftete Montag den am 30. März 1915 in Wöhren bei Leipzig geborenen ledigen-Bäckergehilfen Martin K n o t h, der von der Reichsarmee desertiert ist. Knoth, der noch die Reichswehrumfürm trug, wurde dem Bezirksgericht in Komotvu eingeliefert. Bolksbildnrr-Tagung. Am 20. und 21. Mai findet in Prag eine Tagung der deutschen- Volksbildner statt. Diese Tagung wurde mit Unterstützung des Ministerimns für Schulwesen und Bolkskultur von den staatlichen Volksbildungsreferenten einberufen und wird auch von diesen geleitet. Die öffentlichen Stadt- und Bezirksbildungsausschüsse sind zu dieser Tagung eingeladen worden, sie erhalten zum Teil auch eine Unterstützung aus den Mitteln des Ministeriums. fudctendcutsdier Zeitspiejct Entwurzelte Jugend In einer nordböhmischen Stadt hat ein Leiter der Heimstätte für die erwerbslose Jugend seine Schützlinge nach den sozialen Verhältnissen gefragt, in denen sie vor der Eröffnung der Hcim- slätte gelebt haben. Dialog mit einem Achtzehnjährigen:„Was gedenkst du zu tun?"—„Dasselbe, das ich bis jetzt getan habe: mich von einem Weibe aushalten lassen I"—„Wo wohnst du denn?"— „Bei meiner Alten. Ich habe heute eine Vorladung zum Gericht bekommen."—„Weswegen?"—„Wegen der Zahlung für ein Kind!"—„Ist es das Mädel, mit dem du zusammen wohntest?"—„Nein, eine andere! Aber ich werde nicht zahlen, ich bin doch nicht blöd, soll sie sich kümmern!" Ein Siebzehnjähriger erzählt sachlich und ohne jede Gemütsbewegung, wie er, gemeinsam mit vier Gleichaltrigen, ein Sittlichkeitsaltentat auf ein Mädchen unternommen hat, ein anderer Siebzehnjähriger unterhält mit einer verheirateten Frau ein Verhältnis. Nach Schluß der Heimstätte wird er kein Unterkommen haben, er braucht die Frau. „Glaub' mir, wenn ich wieder Arbeit gefunden haben werde, mache ich sofort Schluß mit ihr", sagt er. Ein Fünfzehnjähriger unterhält Beziehungen zu einem Mädchen, das dieser Tage erst vierzehn Jahre alt wurde. Er ist lungenkrank, unterernährt und wiegt 86 Kilogramm. Außerdem ist er ein starker Raucher. Alle freundschaftlichen Ermahnungen sind fruchtlos. Ein Achtzehnjähriger unterhält Beziehungen zu einer älteren Frau, ein anderer achtzehnjähriger Heimstäüenbcfucher animiert seine Kollegen zum Besuche seiner Mutter:„Es genügt, wenn Ihr etwas zu essen mitnehmt!"— Zwei weitere Achtzehnjährige stellen sich gegen Entschädigung Homosexuellen zur Verfügung. Gewiß, das sind grauenhafte Fälle, aber sie sind leider nicht so vereinzelt, wie Gutgläubige annehmen mögen. Die Heimstätte hat diesen entwurzelten Jugendlichen einige Wochen hindurch Halt und Führung gegeben. Jetzt sind sie wieder ganz sich selbst überlassen, ohne jede Möglichkeit, sich durch ihrer Hände Arbeit ein Stück Brot zu verdienen. Die Angestellten in der Seidenindustrie ; Die Verhältnisse in der S e i d e n-I n d u- st r i e insbesondere in lohnpolitischer und arbeits- rechtlicher Beziehung waren Gegenstand einer eingehenden Aussprache in einer besonderen gesamtstaatlichen Konferenz der im Allgemeinen Ange- stellten-Berband organisierten und in der Seidenindustrie beschäftigten Angestellten, die in Hannsdorf(Schlesien) tagte. Aus den Berichten und Schilderungen ist zu entnehmen, daß die Lage der Angestelltenschaft in der Seidenindustrie, obwohl diese unstreitbar gut beschäfttgt ist, sehr kritisch und nahezu untragbar geworden ist. Die Entlohnung, die durch zwecklose Kriscnmaßnahmen auf ein Minimum herabgedrückt wurde, ist trotz der seit etwa anderthalb Jahren anhaltenden Beffe- rung noch immer auf dem Stande von 1933, also des ärgsten Notjahres geblieben. Auch ergeben sich in der Gegenüberstellung der Gehaltsverhältnisse gleicher Angestelltenkategorien die unglaublichsten Spamumgen, die Beweis dafür sind, daß die An- gestellten-Lebenshaltung insbesondere bei den jüngeren Kräften auf niedrigstem Niveau verewigt werden soll.. Die Ueberstundenpraxis in der Seidenindustrie ist bis auf ganz geringe Ausnahmen überall gang und gäbe und drängt nach Behebung, weil dieselbe eine weitere Berkürzuno des Reallohnes bedeutet und die Berhältniffe auf dem Arbeitsmarkte der Angestellten noch mehr verschärft. Ebenso müssen auch Vorkehrungen getroffen werden, die auf Verbesserung der sozial gedrückten Lage der jüngsten Angestellten abzielen und vor allem die Entlohnung, Pensionsversicherung usw. zum Gegenstand haben. Auf Grund der erstatteten Berichte und Mitteilungen der Vertrauensleute wurden Beschlüsse gefaßt, die Maßnahmen vorsehen, von denen eine Besserung der Situation für die Seiden-Angestellten im allgemeinen Wirtschastsinteresse erwartet werden kann. Aus der Mufikstadt Pctschau. Sonntag, den 17. Mai, gelangt im Konzertsaale des neuerbauten Vereinshauses zu Petschau das Oratorium),D a s P a- r a bi esund diePer i". von Robert Schumann durch Chor und Orchester der Musikschute unter Mitwirkung des gemischten Chores des Petschauer Männergesangvereines zur Aufführung. 180 Mitwirkende. Dirigent: Direkwr Josef Nürnberger. Ein neues Werk des antifaschistischen Dichters: Zgnazio S i l o n e Brot und Wein Roman aus dem Alltag des faschistischen Italien —— Preis ged. K£ 56.———- Zu beziehen durch die Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XU., Slrzska 13. Josef Triebe endlich unter Anklage Nach zweieinhalbjähriger Untersuchung Gegen den ehemaligen Direktor der„Heimatscholle" in Komotau, Josef Triebe» wurde nun endlich nach zweieinhalbjähriger Untersuchung die Anklage von der Staatsanwaltschaft des Egerer Kreisgerichtes erhoben. Das umfangreiche Aktenmaterial, resp. die Anklageschrift im Umfange von 70 Maschinenschrift-Seiten wurde dem Angeklagten bereits übergeben. Mit ihm sind noch angeklagt wegen Beihilfe der Advokat Dr. Georg B a i e r l aus Görkau, der ehemalige Bürgermeister von Joachimsthal, Katechet Georg Stumpf, sowie der städtische Amtsdirektor von Joachimsthal, Hugo F e st l. Die Verhandlung dürfte wahrscheinlich noch im Monat Juni zur Durchführung gelangen. Vertreten wird der Hauptangeklagte Triebe von Dr. Frank und Dr. Wolf, Eger. Triebe hat sich bekanntlich durch Defraudie- rung von Millionenbeträgen zum Schaden von Gemeinden und Korporationen des Betruges und der Veruntreuung schuldig gemacht. Während seiner zweieinhalbjährigen Hast im Egerer Kreisgericht hatte er durch verschiedene Mistel versucht, als geistig nicht iwrmal anerkannt und somit als für seine Handlungen nicht verantwortlich gemacht werden zu können. So hatte er u. a. sich Knöpfe an die bloße Haut angenäht und Geisteskrankheit vorgetäuscht. Er wurde daraufhin nach Prag zur psychiatrischen Beobachtung gebracht, von verschiedenen Psychiatern untersucht und für geistig vollkommen normal befunden. Mit seinem Simulantentum war er somit auf den Holzweg geraten. Er hat daraufhin auch sein Benehmen geändert und sich mit der Lage abgefunden. 17. Nai Tag der Atus-Wanderung 10.000 Atusmittzlieder, Männer, Frauen und Kinder ziehen alljährlich am Tag der„Maiwande- rung"-,hinaus ins Freie»--r-wt-’t Ernste Kampf- und Wanderlieder, begleitet von allen möAichen Musikinstrumenten, machen den Marsch aufs Land, durch Dörfer, Wälder und Wiesen zum frohen Erlebnis und wirkungsvoller Werbung für den Arbeitersport. Auch in diesem Jahr rüsten 1000. Atusmit» gliedrr, 100. Atusvereine für den Tag der Maiwanderung. Parteigenossinnen und-Genosse«! Freunde aller sozialistischen Organisationen! Schließt Euch an, wandert am 17. Mai mit uns, den Arus. Fragt sofort das nächste Atusmitglied, wo eS Sonntag, den 17. Mai, hingeht. Singt mit uns das Lied zum 3. Bundesturnfest „Vorwärts du Volk" Vorwärts, du Volk! Lagt unser Lied erklingen ins letzte Dorf, ins lebte Haus bineln. Ein bespres Leien, das wir alle dringe» wird uns die Gasse in die Ankunft sein! Vorwärts! Vorwärts! Und nicht adseits fteb'n, Vorwärts! Vorwärts! Alle müssen mit. Vorwärts! Vorwärts! Auch du mutzt mit UNS geh'«. In ftegesfrohen Mässenschritt.— Vorwärts, du Volk! Heraus aus dumtzfen Galten! Hersleut die Krönt, die all« Krönten schlägt. Und die die Straft der nie besiegten Massen Zukunftderbeitzend weit ins Reuland trägt. Vorwärts! Vorwärts! Vorwärts, du Volk! Die Knechtschaft gilt's zu schlage«! - Arbeit und Brot sür dich! Für jedermann! Sudetenland! Die roten Kähnen-sagen Dir Kretheit, Re-*t und bessere Zukunst an! Vorwärts! Vorwärts! Line feier des Landvolks In einer Morgenfeier, die den Titel „1000 Jahre Kampf um Scholle und Freiheit" führt, wird beim Bodenbacher Reichsjugendtag zu Pfingsten der Frcihestskampf des Landvolkes in der Vergangenheit und Gegenwart gezeigt. „Der Weg der Bauernschaft durch ein Jahrtausend soll sichtbar werden— und in die Zukunft wessen. Er lehrt uns, daß das Landvolk seine Bedrücker stets nur dann besiegen konnte,'wenn es nicht isoliert gegen sie kämpfte, sondern sich mit den anderen unterdrückten Schichten des Volkes zu gemeinsamer Tat verbündete". Das wird zu Beginn der Revue auf der Leinwand zu lesen sein, nachdem aus Beethovens 6. Symphonie„Gewitter und Sturm" verklungen sein wird. Während die Bühne die freie Urlandschaft mit der symbolischen Wappeninschrift der Klinischen Freibauern„Niemands Herr und niemands Knecht, das ist Künisch Bauern Recht!" zeigt, wird dargestellt, wie einstmals der Bauer frei war, ein Gleicher unter Gleichen auf freiem Grund und, Boden, und allmählich von den Fürsten entrechtet, beraubt und zu ihrem Arbeitsvieh gemacht wurde. „Doch Fürstendruck und Martcrqual vermochten nicht die Flamme zu ersticken, die heimlich in der Bauern Herzen brannte, vermochte nicht die Kunde zu verschütten, die aus der Zeiten Abgrund mahnend raunte: Von einstger Freiheit und geraubtem Recht!" Sie entfachten die großen Bauernrebellionen in Deutschland 1525 und den Sudetenländern 1680. Die Bauern unterlagen, doch—„einstmals wird Thomas Münzers Vermächtnis erfüllt!" Kaiser Josef II. hob die Leibeigenschaft auf, über Hans Kudlichs Antrag in dem von den Studenten und Arbeitern erkämpften Wiener Reichstag 1848 fällt auch die Robot. Wir vernehmen Kudlichs große Reden aus jener Zeit als Mahnung an die heutige Generation. Der große Sklavenhalter unserer Zeit, der Kapitalismus, zwang auch den Bauern in sein Joch. Und neben ihm die Handwerker und Kleinhändler, den Mittelstand und die Arbeiterschaft. Sie alle leiden unterm Kapitalismus. Sie alle suchen einen Ausweg, sie finden ihn:„Der Ausweg heißt Sozialismus!" Denn erst im Sozialismus wird der Bauer wieder wahrhaft freier Eigner der freien Scholle sein. Gleicher unter Gleichen, so wie sein« Urahnen es in lang vergangenen Zeiten waren. Erst im Sozialismus wird der Arbeiter den voUen Ertrag seines Schaffens ernten. Erst im.'Sozialismus werden alle, die heute Ausbeutung und Not erdulden, freie und gesicherte Mitglieder der großen Schaffensgemeinschaft aller Werktätigen sein". Und so finden sie sich auch, Arbeiter, Bauern und Kleinbürger zum vereinten Kampf gegen ihren gleichen Feind, den Kapitalismus, um das Werk, das ihre Väter begonnen, zu vollenden und zu krönen! Zum Schluß ein Blick in die Zukunft,— frohe Jugend tanzt auf befreiter Erde. In der Revue werden Gesang und Tanz, Schallplatte und eine Jugendkapelle, Lichtbild, Sprechchor und Theaterszenen verwendet. Sie wird von den Prager S2- und RW-Mitgliedern, den Jugendlichen der Kreise Sternberg und Trop- pau und der Gruppe Weiskirchlitz vorgeführt werden. Look macht Fremdenverkehrspropaganda für die ÖSR (R. F.) Dieser Tage ist zwischen dem Handelsministerium und der Wagon Lits Cook ein Vertrag abgeschlossen worden, wonach diese Firma heuer in England, Belgien, Frankreich, Holland und in der Schweiz für den tschechoslowakischen Fremdenverkehr Propaganda machen wird. Cook wird in 24 Hauptbüros je vier ganzwöchige, insgesamt also 96 Ausstellungen veranstalten, eine eigene Werbebroschüre über die Tschechoslowakei herausgeben und in den Reisezeitschriften redaktionelle Propagandaartikel veröffentlichen. Dazu kommen Einzel- und Gruppen exkursionen. Diese amtliche Mitteilung ist erfreulich.. Cook besitzt allein in Europa 350 Haupt- und Nebenfilialen. Da das Abkommen sofort in Kraft tritt, werden noch für diesen Sommer fünf Extrazüge allein aus England mit je 300 bis 400 Touristen erwartet. Der erste soll Anfang Juni eintreffen. Es wird anzunehmen sein, daß Cook sich für diese Arbeit gut bezahlen lassen wird. Aber es scheint notwendig gewesen zu sein, trotz des Bestehens eines halbamtlichen Reisebüros, die Fremdenverkchrspropaganda für die Tschechoslowakei einem ausländischen Unternehmen anzuvertrauen. Hoffentlich wird man bei uns wenigstens mit der Zeit lernen, wie man Fremdenwerbung betreibt. Und hoffentlich werden wenigstens die unausbleiblichen guten Ratschläge Cooks bei unseren amtlichen Stellen Gehör finden, wenn schon die zahlreichen Reklamationen aus dem eigenen Lande auf taube Ohren gestoßen sind. Der deutsch« Schulfunk beim Prager Radiojournal bringt für die Oberstufe: am 19. Mai ab 11.05 Uhr:„Franzensbad, das Herzherl- bad", eine Reportage aus Franzensbad; für die Unterstufe heute ab 10.15 Uhr:„Peterle u n d d i e B i e n t a", Funkszenen aus dem Bienen- Immer wieder neue Verbannungen In Südtirol Italienische„Kulturbringer“ in Reinkultur Kaum eine Woche vergeht, ohne daß Meldungen über neue Verbannungen aus Südtirol kommen: wieder hören wir von drei Verbannungen, welche in den letzten Tagen Südtiroler betroffen haben. So wurde Leopold Nasser aus Mareit bei Sterzing nach Cancelleria, Provinz Potenz«, verbannt, weil er angeblich Militärflüchtlingen den Weg über die Grenze gewissen hat; Johann Terz er aus Kurtatsch wurde aus unbekannten Grunde aus seiner Familie von vier Kindern herausgerissen und nach Vaglio Lu- cano gebracht; Blasius Heiß aus Sarntal mußte in die Verbannung wandern, weil er für arme Kinder eine Weihnachtsbescherung veranstaltet und dafür Gaben angenommen hatte. Der Student Karl Schmeißner, der aus seinem Verbannungsorte Potenz« zum Militär einberufen worden war und seine militärische Dienstleistung beendet hatte, mußte wieder in seinen früheren Verbannungsort zurückkehren. Der Strafkompagnie Pizzigthetto zugeteilte fünf Südtiroler erhielten bis auf weiteres ihren Zwangsaufenthalt auf der Insel Elba angewiesen. Oie britische Budget-Affäre London. Der Korrespondent des Deutschen Nachrichten-Büros meldet: Die erste Sitzung des Ausschusses zur Untersuchung der Versicherungsspekulation in Verbindung mit dem vorzeitigen Bekanntwerden der Steuer- und Zollerhöhungen brachte schon kurz nach Beginn der Eröffnung eine auffehenerregende Enthüllung. Nach den Mitteilungen des Generalstaatsanwaltes sind drei Versicherungsgeschäfte auf Anweisung des Sohnes des Kolonialmini st ers Thomas getätigt worden. Der junge Thomas ist Teilhaber einer Börsenmaklerfirma. Die erste Versicherung ivurde bereits am 15. April, also etwa eine Woche vor der Bekanntgabe des neuen Haushaltsplanes im Unterhaus, durch Alfred Bates abgeschlossen, der ein alter Freund sowohl des Kolonialministers als auch dessen Sohnes ist. Eß«gefe«det. Batas Wettbewerb um den schönsten Zliner Garten. Wie alljährlich, so wurde auch Heuer von der Wohnungsabteilung der Bakawerke ein Wettbewerb um den schönst gepflegten Garten in den Zliner Gartenvierteln ausgeschrieben. Dieser Wettbewerb ist mit ansehnlichen Preisen dotiert und man konnte daher in der Folge in allen Vierteln der Zliner Familienhäuser ein reges Treiben und Arbeiten in allen Gärten beobachten. Heute schon können sich eine ganze Anzahl dieser Gärten auch vor anspruchsvollen Augen sehen lassen.^3—5 Seite l Die„eitle Primadonna** Ein Leser schreibt uns: Vor einigen Tagen brachte das„Prager Tagblatt" ein Urteil eines amerikanischen Journalisten über Hitler. Unter anderem stellte der Amerikaner fest, daß Hitler nie im Auslande war außer seinen Jugendjahren, die er in Oesterreich verlebte und seiner vor ungefähr drei Jahren absolvierten Reise zu Mussolini. Was die Reisen Hitlers anbelangt, so klafft in dieser Darstellung eine Lücke. Hftler war mindestens doch noch einmal im Ausland, und zwar in der Tschechoslowakei, einige Monate vor dem Münchner Bräuhausputsch. Er war wirklich und in höchsteigener Person Gast unserer deutschen Nationalsozialisten i n D u x. Sein Besuch bei dem damaligen Führer unserer Nationalsozialisten, Hans Knirsch in Dux, hing auch mft Verhandlungen über die Verhältnisse der nationalsozialistischen Druckerei in Dux zusammen, die sich nicht gerade in der rosigsten Geschäftslage befand und noch einige Zeit mü-finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.. Doch das Charakteristische an den: Ostlerbesuch bei seinen Parteifreunden in Dux war das Verhalten der Duxer Naziführer nach dem Be- such. Hstler scheint auf seine Freunde damals keinen befriedigenden Eindruck gemacht zu haben. Die Gespräche über die Person Hitlers, die unter ihnen geführt wurden, waren durchaus nicht von Hochachtung über seine Fähigkestcn, sondern mehr in spöttelnd wegwerfendem Tone geführt.. Dafür gibt es einen drastischen Beweis. Denn einige Wochen nach dem Besuch in Dux nmchte Hitler den bekannten Bräuhausputsch in München. Darauf schrieb die nationalsozialistische Duxer„Volksstimme", die in der Gutenberg. Druckerei hcrgestellt wurde, in aufsehenerregender Weise sehr abfällig über den Putsch und seinen Initiator. Damals war es, als Hstler von diesem Blaste eine„eitle Primadonna" genannt wurde. Es steht unzweifelhaft fest, daß sich dieses Urteil bei dem Besuch dieses Mannes in Dux in der Hitlerfiliale gebildet haste. Der Verfasser des Artikels zog es auch vor, nach der Auflösung der Hakenkreuzpartei nicht nach Deutschland zu emigrieren. Er wird wohl wissen warum. Idyllische Gegend! In der Siedlung Dilu bei der Gemeinde Repinna, woher der berüchtigte, von der Gendarmerie gesuchte Räuber Juraj Kle- vec stammt, der sich am polnischen Hang der Karpathenwälder verborgen hält, gerieten zwei Lager der Einwohner, von denen das eine Lager zu dem Räuber hält, das, andere Lager zu Fedor Kost- jukov, dessen Vater und Bruder vor sechs Jahren am 10. Mai 1930. von unbekannten Tätern, wahrscheinlich direkt von Klevec erschossen wurden, in Streit. Fedor Kostjukov selbst wurde einmal von Klevec überfallen, der zwölf Gewehr- und Pistolenschüsse auf ihn abgab, ohne zu treffen. In den Streit der beiden Lager mischte sich der 57jährige Ivan Kisz ein, wobei er von einem unbekannten Täter mit einem Prügel auf den Kopf getroffen wurde, so daß er an Ort und Stelle starb. Der Mordtat ist Fedor Kostjukov und ein gewisser Prismusnik aus dem gegnerischen Lager verdächtig. Die Einwohner der Siedlung Dilu sind größtenteils wegen Diebstahls, Rauferei und Tötung vorbestrafte Personen. Hat sich nicht gelohnt! Seit seinem Eintritt in den Völkerbund hat Abessinien dem Völkerbund rund 48 Millionen Kö an Beiträgen gezahlt.(g) Etwas für Raucher Aber vielleicht wird es die Nichtraucher auch interessieren. Nämlich wieder einmal etwas über die Erzeugung der Zigaretten und Zigarren zu lesen. Es mit eigenen Augen zu sehen— wozu dieser Tage den Prager Journalisten Gelegenheit geboten wurde —, ist freilich noch interessaMer. In T ä b o r steht, noch aus den Zeiten des alten Oesterreich, ein mächtiges Gebäude, damals k. k., jetzt tschechoslowakische Tabakfabrik. In der Republik ist sie eine von zwanzig und sozusagen die„volkstümlichste"; denn sie ist eine der Hauptgeburtsstätten der billigen und b ill i g ste n-S o rt en. 1.2 Milliarden Zigaretten werden dort jährlich erzeugt; und wenn das Geschäft besser ginge, könnten es 1.8 Milliarden sein. Vor allem„Zora",„Vlasta", „Sport" und„Dagmar"; dazu noch die Zigaretten derer, denen es gut geht:„Memphis",„Aegypttsche" und die wenig gerauchte„Sphynx". Die ausgesprochenen Luxus-Zigaretten werden in Täbor nicht erzeugt. Auch nicht Luxus-Zigarren; die„Kurze" dominiert, daneben„Kuba" und Portorico". Den journalistischen Vertretern der Zigarettenraucher wird übrigens eine neue Sorte angeboten, di« in kurzer Zeit auf den'Markt kommen wird: die „Letka", die ausgezeichnet schmeckt. Wenn sich nur alle die 25 Heller leisten könnten! Mittwoch, 13. Mai 193« Nr. 112 Oie Eheschmiede von Gretna Green soll verschwinden In der ganzen Welt ist die Schmiede von Gretna Green in Schottland berühmt,'weil der Schmied das Recht hat, die zu ihm kommenden Paare ohne jede Förmlichkeit über dem Amboß zu trauen. Die Kritik gegen diese Art der Trauungszcremonie ist jedoch immer lauter geworden, und jetzt soll dem Schmied die Genehmigung zum Vollzug von Trauungen entzogen werden. Dies Bild zeigt eine Trauung in der Schmiede von Gretna Green. In eine Felsschlucht gestürzt. In der Nähe von Görz stürzte durch ungeschickte- Handhabung des Wagens infolge des Versagens der Bremsen an einer Kurve ein mit fünf Personen besetzter Kleinkraftwagen in eine hundert Meter stefe Felsschlucht, auf deren Grund ein etwa zehn Meter tiefer Fluß dahinbraust. Nur einem der Insassen gelang es, sich durch eine kühnen Sprung zu retten, wobei er leichte Verletzungen erlitt. Trotz der sofort in Angriff genommenen Nachforschungen ist es bisher nicht gelungen,'die übrigen vier Verunglückten, darunter drei Mädchen, zu bergen. Schwerer Blitzschlag. Samstag nachmittags ging über der Karlsbader Umgebung ein Gewitter nieder. Das Unwetter überraschte den Bauern Richard Rau aus Voitsgrün mit seinem 17jäh- rigen Sohn auf dem in der Nähe des Ortes gelegenen Felde. Als der Regen wolkenbruchartig einsetzte, flüchtete er mit seinem Sohne und seinem Gespann, bestehend aus einem Ochsen und einem Pferde, unter eine Gruppe von Fichten. Der Blitz schlug in die Fkchtengruppe ein und tötete den Bauer und sein Gespann. Der 17jährige Sohn kam zwar unter das fallende Vieh zu liegen, wurde aber nur leichter verletzt. Demonstranten im Autobus verunglückt. In der Nähe von Carincna(Provinz Saragossa) geriet ein Autobus, der mtt Teilnehmern an einer Massenkundgebung des syndikalistischen Gewerkschaftsverbandes in Saragossa. voll besetzt war, infolge Steuerbruchs ins Schleudern und stürzte einen steilen Abhang hinunter. Das Fahrzeug wurde vollständig zertrümmert. Zwei Insassen waren auf der Stelle tot. 26 trugen schwere Verletzungen davon; von ihnen starben zwei auf dem Transport ins Krankenhaus. Es wird.damit gerechnet, daß sich die Zahl der Todesopfer noch weiter erhöhen wird. 14 F'öfter ertrunken Dienstag morgens'in einem See im östlichen Schweden, als sie von ihrer Arbeit heimkchrten. Sie hatten ein kleines Boot über den teilweise vereisten See gezogen, das in dem Augenblick umkippte, als sie es ins Wasser setzten wollten. Neun Flößer konnten sich retten. Nach dem Genüsse von gekochtem Maisbrei wurden in Mailand neun Personen mit schweren Vergiftungsexscheinungen in das Krankenhaus eingeliefert. Bon den Erkrankten sind bisher drei Frauen ihren Vergiftungen erlegen. Man nimmt an, daß sich in dem Kupfergefäß, in welchem die Speise zubereitet worden war, Giftstoffe gebildet hatten.. Liebesdrama im Hotelzimmer. Dienstag mittags wurden in einem Zimmer des Hotels „Praha" in Kremsier die Leichen eines Mannes und einer Frau gefunden. Die Frau wies eine Schußwunde unterhalb des rechten Auges, der Mann eine solche an der rechten- Schläfe auf.' Die Hand des Mannes hielt noch den Revolver umklammert. Die Gendarmerie stellte fest, daß es sich um den 31jährigen verheirateten Schuhmachergehilfen Pisttckh und um die 20jährige Hausgehilfin Anna Zvedlerovä handelt. Die bci- ven waren Montag nachmittags mit einem Motorrad nach Kremsier gekommen und hatten unter falschen Namen Wohnung genommen.-- Dem Mord und Selbstmord'mutz ein heftiger Kampf zwischen den beiden vorausgegangcn -.sein, denn die Einrichtung des Hotelzimmers war in Unordnung und auch die Kleider der Töten wiesen Spüren eines Kampfes auf. Der Preis des Menschenlebens. Der Wert des menschlichen Lebens wird in Hollywood letzten Nachrichten zufolge immer tiefer und tiefer eingeschätzt. Für den Sprung eines Akrobaten vom Dach eines, fahrenden Zuges auf das Dach eines änderen ebenfalls fahrenden Zuges will man nicht einmal hundert Dollar mehr zahlen. Bisher wurden für diese Leistungen mindestens 350 Dollar gezahlt.'Auch für einen Sprung von einem Felsen in ein fahrendes Auto wird jetzt nur noch eine Summe von höchstens hundert Dollar gezahlt. Dennoch finden sich immer wieder Leute, die bereit sind, ihr Leben für so geringe Summen einzusetzen.(g) „Gemüsefabrik." In. dem Moskauer Vorort Ostankina wurde«ine riesige„Gemüsefabrik" eröffnet, die aus einem ausgedehnten System von Treibhäm ern mit insgesamt 50 Kilometern Warm- und Kaltwasserleitungen besteht. Sie wird schon in diesem Jahre 1% Millionen Gurken, 44 Million Kilogramm der verschiedensten Gemüse sowie große Mengen von Blumen und Kakteen liefern. Absturz-in den Bergen. Wie aus Innsbruck gemeldet wird, sind der Spengler Johann Anker und ein Büroangestellter, namens Blim, beide 21 Die Herstellung der Zigarren und: Zigaretten ist nicht nur sehenswert, sondern auch reizend, appetitlich. Man bekommt Lust, zu rauchen. Aber in der Fabrik ist nicht nur den Arbeitern,- sondern auch den Besuchern das Rauchen verboten. Was die Arbeiter anlangt, dürfte ihnen das schon deshalb wenig ausmachen, weil es sich zum größten Teil um A r- beiterinnen handelt; gegen vierhundert sind's bei einer Gesamtbelegschaft von etwa fünfhundert. Stumm sitzen diese Arbeüerinnen in'ihren fast uniformen Kitteln bei den Arbettstischen oder Maschinen; fast durchwegs reife oder auch ältere Frauen. Tie kleinen Frauenhände und ihre Geschicklichkeit eignen sich besser für dieses Handwerk, insbesondere für die rein manuelle Herstellung der Zigarren, die zwar(wenigstens in unseren Breiten) nur von Männern geraucht, aber ausschließlich von Frauen gemacht werden. Stundenlang könnte man den Wick- leriNnen und Spinnerinnen zuschauen, die- einander in die Hände arbeiten. Freilich fragt man sich, bei wievielen von ihnen das jahrezehntclange tägliche Sitzen in der nikottngescbwängerten Luft ohne jede Schädigung der Gesundheit bleiben dürfte. Aber anderseits stellt man mustergültige Sauberkeit im ganzen Betrieb fest und erfreulicherweise auch das daß der Staat nicht der schlechteste Arbeitgeber ist. Auf persönliches Befragen gibt eine Arbeiterin 138, eine zweit« 146, eine dritte 160 KL als Wöchenlohn an; er steigt mit der Dienstzeit. Hochqualifizierte Arbeiter bringen ei sogar bis auf 250 KL. Und allen winkt''ja' einmal die Staatspension. Die Fabrik hat für die Arbeiterschaft und für deren Familienangehörigen eine eigene Krankenversicherung, einen Ordinationssaal und alles, was dazu gehört; auch eine Arbeiterküche ist.. da, ein geräumiger Speisesadl, aüde'rswo' auch für Kinder bis zu drei Jahren Krippen(die wurden den Journalisten aber nicht gezeigt). Maschinell hat sich seit- dem Umsturz in der Tabakfäbrikatton zwar keine Umwälzung-vollzogen, aber modernere, leistungsfähigere(und übrigens im Inland hergestellte) Maschinen find doch hie und da zu sehen. Immer wieder bewundert man die Sauberkeit, Präzision und Geschwindigkeit, mit denen in wenigen Sekunden aus dem flockigen Tabak nicht nur die„ewig fließende" Zigarette' entsteht und geschickten, sondern auch bedruckt und verpackt wird. Bei Tisch erzählte der Generaldirektor der Ta- bakrcgie, Dr. Hladky, interessante Einzelheiten; über den Kampf um die„Filtra",.über die Rivalität'zwischen„Memphis" und„Aegypttsche" und launig auch etwas über die Antckaucher-Liga, von der die Tabakregisseure natürlich wenig begeistert sind. Aussicht auf nennenswerten Erfolg- hat sie wohl. kaum; Tabor allein schickt jährlich nicht weniger als 570 Millionen„Zora" in die Trafiken; und die noble „Aegypttsche" dort beispielsweise verzeichnet immerhin 130 Millionen!,'. Fluggeschwader notgelandet Prag.(MRT) Eine Gruppe von Flugzeugen des Fliegerrcgiments 3 geriet von der Slowakei nach Prag unterwegs, wohin sie zwecks Trainings für den Armeeslugtag flogen, bei B- Brod in ein heftiges Gewitter und Nebel, so daß einige Flugzeuge zu sofortigem Riedergehen gezwungen waren. Drei Flugzeuge wurde» bei der Landung anf dem aufgeweichtrn Terrain beschädigt. Bon den Besatzungen wurde niemand verletzt. Ein amtliches Kommuniquee über diese Landung wurde zunächst nicht ausgegeben, weil es sich nicht um einen Unfall handelt, bei welchem Mitglieder der Besatzungen verletzt wurden. Notlandungen werden seitens der einzelnen Kommandos des Ra- tionalverteidigungsministeriums nicht gemeldet. Bei kleineren Unfällen mag dieser- Standpunkt des Berteidlgungsministeriums berechtigt sein, in dem vorliegenden Falle hat das Schweigen der offiziellen' Stellen aber nur üble Folgen gehabt. Die Nachmittagsblätter verbreiteten Meldungen, datz neun, ja achtzehn Flugzeuge notlanden mutzten. Außerdem! konnte man von der Bahnstrecke Kolin—Prag aus drei havarierte Flugzeuge, von denen eines mit dem Propeller in die Erde gebohrt war, sehen, so daß sich natürlich in Prag sofort Gerüchte von einem großen Flugunglück verbreiteten. Schon um diesen Gerüchten entgegenzutreten, hätten die verantwortlichen Stellen eben diesmal von der Schablone abgehen und die Havarien melden müssen, auch wenn keine Personen zu Schaden gekommen sind. Ob diese Notlandungen unbedingt notwendig waren oder ob große Bombenflugzeuge nicht auch noch andere Möglichkeiten haben sollten, ohne Havarie aus einem gewöhnlichen Gewitter herauszukommen, wird Wohl— im ureigensten Interesse der Landesverteidigung— Gegenstand einer genauen Untersuchung sein müssen. Jahre alt, bei der Erfletterung des Roßkopfs tödlich abgestürzt. Eine alpine Rettungsexpeditton hat die beiden Touristen tot aufgefunden.— Der 47jährige Hilfsarbeiter Johann Prähauser aus Hallein stürzte beim Blumenpflücken in der Glasenbachflamm bei Aigen über 15 Meter ttef in den Glasenbach al» und blieb dort tot mit einem Schädelbruch liegen. Auto-Zusammenstoß. Auf der Landstraße von Paris nach Billeneuve—St. Georges fanden bei einem Zusammenstoß zwischen einem Personenautobus und einem Lastkraftwagen, der einen am Stta« ßenrande parkenden Kraftwagen überholen wollre, vier Personen den Tod. Fünf weitere wurden schwer verletzr. Eifrrsuchtsmord. In der Gemeinde^StanLa bei TrebiLov in der Ostslowakei ermordete ein unbekannter Täter den 21jährigen Michael Toth, den Sohn eines dorttgen Arbeiters, durch eine Stichwunde mit einem langen Küchenmeffer ins Herz. Das Messer wurde in der Nähe des Tatortes gefunden. Den ersten Anzeichen der Untersuchung zufolge kann angenommen werden, daß Toth das Opfer eines Eifersüch- ttgen geworden ist. Die zur Leiche herbeigeeilten Leure konnten noch den Mörder sehen, doch ist er unerkannt entflohen. Die Gendarmerie hat die Fahndung nach ihm eingeleitet. Smetana-Museum. Dienstag, am 52. Todestage des Komponisten Bcdrich Smetana wurde das Smetana-Museum in Prag in Anwesenheit des Präsidenten der Republik feierlich eröffnet. Das Museum ist im Gebäude des ehemaligen Altstädter Misser« turmes in einer Häusergruppe bei den Altstädier Mühlen, in der Nähe der Karlsbrücke installiert. Die neuen Motorschnellzüge Nr. 175(Abfahrt von Brattslava um 5.50 Uhr, von Brünn um 7.85 Uhr, Ankunft in Prag-Wilsohnbahnhof um 10.42 Uhr) und Nr. 176(Abfahrt von Prag-Wilsonpahn« Hof nm 18.35 Uhr, Ankunft in Brünn um 21.43 Uhr und in Braiiflava um 23.26 Uhr) beginnen nicht bereits vom 15. Mai h. I. zu verkehren, sondern, wie bereits im Fahrplan angeführt ist, vom Tage der Einführung, bis die besonderes schnellen für dieselben bestimmten Motorwagen geliefert und mit ihnen die erforderlichen Vorprüfungen durchgeführt sind. Wenn keine unvorhergesehenen Schwierigkeiten eintreten, wird das im Laufe des Monats Juni d. I, der Fall sein. Die Einführung des Verkehrs wird bekanntgegeben werden. Wahrscheinliches Wetter. Wechselnd bewölkt, strichweise noch Gewitter oder Schauer. Im Osten der Republik weiterhin wärmer als im Westen. Vom Rundfunk BwpHhlenewrtee mu 4m rronriw—i Donnerstag Prag: Sender L.: 6.15 Gymnastik. 10.05 Deutsche Presse. 11.05 Mujiks Salonquartett. 12.10 Opernarien. 17.45 Deutsche Sendung: Jugendstunde mit Musik. 18.20 Landwirtschaft. 18.45 Deutsche Presse. 19,30 Aus dem Nationaltheater:„Zwei Witwen" von Smetana. 22.15 Konzert.— Sender St.r 7.30 Populäres Konzert. 14.15 Deutsche Sendung; Dr. Glaser: Abaclard und Heloise. 14.35 Kreitner: Kunsthistorische Sonntagswanderungen. 19.10 Zithersolos.— Brünn: 12.35 Mittagökoitzert. 13.30 Deutscher Arbeitsmarkt. 15.30 Lieder von Dvorak. 17.40 Deuffche Sendung: Arbeiterfunk: Kreisler: Fürsorge für Kindergesundheit. 18.30 Lieder.— Preßtnrg: 18.35 Mexikanische Lieder. 21.20 Suk: Klavierquintett.— Kaschan: 16.20 Rundfunkorchesterkonzert.— Mähr.» Ostrau: 17.30 Unterhaltungsmusik. 18.10 Deutsche Sendung: Rundfunkszenen. Nr. 112 Mittwoch, 13. Mai 1836 Seite 5. tlusöamt Italien als Weltmacht. Der römische Mitarbeiter des Pariser„T e m p s" schreibt: Der italienische Sieg ist eine Tatsache. Das Gebiet, das durch die Truppen von Badoglio besetzt ist, ist viermal so groß als Italien(das ist natürlich eine maßlose Uebertreibung: bis zum 9. Mai haben die italienischen Truppen im Norden und Süden rund 380.000 Quadratkilometer, also rund ein Drittel des gesamten abessinischen Gebietes besetzt gehabt; Italiens Gebictsfläche beträgt 310.000 Quadratkilometer. Anm. d. Red.) Abessinien, Eritrea und Jtal. Somali stellen zusammen einen Länderblock von 1.8 Millionen ' Quadratkilometern dar. Die Annexion Abessiniens schafft eine neue Situationen Afrika. Im Niltale, an den Küsten des Roten Meeres, an der Straße von Bab el Mandeb, in ganz Ostafrika und längs der großen See- st ratze nach Indien ist alles in Fluß geraten. Italiens Position gegenüber Hedschas, Jemen und sogar gegenüber Persien ist heute eine ganz andere: Auch die Beziehungen Italiens zu Indien und Japan bekommen eine neue Grundlage. Mit änderen Worten, Italien wird von nun ab zu einer Großmacht im kolonialen, zwischenkontinenmlen und ozeanischen Sinn. Die abessinische Bevölkerung könne zum Grundstock einer großen und vortrefflichen italienischen Kolonialarmee werden, und Italien ist bereits heute berechtigt, seine Orientpolitik auf eine breitere Grundlage zu stellen. Die Balkan-Entente und di« Meerengenfrage. Diese Frage hat bei den letzten Verhandlungen in B e l g r a d eine bedeutende Rolle gespielt, obgleich sie in der Hauptsache durch die Stellungnahme der Großmächte bereits vorher entschieden war. England, Frankreich und die Sowjetunion haben auf die Anfrage der Türkei betreffend die Befestigung der Meerengen grundsätzlich zustimmend geantwortet, während Italien einige Vorbehalte machte. Interessant ist die Stellungnahme Griechenlands gewesen, die für seine Zusage die Vorbedingung stellte, es möge auch ihm erlaubt werden, die vor dem Eingang zu den Dardanellen liegenden griechischen Inseln zu befestigen. Das ist der Regierung von Athen in Belgrad auch bewilligt worden. Rumänien hat anfangs Schwierigkeiten gemacht, da man in Bukarest befürchtete, daß Ungarn und Bulga- r i e n unmittelbar Ansprüche auf die Revision der sie bindenden Verträge stellen werden. Aber schließlich hat Bukarest in die Befestigung der Meerengen eingewilligt. Durch die Belgrader Konferenz ist die Meerengenfrage tat-, sächlich zugunsten der Türler. g e.l ö st worden. Es ist aber zugleich auch ein großer Erfolg für die Sowjetregierung, die, seitdem sie am 14. August 1923 die Meerengenkonvention von Lausanne unterzeichnet hatte, stets bestrebt war, diese Konvention zu revidieren. Politische Krise in England. Die gut informierte liberale„N e w s C h r o ni c l e" berichtet in sensationeller Aufmachung über scharfe Meinungsverschiedenheiten innerhalb des britischen Kabinetts. Das Sanktionsproblem habe die Regierung tatsächlich gespalten. Die baldige Demission Baldwins und einiger anderer Minister, darunter auch Edens, liege im Bereich der Möglichkeit. Ein Teil der Konservativen verhandle sogar über die Bildung einer neuen R e g i e r u n g mit Nevil Chamberlain an der Spitze. Schatzkanzler soll Samuel Hoare werden, Verteidigungsminister R o b e r t H o r n e. Außerdem sollen an der künftigen Regierung Lord Hailsham und W i n st o n Churchill teilnehmen. Baldwin selbst wolle Hoare in das jetzige Kabinett einfügen, um den Zerfall seines Kabinetts vorzubeugen. Eden trete nach wie vor für die.Sank- t i o n e n e i n. Im Kabinett wird" Eden von den jüngeren konservativen Regieruugsmitgliedern: Oliver Stanley, Walter Elliot und Ormsby Goare, unterstützt. Jeder 20. Schwede organisierter Sozialdemokrat! Auf dem soeben in Stockholm abgehaltenen 16. Parteitag der Sozialdemokratie Schwedens wurde berichtet, daß die Partei" 340:000 Mitglieder hat— kn einem Lande mit etwas über'sechs Millionen" Bevölkerung\ Diese Stärke der Partei rechtfertigt Wohl die auf dem Kongreß ausgesprochene Erwartung, bei der bevorstehenden Neuwahl des Reichstages die Mehrheit zu erobern.— Zum Parteitag waren zahlreiche Vertreter ausländischer Bruderparteien'erschienen. Ministerpräsident Per Albin Hans son stellte zwar fest, daß auch in Schweden die Weltwirtschaftskrise nicht überwunden ist, daß aber seit dem vorigen Parteitag vor vier Jahren durch die Arbeit der Partei und ihrer Regierung wesentliche Besserungen erreicht werden konnten. Im Hauptteil der Rede schilderte er die Verschärfung der außenpolitischen Situation. Er betonte die Wichtigkeit unverbrüchlichen Zusammen« Eln betrogener Betrüger Prag. Josef Moulik hatte nach längerer Arbeitslosigkeit eine Stellung als Aushilfspostbote in Spoiilov gefunden, obwohl ihm ein ziemlich übler Leumund vorauSging. Als schwerer Alkoholiker konnte er mit seinem Gehalt natürlich nicht auSkommen und so verfiel er nach kaum einjähriger Dienstzeit darauf, die gesammelten Kenntnisse um die Postpraxis zu einem dreisten Betrug zu verwerten. Er kaufte eine Postanweisung, die er auf einen Betrag von 2600 KL ausfüllte. In einem unbewachten Moment drückte er den Poststempel seines Amtes auf, wobei er dafür Sorge trug, daß die Nummer des Postamtes verdeckt war, so daß die betreffende Stelle der Stampiglie leer blieb, denn die Anweisung sollte ja den Eindruck erwecken, daß sie von einem fremden Postamt eingelaufen sei. Mit der Hand fälschte er dann die Nummer des .Aufgahepostamtes"(er wählte das Amt Nr. 4) an der leergebliebenen Stelle und schmuggelte" die solcherart fahrizierte Anweisung am nächsten Morgen in den Stoß der, eingelaufenen. Sie wurde denn auch anstandslos von der Kasse liquidiert und mit den andern dem Geldbriefträger zur Zustellung übergeben. Als Adressatin war die 50jährige Bozena Wild aus K r l angegeben, die mit Moulik und seiner Familie befreundet war. Schon vorher hatte Moulits Frau Marie, die mit im Komplott war, die gute Freundin aufgesucht und sie gebeten, an ihrer Stelle die zu erwartende. Geldsendung,.eut-... gegenzunehmen. Es'handle sich um«ine alte Schuld, die jetzt«in Verwandter abzahlen wolle, aber sie fürchte sich, das Geld ihrem alten Saufbruder von Mann zu Gesicht kommen zu lassen, damiWer es nicht durchbringe. Deshalb habe sie dem Aosender als Adressatin ihre liebe alte Freundin Wild angegeben und hoffe, daß diese ihr den kleinen Dienst erweisen würde. Die alt«, liebe Freundin war mit Freuden einverstanden, denn blitzschnell hatte sie sich ein nettes kleines Planchen zurechtgelegt. So oft die Marie Moulik auch nachfragen mochte— stets bekam sie die betrübliche Auskunft, das Geld sei noch nicht eingelangt. Josef Moulik tobte, denn er wußte natürlich, daß die 2600 KL pünktlich zugestellt worden waren. Aber was konnte er tun, wenn er nicht seine eigene Gaunerei verraten wollte? Bozena Wild meinte natürlich, daß sie nicht in alle Ewigkeit den Empfang des Geldes würde leugnen können, denn von Mouliks Schwindel wußte sie nichts und konnte daher auch nicht annehmen, daß überhaupt kein Absender existiere und der Betrogene sich hüten werde, Lärm zu schlagen. Zur Sicherheit redet« sie einem Nachbar zu, er solle ihr vor Gericht bezeugen, daß sie das Geld den Mouliks haltens der Sozialdemokratie ganz'Skandinaviens zur^Aufrechterhaltung des Friedens und der Freiheit des Nordens^'< Die Rolle Tibets in einem russisch-iapanischcn Kriege.(AP:) Es ist wenig'bekannt, daß in Tibet starke Vorbereitungen, für den Fast eines Krieges zwischen der USER und Japan getroffen werden. In Tibet hält man diesen Krieg für unausweichlich, und man ist- der Ueberzeugung, daß er sich nicht nur in der Mongolei, sondern auch auf den weiten Hochebenen Tibets abspielen werde. Maßgebende.Kreise vertreten die Auffassung, daß die.Japaner im Ernstfälle den Spuren von Dachingiskban folgen und einen Keil in Zentralasien hineintreiben würden. In diesem Kriege werde unter Umständen Tibet die Rolle. Belgiens im Weltkriege übernehmen. Es sei nämlich zu erwarten, daß die japanischen Armeen in den tibetanmhcn Korridor nördlich des Kokünox-Sees einmamchieren würden, um den russischen; im Altai- Gebirge.aufmarschierenden Truppen in die Flanke zu fallen.,Die Kämpfe würden in diesem Falle am westlichen Ende der Großen Mauer beginnen und sich durch den tibetanischen Korridor bis nach Turkestan hinziehen. Hiergegen trifft Tibet jetzt schon seine Ab- wehrmaßnahmenrichtig übergeben habe.' Der Nachbar wollte indessen mft einer solchen Sache nichts zu tun haben und ehe die tüchtige> Frau«inen andern. Weg gefunden hatte, war inzwischen der Schwindel mit der Postanweisung aufgeflogen und man nahm die ganze saubere Gesellschaft fest. Der Strafsenat Kaplan konnte gestern über den Angeklagten Josef Moulik nur eine Zusatz st rafe verhängen, denn inzwischen ist er wegen gefährlicher Drohung verurteilt worden, weil er mit dem Revolver in der Hand der alten Familienfteundiv„Vorstellungen" gemacht hatte. Er kam daher mit vier Monaten schweren Kerkers davon(natürlich unbedingt), während feine Frau drei Monate bedingt erhielt. Die wackere alte Freundin Bojen« Wild schnitt am schlechtesten ab, denn das Gericht verur- -teille sie zu acht Monaten unbedingt. rb. „Wibu-Kakao“ Achttägiger Prozeß gegen zwei Lebens- mittelfälscher und Kautionsschwindler Prag. Vor dem Strafsenat I l l n e r begann gestern ein Prozeß, auf den wir noch eingehender zurückkommen werden. Von dem Prozeßmaterial kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man erfährt, daß die Prozeßdauer auf acht Tage berechnet ist. Die Anklage vertritt Staatsanwalt D r. G e m r i ch. Für heute begnügen wir uns mit einer kurzen Andeutung des Prozeßthemas. Angeklagt find: der 40jährige aus Litauen stammende und staatenlose Siegfried Skapowker und der Apotheker Wilhelm .B u üs s o n,. und zwar einerseits des schweren v t e t s ach e n B e t t uges und nebenbei wegen Lebens Mittelverfälschung. Die zwei sauberen Kumpane gründeten gemeinsam die Firma„W ibu, Erz eugUng und V e r- kaufvonKa ka o",die in marktschreierischer Art Reklame für ihre Erzeugnisse machte, als deren Schlager ein Kakao hingestellt wurde, der von köstlichem Geschmack, unerhörtem Nährwert und dabei nicht im mindesten st u h l v erst o p f e n d sei. Von der Güte dieses Produktes zeugt ein umfangreiches Gutachten, in welchem der„Wibu-Kakao" als ein Surrogat bezeichnet wird, dessen Zusammensetzung als Lebensmittel« Perfälschung zu qualifizieren ist. Weit schwerwiegender sind aber die vielen Seiten der Anklage, die sich mit der anderweitigen Tätigkeit der beiden Angeklagten befaßt, für die die ganze Firma wohl nur die Grundlage abgab. auf die sie einen riesenhaften Raubzug gegen die Taschen stellensuchender Menschen eröffneten. Daß sich um die Posten bei der neuen Firma viel« Hunderte von Postensuchenden bewarben, versteht, sich von selbst. Aus den Hunderten von' Bewerbern wurden dreißig ausgewählt— offenbar die Zahlungskräftigen— von denen sie unter dem Titel von.Kautionen",„Einlagen" und„Beteiligun-1 Der neue„Kaiser von Abessinien“ Viktor Emanuel und Mussolini. Man beachte die imperatorische Erscheinung des neuen Kaisers! gen" insgesamt den ungeheuerlichen Betrag von 747.000 KL herauslockten. Der Prozeß ist monströs in seinen Ausmaßen, aber in seinen Einzelheiten dürfte er sich von seinen ungezählten kleineren Vorgängern kaum wesentlich unterscheiden, denn die Methoden solcher Unternehmer gleichen sich auf ein Haar. Wir werden, wie erwähnt, auf diese"Sache noch zurückkommen, rb. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die steigende Kartellflut Nach dem Kartellregister, das vom Statistischen.Staatsamt geführt wird, si^rd seit der Errichtung des Registers im Oktober"'1933 bis zum 30. April 1936 insgesamt 903 Kartellverträge eingetragen worden. Am 1. Mai 1936 waren 787 Kartellverträge in Geltung gegenüber 712 gültigen Verträgen am 1. Mai 1935. Im letzten Jahre haben sich demnach die Kartellverträge um 75 vermehrt. Mehr als die Hälfte der Kartellverträge, nämlich 397, werden von 230 Organisationen, die besonders zu diesem Zweck errichtet wurden, durchgeführt. Der Verkaufsstelle der Vereinigten Tschechoslowakischen Eisenwerke obliegt allein die Durchführung von 24 Kartellvereinbarungen. Die gleiche Anzahl, wird auch von der. Evidenzkanzlei der Kabelfabriken durchgeführt. Mit der starken Vermehrung der Kartelle in den letzten Jahren ist der Kartellierungsprozeß in der Tschechoslowakei immer noch nicht zum Abschluß gekommen. In allen Zweigen der Industrie geht die Kartellbildung weiter. So wird gemeldet, daß zwölf Eisenöfenfabriken sich zu einem Kartell zusammengeschlossen haben. Von der Erzeugungsregelung, die vereinbart worden ist, sind vorläufig die Gußöfen ausgenommen worden. Vosen ans dem Norden Blumenwunder auf dem 70. Breitengrad Die nördlichste Gärtnerei der Welt T r o m s o e, im Mai. Nachts zwölf Uhr geht die Sonne auf, ohne eigentlich untergegangen zu sein. Sie umtanzt kurz vor Mitternacht ein paar Bergspitzen, verschwindet für ein Weilchen hinter der einen oder anderen, und wenn es auf der übrigen Welt ollerdunkelste Macht ist, wenn für uns„Südländer" die Geisterstunde schlägt, hebt sich in Nordnorwcgen der feurige Ball rotglühend am blaugrünen Polarhimmel empor... Was für ein seltsames Land! Die Menschen haben sich nach ihrer Raturumgebung gerichtet. Sie schlafen in der endlosen Winternacht viel und in der Zeit der Mitternachtssonne— vom 20. Mai bis zum 25. Juli— fast gar nicht. Die Straßen von Tromsoe und Hammerfest sind während dieser zwei Monate um Mitternacht am belebtesten- man geht spazieren, tanzt im Freien, genießt das nächtliche Schauspiel; dafür gewöhnt man sich aber so sehr an die dauernde Helligkeit, daß die meisten Nordnorweger auch im Winter nur bei Licht schlafen können! Zum Glück ist elektrischer Strom dank der vielen Wasserfälle dort oben billiger, als sonstwo in der Welt... Soweit die Menschen. Aber die Pflanzen? Wie finden sie sich mit diesen eigenartigen Lebensbedingungen ab? Liefern sie alles, was der Mensch im Land der Mitternachtssonne genau wie wir braucht: Vitamine, Nährstoffe, Dust und Farbe? Nein— sie denken gar nicht daran, hier auf dem 70. Breitegrad von alleine zu wachsen, in einer nördlichen Höhe, die in Sibirien und Grönland bestenfalls kümmerliche Moose gedeihen läßt. Freilich, die warmen Südwinde und der Golfstrom, der Norwegen bevorzugt, zaubern in und um Tromsoe, das von Berlin so weit entfernt liegt wie vom Nordpol, eine etwas üppigere Fauna hervor. Aber e§ hat doch der geradezu beispiellosen Gärtnerkunst der Herren Dtreberg bedurft, um aus dem kargen Boden hier oben Wunder herauszuhexen. Wie sie das gemacht haben, das ist einfach unglaublich. Die„Björkaas-Gärtnerei"(„Berghang- Gärtnerei") in Tromsoe ist die nördlichste der Welt. Sie besteht nun genau vierzig Jahre. Damals lachte man Herrn Dtreberg senior aus, als er mit 3— drei!— winzigen Pflänzchen seine ersten Versuche begann— hier oben, wo Tomaten ein kostbarer Importartikel, Blumen nur von Bildern her bekannt waren und selbst Kartoffeln einen gewissen Seltenheitswert, besaßen. Man lachte nicht lange über Herrn Dtreberg senior.' Und man bestaunt heute Herrn Dtreberg junior, der auf dem Riesengeländr seiner Björkaas- Gärtnerei alles aus dem Boden zaubert, was er will! Der deutsche Besucher hat keine Schwierigkeit, sich von Herrn Dtreberg durch sein Reich führen zu lassen; er spricht fließend deutsch— denn er hat seine Gärtnerkunst nirgends anders gelernt als in.. Bamberg! Der Garten Eden von Tromsoe weit über den Polarkreis, gibt der Bamberger Gärtnerkunst recht. In der Expedition ist Hochbetrieb. Die Blumenmädchen der Arktis arbeiten von früh bis spät, um ganz Nordnorwegen einschließlich der Fischerinseln mit Blumen und Gemüse zu versorgen. Sie sehen ein wenig anders aus als bei uns-— mit ihren Schihosen Md ihren kleinen Schlitten, die drei" Viertel des Jahres in Bettieb sind. Herr Dtreberg junior selbst, ein jünger Mann Anfang der Dreißig, Hilst in seinem Overall-Anzug mit, Ordnung in das Blumenlabyrinth zu bringen. „Fünfhundertfünfzig Pflanzen gedeihen heute bei uns in Frerbeeten und Treibhäusern!" berichtet er stolz. Das Meiste allerdings hat er erst durch jahrelange Versuche ausprobieren müssen, denn arktische Gärtnerei lernt man in Bamberg nicht. So muß man, noch ehe der Schnee geschmolzen ist, die Arbeit an den Freibeeten beginnen, um die allzu kurze Sommerszeit auszunützen. Und die Treibhäuser selbst, ungeheure Hallen, werden mit dem Pferdegespann bestellt! Während des ganzen Winters aber müssen sie von Tausenden von hellen elektrischen Birnen bestrahlt werden— damit die hier Heranwachsenden Blumen auch Farben bekommen. Ließe man sie im Dämmerlicht und im Dunkel wachsen, so würden sie grau und farblos werden! Das sind alles Erfahrungen, die in keinem Lehrbuch der Gärtnerei zu finden sind... Dafür aber gedeihen alle Blumen, die während des Sommers im Freien wachsen, viel schöner als bei uns im Süden — sie haben ja unaufhörlich, Tag und Nacht, Sonnenlicht! Wir bewundern Dtreberg? Freibeete. Da wachsen Chrysanthemen und Dahlien, Nelken und Stiefmütterchen, Lupinen und Begonien, Astern und Anemonen; und daneben die Nutzpflanzen: Kartoffeln und Radieschen, Rhabarber und Salat, Tomaten und Erbsen— unendlich wichtige Gemüse für den Fischer, der einst aus Vitaminmangel ständig vom Skorbut bedroht war! Heute versorgt Dtreberg Abertausende von Menschen mit Gemüse, das sie früher kaum vom Hörensagen kannten! ,Llnd welche Blumen haben die Nordnorwegerinnen am liebsten?" „Alpenveilchen!" erklärte Herr Dtreberg, öhne zu zögern. Das bescheidene, genügsame Alpenveilchen hat sich seit ein paar Jahren, seit Dtreberg es hier eingeführt und in seinen Treibhäusern heimisch gemacht hat, die Herzen der Tromsoer Frauen erobert. In allen Fenstern stehen die Töpfe mit den blaßrosa Blüten, im Winter sorgsam von wärmendem Zeitungspapier umhüllt. Die„Alpenvioler" sind die bevorzugtesten Zierpflanzen Nordnorwegens geworden... .Ober wir haben auch Rosen!" sagt Herr Dtreberg. Und wahrhaftig, unter dem strengen Polarhimmel wachsen in Freibeeter, die schönsten Rosen— Rosen aus dem Norden. Es ist wie ein Wunder... Und der seltsamste Anblick der Welt ist es, wenn etwa im, Juni die Rosenbeete der Björkaas-Gärtnerei von einem plötzlichen Schneefall in dichtes Weiß gehüllt werden! Rosen im Schnee, Alpenveilchen in der Mitternachtssonne, Tomaten in der Arktis— das sind Dinge, von denen die Schulweisheit der Gartenbaukunst bisher nichts wußte. Ein junger Norweger hot sie, unbeschwert von Zweifeln und Bedenken, zur Tatsache werden lassen— in der nördlichsten Gärtnerei der Welt. Teile 6 „Sozialdemokrat* Mittwoch, 13. Mai 1936. Nr. 112 D-aqer foitung Ueber 600 Millionen Kronen Warenschulden Im Handelsverkehr mit Deutschland hat sich im April gegenüber dem Vormonat die Clearing- Aktkvspitze leicht verringert. Von 27.5 Millionen Reichsmark ist sie auf 26.4 Millionen RM gesunken. Das ist aber nur der kleinere Teil der Schulden, die Deutschland für Warenlieferungen aus der Tschechoslowakei zu bezahlen hat. Aus der Zeit vor dem Inkrafttreten des Clearingabkommens sind noch rund 35 Millionen RM Schulden rückständig, so daß insgesamt 61.4 Millionen RM oder mehr als 600 Millionen Kronen eingefroren sind. Deutschland ist damit unter den Warenbeziehern der Tschechoslowakei der größte Schuldner. Mit der Mehrzahl der Staaten, mit denen sich der Außenhandel»im Clearingverkehr vollzieht, konnte die Tschechoslowakei ihre Handelsbilanz aktiv gestalten. Die Aktivspitze ist am stärksten gegenüber Jugoslawien, sie beträgt hier im April 128.7 Millionen Kronen. Es folgt Rumänien mit 100 Millionen Kronen, die Türkei mit 76.3 Millionen Kronen. Im Handelsverkehr mit Oesterreich ist eine Passivspitze von annähernd 65 Millionen Kronen zu verzeichnen. Prager Städtische Versicherungsanstalt Abschluß 1935. Prag. Die von der Gemeinde Prag vor 71 Jahren gegründete und unter ihrer Obhut stehende Prager Städtische Versicherungsanstalt legte dem Zentral-Berordnetenkollegium der Hauptstadt Prag ihren Abschluß für 1935 zur Genehmigung vor. Wenn trptz der allgemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die'auch unserem Versicherungswesen nicht erspart geblieben find, die Prager Städtische Versicherungsanstalt befriedigende Ergebnisse aufweist,- so ist das in dem Vertrauen begründet, dessen sich diese zu den ältesten gehörende und einzige Kommunal-Versicherungsanftalt in allen Bevölkerungsschichten erfreut. Der Abschluß 1935 weist einen ungefähr gleichen Uebevschuß wie im Vorjahr auf. An Prämien wurden 85,194.000 Kc eingenommen, an S ch ä den und fälligen Versicherungen 36,999.000(seit der Gründung der Anstalt 298,367.000) Kö ausgezahlt. Die Gar an tiefonds und Rücklagen der Anstalt erreichten 286,894.000 Kö. Aus dem Ueberschuß von-3,378.788 Kö werden die Fonds und Reserven mit 1,607.912 XL dotiert, die Prager Gemeinde erhält 1 Mill. XL, kommunalen» kulturellen und gemeinnützigen Zwecken werden 770.876 XL gewidmet. In das laufende Verwaltungsjahr tritt die Prager Siaönsche Versicherungsanstalt mit dem Entschluß ein, den Wirkungen der Krise zu trotzen, die Ergebnisse der langjährigen Arbeit im Interesse der hunderttausenden Versicherten aber auch des Staates zu verwalten und zu verteidigen, da starke und gut verwaltete Wirtschaftseinheiten die sicherste Grundlage des Staates sind. Die Anstalt erfreut sich der Obhut der Hauptstadt Prag und erhofft, umso eher den Erfolg ihrer Bestrebungen. 3458 Mit„Zauberdung“ behandelt wächst alles eins, zwei, drei, und trotzdem ist der„Zauberdung“ noch lang’ nicht Hexerei 1 Paket zu Kd 5'60 durch die Verwaltung der „Frauenwelt“, Prag XII., Fochova tf. 62, und bei allen Kolporteuren erhältlich Opfer seines Berufes. Gestern nachmittags wurde der 39 jährige Flößer Anton Peträk aus Ste- chowitz auf die Klinik Jiräsek gebracht. Bei der Beförderung von Stückholz war ihm der linke Fuß eingeklemmt und im Gelenk gebrochen worden. Holländerin in Prag verunglückt. Die vorübergehend in Prag lehende Frau Marion Versteek. Gattin eines holländischen Kolonialbeamten aus Surabaja, wurde gestern in der Nähe des Altstädter Rings nachmittags von einem Schuljungen, der auf der falschen Straßenseite fuhr und kein Signal gab. niedergefahren. Die Dame, die nur Hautabschürfungen und Rißwunden, im ganzen leichteren Charakters, erlitten hatte, wurde auf die Klinik Jiräsek gebracht. Tödlicher Purzelbaum. Die 18jährige Anna Böhm, die gestern mit ihrem Rade durch die Cim- burggaffe in Rüste fuhr, versuchte ihr Mad vor einem Hause jäh zu bremsen, verlor hiebei das Gleichgewicht und stürzte kopfüber über das Rad aufs Pflaster, wobei sie so unglücklich fiel, daß sie«ine schwere Gehirnerschütterung und einen Schädelbruch erlitt. Sie wurde von der Rett^ngsgesellschaft ins allgemein« Krankenhaus gebracht, starb aber auf dem Wege. Betrunkener vom elektrischen Strom erfaßt. Einen Rausch, der leicht gefährlichere Folgen hätte haben können, trank sich in der Nacht auf gestern der studienhalber vorübergehend in Prag befindliche 24jährige Engländer William Hopkins aus London an. Er läutete, öffenbar bereits in gehobener Stimmung, nach 1 Uhr nachts in einem— übrigens von vielen Studenten bewohnten— Hause in der Liliengasse an und kletterte, vom Portier bereitwilligst hereingelassen, auf das HauSdach. Hier machte er sich an den Telegraphendrähten zu schaffen, so daß er vom elektrischen Strom erfaßt uvd besinnungslos zu Boden geworfen wurde. Da das Dach flach war. blieb er liegen und wurde erst später entdeckt und mit Verbrennungen, die allerdings nur ersten und zweiten Grades sind, ins allgemeine Krankenhaus geschafft. JCunsl und Wtasrn Von der Deutschen Dtusskakademie. Die letzte öffentliche Musikaufführung der Prager Deutschen Musikakademie war als Kammermusikabend ins Werk gesetzt worden. Und zwar gab es Kammermusik der unterschiedlichsten Art zu hören; hinsichtlich der Jnstrumentalbeseyung sowohl als auch hinsichtlich»! der gespielten Werke. Sogar eine U r- auffützrung geb es; die eines Streich- Quartettes von dem Akademie-Absolventen A. S ch n a u b e l t, der schon im vorigen Jahre durch kleinere Klavier- und Cellostücke auf sich aufmerksam gemacht hatte.' Sein neues Strcichguartett ist vielverheißend, denn es zeigt technisches Können und formales Gestaltungsvermögen sowie den Mut seines Autors, auch so etwa? wie ein Thema oder eine Melodie zu schreiben. Zwar ist Tchnaubclt noch durchaus Eklektiker, wie sein« Anlehnungen zeigen lim ersten Satz an Schumann-Brahms, im zweiten an Puccini, im dritten an-Smetana), und sein Stil wirkt uneinheitlich, aber aus der Frischzügigkeit seines Musizierens spricht Phantasie und Einfallsgabe, die als die wichtigsten Gaben jedes Komponisten gelten. Eingeleitet wurde das schöne Schülerkonzert durch Beethovens Streich-Trio in C-moll. seinen Beschluß bildete Brahms' A-dur-Klavier- Quartett. Um seine künstlerische Durchführung machten sich die Geiger I. Berger. K. Schreiner, Mik. Gottlieb und Fr Werner, der Violinspieler W. W a tz k a, der Cellist G ü t t- e r und der Pianist Heinrich Berg verdient. E. I. Spirlplan des Reuen Deutschen Theaters. Mittwoch, 7(4: Der Rosenkavalier, B 2.— Donnerstag, 7 sh: Pariser Zug, Erstaufführung, C-1.— Freitag, 7lh: Ein Volks- f e i n d, D 1.-— Samstag, 7%:Katarina Ismailowa, Ci.— Sonntag: Zum 30. Male 2>ch: Uneut schuldigte Stunde» 7HH: Glück muß man haben. Dl. Spirlplan der Kleinen Bühne. Mittwoch. 8: Salzburg ausverkaufi.— Donnerstag. 8: Men schenaufderEis schölle.— Freitag 8: Salzburg ausverkauft, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Berkaus.— Samstag, 8: Salzburg ausverkauft.— Sonntag, 8: Menschen a u f der Eisscholle. Mae West in dem Film„Ich bin kein Engel". ZpHkt-Spick-Xörperpskege Westböhmischer Arbeitersport Sonntag fand der erste Bundeskampf- richterkurs im 6. Kreis statt; 20 Kampfrichter beschäftigten sich unter Leitung der Bundeswettkampfleiter Mörtl und Janda. Gleichzeitig nahmen an diesem Kurs die Bezirkskampfrichterobmänner der Lhrigen Bezirke teil.- Die TurnspieIbewegung steht mitten in der Serie, vorwiegend find die R a f f- ballspieler bemerkbar. Im 2. Bezirk gewann Friedersreuth la 13:5 gegen Rotzbach, Liebenstein wurde von der zweiten Mannschaft Friedersreuth 10:4 geschlagen. Der 4. Bezirk trägt Meisterschaftsspiele in Faustball aus, der Atus Dobiany schlug Nürschan 38:74, auch dO Nürschaner Jugend unterlag in Dobrany. In Mies wurde die Mannschaft Tuschkau- Stadt mit 69:47 geschlagen. Auch die Mieser Jugend blieb siegreich. • Kreismeister noch nicht entschieden Der FFK Falkenau lieferte Sonntag auf eigenem Platz dem Spitzenführer ASB Graslitz einen hervorragenden Kampf. Das kolossale Interesse bewies die ungewöhnliche Zuschauermenge, aus : allen Fußballvereinen der umliegenden' Bezirke ■ waren die Anhänger gekommen. Die Niederlage der Graslitzer ändert nichts an der Führung, ein Sieg I hätte jedoch dem Spitzenführer trotz den fehlenden drei Meisterschaftsspielen unerreichbar gemacht. ASB Maierhöfen holte sich gegen Schankaueinen knappen Sieg; 15 Minuten vor Schluß pfiff der Leiter das Spiel ab, weil ein Schankauer trotz Verweis nicht den Platz räumte. Rote Elf Chodau sicherte sich durch den Sieg über Drahowitz die Wissenschaft für Damen * Ich bin da auf ein sehr wichtiges Problem gestoßen; das heißt, ich bin buchstäblich darauf gestoßen worden, als ich in einer engen Straße im Zentrum der Stadt von einem nach der falschen Seite ausweichenden Manne vor ein Schaufenster gedrängt wurde. Gerade dort standen einige Leute vor einem Radiogeschäft und lauschten mit Gesichtern, die im Schauer d«S Entzückens gleichsam erstarrt schienen, dem schmelzenden Sopran einer Sängerin, der von gedämpften Orchestergewoge, strichelnden Violinen und perlenden Harfensolis gar lieblich getragen wurde. Ein Mann schnitt im Genuß des Gesanges ein Gesicht wie ein Kater, dem recht sanft das Fell gestrichen wird. Unwillkürlich blieb auch ich lauschend stehen, und erst nach einer Weile kam mir zum Bewußtsein, daß ich geistesabwesend in die Auslage einer Parfümerie starrte, als hätten mich die glitzernden Fläschchen, die Puderdöschen und Lippenstifte fasziniert. Nun erst sah ich diese Zaubermit- tol-der Schönheit, die bis jetzt im Banne des Gesanges nur ein Geflimmer vor meinen Augen gewesen waren. ", Bor allem Lippenstifte sah ich nebeneinander aufgereiht— eine Kollektion in Rot vom tiefsten Karmin bis zum arellsten Zinnober. Und ein zufällig mitangehörtes Gespräch am Nebentisch im CafL fiel mst ein. Da saßen zwei Damen und ein Herr. Tie Damen hatten ihre Taffen leergetrunken und sich die Mäulchen mit roten Tüchlein gewischt. Und nun'zog die eine Spiegel und Lippenstift hervor und malte sich sorgsam einen herzigen Kirschenmund. Die andre aher vermißte ihren Lippenstift; sie suchte ihn in der Handtasche und fand ihn nicht. Ihrer betroffenen Miene nach schien sie sich mit ungeschminkten Lippen wie nackt zu fühlen. Ahnungslos schlug der Herr vor:„Margot kann dir ja ihren leihen..Da sah ihn die brünette Margott mit geradezu vernichtender Nachsicht an, und in einem Tone, wie man ein Kind belehrt, daß nicht jedes Tier ein„Wauwau" ist, sagte sie:„Aber das ist ja. unmöglich I Mia braucht doch Zinnober —sie ich doch blond, und ich habe Karmin!" Vielleicht war es auch umgekehrt; ich verstehe mich auch heute noch nicht auf diese weibliche Farbenlehre. Aber auch der Herr war blamiert. Da saß er nun mit seiner unverzeihlichen Unwissenheit, nicht wert, von Mia oder Margot geliebt zu werden. Und wahrscheinlich hat auch er wie ich insgeheim die Damen bewundert, die in einer so schwierigen Frage so sicher und selbstverständlich Bescheid wußten. Das fiel mir vor dem Schaufenster der Parfümerie wieder ein. Und ich erkannte, daß es mit diesem einfachen Entweder-Oder, Karmin oder Zinnober noch längst nicht getan ist. Acht verschiedene Nüancen von Lippenrot lagen da nebeneinander zuö Auswahl— von der noch diffizileren Skala der Puder in zartesten Pastellfarben gar nicht zu reden. Und erst in diesem Augenblick erfaßte ich die Schwierigkeit des Problems, schön zu sein, schöner noch als Elida. Und ich fragte mich, wie die Damen es nur anstellen mögen, die richtige Wahl zu treffen. Für eine kultivierte Dame mag es ein fchrecklicher Gedanke sein, als Blondine karmingeschminkt— oder war es umgekehrt?— umherzulaufen; doch wahrscheinlich gibt es derartige Fehlgriffe nur in quälenden Angstträumen. Aber damft ist ja die Problematik noch längst I nicht erschöpft. Da ist ja auch noch der Fingernagellack in der richtigen Farbe zu wählen. Diese rotlackierten Fingernägel sehen zwar aus, als hätte die Dame soeben ihren Liehhaber fürchterlich zerkratzt und trüge die Spuren des Kampfes noch an den manikürten Krällchen. Doch eine solche Auffassung ist wohl auch wieder nur eine unsägliche Ignoranz, und ebenso unmöglich ist die Vorstellung, daß es da mit irgendeinem Rot getan sei. Auch da gibt es Nüancen, die mit Kennerschaft gewählt sein wollen. Ich sah im Schaufenster der Parfümerie ein Bild: sechs Damenhände fächerartig nebeneinander und sechsmal vier verschiedene Farben von Fingernagellack-— vierundzwanzig numerierte Nüancen vom dunklen Silberblau durch alle Abstufungen des Rot bis zum zartesten Elfenbeinton; nur die Daumen der sechs Hände krümmten sich simpel mit ungefärbten Nägeln. Vermutlich richtet sich die Wahl des richtigen Nagellacks nach der Farbe des jeweiligen Kleides. Oder nach der Tageszeit— ich weiß es nicht. Aber geplagt hat mich dieses Problem tagelang. Und es war wie«ine Erlösung,.als ich dieser Tage in einer Zeitung die Mitteilung las, daß in USA soeben das Patent Nr. 6222661 Kl. 33 c. Gr. 17/06 anerkannt worden ist. Es handelt sich dabei um eine „Vorrichtung zum Prüfen und Auswahlen der passenden Farbe für Fingernägel". Hoffentlich wird diese segensreiche Erfindung recht bald auch bei uns eingeführt. Ich werde sie studieren. Und dann werde ich den Damen scharf auf die Finger sehen— wehe, wenn sie nicht dje richtige Farbe gewählt haben! Mit Verachtung werde ich sie strafen, denn sie verdienen nicht als Damen von Kultur zu gelten, mögen sie sonst auch noch so schön sein. Oder klug — aber das ist wohl weniger wichtig. fünfte Stelle. Mit viel Glück hat sich der Atus Karlsbad in Unterreichenau geschlagen. Nach einer Halbzeit von 3:0 für Unterreichenau rafften sich die Rapidler zusammen und entschieden, wie schon öfter, das Spiel in den letzten Minuten. Ueber- rascht hat der Sieg des Atus Fischernin F r a n- zensbad; auf eigenem Platz mußten die„Salin- ger", die einst dort den Kreismeister besiegten, eine Niederlage vom„Vorletzten" entgegennehmen. Der Formrückgang des einzigen Vertreters des 2. Spielbezirkes ist vor allem in der schlechten Fußballorganisation der Umgebung, welche für Franzensbad eine Schulung des Nachwuchses fast unmöglich macht, zu suchen. Die Ergebnisse: FFK Falkenau gegen ASB Graslitz 5:2, ASB Maierhhöfen gegen ASV Schan- kau 2:1, Atus Franzensbad gegen Atus Fischern 0:2, Rote Elf Ehodau gegen Atus Drahowitz 4:1, Atus Unterreichenau gegen Rapid Karlsbad 3:4, Atus Neusattl gegen Viktoria Chodov 3:4, ASB Hunsch- grün gegen Atus Chodau 4:3, ASB Horn gegen Turner Granesau 6:3. Die Tabelle Die Aufstiegskandidaten der 2. Klaffe ASB Graslitz. 17 14 0 3 28 92:35 ASV Maierhöfen 17 12 1 4 25 57:34 Rapid Karlsbad g 17 10 4 3 24 31:24 FFK Falkenau. 16 10 2 4 22 49:30 Rote Elf Chodau 17 6 4 7 16 34:45 Atus U.-Reichenau * 16 6 1 9 13 37:41 ASB Neudek. 17 5 3 9 13 34:39 Atus Fischern. 16 5 1 10 11 28:39 Atus Drahowitz 15 5 1 9 11 31:49 ASB Schankau. 15 4 2 9 10 42:49 Atus Franzensbad - 16 2 3 12 9 22:63 In der zweiten Klasse des 1. und 5. Bezirkes geht es derzeit darum, die beiden Spitzenführer zu ermitteln, welche nach Abschluß der Serie um den Ausstieg in die erste Klaffe kämpfen werden. Im 1. Bezirk steht derzeit Atus Aich mit 20 Punkten aus zwölf Spielen an der Spitze. Der nächstfol- gende Verein, Atus Sodau, dürfte kaum herankommen; ein ernster Konkurrent ist jedoch W e h e d i tz. Im 5. Bezirk hat sich mit dem Sieg über Atus Neusattl die Mannschaft Unterrothau an die Spitze gestellt. Nur mit je einen Punkt Unterschied folgen Graslitz 1b und Atus Neusattl. Da noch zwei Serienspiele ausstehen, läßt sich hier der Spitzenführer nicht Voraussagen. Atus-Leichtathleten, Achtung! Am 21. Juni findet in Prag der leichtathletische Rückkampf des 5. TurnkreiseS gegen Prag-Zizkov statt. Beachtet in Hinkunft unsere diesbezüglichen Verlautbarungen. Trainiert fleißig und gewissenhaft. Die besten Leichtathleten fahren am 21. Juni als Vertreter des 5. Kreises nach Prag. üttS der Jartci Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratische» Arbeiterpartei 'Freitag, den 15. Mai. um 8 Uhr abends im großen Saal des Handwerkervereins, Prag II., Smcckh 22, Partei-Mitgliederversammlung Vortrag des Genossen Gregor B i e n st o ck über »Weltpolitische Spannungen". » Unsere Lokalorganisation inKladno-Kro- c eh la v hat uns zu einem Unterhaltungsabend, welcher am Samstag, den 16. Mai, um 8 Uhr abends im Gasthaus„Zur Po st" in Kroce- hlab stattfindct, eingeladen. Atus und Volkssinggemeinde wirken mit. Genossinnen und Genossen, welche mttfahren wollen, mögen sich bis Donnerstag mittags bei Genossen Mittenhuber(Gec, Telephon 51351) melden. Fahrpreis mit Separatautobus 10 XL. Heute, Mittwoch, Sitzung der Bezirksvertretung im Parteiheim. Beginn um 8 Uhr abends. Republikanische Wehr, Ortsgruppe Prag. Donnerstag, den 14. Mai, Pflichtabend am DTJ-Turnplatz, Pohoielecer Schanzen(Elektrische Nr. 1). Heute, 8 Uhr, Gruppenabende: Weinberge(Närodni)': Tie Jugend in der S. U. Holle- s ch o w i tz(Kamenickä): Modernes Theater. Zentrum(Liga) t Heimabend. VERLANGET UEBERALL Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich XL 16.—. vierteljährig XL 48.—. halbjährig XL 96.—, ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele- graphendirektwn mit Erlaß Nr. 13.800/VU/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags» und Zeitungs-A.-G. Prag.