Freitag, 15. Mai 19S6 Nr. 114 16. Jahrgang EhizMHVl* 70 IMIar («iniehli«Blich 5 Haller Porto) IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOnOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME OES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xiufochova 42. Telefon non. HERAUSGEBER« SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Der Außenhandel im April Ausfuhr geringer als im Vorjahr Aus den vom Statistischen Staatsamt veröffentlichten Ziffern über den Außenhandel im April geht hervor, daß die Entwicklung der Ausfuhr in dem genannten Monate nicht günstig war. Während im April 1935 Waren für 622,036.000 KL ausgeführt wurden, waren es ,1936 nur 569,626.000. Dagegen ist die Einfuhr gestiegen und zwar von 518,604.000 KL sm April 1935 auf 654,563.000 im April 1936. Daß mehr Rohstoffe eingeführt werden als im Vorjahre ist immerhin eine Hoffnung, daß die Verringerung der Ausfuhr im Monate April nur eine vorübergehende ist. Was die Entwicklung des Außenhandels In den ersten vier Monaten 1936 betrifft, sind die Ziffern der Ausfuhr nur wenig höher als im Vorjahre. Die Ausfuhr betrug in der Zeit von Jänner bis April 1935 2202,510.000 KL, heuer 2297,136.000 KL, die Einfuhr 1865 Mill. 619.000 KL und 2316 Mill. 220.000 KL. Sozialdemokratische Kundgebung in Berlin Tausende beim Begräbnis Klara Boehm- Schuchs Der„Prager Presse" wird aus Berlin gemeldet: „Die Becrdingung der früheren langjährigen Rrichstagsadgrordneten der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Klara Bohm- Schuch, die vor einigen Tagen em Alter von 47 Jahren einem Schlaganfall erlegten war, ging gestern unter überraschend großer Beteiligung der früheren sozialdemokratischen Parteimitgliedschaft vor sich. Obwohl Tag und Stunde der Beerdigung öffentlich nicht bekanntgegebrn worden war, hatte sich vor dem Friedhof Baumschulwrg eine nach mehreren Taufenden zählende Menschenmenge versammelt, von der nur ein kleiner Teil zur eigentlichen Traurrfeier Einlaß fand. Bei keinem der zahlreichen Begräbnisse von bekannten sozialdemokratischen Parteifunktionären, die in der letzten Zeit stattfanden, hatte sich eine so beträchtliche Zahl von Traurrgästen eingefun- den. Am Grabe der Verstorbenen wurde eine Rede gehalten, in der die Bedeutung der Toten gewürdigt wurde. Absage der französischen Kommunisten Paris. Der politische Ausschuß der kommunistischen Partei hat Donnerstag nachmittags die Antwort an die Sozialisten auf dir Einladung der Kommunisten zur Regierungsteilnahme ausgearbeitet. Die Kommunisten erklären» daß sie in die Regierung nicht eintreten, sie jedoch bei der Berwirklichung ihres Linksprogrammes loyal und aufrichtig unterstützen werden. England gewinnt Aegyptens Freundschaft Der Londoner„Daily Herold" veröffentlicht ein aufsehenerregendes Interview seines Korrenspondenten mit dem Führer, der ägyptischen Wafd-Partei, dem neuen Premierminister Nahas Pascha, der bisher als Vorkämpfer der englandfeindlichen ägyptischen Nationalisten galt. In dem Interview, das am Montag, also am Tage nach der„Kaisetproklamation" Mussolinis stattfand, erklärte Nahas Pascha:„Die Parlamentsmitglieder glauben, daß man sie bald einberufen wird, um einen Bündnis- und Freundschaftsvertragmit Bri-j t a n n t e*n zu ratifizieren, der, wie wir hoffen, für immer die Bande gegenseitiger Achtung und Freundschaft festigen wird, die bereits zwischen den beiden Ländern bestehen." Diese Feststellung ist, wie der.Daily Herald" hinzufügt, von besonderer Bedeutung im Hinblick darauf, daß in ägyptischen Parlamentskreisen der Glauben herrscht, daß Mussolinis Traum von einem östlichen.Imperium Aegypten einschließt. Es scheint also, daß Mussolinis als Schlag gegen das englische Imperium gedachte Proklamation den Effekt hat, die Glieder des englischen Weltreichs noch fester zusammenzuschmieden. Schuschnigg entfernt Starhemberg Widerstandsversuch des Ausgeschifften/ Kein Kurswechsel? Die Rede, die der Vizekanzler Starhemberg dar einigen Tage» in Horn hielt, ließ große Spannungen innerhalb des österreichischen Kabinetts erkennen. Diese Spannungen habe« sich durch die sonntägigen Vorfälle in Nie« und vor allem durch das eigenmächtige außenpolitische Vorgehen Starhembergs so gesteigert, daß sich Schuschnigg veranlaßt sah, die Zusammenarbeit mit seiuem meist betrunkenen und immer»nznrechnnngsfähigcn Vizekanzler anszugebea. Er warf Starhemberg regelrecht aus der Regierung hinaus und mit Starhemberg auch dessen Intimus, den Außenminister Berger-Waldenegg. De» letzten Anstoß zu diesem Schritt soll das Einschreiten der englischen Gesandtschaft wegen des Glückwunschtelegramms gebildet haben, das Starhemberg an seinen Geld- und Auftraggeber Mussolini anläßlich der Annektion Abessiniens geschickt hatte. Die neue Regierung Die amtliche Mitteilung über den Regierungswechsel lautet: Bundeskanzler Dr. Schuschnigg überreichte dem Bundespräsidenten Miklas seine Demission. Ter Bundespräsident entsprach diesem Ansuchen, betraute aber gleichzeittg Dr. Schuschnigg mit der Bildung der neuen Regierung und übertrug ihm dir Leitung des Amtes des Bundeskanzlers sowie des Amtes des A u ß e n- Ministers und die Leitung der Landesverteidigung. Ueber Vorschlag Dr. Schuschniggs ernannte der Bundespräsident folgende Minister und Staatssekretäre:> Zym Stellvertreter des Bundeskanzlers Eduard Baar-Baarenfels, welcher gleichzeitig mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten der inneren Verwaltung einschließlich der Sicherhritsbehörden betraut wurde(Heinuvehr); zum Justizminister Hans Hammer st ei n- E q u o r d a(Hrimwehr); zum Unterrichtsminister Dr. Hans Pern- 1er; zum Minister für soziale Verwaltung Doktor Josef Resch; zum Finanzminifter Dr. LudwigDrazel (Hcimwehr); zum Handels- und Berkrhrsminister Fritz .Stockingrr; zum Staatssekretär für Landesverteidigung den General der Infanterie W. Zehner; zum Staatssekretär im Bundeskanzleramte Quido Zernatto. Der Vorschlag betreffend die Ernennung des Ministers für Land- und Forstwirtschaft bleibt Vorbehalten. Bis zur Ernennung des neuen Ministers wird Bundeskanzler Dr. Schuschnigg dieses Ressort leiten. Die Mitglieder der neuen österreichischen Regierung legten den Eid in die Hand des Bundespräsidenten ab. Der bisherige Vizekanzler Starhemberg gehört der neuen Regierung nicht an. Die Regierung hat sich die Aufgabe gestellt, alle Kräfte der Vaterländischen Front zu konzentrieren. Schuschniggs verstärkte Stellung Die Vereinigung wichtiger Ministerien in der Hand Schuschniggs stärkt dessen Position in der Regierung außerordentlich. Aufmerksamkeit erregt nicht nur die Entlassung Berger-Walde- neggs, sondern auch die Auswechsiung des Sozialministers Dobretsberger durch den Christlichsozialen Dr. Resch. Schuschnigg nahm Starhemberg auch die Leitung der Vaterländischen Front ab, die er jetzt selbst betreut. Starhemberg mußte seine Zustimmung zum Eintritt von Heimwehrmitgliedern in die Regierung geben, doch ist der Heimwehreinfluß im ganzen viel geringer als vorher. Kein Kurswechsel? Schuschnigg hat sich beeilt, der italienischen Regierung ein Ergebenheitstelegramm zu schik- ken, da die Ausbootung Starhembergs in Rom konsternierend gewirkt hat. In diesem Telegramm versichert Schuschnigg, daß in der Außenpolitik der österreichischen Regierung keine Aenderung eintreten werde. Amtlich, wird außerdem folgendes mitgeteilt:' Die Regierung'wirb hauptsächlich die Kon- i zentration der vaterländischen Kräfte anstrrbrn. i Tiefe Konzentration erfordert allerdings eine Fürst Starhemberg, der gestürzte österreichische Vizekanzler vollkommene Vereinheitlichung der politischen Führung und speziell eine Klärung der Verhältnisse zwischen der Regierung und der Vaterländische». Front. Aus diesen Umständen heraus übernahm auch Dr. Schuschnigg die Leitung der Vaterländischen Front, so daß der bisherige Dualismus Schuschnigg-Starhemberg, der die Lösung politischer Fragen hemmte, beseitigt ist. Diese Umstände ermöglichen es dem rekonstruierten Kabinett Schuschnigg, die bisherige Innenpolitik und Außenpolitik fortzusetzen. Die Heimwehren bleiben als Faktor einer konstruktiven Arbeit der österreichischen Staatspolitik erhalten. Schwenkung zur Demokratie? Der Wiener Reutrrberichtrrstatter meldet, daß die Rekonstruktion des österreichischen Kabinetts ein enges Zusammenwirken mit den demokratischen Elementen des Landes ermöglichen solle. Die Unterstützung der Heimwehren durch Rom sei in den letzten Monaten sehr, schwach gewesen. Die französischen Linkskreife fordern die Demokratisierung Oesterreichs. Starhembergs Widerstandsversuch Starhemberg ist nicht freiwillig von seinem Posten geschieden, sondern wurde aus der Regierung regelrecht hinausgeworfen. Er versuchte einen Widerstand der Heimwehr zu organisieren, indem er wenige Stunden vor dem Regierungswechsel dem Hauptstab der Heimwehren die, Erlassung des folgenden Befehles äuftrug:„Kameraden, Mitglieder der Heimwehren l Bewahret Ruhe und Ordnung. Lasset Euch nicht provozieren und handeltnurnach denBefeh- len Starhembergs I" Die Befehle sind schließlich ausgeblieben, offenbar wurde auch der Aufruf Starhembergs nicht weitergegeben. Der Widerstandsversuch Starhembergs wird auch da- d.urch erwiesen, daß entgegen allen Gepflogenheiten, nicht die Regierung um die Demission einkam, sondern Schuschnigg den Bundespräsidenten um die Abberufung des Kabinetts ersuchte.' *- Starhemberg fuhr. Donnerstag abends nach Rom, um, wie es heißt, in. seiner Eigenschaft als Führer der Turn- und Sportfront an dem.Fuß- bgll-Länderspiel Oesterreich-Italien teilzunehmen. Man hat erfolglos versucht, ihn von dieser Reise abzubringen.— Der Generalsekretär der Vaterländischen Front, Oberst Adam, ist zurückgetreten. j Der Rücktritt des österreichischen Vizekanzlers Starhemberg, des typischesten Vertreters des Faschismus in diesem Lande, zeigt, daß die Fronten in den faschistischen Ländern in Bewegung geraten und daß Oesterreich seit dem 12. Feber 1934 nicht imstande ist, ein-stabiles Regime einzurichten, daß die Grundlagen des österreichischen Ständestaates im Winde schwanken. Die Welt wird nicht überrascht sein, wenn das österreichische Regierungssystem eines schönen Tages zusammenfällt wie ein Kartenhaus. Innenpolitisch bedeutet das Verschwinden des praepotenten, unseriösen, alkoholisierten und skandalierenden, unwürdigen Nachkommen des Wiener Türkenbefreiers zweifellos eine Schwächung des radikalen Heimwehrflügels innerhalb der Regierung. Wohl sind weiter Vertrauensleute der Heimwehren Mitglieder des Kabinetts, aber sozusagen zivilisiertere, die dem Kanzler Schuschnigg das Leben nicht so sauer machen werden wie es Starhemberg getan, der seine eigene auswärtige Politik betrieb und mit seiner Pariser Reise im Winter und jetzt mit dem Telegramm an Mussolini die Kreise der offiziellen Außenpolitik des Landes gestört hat. Sicher ist, daß die Stellung Schuschniggs, der neben dem Kanzleramt das Aeußere und die Landesverteidigung leitet, stärker geworden ist und eine kleine Hoff- ! nung bedeutet der neue Dozialrstinifter Resch-, der seinerzeit erträgliche Beziehungen zur Sozial- demoktatie unterhalten hat und ein alter Christlichsozialer ist. Wahrscheinlich wird Starhemberg auch vom Kommando der Miliz entbunden werden und lediglich Turn- und Sportführer bleiben. Es ist nicht anzunehmen,' daß er sich mit dieser Rolle wird begnügen wollen, viel wahrscheinlicher ist ein Bündnis zwischen ihm und den bereits früher abgesägten Heimwehr-Intriganten, also eine weitere Verengung und Gefährdung der Regierungsbasis. Autzenpolitis ch scheint uns das Ausschiffen Starhembergs nicht von großer Bedeutung. Wohl galt der Heimwehrfürst mit den großen Schulden und wöchentlichen Skandalaffären als der entschiedenste Vertreter' des italienischen Kurses, aber der neue Leiter des Außenamtes, der Herr Schuschnigg ist, wirb— selbst wenn er diese Absicht hätte— an der außenpolitischen Linie des Landes nicht viel ändern können. Er hat deswegen Mussolini und Göm- bös sofort verständigt, daß alles beim alten bleibt, d. h. daß Oesterreich an dem römischen Protokoll festhält. Das wird der Bundeskanzler mit höflichen Gesten, die er von Zeit zu Zeit an die Pariser, und Prager Adresse richten wird, zu vereinen wissen. Das erscheint uns auch als das Entscheidende. So lange Mussolini der eigentliche Herr am Wiener Ballhausplatz'.st, ist an eine wirkliche Schwenkung in der österreichischen Politik nicht zu denken. Das Schicksal Oesterreichs ist seit Kriegsende von den internationalen Verhältnissen und der Mächtegruppierung Europas entscheidend beeinflußt worden, eine wirkliche Umkehr in Oesterreich ist von einer außenpolitischen Wandlung zu erhoffen, oder vielmehr vom Eintreten außenpolitischer Ereignisse, welche die österreichischen Machthaber dazu zwingen, werden, die sozialen Grundlagen der Regierungsmacht zu verbreitern? Das kann für diejenigen, welche den Anschluß an das Dritte Reich nicht wollen, nur die Annäherung an die demokratisch- sozialistische Arbeiterschaft sein. So lange das nicht geschieht, wird man Herrn Schuschnigg irgend einen innenpolitischen Kurswechsel nicht glauben. Das Regime des Bundeskanzlers wird stets ein schwankendes bleiben, es wird sich nur bei Windstille erhalten, der erste Sturm stnrd es umwerfen, wenn er nicht dafür sorgt, seinem Hause solide Fundamente zu geben. Er muß Taten setzen,- will er die Sympathien der demokratischen Welt gewinnen. Eine solche Tat wäre, die Schaffung von aus dem freien Willen der Arbeiter entstandenen Gewerkschaften möglich zu machen. Erkennt Herr Schuschnigg die Zeichen der Zeit nicht, dann kann ihn einst mehr geschehen als in die Wüste geschickt zu werden. Sette 2 Freitag, 15. Mai 1938 Nr. 114 Schutz der Demokratie— unsere nationale Pflicht Senator Müller über das Staatsverteidigungsgesetz Der deutsche sozialdemokratische Senator Heinrich Müller führte in seiner SenatS- rede über das StaatsverteidigungSgesetz u. a. folgende- aus: Senator Müller wies darauf hin, daß sich durch den Ablauf der Ereignisse in Abessinien die Verhältnisse in der Weltpolitik seit der Behandlung der Staatsverteidigungsvorlage im Abgeordnetenhaus noch bedeutend verschlechtert haben und der Friede dadurch besonders bedroht erscheint. Der Faschismus ist durch den Ablauf des Feldzuges in Abessinien neu gestärkt worden und dies bedeutet eine Vergrößerung der Kriegsgefahr. Wir sind in einer besonders exponierten Lage, weil wir rings von faschistischen Staaten umgeben sind. Es werden neuerlich die Fäden von Rom nach Berlin gesponnen und die faschistische Dreifaltigkeit Polen—Ungarn—Deutschland lebt wieder auf. Heute ist Hitler-Deutschland trotz allen Friedensbeteuerungen die größte Gefahr für den Frieden, denn einem Land, das die Verträge bricht, das alte Rechte verhöhnt und sein eigenes Wort verrät, kann man nicht glauben. Wir können dem vielfach geäußerten Wünschen einer Partei, die korrekten Beziehungen zu Deutschland, zu freundschaftlichen auszubauen, nicht beistimmen, insolange nicht von der anderen Seite ein wesentlicher Beitrag zu diesen freundschaftlichen Beziehungen erfolgt. Die Vorgänge im Grenzgebiete reden aber eine ganz andere Sprache. Die Agitation von drüben hat bei uni leider ziemliche Erfolge zu verzeichnen. Trotzdem warnen wir aber auch die tschechische Rechte, alle Deutschen im sudetendeutschen Gebiete, und alle jene, die arN 19. Mai 1935 der SdP ihre Stimme gegeben haben, als Irredentisten zu bezeichnen. Wir lehnen diese Auffassung ab, die äußerst schädlich und für die Ttaatsverteidigung sicher nicht von Nutzen wäre. Senator Müller hält die Worte fest, dir er schon im Jahre 1930 im Abgeordnetenhaus gesprochen hat: daß die Staatsverteidigung nicht allein mit Waffen, mit guten Generälen und Soldaten vor sich gehen kann, sondern daß man draußen in den Grenzgebieten auch eine geistige Front s..-affen muß, die die Verteidigung des Staates unterstützt. Der Staat muß vor allem die demokratischen Elemente schützen und mutz indirekt den Druck Hitlers und direkt den Druck der Henleinpartei auf die demokratisch gesinnten Menschen verhindern.' Kleinliche Schikanen der Bürokratie und daS chauvinistische Borgehen derjenigen Herren der tschechischen Rechten, die''fdstsi Mt-der" Gegenseite'draußen konspirieren, schwächen nur di« Staatsverteidigung.< Redner stellt fest, daß der Mitarbeit unserer Partei in der Koalition es z« danken ist, daß die bedenklichsten Paragraphen entweder eliminiert»der atgrindert wurden. Wir sprechen der SdP das moralische Recht ab, den Schutz der Arbeiter für sich in Anspruch zu nehmen.(Lärm.) Draußen geht der Terror der Henlein-Fabrikanten, Beamte« und BrtriebSführer gegen die demokratischen Elemente in einer Weise vor sich, die schon zum Himmel schreit. ES ist nicht nur in de« Betritt«« so. Selbst bei de« kleinsten Arbeiten, di« di« Arbeitslosen»errichten, wird rin politischer Druck auSgeübt. Sogar daS Kohlentrage« möchte di« SdP. schon ausschließlich ihren Kamera-1 den reservieren, wie dieS in Lchluckena« geschah. Genügt der SdP nicht die Arbeitsvermittlung des Bundes der Deutschen und deS Deutschen Turnverbandes, die ihr politische Zuträgrrdirnfte leiste«, indem fie nur waschechte Rationalisten aufnrhmr» und Sozialdemokraten hinauSwerfen? Selbst beim Hopfenpflücken will man unter Führung deS Pfarrers Wehrenpfennig die Arbeiter in dir Knie zwingen. ES ist höchste Zeit, daß mit diesem Terror Schluß gemacht wird, sonst werden wir in einzelnen Fällen zur Selbsthilfe greifen.(Lärm.) Das Doppelgesicht der SdP macht sich bei diesem' Gesetz ganz besonders bemerkbar. Für einige Teile wird sie stimmen, für andere nicht. Je nach Bedarf, ob es in Prag ist, wo die Henlein-Leute bei gewissen tschechischen Rechtsparteien lieb Kind sein wollen oder drautzen im Grenzland, wo sie der Hitler-Eventualität entsprechen müssen, werden eben die Achseln rechts oder links hochgezogen.(Lärm bei der SdP. Müller ruft ihnen zu:„Ihr habet nicht den Mut für dar Gesetz zu stimmen, weil Eure hitlerbegeisterten Jünglinge Euch sonst davonjagen würden!") Durch dir politische Ungeschicklichkeit der SdP ist BirlrS verschüttet worden, was wir in den Jahren 1929 bis 1935 für dir Sudetendeutschen gebaut haben. Die StellungSnahme der SdP bei den verschiedensten politischen Anläffen kann niemals auf der anderen Seite vertrauen erwecken. Beziehen Sie doch endlich einmal eine Aare Stellung, studiere» Dir die Geschichte der letzten Jahrzehnte und Sir wrrdrn darauf kommen, daß rS dir Sozialdemokraten waren, die dir Arbeiter aus rechtlosen Lohnsklaven zu freien Staatsbürgern gemacht und ihnen jene Rechte erworben haben, die fie jetzt mißbrauchen. Müller protestiert dann unter gesteigerten Zwi- Prag. Im verfassungsrechtlichen Ausschuß Wurde am Donnerstag die Debatte über die Phönix-Verordnung 101/36 eröffnet. Der Kommunist S l a n s k tz und Ieek von der Nationalen Vereinigung verlangten u. a. Aufklärung,^? ob Versicherten Prämien zahlen sollen oder nicht..Auch die Forderung nach einer parlamentarischen Untersuchungskommiffion wurde erhoben. Jejek behauptete u. a., der. Phönix habe auf eine Inflation in der Tschechoslowakei spekuliert, die ihn der inländischen Verpflichtungen entledigt hätte. Jejek fragt weiters, ob es wahr sei, daß einer politischen Partei ein Darlehen von 35 Millionen K« zu einem sehr niedrigen Zinsfuß gewährt worden sei. wovon man noch jeder Jahr eine Million abgefchrie- ben habe. Innenminister Dr. Eernh erklärte u. a.: Wenn jemand wirklich ein ehrliches Interesse daran hat, daß die Phönix-Affäre bis in die letzten Details geklärt wird, so ist es gerade der Innenminister sowie die ganze Regierung. Tie lln- tersuchungsorgane dürfen aber nicht einer Psychose schenrufen der SdP. gegen den Vorstoß des tschechisch-klerikalen K r e j c i gegen die Emigranten. Dessen Aeußerung widerspricht jeder Humanität und Menschlichkeit. 99 Prozent der Emigranten sind ehrenhafte Menschen, die nur deshalb aus ihrem Baterlande gehen mutzten, weil sie dem Konzentrationslager, dem Henkerbell oder den Kerkern HttlerS entgehen wollten. Wenn KrejiiS Vorschlag im Weltkriege in den Ländern der Entente Wirklichkeit geworden wär«, dann wäre«S wahrscheinlich gar nicht zur Entstehung unserer Republik gekommen, denn Masarhk, Benes und andere haben ja ebenfalls in der Emigration für ihre Ideen gekämpft und gesiegt. An die Adresse der Kommunisten richtet Müller die Feststellung, daß wir den Aufbau Sowjetrußlands und daS militärische Bündnis mit ihm begrüßen, das nicht nur für unS, sondern gewiß auch für Rußland in der heutigen Zeit sicher äußerst werwoll sein muß. Wir verstehen deshalb die Stellungnahme der Kommunisten auch nach den Darlegungen Kreibichs nicht. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß in so außerordentlichen Zeiten an einem so wichtigen Gesetz nicht nur kleinere, oder größere Mängel gesucht werden dürfen,, sondern daß die Grundtendenz entscheidend sein muß. Di« Freunde SowjetrntzlandS sitzen diesmal nicht in den kommunistischen, sondern in den sozialdemokratischen und in anderen Bänken. Die Stellan«, die Äverma, Slanskß und Krei- bich bezvzen, bevor Gottwald auS Rußland zurück« kam, ist unserer Auffassung näher gestanden und hätte vielleicht den Gedanken der Volksfront gestärkt. Rach der Rückkehr Gottwalds wurde aber die alte Zickzacklinie eingeschlagen und die Kommunisten machen nenerdingS hier eine verlorene Taktik. Dir stärke» nicht den linken Flügel und die fortschrittliche Mitte, sondern gerade jene, di« st« am meisten bekämpfen müssen. Wir werden für das Gesetz stimmen, weil es für den Staat dringend notwendig ist und wir werden auch darüber wachen, daß die Durchführung loyal sei und insbesondere der Schutz jener Arbeiter sozial und polittsch gewährleistet werde, die auf dem Boden deS Staates stehen.(Beifall.) unterliegen, wie sie sich beim Publikum zeigt und schließlich auch begreiflich ist. Die verantwortlichen Behörden müssen.ungewöhnlich vorsichtig vorgehen und können ihre Entscheidungen nicht auf Grundlage unzureichender Indizien treffen. Der Minister verlangt, daß der ganze Ausschuß die Phönix-Frage als ein außergewöhnlich ernstes Problem ansehe und überzeugt sei, daß im Interesse der öffentlichen Moral entschieden alles durchgesetzt werden soll, was sich durchsetzen läßt. Durch Unüberlegtheit würde man nicht dahin kommen. Es werde niemandem Pardon gegeben werden, wer es auch sei. Die Regierung befasse-sich ununterbrochen mit der Regelung der wirtschaftlichen Inter- essen deS Phönix und«erde die Interessen der Versicherten, namentlich der kleinen, deren Prvzentsatz hoch ist, nicht»uS dem Auge lassen, ebenso dir Interessen der Angestellten. Diesbezüglich find bereits Anträge auS- Der Innenminister zur Phönix-Affäre: Es wird niemandem Pardon gegeben! Anträge zur endgültigen Regelung bereits ausgearbeitet 8 Der Ruhm des Kämpfen Den Jadt London Cepynrht by Universitas Berlin, durch Dr. Präger ■ Pressedienst. Wien. „Gemacht, Sam", lautete die Antwort. „Es ist eine Probe für Sie", warnte Stuben er ihn.„Wenn es Ihnen nun mißlingt, ihn in der letzten Runde auf die Bretter zu schicken?" „Hören Sie", Pat machte eine Pause, um seinem Versprechen größeren Nachdruck zu verleihen, und nahm dann einen Band Longfellow aus der Tasche.„Wenn ich ihn nicht in der fünfzehnten Runde erledige, will ich nie im Leben mehr ein einziges Gedicht lesen." „DaS ist ja allerhand", erklärte Sam,„wenn et auch über meinen Horizont geht, daß Sie sich aut dem Zeugs etwas machen." Pat seufzte, antwortete aber nicht. In seinem ganzen Leben hatte er erst einen einzigen Menschen getroffen, der sick» etwas aus Gedichten machte: die rothaarige Lehrerin, vor der er in dir Wälder geflüchtet war. V. „Wo wollen Sie hin?" fragte Stubener überrascht und sah auf die Uhr. Pat blieb, die Hand auf dem Türgriff, stehen und drehte sich um. „Nach der Hochschule", sagte er.„Dort hält heute ein Professor eine Vorlesung über Browning, und Browning ist einer von den Schriftstellern, die einem erklärt werden müssen. Manchmal scheint mir, daß ich in die Abendschule gehen sollte." „Aber großer Gott, Mann!" rief der Manager entsetzt.„Sie sollen doch heute abends mit tzem Fliegenden Holländer kämpfen." „Ich weiß. Aber ich brauche erst vor Halboder dreiviertelzehn im Ring zu'sein. Die Vorlesung ist um Viertel nach neun zu End«. Wenn Sie Angst haben, daß ich zu spät komme, dann holen Sie mich in Ihrem Wagen ab." Stubener zuckte hilflos die Achseln.-> Das schadet doch nicht", meinte Pat.„Vater sagte immer, das Schlimmste wären die letzten Stunden vor dem Kampf, und mancher Kampf sei verloren worden durch das Versagen eines Mannes, der nichts zu tun gehabt hätte, als zu denken, und der nervös geworden wäre. Na, d i e Sorge brauchen Sie sich um mich nicht zu machen. Sie sollten sich freuen, daß ich noch Lust habe, eine Vorlesung zu hören." Und später am Abend, während eine der fünfzehn prachtvollen Runden der andern folgte, dachte Stubener mehr als einmal, was dieses Sportpublikum wohl sagen würde, wenn cs wüßte, daß dieser junge Boxer direkt von einer Browning-Borlesung in den Ring gekommen war. Der Fliegende Holländer war ein junger Schwede, der einen ungewöhnlichen Kampfwillen und eine gewaltige Ausdauer besaß. Er gönnte sich nicht einen Augenblick Ruhe tvährend des Kampfes und griff von Beginn der Runde, bis der Gong ertönte, unaufhörlich an. Beim Outfighting wirbelten seine ArMe wie Dreschflegel durch die Luft, und beim Infighting gebrauchte er die Schultern, lieferte fast einen Ringkampf und schlug, sobald er nur eine Hand' frei bekam. Bon Anfang bis zu Ende war er wie ein Sturmwind und machte seinem Namen Ehre. Seine Schwäche war die mangelnde Fähigkeit, Entfernung und Zeit zu berechnen. Dennoch hatte er viele Kämpfe dadurch gewonnen, daß er auf ein Dutzend der Schläge, die er unaufhörlich aus seinen Gegner niederhageln ließ, einen guten Treffer landete. Pat, der sich immer in acht nehmen mußte, 1 daß er seinen Gegner nicht zu Boden schickte, hatte genug zu ttin. Es war ihm auch nicht möglich, diesen ewig fliegenden Handschuhen ganz zu entgehen, wenn er auch^ nicht ernsthaft gefährdet wurde. Aber es war ein gutes Training für ihn und machte ihm Vergnügen. „Könnten Sie ihn jetzt erledigen?" flüsterte Stubener ihm in der Pause nach der fünften Runde zu. „Gewiß", lautete PatS Antwort. „Sie wissen doch, daß er noch nie k. o. geworden ist", warnte Stubener ihn ein paar Runden später. „Dann fürchte ich, werde ich mir die Knöchel zerbrechen", lächelte Pat.„Ich kenne meint Stoßkraft und weiß, daß etwas in Stticke gehen muß, wenn ich einen Schlag lande. Wenn er nicht will, dann eben meine Knöchel." „Glauben Sie, daß Sie es jetzt machen könnten?" fragte Stubener am Ende der dreizehnten Runde.' „Zu jeder Zeit, sage ich Ihnen doch." „Na, Uat, dann lassen Sie ihn meinetwegen in die fünfzehnte kommen." In der vierzehnten Runde übertraf der Fliegende Holländer sich selbst. Als der Gong ertönte, schoß er durch den Ring aüf Pats Ecke lös, ehe der richtig auf den Füßen stand. DaS Publikum jubelte, denn es wußte, daß der Fliegende Holländer jetzt loslegte. Pat, dem daS Spaß machte, beschloß, sich gegen den heftigen Angriff ganz passiv zu verteidigen und nicht einmal zu schlagen. Er gab eine hübsche Vorstellung im Decken. Manchmal deckte er das Gesicht mit dem linken Arm und den Leib mit dem rechten, dann wieder paßte er sich der wechselnden Angriffsweise an und deckte das Gesicht mit beidep Händen oder den Leib mit Ellbogen und Unterarmen. Und bei alledem griff er nicht ein einziges Mal an, obwohl er unter dtn stürmischen Schlägen bebte, die wie ein Trommelfeuer niedergingen. Die Zuschauer, welche dem Ring zunächst gearbeitet und die Regierung wird über fie enttcheidrn, sobald alle für diese Entscheidung nötigen BorauSsetzungen bekannt sein werden. WaS in der Debatte vorgebracht wird, werde den Behörden als Grundlage- für wettere Erhebungen dienen. Konzipientenzeit noch umstritten Teilweise Anrechnung der Militärdienstzeit»ls Kompromiß? Prag. Auf der Tagesordnung der Donnerstagsitzung deS Parlamentes stand ursprünglich die vom Senat bereits genehmigte Novelle zum A d v o ka t e n g e s e tz. Die Vorlage mußte jedoch von der Tagesordnung abgesetzt werden, da, wie bereits gemeldet, Schwierigkeiten wegen der geplanten Verlängerung der Konzipientenzeit von fünf auf sechs Jahre entstanden sind, die neue Koalttionsberatungen nötig machten. Gegen die'Verlängerung treten natürlich in erster Linie die Studenten auf, die sich der Advokatenlaufbahn widmen wollen, während die Advokatenkammern sogar sieben Jahre verlangen. In einer Koalitionsberatung am Nachmittag stellte Justizminister Dr, D i r e t den Vcrmitt- lungsamrag, die Konzipientenzeit auf sechs Jahre festzusetzen, jedoch jenen Konzipienten, die aktiv beim Militär gedient haben, die Hälfte der Militärdienstzeit in die Konzipientenjahre einzurechnen. Praktisch würde dies bedeuten, daß es für diejenigen Konzipienten, die zwei Militärjahre hinter sich halben, bei der bisherigen fünfjährigen Konzipientenzeit bleibt, während die Staatskrüppel sechs Konzipientenjahre Nachweisen müßten. Dieser Antrag wurde nicht ungünstig ausgenommen; die endgültige Entscheidung soll jedoch erst das politssche Ministertomitee treffen, das am Abend zusammentritt. Inzwischen erledigte das Haus die Verlängerung de? Gesetzes 73/33 über die Regelung der Vermögensabgabe von beschlagnahmtem Großgrundbesitz um weitere zwei Jahre. Dann wurden noch einige Immunitäten erledigt und a. a. Herr G a j d a ausgeliefert. AuS formalen Gründen wurde nach kurzer Pause eine zweire Sitzung abgehalten, in der die Vorlage Wer den Umtausch der Staatsanleihen gegtn Unifizierungsanleihe verhandelt wurde. In der Debatte befaßte sich Bergmann(Nat.-Soz.) mit Staatsangestelltenfragen und mit der Reform der Staatsverwaltung. Dr. T o u i e t wirft die Frage auf, ob man die künftige Generation derartig belasten dürfe, wie es jetzt durch die Erstreckung der Amortt- iationsfrist der Staatsanleihen auf 50 Jahre geschehe. Der Referent erwiderte ihm, daß die heutige Generation nicht die ganze Last der durch den Krieg zerstörten Wirtschaft tragen könne und daß diese Last daher gleichmäßig auch auf di« nächste Generatton aufgeteilt werden müsse. Die Vorlage wurde dann in. erster Lesung angenommen und die nächste Sitzung auf Freitag, den 15. Piai, um 10 Uhr vormittags anberaumr. Index der Großhandelspreise. Der nach dem I Stande vom 1. Mai 1936 ermittelte Index der Großhandelspreise bleibt im ganzen fast unverändert, er beträgt 704 Punkte gegenüber 703 Punkten im April. Der Index der NahrungS- und Genußmittel stieg van 713 im Vormonat auf 715, während der Futtermittelindex von 546 auf 459 fieli saßen, sahen und erkannten, was vor. sich ging, die übrigen aber ließen sich täuschen. Sie erhoben sich und brüllten vor Begeisterung über die Abreibung, die Pat scheinbar infolge der Ueberlegen- heit des andern erhielt. Als die Runde vorbei war, waren sie ganz verblüfft, als sie Pat sich ruhig in seine Eck« begeben sahen. Das war unbegreiflich. Er hätte eigentlich zu Apfelmus geschlagen sein müssen, und doch war ihm nichts geschehen. „Kommt es jetzt?" fragte Stubener ängstlich. „Binnen zehn Sekunden", erklärte Pat zuversichtlich.„Passen Sie nur aui."«•, Alles ging ohne jeden Trick vor sich. Als der Gong den Beginn der letzten Runde verkündete sprang Pat auf, und jetzt sah man, daß er zum erstenmal während des ganzen Kampfes wirklich auf seinen Gegner losging. Das war so unverkennbar. und der Fliegende Holländer fühlte es selber so stark, daß er zum erstenmal in seiner Boxerlaufbahn, als sie sich in der Mitte des Rings trafen, sichtlich zögerte. Den Bruchteil einer Sekunde standen sie sich Angesicht zu Angesicht gegenüber. Dann sprang der Fliegende Holländer auf seinen Gegner los, und Pat schickte ihn, während er noch im Sprunge war, mit einem wohlberechneten Rechten Kreuzschlag auf die Bretter. Dieser Kampf war es, der Pats unerhört schnellen Aufstieg zur Berühmtheit begründete. SportSIeute und Sportreporter wurden auf ihn auf ihn aufmerksam. Der Fliegende Holländer hatte zum erstenmal in seinem Leben eine k. s.« Niederlage erlitten. Sein Besiger hatte sich als Meister in der Verteidigung erwiesen. Seine frü- heren Siege waren kein Zufall gewesen. Er hatte eine ungeheure Kraft in seinen Fäusten, war ein Riese, der es noch weit bringen mußte. IFortsetzung folgt.) Rr. 114 Freitag, 15. Mai 1938 Seite 3 fadcfcndeuisdicr Zeifepie^el Wieder Menschenverschleppung nach Deutschland Anfang Mai wurde der tschechoslowakische Staatsbürger Hugo Rebik(aus Endersdors in Schlesien) von den Freiwaldauer Henleinleu- ten Karl Hauke, Rudolf Werner uud Ernst Schmied mit Hilfe der aus Brünn stammenden Margarete Polzer, einer Bardame, nach Deutschland entführt. Die Entführung spielte sich am 5. Mai ab, in der Zeit zwischen 4 und 5 Uhr früh. Rebik wurde von Grotz-Kunzeniwrf nach Preußisch- Kunzendorf verschleppt. Man hat von der ganzen Sache erst so spät erfahren, weil die ganze Gesellschaft eine Bummeltour gemacht hatte und im Auto eine ganze Reihe von Orten und Gasthäusern abgefahren hatten. Sie waren in Reihwiese«, Zuckmantel, Riklasdorf, Kohlsdorf und kamen schließlich nach Groß-Kunzendorf. Gegen Morgen gingen dann die vier Henlein-Leute mit dem Entführten über die Grenze. Sie wurden von dem Kreisgericht in Reiße zu drei bis sechs Tagen wegen Paßvergehens verurteilt. Rebik wurde aus Gründen der Spionage, die er zugunsten der ESR betrieben haben soll, entführt. Dieser Plan war schon von langer Hand vorbereitet. In Freiwaldau wurde noch Adolf Schmidt, der Bruder des Ernst Schmidt, der bei der Entführung beteiligt war, verhaftet. Er wurde zwar schon Montag einvernommen, hatte aber zunächst nichts gestanden und erst am Dienstag gab er zu, von der Sache zu wissen, nachdem ein Brief von Ernst Schmidt aus Deutschland an seinen Pater aufgefangen worden war. in dem Ernst Schmidt ersucht, man möge ihm seine Koffer nach Deutschland schaffen. Bon reichsdeutscher Seite wurden für den Kopf Rcbiks 2 00 0 Reichsmark ausgesetzt. Rebik ist nie Sozialdemokrat gewesen. Dafür find alle vier Leute, die fich an der Entführung beteiligt haben, SdP- Leute. Arbeltsdlenstler aus dem Dritten Reiche flüchten In die Tschechoslowakei In der Rächt auf Montdg überschritten Ar- beitsdienstler aus Leipzig in voller Uniform die Grenze im Weiperter Bezirk. Ueber die Grenzbrücke gelangt, ohne zu wissen, daß fie sich schon auf tschechoslowakischem Boden befanden, atmeten sie froh auf, als sie durch die Weiperter Einwohner die Tatsache erfuhren, der Hölle des Dritten Reiches entkommen zu sein. Die Arbeitsdienstler, zwei zwanzigjährige Burschen, die aus dem Leipziger Arbeitslager stammen, ließen sich von der Ortspolizei willig zur Gendarmerie ab- führen und erklärten dort ganz offen, daß fie den ihnen zustehenden Urlaub benützt haben, um aus dem Dritten Reiche zu entkommen. Ihren Schilderungen ist zu entnehmen, daß die Arbeitsbedingungen und der Zuchthausdrill unerträglich seien und daß di« jungen Leute nur aus Angst vor einein schlimmeren Schicksal ihre Leiden ertragen. Die jungen Arbeitsdienstler, die alle Papiere(einschließlich der Dokumente über di« Urlaubsbewilligung) bei sich halten, wurden durch die Gendarmerie nach Brüx eingelirfert. Rach ihren Schilderungen sollen mit ihnen noch mehrere geflohe« sein, jedoch ist ihnen über deren weiteres Schicksal nichts bekannt. regionalen Zusammenkünften beschlossen. Genosse Dr. C z e ch berichtete über die Vorarbeiten zum neuen bürgerlichen Gesetzbuch. Auch hierüber wurde eine rege Aussprache abgeführt. Genosse Dr. Schwelb referierte über eine Reihe von Berufsfragen der Juristen. Der Verein beschloß, den zu Pfingsten stattfindenden Reichsjugendtag zu einer Zusammenkunft zu benützen. Zur Unterstützung dieser Veranstaltung wurde ein Betrag aus der BereinSkaffe gewidmet. Ueberdies ergeht an die sozialdemokratischen Juristen die Aufforderung, diese wichtige Kundgebung auch persönlich nach Kräften zu fördern. Die Neuwahlen ergaben die einmütige Wiederwahl des Genossen Doktor Czech zum Vorsitzenden. Seine Stellvertreter sind die Genossen Dr. Heller und Dr. Schwelb, zum Schriftführer wurde Genosse Dr. Wiener wieder- und zum Kassier Genosse Dr. Alfons Klein neugewählt.— Alle sozialdemokratischen Juristen, die noch nicht Mitglieder der Vereinigung sind, werden ersucht, sich ehestens beim Schriftführer Genossen Dr. Robert Wiener in Prag I, Parlament, zu melden. Auf dem Aussiger Marienfels. Zwei Schüler aus Hohenstein bei Karbitz kletterten Donnerstag vormittags den Marienfelsen bei Aussig herunter, gerieten aber an den steilen Abhängen, welche sich fast senkrecht über dem Bahnkörper erheben, in eine Lage, in der, sie weder hinauf noch hinunter konnten. Auf ihr Rufen forderte nach Mittag die Polizei die Hilfe der Aussiger Freiwilligen Feuerwehr an, der es mit Hilfe von Seilen in kurzer Zeit gelang, die Knaben zu befreien und zu retten. Leider kam es dabei zu einem Unglück. Der Feuerwehrmann Emil Kuklik, ein Dachdeckermeister, wollte bei den Bettungsarbeiten von unten helfen. Als er sah, daß das verwitterte Gestein unter den Füßen der Knaben nachgab, kletterte er zu ihnen, glitt aber aus und stürzte 20 Meter tief ab. Er wurde in ernstem Zustande in das Masarhk-Krankenhaus in Aussig eingeliefert, wo er das Bewußtsein noch nicht erlangt hat. Prof. Dr. Kelsr« ernannt. Tas AmtMatt veröffentlicht die Ernennung des Professors des „Institut Universitaire des Hautes Etudes Internationales" in Genf Dr. Hans Kelsen zum ordentlichen Professor für Internationales Recht an der Rechtsfakultät der Deutschen Universität in Prag. Wie verlautet, wird Prof. Dr. Kelsen zu Beginn des Wintersemesters des kommenden Studienjahres seine Vorlesungen aufnehmen. Verbote... Die„Rote Fahne" teilt mit, daß in Käsmark in der Zips eine Ausstellung moderner Literatur eröffnet wurde, in die als erster Besucher der von der Bezirksbehörde gesandte Notar als Zensor kam. Er beschlagnahmte alle Bücher, darunter die Werke von Romain Rolland, Arnold Zweig, Lion Feuchtwanger und sämtliche Ruffenbücher. Die Ausstellung wurde verboten, der Raum versiegelt. Es wäre dringend notwendig, diesen Vorfall aufzuklären. Zum Selbstmord getrieben. In Warnsdorf hat vor kurzem ein jungtr Mensch seinem Lehen unter Umständen ein Ende gesetzt, die als tragisch bezeichnet werden müssen. Von Haus aus vermögenslos, hatte er nach langer Erwerbslosigkeit eine Stellung gefunden, eine Existenz also, aber eine solche, die nach bürgerlichen Begriffen ungenügend erschien, auf ein Mädchen einer beffer situierten Klaffe Anspruch zu erheben. Jung wie rr war, wehrte er sich gegen diesen Geist von gestern und vorgestern, allerdings in etwas gewagter Weise. Ein Fehlgriff in den Mitteln, der gemessen an der Bedeutung einer Herzenssache, seine Entschuldigung unter vernünftigen Menschen finden mußte. Jedoch der Geist einevergangenen Jahrhunderts stand gegen ihn auf. Bürgerliche Scheinmoral und Sensationsgier vereinigten sich, einen Menschen in den Tod und andere ins Unglück zu stürzen. Was ist der Brief des Toten (der weder Erpressung war, noch zu einer angeblichen Verhaftung führte) gegen eine vermottete Bürgermoral, die das Recht zu richten zu haben glaubte und sich selbst gerichtet hat. Und was sind beide gegen die tuschelnde und leider auch zeitungsschreibende Sensationslust, die Existenzen moralisch untergräbt und solange hetzt, bis sie keinen anderen Ausweg sehen al» den Strick. Dr. Neuwlrth weiß von nichts Neue Staatspolteeilmter In Nordböhmen Da» Innenministerium veröffentlicht«ine Kundmachung über Ausbau bzw. Errichtung von Staats- polizeiämtern: Da» Gebiet des StaatrpolizciamteS in Brüx wird erweitert auf die Gemeinden der GerichtSsbczirke Brüx und OberleutenSdorf; in den Gemeinden des Gerichtsbezirke» Katharina- b e r g wirb da» Polizeüunt durch" einen expömer- ten Beamten vertreten"sein. In Dux wird"etü Staatspolizeiamt für die Gemeinden des politischen Bezirkes Dux errichtet. In T e p l i tz-S ch ö n a» wird ein Staatspolizeiamt für die Gemeinden de» pol. Bezirkes Teplitz-Schönau errichtet. Das Gebiet de» Staatspolizeiamtes in A u s s i g wird auf die Gemeinden de» GerichSbezirkeS Aussig erweitert: in den Gemeinden de» GerichtSbrzirkes Karbitz wird das Staatspolizeiamt durch exponierte Beamte vertreten Volksbildung). Der Einberufer ist im Auftrag des Ministeriums für Schulwesen und Volkskultur Fachlehrer Heinrich H e r g e t, Referent des staatlichen Volksbrldungsdienstes, in Teplitz- Schönau, Schulgasse 14. Jahresversainmlung der Juristenvereinigung. Die deutsche sozialdemokratische Juristenvereinigung hielt am 12. Mai ihre ordentliche Jahres- verstunrnlulig ab, die nicht, nur von dry Prager Mitgliedern, sondern quch von einer. Verhältnis» mäßig großen Anzahl der auswärtigen Mitglieder besucht war. Nach der Erstattung des Tätigkeitsberichtes durch Geiussen Dr. W i e n e_r und des Kassaberichtes durch Genossen Dr. Schwelb wurde eine lebhafte Debatte abgcführt, in der eine Reihe wertvoller Anregungen für die intensive Ausgestaltung der Vereinstätigkeit gegeben wurden. Insbesondere wurde die Abhaltung von Zur Belebung des Blutkreislaufes und Stärkung des Organismus Franzbranntwein sein. In Letschen wird ein Staat-polizeiamt für di« Gemeinden der Gerichtsbezirke Letschen und Bensen errichtet. In den Gemeinden des Gerichtsbezirke» B.-Kamnitz wird das Staatspolizeiamt durch exponierte Beamte vertreten sein. In B ö h mist e i p a wird ein Staatrpolizeiamt für di« Gemeinden der Gerichtsbezirke B.-L«ipa und Haida errichtet. In den Gemeinden der politischen Bezirke Deutsch»Gatzel, Warnsdorf, Rumburg und Schluckenaü wird das Staatspolizeiamt durch exponierte Beamte vertreten sein. Das Gebiet des Staatspolizeiamtes in Reichenberg wird erweitert auf die restlichen Gemeinden des Gerichtsbezirke» Reichenberg. In den Gemeinden der Gerichtsbezirke Kratzau, Friedland und Neustadt a. d. Tafelfichte wird das Staatspolizeiamt durch exponierte Beamte vertreten sein. Das Gebiet des Staatrpolizeiamres in Gablonz wird erweitert auf die Gemeinden des GerichtSbezirkeS Gablonz. In den Gemeinden des Gerichtsbezirke» Tannwald werden exponierte Beamte sein. Die Regierung hat bestimmt, daß die oben angeführten Staatspolizeiämter in ihren Verwaltungsgebieten die Polizeitätigkeit ausüben, die den Gemeinde- und BezirkSbrHörden zufällt/ und zwar in einem Umfang, den da» Innenministerium im Einvernehmen mit den zuständigen Ministerien festsetzen wird. Di« Arbeitstagung der öffentlichen deutschen Bildungspflege in Böhmen findet am 20. und 21. Mai dieses Jahres in Prag(Bolksbil- dungshauS„Urania") statt. DaS Programm für den 20. Mai enthält Fachvorträge: Toni Köhler .(Die Lebensgemeinschaft des Dorfes), Oskar Drehhausen(Die Büchereiaufticht), Jos. Kühnel(Rundfunk und Film in der Volksbildung), Hubert Nerad(Laienspiel und Puppentheater), Dr. Simon(Berufsberatung und Bildungspflege), Dr. F r a n z e l(Geistige Betreuung der Arbeitslosen), Dr. Moucha(Die öffentliche Volks- bildungspfleze in der Gegenwart), Ernst Paul (Volksbildung und Propaganda des demokrati- schen Staatsgedankens). Am 21. Mai werden sprechen: Minister Dr. Kamil Krosta(Demokratischer Staat und Volk), Minister Dr. Franz Spina(Bauertum und Demokratie), Abg. Wenzel I a k s ch(Die sozialen Grundlagen des Sudetendeutschtums) und Dir. Josef Zak(Be- deutung und Aufgaben einer demokratischen Appell für die deutschen Emigranten Die int tschechoslowakischen Nationalkomitee für deutsche Flüchtlinge vereinigten Flüchtlingsfürsorgen(die Demokratische Flüchtlingsfürsorge, das Salda-Hilfskomitee für deutsche Emigranten, das Komitee für Auswanderung jüdischer Flüchtlinge, die Sozialdemokratische Flüchtlingsfürsorge und die Bereinigung zur Unterstützung deutscher Emigranten) hatten für Donnerstag ins Prager Gewerkschaftshaus eine Konferenz einberufen, um die Oeffentlichkeit über die Lage der deutschen Emigration in der Tschechoslowakei zu unterrichten. Das Innenministerium hat eine öffentliche Sammlung bewilligt, die von den genannten Komitees(mit Ausnahme des jüdischen) veranstaltet wird, und die Redner, die bei der Konferenz das Wort ergriffen, wiesen überzeugend auf die Berechtigung und die Notwendigkeit dieser Sammlung hin. Für das Nationalkomitee sprach Frau S ch m o l k a, die über die internationale, vom Völkerbund anerkannte und vom Hohen Kommissar in Genf beaufsichtigte Organisation der Flüchtlingsfürsorge berichtete und darauf aufmerksam machte, daß die Zahl der unterstützten deutschen Emigranten in der Tschechoslowakei iveniger als tausend beträgt, daß aber nach dreijähriger Arbeit der Prager Flüchtlingsstellen(die vielen Emigranten den Weg in andere Länder ermöglicht hat) eine Situation entstanden fft, die es notwendig macht, zugunsten der um ihrer Gesinnung oder Abstammung willen aus der Heiinat Vertriebenen an die Oeffentlichkeit zu appellieren. Die Unterstützung der deutschen Emigranten ist. wie die nächste Rednerin, Fran L a n d o v ä- S t i ch a v ä bemerkte, nicht nur eine menschliche, sondern auch eine politische Pflicht gegenüber den deutschen Antifaschisten, die sich für die geleistete Hilfe dankbarer erweisen werden als ein großer Teil der viel reichlicher unterstützten russischen Emigranten. In einer warmherzigen Ansprache appellierte sodann Ernst Paul namens der Sozialdemokratischen Flüchtlingsfürsorge an die Opferbereitschaft für die in unser Land geflüchteten deutschen Emigranten. Was für diese Flüchtlinge getan werde, das seien nicht eigenllich Opfer', sondern sei ein Werk der Solidarität, und wenn jetzt nach drei Jahren dieses Werk eingestellt werden müßte, dann würde das für alle, die an ihm Mitarbeiten, eine der unglücklichsten Stunden ihres Lebens sein. Es sollte eine Ehrenpflicht der demokratischen Bevölkerung unseres Landes sein, zur weiteren Aufrechterhaltung des Hilfswerkes beizutragcn, und es sei sicher, daß trotz mancher Mißgunst gegen die Emigranten die Mehrheit der Bevölkerung ihnen wohlgesinnt sei. Bei der geringen Zahl der in der Tschechoslowakei verbliebenen Emigranten könne von einer Belastung des Staates oder des Arbeitsmarktes nicht die Rede sein, und wenn sich einmal ein Emigrant Verfehlungen zu schulden kommen laffc, so dürfe man das nicht als Argument gegen all die anderen benützen, die um ihrer Gesinnungstreue willen die Heimat und die Existenz geopfert haben. Das Heimatgefühl und das Gefühl der Verbundenheit, das man den deutschen Emigranten hier im Lande gebe, werde Früchte tragen, und die Opfer, die man für sie bringe, werden nicht umsonst sein. Unter den Vertretern der zur Konferenz eingeladenen Verbände, die sich zur Unterstützung des Hilfswerks für die Emigranten bereit erklärten, war auch Anton Schäfer, der namens des Deutschen Gewerkschaftsbundes die Solidarität der deutschen Arbeiter in der Tschechoslowakei mit den aus ihrer Heimat vertriebenen Opfern des Hitler-Terrors zum Ausdruck brachte. Der Appell, den das Nationalkomitee für chie deutschen Flüchtlinge(Prag V., Jachy- movä 3) erläßt, hat folgenden Wortlaut: „Wir rufen alle Menschenfreunde auf, unser Fürsorgewerk, welches bestrebt ist, Menschen, die um ihrer Gesinnung willen Deutschland verlassen mußten, die hier spärlich vegetieren, durch rege Teilnahme an dieser Sammlung zu unterstützen. Damit soll ermöglicht werden, den Flüchtlingen zur Auswanderung zu verhelfen und ihnen eine schmale Lebensexiftenz weiterhin zu gewähren. Jeder Heller und jede Krone hilft uns in diesem Bestreben. Helft alle um der Humanität willen, ohne die das Leben nicht ledenswert ist," 1 Im Abgeordnetenhaus meldete sich am Donnerstag der SdP-Abgeordnete Dr. Reu- Wirth zu Wort, um zu den Anschuldigungen Stellung zu nehmen, die Dienstag im Senat der Kommunist W e n d e r l i ch. im Zusammenhang mit der Phönix-Affäre gegen ihn erhoben hat. Dr. Neuwirth hat, wie er behauptete, deshalb eigens seinen Urlaub abge- b r o ch e n, um nun zu erklären, er kenne den ,DjrLktpr,.H!.Z^ j..k. nicht, mit dem er in Verbindung gebracht werde, und er. habe auch mit keinem Funktionär des Phönix noch mit der Gesellschaft selbst weder berufliche noch gesellschaftliche oder sonstige Beziehungen unterhalten. Er hoffe, daß Senator Wenderlich seine Behauptungen an einer Stelle vorbringen werde, wo er nicht durch die Immunität geschützt ist. Eine ähnliche Erklärung gab Fran! im Senat namens der Partei ab. Es wäre nun an den Kommunisten, nunmehr ihrerseits mit konkreten Tatbeständen zu kommen! KoalitionSstudenten im Abgeordnetenhaus. Gestern sprach eine Delegation der Bereinigung der Koalitionsstudenten im Parlament bei den Abgeordnetenklubs aller Regierungsparteien vor. Die Intervention bezog sich auf den zur Verhandlung kommenden Gesetzentwurf über die Ahvo- katurskonzipienten. Die Studentenvertreter teilten den Abgeordneten ihre Bedenken zu dem Gesetzentwurf mit und Übergaben ihnen eine Resolution, in der die Forderungen der Studentenschaft dargelegt sind. Es wird vor allem die Beibehaltung der fünfjährigen Praxis verlangt, sowie eine gesetzliche Regelung, betreffend die Einbeziehung des Militärdienstes in die. Äon» hipientenpraxis. Die Abgeordneten aller Koalitionsparteien besprachen mit den Studentenvertretern ausführlich die einzelnen Punkte der Resolution und erklärten, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln dafür eintreten zu wollen, daß die berechtigten Forderungen der jungen Juristen erfüllt werden. a—k Ueber das Eisenbabngesrtz, da» kürzlich dem Parlament von der Regierung vorgelegt wurde, referierte der tschechische Genosse Dr. Marei ausführlich im verfassungsrechtlichen Ausschuß. Die Vorlage setzt nur die grundlegenden Normen fest und überläßt die Details besonderen Gesetzen und Verordnungen. Auch mit der Staatsverteidigung hängt sie vielfach eng zusammen. Da» Verhältnis der Bahnen zu den anderen Zweigen der öftentlichen Verwaltung wird klar und sachlich erfaßt, um Kompetenzstreitigkeiten nach Möglichkeit auSzuschaltrn. Die Vorlage trage endlich in unser ganzer Verkehrswesen ein neue» Moment der Elastizität und kommerziellen Anpassungsfähigkeit hinein, ohne daß die Hoheitsrecht« de» Staate» berührt würden. Sympathisch ist auch an der Vorlage, daß sie dem Publikum eine ganz andere Aufmerksamkeit widmet als bisher, und da» in der Erkenntnis. daß ein zu f r i e d e n e» Publikum di« beste Rellame für die Bahnen darstellt. Der Referent kündigt schon jetzt eine Reihe von Abänderung» a n t r ä g e n an, die di« Recht« der Angestellten betreffen.— Nach Abschluß der Generaldebatte wurde über Antrag de» Berichterstatter» zum genaueren Studium der Vorlage«in fünfzehngliedrigeS Subkomitee gewählt. Seite 4 Freitag, 15. Mai 1938 Nr. 114 Vie stärkeren Bataillone Der Leitartikler der„Zeit" mokierte sich in der Mittwochausgabe dieser Zeitung darüber, daß sich Genf immer auf die, Seite der stärkeren Bataillone geschlagen und nie darnach gefragt habe, wo das Recht, sondern immer darnach, wo die Macht sei. Ganz stimmt die Behauptung der „Zeit" sicherlich nicht. Jedenfalls trifft das von ihr der Genfer Institution vorgeworfene Bestreben westaus mehr auf die SdP zu. Herr Henlein hält es z. B. in D e u t s ch- land unentwegt mit den stärkeren Bataillonen und fragt einen Pfifferling darnach, ob es Konzentrationslager gibt und wie es in ihnen aussieht. Er ist danrit einverstanden, daß die Nazis von der Macht rücksichtslosen Gebrauch machen und Widerspenstigkeit gegen das braune Regime mit Morden oder durch Kerkerstrasen ahnden. Die stärkeren Bataillone bilden heute auch jene SdP-Fabrikanten, die sozialistisch gesinnte Arbeiter auss Pflaster werfen und nur Henleinan- hänger in ihre Betriebe einstellen. Es ist gut, wenn man sich über die üble Sitte aufhält, den Grundsatz zu mißachten, der einmal auch im Völkerleben Geltung hatte:„Wo es Stärkere gibt, dann immer auf Seite des Schwächeren". Der neue Grundsatz, dem auch die SdP huldigt, heißt:„Wo es Schwächere gibt, dann immer auf Seite des Stärkeren". Wo nimmt also die„Zeit" das moralische R c ch t her, sich über Genf zu mokieren? Niels Robert äf Ursin, ein Vorkämpfer des finnischen Sozialismus, ist im Alter von nahezu 80 Jahren gestorben. Er war der Sohn eines Ilniversitätsprofessors und wurde selbst Lehrer klassischer Sprachen. Auf Reisen ins Ausland nahm er den Sozialismus in sich auf und wurde fortan der Vorkämpfer der Arbeiterbewegung in Finnland. Als 1899 in Abo die Sozialdemokratische Partei gegründet wurde, wählte sie ihn zum Vorsitzenden. Der Bürgerkrieg veranlaßte ihn, ins Ausland zu gehen. Trotzdem verurteilte man ihn nach seiner Rückkehr wegen„Hochverrat" zu Zuchthaus, doch wurde er alsbald begnadigt. Dem Landtag gehörte er seit der Einführung des gleichen Wahlrechts an und war zeitweise sein Vizepräsident. Er hat das erste Parteiblatt in finnischer Sprache gegründet und bis zuletzt, noch in hohem Alter Bücher und Abhandlungen veröffentlicht. Staatlich betriebener Schmuggel. Der „Daily Telegraph" meldet, daß die britische Regierung in Tokio offiziellen Einspruch erhoben habe gegen die Begünstigung des Warenschmuggels nach Nordchina durch die japanischen Behörden. Auch die Regierung der Vereinigten Staaten habe deswegen Vorstellungen in Tokio gemacht, an der ganzen Küste nördlich von Tientsin würden Waren hauptsächlich japanischer Herkunft zollfrei gelandet. Während der letzten Monate habe sich der Schmuggel sehr vergrößert und der Verlust an Zollcinnahmen belaufe sich jetzt auf 120.000 Pfund in der Woche. Ein diplomatischer Schwindler. Die Genfer Polizei hat einen gewissen Maschaureu verhaftet, der behauptet, abessinischer Charge d'affaires in Berlin zu sein. Man fand bei ihm einen falschen Diplomatenpaß und verschiedene Gummistampiglien, die offenbar zur Herstellung falscher amtlicher Dokumente bestimmt sind. Der Verhastete hatte versucht, in Genf mit verschiedenen Dcle- gationc» und. hohen Würdenträgern in Fühlung zu treten^ Der Chor„Typographia"-Prag nach So-., wjetrnßland. Das Radiokomitee der USSR hat seinerzeit den kombinierten Chor des tschechischen Arbeitervereins„Typographia" zu Konzerten in die Sowjetunion eingeladen. Die Konzerte des tschechischen Chors Werden im September d. I. in der Sowjetunion stattfinden. Die sowjetrussischen Musikerkreise zeigen für diese Konzerte lebhaftes Interesse. Vergiftungen nach dem Genuß von Reiskuchen bei einer Schulfeier in Hamamatsu (Japan) forderten bis jetzt annähernd 50 Todesopfer. Darunter befinden sich 30 Schüler. Von den insgesamt 1750 Vergifteten sind ferner 127 Personen schwer erkrankt.. Anscheinend handelt es sich um einen Racheakt eines entlassenen Angestellten, der in Haft genommen worden ist. Vom Schnellzug überfahren. In Hinter- t k e b a n ereignete sich gestern ein schweres Unglück, bei dem ein Kind ums Leben kam. Einige Schulkinder, die an den herabgelassenen Schranken auf die Vorbeifahrt des Pilsner Personenzuges gewartet hatten, krochen nach dem Passieren des Pcrsonenzuges durch die Schranken und wurden von dem heranbrausenden Pariser Schnellzug erfaßt. Der Lokomotivführer konnte den Zug nicht mehr zum Stehen bringen. Milda E l i ä s e k, zehn Jahre alt, wurde getötet, zwei Kinder wurden verletzt. Die englische Fliegerin Amy Mollison, die vor einer Woche den Rekord London—Kapstadt um fast 12 Stunden geschlagen hat, mußte Donnerstag um 19 Uhr 2 Minuten auf ihrem Rückflug nach London eine Zwischenlandung vornehmen. Sie traf um 17 Uhr 15 Minuten über dem Grazer Flugfelde ein und flog nach mehreren Kreisen über dem Flugplätze in nördlicher Richtung weiter, mußte aber wegen schlechten Wetters in den Alpen umkehren und in Thalerhof landen. Sie war Donnerstag früh um halb sieben Uhr in Kairo aufgestiegen,. hatte in Athen eine Zwischenlandung vorgenommen und wollte bis London durchfliegen. Mussolini— her neue Koloß von Rhodos. Bereits seit zwei Jahren arbeitet man in den Werkstätten von Bongirolamo an einer Kolossalstatue von Mussolini, die auf dem Mussolini- Forum in Kürze aufgestellt werden soll. Die Ausmaße dieser Statue sind so, daß der antike Koloß von Rhodos, der zu den sieben Weltwundern zählte, neben ihr verschwinden würde. Der Koloß von Rhodos maß nur 109 Fuß Höhe, während die Mussolini-Statue zweieinhalbmal so hoch ist iwd genckü'282 Fuß mißt. Ihr'Gewicht wkro nicht weniger als 500 Tonnen betragen. Mussolini steht, nur miteinemLöwenfellbeklei« d e t, nach antiker Tradition da. Der Schöpfer der Statue ist der BildhauerArnaldo Bellini. In diesem Zusammenhang mag erwähnt sein, daß die Naturgewalten sogar den Koloß von Rhodos zerstörten. Bei einem Erdbeben im Jahre 224 v. Chr. brach sie in sich zusammen und die Bruchstücke wurden später durch die Sarazenen, die die Insel eroberten, in alle Welt verstreut. Das Sekretariat Roosevelts. Präsident Roosevelt führt eine so umfangreiche Korrespondenz, daß sie sich nur mit denen der größten Filmstars messen kann. Im ersten Jahre seiner Präsidentschaft erhielt er täglich im Durchschnitt 10.000 Briefe, die glle erledigt werden mußten. Di« beiden nächsten Jahre waren etwas„ruhiger", es liefen täglich nur 3000 bis 4000 Briefe ein. Aber nun, wo die Präsidenten-1 Wahl wieder vor der Tür steht, hat. sein Sekretariat wieder alle Hände voll zu hin. Fünfzig Beamte sind damit beschäftigt, die Briefe zu ordnen. Dies geschieht in drei großen Gruppen. Tie erste enthält Glückwünsche, Sympathiekundgebungen und ähnliches und wird durch eine stereotype Dankesformel beantwortet. Di« zweite umfaßt einlaufende Klagen, die zur Untersuchung weitergegeben werden. Die dritte Bittbriefe aller Art. Rur ein verschwindend geringer Teil'wird dem Präsidenten selbst vorgelegt, die übrigen werden von seinen Sekretären erledigt. Uebrigens stammen 90 Prozent der Briefe von kleinen Leuten, die„das Schicksal vergessen, hat" und die sich beim Präsidenten in Erinnerung bringen wollen. Hochzeit wie noch nie. In einem kleinen Dörfchen in der Vendee, St. Gilbert-de-Bauaine bei St. Nazaire, fand dieser Tage eine ungewöhnliche Hochzeit statt. Gleichzeitig ließen sich vier Paare trauen. Di« vier Bräutigame waren sämtliche Brüder, drei der Bräute waren Schwestern. Leider besaßen sie nicht auch eine vierte Schwester, damit man ganz„in der Familie" blieb. Die Hochzeit wurde mit größtem Pomp und unter Anteilnahme der Bauern aus der ganzen Umgebung abgehalten. Sind dir„Himmelsflöhr" unzuverlässig? Seit einem Jahr gibt es in Frankreich und in England jene berühmten„Himmelsslöhe", diese allerkleinsten Ein-Mann-Flugzeuge, deren Kaufpreis und Unkosten ganz gering find, kaum teurer als ein mittleres. Auto. Rach sehr großen Anfangserfolgen, dieses neuen Typs, der schon Zehntaüsende von Anhängern gefunden hat, find jetzt in kurzer Zeit nicht weniger als fünf Todesstürze mit diesen Himmelsflöhen zu verzeichnen. Daraufhin hat sich eine Untersuchungskom- miffion in Frankreich gebildet, deren erste Prüfungen für di« Konstruktion des„Himmelsslohs" nicht sehr günstig ausgefallen sind. Man erklärt, der Apparat sei schlecht ausgewogen, so daß er bei stürmischem Weiter Gefahr laufe, das Gleichgewicht zu verlieren. Die Prüfungen werden jedoch fortgesetzt, da seitens der Anhänger des„Himmelsflohs" lebhafter Protest erhoben wurde, jedoch ist damit zu rechnen, daß man zumindest eine neue Konstruktion dieses Flugzeug- tybs verlangen wird, bevor man den Apparat in Zukunft dem Verkauf und Verkehr freigibt. Das schwimmende Aut». Der französische Ingenieur M. Texter hat nach jahrelangen Versuchen das erste Modell seines schwimmenden Autos fertiggestellt, und dieser Tage vorgeführt. Der erste Versuch hatte vollen Erfolg, der Wagen fuhr vom Strande bei Le Havre geradewegs ins Meer und bewegte sich auf dem Wasser wie ein Motorboot weiter, drehte dann zurück, kam wohlbehalten auf dem Strand an und fuhr in die Garage. Der Wagen ist ein offener Zweisitzer mit 5 PS, versehen mit einem Seitensteucr und einer automatischen Gleichgewichtsvorrichtung. Statt der vier hat er nur zwei Räder, die sehr groß sind und die daher dein Wagen auf dem Lande jede Mänobri ermögllchkest gestatten; Poesie und Technik,(mb.) Der Britische Automo- bilistenverband hat Beobachtungen über die Reocktion der Nachtigall auf die fortschreitende Technisierung des Lebens angestcllt und gefunden, daß die romantische Sängerin keineswegs vor dem Lärm der Motoren und der Auwhupen die Flucht ergriffen hat. Sie hält nicht nur in den Gehölzen an den autobelebten Landstraßen aus, sondern wandert auch aus den Wäldern und Büschen immer mehr in die Parks von London ein. Ein zäher Vogel. Das russische Hollywood. Eine von der Sowjet- Filmindustrie entsandte Kommission ist auf der Suche nach.einem Sowjet-Hollywood, um die Stelle ausfindig zu machen, die sich zur Errichtung der großen Filmstadt am besten eignet. Das Kubangebiet wurde als ungeeignet befunden. In die engere Wahl kam Anapa am Schwarzen Meer, da klne schöne Tat tschechischer Schulkinder Das Radidjournal erhielt dieser Tage eine seltsame Sendung. Tschechische Schulkinder aus Mokropsy hatten eine Sauunlking veranstaltet und dem deutschen Schulfunk ein Paket mit Eiern geschickt, welche unter arme deutsche Kinder verteilt werden sollten. Das Paket kam zwar etwas be- schädigt an, im Büro des deutschen Schulfunks wurde es aber von den Beamtinnen wieder jn Ordnung gebracht und ergänzt. Das Geschenk wurde an die Volksschule in Neudek wcitergeleitet. dort im Jahresdurchschnitt 233 Sonnentage verzeichnet werden, ein ausgezeichneter Strmid zu finden ist, große Tünengebiete vorhanden sind und eine reichhaltige Flora und Fauna anzutrefien ist. In die Hohe Tatra und nach Bad Lubochna in der Slowakei werden von der tschechoslowakischen Staatsbahn Exkursionen in der Zeit vom 30. Mai bis 7. Juni(über die Pfingstfeicriag) mit der Aiög» lichkeit einer Aufembaltsverlängerunz veranstaltet werden. Tie Kosten für die Tarra-Exkursion(Ta- transkä Lomnice und Strbste pleso) betragen 550 XL, nach Lubochna 420 Xc; im Preise inbegriffen sind Fahrpreis für Schnellzug hin und zurück, Logis und Verpflegmig in erstklassigen staatlichen Hotels, Trinkgeld, Gepäcktransport, Führer für die zu veranstal« tenden gemeinsamen Ausflüge und Versicherung.— Vom Mai bis 7. Juni wird eine Touristenreise unter der Devise„W anderungen durch die S lo- w a k e i" für 595 XL veranstaltet werden. Die Ex- kurswn nach Reichen,berg und auf den Jesch- ken am 17. Mai für 95 Xi ist gesichert. Anmeldungen für die restlichen Plätze mit Anzahlung und detaillierte Prospekte find erhältlich bei dem Tschechoslowakischen Reisebüro der Staatsbahnen und Staatsbäder in Prag, Basar, neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 383—35. Ziehung der Klassenlotterle Unverbindlich. Prag. Am Donnerstag vormittags fand m der staatlichen Lotterie-Direktion die letzte Ziehung der 34. tschechoslowakischen Klassenlotterie statt. Auf das zuletzt gezogene Gewinstlos entfiel eine Prämie von 1,000.000 Ai. Diesen Haupttreffer machte das mit einem Gewinn von-2000 AL gezogene Los Rr. 74.931, welches von einem Prager Losgeschäft in Teillosen an insgesamt sieben Personen verkauft wurde, die zum größten Teile in Prag wohnen» Weiters wurden folgende Gewinste gezogen: 10.009»ö die Lose Nr. 101121 55816. 5000 Ai die Lose Nr. 95302 34241 78228 110005 73212 80285 49675. 2000 Kt die Lose Nr. 66091 71351 33247 53510 17825 94807 64426 61774 53787 105944 7834 98158 12116 105604 109797 89179 9808 91126 74674 19304 8975 86044 91535 6868 102207 Vom Rundfunk talMilaMwwtM mm MM» ProflraMMMii Samstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12.16: Operngesänge. 12.35: Mittagskonzert, 15: aus „Aida", 16.50: für die Jugend, 17.55: Deutsche Sendung: Aktuelle 10 Minuten, 18.05 300 Jahre Klaviermusik, 18.30: Mickeys Maiabenteuer, 18.45: Deutsche Presse, 21: Orchesterkonzert. Sender S: 7.30: Populäres Konzert, 14.10: Deutsche Sendung: Lieder von Streicher und Pro- chäzka. 14.40: Kulturrelief, 18: Leichte Musik.— Brünn: 17.40: Deutsche Sendung: Hauskomponisten. — Preßburg: 16.05: Nachmittagskonzert.— Kascha«: 17.25: Unterhaltungsmusik.— Mähr.» Ostrau: 22.30: Buntes Programm. Ein Österreicher ruft zur Besinnung I Ein Oesterreicher, der es mit Leib und Seele ist, und dem man weder dieses sein Oesterreichertum' noch di« Unbestechlichkeit seiner Gesinnung mit dem billigen oder verwerflichen Hinweis darauf absprechen kann, das er„Internationalist" oder„Dkarxist" sei, hat gerade in diesen Tagen, da die latent« Krise in unserem südlichen Nachbarstaat von niemandem geleugnet werden könnte, einen prachtvollen und kühnen publizistischen Versuch unternommen,„Politische Zeitfragen in ethischer Beleuchtung" von Oesterreich her und mit besonderem Hinblick auf Oesterreich aufzurollen. Man darf vielleicht nicht vorweg feststellen, daß die offene Sprache, die dieser Oesterreicher in einem in Wien von heute erschienenen Buche zu sprechen vermag, als Beweis dafür gelten kann, daß wir es im österreichischen Kleriko-Fascismus— so furchtbar auch di« Geburtsstunde dieses Systems war und so vormärzlich auch viele seiner andauernden Zustände sind— denn doch mit einer politischen Erscheinung zu tun haben, die anders zu beurteilen ist als das Dritte Reich. Aber nur weil in Oesterreich das Volk sich doch nicht alle Freiheit des Denkens nehmen ließ, konnte dort jetzt ein Mann aufstehen und ethisch-politische Wahrheiten aussprechcn. Diese Voraussetzung schmälert aber in keiner Weise das ungewöhnliche Verdienst, das sich unseres Erachtens dieser Mann erwarb. Er heißt Wilhelm Börner und ist seit Jahrzehnten ungezählten Oesterreichern als ein wahrhaft ethischer Führer bekannt. Wer je in den Gesichtskreis dieses Mannes trat, mußte die Höhe seiner Lebensanschauung, die Tiefe seiner moralischen Gesinnung, das Segensreiche seiner im herrlichsten Sinn« philantro- Hischen Tätigkeit von jeher bewundern; mußte aufhorchen, als Wilhelm Börner nun mit einem Buche über politische Zeitfragen(erschienen im Saturn- Verlag, Wien) an die Oeffentlichkeit trat. Und durfte Glück empfinden bei der folgenden Feststellung, daß Wilhelm Börner, der hochadelige Mensch, auch jetzt und gerade jetzt in feinstem sittlichen Empfinden und mit beispielhaften Mannesmut Worte fand, die nicht nur Oesterreich braucht. Leider kann hier nicht von dem gehandelt werden, was Börner in seinem' Buche vor allem über Gesinnung und Ueberzeugung, über die Autorität und über das Führerproblem, über Tradition und Varer- landsliebe zu sagen har. Die Feststellung muß genügen, daß Börner alle diese Erscheinungen sozialethisch, modern, unbestechlich und im höchsten Wortsinn demokratisch und menschlich sieht; und daß er auf dieser Basis, von der aus er die Anti-Ethik jedes Faschismus klarlegt, seine für diesen politischen Zeitpunkt so hochbedeutsamen Gedanken über das Oesterreich von heute und morgen aufbaut. Börner rät den Vertretern des herrschenden österreichischen Systems als einen einzigen möglichen Ausweg aus der politischen Krise„Verständigung und Versöhnung" mit jenen breiten Schichten, die durch die Parteiauflösung geistig heimatlos geworden sind, ihre geistige Kraftquelle verloren haben; mit diesen„politisch verantwortungsvollen, aktiven, gewissenhaften Bürgern", bei denen ein„Uebermaß an Selbstlosigkeit, Hingabe, Schwung und Opferfreudigkeit" zu finden ist und deren Ausschaltung aus der legalen Politik die österreichische Krise herbeigeführt hab«,- ! m ü s s e die Verständigung und Versöhnung praktisch gesucht und gefunden werden; man müsse aufhören, die abweichende politische Ueberzeugung als Ausfluß des bösen Willens ihrer Vertreter aufzufaffen. Und daß Börner, obzwar er gelegentlich nicht nur Sozialdemokraten nennt, hier doch fast ausschließlich diese meint, beweist sein Protest gegen die schlechte Behandlung ehemaliger Führer aufgelöster Parteien: Wie undankbar müßten die Anhänger der ehemaligen Parteien sein, wenn sie all die Mühe, Plage, Arbeitslast und Aufregung in einem Jahr vergessen hätten, die ihre ehemaligen Führer durch viele Jahre und Jahrzehnte im Dienste der Par- teien ertrugen! Die junge Generation hat vielfach keine Ahnung von den ungeheuren Errungenschaften, die sehr breite Bolkskreise ihren politischen und gewerkschaftlichen Führern zu danken haben. Man braucht nur die Arbeiterschutzgesetze, das Arbtiter- bildungswesen und die volkstümlichen Kulturbestrebungen(Musik, Theater, Sport) etwa zur Zeit 1880 mit denen 1930 zu vergleichen, um zu erkennen, was. jene Führer durch stetige, unermüdliche, hingebungsvolle Arbeit im Laufe eines halben Jahrhunderts für Arbeiter und Angestellte geleistet haben. Wäre es vom ethischen Standpunkt aus wirklich wünschenswert, wenn die unzähligen Menschen, denen diese gewaltigen Erfolge zugute kommen, sich, von heute auf morgen von ihren ein- stigen Wohltätern abwendeten und in deren Verurteilung«instimmken? Und im Hinblick auf die Demokratie stellt Börner fest, daß man es doch in Oesterreich nicht als unrecht oder unmoralisch bezeichnen kann, wenn jemand sich dort zu dem System bekennt, das etwa M a s a r y k aus reichster Erfahrung und tieffter Verantwortlichkeit als das beste politische System vertritt! Zwang und Druck würden auch in diesem Falle immer nur das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung erzielen.„Welchen Wert",— so fragt Börner—„und welche Bedeutung sollten denn erworbene Gesinnungen überhaupt für den Menschen haben, wenn ein ,Wink von oben' genügte, alles zu verleugnen, was geistige Haltung, Konsequenz und Charakter bedeutet... Das Vaterland braucht aufrechte, treue, starke Menschen, nicht aber rückgratlose Schwächlinge und Konjunkturpatrioten." Es sei natürlich, daß die durch Jahrzehnte gepflegten Ueberzeugungen weiter be- stehen, weil eben deren Vertreter in Demokratie, Parlamentarismus, Parteienwescn und Sozialismus zwar etwas Unvollkommenes, aber doch Eruwick- lungsmöglichkeiten setzen^ die zu geistiger Kulwr, Wohlstand und Glück des Vaterlandes führen und deshalb selbstverständlich nur unter Verleugnung ihrer Vaterlandsliebe der Verfassung, geschweige denn der Regierung Oesterreichs von heute zustimmen könnten. Kritik und'Opposition müßten, gerade im Interesse des Landes, frei sein. Zunz Schluß stellt Wilhelm Börner fest, daß er (der niemals Politiker war oder sein möchte, der auch niemals der Sozialdemokratie angehörte) auS tieffter innerer Verbundenheit mit Oesterreich niemals dessen Anschluß an Deutschland förderte. Und so hat er das doppelte Recht, heute diesen Gedanke« auszusprechen: Oesterreich ist eine soziologisch, geistig und kulturell so eigenartige Volksindividualität, daß di« politische Bereinigung mit Deutschland«ine schwere Gefährdung gerade des Besten ihrer kostbaren Eigenart bedeutete. Bestärkend wirkt noch auf meine Ueberzeugung, daß ich als Pazifist der Ansicht bin, ein selbständiges, autonomes Oesterreich sei eine unvergleichlich größere Garantie für den europäischen Frieden als ein Oesterreich, das das Deutsch« Reich territorial bis an den Brenner ausdehnt. In diesem Punkte weiß ich mich heut» mit allen urteilsfähigen Politikern Europas einig. Wir sind uns dessen bewußt, daß unsere Hin» weise nur ein sehr notdürftiger Ersatz für die sehr notwendige Lektüre dieses Buches darstellen, deffca ethischer, politischer und ethisch-politischer Wert ohne Uebertreibung als ganz außergewöhnlich bezeichnet werden kann. Wertvoll nicht nur für Oesterreich—» sofern es davon richtigen Gebrauch macht—, sondern auch für die Tschechoslowakei, deren eminentes Interesse an der Wiederherstellung der Demokrafie im Nachbarland« wohl außer Diskussion steht. Wir wollen aber nicht so optimistisch sein, um zu hoffen, daß schon die bloße Tatsache des Erscheinens dieses f Buches gebesserte AuSsichien verriete, L. G. Nr. 114 Frettag, 15. Mai 1936 Seite 5 Volkswirtschaft und Sozialpolitik Ausschußsitzung der Zentral* Sozialversicherungsanstalt Besserung auf dem Arbeitsmarkt während der letzten Monate Unter dem Vorsitz des Vorsitzenden der Zentralsozialversicherungsanstalt, Abgeordneten Ant. Hampl, fand Donnerstag die AuSschußsihung der Zentralsozialversicherungsanstalt statt. Direktor Dr. K l u m p a r referierte über die Jahres- rechnungen für das Jahr 1935. Die durchschnittliche Zahl der für den Fall der Invalidität und des Alters im Jahre 1936 Versicherten war gegenüber dem Jahre 1935 in den Monaten Jänner um 107.000, im Monate Feder um 124.000 und im Monate März um 165.000 Personen höher. Von diesen Versicherten entfallen allerdings 15 bis 20.000 Personen auf die Arbeitnehmer der staatlichen Forste und Güter, deren Versicherung für den Fall der Invalidität.und des Alters die Zentralsozialversicherungsanstalt erst zu Beginn des Jahres 1936 übernommen hat. Der Tätigkeitsbericht der Zentralsozialversicherungsanstalt und die Jahresrechnungen für das Jahr 1935 wurden einstünmig genehmigt. Aus den einzelnen Posten dieser Rechnungen führen wir an: Wesentlich angestiegen sind die Renten und Leistungen, an welchen im Jahre 1935 XC 321 Millionen samt dem Staatsbeitrag zur Auszahlung gelangten, somit um XL 91 Millionen mehr als im Jahre 1934. Dieser Post kommt sowohl in sozialer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht Bedeutung zu. Die gesamte Regie samt der Refundierung an die Krankenversiche- rungsanstalten ist von XL 53.2 Millionen auf XL 54:5 Millionen gestiegen; diese Erhöhung betrifft insbesondere die Kosten der LeistungS- agenda(ärztliche Untersuchungen, Reisespesen) infolge der größeren Zahl von Rentenwerbern und von Stritten vor den Versicherungsgerichten. Wenn man von der gesamten Regie die Refundierung an die Krankenversicherungsanstalten in der Höhe von XL 27.2 Millionen, ferner die Manipulationsgebühren und den Regiebeitrag für die Aufnahme bei Darlehen in der Höhe von XL 2.9 Millionen in Abzug bringt, beträgt der direkte Personal- und Sachaufwand der Zentralsozialversicherungsanstalt, XL 24.4 Millionen. Laut Bilanz besitzt die Zentralsozialversicherungsanstalt an Wertpapieren XL 1649 Millionen, somit wesentlich mehr als im Vorfahre. Die Darlehen an staatliche Fonds, an Länder, Bezirke und Gemeinden, die Darlehen mit ösfentlichrecht- lichcr Garantie und die Darlehen, an die Kran- kcnyersicherungsanstalten sind mit XL 1828 Millionen ausgksvitzsety, Es,.ergibt stch jymft M, Ag-, steigen um XL 224 Millionen. Der Stand' der Hypothekardarlehen ist um XL 53 Millionen auf XL 886 Millionen ängewachsen. Der Stand der direkt und indirekt ausgezahlten Meliorations- darkehen ist um XL 71 Millionen höher, abgesehen von den neu zur Auszahlung gelangten XL 15 Millionen an den staatlichen ReliorationSfonds. Ter gesamte Stand dec indirekt ausgezahlten, durch Zweckeinlagen ermöglichten Darlehen hat XL 631 Millionen erreicht. Er ist somit um XL 30 Millionen größer als im Jahre 1934; davon repräsentiert den größten Poften der Hypothekarkredit auf Industrie» und Geivcrbeobjekte, der um XL 55 Millionen angeftiegen ist und XL 276 Millionen erreicht hat. Das Saldo der Bilanz ist von XL 4.988,148.558.45 auf XL 5.379,688.846.48, demnach um XL 391,540.288.03 angestiegen. Russische Produktionsdaten Moskau.(Taß.) Nach den veröffentlichten statistischen Daten bezifferte sich die Gesamtproduktion der sowsetrufsischen Industrie in den ersten vier Monaten dieses Jahres mit Ausnahme Kord Munch Nadias deutsche Gcdiditc Das heurige Jahr steht im Zeichen der Mächa- Feiern. Am 23. April waren es hundert Jahre, seit Karel Hynek Mächa sein episch»lyrisches Gedicht„Mäj" im Selbstverlag herausgab, und am 5. November wird seines Todes, den er vor hundert Jahren in L«i t m e r i tz fand, gedacht werden. Karel Hynek Mächa entstammte einer Proletarierfamilie, lebte und starb als Proletarier. Als Sohu eines Müllergesellen in Prag III.(am Ujezd) am 16. November 1810 geboren, wuchs er unter Arbeiterkindern auf. Trotzdem seine Eltern anscheinend in geregelten Verhältnissen lebten, hatten.sie doch viel unter Entbehrungen zu leiden, insbesondere als nach den Napoleonkriegen der große Finanzkrach kam und die„Bancozetteln" entwertet wurden- Der junge Ignaz sollte ein Handwerk lernen, es gelang ihm jedoch durch Bitten bei seinen Eltern durchzusetzen, daß sie ihn studieren ließen. Der Vater hatte inzwischen eine Graupenhandlung auf dem Karlsplatz über» nommen- Das Neustädter Gymnasium, welches Ignaz besuchte, war damals ganz deutsch. Er hatte seit je Jnterefie für Ritter» und Abenteurerromane, jetzt kam er auch mit der Literatur in Berührung. Er las Goethe und Schiller, Novalis und Zacharias Werner, außerdem Walter Scott und Ossian. In den höheren Ghmnasialklaffen begann er schon zu dichten, zuerst deutsch, bald darauf auch tschechisch. .Versuche d.es Ignaz Mächa l 1829)", wie er seine deutschen Gedichte nannte, stehen unter dem Einfluß seiner Lektüre. Man findft in ihnen dieselbe pessimistische Sriuunung, denselben Weltder bewahrten Qualitäts-Zahnpaste Tue mehr für Deine Zähne: pflege sie mit lionen Rubel, die der Leichtindustrie auf über 2596 Millionen und die der Nahrungsmittelindustrie auf über 2730 Millionen Rubel, was eine Zunahme von über 38 Prozent, bzw. von ca. der lokalen Industrie auf ungefähr 17.333 Mil lionen Rubel und übertraf somit die Produktion des entsprechenden Zeitabschnilles des Vorjahres um mehr als 32 Prozent. Die Produktion der Schwerindustrie belief sich auf über 10.349 Mil» 29 und ca. 33 Prozent ausmacht. Inncrpolltlschc Gegensätze in Oesterreich (AP.) Die letzten Tage haben sichtbar gemacht, was Eingeweihte längst wußten, nämlich die tiefgehenden Differenzen zlvischen den Heimwehren und dem katholischen Flügel, also, in Namen ausgedrückt, zwischen Starhemberg und Schuschnigg. Daß bei den Povfällen cun Sonntag auch wieder der ehemalige Vizekanzwr Major Fey aufiauchte, den man schon als politisch toten Mann ansah. seitdem er Präsident der Donau- Dampfschiffahrt geworden ist, der aber die Zwistigkeiten ausnutzen zu wollen scheint, kompliziert die Lage noch mehr. Doch handelt es sich um eine zunächst periphere Angelegenheit. Fey ist sowohl gegen Schuschnigg wie gegen Starhemberg, deffen Konkurrent er in der Heimwehrführung war. Worum es bei der Auseinandersetzung zwischen Heimwehren und Christlichsozialen geht, ist bekannt. Es handelt sich natürlich um weit mehr als Machtsragen und organisatorische Dinge, wie den Aufbau der Miliz, die Auflösung der alten Wehrformationen und deren Modalitäten. Die Frage der außenpolitischen Orientierung spielt in diesen Komplex mit hinein(einseitige Bindung an Italien oder nicht), ist aber gleichfalls nicht entscheidend. Die katholischen Kreise werfen dem Heimatschutz seinen Totalitätsanspruch vor. dieser bezichtigt die katholischen Kräfte der Sabotage und insbesondere den Freiheitsbund marxistischer Tendenzen^ Ohne diese Gegensätze zu überwerten, kann man doch sagen, daß sie keineswegs beigelegt sind und den Nährboden abgeben, auf dem die nationalsozialistischen Hoffnungen sprießen. Dabei können wir nicht umhin, eine zwar nicht bestätigte, aber um so alarmierendere Nachricht zu registrieren: der Nationalsozialismus setzt neuerdings seine Hoffnung auf Teile des österreichischen Generalität. Genannt werden in diesem Zusammenhang der neue Generalstabschef, General Jansa, dem enge Beziehungen zum deutschen Generalstab nachgesagt werden, die auch in der Zeit der schärfsten Spannung nicht gelitten haben sollen(er war bis Ende 1934 österreichischer Militärattache in Berlin), sowie der gleichfalls für eine militärische Verständigung mit dem Dritten Reich eintretende frühere Heeres» Minister Generaloberst Fürst Schönburg- Ha r t e n st e i n, der Oesterreich bei der Beisetzung Hindenburgs vertrat und damals, trotz der durch die Ermordung von Dollfuß gespannten Beziehungen, eine betont herzliche Rede hielt. Die Ansicht dieser Kreise ist, daß Oesterreich sich militärisch nicht gegen Deutschland halten köpne und daß auf Italien im Ernstfall kein Verlaß sei. Wir können dazu sagen, daß die Nationalsozialisten, die in deutlicher Anspielung auf ihren Wiener Gesandten davon sprechen, daß für Oesterreich jetzt die Zeit des Papen-Kurses gekommen sei, darauf ihren Plan gründen. Danach soll eines Tages die Generalität die Regierung zum Rücktritt zwingen, eine Beamten- und Offiziersregierung gebildet werden, militärische Verbrüderung erfolgen, Neuwahlen ausgeschrieben und— H i t- ler zum Bundespräsidenten„unter Verzicht. auf den formellen Anschluß" gewählt werden! Mussolini einmal anders«*«" Zurücknahme der Beschuldigungen gegen England London. Nach einer Meldung aus Genf hat die italienische Regierung den Völkerbund gebeten, von der Veröffentlichung der italienischen Note über den angeblichen Gebrauch britischer Dum-Tum-Geschossc in der abessinischen Armee abzusehen. Wie„Daily Telegraph" mitteilt, wird infolgedessen auch die Veröffentlichung der britischen Antwort vorläufig nicht erfolgen. Der „Times"-Berichterstatter in Genf meldet, daß die italienische Regierung versucht, das Dokument überhaupt zurückzuziehen, weil eS klar geworden sei, daß Italien damit einen groben Schnitzer begangen habe. Die Antwort Großbritanniens sei jedoch in der Zwischenzeit dem Generalsekretär des Völkerbundes'übergeben worden. Tie belgischen Wahlvorbereitungen.(AP) Tie Kandidaturen für die am 24. Mai statt» findenden Wahlen sind nunmehr eingereicht. Die Zahl der Wähler beträgt 2,650.000. Darunter «u,schkiii^e» eiHMMllsyck Zrauep, da mix, i>ic- Kriegswitwen in. Belgien Stimmrecht besitzen. Für die Kammerwahlen werden 1124 Kandidaten für 202 Sitze aufgestellt. Katholiken, Sozialisten, Liberale und Rex-Faschisten haben in allen Wahlkreisen, die Kommunisten in 19 von 30 Wahlkreisen eigene Listen eingereicht. In Limburg gibt es eine gemeinsame sozialistisch-kommunistische Liste. In Eharleroi und Mons(Bori- nage) haben die Trotzkisten eigene Listen. In Hainaut kämpfen die Christlichen Demokraten getrennt, von den Katholischen Konservativen. In den vier flämischen Provinzen sowie in Brussel und Löwen kandidieren flämische Nationalisten. Die faschistische Gruppe Renovation, die bei einer Ersatzwahl in Brüssel im Mai 1935 40.000 Stimmen erhielt, kandidiert in mehreren Wahl- freifen, wird jedoch jetzt durch die Rex-Konkur- renz bedrängt. Man erwartet, daß die Rex-Listen den Katholiken, die bisher die stärkste'Fraktion waren, beträchtlichen Schaden zufügen werden. Für die Senatswahlen, wo 101 Sitze zu vergeben sind, wurden 505 Kandidaten aufgestellt. Hier kandidieren die Kommunisten nur in 4 Be» benälligt täglich rand HJ00 Stufen, biete gewaltige Deutung ermiglidit ifun das ckost- freie Qehen mit BERSON BEI JEDEM SCHUHMACHERMEISTE« ItMXLTUCH I zirken, die Trotzkisten überhaupt nicht, die Rex- Gruppe nur in Limburg. Man nimmt an, daß durch die Schwächung der Katholiken die Sozialisten zur stärksten Fraktion werden.’. Die AlandS-Jnseln in der östlichen Ostsee gehörten früher zu Rußland, wurden im Weltkrieg von Deutschland erobert und kamen dann zu Finnland, das durch eine internationale Abmachung von 1921 verpflichtet ist, diese Inseln nichtzube- festigen. Run hat der deutsche Admiral von Gatow in Zeitungsartikeln„angeregt", daß dieses internationale Abkommen, abgeschafft werden soll, eventuell durch eine finnisch-schwedische Ueberein- kunft. Der finnische Admiral von Schulz fing den Ball sofort auf und treibt ihn lustig weiter. Das ist. natürlich der Aufmerksamkeit Moskaus nicht entgegen, Radek schreibt in der.Hswestja" darüber.. Cr sagt mit vollem Recht, die finnischen Weißgardisten, Lappoleute und Militaristen würden die befestigten Alands-Inseln freudig als Stützpunkt für einen hitlerdeutschen AngriffaufdieSow- j e t u n i o n hergeben. Radek erklärt, daß ohne Moskau über die Zukunft der Inseln nicht entschieden werden dürfe,(bn) Roch immer Unruhe in Palästina. Der britische Hohe Kommissar Sir Arthur Wauchope billigte, trotz des Ultimatums der Araber den von der jüdischen Gemeinde auSgearbeiteten Arbeitsplan und teilte mit, daß er die Zahl der Einwanderungszertifikate, welche jüdischen Einwanderern bewilligt werden, feftsetzen werde. Es besteht die Gefahr,' daß die Agitation der Araber sich auch außerhalb Palästinas ausbreiten werde. Der Oberste Rat der Araber in Palästina entsandte Agitatoren nach Aegypten, Syrien, Marokko und den Iran. Die Agitatoren sollen eine Propaganda zugunsten der .Hastistinemiich-est Araber cinleircn und Demonstrae^i» (jonen^gegen die Jgden ui$>„ jnsbksopder^ gegen die ljüdische Heimstätte in Palästina organisieren. Mitteilungen aus dem Publikum. »^Hausmittel" sind nicht zu unterschätzen? Sie beruhen meist auf jahrhundertealten Erfahrungen und letzten Endes geht ja auch die Zusammensetzung aller modernen Präparate auf die längsterprobte Wirkung solcher Mittel zurückl Mit Recht wird darum ein guter Franzbranntwein, also der Alpa« Franzbranntwein,, hochgeschätzt: als Einreibungsund Massagemittel, als DesinfektionS- und Schmerzberuhigungsmittel leistet er in zahlreichen Fällen ganz außerordentlich wertvolle Dienste! Verlangen Sie Alpa-Franzbranntwetn nur in Originalflaschen mit Plombe. Ausgewogenen Alpa gibt eS nicht..-.... 3 Gute Kinderstube erkennt man an diskretem, geräuschlosem und elegantem Auftreten. Kultivierte Menschen gehen nicht ohne Berson-Konkav-Absätze. 23c schmerz, dieselbe Sehnsucht nach Tod und ewiger Ruhe, wie in.seinen tschechischen Gedichten. Die Form dieser Verse ist beffer und korrekter als die seiner tschechischen Erstlingsgedichte. Das erste Gedicht nannte er»Glaube, Hoffnung, Liebe, Vertrauen". Hier hat MächaS Pessimismus noch nicht festen Fuß gefaßt. Dagegen ertönt sein Weltschmerz aus einem nächsten Gedichte »Die Führer durchs Leben". An Schiller erinnert der VerS.Durch dieses traurige Erdenleben wallt kein Srerblicher allein". Der kaum neunzehnjährige Jüngling erhebt Klage gegen das Leben, welches er nur dann für erträglich hält, wenn der Mensch von Anfang an glaubt, hofft, vertraut und liebt. Seine Melancholie befällt ihn auch im Lobgesang an die .Freude"..Alles atmet Freude und im Rosenkleide lächelt die Natur. Freude murmeln Bäche, Freude spricht die Flache einer jeden buntgekränzten Flur". Alles freut sich des Lebens, ja sogar„bei der kleinen Hütte in der Kinder Mitte ruht ein froher Greis. Holde Enkel schließen zu des Greises Füßen fröhlich spielend einen dichten Kreis". Freude herrscht überall, in Feldern und Wäldern, im Hain und auf Felsen. Rur in des Dieters Herzen.wüten wilde Schmerzen, mich nur flieht die Ruh'—; und von meinen Wunden werd' ich nie gesunden, bis im Tode fällt das Auge zu".„Der Eremit" ist ein in zwei Varianten verfaßtes Gedicht: eine Ballade über den Einsiedler, der infolge verlorener Liebe einsam in Wäldern lebt. Das Gedicht ist voll Byronscher Romantik und überfüllt mit farbenreichen Bildern, wie sie nur«ine JünglngSphantasie ersinnen konnte, wie z. B..bei des Mondes düstern Scheine dumpf der Ubn ruft", oder:„doch er liegt in der Kapelle an del Altart Rand, seine Harfe fest noch haltend in der toten Hand". Ein langes Gedicht.Columbus" ist ein nicht ganz geglückter Versuch und man sieht hier, wie Mächa mitunter auch heftig mit der unfügsamen Fotm kämpfen mußte. Ueberhaupt sind ihm bester die lyrischen als die epischen Gedichte gelungen. Plötzlich rückt er von seiner Sehnsucht nach dem Tode ab und wünscht sich l.Mein Wunsch") langes Leben:„Last', Herr, lange noch mich auf dieser Erde wellen" und„spinne noch lange, webe Freuden, webe Rosen mir ein und streu sie auf die.Wege des Lebens"! Richt nur der Tod,„aber nein, auch die Erde hat noch Freuden, die wir dankbar genießen sollen, darum wünsch' ich mir hier in Herthas Schoßt lange zu leben." Viächa, der alte, verfallene Burgruinen gern hatte(später hat er nach seiner Aussage fast 90 besichtigt), schrieb in einer solchen Ruine feine „Elegie". Er träumte sich in eine ideale Zeit hinein, in welcher die Burg wohl auch tapfere Ritter ziehen sah, die für das Rechte glühten, nur für da» Gute ihr Schwert zogen.„So war es einst in deiner Berge Kreisen, Du Böhmerland!", es war eine Zeit, wo noch eines Mannes Wort galt,„Betrug war nur dem Worte nach bekannt, die Lüge war verbannt". Reue Melancholie spricht aus seinem kleineren Poem „Das Leben". Alles muß sterben und verwelken, Tod und Grab ist die Zukunft. Im.Zigeunerlied" mutz der Zigeuner immerfort wandern, ohne Rast,„von den Menschen auSgestohen, von. den Brüdern selbst verhaßt". Anbetung deS Todes und Grabe- findet man auch in seinen kleineren Gedichten„Der erwachende Tag",„An den Gräbern der Freunde", „Ans dem Friedhöfe" und in Gedichten ohne Aufschriften. In einem für seinen Lehrer zum Namenstage geschriebenen Gedichte„Stimmen zur Namensfeier" läßt er sich auch über den Militarismus aus und nenyt die Fel.dherrn„der Menschheit, stolze Würger".„Sie sind doch immcx nur des Zufalls Spiel" und tun niemals daS, was die„Beschützer unserer-Jugend", welche„dem Staate fromme, weise Bürger'? erziehen. Deshalb„laß dem Feldherrn seiner Größe Wahn", sein Ruhm ist vergänglich „des stolzen Helden Grabstein wird einst sinken, er kann auf Erden ewig nicht bestehn". Es folgen Gedichte, in welchen er wie ein Dekadent aus den 90er Jahren spricht- Im Gedichte, das er„Meine Freuden" benennt, reizt ihn nicht der goldenen Sonne Pracht, ihn freut nur des bleichen Mondes Schimmer, nur der Donner in der düstren Nacht, ihn reizt nur des Sturmes Klaggewimmer. Kein Veilchen freut ihn, wenn ts blüht, nur, wenn«S am GrabeSrande liegt, ihn freut nur, wenn„Stürme schrecklich heulen um die Gruft, der Rab' am Grabe krächzt, der Uhu ruft", Fledermäuse schwirren und „die Eule heult zum düstern Grabgesange". Nur dann fühlt«r sich wohl und'„dann bringen Grüfte ihm selbst Rosenduft". Nach zwei Jahren schrieb Mächa seine Gedichte und Prösastücke tschechisch. Im„Mäj" gab er der tschechischen Literatur ein Werk voll reinster Poesie, welches ihn in die allererste Reihe der tschechischen Dichter stellte. DaS Gedicht wurde zwar sehr un« günstig rezensiert, aber die ganze Auftage war in. zwei Tagen vergriffen. Der Tadel verwandelte sich nach seinem Tode in höchste- Lob. Mächa schrieb, auch später manchmal deutsche Gedichte. Am 14. Jänner 1833 trug er in sein Notizbuch ein Gedicht„Die Trümmer" ein. Ein andere» titelloses Gedicht ist darin quS dem Jahre 1834 verzeichnet. Rudolf Jllovh. Seite 4 „Sozialdemokrat" Freitag, 15. Mai 1938. Nr. 114 Der ProzeB gegen die Inhaber der Schalndelflrma„Wlba** Prag. Das Beweisverfahren in diesem achttägigen Prozeß, über den wir bereits kurz berichtet haben, nimmt begreiflicherweise einen recht langwierigen Verlauf, so daß wir davon absehen, Wer die einzelnen Verhändlungstage zu referieren und uns mit einer summarischen Darstellung des Falles begnügen müffen. Die Hauptperson dieses Riesenprozesses ist der 47jährige Siegfried Skapowker. Dieser aus Litauen stammende Staatenlose ist ein gefährlicher Berufsbetrüger mit zahllosen Vorstrafen. Im Jahre 1934 kam er in die Tschechoslowakei und gab sich als politischer Emigranf aus. Dem routinierten Schwindler glückte es zunächst, eine Emigrantenhilfsstelle zu täuschen, worauf er sich Kautionsschwindeleien großen Stils zuwendete. Sein erstes Opfer war ein seit 15 Monaten arbeitsloser technischer Beamter, der dem Skapowker auf die Vorspiegelung, er sei Vertreter der Photomarke „Photo-Hexer", 40.000 Kc herauslockte, von denen der Betrogene mit großer Mühe nur 8000.Kc zurückbekam. Das war aber nur die Einleitung. Das Haupt„geschäft" brach für Skapowker an, als ihm der Zufall den Münchner Apotheker Wilhelm Buisson in den Weg führte, der seinerzeit emigrieren mußte. Dieser Angeklagte spielt übrigens auch nach der Anklage nur eine untergeordnete Brennendes Aut». Gestern um 3 Uhr nachmittags geriet auf einer Straße in Lieben das Auto des Chauffeurs Josef P o k o r n h aus Lieben in Brand. Der Vorfall hatte einen großen Menschenauflauf zur Folge; einer der Passanten alarmierte die Feuerwehr, doch hatten die übrigen zusammen mit dem Chauffeur das Feuer bereits gelöscht, ehe sie eintraf. Das Auto wurde stark beschädigt, verletzt wurde niemand. Unglückliche Liebe. Die 20jährige Verkäuferin Vera S t a ft n ä aus Prag n., wurde in der Nacht auf gestern von der Rettungsstation auf die Klinik Schmidt eingeliefert; fie hatte kurz vorher in selbstmörderischer Absicht 35 Tabletten Veramon genommen. Das Motiv der Tat ist unglückliche Liebe. — Ebenfalls auf die Klinik Schmidt wurde gestern vormittags das 30jährige Dienstmädchen Anna Erben eingeliefert, die kurz vorher in der Wohnung ihres Dienstgebers in Holleschowitz mit Leuchtgas vergiftet bewußtlos aufgefunden worden war. Auch diese Tat wurde wegen unglücklicher Liebe verübt. Militär-Parade am Geburtstage des Prästdeu- tcn der Republik. Es wurde beschlossen, daß die Militärparade in Prag anläßlich des Geburtstages des Präsidenten der Republik Dr. Edvard Benes auf dem Strahover Stadion stattsinden wird. Reue günstige Zugsverbindung nach Karlsbad. Beginnend mit 17. Mai fährt nun den Sommer über an jedem Sonntag vom Masarykbahnhof ein beschleunigter Motor-Personenzug nach Karlsbad und zurück. Abfahrt aus Prag: 5.54 Uhr. Ankunft in Karlsbad 9.29 Uhr. Rückfahrt aus Karlsbad, oberer Bahnhof, um 19.40 Uhr, Ankunst in Prag, Masarykbahnhof, 23.01. Dieser Zug hält in allen Prager Stationen und dann nur in Kladno, Saaz, Kaaden, Schlackenwerth. Von Karlsbad aus hat er sehr günstigen Anschluß nach Franzensbad, Eger, Abertham, Elbogeu, Graslitz und Schönbach. Poststempelpropaganda. Der für die Zeit vom 16. bis 24. Mai 1936 bewilligte Sonderschalrer des Postamtes Praha 83 wird einen Gelegenheitsstemvel „Praha 83— Hospodäiskä vHstava" in grüner Farbe verwenden. In der Zeit vom 26. Mai bis 1. Juni 1936 wird das Postamt Praha 1 mit diesem Stempel bei seinen Philatelistenschaltern Postmarken zu philatelistischen Zwecken in derselben Farbe mit dem Datum„24. Dtai 1936" abstempeln. Mt dem Autobus CSD von Davle nach Stech»- viee. Am 17. Mai verkehrt ab Bahnhof in Davle ein Autobus nach Srechovice; Fahrt hin und zurück 2 KL. Der Autobus hat Anschluß an alle Züge! Rolle und behauptet, von den Betrügereien Ska- powkers nichts gewußt zu haben. Buisson Wirtz eigentlich nur durch die Aussagen des Hauptangeklagten belastet. Die von ihnen gegründete Firma „Wibu" sollte bekanntlich der Verwertung eines von Buisson beigestellten Rezeptes eines„Spezial- Kakao" dienen, der dann später von den Nahrungsmittelchemikern als übles Surrogat bezeichnet wurde. Buisson sollte die technische Leitung des Betriebes übernehmen, während Skapowker als kommerzieller Direktor fungierte. In dieser Eigenschaft engagierte er zahlreiches Büro- und sonstiges Personal, von dessen Kautionen und Einlagen er ein herrliches Leben führte. Es würde zu weit führen, die einzelnen Fälle darzustellen. Der Schaden der Geschädigten bewegt sich im Einzelfall zwischen 2000 und 75.000 KL, zum Teil letzte Ersparnisse oder von Verwandten zusammengeborgtes Geld. Sein Personal beschäftigte Skapowker mangels anderer Arbeit mit der Registrierung von Telephongesprächen, Besuchern u. dgl. Die„Finanzgebarung" führte er selbst, so daß auch seine Sekretäre und Buchhalter vom tatsächlichen Stand des merkwürdigen Unternehmens keine Ahnung hatten. Wie stets in solchen Fällen mußten immer neue Schwindeleien zur Verschleierung der früheren Malversationen dienen. Dabei lebte Skapowker nur in Luxushotels, kaufte sich ein teures Auto und wußte die stellensuchenden Kautionserleger durch prunkvollstes Auftreten zu blenden. Nach offizieller Buchung hat Skapowker in den acht Monaten seines verderblichen Wirkens seinem Privatkonto 2 5 0.0 0 0 K c zugewiesen, seinem Kompagnon und Mitangeklagten nur 3 5.00 0 Kc, wobei dieser, wie erwähnt, energisch bestreitet, von den Schwindeleien des„kommerziellen Direktors" gewußt zu haben. Außer den betrogenen Kautions- stellern kam auch die Kakaofirma„D e l i" durch unbezahlte Bestellungen zu beträchtlichem Schaden. Als die famose Firma„Wibu" gegen Eide^1934 nicht länger zu halten war, unternahm Skapowker auf eigene Faust einen weiteren kühnen Gaunerstreik. Er bot sich der Fabrik„M y r o n" in Brünn als Teilhaber an, obwohl er nichts besaß als fast eine halbe Million betrügerischer Schulden. Sein geldfürstliches Auftreten blendete die beiden Inhaber der Firma derart, daß sie mit Skapowker einen Gesellschastsvertrag unterschrieben, nach welchem er eineinhalbMillionen in das Geschäft einschießen sollte. Der Zufall wollte es, daß einer der Inhaber einen schweren Unfall erlitt. Skapowker benutzte die Situation und blieb nicht nur seine Einlage schuldig, sondern bewog den anderen Teilhaber sogar noch, ihm einen Wechsel auf 250.000 KL zu unterschreiben, aus welchem Geld er die gefährlichsten Schulden der„Wi b u" zum Teil deckte, um den endgültigen Krach hjnaus- zuzögern. Zu allem anderen gebärdete er sich während der Krankheit des verunglückten Mitbesitzers ass Direktor der Fabrik„Myron" und fügte dieser in gkttiohssttt Art durch allerlei Betrügereien und Unterschlagungen einen weiteren»schaden zu, der gleichfalls in die Hunderttaufende geht.— Daß alle diese Schwindeleien nach Darstellung des Angeklagten nichts weiter als ganz reelle geschäftliche Aktionen waren, bedarf keiner Erwähnung._ Wir werden nach dem Urteil auf diesen Fall noch zurückkommen. rb. Iümst mut wissen. Das sowjetrussische Rundfunkorchester kommt nach der Tschechoslowakei. Das Chororchester des Rundfunkausschusses der SSSR, das unter der Leitung des Dirigenten Sweschnikow, eines verdienten Künstlers der Republik, steht, wurde eingeladen, in. der Tschechoslowakei zu konzertieren. Das erste Konzert dieses sowjetrussischen Orchesters findet am 2. Juni in Prag statt. Am 3. Juni wird das Orchester im Prager Rundfunk konzertieren; dieses Konzert wird auch auf die sowjetrussischen Sender übertragen werden. Das Orchester hat für seine Konzerte in der Tschechoslowakei ein großes Repertoir aus klassischen Werken und Werken sowjetrussischer Komponisten der Gegenwart zusammengestellt. Stark vertreten sind in den Konzertprograinmen Lieder der Völker der Sowjetunion. Eine ganze Rhihe von Werken studierte das sowjetrussische Orchester besonders für die Konzerte in der Tschechoslowakei ein. Es werden übrigens nicht nur Konzerte in Prag, sondern auch in anderen Städten der Tschechoslowakei slattfinden.' Furtwänglers Abgang von Berlin. Der namhafteste unter den Dirigenten, die bisher noch im Dritten Reich verblieben, ist W i l h e l m Furtwängler. Schon einmal gab es auch um ihn eine Affäre, aus der sich Furtwängler aber dann (nicht gerade rühmlich) zog. Nun hat er sich in einem großen Konzert von seiner Berliner Gemeinde verabschiedet. Warum? Die Baseler„Nationalzeitung" behauptet, daß die höchste deutsche Regierungsstelle die Absicht hatte, Herrn Furtwängler mit den denkbar weitgehendsten Vollmachten als Operndirektor und Konzertleiter auszuftatien und ibn sozusagen als Führer an die Spitze des gesamten Musiklebens zu stellen. Furtwängler sei bereit gewesen, diese Berufung anzunehmen, machte aber die Annahme von der Bedingung abhängig, daß ihm hinsichtlich der Repertoire-Gestaltung und Programm-Auswahl plein pouvoir erteitt werde, eine Bedingung, die dem Auftraggeber unannehmbar erschien.— Bei dieser Gelegenheit: Die„Zeit" rühmte gestern ganz außerordentlich K l e m p e- r e r; das überraschte ein wenig, da Künstler, die nicht über den entsprechenden„Blut- und Boden"- Nachweis verfügen, in diesem Blatte meist ungünstig davoWommen.§)em Kapellmeister Klemperer aber tut Re.Leit" auch noch die„Ehre" an, ihn als„Dirigenten der Berliner Staatsoper" zu bezeichnen. Als ob die„Zeit" nicht wüßte, daß auch der Jude Klemperer wahrlich längst Berlin verlassen mußte. Der Pariser Zu«— so heißt ein gestern im Deutschen Theater erstaufgeführtes.Schauspiel" deshalb, weil die Hauptsigur des Stückes zu den .Ereignissen", die es ausmachen, lediglich infolge des Zufalles gelangt, daß ihm einmal ein Pariser Zug vor der Nase davonfuhr. So läppisch sind diese Vorgänge, daß sich nicht einmal eine gescheite Ueber- schrift fand! Ein anscheinend mit Gewalt auf die Bühne gezerrter, ganz schlechter Kolportaaeroman. übrigens zwar nicht von Bus-Fekete, dafür" aber von BLla Zsolt. Es war, unseres Erachtens, ein regelrechter Durchfall; das werden sogar die. etlichen wissen, die vor Schluß weggingen. Zum Glück befindet sich unser Schauspiel in der letzten Zeit auch revertoiremäßig auf ansehnlichem Niveau, das sich kassamäßig schön auswirkt. Daher wird es also nach keiner Seite zu bedauern sein, wenn dieser Schmarrn sobald wie möglich wieder von der Bildfläche verschwindet. Schließlich pflegt ja der Mai auch sonst nicht für Bns-Fekete- und Bela Zsolt- Zyklen da zu sein! Schade, daß Herr Alfred Löhner als Gast gerade in einer so elenden Komödie erstmals hier auftreten mußte: man kann ihm aber bescheinigen, daß er es liebenswürdig und interessant machte. Neben ihm stand im Vordertreffen dieser vorweg verlorenen Schlacht Fräulein M o n- c a s i. Unter Hans Götz waren weiter noch ausgerückt: er selber, Walter Taub, die Tagten Warnholtz. Wäern. Bertram. Briügcilf und Funk. Hkinz Kral. Padlesak und noch ein gutes halbes Dutzend. Sie kämpften alle heldenmütig; hoffentlich dürfen sie ihre Rollen rasch vergessen!_ 7. g. Spielplan des Reuen Deutschen Theaters. Freftag, 7 sh: Ein Volksfeind, D. 1. — Samstag, 7 sh: Katarina Ismailowa, CI.— Sonntag: Zum 30. Male: 2sh:.U nentschuldigte Stunde, 7sh: Glück mutz man haben, DI. Spielplan der Kleinen Bühne., Freitag 8: Salzburg ausverkauf i, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag, 8: Salzburg ausverkauft.— Sonntag, 8. Menschen auf der Eisscholle. Dereürsnacstncstteo © Deutsche BalkSsinggemeinde Prag: Wir beteiligen uns an dem Unterhaltungsabend der Lokalorganisation in KroLehlav bei Kla no. Am 16. Mai Abfahrt mit Autobus,%7 Uhr, vom Näm. Republik»(Länderbank). Ein neues Werk des antifaschistischen Dichters: Zgnazio Silone Brot und Wein Roman aus dem Alltag des saschistischrn Italien Preis geb. Kö 56.— Zu beziehen durch die Zentralstelle für das Bildungswrsen, Prag XII., Slezska 13. Der Dinr Aerosrad Auf diesen Ruffensilm, der setzt unter dem Titel „Brand im Fernen Osten" läuft, ist hier anläßlich seiner Sonderausführung vor vier Monaten schon hingewiesen worden. Die Einzelheiten der Handlung, die dem Bettachter damals— im russischen Original — unklar blieben, sind jetzt durch tschechis^e Unter titel geklärt worden, aber es zeigt f;x dabei, daß dieser Film des Regisseurs D o w s ch e n k o(der den unvergeßlichen„Erde"-Film schus) gar keinen Wert auf Einzelheiten legt: bleiben oft Episoden ohne Fortsetzung, sowie auch viele Gestalten dieses Films nur erscheinen, ohne sich weiterzuentwickeln. Wie weit das kollektivistische Absicht ist oder wieweit es mit dem Uebergang' von der Stummfilm- zur Sprechfilmtech- nik zusammenhängt, läßt sich nicht sagen. Jedenfalls bleiben auch jetzt wieder die Szenen, in denen am wenigsten gesprochen wird, die eindrucksvollsten: die Jagd auf die Tynamitschmuggler an der mandschurischen Grenze, der Marsch der Partisanen durch die Taiga, den sibirischen Urwald, der Gottesdienst der „Altgläubigen", die sich vergeblich gegen.die bis zum Stillen Ozean vordringende Sowjet-Zivilisation zur Wehr setzen, die Erschießung des Verräters, der sie in den Kampf hetzt, durch den Partisanensührer, der ein alter Schicksalsgefährte dieses Verräters ist. aber mit männlicher Trauer seine strenge Pflicht erfüllt, — und am Ende die triumphierende Parade der Flugzeuge, der Fallschirme und der Flotte über und vor der Stadt Aerograd, dem Bollwerk an der sibirischen Ostküste gegen die japanische Bedrohung. Der Filmkünstler Dowschenko beweist seine Kunst in diesem aktuellen und demönsttierenden Film durch die Erfassung der Natur(die Bilder von der Taiga und der Meeesküste), durch die Auswahl der (russischen und mongolischen) Menschengesichter und durch die Konttastierung dieser fernöstlichen Urwaldwelt mit der Technik der schwirrenden und mächttgen Aeroplane, die er oft als musikalisches Element verwendet und deren Parade er zu einer phantastisch großarttgen Szene gemacht hat.—eis— üus der Partei Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Ardeitorpartti Freitag, den 15. Mai, um 8 Uhr abends im großen Saal des Handwerkervereins, Prag II., SmeLkh 22, Partei-Mitsllederversammluns Vortrag des Genossen Gregor B i e n st o ck über „Weltpolitische Spannungen". * Unsere Lokalorganisation inKladno-Kro« kehlav hat uns zu einem Unterhaltungsabend, welcher am Samstag, den 16. Mai, um 8 Uhr abends im Gasthaus„Zur Post" in Kroce- hlab stattfindet, eingeladen. AtuS und Volkssinggemeinde wirken mit. Genossinnen und Genossen, welche mitfahren wollen, mögen sich bis Donnerstag mittags hei Genossen Mittenhuber(Gec, Telephon 51351) melden. Fahrpreis mit Separatauwbus 10 Kc. Urania-Kino, Klimentshö 4. Fernsprecher 61623 I„Groß-Reinemachen“ ÄitzüUendeo Lustspiel. Präser Konzertsaal Die Saison in den Prager Konzertsälen ist Heuer mich im Monat Mai noch im vollen Gang. Sogar einige Konzerte von ganz außerordentlicher künstlerischer Bedeutung konnten in der ersten Maihälfte abgehalten werden. So das Sonderkonzert der Prager TschechischenPhilharmo- n i e mit OttoKlemperer als Gastdirigenten. Dieser fanatische Musiker und Meister der Stabführung, der ein ebenso blendender Rhythmiker wie ausdruckssicherer Dynamiker ist, diente dem be- geisterten Publikum mit einem durchaus populären Symphoniekonzert, das als Beethoven- A b end zwei der bedeutendsten und beliebtesten Symphonien des großen Musiktitanen im Programm enthielt, die Dritte oder„Eroica" und die Fünfte oder„Schicksals"-Symphonie. Auch dieser Beeihoven-Symphonienäbend lehrte wie seinerzeit jener des deutschen Theaterorchesters unter Georg Szell und jener der Tschechischen Philharmonie unter Bruno Walter, daß Beethovens symphonische Kunst auch heute, noch immer am höchsten in der Gunst des Publikums steht. Ein höchst repräsentattves tschechisches symphonisches Programm bot das inst,rumentale F e st k o n z e r t des Prager Tschechischen Staatskonservatoriums für Musik zur Feier seines 125-jährigen Bestandes, denn es bescherte ausschließlich Standwerke der tschechischen symphonischen Musikliteratur: Jos. B. Foersters.Festliches Vorspiel", Anwn Dvo- r ä k s symphonische Dichtung„Die Waldtaube", Virezslav N o v ä k s symphonisches Gedicht„Von ewiger Sehnsucht" und Josef S u k s E-Dur- Symphonie. Mit wundervoller Klangentfaltung und vorbildlicher Musizierfreudigkeit spielte das Zöglingsorchester des Konservatoriums unter der zielsicheren Leitung Prof. Paul DLdeLeks alle diese Werke, neuerdings den Beweis erbringend, einer der stärksten und diszipliniertesten Jnftrumen- talkörper der Hauptstadt zu sein. Außer diesem instrumentalen Festkonzert hatte das Tschechische Staatskonservatorium aus dem gleichen Anlaße noch zwei festliche Kammermusikabende veranstaltet, bei denen ausschließlich Werke ehemaliger Lehrer und Schüler der Anstatt zur Aufführung gelangten. Bronislow Hub er mann, der immer noch unerreichte polnische Meistergeiger, dessen unerhört selbstverständlicher Virtuosität die Größe und Tiefe des Gefühles in höchster Begnadung zur Seite steht, gab diesmal mit den tschechischen Philharmonikern, die unter Georg S z e l 18 temperamentvoller und anschmiegsamer Leitung standen, ein ausgesprochen konservatives Konzert, in dem er neben dem wundervollen Violinkonzert von Brahms auch das weniger tiefe Violinkonzert von Tschaikowsky und kleinere Stücke von Mozart und Beethoven spiette. Bei einem Ittinstler wie Hubermann ist eS natürlich ganz gleichgültig, was er spielt, da man nur Ohren dafür hat, wie er es spielt und jedes krittsche Bedenken verstummen macht. Ungetrübten künstlerischen Genuß bereitete mit einem Kammermusikabend abermals das Wiener K o l i s ch-Q u a r t e t t der Herren Rudolf Kolisch, Felix Kühner, Jenö Lehner und Benjamin Hejfetz, deren wundervolles Zusammenspiel wiederum nicht minder begeisterte wie die temperamentvolle und dabei doch immer stiwollkommene Art ihres Vortrages. Auch das Programm dieses erlesenen Künstler bescherte den dankbaren Zuhörern erlesenste kammermusikalische Gaben: Beethovens Quartett opus 74, Schuberts opus 161 und W. A. Mozarts D-Dur-Ouartett. Unter den Solistenkonzertenist an erster Stelle der Klavierabend des Klaviermeisterlehrers der Prager Deutschen Musikakademie Professor Franz Langer zu nennen. Dieser als Virtuose, Klangkünstler und geistvoller Musiker hochbedeutende Pianist, zeigte schon in der Gestaltung seines Vortragsprogrammes das Außergewöhnliche seiner Kunst, die nicht nach Publikumserfolgen strebt, sondern nur da ist, um reproduktiv der Tonkunst im allgemeinen und ihren schöpferischen Meistern im besonderen zu dienen. Bachs Chromatische Fantasie und Fuge bildete den verheißungsvollen Auftakt des Konzertes; ihr folgten kleinere Stücke von Brahms, diesesi wiederum Komposi- ttonen heimischer Autoren, des Deutschen Fidelio Finke und des Tschechen B. VomäLka als Hauptverttetern der zeitgenössischen Prager Tonkunst. Aber auch in der zweiten Programm- Hälfte brachte Professor Langer an Sttlle der hier üblichen Publikums- und Erfolgstücke hochwertigste Gaben der Klavierliteratur. Darunter als U r- aufführung eine dreisätzige Sonate von dem heimischen deutschen Tonsetzer und Schönberg- Schüler Viktor II l l m a n n, ein gedanklich und im Ausdruck edles und von tiefem Ernst getragenes Werk, das auch formal und satztechnisch außerordentliches und reifstes Können offenbart, ferner klang-, delikate Stücke von Debussy und schlietzlich stilisierte Tanzstücke von Smetana.— Ein wirkliches zur Bewunderung zwingendes Wunderkind lernte man in dem kindlichen tschechischen Geiger Jiiik Straka kennen, der unter anderen Stücken auch Mendelssohns schweres Violinkonzert mit ebenso schönem und süßem Ton. wie vollkommener Technik und temperamentvoller Vortragskunst spiette. Zweifellos stammt der junge Geiger aus einer grundmusikalischen Familie; denn auch seine Schwester Ljubikka, die ihn am Klavier begleitete, ist ein richttges Wunderkind. Der Erfolg des kleinen Konzertgebers war ungeheuer.— Ein Konzert des m o d einen tschechischen Liedes hatte die Musiksektion des Tschechischen Kunstvereines(Hudeni Malice UmiiliekL Besedy) ihren Interessenten geboten. Es brachte neuere und die neuesten Lieder von den zeitgenössischen tschechischen Tonsebern P i ch a, Jar. Kkicka, Bor- tobte, Bit. Noväk und S. Hippmann. Als mustergiltige, in Ton und Wort gleich überzeugende Interpretin der Lieder bewährte sich wieder die ausgezeichnete tschechische Konzertsängerin And. P e ö i r k o v ä, die in Dr. S t! p a n einett vorbildlichen Partner am Flügel hatte. E- I. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich KL 16.—. vierteljährig Kc 48.—. halbjährig Kc 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft» und Tele» graphendttektwtt mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.pHrbiL", Druck-, Verlags» und Zeitungs-A.-G. Prag.