Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK O FOR 5977. 12. 19b 14 ut ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Helier ( einschließlich 5 Heller Porto) 16. Jahrgang Sonntag, 17. Mai 1936 Nr. 116 Hitlergardisten in Haft! Rydz- Smigly als Erbe Pilsudskis Agrarische Hetze Himmler unter Bewachung Der„ Daily Herald" erfährt aus besonderer Quelle, daß jüngst 200 Mann der SS- Leibstandarte Hitlers wegen Auflehnung und Verschwörung verhaftet und in ein eigens angelegtes Konzentrationslager nahe bei Berlin gebracht worden sind, wo sie verhört und dabei in der üblichen Manier gemartert werden. Göring, der kürzlich zum Oberhaupt der gesamten Gestapo im Reich ernannt wurde, hat diese Verhaftungen veranlaßt und im Anschluß daran den vorher allmächtigen Gestapo- und SS- Führer Himmler- genannt der Schwarze" unter strenge Bewachung gestellt. Beide sind alte Rivalen und hassen einander tödlich. Die nicht direkt beteiligten Obernazis, Mi nister etc. sind durch diese peinliche Affäre tief erregt und bestürzt und versuchten, sie ganz geheim zu halten. Wie man sieht, ist ihnen das nicht gelungen. Die Aufnahme in die Leibstandarte ist besonders begehrt und erfolgt nur, wenn neben der persönlichen Untersuchung auch die Nachforschung nach der Gesinnung der Angehörigen des Be120 Warschau. Das neue Kabinett hat Samstag um 10 Uhr vormittags auf dem Königsschloß in die Hände des Präsidenten der Republik den Treueid abgelegt. An der der Eidesleistung folgenden ersten Ministerratssitzung des neuen Kabinetts nahm auch der Generalinspektor der Armee Rydz- Smigly teil. Wer die tschechische agrarische Presse in der legten Zeit verfolgt, wird sich nicht des Eindrucs erwehren, daß das Hauptblatt dieser Partei, der „ Venkov" von Menschen geleitet wird, die von Zeit zu Zeit der Hysterie verfallen. Seit der Nicht nur diese Meldung, auch alle Kom-| Anhängern besetzt hielt und daher über jede poli- Präsidentenwahl im Dezember, da die Republikanische Partei ihre Zerfahrenheit vor der gesamten mentare der polnischen und der ausländischen tische Entscheidung befragt wurde. Presse zu der Bildung des neuen Kabinetts In der außenpolitischen Orientierung bedeu- tschechoslowakischen Oeffentlichkeit manifestiert hat, Skladkowski deuten an, daß es sich nicht nur um tet die Kabinettsumbildung ein neuerliches brachte der„ Venkov" mehreremals in der Woche einen Sieg der Oberstengruppe über die kürzlich Einschwenken in die Linie der die demagogischesten, einer großen Partei unwürvorgedrungene Opposition handelt, sondern daß Freundschaft mit Deutschland. Das digen Angriffe auf die Sozialisten plötzlich, der Herr der Armee, eben der General Rydz- Právo Lidu" macht darauf aufmerksam, daß der dreht der Chefredakteur des Blattes Senator Smigly unmittelbar eingegriffen hat. Das neue Minister Gorecki ausgeschifft wurde, von dem Vraný um und erklärt es sei im Sinne Švehlas, Kabinett wäre demnach vor allem eine Regie bekannt war, daß er einer der heftigsten Gegner wenn Agrarier und Sozialisten mit einander verrung Rydz Smiglys und dieser würde Becks und ein Befürworter des Zusammengehens bunden sind, eine andere Regierung sei nicht gui nunmehr eine ähnliche Stellung einnehmen wie mit Frankreich war. Er ist durch Adam Rodentbar. Das hindert das Blatt allerdings nicht, vor ihm Pilsudski, dessen Führerschaft" bzw. m an ersetzt worden, der als Intimus von Beckt zwei Tage später, das System der ArbeitslosenDittatur ja auch nicht formalrechtlich verankert gilt, Gesandter in Stockholm war und versucht unterstüßung bei uns in einer Weise anzugrei war, sondern faktisch bestand, weil er die Kom- hat, die Annäherung der nordischen Länder an die fen, die deutlich zeigt, daß dem Blatt, in welchem mandohöhen der Armee mit seinen unbedingten Politik Hitlers und Becks anzubahnen. jedes Wort vom Gefühl der Verantwortung und staatsmännischem Sinn eingegeben sein sollte, wirklicher Ernst abgeht. " Hitler- ein Söldling der Weltfinanz werbers und seines Umgangs auch nicht den ge- Enthüllungen der New Yorker Bankwelt ringsten Argwohn ergeben. Neuer Zwischenfall in Fernost Daß die Politik Hitlers dem Finanzkapital dient, wird kein Eingeweihter bezweifeln. Daß Hitler sich dem Finanzkapital des Westens immer Moskau. Von der sowjetrussisch- mandschuri- wieder als Vorfämpfer angeboten, daß er sich schen Grenze wird ein neuer Zwischenfall gemel- selbst zum Wauwau gegen den Bolschewismus und det. Nach aus Chabarowsk in Moskau eingetrof- die ,, kommunistische Weltgefahr" ernannt hat, ist fenen Meldungen bemerkte am 13. Mai um 17 bekannt. Wieweit er und seine Bewegung dabei Uhr eine aus fünf Mann bestehende Sowjet- aber unmittelbar im Solde der Weltfinanz stehen, Grenzabteilung das Herannahen von drei Grup- war bisher schwer zu überprüfen. Eine darüber pen bewaffneter Japaner in einer Gesamtstärke existierende Schrift von dem amerita= von 25 Mann. Auch die Japaner bemerkten die nischen Großbanfier Sidney sowjetrussische Wache und eröffneten aus einer Warburg war sichtlich von Goebbels und jenen Entfernung von etwa zwei Kilometern das Feuer. Die Japaner näherten sich dann etwa auf einen halben Kilometer der Grenze, wo sie sich einschanzten und das Feuer neuerdings eröffneten. Um den Zwischenfall nicht zu verschärfen, erividerte die sowjetrussische Grenzwache das Feuer nicht. Wo Mussolini human ist... Rom.( Havas.) Amtlich wird mitgeteilt, daß Dr. Ante Pa velič, der der Mitschuld an der Ermordung des jugoslawischen Kö nigs Alexander angeflagt, im Oftober 1934 verhaftet und in Turin gefangengehalten worden war, auf freien Fuß gesetzt wurde, da ,, die italienischen Gesetze nicht erlauben, ihn länger in Haft zu halten". BUNDESKANZLEI Clowon Starhemberg: Halbwelt- Meister bleib' ich halt doch! Kreisen der New- Yorker Börsenwelt, deren Geheimnis Warburg preisgegeben hat, aufgekauft und vernichtet worden. Nun ist es, wie die De u tische Revolution" Otto trajiers mitteilt, dem Schweizer Verleger und Politiker Sonderegger gelungen, ein Eremplar der holländischen Original- Ausgabe zu erhalten. Die Redaktion der Deutschen Revolution" hat in dieses Dokument Einsicht genommen. Das Blatt Dr. Otto Strassers schreibt darüber: ,, Ohne den Veröffentlichungen Sondereggers im einzelnen vorzugreifen, kann über den hauptsächlichsten Inhalt der Aussagen des jungen Warburg folgendes mitgeteilt werden: In den Jahren 1931 und 1932, als die finanzielle Lage Hitlers und seiner Partei be= drohlich wurde, wandte sich Hitler an die ame= rikanische Hochfinanz mit der Bitte, ihn durch riesige Geldzuwendungen in den Stand zu sezen, in Deutschland die Macht zu ergreifen. Als Gegengabe versprach er eine politische und wirtschaftliche Haltung seiner Regierung, die den Interessen des Großkapitals entspre= chen und durch Herrn Schacht garantiert werden sollten. dafür, daß wir das Original- Buch felbst gesehen, selbst in Händen gehalten und selbst die hier ausgezogenen Behauptungen gelesen haben. Es ist an Hitler, Göring oder Goebbels gegen den Verfasser und den Verleger zu klagen, wenn sie die Wahrheit der Aussagen Warburgs bestreiten wollen. Geschicht dies nicht, dann hat die Welt das Eingeständnis von dem grandiosesten Geschäft der Weltfinanz, von der grauenerregendsten Abhängigkeit politischer Führer von fapitalistischen Drahtziehern und das höhnische Wort Schachts: Die Wirtschaft bezahlt die Politiker", über das sich das Schwarze Korps" ( Nr. 17 vom 23. April 1936) mit Recht so empört hat, enthüllt einen Sinn, der die Hit lerpartei und ihre Führer vor aller Welt und für alle Zukunft vernichtet." Die ,, Deutsche Revolution" bringt auch eine Photographie des Titelblattes der Broschüre. Der Titel lautet: De Geldbronnen van het Nacionaal- Socialisme Drie Gesprekken met Hitler door Sidney Warburg Vertaalt door J. G. Schoup 1933 Amsterdam Van Holkema Warendorps Uitg.- Mij. N. V. ( Die Geldquellen des Nationalsozialismus, Drei Gespräche mit Hitler von Sidney Warburg; berichtet von 3. G. Schoup usw.) Citygeld für Hitlerdeutschland Wie hanebüchen das Blatt argumentiert, sei an einem geradezu klassischen Beispiel gezeigt. ,, Das heutige System" schreibt das Blatt, ,, macht es schließlich dem Menschen, der arbeiten will, unmöglich, Arbeit zu bekommen, denn auf verschiedene Bauten kann nur jener Arbeit erhalten, wer im Verzeichnis der Arbeitsvermittlungsanstalt enthalten ist. Deswegen drängen sich die Leute massenhaft zu diesen Arbeitsbermittlungen. Daraus ergeben sich dann die schrecklichen Arbeitslosenziffern, wie sie allmonatlich behördlich ausgewiesen werden." Es würde eines Universitätskollegs bedür fen, wenn man die Unlogif, welche in diesen Worten stedt, bloßlegte. Die Leute drängen sich zur Arbeitsvermittlung, nur wer bei dieser gemeldet ist, erhält Arbeit und deswegen gibt es so viele Arbeitslose. Würde es auch nur um einen Arbeitslosen weniger geben oder wäre die Beschäf tigung größer, wenn sich die Arbeitslosen nicht meldeten? Meldet euch nicht, ihr Arbeitslosen und es wird nicht so viel Arbeitslose geben, es wird euch besser gehen, das Krisenproblem ist gelöſt! Hat jemand, der diesen blühenden Unsinn schreibt, noch den Anspruch von seinen Mitmenschen ernst genommen zu werden? Die Hauptforderung, die aber der Artikelschreiber aufstellt, ist eine schärfere Kontrolle der Arbeitslosenunterstüßung, bzw. der Vertei lung der Ernährungsfarten. Wir sind vollkom men einverstanden. schon Czech war es als Fürsorgeminister. Wer aber kontrolliert die Vertei lung der Karten? Die Landes- und Bezirksbe hörden. Wem aber unterstehen diese Behörden? Nicht dem Fürsorgeministerium, das von einem Sozialdemokraten geleitet wird, sondern dem agrarischen Innenminister. Die Gemeindesozialfommissionen, in denen übrigens Vertreter aller Parteien sißen, bekommen eine bestimmte Kartenanzahl von der Bezirksbehörde, sie können nicht mehr verteilen, als sie erhalten. Und wer es aus der Praxis kennt, wie die Gendarmen jeden armen Teufel, der eine Karte bekommt, auf Herz und Nieren prüfen und den Arbeitslosen das Leben sauer machen, der wird sich über den ManIn einer Konferenz der entscheidenden Alls vor einigen Wochen in einer politischen gel an Kontrolle, welche da der Innenminister Männer der Weltfinanz wurde der Bankier Debatte ein Unterhausmitglied fragte, wovon denn durch seine Organe ausübt, nicht beklagen. Es ist Sidney Warburg mit der persönlichen Füh- Deutschland eigentlich seine gewaltige Aufrü- Scheinheiligkeit und Unwahrhaftigkeit, Demagorung der Verhandlungen beauftragt, der in st ung bezahlte, antwortete Außenminister Eden gie und Tartüfferie, wenn der„ Venkov" nach zahlreichen Unterredungen mit Hitler, Göring, ganz furz:„ Von Auslandsanleihen." Kontrolle ruft. Streicher u. a. den finanziellen Gesamtbedarf Diese aufschlußreiche Regierungsantwort ist merkHitlers feststellen sollte. würdig unbeachtet geblieben. Diesen Gesamtbedarf bezifferte Hitler selbst Und nun zitiert der„ Daily Herald" aus dem auf 500 Millionen Mark für den Fall einer soeben erschienenen Bericht der Bank für InternaRevolution, dagegen auf nur 200 Millionen tionale Zahlungen in Basel, daß zwischen dem DeMark für den Fall einer ,, legalen" Macht- zember 1934 und Dezember 1935 folgende Staaten übernahme. ihre Kredite nach Deutschland herunterges drückt haben: Diesen letzteren Betrag von fast 200 Millionen Marthat hit= ler dann im Laufe der Zeit auch tatsächlich erhalten, nicht ohne einige dringende persönliche Bettelbriefe nach Amerika gerichtet zu haben. Es ist selbstverständlich, daß die Berantwortung für die Richtigkeit dieser Angaben einzig und allein der Verfasser Sidney War burg, trägt, gemeinsam mit dem Verlag van Holkema u. Warendorfs( Amsterdam), der das Buch herausgebracht hat. Wir übernehmen die volle Verantwortung Aber wir wollen die Agrarier beim Worte nehmen. Größere Kontrolle? Ja! Aber dann bei allen Staatsausgaben. Dann Kontrolle aller Subventionen, von denen Großbauern und agrarische Genossenschaften dick und fett werden, Kontrolle all der Wege, auf denen Staatsgelder in die großen Taschen der Agrarier unter allen möglichen Vorwänden fließen! Tann Kontrolle der Frankreich um 54.4 Prozent, Holland um 36.6 Wirtschaft der Landeskulturräte, dann weg mit Prozent, USA um 14.9 Prozent, Schweiz um dem veralteten, österreichischen Kurienwahlrecht 32 Prozent. der Landeskulturräte. Dasselbe Wahlrecht für Dagegen sind die britischen Kredite an Krankenkasse, Handelskammer und LandeskulturDeutschland in dieser Zeit umt 5.4 Prozent rat wie in die Gemeindevertretungen und das gestiegen! Dadurch ist der britische Gesamtkres Parlament! Zu dieser Reform sind wir Sozialidit an Hitlerdeutschland von 41.9 auf 44,165.000 sten bereit. Pfund angewachsen. Diese Steigerung ist allein noch um 124.700 Pfund größer als der französische Gesamtkredit an das Dritte Reich. USA stehen mit cinem Gesamtkredit von 29.6 Millionen Pfund gleichfalls weit hinter England zurück. Aber wir sind auch nicht abgeneigt, das ganze System der Arbeitslosenunterstüßungen vom Grund auf zu reformieren. Auf Hunderten von Tagungen haben sich die Gesamtpartei, die Ge= Iwerkschaften, Kreis- und Bezirkskonferenzen dafür Sette 2 Sonntag, 17. Mai 1936 «r. 116 ausgesprochen, daß an Stelle der Arbeitslosen Unterstützung die Arbeitslosen Versicherung trete. Wir haben das schon vor dem Inkrafttreten des Genter Systems verlangt und sind bereit, gemeinsam mit den Agrariern, an der Gesetztverdung der Arbeitslosenversicherung mitzLarbeiten und so unser großes Werk der So- ziawersicherung zu krönen. Wir fürchten nur, wenn es zu einem solchen Versuch käme, die Agrarier würden ihren Reformeifer bald vergessen. Und das ist das Wesentliche. Den Agrariern handelt es sich auch gar nicht um eine Reform, sondern um eine Hetze, um die Günstige Entwicklung der staatlichen Einnahmen Im ersten Quartal um 420 Millionen Kc größer als 1935 Der Ausweis über die Staatseinnahmen für den Monat März zeigt im Vergleich zu derselben Zeit des Vorjahres ein wesentlich günstigeres Ergebnis, das zum Teil wohl auf die neu eingeführten Bonifikationen für Steuervorauszahlungen und auf die Eintreibung rückständiger Steuern, zu einem großen Teil jedoch auf eine Besserung der Wirtschaft zurückzuführen ist. Die nachfolgend angeführten Steuererträge sind Brutwziffern(in Millionen XL), von denen die Zuweisungen an die Selbstver- waltungskörper, Fonds usw, noch nicht abgerechnet sind.(Bei jeder Steuer ist in der zweiten Zeile in Klammern die Differenz gegenüber der gleicht» Zeit des Vorjahres angegeben.) März 1. Quartal 1936 Direkte Steuern (4-157,85) (+ 249,00) Um setzsteuer 208,26 631,21 (4-109,33) (+ 116,87) Zölle 65,06 178,49 (+ 10,18) (+ 23,85) Konsnmsteucrn 151,07 478,65 (+ 6,78) (+ 26,25) Gebühren 99,99 338.10 (+ 3,68) (+ 7,10) Monopole 4,41 14,03 (+ 0,65) .(— 2,83) Summe der öffentlichen Abgaben 761,37 2.272,73 (+ 288,49) '(+-419,75) Tabakrcgie 66,00 220,00 k— 15,00) (+ 7,00) Wefferkrafistener 1,74 5,70 (+ 1,55) (+ 0,96) Auspeitschung niederer materieller Instinkte der Besitzenden gegen die Ausgaben des Staates für die Aermften der Armen. In sozial fühlenden Menschen wird deswegen durch den Angriff auf die Arbeitslosen die Achtung vor den Agrariern nicht steigen und niemand wird in der Redaktion des „Venkov" ein Stück Menschlichkeit entdecken. Wenn nach Masaryk die Humanität der Sinn der tschechischen Geschichte ist, dann hecken die protzigen Restgutbesitzer mit der grünen Fahne ebenso viel von diesem Sinn ergriffen, wie ihre Vorgänger, die feudalen Herren, die vom Strom der Demokratie hinweggeschwemmt worden sind. Nach Abrechnung der Zuteilungen ergibt sich daß die Oeffentlichen Abgaben im ersten Quartal dem entsprechenden Bruchteil der im Budget eingesetzten Summe bis auf v.1 Mill. XL nahekommen; lediglich die Tabakregie weist gegenüber dem Budget einen Abgang von 31,18 Millionen XL auf. nie Betriebsausschußwahlen Im ClCD-Konzern* Sozialistische Gewerkschaften weiterhin führend Freitag wurden in sämtlichen drei Betrieben des Konzerns Ceskomoravskä(Böhmisch- Mährische Maschinenfabrik)-Kolben-DanLk die Betriebsausschußwahlen durchgeführt, für welche, wie wir bereits berichtet haben, die beiden sozialistischen Gewerkschaften eine Einheitsliste aufstellten. Die sozialistische Einheitsliste vereinigte insgesamt 3763 Stimmen auf sich, was einen Zuwachsvon439 Wählerstimmen bedeutet. D>e sozialistischen Gewerkschaften stehen mit insgesamt 2 7 Mandaten weiterhin an weitaus führender Stelle. Da infolge des gesteigerten Beschäftigungsgrades die'Kopfzahl der Belegschaft gestiegen ist, war auch die W a h l- zahl eine größere, so daß trotz des Stimmenzuwachses die sozialistischen Gewerkschaften Um ein Mandat weniger besetzen, als in der voraus-' gegangenen Wahlperiode. Auf.die kommunistische Liste entfielen 1137 Stimmen, so daß die Kommunisten sieben Mandate besetzen, was einen sehr beträchtlichen Zuwachs bedeutet.(Bei den letzten Wahlen hatten sie bloß 613 Stimmen und drei Mandate.) Auch die von den Nationalisten aufgezogene Liste des„Närodni s d r u z e n i" hat einen Zuwachs von 190 Stimmen zu verzeichnen und besetzt d r ei Mandate, statt der bisher innegehabten zwei. Diese„nationale" Gewerkschaft erfreute sich naturgemäß der intensivsten Förderung seitens gewifler maßgebender Herren, was sich insbesondere bei Neueinstellungen auswirkte. Angesichts des schweren moralischen Druckes, der von gewissen Direktoren und Oberdirektoren auögeübt wurde, ist der Stimmenzuwachs der Nationalisten als höchst geringfügig zu bezeichnen. Sie bleiben mit drei von siebenundzwänziz Mandaten eine winzige und einflußlose MinoritA. Die Betriebsausschußwahlen im EKD-Kon-, zern bestätigen die Erfahrungen, die die in der' vergangenen Woche durchgeführten Wahlen im Kladnoer Betrieb der„Prager Eisen" gezeitigt haben. Auch in diesem Betrieb hatte die sozialistische Einheitsliste einen mäßigen Anstieg zu verzeichnen, der im wesentlichen auf die felsenfeste Verläßlichkeit der sozialdemokratischen Wähler zurückzuführen ist. Weniger stabil sind die Berhältniffe im nationalsozialistischen Lager, aus dem, wie auch die letzten Bezirkswahlen gezeigt haben, Abwanderungen an die äußerste Linke und Rechte festzustellen sind. Regierungsumbildung nicht vor Herbst Im„Prävo lidu" von heute befaßt sich Dr. K. Kriz mit der innerpolitischen Lage. Er glaubt versichern zu können, daß es vor den Sommerferien nicht mehr zu der Umbildung der Regierung kommen werde, deren Stabilität in den letzten Wochen gewachsen ist. Als eine der bedeutendsten Erscheinungen der jüngsten Zeit würdigt KkiZ die Erfolge der deutschen Sozialdemokratie bei den Dux-Biliner Btzirks- wahlen, die bewiesen haben, daß die deutsche Sozialdemokratie den Tiefpunkt überschritten hat. Im WrhrauSschnß des Abgeordnetenhauses kam die Frage der Einrechnung der militärischen Präsenzdienstzeit nach dem Gesetz 275/34 zur Sprache. Es wurde festgestellt, daß bisher nur das Finanzministerium und das Schulministerium diese Bestimmungen durchgeführt haben, während die übrigen Restarts dies noch nicht tun. Der Ausschuß beschloß deshalb, den Ministerpräsidenten und die einzelnen Restarts zu ersuchen, das Gesetz in allen Zweigen der Staatsverwaltung sofort durchzuführen, auch wenn die Durchführungsvorschristen noch nicht erlösten find.— Im Zusammenhang mit den kürzlichen Notlandungen einer Bombenstaffel bei Prag sprach der Ausschußvorsitzende David unter Zustimmung aller Mitglieder die Erwartung aus, daß künftig über solche Unglücksfälke von der Mili- tärvcrwaltung ungesäumt genaue Nachrichten veröffentlicht werden. Pauschalierung der Fleischsteuer bei Hausschlachtungen. DiL'KoallllSn hat im Abgeordnetenhaus einen Regierungsantrag auf Novellierung des Gesetzes 262/20 über die Fleischsteuer eingebracht. Die Regierung wird darin ermächtigt, die Fleischsteuer von Häusschlachtungen für den Eigenbedarf der Landwirte und der landwirtschaftlichen Arbeiterschaft zu pauschalieren, und zwar auf Grundlage des Ausmaße- der Ackerfläche und der Wiesen — Im Rötivenbericht wird angeführt, daß die Fleischsteuer bei Hausschlachtungen, die im Vorhinein entrichtet werden muß, Gegenstand fortwährender Differenzen zwischen der landwirtschaftlichen Bevölkerung und den Organen der Gefällskontrolle ist. Durch die Pauschalierung sollen diese Unzukömmlichkeiten beseitigt werden. Bisher beläuft sich der Steuerertrag aus den Hausschlachtungen auf 13 bis 16 Millionen XL jährlich; die Einhebung der Steuern und die Kontrolle ist jedoch für die Finanzverwaltung sehr schwierig und kostspielig. Di- Antragsteller berechnen, daß bei einem Pauschale von einer Krone pro Hektar landwirtschaftlichen Bodens ein Betrag von 7.4 Millionen, bei einem Pauschal von 1.50 XL beinahe 11 Millionen Xi sich ergeben würden. Das Pauschale soll sich nicht auf dieHauS- schlachtungen von Rindvieh, sondern nur auf Schweine, Schafe und Ziegen beziehen. Schwedens Wes aus der Krise Vortrag Professor Bertil Ohlin aus Stockholm in Prag Jni Sozialen Institut in Prag sprach Donnerstag der bekannte schwedische Volkswirtschaftler Prof. Bertil Ohlin über die Ueberwindung der Wirtschaftskrise in Schweden. Nach einem Rückblick über die Entwicklung seit dem Jahre 1914 schilderte der Vortragende die Schwierigkeiten, in welche Schweden durch den Kreuger- Krach im Jahre 1932 geraten war. Die schwedische Regierung war damals gezwungen, sich von der Reichsbank 250 Millionen schwedische Kronen auszuleihen, nm die durch Run bedrohten Banken zu stützen. Die Folge war eine Kreditverbilligung, die weiter gefördert wurde und den Uebergang zur expansiven Wirtschaftspolitik seit 1933 schuf. In zwei Jahren wuchs die schwedische industrielle Produktion um 50 Prozent über den Stand von 1929. Im September 1935 war die Arbeitslosigkeit auf 41.000 gesunken, obwohl sie noch 1932 ungefähr 150.000 betrug. In Schweden sind heute um 200.000 Menschen mehr beschäftigt als im Jahre 1929. Vier Faktoren kennzeichnen die schwedische Antikrisenpolitik: a) die Exportsteigerung, b) eine Währungspolitik, welche den Kredit verbilligte, c) das Verlassen des Budgetgleichgewichtes und Aufnahme von Anleihen, die in der Konjunktur zurückgezahlt werden, und d) Hebung der Preise der landwirtschaftlichen Produkte. Seitdem im Jahre 1931 der Goldstandard aufgegeben wurde, wurde die schwedische Krone auf einer Höhe gehalten, welche den Export anregte. Von 1932 bis 1934 stieg dieser um 350 Millionen Kronen, das ist um ein Drittel. Mehr als die Exportförderung hat der schwedischen Regierungspolitik der Jnlandsmarkt zu verdanken. Die Großhandelspolitik wurde erhöht, das Preisniveau im Detail stieg jedoch nur unbeträchtlich. Die Löhne blieben im ganzen unverändert, doch stieg die Beschäftigung und damit die Lohnsumme. Der Geldüberfluß, welcher durch die Operationen der Bank von Schweden herbeigeführt wurde, führte zu einer starken Zinssenkung, welche sich in der Baubewegung sehr zum Ausdruck brachte. Auf dem Gebiete der öffentlichen Wirtschaft gab die schwedische Regierung den Grundsatz des ausgeglichenen Jahresbudgets auf und ging zur Aufnahme von Anleihen für vernünftige öffentliche Ausgaben über. Der Wirtschaftsaufschwung wird es bereits im kommenden Jahre ermöglicht haben, die so aufgenommenen Anleihen zurückzuzahlen. All dies gelang, ohne den Privatkredit in seinen Möglichkeiten zu beschränken. Abschließend bemerkte der Vortragende, daß die schwedische Oef- fentlichkeit zwar nicht zur Gänze die Wirtschaftspolitik der Regierung teilt und daß diese unter- § schädlichen Ansichten mitten durch alle Parteien gehen, daß jedoch die psychologische Auswirkung der Regierungspolitik auch bei wirtschaftspolitisch anders Eingestellten eine außerordentlich günstige ist. Hochkonjunktur der Strumpfindustrie! Der„Deutsche Nachrichtendienst" meldet: Die Tatsache, daß ein tschechoslowakischer Industriezweig wegen Arbeitsüberbürdung keine neuen Bestellungen mehr annimmt, ist eine so erfreuliche und zugleich leider noch einzigartige Erscheinung, daß sie über die rein wirtschaftliche Bedeutung hinaus allgemeines Interesse beanspruchen kann und deswegen an dieser Stelle verzeichnet zu werden verdient: Alle tschechoslowakischen Strumpffabriken arbeiten derzeit nicht allein unter Ausnützung ihrer vollen Kapazität, sondern auch noch mit Wechselschichten. Die Nachfrage der Firma Bata, die eine große Strumpfbestellung zu vergeben hat und deswegen mit den modernen tschechoslo wakischen Betrieben verhandelte, mußte vorläufig wegen Arbeitsüberbürdung dieses Produktionszweiges zurückgestellt werden. Es besteht außerdem bereits schon Mangel anStrumwf- a r b e i t e r m In der Strumpfindustrie macht sich nunmehr auch eine erhöhte Jnve- st 4 t io us tätigte it bemerkbar, wie zum Beispiel bei der Firma Kunert, di« ein sechsstöckiges Fabriksgebäude mit modernster maschineller Einrichtung baut. Die Hochkonjunktur der tschechoslowakischen Strumpfindustrie ist nicht bloß eine augenblickliche Konjunkturerscheinung, sondern wird im Hinblick auf deren wohlbedachte neue Distributions- und Reklamemethoden für dauernd angesehen. 10 Her Ruhm dn Kämpfers Hon Jadt London Copyright by Umversita» Berlin, durch Dr. Prlcar Glendons wachsende Freude am Sport brachte es mit sich, daß er eifriger und anhaltender trainierte. Er vergeudete die Zeit nicht, jagte viel in den Bergen und war tatsächlich immer in Form. Er hatte nicht das Pech seines Vaters in seiner Laufbahn, brach sich nie einen Knochen, ja, verletzte sich nicht einmal einen Knöchel. Und eines bemerkte Stubener mit stiller Freude: Sein junger Boxer sprach' nicht mehr davon, für immer in seine Berge zurückzukehren, sobald er Jim Hanford die Weltmeisterschaft entrissen hätte. , VI., Er näherte sich schnell dem Höhepunkt seiner Laufbahn. Der Weltmeister hatte öffentlich verkündet, gegen Glendon anzutreten, sobald dieser die drei oder vier Anwärter auf die Meisterschaft, die noch zwischen ihnen standen, besiegt hätte. In sechs Monaten glückte es Pat, Kid McGrath und Jack McBride zu erledigen, und so blieben nur noch Rat PowerS und Tom Cannam übrig. Ein gewisses junges Mädchen aus der guten Gesellschaft aber war aus Abenteuerlust Journalistin geworden. iStubener hatte seine Einwilligung dazu gegeben, daß die Dame Pat in ihrer Eigenschaft als Reporterin interviewte. Sie unterzeichnete ihre Aufsätze immer mit ihrem wirklichen Namen, Maud Sangster. Die Sangsters waren eine bekannte reiche Familie. Ihr Begründer, der alte Jacob Sangster, hatte sein Bündel geschnürt und als Knecht auf Far men im Westen gearbeitet und ein unerschöpfliches Boraxlager in Nevada entdeckt, das er anfangs mit Maüleselgefpannen bearbeitete, bis er schließlich eine Eisenbahn baute, um den Transport selbst zu besorgen. In der Folge hatte er auf Hunderten und Tausenden von Quadratmeilen in Kalifornien, Oregon und Wasching- tün Borax abgebaut und den Verdienst eingesteckt. Später hatte er mit seinen Geschäften Politik verbunden, Politiker, Richter und Maschinen gekauft und war Leiter eines großen industriellen Konzerns geworden. Und dann starb er, reich an Ehren und Pefiimismus und hinterließ seinen Namen den Geschichtsschreibern der Zukunft zum Beschmutzen und ein paar hundert Millionen seinen Söhnen zum Streiten. Die folgenden Prozeffe und industriellen und politischen Kämpfe verärgerten und belustigten ganz Kalifornien«in Menschenalter hindurch und endeten mit tödlichem Hatz zwischen den vier Söhnen. Der jüngste von ihnen, Theodore, machte plötzlich, im besten Mannesalter, eine Wandlung durch. Er verkaufte seine Landsitze und seine Rennställe und stürzte sich in einem Kampf gegen alle Korruption in dem Staat, wo er geboren war. Und er traf die meisten Millionäre dieses Staates bei seinem Versuch, ihn von dei j Schande zu. befreien, die der alte Jakob Sangster begründet hatte. Maud Sangster war die älteste Tochter Theodores. Das Geschlecht der Sangster erzeugte durchweg kampflustige Männer und schöne Frauen. Maud bildete keine Ausnahme. Dazu mutzte sie etwas von der alten Abenteuerlust der Sangster geerbt haben, denn als sie erwachsen war, tat sie vieles, was eine Dame in ihrer Stellung sich nicht hätte leisten dürfen. Obgleich sie eine glänzend« Parti« war, blieb sie unverheiratet. Sie hatte sich in Europa aufgehalten, ohne einen adligen Gatten.heimzuführen, und hatte unter ihren Landsleuten zahlreiche Körbe ausgeteilt. Sie liebt« den Freiluftsport, hatte die Tennismeisterschaft von Kalifornien gewonnen und die Zeitschriften der besseren Kreise durch unpassende Artikel in Atem gehalten. Sie war in einem Rennboot von San Mateo nach Santa Cruz gesegelt und hatte einmal Sensation erregt, weil sie sich als einzige Frau an einem Polokampf beteiligt hatte. Die reformatorischen Bestrebungen ihres Vaters ergriffen auch sie. In leidenschaftlichem Unabhängigkeitsdrang setzte sie, die noch nie einem Manne begegnet war, dem sie sich freudig unterworfen hätte, und die ihrer vielen Anbeter längst überdrüssig war, ihren Missetaten die Krone auf, verließ ihr Heim und nahm eine Stellung beim Courier-Journal an. Einmal glückte es ihr, Morgan in einer wichtigen Sache zu interviewen, während ein Dutzend hervorragender Rew-flcrker Journalisten vergebens Jagd auf ihn machte. Sie ging mit einem Taucher auf den Grund des Goldenen Tors hinab und flog mit Rood, dem„Vogelmenschen", als er alle Rekorde schlug. Nach alledem sollte man glauben, daß Maud Sangster eine derbe Amazone gewesen wäre. Aber im Gegenteil: sie war eine grauäugige, schlanke junge Dame, drei- oder vierundzwanzig Jahre alt, mittelgroß, mit ungewöhnlich kleinen Händen und Füßen. Und im Gegensatz zu anderen Sportmädels war sie von einer ausgesprochenen Wecklichkeit. Sie hatte selbst dem Redakteur vorgeschlagen, daß sie Glendon interviewen wollte. Außer Bcb Fitzsimmon, den sie einmal flüchtig im Frack im Grillraum des Palace-Hotels gesehen hatte, war ihr noch nie im Leben ein Boxer begegnet. Sie hatte sich übrigens auch nie etwas daraus gemacht, einen kennenzulernen, und war nie neugierig gewesen, bis Pat Glendon nach San Franzisko kam, uM für seinen Kampf mit Rat PowerS zu trainieren. Da reizte sie der Ruf, den er in den I Zeitungen genoß. Das Höllenbiest— das zu sehen, mutzte sich lohnen I Nach dem zu urteilen, was sie über ihn gelesen hatte, mutzte er ein Ungeheuer in Menschengestalt, stumpfsinnig und mit der Tücke und Wild- htit des Dschungeltieres sein. Zwar ließen Bilder von ihm diese Eigenschaften nicht erkennen, aber sie zeigten doch deutlich die mächtig« Muskulatur, die darauf schließen ließ, daß er ein solches Ungeheuer war. Und so stellte sie sich in Begleitung eines Pressephotographen zu der von Stubener angegebenen Zeit im Trainingssaal ein. Stubener hatte Sorgen. Pat war rebellisch. Er ließ das eine seiner kräftigen Beine über die Stuhllehne baumeln, hatte die Sonette von Shakespeare aufgeschlagen auf dem Knie liegen und protestierte gegen das Kommen dieser Frau. „Warum wollen die Weiber sich jetzt in Sportsachen mischen?" fragte er.„Da haben sie gar nichts zu suchen. Was verstehen Weiber da- bon? Die männlichen Reporter sind schon schlimm genug. Ich hab es nie ausstehen können, daß Weiber im Trainingssaal herumlungerten, und es ist mir ganz einerlei, ob sie Reporterin ist oder nicht." „Aber sie ist keine gewöhnliche Reporterin", unterbrach Stubener ihn.„Sie haben doch wohl von den Sangsters gehört— den Millionären?" «Warum arbeitet sie dann für eine Zeitung — und nimmt ander» armen Teufeln die Arbeit weg?" „Sie hat sich mit ihrem alten Herrn überworfen. Sie gerieten aneinander, als er in San Franzisko auszumisten begannn. Sie ging. Ging ganz einfach, verließ ihr Heim und suchte sich Arbeit. Und das will ich Ihnen sagen, Pat: sie schreibt ein tadelloses Englisch. Nicht einer von all den Zeitungsschmierern in der Gegend kann es mit ihr aufnehmrn, wenn sie erst mal loslegt." (Fortsetzung folgt.) Nr. IIS Sonntag, 17. Mai 1S3S Seite 3 Eindeutig sozial EL Kindertag 1936 1 Hexrnkes- durch die in Prag, MasarykS Rüstet in allen LesirKen unü in allen Orten kür üen heil nLgclchnt wurde. Auch der christlichsoziale Vertreter Herr Schuch stimmte gegen die Bewilligung des Betrages. Die Stadtgemeinde Aussig hatte sich bereit erklärt, mitzutun und Mittel für den sozialen Zweck beizusteuern. Die Stadt Aussig setzte im Vorjahr die Arbeitsgemeinschaft unter eigener Finanzierung fort, nachdem der Bezirk die Gewährung der Mittel eingestellt hatte. Jetzt, wo eine Fortsetzung der segensreichen Einrichtung erfolgen soll, find die Vertreter des Bezirkes wieder ausgesprungen l Oie Elbogener Stadtvertretung aufgelöst Freitag wurde die Stadtvertretung von El- bogen durch die Bezirksbehörde aufgelöst und ein Regierungskommissär bestellt. Die Wirtschaft d«S Rumpfstadtrates war immer rigoroser geworden; wo sich irgendwo die Möglichkeit ergab, Geld zu beheben, wurde es gcuonunen, ohne auf die jeweilige Zweckbestimmung Rücksicht zu nehDer Bezirksausschuß Aussig beschäftigte sich mit der Finanzierung der von der Deutschen Landeskommission für Kinderschutz und Jugendfürsorge im Einverständnis mit dem Minister für soziale Fürsorge geplanten Arbeitsgemeinschaften als Fortsetzung der T a g e s h e i m- stätten für jugendliche Arbeitslose. Die Bertreter der eindeutig sozialen Sudetendeutschen Partei, die Herren Czech, Hora und Renner, lehnten den in Aussicht genommenen Betrag von 20.000 XL ab, mit dem Ergebnis, daß der Antrag mit Stimmengleich- weil die Zahl der Wahlberechtigten von 1590 im Jahre 1934 auf 1509 im Jahre 1936 gesunken ist. Der Rückgang der Wählerzahl hat die Freie Gewerkschaft besonders hart getroffen. Die Zahl der Richtwähler ist von 109 auf 41 gesunken, der kleine Stimmengewinn der vereinigten reaktionären Liste, auf die„Gablonzer Gewerkschaft", die„Lohn- und Heimarbeiter" und auch die Christlichsozialen kandidierten, ist ausschließlich darauf zurückzuführen. Während früher die Gablonzer Gewerkschaft drei Mandate beseht hatte, verfügt sie jetzt über zwei, denn sie mußte eines an die Christlichsozialen abgeben. Die Mannesmann-Arbeiter haben durch diese Wahl bekundet, daß sie in ihrer überwältigenden Mehrheit die nazistischen Gleichschaltungsversuche ablehnen und ein hohes Maß gewerkschaftlicher und politischer Reife besitzen. Mit den tapferen Mannesmann-Arbeitern freut sich die gesamte sozialistische Arbeiterschaft des Erfolges. Furchtbare Famlllentragödle In Nordböhmen Zwei Tote Eine erschütternde Familientragödie hat sich dieser Tage in Biela bei Bodenbach abgespielt. Hier lebte in größter Rot, verursacht durch Arbeitslosigkeit des Vaters und durch Krankheit einss Sohnes, die Familie Beutler. Im vorigen Jahre starb nach langer Krankheit der 23jährige Sohn Josef an Tuberkulose. Seine Mutter, Ernestine Beutler, konnte sich über den Verlust des Sohnes nicht trösten und in ihrem Gram machte sie, erst 54 Jahre alt, am Donnerstag der Vorwoche ihrem Leben durch Erhängen ein Ende. Der zweite Sohn Friedrich, geboren 1913, nahm sich den tragischen Tod seiner Mutter so zu Herzen, daß er sich am Freitag, den 15. d. M., in den Abendstunden durch einen Schutz .G ipe.,HckMc..entlejLte,. auch der Maiumzug in Mähr.-Schönberg» bei dem Skomorowskij sprach, um die Stärke seiner Anhängerschaft zu demonstrieren, auffallend schlecht beschickt. Ein Hauptleitungsmitglied, das mit der Feuerspritze ausgesandt wurde, um den Brand zu löschen, fand einen überraschend warmen Empfang und mutzte unverrichteter Dinge wieder nach Prag abziehen. Dieser Sturm trieb die hochgehenden Wellen bis in die Hauptleitung, innerhalb deren dann wegen der nordmährischen Dinge die Gegensätze schroff sichtbar wurden. Auch in anderen Gebieten— so in Westböhmen —, will man, je länger je mehr nicht so, wie die hohe KB.-Bürokratie der SdP will.— Der Ausschluß des Führers der Studentenschaft Dr. Meckel aus der SdP hat auch hier den Vorhang vor einem scharfen Gegensatz weggerissen. Die Studentenschaft hält unentwegt zu Dr. Meckel und ist gar nicht gewillt, sich einem Parteidiktat zu unterwerfen und die studentischen Angelegenheiten, auch was ihre völkische Einstellung anlangt, zu einer Partei-Angelegenheit zu machen. Sie hält zur Volksgemeinschaft, die bei ihr kein Schlagwort ist und steht in keinem Gegensatz zur SdP, soweit sie hier die Volksgemeinschaft findet... Die sonderbare Tätigkeit des KB.-Klüngels, der innerhalb der„Bolksgemein- schast" sein Unwesen treibt, findet immer mehr Widerstand und zwar dort, wo das Volk steht, bei den Arbeitern der Faust und der Stirn. Wie wir soeben erfahren, hat die zuständige Behörde den sonderbaren Versuch unternommen, die Sache dadurch zu liquidieren, daß der begründet verdächtige Polizeiinspektor Pudil zwar aus Prag entfernt wurde, aber in einer Weise, die einer Beförderung gleichkommt. Er wurde nämlich zum Chefdetektiv des zu gründenden R u m- burger Polizeikommissariats ernannt.■;■. ,,, men. Unsere Genossen haben diese Bankrottwirtschaft derinderSdPvereinigtenbür- gerlichen Vertreter nicht mehr verantworten können und bereits im Vorjahre ihre Mandate zurückgelegt. Die gegnerische Presse -konnte sich damals nicht genug tun, unsere Partei deswegen zu verhöhnen. Nun ist es die SdP, die von den verantwortlichen Funktionären, die ihre Parteimitglieder sind, abrückt! Letzt auf einmal will die SdP für die Auflösung eingetreten sein, angeblich um Neuwahlen zu ermöglichen. Angenehm ist es ihnen aber nicht, daß auf der versuchsweise aufgestellten Kandidatenliste eben die an der jetzigen Wirtschaft Verantwortlichen an aussichts reicher Stelle stehen. „Aussig 1936". Der Graphiker Helmut K r o m m e r hat sieben Steinzeichnungen zu einerMappe zusammengestellt, die die neuesten Ansichten der betriebsamen Industriestadt an der Elbe enthält. Wir blicken von der Ferdinandshöhe, dann wieder vom Marienberg auf die Stadt. Das Stadttheater mit dem Metznerbrunnen fehlt ebensowenig wie die Handelsakademie in der Schmeykal» straße, die diesen Herbst ihr 50jährigeS Jubiläum feiert. Aber das Hauptthema bildet der E l b e» st r o m, der in drei Motiven abgewandelt wird: Einmal mit der neuen Elbebrücke, die in kühnem Schwung den Strom überseht, dann mit der 1 Masaryk-Staustufe, die in eigenartiger Weise mit der romantischen Burgruine Schreckenstein kontrastiert, endlich der Blick auf„Mitteleuropas jüngste Stadt", an der die Schornsteine der Schichtwerke emporragen, eingezwängt zwischen Strom, und bewaldeten Bergkupven. Diese Blätter(auch einzeln zum Preise von XL 50.— erhältlich) in der Buch- und Kunsthandlung Miksch in Aussig. Z. fudetendeutsdiei! Xeifepicgef Schwüle Luft um Henlein Wir lesen in der„Rumburger Zeitung": Im O l m ü tz e r Gebiet herrscht eine große Erbitterung der Arbeiterschaft gegen den Kreisleiter, den Kameradschaftsbündler Skomo- rowski j, die sich unverblümt äußert. So war pudil— Chefdetektiv. Ueber die Affäre des Polizeiinspektors Pudil ist in der Presse viel geschrieben Worten. Nach dem Gutachten der Schriftsachverständigen steht dieses Sicherheitsorgan bis heute in dem begründeten Verdacht, vor Gericht falsch auSzesagt zu haben. Weder die Staatsanwaltschaft, noch die Prager Polizeidirektion hat es für nötig befunden, auf die in der Presse öffentlich erhobenen Vorwürfe zu reagieren. Die zuständigen Behörden haben es vorge- . zogen, sich in Schweigen zu hüllen. Arbeitslosigkeit und Nationalität Nach den„Mitteilungen des Deutschen Hauptverbandes der Industrie" waren Ende April in der Tschechoflowakischen Republik von 1000 Einwohnern 48.6 arbeitslos, von 1000 Einwohnern in den deutschen Gebieten 85.8 und von 1000 Einwohnern in den tschechischen Gebieten 38.9. Vün 1000 Berufstätigen waren bis Ende April in der ganzen Republik 109.6, in den deutschen Gebieten 169.2 und in den tschechischen Gebieten 91.2 arbeitslos. Als deutsche Bezirke wurden hiebei nur jene gezählt, deren Einwohnerschaft nach der letzten Volkszählung zu mehr als 50 Prozent aus Deutschen besteht. Na(urireunde-߀wegung Zum Reichsjugend- und Kreisarbeitertag nach Bodenbach a, E.(Pfingsten 30. Mai—1. Juni) rüsten die Ortsgruppen des Touristenvereines„Tie Naturfreunde", Sitz Aussig a. E. Ein reiches Festprogramm ist vorgesehen: Abend- feier, Morgenfeiern, DemonftrationS- und Festzug, Kundgebung, großes Jugend- und Parteifest auf den Sportplätzen. Im Anschlüsse finden Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung von Bodenbach statt. Die Kosten der Teilnahme find mäßig. Nebst den Fahrtkosten(Sonderzüge zu 50 Prozent) ist ein Festbeitrag und Eintrittsgelder von 10 XL vorgesehen. Darin ist einbezogen: Festschrift, Festabzeichen, zwei Nächtigungen(Massenlager), freier Eintritt zu allen Veranstaltungen. Die Teilnahme am Sonntag nachmittag kostet 5 XL, Festschrift und Festabzeichen. Schon jetzt sind die Bestellungen aufzugeben und zwar:. 1. Teilnehmerzahl der Ortsgruppe, 2. Wieviel Quartiere werd»« benötigt(Massenlager), 3. Anzahl der Festabzrichrn, und direkt an den SJ-Verband, Teplitz-Schönau, Uherrstratze 7, weiter zu leiten, wo auch die Verrechnung zu erfolgen hat. Der Gau..Nordwestböhmen" veranstaltet zu diesem Anlaß eine Gau-Wanderung, nach Bodenbach. I Gestern wurden in den Mannesmann-Werken die Wahlen in den Betriebsausschutz durchgeführt, die mit einem vollen Erfolg des Internationalen Metallarbeiterverbandes endeten. Die völkische Gewerkschaft hat trotz der wüstesten Hetze gegen unsere Vertrauensmänner und trotz aller Verleumdungen unserer Bewegung ein Mandat verloren.- Das Wahlergebnis: Liste 1: Internationale Metallarbeiterver- band 1936: 8^2 Stimmen, 7 Mandate, 1934: 850 Stimmen, 7 Mandate. Liste 2: Gemeinsame völkisch-christliche Liste 1936: 587 Stimmen, 4 Mandate, 1934: 545 Stimmen, 4 Mandate. Innerhalb dieser Gruppe verteilen sich die Mandate so: Gablonzer 2(früher 3), Heimarbeiter 1(1), Christliche 1(0). Der Internationale Metallarbeiterverband hat die geringe Anzahl Stimmen nur verloren, Wahlerfolg unserer Mannesmann-Arbeiter Die Völkischen verlieren ein Mandat Die Stimme der roten Arier Der schwedische Jugend verband wirbt für den Reichsjugendtag In einem Werbeschreiben für den Bodenbacher Reichsjugendtag, das vom sozialdemokratischen Jugendverband Schwedens ausgegeben wurde, heißt es u. ä. r Die sogenannte Sudetendeutsche Partei, ein Ableger des Nationalsozialismus in Deutschland, hat durch eine in mancher Hinsicht geschickte, aber jesuitische Agitation großen Einfluß auf das Denken der deutschsprachigen Bevölkerung gewonnen. Der Verstand kommt bekanntlich zu kurz, wenn die Stürme der Leidenschaft die Tiefe aufrühren, und unsere Parteifreunde haben alle Mühe, die Kluft zwischen den verschiedenen nationalen Bevölkerungsgruppen, welche dank der unnuancierten NationalitätS- und Raffenpropaganda entstanden sind, zu überbrücken. Die Scheidewand zwischen demokratischen und diktatorischen Bestrebungen droht den Nationalitätsgrenzen zu folgen. Wir müssen Bewunderung für eine Nation empfinden, welche unter den letzten stürmischen Jahren im Herzen Europas ihre bürgerliche Freiheit bewahren konnte. Die Tschechoslowakei ist eine Insel der Demokratie im Meer der Gewalt und der Barbarei. DaS Verdienst dafür kommt im gewissen Sinn auch der Sozialistischen Jugend zu. Doch sie braucht auch eine moralische Stütze von außen. Diese wird den schwankenden Be- vSlkerungSgruppen zeigen, daß sie nicht allein ihren Kampf führen, sondern daß deren ausdauernde Arbeit mit Bewunderung und Sympathie von den Gleichdenkenden in den anderen Ländern verfolgt wird. Und die Partei in der Tschechoslowakei wird so am allerbesten denen, die im Rückenwind deS Pangermanismus segeln, beweisen, daß die Böller, welche arischreinratsi- S r r find alS viele andere, nämlich die skandinavischen, fi« im Kampf gegen die Rassennarrheit unterstützen. Der schwedische sozialdemokratische Jugendvertand hat deshalb beschlossen, seine interesfierten Mitglieder zu einer gemein- somcn Fahrt nach Bodenbach, die stch dann auch nach Prag erstrecken soll, einzuladrn. DaS ist eine Unterstützung des Kampfes jener, die nun gerade jetzt am härtesten im Streit um die Frei- heit stehen. Für die Teilnehmer wird rS ein Erlebnis, in dir Mitte des europäischen selS versetzt zu werden. Die Fahrt lachenden Täler der Elbe, der Besuch Jan Husens, Tvcho de Brahes und Stadt, wird eine Erinnerung fürS Leben werden. Tagung der Internationale Brüssel.(Eigenbericht.) Die Beratungen der Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Internationale wurden Samstag vormittags itnt„Haus der sozialen Fürsorge" unter Beteili- i gung von Delegierten aus 19 Staaten und 22 Parteien eröffnet. Den Borsitz führte Genosse d e Brouckerr. In seiner Eröffnungsansprache gedachte dieser des verstorbenen Vorkämpfers der holländischen Sozialdemokratie Wibaut. Der Sekretär der Internationale, Genosse Fritz Adler, verlas ein Schreiben Leon Blums, welcher seine Abwesenheit mit den politischen Verhandlungen in Frankreich entschuldigt und sein Bedauern ausspricht, daß es ihm nicht möglich ist, sich persönlich von den in Brüssel anwesenden Delegierten verabschieden zu können, weil— wie er schreibt— er als aktiver Minister Frankreichs sich sehr lange nicht an den Beratungen der Internationale werde beteiligen können. Auch LargoCaballero entschuldigte sich schriftlich, weil die innenpolitische Situation in Spanien seine Anwesenheit oort erfordert. Daraufhin wurde die Diskussion über die allgemeine politische Situation und insbesondere die letzten außenpolitischen Ereignisse— Abessinien und die Gefahr des den» scheu und japanischen Imperialismus eingeleitet. Die Diskussion war sehr bemerkenswert und lebhaft. Die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei»st durch den Genossen I a k s ch, die tschechoslowakische Partei durch die Genossen Dr. Soukup und S1 i v i n vertreten. Starhemberss Rolle In Rom Berlin. Der im allgemeinen gutunteerich- tete römische Berichterstatter des-„Berliner Tageblattes" meldet: Die Anwesenheit StarhembergS in Rom scheint eine Bed.eutung zu haben, deren Tragweite nochnichtabzusehenist. Der bisherige Vizekanzler Oesterreichs wurde vormittag von Mussolini zu einer längeren Besprechung empfangen, an der sich weitere Unterredungen anschließen sollen. In den Nachmittagsstunden begab sich Starhemberg in den Senat, um der Verabschiedung der Gesetzesvorlage über die Errichtung des Kaiserreiches Aethiopien beizuwohnen, wobei er lange Beifall klatschte. Wenn auch die Lesart streng aufrechterhalten wird, daß sich Fürst Starhemberg für nichts anderes als für Fußball interessiert, so ist damit doch schwer die Tatsache in Einklang zu bringen, daß Starhemberg mit einem ganzen Stab hier eingetroffen ist, in dem sich u. a. Hauptmann Winkler und Prinz Croy befinden. Vielleicht kann auch bezweifelt werden, welchen Grad von Zufälligkeit die Ahi-- wesenheit einiget: leitender Persönlichkeiten 8er österreichischen Finanz und der österreichischen Industrie hat. Unter ihnen befindet sich auch der Leiter der Hirtenberg-crPatronen- f a b r i k.; « Wie«.'(Tsch P.-B.) Die Ländesfühxer- tagung des Heimatschutzes in Wien hat an den Bundesführer Starhemberg folgendes Telegramm gerichtet: «Die auf Deinen Befehl unter meinem Vorsitz versammelten Landesführer des österreichischen Heimatschutzes erklären im eigenen sowie im Namen aller Kameraden in u n e n tw e gt er G e- folgstreue und b e dingungslosem Gehorsam zu Dir zu stehen. Wir bleiben in eherner Disziplin einig und treu. Heil Starhemberg!" Unterzeichnet Baar. keine Lösung im Kapitalismus! London.(Tsch. P. B.) Der Vorsitzende des Arbeitslosenversicherungs-Ausschusses erklärte in einer Rede, daß England sich an den Gedanken gewöhnen müsse, daß dauernd 1.5 Millionen Menschen in diesem Lande beschäftigungslos sein werden. Voraussichtlich werde während der nächsten acht Jahre die Arbeitslosenziffer etwa um 16% Prozent liegen und danach geringer werden. kin Verdienst Lavals London. Das Reuter-Büro verzeichnet ein in Dschibuti umlaufendes Gerücht, wonach die Italiener den zuständigen französischen Stellen die Uebernahme der nach*Addis Abeba führenden Eisenbahnlinie sowie des Hafens Dschibuti ange- boten häben. Als Gegenleistung soll Frankreich anderweitig entschädigt werden. Demgegenüber wird in französischen Kreisen erklärt, daß Dschibuti aus strategischen- Gründen nicht aufgegeben werden könne. Allerdings gebe man zu, daß das «Handelsgeschäft des Hafens angesichts der Besetzung Abessiniens durch Italien einen t.ö d li ch e n Schl ä g erlitten habe. Mexiko.(Tsch. P.-B.) Der Austritt Guatemalas aus dem Völkerbund wird amtlich bestätigt. Er wird ersten- mit wirtschaftlichen Rücksichten und zweitens mit der geringen Anpassungsfähigkeit des Völkerbundes gegenüber amerikanischen Angelegenheiten begründet. Den Ausschlag dürfte jedoch das Scheitern der Bemühungen des Völkerbundes im italienisch-abessinischen Fall gegeben haben. Tokio. Der Staatshaushalt 1936/37 in der Höhe von 2.303,300.000 Millionen Den wurde heute vom Hinterhaus« mit 399 von 466 Ssimmcn angenommen. Cs handelt sich um den bisher höchsten Haushalt. Seite 4 Sonntag, 17. Mai 1936 Mr. 116 Jagesneuigkeiten Elend zur Jllustration In der Umgebung von Neudek gibt es einige Dörfer, kleine Nester, Einschichten mit halb oder ganz zerfallenen Hütten. Dort haust das Elend. mütet der Hunger schon seit Jahren. Und so viele Erkursionen von Presseleuten in dieses Gebiet auch stattfanden, und so viel man auch über das unjägliche Leid der Erzgebirgsbewohner geschrieben hat: es gibt keine Schilderung, die nicht von den tatsächlichen Verhältnissen noch übertroffen würde. Denn die Bewohner von Rothau- Neudek, Frühbuß und Sauersack gehören zu den Aermsten der Armen. In diese Gegend kommen oft die Bildreporter der Illustrierten und suchen nach dekorativen Hütten, nach Häuseln, durch die der Erzgebirgs. wind besonders weht, weil kein Fensterflügel, feine Tür, feine Schindel am Dach mehr heil ist Die Bewohner werden zwangslos vor die Hütte gruppiert, und dann wird geknipst.„ Bitte, recht erbärmlich!" braucht der Photograph in diesem Falle nicht zu sagen. Léon Blum verhandelt Genosse Léon Blum, der allgemein als das Haupt der kommenden Regierung angesehen wird, im Gespräch mit Abgeordneten während seiner legten Verhandlungen. Für eine solche Aufnahme bekommen die Leute 20 Kč, einen Betrag, der unter solchen Verhältnissen als kleiner Reichtum empfunden auf das Verhältnis des Rundfunks zu den Schulen| wurden Einzelheiten über den neuen niederlänwird. Den Bewohnern einiger solcher Hütten ist daraus so etwas wie eine kleine Einnahmsquelle entstanden, denn ihre Wohnstätte ist in der Tat eine Sehenswürdigkeit, und die Bildreporter kommen oft mehrmals im Monat. Durch die Bezirksnothilfe, eine private At Durch die Bezirksnothilfe, eine private At tion des Neudeker Bezirkshauptmannes Dottor Stramlik, soll nun durch Ausspeisung und Bekleidung von Bedürftigen der ärgsten Not wenigstens einigermaßen gesteuert werden. Zu diesem Zwecke ist bereits ein Betrag von 600.000 Kronen aufgebracht worden. Als der Bezirks hauptmann aber kürzlich darangehen wollte, die Bewohner einiger solcher Elendbehausungen in menschenwürdigeren Quartieren unterzubringen, geschah etwas merkwürdiges: die Bewohner wei. gerten sich, ihre deſolaten Hütten zu verlassen, und zwar mit der Begründung, daß sie unmöglich auf die Einnahmen verzichten könnten, die ihnen seitens der Bildreportage zuflössen... Nichts kann deutlicher das unbeschreibliche Elend dieser Leute illustrieren, als dieser Tat sachenbericht um ,, Illustrationen"!... im Randgebiet gelegt werden. Mordverfuch zweier Sechzehnjähriger. Der Autounternehmer Johann Zelinka aus Prag Břevnov erstattete Samstag vormittags auf dem Polizeikommissariate die Anzeige, daß er von zwei sechzehnjährigen Burschen, die vorgaben, einen Möbeltransport von ihm durchführen lassen zu wollen, in eine Wohnung in Smichov gelockt worden sei. Dort hätten ihn die Burschen mit vorgehaltenem Revolver am Leben bedroht. Es sei ihm gelungen, nach furzem Stampfe zu flüchten. Die Polizei hat die Nachforschungen nach den inzwischen geflüchteten Burschen aufgenommen. Fünf Stiche in die Brust. In der Nacht auf Samstag geriet der Gefreite des Sanitätsdienstes Josef Bodnar in Kaschau mit seinem Schwager Stefan Kananský in Wortwechſel, der später in Tätlichkeiten ausartete, wobei Bodnar seinem Schwager fünf Stiche in die Brust ver jeste. Ein Stich traf das Herz, so daß Kananity auf der Stelle tot zu Boden stürzte. Bodnar begab sich nach der Tat in das Divisionskrankenhaus, wo er sich verhaften ließ. Die Leiche Kananstys wurde in die Totenkammer überführt. Kananský war Vater zweier Kinder. Das Recht zu morden.( mb) Das Schwurs gericht in Heidelberg hat den SA- Mann Modery, der einen Mann erstochen hatte, weil er die SA beschimpft hatte, freigesprochen. Der Gerichtshof war der Ansicht, der SA- Mann habe dasselbe Recht, seine Uniform zu verteidigen" wie der Soldat. Brückeneinsturz. Auf der Strede Sarajevo- Brod in Bosnien brach eine Eisenbahnbrücke ein, als ein Güterzug über sie fuhr. Die Pfeiler der Brücke waren durch Hochwasser unterspült worden. Der Zug stürzte in den Fluß. Ein Streckenwärter wurde getötet, während das übrige Zugspersonal unverletzt blieb. Holzstraßen in der Slowakei. Die slowakische Gemeinde Deutsch- Lupča wird erstmalig einen durch das Gemeindegebiet führenden Straßenabschnitt mit Holzwürfeln aus dem eigenen Forstbejiz pflastern. Die Holzwürfel werden zuvor imprägniert. Falls sich dieser Versuch bewährt, sollen in der Slowakei weitere Holzstraßen gebaut werden. Die kühle Luft, die sich bereits während einiger Tage von Nordostrußland gegen Mitteleuropa ausbreitet, verursacht bei uns besonders tagsüber größere Bewölkung und stellenweise Schauer oder auch schwache Gewitter. Die allgemeine Luftdruckverteilung, durch welche diese nordöstliche Luftströmung bedingt ist, äußert sich bisher in feiner wesentlichen Aenderung des Wetters. Das Wetter wird sich daher auch nicht allzu sehr ändern. Wahrschein= liches Wetter von heute: Wechselnd bewölft, Neigung zu lokalen Schauern oder Gewit». tern, uniertags etwas fühler, Nordostwind. ahrscheinliches Wetter von Montag: Ohne wesentliche Aenderung. Vom Rundfunk dischen Fokker- Typ, 56" bekannt. Es handelt sich um einen viermotorigen freitragenden Mitteldecker, der sechs Mann Bejagung und 56 Passa giere 1000 Kilometer weit befördern lann. Die in den Flügeln untergebrachten Benzintanks faffen Pe 4000 Lifer. Die vier Motoren von je 1100 Empfehlenswertes aus den Programmen verleihen dem Flugzeug eine Höchstgeschwindigkeit von 355 Kilometer in der Stunde. " Montag rundfunk. 12.10 Schallplatten. 13.40 Aus ,, Madame So Prag: Sender 2.: 7.00 Morgenkonzert. 10.40 Die Majestic" ins alte Eisen. Das außer Dvorak: Slowakischer Tanz. 11.35 Deutscher SchulDienſt gestellte britische Schiff Majestic" Butterfly". 15.00 Orchesterkonzert. 17.40 Klavier( 56.000 Tonnen) wurde von einem Hütten- fongert. 18.10 Deutsche Sendung: Prof. Karell: Unternehmen getauft und wird verschrotet werden. Rodisfort- Gießbübl- Sauerbrunn, einſt und jetzt. Die Aufsichtsorgane gefangen gesetzt. Auf 18.45 Deutsche Presse. 21.35 Kammermusit. 22.20 Sender St.: 7.30 Saa der Grube in Pennaroy( Spanien) hielten Italienisch für Touriſten. Samstag etwa 500 Bergarbeiter fünf Inge Swoboda: Berühmte Komponisten und ihre Paronieure, barunter zwei Franzosen und sechs Wert bien. 14.50 Deutsche Presse. 18.10 Militärfonzert. führer als Geiſeln im Schachte zurück. Die Berg- Brünn: 13.30 Arbeitsmarkt und Coarbeiter erklärten, daß alle Zurückgehaltenen bis zialinformationen. 17.20 Bücherneuheiten. zur Erfüllung der Lohnforderungen der Berg- 17.40 Deutsche Sendung: Dr. Fies: lleber Seglinge, arbeiter im Schachte bleiben werden. Die Be Obrist: Was jede Hausfrau wissen soll. 19.35 Lieder hörden haben Schritte zur Befreiung der zurück- aus dem Süden. 21.10 Radioschrammeln. Preßburg: 17.15 Violinkonzert. 21.00 Opernarien, 22.45 Tanzmusik. gehaltenen Beamten unternommen. Kaschau: 11.35 Kammermusik. 12.05 „ Weiße Kultur." In Gordonsville Operngesänge. Mähr.- Ostrau: 16.10 Nachmit ( Virginia) flüchtete ein Neger wegen Ermordung tagsfonzert. 17.35 Liederkonzert. 18.10 Deutsche Unglück im Steinbruch. Freitag nachmit eines Scherifs, der ihn verhaften wollte, mit Sendung: Arbeiterfunt: Dr. Lederer: tags kam es in der der Gemeinde Roupov bei seiner Schwester in eine Hütte und verbarrika- 3ur Frage der Doppelberdiener, Přeštice gehörenden Steinbruch auf dem soge- dierte sich dort. Die Polizei rückte mit Maschinen- Klaviermusik. nannten Mankuv vršek zu einem Unglück. Um gewehren und Tränengasbomben gegen den Neger 15 Uhr ging an dem Steinbruch der 67 Jahre an, der jedoch sechs Stunden der Polizei und alte Dachdecker Andreas Morgenstein vorbei, dem einigen hundert bewaffneten Bürgern Widerstand es schien, daß der im Steinbruch arbeitende leistete. Erst als es gelang, die Hütte in Brand 36jährige Steinmezarbeiter Šašek nicht praktisch zu stecken, flüchtete zuerst die Schivester und kurz genug vorging, weshalb er zu ihm ging, um ihm darauf auch der Neger aus der Hütte ins Freie, Ratschläge zu geben. In diesem Moment löste sich wo sie sofort erschossen wurden. aber ein Stück Felsen, das auf die beiden Män- Während die Leichen in den Flammen verkohlMittelschulrundfunk ab nächstem Schuljahr. ner stürzte und sie verschüttete. Auf ihre Hilfe- ten, sahen die Belagerer dem Brande zu. Im Schulministerium finden Vorbereitungen für rufe eilten Feldarbeiter herbei, die einen Arzt La Guardia sagt ab.( mb) La Guardia, der die Einführung eines Mittelschulrundfunks im holten. Die Verlegungen der beiden Männer Bürgermeister von New York, hat in seiner Eigenkommenden Jahre statt. Die regelmäßige Abhal- waren so ernst, daß Morgenstein nach der Be- schaft als Präsident der amerikanischen Bürgertung von Sendungen für Mittelschulen ist haupt handlung verschied. Der Zustand Saseks, dem meisterkonferenz die Einladung zu dem am 7. Juni sächlich vom Radiojournal abhängig, d. h. davon, beide Beine gebrochen wurden, und der im Klat- in Berlin stattfindenden Kongrez des Internaob es imstande sein wird, ihn finanziell zu sichern. tauer Krankenhaus liegt, ist sehr ernst. Die Ur- tionalen Verbandes der Gemeindebehörden abgeeiner amtlichen lehnt. La Guardia erklärte, es sei parador, einen Zugleich soll auch die Frage der Einflußnahme sache des Unglücks wird von durch das Schulministerium auf den Rundfunk Kommission untersucht. derartigen Kongreß in einem Lande abzuhalten, überhaupt in fürzester Zeit einer Lösung zuge- Ein Flugzeug für 56 Passagiere. Das Ber- in dem die Selbstverwaltung der Gemeinden abführt werden. Ein besonderes Gewicht wird dabei liner Tagblatt" meldet aus Amsterdam: Soeben geschafft sei. Genoffin Hermine Wiener, Josefsthal, die Mutter unseres Klubsekretärs, Genossen Dr. Robert Wiener, ist Donnerstag, den 14. Mai, einem schweren Herzleiden erlegen. Sie war durch Jahre Leiterin des Genesungsheimes des Verbandes der Krankenkassen in Karlsbad und hat sich durch ihre Liebenswürdigkeit die Zuneigung aller erworben, welche in diesem Heime Genesung suchten. Die Bestattung ist für Montag um 15 Uhr im Fischerner Krematorium anberaumt. Hauptmann Schorsch Von Albert Daudistel 1 als daß Georg in der waldreichen Gegend seines Dorfes wie ein Wilddieb gehaust habe. " Dienstag Prag: Sender 2.: 10.05 Deutsche Presse. 10.10 Aus der Operette„ Rose Marie". 11.05 Deutscher Schulrundfunt. 12.10 Operngesange. 13.40 Aus " Carmen". 18.20 Deutsche Sendung: Aus dem Kuls turleben unserer Deutschen. 18.30 Křenek: Aus dem Reisetagebuch aus den österreichischen Alpen. 18.45 Deutsche Presse. 19.35 Uebertragung aus dem Nationaltheater: Brandenburger in Böhmen, Oper von Smetana.- Sender St.: 7.30 Schallplattenkonzert. 14.45 Deutsche Sendung: Braun: Dau mier und die politische Karikatur der Gegenwart. 14.30 Schallplatten. 18.45 Aus Brünn: 15.00 Jazzkonzert. 18.15 Operetten. Deutsche Sendung: Arbeiterfunt: Sos zialinformationen. Schmerda: Krieg in der Literatur, mit Rezitationen. 19.25 Rundfunkorchesterkonzert. Preßburg: 21.15 Mandolinenkonzert. Kaschau: 11.00 Schallplat tenkonzert. 16.10 Rundfunforchesterkonzert. 19.10 Solo auf einer Klarinette. geschossen • " Und da entlud sich mit einem Male die Verbitterung der Bauern. Sie schimpfSchwalenberg wohnte. Und sie wetterten in ihrem ten gegen den Gerichtsvollzieher, der drüben in Borne gegen das Dorf, indem sie bekräftigten, die Die Aufklärung über die beiden Hauptfra- es zu. Und da starrten aus dem schwarzen Grund gen, warum Georg wilderte und warum er den des Einbandes die bleichen Lettern„ Der Krieg." Bauern seines Nachbardorfes die Gänse, Hühner Und immer mehr und mehr rückten die Zei und Enten stahl, fehlte auch bei der Gendarmerie. ger der Wanduhr vor. Es sah aus, als deuteten Ich hatte den Auftrag, nach dem Dorfe Doch gerade durch diese beiden Lücken, die mir in fie, statt der Minuten und Stunden, den Druck dem Bericht auffielen, bemühte ich mich, zur Ein- der Zeit an. Die Türe öffnete sich. Ein alter Schwalenberger leisteten ihm Helfersdienste insoGlashuden zu fahren, das etwa vier Meilen jicht über ihn zu kommen. von dem Kurort Pyrmont entfernt Bauer kam herein und murmelte, indem er sich Verfügung stellten, damit er all das, was er in fern, als sie sich ihm mit Pferd und Wagen zur auf einer beackerten Anhöhe des Lippischen Hochwaldes Der Tag verdämmerte, als ich Glashuden zu mir setzte:' n Abend!" Der Wirt brachte ihm Glashuden pfändete, fortschaffen lassen könne; in liegt. Dort wollte ich den Pistolenschüssen nach erreichte. Auf den Wiesen geisterte der Nebel. Und Bier. Niemand sprach. die Misthaufen und Schornsteine rauchten. Eine Glashuden würde von Sonnenaufgang bis Songehen, denen der elfjährige Schulbube Georg Ein zweiter Bauer setzte sich hinzu, ein drit- nenuntergang gearbeitet, und wenn es ihnen troẞZimmermann zum Opfer fiel. Am Anfang dieser Schar Gänse, die vom Bache kam, watschelte Woche hatte ein Nachrichtenbüro über den Fall schnatternd vor mir her. Aus der Ferne ertönte ter, ein vierter, der fünfte nahm Platz, der sechste, dem nicht gelänge die vorgeschriebene Genüge zu des kleinen Georg eine Notiz verbreitet, die leicht das Geläute der Abendglocken. Vor dem Dunkel siebente, achte, neunte. Das Schweigen hörte sich leisten, wären nicht sie, sondern der harte Ackerder Hauseingänge standen barfüßige, vagabunden- unheimlich an. Die Uhr tickte lauter. Die Bauern boden dran schuld. Und ich hörte weiter, daß der zu übersehen war, und die weiter nichts bejagte, mäßig arm gekleidete Buben und schauten mich stierten vor sich hin, auf das Buch, und schnauften Bursche sich in der Dunkelheit in Schwalenberg befremdet an. Hinter mir brummte und brüllte wie ruhendes Vieh. Manchmal trank einer. Dann einschlich und in dem Moment durch den Schußz das Rindvieh, das sich auf den Weiden satt ge- tranten alle, aber einer nach dem anderen. Und verjagt worden war, als er ein Wiesel in einen Ich wunderte mich über den Auftrag, da ich fressen hatte und nun schwerfällig seinen Ställen manchmal sah ich, daß der eine oder der andere, Geflügelstall werfen wollte, damit er die Hälse so durch die Zeit zu der Meinung kam, es entgegentappte. Und oben im Hochwald schlich der ohne den Kopf zu bewegen, zu mir herlauerte. der Hühner und Enten jenes Bauern zerfleische, verlohne sich, seit es Krieg war, nicht mehr, über Schatten der aufkommenden Nacht... Ja, in der Ich fühlte, da wurde auf irgendetwas gewartet; der dem Gerichtsvollzieher gestern half, ein ge= vielleicht sagte ich mir Schüsse zu berichten. Außerdem dachte ich, die Stille, die sich bei der zunehmenden Dunkelheit auf mich, daß ich pfändetes Rind aus Glashuden wegzufahren. Und Menschen seien durch die mannigfaltigen unheil- immer mehr und mehr ausbreitete, schien das weggehe. Manche schlossen, während das Schweis da gewahrte ich, daß sich die Türe der Gaststube vollen Zustände, die aus dem Krieg erivuchsen, Dorf so friedlich, daß mich plötzlich das Gefühl gen anhielt, ihre Augen, jedoch nicht ganz, so daß ganz langsam öffnete; und durch den dunklen dem Nachfühlen so entfremdet worden, daß sie überkam, als sei der Fall, dem ich nachging, eine es schien, als beabsichtigten sie, von dem, was sie wie etwa die Wärter der Erdbebenwarten das übertriebene Sensationsmeldung oder gar ein dachten, nichts durchblicken zu lassen. Gerne hätte Am folgenden Tage entdeckte ich nach IanErschütternde einfach zur Kenntnis nahmen, ohne Schauermärchen. Um jedoch in Berührung mit den ich angefangen zu sprechen, noch nicht über. Gesich aufzuregen. Wäre der Fall des kleinen Georg Seelen des Dorfes zu gelangen, setzte ich mich, brg, sondern über die Schande, daß in Amerika gem Suchen, das mir besonders durch die Vereine Angelegenheit, die sich aus moralischer Ver- nachdem ich mir im Wirtshause ein Zimmer ge10.000 Liter frische Milch in einen Teich geschüt- schwiegenheit der Jungen erschwert wurde, im derbtheit heraus entwickelt hätte, so könnten all mietet hatte, in die Gaststube, und zwar an den tet wurden, weil der Transport in die Läden den Schulatlas des kleinen Georg, auf der Karte von diejenigen, die mir aus Neugierde zuhören, ein großen runden Tisch. Die Bläse waren noch leer. Geivinn geschmälert hätte. Ich schwieg darüber, Westdeutschland, zwischen dem Punkte Schwa wenden: ,, alte Sache!" Und die Gestrengen, die Auf dem Tisch lag im Scheine einer Petroleum- dachte an den kleinen Georg und griff, um das lenberg" und dem„ Pünktchen Glashuden". den= sich gegenüber den Verfehlungen des Mitmen- Hängelampe ein altes, angeschmuddeltes Buch, in Gefühl los zu werden, ich störe die Bauern, nach ſelben blauen Gedankenstrich, den ich in dem schen ernsthaft einreden, erhaben zu sein, könnten dem der Wirt gelesen hatte. Ich las auf Seite 70 dem Buche, blätterte und las dann: Die Erobe- Buche„ Der Krieg" auf das Kind einen Taugenichts und Strolch nennen. bis zu dem blauen Strich, den irgend ein Leser rung von Straßburg!... Und die Uhr tickte und Worte Tribut" vorfand. Und diese Spur verfolgte ich. Die Gründe aber, die Georg zu seinem Falle be- unter das Wort„ Tribut" gemacht hatte, und der wegten, liegen nicht auf dem Gebiet der Räuber- mir zu denken gab. Das Buch war aus dem Plötzlich fam ein Bursche hereingestürmt und romantik, sondern in der Geschichte unserer Zeit. Französischen ins Deutsche überscht. Ich tlappte meldete, ganz außer Atem: Geschossen! Er hat| tickte. " Spalt, in dem sie klaffte, lugten Buben herein. " " Seite 70 unter dem ( Fortschung folgt) Nr. 116 Sonntag, 17. Mai 1936 Seife 5 i. Fünfzig Jahre Johannesburg. Die Hauptstadt von Transvaal rüstet zur öS-Jahrfeier ihres Bestehens: sie ist im Juni 1886 als Goldsucherstadt gegründet worden. Ihr Gründer, George Walker, ritt einmal über das heutige Territorium der Stadt, das damals eine unbewohnte Steppe war. Sein Pferd zerschlug mit seinem Huf einen Stein, der Walker seltsam vorkam: er untersuchte ihn und fand einen Klumpen Gold. Dies war der erste Goldfund in Transvaal, und die Kunde davon lockte in wenigen Wochen Tausende von Goldsuchern an diese Stätte. Heute ist Johannesburg eine Stadt von über einer Million Einwohnern, darunter über 800.060 Weihen. Schon 1907 betrugen die Goldfunde 27 Millionen Pfund; im vorigen Jahre zahlten allein die beiden größten Gesellschaften 10 Millionen Pfund an Steuern. Das 80jährige Jubiläum stellt aber bereits den Höhepunkt der Entwicklung von Johannesburg dar. Auf Grund von Schätzungen enthalten die Goldminen in Johannesburg nur noch für rund 2 Milliarden Pfund Gold, die spätestens in weiteren SO Jahren abgebaut werden können. Tas 100jährige Jubiläum dürfte also eine sterbende Stadt vorfinden. Der größte Diamant der Welt wird zerschnitten. Lazar Kaplan, einer der bekanntesten belgischen Diamantenschleifer, bekam dieser Tage den Auftrag. den„Jonker", den gröhten Diamanten der Welt(726 Karat), in drei grohe Stücke zu schneiden, da der Diamant als Ganzes wegen seines ungeheueren Wertes unverkäuflich ist. Der Besitzer des Diamanten ist ein amerikanischer Banfier, der seit zwei Jahren vergeblich versucht, den Diamanten zu verkaufen. Die drei großen Stücke des Diamanten werden nun wiederum in je vier kleinere zerteilt, so dah zwölf Brillanten entstehen, aus denen ein Kollier angefertigt wird, deffen Wert ungefähr fünf Millionen Dollar betragen wird. In einem Interview erklärte Kaplan, diese Arbeit sei die schwerste und verantwortungsvollste seines Lebens gewesen. Er habe, um ruhige Nerven zu behalten, vor Beginn der Arbeit drei Tage Urlaub genommen und ununterbrochen geangelt, um eine ruhige Hand zu bekommen. Kaplan bekam für seine Arbeit 7000 Dollars. Eine internationale Jagd-Konferenz. Während die grohen politischen Konferenzen nur sehr schwer zustandekommen und die inneren Streitigkeiten ihre Arbeiten meist zu Mißerfolg verurteilen, muß mit Freude festgestellt werden, daß zur Zeit in Paris «ine internafionale Konferenz zusammengetreten ist, zu der Deutschland, Belgien, Frankreich, Luxemburg und die Schweiz die besten Fachleute entsandt haben. Die Verhandlungen finden, wie das amtliche Kommunique mitteilt,„im Geiste einer allgemeinen Verständigung" statt. Allerdings ist das Thema dieser Konferenz der Jagd gewidmet, die Abgeordneten sind Jäger, und die Verständigung betrifft (leider ausschließlich) die Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen zwischen den Jägern der verschiedenen beteiligen Nationen. Ob auch eine Verständigung mit dem zu jagenden Wild beabsichtigt wird, wird leider nicht bekanntgegeben. Neue ScheidungSgrsetzgrsnng in Rußland. Die Zeitung„Trud"(Die Arbeit) veröffentlicht ungewöhnlich interessante und sehr bezeichnende Einzelheiten über daS in Vorbereitung befindliche neue Eherecht. Die Scheidung wird grundsätzlich erschwert werden- Sie wird nur dann gewährt, wenn die Sorge für die Nachkommen vollkommen fichergestellt ist. Auherdem wird für jede Scheidung «ine sehr hohe Gebühr eingeführt werden. Da diese Gebühr sich bei jeder weiteren Scheidung ganz außerordentlich erhöht, ist sie sozusagen als Kaution gegen ScheidungSrückfälle anzusehen. Ganz besonder- wird der Schutz der Mutterschaft ausgebaut werden. Es fällt besonders die Schärfe auf, mit der sich der Artikel gegen Abtreibungen wendet. ES heißt wörtlich:„In einem Land de- sozialistischen Aufbaues sind Abtreibungen unzuläsiig. Sie können nur in bürgerlichen Ländern geduldet werden, die nicht wissen,. wohin sie mit dem Renschenmaterial sollen. Wir brauchen Menschen, ja, sie fehlen uns." Zusammenstoß in den Lüfte«. Unweit Mar» saille sind Samstag, um die Mittagsstunde in etwa 800 Meter Höhe zwei Flugzeuge zusammengestoßen. Ein Pilot fand den Tod, einer konnte sich mit dem Fallschirm retten. Skoda POPULÄR ein rascher Sportwagen, macht Sie zum Herrn der Straßen. Seine Geschwindigkeit ist hervorragend, sein geringer Verbrauch verblüffend, seine elegante Linie bezwingend. ASAP? Werk Mlada Bolesl^v Wie Goebbels in Budapest FuO taute (AP.) In Budapest wurde schon lange davon gesprochen, daß die Zeitung„U Magyarsag" von Deutschland materielle Unterstützung erhält. Der Exponent dieses Kreises im Parlament ist der Ab-, geordnete Franz Rajniß. bekanntlich hat por einigen Tagen der sozialdemokratische Abgeordnete Petzer darauf angespielt und die Vorlegung von- Beweismitteln angekündigt. Rajnitz antwortete darauf mit Grobheiten, und es kam zu einem stürmischen Austritt im Parlament, auf Grund dessen-war keine Maßnahmen gegen Rajniß ergriffen, aber Peyer von dreißig Sitzungen ausgeschlossen und die sozialdemokratischen Abgeordneten Györkh, Propper und Ester« galyos mit Geldstrafen belegt wurden. In der nächsten Sitzung gab Györky ein schriftliches Beweisstück bekannt, daß Deutschland unentgeltlich Rotationspapier für die genannte Zeitung liefere und außerdem Bargeld hergebe. Weitere Beweise, wird die Sozialdeuwkratische Partei Ungarns sukzessive vorlegen. Es wurde weiter feftgestellt, daß die Auflage nur 2200 Exemplare beträgt, daß aber seitens der Verwaltung und Redaktion ein ungeheurer Aufwand getrieben wird, der natürlich nur-mit Hilfe ausländischer Gelder bestritten werden kann. Die So- zialdemokrafische Partei verlangt die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission und ist bereit, dieser alle Beweise vorzülegen. Rajniß und sein« Gruppe streiten weiterhin alles hartnäckig ab. Um so interessanter ist«in Brief, den Rajniß und sein Kollege Barasits in der Angelegenheit der Finanzierung des Blatte-— unter Berufung auf den Besuch eines Dr. Wolf vom Deutschen Nachrichtenbüro in Budapest— an das Propagandaministerium gerichtet haben und der im Wortlaut vorliegt. Darin heißt es u. a., die ungarische Presse sei zu 90 Prozent in jüdischen oder dem Judentum freundlich gesinnten liberalistischen Händen. Das gelte nicht nur hinsichtlich der Tagespreise, sondern auch für die sich mit handelspolitischen und wirtschaftlichen Problemen befassenden Presseorgane, wie auch für alle illustrierten Blätter. Das'einzige in deutscher Sprache erscheinende Tagblatt, der „Pester Lloyd", sei gänzlich verjadet. Wenn dort auch Nichtjuden zu Worte" kämen, so seien e? nur „RenommiergojS". Trotz der Bemühungen der Göm- bös-Regierung(l) sei es-bis heute nicht gelungen, in diese Hegemonie der Judenschaft eine Bresche zu schlagen. Diese Presse kämpfe nicht nur auf innerpolifischen Gebiete gegen zeitgemäße Reformen, sie'greife auch jene Staaten an, in denen der liberale Gedanke aufgehürt habe, seinen Einfluß au-zuüben. Insbesondere werde Deutschland angefeindet. Unrichtige und erlogene Nachrichten würden durch sie Vie kezierung Blum und die Kolonien Der bekannte sozialistische Außenpolitiker, Jean L o n g u e t, stellvertretender Vorsitzender des auswärtigen Ausschusses der französischen Kammer, wendet sich in einem Aufsatz im„Po- pulaire" gegen die Politik der Regierung Sar- raut gegenüber Syrien. Während der Tagung des Nationalrates der so z i a- listischen Partei erschien am Tagungsort eine Delegation aller syrischen Parteien, die dem Nationalrat die Glückwünsche deSsyrischenVolkeS überbrachte. Diese Delegation ist bis jetzt, wie Lon- guet berichtet, von der Regierung Sarraut nicht empfangen worden. Besonders heftig wendet sich Longuet gegen den Hohen Kommiffär in Syrien, de M a r t e l, der an allen gegenwärtigen Wirren schuldig sein soll. Longuet schließt seinen Artikel, der in der gegenwärtigen Lage für die Entwicklung der Lage im Mittelorient eine hochpoli- ttsche Bedeutung hat, mit den Worten: Die Versprechen, die man der syrischen Nation gemacht hatte und die sich auf ihre Unabhängigkeit und ihre nationale Einigung(es handelt dem ungarischen Publikum vorgesetzt. Der moräli-‘ sche und materielle Schaden, der dadurch dem Dritten Reiche zugefügt werde, sei kaum zu schätzen. Deshalb wollten dft beiden Unterzeichneten ein volkswirtschaftliches. Presseorgan schaffen, daß sich zur Aufgabe setze, für den Ausbau der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen beider Länder zu kämpfen. Trotz des Paktes von Rom würden 81 Prozent des ungarischen Außenhandels mit dem Reich abgewickelt. Da das Bethlen-Regime ein treuer Diener der Finanzmagnaten gewesen sei, habe die deutsche Industrie in. Ungarn nicht da- Absatzgebiet finden können, wie es dem ungarischen Export nach dem Reich entspreche. Ein gut organisierter Nachrichtendienst würde die Ziffern des gegenseitigen Handelsverkehrs bedeutend erhöhen. Auch im.Rahmen der Kompensationsgeschäfte ließen sich viel bedeutendere Umsätze erreichen, wenn sich die ungarischen Exporteure infolge der tendenziösen Nachrichten über das Dritte Reich nicht Zurückhaltung aufetlegten. Das zu gründende Presseorgan wolle man mit der moralischen, Unterstützung der deutschen Regierung auf- rechterhalten. Die Spesen würden natürlich bedeutend, sein. Aber bis jetzt flössen, die für die'Jn- serierung bestimmten Gelder deutscher Firmen in Ungarn fast ausschließlich in die Taschen von„Erzjuden". ES sei tragisch zu nennen, daß Krupp, Sie- menS-Schuckert, die I. G. Farben etc. ihre Inserate durch Juden an jüdische Blätter vergeben müßten, während nachher jüdische Journalisten, die deutsches Geld in die Tasche steckten, dafür d^S Dritte Reich angriffen. Das gelte nicht nur vom„Üjsag", „Magyar Hirlap",„Az Est",„Pesti Naplo",„Magyar szag",„Pesti Hirlap" und„8 Orai U j s a g", sondern auch von dem „Magyarsag"(nicht zu verwechseln mit„Uj Magyarsag), der sich als christliches Blatt auffpiele, aber der Mischen Annoncenexpedition Blockner total verschuldet sei. Es wurde daher vorgeschlagen, die deutschen Inserate durch das im Zusammenhang mit dem genannten Blatt zu organisierende Annoncenbüro an die ungarischen Blätter gelangen zu lassen. Die Provisionsgewinne würden zur Deckung der Berlägsspesen genügen und könnten teilweise auch für Propagandazwecke verwandt werden. Die für Inserate verausgabten deutschen Gelder betrügen 500,000 RM., der Verdienst der Annoncenbüros 100.000 RM. Der deutschen Regierung würde das Recht eingerämnt, die Geschäftsgebarung der zu gründenden Gesellschaft zu überprüfen. DaS Ziel sei die Vernichtung der Wühlarbeit liberal-jüdischer Blätter gegen den HitleriSmus. sich um die Aufhebung der besonderen französischen Verwaltung für Syrien und Libanon. Anm. d. Rd.) bezogen, seien, nicht erfüllt worden... Aber die fatalistische Partei habe seit langem ihren Willen kundgegeben» dem syrischen Volke Gerechtigkeit zuteil werden zu lasten. Und dieses Versprechen werde eingehalten werden.— Die Konstituierung Syriens als eines selbst- ständigen St a a t e s, der zu Frankreich etwa in dem Verhältnis stünde, wie Irak zu England, liegt also durchaus im Bereich der Möglichkeit. Das würde aber der pan-arabischen Bewegung einen neuen gewaltigen Impuls geben und auch die britische. Po- litik im Mittelorient vor neue Aufgaben stellen. Ein Jugendkongreß in Genf. Für die Teilnahme an dem vom 1. bis 7. September 1936 in Genf stattfindenden Weltjugendkongreß haben eine Reihe von sudetendeutschen Jugendverbänden der verschiedenen weltanschaulichen Richtungen bereits reges Interesse bekundet. Ueber Anregung der deutschen Völkerbundliga hat sich am 14. Mai in Prag der vorbereitende Ausschuß konstituiert, der die Vorbereitung im Einvernehmen mit der Deutschen Völkerbundliga durchführen wird. Oie Vereidigung de» neuen spanischen Präsidenten In Madrid fand die feierlich« Vereidigung des neugewählten Präsidenten der spanischen Republik, A z a n a, statt. Unser Bild zeigt den Wagen des Präsidenten, von einer Kavallerieeskorte begleitet, auf dem Wege durch die von großen Menschenmengen umsäumten Straßen zur Deputiertenkammer, wo die feierliche Vereidigung erfolgt. §KODA, RA PID Bescheiden im Verbrauch, kommt an Geschwindigkeit und Bequemlichkeit den großen Wagen gleich. Überzeugen Sie sich I ASAP- Werk Mlada Boleslav Volkswirtschaft und Sozialpolitik Zum Gesetz über Zahnhellkunde und Zahntechnik Eine Erklärung des Gesundheitsministerium» Die Kundgebungen der ärztlichen Organisationen gegen die Durchführung des 8 9, Absatz 4 des Gesetzes über die Zahnheiftunde und Zahntechnik sind zum Abschluß gelangt. Damit scheint der Zeitpunkt gekommen, daß auch da- Gesundheitsministerium in dieser Sache das Wort ergreift und folgender feststellt: a) 8 0, Absatz 4 des Gesetzes vom 11. Juli 1934, Zahl 171 Slg. d. G. u. B. lautet: „Durch Regierungsverordnung können die besonderen Bedingungen festgesetzt werden, unter denen in rücksichtswürdigen Fällen die Berechtigung zum selbständigen Betriebe der Zahntechnik Personen erteilt werden kann, di« nach dem 6. Mai 1920 in die Lehre für das Zahntechnikergewerbe getreten sind." b) Dem Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen und körperliche Erziehung ist es erst Ende März gelungen, den vollen Wortlaut des angeblichen „Referenten-Entwurfes" kennenzulernen, der den Anlaß zünden Kundgebungen der ärztlichen Organisationen gegeben hat. e) Den AerzteorgäNisäfionen war'schön aus dem 8 4 dieses„Referenten-Entwurfes" bekannt, daß zur Herausgab« der Regierungsverordnung nicht das Gesundheitsministerium, sondern daS Handelsministerium als das für das Zahntechnikergewerbe zuständige Restart kompetent ist und daß das Gesundheitsministerium in diesem Falle lediglich als mitbeteiligtes Ressort in Betracht kommt. d) Es besteht im Ministerium kein Akt, durch den der Minister irgendeinen„Referenten-Antrag" genehmigt hätte, und daher existiert auch kein„Referenten-Antrag", welcher als„Antrag des Ministeriums" angesehen werden könnte. «) Das Gesundheitsministerium hat bis zum heutigen Tage keinen„Referenten-Antrag" ins interministerielle Verfahren geleitet. Das Gesundheitsministerium hat, um— schon im Hinblick auf die Urgenzen aus parlamentarischen Kreisen— für die Verhandlung de- Gegenstandes mit den zuständigen Ministern und mit allen Jnter- effenten, zu denen selbstverständlich auch die Aerzt« gehören, parat zu sein, die notwendigen vorbereitenden Arbeiten eingeleftet. Da aber schön, die ersten Versuche zur Erzielung eines Einvernehmens mit den Zahntechnikerorganisationen ergebnislos blieben, überließ das Gesundheit-Ministerium alles weitere dem zuständigen Ministerium und hat sich mit dieser Sache schon seit dem 11. Jänner d.- I. nicht weiter befaßt, während die Kundgebungen der Aetzteorga- nisationen erst im Monat März einberufen wurde». Dies wird deswegen festgelegt, um von vornherein der Behauptung zu begegnen, als hätte da- Mni- sterium nur unter dem Druck der öffentlichen Einspruchskundgebungen, die es an dieser Stelle lieber übergeht, von den weiteren VorbereiwngSarbeiten Abstand genommen. Diese Feststellungen genügen zur Klärung der Sachlage. Frankreich plant Erhöhung des Hopfenzolles. Beim französischen Landwirtschaftsministerium wurde ein Antrag auf Erhöhung des Hopfenzolles cingebracht, über den in nächster Zeft entschieden werden wird. Gegen den Antrag stellt sich die Brauindustrie, welche davon ausgeht, daß zur Herstellung gewisser Biersorten unbedingt ausländische Hopfenarten notwendig sind. Unser Hopfenexport ist am französischen Absatz stark interessiert, zumal Frankreich mit 26.8 Millionen KL 1936 unser zweitbester Kunde war. Im heurigen Jahre haben sich die Bezüge Frankreichs im ersten Quartal auf 5 Millionen KL gegen fast 7 Millionen KL im gleichen Borjahrsviertel gesenkt. Besonders stark war der Rückgang in den ersten zwei Monaten 1936(von 6.5 auf 3.7 Millionen KL), während im März d. I. im Vergleich zum Borjahresmärz eine kräftige Belebung von 380.000 auf 1.3 Millionen KL eintrat. (Seite 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 17. Mai 1836. Rr. 116 D-ager fettung Gefecht mit Schwarzfischera auf, der Moldau. In der Nacht auf gestern meldeten Fischmeister, die auf der Moldau Menst taten, daß sie eben in der Nähe des Ljebener Hafens Fischdiebe bemerkt hätten, die mit dem Hamen fischten. Auf die Aufforderung, zum Kahn der Auffichtsorgane zu fahren und sich zu legitimieren, antworteten die Schwarzfischer mit einer Salve aus ihren Revolvern. Daraufhin gaben die Wächter ebenfalls Feuer, worauf die Diebe die Flucht ergriffen und auf dem rechten Moldauufer in . der Richtung nach Lieben verschwanden. Ihren Kahn, Fischgerät und einen Sack mit Fischen ließen sie am Ufer zurück. Die Nachforschungen wurden eingeleitet. Pelzdiebe verhaftet. Wie seinerzeit gemeldet, wurde in der Nacht auf den 11. Mai beim Kürschner Traxl in Prag-Weinberge ein Einbruch verübt, bei dem Pelze im Werte von 9000 Kö abhanden kamen. Gestern gelang es der Polizei in Kladno, zwei Männer dabei zu ertappen, wie sie einige der gestohlenen Pelze verkauften; die beiden wurden sofort verhaftet und die Prager Polizei verständigt. Den Verhafteten — dem 24jährigen Selchergehilfen Josef Valdman und dem 36jährigen Bäcker Franz Bandas, beide aus Zähehlitz, konnte der Diebstahl nachgewiesen werden. Ein Teil der gestohlenen Pelze wurde wiedergefunden. Siebzehner, alias Ackermann. Wie vor einigen Tagen geweidet, hatte in der Nacht auf den 5. Mai eine internationale Diebsbande, bestehend aus den polnischen Staatsangehörigen Abraham Adler aus Kiew, Herczak Kalenstein und dem angeblichen 38jährigen David Ackermann einen Diebstahl in der Wohnung des E. Schwarz in Holleschowitz begangen, wo fie Perserteppiche entwendete. Im Lause der Untersuchung wurde den Verhafteten jedoch noch eine Reihe weiterer Wohnungsdiebstähle nachgewiesen, darunter zwei größere in Prag II. und Prag HI., bei welch letzterem ein Schaden von über 3000 Kö angerichtet wurde. Ferner wurde festgestellt, daß der angebliche Ackermann eigentlich mit einem bekannten internationalen Gauner, dem 27jährigen Götze Siebzehner aus Russisch-Polen, identisch ist. Testen Frau, die 26jährige Dian Siebzehner. wurde mitverhaftet; ebenso zwei andere Personen, deren Mittäterschaft geprüft wird. Urte» im„Vldu'-prorek Prag. Früher als erwartet, wurde gestern der Prozeß gegen die beiden Inhaber der Firma„Wibu" abgeschlossen. In der Mittagsstunde verkündete der Senatvorsitzende GR. Dr. I l l n e r das Urteil, durch welches Siegfried Skapowker des mehrfachen Verbrechens des Betruges schuldig erkannt und zu. eineinhalb Jahren schweren und verschärften Kerkers verurteilt wurde. Gleichzeitig wurde die Austuei- s u n g deS Verurteilten aus dem Staatsgebiet ausgesprochen. Diese verhältnismäßig gelinde Strafe ist darauf zurückzuführen, daß in einer Reihe von Anklagepunkten der Tatbestand des Betruges im Sinne unseres überalterten Strafgesetzes nicht nachgewiesen werden könnte. Mit der verhängten Strafe war Herr Skapowker als alterfahrener Kriminalbruder im ganzen zufrieden, aber der A u s wei- s u n g s b e s ch e i d ging ihm ersichtlich sehr auf die Nerven. Der mitangeklagte Apotheker Wilhelm B u i s s o n wurde von der Mitschuld am Verbrechen des Betruges freigesprochen, da das Gericht nicht zu der Ueberzeugung kam, daß er von den verbrecherischen Machinationen seines Kompagnons Kenntnis gehabt habe. Diesen Eindruck mutzte auch jeder haben, der dem Beweisverfahren beiwohnte. Buisson war eben nur eine Puppe in den Händen eines ausgepichten Gauners. Dagegen wurde im Sinne der vorliegenden Gutachten Magister Buisson des Vergehens der Leben smittelb er- falschung schuldig erkannt und zu zwei Monaten strengen Arre st es verurteilt. Die Strafe wurde bedingt ausgesprochen. Die Ausweisung wurde nicht verhängt. rb. Kunst tutd Wl&sift Die Zukunft des Theaters Der am Freitag in der Stadtbücheroi vom Zentralverband der tschechischen Studentenschaft und vom Klub der tschechischen und deutschen Bühnenangehöri- gen veranstaltete Diskussionsabend über die Ziele des tschechisch-deutschen Bühnenklubs wurde ein Diskussionsabend über das Theater und seine Zukunft. Datz der Besuch nicht ganz den Erwartungen der Veranstalter entsprach, mag als unerfreuliches Zeichen zu werten sein,— um so erfreulicher aber war der Geist, in dessen Zeichen die Diskussion stand: denn sie setzte die kulturelle Verständigung, ja die kulturelle Gemeinsamkeit der Tschechen und Deutschen wie selbstverständlich voraus, sie wertete das Theater von vornherein als Kulturfaktor und sprach von einer Jugend und im Namen einer Jugend, die auf geistigem Gebiete noch Aufgaben sieht. Daß vom Standpunkt dieser Jugend das heutige Theater schärfste Kritik fand, konnte niemanden überraschen, und es gab über diesen Punkt auch keinen grundsätzlichen Streit, da die tschechischen und deutschen Sprecher des Bühnenklubs sich nicht als Verteidiger des gegenwärtigen Theaters, sondern als Rufer für ein neues, beffereS Theater vorstellten. Regiffeur Salzer wies besonders auf die Mängel des tschechoslowakischen Theaters hin, das über starke künstlerische Persönlichkeiten verfüge, aber in nationaler Enge und programmatischer Rückständigkeit erstarre, fern davon, ein"Spiegel der Zeit, und nicht einmal imstande, ein Spiegel der Gegenwartskultur zu sein. Vom Standpunkte des dramatischen Autors sprach Edmond Konrad: der Autor ist heute vereinsamt, weil ihm der Auftrag und der Widerhall des Publikums fehlt, und er ist überdies unfrei, weil ihn versteckte und offene Zensur bedroht. Die Erneuerung des Theaters setze eine Organisation deS Publikums voraus, bei der die Jugend eine entscheidende Rolle spielen müsse. Denn es sei ein neues Publikum notwendig, nicht die ungebildeten Besitzenden, die heute das Gesicht des Theaters bestimmen, sondern die „gebildeten und ungebildeten Armen", vor allem also die Studenten und die Arbeiter. Die Tschechoslowakei sei heute von den chinesischen Mauern der Geistesknechtung in den Nachbarländern umgeben und zur Zufluchtsstätte der Kultur geworden: um so größer und notwendiger sei die Aufgabe, die kulturellen Werte hier zur Entfaltung und zur Geltung zu bringen. ■ Alle von den Vorrednern aufgestellten Forderungen wurden in der deutschen Rede Walter T a u b s noch einmal— und noch um einen Ton schärfer— vorgebracht. Taub erklärte es als Ziel deS tschechisch-deutschen Dühnenklubs, eine BolkS- bühnenbewegung anzuregen, er sprach dem Theater in seiner gegenwärtigen Gestalt— als eines Amü- siertheaters für Börseaner— die Existenzberechtigung mit'einer Pfntschiedenheit ab, die einzelne Diskussionsredner nachher als„Pessimismus", bezeichneten, aber'er bekannte sich als Optimist hinsichtlich einer Erneuerung des Theaters, für die es noch nicht zu spät, aber auch nicht zu früh sei. Er fand, wie alle Redner des Abends, auch mit seinem Bekenntnis zur tschechisch-deutschen Zusammenarbeit im Geiste der Demokratie den einmütigen Beifall der Versammelten. kngllsche Graphik und Aquarelle Der Ausstellung französischer Zeichnungen im Kabinett Feitzl schließt sich nun eine ebenso sehenswerte Ausstellung„200 Jahre englischer Graphik und Aquarellmalerei", im Repräsentationshaus an. Die Ausstellung bietet einen ungemein reichen Ueberblick; 254 Künstler sind durch 444 Blätter vertreten. Gainsborough und in der Produktion seiner Gemälde von der Hand erstrangiger Stecher auch Reynolds, die Nachfahren Van Dycks und Repräsentanten der Epoche des„englischen Rokoko", eröffnen den Reigen. R o m n e y und John Höppner, durch reizvolle Blätter vertreten, reihen sich ihnen an. Mit ihnen beginnt zugleich die Blütezeit der englischen Graphik, des Kupferstiches und der ihm verwandten Techniken. Besonders die Schabkunst, diese Technik, die aus der gekörnten Kupferplatte die zartesten Lichter, die Weichheit und fKstene Tikfe'ähnlich^ier Lithographie hetäuszu- holen weiß, hat nirgends eine solche Vervollkommnung erfahren wie in England. Die Blätter von Cheesman. Charles Turner. I. R. Smith. W. Walker, sind schöne Beispiele für die Zartheit, ja Zärtlichkeit, mit der diese Meister ihre Damenbildnisse behandelten. Auch eine andere englische Spezialität, die farbigen, in Kupfer gestochenen Jagdszenen, ist durch charakteristische Blätter vertte- ten. Den Meistern des 18. Jahrhunderts reihen sich ganze Generationen hervorragender Graphiker und Zeichner an. C o t m a n, James Ward. Sir David 48ilkie, der Punchzeichner Seent, William Strang, Short. Frank Brangwyn, dessen großer. 14 Blatt umfassender„Kreuzweg" hier ausgestellt ist. Die.Gruppe, der Praraffaelisten ist mit Burne-Jones, D. G. Rossetti, Sir John Everett Millais, Ford Mador Brown. W. H. Hunt so gut wie vollzählig beisammen. Von ihnen führt die Linie zu Walter Crane und Aubrey Beardsley, dessen dekorativ stilisierte Schwarz- Weiß-Impressionen sich in drei Zeichnungen darbieten. Es ist schwer für die Graphiker der Gegenwart, neben dieser Parade der Meister zu bestehen; was an moderner englischer Graphik hier ausgestellt ist. wixd im Gesamteindruck von den Vorläufern übertroffen. Den Graphikern ebenbürttg sind die Aquarellisten. England ist ja das klassische Land der Aquarellmalerei. Dem entsprach auch die Vollkommenheit des Materials; englische Aquarellfarben und Aquarellpapiere galten lange Zeit als unübertrefflich. Es gibt geradezu englische Klassiker dieser Technik, und in der Jenny Ingo kn„Mädchenjahre einer Königin" Ausstellung find fie durch hervorragend schöne Blätter vertreten: Edward Dayes, die beiden Cozens, Thomas Girtin. Peter de Wint. R. P. Boni ng ton. Charles Holmes, W. I. Muller und vor allem William Turner, von dem hier nur ein Aquarell, aber eines der wundervollsten zu sehen ist. Es ist eine ganze Meistergalerie englischer Aquarellisten vereinigt. Es ist intime Kunst, die Blatt für Blatt genossen sein will. Die Ausstellung bietet eine seltene und einmalige Gelegenheit, englische Graphik und Aquarelle zweier Jahrhunderte in so rlesener Vielfalt beisammen zu sehen.-. Id. Bon der Deutschen Musik-Akademie. Reger-Feier (erster Abend) unter Mitwirkung der Professoren E. Brömse, Kalix, Franz Langer und Tchweyda, Samstag, den 23. d. im Mozarteum. Karten im Sekretariat. Bladislavovä 23.—- Dienstag, den 19. d. M.. 20 Uhr. geistliche Abendmusik in der Malteserkirche. Werke von Pachelbel. Böhm, Bruns. Scheidt, Buxtehude. Bach und Händel. Wochenfpielplan des Neuen Deutschen Theaters. Sonntag 234: Un entschuldigte Stunde, 734: Glück mußman haben. DI.— Montag 7%: DieFledermaus. volkstümliche Vorstellung. Abonnement aufgehoben. — Dienstag 734: Der Pariser Zug. A 2.— Mittwoch 734: Fra Diavolo, B 1.— Donnerstag 734: Glück muß manhaben, C 2. — Freitag 734: Der Pariser Zug, D 2.— Samstag 734: Fra Diavolo, A 1.— Sonntag 734: Madame Dubarry, B 2. Wachenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag 8: Mensch en auf der Eisscholle, Bankbeamte I und freier Verkauf.— Dienstag 8: Menschen auf dtr Eisscholle.— Mittwoch 8: Salzburg ausverkauft.— Donnerstag 8: Menschen auf der Eisscholle.— Freitag 8: Ein Volksfeind, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: Salzburg ausverkauft-— Sonntag 3: Menschen aus der Eisscholle, 8: Salzburg ausverkauft. Dorträge Weltpolititche Spannungen Ein instruktiver Vortrag des Genossen Dr. Gregor Bienstock in Prag Vor einer zahlreichen Zuhörerschaft Prager Genossinnen und Genossen hielt Genosse Dr. Gregor B i e n st o ck, der bekannte weltpolittsche Publizist, Freitag, den 15. Mai, im Saale des Handwerkervereins in Prag einen Vorttag, der Skoda POPULÄR erspart Zeit und Geld, bietet Bequemlichkeit und Sicher« heit, ist praktisch und elegant, verschönert das Leben, Der Dtm Der Königstiger. Man nehme Zirkusmilieu, einen Ueberseedampfer, einen Millionär, dem Diamanten gestohlen werden(die natürlich nicht echt find), Mondscheinnacht am Meer, ausbrechende Tiger am Schiff und man hat alles, was einen sensationellen Film nach unfehlbarem Rezept ausmachi. To meinen wenigstens die reichsdeutschen Kameraleute. In diesem Film wird ganz dick aufzetragen: Eine Frau im Tigerkäfig, brüllende Bestten auf dem Kostümfest eines Ozeandampfers, ein schwer verletzter Dompteur. Einbrecher/an Bord, der Lotteriegewinn eines Zirkusgirls— alle hundert Nieter ein Kolpor» tageroman- Sollte jemand unzufrieden sein? Auch wenn man ganz filmgläubig und harmloser Zerstreuung willig hingegeben ist, bleibt man bei diesem Film unbefriedigt. Der Film ist schlcuderhatt photographiert. Die Hauptdarsteller, Iwan Petrowitsch und Charlotte Susa, sind farblos und Schatten längst vergangener Pracht. Gute Typen zeichnen Junker« ! mann, Hans Richter und Elsa Elfter. Im ganzen ein Unterhaltungsfilm auf recht niedrigem Niveau, jk. außerordentlich instruktiv war und die Anwesenden von Anfang bis zu Ende fesselte. In dem kurzen Auszug ist es naturgemäß ganz unmöglich, den reichen Inhalt der Ausführungen des Vortragenden wiederzugeben. Bienstock sagte u. a.: Die europäischen Spannungen kommen aus zwei Zentren: Rom und Berlin. Es ist ungemein bedeutsam,-daß Italien nunmehr in die Welt- politik eingreift. Das ist möglich geworden, weil Italien zu einem Industriestaat geworden, ist und seine Wehrmacht, insbesondere seine Luftflotte, stark ausgebaut hat. Der Vorstoß Italiens geht nach drei Richtungen: nach dem Norden, nach dem Mittelmeer und nach Afrika. Noch gefährlicher ist Deutschlands Außenpolitik, weil Deutschland eine stärkere industrielle Grundlage hat. Hitlers Politik zielt nach dem Osten und Südosten, während er sich im Westen defensiv verhalte^ will. Dieser deutsche Vorstoß nach dem Osten wäre nur möglich bei wohlwollender britischer Neutralität. Das ist aber unwahrscheinlich, weil ein deutscher Vorstoß nach dem Osten ein Eingriff in die britische Machtsphäre wäre- Die englische Außenpolitik ist defensiv, fie verteidigt den Bestand des brittschen Reichs, die. vor allem rund um den Indischen Ozean in Afrika, Asien und Australien Legt. England läßt nicht zu, daß dort eine andere Macht Fuß faßt. Deswegen die gegenwärtige Unruhe tn England, weil der Sieg Italiens in Abessinien einen Einbruch in.das britische Weltteich bedeutet. Dieses um den Indischen Ozean gelegene britische Imperium ist auch von Japan bedroht und das bringt England den Bereinigten Staaten von Nordamerika nahe, die ebenfalls einen Angriff Japans befürchten. Die japanische Expansion bedroht aber auch die Sowjetunion und damit rechnet Deutschland. Ein solcher Zweifrontenkrieg wäre eine gewaltige Gefahr für die Sowjetunion. Aber der Krieg-wischen Rußland und Japan muß nicht unbedingt kommen, es ist auch möglich, daß sich Tokio und Moskau auf Kosten Chinas verständigen, die Berliner Politik kann sich also auch verrechnen. Bei dieser Sachlage würde die Welt am meisten gewinnen bei einer Verständigung zwischen der Sowjetunion und England. Das wäre das denkbar wichttgste Ereignis der Weltpolitik und das würde die Expansion Deutschlands unmöglich machen. Diese Verständigung müssen wir Sozialisten fördern. Wir in Mitteleuropa müssen unS hüten vor einer reinen Konttnentalpolittk. Auch Deutschland hat vor dem Weltkrieg nur den europäischen Konttnent gesehen, nur Rußland und Frankreich, nicht aber England, Amerika und Japan und daran ist die deutsche Vorkriegspolitik gescheitert. Die Allianz der französischen und englischen Demokratie mit der Sowjetunion wttd imstande sein, den Frieden zu erhalten. Starker Beifall zeigte, daß die Versammelten mit den Ausführungen des Genossen Dienstock einverstanden waren. »Urania« „Das Burgtheater in Wien", Lichtbildervortrag Dr. Marek, Wien. Montag halb 9 Uhr. Karten Urania, Wetzler. Andre. „Freud und die Psychoanalyse." Dr. Hartmann» Wien, spricht als Repräsentant der internationalen psychoanalytischen Gesellschaft. Rege Nachfrage. Karten Urania, Wetzler, Andre. Montag 8 Uhr. „Unvergeßliche Filme." Granowskys Meisterwerk„M oskauerNächte" mit A n n a- Hella und Baur. Montag, 834 Uhr. „Tas Spiel»am Leben und Sterben des Bauern". Hans Multerer und seine Laienspieler. Anläßlich der Tagung der öfsentliche» deutschen Bil- dungspflege in Böhmen. Mittwoch, 8 Uhr. Karten Urania. Wetzler, Andre. Der bekannte Seelenforscher Dr. Ur- banrschitsch spricht„Ueber das Wunderbare". Freitag 8 Uhr. Karten Urania, Wetzler, Andre. Arania-Kino Anny Ondra in dem luftigen Film„Groß- Reinemache n". H e u t e 2. 4, 6, 349 Uhr. filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Groß-Reinemachen." Anny Ondra. D.— Adria:„Milchstraße." Harry Lloyd. A.— Alsa:„Moderne Zeit." Chaplin. A.— Avion:„Milchstraße." Harold LIqyd. A.— Beranek: „Denunzick'nt." Viktor McLaglen. A.— Fen ix: „Der Fall des Rechtsanwaltes Prenttce." Pomcll. A. — Flora:„Die ganze Stadt spricht davon." Lustspiel. A.— Gaumont:„Fahrt in die Jugend." D.— Hollywood:„Ter Königstiger." D. — Hvczdo:„Branv im Fernen Osten." Ruff.— Julis:„Der Mann, der die Bank von Monte Carlo sprengte." A.— Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen<342 bis 10 Uhr).— Koruna: Journale, Groteske.— Kotva B 36:.Florentinerhut." Preian. Fr.—■ Lucernu:„Der Fall des Rechtsanwaltes Prentice." A.— Metro:„Mädchenjahre einer Königin." D.— Passage:„Mädchenjahre einer Kö-- nigin." D.— Praha:„Charlie Chan in Shanghai." Warner Oland. A.— Radio:„Dreißig Tage Prinzessin." Sylvia Sidney, A.— Staut:„W ohltä- ter der Menschheit." B. Keawn. A.— Svk- tozor:„Der Mann, der die Bank von Monte Carlo sprengte/— Alma:„Die Sextanerin." Tsch.— Baikal:.„Dreißig Tage Prinzessin." A.— Belvedere: „Blut in der Arena." A.— Besrda:„Das Mädel vom Moorhof." D.— Carlton:„So mach ich es." A.—- Illusion:„Dreißig Tage Prinzessin." A.— Svanda- Kino: Grotesken, Journale.— Konvikt:„Viktoria." Luise Ullrich. D.— Lido II:„Der bunte Schleier." Greta Garbo. A.— Louvre:„Sabotage." A.— Maeeska:„Viktoria." D.— Olympie:„Frauen am Scheidewege." A.'— Roxy:„Die Wildkatze." D.— U Bejvodn:„Eine Frau vergißt nicht.." A.—• Baldek:„Königin der Liebe." D.— Leletthy:„Viktoria." D. Bezugsbedtngung en: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch dtt Poft monattich Kö 16.—. vierteljährig Kc 48.—, halbjährig Kc 96.—, ganzjährig Kc 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele» graphendireltton mit Erlaß Nr. 13.800/VI1/1930 bewilligt.— Druckerei: ,F)rbis", Druck«. Verlags- und Zeittmgs-A.-G. Prag.