16. Jahrgang Mittwoch, 20. Mai 1936 Nr. 118 ElNZBlpniS 70 Meller (einichlieBlich 5 Heller Forte) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii.,fochova a. Telefon sjot7. HERAUSGEBERS SIEGFRIED TAUB? VERANTWORTLICHER REDAKTEUR t DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Erster Staatsbesuch des Präsidenten Ter ehemalige Vizekanzler Star- Er wird sich zunächst in eine nord-- Die Brüsseler Tagung der SAI « l * Milowitz der Minister Demokraten bereits Dieser unser König, Blute war, bezeugt, für daS Volk dieses Analogie der Epoche Georgs von mit der heutigen-Zeit ist-beinahe Brüssel.(Eigenbericht.) Die Beratun- drr Exekutive der Sozialistischen Arbeiter- MH Minister Machnik im Milowitzer Militärlager Mit Minister Dr. Czech in Bad Podäbrad Antrag auf gemeinsame Konferenz sozialdemokratischer und kommunistischer Parteien Zum Brief sondern auch unsere Demo- i st älterals viele große sodann in Anwesenheit Rottmeister des Lagers genommen. unternehmen, Henn er könnte sowohl die Heimwehren, als auch die Unabhängigkeit Oesterreichs bedrohen. Starhemberg soll anerkannt haben, daß der Rat Mussolinis wohlerwogen sei,',- Brautwerber fUr Otto? Derselbe Korrespondent verzeichnet in Rom kursierende Gerüchte, denen zufolge die Tochter des Königs Viktor Emanuel, Prinzessin Marie non Savoyen, einigemale mit Starhemberg zusammengetroffen sei. Dieser Umstand wird als eine Bestätigung der Gerüchte betreffend die geplante Verlobung der Prinzessin Marie mit Otto Habsburg angesehen.« Prag. Der Präsident der Republik Dr. E. Benes unternahm am Dienstag seine erste offizielle Fahrt außerhalb Prags. Am Bormittag besuchte der Präsident in Begleitung des Bertei- digungsministers Machnik das Militärübungslager in Milowitz, am Rachntzttag besuchte er in Begleitung des Gesundheitsministers Genossen Dr. Czech das Bad Podebrad. Um 8 Uhr früh traf der Präsident in Be gleitung des Ministers Machnik, des Chefs der Militärkanzlei General Blaha, des Burg- kockunandanten Oberst K v a p i l und des Sekre tärs Dr. K u k e r a in Milowitz ein, wo sich der Lagerkommandant General M e l i ch a r dienstlich Meldete. Hierauf begrüßten den Präsidenten die Vertreter der Generalität, u. a. Generalinspektor Shrovh, Generalstabschef K re jki, General Fs a u ch e r und Landesmilitärkommandant Boj- cechovskh, und Vertreter der Wehrausschüsje dir beiden Häuser. Auch di« Bevölkerung, v^r- schiedene Vereine usw. bereiteren dem Präsidenten einen herzlichen Empfang. Präsident Dr. Benes fuhr dann mit seiner Begleitung zum Beobachtungsstand des Ucbungs- platzes, wo das Jnstruktionsbataillon und das 'Grenzbataillon Nr. 2 Hebungen m/i t Kampf wägen vorführte. Die Hebungen dauerten zwei Stunden; es nahmen an ihnen über 2000 Soldaten, 93 leichte Maschinen gewehre, 34 schwere Maschinengewehre, sechs kleine Tanks, 21 leichte Tanks und Flugzeuge teij» Die Erläuterungen über die Annahme der Hebung und ihren Verlauf gab General Meliwar mit den Offizieren. des Uebungslagers. Schluß wurde dem Präsidenten auch die tarchenpost vorgeführt. ;; Später besichtigte der Präsident die Waffentypcn der Infanterie, wobei gr» Internationale wurden in der Rächt auf Sonntag fortgesetzt. In der Debatte, welche der allgemeinen internationalen Situation, gewidmet war, ergriff Genosse Dr. Soukup das Wort, welcher die Lage in der Tschechoslowakei besprach-und gegenüber dem Genossen Liebermann-(Polen) die Politik des Völkerbundes verteidigte. Er begrüßte dir bevorstehende Regierung Blum, erklärte jedoch, daß das Vorgehen der französischen Kommunisten dabei keine Begeisterung in der Tschechoslowakei Hervorrufe. In der Montagssitzung wurde der Beschluß gefaßt, alle Kongresse und Unternehmungen, welche in Staaten mit faschistischem Regime abgehalten werden, zu boykottieren. Besprochen wurde auch die Lage in Palästina. Genossin Pelz gab einen Bericht über die Frauen-Internationale, Genosse D e L o s R i o s (Spanien) schilderte die letzten Ereignisse in Spanien und gab einen Ausblick in die nächste Zeit. Verlesen wurde ein Brief des französischen Kommunisten C ä ch i n, welcher sich an den Genossen De Brouck er e mit dem Ersuchen wendet, daß dieser auf dir der Internationale ange- hörendcn Parteien einwirke, damit dies« die Politik der Einheitsfront nach französischem Muster verfolgen.- Genosse S t i d k n wies den ungehörige^ Ton dieser Zuschrift zurück und wirs in diesem Zusammenhang auf die Politik der kommunistischen Partei in her Tschechoslowakei hin. Im Laufe der Debatte wurde der Antrag gestellt, daß anstatt über die Einheitsfront, über dir E i n b e r u f ü n g gemeinsamer Be- nicht um seine Bolksrrgiernng! Richt unser Staat, kratie Reiche. Die Pod^irad seltsam. Und wenn wir in Zukunft von einem Konflikt bedroht werden sollten, werden wir uns stets an das Beispiel dieses Politikers halten, der es verstand, für seinen Staat eint Synthese von Mäßigung und Besonnenheit, von staatsmännischer Klugheit, männlichem Mut, Tapferkeit, Kampfcsmut und unbegrenzter Ergebenheit zn Volk und Staat z« finden. Ich selbst werde stets diesen Weg gehen und inspiriert von diesem großen Beispiel' sage ich: Im Kampfe um eine ver-ünftige und politische und soziale Zusammenarbeit bei.« ns, im Kampfe um die Demokratie, nm den Frieden» nm die Sicherheit des Staates und seine Verteidigung heißt es: Ausharrrn, aushalten, nicht nachgeben! Der Präsident wurde in diesem Augenblick von st arkem Peifall unterbrochen. An die offizielle Begrüßung schloß sich eine Besichtigung der Stadt, ihrer historischen Denk- Mürdigkciteu Und Bäder»Nd Kureinrichtungen. neuen eine Scharff chießübung mit Minenwerfern sowie mit großen Maschinengewehren gegen Flugzeuge vorgenommen wurde. Tanks führten verschiedene Proben ihrer Handhabung und Geländeüberwindung vor. Ueber dem Lager kreiste ein mit einem Hilfsmotor-versehener Beobachtungsballon und Flugzeuge. Hierauf besuchte der Präsident den Militärfriedhof, wo er am Denkmal der während des Weltkrieges hier vet- stcrbenen Gefangenen Blumensträuße niedrr- ltgte. Im Offiziersspeisesaal des Lagers wurde aller Offiziere und das Mittagessen ein-' Starhemberg traut sich nicht nach Hause Rom. Hemberg hat seinen Aufenthalt in Italien verlängert. italienische Stgdt begeben. Mussolini rat zur MSBIgung Der römische Korrespondent des„Matin" bespricht den Besuch Starhembcrgs in Rom. Mussolini soll Starhemberg empfohlen haben, für den Moment keinen übereilten Schritt zu> » Ilm 15 Uhr traf in für Gesundheitswesen Genosse Dr. Czech em, um den Präsidenten nach Bad Podöbrad zu begleiten. Der Minister, in dessen Begleitung sich Sektionsrat Dr. Nadvornik befand, wurde von den Vertretern der Behörden begrüßt. Auch Frau Hana Benesova, die Gattin des Präsidenten, traf um diese Zeit in Milowitz ein. Kurz nach 15 Uhr begab sich der Präsident Dr. Benes mit Minister Dr. C z-s ch und seiner sonstigen Begleitung nach'Bad Podtbrad. Bei der Begrüßung betonte Bezirkshauptmann Dr. Dräbek, daß Podöbrad die erste Stadt sei, in welche der Präsident feine erste Fahrt unternimmt, Präsident Dr. Benes dankte für dieBegrützung und kündigte an, daß dieser ersten Fahrt weitere folgen werden. Ich will, erklärte der Präsident u. a., die Bevölkerung der einzelnen Gebiete unserer Republik und ihre Bestrebungen, Sorgen und Schmerzen direkt kennen lernen, ich will, daß dir Bürger sehen, daß ich die Pflichten meines Amtes voll und treu erfüllen will. Es erwarten uns ernste Augenblicke und wir müssen uns deshalb gegenseitig gut verstehen. Ich sehe nicht schwarz in dir nächste Zukunft, ich bin voll Hoffnung und glaube, daß es ständig in den Händen der verantwortlichen Staatsmänner aller Länder liegt, dir Situation zu beherrschen und der Menschheit den Frieden zu bewahren. Ich selbst gemeinsam mit meiner Regierung werde in dieser Beziehung alles Rottvendigc tun. Auf dem Hauptplatz in Podkbrad war eine Tribüne vorbereitet, auf der der Präsident mit Gemahlin, die Minister Dr. Czech und Machnil,. die anwesenden Parlamentarier und die übrigen Mitglieder der Begleitung des Prän- I deuten Platz nahmen. Der weite Platz war von Ider Bevölkerung, der Schuljugend, verschiedenen Vereinen dicht gefüllt. Lauter Jubel begrüßte den j Präsidenten. Auf die Begrützungskundgebung des Bürgermeisters antwortete der Präsident mit |einem Hinweis auf König' Georg von Podebrad: Unsere Volksregierung datiert nicht aus der letzten Zeit. Wir waren vor fünf Jahrhunderten, welcher Blut von unserem daß die Demokratie unseres Landes das natürlichste Regime ist, daß unser Volk, wenn es sich nach eigenen Willen äußern konnte, sich demokratisch geäußert hat, daß es bestrebt war, nach innen hin gerecht, nach außrnhin friedlich zu sein und daß es, falls es notwendig wär, mutig, f e st und k am p f e-r i's ch gewesen ist.- Wir fürchten nicht für uns selbst, wir fürchten nicht für den Staat und wir fürchten auch ratungen der russischen Bolschewiki mit der französischen sozialistische: und der französischen kommunistischen Partei sowie mit der Labour Party, unter Ausschluß der Kommunistischen und der Sozialistischen Internationale, verhandelt werden solle. Genosse I a k s ch sprach über die Verhältnisse in der Tschechoslowakei und über die internationale Sicherheit vom Standpunk der internationalen Situation. Genosse D a läse(England) erklärte unter allgemeiner Spannung, daß die. englischen Sozialisten nicht gegen Verhandlungen mit der russischen Bolschewiki-Partei seien, entschieden aber nicht mit der kommunistischen Internationle verhandeln würden. Er verlangt jedoch, daß die französischen Sozialisten in dieser Sache binnen zehn Tagen einen konkreten Antrag stellen. Der französische Genosse Grumbach lehnte hierauf die Zuschrift C a chi n s ab und erklärte, daß die französischen Sozialisten den Antrag auf Verhandlungen mit den russischen Bolschewiki annehmrn, diesen Antrag aber noch dahin ergänzen, daß gleichzeitig zwischen beiden Internationalen verhandelt werde. * Die Beratungen der Sozialistischen Arbeiter- Internationale wurden Montag nachts beendet. Ueber den Antrag auf Einberufung gemeinsamer Beratungen der russischen Bolschewiki mit der Labour Party, den französischen Sozialisten und Kommunisten, wurde schließlich die Vereinbarung getroffen, daß die Franzosen die Labour Party und die russischen Bolschewiki zu einer derartigen Beratung einladen werden. Voraussichtlich dürfte jedoch die Labour Party die Teilnahme an diesen Besprechungen a b l e h n e». Centralbank Wann wird diese wichtige wirtschaftliche Frage endlich erledigt? Eine in ihren Folgen bedeutsame wirtschaftliche Frage harrt seit drei Jahren ihrer Erledigung und es muß einmal, mit aller Deutlichkeit und Entschiedenheit gesagt werden, daß die endliche Bereinigung dieser für die Sudetendeutschcn wichtigen Angelegenheit nicht länger verschleppt . imo hinausgeschoben werden darf. Schon einmal, im Jahre}932, mußte die „Centralbank der deutschen Sparkassen" saniert werden, wie man bald darauf erkennen mußte, geschah dies in ganz ungenügender Weise, so daß die Bank im März 1933 ihre Zahlungen einsteilen mußte. Die Regierung gewährte ihr ein Moratorium, d. h. einen gesetzlichen Zahlungsaufschub, der immer wieder verlängert würde. Das waren Notmaßnahmen und es handelt sich nun darum, daß über das Schicksal der Einlagen und auch der Bank endgültig entschieden werde. Warum ist die Centralbank zahlungsunfähig geworden? Entgegen ihrer Sendung eine Ausgleichsstelle, Hilfe und Stütze der.deutschen Sparkassen in der Republik zu sein, hat die Bank industrielle Kreditgeschäfte waghalsigster Natur betrieben und bedenkliche Effekten-Transaktionen durchgeführt, also einen Geschäftszweig gepflegt, der einer Bant der Sparkassen-durchaus nicht zugekommen ist und wobei sie derartige Verluste erlitt, daß die Katastrophe nicht ausbleiben konnte'. Tie Häuptschuld fällt auf den leitenden Direktor Hermann Czerny, der sich die„geniale" Leitung jährlich yijt mehr als einer halben Million Kö bezahlen ließ. Wohl versuchte man die Bank 1932 zu retten, indem Vertreter deutscher Selbstverwaltungskörper in die Verwaltung eigtratcn^die miii allen Kräften bemüht waren, den Augiasstalls den sie vorfanden, auszumisten— aber es war schon zit spät, die Bluttransfusion bat dem Patienten nichts genützt, die Krankheit war schon zü sehr vorgeschritten, die Katastrophe war nicht aufzuhalten. Was soll nun geschehen? Soll man die Einleger ihrem Schicksal überlassen? Wir glauben, daß dies nicht der Fall sein kann, denn unter den Einlegern befinden sich Pensionsfonds, Gemeinden, Gewerkschaften, Vereine und kleine Leute, die man nicht mir nichts dir nichts um ihr Geld bringen kann, Auch die Beamten kann man nicht auf die Straße werfen, auch sie nicht zü Opfern einer unverantwortlichen Geschäftsführung machen. Es handelt sich dabei heute um vi^l weniger Menschenschicksale als vor drei Jahren, denn seither hat sich die Zahl der Angestellten des Instituts vermindert. Ein Teil der Beamtenschaft könnte bei der Liquidierung de- alten Geschäfts der Bank Verwendung finden, ein Teil bei einem neuen Institut, das der Nachfolger der„Centralbank" werden könnte. Das Bedürfnis aber nach einem neuen Institut besteht, denn die deutschen Sparkassen in der Republik brauchen eine zentral eAusgleichs st eile, ein Giroinstitut. Wie nun diese Zentrale beschaffen sein soll, darüber gehen-die Meinungen auseinander. Es gibt Kreise, welche die Katastrophe der „Centralbanl" dazu ausnützen wollen, um die deutschen Sparkassen in die«Sporobanka", die Zentrale der tschechischen Sparkassen einzugliedern und so ein Stück Autonomie des deutschen Kreditwesens beseitigen, es gibt allerdings auch ein- sichtigere Köpfe unter den Tschechen, welche beider Sporobanka eine tschechische und deutsche Abteilung bilden wollen und es besteht»dann noch von deutscher Seite das Verlangen, ein eigenes deutsches Kommunalkreditinstitut zu- schaffen. Das Grundkapital für das neue Institut würden die deutschen Sparkassen in der Republik zweifellos aufbringen und es würde sich nur darum handeln, wie man die Sünden der alten Bank einigermaßengutmacht und die Einleger befriedigt, teils in Bargeld, teils in Schuldverschreibungen, deren Auslosung in längerer Zeit erfolgen könnte pnd die vom Staat garantiert werden müßten. Dazu müßte sich die Regierung entschließen. Sie ha» dazu genug lange Zeit gehabt, im Finanzministerium hat man die Sache studiert, nun gilt es zu handeln. Freilich darf hiebei— und das sagen wir nach der deutschen Seite— die Lösung der Cen tralbankfrage nicht etwa mit der Sanierung eines andern Instituts verknüpft werden, die neue Zen- Seite 2 Mittwoch, 20. Mai 193« Nr. 118 Ein Kabinett wird geboren tralstcllr der deutschen Sparkassen dqrf nicht das I Werkzeug einer bcstinnnten Richtung werden, sondern eine gemeinnützige Anstalt für,alfe. In einer so kritischen wirtschaftlichen Zeit müssen wir alle Wunden heilen— auch wenn sie dein kranken Wirtschaftskörper von Verbrechern zilgefügt werden..Den Bcrbre ch^r»die verdiente Strafe, den Opfern unser e H i lf e! Die Exekutive der SAJ erklärt zur Frage der Olympiade und anderer Veranstaltungen in den faschistischen Ländern: Die Sozialistische Arbeiter-Internätionale und der Internationale Gewerkschaftsbund haben sich.bereits in der gemeinsamen. Sitzung, ihrer Vorstande am 19. Mai 1933 in Paris^ für die Förderung und Fortsetzung des in spontaner Weise bei allen zivilisierten Böllern in Erscheinung getretenen„direkten moralischen und materiellen Boykotts" gegen den Tenor und die beispiellose Barbarei der Hitlecregierung ausgesprochen. Der Weltboykott gegen die Barbarei des Naziregimes hat jedoch viele Lücken. Wichtige wirtschaftliche und politische Motive haben bei den verschiedensten Gelegenheiten Staaten und Organisationen aller Arten gezwungen, im Hinblick auf ihre eigenen Interessen den Boykott gegen Nazideutschland zu unterlassen oder wenigstens stellenweise zu durchbrechen. Aber auch der moralische Boykott Nazideütsch- lands konnte nicht lückenlos durchgeführt werden. Immer wieder gelingt es dem Hitlerregime die politische In d o l e n z d e r Umwelt für seine Zwecke auSzubeuten. Immer wieder lassen sich hochkulturelle internationale Vereinigungen von den obersten Chefs der Nazi bewillkommnen und bewirten. Immer wieder drücken prominente Vertreter europäischer Zivilisation höflichst die Hande der faschistischen Häuptlinge. Aber trotz all ihrer Gebrechen hat die Boykottbewegung zur Bekämpfung des Hitlerismus beigetragen und mutz daher je nach den Vorhalt- denen Möglichkeiten mit Energie durchgeführt werden. Die ErÄutive der SAJ begrüßt daher die Boykottierung der Olympiade in Deutschland durch die Sozialistische Sport-Internationale, die Boykottierung des Kongresses für Freizeitgestaltung in Hamburg durch den JGB und fordert alle Sozia- listen zur Boykottierung des Kongresse- des Internationalen Städtebundes in Berlin und. München aus-,~r.y‘■ Weiterführung der Sanktionen Aufruf zur Offensive gegen Faschismus und Krieg Die politische Resolution der Tagung lautet: Die SAJ erinnert daran, datz sie von jeher und mit stets steigendem Nachdruck die konsequente und mutige Anwendung des Bölterbundpakres. gegen jene, die Krieg führen, oder Krieg zu- führen drohen, gefordert hat. Die schwächlige, von veck führt nach Belgrad Warschau. Nach einer halbamtlichen Mitteilung begibt sich Außenminister Beck am 24. Mai nach Belgrad zu einem offiziellen Besuch. Gleichzeitig witt> eine Exkursion der Warschauer Pressevertreter und Mitglieder des polnischen Komitees der polnisch-jugoslawischen Presse-Entente nach Belgrad abreisen. kurzsichtigen Sonderinteressen bestimmte Politik der Regierungen gegenüber dem japanischen Imperialismus, dem faschistischen Angriff auf Abessinien und der Hitlerprovokation am Rhein hat zu neuen Erfolgen der Vertragsbrecher geführt und die Kriegsgefahren gesteigert. Das faschistische Italien hat durch Giftgas, durch die Hinschlachtung der Zivilbevölkerung, durch den vorsätzlichen Bombenabwurf auf offene, Städte und Rote-Kreuz-Stationen den Völkerbund herausgcfordert, das Volk Abessiniens niedergeworfen und schließlich, die Weltöffentlichkeit herausfordernd,- die Annexion Abessiniens proklamiert: Wieder hat sich erwiesen, daß der Frieden nur durch die entschlossene Anwendung des Völkerbundpaktes gerettet werden kann. DieSAI lehnt daher jede Kapitulation vor v e rtr ag s w i d r i g g e scha f fen e n Tat- fachen entschieden ab. Es gilt zu verhindern, daß das faschistische Italien dir Früchte seines brutalen und feigen Angriffs ernte.-Die Sanktionen müssen aufrechterhalten werden, bis die Autorität deS Völkerbundes wiederhcrgestrllt ist. Die Sicherung des Friedens gestattet keine 'Abschwächung, sondern fordert die Verstärkung derPolitjkder kollektiven Sicherheit. Dies bedingt die Zusammenfas- .sung der Kräfte aller dem Kriege, feindlichen Staaten, insbesondere die weitgehende Ko- w^dinatian der Politik Großbritannien s, F r a n k r e i ch s u.n d d e r Sowjetunion zur Verhinderung aller Angriffshandlungen und Vertragsverletzungen, die den -Frieden in, irgendeinem Teil Europas gefährden können. Diese Koordination muß zum starken Kräftezcntrum aller Staaten, die entschlossen sind,, den Frieden aufrcchtzuerhalten und zu verteidigen, innerhalb des Völkerbundes werden. Eine, Friedenspolitik ist aber nur dann gewährleistet, wenn dahinter die unwiderstehliche MMheiner umfassenden Volksbewegung^steht. Tie ..Eroberung, pes Friedens, jti&tbm.’ die unablässige Wachsamkeit und die angespannteEnergie der breiten Bolksmaffen.. Auch diejenigen, die sich heute noch weniger bedroht glauben, müssen einsehen, datz der Krieg für alle Völker ohne Ausnahme zur Katastrophe werden mutz und der. Frieden nur ge-. rettet werden kann, wenn alle Nationen das gemeinsame Interesse über ähre partikularen Son- . derinteressen stellen. Dia SAJ, ihrer Pflicht bewutzt und in Er- kenntnis des Ernstes der Situation, ruft die Arbeiter, die Bolksmassen, die Frauen, die'Jugend, .alle Menschen guten Willens«in der ganzen Welt zu eurer moralischen und politischen Offensive gegen FäschisniuS und Krieg, für Frieden und Freiheit auf. I (E. R„ Paris.) Wer regiert in Frankreich? Genau genommen: niemand. Die Regierung Sarraut ist weiter im Amt, gewiß, aber sie beschränkt sich auf die Führung der Geschäfte, die ohne einschneidende politische Entscheidungen erledigt werden können. So erklärt sich auch das äußerlich ganz zurückhaltende Auftreten des Staatsmiyisters Paul-Boncour in Genf, der an Stelle Fländins dif Regierung vertrat.— Die Regierung Lson Blum ist erst im Werden, aber schon jetzt gilt jedes Wort Blmns nicht weniger als das künftige deS Regierungschefs. Wie stark hebt sich die Vorbereitung der neuen Regierung von früheren Regierungswechseln abk Der erste Akt des neuen Mannes: die öffentliche Debatte im LandeSrate der Sozialistischen Partei; sie galt nicht allein dem Vertrauensvotum der Partei für Blum und dem im Namen der Aktionseinheit an die Kommunisten gerichteten Appell, die Teilnahme an der Regierung nicht abzulehnen. Vielmehr drückte .sich das Kraftbewutztsein der Partei in dem Entschlüsse aus, wenn nötig allein mit einer reinen sozialistischen Parteiregierung die Verantwortung für die Durchführung des Bolksfrontprogrammes zu übernehmen. Wie stark die Sorge der Partei in Zukunft der Organisierung einer festen Basis in den arbeitenden Massen zu dienen habe, ohne die die parlamentarische Aktion der Regierung undurchführbar sein werde, kam in den Reden führender Parteifunktionäre deutlich zum Ausdruck. Daß die Rckdikalsozialisten und die Sozialistische Union sich dem Appell der Sozialisten zur Regierungsteilnahme kaum entziehen würden, war anzunehmen. Trotzdem werden auf der bevorstehenden Tagung der erweiterten Zentrale.der Radikalsozialisten auch die gegnerischen Stimmen laut werden. Inwieweit die Entscheidung der K o m m u- n i st e n, endgültig die Mitwirkung an der Regierung abzulehnen, die Massen enttäuscht, ist schwer zu sagen. Denn gegenwärtig ist die Siegeszuversicht der Arbeiterparteien unbeschreiblich groß und kommt in allen Kundgebungen der Massen fast Tag für Tag mitreißend zum Ausdruck. Sicherlich aber steht die kommunistische Entscheidung kaum in Uebereinstimmung mit der Linie, die die Partei mit dem BoltSfrontkurs eingeschlagen hatte Soweit sich die Kommunisten nicht auf eine Abstimmung des Parteikongresses von Billeurbanne vor zweiundeinhalb Monaten berufen, begründen sie ihre Haltung mit dem Wunsche, der neuen Regierung alle Schwierigkeiten und Angriffe zu ersparen, die sich aus der Teilnahme der Kommunisten ergeben würden. Kein eben sehr lamp- feSmutiges Argument für eine Partei,' die sich rühmt, der SiegK de» Wahlkampfes geworden zu sein! In Wirtlichkeit wollen sich die Kommunisten nickst gleich nach ihrem großen Wahlerfolg den unsicheren Folgen der Teilnahme an der Regierungsverantwortung aussetzen, sondern streben mit Eifer danach, die Sprecher des Volkes gegenüber der neuen Regierung und die Verteidiger des VolksfrontprogrämmS sowohl des Blum-Regie- rung als auch ihren Gegnern gegenüber zu werden» Dabei leitet sie die Hoffnung, sowohl bei den künftigen Erfolgen BlumS als auch im Falte eines Versagens der neuen Regierung die Nutznießer der Lage zu werden, eine etwas gewagte Rechnung, wenn man bedenkt, wip wenig die öffentliche Meinung und das Wählervotum, vor allem im zweiten Wahlgang, die Parteien der einen Volksfront voneinander unterschieden hat. Viel näher liegt' die Annahme, datz ein AinfkigeS Versagen der Volksfrontregierung ganz anderen Lagern zugute kommen würde. In jedem Falle trägt die Entscheidung Her Kommunisten trotz aller Proklamationen dec organischen Partei-Einigungswünsche' und des Willens zur internationalen Aktionseinheit 7 her sozialistischen und kommunistischen Parteien Hcht dazu bei, den Massenwünschen nach einer Verengerung des Verhältnisses ztvischen den Arbeiterparteien in Frankreich zu entsprechen. Die Kommunistische Partei will auch jetzt ihre Aufgabe in der Schaffung von Dolksfrontkomitees sehen, ohne datz davon die Rede wäre, an diese durchaus.nicht von der Hand zu weisende Arbeit in Anlehnung an die Massenorganisationen vor allem der Sozialistischen Partei heranzugehen. Sehr bedeutungsvoll erscheint die Entscheidung der Gewerkschaften, in der Form eines dafür besonders zu schaffenden technischen Organismus der Regierung Blum bei der Bewältigung der unmittelbaren Gewerkschaftsforderungen zur Seite zu stehen. Hier wird der.Regierung ständig der mächtige Antrieb zugute kommen, den besonders nach der Gewerkschaftseinigung der Allgemeine Arbeitsverband in Richtung einer durchgreifenden Verbesserung des Lebensniveaus der französischen' Arbeiterschaft auSzuüben vermag. Die besondere Bedeutung des' künftigen direkten Kontaktes zwischen Regierung und Gewerkschaften wird in der mehr oder weniger unmittelbaren Fühlung des Ministeriums mit der Masse der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter über den Rahmen der rein parlamentarischen Vertretung durch die, Arbeiterparteien hinaus liegen. So gehen Frankreich und die Sozialistische Partei der ersten sozialistisch geführten Regierimg in Frankreich entgegen. Ihr Entstehen wird durch neuartige Umstände bestimmt: das Gefühl per Massen, mit ihrem Drang zum Reuen die Lebensgrundlage der neuen Regierung zu sein, daS Gefühl der Führe r, das Vertrauen der Massen hinter sich, die geschichtliche Zukunft der Bewegung in den Händen zu halten. Britisch-russische Flottenbesprechungen London. Wie„Daily Telegraph" meldet, werden die britisch-sowjetrussischen Besprechungen über einen gegenseitigen Flottenvertrag im Läufe- dieser Woche in London beginnen. Die Regierung wird durch Beamte des Foreign Office und'der Admiralität vertreten sein. britische Flottenverschiebunsen London. Wie der„Star" berichtet, wird das Schlachtschiff„R e p u l s e" im nächsten Monat ins Mittelmeer zurückkehren, nachdem es vollständig überholt und neu ausgerüstet worden ist. Das Schlachtschiff werde viel Wasserflugzeuge mitführen, die von einem Katapult abgeschossen werden. Außerdem sei das Schiff mit acht Lüftabwehrgeschützen von 10 cm Kaliber sowie zahlreichen sonstigen Luftabwehr- Ivaffen ausgerüstet worden, um es besonders gegen Luftangriffe zu schützen. London. Wie aus Gibraltar gemeldet wird, erhielten das britische Flugzeug-Mutterschiff „FuriouS" und der Torpedobootzerstörer I„S t u r d y" Montag abends Befehl, augenblick- I lich in die britischen Gewässer zurückzukehren. Boykottiert Hitlers Olympiade! 12•• Der Ruhm des Kämpfen Don leih London Copyright by Universitas Berlin, durch vr. Prager , Pressedienst. Wien. Wissen Sie, obwohl jeder Kampf eine Art Problem ist, das ich mit Hilfe meines Verstandes und meiner Muskeln zu lösen habe, so bin ich mir über den Ausfall doch nie im Zweifel." „Er hat noch nie einen Kampf gehabt, der mit einem Punktsieg endete", erklärte Stubener. „Er.hat immer durch k. 0. gesiegt." „Und diese Sicherheit über den Ausgang macht es wohl, datz ich nie das fühle, was wohl gerade daS Schönste am Boxen ist", schlotz Pat. „Na, vielleicht werden Sie etwas von dieser Spannung fühlen, wenn Sie erst gegen Jim Hanford antreten", sagte der Manager.' Pat lächelt«, sagte aber nichts. „Erzählen Sie mir noch etwas", drang sie in ihn.„Noch etwas übe. Ihre Gefühle beim Kämpfen." \ Und da setzte Pat seinen Manager» Fräulein Sangster und sich selbst in Erstaunen, indem er heraussprudelte: „Mir scheint, ich habe keine Lust mehr, mit Ihnen über diese Dinge zu reden. Mich dünkt, es gibt etwas Wichtigeres für uns beide zu reden. Ich—" Er brach plötzlich ab, da er gewahr wurde, war er sagte, ohne eigentlich zu wissen, warum er es tat. „Ja", rief sie eifrig,„Sie haben recht. Darauf kommt es an, wenn man ein gutes Interview haben will— auf das rein Persönliche, wissen Sie." Aber Pat blieb stumm, und Stubener be-- gann Matze und Gewicht seines Meisterboxerö mit denen SandowS, des furchtbaren Türken, Jefsries und der anderen starken Männer der Gegenwart zu vergleichen. Das interessierte Maud Sangster nur wenig, und sie zeigte deutlich, datz sie sich langweilte. Ihr Blick fiel zufällig auf die Sonette. Sie nahm das Buch vom Tisch und sah Stubener fragend an. „Es gehört Pat", sagte er.„Er interessiert sich für das Zeug, auch für Farbenphotographie, für Kunstausstellungen und dergleichen. Aber um Gottes willen schreiben Sie nicht darüber. Das wurde seinen Ruf einfach vernichten." Sie blickte Glendon tadelnd an, der sogleich verlegen wurde. Das freute sie. Dieser verlegene junge Mann mit dem Körper eines Riesen, ein König der Boxer las Gedichte, besuchte Kunstaus-- stellungen und beschäftigte sich mit Farbenphoto- graphie. Soviel war sicher: Es war nichts von einem Höllenbiest an ihm. Jetzt verstand sie, datz seine Zurückhaltung Empfindlichkeit und nicht Dummheit war. Die Shäkespeareschen Sonette! Einige Minuten später eröffnete sie ganz unbewußt den Hauptangriff. Die starke Anziehung, die sie gleich im Anfang gefühll hatte, meldete sich jetzt, da sie die Sonette entdeckt hatte, von neuem. Seine prachtvolle Gestalt, sein hübsches Gesicht, die reinen Linien, die klaren Äugen, die feine, von dem kurzgeschnittcnen Haar nicht bedeckte Stirn, der Düst von körperlichem Wohlbefinden und von Sauberkeit, der ihn zu. umwehen schien— das alles wirke auf sie, wie nie ein Mann auf sie gewirkt hatte. Und doch spukte in ihrem Kopf jnimer noch ein häßliches Gerücht, das sie gestern in der Redaktton des Tourier-Journal gehört hatte. «Sie haben recht", sagte sie.„Es gibt Wichtigeres, über das wir reden können. Etwas, das mir am Herzen liegt, und daS ich Sie bitten möchte, mir zu sagen. Haben Sie etwas dagegen?" Pat schüttelte den Kopf./ „Darf ich aufrichttg sein—unangenehm aufrichtig? Ich habe die Leute manchmal von eigentümlichen Kämpfen und Wetten reden gehört, und wenn ich damals auch nicht besonders darauf achtete, so schien es mir doch, und es wurde mir ganz bestimmt versichert, datz mit dem Sport ein gut Teil Schwindel und Betrug verbunden wäre. Wenn ich Sie aber setzt sehe, so kann ich schwer begreifen, datz Sie solche Schiebungen mitmachen können. Ich verstehe Ihre Liebe züm Sport und verstehe auch, datz das Geld, welches er Ihnen einbringt, viel für Sie bedeutet, was ich aber nicht verstehen kann, ist—" «Da gibt es nichts zu verstehen", beeilte sich Stubener einzuwerfen, während Pats Lippen sich zu einem sanften, nachsichtigen Lächeln kräuselten.„Das sind alles Märchen, diese Geschichten von Verstellung, von verabredeten Kämpfen und solchen Schiebungen. Es ist nichts Wahres daran, gnädiges Fräulein, das kann ich Ihnen versichern. Und jetzt lassen Sie mich Ihnen erzählen, wie ich Herrn Glendon entdeckte. Ich bekam einen Brief von seinem Later—" Aber Maud Sangster wollte sich nicht ablenken lassen, und sie wandte sich an Pat selbst. „Hören Sie. Ich entsinne mich namentlich eines Falles. Es war ein Kampf, der vor einigen Monaten stattfand, ich weiß nicht mehr zwischen wem. Einer der Redakteure des Courier-Journal sagte mst, daß er viel dabei gewinnen wollte. Er sagte nicht.hoffte', er sagA ,wollte'. Er sagte, datz er zu den Eingeweihten gehörte und datz er auf die Zahl der Runden wettete. Er sagte voraus, daß der Kampf in der neunzehnten Runde enden würde. Es war am Abend vor dem Kampf, und am nächsten Tage machte er mich triumphierend darauf aufmerksam, datz der Kampf eben in der I neunzehnten Runde beendet worden war. Ich habe damals nicht weiter über die Sache nachgedacht, ich interessierte mich ja nicht für Boxen. Aber jetzt tue ich es. Damals kam mir die Sache ganz natürlich vor, so t'enig verstand ich davon. Aber sagen Sie, das sind doch alles Märchen, nicht wahr?" „Ich Weitz, welchen Kampf, Sie meinen", sagte Glendon.„Es war der zwischen Owen und Murgweather.. Und eS stimmt, datz er in der neunzehnten Runde endete, Sam. Und jetzt hören Sie, daß Fräulein Sangster daS schon am Tage vorher wutzte, wie können Sie das erklären, Sam?" „Wie soll man erklären, daß jemand in der Lotterie ein Gewinnlos zieht?" sagte der Manager ausweichend, während er sich den Kops zerbrach, wie er antworten sollte.«Die Sache lsr so: Leute, die die Form der Boxer, der Sekundanten und die Regeln sehr genau studieren,'können oft die Zahl der Runden, die ein Kampf dauern wird, richtig Voraussagen, genau wie man in einem Rennen gerade auf das richtige Pferd unter hundert tippen kann. Und vergessen Sie eines nicht: Auf jeden,! der gewinnt, kommt ein anderer, der verliert— ein anderer, der nicht die richtige Nummer gezogen hat. Gnädiges Fräulein, ich versichere Ihnen auf Ehre, daß es Schwindel und Schiebungen im Boxsport einfach— einfach nicht gibt." „Und wie ist Ihre Meinung, Herr Glendon?" fragte sie. „Genau wie meine", kam Stubener ihm mit der Antwort zuvor.„Er Weitz, datz ich die Wahrheit spreche— Wort für Wort. Er hat immer nur ehrlich gekämpft. Stimmt das nicht, Pat?" „Ja, das stimmt", versicherte Pat, und am sonderbarsten erschien es Maud Sangster, datz sie von der Wahrheit seiner Worte überzeugt war. (Fortsetzung folgt.) Wt. 118 Mittwoch, 20. Mai 1936 Sette 3 fudetendeu feefter Zeitspiele t predige man ihr eine neue den Berbän- finb bereit, unter allen gegen jede und gegen aber sie 99 Scharfe Sprache eines deutschen Hirtenbriefes nehmerterror, andererseits zugleich den unsoziale» Maßnahmen eines am Volks- und Staatswohl vorbetgehenden Großteiles unserer Staats- und Landesbürokratie ausgesetzt werden. Tie von der Verwaltung der Post und Eisenbahn, zum Teil auch von der Tabakregie bis nun fortgesetzte Heranziehung fremder Arbeiter in unser, den Weltrekord in der Arbeitslosigkeit haltendes Gebiet, die Zurücksetzung unserer heimischen Produktionsftätten bei Vergebung von Staatsauftrügen, die auffallend geringe und zögernde Veranlassung von staatlichen Notstandsarbeiten in unserem Siedlungsraume und die harten administrativen Maßnahmen gegen die nur auf eine Ernährungskarte angewiesene« Arbeitslosen müssen nicht nur als eine unsere Menschen schwer bedrückende, sondern in weiterer Hinsicht auch als eine die Staatsiutereffen unheilvoll beeinträchtigende Handlungsweise festgestellt werden. Um so mehr begrüßen die Versammelten die Absicht unseres Parteivorstandes, mit den tschechischen aktivistischen Parteien neuerdings Verhandlungen über eine durchgreifende Umgestaltung der bisher den Sudetendeutschen gegenüber bewiesene Einstellung aufzunehmen. In der Ueberzeugung, damit der Gesamtheit der deutschen sozialdemokratischen Arbeiter und Frauen des Wahlkreises Karlsbad aus dem Herzen zu sprechen, fassen wir unser Bekenntnis« und Wollen in der Erklärung zusammen: Unsere deutschen Sozialdemokraten in jedem Falle, in Wort und Tat und Umstände», die demokratische Republik Schädigung von welcher Seite immer jeden feindliche» Zugriff z» verteidigen; müssen ebenso darauf bestehen, daß die Republik sie achte und verteidige. Darum verlangen sie für ihr Leben und ihr Bolkstnm denselben Schutz und die gleiche Firdernng, wie sie den Angehörigen der anderen Teile der Staatsbevölkerung und deren Lehen und Kultur zuteil werde«. In der ehrlichen und uneingeschränkten Befolgung des Grundsatzes Treue nm Treue sehen sie die stärkste— und am Ende einzig mögliche-— Sicherung von Volk und Staat." vom Söld- Räuber man in Wort und Bild mit dem g e mein st e n Hohn gegen den Papst und die Bischöfe, Priester und Ordensgeistliche kämpft, wenn man die katholische Jugend zwingt, aps ihren Verbänden auszuscheiden, sei es Pflicht aller, den Kämpfen gegen den katholischen Glauben Widerstand z» leiste». Ihr wolltet nichts anderes, so heißt es an einer späteren Stelle, und wollt nichts als die F re i heil Eures To z i al en Lebe n s in der kulturellen und charitativen religiösen Sphäre, die F r e i h ei t Eurer religiösen unkulturellen Verbände,, wie sie im Konkordat niedergelegt ist. Die Geschichtswerke werden eines Tages von der Treue der katholischen Fugend in schwerer Zeit und auch von den schmerzlichen Sorgen der Bischöfe und von unserer harten Treue Euch gegenüber berichten. Vieles haben wir getan, ohne daß es ins Publikum durchfickerte, vieles haben wir bisher versucht, o h n e E r- folg. Auch um Eurer Rechte willen haben wir im Herbst 1935 ein erschöpfendes Memoran- d u m unserem Kanzler und Führer des Reiches vorgelegt. Auch in Zukunft wollen wir Euch Treue gegen Treue wahren. Bodenbach, die Stadt des Reichsjugendtages Bürgermeister Fritz Keßler, Bodenbach, spricht heute, Mittwoch, abends 18.20 bis 18.40 Uhr in der Prager deutschen Arbeitersendung über„Bodenbach, die Stadt des Reichsjugendtages". Söldlinge, Diebe und Räuber" Auflösung des Leitmeritzer Deutschen FuBballklubs 1910 Bei einem Wettspiel des VfB Chemnitz gegen 8FK 1910 auf dem Bcreinsspielplatz in Leit- meritz hatte sich eine Flaggenaffäre entwickelt, die zur vorläufigen Einstellung des Deutschen Fußballklubs führte. Der Chemnitzer Verein hatte , die Hakenkreuzfahne gehißt. Am 16. Mai ging dem Leitmeritzer Fußballklub 1910 der Bescheid der Landesbehörde zu, daß der Verein infolge der Fahnenaffäre aufgelöst wurde, und zwar wegen Mißachtung der Staatsflagge und aus Gründen der öffentlichen Sicherheit. Gleichzeitig wurde her Verfall des beschlagnahmten Vereinsvermögens ausgesprochen und die Uebergabe der vom . LFK 1910 ersiegten Ehrenpreise in den Besitz der Stadtgemeinde angeordnet, die die Ehrenpreise voraussichtlich mit Zustimmung des Stadtrates und der Bezirksbehörde dem städtischen Museum übergeben wird.— Von den verwaisten deutschen Fußballspielern soll unter neuer Leitung um die Bewilligung von Statuten für einen neuen Verein nachjfesucht werden-. SdP schließt einen Bezirks-Arbeitervertreter ausl Die„Front" vom 14. Mai teilte mit: „Das Mitglied Karl M a t i S, Mährisch- Schönberg, wurde wegen mrbegründeter, ehrenrühriger. Anschuldigungen gegen einen vorgesetzten Amtswalter sowie wegen Ablehnung einer Disziplinaxentscheidung des Vorsitzenden der Partei von der Hauptleitung ausgeschlossen.— Das Mitglied Leopold Wanitschek, Weikersdorf, wurde wegen parteischädigenden Verhaltens ausgeschlossen." Der ausgeschlossene Karl Matis war kein x-beliebiges Mitglied. Er war Bezirks- Arbeitervertreter, also sozusagen der Führer der bei der SdP befindlichen Arbeiter im Bezirk. und zu gemein ist. Die Henleinpartei habe einen Boykott gegen alle jene Gaststätten organisiert, in denen die Mitglieder der Deutschen Arbeiterpartei verkehren, außerdem werde an der Vernichtung der Existenz aller Anhänger der Deutschen Arbeiterpartei mit den Mitteln des Terrors gearbeitet, eine gewissenlose Flüsterpropaganda wolle außerdem die Mitglieder der Deutschen Arbeiterpartei beruflich und gesellschaftlich unmöglich machen. Die Deutsche Arbeiterpartei droht den Henleinanhängern, vom Terrorgesetz ausgiebigsten Gebrauch zu machen. Sndetendentsche Bürgermeister vor dem Mikrophon. Die Pr ag er Deutsche Sendung wird den Bürgermeistern einiger, deutscher Städte Gelegenheit geben, im Rahnzen der Feierlichkeiten zu Ehren des Geburtstages unseres Staatspräsidenten vor dem Mikrophon zu sprechen. In der Festveranstaltung, die von der Prager Deutschen Sendung am Mittwoch, den 27. Mai, ab 18 Uhr 10 gesendet werden wird, werden Senawr Carl K ost ka, Bürgermeister von Rei- chenbetg, weiter Bürgermeister Leopold Pölzl, Aussig, das Oberhaupt des größten ftldetendeut- schen Siedlungswesens, ferner Bürgermeister Wilhelm S tingl, Tetschen, und schließlich der Bürgermeister von Trautenau, Jng. F. L i e b- l i ch, zu Wort kommen. Im Rahmen dieser Sendung werden auch Kinderchöre aus den betreffenden Städten zu hören sein. Tagung der deutschen öffentlichen Bildungspflege. Beginn der Sektionsberatungen heute 15 Uhr in der Urania. Feierliche Eröffnung der Tagung durch den Schulminister Dr. E. Franke pünktlich 18 Uhr. Donnerstag pünktlich 10 Uhr: Vorträge von Minister Dr. K. K r o f t a, Minister Dr. F. S p i n a, Abgeordneter W. I a k s ch, Direktor I. Z a k. Vater bedroht Tochter mit dem Revolver. In M o r a w a n wurde der 60jährige Einwohner P. K. verhaftet und dem Aussiger Bezirksgericht zugeführt, weil er seine Tochter mit dem Revolver bedrohte. Zwischen dem 60jahrigen und seiner 25jährigen Tochter war es aus verschiedenen Gründen öfter zu Auseinandersetzungen gekommen. Beieinerdies er A u s e in ander- setzungen griff der Vater zum. Re- v o Iv e tun d wolltet eine Tochter er« schießen. Das Mädchen konnte dem jähzornigen Vater die Schußwaffe entwinden. Tschechischlernende, Achtung! Die täglich zahlreichen Anfragen betreffs der vom Masaryk-Volks- bildungSinstitut in Präg XII., Fochova 62, veranstalteten tschechischen Volksfernkurse, veranlassen die Leitung zu nachstehender Bekanntmachung. Die Anmeldungen können, sowohl in de« Kurs für Anfänger, als auch in den Kurs für Fortgeschritten« jederzeit und von überall erfolgen. Der Kursbeginn und die Kursdauer sind an keinen bestimmten Termin gebunden.. Die Kursgebühr beträgt Kc 10.— monatlich einschließlich Lehrhefte. Verbesserung der Aufgaben und Portoauslagen. Nach Absolvierung der Kurse erhält jeder Teilnehmer eine Bestätigung. Arbeitslose erhalten KurSgebührermäßigung. Bo« der Deutschen Hauptstelle für WohnungS- und Siedlungsfürsorge. Die kürzlich angekündigte Schrift„Binnensiedlung zur Linderung der Arbeitslosigkeit und Wirtschaftsnot" von Architekt Jng. 'Ernst Wuhrmann, ist soeben erschienen und zum Preise von KL 5.— einschl. Zustellung zu beziehen durch die Geschäftsstelle Prag IV., Na Valech Nr. 288, oder durch die technische Abteilung der Beratungsstelle, Prag XV., Hodkoviökh 113. Eine Schrift Jng. Adolf Kühnels„Wie unterstützt der Staat dermalen die Bautätigkeit?, nebst Richtlinien für sparsames Bauen", befindet sich in Vorbereitung und wird demnächst im. Druck erscheinen.. Preis KL 5.—. Gesunbheitsminister Dr. Ludwig Ezech, der am vergangenen Samstag an dem Kongreß der Union der Textilarbeiter in Reichenberg teilnahm, besuchte bei dieser Gelegeriheit die„Waldvilla" und das„Kinderland", wo einige Dutzend erholungsbedürftige Kinder untergebracht sind, die durch die vom Gesundheitsministerium eingeleitete Kindererholungsaktion dorthin gebracht wurden. Dr. Ezech traf in den Heimen unangemeldet ein. Die Kinder rückten gerade von einer kleinen Wanderung an und waren in dem sich rasch entspin- nenden Frage- und Antwortspiel mit dem Minister bald gut Freund geworden. Er ließ sich über die sozialen Verhältnisse der Kinder und über ihren Gesundheitszustand genau Bericht erstatten. — Der Gesundheitsminister stattete auch der Reichenberger Kuranstalt einen Besuch ab. Und willst du nicht mein Bruder sei«... Die Troppauer„Volkspresse" veröffentlicht den Wortlaut eines Schreibens, das die Ortsgruppe Troppau der Deutschen Arbeiterpartei an die Ortsleitung der Sudetendeutschen Partei gerichtet bat. In diesem Schreiben beschweren stch die Anhänger des Herrn Simm darüber, daß den Anhängern des Herm Henlein im Kampfe gegen die Deutsche Arbeiterpartei kein Mittel zu schmutzig Stadt des Vatikans.„Offervatore Romano" veröffentlicht einen Hirtenbrief des deutschen Episkopats an die katholische Jugend, in welchem es heißt: Ma« will der katholischen Jugend die Ouelle ihres Glaubens verschließen. In Wort und Schrift Lehre, dir nicht von Gott ausgeht, sondern vom Blute. Schon suche man»ach Söldlingen, bereit, für irdische Vorteile ihren Hirten zu verraten. Die katholischen Jünglinge jedoch müßten auf der Hut sein und die Stimme ihres Hirten kennen, sie l i n g, vom Dieb und unterscheiden. In den Strömungen und in den, denen sich die Jünglinge vielleicht auch anschließen müssen und deren Entwicklung die Bi- rchüfe mit steigender Furcht sehen, spricht man nicht mehr geziemend ton Gott, Christus und der Kirche. Wenn aller Anstand verschwindet, wenn Die Forderungen der sudetendeutschen Arbeiter Eine Kundgebung der deutschen Sozialdemokraten Westböhmens Am vergangenen Sonntag tagte in F a I- weiterhin die staat-treuen, sozialdemokratisch gesinn k e n a u a. d. Eger eine Konferenz der sozial-! ten Arbeiter einerseits einem ungezügelte« Unter demokratischen Parteivertrauensleute für das! Kreisgebiet Karlsbad, auf der zu den Gegen- wartssragen der sudelendeulschen Arbeiterschaft ausführlich Stellung genommen wurde. Die Konferenz wurde mit einer Rede des Kreisver- trqpensmannes Abg. de Witte eingeleitet, der eine rege Diskussion folgte. Der Kreissekretär W o n d r a k konnte berichten, daß das organi satorische Gefüge der Partei trotz dem 19. Mai 1935 keine Einbuße erlitten hat, ja, daß in den meisten Bezirken wieder'ein erheblicher Mit gliederzuwachs festzustellen ist. Schließlich wurde einstimmig.eine Resolution angenommen, in'der es u. a. heißt: ...,„Die heute im Bergarbeiterheim, in Falkenau Versammelten Vertreter der Kreisorganisation Karlsbad und der Bezirksorganisationen Asch, Eger, Elbogen, Falkenau, Graslitz, Joachimsthal, Kaaden, Karlsbad, Königswart, Neudek, Petschau, Poder- sam, Weipert und Wildstein haben nach einer Aus sprache über die polüischen und wirtschaftlichen Tatsachen beschlossen, dem Parteivorstande und der parlamentarischen Vertretung der Partei für ihr pflichtbewußtes und von stärfiter Erfassung der Verantwortlichkeiten erfülltes Mühen Anerken nung und Dank auszusprechen. Besonderen Dank. wollen sie dem Genossen Dr. C z e ch für • seine außerordentliche Mühewaltung im Ministerrate und in der Arbeit in jedem ihm jeweils zugewiesenen Reffort-Ministerium sagen. Die heute versammelte« Vertrauensmänner habe«»alles Verständnis für die Verteidigung der ■ Demokratie durch eine auf billigen Wartradikalismus verzichtende Koalitionspolitik. Aber sie müssen ande rerseits frststellen, daß es die Mehrheit der tschechi sche» Politiker bisher leider an notwendigem Ver ständnis für die Lage der sudetendeutschen Bevölke rung und damit für die Schäftung der Boraus- . fetzungen zu einer völligen geistigen und seelischen Eingliederung der dreieinhalb Millionen Sudeten deutschen in den Staat fehlen ließ. Die Teilnehmer an der heutigen Konferenz halten cs vor allem für ganz unmöglich, daß noch Wissenswertes zum 3. Bundesturnfest Die Vorarbeiten auf dem Festplatz beginnen. Jetzt wird der Zaun gebaut; er mißt genau eine« Kilometer. Das große Zelt des Zirkus Kludsky,-in welchem die Eröffnungsfeier stattfindet, faßt 15.000 Besucher. Für die Leichtathleten werden angelegt: sechs Hundert-Meter-Laufbahnen, eine Rundbahn 360 Meter, zehn Sprunggruben. Die Geräteturner benötigen: 40 Barren, 20 Reck, 20 Pferde. . Zum Wettkampf werden gegenwärtig 400 Kampfrichter geschult. Bei der Abschiedsseier marschieren 1000 Atusjugrndliche und Männer mit je einer Sturmfahne auf. 10.000 Stück Plakate wurden an die Vereine und Bezirke verschickt. Die Tausende von Festschriften waren bis 1. Mai vollständig vergriffen. Oie Bundesfestkanzlei in Komotau eröffnet Unsere Festkanzlei befindet sich ab jetzt in Komotau, Leffingstraße 23, und zwar unter der Leitung des Genossen Ullmann. Alle daS Bundcsfest betreffenden Zuschriften sind im eigenen Interesse dorthin zu richten. Madariaga verlangt engllsch-fanzöslsche Einigung Paris. Staatsminister Paul-Bon» e o u r hatte Dienstag eine längere Unterredung mit dem spanischen Delegierten beim Völkerbünde, Madariaga, dem Vorsitzenden des Dreizehner-Ausschusses. Madariaga habe darauf gedrängt, daß England und Frankreich sich übe« einen festen gemeinsamen Standpunkt in der italienisch-abessinischen Angelegenheit vor dem 16. Juni einigen, dermaßen, daß die Angelegenheit auf der außerordentlichen Ratstagung erledigt werden könnte und nicht wieder vertagt werden müßte. Eine Schuschnigg-Stütze geborsten Wim. Wie verlautet/wurde der Präsident der Grazer Arbeiterkammer Müller, der zügleich Obmann des Landesverbandes Steiermark deS (Schuschniggschen) Freiheits b u n d e s pnd Führer der christlichen Arbeiterbewegung'" in Steiermark ist, verhaftet. Man nimmt an,'daß er in die Phönix-Angelegenheit verwickelt ist. Dementi aus Budapest... Budapest. Amtlich wird gemeldet: Einige Auslandsorgane brachten phantastische Meldungen über eine angebliche Rekonstruktion der ungarischen Regierung, über die Auslandsreisen verschiedener oppositioneller Politiker und anderer ungarischer Angelegenheiten. An zuständiger ungarischer Stelle wird erklärt, daß man diese Gerüchte, deren Unwahrheit die Ereignisse selbst beweisen werden, für zu lächerlich halte, um sich mit ihnen ernstlich zu befassen. Weiterreise des Negus nach Europa London.(Reuter.) Wie verlautet, wird sich der Negus entweder am Mittwoch oder am Donnerstag mit großem Gefolge von Jerusalem wahrscheinlich Nach Europa begeben. Neue Morde In Jerusalem ' Jerusalem.(Reuter.) Am Diensrag wurde wiederum die Leiche eipes ermordeien jüdischen Bürgers gefunden. Es ist dies seit Samstag der f L n f t e Mordfall in den Reihen der jüdischen Bevölkerung Jerusalems. Die neue Einwanderungsquote für Jude« nach Palästina ist soeben veröffentlicht worden. Sie liegt erheblich höher als die bisherige. Seite 4 Nr. 118 Mittwoch, 20. Mai 1936 Stürmischer Mai Jcujesoeuigfedten s. s. 1. 4. s. 13. 14. 1. 2 8. 4. 8. 12. 13. 18. 5. S. 7. 21. 35. 26 Aus mehreren spanischen Provinzen werden schwere Unwetterschäden gemeldet. Wolkenbruchartiger Regen, verbunden mit einem plötzlichen Absinken der Temperatur, haben weite Strecken Landes unter Wasser gesetzt. In der Provinz Saragossa sind mehrere Flüsse über die Ufer getreten und haben den ganzen Bezirk von Cala- tayud unter Wasser gesetzt. Die Straßen glichen reißenden Bächen. Bei Rcttungsarbeiten wurden 16 Personen verlebt und ins Krankenhaus eingeliefert. Die Eisenbahnzüge der Strecke Barcelona—-Madrid können nur mit großer Vorsicht fahren und halten unterwegs mehrer« Stunden. In Plasencia sind 90 Häuser unter Wasser gesetzt, von denen bereits 10 eingestürzt sind. In vielen Bezirken gilt die Ernte als vollständig verloren. Mehere Fabriken haben infolge der Hochwasserschäden ihren Betrieb einstellen müssen. Seit 40 Jahren bat man ein derartiges Hochwasser nicht mehr erlebt. In Torrija und Canada ist die Maschinenanlage des Elektrizitätswrkes vom Hochwasser zerstört wor ben. Tomänek war ursprünglich Handelslehrer, war dann bei einer bosnischen Bank beschäftigt, kam in die Landesbank nach Prag und hat hier, insbesondere nach dem Umsturz, eine bedeutsame Rolle gespielt. Bei der Sanierung einer Reihe vün Banken hat er sich außerordentliche Verdienste erworben und er galt als einer der kenntnisreichsten Bankdirektoren der Republik. Erst vor zwei Jahren wurde Tomänek Generaldirektor, erkrankte aber bald und ist nach längerem Leiden nunmehr gestorben. Er war ein außerordentlich liebenswürdiger, korrekter und gerechter Mensch, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreute und sein Tod bedeutet für dieses bedeutsame Institut einen schweren Verlust.. Astronomische Expedition nach Japan. Dienstag vor 3 Uhr nachmittags trat die aus Dr. Huberi Sloukä, Dr. Karel Hujer und RRC Zdenck Kopal bestehende tschechoslowakische Exkursion die Reise nach Japan an, um dort die Sonnenfinsternis zu beobachten. Auf dem Prager Wilsonbahnhof hatten sich zur Verabschiedung der japanische Geschäftsträger Noboro Ogawa mit Legationssekretär Dr. Coudenhobe, ferner die Vertreter der Presse und zahlreiche persönliche Freunde eingefunden. Militärflieger tödlich abgestürzt. Dienstag nach 14 Uhr ist auf dem Prager Flugplatz beim Einüben des Schießens auf ein Bodenziel der Feldpilot Flieger- Zugsführer Frantisek Vecer vom Flieger-Regiment Nr. 1 mit dem Flugzeuge N 534-79 abgestürzt.. Der Pilot war sofort tot. Tas Unglück wurde dadurch verschuldet, daß das Flugzeug in einen Wirbelwind geriet, durch den es zu Boden gerissen wurde. Sieben auf einen Streich,(mb) In Pozo Azul(Nicaragua) hat eine Bäuerin sieben Kinder zur Welt gebracht.(Sicbenlinge, nicht sieben im Verlauf einiger Jahre). Vier sind gleich nach der Geburt gestorben; die anderen drei und die Mutter sind in kritischem Zustand ins Krankenhaus nach Rivas City gebracht worden. Traditions-Manie in England. Seitdem es sich herauSgestellt har, daß auch der junge König Eduard VIII. uralte Traditionen würdigt und zu pflegen beabsichtigt, ist eine wahre Traditionsmanie ausgebrochen, und man kann täglich in allen Zeitungen Mitteilungen finden, welche Traditionen sich bis heute erhalten haben. So zahlt zum Beispiel die Hafenverwaltung von Winchelsea bis heute ein Gehalt von allerdings nur anderthalb Pfund jährlich für einen besonderen Wächter, der eigentlich Tag und Nacht übers Meer auSzulugen hat, ob nicht Dieser treue und Bambinatos. Er schützt Hirschkäfer, Sumpf-Schildkröte und rote Waldameise. Herr Göring ist ein Humanist! j. e. Generaldirektor Tomänek gestorben. Diens tag ist im Alter von 69 Jähren der Generaldirek tor der Landesbank, Ferdinand Tomänek, gestor«| eine französische Flotte im Anzuge sei. den; 18 Dörfer bleiben dadurch ohne Lichtversorgung. » Nach Meldungen aps den Schwarzmeerhäfen herrscht seit einigen Tagen im ganzen Gebiet des Schwarzen und des Asowschen Meeres ein schwerer Nördöststurm, der die ganze Schiffahrt lahmgelcgt hat. Die Hafenbehörden von Noworos- sijks, Odessa und anderenSchwarzmeerhäfen haben die Einfahrt von Schiffen verboten. An Land hat der Sturm bereits große Verheerungen angerichtet. Dächer wurden abgedeckt und Häuser beschädigt.. Die Verkehrsverbindungen sind teilweise unterbrochen. Große Schäden haben die Gartenkulturen und Weinberge erlitten. * lieber Washington hat Montag abends ein schwerer Sturm gewütet, wobei ein großes Zirkuszelt, in dem 16.000 Zuschauer versammelt waren, umgerissen wurde. Dabei wurden zwei Menschen getötet.— In das Gebäude des Kapitols hat der Blitz eingeschlagen, ohne jedoch einen Schaden anzurichten. Göring schützt Narzissen, Aurikel und Edelweiß Am^23. März 1936 erschien das deutsche Reichsgesetzblatt, Teil I, Nr. 25. Diese Nummer des Reichsgesetzblattes enthält die Verordnung zum Schutze der wildwachsenden Pflanzen und der nichtjagbaren wildlebenden Tiere(Naturschutzverordnung) vom 18. März 1936. Am 7. März 1986 wurde die Remilitarisierung der Rheinlandzone von der Hitler-Regierung beschlossen, elf Tage später wurde von dieser selben Regierung, ein Gesetz beschlossen(unterzeichnet allein vom Reichsforstmeister Göring), darin es unter anderem heißt: ..8 4 Es ist... verboten, wildwachsende Pflanzen der folgenden Arten zu beschädigen oder von ihrem Standort zu entfernen: Strautzfatn, Struthiopteris Germimica Willd. Hirschznnge. Seolopendrium vulgare Smith. Königsfarn. Osmund« regalis L. Gelbe Narzisse, Narciffus pseudonarciffus L. Orchideen, Knabenkräuter, Orchidaceae. Großes Windröschen, Anemone silvestris L. Akelei, Aquilegia, alle einheimischen Arten.. Seidelbast, Sttinrösl, Daphne, alle einhe'm. Arten. 20. Alpenveilchen, Cyclamen europaem. 21. Aurikel, Primula auriculh, L. 23. Enzian, Gentania. 24. Edelweiß, Leontopodium älpinum L. § 5 Es ist... verboten, die unterirdischen Teile (Wurzelstöcke, Zwiebeln) oder die Rosetten wildwachsender Pflanzen der folgenden Arten zu beschädigen oder von ihrem Standort zu entfernen: 1. Maiglöckchen, CouvaIlaria majalis L. 2. Meerzwiebel, Scilla. 3. Wilde Hhazimhe. Muscari. 4. Gemeines Schneeglöckchen, GalanthuS nivalis L. Großes Schneeglöckchen, Märzenbecher, L. v. L. Schwertel, Siegwurz, Gladiolus. Christrose, Schwarze Nieswurz, Helleborus Niger L. Alle Rosetten tragenden(rosettig beblätterten) Steiybrecharten,' Saxifraga. Himmelschlüssel, Primel, Primula. 8 24. Die folgenden Tierarten sind geschützt: Igel. 2. Dw Spitzmäuse., 3. Die Fledermäuse. Die Sump-Schildkröt«. Mauer-Eidechse. Blindschleiche. Ringelnatter. 20. Die Kröten und Unken aller Arten der Gattungen: Buso, Alytes, Pelrlates und Bem- binätos. Laubfrosch. Hirschkäfer. Rote Waldameise. Es ist verboten, Tiere dieser Arten mutwillig zu töten oder sie zum Zwecke der Aneignung zu fangen<.. lebend oder tot—<’' Eier, Larven. Puppen und Nester der geschützten Jnsektenarten mitzüsii^ren, zu versenden, halten, auszuführen, andern zu überlassen, zu er-; werben, in Gewahrsam zu nehmen oder bei solchen Handlungen mitzuwirkeu." Strafen bis zu zwei Jähren Gefängnis be. drohen den Uebertreter dieser Verordnung. Welche Humanität! Wehe, wer einem Hirschkäfer, einem Igel, einer Spitzmaus, einer Maurr^Eidechse oder einer Blindschleiche, wehe wer einer Ringelnatter etwas zu Leide tut. Herr Göring hat sich nicht geschämt, dies Gesetz zu unterschreiben. Der Brandstifter vom 27. Feber 1933 und der Mörder vom 30. Juni 1934 und zahllosen anderen Tagen steht vor der Welt als Schöpfer ihres humansten Pflanzen- und Tierschutzgesetzes! Wo gibt es sonst noch ein Gesetz zum Schutze der Blindschleichen, Fledermäuse und Sumpf-Schildkröten? Wo gibt es an 150.000 Konzentrations- lager-Jnsassen, Polizei- und Gerichtsgefangene, die, gemartert, wie es die Sittengeschichte der Erde bisher nicht kannte, zu Tode gefoltert wie Erich Mühsam, langsam in Raten hingerichtet wie Carl von Ossietzky, Litten, Nierendorf und all die anderen aus Papenburg, Spandau, dem Columbia-Haus und der Ueberhölle Dachau, der Welt ein Beispiel ohnegleichen bieten.(Durch 1200 Tage schon!) Wo gibt es über 400.000 Juden, die, be- raubt, vogelfrei, ohne Existenzmöglichkeit, geäch- trt, zum Untergang verurteilt, ihre Tage in Angst und die Nächte in Tränen verbringen? Wo gibt es eine Führerclique, die aus Verbrechen: besteht, deren Macht sich einzig auf Lüge und Mord gründet, Lüge und Mord voy solchem Format in Ouanti- und Oualität, daß Shakespeares Richardfiguren Waisenknaben sanfter Liebe dagegen sind? Wo in der Welt ist das alles Wirklichkeit geworden und nicht Alp schlafloser Nächte? Wo? Im Dritten Reich! Aber Herr Göring schützt gelbe Narzissen, Aurikel und Edelweiß. Herr Göring schützt Igel, Laubfrosch, Mauer-Eidechse, Blindschleiche und Ringelnatt einschließlich der I terchen. ■ f•---■ J Herr Göring schützt Kröten und Unken aller feikzu«' Arten der Gattungen Bufo, Alytes, Pelobates Wächter, der die jahrhundertelange Gefahr einer französischen Landung auf englischem Boden abwenden soll, heißt Jimmy Baden.— Eine nicht minder merkwürdige Pflicht hat der Pfarrer des kleinen Ortes Sibson in Leicestershire: er muß jeden Abend Punkt 8 Uhr die Sturmglocke läuten. Dafür erhält die Gemeinde das Recht, 20 Hektar zu bearbeiten. Dies geht auf eine Erbschaftsbestimmung zurück, die fast 200 Jahre alt ist. ,Damals wurde ein Bewohner der Ortschaft in Sturm und Rebel durch den Klang der Glocke auf den richtigen Weg gebracht, unp er hat bei seinem Tode aus Tank für diese Errettung verfügt,, daß nunmehr die Glocke bis in alle Ewigkeit jeden Abend läuten sollte, um herumirrende Seelen zu leiten.— Es gibt niemanden, der geheiligte Traditionen zu durchbrechen wagt. Sogar die vier Abgeordneten der unabhängigen Ar- beiterpartei im Unterhaus fügen sich ihr. Voller Verachtung pflegen sie nicht im Gehrock zu den Sitzungen zu kommen, sondern im Sportdreß. Aber sie benötigen einen Zylinder. Tenn um die Aufmerksamkeit des Speakers auf sich zu lenken und das Wort zu ergreifen, hat man eben einen Zylinder und keinen weichen Filzhut auszusehcn. Da die vier dieses Requisit nicht besaßen, borgten sie sich einen Zylinder aus und haben' es auch nicht übelgenommen, als ein liberaler Abgeordneter nach diesem Vorgang ihnen einen Zylinder für parlamentarische Zwecke schenkte. 40 Fischer vom Asowschen und Schwarzen Meer- Fischer ei trust, die vor fünf Tagen auf Fischerbooten zum Delphmfcküg ausfuhren, sind seither verschollen. Windhose. In der wesrbulgarischen Stadt Dup- nica hat eine Windhose ein Haus zerstört. Unter den Trümmern wurden die Leichen von drei Frauen und einem Mädchen geborgen. Eine Frau und ihre beiden Kinder wurden schwer verwundet. Massenverurteilung,(mb.) In New Nork find sechs Gangster zum Tode verurteilt worden wegen der Ermordung des Prooklyner Autobuschauffeurs Espito. Interesse für klassische Philologie— geringe Berufsaussichten. Die Zahl der Studierenden der klassischen Philologie an der Prager deutschen Universität hat außerordentlich stark zugenommen. Gegenüber einem Durchschnitt von etwa 20 Hörern im Jahre 1932 und früher ist sie im Wintersemester 1935/36 auf 105 gestiegen, davon allein 50 im ersten Jahrgang. Für Griechisch-Latein bestehen- heute in der Tschechoslowakei nurmehr zehn Gymnasien, darunter drei geistliche. Der Bedarf an Lehrkräften dieser Fachgruppe ist somit sehr gering, anders verhält es sich nur, wenn Latein mit einem anderen Lehrfache verbunden werden soll. Bon der Universität wurden die Msttelschuldirektionen nunmehr ersucht, dahin zu wirken, daß sich nur jene Schüler dem Lateinstudium widmen, die eine ausgesprochene Begabung für klassisch« Philologie besitzen. Wahrscheinliches Wetter Mittwoch:/Wechselnd bewölkt, stellenweiseNeigung z» Regcnfällcix oder Gewitter. Erhöhte Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht, Ostwind. Donnerstag: Allgemeine Wetterlage unsicher. Vom Rundfunk UnMilMiwarlM w«n Programmai . Donnerstag Prag, Sender L.: 7.00 Konzert aus Karlsbad. 13.45 Schallplatten. 17.35 Deutsche Sendung, Reportage von der Arbeitstagung der deutschen Bezirks» bildungSausschüsse und Büchereiräte, mit Ansprachen von Dr. Krofta, Dr. Spina, Abg. Falsch, Direktor Zäk. 18.10 Männerchöre.— Sender S.: 14.30 Deutsche Sendung: Böhmerwäldlerstund« mit HanS Multerer.— Brünn: 12.15 Kinderchor. 17.50 Teuische Sendung: Bettelstudent, Operette von Millöcker.— Prehburg: 9.30 Slowakische Volkslieder. 16.00 Nachmittagskonzert.— Mähr.-Ostrau: 11.10 Klassische Musik. 17.50 Deutsche Sendung: Urba« nowsti: 25 Jahre seit dem Tode Gustav Mahlers. Hauptmann Sdiorsdi Von Albert Dnudistel (Schluß.) Täglich exerzierten sie von nun an im Walde. Sie übten an den Feind heranschleichen; sie übten Berständigungspfiffe und versahen an ihren Pfaden die Bäume mit unauffälligen Merkmalen, nach denen sie sich im Vorkriechen gegen Schwalenberg orientierten. Am Anfang der zweiten Woche legten sie vor lauter Tatendrang auf dem Schwalenberger Gebiet eine Birke um und kamen auf den Einfall, nach den täglichen Manövern, an dem gefällten Baum ein Lagerfeuer anzuzünden und im Scheine der Flammen aus dem Buche„Der Krieg" voUulesen und dann, bis die Glut verglimme, das Gelesene zu besprechen. . An. einem Sonntag feierten sie den ersten Sieg im Feindesland; sie hatten auf einem Schwalenberger Acker, der an den Wald grenzte, vier Tauben erlegt. Drei davon traf Hannes. Er wurde vom Hauptmann in Anerkennung seiner hervorragenden Leistung zum Unteroffizier ernannt. Die Tauben wurden an der gefällten Birke gerupft und ausgeschlachtet, dann auf einen Draht gereiht und über dem Lagerfeuer geröstet. Als sie das Mal beendet hatten, befahl Georg, künftig müßten die Jüngsten größere Portionen bekommen, damit aus ib:en kräftige Soldaten würden...„Fein" sagte der Kleine und leckte das Fett von seinen Fingern. Während sie dann die Glut deS Feuers tot- fchlugen, erklärte der Hauptmann, es müsse endlich ernst gemacht werden; morgen würde er die erste Schleichpatrouille nach Schwalenberg an führen, deren Aufgabe eS sei, als" Tribut eine Gans oder drei Hühner oder drei Enten einzuholen. Konrad und Hannes stimmten begeistert zu. Die anderen, stocherten, verlegen in der. Asche,. Bei der nächsten Zusammenkunft bestand das Bataillon nur noch aus acht„Mann". Die zwei die fehlten, hielt die Angst zurück! Sie wurden geächtet. Die Schleichpatrouille erfüllte ihre Aufgabe gewissenhaft; sie erbeutete einen Hahn, zwei Enten, eine Gans und ein Spanferkel, dem sie mit einem Taschentuch die Schnauze zubanden. Heimlich brachten ssie die Beute in den Ställen der Aermsten ihres Dorfes unter... Acht Tage später erschien Georg mit einer Pistole im Walde, die er seinem Großvater entwendet hatte. Er war ein alter Trommelrevolver; zwanzig Reservepatronen, die er in einem Karton fand, verbarg er in einem Fuchsbau. Jeder durfte einen Schuß abfeuern, um standhaft und zielsicher zu werden. In der folgenden Woche erlegten sie in einer Schwalenberger Schonung, in der das Wild zutraulich war, ein Reh. Nun aber standen sie ratlos vor dem Werk. In ihr Dorf durften sie die Beute nicht bringen; auch durste niemand etwas darüber erfahren. Sie verscharrten das Tier, be- trachteten den Fall als„Vergeltungsmaßregel" und wurden verschlossen zueinander, zumal sie gar bald hörten, daß der Förster den Schüssen im Walde nachspürte. Auch hatte das Spanferkel und das fremde Geflügel Aufsehen erregt. Das Bataillon, das nun bloß noch aus fünf Mitgliedern Bestand, wechselte seinen Lagerplatz hinter eine mit verwilderten Tannen bewachsene Anhöhe. Und Georg beschwor seine Getreuen, daß sie sich jetzt ganz auf Schwalenberg einzustcllen hätten, vor allem müßten sie dem Gerichtsvollzieher die Kuh wegtreiben, dann sei ihre Hauptaufgabe erfüllt. Mehrere Tage versuchten sie an das Gehöft des Gerichtsvollziehers heranzukoinmen, denn die Schwalenberger ließen, nachdem sie die Diebstähle entdeckt hatten, ihre Wachhunde von der Kette los. Alle Versuche der Kolonne—4» nannte sich das Bataillon, seit es nur noch aus fünf bestand— die Kuh zu erobern, mißlangen. Aus Zorn darüber ging Georg zu dem Plan über, die Scheune des Gerichtsvollziehers abzubrennen... An dem Nachmittag, den er für die Anlegung des Brandes bestimmte, lauerte er hinter der Anhöhe auf die Ankunft der anderen. Er hockte auf einem Baumstumpf und wartete und wartete. Vor ihm stand eine Konservenbüchse voll Petroleum. Er ließ Streichhölzer abbrennen, zündete kleine Fallholzstückchen an und spielte ungeduldig mit dem Feuer. Bei jedem Geräusch, das der Wind verursachte, schrak er zusammen. Plötzlich horchte er mit angespannten Sinnen. Ihm wars, als habe er ein dumpfes Tappen auf dem Waldboden gehört. Es wurde dunkel, immer dunkler. Es war ganz stille. Er merkte nicht, daß der Wind, der sich drehte, das Geräusch nicht zu ihm ließ. Dann aber kam es ihm vor, als bummse es auf dem Waldboden wie Gelaufe auf Strümpfen. Flüsternd rief er in die Finsternis:„Konrad? Ludwig? Hannes? Julius?" Niemand antwortete. Plötzlich kam das Geräusch auf ihn zu. ganz deutlich, immer lauter, immer lauter. Zaghaft zündete er ein Streichholz an, hielt es hoch und— da starrte er in das entgeisterte Antlitz seiner Mutter. Hinter ihr standen seine Kameraden. Das Zündholz entfiel seiner Hand. „Komm, Georg", sagte die Mutter,„komm mit, nach Hausei" Wortlos richtete er sich auf. Wortlos ging er neben ihr dahin. Sie legte ihre Hand auf seine Schulter und sagte besänftigend:„Die anderen haben dich nicht verraten; sie wollten dich nur bewahren!" Er schtvieg und steckte stinc Hand in die Hosentasche. Da ttaf ihn aus dem Dunkel das grelle Lickst einer Taschenlampe. „Nicht leuchten!" rief die Mutter aus Angst um ihn,„nicht leuchten! Nicht leuchten!" Er stutzte. Schnell hielt sie ihre Hand vor sein Gesicht. Und da sah er durch das Licht, das die gespreizte Hand, die ihn schützte, schattenhaft, gespenstig erscheinen ließ, den Förster. Georg wich zurück, nahm seine Hand, die die Pistole umkrampfte, an seine Schläfe. Und— da krachte sein letzter Schuß. Lautlos sank er um- Am viertem Tag nach meiner Ankunft in Glashuden setzte ich mich, als es zu dämmern begann, wieder in die Gaststube, an den großen, runden Tisch. Die Plätze waren noch leer. Ich schrieb all das, was ich über Georg erfahren hatte, nieder. Als ich aufschaute, saßen die Bauern wie-, der bei mir. Keiner sprach. Und die Wanduhr tickte und tickte. Die Tür öffnete sich. Der alte Bauer kam herein und flüsterte, indem er sich zwischen zwei Köpfen über den Tisch neigte:„Auf seinem Grab liegt seit Sonnenuntergang ein Kranz; da steht drauf: Dem kleinen Georg! Die Bauern von Schwalenberg!" Und da erhoben sich die Seelen, eine nach der anderen, und murmelten eine nach der anderen:„'n Nacht!" Und schweigend gingen sie zur Ruhe. r «r. 118 Mittwoch, 20. Mai 1936 Teile 5 Das„kultivierte“ Addis Abeba flusZand Wehrforderunsen der Schweizer Sozialisten Dieser Tage nahm der Parteivorstand der sozialdemokratischen Partei der Schwei z, der sich mit aktuellen Fragen der Wirtschaftspolitik befaßte, auch Stellung zu der W e h r v o r« läge. Er stellte fest, daß sie rein militärisch gedacht sei und die wirtschaftliche und geistige Landesverteidigung außer acht lasse. Er erachte aus diesem Grunde die Borlage als ungenügend. Er beantragt dem Parteitag, zwar den für die Landesverteidigung erforderlichen militärischen Krediten zuzustimmen, aber folgende Forderungen aufzustellen: a) Die Verstaatlichung der Rüstungsindustrie und die staatliche Kontrolle der für die Rüstungszwecke arbeitenden Rebenindustrien; b) die Indienststellung der für Heere-liefe- rugn arbeitenden Fabriken unter Ausschluß von Sonderprofiten; c) eine Wirtschaftspolitik schon in der Friedenszeit, die den Bürger vor Rot und Entbehrung schützt und ihm auch in der Krisenzeit eine ausreichende Existenz ermöglicht; d) eine Finanzpolitik, die die großen Vermögen und Einkommen für die Kostendeckung der neuen Wehrmaßnahmen heranzieht, sei es in der Form einer besonderen Wehrabgabe oder in der Form einer umfassenden Wehranleihe zu niedrigem Zinsfuß zugunsten der militärischen und der wirtschaftlichen Landesverteidigung; e) Ausmerzung aller f a s ch i st i- schen Einflüsse in der Armee und auf dieser Grundlage Gleichberechtigung aller Wehrpflichtigen zur Bekleidung von militärischen Chargen nach Eignung und Fähigkeiten; f) Verbot aller faschistischen oder halbfaschistischen Organisationen, die andere Staaten im Interesse ihrer höheren Kriegsbereitschaft auf Schweizer Boden unterhalten; g) Bekämpfung aller innerpolitischen Tendenzen, die, im Widerspruch zum schweizerischen Volkswillen, eine Verkümmerung der demokratischen Freiheits, und Selbstbcstimmungsrecht« der Bürger und die Ausschaltung der Einflusses der verfassungsmäßigen Instanzen auf den Staat und seine Politik anstreben. Italiens Hand in Palästina. Der Jerusalemer Korrespondent des„Daily Hcrald" meldet -— zugleich mit einem selbstverständlichen Dementi deß italienischen Generalkonsuls,— daß der Aufstand der Araber mit der nachträglich aufgestelltcn Parole„Gegen weitere Judeneinwanderung"• durch r e ich, e i t a l t/ n i.s ch e Gel d überwei s u n g e n an di« Stämme auSgelöst wurde, die zumeist getarnt autz dem französischen Mandatsgebiet Syrien, früher auch direkt vonI Europa gekommen sind. Die jüngste dieser Sendungen betrug nicht weniger als 5000 Pfund süber 600.000 XL). Man versuchte, selbst die Beduinen Transjordäniens zur Judenschlachtung nach Palästina zu bringen, was aber Emir Ab- dlillah durch allgemeine Abmahnung und—- die englische Grenzwache verhinderten. Ten Arabern wurden je dtei Pfund(365 XL) pro Tag für Teilnahme an der Judenverfolgung sowie die vassiye„Unterstützung der ganzen Welt" in Aussicht gestellt! Ein« Denkschrift zezen Schacht.(AP.) Di« nachträglich bekannt wird, ging der Ernennung Görings zum Reichswirtschafrskommiffar die Abfassung einer Anklageschrift der sozialradikalen Partei- krejss gegen Schacht voraus, der wir folgende Hauptpunkte entnehmen: 1. Schacht habe den berüchtigten „schwarzen Freitag" am 13. Mai 1927 an der Berliner Börse inszeniert, durch den es zu einem katastrophalen Kurssturz an der Börse, zur Vernichtung zahlreicher Existenzen und zu einer schweren Schädigung der deutschen Volkswirtschaft gekommen sei. 2'Er habe seinen Reichtum durch riesige Börsenspekulationen ermöglicht. Die Beeinflussung der Kurse durch ihn sei vorwiegend von seinen privaten Inrerenen bestimmt gewesen. 3. Er treibe einen unerhörten Luxus. So seien für die Renovierung seiner Dienstwohnung im Gebäude der, Reichshank aus Reichsmitteln fast 800.000 RM' ausgewandt worden. 4. Er sei ein politischer Konjunkturritter. Aus geschäftlichen Erwägungen sei tr eiyst der Demokrattschen Partei beigetreten, die ihn 1924 als den Vater der Renienmark gefeiert habe, und aus den gleichen Erwägungen habt er ihr den Rücken gekehrt, wobei er die Kampagne für die Für- stryenteignung zum Vorwand genommen habt. Auch seine Familienangehörigen hätttn sich als die gleichen Konjunkturritter erwiesen. Seine Tochter und sein Schwiegersohn, Dr. v. Tcherpenberg, seien btr Sozialdemokratischen Partei aus eigennützigen Erwägungen beigetrettn. Der letztere habe seine Einreihung in den diplomattschen Dienst, lediglich der Protektion einflußreicher Politiker der Weimarer Republik zu verdanken. Später sei das Ehepaar in die' NSDAP ringetreten, und heute sei Schacht- Schwiegersohn Botschaftssekretär in London. Ein neue- Werk de- antifaschistischen Dichter-: I- n a z r o S i l o n e Brot und Wei« Roman au- dem Alltag deß faschistische» Italien —— Preis geb XL 56.——— Zu beziehen durch dir Zentralstelle hur da- Bttdungöwesen, Prag XII., Slezska 13. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Pensionsversicherung der Aerzte Der Reichsverband der deutschen Aerzte hat am Sonntag, den 17. d. M.< im Grand Hotel in Brünn eine Pressekonferenz einberufen, zu der sich die Vertreter der deutschen Tagespresse eingefunden haben. Der Vorsitzende des Reichsverbandes Dr. Schöppe aus Aussig erläuterte in seinen für die Presse bestimmten Ausführungen die Aufgaben des Reichsverbandes, der als wirtschaftliche unpolitische Standcsorganisätion die Interessen der deutschen Aerzte in diesem Staate zu wahren hat. Koaliert mit dem Zentralverband-der tschechischen Aerzte, stehen 1 in nächster Zeit die Fragen der Erwerbsteuer, die P e n- sionsversicherung der Kassenärzte mrd die Reform des ärztlichen Stu- d i u m S im Vordergrund. Ebenso bedarf es einer definitiven Regelung der zahnärztlichen Praxis. Tie wirtschafttiche Unsicherheit, hervorgerufen durch widersprechende Steuerpraxis der Steuerämter bei Vorschreibung der Erwerbsteuer, das Fehlen einer wirklichen',' dem Stande der Aerzte angemessenen PeNsiönsvcrsicherung, die Reform des ärztlichen Studiums für den ärztlichen Nachwuchs, sind so brennende Fragen der gesamten Aerzteschaft, an denen die Oeffentlichkeit nicht achtlos vorübergchen kann.— Besondere Anerkennung zollte Dr. Schöppe dem Minister fürGesundheitswcsen, dem Genossen Dr. C z e ch, dem durch seineJnitiative und intensive Arbeit die volle Anerkennung und Dank der Reichsorganisation und der Aerzte gebührt.— Nach einer regen Aussprache, die die Dctailfragen betrafen, fand die Pressekonferenz ihren Abschluß. Oie staatliche Exportförderung Zu den bisherigen Maßnahmen der staatlichen Exportförderung hatte der Ministerrat Ende April durch Beschluß, besondere Umsatzsteuernach« lässt im Export hinzugefügt. Das Finanzministerium teilt jetzt die Einzelheiten der gewährten Erleichterungen mit. Es ist aus der Bekanntmachung zu ersehen, daß erhebliche Nachlässe für die Umsatzsteuer beim Export von Mehl, Malz, Fleisch, Fleischkonserven, Glaswaren, Porzellan, Tonwa- rcn, für die Erzeugnisse der verschiedenen Branchen der Textilindustrie, für Kabel, Waffen, Eisen- und Blechwaren gewährt werden. Diese Umsatzsteuernachlässe können eine Verbilligung der in Frage kommenden Exportwaren zur Folge haben und zu einer erfolgreicheren Konkurrenzfähigkeit führen, vorausgesetzt, daß nicht durch Preisdiktate der Kartelle die vom Staate angestrebte Exportförderung zunichte gemacht wird. Oie Tschechoslowakei in der russischen Handelsbilanz In der russischen Außenhandelsbilanz für das erste Quartal 1936 steht die Tschechoslowakei dem Gesamtmnsatz nach an neunter Stelle. Die Einfuhr Rußlands aus unserem Staat wird mit 3,188.000 Rubel angegeben. Die Ausfuhr in die Tschechoslowakei betrug dagegen nur 254.000 Richel. Die Handelsbilanz ist demnach für Rußland mit 2,934.000 Rubel passiv^ Am höchsten ist der Umsatz des sowjetrussischen Außenhandels mit den Bereinigten Staaten von Nordamerika. Er beträgt mehr als 19 Millionen Rubel, wovon mehr als 13 Millionen Rubel auf die Einfuhr und 6 Millionen Rubel auf die Ausfuhr entfallen. An zweiter Stelle folgt Großbritannien mit einem Gesamtumsatz von 17 Millionen Rubel. Im Bekehr mit Großbritannien ist Sowjet- Rußland. aktiv. ES führte in den ersten drei Monaten dieses JahreS für 10,600.000 Rubel nach Großbritannien aus, aber nur für 6,480.000 Rubel aus diesem Lande eia. Eine starke Passivität, sie beträgt mehr als 5 Millionen Rubel, zeigt der Handelsverkehr Sowjetrußlands mit Deutschland.| Größere Umsätze als die Tschechoslowei weisen im Außenhandel mit Rußland noch Belgien, Frankreich, Holland und Japan auf. Bei Belgien fällt besonders die hohe Einfuhr sowjetrussischer Waren— für 4,153.000 Rubel— auf. Der weitere Ausbau der tschechosloivakssch- sowjetrussischen Handelsbeziehungen mit dem Ziel einer Steigerung des Gesamtumsatzes ist also noch immer eine Aufgabe, die die Anstrengungen unserer Wirtschaft lohnt. Linkender Lurkerexport In den ersten sieben Monaten der diesjährigen Zuckerkampagne wurden 1,497.000 Zentner im Rohzuckerwerte exportiert. In der gleichen Zeit des Vorjahres gelangten 1,310.561 Zentner, also um 310.064 Zentner inrhr. als Heuer zur Ausfuhr. Die bedeutendste Minderausfuhr an Zucker weist der Export nach Griechenland auf. Nach diesem Lande ist die Ausfuhr von 155.599 Zentnern im Vorjahre auf 25.205 Zentner in diesem Lahre gesunken. Nach England- wurden 107.699 Zentner weniger ausgeführt. Eine beträchtliche Zunahme weist der Export nach Italien auf. Bon 173.133 Zöntner in der vorjährigen Kampagne ist er auf 222.620 Zentner in diesem Jahre gestiegen. klasse marschiert im 6. Atus-Kreisl Ueber 10.000 Teilnehmer bei den Maiwan- derungen— 2500 aktive Teilnehmer bei den sechs Gebietsproben Nach den gelungenen Maiwanderungen kann jetzt schon gesagt werden, da die am 7. I u n i in allen Bezirken des Kreises stattfindenden Bezirks- t u r n f e st e gesichert sind. Ueber alle Erwartungen stark kamen die Atus-Vereine aus allen Orten nach den Sammelstellen gewandert. Biele Vereins hatten zwei- bis dreistündige Fußmärsche hin und zurück zu absolvieren. Rach der bisherigen Ueber- sichr sind 548 Turner, 466 Turnerinnen, 561 Knaben und 785 Schülerinnen zu den Freiübungsproben angetreten. 2360 aktive Teilnehmer, rund ein Viertel der im 6. Kreis gemeldeten Mitglieder und Kinder, haben bei dieser ersten Probe ihre volle Pflicht erfüllt. Die als Wanderziel ausgcwählten Orte erlebten am Sonntag, große Feste und farbenprächtige Gruppen durchfluteten die kleinen Orte, Herrliches Wetter begünsttgte diese Maiwanderung, braungebrannte Gesichter und froher Gesang zeugten von größter Lust und Freud. Zehntausend« wanderten, Zshntausende waren in den Gaffen der durchwanderten Orte Zeugen der ungebrochenen Lebenskraft unserer Turner und Sportler. Noch ist die Werbeaktton des Atus nicht abgeschlossen; Westböhmen wird einige hundert Turner, Turnerinnen und Kinder al» neugeworben dem Verbände melden kennen und dieser Sonntag wird noch viele, neue Freunde dem Atus gewinnen helfen. Die zentrale Wanderung des 1. Bezirke» nach dem kleinen Jndustrieorte Merkeisgrün war ein Erlebnis. Die aufgestellten Vereine in Lichtenstadt erwarteten die Maierhöfener mit der Turnerkapelle uird dann marschierte der 1800 Personen Wählende Zug dem Ziele, Merkelsgrün, zu. Zum Appell traten 120 technische und administrative Funktionäre an, denen die letzten Weisungen für da» Bezirks-' sowie Bundesturnfest vermittelt wurden. Nachmittags wurden die Freiübungen der Schülerinnen, Schüler, Turnerinnen und Turner sowie die Tänze der Turnerinnen geübtt Die Hebungen haben gezeigt, daß gute technische Arbeit geleistet wurde. Besonder» stark vertreten waren die Frauen. Auch die Radfahrer haben ihre Probe der Radfreiübungen durchgeführt. Ein Versager waren die Fußballer. Tie erste Probe des Bezirkes hat den Beweis erbracht, daß die Prüfung bestanden wurde. Tie aktive Teilnahme am Bezirksturnfest in Alt- xohlau wird zum Ausdruck bringen, daß der 1. Bezirk zum Bundesturnfeste bis auf den letzten Mann gerüstet ist. Der 2. Bezirk, welcher in zwei Orten ausmarschierte, kann mit dem Treffen der Egerer Gruppe in dem.kleinen Burgorte S e e b e r g sehr zufrieden sein. Von den 2000 Besuchern reihten sich 1200 Mitglieder und Kinder in den Festzug ein. Auf dem Festplatz hielt Bezirksobmann Genösse Winter eine Ansprache, in der er sich mit dem PundeSturnseste befaßte und die Forderung aufstellte,, die doppelte Anzahl zur zweiten großen Probe, zum Bezirks- turnfest in Franzensbad stcllig zu machen. Sehr gut wurden die Freiübungen geturnt. Dann gab es noch ein Raffballspiel Eger gegen Liebenstein, welches Eger mit 7:5 gewann.— Die obere Ascher Gruppe konnte von den acht Atus-Vereinen sieben in Schönbach bei Asch versammeln. Ein Festzug vereinigte 450 Teilnehmer, weit über 500 Menschen füllten den Sportplatz. Ein Völkerballspiel zwischen Schüler und Schülerinnen des AtuS Asch gefiel sehr. Mit der Anzahl von 688 aktiven Teilnehmern im ganzen Bezirk ist der 2. Bezirk mcht zufrieden, bis zum Bezirksturnfest muß das.Tausend" voll werden. In P e ch b a ch bei Graslitz sammelte sich der 3. Bezirk. Zehn Atus-Vereine waren mit 488 Mitgliedern vertreten. Ueber 1000 Menschen wurden am Festplatz gezählt; ein Beweis, daß auch daS so hart betroffene Graslitzer Gebiet stramm zur Atus- Bewegung steht. Turnen und Spiele wechselken ab, eine zweistündige Sternwanderung, welche zurück zum Sportplatz führte, ermöglichte es, recht viele Orte zu berühren und die Werbetätigkeit zu fördern. Auch Südböhmen, welches als 4. und 6. Bezirk dem 6. Kreis angehört, hat seine Maiwanderung durchgeführt. Die Gruppe Pilsen wanderte nach Staab. Ueber 1500 Festzugsteilnehmer und rund 500 akttve Teilnehmer wurden festgestellt. Die Gruppe Marienbad wird kommenden Sonntag die Maiwanderung nachholen, da damit gleichzeitig die Hauptprobe für das Kreisarbeiterfest in T a ch a u verbunden wird. Ter 5. Bezirk hatte seine Maiwanderung mit dem' zehnjährigen Gründungsfest des Atus Wintersgrün in Verbindung gebracht. Sportliche Wettkämpfe am Sapistag und am Abend hielt«m gmbesuchter Festabend im Freien den ganzen Ort in Bann. In den Morgenstunden des Sonntags trafen die ersten Turner-, SJ- und Kinderfreundegruppen in Wintersgrün ein. Acht Zehnermannschasten Knaben und elf Gruppen Mädchen traten zum Mann» schaftskampf an. Ein Handballspiel zweier Schülermannschaften sah Falkenau stark überlegen. Acht Viercrschachmannschaften trug ein Schachturnier aus, die Fortsetzung mußte auf das Bezirksturnfest verlegt werden Der Propagandazug, welcher in einer Stärke von 1400 Personen den Ort durchzog, wird lange ein großes Erlebnis für die Wrntersgrüner bleiben. Selbstverständlich Awaren auch unsere Atus« Samariter fleißig'an der Arbeit; auf allen Plätzen sah man die Samariterzelte mit den«ingeteilten Dienstmannschaften. Der 1. Bezirk führte sogar Distrikiswettkämpfe durch. Fast nicht ihre Pflicht erfüllt haben die A r- beiterfußballer. Einige Bezirke erwäge», au- dem Programm des Bezirksturnfestes das Auftreten dieser Sparte zu streichen. Es wird also ganz allein an den Fußballern liegen,- da» Versäumte nachzuholcn, damit sie auch als ernsthafter Teil der Arbeitersportbewegung angesehen werden können und die so oft verlangte Beachtung auch verdienen. Die drei Wochen bis zu den am 7. Juni stattfindenden Bezirksturnfesten sollen fruchtbare Arbeit üufweisen. Rus den 2360 aktiven Teilnehmer» müssen bei den Bezirksturnfesten 5000 werden u/> diese müssen eine musterhafte technische Arbeit zeigen. Dann wird der 6. Kreis am Bundesturnfest seine» Mann stellen und bei seiner Kreissondervorführung beweisen, daß West- und Südböhmen noch immer zu den starken Säulen des Aius-Verbande» gehört. .Atus an die Front" hat in den meisten Orten'gute» Widerhall ansgelöst tind der 17. Mai bat gezeigt: Der Atu» ist gerüstet wir gewissenhafter technischer Arbeit und gesteigerter Disziplin seiner Mitgliedschaft, darum'muß das Atus-AundeSturnfest in Ko- motau voll gelingen. Eine neue Verrücktheit vom kalifornischen Badestrand An der Küste Kaliforniens hat man jetzt eine Neuerung für die zahlreichen Badegäste eingeführt, und zwar Taucherhelme, mit denen man am Grunde des Meere» Seesterne und Muscheln suchen kann. Es ist ein neues Spielzeug, mit dem sich die Nichtstuer unter der kalifornischen Sonne die Langeweile vertreiben. Seite 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 20. Mai 1936. Nr. 118 Hasser Zeitmr- Brennendes Auto: zwei Schwerverletzt». Der 36jahrige Chauffeur Josef I i n d r a goss gestern vormittags in der Belehrädfkä bei einer Tankstelle Benzin in sein. Auto, als das Benzin aus unbekannter Ürsache explodierte und das Auto in Brand steckre, Jindra und der im Auto sitzende Spediteur Josef Soukup aus Uhtineves— beides Angestellte der Eierfirma Jungwirth in Prag XII.— wurden mit- schweren Brandwunden zweiten und dritten Grades ins. allgemeine Krankenhaus gebracht. Der Wagen wurde stark beschädigt; das Feuer wurde aber von Passanten noch vor Ankunft der Feuerwehr gelöscht. Ärbcitsunfälle. Gestern vormittags um 10 Uhr arbeiteten mehrere Arbeiter an der Niederreihung des Hauses Nr- 1185 in Prag II., als das Gerüst unter ihnen brach und vier von ihnen in den Keller fielen. Die Verletzten— der 21jährige Josef Zach aus Prag XIII., der 20jährige Jan Kusovskh aus Pisnitz, der 40jährige Ignaz Michälek aus Suchdol und der 57jährige Wenzel Lhota aus Kolowrat— Wurden sofort herausgezogen und vonsder Rettungsgesellschaft auf die Klinik Jiräsek gebracht. Lhota, der einen Beckenbruch und mehrere Ritzwunden erlitten hat, ist schwer, die anderen leicht verletzt. Eine Baukömmission, die sich an Ort und Stelle einfand, untersucht die Ursachen des'Unfalles.— Gestern mrttetzs arbeitete an einem Bau- in Bubentsch der 30jährige Arbeiter Anton Kofron aus Podmorän, tvährend nmer ihm der Monteur Stanislaus,Bez- chleba einen elektischen Bohrer bediente. Bezchleba hatte aber die Leitung zum Bohrer durch eine eiserne Tür geführt; als Kofron während der Arbeit die Tür zuschlug, beschädigte er die Isolation, so datz der Strom durch die Türe ging und Kofron tötete. Er wurde zwar sofort ins allgemeine Krankenhaus gebracht, doch konnte nurmehr sein Tod festgestellt werden., Die Leiche wurhe ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. ' Motorzug entgleist. Gestern nachmittags fuhr der Motorzug Nr- 3169, der aus Smichow kam, infolge falscher Weichenstellung auf drei leere Lastwagen auf. Hiebei wurden drei Insassen des Zuges r der 16jährige Student Franz Honzera aus Zliekn, die 26jährige Näherin Rosa Grünt aus Hostiwitz und der Bahnwächter Wenzel D o n ä t aus Hluboöep— verletzt. Alle drei haben Ritzwunden, Quetschungen, Blutergüsse und Donät auch eine Gehirnerschütterung erlitten. Sie wurden auf die Klinik Jiräsek gebracht. ' Erhängt. Die 44jährige Schneiderin Paula Tobias erhängte sich gestern morgens in ihrer Wohnung in Prag II. Motiv: materielle Notlage. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Die Truppe 36 kommt nach Prag! Am Montag, den 25. Mai, gastiert die„Truppe 36", die in der Provinz überall die größten Erfolge aufzuweisen hatte, in einer Arbeiter-Vorstellung im„Arania-Saal" mit der Revue: (Jahrmarkt von Plundersweilen“ Karten von Kö 5.— und 10.— bei Optiker Deutsch, Koruna und bei den Vertrauensmännern. Verein deutschen Arbeiter— Zentralstelle für das Bildungswesen— Bildungsausschuß der DSAP Prag. Iüuist und Wissen Zwei Malerinnen Magda Iorga. eine junge rumänische Malerin, stellt im Salon Topie aus. Bildnisse. Landschaften, Aktstudien; alles noch mehr oder weniger Zeugnisse künstlerischen Werdens. Reizvoll sind einige kleine rumänische Landschaften in impressionistisch erfasster granwinterlicher Stimmung. Die kleinen Aktstudien sprechen durch geschmackvolle Farbigkeit an- In den Bildnisten grötzeren Formats, die über die Studie hinaus ausgeführt sind, ist die starre Pose des Modells noch nicht überwunden; man spürt förmlich die geduldige Anstrengung des„Sitzens". Am gelungensten sind das mehr skizzenhaft gelastene Porträt eines alten Herrn und das Bild eines rumänischen Bauern. Auch Ha na Noskova, die im Salon ,.E l ä n" ausstellt, ist noch auf dem Wege. Sie experimentiert noch- Form und Farbe werden zu Problemen, die sie bald in weichen wolkigen Formballungen. bald in streng gegliederten Flächen, bald in surrealistischen Kompositionen zu lösen sucht. Während sie bis dahin die Ausgeglichenheit stumpfer Farbstimmungen, wie in der Flusslandschaft(Nr. 9). anstrebt, herrscht in den Bildern aus den zwei letzten Jahren ein heftiges Karmin vor. das sie mit schwarzen. anilingrünen und blauen Farben fleckig zusam- menbrinzt. Es haftet diesen Bildern, die auch formal sehr, unruhig und ungelöst wirken, gleichsam etwas „künstlich gefärbtes" an. Die Vorliebe für tintiges Rot kommt auch in den mit richtiger roter Tinte gezeichneten Aktfkizzen zum Ausdruck. Es ist in diesen Bildern trotz spürbarer Begabung noch alles so sehr Versuch, datz noch nicht zu ersehen ist. wohin der ziemlich gewaltsame Wille zu persönlichem Ausdruck die Künstlerin führen wird. Id. Werner Krantz im Prager Deutschen Theater? Das(.Prager Tagblatt" veröffentlichte gestern eine Wiener Meldung, laut welcher am 18. Juni ein Ensemble des Wiener Burgtheaters mit Werner K r a u tz im Prager Deutschen Theater gastieren soll.—7 Das Wiener Burgtheater gilt nach wie vor als die erlesenste deutsche Sprechbühne; gegen ein solches Gastspiel ist also nichts einzuwenden; sehr viel aber gegen Herrn Werner Krautz, den enrägierten Nazi, der es durch„Gesinnung" zum preuhischenStaats- r a t im Dritten Reich gebracht hat. Den Mann sollte man in unserem repräsentativen deutschen Theater der tschechoslowakischen Demokratie keinesfalls auftreten lasten. Weshalb wir hoffen, datz der obigen Meldung bald ein Dementi folge. Wochenspielplan des Renen Deutschen Theaters. Mittwoch 7HH: Fra Diavolo, BI.— Donnerstag 7s4: Glück mutz man hab en. C.2. — Freitag 7%: Der Pariser Zug, D 2.— Samstag 7%: Fra Diavolo, A 1.— Sonntag 7%: MadameDubärry, B 2. Wochenspielvlan der Kleinen Bühne. Mittwoch 8: Salzburg ausverkauf 1.— Donnerstag 8: Menschen auf der Eisscholl e.— Freitag 8« E i n Volksfeind, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: Salzburg ausverkauft-— Sonntag 3: Menschen aus der Eisscholle, 8: Salzburg ausverkauft. Dec Dinr Mädchenjahre einer Königin. Es ist ein Zeichen einiger Selbsterkenntnis der Macher dieses Films, datz sie das gleichnamige Stück Sil Varas, das zweifellos als Anregung gedient hat, schamhaft verschweigen. Das seinerzeit viel gespielte Stück hat den Start der jungen Viktoria als Königin von England mit pfychologischer Feinheit, Humor und Geschmack uird I ihre Hochzeit"mit dem Prinzen Albert von. Sachsen« ! Äoburg mir netter Sentimentalität darzestellt. Im Film blieb nur die Liebesgeschichte einer fungenlKöni- gin, die ihre intrigante Umgehung durch selbständige Entschlüsse verblüfft/ Ein junges Mädchen aut dem Königsthron, ein tleiner Wildfang, der die Minister durch eigene Jdeen verivirrt. ein königlicher Backfisch, der sich den Mann nach eigenem Geschmack aussucht — das kann für die meisten Filmleute unserer Tage nur eine Operette ergeben. So wurde dieser Film eine historisch geschminkte Operette mit gelegentlichen Kammcrspicl-Ambirionen. Auch mit der Historie klappt es nicht— kostümlich geschehen arge Mal- . heurs— und die gute. Viktoria hat zwar Kielfeder und Streusand, wird aber durch moderne Schiebfen« ster im Königsfchlotz entschädigt. Der gutwillige Zuschauer wird durch das nette, sympathische Spies der hübschen Jenny Jugo einigermassen belohnt und auch Otto Tressler fesselt als der abgeklärte, kluge Premier Melbourne, der die Königin auf seine Weise erzieht. Im übrigen keine schauspielerischen Ueber- rafchungen. jk. Freigegrbene Filme. In der verflossenen Woche wurden fünf abendfüllende Filme, alle amerikanischer Herkunft, zur Einfuhr freigegeben: „Kapitän January"(Captain Januarh)—Fox. „Anna Karenina",„Gegenspionage"(Rendezvous!, „Nach Büroschluss"(After Office HoursV und „Flucht vor der Unterwelt"(Woman wonteh). Veremsnacklicilten Leichtathleten, Achtmigl Samstag, den 23. d. M., um 4 Uhr nachmittags erster Meisterschaftskampf mit DTJ. VH.— Heute, Mittwoch, .falb 6Uhr wichtige Besprechung der Leichtathleten auf der Hctzinsel. Erscheinen ist Pflicht.— I Heute, Mittwoch, 8 Uhr, Ausschuhsitzung im Arbeiterverein/-— Wanderung am Sonntag. - 8 Uhr früh gestellt- Endstation der 21er Elektrischen. Ziel: TTJ.-Platz im Libusertal. Es wird dort geübt für Komotau, dann Ballspiel und Tischtennis. PKAÜ Jetzt müssen Sie unbedingt Ihre Blumen mn Blumen-Zauberdung begießen, wenn sie schön blühen sollen 1 Paket Kc 5*60 durch die Verwaltung „Frauenwelt“, Prag XII., Fochova tr. 62, und bei allen Koi>'nrtevren erhältlich Ferdinand Tomänek und am 19. Mai 1936 um 3 j 4 9 Uhr vormittags ent- PRAG, am 19. Mai 1936. 3349 den Verstorbenen findet Freitag, den 22. Mai 1936, der Halle der Zemskä banka statt. Die ZEMSKÄ BANKA gibt hiemit die Trauerkunde vom Hinscheiden ihres hochverdienten Generaldirektors, Herrn welcher ihr während der Dauer von 38 Jahren alle seine hervorragenden Fähigkeiten voll gewidmet hat schlafen ist. Die Trauerfeier für um 3 Uhr nachmittags in Die sterblichen Ueberreste’ werden am selben Tage um 5 Ühr nachmittags im Krematorium der Hauptstadt Prag eingeäschert werden. ZEMSKÄ BANKA (früher Landesbank des Königreiches Böhmen) B e^z u g s b e d i n g«’n gen: Bei Zustellung ms Haus oder bei Bezug durch di. Post Monatlich Kd 16—. vierteljährig Kd 4h.—. hall jährig KC 06—. ganziährlg KC 162.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung bon Manuskripten erfolgst, nur bei Einsendung der Retourmacken.—- Tie Zeiluitgsfrankatur würde von der Post- und Tete« graphendirektton mit Erlass Nr, 13.8Q0/V1I/193Q bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck». Verlags» und Zeitung--A.-G. Prag.