Donnerstag, 21. Mai 1936 Nr. 119 16. Jahrgang IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg»i.,fochova m. telepon sjozz. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. EtezvMffBls 70 MUr (•HHchliaBlich S Heller Porte) Oesterreichs Arbeiter fordern Freiheit rwe zerstörte jiiusion Ein Vorstoß bei Schuschnigg Panamerikanischer Völkerbund? Washington. Kolumbien hat einen Antrag auf Errichtung eines amerikanischen Völkerbundes eingebracht. Vorbedingung für die Errichtung desselben wäre die Aufhebung der Pan- mnerika-Union sowie der Monroe-Doktrin. Der Panamerikanische Völkerbund würde mitGens Zusammenarbeiten und sich von einem ähnlichen Pakte, wie es der Bölkerbundpakt ist, leiten lassen. Zur Tagung der Exekutive der SAI Wir haben bereits das Wesentliche über die Tagung der Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Internationale, welche vom 16. bis 18. Mai 1936 in Brüssel versammelt war» gebracht und tragen noch nach, daß die Exekutive neben den umfangreichen politischen Debatten noch eine Reihe organisatorischer Fragen erledigte. Zum Kongreß des Internationalen Gewerkschafisbun- des, der im Juli in London, stattfinden wird, wurden als Delegierte bestimmt: de Brouckere, Adler, Compton und Gillies. Adler berichtete über die Beziehungen zur Sozialistischen Jugend- Internationale, zur Sozialistischen Erziehungs- Internationale und zur Sozialistischen Sport- Internationale. Es wurde beschlossen, der Sozia- lisüschcn ErziehungL-JnU' rucuioimü: sür-eit Neu- ausbau ihrer Organisation eine Subvention zu geben. In das Büro der SAI wuvden neu gewählt: Bouchery(Belgien) und Hedtoft-Hansen (Dänemark). Tas amerikanische Projekt eines auf der Pan-amerikanischen Union basierenden Sonder-Völkerbundes im Sinne der , Monroe-Doktrin(„Amerika den Amerikanern!") nimmt immer deutlichere Umrisse an und steht ernsthaft zur Diskussion. Auf der andern Seite bricht sich in Europa di« Erkenntnis Bahn, die ja auch dem Flandin-Tar- dieuschcn Plan zugrundeliegt, daß es nötig sei, einen europäischen Bund zu gründen. Dieser Gedanke wird neuerdings auch in sozialistische» Kreisen stark vertreten. In bürgerlichen Kreise« wird er gegenwärtig von so bewährten Freunden der Bölkerbundsidee und Förderern des Völkerbundes wie Prof. Rauchberg unterstützt, der dieser Tage im„Prager Tagblatt" eine europäisch gerichtete Reform des Völkerbundes empfohlen hat. Ueber die Beurteilung der Lage in Genfer Kreisen kommt«ns folgender Eigenbericht zu- In Genfer Kreisen ist man gegenwärtig damit beschäftigt, die Vorschläge zur Reform des Völkerbundes, die von verschiedenen Seiten zur Diskussion gestellt sind, zu studieren. Auf der im September fälligen B u n d esversamm- l u n g soll die Reform des Völkerbundes zum Hauptgegenstand der Verhandlungen werden. Für die künftige Gestaltung des Völkerbundes und sogar seine Existenz selbst wird natürlich viel davon abhängen, wie der gegenwärtige Konflikt zwischen Genf und Rom ablaufen und was für ein Ende er nehmen wird. Eine große Bedeutung hat auch die Frage des Eintritts oder des Nichteintritts Deutschlands in den Völkerbund, ebenso wie die Stellungnahme der neuen französischen Regierung. Einen wesentlichen Einfluß auf die Geschicke des Völkerbundes kann auch die von Roosevelt geplante„Liga der amerikanischen N a t i o n e'n" haben, deren eventuelle Begründung wahrscheinlich den Austritt der amerikanischen Staaten aus dem Genfer Völkerbund nach sich ziehen würde. Am weitesten in der Richtung einer Abschwächung des heutigen Systems der kollektiven Sicherheit geht ein Vorschlag der englisch e,n K o n s e r v a t i v e n, hinter dem auch ein. bedeutender Teil des Kabinetts Baldwin steht. Danach soll sich die Tätigkeit des Völkerbundes' künftighin lediglich auf Vermittlung und schiedsgerichtliche Befugnisse Jetzt wird bekannt, daß die österreichischen Arbeiter einen sehr bedeutsamen Vorstoß unternommen haben, um die Wiederherstellung ihrer Freiheiten gu erreichen. Am 30. April begab sich eine Delegation aus einer in der Wiener Arbeiterkammer tagenden Konferenz zum Bundeskanzler Schuschnigg, üm ihm die Forderungen der österreichischen Arbeiter zu überbringen. Diese Forderungen wurden in einem Memorandum festgehalten, das die Abordnung dem Bundeskanzler übergab. An der Abordnung waren Vertrauensmänner aus fast allen Wiener Großbetrieben, vor allem aber aus der Metallindustrie, beteiligt. An der Konferenz in der Arbeiterkammer hatten mehr als 100 Betriebsobmänner teilgenommen. Das dem Bundeskanzler überreichte Memorandum enthält ein Bekenntnis zur Unabhängigkeit Oesterreichs, verlangt aber mit der größten Entschiedenheit die Wiederherstellung der wirtschaftlichen und politischen Rechte der Arbeiterklasse. In dem Memorandum heißt es, daß die«nge- heure Erregung der Arbeiterschaft nicht nur aus den Vorgängen der letzten Zeit zu erklären fei, sondern daß die letzte Ursache in de« Ereignissen vom Feber 1934 zu finden ist. Es werde immer deutlicher, daß zwischen den Zusagen, die nach"den Feberereignissen gemacht wurden und den. wirklichen Ereignissen auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet ein sichtbarer und weitgehender Gegensatz besteht. Die Höhne und Gehälter würden trotz ständig gesteigerter 2e- beäshaltungSkosten ständig gekürzt. Die Preissenkungsaktion bleibe weit hinter den Erwartungen zurück, die Erneuerung der Kollektivverträge stoße auf den Widerstand der Unternehmer. Bestehende beschränken. Der Artikel 16 des Völkerbundpaktes, auf dem das Sanktionssystem beruht, soll abgeschafft werden, ebenso wie alle anderen Artikel, die irgendeine Verpflichtung der Mitgliedsstaaten zur gegenseitigen Unterstützung festlegen. Die Annahme dieses Projektes würde das Ende des Völkerbundes als einer politischen In st itution be- deuten. Im engen Zusammenhang mit diesem Plan steht auch das andere englische Projekt der regionalen Aufteilung der europäischen Staaten-, von dem wir kürzlich berichtet haben. Auf der unlängst in Genf stattgefundenrn Konferenz der sieben„n e u- tralen" Staaten(Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Schweiz, Holland und Spanien) hat nur der holländische Außenminister de Graef, den Standpunkt vertreten, daß der Völkerbund überhaupt nicht reformbedürftig fei. Alle anderen Teilnehmer der Konferenz vertraten die Ansicht, mansolle den Völkerbund entscheidend reformieren. Im wesentlichen handelt es sich bei diesen Plänen der „Neutralen" um drei Punkte: 1. Der Völkerbund soll seine Bestrebungen auf die Aufrechterhaltung des Friedens in Europa konzentrieren; er könne nicht seine Tätigkeit auf Asien oder Amerika ausdehnen aus dem einfachen Grunde, weil ihm jede Macht dazu fehle. 2. Der Artikel 19, der die Revisionder unhaltbaren Verträge vorsieht, soll eine Erweiterung erfahren. Man soll den Kriegen vorbeugen, indem man die Verhältnisse beseitigt, die zwangsläufig zu einem Kriege führen. 3. Dagegen soll gegen die Angreifer das System der Sanktionen voll und ganz zur Anwendung kommen. Die ökonomischen und milk-- tärischen»Sanktionen sollen nicht mehr dem Gut- dünken^der einzelnen Mitgliedsstaaten überlassen werden, sondern sollen obligatorisch sein und auto- matisch eintreten. Man spricht auch von einem Reformprojekt, das mit dem Namen des französischen Völkerbundsdelegierten Paul-Don- c.o u r verknüpft ist.. Paul-Boncour sö^lägt den Abschluß eines Paktes der ge.gensei- t i gen m i.l i tä r i s ch.e n Hilfe im Rahmen des heutigen Völkerbundes zwischen allen Verträge würden verschlechtert oder nicht eingehalten und die Gewerkschaft sei nicht imstande, diesem Uebelstand abzuhelfen. Oesterreichs Arbeiterschaft, polftisch und gewerkschaftlich gut durchschult, erkenne klar und deutlich die tieferen Ursachen des sozialen Rückschrittes. Bor aller Oeffentlichkrit bekenne sie sich dazu, daß eine wirkliche Besserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse nur zu erreichen sei, wenn die Arbeiter- und Angestelltenschaft das volle Selbstbestimmungsrecht in freien und unabhängigen Organisationen gegeben wird. Sie verlange Selbstverwaltung und Selbstbestimmung in allen den Interessen der Arbeiter und Angestellten dienende» Organisationen. Selbstverwaltung und Selbstbestimmnng sei allerdings nicht jener Zustand, der heute als „Selbstverwaltung und Selbstbestimmung" hingestellt werde. — Das Memorandum fordert dann eine wirtschaftliche und politische General-Amnestie und verweist darauf, daß Oesterreich in seinem Kampfe um die Unabhängigkeit alle Kräfte hcranziehen müsse» die für diese Unabhängigkeit eintreten. Wenn die Regierung um die Unabhängigkeit Oesterreichs kämpfen wolle, dann müsse sie den Zustand aufhebrn, der die Arbeiter und Angestellten unter ein Sonderrecht stellt und sie zu Menschen zweiter Kategorie macht. Arbeiter und Angestellte dürften heut» weder ihre Gesinnung frei bekunden, noch ihre Meinung'sägen, noch^ich in fteien, unabhängigen Organisationen zusammenschließen. Die Wiederherstellung der Freiheitsrechte für die Arbeiterschaft sei das Gebot der Stunde. jenen Mitgliedsstaaten vor, die bereit sind, eine solche Verpflichtung zu übernehmen. Alle anderen Mitgliedsstaaten sollen sich verpflichten, dem angegriffenen Staate sowie seinen Bundesgenossen finanzielle und wirffchaftliche Hilfe zu gewähren und den Angreifer finanziell und wirtschaftlich zu boykottieren. Alle diese Projekte beweisen, erstens, daß die heutige Organisation des Völkerbundes niemanden befriedigt, und zweitens, daß die Interessen der Mitgliedsstaaten und der verschiedenen Gruppen der Mitgliedsstaaten weit auseinandergehen. Die Zukunft des Völkerbundes wird vor allem davon abhängen, ob es gelingen wird, das Gemeinsame der widerstreitenden Interessen auf einen Generalnenner zu bringen und diesem gemeinsamen Programm einen organisatorischen Ausdruck zu geben. Sender Jerusalem gestört Weitere ernste Lage in Palästina Jerusalem. Dienstag abends durchschnitten unbekannte Täter die Drähte zwischen dem Rundfunkstudio und der Sendestation. Das Radioprogramm war deshalb gestört. In Jaffa' ist der Torpedobootszerstörer „Beagle" eingetroffen. Im Hafen stießen streikende Araber ritti arabischen Aufladern, welche die Arbeit wieder aufnehmen wollten, züsammen. Die zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung getroffenen Ausnahmsverfügungen bleiben weiterhin in Geltung. In Gaza und Nazareth kam es zu Demonstrationen, die allerdings in Ruhe liquidiert wurden. Seit Beginn der Unruhen, dem 19. April, wurden im ganzen 814 Araber und 53 Juden verhaftet. Die Oeffentlichkeit wurde durch den Rundfunk darauf aufmerksam gemacht, daß die Eisenbahnstrecken durch britisches Militär bewacht sind und daß jeder, der sich den Geleisen nähert, dies auf eigene Gefahr tue. Lektüre des„Braunbuches'*—Gefängnis Berlin. Das Sondergericht in Braunschweig verhandelte gegen fünf Angeklagte, denen gut Lait gelegt wurde, daß sie ein aus Leipzig zuge- sendetes sogenanntes„Braunbuch" einander gegenseitig zum Lesen geborgt hätten. Die Angeklagten waren im wesentlichen beständig.- Die Angeklagten wurden zu Gefängnisstrafen von /vier Monaten bis eineinviertel Jahren verurteilt. Polens Rückkehr zur Offiziers-Regierung —m.(Warschau.) Der polnische Regierungswechsel, welcher das im letzten Herbst gebildete Kabinett der„linken" Pilsudski-Anhänger wieder durch die politische Führung eines strammen Generals abgelöst hat, zeigt, daß eine autoritär eStaats form nicht ohne wFite- resaufdemWege allmählicher Entwicklung und schrittweiserKompromisse i n e i n e D em okratiezurückve r w a n- delt werdenkann. Das polnische Pilsudski- Regime bot Hoffnungen dieser Art größeren Raum als etwa die faschistische Diktatur Italiens oder die nationalsozialistische Herrschaft im Deuffchen Reich. War doch hier nicht nur die Einrichtung des Parlaments und des allgemeinen Wahlrechts formell bestehen geblieben, sondern auch ein gewisies Matz an Pressefreiheit, gewerkschaftlichen Koalitionsrechten und vor allem die legale Wirksamkeit oppositioneller Parteien. Allerdings haben es die Erfinder der jetzigen polnischen Verfassung verstandene diesen Rechten einen Teil ihrer früheren Bedeutung zu nehmen, indem sie die sinnvolle Verbindung der einzelnen demokratischen Einrichtungen miteinander auflösten. Da das allgemeine Wahlrecht nicht mehr für Kandidaten der politischen Parteien ausgeübt werden kann, verlor das Warschauer Parlament den Charakter einer Volksvertretung, um sich in eine beratende Körperschaft des Regierungslagers zu verwandeln. Trotzdem waren doch weüigstens die einzelnen Bestandteile übrig geblieben, die zu einer freiheitlichen Staatsleitung notwendig sind.- Schon eine Wahlreform hätte genügt, um die Grundlagen dafür wieder zusammenzufügen. Ger'ad'e' darum ist einer solchen Entwicklung durch die jetzige Kabinetts-Umbildung rechtzeitig vorgebeugt worden. Der bisherige Ministerpräsident KosciaI- ko w s k i, ein liberaler Beamter, ist nicht„g e- st ü r z t" worden. Er hat vielmehr selbst die weitere Durchführung seiner Aufgabe, welche als Annäherung zwischen Staat und Volk formuliert worden war, vorläufig aufgegcben, nachdem die blutigen ErwerbslosenunruhAi in Südpolen die Wirkungen der Wirtschaftskrise auf die Stimmung der arbeitenden Massen erkennen ließen. Die finanziellen Mittel zur Arbeitsbeschaffung sind beschränkt, eine Kreditinflation nach deutschem Muster will Polen nach den Erfahrungen Doktor Schachts, über welche die amtlichen Warschauer Wirtschaftsorgane sehr kritische Darstellungen veröffentlichen, nicht erst versuchen. Wenn die Erfolge im Kampf gegen die Wirtschaftskrise nicht rasch kommen können, so ist auch eine erhebliche Wiederausdehnung der Volksrechte nach der Meinung der maßgebenden polnischen Machthaber einstweilen nicht möglich. In den Händen hungernder Menschen würden diese Rechte Werkzeuge werden, die sich gegen die heutige Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung kehren könnten. So riefen die Politiker der Richtung Koscialkowski selbst nach Stärkung der„Autorität" durch Beteiligung der Armeeführung an der Regierungsgewalt. Daraus ist es auch zu erklären, daß der neue Ministerpräsident GeneralSkladkowski die wichtigsten Wirtschaftsressorts wieder mit Männern des bisherigen Kabinetts besetzen konnte. Das Innenministerium behielt er sich allerdings selbst vor: und das Justizministerium besetzte er mit einem Staatsanwalt, der sich gerade durch Vorgehen gegen die. Führer der demokratischen Oppositionsparteien— Sozialisten wie Dr. Liebermann und Bauern-Parlamentarier wie den früheren Ministerpräsidenten Witos— bemerkbar gemacht hatte. Die Außenpolitik blieb nach dieser Wendung selbstverständlich unter der Leitung des Obersten Beck, welcher in der Regierung Koscialkowski der äußerste rechte Flügelmgnn gewesen war, jetzt aber eine größere Anzahl von gleichgesinnten, Stützen im Ministerrat vorfindet. „Wir sind über eine Brücke in Warschau eingeritten," so hat einer der namhaftesten Pilsüdski- Offiziere in Erinnerung ay den Bürgerkrieg, der die herrschende Richtung in Polen zur Macht brachte, kürzlich einmal erklärt,„wir werden nicht durch eine Stubentür wieder hinausgehen." Der jetzige Regierungswechsel hat gezeigt, daß der Ernst solcher Worte nicht unterschätzt werden darf. Der entscheidende M a ch t f a k t o r, der nach Mißerfolgen früherer autoritärer Methoden auf die halbe Wendung zur Demokratie im Herbst hingcwirkthatte,wardieArmee gewesen.Sie Schicksalsfragen des Völkerbundes Seite 2 Donnerstag, 21. Mai 1936 Pr. 119 bleibt jetzt erst recht ausschlaggebende Der Gene» ralinspektor der Wehrmacht lvar, wie allgemein bekannt, der maßgebende Berater des Staatsober» Haupts in der Regierungskrise, und er hielt auch in der ersten Sitzung des neuen Ministerrats, wie offiziöse Blätter melden, eine programmatische Rede. Nächst der autoritativen Durchsetzung militärisch straffer Ordnung im Lande ist denn auch die Erweiterung der Heeresausgaben der wich« tigste Programmpunkt des Kabinetts Skladkowski. Angesichts der Lage Polens zwischen zwei hochgerüsteten größeren Nachbarn erscheint die Forderung der polnischen Heeresleitung nach Vermehrung der Aufwendungen für die Landesver- teidigung nicht unverständlich. Erinnert man sich aber daran, daß der Staatshaushalt nach sechsjähriger Defizitwirtschaft erst seit drei Monaten ivieder im Gleichgewicht ist, so ist damit bereits die Schwierigket jeder Ausgabenerhöhung angedeutet. Der Finanzminister, der im neuen wie im alten Kabinett Leiter der Wirtschaftspolitik ist, Ranslerbahnhof Brüx eröffnet Brüx. Mittwoch wurde der neue Rangier- Bahnhof Brüx III unter Beteiligung von Vertretern des Eisenbahmvinisteriums, der Ministerien für öffentliche Arbeiten, für Nationalverteidigung und für Finanzen, weiter der Direktion der Staatsbahnen und Staatsgruben sowie der lokalen Behörden, der Gemeinden und Korporationen dem vollen Betrieb übergeben. Die Teilnehmer an der hat den privaten Unternehmern und den übrigen Steuerzahlern allmähliche Verminderung der öffentlichen Lasten versprochen, welche zur Belebung der Konjunktur beitragen soll. Mehrausgaben und Mindereinnahmen lassen sich aber kaum miteinander vereinbaren, zumal der neue Notcn- bankpräsident, gleichfalls ein Vertreter des bürgerlich-liberalen Flügels des Pilfudski-LagerS, Festhalten an stabiler Währungspolitik verkündet hat. Hier liegen die Aufgaben der polnischen Regierung, deren Lösbarkeitinnerhalb des bisherigen politis chen und sozialenSystems nicht mehr erkennbar ist. Die.starke Hand", über welche der neue Ministerpräsident zweifellos verfügt, kann wohl gegen die politischen Folgen der Wirtschaftskrise tätig werden. Ihre Ursachen wird sie nicht ausroden können. Darum ist der Rückschlag in die autoritäre Methode keinesfalls das letzte. Wort der polnischen Politik auch nur dieses Jahres. Feier begrüßte der Präsident der Staatsbahndirektion Tr. Jaroch, der die wirtschaftliche und soziale Bedeutung des neuen Rangierzentrums hervorhob, in welchem die Verladung und Dirigierung für die angeschlossenen Gruben des Brüxer Kohlenreviers sowie die Verladungen, die heute in den beiden Brüxer Bahnhöfen zusammenlaufen, zentralisiert wird, so daß von dort die fertigen Züge in den Hauptverkehrsrichtungen Obernitz. Komotau und Aussig mit ihren Uebergangsstellen ausgehen werden. Der Bau erforderte einen Aufwand von 31,270.000 XL, welcher nach dem ver-| einbarten Schlüssel aus den Mitteln des Eisenbahnministeriums und des Ministeriums für öffentliche Arbeiten gedeckt wurden. Der Bau schaffte auf dem Bauplatz und außerhalb desselben Beschäftigung für durchschnittlich täglich 770 Arbeiter für die Dauer von sechs Jahren, wodurch etwa 1900 Personen von den Folgen der Arbeitslosigkeit bewahrt wurden. In fachtechnischer Hinsicht gaben Erläuterungen der technische Oberrat Jng. K t e i e I und der Eisenbahnrat Jng. Kvasnicka. Ueber die Bedeutung des Werkes vom Standpunkte des Bergbaubetriebes informierte die Teilnehmer der Generaldirektor der staatlichen Gruben, Jng. Stauch, der ausführte, daß die Freimachung der Schutzpfeiler unter den alten aufgehobenen Bahnhöfen Quido und Kopitz sowie unter den alten Schleppgeleisen der ungestörte Abbau von ungefähr fünf Millionen Tonnen Oualitätskohle ermöglicht wird. Das Schlußwort hielt namens des Eisenbahnministers Sektionsrat Jng. Hanisch, Sodann wurde die Waggonrangierung vorgeführt und eine Besichtigung der einzelnen Baueinrichtungen vorgenommen. Drei tschechoslowakische Unteroffiziere In Polen verhaftet Am 16. Mai begaben sich drei Unteroffiziere aus der Garnison Rosenberg auf eine Wanderung in die Hohe Tatra. Als sie nicht in die Kaserne zurückkrhrten, wurden die alpinen Rettungsstationen alarmiert, welche auch die polnische Station in Zakopane um Unterstützung ersuchten. Bon dort kam nun der Bescheid, daß dir drei Vermißten aus polnisches Gebiet gerieten, dort angehckltrn und nach Krakau überführt wurden. Starhembers in Wien Wien. Der ehemalige Vizekanzler Starhem- berg ist Mittwoch kurz vor Mittag mittels Flugzeuges wieder aus Rom nach Wien zurückgekehrt. Nach seiner Rückkehr begab er sich in sein Palais, vor welchem sich binnen kurzem einige hundert junge Angehörige der Heimwehr in Uniform und in Zivil versammelten und demonstrativ,»Heil Starhemberg",„Es lebe des Faschismus" usw. riefen. Starhemberg erschien einigemale am Fenster und die angesammelte Menge bereitete ihm Ovationen und sang Heimwehr-Kampflieder. Die Demonstrationen dauerten etwa eine halbe Stunde. Seine„großen Verdienste** Wien. Mittwoch nachmittags tagte ein Ministerrat, der sich mit der Frage der Reorganisierung der Vaterländischen Front, mit dem Ausbau der Miliz, sowie mit der Entmilitarisierung, bzw. Liquidierung der wilitäüschen Organisationen bt- fatzte. Bundeskanzler Schuschnigg gedachte einleitend der großen Verdien st e, die sich die aus dem Kabinett ausgeschiedenen Mitglieder der früheren Bundesregierung erworben hätten, und dankte hiebei insbesondere dem früheren Vizekanzler Starhemberg für seine„mehrjährige stets opferbereite Mitarbeit", wobei er der Hoffnung Ausdruck gab, daß diese Zusammenarbeit auch für die Z u k u n f t(?) gesichert bleibe. Rom. Der französische Geistliche I a» rousseau ist von den italienischen Behörden aus Abessinien ausgewiesen worden. Jarousseau war seit Jahren in Harrar tätig. Die Partei in der Krise Interessante Tatsachen aus Westböhmen Auf der Bertrauensmännerkonserenz der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, die am vergangenen Sonntag in Falkenau für den Kreis Karlsbad abgehalten wurde— wir haben über das politische Ergebnis dieser Beratungen schon berichtet—, macht« der Kreissekretär Heinrich Wondrak in» reressaiue Angaben über die Entwicklung der Krise und deren Rückwirkungen auf die Parteiorganisation. Wir lasten einen Auszug aus dem Bericht Wondraks folgen. In den 14 politischen Bezirken WestböhmenS mit ihren 612.000 Bewohnern wurden am 31. Dezember 1930— 27.716 Arbeitslose gezählt; am 31. Dezember 1938 waren es bereits 69.897. Betrug der Prozentsatz der arbeitslosen Bevölkerung WestböhmenS nach einjähriger Dauer der Krise 4.5 Prozent, so betrug er Ende 1938 11.4 Prozent. Der Bezirk Graslitz marschiert mit seinen 20.2 Prozent Arbeitslosen an der Spitz« der westböhmischen Krisenbezirke; ihm folgen so- daun der Bezirk Preßnitz-Weipert mit 1574 Prozent, der Bezirk Karlsbad mit 15.1 Prozent und der Bezirk Neudek mit 13.5 Prozent. Von den zirka 70.000 Arbeitslosen, die Ende 1935 gezählt wurden, standen rund 17.000 im Genüsse der Genter Unterstützung, 41.000 Personen bezogen di« Lebensmittelkarte und 12.000 registrierte Arbeitslose waren zu diesem Zeitpunkte ohne jegliche Unterstützung. Von 1930 bis Mitte Mai 1935 kamen im Wahlkreis Karlsbad für die Ernährungsaktion 128.8 Millionen XL, für die Milchaktion 13.4 Millionen XL und für die außerordentliche Not standsaktion 149.1 Millionen XL zur Auszahlung. Außerdem wurden nach Westböhmen 56.740 Zentner BrotS 4093 Zentner Mehl, 4119 Zenüler Graupen, 4220 Zentner Zucker, 1645 Zentner Fett und endlich 1207 Zentner Kaffee sowie 65.782 Zentner Kohle zugewiesen. An produktiver Arbeitslosenfürsorge wurden in der gleichen Zeit rund 14 Millionen XL den öffentlichen Körperschaften als Staatsbeitrag zugewiesen. Obwohl in Anbettacht der furchtbaren wirtschaftlichen Not diese namhafte staatliche Hilfe unzureichend geblieben ist, muß doch betont werden, daß sie nur durch die schier übermenschlichen Anstrengungen erreicht wurde, die die sozialistischen Parteien im Kampfe um diese Krisenhilfe machen mußten.; Obwohl die Partei bei den Maiwahlen 1935 schwere Verluste erlitten hatte, konnte die Orga- nisation auf gleicher Höhe wie vor den Wahlen gehalten werden; wie aus dem vorgelegten Organi- sattonsberichte mit erfreulicher Deutlichkeit zu ersehen ist. Betrug unsere Mitgliederzahl Ende 1930 22.445 Männer und Frauen, Ende 1933 21.848, so können wir Ende 1935 immer noch einen Mitgliederstand von 21.736 aufweisen. Die BeittagSleiftung schwankt in den einzelnen Bezirken je nach der Zahl der arbeitslosen Mitglieder zwischen 45 und 85 Prozent. Die politische Aktivität hat im letztm Jahre besonders zugenommen und auch in der Bildungsarbeit ist eine sehr erfreuliche und erfolgreiche Tätigkeit zu beob» achten. Die Wahlniederlage vermochte unsere Kaders nicht zu erschütterst: ftrt Gegenteils die Parole„Nun erst recht!" hat in der klasienbewutz- ten Arbeiterschaft ein lebhaftes Echo gefunden. 13 Der Ruhm des Kämpfers Don Jadt London Copyright by Universum Berlin, durch Dr. Prlgor Pressedienst. Wien. Sie strich sich mit der Hand über die Stirn, als wollte sie die Verwirrung verscheuchen, die ihr Gehirn beschattete. „Hören Sie", sagte sie.„Derselbe Redakteur erzählte mir gestern abend? mich, ihr bevorstehender Kampf wäre in allen Einzelheiten so gut arrangiett, daß sogar die Runde feststünde, in der er enden sollte." Stubener wußte vor Schrecken nicht, was er sagen sollte, aber Pat enthob ihn einer Antwort. „Dann lügt der Redakteur", sagte er und hob zum ersten Male die Stimme. „DaS wäre das erstemal. Bei den andern Kämpfen stimmte es, was er sagte", antwortete sie herausfordernd. „In welcher Runde, sagte er, würde mein Kampf mit Nat Powers enden?" Ehe Maud Sangster antworten konnte, ergriff Stubener wieder das Wort. „Ach, kümmern Sie sich nicht darum, Pat!" rief er.„Das ist ja nur das übliche Gerede. Lassen Sie uns weitermachen mit dem Interview!" Aber Glendön beachtete ihn nicht. Seine Augen, die in die ihren blickten, waren nicht mehr von einem sanften Blau, sondern hart und ge- bieterffch. Jetzt war sie sicher, auf etwas Bedeutungsvolles gestoßen zu sein, auf etwas, das alles, was sie verwirrte, erklären würde. Gleichzeitig durch- fchauerte sie die Kraft seiner Stimm« und seines Blicks. Hier vor ihr stand ein Mann, der das Leben packen und aus ihm herausschütteln konnte, was er wollte. „Welche Runde sagte der Redakteur?" wiederholte Glendon. „Zum Donnerwetter, Pat, so hören Sie doch auf mit dem Unsinn", mischte Stubener sich wieder hinein. „Ich wünschte, Sie gäben mir eine Möglichkeit zu antworten", sagte Maud Sangster. „Ich glaube wirklich, daß ich imstande bin, mit Fräulein Sangster zu reden", fügte Glendon hinzu.„Gehen Sie nur, Sam. Gehen Sie und nehmen Sie sich des Photographen an." Sie blickten sich einen Augenblick schweigend an, dann ging der Manager zögernd zur Tür und öffnete sie. Er wandte den Kops, um besser zu hören. „Und jetzt sagen Sie, bitte: Welche Runde nannte er?" „Ich hoffe, daß ich nicht irre", sagte sie unsicher,„aber ich glaube bestimmt, daß er die sechzehnte Runde sagte." „Sie sah, wie sich plötzlich Ueberraschung und Zorn in Glendons Gesicht zeigten, und Zorn und Anklage galten seinem Manager. Jetzt wußte sie, daß ihr Schlag getroffen hatte. Und sein Zorn war auch begründet. Er hatte den Kampf mit Stubener besprochen, und sie hatten sich dahin geeinigt, daß sie den Zuschauern etwas für ihr Geld geben wollten, ohne doch den Kampf allzusehr in die Länge zu ziehen. Deshalbe sollte er in der sechzehnten Runde enden. Und nun kam eine Dame von einer Zeitungsredaktion und nannte eben diese Runde. Stubener stand blaß und verlegen in der Tür.„Mit Ihnen rede ich später", sagte Pat zu ihm.„Machen Sie die Tür hinter sich zu." Die Tür wurde geschloffen, und jetzt waren sie allein. Glendon sagte nichts. Seine Miene drückte deutlich Unruhe und Erstaunen aus. „Nun?" fragte sie. Sie hoch überragend stand er da. Dann setzte er sich wieder und befeuchtete sich die Lippen mtt der Zunge. „Ich will Ihnen etwas sagen," meinte er schließlich.«Der Kampf wird nicht in der sechzehnten Runde enden." Sie sagte nichts, aber ihr ungläubiges spöttisches Lächeln verletzte ihn. „Warten Sie ab, Fräulein Sangster, und Sie werden sehen, daß der Redakteur sich irrt." „Sie meinen, das Programm wird geändert?" fragte sie dreist. Er zuckte unter diesen scharfen Worten zusammen. „Ich pflege nicht zu lügen", sagte er steif, „vor allem nicht Frauen gegenüber." „Das tun Sie ja auch gar nicht. Sie leugnen nicht einmal, daß das Programm geändert wird. Ich bin vielleicht ein bißchen schwer von Begriff, Herr Glendon, aber ich kann nicht einsehen, welchen Unterschied es ausmacht, in welcher Runde der Kampf endet, wenn es doch vorauS- bestimmt und bekannt ist." „Ich will Ihnen die Runde nennen, und keine andere Menschenseele soll es wiffen." Sie zuckte die Achsel und lächelte. „Das klingt ja fast wie ein Rennttp. Die werden immer so gegeben, wie ich Weitz. Ganz so dumm bin ich nun doch nicht, und ich Weitz, daß hier etwas nicht stimmt. Warum wurden Sie böse, als ich die Runde nannte? Warum waren Sie auf Ihren Manager böse? Warum haben Sie ihn fortgeschickt?" Statt zu anworten trat Glendon ans Fenster, als wollte er hinausschauen. Dann änderte er plötzlich seinen Entschluß und wandte sich halb zu ihr um, und ohne datz sie es sah, wußte sie, daß er jetzt ihr Gesicht betrachtete. Dann ging er wieder auf seinen Platz zu« rück und setzte sich. „Sie fügen, ich hätte Sie nicht belogen, Fräulein Sangster, und Sie haben recht. Ich habe es nicht getan." Er macküe eine Pause, in der er krampfhaft nach Worten suchte. Herriot lehnt ab Er will Kammerpräsident werden? Paris. Gegenstand de» großen Jntereffes aller Pariser Morgenblätter bildet die Unterredung des sozialistischen Führers LtonBlum mit dem Ehrenvorsitzenden der' radikalsozialistischen Partei H e r r i o t, die streng vertraulich war. Dem„Petit Journal" zufolge soll Herriot es definttiv abgelehnt haben, in -die Regierung einzutreten. Gleichzeitig deutet das Blatt an, datz dann für das Außenministerium der ehemalige Ministerpräsident C h a u- temps in Frage käme. Herriot will auf den Posten eines Kammervorsitzenden kandidieren.„Petit Journal" meldet, datz der bisherige langjährige Kammervorfitzende B o u i s- s o n neuerdings die Absicht habe, für diefen Posten zu kandidieren. Es käme dann zu einem intereffanten Wettbewerb, da die Wahl des Kammervorsitzenden eine geheime ist. Versuch mit der Tarnung Aus Spanien kommt eine seltsame und bemerkenswerte Kunde: G i l R o b l e s, der Füh- rer der katholischen Faschisten, will sich nunmehr sozial geben. Gil Nobles— das ist der Mann, der in Spanien Dollfuß nachahmen wollte, der Mann, der für die Massenschlächterei in Katalonien und Asturien verantwortlich ist, der Mann, der den Arbeitern ihre Zeitungen nahm, ihr Eigentum beschlagnahmte, die Arbeiterheime sperrte und die' ohnehin mangelhafte Agrarreform wieder rückgängig machte. Was hat wohl Gil Nobles bewogen, seiner Ueberzeugung von gestern abzuschwören?— Aber schwört er denn seiner Ueberzeugung ab? Wird aus dem blutigen Gil Nobles wirklich ein Freund der Armen? Hat er sich gewandelt? Nein, er hat g e l e r n t! Er begriff, daß man, will man die Massen des Volkes für den Faschismus gewinnen, nicht ein offenes Bekenntnis zu den kapitalistischen Auf- traggebern abgeben darf. Die Massen wählen sonst allzurasch und allzu deutlich links. Dem Faschismus dienen seine Werber im Gegenteil am besten, wenn sie den Massen einen sozialen Köder hinhallen, wenn sie ihnen versprechen, ihre Interessen wahrzunehmen. Selbstverständlich immer in der selbswerständlichen Berellschaft, das Gegenteil des Versprochenen zu tun, wenn sie, die Faschisten, an der Macht sein würden. In Italien haben die Faschisten bis zum Jahre 1927 die rote Kokarde auf der Mütze getragen, in Deutschland haben sie sich däs Rot der Soziallstenfahne ausgeborgt. In Spanien haben die Massen allerdings v o r der Vollendung des faschistischen Be- ttugeS Ordnung gemacht, während sie in Deutschland und Italien den durch ihre Leicht- gläubigkeft gefüllten Becher der sozialen Bitter- nis bis auf die Neige auskosten müssen.— Gil Nobles erweist den sozialen Ideen unserer Zell eine Zweckreferenz. Er verneigt sich, wie feine erfolgreicheren Kollegen, vor jenen sozialen Ideen, deren Trägerin die sozialistische Arbeiter- bewegung ist. Jene sozialisfische Arbefterbewc- gung, die auch im Faschismus die einzige Trä- gerin dieser Ideen bleibt. Und die darum den Faschismus besiegen wird! „Wollen Sie nicht versuchen zu glauben, was ich Ihnen jetzt sagen werde? Wollen Sie sich auf das Wort eines— Boxers verlassen?" Sie nickte ernst und sah ihm in die Augen, überzeugt, datz er jetzt die Wahrheit sagen würde. „Ich habe immer ehrlich und anständig gekämpft. Ich habe nie im Leben unsauberes Geld angerührt, nie einen unsauberen Trick ausgeübt. Das möchte ich zunächst feststellen. Sie haben mir durch das, was Sie erzählten, einen gehörigen Schrecken eingcjagt. Ich weiß gar nicht, was ich davon halten soll. Aber es sieht sehr verdächtig aus. Das ist es. was mich quält. Denn sehen Sie,- Stubener und ich haben den Kampf besprochen, datz ich in der sechzehnten Runde Schluß machen soll. Und jetzt kommen Si« und erzählen es mir. Woher wußte der Redakteur eS? Bon mir nicht. Stubener mutz es sich haben entschlüpfen lasten ... es sei denn..." Er schwieg einen Augenblick, um nachzudenken. „Es sei denn, der Redakteur hätte es zufällig geraten. Ich kann nicht klug daraus werden. Da ist nichts zu machen, als die Augen offenzuhalten und abzuwarten. Jedes Wort, das ich Ihnen gesagt habe, ist wahr. Hier meine Hand darauf!" Wieder stand er auf, daß er sie in seiner vollen Größe überragte. Ihre kleine Hand wurde von seiner großen, der sie auf halbem Wege entgegenkam, ergriffen, und nachdem sie sich offen und ehrlich in die Augen geblickt hatten, sahen beide unbewußt auf die einänder umschließenden Hände nieder. Sie fühüe, datz sie sich ihrer Weiblichkeit noch nie so bewußt gewesen war wie in diesem Augenblick. Diese Erkenntnis kam ihr in derseben Sekunde, in der ihre weicbe, zart« Hand dm Druck seiner kräftigen männlichen spürte. .(Fortsetzung folgt.), Rr. 119 Donnerstag, 21. Mai 1938 Seite 3 fudetendeiitscfter Zeitspiejel Kongreß der deutschen Volksbildner in Prag Am Mittwoch begann die im Auftrage des Ministeriums für Schulwesen und Volkskultur einberufene Arbeitstagung der öffentlichen deutschen Bildungspflege in Böhmen in den Räumen der Prager„Urania". Die Beteiligung war stark und der vom staatlichen Referenten für das Bildungswesen, Fachlehrer He r g e t, aufgestellte Satz, daß die Demokratie zu ihrem Schutze nicht nur ein Verteidigungsgesetz, sondern auch eine richtig geleitete Volksbildungsarbeit brauche, war die Erkenntnis, die aus allen Referaten und Diskussionsreden sprach: die Erkenntnis, daß der Bolksbildner gerade in der Zeit der Krise und gerade im sudetendeutschen Notstandsgebiet eine doppelt notwendige Funktion für den Bestand des Volks und zum Nutzen des Staates zu erfüllen habe, und daß es gefährlich sei, die Mittel, die der Volksbildung zur Verfügung gestellt werden, aus falscher Sparsamkeit oder mangelnder Einsicht gerade m dieser Zeit auf ein Minimum herabzudrücken. Der Minister für Schulwesen und Volkskultur, Dr. Emil Franke, sagte in seiner mit lebhaften Beifall aufgenommenen deutschen Begrüßungsansprache .unter anderem: Der Bestand eines demokratischen Staates ist nur dort möglich, wo selbstbewußte und innerlich disziplinierte Bürger wohnen. Tas demokratische Regime bedeutet einen Höhepunkt in der Entwicklung der Menschheit und seine Erhaltung hängt von der Geisteskultur der Bevölkerung ab. In dieser Ueber- zeugung bemüht sich die tschechoslowakische Regierung und die tschechoslowakische Staatsverwaltung, wie sonst nur. in wenigen anderen Staaten, um die Entwicklung deS Schulwesens und der kulturellen Institutionen für die Jugend. Jeder Bürget" in unserem Staate hat das Recht auf Belehrung und Bildung in seiner Muttersprache, die besten Quellen seiner Volkskultur stehen jedem unentgeltlich zur Verfügung. Den Umfang der staatlichen Fürsorge um die Volksbildung veranschaulicht am besten die Statistik. Ich führe daraus nur ein Beispiel an: Im Jahre 1910 gab es in Böhmen 666 deutsch« Gemeindebüchereien mit 293.684 Bänden, 36.090.Lesern und 667.619 Entlehnungen; im Jahre 1934 gab es in Böhmen 2683 deutsche Gemeindebüchereien mit 1,340.283 Bänden, 2,656.909 Entlehnungen und 142.975 Lesern. Insgesamt gibt es.in der Tschechoslowakischen Republik gegenwärtig 3570 deutsche öffentliche., GwieiAdeb sicher eien. Man kann mit Recht behaupten, daß in keinem Lände mit deutscher Minderheit das öffentliche Büchereiwesen für die Deutschen so ausgebaut ist, wie in der Tschechoslowakischen Republik. Wir erblicken darin einen Äerzeugenden Beweis dafür, daß nur die Demokratie eine echt« Volkskultur sichert. Die staatliche Fürsorge um die Volksbildung hat nicht bei allen Staatsbürgern das gleiche Verständnis gefunden. Viele, die fremde Vorbilder nachahmen, haben geglaubt, daß das autoritäre Regime für die Volkskultur mehr leisten kann als die Demokratie. Das Beispiel der Tschechoslowakischen Republik beweist, daß der Aufstieg der Volkskultur durch di« Demokratie am besten gesichert ist. Ein Diktat ist keine geeignete Methode für die Entfaltung geistiger Volkskräfte, namentlich dann nicht, wenn die Kultur zur Dienerin irgend einer politischen Doktrin« gemacht wird. Die Funktionäre der staatlichen Bildungspflege, in deren Hand die Erwachsenenbildung liegt, sollten sich diesen Umstand immer vor Augen halten und insbesondere die junge Generation für die Volksbildung im demokratischen Geiste zu gewinnen suchen. Aus der langen Reihe der Referate, die während der(in drei Sektionen geteilten) Beratungen gehalten wurden, seien drei hervorgehoben, die sich mit den aktuellsten und grundsätzlichen Problemen der sudetendeutschen Volksbildung beschäftigten: die Referate des Genoffen Dr. Emil F r a n z e l über die geistige Betreuung der Arbeitslosen, dem Gen. Ernst Paul über Volksbildung und Propaganda des demokratischen Staatsgedankens und des Büchereiinstruktors Archivrat Dr. Anton M o u ch ä über die öffentliche Volksbildungspflege der Gegenwart. Genosse Dr. Franze! wies darauf hin, daß die psychologischen Folgen der Dauer- und Massenar- beitslosigkeit so tiefgreifend sind, daß sie nicht mit Schlagworten umschrieben oder mit dilettantischen Mitteln behandelt werden können. Der Gefahr der moralischen Zersetzung und geistigen Abstumpfung, der besonder- die jugendlichen Arbeitslosen zu erliegen drohen, könne der Volksbildner nur dann begegnen, wenn er systematisch vorgeh«. Es müsse versucht werden, dcg Arbeitslosen die rationalen Gründe ihres Schicksals, die Ursachen der Krise also, klar zu machen, um das Versinken der Arbeitslosen in den Fatalismus zu verhüten. Auch die sozialpolitischen Maßnahmen zur Ueberwindung der Krise, die in unserem Lande und im Ausland ergriffen wurden, muffe man den Arbeitslosen erklären, und man muffe auf sie im Sinne demokratischer Erziehung einwirken. um in ihnen den Geist der Selbsthilfe zu wecken und das-Bewußtsein politischer Verantwortlichkeit Wachzuhalten, denn die Gefahr sei groß, daß der Arbeitslose, der die Selbstverantwortung verliere, sich sirr politische Abenteuer kaufen laffe. Der Polksbild- ner müsse dabei stets versuchen, dem Arbeitslosen die geistige Nahrung in Verbindung mit der körperlichen zu reichen, er müffe also mit der Fürsorge zusammenarbeiten, besonders mit der produktive» Fürsorge. in deren Rahmen sich künstlerische und tech« I Nische Gruppen organisiere» ließe». Genösse Paul erinnerte an die Worte MasarykS, daß es keine Krise der Demokratie, sondern nur eine Krise der Demokraten gebe. Und er erklärte, daß auch bei uns der Mangel an überzeugten Demokraten und di« geringe Festigkeit der demokratischen Tradition viel zur jetzigen Krise beigetragen habe. Die demokratische Grundhaltung des ganzen Volkes, wie sie in der Schweiz und den demokratischen Ländern bestehe, müsse bei uns durch Erziehung zur Demokratie geschaffen werden. Voraussetzung für eine solche Erziehung sei allerdings, daß der Erzieher selbst im Innersten Demokrat sei. Dann werde es ihm nicht schwer fallen, die Ideen der führenden Männer unseres Landes in die Massen zu tragen, die Programme der demokratischen Parteien, die Staatsverfassung und die Sozialgesetzgebung zu erläutern. Eine Gemeinschaft von demokratischen Volksbildern hätte auch die Möglichkeit, mit den Volksbildern anderer demokratischer Staaten zusammenzuarbeiten. Die deutschen Volksbildner in der Tschechoslowakei sollten einen Plan für demokratische Volksbildung ausarbeiten, bevor ihnen der Staat selbst einen vorschreibe, und sie sollten sich dabei von der Ueberzeu- gung leiten lassen, daß wir Sudetendeutschen uns unseren Platz nur durch lebendige Anteilnahme am Leben des Staates erobern und erhalten können. Archiv-Rat Dr. Moucha umriß in seinem großangelegten Referat die historische Entwicklung der sudetendeutschen Volksbildung, wobei er besonders auch der Verdienste unserer Arbeiterbildungs- ver Reich«vugencltag bringt: „Cavalcade- Als Abendfeier Di« Reihe der künstlerischen Veranstaltungen des Reichsjugcndtages wird am Pfingstsamstag abends mit einer Abendfeier eröffnet, die ein« Monstre-Veranstaltung im wahrsten Sinne des Wortes zu werden verspricht. Nicht nur, daß alle Jugendtagsteilnehmer, die um diese Zeit schon in Bodenbach sein werden, bei einer Veranstaltung vereinigt sind: auch das Festspiel .selbst wird eine ganz große Sache werden. Gegen dreihunder Jugendliche aus dem Sozialistischen Jugendverband, die nicht aus einein Ort oder einem Bezirk, sondern aus dem ÜSNjLN.ÜWlüt Mjchenbera bis Kfmotaüftam- men, führen im Verein mit einem großen Orchester(Leitung Josef KIum, Bodenbach) und einer Gruppe sozialistischer Schauspieler unter Vasa Hochmanns Leitung die Revue„Cavalcade" vor, die— unter den schwierigen geographischen Verhältnissen, unter denen sie vorbereitet werden mußte, erst recht— den gewagten Versuch darstellt, unsere^eit und den Ausweg aus ihr zu einer besseren Zukunft mit allen möglichen und zur Verfügung stehenden künstlerischen Ausdrucksmitteln darzustellen. Wort und Bild, inszeniert auf einer großen Bühne mitten in der Stadt Bodenbach, auf derem größten Platz, dem Masarykplatz, werden von. entsprechendem szenischen Dekorum umrahmt und musikalisch untermalt. Was stellt„Cavalcade" dar? Cavalcade nennt man einen großen, Pracht- und prunkvoll ausgestalteten Reiterzug. Der Sinn ist, gewisse charakteristische Erscheinungen unserer Zeit einem Reiterzug gleich auf der Bühne aufziehen zu lassen. Wenn man dgbei an Erscheinungen wie di« Arbeitslosigkeit und überhaupt die ganze verlotterte und nur auf das Geschäft bedachte kapitalistische„Ordnung" denkt, merkt man, daß der Titel, der Prunk und Pracht zum Ausdruck bringt, ironisieren will. Zu Beginn des Spieles weilen Musik und Bühnendekorum auf eine Empfindung hin, die allzuoft auch in Arbeiterherzen Raum hat und Leichte Besserung In der Erzgebirgs-Industrie Einige Industriezweige im Bezirke W e i- pert-Preßnitz weisen«ine gesunde Stabilität, teilweise sogar eine leichte Entwicklung nach oben auf. So ist die P o s a m e n t e n i n d u- fi r i e gut beschäftigt, und einige Unternehmungen dieser Branche, wie die Firma Edmund Schmidl in Weipert-Grund(Blechhammer) und W. Schmidts Söhne(Karlsbader Straße) arbeiten i» mehreren Schichten und haben in letzter Zeit sogar Neueinstellungen von Arbeitern vornehmen können. Gleichfalls gut beschäftigt ist die Posamentenfabrik Kanneberger in Neugeschrei, bei der vor allem Ordres aus Frankreich vorliegen. In den übrigen Posamentenbetrieben ist die Beschäftigungsgrundlage unterschiedlich. Es fehlt hier teilweise an den für längerfristige Lieferungen notwendigen größeren Bankkrediten. Die Trikotagefabrik Herold, Wei» pert, arbeitet derzeit mit voller Kapazität und beschäftigt rund 400 Arbeiter. Auch die Situation, in der Handschuh- i n d u st r i e(Hering AG., Asch-Wcipert) ist, gemessen an den allgemeinen Verhältnissen.in die- vereine und unserer Zentralstelle für das Bildungswesen gedachte und zu dem Schluff« kam, daß man der Leugnung einer sudentendeutschen Kultur aufs entschiedenste widersprechen müffe, denn unter den Sudetendeutschen habe es eine deutsche Kultur schon gegeben, als man in anderen deutschen Ländern nur eine Staatskultur kannte. Im tschechoslowakischen Staate habe die deutsche Volksbildung einen weiteren Aufstieg genommen, sei aber durch die Krise und ihre sozialen und weltanschaulichen Erschütterungen vor neue Probleme gestellt worden. Es ser heute nicht möglich, alte Weltbilder wiederherzustellen, aber eS müsse versucht werden, die Volksbildung mit den seelischen, biologischen und geistigen Erfordernissen des heutigen Menschen in Einklang zu bringen. Dazu gehöre die Erkenntnis von der Bedeutung der Volksgesundheit, von den seelischen Werten der Arbeit, vom Persönlichkeitswert der(in den Dikiaturftaaten entpersönlichten) Erholung, die richtige Wertung der Religion, der Familie, der Frau und der Jugend, und die Anerkennung der Wechselbeziehungen zwischen Individuum und Gemeinschaft. Als Ziel unserer Volksbildung bezeichnete Dr. Moucha die Vergeistigung und Vermenschlichung, die in der Vernunft verankerte Freiheit und die in der Persönlichkeit verankerte Humanität— und er fand entschiedene Worte gegen alle Bestrebungen, die Menschen unserer Heimat von diesen BildungSidealen loszureißen. Außer den genannten Rednern sprachen am ersten Kongreßtage noch: Toni Köhler über „Die Lebensgemeinschaft des Dorfes", Prof. Dr. Frankl über die Prager deutsche Sendung, Josef Kühnel über Rundfunk und Film in der Volksbildung und Prof. Drehhausen über die Bücherciaufsicht. die Revue von der Zelt“ sie mutlos werden läßt: Auf die Empfindung, daß die sozialistische Idee verfemt und verachtet sei. In der Ouvertüre„1812" von Tschaikowsky unterliegt das revolutionäre(Marseillaise-) Motiv dem reaktionären(Zarenhymne); an den Fahnenmasten, die die Bühne säumen, gehen die roten Fahnen herab. Das gleiche Motiv wird dann noch in einer Sprechchorszene dargestellt, in der die sozialistische Idee, verkürvert in dem„Menschen im roten Gewände" von der großen Masse beschimpft und niedergebrüllt wird. Weitere Bilder zeigen das Lied der Arbeitslosen, die gekünsteltsorglose,Herrenklsssse(Bild und Tanz) und deren Geschäftsmoral(„Bövsenliod" von Mehring). Hinter allem droht der Krieg. In einer Ueber- gängsszene stellen Sprecher, Musik und Szenerie die Frage: Was nun? und die nächsten Bilder zeigen zwei Wege, welche die Menschen gehen: zur Mutlosigkeit und zur Gesinnungslumperei. Der große Chor sagt zu beiden„Nein".— Da künden Hornruf- den Aufstand än. Die„War- schawjanka" erklingt, der Ruf auf die Barrikaden, ein Sprechchor nimmt ihn auf, die Musik heult Aufstand. Plötzlich ändert die Musik das Motiv, schneidige Militärmärsche charakterisieren die aufmarschierende Exekutive, die den Auft'tand niederwirst.— Trotzdem lassen die Kräfte der Zukunft niö^ locker:. „Soll'n wir uns mutlos wenden, jetzt, da der Reiterzug der Zukunft naht?" ertönt es aus dem Lautsprecher und von den Bühnen herab verkünden Sprecher und Sammelruf der sozialistischen Idee. Die Jugend nimmt den Ruf auf, sie strömt von allen Seiten herbei, gibt ihren Willen zur neuen, besseren Zeit kund und in einer großen Schlußszene steigen die roten Fahnen, getragen von der„Internationale" wieder hoch. Wir g la üben, daß diese Revue von der Zeit, die Ferry Schimmel für die Wendfeier des Reichsjugendtages montiert hat, das erste tiefe Erlebnis der Reichsjugendtagsteilnrhmer sein wirb. sem Industriezweig und abgesehen von dem augenblicklichen saisonmätzigen Rückgang durchaus befriedigend. Ebenso ist die Gummiwarenerzeugung(Firma R. Kraft) nach wie vor gut beschäftigt. Ein weniger erfreuliches Kapitel bildet allerdings die erst in der Nachkriegszeit entstandene Weipert-Preßnitzer Kabelindustrie. Hier macht sich der Entfall der Militärlieferungen kraß bemerkbar.— r. Porträt der Bürgerpreffe. Die„Brüxer Zeitung", die selbstverständlich Herrn Henlein dient, veröffentlicht eine„Bilanz" der ersten zwei Jahre der spanischen Republik und des„roten Oftober" in Asturien. Es lohnt nicht, die Zahlen wiederzugebcn, die da genannt werden. Selbstverständlich find sie von den Faschisten ausgegeben worden, die ganz vergessen haben, die Opfer der Massenschlächtereien in Asturien und Katalonien zu zählen. Es ist aber nicht unwichtig, wieder einmal die Rolle unserer Bürgerpreffe festzustellen. Ihr ist selbstverständlich König Alfons lieber als Azana. Wie'uns der Anstand und die Gesittung lieber sind als die bürgerliche Journalistik. Gömbös:„Bleib’ ich, geh’ ich, komm’ ich wieder?“ Ein merkwürdiges Versagen. Die„Deutsche Presse" beschäftigt sich mit den Vorwürfen, die gegen die Christlichsoziale deutsche Volkspartei wegen ihres Nichtkandidierens bei der Duxer Bezirkswahl erhoben wurden. Sie schreibt u. a.: „Innerhalb der christlichsozialen Partei weiß man sehr wohl, warum in Dux die Kandidatur der Partei nicht zustande kam. Der Wille zur Teilnahme war selbstverständlich vorhanden, die Ausführung scheiterte an einem rein technischen Mißverständnis, wie es in jeder Organisation einmal Vorkommen kann. Es handelt sich um einen Fehler im Verfahren— sonst nichts." Wir müssen sagen, daß dies ein merkwürdiger Fehler sein muß. Er hat jedenfalls nicht verhindert, daß die Christlichsozialen im Bezirk B i l i n kandidierten... Junge Karlsbaderin abgängig. Vor einiger Zeit nahm der Karlsbader Bürgermeister Schreitter-Schwarzenfeld eine Kontrolle des in den Diensten der Kurverwaltung stehenden Personals vor, wobei er u. a. auch die Schloßquelle aufsuchte und bei den dort beschäftigten zwei Brunnenmädchcn einen Becher Wasser forderte. Die beiden Mädchen, big in.dem Besucher d^ BUtgerMeister nkcht erkannten,"zeiglen bei ihrer Dienstleistung nicht jene Höflichkeit, die dem Bürgermeister erforderlich erschien, weshalb tags darauf ihre Entlaffung verfügt wurde. Eines der beiden Mädchen, Anna A., ist jetzt seit 13. d. M. aus Karlsbad abgängig: nachdem es Bekannten gegenüber geäußert hatte, es sei unschuldig entlassen worden und daß es, wenn man es nicht wieder als Brunnenmädchen anstelle» sollte, „irgendwohin" gehen würde, wo man es nicht mehr finden werde. Die nach dem Verbleib des jungen Mädchens angestellten Nachforschungen sind bisher ergebnislos geblieben. Lebende Fackel. In B o k a u bei Auffig ereignete sich Mittwoch vormittags ein aufregender Vorgang. Als eine Frau Kostrba morgens Feuer machen wollte und das Brennmaterial nicht gleich brannte, goß sie Spiritus in die Flammen. Sofort erfolgte eine Explosion, die Kleider der Frau fingen Feuer und im Nu war sie in eine lebende Fackel verwandelt. Der zu Hilfe eilende Ehemann zog sich bei den Löscharbeiten Brandwunden zu. Die unvorsichtige Frau wurde mit lebensgefährlichen Brandwunden dem Auffiger Bezirkskrankenhaus zugeführt. IVIotorfahrer samt Begleiterin tödlich verunglückt . Pardubitz. Mittwoch abends kam es auf der Kreuzung der Bahnstrecke Pardubitz—^Reichcnberg mit der Straße Pardubitz—Bohdaneö in der Gemeinde Doubravice zu einem Unglück. Um 21 Uhr passierte ein Motorradfahrer mit seiner aus dem Tandem sitzenden Begleiterin die Schranken, die nach der Aussage des Weichenwärters herabgelassen wären, als gerade von Pardubitz eine Lokomotive heransauste, von der er erfaßt wurde. Der Motorfahrer und seine Begleiterin wurden auf der Stelle getötet. Es handelt sich um den 26jährigen Gewerkschastssekretär in Caslav Josef P e r u n ä c. Der Name der etwa 25jähri- gen Frau ist noch nicht ermittelt worden. Chicago. Der ehemalige Präsident Hoover erklärte offiziell, daß er bei den Präsidentschaftswahlen keine republikanische Kandidatur annch» men werde. Barcelona. Im Hotelbetrieb wurde in Barcelona der Streik verkündet, der sich auch auf das Personal der Restaurationen und Kaffeehäuser ausdehnte. Addis Abeba. Italienische EskadreS setzen ihre Erkundungsflüge über dem südwestlichen Teil Abessiniens bis zur Reichsgrenze fort. Seite 4 Donnerstag, 21. Mat 1936 Rr. IIS Gewerkschaftliche Werbearbeit und klare Zielsetzung Die Textilarbeiter bereiten ihre künftige Arbeit vor Der zweite Tag der Verhandlungen des Verbandstages der Union der Textilarbeiter in Reichenberg brachte eine ausgiebige Verhandlung der vorliegenden Anträge. Gen. Peter Schmidt vom Vorstand hielt das einleitende Referat. Zeigt es schon von lebhafter Anteilnahme an der Organisatwnsarbeit, daß zahlreiche Anträge eingebracht waren, so ließ die Debatte die gleiche Wahrnehmung hervortreten. 16 Redner haben daran teilgenommen. Darauf behandelte Gausekretär Mabe r, Reichenberg, das in der Gewerkschaftsbewegung aktuelle Thema: Werbearbeit und Gewinnung der Jugendlichen. Die Union, so führte er u. a. aus, ist die weitaus stärkste Gewerkschaft in der Textilindustrie. Dennoch hat sie die Arbeiter nur zum Teil ersaßt. Im deutschen Gebiet dürften noch rund 50.000 Textilarbeiter zu gewinnen sein. Die Werbearbeit mutz daher auf breite st er Grundlage ausgenommen werden. Eine der Losungen muß sein: Für alle Arbeiter in allen Betrieben und Arbeitsstätten verbindlich erklärte Kollektivverträge. Die Werber können dabei auf die gewaltigen Leistungen der Union auf allen Gebieten Hinweisen. Die Gewerkschaften müssen ihre.Hand an das Steuer der Wirtschaft legen und den Wiederaufbau derselben zu ihrer eigenen Angelegenheit machen. Daraus erwächst eine geschichtliche Mission, die die Gewerkschaften nur zu meistern vermögen, wenn sie stark genug in Staat und Gesellschaft sind. Der äußerst instruktive Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall entgegengenvmmen und der Antrag gestellt, ihn in einer Sonderbroschüre in größerer Auflage zu verbreiten. Wahlen— Eine Ehrung für Genossen Roscher. Genosse Schmidt-Reichenberg berichtete als Vertreter der Wahlkommission und schlug er dem Unionstag den Genoßen Roscher als Obmann wiederum vor. Der Verbandstag begleitete diesen Vorschlag mit einer lebhaften Ovation, worin zum Ausdruck kam, wie beliebt der Obmann der Textilarbeiter bei den Mitgliedern ist. Selbstverständlich wurde der Vorschlag einstimmig angenommen. Anton Roscher Den Textilarbeitern in allen deutschen Gebieten muß eingehämmert werden, daß die Union der einzige Schutz gegen Lohndruck, Verelendung durch Arbeitslosigkeit, gegen die Unterdrük- kung der Rechte der Textilarbeiter ist. Dann werden Erfolge nicht ausbleiben. Die Union muß namentlich auf die Gewinnung jugendlicher Mitglieder Gewicht letz e n. Die auf allen Gebieten der Gegenwart in ihrem Be- ivußtsein mit. Ihre Interessen gehen vielfach nach einer anderen Richtung. Drei Generationen europäischer Arbeiter haben ihre be st en Kräfte dafür eingesetzt, denArbeitervvmrecht losen Heloten zum freien Staatsbürger werdenzulassen. Dieses Erbe muß die Jugend nicht stur erhalten, sondern weiter zu entwickeln versuchen.(Lebhafter Beifall.) Die Aussprache zu diesem Punkt der Tagesordnung war sehr lebhaft. Die Delegierten wiesen auf die Schwierigkeiten der heutigen Gewerkschaftsorganisation hin. In den Betrieben herrscht ein Terrm-.-dermcht^alestt^von den Unternehmern ausgeht. Trotz alledem ließ die Aussprache erkennen, daß die Werbearbeit erfolgreich ist, wenn sie nur richtig ausgeübt wird. Genosse Tauber voin Verbandsvorstand behandelte die Berufungen gegen Ausschlüsse von Mitgliedern. Die Verbandstagsteilnehmer hörten am letzten Tage der Verhandlungen einen Vortrag des Genoßen Rehwald über das Thema Gewerkschaften im Staatskapitalismus, den sie mit gespanntester Aufmerksamkeit verfolgten. Ausgehend von dem Wort, daß Wirtschaft Schicksal sei, schilderte der Genosse Rehwald in meisterhafter Weise wie sich die kapitalistische Wirtschaft im Zustand des Liberalismus zu einer weltumspannenden Wirtschaftsform entwickelt hat. Die freie Wirtschaft, Freihandel waren das Leitmotiv dieser wirtschaftlichen Entwicklung. Seit einigen Jahrzehnten geht ein deutlicher Umbruch dieser Wirtschaftsform vor sich. Immer mehr wird die alte Arbeitsteilung der Weltwirtschaft, wonach die Rohstoff- und Agrarländer mit den Industrieländern Rohstoffe gegen Fertigfabrikate austauschten, ersetzt durch willkürliche Eingriffe. Europa ist heute nicht mehr die Werkstattder Welt, der Anteil Europas am Welthandel sinkt und die übrigen Erdteile, machen sich industriell selbständig. Die Entstehung der Kartelle zeigt deutlich, daß die Unternehmer selbst die Wirtschaft organisatorisch zu beeinflussen versuchen. Mit den Kartellen und ähnlichen Organisationen ändert sichauchderTypdesUnterneh n»e r s. Die Einsatzbereitschaft des Unternehmertums ist unterhöhlt, der Wagemut ist wesentlich gesunken, der Rentnertyp, der nach gleichem Profit bei möglicher Gefahrlosigkeit strebt, tritt immer mehr hervor. Kämpferisch geblieben sind die Unternehmer nur gegen die Arbeiter. Die Entwicklung nach dem Kriege und namentlich seit Ausbruch der Krise hat den Staat immer mehr zum Wirtschaftslenker werden lassen. Die staatliche Initiative tritt als das Primäre im Wirtschaftsleben hervor. Der Stackt wird zum Fürsorge- und Genesungsinstitut für kranke Unternehmungen. Am weitesten ist diese Entwicklung in den faschistischen Städten gediehen. In einer solchen staatlich gelenkten Wirtschaft wird die Tätigkeit der Gewerkschaften in ganz andere Bahnen gedrängt. Die Gewerkschaften müßen den Versuch machen, die Wirtschaftsprobleme lösen zu helfen. Wenn der Staat von sich aus Wirtschaftspolitik treibt, müßen die (»Gewerkschaften versuchen, auf de» Staat Ein-! sluß zu gewinne». Studlenreform—Prüfungsreform Während die Öffentlichkeit seit langem über die Frage der Studie nreform an den Hochschulen, insbesondere an den juridischen Fa- er hätte die Aufmerksamkeit darauf lenken können oder sollen. In Wahrheit hatte er ein ge- | ringes Echo. Es ist merkwürdig, daß die Selbstmorde von Mittelschülern, die bei aller Schüler-Tragik doch sehr oft aus der Pubertäts- i ftimmung mehr als aus der Schulangst zu erklären sind, stets große Debatten entfesseln, während die Selbstmorde von Hochschülern fast unbeachtet bleiben. Und doch liegt hier ein Problem vor, das es zu lösen gilt. Die Prüfungsordnung an den Hochschulen ist dringend reformbedürftig,' Die M o st o p st l st'e l l u n gf"d e r Prüf um g£ kommissäre allein, das Fehlenjeg- licherKontrolle über die Prüfer und das Fehlen einer brauchbaren Appellations-Instanz schaffen die Voraussetzungen für eine geradezu schrankenlose Macht der Prüfer über die Prüflinge. Nun wird jeder, der einmal Staatsprüfungen oder Rigorosen insbesondere an der juridischen, zum Teil aber auch an der medizinischen Fakuüät beigewohnt hat, erstaunt festgestellt haben, daß von einer wissenschaftlichen Auslese meist nicht die Rede sein kann. Es werden ost Dinge geprüft, die offensichtlich nicht zum Fach gehören, es werden Fragen gestellt, die der zu Prüfende unnröglich verstehen kann, es wird je nach dem Prüfer und der Kommission streng oder milde vorgegangen und es ist in mindestens der Hälfte aller Fälle Glückssache, ob einer durchkommt oder nicht. Die LaunedesPrü- senden entscheidet ost und e^ gibt Priifer, die sich mit einer ebenso sadistischen wie läppischen Schadenfreude rühmen, diesmal wieder so und soviele Prüflinge„geschmissen" zu haben. Dazu konnnt, daß der Prüferanden Taxen verdient und ein sehr materielles Interesse daran hat, daß die Prüfungen oft wiederholt werden. Das ist ein g e g e n d i e g u- ten Sitten verstoßender Zu-, stand und das Mindeste an Reform, das zu fordern wäre, müßte die Abschaffung der jndi- viduell zu zahlenden und einzukassierenden Tstxe sein. Der Kandidat sollte ein Pauschale zahlen und der Prüfer, ohne Rücksicht darauf, wieviele Kandidaten er prüft, eine Pauschalsumme'erhalten. Darüber hinaus aber wäre das ganze System der Prüfungen an den Hochschulen einer gründlichen Reform und Remedur zu uitter- ziehen!* Dr. Ruxton.(M. B.) Am 12. Mai ist in Manchester Dr. Buck Ruxton, ein Arzt,.gehängt worden. Er war beschuldigt, seine Frau und ein zwanzigjähriges Kindermädchen namens Rogerson ermordet zu haben. Beide Frauen verschwanden am 15. September 1935 aus seinem Heim. Vierzehn Tage später wurden in einem Hohlweg Leichenteile gefunden; man nahm an, sie stammten'von Frau Ruxton. Weitere Funde wurden nicht gemacht. Ruxton wurde angeklagt Und auf Grund eines reinen Indizienbeweises verurteilt, und zwar nahm das Gericht an, daß ihm nur e i n Mord wirkliche nachgewiesen sei: der an seiner Frau. Das Urteil erregte in England großes Aufsehen und viele Zweifel an seiner Gerechtigkeit. Zahllose Bitten um Begnadigung oder Aufschub der Hinrichtung liefen ein, allein in San« , kultaten debattiert, hat dieser Tage wieder einmal I der Selbstmord eines Studenten aus Prüfungsheutige Jugend erlebt den Umbruch> üngst dir ättifmerksamkett aus ein anderes Thema gelenkt, auf die P r u f u n g srefornr. Das heißt: dankte für das Vertrauen, machte aber darauf aufmerksam, daß er nicht mehr der Jüngste sei und er sich von der Tättgkeit des Zentralsekretärs zurückziehen würde, wenn er es für notwendig erachtete. Er würde dann als ehrenamtlicher Obmann weiter amtteren. In seiner Tätigkeit habe er sich immer zum Grundsatz genommen, jüngere Arbeitskräfte zur Leitung für die Union heranzuziehen. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden ebenfalls einstimmig gewählt. Darauf war die Tagesordnung erschöpft. Ein Delegierter brachte noch einmal den Dank der Mitgliedschaft und deren Vertreter den leitenden Kollegen der Union für ihre Tätigkeit entgegen. Darauf hielt der Genöße Anton Roscher das Schlußwort Jeder Delegierte müße hinausgehen und mit Mut und Entschlossenheit die Ideen weiter verbreiten, die er hier in sich ausgenommen habe. Wenn die Kollegen, diese ihre Aufgabe mit taktischer Klugheit in die Tat umzusetzen versuchen, dann können wir fest davon überzeugt sein, daß die Union auch in den nächsten Jahren das bleiben wird, was sie immer war, ein Hort und ein Bollwerk für die Textilarbeiter. Die Delegierten stimmten in das Hoch auf die Union lebhaft ein und sangen anschließend daran die erste Strophe der„Internationale". Damit war die bedeutsame Tagung beendet. caster wurde eine solche Petition von sechstausend Menschen unterzeichnet. Ruxton rief noch auf dem Weg zum Galgen:„Ich bin unschuldig I" Eine halbe Stunde nach seiner Hinrichtung übergab ein Freund Ruxtons einem Vertreter der Zeitung „News of the World" einen verschlossenen Umschlag, den er während eines Besuchs im Gefängnis von Ruxton erhalten hatte. Ruxton hatte ihm den Brief damals mit der Weisung gegeben» ihn, falls er freigesprochen würde,.zurückzugeben, falls er hingerichtet würde, der genannten Zeitung zuzustellen: aber er st nach seinem Tode. Als der Redakteur der Zeitung den Brief öffnete, las er folgende Zeilen:„Ich habe Frau Ruxton in einem Anfall von Wut getötet, weil ich glaubte, sie sei mit einem anderen Mann zusammengewesen. Ich war in jenem Augenblick verrückt. Mary Rogerson war damals zugegen.' Ich mußte sie gleichfalls umbringen. B. Ruxton." Der Freund Ruxtons hatte also während des Prozeßes das Geständnis des Angeklagten in Händen, ohne es zu wißen: Der Raudnitzer Lustmörder Stkpanek wurde von einer Gendarmerieeskorte in die Hast des Leitmeritzer Kreisgerichtes überführt. Bisher sind ihm außer dem Mord an seiner Kusine, der zu seiner Verhaftung führte, noch der Mord an der Milchfrau Ttiskova und die zwei Ueber- falke im Jänner auf rin Schulkind und"rink Arbeiterin nachgewiesen. Die Sicherheitsbehörden forschen nun der Vergangenheit des Mörders nach. Insbesondere wird ein bisher unaufgeklärter Lustmord bei Prag untersucht, der sich zu einer Zeit abspielte, als Stepanek bei einem Gärtner in Prag-Lieben beschäftigt war. Am 1. August 1932 wurde bei Bohnitz eine junge Frau namens Marie Zemaneova durch drei Mes- sersttche ermordet aufgefunden. Der Mord geschah mittags auf einer frequentierten Straße, so daß Ratchabsichten nicht in Frage kamen. Aus Zeugenaussagen ging hervor, daß der Mörder zu seiner Tat höchstens drei Minuten Zeit hatte. Es handelte sich offenbar um einen L.u st m o r d, der mit den beiden Ueberfällen, die Stkpanek Heuer im Jänner ausführte, große Aehnlichkeit hat. Bisher leugnet Stepanek hartnäckig, mit diesem Mord etlvas zu tun zu haben.— Auch die Gendarmerie in Modra in der Slowakei, wo sich Stepanek im Jahre 1933 aufhielt, geht seinen dortigen Spuren nach. Es stellte sich heraus, daß Stkpanek als Gärtnergehilfe in Modrä ganze Vorträge über Kasseneinbrüche heilt, wobei er die Arbeit mit wirklichen Einbruchswerkzeugen demonstrierte. Hartem für Abessinien. Im Negerstadtviertel Hartem kam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Negern, die nach einer Protestkundgebung gegen die Besitzergreifung Abessiniens durch Italien die Läden italienischer Gemüsehändler zu plündern begannen. Zwei Polizisten und ein Neger wurden durch Schüße verletzt. Das Harlem-Biertel war stundenlang abgesperrt. Aus de» überfchwentmten spanischen Provinzen werden weitere riesige Schäden gemeldet. In der Provinz Saragossa wurden 160 Dörfer von den Fluten Lberslbwemmt. Die Züge der Sttecke Barcelona—Madrid können auf direktem Wege nicht mehr verkehren. Der grüßte Schaden ist jedoch durch die Vernichtung der diesjährigen Ernte entstanden. Ein italienischer Greuel-Film. In einem großen Kino auf den Champs Elysees wurde auf Einladung des italienischen Gesandten in Paris ein Film vorgeführt, der sich mit den angeblich von den Abessiniern begangenen Grausamkeiten während des italienisch-abessinischen Krieges beschäftigt. In der Tat zeigte der Film entsetzliche Bilder, vor allem Verstümmelungen und Verwundungen durch Dum-Dum-Geschoße. In diesem Zusammenhang sind Meldungen aus London nicht uninteressant, in denen es heißt, daß die englische Regierung die Vorwürfe der Italiener in bezug auf die Dum-Dum-Geschoße der Abeffinier nicht für gerechtfertigt halte. Man behauptet in London, daß gewiße Angaben und Bilder der Italiener gefälscht seien. Das darf mau ohne weiteres auch glauben. Tie verhängnisvolle» englischen Kriegsschiffe. Der Negus ist, wie man weiß, an Bord der„Enterprise" ins Exil gegangen. Tie englischen Kriegsschiffe scheinen für gestürzte Monarchen besonders verhängnisvoll zu sein. N a p ö l e o n ist aus dem „Bellerophon" nach St. Helena gebracht.worden, und nach dem Weltkriege ist auch K a r I von Oe st erreich nach Madeira an Bord eines englischen Kriegsschiftes gebracht worden. Sowohl Napoleon wie Karl sind im Exil gestorben. Zusammenstoß in den Lüsten. Dienstag stießen unweit von Reims zwei Jagdflugzeuge in einer Höhe von etwa 1500 Metern zusammen. Ein Pilot rettete sich durch Fallschirmabsprung, der andere wurde auf der Stelle getötet. Goldfieber in Bulgarien. In der Umgebung der bulgarischen Stadt Ruße(Rutschuk) haben die Bauern in den letzten Monaten viel Glück gehabt. Ein Bauer hat beim Umpflugen seins Feldes drei Spangen aus reinem Gold entdeckt/ die nach den Feststellungen der Wissenschaftler aus der Römerzeit stammen. Ein zweiter Bauer fand einen antiken goldenen Kelch in seinem Acker, ein dritter zahlreiche goldene und silberne Gebrauchsgegenstände, ebenfalls aus der Römerzett. Nunmehr ist jedoch ein wahres Goldfieber ausgebrochen, da ein Landarbeiter in einem Weinberg eine ganze Kiste voll mit römischen Goldmünzen gefunden hat, die einen reinen Metallwert von 750.000 Lewa haben dürsten. Einen Kurs für Gasschutz für Frauen veranstaltet vom 22. bis 24. Mai d. I. das Institut des Prof. Dr. Jng. Parma an der Montanistischen Hochschule in Pribram» Es beteiligen sich daran 30 Feuerwehrführerinnen aus Böhmen Und Währe». Die Teilnehmerinnen werden sich auch einer praktischen Ausbildung unterziehen und auch die Pri- bramer Gruben besichtigen. Der Bakteriophag« (g) In Tiflis geht jetzt die Einrichtung eines Spezialinstituts zur Erforschung des Bakteriophags ihrer Vollendung entgegen. Die Tatsache, daß der sranzösische Gelehrte Prof. Dr. Errell an den Arbeiten teilnimmt, bietet genügende Gewähr dafür, daß es sich um eine wirklich ernste wissenschaftliche Institution handeln wird. Professor Errell ist nächtlich der Entdecker des Bakteriophags(zu deutsch: Bakterien fresser). Die Entdeckung dieser rätselhaften Substanz, die in den stärksten Mikroskopen nicht sichtbar wird untf auch die stärksten Filter ohne Schwierigkeit passiert, gelang 1917. Gerade die letzte Eigenschaft des Bakteriophags, daß er nämlich auch diejenigen Filter passiert, die für Mikroben sonst unpassierbar sind, führte dazu, daß eine Reihe von Forschern den Bakteriophag zu den unsichtbaren, zu den sogenannten„filtrierbaren" Mikroben zählt. Der Bakteriophag hat eine recht merkwürdige Eigenschaft: wenn man zu einer frischen, unbedingt lebensfähigen Bakterienkultur auch nur einen Tausendstel eines Tropfens von Bakteriophag zugibt, beginnt eine unaufhaltsame Zersetzung der Mikrobe, bis sie völlig verschwunden sind. Der unsichtbare Agent scheint die Krank-' heitserreger gleichsam aufzufressen. Wenn auch die Tatsachen, die mit der Erscheinung der Bakteriophagie Zusammenhängen eimvandfrei festgestellt sind, so besteht über die Natur des Bakteriophag selbst noch keine genügende Klarheit. Während die einen unter den Bakteriologen den Bakteriophagen— wie bereits erwähnt— für ein unsichtbares Lebewesen halten, so neigen wieder andere Gelehrt« mehr zu der Annahme, daß es sich hier um eine unorganische Substanz handelt— um eine Art von Ferment, das die Bakterien chemisch auflöst. Das Studium des Bakteriophags hat nicht nur eine wiffenschaftliche, sondern auch ein« hohe praktische Bedeutung, denn dieses Etwas, von dem man nicht weiß, ob es ein Wesen oder eine Substanz ist, ist ein gewaltiges Mittel zum Kampf gegen Infektionskrankheiten. Einem merkwürdigen Zusammentreffen verschiedener Umstände zufolge wirkt der Bakteriophag, der. in den winzigsten Dosen tödlich für alle Bakterien wird, auf die Zellen des menschlichen Organismus gar nicht, so daß man diesen Bakteriophag ohne Gefahr zu Heilzwecken verwenden kann. Und bei der Bekämpfung einiger Krankheiten— z. B. beim Kampf gegen die bazilläre Ruhr— hat man mit dem Bakteriophag bereits wahrhaftig wunderbare Ergebnifle erzielt. Um aber aktive und sozusagen„kampffähige" Präparate aus dem Bakteriophag zu gewinnen, muß man sorgfältig wählen und den Bakteriophag selbst gewiffermaßen„trainieren". Das ist eine langwierige und schwierige Arbeit» und thr wird nun die ganz« Tättgkeit des neuen Instituts in Tiflis gewidmet werden. Vom Rundfunk ta*Wil«MwartM an* Sm SrayaaMi Freitag Prag, Sender L: 7: Orchesterkonzert. 11.35: Schallplatien. 13.40: Aus Hoffmanns Erzählungen» 15.25: Beethoven-Konzert. 16.55: Russisch für die Jugend. 18.10: Deutsche Sendung: Furckhörkasten. 18.35: Arbeiterfunk; Aktuelle zehn Minuten. 18.45: Deutsch« Preße. 22.20: Tanzmusik.— Sender S: 7.30: Salonorchesterkonzert, 14.15: Ijeutsche Sendung: Für die Frau.— Brünn: 13.35: Leichte Musik. 17.40: Deutsche Sendung: Für die Kinder. 21-30: Rundfunkorchesterkouzert.— Preßdnrg: 19'0: Jazzotchester. 22.40: Mexikanische Lieder.— Kascha»: 16.10: Rundsunkorchefterkonzert. — Mähr.-Oftran: 12.35: Mittaaskonzert. 18.10: Deutsche Sendung: Ostadal: Ouer durch die Slowakei. 9fr. IIS Donnerstag, 21. Mak 1936 -H-■* Seite 5 Tschechoslowakische Wirtschaftsnachrichten Langsam steigende Devisenvorräte. Anfang Mai verzeichnet die Tschechoslowakische Nationalbank einen geringen Zuwachs an Devisen. Der Devisenbestand erhöhte sich um 6.2 Millionen KL auf nahezu SO Millionen KL. Einfuhr von Jungvieh gefordert. Um eine Senkung der Einkaufspreise für Vieh zu erreichen, haben die Vertreter der Meischerorganisa- tionen im Landwirtschaflsrat Böhmen die Forderung der Einfuhr von jungem Rindvieh erhoben. Neuer Handelsvertrag mit der Türkei. Die Unterzeichnung des neuen tschechoslowakisch-türkischen Handelsvertrages ist erfolgt. Das Ab« kcmmen gilt für zwei Jahre. Nutzer dem Handelsvertrag wurde noch ein Clearingabkommen zwischen der türkischen Zentralbank und der tschechoslowakischen Nationalbank unterzeichnet. Höherer Spiritusabsatz. In den ersten acht Monaten der diesjährigen Spirituskampagne sind insgesamt 592.000 Hektoliter abgesetzt worden. In der gleichen vorhergehenden Kampagnezeir betrug der Absatz 564.700 Hektoliter, so datz eine Steigerung um 27.300 Hekwliter zu verzeichnen ist. Unsere Ausfuhr nach Palästina. Nach der palästinensischen Statistik erreichte die tschechoslowakische Ausfuhr nach Palästina im Jahre 1935 rund 668.000 palästinensische Pfund. Das entspricht etwa einem Werte von 80 Millionen KL. Gegenüber dem Jahre 1934 ist die Ausfuhr um ein volles Drittel höher. In der Einfuhr Palästinas nimmt die Tschechoslowakei die siebente Stell« ein. Rohlederausfuhr wird kontingentiert. Zur Vermeidung der Verknappung von Rohleder im Inland wird das Handelsministerium die Kontingentierung der Rohlederausfuhr verordnen. Eine Festlegung für die späteren Monate soll zunächst nicht getroffen weiden. Rückgang der Konkurse Die leichte Besserung der Wirtschaftslage wirkt sich besonders günstig auf die Entwicklung der Konkurse und der Ausgleichsverfahren aus. Im April haben die Ausgleichsverfahren stärker abgenommen als im Vorjahre. Ebenso hat sich die Zahl der Konkurse von März auf April verringert, während in der gleichen Vorjahrszeit sogar eine Zunahme zu verzeichnen war. Für die ersten vier Monate ergibt sich in den letzten drei Jahren die folgende Entwicklung: Jänner-April " 1936 v" ' 1935 1934 Konkurse 385 117' 492 Ausgleiche 31S- 654 815 Gegenüber vor drei Jahren hat demnach sowohl die Zahl der Konkurse als auch die der Ausgleichsverfahren ganz bedeutend abgenommen. Einen dementsprechenden Rückgang weist auch die Ueberfchuldung auf. Dir Milchwirtschaft steht mit dem Werte chrer Jahresproduktion unter sämtlichen landwirtschaftlichen Produktionszweigen an erster Stelle. Im letzten Jahr betrug ihr Wert 4355 Millionen KL. Sie repräsentiert damit mehr als ein Vierte!(genau 25.7 Prozent) der gesamten landwirtschaftlichen Produktion. Allein die Prager Molkereien haben den Landwirten im Jahre 1935 für Milchlieferungen 172,884.580 KL ausgezahlt. Nach der Milchprodukticn steht die Kartoffelzucht an zweiter Stelle der landwirtschaftlichen Produktion. Ihr Wert betrug im vorigen Jahre 3608 Millionen KL. Keine schwedische Hutzollerhöhung. Dem schwedischen Reichstag lag ein Antrag auf Zollerhöhung für Herrenfilzhüte vor, der jedoch abgelehnt wurde. Da Schweden 1935 mit 5.1 Mill. KL unser bester Kunde für Herrenfilzhüte war, kommt der Entscheidung für unsere Hutindustrie grotze Bedeutung zu. Addis Abeba ein Trümmerhaufen Eines der ersten Originalbilder von der Verwüstung Addis Abebas. Heimat Im Mai Unter dem grotzen Apfelbaume, der in den dielen Blüten dieses überwarmen Frühlings einem Riesenhochzeitsbuschen glich, spielten zwei Kinder. Sie liegen sich unter Geschrei und Gelächter die Wiesenböschung hinabrollen. Wer dabei dem Baume näher kam, hatte gewonnen. Dem Manne, der am Rande der Böschung im Grase lagerte, rastend nach langer Wanderung, die ihn durch weite, an Schönhest reiche Gebiete seines Vaterlandes geführt hatte, rief das fröhliche.^reiben der-Kinder sein eigenes Tollen al- Junjse ist Erinnerung, in dem ein ähnlicher Apfelbaum eine Rolle spielte. Im Herbst wurden es bierzig Jahre, datz er die grotzen Aepfel durch wohlgezielte Schütze mir der Schleuder zum Abfallen gebracht hatte, da abzefallenes Obst an und zu sich zu nehmen erlaubt Ivar. Die schönsten dieser rein zufällig abgefallenen Früchte hatte er immer der, Kathi dargeüracht, die damals.das Alter haben mocbte wie jetzt daS Mädchen, das hier mst seinem Gefährten tollte. Der rastende Wanderer errechnete, datz jene Kathi heute die Grotzmutter dieser Kinder hätte sein können, und empfand, datz die vierzig Jahre seit seinen eigenen Jugendspielen ein unendlich langer Zeitraum waren nach den Ereignissen, die sich in ihm drängten, und zugleich Die Gestapo ba Am 13. Feber 1936 erschien in Preutzen ein Gesetz, datz der preutzische Ministerpräsident, der Chef der(preussischen) Gestapo sei und datz er die Einzelheiten der Aufgaben, die dieser Behörde übertragen sind, in gemeinsamer Beratung mit dem Reichsinnenminister festzulegen habe. Was bedeutet das? War Göring nicht schon bisher der Chef der preutzischen Gestapo gewesen? Gewiß: er war es dem Namen nach; doch der tatsächliche Herr war bislang Heinrich Himmler gewesen, der autzer der preutzischen noch die Gestapostellen fast aller übrigen Länder in seiner Hand vereinigt hatte und somit als der wichtigste Mann dieser für das System so not- wendigen Institution gelten konnte. Bis vor kurzem war es Himmler noch nicht gelungen, eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen den Gestapos der Länder herzuftellen; es fehlte ein zentralisierter Organisationsaufbau. Die Illegalen Witzen zu erzählen, wie segensreich sich dieser anarchische Zustand für sie oft ausgewirkt hat. Himmler hat diesen Zustand nun also beendet. Mit Heidrich, dem fähigsten seiner Mitarbeiter, hat er in aller Stille einen Reorganisationsplan ausgearbeitet und iy die Tat umzusetzen begonnen: einen Plan» den jeder National« sozialist nur begeistert hätte begrützen dürfen, der aber einen schwerwiegenden Fehler besatz: er enthob Himmler jeglicher Kontrolle. Das durfte nicht sein. Zunächst schuf Himmler eine„Zentralstelle". Sie arbeitet im 2. Stockwerk des Gestapopalastes in der Prinz-Albrecht-Stratze zu Berlin, neben den Appartements von Himmler. Wenn Göring nun heute die Leitung der preutzischen Gestapo auch de facto in die Hand nimmt, so bedeutet das für Himmler natürlich nicht allein eine Kontrolle seiner Arbeit in Preutzen, sondern eine Ueberwachung seiner Tätigkeit im Reich. Und die Heranziehung des Reichsinnenministers Frick zur Mitarbeit in Preutzen lätzt den Schluß zu, datz jetzt ein Organ geschaffen werden soll, das die Tätigkeit der Gestapo in ganz Deutschland (und vielleicht darüber hinaus) kontrolliert. Das Mißtrauen gegen Himmler erscheint umso merkwürdiger, als er seine neugeschaffene„Zentralstelle" von Anfang an nicht weniger als drei Parteiinstitutionen unterstellt hat: nämlich Herrn Bouhler, als dem Chef der Privatkanzlei des Führers; Herrn Major Buch, als dem Vorsitzenden des Parteigerichts; und dem Stellvertreter des Führers, Herrn Hetz, der durch einen eigenen„Verbindungsstcch" sich ständig informiert hält. ein ungemein kurzer, da jene Tage nie wieder erfühlter unbewußter Lebenslust wie das Gestern vor seinen Augen standen.., Die Zeit, in Stunden, Tage und Jahre eingeteilt fatzlich erscheinend, wurde ein verwirrend unklarer Begriff im erinnernden Ueberblicken des Lebens. Die Jahre der Schule mit ihrer für die Erinnerung undurchdringlichen Einförmigkeit dünkten endlos lang. Die Jahre des Krieges, in dem es Stunden gab, die sich in ihrer Unerträglichkeit zu Ewigkeiten dehnten, und die Wochen, in denen sich gewaltige Geschehniffe überreich drängten, waren trotzdem in ihrer Gesamtheit erstaun- lick kurz. Was dazwischen lag, verwischt und unbestimmt, die Zeit-nach dem Kriege in bunt wechselndem Ablauf des Schicksals verrauscht wie der Gietzbach nach einem Wolkenbruch. Hell, klar und rein stand nur die Zeit unter dem Apfelbaum da, die ein sonniger Mai war ungeachtet der Jahreszeit, die Zeit, von der man später nur träumt als einer Seligkeit fern aller Erfüllung. Und der Mann erkannte unter dem blühenden Baume seiner Jugendtage, datz das Wesentliche der Heimat nicht durch den Ort bestimmt ist, sondern durch die Zeit ewig leuchtender Jugendfreü-den, die Kindern zuteil werden müssen, auf datz ein Ort verklärt sei, den sie erwachsen als Heimat lieben können. Richard Rax. ur um Hinunler ist offenbar zu tüchtig.; man mutz ihn fürchten. Sieht man sich den neuen Organisationsplan der Gestapo an, so wird es allerdings klar, weshalb man derartige BorsichtS- mahnahmen für notwendig hält: als unabhängiger Chef der umgebauten Behörde hätte Himmler eine derartige Machtfülle in sich vereinigt, datz er unschwer das Erbe Jener hätte antreten können, deren sich das System am 30. Juni 1934 entledigen mutzte. Folgendermatzen sieht daS neue Organisationsschema aus: Die„Zentralstelle" ist in fünf.Hauptabteilungen" gegliedert: H. A. 1: Ueberwachung des Verkehr- und aller Verbindungen zu Land und zu Waffer. H- A. 2: Ueberwachung der illegalen Tätigkeit der sozialistischen und kommunistischen Parteien und Gruppen. H. A. 3: Ueberwachung und Kontrolle der früheren Mitglieder aller übrigen Parteien.(Zentrum, Deutschnationale). H. A. 4: Ueberwachung der NSDAP, aller angeschlossenen Organisationen und aller gleichgeschalteten Vereine und Verbände. . H. A.5.: Abwehrstrlle gegen wirtschaftlich^ industrielle und militärische Spionage. Der Zentrale untergeordnet sind die„Landesstellen", die ebenfalls nach diesem Schema gegliedert sind. Neben den Landesstellen führen die „Unterabteilungen" ihr Eigenleben; sie sind der Zentralstelle direkt verantwortlich: U. A.1: Ueberwachung der Emigranten. U. A. 2: Ueberwachung der Ausländer und Staatenlosen- U. A. 3: Ueberwachung det Brief-, Telegrammund Telephonverkehres. U. A. 4: Ueberwachung politisch Verdächtiger(d. h. jener Einzelpersonen, deren politische Vergangenheit oder Absichten nicht näher bekannt sind). U. A. 5: Ueberwachung der politisch Unzuverläffi- gen in den Landespolizeien. Der Zentrale direkt unterstellt ist ferner die „Beobachtungsabteilung", die wieder folgende Untergruppen hat: B. A. 1: Allgemeine Abteilung für öffentliche Sicherheit. B. A. 2: Ueberwachung der SA- B. A. 3: Ueberwachung der Grötzbetriebe und Industriezentren. Im Rahmen der Abteilung für Oeffentliche Sicherheit arbeitet die aus SS-Leuten zusammengestellte„Nachrichtenabteilung". Bei ihr laufen die Berichte der Spitzelstellen der NSDAP(Straßenwarte, Blockwarte usw.) sowie die des ReichÄuftschutzbundeS ein, der ja die nützlichste Informationsquelle für-die braune Diktatur darstellt. Die NSBO gibt ihre Berichte an die Beobachtungsabteilung 3. Eines fällt bei der Betrachtung dieses Schema- vor allem auf: datz die Feldpolizei Göring- und seine diversen Kommandos z. b. V„ die im politischen Polizeidienst bisher eine wichtige Rolle spielten, nicht einbezogen worden find. Dagegen erlaubt sich Himmler, eine besondere Ueber- wachungsstelle für die Landespolizeien einzurichten(darunter also auch für die preutzische, die unter dem besonderen Schutz Görings und seiner Kreatur Daluege steht). Die Differenzen zwischen dem preutzischen Ministerpräsidenten und dem Gestapo-Gewaltigen scheinen also nicht erst aus den jüngsten Tagen zu stammen. Mer unberührt von allen internen Cliquenkämpfen arbeitet der Apparat der nationalsozialistischen Geheimpolizei bereit- nach dem neuen System. Es bedeutet eine erhebliche Verbesserung, weil Konzentrierung ihrer Schlagkraft; es bedeutet für die Illegalen eine erhöhte Gefährdung, die es zu parieren gilt. Himmlers Plan wird in Kraft bleiben, auch falls nächstens in der Leitung der Gestapo ein grötzerer Personalwechsel vor sich gehen sollte. Blum und Eden Die letzten Londoner Zeitungen bringen einige Einzelheiten über die Unterredung, die am 15. Mai zwischen Eden und Blum stattgefunden hat. Die liberale„News Chronicle" teilte mit, datz die Zusammenkunft in einem Privathause stattfand, bei gemeinsamen Freunden. Edeitz und Blum haben einander früher nicht gekannt. Wie die Zeitung behauptet, hat sich zwischen den beiden Staatsleuten nicht blotz eine Ueberein- stimmung in den wichtigsten Fragen erwiesen, sondern sie haben einander auch persönlich gut gefallen. Wie der Pariser Mitarbeiter der„Times" berichtet, habe die Schärfe des Verstandes von Blum Eden sehr beeindruckt. Die neue französische Regierung werde die Jnitiatwe zur sofortigen Einberufung einer Konferenz ergreifen, an der jene Staaten teilnehmen sollen, die einander eine wirkliche Unterstützung gewähren wollen. Damit soll auch dem Völkerbund aus der Sackgasse geholfen werden. An dieser Konferenz sollen, auch die Vertreter der Generalstäbe teilnehmen. AuS dieser Meldung der„Times" geht nicht hervor, ob es sich um eine Konferenz der Locarno-Mächte handelt, oder ob der Kreis der Teilnehmer erweitert werden soll. Eine sensationelle Mel- d u n g bringt der„Daily Expretz": Danach soll Blum Eden erklärt haben, datz nach den in Paris eingetroffenene Informationen, die Italiener sich mit der Annexion vonAbessinien nicht begnügen werden. Man spreche von militärischen Vorbereitungen in Lybien und von einer italienischen Agitation in Aegypten. Aüch die französischen Interessen in Djibouti seien bedroht. Blum soll, im Zusammenhang mit diesen Jnforinationen, Eden eine enge britisch- französische Zusammenarbeit im Sinne nicht blotz eines Druckes auf Italien, sondern auch einer energischen Stellungnahme gegenüber Deutschland vorgeschlagen haben. Frankreich soll angeblich bereit sein, die Uebereinkunft zwischen Laval und Mussolini vom 7. Jänner 1935 zu annullieren. Krieg und Geschäft,(mb) Deutschland hat ausgerüstet und rüstet auf. Womit? Zum guten Teil mit französischem Eisen. Nach dem„Journal Officiel" vom 3. März 1936 hat Frankreich der deutschen Rüstungsindustrie in den Jahren 1928—1936 23 Millionen Tonnen Eisen geliefert.— Die Völkerverständigung ist längst schöne Tatsache. Bei den Kriegsprofitlern wenigstens. Holländische Arbeitslosigkeit leicht gesunken. Ende April betrug die Zahl der holländischen Voll- Arbeitslosen 415.746 Personen, d. i. um 13.300 weniger als zur gleichen Vorjahreszeit. EUtgesendet. Gute Konjunktur der Dtrumpfindüstrie. Die Firma Bata verhandelte in letzter Zeit mit grotzen Strumpffabriken wegen grötzerer Bestellungen, wobei e- zu einer angesichts der herrschenden Beschäftigungslosigkeit vereinzelten Erscheinung kam: die Fabriken konnten die Aufträge nicht in vollem Umfange entgegennehm e n, da an Strumpfarbeitern Mangel, herrscht. Sämtliche modernen Strumpffabriken in der Republik können, ob sie nun die volle Kapazität ausnutzen oder auch mit Schichten arbeiten, der Nachfrage nicht nachkommen. In der Strumpfindustrie beginnt sich daher ein« Fnvestitionsbewe- g u n g zu äußern, so insbesondere in Nordböhmen, wo die Firma Kunert, die einen Teil ihrer Produktion an die Baka-Werke liefert, ein neues, sechsstöckiges Gebäude mit neuen Maschinen errichtet. Der Aufschwung der Strumpferzeugung in der Tschechoslowakei ist keine zufällige konjunkturelle Erscheknung, er ist auf dem Distributionsproblem begründet, an dessen Lösung die Baka-Werke mehr als vier Jahre gearbeitet haben. In der neuen Distribution von Strümpfen und Socken kommen die Baka'schen Verkaus-grundsätze zur Geltung: Typisierung und Standardisierung einiger au-gewählten Sorten al- Grundlage für eine rationelle Erzeugung, ferner vorteilhafte Preise, konzentrierte Reklame und wissenschaftlich geleitete:'! Angebot, sowie schließlich ein Export, der sich auf einen gut au-gebauten Jnlandkonsum stützt und eine Arbeit mst voller Kapazität ermöglicht. Gold in der Slowakei. Dieser Tage besuchten da-. Baka'sche Zlin die Herren Jng. Dr. StoLes, Professor der Berghochschule in Pkibram, und Jng. Rada von der Aureagesellschaft, di« die Kon« zeffion zur Goldgewinnung aus dem Sand der Donau auf der Schützeninsel bei Pretzburg besitzt. Die beiden Herren bestellten bei den Bakawerken 1000 Meter Spezialgummibänder zum Waschen des goldhaltigen Sandes. Bei dieser Gelegenheit zeigten sie Proben de» Sandes und den Vorgang der Goldgewinnung. Das reine Gold wird hier durch Amalgamation(Mischen mit Quecksilber) und Abgießen,'wobei das Quecksilber verdampft und Goldkügelchen übrigbleiben, gewonnen. Der Streifen goldhaltigen Sandes erstreckt sich über einige tausend Quadratkilometer und enthält nach Schätzung von Fachleuten Gold im Werte von etwa einer Milliarde KL. Zur Gewinnung desselben ist aber eine ausreichende maschinelle Ausrüstung notwendig. die erst dann rentabel sein wird, bis es den Bakawerken gelingt, die Spezialgummistreifen, di« auch den feinsten Goldstaub auffangen können, zu erzeugen. Der feine Goldstaub ging bisher mit den normal verwendeten Gummistreifen, wie sie ir. anderen Goldwäschereien üblich sind, verloren« Teile 6 „Sozialdemokrat Donnerstag, 21. Mai 1936. Nr. 119 Agger MWg Straßenlahnznsammenstoß. Aus dem Peters- Plahsin Prag XII. stieß gestern nachmittags ein Wagen der Strecke 3 auf einen Anhänaewagen der Strecke 19. Der. Motorwagen demolierte die Hintere Plattform des Anhängers, wobei sechs Personen, glüchljcherweise, nur leicht, verletzt wurden. Autobus bringt die Straßenbahn zum Entgleisen. Der vom Chauffeur K. Sustr aus Königssaal gelenkte Autobus P—11.716 fuhr gestern um 7 Uhr früh durch die Bahnhofstraße in Smichow, als der Chauffeur an einer Haltestelle— der Autobus stand schon mst> die Fahrgäste waren ausgestiegen— plötzlich eine Bewegung gegen die Fahrbahn machte, wobei er so heftig gegen einen Motorwagen der 16er-Linie stich, daß er ihn aus den Schienen warf. Beim Unfall wurde zum Glück niemand verletzt, aber beide Wagen stark beschädigt, einige Fenster eingeschlagen und der Verkehr auf 10 Minuten—ehe man den Straßenbahnwagen wieder ins Geleise gebracht hatte— unterbrochen. 100 Küchlein verbrannt. In der Nacht auf gestern brach in einer Holzbude in einem Garten in Straschnih, wo der im zugehörigen Hause wohnende Beamte Josef Swlc eine künstliche Brutstätte unterhält, ein Feuer aus. Swlc hatte vor seinem Weggang den eben ausgekrochenen Küchlein eingebeizt; während seiner Abwesenheit verstopfte der Ruß aus dem Kamin den Brenner, so daß eine Exploswn entstand, das Petroleum fich auf den Fußboden ergoß und in kurzem die ganze Bude in Flammen stand. Sie war«ingeäschert, ehe die Feuerwehr noch eingreifen konnte. Etwa 100 Küchlein verbrannten. Der Schaden beträgt gegen 2000 Xä und ist nicht durch Versicherung gedeckt. Den Kollege« auf den Kopf getroffen. Gestern nachmittags wurde der 64jährige Monteur Jan Gabriel aus Holleschawitz mit einer Gehirnerschütterung und einem Bluterguß am Scheitel auf die Klinik Schloffer gebracht. Er gab an, kurz vorher mit einem anderen Arbeiter an der Reparatur eines Aufzugs in einem Hause in Zizkov gearbeitet zu haben, wobei dieser, der einen Nagel einschlagen wollte, Gabriel mit dem Hammer in den Kopf getroffen habe. Komplizierter Zusammenstoß. Vorgestern abends gegen 10 Uhr fuhr der vom 42jährigen Franz Pulda gelenkte Autobus P—12.018 von Krk nach Pankratz, als ihm in der Kirchengasse in Michle das Personenauto P—20.661 des 20jährigen Handlungsgehilfen Zdenek Vavruska aus Pankratz ent- gegenkam. Es wurde vom Autobus erfaßt und vor einem Straßenbahnwagen der 14er-Linie geschleudert, der gerade aus seiner Haltestelle fuhr. Da der Wagen nicht in Völler Fahrt war, wurde ein größeres Unglück vermieden; die Schneiderin Ida Smidek aus KrL, die eben ausgestiegen war, wurde zwischen Auto und Straßenbahnwagen eingeklemmt und mußte mit einem Bruch des rechten Fußes ins allgemeine Krankenhaus gebracht werden. Die Wagen wurden sämtlich mehr oder weniger beschädigt. Staatliche deutsche Schule in Prag VII. Kindernachmittag, Samstag, 23. Mai d. I. von 15 bis 18 Uhr im großen Saale des Messepalais, Französisches Restaurant. Gäste und Freunde der Schule herzlich willkommen. Motto: Märchen und Volkslieder in lebenden Bildern. Der staatliche Park in Prühonice ist dem Publikum täglich von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends zugänglich. Die jetzige Zeit ist für einen Besuch besonders günstig, da die Vegetation der exotischen Bäume und Sträucher beginnt. Von Prag aus bestehen günstige Verbindungen: mit dem Auwbus von der End- statwn der Strecke 1 und 20 in Vrsovice, event. von Sporilov(Endstation der 19er), oder von der Bahnstation Hostivar aus. Aii seinem 18. Geburtstag...1 Mit dem Messer gegen die Mutter, mit dem Revolver gegen die Schwester Prag. Die Hauptperson dieses vor dem Strafsenat Krystufek gestern verhandelten Falles darf weder genannt noch näher bezeichnet werden, denn die.eingeklagten Delikte wurden von ihm an seinem achtzehnten Geburtstag begangen, und zwar zu einer Stunde, in welcher er das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hatte. In diesem Punkte ist dieser Fall in prozessualer Hinsicht ein Gegenstück zu dem des jugendlichen Prostituiertenmörders, der unlängst als Jugendlicher abgeurteilt wurde, weil er den Mord einige Stunden vor der Erreichung der Altersgrenze begangen hatte, jenseits welcher erst die normalen Bestimmungen des Strafgesetzes zur Anwendung gelangen. Der! jugendliche Angeklagte in dem gestrigen Prozeß ist der Sohn eines hohen Finanzbeamien und lebte bei seiner verwitweten Mutter, die mit ihm ihre liebe Rot hatte. Der junge Mensch, Schüler einer deutschen Fachschule, ist bereits wegen Diebstahls vom Jugendgericht bestraft worden. Und abermals war es ein Diebstahl, der Anlaß zu den Straftaten gab, um die sich dieser Prozeß drehte. Er stahl einer Untermieterin seiner Mutter am 26. März d. I. einen Wecker im Werte von 70 Kc. Der Diebstahl wurde entdeckt und gerade am 18. Geburtstag des Angeklagten, am 30. März, »ahm ibn seine Mutter gehörig ins Gebet und erklärte ihm, er werde nicht eher etwas zu essen bekommen, bis er den gestohlenen Wecker zur Stelle geschafft habe. Der mißratene Sohn antwortete seiner Mutter grob und widersetzlich und so kam es zu' einer Auseinandersetzung, die damit endete, daß er ein Messer nach ihr warf, ohne sie zum Glück zu treffen. Als seine Schwester eingriff, zog er einen Revolver und drohte ihr, sie zu erschießen. Die Anklage lautete auf das Verschulden der gefährlichen Drohung und des Dieb- st a h l s. Im Zeugenverhör kam ein bezeichnendes Detail zur Erwähnung. Ein Kamerad des Angeklagten erklärte nämlich, dieser habe ihm eines Tages anvertraut, er habe im Roulettespiel 4000 XL verloren und werde sich erschießen. Ob diese abenteuerliche Geschichte wahr ist oder die Erfindung eines allzu phantasiereichen jungen Gehirnes— bezeichnend ist sie auf jeden Fall. Fest steht, daß der Angeklagte sich von einem bekannten Waffenhändler tatsächlich einen Revolver"beschaffte nebst einer einzigen Patrone. Bei der gestrigen Verhandlung entschlugen ssch sowohl die Mutter als die Schwester der Zeugenaussage und so wurde der jugendliche Angeklagte vom Das Schauspielerkollektiv Truppe 1936 (Leitung: Basa Hochmann) spielt am Monwg, den 25. Mai 1936, um 8 Uhr abends im großen Saale der„Urania" in Prag II., Klimentskä 4, im Rahmen einer Arbeitervorstellung die zeitgemäße Revue Pol' Jahrmarkt von Plundersweilen nach Szenen von Goethe, Aristophanes und berühmten Zeitgenossen. Zwei Stunden Ernst und Scherz, Nachdenkliches und Erfreuliches Eintrittspreise: XL 10.—, XL 8.—, XL 6.— und XL 5.-7—, Kartenvorverkauf: bei Optiker Deutsch, Prag II.« Koruna, im Verein Deutscher Arbeiter in Prag II., Be Smeckäch 27, und bei den Vertrauensmännern Die Beran st alter: Verein deutscher Arbeiter, Zentralstelle für das Bildungswe- fen, Bildungsausschuß der DSAP, Prag Verschulden der gefährlichen Drohung f r e i gesprochen. Dagegen wurde er des Verschuldens des Diebstahls schuldig erkannt und zu drei Tagen Verschließung unbedingt verurteilt. rb. Achtung auf den Kündigungswortlaut bei Dienstentlassungen! (Arbeitsgericht) Prag. Ein für Arbeitnehmer sehr interessantes Urteil fällte gestern das hiesige Arbeitsgericht. Eine Angestellte einer Prager Großselcherei hatte die Klage gegen die Dienstgeberfirma auf Bezahlung der gesetzmäßigen Entlaffungsfrist eingebracht, mit der Begründung, sie sei ohne begründeten Anlaß fristlos entlassen worden. Den Anlaß zu dem eingeklagten Tatbestand gab der Umstand, daß die betreffende Angestellte fich in der Mittagspause mangels anderer Sitzgelegenheit auf einen Senfkübel gesetzt hatte, dessen Deckel nachgab, so daß sich die Klägerin in den Senf setzte. Der Geschäftsführer der betreffenden Firma machte der Angestellten aus diesem Anlaß eine solche Szene, daß sie sich gegen seine Grobheiten nachdrücklich verwahrte. Der Geschäftsführer antwortete mit der Redensart:„Wenn es Ihnen bei uns nicht gefällt, so können Sie gehen!" Die Angestellte nahm diese Worte, die ganz allgemein als Kündigungsklausel aufgefatzt werden, wörtlich und verließ sofort den Dienstposten. Sie brachte dann beim Arbeitsgericht die Klage auf Bezahlung der regulären Kündigungsfrist ein. Das Arbeitsgericht(Vörs. GR. Dr. I i n a) wies indessen nach durchgeführtem Bcweisverfahren die Kl.ag e ab und erkannte der Klägerin bloß die bis zu dem kritischen Zeitpunkt bereits abgearbeitete Arbeitsentlohnung zu. In der Urteilsbegründung vertritt das Arbeitsgericht die Ansicht, daß der Satz «Wenn es Ihnen bei uns nicht gefällt, so können Sie gehen" kein eKün di gun gbedeute, sondern bloß das„Angebot", infolge beiderseitiger Unzufriedenheit der Arbeitsvertragsvartner, das Dienstver- hältniS ohne Kündigungsfrist zu lösen.. Die Klägerin habe durch ihr Verlassen des Dienstpostens ihreZustimmungzu diesem„Angebot" der so- fortigen Auflösung des Dienstverhältnisses erteilt, so daß sie nicht berechtigt sei, die Bezahlung der gesetzlichen Kündigungsfrist zu verlangen. rb. Xunst und Mssrn. Fra Diavolo „Fra Diavolooder das Gasthaus in Terracin a", wie der vollständige Titel der O p e r lautet, ist Daniel Francois A u b e r s, des großen französischen Opernkomponisten, volkstümlichstes und am meisten bekannt gewordenes Werk. Mit dieser Oper erzielte der Komponist auch seinen ersten großen Erfolg auf dem Gebiete der komischenOper. Die Musik Aubers zum„Fra Diavolo" wird dem von Engine S c r i b e launig, einfallsreich und im flotten Tempo geschriebenen Textbuch vollkommen gerecht; sie entspricht durchaus dem Stir der komischen Oper,‘ weil sie immer pikant, unterhaltend und sogar geistreich witzig ist, den leichten Konversationston richtig trifft und niemals in Gefühlsschwärmerei verfällt. Selbst in den notwendigen lyrischen Stellen der Oper begnügt sich ihr Komponist damit, den Geühls- ausdruck bloß zu skizzieren, ohne sich bei der musikalischen Stimmungszeichnung ins Sentimentale zu verlieren. So kommt es, daß der„Fra Diavolo" bis zur letzten Note und sogar im dramatischen Schluß unterhaltend und ergötzlich wirkt, um so mehr, als Auber auch in der treffsicheren Zeichnung der Hauptfiguren der Oper, unter denen die beiden Banditen am unterhaltendsten find, und in den humorvollen instrumentalen Farben Meister ist. Erwägt man noch, daß gerade diese Oper Aubers außerordentlich dankbare Aufgaben für die Sänger und Darsteller bietet,— die Tenor-Titelrolle ist ebenso beliebt und erfolgsicher wie jene der reizenden Wirtstochter Zer- line und der beiden Räuber Giacomo und Beppo,— dann findet man es begreiflich, diesem Werke immer wieder im Spielplan der Operntheater zu begegnen; man begreift dann aber auch, daß diese Gattung des Räuberhauptmann-Stückes auf dem Gebiete der Oper und Operette so viel Nachahmung fand. Die gestrige Aufführung des„Fra Diavolo" von Auber am Prager DeutschenTheater ging alsNeueinstudierung und Neuinszenierung vor sich. Ihr musikalischer Leiter war Kapellmeister Fritz Zweig, der sich seiner Aufgabe mit außerordentlich viel Fleiß und Sorgfalt hingegeben hatte und eine rhythmisch schwungvolle, dynamisch wirkungsvollst abgestufte und in den Details gründlich gefeilte Wiedergabe des Werkes erzielte. Die Neuinszenierung Renato M o r d o s war gefällig, ohne besondere Regieeinfälle zu zeigen. In der Titelrolle zeigte Kurt Erich Preger wieder einmal die Größe und Schönheit seines Tenors, sein bedeutendes gesangliches Können und seine darstellerische Gewandtheit. Auch Kurt Baum als Offizier Lorenzo hatte— namentlich im letzten Akt— Gelegenheit, seinen glanzvollen Tenor erfolgreich zur Geltung zu dringen. Eine ausgezeichnete Leistung, namentlich im gesanglichen Sinn«, bot Frau Rayn als Zerline. Vorzüglich war auch das Engländerpaar Frau Kinder- m a n n und Herr Hagen, während die Banditen G ö l 1 n i tz und Andersen ihren Humor allzusehr in clownhaften Spässen betonten. Das zahlreich erschienene Publikum bereitete dem Werk und seinen künstlerischen Mittlern eine äußerst beifällige Aufnahme. E. I. Kari« Michaelis, die«roße dänische Schriftstellerin. schreibt uns aus Anlaß der Besprechung, die wir kürzlich ihrem neuen, wundervollen Buch „Rielsine— Die Mutter" widmeten, folgende Zeilen aus ihrer dänischen Heimat in Tburö: „Sie haben mir eine außerordentliche Freude bereitet... Wie hätte meine Mutter sich erst gefreut! Tausend dankbare Grüße Ihre Karin Michaelis. Ei« unbekanntes Werk Tschaikowskis. Im Archiv des Leningrader Konservatoriums ist ein« bisher unkannte Kantate Tschaikowskis für Orchester, Chor- und Sologesang gefunden worden, der Schillers Gedicht„An die Freude" zugrunde gelegt ist, dessen Text bekanntlich auch Beethoven für die Neunte Symphonie benutzt hat. Die Kantate wird in der nächsten Zeit erscheinen. Deutsche Musik-Akademie. Samstag, den 23. Mai, 20 Uhr im Mozarteum Regerfeier(1. Abend) unter Mitwirkung der Professoren E. Brömse, Kalix, Franz Langer und Schweyda. Karten bei Metzler und im Sekretariat, Vladisiavovä 23. Wochenspielplsn des Renen Deutschen Theaters. Donnerstag 7sh:Glückmußmanhaben, C2. — Freitag 7%: Der Pari ser Zug, D 2.— Samstag 7%: Fra Diavolo, A 1.■— Sonntag 7^: Madame Dubarry, B 2. Wochenfpiekplan der Kleinen Bühne. Heute Donnerstag 8: Menschen auf der Eisscholle.— Freitag 8: Ein Volksfeind, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: Salzburg ausverkauft-— Sonntag 3: Menschen aus der Eisscholle, 8: Salzburg ausverkauft. 5port-8piek-X»rp«pstege DTJ-Gerätemeisterschaften. Im Prager Kreise brachte der 14. Bezirk seine Gerätemeisterschaften für Turner zur Durchführung. Es nahmen 30 Wettkämpfer in der Unter- und Mittelstufe teil, welche sehr gute Leistungen an den Geritten wie auch in den Wehrdisziplinen zeigten.• In der Mittelstufe siegte DTJ Zizkov I mit 413 vor DTJ Karlin mit 393 Puntten. Der beste Einzelkämpfer war Tou- palik(Karlin), welcher 150.5 Punkte erzielte, vor Herberger(Zizkov) mit 148 Punkten. In der Unterstufe gewann Böhm.-Brod mit 384.5 vor Ziß- kov mit 375.75 Puntten. Als bester Einzelkämpfer qualifizierte sich Kasik(Libeü) mit 132.75 vor Straffer(B.-Brod) mit 132.25 Punkten. 457 von 520 Klubs des aufgelösten tschechischen Mittelgaues haben sich bisher bei der CsAF angemeldet. Jntereffant ist jedoch, daß zwei Klubs— Zu PüngPen muh Bodenbaih zum ReidK-Jugendtreffim! Nicht nur die Jugend wird in Bodenbach aufmarschieren, es wird ein Aufmarsch hart an der Grenze des Dritten Reiches aller in unserer Bewegung stehenden Menschen sein. Wir fordern alle, denen es nur balbwegs möglich ist, anf, mit nach Bodenbach zu fahren und an der Kundgebung teilzunrhmrn. Bon Prag fährt ein Sonderzug, Fahrpreis zirka XL 33.—. Anmeldungen sofort bei Genossen Mittenhuber(Ger). DieBezirksvertret u n g. Karliner Team und Hvkzda Liboc— als Gründer einer neuen Fußballorganisation auftauchen, obzwar diese beiden schon vor einer Woche ihren Ueber- tritt zur CsAF vollzogen hatten. Holland nicht zum Berliner Olympischen Fußballturnier. Der holländische Fußballverband gab offiziell bekannt, daß er sich nicht an dem Turnier bei den Olympischen Spielen in Berlin beteiligt. Dies« Entscheidung Hollands bedeutet eine schwere Schädigung des ganzen Tourniers, denn andere Staaten, wie Belgien, Schweden, Norwegen und Dänemark haben schon verlautbart, daß sie die Entscheidung Hollands abwarten. Die Äazi-Zeitungen verhehlen denn auch nicht ihre Enttäuschung. Es'ist wahrscheinlich, daß das ganze Turnier abgesa.gt werden wird! DaS französische Olympische Komitee befindet sich in größter Verlegenheit, weil, nach einer Meldung des„Jntransigeant", die Regierung die für die Teilnahme an der Berliner Olympiade be- nöfigten Kredite von 1,800.000 Franken noch immer nicht bewilligt hat. Die Frage der Kredite ist von der Verwaltungskommission der Sozialistischen Partei bereits geprüft worden, die sich gegen die Teilnahme französischer Sportler an der Berliner Olympiade aussprach. Der Generalsekre- tär der Sozialistischen Partei, Faure, erklärte einem Berichterstatter des„Auto", daß„es zur Stunde noch unmöglich sei zu sagen, ob Frankreuh zur Berliner Olympiade gehen wird oder nicht". üu& der Partei RW-Prag Donnerstag, den 21. Mai. Sportplatz am Pohokelec. Jene Genossen, die infolge des Feiertages ftei haben, tteffen sich am Sportplatz bereits-nachmittags. Sonntag, den 24. Mai. Ausmarsch ins „Blaue".— Treffpunkt: Endstation der 17. und 21. Elettrischen in Branik 7 Uhr früh.— Nachmittags Zusammentreffen mit dem„Attis" am. DTJ-Sport- platz im Libuser Tal. Deutsche sozialdemokratische BczirkSorganisation Prag. Freitag, den 22. Mai. um 8 Uhr abends wichtige Sitzung der Bezirksvertretung im Parteiheim. Sonntag, den 24. Mai 1936, Marschbereitschaft e zum Reichsjugendtag. J B Treffpunkt aller Gruppen um 2 J Uhr amModraner D.T.J.« Platz. Gertrud Boll spielt mit dem Komikerpaar Pat und Patachon in ihrem neuesten Film„Mädchenräuber" B e'z u g s bedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich XL 16.—. vierteljährig Xc 48.—. halbjährig XL 96.—. ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif- billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsftankatur wurde von der Bost» und Tele- graphendirektton mit Erlaß Nr. 13.80GVI1/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag. Danksagung Außerstande, für all« Beweise der Anteilnahme und. Hilfsbereitschaft, die uns anläßlich des Ablckens unserer lieben Mutter, bzw. Schwiegermutter und Großmutter so reichlich zuteil wurden, einzeln zu danken, sprechen wir auf diesem Wege allen, die ihr durch Hilfe und Pflege das Leben zu erhalten suchten, die zu ihrer würdigen Bestattung beitrugen, die ihr das letzte Geleite gaben und die uns Trost spendeten, unseren innigsten Dank aus. Prag, am 21. Mai 1936. 3465 Robert«nd Franzi Wiener, Hans Wiener.