Freitag, 22. Mai 1936 Nr. 120 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porte) IE NTDALORGAH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,fochova«. Telefon 5X77. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Englands Rüstungen Große Unterhausdebatte Im Sturm der Weltpolitik Ble Funktion der Internationale London. In der Unterhausaussprachc über die Verteidigung erklärte am Donnerstag Verteidigungsminister I n s l i p, der Vcrteidigungs- Plan der Regierung sehe zunächst einmal die Ausfüllung der Lücken in der Munitionsversorgung vor. Man müsse die Produktion möglicherweise vergrößern, und zwar so, daß sie innerhalb 24 stunden verdoppelt und verdreifacht werden| könne. Man habe über 400 Firmen auf ihre Eignung für die Fabrikation von Kriegsmaterial bereits geprüft und 500 weitere werden demnächst überprüft werden. Er hoffe in einigen Tagen so weit zu sein, die Aufträge für die erforderlichen Maschinenanlagen vergeben zu können, die verdreifacht werden sollen. Man habe 1500 Piloten in einem Jahre eingestellt, habe die Zahl der Fliegerschulen vermehrt und die Zahl der Flugzeuge vergrößert. Ferner habe man Schritte unternommen, um die Zahl der Motorenfirmen festzulegen. Die Fabriken seien ausgefordert worden, neue Anlagen zu errichten oder ihre Anlagen auf Kosten der Regierung zu vergrößern. Die neuen Anlagen würden so angelegt, daß sie. schnell vergrößert werden. Endlich sei auch die Frage der Versorgung mit ausgebildeten Arbeitern geprüft worden. Er schloß mit der Feststellung, daß die Versorgung mit Kriegs-| Der angstvolle Schuschnigg Milizkommandant: Freund Starhembergs Wien. Die angekündigte Gesctzesnovelle betreffend die Heimatfront wurde am Donnerstag in der amtlichen„Wiener Zeitung" publiziert. Die Novelle regelt die Frage der Führerschaft dieser einzig zulässigen Organisation im Staate in der Richtung, daß der Führer der Front der Bundeskanzler ist, der seinen Stellvertreter, den Generalsekretär scwie auch die Führer für die Stadt Wien und die Bundesländer ernennt. Dem Führer der Heimatsront steht ein Beratungsorgan, der sogenannte Führerrät, zur Seite, der maximal 40 Mitglieder zählen darf, in welchem auch die führenden Standesorganisa- tionen vertreten sein werden. Durch die Novelle wird gleichzeitig die Frage der Miliz geregelt, die eine uniformierte Formation militärischen Charakters ist und Frontmiliz heißen wird. Die Frontmiliz wird aus Angehörigen der bisherigen militärischen Freiwilligenverbände gebildet' und ergänzt'werden. Ihren Kommandanten bestimmt der Führer der Heimatfront. Die Frontmiliz wird im Bedarfsfall auch zur Unterstützung der bewaffneten Macht oder der Sicherheitsexekütivc verwendet werden können. In diesen Fällen wird die Frontmiliz einem militärischen Kommando, respektive dem Kommando der Sicherheitsexekütivc unterstellt'sein. Im Zusammenhang hiemit ernannte der Bundeskanzler,.d?r gleichzeitig der Führer der Heimatfront ist, den Vizekanzler Baar-Baarenfels zu seinem Stellver- neter in der Führung der Heimatfront und gleichzeitig zum Kommandanten der Miliz.', Badoglio nach Rom berufen Marschall Badoglio ist von Addis Abeba zu einem Urlaubsaufenthalt nach Italien abgeflogcn. Er wird sich in das Bad Fiuggi zur Kur begeben und dann den Feiern des Eintrittes Italiens in den Weltkrieg beiwohnen. Der Reuterberichterstatter kommentiert diese Reise Badoglios dahin, daß der Bizekönig, lder ja noch General st abSchef des italienischen Heeres ist)» in der heutigen gespannten Zeit, in der dir Sanktionen eine ungelöste Frage voll der verschiedensten Gefahren sind, solange in Italien bleiben soll. Vis die Gefahr beschworen ist. Mussolini wünsche, daß Badoglio in Italien bleibe, damit er mit seinem Rate zur Lösung der! gegenwärtigen Lage beitragen träne. I Materialien soweit gefördert worden sei, daß nunmehr die Lücken ausgefüllt wurden. In der fortgesetzten Unterhausaussprache erklärte der Führer der Arbeiteropposition A t t l e e, daß sich die Arbeiteroppifition gegen die Regierung aussprechen werde, nicht weil sie gegen eine ausreichende Brrsorgnng mit Brrteidignngsmittrln sei, sondern weil die Unaufrichtigkeit der Regierung in der Frage der kollektiven Sicherheit eben so groß wie ihre Außenpolitik unzureichend sei. Italienfeindliche Stimmung In England London. In britischen parlamentarischen Kreisen wachst die feindselige Gesinnung gegen Italien von Tag zu Tag und. dieser Widerstand gegen Italien wird durch verschiedene Vorfälle genährt, wie zum Beispiel durch das Verschwinden des britischen Unteroffiziers Bonner, der dem britischen Krankenbause in Abessinien zugeteilt war, das Verschwinden eines britischen diplomatischen Aktenkofsers und die Kommentare der italienischen Presse, zu der Erklärung Edens über die Affäre der Dum-Dum-Geschosse. Fast täglich werden im Unterhaus Anfragen gestellt, welche von dieser Gesinnung Zeugnis ablegen. lMTP Paris.)„Seit 1877", sagte Georges Clemenceau einmal,„hat Frankreich immer dasselbe Ministerium: wie die Statisten auf einer Theaterbühne, so gehen und kommen dieselben alten Politiker wieder," Indessen wird in einigen Tagen Frankreich'ein neues Ministerium haben, das wirklich zum ersten Male„neu" ist: an Stelle der berühmten Advokaten, die bisher das Land regierten, betritt eine andere Mannschaft die politische Arena— es sind die Delegierten der sozialistischen Partei. Diese kcmmenden Männer kann man in zwei große Gruppen teilen: es sind einmal die sozialistischen Fachmänner und Intellektuellen, und zweitens die Arbeiter. Unter den ersteren nimmt Bin een t A u r i o l, der zum Finanzminister ausersehen ist. den hervorragendsten Platz ein. Nach Leon Blum ist er der bekannteste Führer des französischen Sozialismus. Deputierter seit 1914, wurde er frühzeitig Spezialist ist allen wirtschaftlichen und finanziellen Fragen. Einige Zeit hindurch Präsident der Finanzkommission der Kammer. Auriol ist lange Zeft„Reformist" gewesen; aber seit einiger Zeit scheinen sich seine Ideen geändert zu haben. Die Rettung der, französischen Fincrn- zen sicht er, und er verheimlicht diesen Gedanken keineswegs, weniger in der Devalvation oder in der Deflation, sondern in der allmählichen Durchführung sozialistischer Lösungen, Ein nicht weniger bemerkenswerter Kopf ist Charles Spinas f e. Als Sohn armer Bauern gelang es ihm, durch unerhörte Entbehrungen sein Diplom als Ingenieur zu erwerben. Er ging nach Amerika und war dort als einfacher Arbeiter bei Ford tätig. Nach Frankreich zurückgekehrt, veröffentlichte er sein erstes Buch über „Amerikanische Technik". Sters lernbegierig, hörte er die Vorlesungen Hendrik de Mans und Norman Angels. Dann wurde er sozialistischer Deputierter und begann, im Jahre 1928, die Wirtschaftstheorien. der Sowjetunion scharf zu kritisieren. Die Russen und. Kommunisten revan- chrerten sich und nannten,ihn damals einen„Sozialfaschisten".„Der Sozialismus", pflegte Spinasse zu sagen,„ ist heutzutage keine Frage der Philosophie mehr, sondern,,der Technik." Spinasse ist also Anhänger der Planwirtschaft, und falls er. wie zu erwarten sst, ins Kabinett Blum eintritt, wird er zweifellos wichtige wirtschaftliche Reformen Vorschlägen. Als, zukünftiger Avbeitsminister gilt L etz a s, heute Bürgcristeister der großen Industriestadt Roubaix.■ Voraussichtlich wird das Kabinett Blum noch eine- besondere Sensation ausweisen. Es ist mög-' j—. Wir leben in einer Zeit der Trübung des Solidaritätsbewußlseins der Völker. Das Denken der Völker vermag nicht Schritt zu haften mit per Umwälzung ihrer Leüensbedingungen. In drei Flugstunden kann man von Prag bis-Amsterdam reisen. Ein Schaltgrift am Radio läßt die Stimmen fremder Länder und Erdteile in unsere Stube dringen. Gleichzeitig aber wächst unter so manchen großen und kleinen Nationen der rückständigste Nationalismus. Mit dem Feldgeschrei gegen alle völkerverbindenden Institutionen hat der Faschismus große Siege erfochten. Sein Haß sichtete sich gleichermaßen gegen den proletarischen Internationalismus, wie gegen den von bürgerlichem Geiste beherrschten Völkerbund. Um das Maß von Verwirrung vollzumachen, pocht der Faschismus wieder selber auf seine Internationalität, preist sich laut als Friedensbringer und als Mittler zwischen den Völkern an. Eine große Realität rückt trotz allem immer mehr in den Vordergrund. Es ist die Tatsache, daß die Probleme, die die Men- schen der Gegenwart bewegen und ihre Schicksale bestimmen, nicht mehr im nationalen Rahmen zu lösen sind. Kein Land kann für sich allein den Frieden sichern. Keines kann isoliert die Grundlagen eines ruhigen wirtschaftlichen Aufbaues schaffen. Die Zeit der großen solidarischen Vülker- gemeinscbast ist noch nicht da, sie muß aber kom- lich, ja wahrscheinlich, daß zum ersten Mal eine Frau Mitglied des Kabinetts sein wird, und zwar Madame G e r m a i n e P i c a r d- M o ch. Man wird ihr ein Tpezialressort einräumen, und zwar das des Mutter- und Kinderschutzes.'' Frau Picard-Mock ist seit fünfzehn Jahren Rechtsanwältin und tritt vor den Schranken des Gerichtes als glühende Verteidigerin des Mutter- und Kinderschutzes ein. Seit Jahren entwickelt sie ihre These von den dreifach sozialen Wurzeln der Kinderkriminalität, nämlich dem E l e n d, dec T t u n k s u ch t und den u n geregelten F a m i l i e n v e r h ä l t n i s s e n. Die Liste der Arbeiter, die voraussichtlich in wenigen Tagen Minister werden, ist nicht weniger interessant. Da ist SäleNgro, der für das Innenministerium vorgeschlagen wird. Er Wae ein einfacher Mincnärbeiter in Nordfrankreich, wurde dann Deputierter, und ist heute Bürgermeister von Lille. Auch B e d o u c e wird genannt, der mit seinen 72 Jahren das älteste Mitglied der sozialistischen Fraktion ist und seit 1906 der Kammer angehört. Er ist Gärtner in der Gegend den Toulouse. ■ Ein besonders merkwürdiger Fall ist der von H e n r i T a s s o, der das Ministerium der Handelsmarine übernehmen soll., Tasso ist nämlich in Neapel geboren, als Sohn italienischer Eltern. Ganz jung kam er nach Marseille, nm dort sein Glück zu versuchen, ohne ein Wort französisch sprechen zu'können. Lange Zeit war er Hafenarbeiter, dann tourde er naturalisiert und trat in die sozialistische Partei ein. Allmählich arbeitete er sich empor und ist heute einer der bedeutendsten Köpft der zweftgrößten Stadt Frankreichs: er wurde Stadtrat, Deputierter und ist seit dem letzten Jahr Bürgermeister von Marseille.- Große Verdienste hat,!er fick um die Bekämpfung des Gangstertums erworben. Die Marseiller Gangster waren und sind die gefährlichsten von ganz Europa. Tasso hat erklärt, daß der Beiname von Marseille, das„französische Chikägc»", in wenigen Jahren nur noch eine schlechte Erinnerung sein- werde. Nicht mit Unrecht nennen, ihn viele den„ungekrönten König von Marseille". Man sieht, das neue Kabineft Leon Blums tvird-sich, obwohl die einzelnen Kandidaturen I noch nicht feststehey, zweifelws stark von allen früheren Kabinetten Frankreichs unterscheiden. Statt. Advokaten kommen Fachbeamte und Arbeiter, die innerhalb des französischen Sozialismus teils der gemäßigtem teils der radikalen Richrung angchören. ■ Georges Marke!. men, wenn die großen und kleinen Nationen den rettenden Ausweg zu höheren Lebensformen, zur gemeinsamen Wohlfahrt finden sollen. Aus dieser Problemstellung erwächst die historische Funktion des sozialistischen Internationalismus. Es ist wahr: der Sozialismus hat auf dem europäischen Kontinent eine Reihe harter Rückschläge erlitten. Dadurch ist auch die Sozialistische Arbeiter-Internationale an empfindlichen Punkten geschwächt worden. Mag sie von den Feinden totgesagt, von manchen Gegnern unterschätzt und sogar von Freunden in ihrer praktischen Leistung angezweifelt werden: sie ist. trotzdem eine hohe moralische Instanz und ein politisches Willens,^en- trum geblieben. Sie kämpft mit den Schwierigkeiten einer weltpolitiscken Umbruchsperiode, aber sie kämpft auf der Linie der historischen Notwendigkeiten des Völkerlebens. Sie ist ein Fakwr in den Entscheidungen der Gegenwart und.hat alle Voraussetzungen in sich, eine Zukunftsmacht zu werden. Tas war der Eindruck, den die drei Brüsseler Verhandlungstage der■ Exekutive der TAI wohl in allen Teilnehmern hinterließen. Die Problemstellung England—Frankreich hat starke sozialistische Kräfte an den Schalthebel der Weltpolitik postiert. Die englische Arbeiterpartei hat nach den letzten Wahlen eine einflußreiche Position in der Politik des britischen W.lt- reiches bezogen. Ihr Einfluß aus die öffentliche Meinung ist so groß, daß sie bisher alle Strömungen bürgerlicher Kreise, die aus eine vollständige Kapitulation vor der räuberischen Politik des italienischen Faschismus hinzielten, erfolgreich durchkreuzen konnte. In Frankreich steht das Hauptverdienst an dem Sturz Lavals, des Schleppträgers Mussolinis, der sozialistischen Partei zu. Durch den Wahlsieg der französischen Linken sind die Voraussetzungen eines engeren Zusammenwirkens mit England zur Sicherung des Weltfriedens geschaffen. In diesem Zusammenhang gewinnt der Beschluß der Exekutive.der SAJ, welcher die Fortsetzung der Sanktionen gegen Italien fordert, an Bedeutung. Er richtet sich gleichermaßen gegen die Äapitulationstendenzen der französischen wie der englischen Rechtskreise wie gegen opportumsti- sche Wandlungen der russischen Außenpolitik, welche mit der Möglichkeit zu spielen scheint, durch Einstellung der Sankftonen italienische Hilfe gegen Hitlcrdeutschland zu erkaufen. Die Exekutive onig dabei von der Ueberfeugung aus, daß jede Stärkung Mussolinis auch eine Stärkung Hitlers bedeutet, daß durck die Schwächung des einen Diktators auch der andere geschwächt wird. Ihr Beschluß ist zugleich ein Bekenntnis zur Völkerbundpolitik. Die Sozialisten können nicht im Chor derer frohlocken, die sich über die Schwächung des Völkerbundes freuen. Sie wollen ihn im Interesse des Friedens stärken und erhalten. Viel wird zu den kommenden internationalen Entscheidungen die weitere innere Entwicklung in Frankreich beitragen. Die französischen Sozialisten find optimistisch. Sie fühlen sich von einer Welle' echter Volksgunst getragen und sie haben volles Vertrauen zu den staatsmännischen Qualitäten ihrer Führer. Sie bauen auch aus die Loyalftät ihres kommunistischen Partners. Zweifellos werden sich' in der Regierungspraxis der Volksfront' schwierige Augenblicke ergeben. Man muß aber die romanische Leidenschaft für Politik verstehen, um den Optimismus der französischen Genossen zu begreifen. In den Beratungen wurde ein Wort Brackes zitiert,' der mit seinen achtzig Lenzen noch immer eine der markantesten Führergestalten des französischen Sozialismus ist: „Endlich ist die Zeit der /großen S ch w i e r i g k e i t e n g e k o m nt e n, a u f diewirunssolangegefreuthab en." - Das Gelingen der großen Aufgabe des französischen Sozialismus hängt in hohem Matze von der Verläßlichkeit feiner Partner ab. Von den Radikalen ist bekannt, daß sie wohl einwandfreie Demokraten und gute Republikaner sind, aber einer antikapitalistischen Krisenpolitik nur zögernd ihre Unterstützung leihen dürften. Deshalb gewinnt das Zusammenspiel von Sozialisten und Kommunisten enftcheidende Bedeutung für den Erfolg und die Stabilität der französischen Volksfrontregierung. Die französischen Kommunisten stehen vor der geschichtlichen Aufgabe, den Stand- Die MiHisterkandHaten der Volksfront Fachleute, Arbeiter, Gewerkschaftler und— eine Frau Seile 2 Freitag, 22. Mai 1938 Nr. 128 Vas Werk eines Bezlrkshauptmannes 700.000 Kt für den Erzgebirgsnotstandsbezirk Neudek aufgebracht/ Vorbildliche humanitäre Tätigkeit - punkt Dimitrows,, daß die Erhaltung der Demokratie dem Sieg des Faschismus vorzuziehen sei, durch die Tat zu bekräftigen. Ihre Verantwortung läßt sich diesmal nicht mehr auf das agitatorische Geleise abschiebey. Ein offenkundiger Versuch in dieser Richtung war der Brief, den Tho- r e z und Cachin im Namen der KP Frankreichs an das Präsidium der Exekutive der SAJ richteten. In diesem Schreiben wurde die internationale Aktionseinheit gefordert und behauptet, daß sich nur eine„Minderheit" der der SAJ angeschlossenen Parteien gegen die Einheitsfront stelle. Thorez und Cachin verlangten, dieser Minderheit solle das Gesetz der Mehrheit aufgezwun- gcn werden. Die Begründung dieses Vorschlages steht im Widerspruch mit' den Tatsachen. Es existiert nicht eine Minderbeit, sondern eine Mehrheit von Parteien in der Internationale, die mit den kommunistischen Sektionen-ihrer Länder so schlechte Erfahrungen gemacht haben, daß sie von einem Zusammengehen mit ihnen keine Stärkung, sondern eine Schwächung ihrer Positionen erwarten. Auch wenn die Führer der französischen Kommunisten eine Annäherung der beiden Internationalen anstreben und mit ihrem Schreiben nicht einen Spaltungsversuch verbanden, so konnte die Methode nicht ungeschickter gewählt werden. Sie unterschätzen jedenfalls das Selbstbewußt- sein der englischen Arbeiterpartei und der sozialistischen Parteien Skandinaviens, welche die Demokratie und die Arbeiterrechte immerhin mit Erfolg verteidigt haben. Im Schoße der Exekutive wurde zu diesem Problem der Vorschlag gemacht, eine Dreierkonferenz der sozialistischen Parteien Frankreichs, der englischen Arbeiterpartei und der KP der Sowjetunion anzuregen. Darüber konnte kein formeller Beschluß gefaßt werden, weil zur Entscheidung darüber nicht die Exekutive, sondern die Vorstände der beteiligten Parteien zuständig sind. Grundsätzlich, herrschte Uebereinstimmung darüber, daß zur Verteidigung des Weltfriedens eine enge Zusammenarbeit vor allem Frankreichs, Englands und der Sowjetunion erforderlich sei. Strittig bleibt zunächst, ob es zweckmäßiger sei, mit Vertretern der Komintern oder mit den Trägern der russischen Staatspolitik zu reden. Dieser letztere Weg steht vor allem den sozialistischen Regierungsparteien Frankreichs offen, umgekehrt auch Stalin, und so besteht volle Gewähr, daß der aus den gemeinsamen Fliedensinteressen erforderliche Kontakt nicht fehlen wird. Jeder Versuch von kommunistischer Seite, einen Gegensatz zwischen der demokratischen Orientierung, der Bolksfrontpolitik oder der revolutionären Illegalität der sozialdemokratischen Parteien zu konstruieren»' ist mit dem Stigma eines neuen Spaltungsversuches belastet. Die mit der Exekutivsitzung verbundene Beratung der Hilfskommission für die-politischen Gefangenen ergab, daß auf sehr wesentlichen Gebieten eine .ausgezeichnete.. Zusammenarbeit- zwischen- den legal wirkenden und den illegal arbeitenden Parteien besteht. Sozialistische Staatspolitik in den Ländern der Demokratie und'revolutionäre Illegalität in den Ländern des Faschismus stellen keinen Gegensatz dar, sondern die Verpflichtung zu gegenseitigem Verständnis. Im Interesse der Opfer des Faschismus muß diese Zusammenarbeit in'Zukunft'noch intensiver gestaltet werden. Aus der Sehnsuchtder Rechtlosen, ausder P e i n d e r G e f o l t e r t e n i n d e n f a s.ch i st i s ch e n Konz e n t r a- t. i o ns lagern erwächst den Parteien derJntexna t.i. o nahe i h r e gemeinsame Ve r p fl i ch tu n g und ihre g r p.fj e F. reihei t s m i s s i o n. Aus Karlsbad wird uns geschrieben: Der Bezirkshauptmann von Neudek, Doktor Skramlik, ist Mit Energie,daran gegangen, der Notlage breiter Bevölkerungsschichten in dem von ihm betreuten Erzgebirgsgebiet zu steuern. Die von ihm ins Leben gerufene„Bezirks- N o t st a n d s a k t i o n", deren Wirksamkeit im November 1933 begann, hat einen über alle Erwartungen hinausgehenden großartigen Erfolg gehabt. Zu Beginn des Winters.1933/34 wendet sich .erstmals der Neudeker Bezrrkshauptlnann mit einem Appell, der entsetzlichen Notlage der Erzgebirgsbevölkerung zu steuern, an die Oeffentlich- keit. 2m Winter 1933/34 gehen an Geldspenden rund 338.000 XL ein, im Winter 1935/36 260.000 XL zuzüglich 80.000 XL die zugunsten der im Zusammenhang mit der Bezirksnotstandsaktion ins Leben gerufenen Ernährungsaktion der Stadt Neudek erzielt werden können, zusammen daher also bisher nahezu an 700.000 Xc, eine im Hinblick auf die gegebene Sachlage außerordentlich beträchtliche Summe, mit welcher die Inangriffnahme umfangreicher humanitärer Werke ermöglicht wurde: es wurden für arme Erzgebirgler. dafür angeschafft über 2700 Paar feste Schuhe, Mäntel für einen Betrag von 91.177 Xc, 23. Waggons Kohle usw., außerdem wurden verschiedene Suppenaktionen durchgeführt, für die Hellfürsorge 7000 XL verausgabt, für Brot, Kar- toffeln usw. rund 20.000 Xc, und an Bargeldzuweisungen für Bedürftige kamen 34.000 XL zur Auszahlung. Europäische Gesinnung In der„Nase Do ba", der vom Abg. Prof. Dr. Macek redigierten Revue(vor .dem Weltkrieg war ihr Redakteur Mäsaryk), schreibt Genosse Wenzel Jaksch einen längeren' Aufsatz über das Thema„Was die Deutschen und Tschechen trennt und was sie vereint". Tschechen und Deutsche trennt vorläufig noch die, Verschiedenheit der raumpolitischen Betrachtung. Der Tscheche denkt vorwiegend im Raum der historischen Länder. Hier hat sein Volk die Mehrheit. Hier sind die Deutschen eine Minderheit. Die illegale Nationalitätenpolitik, wie sie von den diversen nationalen Kampf- vereinen betrieben wird, zeigt in der Nachkriegszeit die offenkundige Absicht, den Lebensraum Böhmens und Mährens für die tschechische Nation zu erobern. jedenfalls besteht auf der deutschen- Seite der Eindruck, daß an vielen Punkten, eine zielbswußte nationale'Durchdringungspolitik betrieben wird. Der Jubel, welcher sich bis in die tschechische Linkspresse über die Eroberung bisher vorwiegend deutscher Gemeinden erhebt.(Liboch, Prachqtitz), legt trauriges Zeugnis davon ab, daß.in weiten Kreisen die Existenz des deutschen Bevülkcrungsteiles als ein Provisorium betrachtet -wird, welches schrittweise beseitigt werden muß. Soweit sich durch populationistische Ursachen nationale Verschiebungen ergeben, können sie nicht Gegenstand eines politischen Streites sein. Wenn sich aber die stärkere Ration zur Zurückdrängung det schwächeren Nation noch der Machtmittel des Aber damit war'das Werk der um die Durchführung der' Bezirksnotstandsaktion bemühten Menschen nicht erschöpft: sie ermöglichten begabten Kindern den Besuch der höheren Schulen, beschützten eine Anzahl von Mietparteien vor der Delogierung, verschafften anderen Menschen, die in entsetzlichen Hütten unter den furchtbarsten Le» bensbedmgüngen zu hausen gezwungen waren, eine menschenwürdige Unterkunft und verhalfen vielen Arbeitslosen zu Brot und Verdienst durch die Einstellung bei den vom Bezirke in Angriff genommenen Straßenrekonstruttionsarbeiten. Und wer sind die Spender? Die Geldzuweisungen für die Neudeker Notstandshilfe kommen aus dem gesamten Gebiete des Staates, von den deutschen Siedlungsgebieten angefangen über das Landesinnere bis in die äußersten Ausläufer der Republik, bis in die Slowakei und nach Karpatho- rußland. Es spendet der Deutsche, der Tscheche und der Slowake. Die Regien der Bezirksnotstandsaktion sind gering: sie beziffern sich auf rund drei Prozent der gesamten aufgebrachten Summe, obwohl die riesige Agenda die ständige Beschäftigung von zwei Angestellten erfordert. Man muß dem Bezirkshauptmann von Ncu- dek, Dr. Skramlik, das Zugeständnis machen, daß er mit der von ihm ins Leben gerufenen Humanitären Aktionen allen jenen ein leuchtendes Beispiel gegeben hat, denen an der Linderung der Notlage des Volkes im sudetendeutschen Randge- l biete gelegen ist! Staates und seiner Wirtschaftskraft bedient, dann wird unbewußt einem Punkte zugesteuert, wo die nationale Zusammenarbeit den Boden verliert und offenen nationalen Kämpfen weichen muß. Wer einer Stärkung des tschechischen Elements in den Randgebieten auf Kosten einer dichtgedrängten und durch die Krise furchtbar verelendeten deutschen Bevölkerung das Wort redet, sündigt gegen die höchsten staatspolitischen Interessen. Das ist die Kehrseite der sogenannten Grenzerpolitik, welche ihre Erfolge zum größten Teil auf Kosten der staatlich denkenden deutschen Mitbürger erntet. Es wäre im Interesse einer ruhigen Entwicklung des Staates, wenn man die tschechischen Minderheiten in den deutschen Gebieten nicht als Vorhuten eines nationalen Eroberungsfeldzuges benützte, sondern als Träger de? Verständigungsgedankens, wobei allerdings auch auf deutscher Seite dieselbe Bereitwilligkeit Unterstützung finden muß. Darüber' sollte auch aÜf tschechischer Seite Klarhell sein: je stärker der nationale Druck an der Sprachgrenze und hinter ihr ist, und je mehr dieser Druck noch künstlich durch Mißbrauch der Staatsgewalt erhöht wird, desto mehr wird die deutsche Bebölkerung ideologisch über die Staatsgrenzen gelenkt. Jedes Voll braucht einen gewissen Liensraum. In diesem Puillt sind alle Böller sehr empfindlich. Jeder Staat hat Grund, sich zu bemühen, daß seine Bürger innerhalb der Grenzen das Gefühl der Sicherheit und der Möglichkeit sich auszuleben, haben. Die Sudetendeutschen sollen in dem kleineren Raum der historischen Länder den Boden ihrer Existenz und ihre staatliche Heimat sehen, sie sollen ihr politisches Selbstbewußtsein nicht aus der Beobachtung des Kräfteverhältnisses im größeren mitteleuropäischen Raum schöpfen, wo Tschechen und Slowaken unter Deutschen, Polen und Ungarn eine Minderheit darstellen. Wenn dann derartige Unterschiede der Gesichtspunkte dazu führen, daß die Tschechen zu ihrer Beruhigung den Blick auf die großen russischen und ftanzüsischen Verbündeten richten, dann kommt es zu einer Ueberdimen- sionierung der lokalen Gegensätze, welche jede Verständigungspolitik zweifelhaft macht. Der Ausgangspunkt liegt auf beiden Seiten in dem Uebergang zu einer europäischen Gesinnung. Geht man von einem europäischen Gesichtspunkte aus, dann ist die Frage der Mehrheit oder Minderheit von untergeordneter Bedeutung. Auf dem Kontinent sind sowohl Slawen als auch Germanen und Romanen Minderheiten. Die Europäer selbst sind eine Minderheit in dem Weltmeer der Völker und Rassen. Deshalb müssen alle strittigen nationalen Fragen von dem Gesichtspunkt einer unlösbaren Schicksalsgemein- schaft in der europäischen Völkerfamilie betrachtet und gelöst werden. 8elbstven^s!tungsl geschieht! In einer großen Kundgebung werden die deutsche sozialdemokratische Jugend>md die - deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei ein- > dringlich dafür demonstrieren, daß der barbarische i Ungeist, der aus dem Dritten Reiche eingeschleppt wurde, aus dieser Gegend verschwinde, daß der Geist der tschechoslowakischen Demokratie auch im letzten Grenzwinkel dieses Staates Eingang finde: Am Reichsjugend-«. Kreisarbeitertag zu Pfingsten 1936 in Tetschen-Bodenbach. vor. Und wenn die Henleinleute den Gedanken immer noch damit zu begründen versuchen,„daß wir ja doch Deutsche seien und Anschluß an den großen deutschen Kulturkreis finden müßten", dann hat Henlein in seiner bekannten„Kulturrede" eindeutig aufgezeigt, was sie darunter verstehen: die ödeste geistige Gleichschaltung mit dem Barbarengeist, der heute das deutsche Volk in Knechtschaft hält, mit der Unduldsamkeit und Mördergesinnung, die heute im Dritten Reiche herrscht. Wir denken an die vielen Opfer des Hitler-Regimes in Deutschland, wir denken an die Konzentrationslager, an den deutschen Rundfunk, an das heutige deutsche„Schrifttum" und danken für die„Kultur". Wir finden, wenn wir an all das denken, eine Variation des Wortes passend, das einer der ihren in anderem Sinne gebraucht hat:„Wenn ich schon von der Kultur höre, dann entsichere ich meinen Revolver".— Die Propaganda für das Dritte Reich findet, gut fundiert auf alte Verbindungen, in der Gegend von Bodenbach und Tet- schen(übrigens in anderen Städten auch)— lebhafteste Betätigung. Man hat, wenn man in Bodenbach und Tetschen nur an einpaar B u ch h a n d l u n g s a u s l a g e n vorbeigeht, schon das unangenehme Gefühl, in Deutschland z u s e i n: B ü ch e r aus Deutschland, Z e i t u n- g e n und' Zeitschriften aus Deutschland: s o wird nicht nur der Paradepflanz des Dritten Reiches, sondern auch sein U n g e i st in tschechoslowakischen Städten propagiert. Seit tschechoslowakische Verordnungen ein paar große reichsdeutsche Zeitungen, die unglücklicherweise namentlich angeführt wurden, verboten haben, wird eine Flut kleiner und kleinster Provinzblättchen, in denen dasselbe steht, aus dem benachbarten Sachsen herübergeschwemmt. Sie kleben in den Auslagen und verunreinigen die Gaststätten, weil sie von dem Verbot nicht getroffen wurden. An kleinen, abertypischen Beispielen kann gezeigt werden, wie Meinung und Geschmack hierzulande systematisch vergiftet werden: Niemand hat früher an dem„Badenweilermarsch" etwas besonderes gefunden. Seit es der deutsche Rundfunk der Welt zum Kotzen aufdringlich beigebracht hat, daß es der LieblingSmarsch Adolf Hitlers ist, hängt in allen möglichen Ausgaben der Badenweilermarsch in den Auslagen der hiesigen Buchhandlungen. Ein kleines Beispiel unter hunderten, aber man kann nichts dagegen machen. Reisebüros in Bodenbach und Tetschen organisieren unausgesetzt Reisen nach Deutschland, um den armen Sudetendeütschcn die„Kultur" des Dritten Reiches zu zeigen. Man kann nichts dagegen machen! Die Wände des Bahnhofes der deutschen Reichsbahn in Boden(der mit dem tschechoslowakischen Staatsbahnhof e i n Gebäude Aoslaoeo einiger BodenlMCher Buchhandlungen Abschluß der Arbeitstagung der öffentlichen Bildungspflege: Demokratische Kundgebung der deutschen Volksbildner Den Abschluß der Arbeitstagung der öffentlichen deutschen Bildungspflege in Böhmen bildete eine Kundgebung, die am Donnerstag vormittags im Bühnensaale der Prager„Urania" stattfand, dessen Podium mit der Staatsfahne und dem Bildnis des Staatspräsidenten geschmückt war. Nach einleitenden Worten des Einberufet?, Fachlehrer Heinrich H e r g e.t, und nach Verlesung der Begrüßungstelegramme, die im Auftrage der Tagungsteilnehmer an den Alt-Präsidenten Ma- saryk und den Präsidenten Benes gesandt wurden, ergriff, mit lebhaftem Beifall begrüßt, Außenminister Dr. Krofta das Wort zu einer Rede in deutscher Sprache über das Verhältnis der Deutschen zum Staate. Die Tschechoslowaken, sagte Minister Krofta, dürfen in der Zugehörigkeit deutscher Mitbürger! zu ihrem Staate keine Schwächung, sondern eine. Stärkung und einen Vorteil sehen. So schwierig es scheine, diesen Grundsatz in der politischen Praxis zu verwirklichen, so notwendig gehe er aus der geschichtlichen Entwicklung hervor. Der Aufenthalt der.Deutschen in Böhmen habe schon vor dem 13. Jahrhundert begonnen, als deutsche Geistliche, Kaufleute und Fürstendiener nach Böhmen kamen, er sei im 13. und 14. Jahrhundert, in der Zeit der ersten deutschen Kolonisation, stark angewachsen, besonders in den Städten und den Grenzgebieten, und es sei geschichtliche Tatsache, daß diese deutsche Kolonisation dem böhmischen Lande ein besseres Dorfrecht"und die fteien Städte gebracht habe. Das Verhältnis der Deutschen und Tschechen habe sich später wechselvoll gestaltet, das erwachende tschechische Nationalgcfühl habe in der Hussitcnzeit zur Verdrängung aller Deutschen aus führenden Stellungen geführt, nach den Hussitenkriegen aber und besonders zur Zeit der deutschen Reformation habe ein gutes Einvernehmen zwischen Deutschen und Tschechen geherrscht, die beim Schwierigkeiten in Abessinien Europäer In Addis Abeba verhaftet Addis Abeba. Die Stadt dielet noch immer das Bild der Zerstörung. Von den einstig:» hunderttausend Einwohnern sind kaum rin Zehntel in der Stadt geblieben. Gerüchte sprechen von Schwierigkeiten, die den Italienern von einigen Häuptlingen im Landrsinnrrn bereitet werden könnten. Im Zusammenhang mit dem Vorgehen der Italiener gegen solch«. Grrüchtever- brriter wurden am Mittwoch einige Europäer verhaftet. In maßgebenden italienischen Kreisen wird zugegeben, daß mit oer Besetzung der Hauptstadt die Arbeit noch keineswegs abgeschlossen sei und der schwierigere Teil der kolonialen Aufgabe erst jetzt beginne. Man sei sic durchaus darüber im Klaren, daß die Durchdringung des Landes hier und da Kleinkriegsmetüoden aufflackern lassen könnten, um so mehr, als im einstigen Reich des Regus Stämme und Häuptlinge leben, die niemals irgendeine Oberhoheit anerkannt haben. Die Flieger, dir täglich Streifen in die nähere und weitere Umgebung von Addis Abeba unternehmen, versichern, von angeblichen abessinischen Truppenansammlnngen nichts festgestellt haben zu können. Eine amtliche Nachricht besagt, daß das Mitglied der in Abessinien tätigen Rotkrruzabtci- lungrn Bonner spurlos verschwunden sei. Bonner, der von italienischer Seite beschuldigt worden ist, den abessinischen Streitkräften Hilfsdienste geleistet zu haben, habe sich am 13. Mai von Addis Abeba nach Aden begeben wollen, um sich dort von dem Biß eines tollwütigen Hundes heilen zu lassen. Bonner sei jedoch bis Diredana gelangt» wo er eine Unterredung mit dem britischen Konsul gehabt habe. Kurze Zeit darauf habe der britische Konsul in Harrar die Nachricht erhalten» daß Bonner von den italienischen Behörden verhaftet worden sei. Seit jener Zeit sei I Bonner trotz energischer Nachforschungen unauf- Kampf der böhmischen Stände gegen Habsburg Seite an Seite gekämpft haben. Die Germani- I sicrung, die nach der Schlackt am Weißen Berge : einsetzte, habe den Widerstand der Tschechen ge- . weckt, aber der tschechoslowakische Nationalgedanke habe sich am Ende des 18. Jahrhunderts unter dem I Einfluß deutscher Kultur gebildet, während die Deutschen im ganzen 19. Jahrhundert zwischen der ! staatsrechtlichen Bewegung der Tschechen, und der Forderung nach Aufteilung des Landes in tschechische und deutsche Gebiete schwankten. Als nach dem Weltkriege die Tschechoslowakische Republik entstand, entstand sic ohne Mitwirkung und gegen den Willen der Deutschen, aber die Deutschen sind in dem neuen Staate, der ihren Vorfahren so ! viel cherdankt, keine bloße Minderheit, sondern ein zweites Staatsvolk, und ein jüngerer sudetendcutscher Politiker habe mit Recht verlangt, daß die Deutschen, die nicht i ohne Schuld zum Objekt der tschechoslowakischen ! Staatspolitik geworden sind, zu ihrem Subjekt werden sollten. Minister Krofta gab freilich zu bedenken, daß ein völlig gleichartiges Verhältnis der Deutschen und Tschechoslowaken zum Staate insoferne nicht möglich sei, als die deutsche Kultur ihre größte Wirksamkeit außerhalb des Staates entfalten könne und die Deutschen sich nicht in demselben Maße wie die Tschechen und Slowaken als Eltern und Kinder des Staates fühlen können. Die Verhältnisse lägen Anders als inder Schweiz, aber der Minister bekannte sich zu'dem Grundsatz der gleichberechtigten Zusammenarbeit auf Grund der hiswrischen Zusammengehörigkeit. Nach ihm ergriff Minister Dr. Spina das Wort zu einer Rede über Bauerntum und Demokratie. Ausgehend von einer Gliederung der Gesellschaft in natürliche, durch Arbeits- und Lebensweise charakterisierte Stände, kam der Redner zu dem Schluß, daß der Bauernstand als historisch ältester Stand und als nährende Basis der Gesellschaft seine besondere, natur- und volksverbundene Eigenart habe, die sich weder durch liberale, noch durch totalitäre Gleichmacherei verwischen lasse. Die geistig-seelische Haltung des.Bauern sei konservativ, aber entschieden demokratisch, denn der Bauer, der am besonderen Charakter seines Standes festhalte, erkenne die Verschiedenheit der anderen Stände an, er sei Individualist, aber achte deswegen die Leistung der anderen Individuen, und er lehne, gerade weil er seine Sonderart bewahren wolle, die„Gefolgschaft^ ab. Ueber die sozialen Grundlagen des Sudetendeutschtums sprach sodann Abg. Wenzel Jaksch Er charakterisierte die Situation der sudetendeutschen Wirtschaft als die eines erhöhten Punktes in der europäischen Wirtschaft, an dem sich jede Krise der europäischen Wirtschaft besonders deutlich bemerkbar mache. So war es am Ausgang des Mittelalters, als der Bergbau des Erzgebirges infolge der überseeischen Entdeckungen in Verfall geriet, so war es auch, als die unter Maria Theresia blühende Handweberei infolge der Industrialisierung konkurrenzunfähig wurde. Aber immer habe sich die sudctendeutsche Wirtschaft wieder aus der Krise erholt, im alten Oesterreich habe sie an der Spitze der österreichischen Industrie gestand.cn, obgleich auch damals der große Wirtschafts- und Absatzraum nicht vor Krisenerscheinungen schützte, was man heute nicht vergessen dürfe. Die jetzige Krise sei nicht nur durch die geographische Lage bedingt, sondern vor allem durch den Strukturwandel der Weltwirtschaft, durch die Industrialisierung der früheren Absatzgebiete und durch diy Rationalisierung, die in einem relativ schwach besiedelten Lande wie Amerika ihre Funktion hatte, im dichtbesiedelten sudetendeutschen Gebiet aber verhängnisvoll wurde. Da der industriell-gewerbliche Sektor der stärkste im sudetendrutschen Raume ist, habe die Wirtschaft das sudctendeutsche Schicksal vor allem bestimmt, und es fei falsch, die politischen Krisenursachen zu übertreiben und die strufturellen zu verschweigen. An der industriellen Erholung nach dem Kriege habe die sudetendeutsche Wirtschaft vollen Anteil gehabt, und man müsse nun bestrebt sein, auch an der Erholung Anteil zu nehmen, die sich in der Weltwirtschaft schon wieder bemerkbar mache. Dazu sei die Umstellung auf die neuen Anforderungen der Absatzmärkte erforderlich, die Herstellung neuer Verbindungen zu aufstrebenden Wirtschaftsgebieten wie Südamerika, Rußland und Vorder- asien, Belebung des kaufmännischen Geistes, Erlernung der erforderlichen Sprachen, kürz,' der Uebergang von der Heimatbildung, die in der Zeit nach dem Kriege als Ausdruck der Rückbesinnung geherrscht habe, zur Weltbildung und zum europäischen Geiste. Als letzter Redner sprach Direktor doset 2äk über die Bedeutung und die Aufgaben einer demokratischen Volksbildung. Er wies auf die drohende Kriegsgefahr hin und bezeichnete die Verhinderung des Krieges als eine große Kvlturauf- gabe dieser Zeit. Der Neubau der Zukunft müsse auf geistigen Grundlagen geschehen, wobei der neue Mensch als das Ziel der Bildung erscheine. Die deutsche Bildung in unserem Staate habe die Aufgabe, einen Menschen zu erziehen, der Deutscher und demokratischer Staatsbürger sei, und sie könne das, wenn sie die Synthese von Deutschtum und Demokratie auf der Grundlage der Menschlichkeit finde. Der Nationalsozialismus beherrsche zwar Deutschland» er sei aber nicht die deutsche Weltanschauung, und der Nationalismus, von welcher Seite er ! komme, sei eine Gefahr für das wahre, menschlich ! bedingte Volkstum. Für jede Minderheit sei geistige und politische Jrredenta ein Unglück. Das Ziel der deutschen Volksbildung müsse es sein, den ! Geist der Verständigung und der friedlichen Zu- ! sammenarbeit zu wecken, und die Tschechoslowaki- i sche Republik anzuerkennen als Ausdruck ciner 1 Idee: als Idee der Demokratie und des europä- ! ischen Geistes. Was war da los? Die Bezirksorganisatiost Komotau der kommunistischen Partei hat den.früheren Sekretär Gerhard Springer ailsge-. schlossen, weil er„p a r t e i fe i n d l i ch e F r a k- tions-Tätigkeit" und«innerparteiliche Zersetzungs versuche in Verbindung mit Parteifeindlichen Elementen" unternahm. Der Beschluß auf Ausscheidung dieses Mannes wurde, wie besonders betont wird, sogar einstimmig gefaßt! Seite 4 Nr. 120 Freitag, 22. Mai 1936 Das Geheimnis des Amoklaufes Eine Rauschgiftpflanze bedroht Jamaica (MTP.) Der Skandal ging schon jahrelang. aber es bedurfte wohl erst der Verhaftung der drei höchsten Funktionäre und Aufsichtsbeamten der Polizeidirektion von Kingston, der Hauptstadt Jamaicas, damit die Bombe platzte. Das Objekt des Skandals ist eine hochge- wachsene, im übrigen aber sehr unscheinbar aussehende Pflanze, eine Hanfart, die hier allgemein„G a n j a" heißt. Nun, der Saft der Ganjapflanze ist eines der gefährlichsten Rausch- gifte, das auf der Welt existiert, vielleicht das gefährlichste überhaupt. Die Pflanze wird fünf bis zehn Fuß hoch und trägt fünf bis sieben große Plätter, aus denen man den Saft preßt. Die weiblichen Pflanzen tragen Blüten, deren Saft noch beliebter, aber noch gefährlicher ist. Der Saft wird dem Tabak beigemischt, man kann also Pfeife, Zigarren oder Zigaretten rauchen, die mit Ganja getränkt sind, der Geschmack ist sehr mrgenehm, dagegen ist der Geruch des mit Ganja gemischten Rauches sehr durchdringend und unangenehm. Ich ließ mich von dem Direktor des Krankenhauses von Kingston über die Herkunft der Pflanze und die Wirkung ihres Saftes informieren. Er berichtete: „Die Ganja-Planze kam vor einigen hundert Jahren aus Ostindien/ vermutlich von den malaischen Inseln, wo sie aber heute kaum noch existiert, nach Jamaica, und zwar durch einige ostindische Arbeiter und Auswanderer. Das Merk- tvürdige war, daß das Geheimnis der Pflanze jahrhundertelang gewahrt wurde, nur die ostindischen Arbeiter und ihre Nachkommen wußten davon. Hier in Jamaica kümmerte sich kein Mensch um dieses Unkraut, das die Kulis scheinbar zum Schutz um ihre Hütten herum pflanzten. Das Geheimnis des Saftes wurde erst um die Jahr- hundertwent>e bekannt, besonders unter der schwarzen Bevölkerung, und das Uebel nahm so schnell überhand, daß schleunigst eine Reihe von einschränkenden Gesetzen erlassen werden mußten, bis man im Jahre 1928 ein allgemeines Verbot erließ, den Saft für ein gefährliches Gift erklärte und die Anpflanzung, den Handel und den Gebrauch von Ganja mit schweren Geldstrafen belegte." „Und hat das etwas geholfen?" Dtr Direktor zuckte die Achseln. „Leider sehr wenig. Die Geldstrafe betrug zunächst 7.50 Dollar, sie mußte schon zwei Jahre später auf 150 Dollar erhöht werden, weil sich kein Mensch um das Verbot kümmerte..Heute beträgt sie in jedem Einzelfall mindestens 300 Dollar. Aber der Erfolg bleibt gering, und in demselben Maße steigt der Verkaufswert des Pflanzensaftes, und den Händlern macht es nichts aus, 300 Dollar zu zahlen, da sic heute für einen Liter des Saftes weit über 1000 Dollar bekommen." „Und die Wirkungen?" „Zunächst sind sie sehr positiv. Man fühlt ein unerhörtes Kraftgefühl in sich, und die Arbeitsleistung steigt ums Doppelte und Dreifache. Aster sehr bald tritt Erschlaffung ein, die immer stärker wird, und schließlich in Verblödung oder Tobsucht endet. Merkwürdigerweise ist die Endwirkung auf di« Weißen meist anders als auf die Schwarzen. Die Weißen werden im Laufe der Zeit völlig apathisch, und es bedarf einer jahrelangen Entziehungskur. Bei den Schwarzen dagegen bricht zeitweiliger Wahnsinn aus, verbunden mit Raserei. Ein großer Teil der Verbrechen und Gewalttaten in Jamaica, die die Eingeborenen begangen haben, geht auf die Wirkung von Ganja zurück. Auch das Geheimnis des Amoklaufes scheint mir nahezu geklärt. In 80 von 100 Fällen, die wir in den letzten Jahren beobachteten, standen die Amokläufer unter dem Genuß des Ggnja-Taftes. Andererseits erholen sich die Sckwarzen viel schneller, und es genügen oft wenige Monate einer strengen Entziehungskur, um sie wieder arbeitsfähig zu niachen. Tas ganze Gift wäre schnell auszurotten, gäbe es nicht Interessenten bis hinauf zu den höchsten Stellen..." . In der Tat, hier beginnt der Skandal. In der Stadt Kingston und den übrigen großen Städten der Insel sind zwar die Ganja-Anpflan- zungen verschwunden. Aber im Innern des Landes sieht es anders aus. Dort gibt es riesige Besitzungen, die die einzelnen Besitzer an eine Reihe Vom Rundfunk empfehlenswert«» aus«len Prearemmnai SamStag Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse. 12.10: SchaUpIatten. 15: Suk: Geigenquartett. 17.55: Deutsche Sendung: Schwind liest eigene Gedichte in Friedländer Mundart. 18.05: Mandolinenkonzert. 18.45: Deutsche Presse. 21.20: Schall- wartenreoue. 22.30: Tanzmusik.— Tender S: 7.30: Populäres Konzert auf Schallplatten. 14.10: Deutsche Sendung: Sie hat ja doch das lebte Wort; t ödliche Hörfolge. 18: Mexikanische Musik.— Brünn: 12.35: Mittagskonzert. 16.05: Gesangskonzert der mährischen Lehrer. 17.40: Deutsche Sendung: Eine historische Episode vom Spielberg.— "reßburg: 20.35: Rundfunkorchesterkonzert.— ascha«: 17.25: Leichte Musik.— Mähr.-Onrnu: i7.30: Lieder von Hasler. 19.15: Lus ae Musik eines Grotesk-Jazzquartetts, von Pächtern abgegeben haben. Niemand kennt genau den Namen der Pächter. Kommt eine Kontrolle, die irgendwo eine Gania-Anpflanzung entdeckt hat, und fragt die eingeborene Bevölkerung nach dem Pächter, so zuckt man die Achseln:„Ter Pächter ist soeben gestorben, einen neuen haben wir noch nicht", oder:„Ter Pächter ist vor zwei Monaten ins Ausland gereist, er kommt erst im Herbst wieder, und einen Vertreter gibt es nicht." Man weiß auch, wie lebhaft der Schmuggelverkehr aus dem Innern des Landes nach den Städten der Insel ist, und die Polizeikräfte, die sich in der Hauptsache mit der Ganja-Pflanzc und ihrer Bekämpfung beschäftigen, mußten von Jahr zu Jahr verstärkt werden. Leider zeigt es sich, daß gerade die leiten- denBeamten dieser Abteilungen sowohl mit TlAestmügkeiten. Bürokratie und soziale Fräse— ein unerschöpfliches Thema, das wohl nur dann abgeschlossen würde, wenn es einmal keine Bürokratie mehr gäbe; denn das andere, daß es keine soziale Frage mehr gäbe, wäre ja doch erst nröglich, wenn zuvor die Bürokratie beseitigt wäre, die jene immer wieder erzeugt. -—Da gibt eS in Nordwestböhmest das oftM- sprochene Problem des„w i I d e n B e r g- baue S". Er hat in den letzten Jahren Dutzende Menschenleben gekostet. Ursprung des wilden Bergbaus ist die Not der Arbeitslosen, die nach jedem Strohhalm greifen, der sich ihnen bietet. Dazu kommt die Armut weiter Kreise der noch Arbestenden, die nur die billigen Ausschußkohlen kaufen können, die vor allem nicht imstande sind, den Barbetrag für eine ganze Fuhre Kohlen auf- zubringen. Wie komnit die Bürokratie dem Problem des wilden Bergbaues bei? Des öfteren schon hat man Razzien auf die wilden Häuer veranstaltet, hat sic regelrecht bekriegt, überfallen, ihnen ihr Werkzeug, ihre Wägelchen weggenommen, ihnen die Kohlen konfisziert. Der Unwillen der Bevölkerung brachte diese Aktionen immer wieder zuin Stillstand. Aber der Unmut der Kohlenhändler, der Gruben, der Steuerbehörden rolst die Frage immer wieder auf..Das scheinheilige Argument, man müsse das Leben der wilden Häuer schützen, liefert den Vorwand zu neuem Eingreifen. Nun ist wieder eine„Konferenz der Bezirksbehörden geplant, die über die„Bekämpfung des wilden Bergbaues." beraten soll. Natürlich will und wird sie nicht darüber beraten, wie man die Not der Arbests- losen und die Not der frierenden Mitmenschen, die keine andere als die Arbeitslosenkohle kaufen können, beheben könnte. Beraten wird man nur darüber; wie man die„Steuerhinterziehung" und die„Geschäftsstörung" durch die Arbeitslosen verhindern könnte. Und man wird eben doch wieder an den Gendarnien appellieren. Es gäbe allerhand Möglichkeiten der Abhilfe: man könnte z. Bi kleine KoUektives von Arbeitslosen bilden, denen unter fachmännischer Lestung— durch arbeitslose Techniker etwa— ein bestimmter Rayon zur Schürfung überlassen würde, und man könnte die Kohlen wieder den Arbeitslosen zuführen. Niemand würde dadurch geschädigt, vielen würde geholfen. Man könnte dies und das... man könnte... aber man könnte alles nur, wenn der Bürokrat aus dem Lebensprozeß verdrängt wäre,' in dem er ewig der störende Fremdkörper bleibt. Die tschechoslowakischen Soldaten in Polen enthaftet. Die wegen unbefugter Grenzüberschreitung im Tatragebiet von den Polen verhafteten tschechoslowakischen Unterleutnants P roch a z k a und Eadek und Zugsführcr M v I d- n e r wurden bereits freigelajscn und sind Don- dcn Schmugglern wie auch mir den Pächtern u nd den Händlern unter einer Decke standen. Die Pächter sind durchaus nicht immer gerade verreist oder gestorben— das stand nur in den Men so. In Wirklichkeit bekamen die höhen Polizeifunktionäre einen hübschen Anteil von jedem verkauften Liter Ganja. Und da sie selbst daran Interesse hatten, so traten sie auch immer dafür ein, daß die Geldstrafen erhöht wurden: je höher die Geldstrafen, desto höher der VerkaufAvert des Ganja-Saftes und desto höher ihr eigener prozentueller Anteil. Jetzt sind fie verhaftet worden, und mit ihnen rund hundert Händler und Pächter. Wird jetzt endlich das Uebel ausgerottet werden? Jedenfalls besitzt Jamaica bis heute die größte Zahl von Sanatorien, Krankenhäusern und Irrenanstalten. Und die Ursache der meisten Skandale, Verhaftungen, Warnungen, sanitären Maßnahmen und Verbrechen auf der schönen und fruchtbaren Insel Jamaica ist di« alles verheerende Ganja-Pflanze. ncrstag früh aus Krakau in ihre Garnison nach Rosenberg in der Slowakei zurückgekehrt. Durch die Zeugenaussagen, namentlich des polnischen Rettungsdienstes, der ebenso wie der tscheckoslo- wakische nach den Vermißten geforscht hatte, wurde feftgestellt, daß fie die Grenze nur irrtümlich überschritten hatten. Neues Motorschnellzugspaar. In den Fahrplan 1936/37 werden zwei neue Motorschnellzüge für die Strecke Prag—Preßburg eingeschaltet werden. Sie werden auf der ganzen Strecke nur einmal, in Brünn, halten. Der Motorwagen dieser Züge wird 72 Sitzplätze 2. Klasse haben, für die obligatorisch^auch Platzkarten zu je 5 Xö gc- Wst'iverden muffen.'Zwischen den Abteilen für die Reisenden werden diese beiden Züge mit einem kleinen Buffet und einer kleinen Küche ausgestät- tct. Beim Verkauf der Platzkarten werden jene Reisenden bevorzugt werden, die eine Fahrkarte für die ganze Strecke Prag—Preßburg lösen. Flugsport mit tödlichem Ausgang. Mittwoch stürzte bei der Stadt Baronrouge(USA.) ein Sportflugzeug ab, wobei der bekannte amerikanische Millionär und Flieger Harry Williams, der Gatte der Schauspielerin Marguerite Clark, und sein Pilot den Tod fanden. Bon einem Büffel aufgespießt. In Posen ereignete sich Mittwoch iin Zoologischen Garten ein ungewöhnliches Unglück. Während eines heftigen Gewitters mußten die meisten Tiere, welche große Unruhe zeigten, aus den Käfigen und ihren Behausungen in ihre Winterbehausung gebracht werden. Ein Tierwärter, der einen afrikanischen Büffel aus seiner Behausung heraus- . führen wollte, wurde von dem Tier angegriffen | und, noch bevor Hilfe herbeigeholt werden konnte, wurde er von dem Büffel aufgespießt und dann zu Tode getreten. Es gelang nur mit Mühe das Tier zu bändigen und ein weiteres Unglück zu verhüten. Wirtschaft, Wirtschaft, Horatio! Im Jahre 1935 wurden in den Vereinigten Staaten 1,636.000 Spindeln vernichtet. Ende 1935 zählte die Baumwollindustrie nur noch 29,253.000 Spindeln— etwa soviel wie 1910— gegenüber 38,000.000 im Lahre 1925. Die Zahl der davon noch außer Betrieb befindlichen Spindeln betrug bis zu acht MMonen. Ferner sind in einem Vierteljahr zur Vermeidung von Preisstürzen sechs Millionen 200.000 Schweine und 2 Millionen «Tonnen Mais vernichtet worden. In Los Angeles wurden täglich 200.000 Liter Milch ins Meer geschüttet. 600.000 Kühe wanderten in einem Vierteljahr in die Destruktionsanstalt. In Florida verfaulten die Erdbeeren auf einem Gebiet von 10.000 Hektar. In Kalifornien wurden in einem Monat 7.75 Millionen Sack Kaffee vernichtet. Holland vernichtete 1985 100.000 Ferkel, Dänemark 25.000 Rinder. In der Bretagne schütteten Fischer jüngst eine halbe Million Fische ins Meer. Sechs Wochen Zwangshören! Englische Blätter berichten: Eine Berlinerin saß mit Freunden beim Kaffee. Das Radio ging und verzapfte gerade eine der unzähligen Nazireden und-Vorträge. „Macht doch den Quatsch aus!" rief die Frau. Davon erfuhr die Polizei. Offenbar kaufte sich die Frau von schwerer Strafe los, indem fie auf sich nahm, sechs Wochen lang jeden Wend Punkt 7 Uhr im Funkhause anzutreten und zwei Stunden lang die Sendungen aufmerksam anzuhören. Danach wird sie zweifellos eine begeisterte Nazisse lein. Der „Fliegende Pfannkuchen“ In England wurde soeben ein neuartiges Flugzeug vorgeführt, das durch seine eigenartigen Flügel auffällt und deshalb den Namen „Fliegender Pfannkuchen" bekam. Die Vorzüge dieses Flugzeuges sollen eine besonders kurze Start- und Landcstrecke sein. Vom Wadiposten erschossen Zs einem furchtbare» Vorfall, der ein Menschenleben auslöschte, kam cs Donnerstag nachts um 1 Uhr auf dem Militärschießplatz in Traufch- kowitz bei Komata». Dort erschoß der Wachsoldat Franz K ö s s e l Y, ein Ungar, den 26jährigen Gendarmeriewachlmcister Josef K a r l i k aus Sporitz. Der Vorfall hat sich folgendermaßen abgespielt: Auf dem alten Schießplatz befindet fich ein Sprengstofflager, das militärisch bewacht wird. Die Wache wird vom Infanterieregiment 46 besorgt, das in Komotau stattoniert ist. Ter Wachsoldat Köffely hatte Dienst beim Eingang auf den Schießplatz. Wachtmeister Karli! befand sich auf seinem pflichtgemäßen Dienstgang, der ihn regelmäßig auch auf den Schießplatz führte. Der Soldat Köffely sagt aus, daß er den sich nähernden Wachtmeister viermal angerufen habe, ohne daß Karllk auf den Anruf reagierte. Darum schoß Köffely. Köffely wurde in Sicherungshaft genommen, die Untersuchung wird vom Gendarmeriemajor Faktor geführt. Der erschossene Gendarmeriewachtmeister soll die Wachevorschriften genau gekannt haben und also auch über die Folgen des Nichtbeachtens eines Postenanrufes unterrichtet gewesen sein. Reuaufrollung des Königsmordprozeffes? Der Parffer Advokat D e s b o n s, der bekanntlick im Herbste des Vorjahres im ersten Schwurgerichtsprozeß die kroatischen Terroristen verteidigte, und dem wegen Beleidigung des Gerichtes das Recht als Advokat und Verteidiger aufzutreten aberkannt wurde, der jedoch auf Grund der Amnestie jüngst seine Rechte wieder zurück- gewmm, weilt derzeit in Marseille. Er gab hier den Journalisten gegenüber eine sensationelle Erklärung ab. Desbons sagte nämlich, daß Dr. Ante P a v e l i t und sein Geiwsse Kvater- n i k, welche vom französischen Schwurgericht bekanntlich wegen Teilnahme an der Ermordung des jugoslavischen Königs Alexander in absentia zum Tode verurteilt worden sind, nach ihrer Ent- laffung aus der italienischen Haft beabsichtigen, sich freiwillig einem französischen Gericht zu stellen und die ordentliche Durchführung ihres Prozesses zu fordern. Desbons werde sie verteidigen und werde den Pariser Advokaten Saint Auban, der die kroatischen Terroristen im zweiten Prozeß verteidigte, gleichfalls um die Uebernahme der Verteidigung ersuchen. Nähere Einzelheiten darüber, wann und wo fick Pavelic und Kvater- nik in Frankreich stellen wollen, gab Desbons nicht bekannt. Aus der Journalisteninternationale. Ain Donnerstag hat der'Exekutivausschuß der Internationalen Journckkfstenföderation seine Beratungen begonnen, um das Programm für den im September in Bern abzuhaltenden Kongreß vorzubereiten. Auf der Tagesordnung befindet sich auch die Frage der internationalen Journalisten» Legitimation, das Autorenrecht der Journalisten, Kollektivverträge für Journalisten usw. Die Belgrader Hunde dürfen nicht bellen'. Sämtliche Hundebesitzer Belgrads sind empört über die neueste städtische Verordnung, in der es heißt, daß Hunde nach 9 Uhr abends weder in den Bohnungen, noch auf den Höfen, Straßen oder Plätzen bellen dürfen. Tun sie es doch, so bekommen die betreffen- den Hundebesitzer eine hohe Geldstrafe. Kümmern sich die Hunde darum nicht und bellen weiter, so werden sie eingefangen und umgebracht. Die Hundebesitzer haben sich an die Regierung gewandt, und da glücklicherweise mehrere Regierungsmitglieder Hundebesitzer sind, so rechnen fie damit, daß die Verordnung zurückgenommen wird. Jedenfalls haben sie erklärt, daß fie, falls der Magistrat von Belgrad nicht eines Besseren belehrt würde, keine städtischen Steuern mehr bezahlen würden. —„Wenn Sie mein Schwiegersohn werden, könnte ich Ihnen eine Stelle beim Völkerbund verschaffen.“ —„Da würde ich eine Phönix-Polizze schon vorziehen 9tr. 120 Freitag, 22. Mai 1930 eite 5 Deutsche Stiefkinder Von Kurt Kersten dusland Moskau und Berlin über die Situation in Frankreich. Der bekannte französische Autzen- politiker d'O r m e s s o n erzählt im„Figaro" über sein Gespräch mit einem ausländischen Freund, der vor einigen Tagen Moskau und Berlin besucht hatte. In M o s k a u habe der Sieg der„Volksfront" keine besondere Freude ausgelöst, eher das Gegenteil. Man sei im Kreml der Ansicht, datz dieser Erfolgzu grotzsei. Moskau habe auf die Stärkung der früheren Mehrheit gehofft, eine bestimmte Verbreiterung des extrem linken Sektors im Parlament hätte man willkommen geheißen. Man habe aber erwartet, datz das Schwergewicht der Abgeordnetenkammer bei den Radikalsozialisten verbleiben werde. Moskau wolle keine Wirren in Frankreich: die Sowjetregierung brauche ein ruhiges; starkes Frankreich, ein Frankreich, das Deutschland Furcht einflötzen könne. Die Erfolge der Sozialisten und Kommunisten lasten jedoch demagogische Auswüchse befürchten. Moskau befürchte, datz die aufgeregten Masten den allzu schlaffen Führern den Gehorsam verweigern könnten. Die größte Sorge Moskaus sei aber» daß die Sozialisten zu ihren alten Träumen von der allgemeinen Abrüstung zuriickkchren. Was Berlin anbetrifft, so sei man dort, wie der Gewährsmann von d'Ormeston berichtet, nach dem ersten Schreck, den die sozialistisch-kommunstischen Wahlerfolge erregt haben, bedeutend beruhigt. Man erwarte nämlich dort, datz die einzelnen Elemente der„Volksfront" einander paralysieren würden. Berlin hoffe, datz die künftige Regierung kein Programm haben werde. Hitler werde wahrscheinlich gegenüber der neuen Regierung gute Miene zum bösen Spiel machen. Man werde die neue Regierung nicht rtizen und nichts in Europa unternehmen. Man werde Frankreich Zeit geben, sich über Deutschland zu beruhigen. Frankreich beruhige sich nämlich so leicht und so rasch! Sobald aber Frankreich in seine innenpolitischen und kolonialen Wirren versunken sein werde, dann werde es an der Zeit sein, wieder mit der Faust auf den Tisch zu schlagen. Rach der Zerreitzung der Front von Stresa haben Deutschland fünf Monate lang geduldig gewartet, bis der Zeitpunkt des Angriffes kam. Jetzt sei Hitler bereit, noch länger zu warten, wenn es notwendig ist. Der Hauptschlag werde aber von feiten Berlins nach den französischen Kolonien gerichtet sein. Man erwartet dort mit Bestimmtheit früher oder später bedeutende Verwicklungen in den französischen Kolonien. Der ausländische Freund von d'Ormeston wendet sich zum Schlutz an ihn mit der Aufforderung: Ihr seid gewarnt. Gebt acht auf Eure Kolonien. Von dort wird ein Schlag gegen Euch vorbereitet! Skandinavische Wehrfrage»(bn.) Die Sozial- demokratie Schwedens hat auf ihrem jüngsten Parteitag die Notwendigkeit einer Stärkung der Landesverteidigung anerkannt und der ReichStags- fr^rion sowie der Regierung Vollmacht zur Erfüllung dieser Aufgabe erteilt. Staatsminister Per Albin H a n s s o n hat seither in mehreren Reden betont, daß es mit der Erhöhung der militärischen Kampfkraft nicht getan ist, die Unabhängigkeit und Freiheit des Landes vielmehr den Volk-masten auch verteidigungswert blechen muffen, also die sozialen und kulturellen Aufwendungen nicht eingeschränkt werden und die Last der Mehrausgaben nicht allein den Werktätigen auferlegt werden dürfen. Auch in Dänemark ist die Verteidigungsfrage— und zwar ganz plötzlich,— aufgeworfen worden. Der Generalstabschef W i t h hat nämlich im Kopenhagener Grundbefitzerverband einen Vortrag gehalten und darin di« Schaffung einer starken Luft- verteidigung für die Hauptstadt und die Wiederauffüllung der Armee auf jene 15 Regimenter gefordert, die sie wahrend des Weltkrieges al» Reutra- litätswache hatte.„Socialdemokraten" befragte den Vcrtechigungsminister Genoffen Alsing Anoer s e n wegen dieser Rede des Generalstabschefs. Der Minister hielt sein Bedauern über das Auftreten eines leitenden Militärs nicht zurück und betonte, daß es erfolgt ist, während die von der Regierung angeordnete Untersuchung über die Sicherheit des Landes noch im Gange ist. Der Wiederaufbau der Notstandsgebiete in England. Schatzkanzler Chamberlain hat in seinem neuen Budget die Schaffung xines Sonder- verbandeS zum Wiederaufbau des Notstandsgebietes mit einem Kapital von einer Million Pfund angekündigt; es handelt sich um öffentliche Mittel. Die neue Anstalt soll namentlich kleineren Unternehmungen zur Errichtung oder Ausgestaltung des Geschäftes Kredite bis zu 10.000 Pfund gewähren. Dieser Weg zur Verstärkung der Arbeitsmöglichkeiten in den Notstandsgebieten ist seinerzeit vom Staatskommiffär für diese Gebiete empfohlen worden. Roosevelt für höhere Löhne. In einer Rede im demokratischen Klub in New f)ork verteidigte Roosevelt seine Wirtschaftspolitik. Gegen den Vorwurf, daß der Bundeshaushalt ein Defizit von 3 Milliarden Dollar aufweist, verwies er darauf, daß das Einkommen der Bevölkerung von 35 Milliarden Dollar im Jahre 1ff32 auf 65 Millionen Dollar im laufenden Jahre gestiegen ist. Zum Schluß seiner Rede gab er folgendes Ziel an:„Höhere Löhne für die Arbeiter, höheres Einkommen für die Farmer bedeuten mehr Güter» die erzeugt werden, mehr und bessere Nahrung, weniger Arbeitslose und niedrigere Steuern. Das ist meine wirtschaftliche und soziale Philosophie. Ich glaube an» tiefstem Herzen, daß cs die Philosophie des Amerika von 1936 ist." „Lenau'ist von Amerika ganz besessen. Er läßt sich nichts einreden, denn seine ganze dämo- nische Phantasie macht ihm da Dinge vor, die ganz nach seinen Wünschen sind... Europa verfault immer mehr in der Gemeinheit, und auch mir wird ganz bang in ihm... Lenau denkt an gar nichts mehr, als an die Reise und das Wesen in Amerika...", so schrieb der alte Justinus Kerner am 11. März 1832 einem Freund, als Lenau von seinem Plane, nach Amerika auszuwandern, nicht abzubringen war. Wenige Monate später weilte Lenau müer zweihundert Auswanderern auf einem Rheindampfer, der sie nach Amsterdam bringen sollte. Es waren arme Leute aus Schwaben und Baden, einer Ausivanderer-Gesellschaft hilflos unwissend in die Hand geaeben; die Direktion betrog sie, schon auf dem Rhein kam es zu furchtbaren Austritten mit dem Vertreter der Gesellschaft, welche die Menschen verfrachtete wie Vieh.„Nicht nach Amerika, nicht nach Amerika", jammerten die Kinder der Auswanderer. Zahllos strömten in den dreißiger und vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Massen armer Bauern und Manusakturarbeiter über die Grenzen Deutschlands. Es war die zweite große Welle erzwungener Auswanderer, die sich aus Deuffchland in fremde Länder ergoß; sechzig Jahre zuvor hatten sich Schwaben und Westfalen verleiten lassen, den Kolonisationspro? festen der Zarin Katharina II. Glauben zu schenken; Zehniausende verließen die Heimat und zogen unter unsäglichen Mühen nach Rußland in die mittleren Wolgagebiete und siedelten sich dort an. Als eine Kommission erschien, um die Beschwerden der Kolonisatoren festzustellen» sie an die Zarin weiterzuleiten, wurde der Leiter dieser Kommission seines Amtes enthoben uno mußte schleunigst Rußland verlassen, weil man in Petersburg die Wahrheit nicht hören wollte. Der Führer dieser Kommission war der Naturforscher Johannes Reinhold Forster, in seiner Begleitung befand sich sein zehnjähriger Sohn Johann Georg, jener Forster, der später mit Cook um die Welt segelte, in bis dahin unerforschte Südpolargebiete vordrang, diese Fahrt in einem fast vergessenen, aber herrlich Natur- und Inselbewohner der Südsee schilderndem Reisebuch überliefert hat, in Kassel, Wilna und Mainz vergeblich Boden zu fassen suchte, 1792 in den Strudel der Revolution gerissen wurde und zu den wenigen Deutschen jener Tage gehörte, die sich rückhaltlos für die ftanzösische Revolution einsetzten. Als die siegreichen Heere der Jakobiner in Mainz eindrangen und die Mainzer Bürger den Freiheitsbaum umtanzten, war eS dieser Forster, der sich der republikanischen Regierung zur Verfügung stellte, Manifeste gegen die deutschen, Fürsten schrieb, die Standesherren aus dem Lande verjagen half und im Pariser Konvent im April 1793 den Anschluß der rheinischen Republik an Frankreich verkündete. Neun Monate später starb Forster, dessen Reiseschilderunyen vom Niederrhein zu den schönsten klassischen Reisebüchern gehören, einsam in einer Dachkammer einer Pariser Gasse als Emigrant, arm, verlassen, geschmäht und mißverstanden, vom eigenen Vater verflucht, der ihn an den Galgen wünschte, von der Frau verlassen; Goethe allein fand herzliche Worte des Bedauerns für diesen Menschen, der nur seiner Ueberzeugung gefolgt war, zu den ersten deutschen Demokraten zählt und bereits von sozialistischen Ideen erfüllt war. Eine Frau, Caroline Schlegel, die„Vielgeliebte", die in der Mainzer Zeit Forster als Kameradin treu zur Seite stand, bekannte:„Bei Forsters Tod war mir, als hätte ich ein Kind in den Schlaf gewiegt." Sein Grab ist unbekannt, sein Werk fast vergessen. Er war ein deuffches Stiefkind, und die Verse eines andern deutschen Stiefkindes— Georg Herwegh— sind wie für ihn gedichtet: Du wirst nicht hingehn wie das Abendrot, Du wirst nicht stille wie der Stern versinken. Du stirbst nicht einer Blume leichten Tod, Kein Morgenstrahl wird deine Seele trinken. Wohl wirst du hingehn, hingehn ohne Spur, Doch wird das Elend deine Kraft erst schwächen. Sanft stirbt es einzig sich in der Natur, Das arme Menschenherz muß stückweis brechen. Mit Forster beginnt jener endlose Trauerzug so vieler deutscher Dichter und Schriftsteller, die im Ausland leben mußten, weil sie in Deutschland die Wahrheit nicht sagen dursten. Der Anherr dieser Schar von Ausgestotzenen ist jener letzte Ritter Ulrich von Hutten, der auf der Insel Ufenau im Zürichsee nach qualvollem Leiden sein junges Leben hingeben mußte, jener Hutten, der geschrieben hatte: Ich hab's gewagt. Wie wohl meine fromm« Mutter weint,' Da ich die Sach' häti' fangen an. Gott woll sie trösten, es muß gähn. Und sollt es brechen, auch vorm End, Will's Gott, so mags nit werden g'wend't. Darum will brauchen Fuß und Hand. „Ich hab's gewagt. Es ist kein Zufall, wenn Huttens Name in der Freiheitslyrik der F r e i l i g r a t h, H o f f- mann von Fallersleben, Herwegh wiederholt auftaucht. Die Reichsacht, die über Hutten ausgesprochen war, war auch über sie verhängt. Die Generation jener Dichter, die 1815 geboren wurden, ist von einem unheimlichen Schicksal verfolgt worden. 1792 war es unter den deuffchcn Dichtern nur dieser eine— Georg For ster—, der seiner Ueberzeugung wegen kn Deuffchland nicht länger leben konnte. Vierzig Jahre später war es schön ein ganzes Geschlecht von Dichtern und Schriffftellern, welche die Polizei und die Justiz der deutschen Fürsten außer Landes jagten. Den Reigen dieser Opfer einer dumpfen Zeit eröffnet HeinrichHeine, der jahrzehntelang in der Verbannung saß, in der Matrachengruft zu Paris, einen so langen qualvollen schweren Tod starb— sechzig Jahre nach Forster. Was er schrieb, wurde von der deuffchen Zensur meist verboten. Wenn er sich empörte und seinem Groll Ausdruck gab, beleidigte man ihn, und weil er in der Fremde sitzen mußte, beschimpfte man ihn doppelt. Heine folgte Börne, diese große journalistische Begabung, der in jungen Jahren nach Fehden und Pamphleten 1837 in Paris starb; in diesem vierten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts wächst die Gärung in ganz Europa— im Juli 1830 war das Volk von Paris auf die Straße gegangen, hatte einen König verjagt und einen anderen hingesetzt erhalten, aber der furchtbare Druck, der seit dem Ende der Freiheitskriege auf Europa gelastet hatte, scheint gelockert, die Massen, in Deutschland vor allem die Bauern, geraten in Bewegung. Man kennt die starke bürgerliche demokratische Bewegung in Süddeutschland, das Hambacher Fest, den Sturm auf die Frankfurter Wache, man weiß von den immer lauter werdenden Rufen nach einem deutschen Reich. 1832 stirbt Goethe, und um dieses Jahr beginnt tatsächlich ein ganz neuer Zeitabschnitt in Deutschlands Geschichte. Man kennt jenes leidenschaftliche Manifest, in dem Büchner sich gegen die ungeheuerliche Mißwirtschaft in Hessen-Darmstadt wandte, gegen die furchtbare Steuerbelastung der hessischen Bauern. Georg Büchner wird gejagt und gehetzt, sein Kamerad Pfarrer Weidlig im Gefängnis zu Tode gequält. Dec,Dichter des„Woy- zek", des„Danton" mutz in die Schweiz flüchten. Wie der Dichter des„Michael Kohlhaas", durch dessen Seele„ein brennendes Recht floß", sieht auch er keines seiner Sturmdramen auf der Bühne. Diese beiden stärksten dramattschen Genies Deutschlands, K l e i st und Büchner, werden bei Lebzeiten durch di« Lande gejagt, den einen finden sie erschossen am Wannsee, der andere stirbt dreiundzwanzigjährig im Exil, und fast volle vierzig Jahre wird es dauern, bis man sein Werk entdeckt... und es ist nicht fange her, als der „Woyzek" in Berlin ausgelacht wurde. Zehn Jahre nach Büchner» Tod steht Deutschland in Aufruhr, auf den Barrikaden von Wien und Berlin siegt das Voll, Fürsten fliehen bei Nacht und Nebel, der Mann, der dieser dunklen Geschichte seinen Namen gab: Metternich, flüchtet unter falschem Namen nach England, in Köln ist eine Zentrale deuffcher Revolutionäre, hier erscheint die erste große deutsche revolutionäre Zeitung: „Die Neue Rheinische Zeitung", Marx und Engels redigieren sie. Und zur Redaktion gehört Ferdinand Freiligrath, der als Dreißigjähriger gedichtet hatte: „Der Dichter steht auf einer höheren Warte Als auf der Zinne der Partei." Aber der fast Fünfzigjährige steht kn den vordersten Reihen der Revoluffon. Man kennt seine Verse an Blum, den flammenden Aufruf: „Wenn wer noch knieen könnten— Wir lägen auf den Knien". Als die Konterrevoluffon gesiegt hatte und das Blatt in Köln verboten wurde, war es Fr eilig r a t h, der ihm den Schwanengesangt so bitter, so anklagend sang: Auf der Lippe den Trotz und den zuckenden Hohn, In der Hand den blitzenden Degen. Roch im Sterben rufend:„Die Rebellion!" So bin ich mit Ehren erlegen. Freiligrath mußte ins Exfl. Und mit ihm so viele, viele andere Bekannte und Unbekannte. Männer mit Namen und unzählige Namenlose, deren Geschichte einmal geschrieben werden muß. Da mutz GeorgWeerthins Exil, dessen Name in weiten Kreisen ebenso unbekannt ist wie seine proletarische Lyrik, die leider immer noch nicht gesammelt ist, nur in Anthologien auftaucht — er hat erschütternde Bergmannslieder gedichtet: Die hundert Männer von Haswell, die starben an einem Tag, die starben zu einer Stunde, die starben auf einen Schlag. Und als sie still begraben, da kamen Wohl hundert Frau'n, wohl hundert Frauen von Haswell, gar kläglich anzuschau'n. Sie kamen mit ihren Kindern, sie kamen mit Tochter und Sohn. „Du reicher Herr von Haswell, nun gib uns unfern Lohn." Der reiche Herr von Haswell, der stand nicht lange an; er zahlte Wohl den Wochenlohn für jeden gestorbenen Mann. Und als der Lohn gczahlet, da schloß er die Kiste zu. Die eisernen Riegel klangen, die Weiber weinten dazu. Weerth ist 1856 in Havanna gestorben; Engels hat ihn den ersten Dichter des Proletariats genannt. Glasglocken ersetzen Treibhäuser In England hat man wie auch bereits in Holland erfolgreiche Versuche mit Glasglocken gemacht, die das Treibhaus ersehen sollen. Man sieht hier Gärtner bei der Kontrolle der Pflanzen unter den Glashauben, die in so großer Zahl ein eigenartiges Bild bieten. Herwegh machte 1848 einen abenteuerlichen Zug mit mehreren tausend deutschen Emigranten von Paris nach Baden. Im Gefecht von Niederdoffenbach wurde die Schar von Regierungstruppen auseinandergesprengt. Herwegh gelang es, mit seiner Frau in die Schweiz zu entkommen. Er hat dann noch bis 1865 gelebt, im bittern Groll, niemals wieder ist ihm ein Gedicht gelungen, nie wieder fand er solchen Aufschwung wie einst in den„Gedichten eines Lebendigen", die ganz Deutschland erregt hatten. Da ist der Schwabe Ludwig Pfau, der das erste deutsche Karikaturenblatt„Eulenspiegel" herausgegeben hat, die Bewegung in Württemberg leitete und flüchten mußte. Von ihm stammt ein Lied „Pom Leinentuch", eine Ballade von aufreizendem Rhythmus. Hoffmann vwnFallers- leben nahm man die Profeffur in Breslau, wies ihn aus, und nun führte er ein unstetes Wanderleben, bis er arm und einsam starb. Da ist D r o m k e, der zur Redaktion der„Neuen Rheinischen Zeitung" gehörte, da. ,ist Kinkel, der jahrelang im Gefängnis saß, uud den man bitter den„spulenden Dichter" nannte, weil man ihm im Zuchthaus jede geistige Nahrung entzog und ihn dafür ans Spinnrad setzte. Da ist R e u t e r, der zum Tode verurteilt, aber begnadigt wurde und zehn Jahre auf Festung saß— eines der ärgsten Justizverbrechcn der Reaktionszeit, denn er war gewiß unschuldig. Man weiß, datz Richard Wagner in den Dresdener Aufstand 1849 verwickelt war, flüchten mutzte, in der Schweiz lebte, und daß noch bis in die jüngste Zeit hinein seine Werke bei den Hohenzollern in schlechtem Geruch standen. Wer aber weiß von den zahllosen Namenlosen,'die in Zeiten furchtbarster ökonomischer Krisen übers Meer gingen und sich allen Schwierigkeiten zum Trotz ein neues Leben aufbauten? Aber bis es so weit war, hatten sie Not und Elend zu bestehen. Lenau hat in Briefen aus Amerika die Leiden der Auswanderer geschildert, und empfand sie. so furchtbar, daß er schon nach einem halben Jahre wieder Amerika den Rücken wandte. Er konnte zurückkehren, denn ihn hatte nur die eigene innere Unruhe hinausgctrieben. Wieviele aber konnten nicht zurück, weil sie das Elend in der Verbannung dem Aufenthalt im Zuchthaus oder dem Tod auf dem Sandhaufen vorzogen l In den großen Kämpfen des amerikanischen Nordens gegen den Süden um. die Aufhebung der Sklaverei hat-eine ganz deutsche Legion unter Heckerts Führung für die Demokratie gekämpft, und viele Emigranten haben ihr Leben geopfert. W i l- helmLiebknecht, der Verwandte des Pfarrers Weidlig, war am Aufstand in Baden 1849 beteiligt, ein Zufall hat ihn vor dem Ende in den Kasematten von Rastatt bewahrt, ihm gelang die Flucht nach London. Liebknecht hat später einmal die Leiden der Emigranten erregend geschildert: Wie sie hungerten, einander befehdeten, ver- zanften, wie das Exil sie geistig aufrieb und alle Beziehungen vergiftete. Von den Dichtern, die damals Deutschland verlassen mutzten, verloren viele ihre Schaffenskraft. In der unmittelbaren Beziehung zum Volke, zu den Massen, hatten sie ihre Werke schaffen können, aber jetzt fehlte ihnen nicht nur die Möglichkeit gedruckt zu werden, sondern auch die Berührung mft dem Volke, und es gehörten ein großer Mut, aber auch der Glaube an den endlichen Sieg und vor allem die polittsche klare Erkenntnis dazu, um für eine deutsche Erneuerung weiterzukämpfen. Die Geschichte der deuffchen Arbeiterbewegung ist aufs engste mit der Wirksamkeit und Widerstandsfähigkeit der Emigration der Mitte des vergangenen Jahrhunderts verbunden, und es waren zwei große Emigranten, Marx und Engels, die der deuffchen Arbeiterbewegung ihre Stoßkraft, ihre geistigen Fundamente, ihren politischen Inhalt und ihre Zielrichtung verliehen. Seite 6 „Sozialdemokrat* Freitag, 22. Mai 1936. Nr. 120 Das Schauspielerkollektiv Truppe 1936 (Leitung: Basa Hochmann) spielt am Montag, den 25. Mai 1936, um 8 Uhr abends im großen Saale der„Urania" in Prag II., Klimentska 4, im Rahmen einer Arbeitervorstellung die zeitgemäße Revue Der Jahrmarkt von Plundersweilen nach Szenen von Goethe, Aristophanes und berühmten Zeitgenossen. Zwei Stunden Ernst und Scherz, Nachdenkliches und Erfreuliches Eintrittspreise: KL 10.—, KL 8.—, KL 6.— und KL 5.—. Kartenvorverkauf: bei Optiker Deutsch, Prag II., Koruna, im Verein Deutscher Arbeiter in Prag II., Ve Smeckäch 27, und bei den Vertrauensmännern Die Beran st alter: Verein deutscher Arbeiter, Zentralstelle für das Bildungswesen, Bildungsausschuß der DSAP, Prag ttwirM Ä LIM Staatliche Getrridebewirtschaftung in Bulgarien. Ter Handel mit den meisten Bodenerzeugnissen ist in Bulgarien verstaatlicht. Der Staat kauft jede Menge auf und setzt Minimal- 'preise fest. Weizen wurde zu 300 Lewa und Roggen zu 225 Leiva je dz. von den Bauern aufgetauft und zu 380 bis 420 bzw. 290 bis 315 L>va für den Inlandsverbrauch weitergegebcn. Die "Vcrdienstspanne dient zur Finanzierung des staatlichen.Handelsapparates und der Ausfuhr, die zu den weit niedrigeren Weltmarktpreisen erfolgt. Das Monopol der staatlichen Getreidedirektion ist in der letzten Zeit erweitert und ergänzt worden. Nicht nur der Handel mit Weizen, Roggen und Mengkorn liegt in den Händen dieses Instituts,| sondern auch der Handel mit Sonnenblumenkernen, Hanf, Reis, Baumwolle und Baumwollsaat. ; Keine Diskriminierung der holländischen Kunstfcidenimporte. In letzter Zeit wurde in der..holländischen Presse eine Kampagne gegen die tschechoslowakische Einfuhrpraxis in bezug auf die Einfuhr holländischer Knnstseidengarne ger- führt. Die hiebei erhobenen Vorwürfe entbehren jedoch jeder Grundlage, da die tschechoslowakischen Stellen die im Vertrag von 1934 mit 625.000 f .Kilogramm festgesetzten Einfuhrmengen nicht nur! einhiclten, sondern sogar Ueberschreitungen zulie-! ßcn. So erreichte die Kunstseideneinfuhr aus Hol-1 land i. I. 1935 1,2 Mill. Kilogramm, also die. doppelte Höhe der vorgesehenen Menge. Auch im erstell Jahresdrittel 1936 bewegen sich die tsche- choslowakischen Klmstseidenbezüge aus Holland mit über 500.000 Kilogramm weit über der vorgesehenen Menge. Nach dem Vertrage verbliebe für 1936 nur mehr 125.000 Kilogramm zu liefern. Trotzdem haben sich aber unsere zuständigen Stellen bereit erklärt, für das zweite Halbjahr 1936 eine Einfuhrmenge von 200.000 Kilogramm zuzugestehen, doch erwartet man, daß auch Holland der Tschechoslowakei in gewissen Kontingenten enkgegenkommen würde. Erfolge systematischer Ausfuhrförderung in Japan. Die erste große Schiffsladung japanischer Butter, ist in London angekommen, nachdem klei nere Sendungen schon seit einem Jahr eingelangt i waren., Es handelt, sich um 50 Tonnen und man faßt dies als ernsten. Versuch Japans auf, sich desi wichtigen englischen Absatzmarktes für Butter zu bemächtigen. Seit 1925 hat die japanische Regierung die Lebensmittelindustrie auf verschiedenen Wegen gefördert und eine wesentliche Steigerung der Produktion erzielt. Japanische Agrarstuden- tcn wurden ins Ausland geschickt, um dort-moderne I Produktionsmcthoden zu lernen, besonders nach Großbritannien. Australien und Neuseeland; heut? hat die Qualität japanischer Milchprodukte jene Länder bereits erreicht. Die Regierung trägt ein Viertel der Kosten eingeführten Zuchtviehs und verleiht kostenlos das Zuchtvieh der staatlichen Er- perimegtierstation. Kondensmilch wurde noch bis 1930 nach Japan eingeführt, heute ist Japan auch hier Ausfuhrland. Verlanget überall Volkszünder\ Urania-Kino, Klimentska 4. Fernsprecher 61623. Oie mühle im Sdnuarzniald Lustspiel. L Spwv- Spic£- Körperpflege Kunst und Wissen t gelehrigen Be- Clus der Harter die find und KL. von Für im für und Jaro Prochäzka Die Ausstellung in der I e d n o t a u m e l c ü h t v a r n. t) ch bietet einen umfassenden Ueber- ettunq des Reuen Deutschen Theaters, e r P a r i s e r Z u g. D 2.— und Dinge, der Farben und des malerischen Verklärung des gcschäf- Id. Brra Koren in„Spionagekanzlei Nr. 2". Das Mischverhältnis von ie einigemale ge- bedeckt, ähnlich SJ, Prag H. Die Heimstunde am . Samstag entfällt.' Samstag, halb 5 Uhr. Treffpunkt Liga, Nachtwanderung. Wer nicht die Nachtwanderung mitmachenTann, komme am S o n n t a g um halb 9 Uhr zur Endstation der 21er-Elektrischen in Hodkovstky. Pflichtbeteiligung I RW-Prag Sonntag, den 24. Mai. Ausmarsch ins „Blaue".— Treffpunkt: Endstation der 17. und Kl- Elektrischen in Branik 7 Uhr früh:— Nachmittags Zusammentreffen mit dem„Atus" am DTJ-Sporr- platz im Libuscr Tal. größere Dosis Morphium und starb kurze Zett, nachdem er auf die Klinik Hynek gebracht worden war. Das Motiv der Tat ist unbekannt. 76jähriger Arzt überfahren. Der 76jährige Militärarzt i. R. Dr. Josef S t r n a d aus Bu- bentsch wurde gestern in der PellLstraße in Bubentsch vom Motorrad des Jan C hlupäLek aus Tejwitz erfaßt und mit einem Bruch des rechten Armes auf die Klinik Jiräsek gebracht. Den Chauffeur trifft an dem Unfall keine Schuld, da ein gerade vorfahrendes Lastauto das-Ausweichen unmöglich machte. Quartiere gesucht! Nach dem Rcichsjugendtag, am 2. Juni, kommen etwa 50 dänische und schwedische Jugendgrnofsen nach Prag. Wir benötigen für sie Privatquartiere,»md zwar für drei Nächte. Die Grnosien und Genossinnen, dir die Möglichkeit haben, einen skandinavischen Gast zu beherbergen, werden gebeten, dies im Partriheim, Rärodni 4, schriftlich oder telephonisch zu melden. Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganisation Prag. Freitag, den 22. Mai. um 8 Uhr abends wichtige Sitzung der Bezirksvertretung im Partei- beim. Für den Armeeflugtog, der am Sonntag auf dem Prager Flugplatz in Kbely stattfindet, wurden ganz außerordentliche Vorkehrungen getroffen, um den reibungslosen An- und Abtransport der erwarteten Massen zu bewerkstelligen. Für die Zuschauer sind drei Räume A, B und C reserviert, die außer Stehplätzen auch Tribünen und Bänke mit Sitzplätzen aufweisen. Der Zuschauerraum A befindet sich in der Nähe der Hangars der Firma Aero. Hie- her werden Sonderzüge vom Denisbahnhof dirigiert, die in der Zeit von 11.30 bis 14.15 in kurzen Intervallen fahren- Von der eigens errichteten Station„Hloubetin" find noch 10 bis 15 Minuten zu Fuß zurückzulegen. Außerdem führen Wagen der Elektrischen Nr.-5 hieher, die mit der Bezeichnung „Hledisre A" versehen sind. Der Zuschauerraum B befindet sich im Westteil, des Zivilflugplatzes,.Hier befindet.sich die Ehrentribüne für den Präsidenten der Republik, die Mitglieder der Regierung, etc. Hieher führen die Elektrischen 15 und 19, sowie Sondcrwagen vom Museum, vom Karlsplatz, vom Nationaltheater, vom Nämcsti Republiky und vom Ausstellungsgelände. Sie tragen die Bezeichnung: „Hledistk B, smLr VhsoLany". Der Zuschauerraum C befindet sich bei der Ortschaft Kbely, fünf Minuten von der gleichnamigen Station. Hieher werden Sonderzüge ausschließlich vom. Wilsonbahn- h ö f dirigiert, und zwar in der Zeit von 10 Ahr bis 14 Uhr 30, Tie Fahrkarten nach Hlouberin oder Kbely gelten gleich als Eintrittskarte für die Räume A, bzw. C. Sie sind im Vorverkauf auf den betreffenden Bahnhöfen erhältlich. Abzeichen, zum Eintritt auf die Stehplätze berechtigen,, für den Raum A grün, für den Raum Ä blau für den Raum E rot. Ein Abzeichen kostet 5 Für Sitzplätze im Raum A ist ein Zuschlag 5 KL, im Raum B von 10 KL zu bezahlen. Tribünenplätze sind im Raum C 15 KL, Raum B 20 KL als Zuschlag zu bezahlen, Sitz« auf der Ehrentribüne 35 KL. Militär Kinder zahlen statt 5 KL nur 2 KL als Grundgebühr für die Stehplätze. Für den Flugtag gilt ein a ll g em e i n e s Photograph i er ver- b o t, das streng gehandhabt werden wird.• Mit dem Auto von Tavle nach Stichvvice. Im Sommer Verkehren an jedem Sonntag(und auch am Pfingstmontag, den 1. Ium) vom Bahnhof in Davie nach Stechovice, dem Ausgangspunkt von Wanderungen in die Stromschnellen, und zurück Autobusse der Staatsbahnen zum Preise von 2 KL, und zwar im Anschluß an die Züge der Strecke Prag—Jilovc. Ein rabiater Gast. Gestern um 11 Uhr vormit-. tags kam der 48jährige Geschäftsreisende Wenzel Brlck aus Prag XI. betrunken in den Ausschank Smid in Prag-Weinberge und forderte die Gattin des Besitzers. Helene, auf, ihm weiterhin Bier auf Kredit zu geben, obwohl er schon einen größeren Betrag schuldig war. Frau Smid verlangte wenigstens, 10 KL Anzahlung und forderte Bilek, als Lieser sich weigerte, auf, mit ibtem Manrrzu sprechen- Bilck geriet daraufhin in Wut, warf seine mit Wäsche gefüllt« Aktentasche fort und zog sein Taschenmesser, mit dem er Frau Smid in den.Bauch stach. Auf die Hilferufe der Ueberfallenen gelang es den Kellnern und Gästen, Bklek zu überlvältigen und auf die Polizeiwache schaffen, zu lassen. Frau Smid wurde von der zufällig anwesenden Aerztin Dr. Jakub verbunden: ihre Verletzung ist leicht. Selbstmord im Krankenhaus. Ter 26jährige Lithograph Karl Wizina aus Prag XU. sprang gestern nachts aus dem Fenster eines Pavillons im j Weinberger Krankenhaus, wo er sich in Pflege be-i fand und verletzte sich so schwer, daß er kurz nach feiner Einlieferung auf die chirurgische Klinik verschied. Er hatte bereits vor einigen Tagen einen Selbstmordversuch mit Lysol gemacht. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Rollender Gehsteig in Brand gesteckt. In der Nacht auf gestern brach im Haus am Belvedere, in dem sich der rollende Gehsteig befindet, ein Feuer aus, das die Feuerwehr jedoch bald löschen konnte. Bei deren Anfiinft stand das Zell der Anna C h a r- v ä t, das sich neben dem Haus befindet, offen; die! Samstag 7sh: Fra Diavolo, A 1.■— Sonntag 7ü: Madame Dubarry, B 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute Freitag, abends 8 Uhr:„Ein Volksfeind", Theatergemeinde des Kullurvcrbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: Salzburg a u s- verkauft.— Sonntag 3: Menschen aus der Eisscholle, 8: Salzburg ausverkauft. vytvarnych bietet einen umsasiendcn lieberblick über das Schaffen des jetzt fünfzigjährigen Künstlers. Es ist das ausgereifte Werk eines romantischen Realisten. Prochäzka sucht die Stadtansichten, die seine bevorzugten Motive sind, wo sie in bewegter Gestaltung sich aufbauen: Prag mit dem Hradschin über den kantigen Basteien des Vysehrad, Prag über der Stromlandschaft von Troja, Prag vom Petiin. Dramatische Unruhe des Lichts, der Lüfte, der Wollen macht in seinen Siadtland- schaften das Ruhende belebt. Tas lichte Paris malt er in Regen und Schnee, Wind und Regen malt er auch im„sonnigen Süden", in Venedig. Auf einem Bilde»Wolkenbruch über Prag" steigert sich das Gejege berste über Dölkui, das Nieoernurzen des Regens, das Flantmen gelbroten Hagelwetterscheins zur Heftigkeit einer Feuersbrunst. Derartige Dramen der Lüfte entfesselt Prochäzka auf Bildern von der Größe einiger Onadratineler. Ebenso gern aber fängt er das zarte Spiel des Lichts auf allen Architekturen in kleinen, mit schwarzer Kreide sehr intim gezeichneten Skizzen ein. Und immer wieder zieht ihn das Gewimmel der Märkte an, das fapbige Geflimmer der Blumen, der Früchte und Gemüse, das Treiben der Händler und Käufer. In Prag malt er diese Marktbilder, in Olmütz, in Kleinster, und von allen seinen Reisen bringt er sie mit,, aus Paris, Venedig, Gent, Antwerpen, London. In Venedig malt er nicht südliche Farbenpracht und- den „ewig blauen" Himmel, sondern den grausilbernen Schimmer des Fischmarktes. Wohin er kommt, stellt er seine Staffelei im Getriebe der Märkte auf, immer von neuem verlockt vom vielfältigen Spiel der Gestalten Lichts, von der tigen Alltags. Spielplan Freitag, 7) .Polizei hatte den größten Teil des Mobilars hin- ausgetragen, doch wurde der Rest, ebenso wie die Inneneinrichtung des Hauses, das den Gehsteig beherbergt, vernichtet. Die Polizei verhaftete eine Person, die kurz vor Ausbruch des Feuers auf das Dach des betreffenden Hauses gekrochen war, offenbar, um den Brand zu legem Morphium. Der 26jährige Mag. Pharm. Zdenek Pospisil aus Smichow nahm gestern nachmittags in der Bar des Cafes„Manes" am Riegerkai eine Eine Schüler-Feuerwehr in England In der Stowe-Schule in Bucfinghamshire wurde eine Schüler-Feuerwehr gevi'het. Die Jungen sind'mächtig stolz daraus, selbst den Feuerschutz für ihre Schule übernommen zu haben und sind fleißig bei den Aebungen. Mr bauen eine Volleyball-Anlase Tas Volleyballspiel wurde fast ein unvermeidlicher Bestandteil aller Flußbäder, Tennis- und anderer Klubs sowie fast aller Sportsektionen der | DTJ. Jung und alt beenden gewöhnlich um 5 Uhr herum ihre ganztägige Plage und eilen dann auf den Sommer-Turnplatz, um ihr obligates Volleyball zu | spielen und so ihre Sehnsucht nach Erholung zu, bc- friedigen. Wie groß ist jedoch ihre Enttäuschung, wenn sie auf dem Spielplätze Waffcrpfützen nach einem auch nur kurzen Regen vorfinden. Was beginnen? Besen werden zum Wegkehrcn des Wassers genommen, was jedoch falsch ist, denn dadurch werden nur jene Stellen vertteft und damit die nächsten Pfützen vergrößert. Die wichtigste Funttion ist, den Spielplatz gut zu. fundieren, d. h. die richtige Legung der Grundschichte. Es empfiehlt sich, diese Schichte aus größeren Schlackestücken und Steinen von zirka fünf Zentimeter Größe zu bilden. Gut ist es, scharfkantige Steine auszusuchen und dieselben aus der aufgetragenen Schichte mit der Spitze nach oben herausragen zu lassen, aus Gründen, welche nochmngeführt werden. Tie Grundschichte(zirka fünf Zentimeter) wird ordentlich begossen, mit einer leichten Walze gewalzt, damit die Steine etwas in die Unterlage gedrückt, aber nicht zu viel zermalmt werden. Dann wird auf dies« womöglich feuchte Schichte eine neue (zirka drei Zentimeter) aus größeren Schlackenkörnern(zirka ein bis zwei Zentimeter Durchmesser«, aber nicht größer, aufgetragen, damit sie zwischen die Sicinspihcn der Grundschichte gelangen und dadurch eine ordentliche Bindung beider ermöglichen. Tie neue Schicht wird gründlich mit Wasser begossen, einigemale gewalzt, zuerst mit einer leichten und später— wenn möglich— mit einer schweren Walze. Auf diese Art wird eigentlich eine kompakte, poröse Schichte erzeugt, welche für das Aufsaugen des Wassers nach Regengüssen wichtig ist. Die erwähnte Schichte wird nach gründlichem Walzen respektive Stampfen und Begießen auf der Oberfläche etwas aufgerisien zum Zwecke einer guten Bindung mit der Oberschichte. Diese(zwei bis drei Zentimeter) Schichte besteht aus feinen Schlackenkörnern und Sand wegen Verschmelzung und aus Lehm oder Erde wegen der Bindekraft. Schlacke, Sand und Lehm ist annähernd 3:5:2. Oberfläche wird neuerlich begosien, walzt und eventuell mit Feinmehr wie es bei Tennisplätzen geschieht. Nun, erschreckt nicht vor dieser schreibung. Legt die Hände ans Werk und wir garantieren, daß ihr zufrieden sein werdet. OWW-ArM << Bezugsbedingungen: Bei Einstellung ms Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 4S.—halljährio KL 96.—, ganzjährig KL 192—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripte» erfolgt nur bei Einsendung der Rerourmarken.— Tie Zeitungsfrankatur wurde vrn der Post- und Tele- graphendirektwn mit Erlaß Nr. 13.800/V11/1930 bewilligt..— Druckerei:.„Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag.