Sonntag, 24. Mai 1936 Nr. 122 16. Jahrgang 'ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,fochova«L Telefon sxtz. HERAUSGEBER« SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Ehiztlprals 70 IWInr («inschli.Blich$ Haller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 7 Tage Alles für den Reichsjugend- und Kreisarbeitertag: Werbt I Agitiert! Arbeitet! Negus nach London unterwegs Bis Gibraltar auf einem britischen Kreuzer Jerusalem. Der Negus ist in Begleitung seiner zwei Söhne» der Prinzessin Tsahai» seines Sekretärs und des Ras Kassa nach Haifa abgereist und hat sich dort an Bord des britischen Kreuzers„Capetown" begeben» der Samstag um 23 Uhr Haifa mit dem Kurs auf Gibraltar verläßt. Dir Kaiserin bleibt vorläufig in Jerusalem. Bon Gibraltar wird sich der Negus wahrscheinlich auf einem Paffagierdampfrr nachLondon begeben. Wie der amtliche britische Radiodirnst berichtet» ist noch nicht bekannt» wie lange sich der Regus in England aushalten wird. Hollands Bischöfe gegen den Nationalsozialismus Amsterdam Nach einem Hirtenbrief des holländischen Episkopats werden die heiligen Sakramente jenen holländischen Katholiken» welche Nationalsozialisten sind» nicht mehr erteilt werden. In dem Hirtenbrief wird erklärt, der holländische Episkopats sei fest davon überzeugt, daß die Interessen der holländischen katholischen Kirche i n gefährlicher Weise bedroht wären, wenn die Nationalsozialisten zur Macht gelangen würde«. Spanisches Sondersericht gegen faschistische Richter Madrid. Dem Parlament wurde ein Gesetzentwurf vorgelegt» der Strafmaßnahmen gegen Richter Vorsicht, die gegen die Verfassung verstoßen haben. Darnach werden die beschuldigten Richter vor ein S o n d e r g e r i ch t gestellt werden, das sich aus fünf ordentlichen Richtern des Obersten Gerichtshofes und zwölf Geschworenen zusammensetzt. Berufung kann beim Obersten Gerichtshof eingelegt lverden. Das Gesetz soll rückwirkende Kraft haben. Palästina Wir hören zwar, daß Sie Lire bekommen, im Interesse der nordischen Sache, liebe arabische Brüder, nehmen Sie doch auch ein paar Mark an! Mißglückter Nazl-Ueberfall auf Starhembergs Schloß Feuergefecht mit Gendarmen/ Zwei Tote, acht Verhaftete Wien. Der oberösterreichische Sicherheitsdirektor verlautbart: In der Nacht vom 22. auf den 23. Mai unternahmen nationalsozialistische Parteigänger einen Einbruchsversuch in das Fürstlich-Starhembergschr Schloß Waren berg in Oberösterreich, weil sie dort offenbar Waffen des Heimatschutzrs vermuteten. Da die Behörden rechtzeitig von dieser Absicht Kenntnis erlangt hatten» war das Schloß entsprechend gesichert und es konnte der Anschlag vereitelt werde». Beim Einschreiten der Gendarmerie eröffneten die Nationalsozialisten das F eu e r, das von den Gendarmen erwidert werden mußte. Hiebei wurde einer der Angreifer getötet, ein zweiter schwer'vrrwundet. Die einschreitenden Gendarmen blieben unverletzt. Acht Nationalsozialisten, die an der Tat beteiligt waren, wurden festgenommen und emge- liefert. Der Ueberfall forderte noch rin weiteres Opfer: Der zweite schwerverletzte Nationalsozialist starb Samstag vormittag« in Linz im Krankenhaus des Gefängnisses. Abessinien. Pierre Mille, ein Fachmann auf kolonialwirtschaftlichem Gebiete, schreibt im„E x- c e l s i o r": Die Tatsache, daß italienische Truppenabteilungen Abessinien bis hart an die französische Grenze besetzt haben, ist umso ernster, als die römische Regierung die Ansicht vertreten will, daß das gesamte abessinische Staatsterritorium seit der Abreise des Negus als herrenloses Land angesehen werden soll und daß aus diesem Grunde keine vorherigen Abkommen und Verträge Gültigkeit besitzen. Frankreich, welches auf seine 80 Kilometer Wüste in Dschibuti angewiesen ist, ist tödlich getroffen, weil auch dieses Stück Land ihm von einer Macht genommen werden könnte, die die hochgelegenen Gebirgsplateaus Abessiniens besetzen wird. Könne man diese Unsicherheit in Sachen des Hafens zulassen, welcher der einzige Zufluchtsort zwischen Marseille und Madagaskar, Saigon, China und Neu-Kaledo- nien für die französischen Handelsdampfer, U- Boote und Hhdroavione ist? Auch die diplomatische Korrespondentin des Blattes„L'Oeuvre" in Genf Madame Ta- b o u i s befaßt sich mit dem Schicksal Französisch- Somalilands. Die französischen Interessen in Abessinien sind für das französische Kolonialreich unschätzbar. Der Hafen in Dschibuti bildet ein unentbehrliches Bindeglied zwischen Frankreich, Jndochina, Neu-Kaledonien und Madagaskar. Wenn der Fall eintreten sollte, daß Frankreich um diesen Hafen käme, würden die fran- Kaunas. Das Standgericht in Kaunas verhandelte am Samstag einen Prozeß gegen eine Gruppe von 17 Personen, welche Ende 1935 in einem Rachbarstaate Flugblätt er druckten, die in drei Bezirken in Litauen verbreitet wurden. In den Flugblättern wurden die Landwirte aufgefordert, keine Steuern mehr zu zahle«, die Gesetze nicht zu beachten und die(faschistische) litauische Regierung zu stürzen. In anderen Flugblättern wurden die lokalen Behörden terrorisiert und die Ortsfunktionäre mit dem Der Havas-Korrefpondent in Wien meldet zu dem Ueberfall auf das Schloß Waxrnberg» daß über die Motive dieses Ueberfalles Stillschweigen bewahrt wird. Trotzdem glaubt man» daß die Angreifer damit rechneten, daß Starhemberg, der eben in Wien weilt, sich auf seinem Landsitze befinden wird. Auch ein Hochverratsprozeß Von 60 Nazi 45 freigesprochen Graz. Der Hochverratsprozetz gegen 60 Eggenberger Nationalsozialisten,, der am Montag dieser Woche begonnen hatte, wurde Samstag zu Ende geführt. Die beiden Hauptangeklagten wurden wegen Hochverrates zu 18 Monaten, bzw. einem Jahr schweren Kerkers verurteilt. Ferner wurden zwölf Angeklagte wegen Geheimbündelei zu Arreststrafen von sechs Wochen bis vier Monaten und ein Angeklagter wegen Uebertragung des Waffenpatentes verurteilt. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. DieStaatsanwall- schaft meldete die Nichtigkeitsbeschwerde an, erhob aber gegen die Enthaftung der Freigesprochenen keine Einwendung. zösischen Schiffe nicht bloß eine Haltestelle zwischen Marseille und Hanoi verlieren, sondern es würde auch das französische Kolonial-Prestige im Femen Osten einen derartigen Schlag erhalten, daß es sich schwer von ihm erholen könnte. Die Bedeutung Dschibutis ist von der französischen Eisenbahn nach A d d i s A b e b a ab- hängig. Es ist bereits heute offensichtlich, daß die Italiener bestrebt sind, mit allen Mitteln die Bahn anzukaufen, oder sie durch Ueberleitung des Verkehrs nach Assab zu entwerten. Dies würde aber das Ende Dschibutis bedeuten«, Acht Monate Gefängnis für den Chefredakteur der„Action Francaise“ Paris. Das Pariser Gericht verurteilte den Chefredakteur der„Action Frangaise" Charles Maurras zu acht Monaten Gefängnis unbedingt wegen eines Artikels, in welchem er offensichtlich zur Ermordung politischer Gegner und insbesondere Leon Blums aufgefordert hatte. Arabische Führer Interniert Jerusalem. Mit Rücksicht auf die andauemde Spannung-zwischen den-Arabern und den Juden hat die Regierung von Palästina strenge Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung angeordnet. Durch ein eben erschienenes Dekret wird die Internierung einiger arabischer Führer an bestimmten Stellen verfügt. Tode und mit der Brandlegung bedroht, wenn sie der Aufforderung zur Riederlegung ihrer amtlichen Funktionen nicht nachkämen. Alle Angeklagten wurden verurteilt, u. zw. sieben zum Tode, sechs zu lebenslänglicher Zwangsarbeit» drei zu je 15 Jahren Zwangsarbeit und rin Angeklagter zu einemJahr Gefängnis. Drei der zmn Tode verurteilten Angeklagten wurden vom Präsidenten der Republik begnadigt. Die Luftwaffe im abessinischen Krieg (E. Bl.) Lassen sich aus den Erfahrungen, welche die Italiener bei ihrem Raubkrieg mit der Luftwaffe gemacht haben, Schlüsse auf den Kampstvert dieser Waffe in einem etwaigen europäischen Krieg ziehen? Es ist klar'und wird von allen Sachverständigen betont, daß solche Schlüsse nur in begrenztem Umfang und nur mit großer Vorsicht gezogen werden können. Und doch, es handelt sich um die erste größere Erfahrung mit der modernen Luftwaffe in einem wirklichen Krieg. Wahr ist die Hauptwirkung, welche die Militärwissenschaft von den Fliegern erwartet:/ die FerMvirkung über Länder und Meere auf die großen See- und Lufthäfen, auf Industriezentren. Großstädte und Berkehrsmittelpunfte konnten nicht in Erscheinung treten, der Luftschutz kam kaum anders als durch die Flucht der Bevölkerung aus den bedrohten Orten zur Geltung. Der„aktive Luftschutz" erfolgte nur an wenigen Orten durch Fliegerabwehrkanonen und es wird von Kritikern Englands hervorgehoben, daß es weder durch eine entsprechende Anleihe an»das überfallene Land noch durch ernste Durchführung der Sanktionen eine entschloßene Haltung gezeigt, ganz besonders aber bei der Ausrüstung mit Flugzeugen und Abwehrgeschützen Abessinien im Stich gelassen hat. Demgegen steht Italiens Luftflotte in der ersten Reihe, der Zahl wie der modernen Ausrüstung und der Führung nach. Ein italienischer General, D o u h e t, hat die Theorie des totalen Luftkrieges geschaffen, ein zweiter, B a l b o, mit einer eigens ausgebildeten Mannschaft die ersten Geschwaderflüge über Kontinente und Ozeane organisiert. In einer eigens erbauten„Fliegerstadt", Guidonia bei Rom, haben dann Theorie und Praxis der militärischen Luftfahrt einen Konzentrationspunkt erhalten. Sowohl der Zahl als der Kriegsverwendung nach waren diese Vorkehrungen in Abessinien nur teilweise in Verwendung. Und doch ist es richtig, was ein Betrachter des Krieges mit Staunen feststellt,' daß Italiens Kriegsführung nicht dem Größenverhältnis der modernen Großmacht zu dem kriegsschwachen Kolonialstaal entsprach, sondern daß Italien sich mit voller Wucht, als gelle es einen Kampf um das eigene Sein oder Nichtsein, auf den kleüien Gegner stürzte. Mit rasender Steigerung antwortete es auf die Gegenwehr des tapferen Völkchens und daraus wie aus dem Ausbleiben jeder wirksamen Hilfe für Abessinien erklärt sich das rasche Ende des Krieges. Nur aus der Eigenart der militärischen Aufgabe erklärt es sich daher, wenn die italienische Luftflotte nur ausnahmsweise als eine selbständige Waffengattung auftrat, d. h. ohne Infanterie und Artillerie operierte. Italien als erste Macht hat die selbständige Luftwaffe geschaffen und beabsichtigt deren Einsetzung in einem eurö-- päischen Krieg. Trotzdem konnte man in drei Fällen Beweise von der grausamen Durchschlagskraft der bloßen Fliegerwirkung erhalten, Um Mitte September wurde eine Schlüsselstellung der Ogadenfront, inGorrohei, durch bloßes Fliegerbombardement genommen. Der Kommandant, Awefork, soll(nach einem Bericht der„Neuen Zürcher Zeitung") dem Negus versprochen haben, die Stellung um jeden Preis zu halten. Awefork wurde durch Bombensplitter getötet; nach mehrtägigem mörderischem Abwurf von Sprengbomben floh die Besatzung des Lagers nach Norden und ließ viel Kriegsmaterial zurück; die italienische Landtruppe rückte ohne Widerstand in die verlassenen Stellungen ein.— Am 29. März wurde die Stadt Harrar von 35 Fliegern durch dreistündiges Bewerfen mit Brandbomben einge- äschert. In seiner Furchtbarkeit ist dieser Untergang einer Stadt nur ein kleines Abbild dessen, was einer Großstadt bevorstünde, auf die, wie bedeutende Militärs(z. B. Altrock für den Fall Berlins) geschildert haben, viele Tausende von Brandbomben abgeworfen würden.— Die dritte Art von Fliegerbomben, die Giftgasbomben, scheinen nicht die einzige, aber die ausschlaggebende Wirkung bei der Zurückdrängung der abessinischen Nordfront im März und April geübt zu haben. Anfangs hielten sich die Italiener an das Verbot der Anwendung von Giftgasen.(Das Verbot war auf der Waffenhandelskonferenz zu Genf, 1925, beschlossen und u. a. von Italien un- Späte Einsicht... Französische Befürchtungen wegen Dschibuti Paris. Die Pariser Presse beschäftigt sich nunmehr sehr ernsthaft mit der Frage des Schutzes der französischen Interessen und Rechte in Faschistenterror In Litauen Vier Hinrichtungen wegen Flugblattpropaganda Seite 2 Sonntag, 24. Mai 1936 Mr. 122 terzeichnet, jedoch nicht von allen Vertragsstaaten zeuge kreuzten, muß zum Teil durch die„ mora- 13taliens wendeten. Hätte nicht dessen Luftflotte, unsere gemeinsame Arbeit und wir sind Mitglieder ratifiziert worden.) Noch in der ersten Dezember- lische" Wirkung der Luftflotte in jenen Zustand die englische Schiffahrt, z. B. die Kriegshäfen der einer Arbeiterfamilie. Nie hatte die gewerkschaftliche woche stellten die Kriegsberichterstatter fest, 3ta- geraten sein, der den Negus zur Flucht veranlaßte. Insel Malta, mit Vernichtung bedroht, so wäre Einheit eine größere Bedeutung als in der Zeit der lien halte sich an diese Genfer Konvention. Aber So ist die Lehre von der entscheidenden Bedeu- sicherlich Englands Haltung weniger ängstlich ge- Wirtschaftskrise und der politischen Gefahren. Es am 30. Dezember bereits protestierte der Negus tung der Luftwaffe sicherlich nicht entkräftet, eher vesen. Auch hier hat es sich gezeigt, daß der handelt sich nicht um eine formale, sondern um eine beim Völkerbund gegen einen am 23. stattgehab- bestätigt worden. faschistische Staat, indem er bedenkenlos mit der ideelle Einheit. Wir müssen vor uns nicht ten Gas bombenangrif f. Nach einer Ha- Schließlich sei noch der größeren Zusammen- nie gesehenen mörderischen Wirkung moderner nur das Ziel sehen, sondern auch die Wege, die zum bas- Meldung mußten damals die Abessinier an der hänge gedacht, welche den Kriegsverlauf zugunsten Kriegsmittel droht, politische Vorteile geivinnt. Biel führen. Das Wert, das wir in der gemeinsamen Tigre- Front zurückweichen, weil sie ohne Gasmasfen, gegen die Giftgasangriffe ohnmächtig waren. Ende Feber vergasten italienische Flug Die Vertrauensleute des arbeitenden Sudetendeutschtums tagen zeuge die Dörfer an der Straße von Waldie nach der Front. In dem Maß als der Widerstand der Abessinier sich verstärfte, wurde die Giftwirkung gesteigert. Am 19. März wurde die Stadt Quoram durch drei Stunden mit Gistgas bombardiert. 2500 Gaserkrankte wurden in der Stadt gezählt. Landeszentrale begonnen haben, hat feste Wurzeln gefaßt und reiche Früchte getragen. Taherle verTangt eine Wirtschaftspolitik, die der Belebung des Exports dient. Notwendig ist eine Organisation der Produktion und des Konsum s. Der Schuß der Preise ist nicht möglich ohne Schutz der Löhne. Gegen jede Verschlechterung der jozialen Gesetzgebung werden wir uns energisch Im Volksgarten in Reichenberg trat Sams- schlossen, der Kapitalismus steht dem Wirtschafts- wehren. Wir brauchen im Gegenteil den sozialen chaos ratlos gegenüber, er kann die Arbeiter nicht Fortschritt, um die Krise zu überwinden. niederzuschlagen, bedienen sich die Kapitalisten überbrachte Aman herzliche Grüße. Die schweernähren und bekleiden. Um die Arbeiterbewegung Im Namen der schwedischen Gewerkschaften des Faschismus, der den Frieden Europas be- dische Sozialdemokratie hat ein großes Programm droht. Es ist die schwerste Zeit, welche die Freien zur Bekämpfung der Krise aufgestellt und große Gewerkschaften je durchgemacht haben. Wir brau- öffentliche Arbeiten durchgeführt. Keine Regierung chen Mut und tattische Klugheit, um die Gewerk- hat sich in Schweden je so lange behauptet, wie die schaften aus dieser Lage herauszuführen. Wir jetzige Arbeiterregierung. Durch das Zusammenbekennen uns zur Demokratie, denn der Kampf gehen mit den Bauern haben wir die Bauern um die Demokratie ist der Kampf um die Erhal- bom Faschismus ferngehalten, in einem Lande von tung der modernen Arbeiterbewegung. Der Kon= 6.5 Millionen Einwohnern haben wir 704.000 orgagreß muß Begeisterung und Zuversicht ausstrah nisierte Gewerkschafter, das sind 11 Prozent der len, muß die Herzen und Hirne der Arbeiter mit Bevölkerung. In diesem Jahre haben wir Neuwahlen neuer Hoffnung und neuer Arbeitskraft erfüllen. und die bürgerlichen Parteien tun alles, um die Auf Antrag des Genossen Ma co un wird Bauern auf ihre Seite zu bringen. Schweden steht dann ein Präsidium gewählt, welches aus den vor einem heftigen Wahlkampf, aber die ArbeiterGenossen Ros cher, Kaufmann und Bergschaft wird ihn gut bestehen. mann als Vorsitzende, Schaffarich, Zeeh und 11 Iberg als Schriftführer besteht, ferner eine Mandats- und Antragsprüfungskommission, worauf noch die Geschäftsordnung genehmigt Gewerkschaftskongreß eröffnet Das Gift war Senfgas( Operit), zu dessen Ab- tag, den 23. Mai, der fünfte ordentliche Kongreß haltung Gasmasken nicht zureichen, sondern gas choslowakei zusammen. Der Saal ist auf allen des Deutschen Gewerkschaftsbundes in der Tichedichte Anzüge den ganzen Körper schützen müßten; die Abessinier aber liefen barfuß im verseuchten bier Seiten rot drapiert, über der Bühne hängen Gelände! Am 9. April wurde gemeldet, daß siei rote Fahnen, dazwischen die Staatsfahne, vier Tage lang über die ganze nördliche Front darunter die Aufschrift:" Proletarier aller Läneine Flüssigkeit abgelassen worden sei, die ein der, vereinigt Euch!" furchtbares Gift entwickelte: wohl auch perit. Die Wirkung scheint überaus start geivesen 3 sein. Am 21. April nahm Aloisiin Genf ausdrücklich für Italien das Recht" in An= spruch, Giftgase anzuwenden. Rechtlich allerdings fam es auf einen Vertragsbruch mehr nicht an! zu Um viertel 4 Uhr der Kongres feierlich nachmittags wurde eingeleitet durch den Vortrag einer Paraphrase von Arbeiter= liedern am Harmonium, worauf der Vorsitzende des Deutichen Gewerkschaftsbundes Gen. Ro= ich er den Kongreg icher eröffnete. Er be= grüßte alle Erschie nenen und insbesondere als Gäste die wird. Die Stärke der Luftflotte bei ihren heftigsten Angriffen auf Erdziele liegt in der Kombination mehrerer Wirkungen. Dazu scheint es in Citafrifa seltener gekommen zu sein. Da aber die Flieger meist widerstandslos bis nahe zum Boden herabgehen konnten, kombinierten sie wiederholt den Bombenabwurf mit Maschinengewehrfeuer. Bei modern bewaffnetem Gegner gilt dies als ein Unter großem Beifall beschloß sodann der fühnes Manöver; die Flugzeuge, außer den Spe- Vertreter der gemeinsamen Landeszentrale, des Kongreß die Absendung des nachfolgenden Telezialabwehrwaffen auch den gewöhnlichen Maschi- Odborové sdružení československé, die Abgeord= gramms an den Präsidenten der Republik Dr. nengewehren ausgesetzt, sind doch bei rajchem neten Taherle, Senator Něme čet, Abg. Flug schwer zu treffen. Am 18. November fielen Stein, Sefretär Hula, als Vertreter der einem solchen kombinierten Angriff bei Makalle, schwedischen Gewerkschaftszentrale Amann, den nach italienischen, Meldungen, fünftausend Abes-| Delegierten der niederländischen Gewerkschaftsfinier zum Opfer. Die Flieger zwangen den Feind, zentrale Vandervelde, der ungarischen Gebei Tag Deckung zu suchen und nur nachts zu mar- wertschaftszentrale Ga I, als Vertreter der Stadi schieren. Nach fürzlichen Meldungen haben die Reichenberg den Bürgermeister Senator Kost ta, Italiener über eine Million Kilogramm Bomben als Vertreter des Ministeriums für soziale Fürabgeworfen und über 150.000 Maschinengewehr- forge und des Internationalen Arbeitsamtes Dr. schüsse abgegeben. Sulit, als Delegierten der Deutschen sozialAbgeordneten und Senatoren die Genossen Dr. Czech, Taub und Krems( er. Für den Verband deutscher Wirtschaftsgenossenschaften Am 6. Dezember wurde der Ort Dessie dentokratischen Arbeiterpartei und des Klubs der durch einen kombinierten Spreng- und Brandbombenangriff verwüstet. Später, nach der Schlacht bei Schire, wurde den sich zurückziehenden Truppen des Ras Kassa durch Inbrandsetzung eines Waldes der Weg abgeschnitten und sie mußten die Waffen strecken. Groß war die Ueberlegenheit der Italiener im Erkundungsdienst, der hauptsächlich von Fliegern geleistet wurde. Wichtig wurden diese schließlich bei der Versorgung weit vorgerückter Truppen durch abgeworfene Nahrungsmittel. Benes: ,, Der fünfte Kongreß des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der heute in Reichenberg seine Verhandlungen aufnimmt, übermittelt Ihnen Herr Staatspräsident, feine Grüße. Die freien deutschen Gewerkschaften verehren in Ihnen den klugen Staatsmann, den Schüßer unserer Demokratie und den Anwalt der Verständigung der Völker und des Friedens. In unwandelbarer Treue zur demokratischen Verfassung unserer Republik und zu Ihnen, Herr Staatspräsident, wollen wir freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter und Angestellten in den deutschen Siedlungsgebieten mit wirken an der Sicherung der Republik und an der Lösung der politischen und wirtschaftlichen Aufgaben in dieser ernsten Zeit." reisty, Fischer und Thiele, für den Sozialistischen Jugendverband Gen. Wanka, für den Arbeiter- Turn- und Sportverband die Genossen Mü II er und Simm, für die Kinderfreunde Genossen Hocke, für die Arbeiter fürsorge Genoffen Abgeordneten Sadenberg und Genossin Appelt, für den Sängerbund Genossen Wond reiz, für die ArbeiterabſtinenDie hoffnungslose Schwäche des Naturvolfes ten Genossen Kaufmann, für den Verband der neuzeitlichen Technik gegenüber geht auch aus der Krantenfassen Genossen a denberg, für den Wirkungen der Flugwaffe hervor, obwohl ihre die Redaktion des„ Sozialdemokrat" Genossen Möglichkeiten geringer waren als einem dicht be- Dr. Strauß. Ferner haben Begrüßungsschreivölferten und technisch vollausgerüsteten Staat ben eingesandt der Internationale Gewerkschaftsgegenüber. Aber auch die Steigerung der Opfer bund, die Gewerkschaften der Schweiz, Belgiens, und Leiden, welche die moderne Kriegstechnik dem Frankreichs, Polens, Jugoslawiens und Däne Angegriffenen auferlegt, wurde deutlich. Es be- marks. Roscher gedachte dann der Toten, insbesteht kein Zweifel darüber, daß Furcht und Schrek- sondere jener, die vom Faschismus zu Tode gefen den Kampfwillen der Abessinier sehr zerrüttet martert wurden. Er führte ferner aus: Die haben und besonders Addis Abeba, das wieder- Weltwirtschaftskrise wütet weiter, der Notstand holt aus Furcht vor Fliegerangriffen geräumt ist groß, die Zahl der Arbeitslosen erschreckend wurde und über dem mehrmals italienische Flug= hoch, Hunderte von Betrieben haben ihre Tore ge- spricht dann Taherle: Wir sind verbunden durch 16 Der Ruhm des Kämpfers Don Jack London Copyright by Universitas Berlin. durch Dr. Präger Pressedienst, Wien. Er fiel schwer auf den Boden, rollte halb auf die Seite und blieb unbeweglich und mit geschlossenen Augen liegen. Der Schiedsrichter beugte sich über ihn und zählte. Bei„ neun" durchfuhr ein Zittern den Körper Powers, und es hatte den Anschein, als versuchte er vergebens wieder auf die Füße zu fommen. " Zehn aus!" rief der Schiedsrichter. Er ergriff die Hand Glendons und hob sie hoch, um dem tobenden Publikum zu zeigen, daß er der Sieger war. Zum erstenmal in seinem Leben stand Glenden ganz betäubt im Ring. Es war fein entscheidender Schlag gewesen, darauf hätte er seinen Kopf seßen fönnen. Der Schlag hatte nicht einmal das Kinn, sondern nur die Bade getroffen, er fonnte genau die Stelle angeben. Und doch war der Mann erledigt. Er hatte eine schändliche Komödie aufgeführt und war ausgezählt worden. Wie er zu Boden gegangen war, das hatte er meisterhaft und überzeugend gemacht. Für das Publifum gab es feinen Zweifel, daß es ein richtiger Knockout gewesen war, und die Filmkamera würde die Lüge fortführen. Der Redakteur hatte also den Schwin del vorausgesagt, und ein gemeiner Schwindel war es wahrhaftig. Iwandte sie sich zu ihrem Nachbarn und sagte etwas zu ihm. Powers wurde von seinen Sekundanten in feine Ringede getragen, scheinbar das kraftlose Wrack eines Menschen. Glendons Sekundanten kamen, um ihn zu beglückwünschen und ihm die Handschuhe auszu ziehen. Aber Stubener fam ihnen zuvor. Sein Gesicht strahte, als er Glendons Rechte mit seinen beiden Händen umschloß und rief: " Sie sind ein Prachtjunge, Bat! Ich wußte ja, daß Sie es tun würden." Glendon zog die Hand im Handschuh zurück. Und zum erstenmal in all den Jahren, die er ihn kannte, hörte sein Manager ihn fluchen. „ Gehn Sie zum Teufel!" sagte er, kehrte ihm den Rücken und hielt seinen Sekundanten die Hände hin, um sich die Handschuhe ausziehen zu lassen. VIII. An dem Abend, als Maud Sangster den Redakteur so entschieden hatte aussprechen hören, daß es nicht einen anständigen Berufsborer gäbe, jaß sie einen Augenblick still weinend auf ihrem Béttrand, dann wurde sie zornig und legte sich nieder, wütend auf sich selbst, auf alle Boyer und auf die ganze Welt. Am nächsten Nachmittag begann sie ein Interview auszuarbeiten, das sie mit Henry Addison gehabt hatte, das sie aber nie fertigschreiben sollte. Sie saß in dem Zimmer, das ihr in der Redaktion des Courier- Journal angewiesen worden war, als es geschah. Sie hatte gerade eine Pause im Schreiben gemacht, um eine Ueberschrift in der Nachmittagsausgabe zu betrachten, die besagte, daß Glendon jetzt mit Tom Cannam fämpfen sollte, als einer von den Laufjungen ihr eine Karte brachte. Es war die Glendons. Glendon warf einen schnellen Blick über die Seile hiniveg auf das Gesicht Maud Sangsters. Sie sah ihn gerade an, aber ihr Blick war falt und hart, verriet fein Wiedererkennen und war völlig ausdrudslos. Während er jie noch anjah,' sagte sie zu dem Jungen. " Sag ihm, daß ich nicht zu sprechen bin", Dann spricht der Vertreter der niederländischen Gewerkschaften Genosse Vandervelde: Obwohl er nicht gut deutsch spreche, hoffe er doch zu den Serzen der Delegierten zu sprechen. In Holland habe immer die Demokratie geherrscht und sie wird weiter herrschen. Ueberall in der Welt sind Wunderdoktoren auferstanden und haben der Arbeiterschaft den Himmel auf Erden versprochen. Aber diese Versprechungen wurden nicht eingehalten. Wir müssen nun gegen den Nationalsozialismus eine aktive Propaganda entfalten. Die holländischen Arbeiter haben einen Wirtschaftsplan ausgearbeitet und wollen mit den Arbeitern aller anderen Völker zusammengehen. Der ungarische Vertreter Ga I sagte, er komme aus einem Lande, wo man im Laufe von 18 Jahren fast jedes Jahr versucht, die Arbeiterbewegung zu schwächen. Trotzdem erkämpften die Gewerkschaften zwei neue Erfolge, den der Mindestlöhne und die 48stündige Arbeitszeit. Im Westen steigt heute die Sonne der Freiheit empor und bescheint die Arbeiters bewegung Mitteleuropas. Im Namen der Partei und der Kulturorga nisationen sprach Genosse Dr. Czech. Er führte u, a. aus: Dann folgen die Begrüßungsansprachen der Die Gewerkschaftskommission war stets Gäste. Als erster spricht Bürgermeister Ko it ta, er auch für die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterer bewegung in der CSR eine Etappe auf dem Wege übermittelt die Grüße der Stadt Reichenberg; weiß aus seiner wirtschaftlichen und politischen Tä- zum verstärkten Einsatz der Kräfte im Ringen um tigkeit den Wert der Gewerkschaften zu schäßen. Der die Verwirklichung unserer sozialen Kampfziele. gewerkschaftliche Zusammenschluß ist für die Sude- Alle Anzeichen sprechen dafür, daß wir auch in tendeutschen eine Notwendigkeit. Er wünscht, daß die Zukunft trotz allen Zwischengefechten uns tapfer Zahl der Mitglieder der Gewerkschaften gesteigert durchschlagen werden und vorwärts kommen. Gewerde, gefördert durch die Wirtschaft und den Ge- noffe Dr. Czech teilte ferner die herzlichen meingeist. In enger Zusammenarbeit sollen Selbst Grüße des Ministers für soziale Fürsorge, des verivaltung und Gewerkschaft alles tun, um die Not Genossen Nečas, mit. Er sagte dann zu bannen. Der Bürgermeister wendet sich dann weiter: Wie ein Bleigewicht liegt die Krije über gegen den Faschismus und sagt, daß seine Methoden uns allen, der Glaube an den Sieg unserer guten den Untergang aller nationalen Minderheiten be- Sache jedoch hat uns aufrecht erhalten, hat uns Nur die Demokratie tann uns einen Fort- gefestigt und die Kraft gegeben, die sudeten deuten. deutschen Arbeiter über die tausendfältigen schritt bringen. Schwierigkeiten hinwegzubringen. Der vorgelegte Bericht des Deutschen Gewerkschaftsbundes ist ein Als Vertreter der gemeinsamen Landeszentrale Eine Minute später war er wieder da. ,, Er sagt, er würde auf jeden Fall herein fommen, aber lieber mit Ihrer Erlaubnis." " Hast du ihm nicht gesagt, daß ich keine Zeit habe?" fragte sie. „ Ja, Fräulein, aber er sagte, er käme doch herein." Sie antwortete nicht, und der Junge, dessen Augen vor Bewunderung für den aufdringlichen Gast funfelten, redete weiter: „ Ich kenne ihn. Er ist ein mächtiger Kerl. Wenn er richtig loslegt, jagt er die ganze Redat: tion zum Teufel. Es ist der junge Glendon, der gestern abend den großen Borkampf gewann." ,, Also gut. Laß ihn kommen. Wir wollen ja nicht, daß er die ganze Redaktion zum Teufel jagt, nicht wahr? Sie begrüßten sich nicht, als Glendon eintrat. Sie war talt und unfreundlich wie ein Regentag und bot ihm weder einen Stuhl an, noch schien sie ihn überhaupt zu erkennen. Halb von ihm abgewandt, saß sie an ihrem Schreibtisch und wartete, daß er sagen sollte, was er wünschte. Er ließ sich nicht merken, wie diese hoch mütige Behandlung ihn berührte, sondern ging gleich auf die Sache los. „ Ich möchte mit Ihnen reden", sagte er furz.„ lleber den Kampf. Er endete nicht in der Runde, die ich Ihnen gesagt hatte." " Sie zuckte die Achseln. ,, Das wußte ich." „ Das taten Sie nicht", erwiderte er. Das taten Sie nicht. Und ich auch nicht." Sie drehte sich um und sah ihn offensichtlich gelangweilt an. " Wozu das?" fragte sie.„ Boren ist Boren, und wir wissen alle Bescheid damit. Der Kampf endete ja in der Runde, die ich Ihnen vorausgesagt hatte." „ Das ist richtig", stimmte er zu.„ Aber das fonnten Sie nicht wissen. In der ganzen Welt gab es nur zwei Menschen- die wußten, daß Powers nicht in der sechzehnten Runde erledigt werden würde." Sie schwieg. „ Ich sage, Sie wußten, daß er nicht in der sechzehnten Runde erledigt werden würde." Er sprach gebieterisch, und als sie immer noch schwieg, trat er näher an Sie heran. ,, Antworten Sie mir", befahl er. Sie nickte. „ Aber er wurde es doch", beharrte sie. ,, Er wurde es nicht. Es war fein Knockout. Das verstehen Sie nicht? Aber ich will es Ihnen erklären, und Sie werden zuhören. Ich habe Sie nicht belogen. Ich war ein Ejel, und man hat mich angeführt und Sie dazu. Sie meinten einen Knockout zu sehen. Aber der Schlag, den ich landete, war gar nicht hart genug. Er traf ihn auch nicht an der richtigen Stelle. Er tat nur so. Er täuschte einen Knockout vor." Er schwieg und sah sie erwartungsvoll an. Und irgendwie durchzuckte sie die Gewißheit, daß sie ihm glaubte. Ein warmes Glück durchströmte sie, weil dieser Mann, der ihr doch nichts bedeutete und den sie nur zweimal im Leben gesehen hatte, reingewaschen vor ihr stand. ,, Nun?" fragte er, und wieder zwang er ihr Bewunderung ab. Sie stand auf und streckte ihm die Hand entgegen. „ Ich glaube Ihnen", sagte sie.„ Und ich bin froh darüber, unsagbar froh." Der Händedruck dauerte länger, als sie beabsichtigt hatte. Er betrachtete sie mit einem heiBen Blick, den sie unbewußt erwiderte. Noch nie hat ein solcher Mann gelebt, dachte sie. Sie schlug zuerst die Augen nieder, dann tat auch er es, so daß beide, wie früher schon einmal, auf die ineinanderruhenden Hände blickten. Er machte eine unwillkürliche unbewußte Bewegung auf sie zu, als wollte er sie in seine Arme schließen, dann aber befann er sich plözlich und hielt sich mit offensichtlicher Anstrengung zurüd. Fortjehung folgt.). Nr. 122 Sonntag, 24. Mai 1938 Seit« 3 ' Dokument sozialistischen Wollens und sozialistischer Tatkraft. Wir sehen das Alte stürzen und neues Leben, neue Gesellschaftsformen entstehen. Die Zeit des liberalistischen Wirtschaft ist vorbei, der Kapitalismus vermag dir zusammengebrochene Wirtschaft nicht einmal fortzuschleppen, geschweige denn aufzurichtrn. Bezeichnend ist die Rede des Kammerpräsidenten Liebieg beim allgemeinen deutschen Textilindustriellenverbandstag, in welcher man vergebens nach einem Ausweg oder Notweg sucht. Von dieser Rede kann man nur sagen: V i e l K r i t i k und wenig Wolle! Bei der Weiterentwicklung und Neugestaltung der Wirtschaft müssen wir kräftig Hand anlcgen. Die Wirtschaftsbelebung unseres Landes ist geringer, als im internationalen Maße und sie macht sich auch nicht gleichmäßig in allen Landesteilen fühlbar. In den Randgebieten ist nur eine geringe Besserung eingetreten, es fehlt an der Initiative der Industrie als helfender Faktor. Die Unternehmer demonstrieren durch Entlassungen die„Kameradschaft", die sie vortäuschen. So wird die Entlarvung der Henleinpartei kommen, wenn auch langsam. Unsere Partei hat im Wahlkampf Dux-Bilin nicht nur standgehalten, sondern hat sogar ihre Stimmen vermehrt. Es wächst unsere Zuversicht, es wächst unsere Schlagkrast. In Vertretung des Ministeriums für soziale Fürsorge liest Dr. Sulik einen Brief des Fürsorgeministers Neeas vor. dcr u. a. schreibt: Die Gewerkschaft erlebt und erleidet die Schmerzen des Arbeiters mit. Nur durch Planwirtschaft auf Grund demokratischer Zusammenarbeit können wir aus dieser schweren Zeit herauskommen. Die Gewerkschaften müsse« frei sein, denn sie sind eine der Grundlagen der Demokrat«. Freie Gewerkschaften existieren nur in demokratischen Staaten; möge es den Gewerkschaften gelingen, in den Bahnen sozialer Gerechtigkeit weiterzuschreiten. Der Redner begrüßte den Kongreß auch im Namen des internationalen Arbeitsamtes. Dann spricht Fischer für den Verband deutscher Wirtschaftsgenoffenschasten. Die Genossenschaften haben mit den Gewerkschaften das Ziel gemeinsam, die Lebenshaltung der Menschen zu verbessern. Sie tun daS jeder mit anderen Methoden, aber sie müssen zusammenarbeiten. Die Genossenschaften sind eine Ergänzung der Gewerkschaften. Sie haben auch an der gewerkschaftlichen Bewegung stets lebhaften Anteil genommen. Kein Streik und keine Lohnbewegung gibt es, die nicht von den Genossenschaftern unterstützt wird. Gewerkschaften und Genossenschaften muffen die Arbeiterschaft auch wirtschaftlich schulen und die Gemeinwirtschaft an Stelle der Einzelwirtschaft anstreben. R o s ch er dankte allen Rednern für ihre freundlichen Worte und schloß sodann die Verhandlungen der'ersten Tages. Fortsetzung Sonntag um ü Uhr früh.'" Altpensionisten der 4. Etappe sollen sofort die Anmeldungen einsenden Prag. Amtlich wird gemeldet: Die Pensionisten, welche im Jahre 1875 oder später geboren wurden, und die Witwen nach solchen, die im Jahre 1880 oder später geboren wurden, denen seinerzeit die Anmeldung für die Pensionsregelung gemäß dem Gesetz 70/30 zurückgestellt wurde, weil die Durchführung der Regelung für sie verschoben wurde, mögen diese Anmeldung sofort an die Adresse jenes Amtes, das in der Anmeldung genau angeführt ist, absenden. Bor der Absendung ist die Anmeldung richtigzustrllcn, wenn sich entscheidende Verhältnisse, die in der Anmeldung angeführt sind, geändert haben, und es sind ihr die notwendigen Belege beizuschlirßen. Vertreter der Jugendfürsorge beim Präsidenten Der Präsident der Republik empfing am Samstag die Vertreter des Verbandes der tschechoslowakischen Jugendfürsorge und des Reichsverbandes für deutsche Jugendfürsorge, welche ihm die gemeinsamen Forderungen vortrugen, die in der Forderung nach Herausgabe eines eigenen Gesetzes gipfeln, durch das die Jugendfürsorge auf der Grundlage systematischer Zusammenarbeit der Behörden, der Verwaltungsorgane und der freiwilligen Organisationen vereinheitlicht und finanziell sichergestellt würde. Der Präsident der Republik erklärte, er wisse, daß die Nachkriegsverhältnisse die Bedürfnisse der Jugendfürsorge ansteigen ließen und ihre Aufgaben vielfältiger geworden sind. Er anerkennt diese Tätigkeit als eine der grundlegendsten Aufgaben des Staates und versprach den Bestrebungen um deren gesetzliche Regelung auf der Grundlage engster Zusammenarbeit zwischen den Organen der öffentlichen und der privaten Wohlfahrtsinstitutionen alle Unterstützung. In einem deutschen Schlußwort sprach der Präsident der Republik seine Freude über die Zusammenarbeit der deutschen und der tschechischen Fürsorge-Organisationen aus. Betrirbsrinschränkung bei der„Epiag". Von der Betriebsleitung der„Epiag"-Porzellanfabrik in Elbogen wurde abermals die Entlassung, dzw. achttägige Aufkündigüng von über 30 Personen verfügt und außerdem wurde bei der Bezirksbehörde um die Bewilligung zur Vornahme weiterer Entlassungen oder einer neuerlichen Betriebseinschränlung angesucht. Als Ursache dieser Maßnahme bezeichnet die Epiag- Direktion die Stornierung umfangreicher französischer Aufträge. fudetendeutscficr Xettspieiet Letzter Appell I Am Freitag, den 22. Mai, tagte in Bodenbach der Hauptausschuß des Reichsjugend- und Kreisarbeitertages, der zu Pfingsten 1936 in Bodenbach stattfindet. Der Hauptausschuß nahm ausführliche Berichte aller seiner Funktionäre über die Vorarbeiten entgegen und traf selbst noch alle notwendigen Anordnungen, die dieser großen Kundgebung der sozialdemokratischen Jugend und der nordböhmi- schen Parteiorganisation einen nach jeder Richtung hin sicheren, klaglosen und schönen Verlauf geben sollen. Besonders bemerkenswert waren die Berichte der Vertreter der einzelnen Gebiete der Kreisorganisation, die übereinstimmend von dem Eifer und der Begeisterung berichteten, mit denen draußen in den Organisationen die Vorarbeiten für den Reichsjugend- und Kreisarbeitertag geleistet werden. Der Hauptausschuß nahm mit besonderer Freude davon Kenntnis, daß außer dem Parteivorstand, mit dem Parteivorsitzenden Minister Dr. Ludwig C z e ch, auch die Minister B e ch y n i und R e L a s, sowie der Borsitzende der tschechischensozialdemokratischen Partei, Abg. H a m p l, ihre Teilnahme am Reichsjugend- und Kreisarbeitertag zugesagl haben. Der Hauptausschuß beschloß einen letzten Appell an die Parteiöffentlichkeit, besonders an die Genossinnen und Genossen im Parteikreis Bodenbach— Aussig— Warnsdorf, und an die Mitglieder des Sozialistischen Jugendverbandes: Genossinnen und Genossen! Daß die deutsche Sozialdemokratie dieses Staate-— allen anderen Behauptungen der Gegner zum Trotz— lebt und groß und stark ist, daß die jungen sudetendeutschen Arbeiter zur Sozialdemokratie stehen, das werden wir zu Pfingsten in Bodenbach unter Beweis stellen. Tetschen-Bodenbach und die Orte der allernächsten Umgebung find bereit, Tausende von Genossen und Genossinnen aufzunehmen: Der Aufmarsch kann beginnen! An Euch allen, dir Ihr draußen in unseren Städten und Dörfern lebt und arbeitet, liegt eS nun, die letzten Tage vor dem Fest zu benützen, alle Reisevorbereitungen nochmals zu überprüfen, und mit gesteigerter Intensität dafür zu sorgen, daß alle unsere Genossinnen und Genossen nach Bodenbach kommen, daß alle arbeitslosen Freunde nach Bodenbach kommen können.— Die unbedingte Marschbereitschaft für den ReichS- jugend- und Kreisarbeitertag— das ist die Aufgabe, die es den nächsten Tagen, de» letzten vor Pfingsten z« erfüllen gilt. Alle und alles kür den Reichsjugend- und Kreisarbeitertag I Fruchtbare deutsch-tschechische Das Presse-Echo der Rede Kroftas Diskussion Jeder Anhänger der nationalen Verständigung wird mit Genugtuung konstatieren, daß in den letzten Wochen eine fruchtbare Diskussion zwischen Deutschen und Tschechen über die bessere Gestaltung ihres Zusammenlebens in Gang gekommen ist. Als positiver Ausdruck dieses stärkeren Berständigungswillens war nicht nur die Rede des Außenministers Dr. K r o f t a auf der Tagung der deutschen Volksbildner in Prag, sondern auch das lebhafte Echo, welches durch sie in der Presse ausgelöst wurde. Freilich ist ein trauriges Zeichen der partespolitischen Engstirnigkeit der SdP» daß sie bereits versucht, aus der kaum begonnenen Diskussion agitatorischen Gewinn zu münzen. Die„Zeit" beeilte sich in ihrem freitägigen Leitartikel zu versichern: „Die Sudetendeutschen sollen nicht Minderheit, sondern Staatsvolk sein— dieser Anschauung huldigt auch jene erdrückende Mehrheit, die Konrad Henlein ihr Vertrauen schenkt..." Das Zentralorgan der SdP macht also den geschmacklosen Versuch, für ihre Partei zu reklamieren, was durch die mühselige und aufopfernde Arbeit der vielgeschmähten deutschen Aktivisten in Gang gebracht wurde. Zur Steuer der Wahrheit sei nur festgestellt, daß Außenminister Krosta ausdrücklich an einige Formulierungen angeknüpft hat, die ein jüngerer deutscher Politiker unlängst in der Zeitschrift„Pkitomnost" bei der Darlegung der Ziele des deutschen AktiviSmus prägte. Es war also keineswegs die verschwommene„Kulturrede" des Herrn Henlein in Prag und noch weniger die Tätigkeit der SdP, dir Krosta dazu veranlaßten, den Sudeten- deutschen den Rang eines zweiten Staatsvolkes zuznerkennen. Im Gegenteil: die einschneidenden Vorbehalte, die daran geknüpft wurden, sind nicht zuletzt ein Produkt des Mißtrauens, daN ver vieldeutigen Politik der SdP von tschechischer Seite entgegengebracht wird. Mit aller Entschiedenheit wendet sich gegen die Darstellung der„Zeit" der Leitartikel des „Eeske Slovo", welcher sie glattweg als Verfälschung bezeichnet. Wie weit die„Zeit" von der Wahrheit entfernt ist, ergibt sich auch aus der Uebersicht über die zahlreichen anderen Kommentare tschechischer Blätter, die mit wenigen Ausnahmen— etwa die„Rärodni Lisch"—| Krosta zustimmen, ihre Vorbehalte aber auf dar Mißtrauen gegen die SdP gründen. „Venkov": Erst KarpathoruBlandl Das vom Geiste des Senators Vranh und Dr. Kahäneks geleitete agrarische Zentralorgan nimmt in diesem Augenblick eine eigenartige Haltung ein, welche deutlicher als bisher in die Hintergründe der henleinfteundlichen Politik des rechten agrarischen Flügels blicken läßt. Der „Venkrw" versucht zuerst» die SdP in die von den "Aktivisten eingeleitete deutsch-tschechische Diskussion einzuschalten. Er bleibt damit ganz in der Linie, welche die Henleinmandate als Reservekorps für die agrarischen Sonderinteressen betrachtet und deshalb bemüht ist, die SdP einem Teil der tschechischen Oeffentlichkeit schmackhaft zu machen. Doch angesichts der Strömungen, die mit Ernst an das deutsche Problem Herangehen, bereitet der„Venkov" die Stellung vor, aus welcher die Annäherung an die größte Minderheit im Staate torpediert werden kann. Wir zitieren: „Wir gehen von der Voraussetzung aus, daß vor der Frage irgend einer tieferen und dauernderen Zusammenarbeit notwendig ist, eine Beziehung und ein vernünftiges Verhältnis zu den kleineren nationalen Gruppen zu finden, als es die Deutschen find. Dort, wo die Fragen der Zusammenarbeit im Wesen klein sind» darf die mit den Deutschen geführte Diskussion nicht die Diskussion mit den anderen Völkern vernachlässigen. Wir haben vor allem die Beruhigung im Teschener Gebiet und di« vernünftige Lösung der ersten autonomistischen Schritte in Karpatho- rußland im Sinne." Die Rangfolge des„Venkov" ist bezeichnender als alle Kommentare, Es wird unter den deutschen aktivistischen Parteien niemanden geben, der nicht im Interesse der Befriedung und der Sicherheit des Staates die baldmöglichste Regelung auch der Probleme im Osten und in der Mitte des Staates wünschen würde. Aber nichts kann der deutsch-tschechischen Annäherung abträglicher sein als die Art, in welcher die agrarischen Patrone der SdP aus der deutschen Minderheitsfrage auf möglichst lange Zeit hinaus einen Gegenstand bloß unverbindlicher Diskussion machen wollen. Positiv stellen sich zu Dr. KrostaS Rede die volksparteilichen„Lidovc Listy", welche ihren Leitartikel mit den Sätzen schließen: „Diejenigen unter den Deutschen, die all die europäischen kulturellen und politischen Werte, welche vom Hitlerismus unterdrückt wurden, nicht preisgeben können und wollen, können sie nirgendwo in Europa verkünden und verwirklichen, als auf dem geistigen und staatlichen Boden der tschechoslowakischen Demokratie. Diejenigen Deutschen, die sich auf den Boden dieses Landes und dieses Geistes gestellt Hecken, können— wie Minister Krofta gut sagte— damit rechnen, daß wir sie als zweites Staatsvolk anerkennen und so mit ihnen zusammenarbeiten werden. Unsere Sympathien sind daher deutlich auf feiten der deutschen Aktivisten— deren gemeinsame politische Dynamik Schütz, Jaksch und Hacker neu formuliert haben— und wir sind entschieden gegen das Plagiat des Hakenkreuzes in unseren Ländern, welches unserem Wesen fremd und entgegengesetzt ist. Wir sind auch fest davon überzeugt, daß der Gipfel der Hitlerwelle unter den Deutschen bei uns bereits erreicht wurde und daß sowohl der Verstand, als auch die innere und internationale Notwendigkeit zur Ernüchterung auf deutscher Seite führen werden." Das junge Volk Literarisch« Leistung zum Stiehl* jugendtag Jugendliche Kraft, sozialistischer Wille, politischer Blick, Gefühl für die Notwendigkeiten moderner Publizistik und redaktionelle Umsicht—- diese Voraussetzungen haben das Juni-Heft unserer Jugendzeitschrift„Das j u.n g e Volk" als Fcstausgabe für den Bodenbacher AeichS- jugendtag zu einer literarischen Leistung gemacht, auf die alle stolz sein dürfen, die daran mitgearbeitet haben. Auf etwa vierzig Seiten ist da nicht etwa„Material" zusammengetragen, sondern sichtbar ein Spiegelbild unserer Jugendbewegung geliefert, eine Schau in di« seelischen und geistigen Tiefen der jungen Arbeiter und Arbeiterinnen, in das Martyrium der Jung-Arbeitslosen getan, das Auge geöffnet für die Erfordernisse dieser Zeit, dieses Landes. Und das besonders Schöne, das best Jugendliche an dieser Schrift: die ganz natürliche Verschmelzung von ernstester Sorge mit frohestem Hoffen, von Kampfespflicht und Lebensfreude, von Vernunft und Empfinden. So und nicht anders auch wird unsere Jugend in Bodenbach, und örtlich wie zeitlich weit darüber hinaus, antreten„für die Erneuerung der Welt", der der Vorsitzende des Verbandes im Geleitauffatz das Wort redet; so wird sich unsere Jugend als Avantgarde und Nachfahre zugleich der Partei angliedern, deren Vorsitzender sie mit herzlichen Sätzen begrüßt. Die„Landschaft um Bodenbach"; die mit künstlerischem Sinn geschildert ist, erwartet sie so, damit von dort der„Freiheitsruf über die Grenzen" ertöne, zu dem der Sekretär der Jugendinternationale den Auftakt gibt. Freiheitsruf an die„Genossen aus der Kerkerzelle Deutschland", die in dieser Festschrift ebenso das Wort ergreifen, wie unsere prachtvollen jungen Freunde in Oesterreich und wie die tapferen sozialistischen Jungstreiter, die Italien ins Er.il sandte. Nicht zu vergessen natürlich der tschechischen sozialdemokratischen Jugend, die, wie in Bodenbach, so auch in dieser Festschrift sich ein« findet. Die Broschüre enthält dann noch eine ganze Reihe wertvoller instruktiver Aufsätze aus den besten Federn unserer Gesamtbowegung, reichen Schmuck an Bildern und Zeichnungen, eine lesenswerte Vorbesprechung des Bodenbacher Programms für den Reichsjugendtag. Kein Zweifel, daß diese Schrift in neuen Hunderten, die noch nicht fest entschlossen waren, das Bodenbacher Pfingstfest mitzuerleben, nun nicht mehr zaudern und dorthin eilen werden, wohin sie die jugendlichen Bataillone zur Heerschau für den sudetendeutschen demokratisch- sczialistischen Befreiungskampf rufen! Geburt in der Leichenhalle Ein erschütterndes Bild tiefster menschlicher Not entrollt ein Bericht aus F a l k e n a u an dec Eger: dort hat die Frau eines Arbeitslosen, Dtut« ter mehrerer Kinder, einem neuen Erdenbürger in einer aufgelassenen Kammer der Leichenhalle das Leben gegeben... Es liegt schon einige Zeit zurück, daß die kinderreiche Familie des Arbeitslosen Kraus in Falkenau a. d. Eger, weil der Mann trotz aller Bemühungen nicht in der Lage war, den Zins für seine Wohnstube aufzubringen, delogiert worden'ist. Die Familie erhielt schließlich eine Unterkunft in der aufgelassenen Leichensezierhalle des Friedhofes, einem kleinen, kahlen Raum mit nacktem Boden, ohne Ofen, mit feuchten, zerbrök- kelnden Wänden. In dieser grausigen Wohnung fristet seit Monaten die unglückliche Familie ihr Leben. Und dort hat die Frau vor kurzem einem weiteren Kinde das Leben geschenkt. Die fenrigen„Jungen". Der Druckfehlerteufel macht« gestern aus den„feurigen Zungen der Freiheit", Wer die F. Ttjeffy zu Pfingsten in der Arbeitersendung sprechen wird, feurige Jungen. Eigentlich nicht ul Seite 4 Sonntag, 24. Mai 1936 Rr. 122 Donnerstag, den 28. Mar, spricht Genosse K u n i g im Prager Rundfunk über „Das 3. Bundesturnfest des Atus“ Beginn der Sendung 8.1V Ahr (18.10). kin neuer„Führer“ in Asch! Aus Asch wird uns geschrieben: Eine lebhafte Diskussion unter der Bevölkerung des Bezirkes Asch hat eine von dem aus den Diensten der Stadtgeineindc Asch geschiedenen Wachmann Rudolf Ploß angekündigte neue„Partei" unter dem eigermrtig klingenden Namen„Formation derZustitia- n e r" hervorgerufen. Diese„Justitianer-Forma- tion" wird von ihrem Gründer als„Partei für Reform und Lebensgestaltung" bezeichnet, und in einem an den Litfaßsäulen der Stadt und des Ascher Landes affichierten Aufruf unter der etwas bombastischen Uebcrschrift„Ich rufe Euch!" versucht Herr Ploß Ziel und Zweck seiner neuen Organisation zu umschreiben; danach stickt die„Formation der Justitianer"„Gerechtigkeit, Brot und den inneren und äußeren Bölkerfrie- den" an. Rudolf Ploß stand, wie erwähnt, einige Zeit hindurch in den Diensten der Stadtgemeinde Asch in der Eigenschaft eines Polizeiwachmannes. Nach der Lösung des Dienswerhält- nisses strengte er gegen die Stadt Asch einen Ent- schädigungsprozeß an und verwendete im übrigen seine Zeft dazu, unterschiedliche Projekte aus- zuarbeften, die ihn jedoch wegen der konfessionellen Tendenz aller dieser Pläne mft den Kirchenbehörden in Konflikt brachten, worauf er in schärfster Form in Wort und Schrift gegen die Kirche Stellung nahm. Die Kanzlei der „Formation der Justitianer" befindet sich in der Ascher Spftalsgasse im Hause Nr. 4. Ploß, der Initiator dieser eigenartigen Neugründung im sudetendeutschen Lager, plant trotz des offenen Spottes, dem er wegen seiner Aufrufe ausgesetzt ist, schon in der nächsten Zeft die Veranstaltung einer öffentlichen Versammlung, in der er der Bevölkerung sein Programm unterbreiten will. Asch bewährt sich jedenfalls als Brutstätte sildetendeutschcr Heilande. Warum soll nach dem Turner nicht auch der Polizift sein Glück versuchen!? Bier Verwundete beim Handgranatenwerfen. Samstag vormittags um 10 Uhr fand auf dem Exerzierplatz in Sviadnov bei Mistel eine Uebung eines Infanterieregimentes im Werfen scharfer Handgranaten statt. Beim Werfen einer Handgranate stteifte der Unterleutnant' in der Reserve JUDr. Mojmir Hrädek den Betonuntexstand» so daß ihm die Granate aus der Hand fiel und vorzeitig explodierte. Durch die Explosion wurden außer Hrädek Oberstleutnant Josef Filous, Nottmeister Franz Ebert und Unterleutnant Oldrich T o m a n verwundet. Alle Verletzten wurden in das Frydeker Krankenhaus gebracht, wo konstatiert wurde, daß die Verletzungen, außer der des Unterleutnants Toman, der nur leicht verletzt und in häusliche Pflege entlassen wurde, zwar schwer, ab-r nicht lebensgefährlich sind. Vater und Sohn von einer einstürzenden Mauer erschlagen. In der Gemeinde Schritt und Tritt den wunderbarsten Reklame- | bildern der großen Höhenotte, sie sind künstlerisch l vollendet und psychologisch richtig ausgeführt und l sprechen eine stumme, aber eindringliche Sprache. Man sieht auch schöne Plakate aus den nordischen ! Staaten, aus Frankreich, neuerdings hat Rutz- i land sich auch in diesem Zweig der Propaganda zu sich die Erbitterung der Staats- und öffentlichen' Angestellten, deren Lebensunterhalt fortwährend herabgesetzt wird, steiaect und wenn bei so einer zahlreichen und verantwortlichen Schichte der Nation das Gefühl eines weiteren Unrechtes ent* steht, das dadurch gesteigert wird, daß diesmal die Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen' Stellung nicht im öffentlichen Interesse geschieht, sondern zum privaten Vorteil. Schließlich machen wir darauf aufmerksam,' datz«ine Verschlechterung der Krankenversicherung^ der öffentlichen Angestellten auch ungünstige Fol- gen für die Staatsverwaltung haben müßte,, weil der Staat daran Interesse haben muß, daß, seine Angestellten in voller körperlicher und seeli-' scher Frische ihren Verpflichtungen nachkommen können. l JUDr7 Josef Kotek m. p. Vorsitzender des Heilfonds der öffentlichen M Angestellten. Alfr. Bittner m. p., Jos. Brcstxik m. P.. Fr. Groh! m. p.. Mir. Hrejsa m. p., E. Ianovskh m. p., Dez. Kantor m. p.. Rich. Kreschel m. p„ I. KLi- vänek m. p., M. Länskä m. p.. Fr. Libis m. p., Iar. Martan m. p„ Moh. Mladn m. p.. Dr. M. Otoupalik m. p., Iindr. ProkÄk m. p., I. Rubes m. p.. Fr. Seidl m.' p., I. Stipänek m. P., Wnt. Urban m. p., Frant. UZäk m. p., I. Velickh m. p.. Fr. Blk m. p., Dr.- Al. Vondrich m. p., Fr. Walter m. p., Jos. Zäpotockh m. p. Mitglieder des Zentralausschusses des Heilfonds der öffentlichen Angestellten. 3470 Ein neues Werk deS antifaschistischen DichterS: I g n a z i o Silone Brot««d Wein Roman aus dem AUtag des saschistischen Italien Preis geb. KC 56.— Zu beziehen durch di« Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XII., Slezska 13. Zum 50. Todestag Rankes Vor 50 Jahren, am 23. Mai 1886, starb in Berlin der berühmte deutsche Geschichtsforscher Leopold von Ranke. Ranke war gebürtig in Wiehe im Regierungsbezirk Merseburg und ein Zögling der Fürstenschule Pforta. Bereits mit 23 Jahren wurde Ranke Gymnasiallehrer in Frankfurt an der Oder und sieben Jahre später Professor an der Universität Berlin. Seine umfangreichen Geschichtsforschungen legte er in zahlreichen Werken nieder, die auch heute noch eine schier unversieg- liche Quelle geschichtlichen Wissens und dank ihrer monumentalen Prosa eine genußreiche Lektüre sind. Rankes Geschichtsauffassung war noch individualistisch und er übersah zu sehr die objektiven Kräfte(Oekonomie, Raum, Technik usw.), dennoch bleibt Rankes Forscher- und literarische Leistung unvergänglich bestehen. Abrüstung und Diktaturen Von L£on Blum „Wer den Frieden wM, mutz die Tyrannei bekämpfen. Jede Einzelperson und jede Gemeinschaft, die sich zur Mitarbeit an der Organisierung des Friedens bereit erklärt, mutz auf den Sturz der Diktaturen hinarbeiten. In dem heutigen Europa besteht die Diktatur ungestraft. Wir haben nur allzuoft das schimpfliche und entwürdigende Paradoxon erlebt, datz Staatsmänner, die sich ihrer Friedensarbeit rühmen, dem krassesten und brutalsten Faschismus besonders duldsam und wohlwollend entgegenkommen. Hätten die Bereinigten Staaten, England und Frankreich den muffolinischen Faschismus isoliert und in„Quarantäne" gesetzt, dann wäre er heute bereits erledigt. Der Kamps zwischen Freiheit und Diktatur ist in Europa entbrannt. Die freien Staaten haben die Möglichkeit, die Diktaturregierungen auf friedliche Weise zu beseitigen und dieses größte Friedenshindernis aus dem Wege zu räumen. Ja, die Diktatur ist an sich ein Friedenshindernis. Sie ist ein Hindernis, weil sie alle internationalen Verträge illusorisch macht und noch aus vielen anderen Gründen, die zu oft aufgeführt sind, als daß ich länger bei ihnen verweile: weil sie den Nationalstolz übersteigern und die Empörung im Innern durch Eroberungen und Siege ablenken mutz. Ja, die freien Staaten müssen die Diktaturen bekämpfen und sie auf friedliche Weise beseitigen. Sie müssen Schluß machen mit dem bequemen Sophismus, daß man allen Regierungen, die ibre Nation offiziell vertreten, gleichgültig welcher Art sie seien, gleiche Achtung bezeigen muß, daß die inneren Verhältnisse eines Landes uns nichts angehen. Dieser Sophismus kann vor der Macht der Tatsachen nicht bestehen. Die Diktatur ist keine bloß innere Angelegenheit eines Volkes, sie ist vor allem eine internationale Angelegenheit, denn sie stellt an sich eine Kriegsgefahr dar und durchkreuzt alle Versuche zur Stabilisierung des Friedens. Alle Diktaturen sind Feinde der freien Staa, ten. Wir denken nicht daran, Krieg gegen sie zu führen, aber im Interesse des Weltfriedens verweigern wir ihnen systematisch jede Art von Sympathie, von Unterstützung und von Beistand. Im Namen des Friedens schließen wir sie aus der internationalen Gemeinschaft aus." (Aus: Leon Blum, Ohne Abrüstung kein Friede. Deutsche Ausgabe. Berlin 1931, Verlag von I. H. W. Dietz Nachf.) Mussolini auf dem Balkan.(AP.) In Bulgarien sind zur Zeit wieder starke italienische Einflüsse am-Werk, die darauf hinzielen, den bulgari-' schen Revisionismus zu ermutigen und- zur Aktivität zu drängen. Dies Treiben italienischer Agenten findet seine Bestätigung in der Haltung der italienischen Presse, die im gleichen Sinne agitiert. Insbesondere hat kürzlich ein Artikel der„Stampa" große- Aufsehen erregt, der geradezu geeignet ist, den Haß Bulgariens gegen die Türkei zu schüren. Und zwar wird erklärt, daß die Türkei in letzter Zeit sieben Divisionen an der bulgarischen Grenze konzentriert habe und gewillt sei, die neutrale Zone in Thrazien aufzuheben. Die autoritäre bulgarische Regierung müßte demgegenüber, wenn das nationale Gewissen der Bulgaren noch nicht vollständig unrer- gegangen sei, einen Korridor zum Aegäischen Meer fordern. Man sieht, die Tatsache, daß Mussolini in Ostafrika freie Hand hat, wirkt s i ch bereits aus, und zwar abermals im Sinne einer Beunruhigung. Nachdem der Versuch, Griechenland zur Abkehr von der Balkanentente zu bewegen, gescheitert ist, wird die Türkei unter Feuer genommen, und zwar auf dem Wege, den bulgarischen Revisionismus auszunutzen und zu schüren. Tie Quertreibereien auf dem Balkan, die mit den italienischen Bemühungen in Albanien begannen und schon sehr zur Beunruhigung Jugoslawiens beigetragen haben, dienen nicht gerade der Aufrichtung der „Friedensfront", die Europa braucht. beachtlichen Leistungen aufgeschwungen und ein Bild vom nächtlichen Leningrad, mit dem Kontrast von dunklem Wasser und leuchtenden Häuserfenstern gehört zum Schönsten, was man in dieser Art sieht, sogar Lettland und Litauen, das langsame Spanien und das weitabgelegene Portugal sprechen zu dem Beschauer und sagen es nicht nur durch die Blume, sondern durch die Leuchtkraft der Farben und di« künstlerische Vollkommenheit der bildlichen Darstellung. Alle Staaten haben die Wichtigkeit dieser Art Propaganda erkannt und die besten Hände in ihren Dienst gestellt. Fast alle, genauer gesagt. Denn wir, die Tschechoslowakei, sind nicht darunter. Zwischen den internationalen Plakatreihen der großen-Bahnhöfe in Westeuropa hängt auch manchmal ein Plakat der Tschechoslowakei. Dem Patrioten wird traurig zu Mute: wenn er hinschaut und aufrichtig ist sich selbst gegenüber, muß er erkennen, daß unsere Plakate kläglich anmuten neben dem, was die anderen Staaten bringen. Ich lveiß nicht, woran es liegt, die Farben sind matt, die Bilder uninteressant und langweilig, die Ausführung schmeckt verdammt, nach „sparen" und„billig". Neben den Plakaten auS allen anderen Weltgegenden fristen unsere ein Aschenbrödeldasein. Niemand schaut auf sie und wenn der Blick doch darüber fällt, so wendet er sich mit einem Ausdruck des Bedauerns ab, über I ein Land, das so arm ist an Naturschönhcltcn... ! Ueberdies find sie o f t nur englisch und französisch, zum Unterschied von den russischen, lettländischen, rumänischen, die man oft a u ch deutsch sieht. Vor allem aber die Ausführung! Jedes kleine Kind bei uns weiß, wie reich die Tschechoslowakei an schönen Gegenden ist, an alten Burgen, an malerischen Stellen, an interessanten Städte», an Kurorten von Weltruf. Was würden beispielsweise die Schweizer Plakatschöpfer machen, hätten sie eine Stadt wie Prag zur Verfügung! In Zürich sieht man jetzt überall ein neues Plakat, das in wunderbarer Ausführung den Zürcker See, mit einem Teil des Geländes, und einer großen Stadtfahne darüber zeigt. Das Plakat ist so schön, daß sogar die Zürcher davor stehen bleiben. Was ließe sich aus Prag, um nur ein Beispiel zu nennen, alles herausholen! Man muß nicht immer gletscherbedeckte Viertausender oder weltberühmte Kunstwerke zeigen. Manchmal kann man mit einem Hausdurchblick, einem Torbogen,, einem Stück Wasser, Land und Himmel weit größere Wirkungen herauSholen, wie wir aus den Erfolgen der modernen Photographie wissen. Jetzt, zu Beginn der Reisesaison, prangen in allen valutastarken.Weststaaten von Europa die Werbe- Plakate der Länder, welchen Fremdenverkehrswerbung eine Herzensangelegenheit ist. Unsere Plakate sieht man verschwindend selten und wenn ... ES scheint, datz wir uns nach den Mißerfolgen deS vergangenen Jahres auch Heuer wieder die erste Chance haben entgehen lassen. JosefWechsberg. Seite 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 24. Mai 1936. Nr. 122 Träger Rettung Flugtag absesast Die täglichen Regcnfiille der letzten Woche nnd namentlich der gestrige heftige Regen, haben den Flugplatz und die Zugangswege für das Publikum derart aufgeweicht, daß sie wenigstens in den nächsten zwei bis drei Tagen nicht werden be- nützt werden können. Es ist auch nicht wahrscheinlich, daß sich das Wetter heute derart bessern wird, daß die Sicht es erlauben würde, die Leistungen unserer Flieger, so wie sie cs verdienen würden, zu verfolgen. Deshalb muß der für heute vorbereitete Armeeflugtag auf Donnerstag, den 28. d. M., verschoben werden. Nähere Nachrichten werden in der Tagespressc bckanntgegeben werden. Protest des Präser Stadtrats Drohung mit der Resignation der gesamten Zentralvertretung Im Prager Stadtrat wurde in der letzten Sitzung eine erregte Diskussion über die erfolglosen Interventionen bei verschiedenen staatlichen Zentralbehörden abgeführt. Den Klagen schloß sich auch der Primator an, welcher, darüber berichtete, daß seine Interventionen zugunsten gewisser Maßnahmen der Stadt erfolglos geblieben sind, obwohl die Vorschläge im Interesse der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit gemacht worden waren. Von verschiedenen Seiten wurde sogar gefordert, daß die gesamte Zentralvertretung zum Zeichen des Protestes zurücktretcn solle. Für diese Aktion sprachen sich vor allem Nationalsozialisten und Nationaldemokraten aus. Spiel und Wirklichkeit Die Bahn fährt weiter. Eine Weile noch lacht der Wagenführer still vor sich hin. Sein Tun war für Augenblicke einbezogen ins kindliche Spiel und er hat es sekundenlang mitgespielt. Ausdrucksvoll hat : er dem- kleinen„Verkehrspolizisten" sein Honneur gemacht, und es lag ihm sichtlich viel daran, daß der s Junge cs bemerkte und sein Spiel so ernst genom- 1 men fand, wie er es selber nimmt. Ein heimlicher Spieltrieb schlununert ja in jedem erwachsenen Menschen, eine Lust, zu tun, was ihn mehr befriedigt, ihm mehr Freude macht als sein Beruf. Auch bei so kleinen Gelegenheiten kommt er zum Vorschein. Vielleicht auch dachte der Wagenführer dabei a.>■ eigene Kinder daheim; vielleicht erschien die eigene Kindheit als flüchtiges Bild vor seinen Augen. Das Kind fühlt sich im Spiel hinaufgehoben in die gewichtige Welt der Erwachsenen—_ die anstrengende und verantwortungsvolle Dienststunde des Wagenführers erschien— für Sekunden nur. aber doch empfindbar— gelockert und erleichtert, weil die Hand eines Kindes sie berührte; Kind und Mann waren für die Dauer einer flüchtigen Begegnung einander ganz nahe. Es dauerte nur Augenblicke. Wie ein leichtes Wölkchen am Himmel schweb» es vorüber— und doch war es sekundenlange Wirklichkeit. Denn nur in unseren Träumen sind wir, was wir sind. Die„Liga für Menschenrechte" veranstaltet am Freitag, den, 29. Mai, im Saal der„Unitaria", Prag I., Karlova, einen BuntenAbend zur Unterstützung deutscher Emigranten. Freunde und Gäste sind herzlichst eingeläden. Karten zum Preise von 5 bis 19 XL im Vorverkauf bei der„Liga für Menschenrechte" Prag II., Zitna 13, oder an der Abendkasse. Beginn 8 Uhr. JConat uftd Mssen. * Einigemal habe ich ihn nun schon bei seinem Spiel gesehen. Es ist ein Junge von sechs oder sieben Jahren. Er trägt einen Schuhmannshclm, weiße Handschuhe und weiße Stulpen an den Aermeln des blauen Aiäntelchens. So als„Verkehrspolizist" ausgerüstet steht er stundenlang atif der Schutzinsel einer Straßenbahnhaltestelle und spielt seine Rolle mit unbeirrbarem Ernst. Sobald eine Straßenbahn ankommt und hält, begrüßt er den Wagenführer mit der Hand am Helm. Und dann, wenn das Glockensignal zur Weiterfahrt ertönt, gibt er mit äusgestreckrem Arm die Fahrbahn frei. Auch um die Autos hat er sich zu kümmern. Und man sieht ihm die eifrige Spannung an, mit der er aufpaßt, ob ein Auto geradeaus durchfahren oder in die Seitenstraße einbiegen will, damit er das Zeichen richtig geben kann. Und wenn er es einmal falsch gemacht bat, so überzieht eine rasche leichte Röte die zarte Blässe seines Gesichtes und das nächste Rial ist er um io aufmerksamer. An seinem Verhallen bei' solchen„Fehlhandlungen" kann man sehen, wie ernst er sein Spiel nimmt. Als aber ein Auto vor seiner erhobenen Hand wirklich hielt, weil es einen anderen Wagen vorüber lassen und halten mußte, da hielt das der kleine „Verkehrspolizist" für eine Wirkung seines Gebots; selbstbewußter Stolz erhellte sein Gesicht, und doch irritierte es ihn zugleich— demütig gab er die Fahrbahn frei und das Auto fuhr an; der Chauffeur tippte zum Gruß an die Mütze. Die Leute lächeln— der Junge bemerkt eS nicht. Tie Straßenbahnführer ertoidern sein Honneur und rufen ihm kameradschaftliche Worte zu— er aber ist ganz und gar, mit allen Gedanken„im Dienst". Er lächelt nicht, keine Miene verzieht sich in seinem ernsten Gesicht. Salutierend läßt er die Hand am Helm, bis die Glocke ertönt und er daß Zeichen geben muß. Den Jungen erfüllt der kindliche Trieb, es den Erwachsenen gleichzutun. Er spielt ihre Welt, und für die Dauer seines Spiels verwandelt ihn die Kraft der kindlichen Phantasie in einen wirklichen Verkehrspolizisten, und er fühlt die Bürde der Verantwortung auf seinen zarten Schultern. Kitty Carlisle und Bing Crosby in„Großfürstin und Kellner" Karel Hynek Mach«, dem vor hundert Jahren verstorbenen Begründer der tschechischen Dichtung, war am Freitag ein festlicher Abend im Nationaltheater gewidmet, bei welchem der Präsident der Republik und zahlreiche Schriftsteller, Gelehrte und Politiker anwesend waren. Univ.-Prof. F. 3E. Saida, I der hervorragendste tschechische Literaturkritiker, hielt I eine Rede, in welcher er die Bedeutung Mächas, seine kosmische Poesie und seine Verbundenheit mit der ganzen tschechischen Dichtung, auch mit der der Jetztzeit, hervorhob. Interessant war seine Darstel- erfüllt Ihre Sehnsucht nach Heiluns« Erholung und Zerstreuung 3122 ! lung, daß Mächas„Mäj" von der patriotischen Kri- ' tik nur deshalb verrissen worden ist, weil der Inhalt i dieses episch-lyrischen Gedichtes für die damalige !Zeit direkt revolutionär war.— Tie sodann aufge- führte Szene aus dem Fragment„Bratri" behandelt den Kampf der Widersacher der Premyslidendynastie (der berüchtigten Vrsovci) um die Macht.— Mächas Lyrik und Gedichte zeitgenössischer tschechischer Dichter über Diacha, von Mitgliedern des Nationaltheaters vorgetragen, ernteteten lebhaften Beifall, r. r» Bon der Deutschen Musik-Akademie. Heute Reger-Feier, 20 Uhr, im Mozarteum. Es wirken mit die Professoren E. Brömse, Kalix, Fr. Langer und Schweyda. Wochenspielplan des Renen Deutschen Theaters. Sonntag 71/2: Madame Dubarry, neu inszeniert, B. 2.— Montag 8: VI. Philharmonisches Konzert, Abonn. aufgehoben.— Dienstag 71/2: Der erste Frühlingstag, Ensemblegastspiel des Theaters in der Josefstadt, Abonn. aufgehoben.— Mittwoch 71/2: Das Rheingold, Fesworstellung anläßlich des Geburtstages des Herrn Präsidenten der Republik, C 1. — Freitag 8: Madame Dubarry, D 1.— Samstag 7>/4: Das bezaubernde Fräulein, Gastspiel Max Hansen und Gusti Huber, D 1. — Sonntag 7I4:MadameDubarry, C2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag 3: Menschen auf derEis schölle, 8: Salzburg ausverkauft.—' Montag 8: Ich und mein kleiner Bruder, Bankbeamte I und freier Verkauf.— Dienstag 8: Salzburg ausverkauft.— Mittwoch 7%: Die Frau ohne Bedeutung, Bankbeamte II und freier Verkauf.— Donnerstag 8: Salzburg ausverkauft.— Freitag 8: Die Frpu ohne Bedeutung, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf. — Samstag 8: Salzburg ausverkauft. Sonntag 8: Salz bürg ausverkauft. VkrünsnachäMin Falken, Achtung! Alle Falken, die zum Reichs- Jugendtag nach Bodenbach fahren, müssen bestimmt Mittwoch um 6 Uhr zu einer Besprechung im Parteihrim gestellt sein! UIMi/ Das Schauspielerkollektiv Truppe 1936 (Leitung: Basa Hochmann) spielt am Montag, den 25. Mai 1936, um 8 Uhr abends im großen Saale der„Urania" in Prag II., Klimentskä 4, im Rahmen einer Arbeitervorstellung die zeitgemäße Revue Der Jahrmarkt von Plundersweilen nach Szenen von Goethe, Aristophanes und berühmten Zeitgenossen. Zwei Stunden Ernst und Scherz, Nachdenkliches und Erfreuliches Eintrittspreise: XL 10.—, Xc 8.—, XL 6.— und XL 5.—. Kartenvorverkauf: bei Optiker Deutsch, Prag II., Koruna, im Verein Deutscher Arbeiter in Prag II., Ve Smeckach 27, und bei den Vertrauensmännern teils elegant wie Vera K o r e n n e« und Jean M u r a t in den Hauptrollen, teils angenehm lust- spielhaft wie der Darsteller des französischen Unter- j offiziers und teils operettenhaft wie die im Korps- I studcntenstil agierenden deutschen Offiziere und Industriellen.—eis— Bat und Patachon als Mädchrnräuter. Der Film ist auch für Jugendliche frei. Sie werden die dankbarsten Besucher dieses Filmes sein. Der harmlose Humor der zwei Skandinavier, die sich, freilich nicht ohne an Wirkung einzubüßen, in den Tonfilm herübergerettet haben, entfaltet sich innerhalb einer recht konstruierten Lustspielhandlung, die ihnen Gelegenheit gibt; in einem uralten Auto, auf einem Jahrmarkt, im Hippodrom, als Räuber in einem nächtlichen Haus ihre Angst vor dem eigenen Mut zu produzieren. Sie treiben ihren heiteren Unfug in ihrer eigenartigen Melancholie und diese beiden ewigen Vagabunden entbehren nicht einer gewissen sozialen Note. Auch diesmal kommen die anspruchslosen Lacher auf ihre Kosten. jk. Die Veranstalter: Verein deutscher Arbeiter, Zentralstelle für das Bildungswe- srn, Bildungsausschuß der DSAP, Prag Der Dtm Llützen der Gesellschaft Nach dem„Peer Gynt" bringt nun die Ufa eine Verfilmung von Ibsens„Stützen der Gesellschaft" oder, genauer gesagt, einen Film, dessen Handlung sich an Ibsens Schauspiel anlehnt. Die einst als so radikal empfundene Gesellschaftskritik Ibsens ist heute nicht mehr ganz schlagkräftig und man mußte längst dazu übergehen, Ibsens Dramen im Kostüm ihrer Zeit zu spielen. Die Gesetze, denen der Film unterliegt, verlangten, daß wenigstens ein Teil der Handlung, die bei Ibsen in der Vergangenheit liegt, in die- Filmhandlung verlegt werde. Die analytische Methode Ibsens eignet sich nicht für den Film. Die Freiheit, die sich die Filmerzeuger nahmen, vom Vovbild abzuweichen, hätte ihnen auch gestattet, die Gesellschaftskritik zu aktualisieren und zu vertiefen — wenn der Film nicht im Dritten Reich gedreht worden wäre. So ergreift uns eigentlich dieser klein« Familienskandal der Kleinstadt nicht sehr. Leider sind wir-daran gewöhnt worden, noch ganz andere Verbrechen und Lügen zu erleben, auf denen„Stützen der Gesellschaft" ihre Existenz aufbauen. Aber trotz dieser Einwände muß man den Film zu den technisch und darstellerisch besten deutschen Filmen der letzten Zeit zählen. Das Milieu der norwegischen Kleinstadt ist blendend gezeichnet und mit starken Strichen karikiert. Die Aufnahmen der Werft, vom Matrosen- und Fischernrilieu sind von packender Echtheit. Der Sturm und der schwimmende Sarg, die„Gazelle", die auf haushohen Wellen schaukelr. sind phorographisch vorzüglich und voll Amnnung. Streckenweise geht die Milieuschilderung zu sehr in die Breite, erzwungen durch die Handlungsarmut des Films. Der stärkste Eindruck aber ist Heinrich George als Konsul Bernick. Die Masse, die sich breit durch die Menge Raum schafft, der gedrungene Körper, der sich voll Energie auf- richret und dann unter der Wucht der bitteren Tatsachen zusammensinkt, schon diese physische Erscheinung ist packend. George, aus unvergeßlichen sozialen Filmen in Erinnerung, spielt den Hochmut-und Kleinmut dieses robusten Bürgers bis in die kleinsten Züge mit so drastischer Realistik, daß sie zu handgreiflicher Ironie wird. Neben ihm stehen gute Typen wie der schleicherische Prokurist Simas und der durch seine Offenheit entwaffnende Tönnissen, den der sonst aus Gesellschaftsrollen geläufige Schön hals darstellt. Aber man denkt doch an eine schöne Aufführung des Jbsenschen Dramas auf der Bühne und dann zeigt sich, daß auch die glanzvollste Technik, die stärkste Parhetik der Photographie nicht den Geist, gar den Rebcllcngeist Ibsens, ersetzen können. jk. Spionagedüro hin. 2 Ein Film, der wie dieser französische mit einem gelungenen Gasangriff gegen Hunde und Vögel beginnt und mit der Erschießung einer schönen Spionin endet, sst für Zuschauer bestimmt, die sich gern aufregen lassen, und es war offensichtlich der Ehrgeiz seiner Hersteller, auch die herkömmlichsten Motive des Spionagefilms durch eine Art von Multiplikation reißerischer zu machen, als sie es infolge ihrer Dagewesenheit und Unwahrscheinlichkeit eigentlich sind. Die schöne Spionin, die am Ende erschossen wird, opfert sich für ihren feindlichen Kollegen, weil sie ihn liebt, aber auch dieser Kollege, ein französischer Hauptmann, hat sich zuvor in sein Opfer verliebt, eine kleine deutsche Postbeamtin, der er Telegramme stiehlt, um das Geheimnis des geräuschlosen Bombenflugzeugs zu ergründen,— und selbst der russische Emigrant,. der für Deutschland und Frankreich gleichzeitig spioniert und ein hartgesottener Abenteurer ist, erliegt der Liebe zu der erwähnten schönen Kollegin, die ihn vergiftet, gerade als er glaubt, ans Ziel seiner Wünsche gelangt zu sein, während der kleine französische Unteroffizier seine Liebe zu der deutschen Spionin nicht mit dem sofortigen Tode, sondern nur mit der Verschickung in die Fremdenlegion büßt. Man sieht: es geht allerhand vor in diesem Film, der aber— französisch wie er ist— nicht wie ein wildes Sensationsstück, sondern wie ein amoureuses Konversationsstück wirkt, dessen Handlung durch knallige Theatereffekte in Bewegung gehalten wird. Der Nachteil dabei ist freilich, daß der Dialog den Film überwuchert und auch die Darsteller durchwegs bühnenmäßig wirken, -Weiße Gardenien. Im amerikanischen Original heißt dieser mit Lperettenmusik, Revueszenen und mißlungener Komik verzierte Film„Des Königs Pferde",— ein Titel, der dem Zuschauer ein ewiges Geheimnis bleibt. Hier hat man ihn nach einem -schmachtenden Liebeslied von den kleinen weißen Gardenien benannt, das von dem Tenor Carl Brisson und der auch stimmlich anmutigen Mary E I- I i s mehrfach gesungen wird-und dessen Melodie bei aller Gefühlsduselei zu den nachhaltigeren Eindrük- ken des Film gehört. Was um dieses Liebeslied herum arrangiert worden ist, das ist allerdings noch läppischer und langweiliger als der an sich schon übliche Filmoperetten-Unsinn: da reist wieder einmal ein König inkognito, eine Königin reißt aus, ein Doppelgänger(der Filmschauspieler von Beruf ist) vertritt den König, und daß er ihn auch beinahe bei Ihrer Majestät der Königin vertreten mutz, ergibt den sogenannten Konflikt, der fich dann auf eine ebenso moralische wie einfallslose Art löst. Auch der aus Rene Clairs Gespensterfilm bekannte Eugen P a l l e t t e, der hier einen nach Europa(oder richtiger: nach einem irgendwo bei Grirching gelegenen europäischen Operettenstaat) geratenen Amerikaner spielt, vermag den klapprigen Ablauf dieser abgedroschenen Vorgänge nicht heiter zu machen. —eiS—» IKttkllungenfe»Urania« Festveranstaltung anläßlich des GedurtstageS unseres Staatspräsidenten. Mittwoch, 6 Uhr. Eintritt fiei. „Unvergeßliche Filme":„F. P. 1.antworte t nicht". Albers, Schmitz, Hartmann. Sion» tag^9 Uhr. Arania-Kino „Die Mühle im Schwarzwald", die beifällig aufgcnommene Premiere I Herrliche Landschaften und wunderbares Ensemblespiel. Heute 4, 6,%9, sonst%6,%9 Uhr. Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:.Die Mühle im Schwarzwald." Premiere.— Adria:.Die Milchstraße." H. Lloyd. A.— Alfa:„Moderne Zeit." Chaplin. A. — Avion:„Die Milchstraße." H. Lloyd. A.— Bera- nek:„Charly Chan in Aegypten." Warner Oland. A. — Frnix:„Weiße Gardenien." A.— Flora:„Wir fahren nach Honolulu." Laurel und Hardy. A.— Gaumont:„Mädchenräuber." Pat und Patachon. D. — Hollywood:„Die letzte Attraktion." D.— Hvkz- da:„Brand im Fernen Osten." Ruff.— Julis: „Spionagebüro Nr. 2." Fr.— Kinema: Journale. Grotesken, Reportagen.— Kiruna: Aktualitäten, Journale, Grotesken.— Kotva B 36:„Niemandsland."— Lucerna:„Weiße Gardenien." A.—■ Metro:„Spionagebüro Nr. 2." Fr.— Passage: „Mädchenjahre einer Königin." D.— Praha:„Ter Kriegsreporter." A.— Radio:„Mutter Krakmerka." Tsch.— Skaut:„Sequoia." A.— Svewzor: „Stützen der Gesellschaft." D.— Alma:„Eine Frau im Offside." A.— Bajkal:„Die letzten Vier von Santa Cruz." D.— Belvedere:„So mach ich es." A.— Brseda:„Die ganze Stadt spricht davon." A.— Carlton:„Tarzan und seine Ge- fährtin." A.— Illusion:„Eine Frau im Offfide." A— Kino Svanda: Grotesken, Journale.— Konvikt:„Wien, du Stadt meiner Träume." D.— Lido II:„Unser kleines Mädi." Temple. A.— Louvre:.Mädchenräuber." D.— Maersk«„Die Wildkatze." D.— Olympie:„Mata Hari." Greta Garbo. A.— Roxy:„Ich sehne mich nach dir." — U Brjvodu:„F. P. 1 antwortet nicht." D.— Baldrk:„Ich sehne mich nach dir." D.— Belrtrhy: „Unser kleines Mädi." Temple. A. tnniuL«•* Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich XL 16.—. vierteljährig XL 48.—. halljäbrio XL 96.—, ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechiret. 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