M 131. Kbomement».Dedlngungt»: NbonnemenlZ- Preis pränumerando: vierteljShrl. ZLV Ml., monall. l,l0Ml., Ivöchenlltch 28 Psg. frei ins Hau». Einzelne Nummer S Pfg. Tonnlag«, Nummer mil illustrierler EonnlagS- Beilage„Die Neu« Welt" l0 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingelragen in der Post- Zeitnng», Preisliste für 1809 unter&r. 7820. Unter»reuzband für Deutschland und Leslerreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. 1«. Jahrg. Erfchei»! täglich»uAer»onlag«. Vevlinev Volksblskk. Die Insertion»- Gedahr betragt für dt« sechSgespalten« Kolonel. zetle oder deren Raum io Pfg.. für poltttiche und gewerkschaftliche Vereins- und VerfammlungS- Anzeigen 2» Pfg. „Kleine Anfeigen" jede« Wort 5 Pfg. (nur da« erste Wort fet». Jnferate für die nächste Nummer müssen bt« 4 Uhr nachmittag» in derExpedtlion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festlagen bt» S Uhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher,«mt l, Nr. 1508, Telegramm- Adresse: „Sorl«ldrmokr«t»erlin« Centraiorgan der sociatdemokratischen Partei Deutfthtands. Rrdaktion: SW. 19, Venth-Slraste 2. Donnerstag, den 8. Juni 1899. Expedition: SW. 19, Venth-Straste 3. Die Wahrheitsliebe der Denkschrift. Herr Graf v. Posadowsky hat soeben im Reichstag die ..Denkschrift über die Ausschreitungen bei den Arbeits kämpfen der letzten Jahre" eingehender Lektüre empfohlen. auf daß auch dem blödesten Auge der schauderhafte, von den Socialdemokraten geübte Terrorismus offenbar werde. Nun wohl, wir wollen dem Herrn Grafen auf dieses Gebiet folgen und sehen, was für eine Beweiskraft die Anführungen der Denkschrift haben. Mit besonderem Nachdruck und einem der stillosen Arbeit sonst fremden Pathos wird mehrfach auf den Torge lower Metallarbeiter-Streik vom Jahre 1898 und die Ausschreitungen, die derselbe im Gefolge hatte, hin gewiesen. Die hierbei vorgekommenen„schweren Roheiten' sollen ein erschreckendes Beispiel für die Gewalthätigkeit aus ständiger Arbeiter liefern und die Vernichtung des Koalitions rechts rechtfertigen. Es werden 2 Gruppen von Ausschreitungen. die sich auf verschiedenen Wegen zugetragen haben, unterschieden. Nachdem die erste, auf die wir nachher eingehen werden, besprochen ist, heißt es weiter:„In derselben Nacht wurden auf einem anderen Wege gegen heimkehrende Torgelower Arbeiter gleich falls Ausschreitungen verübt, welche den Charakter schwerer Roheiten trugen. Zwei Arbeiter wurden von 13 bis 20 Per- sonen überfallen, umringt und mit Stöcken mißhandelt" usw. Bei dieser Schilderung wird nur eine kleine unbedeutende Thatsache mitzuteilen vergessen, die wir aber doch noch nach tragen möchten, nämlich daß die sämtlichen Angeklagten ohne jede Ausnahme freigesprochen wurden Sofort bei Beginn der Verhandlung wurde seitens des Ge richts und der Anklagebehörde anerkannt, daß keinerle Vorwurf wegen des Streiks an sich und dessen Verlaufes gegen die Angeklagten zu örheben sei. Die Staatsanwalt schast verzichtet aus diesem Grunde selbst auf die Ver nehmung des Amtsvorstehers und Gendarmen, welche von den Beeinflussungen der Arbeitswilligen durch die Streikenden. dem Aufftellen von Streikposten, die die außerhalb wohnenden Torgelower Arbeiter zur Niederlegung der Arbeit beredeten und dergleichen berichten sollten. Die Angeklagten hatten es daher, da die Staatsanwalt schast selbst nach dieser Richtung hin keinen Vorwur' gegen sie erhob, nicht einmal mehr nötig, einen zu ihren Gunsten sprechenden Gegenbeweis anzutreten. Sie konnten auf die Vernehmung ihrer Zeugen verzichten. Trotzdem wird der Torgelower Landfriedensbruch als ein besonders schla� gender Beweis dafür angeführt, eine wie große Gefahr schon das Aufstellen von Streikposten in sich birgt. Das Gericht vermochte sodann weiter eine Feststellung dahin, daß die An geklagten sich am Thatorte befunden haben, bei einem Teile derselben nicht zu treffen. Von den übrigen, deren Anwesenheit am Thatort als erwiesen angenonimen wurde. konnte eine Absicht zur Begehung von Gewaltthätigkeiten nicht festgestellt werden. Wir fragen, kann es ein kräftigeres Argument für die schärfere Ueberwachung der Arbeiterorganisationen geben, als wenn ihren Mitgliedern Strafthaten nicht zur Last gelegt werden können? In der That, dieser Beweis der Denkschrift ist schlagend. Nun zu dem ersten Fall der Torgelower Ausschreitungen. Auch hier wird zunächst unei-wähnt gelassen, daß 14 der An geklagten freigesprochen werden mußten. Sodann aber— und dies ist das wesentlichere— wird auf die Ursachen, die zu den vorgekommenen, beklagenswerten und von uns am wenigsten entschuldigten Ausschreitungen geführt haben, mit keiner Zeile eingegangen und damit ein Bild von dem Sach verhalt gegeben, das den thatsächlichen Verhältnissen nicht entspricht, ja geradezu irreführend ist. Nur die nackten That fachen werden schematisch aneinander gereiht und daraus ge- setzgeberische Eingriffe begründet. Die Entstehungsgeschichte dieser Thatsachen bleibt unerörtert. Ein solches Verfahren er- innert lebhaft an die Art des schlechten Kurpfuschers, der an den Symptomen der Krankheit herumkuriert und quacksalbert, die Ursache der Krankheit dagegen nicht beseitigt, weil er sie nicht er- kennt. Würden aber die Ursachen der Torgelower Ausschreitungen von der Denkschrift aufgedeckt sein, so hätte auch der social- politisch unbewandertste Leser und der einseitigste Vertreter der Unternehmer-Jnteressen erkennen müssen, daß die Kon- sequenzen, die sich für einen einsichtsvollen Gesetzgeber hieraus ergeben, die entgegengesetzten sind, als der Entwurf sie zieht. Die begangenen Gewaltthätigkeiten haben ihren Gnind allein in den beispiellosen Angriffen, die die überwiegende Mehrzahl der Torgelower Fabrikanten gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter unternommen hat. Wir haben in Deutschland gewiß zwangsweise Versuche der Verhinderung an der Ausübung der Koalitionsfreiheit genug erlebt, aber eine derartige offene Verhöhnung des Rechtes der Arbeiter, wie in Torgelow, war selbst bei uns bis dahin unerhört. Das Ergebnis der Prüfung der Ursachen des Torgelower Streiks kann also notwendig nur Schutz des Koalitionsrechts, nicht seine Vernichtung sein. Ein Torgelower Fabrikant entließ fortgesetzt diejenigen seiner Arbeiter, von denen er erfuhr, daß sie dem Metallarbeiter- Verband angehören, derbis zu dieser Zeit in Torgelow noch keinen Boden gefaßt hatte. Infolge dessen brach bei diesem einen Fabrikanten ein Streik aus, der mit folgenden! Vergleich vor dem Gewerbcgericht in Ueckermüude sein Ende fand:„Inner- halb der Fabrik wird keinerlei Agitation gestattet. Um das Vereinswesen der Arbeitnehmer außerhalb der Fabrik werden sich die Arbeitgeber fernerhin nicht kümmern." Trotz dieses Vergleiches verweigerten die Fabrikanten, darunter der jenige, der an Gerichtsstelle das soeben erwähnte Versprechen abgelegt hatte, irgend einen Arbeiter weiter zu beschäftigen. der„nicht binnen acht Tagen einen schriftlichen Nachweis eo bringt, daß er aus dem Metallarbeiter-Verband ausgetreten ist oder aber eine Bescheinigung vorlegt, daß er dem GeWerk verein angehört." Mit größter Geduld machten die Arbeiter und die Vertreter des Metallarbeiter-Verbandes nun alle nur denkbaren Versuche, zu einer Verständigung zu gelangen. Ihre auch vom Gewerbegericht und dem größten Fabrikanten in Torgelow, Dr. Vollgold, als gerecht und billig anerkannte Forderung:„Tie Herren Fabrikanten sichern den Arbeitern das freie Verfügungsrecht zu, Vereinigungen, welche auf Grund des§ 152 der Reichs-Gewerbe-Ordnnng bestehen oder gegründet werden, angehören zu können." wurde mit kühlster Hartnäckigkeit zurückgewiesen. Als endlich die Leidenschaften durch die lange Dauer des Streiks anfingen erhitzt zu werden, wagten die Fabrikanten die Erregung noch auf das äußerste durch die Vorlegung des folgenden, den civil- ünd strafrechp lichen Bestimmungen Hohn sprechenden Reverses an die Ar beiter zu steigern:„Wir verpflichten uns hiermit, dem Fach verein der Metallarbeiter oder einem ähnlichen social demokratischen Verein nicht anzuzuhören, widrigenfalls wir mit unserer sofortigen Entlassung einverstanden sind oder zehn Mark an die Fabrik- Krankenkasse zahlen." Der als Zeuge vor dem Schwurgericht ver uommene Wortführer der Torgelower Fabrikanten gab zu, daß die Abneigung derselben gegen den Metallarbeiter-Verband vorzugsweise in dessen Forderung auf Abschaffung der Accord arbeit ihren Grund habe. Es kann keinem Bedenken unterliegen, daß der Revers, die bekannte Rechtsprechung des Reichsgerichts zu Grunde gelegt, alle Thatbestands- Merkmale eines Erpressung� Versuches erfüllen würde. Trotzdem enthält die Denk schrift von diesem Uebergriff der Unternehmer kein Wort. Lediglich der gewaltthätige Sinn der Arbeiter ist es, der die heutige Gesetzgebung als unzulänglich erscheinen läßt. Aber nicht bloß durch das, was die Denkschrift verschweigt, verschiebt sie den Sachverhalt. Auch das, wie sie positiv sagt, ist stellenweise ganz unrichtig. In der Verhandlung vor den: Schwurgericht wurde festgestellt, daß der Vertreter des tallarbeiterverbandes, Massatsch, jeden nur denkbaren Ver such zur Einigung machte, daß er sich mit den Behörden, einem in Torgelow besondere Achtung genießenden Arzt usw. in Verbindung setzte; daß aber alle Vermittelungsversuche an der Hartnäckigkeit der Unternehmer scheiterten. Und der als Zeuge vernommene Gendarm Schwabe bekundete eidlich, daß Massatsch in jeder Versammlung zur Ruhe und strikten Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen ermahnt hat, da sonst jeder Erfolg ausgeschlossen sei und daß, solange Massatsch in Torgelow war, es auch zu keiner irgendwie erbeblichen Ruhestörung kam, so daß der Gendarm seine täglichen Pa- trouillengänge als gänzlich überflüssig einstellte. Was macht nun aber die Denkschrift aus dielen positiv estgestellten Thatsachen? Man höre und staune:„Im Torge- lower Ausstande wurde durch häufige Versammlungen dafür gesorgt, daß der Streik nicht zu Ende kam und auch diejenigen Arbeiter, deren eigenes Interesse mehr der Beendigung des Ausstandes zuneigte, bei diesem ausharren mußten. Diese Entwickelung der Verhältnisse war nicht zum wenigsten auf die Einwirkung eines Berliner Agitators zurückzuführen, der... in den Versammlungen auftrat, wo er einen sehr bestimmenden Einfluß ausübte." Dies ist ein Beispiel, in welcher Weise das Material ver- arbeitet ist, das man dem Reichstag zur Rechtfertigung eines Gesetzes vorzulegen wagt, welches die Lebensbedingungen der arbeitenden Klasse auf das schwerste schädigt. Der Torgelower Fall, den die Denkschrift besonders beweiskräftig halten muß, wie seine häufige Citierung zeigt, rechtfertigt den Entwurf in keiner Weise. Die Thaten, welche den Angeklagten zur Last gelegt wurden, sind schon nach dem heutigen Recht mit den strengsten Strafen bedroht. Der Entwurf selbst vermag hierfür eine Verschärfung nicht mehr in Vorschlag zu bringen. Das Maximum der nach heutigem Recht zulässigen Strafen ist bei weitem von den Gerichten nicht erkannt. Viele der organisierten Arbeiter sind gänzlich reigesprochen worden, weil sie nichts nach geltendem Recht Strafbares gethan haben. Sie werden auch nach dem Ent- wurf freigesprochen werden müssen. Soweit sie verurteilt ind, ist weit hinter der zulässigen höchsten Strafe zurück- geblieben. Die verurteilenswerten Thaten wären gänzlich unterblieben ohne den Angriff des Unternehniertums auf das Koalitionsrecht. Das Streikpostenstehen an sich hat zu keinerlei Ausschreitungen geführt. Der Torgelower Fall rechtfertigt mithin mit Nichten den Zweck der Vorlage, der ja nach den Motiven in der„Unzulänglichkeit der bestehenden Vorschriften" bestehen soll. Volikifche Mebevfichk. Berlin, den 7. J/mi. Licht und Schatten gleich verteilt. Die grausame Härte der Bestimmungen des Zuchthaus- gesetzes wird nur übertroffen von der Dreistigkeit des Ver- suchs, die Ausnahmebestimmungen umfälschen zu wollen, als ob sie nicht Ausnahme-Unrecht gegen die Arbeiterklasse, sondern „gleiches Recht" für alle bringen. Mit naiver Aufdringlich- keit erzählen uns die geheimrätlichen Motive fast in jedem ihrer Abschnitte: Gleiches Recht solle für Unternehmer und Arbeiter herrschen, Licht und Statten solle gleich verteilt werden. Und die bürgerliche Presse nimmt diese Tartüfferie gläubig auf und sucht sie zur Empfehlung der Vorlage zu nutzen. Aber auch dem jetzigen§ 133 der Gewerbe-Ordnung kann nicht vorgeworfen werden, daß er fomell Licht und Schatten nicht gleich verteile. Er trifft ebenso, wie es den Be- stimmungen der neuen Vorlage nachgerühmt wird, Unter- nehmer und Arbeiter gleicherweise. Wie aber wurde bisher der § 153 angewendet? Wer hat von Bestrafungen der Unternehmer auf Grund dieses Paragraphen gehört? Sündigen die Unter- nehmer denn gar nicht gegen das Gesetz? Es ist öffentliches Geheimnis, daß die großen Unternehmer-Verbände, gerade diejenigen am nieistcn, welche besonders laut nach Ausnahme- gesetzen geschrien, auf die Angehörigen ihres Berufes einen unerhörten Zwang ausüben. Z. B. noch bei dem letzten Former- streik in Berlin gab es eine Anzahl kleinerer Fabrikanten. die gern ihren Arbeitern entgegen gekonimen wären, sie durften es nicht bei Sttafe ihres wirtschaftlichen Unterganges. Nicht allein, daß sie die in Wechseln hinter- legten Gelder verlieren, nein, sie, die kleinen Gießereibesitzcr, erhalten dann von den großen Maschinenfabrikanten auch keine Arbeit mehr zugewiesen. Wie die Dinge in der Maschinenbau-Jndustrie liegen, sind die Kleinen ganz und gar von den Großen abhängig. Gesündigt>vird von den Unter- nehmern genug, aber die Unternehmer können ihren dreisten Terrorismus in solchen Formen und so heimlich ver- üben, daß es schwer ist, sie zu fassen; es ist dies um so schwerer, als unsere Behörden so viel auf die Arbeiter aufpassen zu müssen glauben, daß ihnen keine Zeit und Auf- mcrk'amkeit für jene übrig bleibt. Für die Unternehmer ist es ein leichtes, dieselben Wir- kungen auf ihresgleichen zu üben wie die Arbeiter, ohne die- selben Mittel, die denen als strafbar gelten, zu benutzen. Gering an Zahl, können sie sich leicht untereinander ver- ständigen. Im eleganten Salon des einen oder des andern der Herren Kollegen finden sie sich zusammen, um bei schäumendem Sekt über die Begehrlichkeit der Arbeiter zu raisonnieren und ihre Maßnahmen zu besprechen; die vertrau- lichen Cirkulare und der wirtschaftliche Druck auf die„Out- siders" thnn das übrige. Die Arbeiter können im wirtschaftlichen Kampfe nur siegen durch ihre Masse; sie müssen Hunderte, Tausende zu gewinnen suchen. Das thun sie in öffentlichen Ver- sanimlungen unter den Augen der Polizei, und müssen es thun unter der peinlichsten Beobachtung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen. Vor allem müssen die„Streikhetzer" in den Versammlungen, die„Verhetzten" auf den Bauten und in den Werkstätten suchen auf die Indifferenten, die„Arbeits- willigen" einzuwirken, indem sie dieselben an ihrer Ehre packen. Sie müssen bestrebt sein, ihnen begreiflich zu machen, daß sie Verrat an der Sache der Arbeit üben, daß sie gegen ihre Kollegen, gegen sich selb st sündigen, wenn sie die Be- strebungen auf Erlangung besserer Arbeitsbedingungen nicht unterstützen. Wie leicht geschieht es, daß bei diesen! durch- aus gerechtfertigten Bestreben ein wenig zungengewandter Arbeiter zu weit geht, ein unbedachtes, wenn auch nicht so ernstlich gemeintes Wort hinwirft; die ernste Vorhaltung, die er dem„Arbeitswilligen" inacht, geschieht in Ausdrücken, die dem in ganz anderer Lebenssphäre erzogenen Richter be- leidigcnd und bedrohlich erscheinen und schwere Buße wartet des Unbedachten. So steht es jetzt um die„Gleichberechttgung" der Unter- nehmer und Arbeiter. Genau so würde es nach Einführung des neuen Gesetzes bleiben, nur daß die Straffälle der Ar- beiter noch unendlich häufiger und das Strafmaß ein weit drakonischeres werden würde. Das Geheimnis der„Parität" von Unternehmern und Arbeitern, mit welcher die Regierungs- begründung und die Reakttonspresse die Ungeheuerlichkeit der Vorlage in ein artiges Gerechtigkcitsstück umdeuten möchten, ist dies: Gleiche Rechte sind beiden streitenden Teilen des Wirt- schaftskampfes gegeben, wo für die Arbeiter keine Mög- lichkeit vorliegt, von diesen Rechten Gebrauch zu machen, während dem Unternehmer dies Recht außerordentlich aus- nutzbar ist. Gleiche Pflichten sind vorgeschrieben und gleiche Strafe angedroht, wo es sich um Handlungen handelt, die zu thun der Unternehmer gar keine Veranlassung hat, während der Arbeiter sie thun muß, wenn er den Kampf über- Haupt führen will. Die Verteilung von Licht und Schatten ist allerdings eine gleiche. Es ist nämlich alles Licht der Unternehmcrklasse und aller Schatten der Arbeiterklasse zugeteilt.— Wettlauf um die Gunst der Arbeiter. Der Verein deutscher Eisen- und Stnhl-Jndnstrieller hielt kürzlich in Berlin eine Haupt- Versammlung ab. Einem Bericht entnehmen wir die folgende Stelle ans dem Referat des Generalsekretärs B n e ck: Die Geschäftslage der Eisen- und Stahlindustrie ist zur Zeit durchaus gut, und es find keine Anzeichen vorhanden, das; der augenblickliche Aufschwung sich in nächster Zeit abschwächen wird. Redner verbreitet sich weiterhin über die Arbeiterfrage und behandelt u. a. die augenblickliche Arbeiteranssperrung in Däne- mark. Auf socialpolitischem Gebiet vollzieht sich äugen- vlicklich ein wahrer Wcttlauf um die Gunst der Zlrbeiterwclt, der zu sehr unliebsamen Folgen fuhren kann. Wenn als ein Schritt zu diesem Wettlauf die Zuchthaus- Vorlage und die zugegebene Denkschrift betrachtet wird, so müssen wir sagen, dafe der.Weltlauf um die Gunst der Arbeiter' ganz und gar nicht zum Ziele führen wird.— Di«„Kreuz-Zeitung" chreibt in ihrer letzten Wochenübersicht über die innere Politik: „Fabelt der„Vorwärts" von„außerordentlichen Strafbestim- münzen", die das neue angebliche„AuSnahme'-Gesetz enthalte, so ist das ebenso wenig ernst zu nehmen. Bisher erfolgten allerdings Bestrafungen teilweise auf Grund der allgemeinen Straf- bestimmungen und das hat sich die Socialdemokratie in ihrem „Märtyrer-Verzeickmisie" weidlich zu nutze gemacht. Wird aber die Vorlage zum Gesetze, so fallen diese Bestrafungen(betspielS- weise auch die wegen„groben Unfugs") fort, und so manches Delikt wird dann milder bestraft werden, als dies unter den heutigen Verhältnissen möglich ist. Hätte beispielsweise das „Zuchthausgesetz" schon den Löbtauer Zimmerern gegen- über angewendet werden können. so würde das Strafmaß ver- mutlich erheblich niedriger ausgefallen sein; denn dann würde die Staatsanwaltschaft wohl die Anklage auf Gnmd dcS neuen Gesetzes erhoben haben." Wir konstatieren gern, daß hierdurch die„Kreuz- Zeitung" unbewußt eingesteht, daß die im Löbtauer Prozeß gefällten Urteile dem Rcchlsbewußtsein widersprechen. Die„Kreuz-Zcitung" irrt aber mit ihrer Annahme, daß. wenn die Vorlage Gesetz wird, die allgemeinen Strafbestimmungen in Wegfall kommen. Die allgemeinen Strafbcstimmungen sz. B. wegen Beleidigung, Nötigung, Körperverletzung, Erpressung, groben Unfugs und wie die strafrechtlichen Waffen gegen das KoalitionSrccht sonst heißen mögen) würden neben dem neuen Ausnahmegesetz de- stehen bleiben. Bestraft wird nach der Bestimmung, die die härtere Strafe androht. Das folgt aus den allgemeinen Vorschriften des Strafgesetzbuchs und ist überdies in den Motiven aus- drücklich anerkannt. Nun wird vielleicht die„Kreuz- Zeitung" endlich begreifen, daß der vorgelegte Gesetz- entwurf ein Ausnahmegesetz schlimmster Art' ist. Wird der Entwuf Gesetz, so kann keine einzige im Ausnahmegesetz und durch allgemeine Strafbcstimmnngen bedrohte Handlung geringer bestraft werden— wie die„Kreuz-Zcitung" bislang annahm— als die Handlung nach den allgemeinen Strafgesetzen zu be- strafen ist. Nachdem wir dem Organ der konservativen Partei in einem fundamentalen Punkte einen groben Fehler nachgewiesen haben, wie er in einem ernsthaften politischen Blatt irgend einer Richtung kaum je vorgekommen sein dürfte, veranlaßt der.Kreiiz-Zeitungs"-Verlag vielleicht seine Söldlinge, die Vorlagen, für die sie sich' begeistern, wenigstens zu lesen.—_ Ter Reichstag hatte sich heute zunächst mit dem Gesetz behufs Verwendung des Jnvalidenfonds zu beschäftigen. Das Los der Kriegstnvaliden ist sprichwörtlich geworden. Der Tank des Vaterlandes äußert sich ihnen gegenüber in einer Weise, die den Invaliden nicht zur Freude und dem Vaterlande nicht zur Ehre gereicht. Vor dem Kriege und während des Krieges umschmeichelt, gepriesen als Stolz des Vater- landes— nach dem Kriege auf die Straße ge- warfen, mit oder ohne Leierkasten. Das neue Gesetz will den plebejischen Invaliden— die patrizischen sind schon genügend versorgt— das glänzende Gnadengeschenk von 120 M. gewähren. Einen„Bettel" nannte das Genosse Singer. Und zwar ein Bettel, durch den nur die Armen- Pflege entlastet werde. Das ärgerte die Herren Ostelbier. Bei ihnen sei die Armenpflege so musterhaft, daß sie keiner Entlastung bedürfe— Ostelbien sei ein wahres Paradies für die armen Leute. Nun hatte Singer Gelegenheit, diese paradiesischen Zustände zu beleuchten und dabei das bekannte Wort des Gutsbesitzers von Kabinen als Laterne zu benutzen und den Herren Junkern unter die Nase zu halten. Nach Erledigung der Vorlage bettessend den Invaliden- fonds wurde die durch die Ferien unterbrochene Beratung des JnvaltdenversicherungS-GesetzeS wieder auf- genommen. Die Abstimmung über den Anttag L ö b e l l, die am 18. Mai nicht erfolgen konnte, weil sie die Beschlutz- Unfähigkeit feststellte(92 für, 82 gegen), ergab jetzt die Verwerfting des Anttages. Der Kampf drehte sich nur um das Institut der Rentenstellen. die Eugen Richter principiell verwirft, weil er in ihnen den Embryo eines neuen Polizei- dureaukrattschen Apparats erblickt und die demottatisch zu gestalten daS Ziel der socialdemofrattschen Fraktion ist. Unser Anttag, auch den Arbeiterinnen daS Wahl- und VerbesserungSrecht zu er- teilen, wird gleich unseren sonstigen Verfassungsanträgen ttotz lebhafter Befürwortung durch Molkenbuhr, Stadt- Hagen und Wurm abgelehnt. Nach einem lebhaften, aber mehr heiteren als ernsten Stteit um die bayrischen Eigentümlichkeiten und Reservattechte wurde die Debatte um 6�/» Uhr vertagt. Donnerstag: Fortsetzung der JnvaliditätS-Novelle.— Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus hatte heute eine umfangreiche TageS- ordnung zu erledigen. Zunächst wurde an Stelle des in den Ferien verstorbenen Abg. Bode der Konservative v. Wrochem zum Schriftführer gewählt. Durch Kenntnisnahme für erledigt erklärte das Haus sodann die Nachweisungen der aus dem Fonds zur Förderung deS Baues von Kleinbahnen bis zum Schluß des Jahres 18V8 bewilligten und in Aussicht gestellten Staatshilfen. Hierauf wandte sich das Haus dem wichtigsten Gegenstande der Tagesordnung, der zweiten Beratung des Gesetzentwurfes betr. die ärztlichen Ehrengerichte zu. Obgleich der EnUvurf 87 Paragraphen zählt, nahm die Beratung doch kaum zwei Stunden in Anspruch. Die Kosten der Debatte trug fast ausschließlich der Abg. Dr. Langer- Hans sfrs. Vp.). der in erster Linie für Ablehnung der ganzen Vorlage eintrat-und nach Ablehnung dieses Antrages wenigstens die allzu reaktionären Bestimmungen abzuschwächen oder zu beseitigen sich bemühte. Natürlich ohne Erfolg. Die Vorlage gelangte fast durchweg nach den Kommissionsbeschlüssen zur Annahme. Eine Aenderung wurde nur insofern getroffen, als dem§ 50 eine Bestimmung hinzugefügt wurde, daß die Kaffe der Aerztekammcr der Provinz Brandenburg und des Stadtkreises Berlin ihren Sitz in Berlin hat. AIS Termin für daS Inkrafttreten wurde der 1. April 1900 festgesetzt. Zum Schluß beriet daS HauS den Antrag Matth(Pole) und Gen. betr. die Anwendung körperlicher Strafmittel in Volks- schulen. Der Antrag verlangt einmal, daß den Lehrern die be- stehenden Grundsätze betreffend Anwendung körperlicher Straf- mittel in Volksschulen erneut eingeschärft und deren Be- folgung durch die SchulaufsichtSorgane streng überwacht wird. sodann aber auch, daß die Regierung in Erwägungen darüber tritt. ob die Anlvendung körperlicher Strafmittel seitens der Lehrer durch eine anderiveitige gesetzliche Regelung überhaupt nicht zu untersagen oder wenigstens bedeutend einzuschränken wäre. Die wenig geschickte Begründung des Antrages durch den Abg. Matth, der. statt die Anwendung der Prügelstrafe im allgemeinen zu verdammen, ledig- sich einzelne' Fälle zur Sprache brachte, in denen deutsche Lehrer polnischen Schülern gegenüber das Züchtigungsrecht niißbraucht haben, bewirkte es, daß selbst die Debatte über eine so wichtige Frage sich nicht zu der ihr gebührenden Höhe auf- schwingen konnte. Einige Eentrumsleute. die Lolköschnllehrer Geisler und Littard, glaubten die Gelegenheit für gekommen. sich dem Hanse als Prügelpädagogcn im wahrsten Sinne des Wortes vorstellen zu müssen, und der Konservative v. W i l l i s e n, seines Zeichens General-Leutnant z. D.. brockte es sogar fertig, den bor kurzem erfolgten Erlaß deS Kultusministers zu verurteilen und der Ansicht Ausdruck zu geben, daß man die Kinder nur durch Prügel zu loyalen Unterthanen erziehen kann. DaS Resultat der Debatte war, wie vorauszusehen, die Ablehnung des Antrages. Morgen: Initiativanträge und Wahlpriifungen.— #* Deutsches Weich. Der Ceuiorenkondcnt de« Reichstags verständigte sich heute über die Erledigung der parlamentarischen Geschäfte. Die Regierung ist für die Vertagung der Session; sie verlangt— und der Seuiorcnkonvcnt hat zugestimmt— Fertigstellung folgender Gesetzes- Vorschläge: JnvalidenversicherungS-Gesetz 2. und 8. Lesung. Nach- ttags-Etat 2. und 3. Lesung. Hypothekenbank-Gesetz Schuld- verschreibungs- Gesetz, Gebührenordnung für den Wilhelmskanal, Gesetz über das Flaggenrecht, Handelsabkommen mit England und endlich Znchthausvorlage 1. Lesung. Eventuell, das heißt, falls die spanischen Kortcs rechtzeitig fertig werden, die Vorlage, betreffs der Karolinen-Jnfeln. Ans Verlangen der socialistiscken Vertretung wurde auch be- schloffen, die W a h l p r ll f u n g e n vor der Vertagung vollständig zu erledigen. Jedenfalls wird die ZuchthauSvorkage der letzte Bcrawngs- gegenständ sein. Da allseitig der Wunsch herrscht, die Geschäfte möglichst rasch zu erledigen. so dürfte die Vertagung nach etwa 14 Tagen erfolgen können. Der Wiederzusamm e n tritt deS Reichstags ist für den 14. N o v e m b e r in Aussicht genommen.— „Nach dem A kommt gleich daS V, daS ist die Ordnung im Abc." Wie die„Magdeb. Ztg." zuverlässig erfährt, Ivird dem Reichs- tage noch ein zweiter NachlragSe'tat zugehen, in welchem ntcht nur die Entschädigung für den Erwerb derSüdsee-Jnseln, sondern auch ein« Pauschalsumme für die Verwaltung der Inseln enthalten ist.— Wir haben eben heidenmäßig viel Geld!— Verkümmerung des Bäckcrei-NrbeitcrschutzeS. Die Bestrebungen auf Bcscitigniig des geringfügigen Schutzes. der den Bäckerei-Arbeitern durch den Maximal- Arbeitslag gewährt wurden, gewinnen immer greifbarere Gestalt und dabei wird es immer deutlicher, daß eS wirklich auf eine vollständige Beseitigung deS Moximal-Arbeitslages abgesehen ist. Dem Vorstande des Ver- bondcs der Bäcker und Berufogeiiosscn in Hamburg ging folgende Anfrage der dortigen Polizeibehörde zu: «Es ist bcautrogt worden, die Bekanntmachung deS Bundes- ratS vom 4. März 1890, betreffend Maximal-Arbeitszeit in Bäckc- rcien und Konditoreien, dahin abzuändern, daß statt deS zwölf- ständigen Maximal-Nrbeftstages eine achtstündige Minimal-Ruhe- pause eingeführt werde, Der Antrag ist damit begründet worden, daß die Verordmrng des Bundesrats 1. nicht durchzuführen sei, ausgenommen bei Großbetrieben mit Schichtwechsel, 2. viel Unzufriedenheit zwischen Meistern und Gesellen her- vorgerufen habe, 3. denjenigen Unternehmern, welche bemüht gewesen seien, die Vorschriften nach Möglichkeit durchzuführen, erheblichen materiellen Schaden zugefügt habe. In dieser Veranlassung werden Sie um eine gefällige Acußerung bis zum 1. Juni d. I. darüber erstickt, welche Sreöung Ihr Ver- band zu dem vorstehenden Antrage einiümmr. Für die Begründung sind möglichst bestimmte Thaffacken anzuführen. Das heißt also nichts anderes, wie die Freigabe einer täglich 16 stündigen Ausbeutung. Der Störer des socialen Friedens, der angeblich des ZuchthanSschutzeS gegenüber den Arbeitern bedarf, ist das auSbeutungSsüchtig» Unternehmertum. Das Organ der Bäckergehilfen kündigt' an. daß die Bäcker, und nicht bloß die organisierten, fest entschlössen sind, sich den errungenen Borteil nicht gutwillig nehmen zu lassen, daß sie sich aber, wenn ihnen der Kampf aufgezwungen wird, nicht mit dem zwölf- oder dreizehnstündigen Arbeitstage begnügen, sondern daß sie dann den zehnstündigen fordern werden.— Fördenmg der thüringischen Kleinindustrie. Um die zer- splitterten Interessen der in Thüringen verstreuten Industrien zu- fammenzufassen und nach außen hin zu vertreten, namentlich auch, um Sbsatzquellen nachzuweisen und zu erschließen, hat sich vor Jahr und Tag in Weimar«in Verein von Musterlagern thüringischer Erzeugnisse gebildet. Der Verein umfaßt die kleineren Industriezweige, namentlich auch die charakteristische Kleineisenindustrie ganz Thüringens. Dieser Verein wandte sich auch an das Reich, um dessen Unterstützung für seine Be- strebungen zu erwirken. Der Staatssekretär deS Innern, Graf Posadowskh hat darauf einen Kommissar an Ort und Stelle entsendet, um die Verhältnisse zu prüfen. Ein Entschluß darüber, in welcher Weife daS Reich die Bestrebungen des Vereins, dessen Wirken ins- besondere auch für die dortige Hausindustrie sehr wichtig erscheint, zu uilterstützen in der Lage ist, soll demnächst in der Regierung gefaßt werden.— Soeialdemokratcn und Schulverwaltung. Socialdemokraten dürfen auch in Sachsen nicht Mitglieder eines SchulauSschuffeS sein. In Burgstädt in Sachsen war der Genosse Landgraf vom Stadt- verordneten-Kolleqium einstimmig in den Schui'auSschuß gewählt worden. Die Bezirks- Schulinspektion hatte seine Wahl für unzulässig erklärt, weil er ein socialdemokratischer Agitator ei, und daS Kultusministerium hat die dagegen er- hobene Beschwerde verworfen, weil„die socialdemokratischen Ideen chlechterdingS unvereinbar sind mit denjenigen Gesinmmgcn. deren Erziclung bei der Jugend als vornehmste Aufgabe der Volksschule nach Z 1 des mehrgedachten Gesetzes zu betrachten ist. denn die Grundlagen sittlich-religiöser Bildung, welche nach dem Gesetze de» Schülern durch Unterricht und Erziehung in der Volksschule ver- mittelt werden sollen, sind lediglich in einer mit der christlichen Religion im Einklang siebenden Sitten- und Pflichrcnlehre zu suchen, die vor allem auch auf die Hebung und Stärkung gesetzlichen Sinnes gerichtet sein muß. Dabei steht fest, daß im sächsischen Schulgesetze kein Wort von einem Bestätigungsreckte der Schul-AuisichlSbevörde gegenüber den Schul-Ausschugmltglicdcrn steht. Das Ministerium vermag sich auch in seiner langen Entscheidung mit keinem Worte ans ein solches gesetzliches Recht zu berufen, wohl aber redet es davon, daß ihm üe Inanspruchnahme dieses Rechtes im Gesetze nicht untersagt ist. Mit dieser Logik könnte die Behörde auch das Recht der Bestätigung von Gemeinderatsmitgliederii in Anspruch nehmen und Socialdemokraten mit derselben Begründung die Bestätigung versagen, denn verboten ist das nirgends. Diese Sorge um die Entfernung von Socialdemokraten aus der Schulvcrivaltuug bat übrigens ein großes Loch durch den Ilmstand, daß eine große Anzahl ländlicher Gemeinden gar keinen besonderen Schulausschuß haben, vielmehr die örtliche Schulverwaltung in den Händen des gesamten Gemeinderats ruht. Und in diesen Gemeinderäten sitzen zahlreiche Socialdemokraten.— Dresden, 7. Juni.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Der Deutsche G a st w i r t s t a g, der beule hier zusammentrat, nahm mit einer ziemlich scharfen Begründung einstimmig folgenden Antrag an: der geschäftsführende Ausschuß wird beauftragt, beim Kriegs Ministerium dahin vorstellig zu werden, daß die Hergäbe der Säle für Wahlversammlungen, gleichviel an welche politische Partei, nickt zum Ausgaugspunlti für mili- tärische Boykotts gemacht werde. Die Kulturanfgaben. In S P r e m b e r g in der Lausitz cirknsiert zur Unterschriftensammlung ein Aufruf über die Hochwasser- gcfahr, der den gesetzgebenden Körperschaften überreicht werden soll. In dem Aufruf heißt cS: Schon wieder durchdringt ein Notschrei das S p r e e t h a l. Das Hochwasser in der ersten Hälfte des Monats Mai hat die Umgegend von Spremberg und einen Teil der Stadt über- flutet und fast den Höchsistaud von 1897 erreicht. Zahl- reiche Häuser, in die das Wasser teilweise zum Fenster hineinfloß, Gärten, Wiesen und Felder haben bedeutenden Schaden erlitten und es ist zu befürchten, daß über kurz oder laug ein ähnliches, vielleicht noch größeres Unglück hereinbricht. Die Betroffenen sind wieder dieselben, die schon 1897 vom Hochwasser schwer heimgesucht wurden und vergeblich um Hilfe riefen. Seit 40 Jahren juchen. die An- wohner der Spree durch Petitionen und Borstelluugon darauf hinzulvirken. daß der Versandung der Spree ein Ziel gesetzt werde, aber es ist bis heute noch keine Abhilfe geschaffen.' Mau will, wie es scheint, die totale Versandung nicht zugeben, trotzdem das Flußbett der Spree bereits 2 Meter über der normalen Höhe liegt und an manchen Stellen sogar schon die obere Uferkante erreicht hat. Kein Wunder, wenn dann ein einziger Gewitterregen Hochwasser Hervornist und viele Grundstücke de» größten Teil des Jahres unter Wasser stehen. Tie gleichen Zustände herrschen im Sprcewaide, wo die Erträge in jedem Jahre zurückgehen. Was nützt daS alles. Die Bewohner des Spreethals werden noch weitere 40 Jahre petitionieren müssen. Wir brauchen unser Geld für die Arnice und den Bau schwimmender Festungen. Und was dann noch übrig bleibt, dafür kaufen wir etiva», was wir so nötig brauchen wie das liebe Brot, nämlich— Südiee-Jnseln. Wie soll da etwas übrig bleiben zum Regulieren der versandeten Spree?— Tie preußische Crnsur in Hessen. Die preußisch-hcssische Eiseubahn-Gcmeinschaft macht sich u. a. auch dadurch der hessischen Bevölkerung unliebsam bemerkbar, daß auf den Bahnhöfen keuie Zeitungen und Zeitschriften verkauft werden dürfen, die den Herr- schaften in Berlin gelegentlich unangenehme Wahrheiten sagen. So lange das nur die socialdcmokratische Presse betraf, regten sich die bürgerlichen Parteien nicht darüber auf. Daß aber auch Schritten wie der„Sinipsicissinms" und die„Zukunft" aus den Verkaufsstellen entfernt werden, ärgert auch manches sonst staatserhaltende Gemüt, wie das des antisemitischen Abgeordneten Köhler. Er interpellierte darob im hessischen Landtag und die Regierung wußte am vorigen Soimabend nichts weiter zu sagen, als daß die Ceusur über die Bahnhofs-Litteratur ein Ausfluß des Auf- sichtsrechtS der obersten Bahnbehörde sei. und daß sie selbst kein Recht mehr habe, den Herren in Berlin dahineinzureden. Für diese Antwort bezog sie eine wohlverdiente schlvcre Abtuhr. Von allen Parteien wurde Protest erhoben gegen diese Auffassung des Eisen- bakin-Vcrtragcs. Ter nationalliberale Abg. Schröder bezeichnete es direkt als eine„Pflichtvergessen hei t" seitens der hessischen Regierung, wenn sie eine solche Auslegung ruhig zulasse, und die Nationalliberalen Osann und Schmeel forderten im Verein mit dem Ultramontanen v. Brentano und den Anti- scmiten B ä b r und Köhler die Regierung auf, Schritte in Berlin zu thnn. um eine andere Praxis für die hessischen Bahnböfe zu erlangen. Gleichzeitig erklärten aber die national- liberalen und ultramontanen Freunde der Preßftetheit, daß selbst- verständlich gegen das Verbot der socialdemokratischen Litleratur auf den Bahnhöfen nichts einzuwenden sei. Dir social- demokratischen Abgeordneten David und Ulrich nagelten djese Art von„Gerechtigkeitssinn" gründlich fest und geißelten das schwäch- lichc Verhalten der hessischen Regierung der preußischen Reaktion gegenüber so scharf, daß den Herren am RegierungStisch die lächelnden Mienen, die sie zu Beginn der Besprechung zur Schau getragen hatten, ganz und gar abhanden kamen.— Ter Zar wünscht cS. Wie au? Mecklenburg-Strelitz berichtet wird, hat der E r o ß h e r z o g die Bitte der lutherischen Geistlichkeit, der als bevorstehend angesehene Konfessionswechsel der Herzogin Jutta, Braut des Erbprinzen von Montenegro, möge sich noch verhindern lassen, abschlägig beschicden. Die Herzogin sc, großjährig und habe ans eigenem Ermessen gehandelt und serner sei es der W u n s ch d e s Z a r e n. daß die Herzogin zur griechisch- orthodoxen Kirche übertrete.— Bom deutsch- polnischen VersöhnnngS- KriegSschanPlat,. In einer Boltsfchule in Oberschlcsien sind die Kinder ausgefordert worden, von der Schultafel ein„Versprechen" und ein„Gebet" ab- zuschreiben, die da lauteten: Versprechen. Wir geloben. von nun an untereinander nur deutsch zu sprechen. Wer daS Versprechen nicht hält, ist ein Schuft und muß bestraft werden. Gebet. Von den Menichcn. die unS im Deutschen hinderlich find, beschütze und behüte unS, o Gott, wir bitten Dick. Sie schaden uns im irdischen Leben und werden uns in der Not leinen Pfennig geben. Wir aber wollen stets das Deutsche lehren und auf unsere Feinde gar nicht hören. Die Erfolge dieser Methode werden gewiß nicht ausbleiben.— Shrontk der MajestLtSbeleidigiingS-Prozesse. Flensburg, S. Juni. Wegen Majestätsbeleidigung ist Anllage erhoben wider den Bäckergesellen Jessen auS Sonderburg, der in einem Wirtshause zu Craueusvy auf Alfen Wilhelm II. be- leidigt hatte. Der Angeklagte behauptet, daß er wegen starker Trunkenheit sich der Vorgänge nicht mehr zu entsinnen vennöge. Das Gericht verurteilte ihn zu drei Monaten Gefängnis. Wegen Beleidigung des deutschen Kaisers ist gegen die amerikanische Zeitung„New Dork Herald" ein objektives Strafverfahren eingeleitet worden. Das New Dorler Blatt hatte das Spottgedicht abgedruckt, ivclcheS Kapitän Coghlan nach seiner Rück- kehr von den Philippinen in vorgerückter Smnde bei dem ibm zu Ehren veranstalteten Bankett vorgetragen hatte. Vor der 7. Straf« lammcr des Berliner Landgerichts 1 verlas am Montag der Tol- metscher das Gedicht in der Ucbersetzuiig. Es trägt die Ueberschrist „Der Kaiser" und vestcht aus fünf Strophen, deren jede mit der Schlußzeile„Ich selbst und Gott" endet. Der Gerichtshof erkannte auf Grund des beleidigenden Inhalte« des Gedichts auf Einziehung der betreffenden Nummer des„New Dork Herald".— Heiteres ans dem Gothaer Landtag. AuS Anlaß der Zuchthausvorlage ist es im Gothaischen Landtag zu einem heftigen Ausammenstoß mit dem S t a a t S m i n i st e r v. Strenge gekommen, bei dem dieser Staatsmann aber den Kürzeren gezogen hat. Auf der Tagesordnung stand ein zum Etat bei dem Kapitel „Kosten der Slellverlrctung der Hcrzogthümer Koburg und Gotha im Bundesrat" eingebrachter Antrag des socialdemokratischen Abgeordnelen Vock:„Der Landtag wolle die herzogliche Staatsregierung ersuchen, ihren Bundesrats- Bevollmächtigten dahin zu instruiren, im Bundesrat gegen die sogenannte „Zuchthansvorlage" zu stimmen". Der Antrag war noch zu einer Zeit eingebracht worden, als die ZuchthauSvorlage erst m Aussicht stand, wurde aber vom Abgeordneten Bock auch nach der Einbringung des GesetzenrivurfS im Reichstage aufrechterhalten, weil der Entivurf ja unter allen Umständen noch einmal zur Beratung in den Bundesrat kommen werde, wenn der Reichstag dazu Stellung genommen hätte. Im Laufe der Diskussion war von dem Abgeordneten Bock nun wiederholt auf eine Er- klärung des StaatsnlinisterS von Strenge in einer Sitzung der Finanzkommission hingewiesen worden. Am 19. Mai hatte in einer sogenannten„Konferenz" der Finanz- konimission mit dem Ministerium der Abgeordnete Bock bei dem Staarsminister um Auökunst gebeten, ob ihm von Einbringung der ZuchthauSvorlage etwas bekannt sei. Der Staats minister erividerts darauf, daß eine Vorlage nicht eingegangen sei. daß aber eine Vorlage wegen Beschaffung von Material zur Zuchthaus- Vorlage vorliege. Bock fand es nun sehr merlwürdig, baß vor drei Wochen noch gar keine Vorlage vorhanden gewesen sei und nun ans einmal der Gesetz- entwurf fix' und fertig vorliege. Der Staats mini st er ent- qegnete, daß er in der Finanzkommission überhaupt keine Erklärung über die Zuchthausvorlage abgegeben habe. Und als ihm von allen Seiten zugerufen wurde: Oho! das ist stark! Noch nicht dagewesen! Das ist unerhört!" fuhr er mit erhobener Stimme' fort:„Ein jeder hört eben, was er hören will!" Die Sitzung wurde darauf vertagt; am andern Tage ließ jedoch der gestrenge Herr v. Strenge dem Landtage erklären, dah er die gegen den Landtag gerichteten Aeuherungen zurück- u e h m e. Der Landtag nahm darauf, wie wir schon gestern meldeten, einen Beschluß an, indem er sein B e d a u e rn n b e r die Zustimmung zur Zuchthausvorlage ausspricht. Und noch eine andere Folge hatte das Rencontre mit Herrn v. Strenge: Der Landtag beschloß, mit dem Staatsminister in der Kommission n u r noch in Gegenwart der Protokoll- f ü h r c r zu verhandeln. Das ist durchaus deutlich gesprochen vom Landtag.— Die deutsch- spanischen Handelsbeziehungen würden einen wesentlich freundlicheren Anstrich erhalten, wenn sich die Nachricht bestätigt, daß Deutschland Spanien die Meist- b e g ü n st i g u n g in Aussicht gestellt habe. wofür alsdann auch Spanien seine Vertrags Zollsätze ans die bei ihm ein- geführten deutschen Waren ausdehnen wolle. Ein mehrjähriger Zeit- räum der gegenseitigen Verärgerung würde dadurch sein längst- verdientes Ende erreichen. Stach den, für seine Handelspolitik grundlegenden Verträgen mit Oestrcich, Italien, Belgien und der Schweiz hatte Deutschland auch init Spanien Unterhandlungen angeknüpft. Vielversprechend waren diese von Anfang an nicht, da Spanien soeben(1892) seine Zölle ganz beträchtlich in die Höhe geschraubt hatte, vielfach bis zu einer prohibitiven Höhe. und da die begünstigten Industrien erklärlicherweise keinerlei Lust verspürten, sich ihre Beute durch vertragsmäßige Zugeständnisse an das Ausland wieder verringern zu lassen. Trotzdem einigten sich die be- teiliaten Regierungen schließlich über einen Entwurf, der dem deutschen Reichstag im November 1893 zur Genehmigung zuging. Deutschland hatte darin außer dem— schon durch die vorher- gegangenen Verträge gegebenen— Vcrtragstarif noch ver- schredene Ermäßigungen, besonders für Korlwaren und Süd- fruchte, versprochen. Umgekehrt gingen einige spanische Gegen- leistungen, so für Kartoffelmehl zu gewerblichem Gebrauch, für Eisen, Chemikalien, Spielzeug, über den spanischen Minimaltarif in der Einfuhrerlcichterung hinaus. Sonst war im Ivesentlichen die Meistbegünstigung festgelegt, aber nicht ganz all- gemein, sondern für einen genau umschriebenen, allerdings sehr mannigfaltigen Kreis von Waren. Die Annahme des Entwurfes in Deutschland machte keinerlei Schivierigkciten. Schon im Dezember 1893 war er hier glatt erledigt. Anders die spanischen Schutzzöllner, die den Entwurf auf das schärfste bekämpften, seine Erledigung erst durch Eiuleitung einer„Enquete" verschleppten und dann vollständig ver- hinderten. Nicht weniger wie zehnmal hatte Deutschland in Erwartung der schließlichcn Verständigung, das Handelsprovisorinm seit dcni 1. Februar 1892 verlängert, als es am 16. Mai 1894 seinen autonomen Tarif gegen die spanische Einfuhr zur Anwendung brachte. Spanien ging in seiner Gegenaktion sofort, über den Minimaltarif hinaus, zum Gebrauch seiner Maximal- sätze über. Darauf verfügte eine deutsche Verordnung" vom 23. Mai für die wichtigsten der aus Spanien und den spanischen Kolonien nach Deutschland eingehenden Waren die Erhebung eines 50prozentigen Zuschlagszolles. 1890 ist diese Verordnung zwar ans- gehoben worden, aber der spanische Minimaltarif ist in keiner Weise ein Ersatz der Meistbegünstigung, da zum Beispiel die schweizer und östreichische Stickerei und Spitzen- Industrie noch besondere Vertragsermäßigungen gegenüber der sächsischen Er- zeugung, die östreichische Schnhmacherer gegenüber der pfälzischen Konkurrenz genießt. Sächsische Exporthäuser haben so Filialen nach Böhmen verlegt, um für ihre Waren die bessere Behandlung östreichi- scher Erzeugnisse zu erhalten. Die beiderseitige Meistbegünstigung würde zwar nicht den 1893/94 gefallenen Vertrag voll ersetzen, aber manches drückende Verkehrshemmnis beseitigen.— Bon Samoa. Die Samoa- Kommission scheint nicht ohne Erfolg gearbeitet zu haben. Aus Apia wird vom 31. Mai gemeldet: Alle Machte handeln jetzt in Gemeinschaft und haben Wachtruppen gelandet. Der britische und der deutsche Konsul werden am 17. Juni nach Europa abreisen.— Der achtzigste GcbnrtS- tag der Königin von England wurde festlich begangen. In fcier- lichem Zuge wurden die Gräber der Engländer. der Amerikaner sowie der Deutschen besucht, welche in dem Kampfe von Fagalt inr Jahre 1889 gefallen sind.— Ausland. Belgien. Schutz der Gesundheit und dcS Lebens der Arbeiter. Der Kammer liegt jetzt ein Gesetz zur Beratung vor, das der Regierung das Recht einräumen will, für solche Betriebe Schutzvor- schriften zu erlassen, die in besonderer Weise Gesundheit und Leben der Arbeiter gefährden. Die Ausführung bezw. ihre Ueberwachung soll den von der Regierung eingesetzten Inspektoren übertragen werden. Man hätte erwarten sollen, daß alle Parteien vielem Gesetz ihre Zustimmung geben würden, umsomehr, als die Re- giernng gegen die Unternehmer stets mit übertriebener Toleranz vorgeht. Dem ist aber nicht so. Die Klerikalen, die sonst nicht müde werden, ihre Arbeiterfreundlichkeit zu betonen, sind da- gegen, weil dadurch das Kleingewerbe ruiniert werden würde. Es ginge nicht an, daß die Gesetzgebung in die Familie eingriffe: ein Kleimneistcr, der mit seinen Familiengliedern arbeite, dürfe einer solchen Kontrolle nicht unterliegen. Man sieht, es sind überall dieselben Argumente, mit denen die bürgerlichen Paneien jeden Fortschritt auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes bekämpfen. Der„Peuple" bekänipft die Einwände der Klerikalen, indem er mit Recht darauf himveist, daß auch dem Familienvater durchaus nicht ein absolutes Recht über Leben und Gesundheit seiner Familienglieder zugestanden werden kann. Greift doch die Gesetz- gebung auf unzähligen Gebieten in das Familienleben ein, z. V. rn den Fragen der Erziehung und deS Unterrichts. So gut ein Vater nicht ungestraft seine Söhne erschlagen darf, ist ihm auch nicht das Recht einzuräumen, sie durch Beschäftigung in sanitätswidrigen Räumen, mit gesundheitsschädlichen Stoffen und langsam zu töten. Die Beratung über den Gesetzentwurf ist noch nicht beendet. Italien. Italien in China. Rom, 7. Juni. Der Ministerpräsident Pelloux wieS den Gesandten Salvatore Rappi telegraphisch an. sich ungesäumt nach Peking zu begeben, um die Verhandlungen wegen Erlangung eines Stützpunktes zur Ausgestaltung der italienischen Handelsbeziehungen in Ostasien zu eröffnen. Studrntenkundgebnngen für Professor Ferri. Man schreibt uns aus R o nr unterm 3. Juni: Zahlreiche Studenten unserer Universität beschlossen gestern, dem Prof. Enrico Ferri. der gestern seine letzte Vorlesung in diesem Semester hielt, eine stürmische Ovatton darzubringen. Veranlassung dazu bot Fcrris mannhaftes Auftteten in der Kammer, wo er dem Ministerium Pelloux den Spiegel vor- hielt und die Feigheit des Generals Baratieri während des Feld- znges in«bessinicn brandmarkte. FerriS Hörsaal war dicht gefüllt. Fern schloß seinen Vortrag mit einem Gruß an die Jugend. Als er den Hörsaal verließ, begleiteten ihn die Studenten und ihnen schloffen sich zahlreiche Bürger und Arbeiter an. sodaß die Menge schließlich auf 400 Personen anwuchs. Die Kundgebung nahm einen ruhigen und würdevollen Verlauf, bis die Polizei einschritt und durch' täppischen Ordnungseifer Unruhen hervorrief. Es kam zu einem kleinen Scharmützel, dann gingen die Studenten fried- lich von bannen. Vor dem Parlamentsgebäude(Montccitorio) ver- sammelte sich später noch eine Studenteinchar, die Ferri hoch leben ließ. Auch hier mischte sich die Polizei unnötigerweise ein und nahm sechs Verhaftungen vor. Die Verhasteten würden dann auf Jntcr- vention der socialistischen Abgeordneten wieder freigelassen, bis auf einen Arbeiter, der einen... Schusterpfricmen bei sich hatte. Heute erneuerten sich die Stndcntcnkundgebungen für Ferri. Zu Ruhe« störungen kam es nicht, obwohl die Polizei sich wieder die größte Mühe gab, Tumulte zu provozieren.— Bulgarien. Unruhen in Bulgarien. Einige bulgarische Einwohner der Stadt P r e l e p e sind unter der Anschuldigung, sich an den Vor- bereitnngen zu einem Komplott beteiligt zu haben, verhaftet worden. Infolge dessen fanden Ruhestörungen statt, bei welchen es auf türkischer sowohl wie bulgarischer Seite Todte und Verwundete gab. Die Stadt ist von Truppen cernirt worden. Der Bali von Monastir ist dorthin abgereist.— Asien. Eiscnbahnban in China. Den„Times" wird aus Shanghai vom 6. Juni gemeldet, die britische Gesandtschaft in Peking habe dem Tsung-Ii-Aanicn mitgeteilt, daß das Pekinger Syndikat mehrere Eisenbahnen in der Provinz Schansi zu bauen beabsichtige und ferner den Bau einer Eisenbahn plane, um die Hoiinn-Bergwetke mit einer Stelle am Aang-tse-kiang, gegenüber Nanking zu ver- binden. Gegen den letzteren Plan wolle der Tsung-li-Vnmen Ein- sprnch erheben.—_ Die Massenattssperrnng in Dänemark. Der dänische Unternehmerverein hat an das Geschäftsamt des deutschen Untcrnchmerbnndes für das Baugewerbe folgendes Schreiben gerichtet: In Veranlassung des großen, hier in Dänemark herrschenden Konflikts zwischen den Arbeitgebern und Arbeitern, namentlich im Baufachc, erlauben wir uns hiermit, das Interesse des geehrten Verbandes in Anspruch zn nehmen, und ersuchen wir um Ihre werte kollegiale Stütze dadurch, daß die Mitglieder des Verbandes in folgenden Innungen: 1. Maurer, 2. Zimmerer, 8. Tischler, 4. Maschincntischler, 5. Sägcmühlen, 6. Maschinenbauer, Schmiede und Mechaniker, 7. Stuccateure und 8. Klempner keine von Däne- mark ankommende Geselle» in Arbeit nehmen»vollen. Der hier entstandene Streit dreht sich keincnfalls um eine Lohnfrage, sondern nur um des Meisters Mitbestimmungsrecht, die Ordnung und Verteilung der Arbeit, der Arbeits- zeit und dergleichen festzustellen. Unsere Arbeiter haben in den letzten Jahren durch große Nachfrage und dadurch eist- standencn hohen Arbeitslohn ihren Arbeitgebern gegenüber ein so übermütiges Betragen bewiesen, daß der jetzt etablierte „l-yolc-cmt," eine notwendige Folge geworden ist.— Für die Aufnahme der Arbeit haben die Arbeitgeber folgende Bedingungen aufgestellt: 1. Ein zwischen den Hauptorganisationen abgeschlossener Vertrag darf zukünftig nicht mehr zur Abstimmung in den speciellcn Organisationen zugelassen Iverden. 2. Das Recht des Arbeitsgebers, seine Arbeit zu leiten und zwischen den Arbeitern zu verteilen, sollen die Arbeiter an- erkennen. 3. Fcstaelohnte Poliere, Werkführer und ähnliche festangestellte Funktionäre dürfen Zukünftig nicht Mitglieder der fachlichen Gesellenvcreine sein. Andere Bestimmungen haben mit eine lokale Bedeutung und wollen wir Sie damit nicht bemühen. Wir erlauben uns, dieses Schreiben in mehreren Exemplaren zu senden mit der Bitte, dieselben in interessierten Kreisen der Arbeitgeber verteilen zu wollen und schließen mit der Hoffnung, daß Sie unserer Zumutung, keine dänischen Gesellen in Arbeit zu stellen, solange dieser liocle-cmt währt, Folge leisten wollen. Zum Gegendienste stets bereit, senden verbindlichst unseren kollegialen Gruß. Der Ausschuß der dänischen Arbeitgeber- und Mcistervereine. Kaspar Rostrup, 2. Vorsitzender. Was der deutsche Uiiternehmerbund auf diese internationale Inanspruchnahme geantwortet hat, ist uns noch nicht bekannt ge- worden, vermutlich wird er sich nicht ablehnend verhalten. Die., Kreuz-Zeitung" regte sich seiner Zeit sehr auf über den Beschluß des Gewerkschaftskongresses, die Textilarbeiter in Brünn zu unterstützen und wünschte Bestimmungen, daß solche Beschlüsse für null und nichtig erklärt werden könnten. Wie wird sie sich nun zu dieser Jnternati'onalität des Unternehmertums verhalten? Vavkvi �Nsutzvii�ken. Genosse Ed. Bernstein ersucht uns um die Aufnahme folgender Richttgstellung: In der Notiz des„Vorwärts" über meine im„Avanti" vom 28. Mai veröffentlichte Erklärung heißt es. daß in den Polemiken zwischen Labnola, Bissolati ec. mit Mcrlino„auch Bernstein scharf angegriffen wurde, so daß er sich veranlaßt sah, an Labnola einen Brief zn schreiben, den der„Avanti" heute veröffentlicht." Im muß darauf bemerken, daß mir, als ich den Brief schrieb, von Angriffen im„Avanti" aus mich nichts bekannt war. Die Sache ist einfach die, daß A. Labriola, mit dem ich seit Jahren bc- freundet bin, mir unterm 20. Mai schrieb, daß klerikale und konscr- vative Zeitungen in Italien sich auf mich beriefen, um in meinem Namen„die Auflösung, die Krists, die Agonie, das Ende des Marxismus und sogar des Socialismns zu protlamicren", und mir nahe legte, dagegen in einer objetttven, erklärenden Zuschrift an den„Avanti" öffentlich Stellung zu nehmen. Daraufhin habe ich an Labriola einen Brief geschrieben, in dem ich meinen prinzipiellen Standpunkt darlegte und den ich ihm f r e i st e l l t e, je nach seinem Ermessen im„Avanti" zu veröffentlichen. Labriola hat dies gethan, nicht ohne in der Einlenung zu meinem Brief den thatsächlichcn Vor- gang sachgemäß darzustellen. Er habe, sagt er dort, mir über den Gebranch, der in Italien von meinem Namen gemacht werde, sowohl ini Interesse der P a r t e i, als auch auf Grund seiner nicht erst aus iüngster Zeit datierenden Freundschaft geschrieben. Und icki füge hinzu, daß ich zu meiner Anttvort ausschließlich durch die gleichen Rücksichten bewogen wurde. Angriffe im„Avanti" auf mich haben mit meinem Brief nicht das geringste zu t h u n, sind mir auch bis heut noch nicht zn Gesicht ge- k o m in e n. Es liegt mir daran, dies ausdrücklich festzustellen. Im Anschluß hieran will ich noch bemerken, daß ich bezüglich MerlinoS in meinem Brief erklärt habe, mit verschiedenen der'von ihm heute vertretenen Ansichten principiell übereinzustimmen, daß ich mir aber als Fernstehender nicht das Recht zuspräche, mich in die taktischen und sonstigen Differenzen der italieniichen Socialdemokratie einzumischen. Bei der Stadtverordneten»»«!)! in Pforzheim siegten, wie Hon tclcgraphisch gemeldet, unsere Genossen in der dritten Klasse. Diese Klasse war schon bisher nur von Socialdemokraten besetzt. Auf unsere Liste fielen 1203 Stimmen, auf die gegnerische 960. Bei der Gemeindcratswahl in Zschiedge bei Dresden siegte in der Klasse der Unansässigen der von unserer Partei aufgestellte Kandidat. Politriliches, Gerichtliches usw. — Ein Beschützer der Gewerkschaften. Der Bürgermeister Wimmler in Neustadt(Orla) verbot eine zum Zwecke der Bericht- erstattung'über den Gewerkschaftskongreß einberufene Textilarbeiter- Versammlung„weil der Redner. Herr Karl Greifeld aus Apolda. nach der eingeholten Erkundigung socialdemokratischcr Agitator ist und die Bearbeitung der Gewerkschaften durch solche in socialdcmo- kratischer Richtung gerade in der Gegenwart einen solchen Umfang angenommen hat, daß durch dieselben eine dringende Gefahr für die öffentliche Ordnung herbeigeführt werden kann. — Wegen Streikpostenftehen waren 12 Arbeiter in Hannover vor das Schöffengericht citiert worden. Auch nach den Aussagen der zeugenden Polizeibeaniten hatten die Angeklagten nichts gethan, als ruhig beobachtet. Einer der als Zeugen anwesenden Schutzleute hielt es für angebracht, dem Gerichtshofe das Urteil des Liegnitzer Gerichts gegen die Streikposten zu überreichen. Das half ihm jedoch nichts, das Gericht sprach die Angeklagten frei. In der Begründung heißt es:„das Gericht habe angenommen, daß ein systematisches Streikpostenstchen stattgefunden habe, es sei auch zuzugeben, das; eine gewisse Anzahl von Personen dadurch beunruhigt sein möchten, indeß die öffentliche Ordnung, sowie der öffentliche Verkehr seien in keiner Weise gestört. D a S Streikposten st ehen au sich fei das gute Recht der Arbeiter"!— Wie lange noch?! Aus dev Frsuenbenregung. Im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse wird Montag, den 12. Juni, abends 8 Uhr. in den„Arminhallen". Äommandantcnstraße 20, Herr Dr. Paul Bernstein einen Vortrag halten über den Alkoholismus als Kultiirgefahr. Zu diesem Vor- trage sind die Mitglieder, sowie auch Gäste dringend eingeladen. Der Verein Francnwohl, Berlin, hat an das preußische Ab- geordiietenhans eine Petition gerichtet um gründliche Reform des Mädcheii-Schullveseiis und der Ausbildung von Mädchen-Schul- lehrerinntn in Preußen, sowie um Aufnahme von Frauen in die Schuldcpntationen und Schulaufsichtsbehördcn. Die Präsidentin dcö Nähertnncn-Berbandeö in Holland, Frau R. Vos, ist nunmehr durch die einsichtige Abstimmung der männlichen Arbeiter in der Stichwahl mit der zweithöchsten Stimmen- zahl in die Arbeitskammcr von Amsterdam gewählt worden. Massen-Protest gegen die Znchthansvorlage. Das vor beinahe Jahresfrist angekündigte, nun endlich erschienene Z w a n g§ g e s e tz hat die gesamte Arbeiterschaft ans den Plan ge- rufen, um den Kampf aufzunehmen gegen die fiiistercn Mächte der Reaktion. Die deutsche Arbeiterklasse weiß, daß sie den Kampf allein führen muß, wie ihre Presse allein cS ist, die das von den Stnmin- lingen herbeigesehnte und befürwortete Werk in seiner ganzen Ge- fährlichkeit für die Wcitcrcntwickcliiiig der Arbeiterklasse gebührend kennzeichnet. Der Stunnlauf gegen den Entwurf hat auf der ganzen Llnie begonnen; in fast allen' größeren Orten Deutschlands finden in den nächsten Tagen Versammliingen statt, in denen sich Tausendc und Abertausende deutscher Prolctaricrvereinen werden zu energischem Protest, Die Arbeiterschaft der Reichshauptstadt hat bereits gestern Abbild ihre Antwort auf das iicugcplantc K n e b e l g e s e tz gegeben; neunzehn V e r s a m ni lu n g.e n waren in Berlin und den Vororten einberufen. In Schaaren strömten die Arbeiter herbei, wissen sie doch, dnß eines ihrer wichtigsten Grundrechte auf dem Spiele steht. Die Versammlungen gestalteten sich zu einer t ni p o s a n t e n Kundgebung gegen das arbeiterfei nd- l i ch e Beginnen der Regierung. Sie waren für 8 Uhr anberaumt, aber schon lange vorher waren die Lokale überfüllt, so daß ein Teil bald nach Eröffnung polizeilich abgesperrt wurde. Den sämtlichen Versammlungen lag folgende Resolution vor: Resolution. Tie heutige Volksversaniinliing erklärt: Der Entwurf eines Gesetzes zum Schutze der gewerblichen Arbeitsverhältnisse, den die Regierungen dem Reichstag unterbreitete». ist ein Produkt krassesten Klassenvonirteils und ein Attentat ans das Koalitionsrecht. Die Erhebung dieses Entwurfs zum Gesetz würde baS KoalitionS- und Bcrcinsrccht der gewerblichen Arbeiter, die schon gegenwärtig durch die Handhabung der bezüglichen Bestilniniiiigcii durch Polizei- gcwalt und Gerichte aufs äußerste beschränkt sind, vollständig vernichten. Der Gesetzentwurf zeigt aufS neue, dnß wir in einem Klaffen- staate leben in dem die herrschen Gcivalten weder den Willen, noch die Fähigkeit besitzen, dem Arbeiter diejenigen Rechte zu gewähren, die er besitzen muß, um für seine Arbeitskraft den Preis zu erzwingen, den die Verhältnisse des ArbeitSmarktcS und die Höhe der Unter- uchmcrprofite ermöglichen. Während die Unternehmerklaffe in Ringen, Trusts, Verkaufs- genosscnschaftcn und Berufsorganisationen verbunden ist und mit Hilfe dieser Organisationen, unbehelligt von der Etaatsgelvalt und begünstigt durch eine nie dagewesene ProsperitätSepoche, dem Publikum für ihre Waren die höchsten Preise abnötigt und infolge dessen enorme Profite einheimst, ist es der Arbeiterklasse schon jetzt seitens des Staats wie der Untcrnchmerklasse fast unmöglich gemacht worden, ans eine entsprechende Erhöhung der Löhne hiuziiwirkeii niid an den Resultaten der allgemeinen Prosperität entsprechenden Anteil zu nehmen. Diese berechtigte Selbsthilfe der Arbeiterklasse künftig n o ch mehr als b i s h e r u n m ö g l i ch z u machen ist die uiiaus- blcibltche Folge der Vorlage, wie schlagend der Satz der vegriindiing beweist, in dem es heißt: „daß es sich gerade bei den Arbeitswilligen um ruhige, in die Staats- und Rechtsordnung sich schickende, für den Staat bc- sonders nützliche Elemente handelt, welche in ihre» mit de» StaatSintcreffc» zusammenfallenden persönlichen Jutcressen wirksam zu schützen eine wichtige»nd dringliche'Ausgabe der Staatsgewalt ist." Hiernach wird es für eine Aufgabe des Staates erklärt, der U n t e rn e h m e rk la ss e gefügige und billige Arbeits- kräfte zur Verfügung zustellen, ja ihr ein Recht auf solche einzuräumen. Es erscheint also für die bürget- liche Gesellschaft wohlthätiger und förderlicher. Millionäre zu züchten, die Klassengegensätze zn verschärfen und den Klassenhaß der Unterdrückten und Ausgebeuteten zur Glühhitze anzufachen, als dafür einzutreten, daß Millionen Arbeiter unter möglich st menschenwürdigen Arbeitsbedingungen beschäftigt werden, durch die ihre und ihrer Angehörigen Konsumfähigkeit erhöht und ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden gefördert werden. Die Versammlung protestiert auf das allerentschiedenste gegen diese Borloge und verlangt, daß nicht nur keine Bcschräukiiiig. sondern eine Erweiterung der Koalitionsfreiheit eintrete und diese insbesondere auch den ländlichen Arbeitern gewährt wird, daß ferner die gesetzliche Anerkennung der gewerkschaftlichen Organi- sattonen und volle Versammlungs- und Vereinsfreiheit verwirk- licht wird. Schließlich verlangt die Versammlung, daß endlich der Reichs- kanzler Fürst von Hohenlohe sein bereits vor zwei Jahren im Reichs- tag gegebenes Versprechen in Bezug auf den§ 8 des preußischen Vereinsgesctzes einlöse. Ueber den Verlauf der einzelnen Versammlungen liegen uns folgende Berichte vor:. Cohns Fcstsäle ivaren bis auf den letzten Platz besetzt. Das Referat hatte der Reichstags-Abgeordnete Auer übernommen, der nach einer eingehenden Erörterung über die Bedeiitting des Koalitionsrechts die einzelnen Paragraphen der berüchtigten Vorlage und das Bestreben des profitgierigen UnteriiehiiiertiimS, die Arbeiterschaft zu knebeln, einer vernichtenden Kritik unterzog. Die zweistündigen Ausführungen des Referenten, der zum lebhaften Protest und zum Anschluß an die Organisationen schließlich auf- forderte, wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen. Die Resolution gelangte einstimmig zur Annahme. Mit einem begeisternden Hoch auf die Socialdemokratie erfolgte der Schluß der Versammlung In die Bockbranerei strömten die Massen schon lange vor der fest- gesetzten Eröffnung. Der große Doppelsaal was bald gänzlich gefüllt und sprach der Referent Fischer vor zweitausend Zuhörern. Seine durchgreifende Kritik der Zuchthausvorlaqe, seine mit scharfem Hohn erfüllte zweistündige Rede fand häufige, zustimmende Unter- brechung, am meisten der Ausspruch: Nur eine Entschuldigung haben die, die eine solche Vorlage eingebracht, und zwar ihre gänz- liche Unkenntnis der wirtschaftlichen Verhältnisse. Nicht einer erhob seine Hand gegen die Resolution. Brausende, einstimmige Hochrufe auf die Socialdemokratie und den Referenten schlössen die Veo sammlung. Der große Saal von Bickel in der H a s e n h a i d e war bis auf den letzten Platz gefüllt. Vor mehr als 1000 Personen sprach hier der Genosse August Bebel. Schlagend wies er nach, daß für die moderne Arbeiterschaft das Koalitionsrecht zur Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse unbedingt notwendig sei. Dann unterzog Redner die Zuchthausvorlage einer schneidenden Kritik. Ganz abgesehen von dem Zuchthausparagraphen, würden durch sie die schlimmsten Erwartungen erfüllt. Ihre Annahme bedeute die Vernichtung des Koalitionsrechtes. Was es mit dem so lännend betonten gleichen Rechte für Arbeiter und Unternehmer auf sich habe, ersehe man daraus, daß der§ 153 der Gewerbe-Ordnung während 30 Jahren nur ein einziges Mal gegen Unternehmer angewandt worden sei, obwohl die Gelegenheit dazu häufig genug gegeben gewesen wäre. Bei Besprechung der einzelnen Bestimmungen der Vorlage wurde Genosse Bebel vielfach durch Beifallsbezeugungen unterbrochen, die am Schlüsse seines scharf pointierten Vortrages zu einem wahren Beifallssturm anschwollen. Nach einigen Worten des Genossen Reimann wurde die Resolution einstimmig angenommen, was mit Händeklatschen begrüßt Ivurde. Mit einem begeisternden Hoch auf die Socialdemokratie schloß die Versammlung. Im geräumigen Saal der Ressource, Kommandantenstraße, sprach vor überfüllter, auch von Frauen ziemlich stark besuchten Ver- sammlung der Abg. Heine über das„neueste Wunderkind der deutschen Gesetzgebung", wie er die Vorlage nannte. Die packenden und drastischen Anssühnmgen des Redners wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. In der Diskussion sprachen Schweizer und S ch l ü g e I in wirksamer Weise. Die Resolution gelangte zur einstimmigen Annahme. Im„Märkische» Hof" sprach Abg. Fischer- Dresden vor ca. 600 Personen, die den Saal bis zum letzten Platz füllten. Der Referent führte in seinem oft von Beifall unterbrochenen Vortrage aus, daß durch die Zuchthausvorlage weniger die sog. Ausschreitungen, sondern vielmehr die Ausübung des Koalitionsrechts getroffen werden solle. Minutenlanger begeisterter Beifall lohnte den Redner am Schluß seiner Ausführungen. Die Protestresolution fand ein- stimmige Annahme. In Kellers �Etablissement sprach Abg. Singer. Bereits um 8/48 llhr waren Saal und Galerien dicht gefüllt und in immer größeren Schaaren strömten die Versammlungsbesucher herbei. Um 8 Uhr war das Lokal bis auf den letzten Winkel besetzt und wurde schließlich auf Veranlassung des überwachenden Beamten gesperrt. Die Zahl der Versammlungsteilnehmer mag ca. 4000 betragen haben. Gen. Singer, bei seinem Erscheinen lebhaft begrüßt, unterzog das neueste Erzeugnis deutscher Gesetzgebungskunft in zweistündiger, von häufigem. stürmischem Beifall unterbrochenen Rede einer schneidenden Kritik und zerpflückte gründlich die einzelnen Paragraphen der Zuchthaus- vorläge. Die Resolution wurde einstimmig angenommen und die Ver- sammlung unter einem stürmischen Hoch auf die Socialdemokratie geschlossen. _ In der Urania, Wrangelstraße, sprach in überfülltem Saale Reichstags-Abgeordneter H a a s e-Königsberg. Die Galerien durften nicht besetzt werden. Wohl an 1000 Personen, darunter viele Frauen und Mädchen, waren anwesend. Das fast zweistündige, treffliche Referat geißelte die Regierungsvorlage nebst Begründung und Denk- schrift in drastischer Weise; mehrfacher stürmischer Beifall unterbrach die Ausführungen des Redners. Die Resolution fand einstimmige Annahme. In der Drachenburg, deren Saal circa 800 Personen faßt, wurde die Versammlung um SVe Uhr polizeilich gesperrt. Ge- nosse R o s e n o w sprach unter großem Beifall der Versammelten. Am Schluß wurde die vorgeschlagene Resolution einstimmig an- genommen. Im großen Saale der Brauerei Friedrichshain sprach Molkenbuhr. Wohl über 3000 Personen hatten sich daselbst versammelt, als bereits gegen 9 Uhr die polizeiliche Ab sperrung verfügt wurde, und so einer großen Zahl von Einlaß suchenden der Besuch vereitelt wurde. Der Referent, der an der Hand des„Verbandes deutscher Industrieller" den Nachweis erbrachte, daß die koalierten Unteriiehmer in mehr denn greifbarer Form gegen die bereits bestehenden Gesetze, vorzugsweise die Bestimmungen des§ 8 des Vereinsgesetzes ohne Skrupel verstoßen, geißelte in gebührender Weise, wiederholt durch Beifall unterbrochen, den Gesetzentwurf, der eine Knebelung der organisierten Arbeiterschaft bedeute und diese zu willenlosen Werkzeugen des Kapitals und zu Sklaven des Unter- nehmertums zu degradieren wünsche. Durch einstimmige Annahme der Resolution erklärte die Versammlung unter stürmischen Hoch- rufen auf die Socialdemokratie ihren energischen Protest gegen die Vorlage. Die Versammlung im Kolbcrger Salon war überfüllt. Hunderte mußten umkehren, da das Lokal schon frühzeitig polizeilich abgesperrt war. Genosse Liebknecht, bei feinem Erscheinen lebhaft begrüßt, sprach in trefflicher Rede gegen die Vorlage. die er als ein Ausnahme- und Zwangsgesetz, gegen die deutsche Arbeiterklasse gerichtet, kennzeichnete. Die deutsche Arbeiterschaft werde aber auch mit diesem Angriff der Reaktion fertig lverden. Nach den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Aus- fiihrungen des Referenten wurde die Resolution einstimmig an- genommen. Die Versammlung in MierkeS Volksgarten war überfüllt; außer den 2000 Personen, die im Saale Platz gefunden, hielten große Massen den Garten besetzt. Genosse Hörster kritisierte in treffender Weise die Vorlage und deren Motive. Die Vorlage, wenn sie Gesetz werde, bedeute eine vollständige Vernichtung des Koalitionsrechts. Der Resolution wurde mit Begeisterung zu- gestimmt. Im Moabiter Gescllschaftshaus, das bis auf den letzten Platz gefüllt war(ca. 3000 Personen), sprach S ch i p p e l. In seiner l�/sstündigen Rede, die oft von großem Beifall unterbrochen war, unterzog' er die Zuchthausvorlage einer schneidenden Kritik. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Versammlung bei Ballschmiedcr in der Badstraße war von ca. 2000 Personen besucht, die gleiche Zahl mußte, weil der Saal gefüllt und polizeilich abgesperrt' war, wieder umkehren. Das Referat hatte Dr. H e r z f e l d, der an der geplanten Zuchthaus- vorläge eine vernichtende Kritik übte und zur' Agitation gegen das Knebelgesetz aufforderte. Der Resolution wurde mit Begeisterung zugestimmt. Schöneberg. Der große Saal des„Klubhaus", daS größte der Arbeiterschaft in Schöneberg zur Verfügung stehende Lokal, war überfüllt, so daß Tische und Stühle ausgeräumt werden mußten. In eingehender Weise kritisierte Abg.' K u n e r t die ungeheuerlichen Bestimmungen der Vorlage, durch welche das Koalitionsrecht der Arbeiter so gut wie beseitigt werde. Nach An- nähme der Resolution wurde die. Versainmlung mit einem kräftigen Hoch auf die Arbeiterbewegung geschlossen. In Charlottcnburg referierte Abg. C a l w e r. Die imposante Versammlung, die den geräumigen Saal und die Galerien auf„Bis- marckshöhe" bis auf den letzten Platz füllte und den Ausführungen des Referenten mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte. legten Zeugnis ab. wie sehr sich die Arbeiterklasse durch die Zuchthausvorlage in ihren heiligsten Menschenrechten bedroht fühlt. Rixdorf. Im Apollo-Theater sprach Fritz Zubeil vor 1500 Per- soneu. Den trefflichen Ausführungen des Referenten, die in dem Verlangen nach einer freien uneingeschränkten Arbeiterbewegung gipfelten, folgte tosender, langanhaltender Beifall. Die Resolution gelangte einstimmig zur Annahme. In Wcistensce war die Versammlung von ca. 900 Personen besucht. Die Ausführungen des Abg. Stadthagen, der den Gesetzentwurf rückhaltlos kennzeichnete, wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Aus der in der Versammlung herrschenden Be- geisterung war zu ersehen, daß die herrschenden Gewalten durch die Einbringung der Vorlage der Socialdemokratie unzählige neue An- Hänger zugeführt haben. Die Resolution wurde einstimmig an- genommen. Lichtenberg-FriedrichSberg. Die in Müller's Lokal statt- findende Volksversammlung, welche von ca. 700 Personen besucht war(leider war der Versammlungsraum zu klein, um noch mehr fassen zu können), folgte den Ausführungen des Referenten, Abg. Wurm, mit gespanntester Aufmerksamkeit. Zahlreiche Beifalls- und Protestnife bei einzelnen besonders drastischen Ausführungen des Referenten zeugten von der Erbitterung und der Kampfeslust, welche durch die Zuchthausvorlage in der Arbeiterwelt erzeugt wurden. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Auch andere Parteien und die der Socialdemokratie fernstehenden Arbeiterorganisationen beginnen die Agitation gegen den Entwurf. So tagte bereits am Dienstagabend im Handwerkersaal eine von den Nationalsocialen ein- berufene, zum weitaus größten Teil aber von unseren Parteigenossen besuchte Versanimlung, in der Pfarrer Naumann gegen das Zuchthausgesetz sprach. In der Versammlung des OrtSvereins derMaschinen- bau- und Metallarbeiter IV(Hirsch-Duncker) wurde eine Resolution, die sich energisch gegen die Vorlage ausspricht, ein- st i m m.stg angenommen._ Gemevkfcholfttiches. Berlin nud Umgegend. Die ausständigen Steinsetzer haben an die städtischen Be- Hörden und Vertretnngs- Körperschaften Berlins und der Vororte eine Denkschrift gerichtet, in der sie die Gründe des Streiks in sachlich ruhiger Darstellung schildern und ihre Fordenmgen in treff- ticher Weise begründen. Der Zweck der Denkschrift ist, dem Ver- langen der Meister auf Verschiebung der notwendigen Pflasterarbeiten ans spätere Zeit entgegenzutreten. Bei objektiver Würdigung der durch die Denkschrift gekennzeichneten Sachlage können die Gemeinde Verwaltungen den Wünschen der Unternehmer unmöglich entgegen kommen. An die Stuccateure Berlins. Kollegen! In zwei Städten, Leipzig und Dresden, sind die Kollegen in den Streik getreten, um den von den Zwangsinnungen unternommenen Angriff auf die Or- ganisation energisch abzuweisen. Die Kollegen beider Städte ersuchen uns, unsere Solidarität zu beweisen, indem wir den Zuzug serw halten. Lasse sich deshalb keiner durch Annoncen verlocken daselbst in Arbeit zu treten. Auch wird man Leute von hier zu verschicken suchen. Weise also jeder derartige Angebote ab. Beweisen wir, daß sich kein Berliner dazu hergieb't, unieren kämpfenden Kollegen in den Rücken zu fallen. Hoch die Solidarität! Die Ortsverwaltung. Achtung, Zimmerer! Bei der Baufirma Schreiber in Französ. B u ch h o I z haben die dort beschäftigten Zimmerer die Arbeit niedergelegt, sie verlangen einen Stundenlohn von 45 Pf.: der Unternehmer hatte es bis jetzt verstanden, Arbeitskräfte zu 36 Pf. pro Stunde aus der Provinz heranzuziehen, welche nun- mehr die Arbeit verweigern und obigen Lohnsatz verlangen, wozu sie sich umsomehr berechtigt halten, als Herr Schreiber zum größten Teil Arbeiten für den' Berliner Magistrat ausführt. Wir ersuchen deshalb vor allen Dingen, den Zuzug nach Französisch Buchbolz fernzuhalten. Desgleichen legten am Dienstag bei dem Zimmermeister Eidtner, welcher rür die Brauerei Hohen- Schönhauien die Arbeiten am Oranke-See ausführt. 8 Zimmerer die Arbeit nieder. Der Grund war ungebührliche Behandlung durch den Polier Höpner. Die Ver- Handlungen mit dem Unternehmer blieben erfolglos. Die Differenzen in dem Bangeichäfr Franzen, Lutherstraße, sind noch nicht beigelegt, der Platz ist streng zu meiden. Die VertrauenSmänner-Centralisation. Achtung, Steinarbciter Berlins! Die neue freie„Steinmetz- Innung zu Berlin" macht durch Aushang bekannt. daß am Freitag, den 9. Juni, abends 8 Uhr. im„Königshof", Büloivstr. 37, eine Jnnnngs- Versammlung stattfindet mit der Tagesordnung:„Wahl des Gciellen-Ausschusses." Es ist Pflicht aller bei Jnnnngsmeister» beschäftigten Steinmetzen, in dieser Versammlung zu erscheinen und dahin zu wirken, daß nur Kollegen in den Gcsellen-Ausschuß gewählt werden, welche unser aller Vertrauen besitzen und die Interessen der Steinarbeiter Berlins vertreten können. Der Vertrauensmann. Die Kammmacher und alle in der Kammindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen werden auf die Montag, den 12. Juni, abends 8>/z Uhr, stattfindende öffentliche Versammlung bei Fritz Wilke, Andreasstr. 26, auimerksam gemacht, in welcher Genosse Albin Mohs über die gegenwäruge Lage dieses Gewerbes sprechen wird. Näheres durch Annonce im„Vorwärts". Otto Popitz, Kammmacher, Neinickendorferstr. 37 a. Hof 2 Tr. Deutsches Ncich. Die Riemendreher in Elberfeld wollen, nachdem ihre Kollegen in Barmen den Zehnstundentag errungen haben, an ihre Unternehmer dieselbe Forderung stellen. Eine Versammlung, die in diesem Sinne Beschluß faßte, beauftragte den Vorstand des Textilarbeiter- Ver- bandes, die erforderlichen Schritte einzuleiten. Zum Maurerstreik in Dresden. Eine Generalversammlung der Innung der Baumeister und des Arbeitgeber-Verbandes für das Baugewerbe in Dresden hat jetzt zum Maurerstreik Stellung ge- nommen. Nachdem eine ganze Reihe irriger und falscher Behaup- tungen über das Entstehen des Streiks aufgestellt waren, hat man beschlossen, nicht mehr als wie 43 bis 45 Pfennig Stunden- lohn zu zahlen, die Forderungen der Arbeiter überhaupt rundlveg abzulehnen. Von dem Plane. eine Lohn r e d u k t i o n bis auf 40 Pfennig vorzunehmen, wie es erst ins Auge gefaßt worden ist, wollen die Herren aber gütigst absehen. Diejenigen der Streikenden, welche bis Sonn- abend, 10. Juni, nicht wieder an die Arbeit gehen, sollen aus- gesperrt werden. Die königlichen und städtischen Ban- behörden haben erklärt, den Tennin sür Fertigstellung städtischer und Staatsbauten um die Dauer des Streiks hinaus- zuschieben. Zum Schutze der ArbcitSivilligen sollen gegen- über Streikposten die„erforderlichen Maßnahmen" ergriffen werden. Der Kampf ist durch diese brutalen Gewaltbeschlüsse in ein außerordentlich ernstes Stadium getreten. Ter Streik der Möbeltischler in Stuttgart ist in eine neue Phase getreten. Die Unternehmer wollen einen Gewaltstreich aus- üben; sie beschlossen, alle Tischler auszusperren, wenn bis zum nächsten Sonnaoend die Möbeltischler nicht wieder zur Arbeit zurück- gekehrt sind. Tie Maurermeister i» Augsburg erklären in der Presse, daß der Maurerstreik beendet sei. Demgegenüber teilt uns das Streik- tomitee mit, daß der Streik unverändert fortdauert. Die Bergleute in Edderitz und Umgegend(Anhalt) streiken wegen Matzregelung von Kameraden. Die dortigen Bergleute sind erst seit kurzer Zeit organisiert. Bor einigen Wochen wurde ein Bergarbeiter entlassen, ivie es heißt, weil er in einer Bergarbeiter- Versammlung einen dem Referenten zustimmende» Zwischenruf ge- macht haben soll. Die Arbeiter forderten in höflicher Weise die Wiedereinstellung des Gemaßregelten und zugleich die Erhöhung des 3 Mark betragenden Schichtlohns um 20 Proz. Als Antwort wurde wenige Tage darauf beim Verlesen weiteren sieben Bergleuten ge« kündigt. Eine Eingabe um Lohnerhöhung wollte man nicht erhalten haben. Sofort legte die ganze Mannschaft bis auf wenige Leute die Arbeit nieder. Die andere Schicht that dasselbe und von der 220 Mann betragenden Belegschaft streiken jetzt 180 Mann. Die Ge- maßregelten sind alte Leute, die meist einige Jahrzehnte auf der Grube arbeiten... Die Maler und Lackierer in Dessau sind am 5. Jum m den Streik eingetreten, weshalb der Zuzug nach dort fernzuhalten ist. Ausland. Die Leiter der Aussperrungsbewcgnng verdienen dabei Geld, das ist die neueste Entdeckung, die gemacht wurde. Andersen und Rostrup, die beiden Vorsitzenden des Arbeitgebervereins sind beide an llntenwhmungen beteiligt, die fortarbeiten und natürlich erhöht zu thun haben, weil fast alle andern nicht arbeiten dürfen. Niels Andersen ist stark be- teiligt bei der Aktiengesellschaft„Joandia" in Randers: die nicht' in die Aussperrung einbegriffen ist. Tischlermeister Rostrup hat in seiner Sargfabrik eine Arbeiterschaft, die keinem Fachverband angehört, und daher sind diese Arbeiter nicht ausgesperrt. Rostrups Fabrik arbeitet, während alle anderen Sargmagazine in Kopenhagen stillstehen und nicht einmal Material bekommen. Herr Rostrup' hat sich vorgesehen m der Wahl seiner Arbeiter, und er konnte ruhigen Mutes der Aussperrung zustimmen, da er selbst dabei ja nichts riskierte. Bergarbeitcrstreik in Frankreich. In Montceau-Ies-Mines. in der Nähe von Creuzot, ist ein allgemeiner Ausstand der Berg- leute ausgebrochen. Alle Schächte sind verlassen. Militärische Hilfe ist erbeten worden._ Socinles. Eine Heilstätte für arme lungenkranke Frauen soll unter dem Namen„Carolagriin" in Schönheide im Vogtlande in Sachsen errichtet werden, und zwar vom Verein zur Begründung und Unter- Haltung von Volksheilstätten für Lungenkranke. Der 3,6 Hektar große Bauplatz liegt mitten im Walde in geschützter Lage. Der in seiner ganzen Anlage rationelle, zweckentsprechende Bau wird nächstens begonnen und kostet 425 000 M.; im Jahre 1900 hofft man damit fertig zu sein. Die Heilstätte wird im ganzen in 27 Zimmern Platz für 121 Betten haben. Eventuell soll auch eine Abteilung für Kinder eingerichtet werden. Die Anstalt ist die erste für weibliche Lungenkranke in Sachsen._ Gevichks �Äeikung. Eine Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung, welche gestern den Inhaber eines Zahnateliers Rndolf G r a e b s ch vor die I. Strafkammer des Landgerichts l führte, er- regte das lebhafte Interesse zahnärztlicher und zahntechnischer Kreise, deren Vertreter in großer Zahl den Zuhörerraum füllte. Als Sach- verständige waren Geh. Medizinalrat Dr. Long, praktische Aerzte Dr. Hub isch und Dr. Hurwitz, Gerichts-Chemiker Dr. Bischofs, Zahnärzte Kuntze, Kiesel und Dr. Weber, Zahntechniker Aus ch n e r, Chemiker Dr. L e b b i n geladen, als Nebenkläger ivar der Arzt und Kriminalkommissar Dr. G ü t h zur Stelle. Den Vorsitz führte Landgerichts- Direktor Dr. F e l i s ch, die Anklage vertrat Staatsanwalt G o e d e ck e, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t. Der Angeklagte kündigt in zahlreichen Annoncen an, daß es ihm gelungen sei, ein Mittel zu konstruieren, um Zähne völlig schmerzlos, ohne Narkose und ohne jede üble Nachwirkung zu ziehen und alle Zahnoperationen. Extraktion einer größeren Anzahl von Wurzeln ec., ohne jedes Schmerzgefühl des Panenten vorzunehmen. Natürlich hat der Angeklagte großen Zulauf und er rühmt sich, tausende von Patienten völlig schmerzlos von ihren Leiden befreit zu haben. Seine Methode besteht darin, daß er den Patienten teils Anspritzungen an das Zahnfleisch, teils Einspritzungen in dasselbe macht. Wie sich aus der gestrigen Ver- Handlung ergab, besteht das zu den Einspritzungen verwendete Mittel aus Eucain. in Iprozentiger Lösung unter Zusatz von einer gewissen Zusammensetzung von Menthol.— Er wurde angeschuldigt, in drei Fällen Patienten, die er nach seiner Methode behandelt hat, durch unangebrachte Anwendung des Mittels oder durch Kunst- fehler körperliches Ungemach beziv. Leiden verursacht zu haben. Er bestritt dies entschieden und behauptete, daß er durchaus nach den Vorschriften der Wissenschast kunstgerecht und nicht fahrlässig vor- gegangen sei. Es handelte sich zunächst um eine Frau, die sich mehrere Zahnwurzeln hintereinander hat ausziehen lassen. Sie wurde während der Operation ohnmächtig und wurde dann so nn wohl, daß ein Arzt herbeigeholt werden mußte und die Patientin die Nacht dort bleiben mußte, weil sie nicht transportfähig war. Sie ist in ihrer Wohnung noch Tage lang behandelt lvordeix bat wiederholt Ohnmächten erlitten, klagte über Steifheit der Glieder, nervöse Erregung ec. Der herbeigeholte Arzt Dr. Hu lisch hat die Patientin in einem bedenklichen Zu- stände vorgefunden. Der Angeklagte soll dem Arzt gesagt haben:„Wenn die Frau jetzt gestorben wäre. dann lebte ich auch nicht mehr, dann hätte ich zum Revolver gegriffen." Der behandelnde Arzt Dr. H u r w i tz hielt eine Vergiftung für vor- liegend.— In dem zweiten Falle, der aus dem August 1893 stammt, hat sich ein Patient einen Backenzahn ziehen lassen und es wird dem Angeklagten vorgeivorfen, daß er eine starke Blutung, die nach der Operation eintrat, nicht sachgemäß behandelt habe, so daß für den Patienten, der den Zahnarzt Dr. Weber schließlich holen mutzte, immerhin einige Gefahr eintreten konnte. Der letzte Fall betrifft den Or. meck. Kriminalkommisiar Güth, der gleichzeitig als Nebenkläger auftrat und 100 M. Entschädigung beantragte. Er will bei Gelegenheit einer Zahn-Extraktion von dem Angeklagten nicht kunstgerecht behandelt worden sein und infolge von fünf Injektionen eine Brandstelle davongetragen haben.' Zahnarzt Kiesel begutachtete, daß der Brand infolge forcierter Eucain-Jnjektion ent- standen sei.— Ter Angeklagte führte dem Gerichtshöfe eine ganze Reihe von Entlastungszeugen vor. die über seine Behandlung voll des Lobes ivaren. Unter diesen Entlastungszeugen befand sich auch der praktische Arzt Dr. Bischof, der bekundete, daß er zahlreichen Operationen des Angeklagte» beizuwohnen Gelegenheit hatte. - Der gerichtliche Sachverständige. Zahnarzt Kuntzen, hielt in allen drei Fällen eine Fabrläsfigkeit für vorliegend. Der Gerichtshof hielt zwei Fälle der fahrlässigen Körperverletzung für vorliegend. Da es eine Leichtfertigkeit sei, daß der Angeklagte, der kein studierter Zahnarzt sei. ein solches nach dem Gutachten des Dr. Bischoff gefährliches Mittel ohne Zuziehung eines Arztes an- wende, so verurteilte ihn der Gericbtshof zu 2 Monaten 2 Wochen Gefängnis. Dem Kriminalkommissar Dr. Güth wurde eine Buße von 50 M. zugesprochen. Zlrtzke und Oepvfchen. Frankfurt a. M., 7. Juni. t gesetzt worden. »i-rantwortlicker Redacteur: Stvgust Jacobey in Berlin. Mr den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verla» von Max Badina in Berlin. Hierzu S Beilagen u. Unterhattnngsblatt. St. 131. 16. MtWg. 1 Atllllge Veichstag. 87. Sitzung. Mittwoch, 7. Juni 1399. 1 Uhr. Am Tisch des Bundesrats: v. Gohler, v. Thielmann. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Verwendung von Mitteln aus dem Reichs- Juvalideufonds zur Unterstiitzung nicht anerkannter Invaliden, sowie Witwen und Waisen der Kriegsinvaliden. Abg. Graf Oriola(natl.): Das Gesetz hat bei einem Teile der Interessenten Freude und Genugthuung, bei einem anderen aber Schmerz und Enttäuschung hervorgerufen. Es mag anerkannt werden, daß endlich die Regierung den mehrfach und einstimmig gcfasztcn Beschlüssen des Reichstags nachgekommen ist. Es ist nun aber nötig, einen Schritt weiter zu gehen und die Pensionen der wirklich anerkannten Kriegsinvaliden zu erhöhen. Man hat auch wieder die Scheu nicht überwinden können, die Unterstiitzungen gesetzlich festzulegen: man will dieselben denjenigen Hinterbliebenen vorenthalten, bei denen ein Bedürfnis nicht vor- liegt. Das läuft wieder darauf hinaus, Gnadengeschenke an Stelle eines gesetzlichen Rechtes zu gewähre». Glauben Sie etwa, datz es die Zufriedenheit der Bevölkerung erhöhen wird, wenn wieder von allen Seiten Klagen über wirkliche oder angebliche Betternwirtschaft und Parteilichkeit der llntcrbehörden einlaufen werden? In der geplanten Beschränkung zeigt sich wieder jener Geist der Sparsamkeit, den ich allüberall besser begreife und verstehe, als gerade hier, wo es sich um eine Ehrenschuld des Vaterlandes an die Hinterbliebenen derjenigen Männer handelt, die mit ihrem Blute seine Einheit erkämpft haben. Meiner Ansicht nach bekommt in Frankreich die kinderlose Soldatenwitwe 450 Franks, die Witwen der bessergestellten Arbeiter beziehen in Deutschland 400 M.. da ist es denn doch wohl zu verlangen, daß der deutschen Soldatcnwitwe nicht 300, sondern 360 M. zugebilligt werden. Diese ganze Vorlage, die uns hier beschäftigt, trägt einen durchaus provisorischen Charakter. Wir erwarten, daß uns noch im Herbst dieses Jahres, spätestens aber im nächsten Frühling ein Gesetz zugeht, das endlich diese Materie einheitlich und organisch regelt. Nur unter dieser Voraus- sctzung stimmen wir für den vorliegenden Gesetzentwurf.(Beifall/ Abg. Graf v. Roon(k.): Meine politischen Freunde schlagen vor, daß das Gesetz nicht erst an eine Kommission gelangt, sondern möglichst schnell auch in der zweiten Beratung im Plenum erledigt wird.' Im übrigen möchte ich nur auf einen Mißstand aufmerksam machen, der sich für die Witwen der Offiziere bei diesem Gesetz ergiebt. Die Fragebogen, ivelche diejenigen Witwen, die Unterstützungen beanspruchen, auszn- füllen haben, sind leider geeignet, das Zartgefühl derselben arg zu verletzen. So müssen sie zum Beispiel angeben, ob sie er- tverbsfähig sind. Keine Offizierswitwe wird auch gerne detailliert die Schulden ihres Mamtes an die große Glocke hängen. Im übrigen aber müssen wir es mit Dank an- erkennen, daß mit dieser Vorlage die Wünsche des Reichstags in so schneller Weise beftiedigt sind und hoffen, daß wir dieselbe Erfahrung mit dem neuen Pcnsionsgesetz machen werden. Abg. Gröber(C.): Auch wir begrüßen freudig die Vorlage, und wenn wir sie auch nur für eine Abschlagszahlung halten, so halten wir es doch nicht für richtig, in diesem Augenblick alles vorzubringen, was sonst noch geschehen könnte. Wir werden ebenfalls dafür stimmen, daß die zweite Lesung ohne Kommissionsberatung im Plenum vor sich geht. Abg. Singer(Soc.): Ich kann namenS meiner politischen Freunde erklären, daß wir für das Gesetz stimmen werde», wenn wir es auch mit dem Herrn Vorredner nur als eine Abschlagszahlung betrachten. Die Regierung hat mit der Vorlage nur halbe Arbeit ge- macht. Die Begründung der Vorlage weist mit Recht darauf hin, daß die Witwenpensionen unzureichend sind für den Zweck, den sie erfüllen sollen, aber genau ebenso unzureichend sind die 120 M. für erwerbsunfähige und hilfsbedürftige Veteranen. Vor einigen Jahren hat zwar der Herr Staatssekretär des Innern gemeint, daß man auf dem Lande mit 120 M. auskommen könne, ich weiß nicht, ob er den jetzigen agrarischen Klagen gegenüber an dieser Ansicht noch festhält, sicher ist jedenfalls, daß erwerbsunfähige Leute trotz dieser Unterstützung der öffentlichen Ann«, pflege anheimfallen müssen. Es ist aber eine ganz unwürdige Auffassung. eine Verpflichtung, die man anerkennt, nur soweit zu erfüllen, daß die Leute, die man schützen will. doch noch der öffent- lichen Armenpflege verfallen. Wie bei allen socialen Ge- setzen unserer Zeit charakterisiert sich also auch die Beihilfe, die dies Gesetz gewährt, nur als eine Entlastung der öffent- lichen Armenpflege. Ich würde mich freuen, wenn nun wenigstens bei dem neuen Pensionsgesetz der Grundsatz zur Durch- führung gelangt, daß die gewährte Unterstützung zum Unterhalt der betreffenden Person ausreicht. Das ist auch gar nicht so schwer zu erreichen, wenn Sie sich entschließen wollten, den Vorschlag anzu- nehmen, den wir auch bei dieser Gelegenheit als den einzig richtigen machen, nämlich, wenn Sie die Kosten für diese Vorlage auf dem Wege einer Reichs> Sulkomincnstcner aufbringen wollten. Die arbeitenden Klaffen haben unter der Blutsteuer der allgemeinen Wehrpflicht schon schwer genug zu tragen, und es ist daher durchaus richtig, daß diejenigen Klaffen, deren Besitz im Falle eines Krieges geschützt wird, auch die Lasten dieses Krieges und seiner Folgen tragen. Um aber zu verhindern, daß die Personen, um die es sich hier handelt, auch nur einen Monat auf die ihnen hier in Aussicht gestellte Unterstützung warten muffen, sind auch wir dafür, daß das Gesetz ohne Kommissionsberatung möglichst schnell im Plenum durchbcraten wird.(Bravo I bei den Socialdemokraten.) Abg. Lenzmann(frs. Vp.): Auch meine politischen Freunde sind der Meinung, daß bei der allgemeinen Uebcreinstimmung, die in Bezug auf das vorliegende Geietz herrscht, lange Reden überflüssig sind. Wir werden für das Gesetz stimmen und' auch für möglichst baldige Beratung im Plenum. Abg. v. Standy(k.): Ich gebe Herrn Singer durchaus zu, daß für einen ganz erwerbs- unfähige» Menschen die Unterstiitzung von 120 M. nicht ausreicht. In vielen Fällen ist aber doch eine solche Unterstütziing>so wesentlich, daß die abiolute Hilfsbedürftigkeit dadurch gehoben wird. Weshalb Herr Singer hier wieder auf das Land anspielte, ist mir unverständlich. Die Armenpflege auf dem Lande ist in- folge der großen Naturalleistungen viel wirksamer als sie in den Städten sein kann.(Lachen links. Sehr richtig! rechts.) Die Aufbringung der Mittel zur Erhöhung der Unterstützung machen sich ja die Herren sehr leicht. Sie wissen doch ganz genau, daß für eine Reichs-Einkonnncnsteuer eine Mehrheit tveder im Bundesrat zu haben ist, noch auch im Reichstag, so lange die Socialdemokratie hier noch nicht die Mehrheit bildet. Ein Wort von Herrn Singer wird in den ivcitcstcn Volkskreiscn sicher tief verletzen. Er sprach von der Blutsteucr gewisser Volksklassen bei der allgemeinen Wehrpflicht. Unser Volk sieht heute die Wehrpflicht als die höchste Pflicht des Deutschen an und dabei wird es hoffentlich bleiben. (Bravo! rechts.) Abg. v. Kardorff: Herr Singer hat auch die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen können, ohne eine agitatorische Rede zu halten. Seine Behauptung, daß nur die besitzenden Klassen durch das Militär im Kriege geschützt werden, ist ganz falsch. Gerade die arbeitenden Klassen haben das allergrößte Interesse daran, unser Vaterland blühend und mächtig zu erhalten. Im übrigen stimme ich den Ausführungen der Vor- Ks„PmSrls" redner durchaus bei und bin für möglichst schleunige Erledigung des Gesetzes. Abg. Tinger(Soc.): Es ist eigentümlich, daß die Herren auf der Rechten, sobald jemand auch nur entfernt auf die ländlichen Verhältnisse anspielt, sofort höchst gereizt erwidern. Das zeigt, daß sie eine Erörterung dieser ländlichen Verhältnisse sehr ungern sehen. Herr v. Staudy meinte, die öffentliche Armenpflege sei' auf dem Lande besser als in den Städten. Nun, er wird doch nicht behaupten wollen, daß die von der öffentlichen Armenpflege auf dem Lande Untergebrachten besser wohnen als die ländlichen Arbeiter. Und was die Be- hausungen der ländlichen Arbeiter anbetrifft, so haben wir ja darüber in den letzten Tagen eine Aeußernng aus einem Munde gehört, dessen Loyalität bei den Herren da drüben wohl un- angefochten ist.(Sehr gut! links, Unruhe rechts, Glocke des Präsi- deuten.) Präs. Graf Ballestrcm: Ich erinnere Herrn Singer an das, was ich hier im Hause gesagt habe, daß unbeglaubigte Aeußerunaen des Monarchen hier nicht in eine Erörterung gezogen werden dürfen. Ich bitte ihn, sich danach zu richten.(Bravo! rechts.) Abg. Singer fortfahrend: Ich werde dieser Warnung gerne folgen, ich wollte nur beispielsweise darauf hiweisen, daß Kreise, die aus eigener sachverständiger Prüftmg in der Lage sind, die Arbeiterwohnungen in Lstelbien zu kennen, die Ansicht vertreten, daß in manchen' Fällen die Schweineställe dort besser sind als die Arbeiterwohnungcn.(Heiterkeit.) Wenn meine Ausftihrungen agi- tatorisch wirkten, so lag das nur an den von mir vorgebrachten Thatsachcn. Beseitigen Sie diese Mißstände, dann werden Sie solche Reden nicht mehr hören. Es ist mir nicht eingefallen zu behaupten, daß die arbeitenden Klaffen kein Interesse an der Aufrechterhaltung des Friedens haben, wir haben nur verlangt, daß die Lasten des Krieges m ge- rechter Weise auf dieBevölkerungsschichten verteilt werden, und Sie werden nicht bestreiten können, daß die Millionen Arbeiter viel schiverer unter dem Militarismus zu leiden haben, als die Besitzende». Ich habe daher keine Veranlassung, auch nur ein Wort von meinen Aus- führungen zurückzunehmen.(Bravo! bei den Soc.). Die Diskussionen über die ländlichen Verhältnisse können die Herren übrigens am besten dadurch beseitigen, indem sie dem Landarbeiter das Koalittons- recht geben und sich nicht hinter dieser sog. Zuchthausvorlage ver- stecken.(Beifall bei den Soc.) Abg. v. Staudy(k.): Der Abg. Singer täuscht sich in seiner Ansicht über die länd- lichen Arbeiterwohnungen nach allen Richtungen. Die Wohnungen im Osten werden mit jedem Tag besser.(Lachen.) Von dem Elend, wie es in den Städten herrscht, hat man auf dem Lande keine Ahnung!(Stürmische Heiterkeit links.) Damit schließt die erste Lesung der Vorlage. Es folgt die Forffetzung der zweiten Beratung des JnvalidenvrrsichcrungS-Gesctzes. Sie beginnt mit der Abstimmung über§ 51(Oertliche R e n t e n st e l l e n); derselbe wird, unter Ablehnung eines konservattven Abänderungsantrags, angenommen, und zwar in der K o m m i s s i o n s f a s s u n g, abgesehen von einigen Aenderungcn, die bereits vor den Ferien genehmigt waren. § 51a setzt fest, daß der Rentenstelle nach Anhörung des Vorstandes der Versicherungsanstalt durch die für den Sitz der Rentcnstelle zu- ständige Landescentralbehörde oder mit deren Genehmigung durch den Vorstand noch weitere Obliegenheiten übertragen werden würden. Die Kontrolle über die Entrichtung der Beiträge muß der Rentenstelle übertragen werden, wenn dies von dem Vor- stand der Versicherungsanstalt unter Zustimmung des Ausschusses beantragt wird. Die Abgg. Gerstenbergervic Herr Richter meint. Auch der Verband der Berufsgcnossen- schaften, auf den sich Herr Richter iveiter beruft, kann als eine un- parteiische Körperschaft nicht angesehen werden. Die Bcrufsgenoffen- schaften wollen die Verivaltung der Ilnsallvcrsicherung allein in ihren Händen behalten. Und wenn die Rentenstellen darin so im Laufe der Zeit ein Wörtchen mitzureden habe», so stört sie das sehr. Für die Sache aber wäre das unzweifelhaft ein Fortschritt, weil dann die. die die Gelder bewilligen, sie nicht gleichzeitig mit zu bezahlen haben. Herr Richter sprach von einer Blanco-Vollmacht. Ja, aber der Vollzug dieser Gesetze beweist, daß alle Augenblicke Fragen auf- tauchen, von denen man nicht weiß, wer sich mit ihnen zu be- schäftigen hat. Wenn da die Rentenstellen eingreifen, Iso wäre das eine sehr segensreiche Thätigkeit. Freilich könnten sie auch zu einer nicht segensreichen Thätigkcit benutzt werden. Aber näher liegt doch der Gedanke, daß sie nützlich wirken werden. Im entgegengesetzten Falle müßte ebenfo von vornherein eingeschritten werden. WaS die Auskunfterteilung anlangt, so find die gewöhnlichen Beamten zu derselben oft gar nicht im stände. Wenn man sieht, wie viele heute lediglich aus Unkenntnis der Gesetze benachteiligt werden, so mutz i»an zugeben, daß in der That ein dringendes Bedürfnis nach besonderen Auskunfrsstellen vorliegt. Zu den Rentenstellen wird der Arbeiter viel eher hingehen, als etwa zu dem Landrat. Wie gesagt, unsere ganzen Versicherungsgesetze sind so kompliziert, daß meistenteils auch die Beamten aus ihnen nicht klug werden. Die Rentenstellen- Vorsitzenden müssen alle drei Versicherungsgesctze kennen; sie werden also da die besten Jnforma- ttonen geben können. Abg. Richter(frs. Vp.): Ich habe die Notwendigkeit nicht bestritten, Auskunftsstellen zu haben. Ich behaupte nur, daß es sich ganz von selbst versteht, daß jeder Beamte über sein Ressort Anskunft giebt. Uebrigens: über die anderen Versicherungsgesetze Auskunft zu erteilen, das gehört doch keinesfalls zu den Obliegenheiten der Rentenstellen. Abg. Molkenbuhr(Soc.): Nach dem Antrag Gerstenberger können den Rentenstellen noch weitere Obliegenheiten übertragen werden, also auch die, über Kranken- und'Unfallversichcrungs-Reiitenansprüche ihre Meinung ab- zugeben. Abg. Richter(freis. Vp.): Unter iveiteren Obliegenheiten sind natürlich nur solche im Rahmen dieses Gesetzes zu verstehen. Damit fchlietzt die Debatte,§ 51a wird in der Gerstenberger- scheu Fassung angenommen. § 51b bestimmt: Jede Rentenstelle besteht aus einem ständigen Vorsitzenden und aus Beisitzern; ihr werden die erforderlichen Hufs- beamten beigegeben. Die Ernennung des Vorsitzenden,! sowie F e st s e'tz u n g seiner A m t s d a u e r und seiner Bezüge erfolgt nach Anhörung des Vorstandes der Versicherungsanstalt durch die mit der Verivaltung der Angelegenheiten des iveiteren Kommunal- Verbandes betraute Behörde; für diejenigen Anstalten aber, in ivelchen die beamteten Mitglieder des Vorstandes von der Landes- Centtalbehörde zu ernennen sind, durch die letztere. Die Abgg. Gerstenberger/s Nhr, m den.Kaiserhallcn" zu Steglitz statt. Referent ist Reichstags- Abgeordneter G. H o ch- Hanau. Zur Agitation für diese Vcrsamm- lung erfolgt am heutigen Donnerstag abends 7 llhr eine Flug- blatt Verteilung; die Genossen werden ersucht, sich möglichst pünktlich und zahlreich in folgenden Lokalen einzufinden: Schellhaase, Ahornstr. 2; Gärtner, Schloßstr. 8; Schimrock, Düppelstr. 7; Neumann, Albrechtstr. 16; Geil, Marksteinstr. 1. Aus Rixdorf. Wegen wiederholter schwerer Sittlichkcitsvcr- brechen, begangen an seiner 12jährigen Stieftochter, wurde der Dreh- Orgelspieler Wilhelm Sperling, aus der Juliusftr. 26, in Unter- suchiingshaft genommen.— Bürgermeister B o d d i n tritt am 8. d. M. einen 6 wöchigen Urlaub an und wird in dieser Zeit vom Stadt- baurat Wctgand vertreten.— In der Bergstraße wurde dem 7jährigen Tvchterchcn des Klempners Albrecht aus der Prinz Hand- jerystraße von einem unbekannten Mädchen ein Portemonnaie mit 2 M. Jnbalt entwendet, für welche das Kind Einkäufe machen sollte. Derartige Diebstähle sind in letzter Zeit sehr zahlreich vorgekommen, jedoch konnte die Diebin bisher nicht abgefaßt werden. Balsam auf brennende Wunden. In seinem Haß gegen die Socialdemokratie hatte der Amtsvorsteher v. O p p e n unseren Partei- genossen in Adlershof bekanntlich die Maifeier verboten. Der Vertrauensmann Tempel richtete am Tage des Verbots, den 28. April, eine telegraphische Beschwerde mit bezahlter Rückantwort an den Minister des Innern. Die am selben Tage ergangene Antwort lautete, daß„das Gesuch zu Verfügung an den Regierungspräsidenten übergeben worden sei". Nebenher se» bemerkt, oaß Herr v. Oppen unseren Parteigenossen für den Fall des ZuividerhandelnS auch noch 60 M. Strafe androhte. Nach Monatsfrist haben Tempel und auch der in Bettacht kommende Gastwirt Schmauscr vom Land- rat die Antwort erhalten, daß er das Vorgehe» des v. Oppen billige und die Beschwerde als ungerechtfertigt zurückioeise. Es heißt dann in der Antwort weiter:„Die beabsichtigte Veranstaltung mußte bei dem demonstrativen Charakter, welchen schon die Ankündigung der- selben an den Anschlagsäulen trotz des Ihnen mitgetetttcu Verbots trug und auch mit Rücksicht auf den Tag der Veransialtniig und die Lage des Lokals die Be- fürchtung einer Störung der öffentlichen Ordnung und cme Beunruhigung des ordnungsliebenden(!) Theils der Adlershofcr Bevölkerung hervorrufen." Somit hat also v. Oppen verhindern wollen, daß der ordmmgsliebende Theil der Bevölkerung gegen die Arbeiterschaft Ausschreitungen begehe. Auch hat der Gastwirt Schmauscr ans seine Beschwerde an den Landrat darüber, daß ihm die G e n d a r m e n den Saal leerten und die Schlüssellöcher versiegelten, folgende Antwort erhalten:�„Ihre Beschwerde vom 8. d. M. weise ich hiermit als unbegründet zurück. Das am 23. April d. I. in Ihrem Lokale veranstaltete angeb- liche Familienfest mußte nach den angestellten Ermittelungen als eine ohne Erlaubnis veranstaltete öffentliche Tanzlustbarke, t angesehen werden und war der Herr Amtsvorsteher deshalb zu deffcn Vcr« Hinderung berechtigt und verpflichtet. �~. Die llntersagnng des Tanzvergnügens am 1. Mal d. I. war gleichfalls aus den in dem abschriftlich beigefügten Bescheide an- gegebenen Gründen gerechtfertigt." Die rechtliche Haltbarkeit dieser Stellungnahme, auf die wir uns nicht weiter einlassen wollen, kommt ungefähr dem Ver- halten gleich, das der Amtsvorsteher in der Angelegeiihelt der März illumination eingenommen hat. Rein vom mensch- lichen Standpunkte aus kam, man aber Herrn v. Oppen, der so manches Ungemach erleben mußte, beinahe den laiidrätlicheu Balsam gönnen. Ob er lange vorhalten wird, muß der weitere Verlauf dieser Angelegenheit lehren. Der„Fall Gchlsen" zieht der„Tägl. Rundsch" zufolge in Charlotten bürg immer weitere Kreise. Durch die Vorunter- suchung soll bereits eine Reihe von Magisttats-Unterbcamtcn in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Es war dem Charlottenburger Magistrat kein Geheimnis, daß Gchlsen von städtischen Angestellten Material für seine Angriffe und Beschuldigungen gegen die Stadt- leitung erhielt. Eine Haussuchung in Gehlsens Wohnung soll schwer Belastendes gegen eine große Anzahl Beamte ergebe» haben. Gchlsen hatte über jeden seiner Unter« und Zwischenhändler, sowie über seine„Geschäftsfreunde" Buch geführt. Das Haus eines mit Gchlsen in Verbindung stehenden Rentners soll den Sammelpunkt für die unzufriedenen Elemente gebildet haben. Stimmen diese Mitteilungen, so verdient die Letchtferttgkett, mit der Gchlsen die Beamten tompromittiert hat. viel härtere Ver- urteilung, als das angebliche Erpressungsvcrgehen, dcffen er sich schuldig gemacht haben soll. An der Arbciterfürsorge hat auch der Fiskus Wohl- gefallen, wenn sie für ihn profitabel ist. Aus Span d a u bc- richtet man: Bei der Erweiterung der militärfiskalsi che» Arbeiter- kolonie H a s e I h o r st bei Spandau weicht die Bauleitung neuerdings von dem ursprünglichen Plan, kleinere Landhäuser für 2 u»d 3 Familien zu errichten, ab und baut jetzt größere Gebäude für je 10 Familien. Obwohl nämlich die Mietspreise ungefähr auf dergleichen Höhe stehen wie die der Arbeiterwohiiungen in privaten Hänsern, vermochte die Militärverwaltung nicht die vorgeschriebene Verzinsung von 3>/s Proz. des Anlagekapitals zu erzielen, mit größeren Wohngcbäuden durfte dies eher erreicht werden. Ja, wenn die Arbeiter ostelbische Agrarier wären I Reitende Polizei hat die Stadt Spandau bekanntlich seit kurzer Zeit erhalten. Einen Beweis von der„Notwendigkeit" der Em- richtung hat dicic Reiterei am vcrslossenen Sonntag geben müssen. Vor den Thoren der Stadt unternahm sie nämlich eine Razzia, bei ivclcher eine große Anzahl Obdachlose aus ihren Schlupfwinkeln aufgestöbert, und weiter etliche unbernfcue Angler bei der Ausübung ihrer uner- lanbtcn Thätigkeit ertappt wurden. Natürlich»ahmen alle vor der anrückenden Reiterei Reißaus, doch gelang es den Berittenen, ciinge der flüchtige» Obdachlosen und Angler zu ergreifen und sie nach Spandau zu führen! Ein gräßlicher Vorgang spielte sich Dienstagnachmittag in der Nähe der Spandauer Bergbrancrei ab. Als der nach Spandau bestimmte Vorortzug an der Brauerei vorübergefahren war. er- kletterte ei» Mann von der Charlottenburger Chanssee aus den hohen Bahndamm und legte sich auf das Geleise. Obwohl der Zug- führer und viele Passagiere dies wahrgenommen hatten, konnte der Zug, licht mehr zum Halten gebracht werden und fuhr über den Unglücklichen hinweg, dem der Kopf und ein Arm vom Rumpf ge- treunt wurden. Der Selbstmörder ist als der 44 Jahre alte Arbeiter Schwieger vom königl. Fcucriverks- Laboratorium in Spandau rekognosziert worden. Langwierige Krankheit hat ihn in den Tod getrieben. Er hinterläßt eine zahlreiche Familie, die nun ihren Er- nährcr verloren hat. Ein schwerer Eifenbahn-Unfall ereignete sich Dienstag bei dem Bahnübergang Werneuchen. Als der Handelsmann Ludwig Neumann und seine Mutter mit ihrem Gespann den Uebergnng passieren wollten, brauste plötzlich der Zug heran und erfaßte den Wagen. Die beiden Pferde ivurden buchstäblich zermalmt, der Wagen zertrümmert und die Insassen tniaen schwer: Verletzungen davon; der junge Neumannn hat fich bei dem Sturz die Zunge durchblsieii. Mutter und Sohn ivurden mittels Fuhrwerks nach Werneuchen geschafft, wo sie ärztliche Hilfe erhielten. Das Unglück ist ans das Fehlen von Barrieren an dem Bahnübergang zurückzuführen._ Gerichts-Scikung. Wegen unbcfngter Anmaßung eines öffentlichen AmteS stand gestern der pensionierte Kriminalschutz mann Gustav Metier vor der III. Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte ist bis vor einer Reihe von Jahren be, der Kriminalpolizei angestellt gewesen und dann mit Pension ciitlassen worden. Seitdem hat er drei erhebliche gerichtliche Strafen wegen Betruges und Unter- schlagung erlitten und sitzt zur Zeit wegen Nöttguiig im Unter- suchungsgefängnis. In der Nacht vom 7. zum 8. Februar d. I. saß der Kaufmann M. im„Cafö National" und wurde dort von eiiier Dime durch beleidigende Redensarten dermaßen belästigt, daß er sich mit einer Beschwerde an den Geschäftsführer wenden mußte. Dieser erteilte dem Frauenzimmer eine ernste Rüge. Unmittelbar darauf erhob sich der an demselben Tische sitzende Angcktagte, erklärte, daß er Kriminal- Wachtmeister sei, und Ursuchte Herrn 8)1, ihm in einen Nebenraum zu folgen. Dort holte er eine Art Medaille hervor, bezeichnete sich nochmals als Kriminalwachtmeister, und erklärte, daß er Herrn M. zur Polizeiwache bringen müsse, da er nach der Behauptung des Mädchens ihr Zuhälter sei. Vor dem Polizeirevier in der Char- lottenstraße sagte Herr M., daß er den Polizeileutnant persönlich kenne. Da hat dann der Angeklagte geantwortet: Na, dann wollen wir nicht zum Leutnant gehen, dann werden wir gegen daS Mädchen vorgehen müssen. Er nahm darauf einige Lcgttimationspapicre des Herrn M. an sich und bestellte diesen zum nächsten Tage nach einem Zimmer des Polizeipräsidiums. Als M. dort eintraf, sah er, daß es sich um das Zimmer handelte, in welchem die Festgenommenen Photo- graphirt werden, und man wußte sofort, der nur Merk« der angebliche Kriminalbeamte sein konnte.— Der Angeklagte behauptete, von dem Vorfall gar nichts zu wissen, dy er im Jahre 1338 bei einen, Rccontre mit einem Einbrecher verletzt worden sei und seitdem seine Gedanken nicht beisammen habe. Der als Sachverständiger vernommene Arzt Dr. Joseph bestätigte, daß der Angeklagte im Jahre 1838 verletzt worden sei und an der traumatischen Neurose leide, ei» Krankhcits- zustand, der mit geistigen Störungen Hand in Hand gehe. Der Sachverständige beantragte, den Angeklagten zur Vorbereitung eines Gutachtens über dessen Geisteszustand auf 6 Wochen einer Irren- anstatt zu überweisen. Der Gerichtshof beschloß nach diesem Antrage. Die im Jahre vom Pfarrer Witte an St. Golgatha gegen Dopp und Genossen eingereicht gewesene, ursprünglich einheitliche Prwatklage wegen Beleidigung, die auf Antrag der Beklagten in mehrere«lagen zerlegt wurde, scheint nunmehr, nach beinahe 8 Jahren, sich ihrem Abschlüsse zu nahen. Eine Reihe wichtiger, vom Pfarrer Witte vorgeschlagener Zeugen ist inzwischen verstorben. Durch bekannte Vorgänge war es den Gerichten für mehrere Jahre unmöglich gemacht, die Sachen zu erledigen. Seit- dem die richterliche Thätigkeit nicht mehr lahmgelegt ist, sind mehrere dieser Angelegenheiten erledigt worden, nur die Prozesse gegen Postsekretär Henning und gegen Dopp selbst sind aus zener Zeit noch nicht zur Aburteilung gekommen. Die Pnvatklage des Pfarrers Witte gegen den Gymnasial- lehrer Dr. Ad. Busse am hiesigen Friedrichs-Gymnasium ist kürzlich vor der 147. Abteilung des Schöffengerichts unter Vorsitz des Assessors Dr. Karst e n durch Vergleich erledigt worden. Der Angeklagte erklärte dann:„Ich habe niemals eine Aeutzerung gethan, wie sie mir zur Last gelegt»vird und würde, wenn sie mir als von einem Dritten herrührend hinterbracht worden wäre, an die Ri-btigkeit des dann enthaltenen Vorwurfs niemals geglaubt haben. sAnmerkunq des Berichterstatters: Es betrifft dies Vorgänge, anläßlich welcher ein Dritter am 8. März 1338 wegen seiner gegen Pfarrer Witte gerichteten wissentlich falschen Anschuldigung zu 2 Jahren Gefängnis und 4 Jahren Ehrverlust verutteilt worden ist.) Was'den Vorfall am 5. Dezember 1891 betrifft, so besinne ich micki heute nicht mehr, die darin für den Privatkläger ent- haltene schwere Beleidigung ausgesprochen zu haben. Mit Rücksicht, daß mein Vertreter in einem Schriftsatz vom 14. April 1832 die betreffende Beleidigung zugegeben hat, muß ich jedoch mit der Möglichkeit rechnen, daß die betreffende Aeußmmg seiner Zeit thatsächlich gefallen ist. In diesem Falle nehme ich keinen Anstand, die dem Privatkläger dadurch zugefügte Beleidigung mit dem Aus- druck des Bedauerns zurückzunehmen. Im übrigen erkläre ich. daß mir bezüglich der Aeutzerungen vom 22. Oktober 1831 die Absicht, den Privalkläger zu beleidigen, vollständig fern- gelegen hat."— Privatkläger erklärte seinerseits:'„Wenn ich mit Bezug auf die vorangegangenen Verhandlungen am 5. Dezember 1891 zum Angeklagten geäußert habe:„Hiermit be- thätigen Sie kein tieferes ethisches Verständnis", so hat auch mir hierbei eine Beleidigung des Angeklagten fern gelegen."— Die Kosten des Verfahrens wurden zu zwei Drittel dem Dr. Busse und zu einem Drittel dem Pfarrer Witte auferlegt.— ZGesteri, stand wiedenim vor der 149. Abteilung des Schöffengerichts unter Vorsitz des Anitsrichters v. Krosigk eine aus dem Jähre 1897 stammende Pribatklage des Pfarrers Witte gegen Hrn. Diettich v. O e r tz e n. Chefredakteur des„Volk" an. Die Verhandlung endete auch hier mit einem Vergleich, in welchem dem Pfarrer Witte eine volle Ehren- erklärung gegeben wurde. Wie streng NnSschreitungen von Arbeitern gegen die Unternehmer auch nach geltendem'Recht geahndet werden können, mußte auch der Arbeiter Karl G r ö w e aus Fredersdorf erfahren, der sich gestern wegen Sach- beschädigung beim Landgericht II zu verantworten hatte. Der An- geklagte arbeitete in derPortlandcement-Fabrik inKalkberge Rüdersdorf, wurde aber am 20. März wegen ungebührlichen Bettagens ent- lassen. Er hielt sich darauf den ganzen Tag in der Schänke auf und genoß viel Branntwein. Als er am Abend seinen Heimweg antrat, begegnete ihm das Coups des Direktors Brünn in g. des Leiters der Fabrik. der eben von einer Reise zurückkehtte. Der Angeklagte trat an den Wagen heran und rief dem Kutscher zu:„Anhalten! Hund verfl...!" Der Kutscher bog mit dem Wagen gewandt aus und nun schlug Gröwe mit einem dicken Knüttel in den Wagen hinein; er zertrümmette die Wagenlaterne und die Scheibe des einen Wagenfensters; verletzt wurde jedoch niemand. Der Gerichtshof erblickte in diesem Verhalten eine so unglaubliche Rohheit gegen seinen Arbeitgeber und einen so groben Straßcnexzeß, daß er sich bewogen sah, die Sachbeschädigung mit einem Jahr Gefängnis zu bestrafen. Eindruck gemacht, soweit von einem solchen bei der kurzen Bekannt- schaff in einer Gerichtsverhandlung gesprochen werden könne. Damit sei aber noch nicht gesagt, daß ihre Aussagen der ob- jektiven Wahrheit entsprächen. So habe die kleine M. bei der polizeilichen Vernehmung erst ganz anders ausgesagt, wie jetzt unter dem Eindrucke des Zuredens ihrer Mutter. Bei Kindern so zatten Alters lasse sich der Einfluß neuer und verschiedenartiger Eindrücke gar nicht übersehen. Es müsse berücksichtigt werden, daß der Angeklagte bisher völlig un- beschälten und noch nicht bestraft sei. Einem solchen Angeklagten gegenüber habe das Gericht doppelt die Pflicht, zu prüfen,' ob das Ergebnis der Beweiserhebung nach allen Richtungen hin völlig unaufecht- bar sei. Es müsse dies verneint werden. Die Beweisaufnahme habe verschiedene Lücken gezeigt, auf die jetzt wegen der vorgerückten Zeit und wegen der Natur der fraglichen Thätsachen nicht näher eingegangen werden könne. Besonders beständen zwischen dem objekttven Befunde, der von den medizinischen Sachverständigen einerseits bei dem Angeklagten, andererseits bei dem einem Kiiide festgestellt sei, Widersprüche, die sich nicht ohne weiteres lösen ließen. Aus diesen Gründen habe auf nichtschuldig erkannt werden müssen. „Handlungskommis" eine Beleidigung. Wegen Beleidigung durch die Presse verutteilte gestern die ersie Strafkammer zu Halle den Redacteur Genosse S w i e n t y vom„Volksblatt" dem Straß antrag gemäß zu 50 M. Geldstrafe eventuell 10 Tagen Gefängnis. Der Verbreckier hatte am 6. April unter der Spitzmarke„Der Land rat als Handlungskommis" einen Attikel veröffentlicht. welchem darauf hingewiesen war, daß der Landrat v. Richter Weißenfels in seinem Kreisblatte das evangelische Volks-Lexikon. welches im Mucker-Verlage von Velhagen u. Klasing in Bielefeld und Leipzig erschienen ist, empfohlen habe. Genosse Swienty meinte. der Landrat habe mit der Enipfehlung eines Tendenz-Lexikons parteiisch gehandelt und sei über seine Befugnisse als Be amter hinaus gegangen. Das Gericht erblickte die Beleidigung der Spitzmarke. m stand gestern der dem Schöffengericht. gefunden: Als der Nutcr der Anklage deS Betruges AP othekenbesitzer Kärl Prall vor Die Sttafthat wurde in folgendem Sachverhalt Angeklagte im Jahre 1894 die Luisenstädtische" Apotheke in der Köpenickersttaße erwarb, übernahm er gleichzeitig das Rezept zu einem Mittel gegen Epilepsie und Krämpfe, welches schon seit Jahren in der genannten Apotheke angefettigt und vertrieben wurde. Die Vorschrift stammte von dem verstorbenen Oberstabsarzt Dr. Starck her, welcher von dem Apotheker für jede eingehende Bestellung drei Mark erhielt. Das Mittel, welches in' vielen Zeitungen in bombastischer Weise angepriesen wurde, bestand aus einer Schachtel mit 31 Pulvern und einem Päckchen Kräutern. Die Bestandteile setzten sich aus allen möglichen Mitteln zusammen, welche als nervenstärkend gelten, wie Baldnan, Kamille, Bibergeil, Faulbaum- rinde, Eichenmispel usw. Pulver und Thee kosteten zusammen 10 M. 50 Pf. Gelegentlich einer Revision ivurdcn die Mittel ge- funden, der dafür gefordette Preis, sowie die reklamenhafte Art des Betriebes wurden beanstandet und gegen den Angeklagten wurde das Verfahren wegen Betruges eingeleitet. Der Angeklagte behauptete mit Entschiedenheit, daß er sich im guten Glauben befunden habe. Sein Vorgänger habe ihm auf Befragen ausdrücklich erkätt, daß der Verkauf' des Mittels völlig einwandsfrei sei. Daß es gegen Epilepsie kein unfehlbares Mittel gäbe, wisse der Angeklagte wohl, die in Rede stehenden Medikamente müßten durch die Art ihrer Zusammensetzung aber doch eine gute Besserung bewirken, denn er sei im Besitze vieler Dankschreiben von Geheilten. Auch der Preis könne ihm nicht in den Verdacht des Betruges bringen, denn die Medizinaltaxe sei streng inne- gehalten. Der gerichtliche Sachverständige, Physilus Dr. Stürmer, war der Ansicht, daß der Angeklagte als geprüfter Apotheker unmöglich derUeber zeugung sein konnte, die bettcffenden Mittel besäßen die in so über ttiebener Weise angepriesene Heilkraft. Es seien ganz gewöhnliche Mittel, welche bereits ini vorigen Jahrhundert angewendet wurden und allgemein bekannt seien. Pulver und Thee hätten einen Einkaufs- und Arbeitswert von insgesamt 2 M. 23 Pf. und der Angeklagte lasse sich dafür 10 M. 50 Pf. zahlen. Der Gegensachverständige. Apotheker Dr. Griin- bäum, vertrat die Ansicht, daß der Preis nicht zu bemängeln sei. Es stehe deni Apotheker das Recht zu. einzelne Medikamenre im großen herzustellen und vorrätig zu halten. Bei Abgabe einer jeden kleineren Menge dürfe dann jeder darin enthaltene Bestandteil und ebenso die Arbeit so berechnet werden, als sei die kleine Menge besonders her- gestellt worden. Ueber die mehr oder minder große Wirksam- I e i t einer ärztlichen Verordnung st ehe einem Apotheker ein Urteil nicht zu!— Es gelangten sodann viele Aussagen von kommissarisch vernommenen Zeugen zur Verlesung, woraus hervorging, daß dieselben die Krampfmittel ohne jegliche Wirkung angewendet hätten. Der Staatsanwalt hält das Vorgehen des Angeklagten für so verwerflich, daß er gegen ihn eine Gefängnisstrafe von drei Monaten und 500 M. Geldsträfe beanttagte. Der Gerichtshof, unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrats Schmidt, gelangte zu der Ansicht, daß der Angeklagte keinen Zweifel daran haben konnte, daß die Heil- mittel nicht den angepriesenen Wert hatten und daß der Verkaufs- preis ein unverhälwißmäßig hoher sei. Es sei indessen eine einzige fortgesetzte betrügerische Handlung angenommen und mit einer Geld- strafe von 300 M. geahndet worden. Unsittliche Handlungen sollte der Sohn des Molkereibesitzers K r u m r e y aus der Soldinerstraße mit jüngeren schul- Pflichtigen Mädchen, die in das Geschäft seines Vaters zum Milchholen gekommen waren, begangen haben. K. ist vor etwa s echs Wochen in Untersuchungshaft genommen worden, aus der er gestern der Hl. Strafkammer' des Landgerichts I vorgefühtt ivurde. Die Oeffentlichkeit wurde für die ganze D a u e r der Verhandlung ausgeschlossen. Das Gencht vernahm eine größere AnzahlZeugen, darunter vier kleine Mädchen im Alter von etwa 9— 12 Jahren. Die Verteidigung des Angeklagten hatte der Rechtsanwalt Schwindt übernommen. Nach dreistündiger Verhandlung publizierte nach- mittags 5 Uhr der Vorsitzende, Landgerichtsdirettor Röseler, folgendes Urteil: Der Angeklagte wird freigesprochen. Es könne nicht verkannt werden, daß die Verhandlung eine Reihe von Umständen ergeben luve, welche geeignet seien, K. schwer zu belasten. Die beiden Kinder. l ie hauptsächlich in Betracht kämen, hätten einen durchaus günstigen Ein gefährlicher Baubudenmarder, der bereits vielfach vor- bestrafte Maurer Hermann Zimmer, wurde aus der Strafanstalt in Tegel, woselbst er eine ihm am 16. März d. I. wegen Diebstahls auferlegte viermonatige Freiheitssttafe verbüßt, wiederum der 1. Strafkammer des Landgerichts II vorgeführt behufs Aburteilung einer weiteren begangenen Strafthat. Diese bestand darin, daß Zimmer am 2. Dczeniber v. I. ans einem Bau in Pankow, att welchem er gerade beschäftigt gewesen war. aus der dortigen Bau- bude einen dem Zimmerpolier Ullbrich gehörigen Radfahrer-Anzug bestehend aus Jackct, Hose und Stiefeln, mitsamt der in dem Anzüge steckenden Radfahrkarte und einem Bunde Schlüssel gestohlen hat. Besonders der Verlust der Karte und der Schlüssel hat dem Bestohlenen viele Unannehnilichkeiten, Umstände, zeitraubende Gänge und Unkosten verursacht. Der Gerichtshof erblickte in dem Verhalten des Angeklagten, welcher die unglaubhafte Angabe machte, er habe die gestohlenen Sachen verloren, eine ganz besondere Nieder- trächtigkeit, welche auch besonders streng geahndet iverdcn müsse. und verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr Gefängnis. Warum ist es Pflicht der gesitteten Landarbeiter, aus Ostelbicn zu fliehe»? Der Knecht Labuntzki war am ersten Oster- feiettage des vorigen Jahres von dem Sobn seiner Dienstherrin. einer westpreußischen Gutsbesitzerin, anfgefordett worden, den Kuh stall auszumisten. L. lehnte dies ab und machte geltend, er sei nur für die vier Pferde der Herrschaft engagiert worden, er brauche des halb nicht den Kuhstall reinigen. Auch wäre ja erster Feiertag Diese Geltendmachung seines vermeintlichen Rechtes trug dem L ein paar Stöße und mehrere Ohrfeigen ein. Er verließ darauf den Dienst. Eine polizeiliche Aufforderung, das Dienstverhältnis fortzusetzen, beantwortete L. damit, daß er den Weg des Ver- waltungsttrcitverfahrpns beschritt. Er betonte vor den Gerichten. daß er sich um den Kuhstall nicht hätte bekümmern brauchen und daß das Äusinisten a>n ersten Ofterfeiertage der Religion und guten Sitte zuwiderlaufe. Der Kläger wurde jedoch in sämtlichen Instanzen abgewiesen. In der öffentlichen Verhandlung vor dem Ober- Verwaltungsgericht wurden Gründe nicht publiziert. Der Bezirks ausschuß hatte ausgeführt, daß die Ohrfeigen auf die Weigerung L.s angebracht s!) geweseil seien und daß sie eine Mißhandlung ungewöhnlicher Art nicht darstellten. Em Grund zum vorzeitigen Verlassen des Dienstes liege nicht vor. Versammlungen. Tie Maurer der lokalen Richtung hielten am Dienstag eine sehr stark besuchte öffentliche Versammlung bei Keller, Koppenstraße, ab, um über die diesjährige Lohnbewegung Beschluß zu fassen. Einleitend schilderte Fr. Kater die verschiedentlichen Mißstände, die trotz der Kämpfe, die in den letzten Jahren geführt wurden, vorhanden sind und zunächst beseitigt werden müssen. Nicht nur, daß die neunstündige Arbeitszeit vielfach überschritten wird, muß nicht selten' dasselbe Quantum Arbeit geleistet werden, wie vordem bei der zehnstündigen Arbeitszeit, so daß die Verkürzung der Arbeitszeit die erwarteten Vorteile thatsächlich nicht gebracht hat. Auch in der Beschaffung der Baubuden, Aborte zc. ist eine wesentliche Verbesserung nicht zu verzeichnen. Ebenso sind die weiteren, früher schon ausgestellten Forderungen wie die Be- feitigung des üblichen Markensystems, pünktliche Lohnzahlung, Lieferung des Werkzeuges, humane Behandlung seitens der Poliere u. a. noch nicht zur Durchführung gelangt. Der Redner bemängelt, daß die Maurer der ccnttalen Richtung, bevor sie den Beschluß faßten, 65 Pf. Stundenlohn zu fordern, keine Verständigung mit der lokalen Richtung angebahut haben, wie es zu einer einheitlichen und erfolgreichen Lohnbewegung notwendig wäre und empfiehlt schließlich die von der Lohnkommstsion in Vorschlag gebrachte Resolution zur Annahme. In der hierauf folgenden Diskussion äußetten sich fast alle Redner im Sinne des Referenten und wünschten, daß das Haupt- gewicht auf die wirkliche Durchführung der früher beschlossenen Forderungen und die Beseitigung der vorhandenen Mißstände gelegt werde. Von mehreren Rednern wurde das Vorgehen der ceniralen Richtung als unsolidarisch bezeichnet und einer herben Kritik umer- zogen. Von den beantragten Refoluttonen wurde die folgende gegen wenige Stimmen angenoninien: In Erwägung, daß am 9. April 1896 die Berliner Maurer nach ihrer Wiedervereinigung zur gemeinsamen Erringnng von günstigen Lohn- und Arbeitsbedingungen folgende Forderungen als z u n ä ch st zu er st reden hinstellten: 1. Maximalarbeitszeit von 9 Stunden; 2. Abschaffung sämtlicher Accordarbeit; 3. pünkt- liche Jnnehaltung der fest gesetzten Arbeitszeit; 4. humane Behandlung seitens der Poliere; 5. auf jedem Bau muß eine wasserdichte, zugfteie, verschließbareBude Vorhandensein zur Benutzung; 6. auf jedem Bau muß jemand bestimmt sein, der die Nahrungs- mittel herbeischafft: 7. der Lohn muß sofort nach Feierabend auf der Baustelle jeden Sonnabend für die gesamte in der Woche ge- leistete Arbeit gezahlt werden, ohne den Betrag für einige Tage innezuhalten: 8. Abschaffung des Zwanges, eigenes Werkzeug zu halten sSchlemmpinsel. Stemmzeug-c.), s o>v i e Beseitigung des gegenwärtig üblichen Zahl Markensystems; beschließt die heutige Versammlung, auch jetzt diese Forderungen als Hauptforderungen'aufrecht zu erhalten und' bei der jetzigen guten Geschäftskonjunktur, wo sie noch nicht erreicht sind, in erster Linie durchzuführen. Auf Bauten, wo die Forderungen bereits erreicht sind und unter den betreffenden Kollegen vollständige Einigkeit herrscht und wenn vorauszusehen ist, daß der Stundenlohn von 65 Pfennigen mit Leichttgkeit erreicht werden kann, möge mit dieser Forderung vorgegangen werden. Vor Ein st eilung der Arbeit ist aber die Kommission zu benachrichtigen, damit diese mit dem Unternehmer verhandeln kann.— Die Arbeit darf erst dann niedergelegt werden, wenn die Verhandlung gescheitett ist.______ VeVmtpchkes� Sieben Personen verbrannt! Ueber ein entsetzliches Brandunglück wird aus Stettin berichtet: Bei einer Feuersbrunst, die Mittwoch in den ersten Morgensttuiden in dem Hause Mauerstraße 3 ausbrach, fand die im Dachgeschoß wohnende Familie eines Hand- harmonikafpielers, im Ganzen sieben Personen, den Er- stickungstod. Die übrigen Bewohner des obersten Stockiverkes, denen der Weg durch das mit Rauch ganz erfüllte Treppenhaus ver- spertt war, wurden von der Feuerwehr mit Hilfe der Drehleiter gerettet. Schiffsuntergang. Aus Memel wird berichtet: Mittwoch- vormittag ist das mit Hettngsladung vom Haugsund nach Memel bestimmte norwegische Segelschiff„Septima" hier gestrandet und völlig zertrümmert worden. Der Kapitän wurde gerettet, die aus drei Mann bestehende Besatzung ist ertrunken. Unweit der Station Küstrin auf der Strecke Küstnn— Soldin geriet dieser Tage ein in dem 11.40 Uhr von Küstrin abgehenden gemischten Zuge 6 befindlicher offener Güterwagen mit 57 Ballon Schwefelsaure auf bisher noch unaufgeklärte Weise in B r a n d. Der Zug wurde sofott zum Stehen gebracht und das Zugpersonal verhinderte durch Bewerfen mit Sand und Kies eine Weiterver- breitung des Feuers. Eisenbahnunfall. Aus Münster i. W. wird vom 6. Juni be« richtet: Heute nachmittag 12 Uhr 40 Minuten entgleiste der Güter- zug 9781 in Km. 211—212 der Strecke Rbeine— Salzbergen. Der Zugführer ist tot. 15 Wagen sind stark beschädigt. Strecke voraus- sichtlich 24 Sttmden gespertt. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen auftecht erhalten. Verbreitung der Pocken durch russische Arbeiter. Slus D i r s ch a u wird berichtet: In einem Hause der Ulrichstraße hier sind, dem„Ges." zufolge, die Menschenpocken ausgebrochen. Der Ausbruch läßt sich nur dadurch erklären, daß die davon befallenen Leute in der katholischen Kirche durch die russischen Arbeiter angesteckt worden sind. Aus Köln a. Rh. wkd der„Volks-Zeitung" gemeldet: In dem bekannten Militärbefreiungs-Prozeß sind nunmehr bereits 72 Personen, darunter mehrere Aerzte, ermittelt. In den letzten Tagen wurden auswärts wiederum einige Verhaftungen vor- genommen. Die meisten Angeklagten gehören hochangestellten Familien an. Die Angelegenheit kam zur Kenntnis der Gerichts- behörde durch das Geständnis eines jungen Mannes, der die vom Arzt verordneten Pillen eingenommen hatte, um starkes Herzklopfen hervorzurufen, trotzdem aber zum Militär eingezogen worden war und dort alsbald einem Lazarett überwiesen wurde. Selbstmordversuch eines Gauners engros. Aus L e m- b e r g wird gemeldet: Der reiche Geldagent Bartel, welcher Wechsel im Betrage von 700 000 Fl. fälschte, machte, als er verhaftet werden sollte, einen Selbstmordversuch. Fcuersbrünste. Das Schwarzwalddorf Sankt Peter ist abgebrannt; nur das Kloster und die Kirche stehen noch und beherberge» alle Obdachlosen.— In der Ortschaft Palosca(Komitat Saros) sind 140 Gehöfte niedergebrannt. Die Einwohner verloren all ihrHab und Gut. — Eine Fcuersbrunst zerstörte die Ladebühne, das Förderhaus und Maschinenhaus des Braunkohlenwerkes Kromlau bei Weihwasser. Der Bettieb ist auf mehrere Monate zerstört worden. Gestern nachmittag sind in Kerzell bei Fulda sieben größere Bauernhäusern mit allen Wirtschaftsgebäuden niedergebrannt. Vieh kam in den Flammen um. Der schöne Rigo ist ein Opfer der— Pest geworden. Budapester Abendblätter bringen ein Telegramm aus Kairo, Rigo, der Geliebte der Prinzessin Chimay, dort an der Pest starben sei. Feuer in einer Strafkolonie. Am Sonnabend früh gegen Uhr schlugen Flammen aus einem Gebäude der Strafkolonie Laloze bei Bourges empor und versetzten die Jnsaffen der Anstalt in große Aufregung. Die streng disciplinierten Zöglinge machten sich'mit löblichem Eifer daran, unter Führung ihrer Ausscher den Brand zu bekämpfen und gelang es ihnen auch nach grtßen An« strengungen, das Feuer zu lokalisieren. Ein Auffeher, Namen» Siemon, Ivurde indessen das Opfer seines Mutes, da er trotz der Waniungen des Direktors in den Kuhstall drang, als derselbe be« reits lichterlob aufflammte, um sich zu versichern, ob alle Tiere ge- rettet seien. Kaum war er in den Stall eingetreten, als das Dach mit fürchterlichem Prasseln zusammenbrach und den Unglücklichen unter seinen Trümmern begrub. Der angerichtete Brandschaden wird auf 50 000 Franks geschätzt. Ter IVO. Geburtstag des russischen Dichters Puschkin dürfte, wie aus Petersburg berichtet wird, mit Erlaubnis der Re- giening begeisterungsvoll gefeiert werden. Die Botschaft von Andröe. Die auf Nordisland gefundene Kapsel enthielt außer dem Zettel von Andrse auch eine Karte, auf welcher die Richtung angegeben ist, die der Ballon genommen hatte. Der Zettel war in schwedischer Sprache abgefaßt. Die Kapsel wird nach Stockholm gesandt. Viel Die daß ge- Marktpreise von Berlin am«. Jnni 18vv nach Ermittelungen des tgl. Polizeipriisidiums. D.-Ctt. )Weizen )Roggeii iFuttcr-Gerste„ Hafer gut« „ mittel„ „ gering Richtstroh Heu, fi) Erbsen„ "iSpeisebohnen„ )Li»sot„ Äartofseln, neue Rindfleisch, Keule 1kg do. Bauch„ ') Ermittelt pro 16,50 15,40 13,50 15,60 15,— 14,40 4,- 6,70 40,- 50,— 70,- 6- 1,60 1,20 Tonne Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schwie Bleie Krebse t kg 60 Stück 1 kg per Schock 1,60 1,80 1,60 2,40 3,60 1.80 2,80 2,60 2,20 1,60 2,80 1,20 12,— 1.10 1,- 1,- 2,- 2,20 1,20 1,40 1,- 1,20 0,80 1,20 0,80 2,50 15,20 14,- 12,90 15,10 14,50 14.- 3,50 4,- 25,- 26,- 30,- 4,- 1,20 i.-H M W von der CentralsteUe der Preuß. Landwirt, chastskammer— Noticrungsstelle— und uuigerechnet vom Polizeipräsidtuni für den Doppel-Ceniner. t) Kleinhandelspreise. Produktenmarkt vom 7. Juni. Weizen notiette wie gestern, Roggen gab dagegen um V» M. nach. Hafer und Mais lagen schwächer. Rübül unverändert. Die Tendenz des S p i r i t u s in a r k t e s war für Termine matt, für Lokoware dagegen aus geringe Zufuhr fest. Angeboten waren 35 000 Liter 70cr Ware, die mit 33,90 M. gehandelt wurden. Scp- tember notierte 45,30 M. Kartofselsabrikate. Berlin, 7. Juni. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kg.— ,- M. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kg. 20,40 M., do. Supra 21,00 M., do. Selnnda 16,00—18,00 M. Prima Kar'osic.mehl per 100 Kg. 20,40 M., do. Supra 21,00 M., do Sekunda 16,00—18,00 M. Städtischer Schlachtvieh markt. Zum Verlauf standen: 196 Rinder, 2544 Kälber, 393 Schafe, 8336 Schweine.— Verkauf und Tendenz. Vorn Rinderauftrieb blieben etwa zehn Stück unverkauft. Der Kälberhaudel ge- staltete sich langsam. Bei den Scha en fanden ungefähr 850 Stück Absatz. Der Schweinernartt verlies ruhig und wird nicht ganz geräumt. Fette Ware, vernachlässigt, erzielte nicht die höchsten Preise. O. I. Briefkasten der Redaktion. Ja! 1887 bis 1892. 57. 1. Königgrätzerstr. 123 b. 2. Nein. Wetter-Prognose für Donnerstag, bei« 8. Jnni 1899. Trocken nnd vielfach bcilcr, zeitweise wolkig bei mähigcn nördlichen Winden, etwas kühlerer Nacht und langsam steigender Tagcsiempcratur. Berliner Wctterdureau. 'Verantwortlicher Redacteur: August Jacobey in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Xh.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Nr. M. 16. I-w«». 2. Dtülljt kö„PotiDüitö"§n\\m Dlkdlllü. S-Mnotlis. 8. 1»ni 18SS. VevkÄinmIungett. Die auSstiiudi�en Steinsetzer hielten gestern Vormittag 11 Uhr im Lokale Brunnenstr. 188 eine vollzählig besuchte Versammlung ab. Bor Eintritt in die Tagesordnung wurde das Andenken des ver- storbenen Kollegen Ehrenreich in üblicher Weise geehrt. Sodann berichtete K mo l l über die gegenwärtige Situation des Streiks. Darüber, ob die Entscheidung schon in nächster Zeit fallen würde, könne heute noch kein Urteil abgegeben werden, trotzdem feststehe, daß eine ganze Anzahl von Meistern lieber heute als morgen be- willigen möchte. Nur niöchte keiner der erste sein. Sei erst einer abgeipn, ngen, so folgten verschiedene andere in Kürzester Zeit nach. Vorläufig behelfe man sich damit, daß man zu den nicht selten vorkommenden Nachtarbeiten auf der Straßenbahn vorwiegend Lehr- linge verwende, die natürlich tagsüber auch ihre Schuldigkeit thun müßten. Auch sollen die Bauräte beschlossen haben, die Meister zu unterstützen. Angenommen selbst, daß dies zutreffe, so könne dadurch vielleicht der Kanrpf in die Länge gezogen werden, aber zu Gunsten der Streikenden müsse er doch verlaufen, wenn diese.mir wie bisher standhielten. Denn damit ist den Meistern auch nicht viel geholfen, daß die Arbeiten auf Monate hinaus verschoben werden. Viele von den Meijiern lebten auch nur von der Hand in den Mund. Uzber die Audienz bei dem Bürgermeister Kirschner teilt Redner mit, daß dieser seine Verwunderung darüber ausgesprochen habe, daß die Innung die Unterstützung des Magistrats gegen die Streikenden angerufen"habe und dabei das Einigungsamt desselben Magistrats ignorieren wolle. Er habe versprochen, die Innung darauf hinzuweisen. Dkit diesem Versprechen habe sich die Deputation zufrieden ge- geben, da sie ihre Mission nicht so aufgefaßt habe, als solle sie den Beistand der Behörden erflehen. sZustimmung.) Im übrigen sei keine Ursache zum Verzagen vorhanden; denn wenn es uns gelungen ist, in 14 Tagen ein Drittel der Untcrncbmer zum Bewilligen zu veranlassen, die bedeutend mehr als ein Drittel der Gesellen be- schäftigen, so kömien wir mit diesem Erfolge schon zufrieden sein. Weiter erklärte die Versammlung ihr Einverständnis damit. daß, falls die Innung sich noch entschließen sollte, das Gewerbegericht por- behaltlos anzurufen, daß dann auch die Ausständigen nach wie vor dazu bereit sind. Alsdann stinimte die Versammlung nachstehender Resolution einstimmig zu, welche dem Magistrat übermittelt werden soll: „Von glaubwürdiger Seite ist der Lohnkommission die Mit- teilung zugegangen, daß die Berliner städtischen Bauräte überein- gekommen' sein sollen, die Steinsctzmeister in dem gegenwärtigen Ausstand nach Möglichkeit zu unterstützen. Sollte diese Mitteilung den Thatsachen entsprechen, so erhebt die am 7. Juni stattgefundene Versammlung der ausständigen Steinsetzer gegen eine derartige Stellungnahme städtischer Beamter ganz energiichen Protest. Als Bürger und Steuerzahler protestieren die Versammelten gegen solche auf einseitiges Stellungnehmcn l ernhende Bevorzugimg einer kleinen Anzahl von Unternehmern zum Schaden von Hunderten von Arbeitern. Im socialen Interesse erheben die Ausständigen Protest gegen eine derartige Maßnahme städtischer Beamten, weil durch dieselbe eine wichtige sociale Institution des Magistrats: das Einigungsamt des Berliner Gcwerbcgerichts. welches die Ausständigen rechtzeitig angerufen haben, vollständig beiseite geschoben wird. Die Ausständigen richten deshalb an den Magistrat das dringende Ersuchen, falls obige Mitteilung den Thatsachen entspricht, schleunigst dahin wirken zu wollen, daß eventuell der Beschluß oben genannter Beamten außer Wirkung gesetzt wird." Nachdem der Vorsitzende zum regen Besuch der Protestversamm- lungen aufgefordert hatte, wurde die Versammlung mit einem brausenden Hoch auf die Erringung des Nennstundentages geschlossen. Der Verband der Handcls-Hilfsarbeiter hielt am Dienstag eine zahlreich besuchte Versammlung in den Arniinhallen ab. Der ReichStags-Abgeordnete Pfannkuch referierte über: Arbeits nachweise. Gerade zum Handels-Hilfsarbeitcrberuf sei der Andrang solcher Kräfte sehr stark, die in ihrem erlernten Beruf nicht ihr Brot fänden. Aus diesem Grunde sei ein Arbeitsnachweis von ganz be- sonderer Wichtigkeit. Von Rechtswegen gehöre der Markt dem Ver- käufer, also hier dem Arbeiter, dem Verkäufer seiner Kraft. Da aber zum Beispiel die Großunternehmer in der Metallindustrie in Berlin und Haniburg es soweit gebracht haben, daß der Arbeitsnachweis der Metallarbeiter nichts mehr zu bedeuten habe und alles von ihrem Gutdünken abhänge. müsse man sich doch fragen, ob es von Vorteil sei. auf dem Standpunkt zu beharren, nur selbständige Arbeitsnachweise aufrecht zu erhalten. Da sei doch der staatliche paritätische Arbeitsnachweis besser; er müsse aber ein wirklich gleichberechtigter, unparteiischer sein, so daß die Gewähr vorhanden sei, daß er nicht zu einem Maßregelunasburcau werde. In der Diskussion wurde die Organisationsfrage wieder berührt und von Utecht gerügt, daß auf dem Gewerkschaftskongreß die Lokal- organisierten nicht anerkannt wurden. Auch fänden sie keine Unter- stntzung in der Partei. Der Referent betonte im Schlußwort, daß die Streitigkeiten das größte Hindernis für das Gedeihen der Orga- nisationen seien. Er erklärte für sich und im Namen der Partei« leituug, daß es dieser fern läge, in dem Streit un> die Organisalions- form Partei zu ergreifen. "Vl. Wahlvereiu. Die Vorstandsmitglieder werden ersucht, zu der morgen Freitag, abends S Uhr, bei Franz Gleinert, Müller- straste 7a, stattfindenden Vorstandssitzung vollzählig und pünktlich zu er- scheinen. In dem gestrigen Inserat ist irrtümlich für das Gleinertsch« Lokal die Wohnung des Vorsitzenden angegeben. Max Kiesel. Ceutralverband der Konditoren(Mitgliedschaft Berlin). Heut« abend 8i/, Uhr bei Schiller, Rosenthalerstx. 57, Mitglieder-Versammlung. Wichtige Tagesordnung. Gäste willkommen. Briefkasten der Redaktion. Die Inrisiischc Tprechsinndc wird Dienstags, TonnerStag» und Freitags abends von?>/- bis 8>/z Uhr abgehalten. P. Z. 73, Geben Sie den Stein in unserer Redaktton ab. 41. O. Ihr Ausdruck„In solider Zahlung" ist wohl dahin zu verstehen, dah Sie zunächst selber die Mittel zur Ausbildung Ihres achtjährigen Kinde» ausbringen wollen. In diesem Falle raten wir Ihnen, es zunächst eine Weile nnt dem privaten Unterncht fortgehen zu lassen und sich später an die Kunstakademie zu wenden. Für de» Jnlialt der Inserate «bcriiiiiiiiit die Rcdattio» de», Piiblikiim gegenüber keinerlei Veranttuortniig.... Tlzrntvr. Donnerstag, den 8. Juni. Dpernhaus. Der Troubadour. Ans. 7'/? Uhr. Schnuspielhans. Julius Cäsar. Anfang 7»/, Uhr. Rencs Opern. Dheater(Kroll). Die Fledermaus. Ans. 7»/, Uhr. Deutsches. Die Gefährtin.' Der grüne Kakadu. Paracelsus. Ans. 7-/- Uhr. Residenz. Der Schlafwagen- Eon- troleur. Vorher: Zum Einsiedler. Anfang 7>/, Uhr. Neues. Hofgunft. Anfang 7»/, Uhr. Schiller. Satissaktton. Ans. 8 Uhr. Westen. FigaroS Hochzeit. Anfang 7 Uhr. Central. Waldmeister. Anfang 7V- Uhr. Belle< Allianee. Onkel Bräsig. Ansang 8 Uhr. Friedrich. Wlldcl,»städtisches. Der Nachtomnibus- Controleur. Anfang 8 Uhr. Biexanderplatz. Nana. Anfang 8 Uhr. Ostend. Die rote Mühle. Anfang 8 Uhr. Metropol. Svecialitäten-Vorstellung. Aiuang 71/} Uhr. iklpoilo. Spccialitätea-Vorstellung. Anfang?>/, Uhr. Neichshalle». Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Feen> Palast. Specialitälen- Bor- pellung. Pasjagr- Panopllknni. Speclali- tälen-Vorftellnttg. Urania. Danbenftrast« 48—40, Nalnrlnndliche Ausstellung. Täglich geössiiet von 10 Uhr vor- inillags ab. Eintritt bv Pf. Abends 8 Uhr;„Das Land der Fjorde". Lperntelephon. Jnvalidenstrasi« 57/02. Täglich abends von b— 10 Uhr: Sternwarte. LchillttÄMter (Wallner-Dheater). DonnerStag, abend? 8 Uhr: Schauspiel in 4 Aufzügen v. Alexander Baron vou Roberts. Freitag, abends 3 Uhr: Zum ersten Male: VI«»odvne DvIeUnnerin. Hieraus: Idle Schulreiterin. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die schone Toledanerin. Hieraus: Die Schulreiterln. Urania Tnhhcnstrassc 48/49. Um 8 Uhr: Im Theater: VomMattephorn zur Jungfrau Invaliilcniitr. 57/02: Sternwarte. Passage-Panopiicum. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. hetzte Woche! Der unverwundbare Fakir. Von SV- Uhr: Specialitäten- Borstellung. CASTANS PANOPTICÜM Die sensationellen ZW- lebenden-Wi Photographien! mit Figuren in Lebensgrässe. Dle russische � Damenkapelle In moskowitlschen KostUmen. Dreifuss"mlt3Be,nen9Bbor- leb. Kosakenpferd. Achtung! MAURER. Achtung! zreitllg, httl 9. zum, llbenhs 8 Uhr, iu kohuö ztstsSlen, Beuthstraje Zv-LI: Grohe Versammlung der Baudeputierten. Tagesordnung: Der Stand unserer Kohubewegung. Jeder Bau muß durch einen Delegierten vertreten sein. Die Lohnkommisfion. I. A. 132/20 K. Pansar. Apollo- Theater. Zum 39. Male: Frau Luna. Das sensationelle Lnftballett Grigolalis. 3 Debüts 8 Anfang d Garten-Konzerts 7 Uhr. „ der Vorstellung 8 Uhr. Blllet-Vorverkauf taglich im Theater und beim„Kflnstlerdank", Unter den Linden 69. Direktion: Jose Ferenczy. Waldmeister. Operette in drei Akten von G Davis. Mustl von Johann Strauß. Morgen und folgende Tage: Waldmeister. WlMlm Weijj-Thtlckr. Gr. Frantfnrtk, strafte litti. Novität! Zum 19. Male: Novität! Die rote Muhle. Sensationelles Ausstattungsstück tn 8 Bildem von G. Olonkowsky und E. Sondcrmann. Ansang 8 Uhr. Borzugsbillets habe» Gilligteit. Im«onzert-Garie»: Täglich grostes Konzert, Tvealer und Specialiräleuvorstellung. 27 Nummern. Ter Witweu-Berein. Ans. öVj Uhr. Familien-Billets für 1-12 Pcr,onen find im Bureau zu haben. Saison. karten haben Gültigleit._ W. Hoacks Theater, Brunncnstrabe 16. Täglich im Garten: Theater- und Specialitäten. Vorstellung. Madame Blaubart. Schwank mit Gesang in 1 Alt von Linderer. Grober Beifall!"VE Mauseschiväuzchen. Poffc mit Gesang und Tanz in 1 Akt v. O. Mylius. Musik v. G. Steffens. Metropol-'PdeAter. Sehrenstr. 55 57. Dir Rieh. Schultz. ! Sensationeller Erfolg! der Berliner Revue Berlin lacht!! von Julius Freund, Musik von Julius ElniSdshofer. _ Hierzu: AM" Zwei erostte Ballette Kinder-Puppenballett, Zeitungsballett und Miss Dejo, Mr. Bnrgini, Frld-Frld, Panl Jülich. 3W Die 5 Bonhairs"TPG u. s. w. Reizender Komtnerffarten. Rauchen in allen Räumen gestattet. Wochentags Anfang 8 Uhr, Sonn- und Feiertags'/;8 Uhr. Neichshalle«. Im Konzert- Darten resp. grofte» Theater Saal täglich: Stettiner Sänger (Nleiisel. Pietro, Britto», Stcidl. Krone, Kirch in ayer. Schneider und Schräder). Zum Schluff: Cavalleria seliiiftieana. Romantisch- diebische Oper von Meysellino. Ansang wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pt.(Vorverkauf für die Wochentage 40 Pf.) Numerierte Estrade 1 H., unnumerlert 75 Pf. Im Garten vor u. nach der Soiree: Orosses Instrumental-Konzert. Sommer- Theater ..Alter Dessllner" Artilleriestr. 3�. Inhaber: A. l-adewla;. Schattigster Garten Berlins. Täglich: Theater und Specialitiiten-Borftellung ßerl Bock-Brauerei Tempelhofer Berg. Täglich 8 Uhr: Brauers Rossweiner Sänger Muldenthaler gegr. 1854. Sächsische Originaltrnppe zum erstenmale in Berlin. 1. Platz 50 Pf., 2. Platz 30 Pf, Eintritt 10 Pf Victoria-Brauerei Lnftowstrafte 111/112. Im Natnrgarten oder Saal: Tätlich Sttmoristische Soiree der NorMeiitZCheo Sänger (FUhrmann, Horst, Walde). Ans. Sonntags präc. 7, wachen- tags 8 Uhr. Entree 50 Ps Vorverk. 40 Pf. Familienbillets »= 1 M. Sonntag und Donnerstag»ach der Vorstellung: Tanzltränzchen. Ostba Im-Park Hermann Inibs 71 Rüdersdorser Straffe 71, am K Ii st r i n e r Play. Täglich: Renzert. Theater» und Spccialitäten-Vorstellnng. Nur erstklassige Nummern. Ansang: Sonntags 4 Uhr. Entree 20 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 20 Ps. Ansang: Wochent. 5 Uhr. Entree 10 Pf. Kinder 10 Pf. Sperrsitz Nachzahl. 10 Ps. Jede» Dienstag: ak«rddeutsche Sänger. Hermann JmbS, Direktor. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser sorgender Vater, der Tischler.4ngnst Volkniann am Dienstag, den 8. Juni, 9>/z Uhr, gestorben ist. Dies zeigen tiefbetrübt an die trauernde Witwe Mazde Volkniann, geb. Hubert, nebst fünf unmündigen Kindern. l485b Die Beerdigung findet statt Freitag- nachmittag Uhr von der Leid,en- halle deS Rixdorfer Kirchhofs aus. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß Mann und Vater, mein lieber der Weber Albert Strand am 4. Juni nach kurzen, aber schweren Leiden sanft entschlafeil ist. Die Beerdigung findet heute, nachmittags 5'/, Uhr, von der Halle des Städtischen Friedhofs in Friedrichsfelde aus, statt. l487b KÄitwe Alma Strand. Danksagung. Allen denen, welche meinem teuren, unvergeßlichen Mann, unserm guten Vater die letzte Ebre erwiesen, sagen hiermit innigsten Dank. Die tiefttauernde Witwe Otzrllls Heinsdorf _ und Kinder.[4936 Wir ersuchen die Gewerkschaften und Vereine, die nach Siedlltz bei Potsdam Ausflüge unternehmen, sich vorher an den Unterzeichneten zu wenden, da das Lokal«Zur Römcrschanze" in andere Hände übergegangen ist. Auch diejenigen Bereine, die sich bereits dort angemeldet haben, er- suchen wir dringend, unserm Wunsche nachzukommen. 2S7/8 Die Lokalkommission uoit Potsdam und llmgegeud. C. Brinkert, Feldstraftk 3, Potsdam. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Branche der Stellmacher. Die zu heute Donnerstag anberaumte Versammlung findet nicht heute, sondern Donnerstag, de» lü. Juni statt. 108/4 Der Obmann. Prater-Theater Kastanien-Allee 7/9. Täglich; Doms Resi. Volks- stück mit Gesang u. Tanz von Hugo Schulz, Musik von A. Kersten. Kostüm- foubrette Frl. Vierrath, Gebr. Milardo, Grot. Duett. Tauma-Quartett, Gelang u. Tanz. Aboue u. Campton, Reckturner. Br. Plcardy, Hand- n. Kopf- Eauilibrist. dir. Hubertus, Kunstpfeifer. BaUettgekellsch. Dvrlng. Hr. Bartllng, lebende Photogr. Konzert und Ball, Eintritt Wochentags und Sonntags 30 Pf., num. Play 30 Pf. Kalbo. bonmajr, 11. Juni, nachmittags 23u Uhr: IV. Abteilung: Friedrich Wllhelmstädtlsch.-Theater: U „Einsame Mensclieu. Die Mitglieder werden darauf aufmerksam gemacht, dass sie verpflichtet sind, ihre Beiträge bis Juni zu entrichten. 230/6 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Nene freie Volksbühne. Sonntag, den II. Juni, nachmittags 7-3 Uhr, im GKend-Cart Weiiz-Theater talS letzte BereinS-Porstellnug in dieser Saison): Dsi* Störenfried. ÜMittr Alt-Roabit 80-81. Täglich:-W« Grosses Konzert und Specialitäten-Vorstellung ersten Ranges. Kaffeeküche geöffnet.— Passepartouts haben Gültigkeit und sind noch zu haben.— Elektrische Beleuchtung. v. B. Peters. Pnhlmaniis Vaudeville- Theater Inhaber F. Lehmann, Schönh. Allee 148, Kastan.-Allee 97/99. Täglich: XotMvrt, Theater n. Specialitäten-Vorstellnng Ttrand-Reßsumt - Lustspiel in 4 Akten von Roderich Benedix. Die Mitglieder werden ersucht, recht pünktlich zu sei». 150/9 I. A.: Adolf Löhe, Kassierer. Ackerstt. 38, II. am* Müggelsee zwischen Müggetschloft und Teufel- see. Wunderbar schön von der Natur begabt. Xanzsaal mit Parquet- Fnftbode». H Kegelbaliuen. Gr. Halle. 3000 Personen fastend Empf. den Vereine«, Fabriken, Gefell- schafte» zum Sommer-'Aiisflug. A. Degebrodt, Gastwirth. Achtung, Bauarbeiter! Am Donnerstag, den 8. Juni, abends 8 Uhr, in Feuersteins Festsäten, Alte Jakobstraffe 75: Leffentliche Versaiiimliinq der Vau-, Crd- und gewerblichen Ulfsarbelter Verlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Die Arbeitseinstellung auf dem Nonnen-Damm, Firma Held u. Franke. 2. Wie gedenken die Bauarbeiter vorzugehen bei etwaigen Arbeitseinstellungen der Maurer? 3. Verschiedenes. 30/10 Die Lohnkommission. I. A.: W. Noack. Achtung! lÄT" Achtung! Verband der Sattler und BemfsoenosseR. Btllets zu unserer Dampferpartie am 11. Juni 1899, früh 7 Uhr, von der Weidendammer Brücke sind nur noch zu haben bei G. Pfeffer, Teltowerstr. 45, v. 3 Tr.; W. T u s ch k e, Langestr. 103, 3 Tr.; A. Jän icke, Falckensteinstr. 36, v. 2 Tr. 156/18 Steinarbeiter. Am Freitag, den S. Juni 18SS, abends 8 Uhr, im Lokal „KönigShos", Bülowstraffe Nr. 37: iSF~ Versammlnng:"WZ im„Mm inini 3l(iiiiiicl|'3iiiinii5 i« Sttlii". Tages- Ordnung: Wahl des Gesellen-AnSschnffes.(Siehe unter„Gewerkschaftliches"). KM- Die Billets zum Besuch der Sternwarte sind am Sonnabend in der Zahlstelle zu erhalten. 1172/12] Der«ertrauensinann. 494b Achtung! Die Central Organisation der Schneider feiert ihr diesjähriges Sommerfest am Z. Inli in v.«Joels Victoria- Garten, Köpnicker Landstraße 21, am Treptower Park, und nicht, wie irrtümlicher- weise angenommen war, am 10. Juli. 0..J»eK Otto Krügerteg am SladlbabDhof Jannowitzbrücke I.(Ecke ��e��e) Fabrikation guter Herren- n. Knaben-Bekleidung Frühjahrs-Paletots.... 10,— M. Geraer Kammgarn-Paletots. 20,— M. Havelocks........ 7,50,M. Sport-Gummi-Mäntel... 19,50 M. Haus-Joppen....... 90 Pf. Loden-Joppen...... 2 M. Extra• Ha»«• Anfertignng. Werktags-Hosen 6, 5, 4, 3,50, 2,75 M. Schwane Hosen. 12, 10, 8, 6, 3,75 M. Radfahrer-Hosen.. 7, 6, 6, 4, 3,— M. Knaben-Anzüge, Schul-Anzüge entzückende Auswahl. —— Billige Preise.> Verkanf zu streng festen sehr billigen in Zahlen gezeichneten Preisen. Jannowitzbrücke L Radfahrer- Anzüge. Hervorragende Leistungsfähigkeit, vielseitige Auswahl in Stoffen und Facons...... 24,50, 19,50, 17, 13, 11, 9,60, 7,50 M. Samnict-HiltKen fUr Radfahrer........ 40 Pf. Guinmi- Pelerinen für Radfahrer....... 5 M. Am Stndtbnhnhof Jannowitzbrücke I. vis-kvis dem grossen Möbel-Kaufhaus Tb. Fork, Kretnachinar& Co. Wedding-Park Hilllcrstrasae 178. Am Wedding- Platz, Jeden Sonntag und �Donnerstag: 4�r«88S8 Frei-Konzert, ausgeführt von der uniformierten HauSkavelle unter Leitung des Mufikdirigenten Herrn Kocd. 1924L' Ii« Saale: Grosser Ball. 7 verdeckte Souuner-Kcgeldahiie», von denen noch einige zu vergeben sind.— Volksbelnstigungen aller Art.— Kafseeküchc täglich nachmittags von 3—6 Uhr geöffnet.— Born 30. Mai ab jeden Dienötag c Austrercn der Origiliai-Norddeiitschen Sänger. W. Trapp. Max Kliems Sommer-Theater Ha»euhalde 14-15. Zlrtistische Leitung: Paul«vtildltz. V? Täglich: Erosjts Kttttil-Koiljttt. Theater- und Speeialitäten-Vorstelluttg. Auftreten deS gesamten Schauspiel- n. Spccialitäten-Personals. Rur erstklassige Kräfte. veorg rizchee(Liedersänger), Xarl vursch(Tanz-Parodist),»«d-iy vrumlen (KostüunSoubrette), Vera MarcheUx(Parsorce-Equilibrislitt), Jackson-Truppe (Excentriqneö) usw. Wenes gediegene» Fauilllcn-Progrnmm. Entree: Wochentags 20 Pf. I Entree: Sonntags 25 Pf, Numerierter Platz 40 Pf. I Nnincrierter Platz 50 Pf. Anfang«las Xonzerts täglich 4 vhr. I Anfang der Vorstellung 6 Uhr. In den Festsälen: Grosser Ball.'VS Die Kaffeeküche ist geöffnet. Hav Kllcm. Schweizer-Garten Am Königsthor(Ringbahn) Am Friedrichshain. Täglich: Theater- und Special itäteu- Vorstellung. Volksbelustigungen aller Art. Freier Damentanz und Anfang 471 Ehr. Entree 30 Pf. An Löochentagcn ist das Etablissement au Bereine zu vergeben »f- Brauerei Friedricbshain. iJÄ: Hagsenbecks sSU. 13 Eisbisren, vorgeführt von Hendrlck Olatson. Elelant, Pferd und Hund, vorgeftthrt tob Hepckenrath. Bntree SO Pf., Kinder 15 Pf. Annoncen-Expedition F. v. Schlrp, Berlin. Arbeiter-Bernfsartikel n.Wäsche ausschließlich eigenes Fabrikat.— Specialität: Arbeiter- Berufs- kleidung: Blau Köper-Jaden M. 1,65, steigend je nach Größe um 10 PL blau Köper-Hose», in allen Längen, M. 1,65. Arbcitcrhcmdrn, Blusen, Maler- kitte! u. Montenrhemden. v. Wurzel& Co., Wrangelstr. 17. 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