Donnerstag, 28. Mai 1936 16. Jahrgang Nr. 125 ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xiu fochova a. Telefon swz. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Mudgnlr 70 Haller (einschließlich 5 Heller Porto) XE NT R ALOE GAN_ DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERWkRTEl IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ihre ab- z» * 4. S die im niemand Staatsalle Be- ihnen in der Berufung reklamierten Betrages, höchstens aber von 25 Prozent der beanständeten Steuerborschreibung gewährt werden soll, falls sie für denselben Betrag die dreiprozentige Anleihe zeichnen, alle Rekurse zurückziehen und ihte schriftliche Zustimmung geben, daß die Steuer- gntschrist zur Bezahlung der laufenden Steuern für 1935 und die folgenden Jahre verwendet wird,• also erfolgt. Debatte zur Wehranleihe brachte (Ung. Chr.-Soz.) wiederum Be- keine Barrückzahlung Prag. Das Abgeordnetenhaus nahm Mittwoch gegen Abend nach durchgeführter Debatte, in denen sich die Bertrrter der einzelnen Parteien auf kurze Erklärungen beschränkten, in beiden Lesungen die Wehranleihe mit einer von der Koalition beantragten Aenderung an, wonach auch ordentliche» Steuerzahlern und nicht nur reuigen Steuerdefraudanten Begünstigungen bei der Zeichnung gewährt werden sollen. In der Debatte hatte Genoffe de Witte namens unserer Partei an die matzgebenden Faktoren den Appell gerichtet, mit der grotzzügigen Arbeitsbeschaffung aus dem Erträgnis der Anleihe vor allem dort einzusetzen, wo die Arbeitslosigkeit schon einen derartigen Grad erreicht hat, datz sie sich nicht nur physisch, sondern auch bereits geistig und moralisch verhängnisvoll auswirkt, also vor allem in den deutschen Randgebieten des Staates. Es hatte schon der Finanzminister in seinem Expose am Dienstag grwisie Zusagen in dieser Richtung gemacht. In den Kralitionsverhandlun- gen gelang es nun, diese Zusicherungen in die Form einer von der gesamten Koalition beantragten und vom Hause auch angenommenen Resolution zu kleiden, in der ausdrücklich von der Regierung verlangt wird, datz bei der Bergrbung von Arbeiten in den einzelnen Bezirken in erster Linie Rücksicht auf die Arbeitslosen des eigenen Bezirkes genommen werde, datz ferner bei Lieferungen vor allem dir Beliebe in de» grötzten Rotstand sg e b i e t e n berücksichtigt werden sollen. Da die grötzten Notstandsgebiete zumeist im deutschen Gebiete liegen, so ist bei konsequenter Durchführung der in dieser Resolution niedergelegten Grundsätze für unsere deutschen Elendsgrbirte im Gefolge der Wehranleihe eine fühlbare Erleichterung hoffen. Diesen Gesichtspunkten konnte sich auch DdP nicht entziehen, die noch am Bormittag Ausschntz erklärt hatte» siewissenochnicht, was sie tun solle. Am Nachmittag erklärte dann ihr Sprecher in der Plenardrbatte, datz die SdP trotz allen sonstigen Bedenken mit Rücksicht auf die Arbeitsbeschaffung für die Vorlage stimmen werde. Gegen die Wrhranleihe stinimten lediglich die Kommunisten, während die ungarischen Parlamentarier sich von der Abstimmung absentiert hatten. * Am Vormittag konnte der Budgetausschuß, der die Anleihe beraten sollte, zunächst stundenlang nicht zusammentrcten, da innerhalb der Koalition gewisse Schwierigkeiten aufgetaucht waren. Die tschechischen Sozialdemokraten verwahrten sich mit Recht dagegen, daß man durch die Steueramnestie und die Zusicherung der Steuerfreiheit für die dreiprozentige Anleihe lediglich den Steuerdefraudanten Begünstigungen bei der Anleihezeichnung gewähre. Da eine Einigung in der kurzen Zeit nicht möglich war, wurde die Vorlage schließlich vom Ausschuß unverändert 'angenommen und die geplante Aenderung erst im Plenum auf Grund eines Koalitionsantrages vorgenommen. Demnach soll auch den Steuerzahlern, die ihrer Steuerpflicht ordnungsgemäß nachgekommen sind, eine Begünstigung bei der Anleihezeichnung eingcräumt werden. Zu diesem Zwecke wurde ein - neuer Paragraph 5 eingeschoben, der besagt, daß solchen Steuerzahlern, welche gegen Steuervorschreibungen aus den.Jahren 1927 bis 1934 zwar Berufung eingelegt, die vorgeschriebenen Steuern aber samt Zuschlägen bereits bezahlt haben, eine Steuergutschrift in der Höhe des von mit ihr wie mit Staatsbürgern zweiter Klaffe verfahre. Der tschechische Genoffe P o l a ch und der Nationalsozialist Bergmann stellten die Forderung auf, datz an der Verteidigung des Staates verdienen dürfe und die Opfer, die der Verteidigung gebracht werden, gerecht auf völkerungsschichten aufgeteilt werden. Die Kommunisten stellten, um lehnende Haltung einigermaßen begründen zu können. durch Kopecky u. a. die Forderung auf, daß die Anleihe für die vermögenden Schichten einen Zwangscharakter haben solle. Die KP§ wäre für eine Wehranleihe, w enn ihre Konstruktion und ihre Bestimmung den kommunistischen Anträgen entsprechen würde; so aber werde sich die kommunistische Fraktion der Stimme enthalten. Außer den Sprechern der Koalitionsparteien erklärten auch die Vertreter der Nationalen Vereinigung und der Faschisten, bedingungslos für die Vorlage zu stimmen. Die deutschen Christlichsozialen beteiligten sich weder im Ausschuß noch im Plenum an der Debatte. Ja der Esterhaz y schwerden der ungarischen Minderheit vor, daß man Vandervelde beim König Brüffel. König Leopold III. begann Mittwoch die üblichen Beratungen zur Beseitigung der Regierungskrise. Ehe der König der Belgier eine .definitive Entscheidung über die Persönlichkeit, trifft, will er mit allen politischen Führern Beratungen pflegen. Die erste Persönlichkeit, mit der König Leopold in Beratungen eintrat, war der Vorsitzende der sozialistischen Partei Belgiens, Vandervelde. Wehranleihe angenommen Koalition für besondere Berücksichtigung der Notstandsgebiete Begünstigungen auch für ordentliche Steuerzahler deutschen Gebiete notleidenden Massen, in deren Namen wir hier sprechen, sondern v»m Gesichtspunkte einer weitblickenden und verantwortungsbewußten Staatspolitik aus erheben wir darum die Forderung, datz das Erträgnis der Anleihe nach einem großzügigen Plan dazu verwendet wird, die Arbeitslosigkeit dort zu bekämpfen, wo sie am drückendsten ist, wo sie nicht nur in ihre« physischen, sondern auch in ihren geistigen und moralischen Auswirkungen am verhängnisvollsten ist. Wenn dies gesicheht, dann wird die Anleihe ihre Sendung als eine Berteidigungsanleihe im höchsten und edelsten Sinne erfüllen. Sie wird dann dem Staate nicht nur diet« chnische Ausrüstung geben, deren Notwendigkeit wir uneingeschränkt anerkennen, sondern sie wird ihm auch neue sittliche Kräfte zuführen, die im Sinne der Ideale unseres Staates und unseres derzeitigen Staatspräsidenten die wahren Grundlagen des Staates sind. Sie wird nicht nur seinem Schutz nach außen, sondern in ebenso hohem Matze seiner inneren Festigung dienen. In der zuversichtlichen Erwartung, datz die Berteidigungsanleihe in den Dienst dieser hohen Aufgabe gestellt wird, stimmen wir der Vorlage zu. (Beifall.), Neue Arbeitsmöglichkeiten für die Eine Erklärung des Genossen de Witte Namens unserer Fraktion gab Genoffe de Witte folgende Erklärung ab: Unsere Stellungnahme zu der vorliegenden An- leiheermächtigung ist durch unser« erst jüngst erfolgte Stellungnahme zu dem Gesetze über die Staatsver teidigung von selbst gegeben. Wenn der Staat daran gebt, seine Verteidigung auszubauen, so ist es die s en b st v e r st ä n d l i ch« Konsequenz, datz ihm die dazu notwendigen materiellen und technischen Mittel zur Verfügung gestellt werden muffen. Wir begrüßen es, daß die Erklärung des Herr» Finanzministers neuerlich den u n b s d ingten Friedenswillen unserer Staatspolitik un terstrichen hat. Wir können so die in Verhandlung stehende Vorlage als weiteres Glied in der konse quenten Politik der Friedenssicherung erblicken, zu der wir uns bekennen. Wir wissen, daß der Friede heute nur durch die unüberwindliche Kraft und Stärke der friedenswilligen Staaten erhalten wer den kann. Unsere Republik dient darum mit dem Schutz ihrer Sicherheit auch der a l l g e m e i n e n Sicherheit einer von tausendfältigen Gefahren be drohten Welt. Wir unterstreichen aber auch die Ausführungen des Herrn Finanzministers über die w i r t s ch a f t- licheund vor allem sozialpolitische Bedeutung der Anleihe. So sehr unter den herrschenden Verhältnissen die technische Ausrü stung als Mittel der Verteidigung im Vordergrund steht, so eindringlich mutz betont werden, daß die Verteidigung des Staates auf ihr allein nicht beru hen kann, sondern daß dazu der A b w e h r w i l l« und die Abwehr fähi g. keit der Bevöl kerung unerläßliche Vorausset zung ist. Die Beschaff««- von Arbeit, die wir als zentrales Problem unserer Politik immer und immer wieder hervorgehoben haben, der systematischeKamPf ge gen d i e Arbeitslosigkeit zur Hebung des physischen«nd moralischen Zustandes der breiten Massen der Bevölkerung, auf deren Kraft die Kraft des Staates beruht, ist darum eine der hervorragendsten Aufgaben auch im In teresse der Staatsverteidignng. Es geht daher nicht«m eine bloße Neben wirkung der Anleihe, es geht um den Kern des Prahle ms, wenn wir die Er wartung aussprechen, daß die Verwendung der Anleihe planmäßig in das gesamte Arbeits- beschassungsproblem eingegliedert wird. Gerade in den industriellen Rand- g e b i e t»n des Staates, in den Gebieten mit überwiegend deutscher Bevölkerung, welche durch den Niedergang der kapitalistischen Wirtschaft, durch den Zusammenbruch des Exportes am härtesten betroffen sind, stehen seit Jahren hunderttausende Menschen außerhalb der Betriebe. Sie sehen ange sichts des Versagens der Privatwirtschaft ihre Hoff nungen auf Wiedereingliederung in die Produktion von Tag zu Tag dahinschwinden. Sie können ange sichts der fortschreitenden Rationalisierung selbst von einer besseren Konjunktur keine wesentliche Er leichterung ihres Schicksals erwarten. Hier helfend einzugreifen, hier die Existenz möglich leiten zu schaffen, zu deren Schaffung der niedergehende Kapitalismus nicht mehr fähig ist, ist darum nicht bloß eine soziale Verpflichtung des Staates. Es ist eine Aufgabe im höchsten nteresse des Staates s e l b st. ' Ter Staat darf um seiner selbst willen die Massen der arbeitenden Menschen in unseren Not standsgebieten nicht der Verzweiflung anheim fallen lassen, die von den Feinden des Staates brütet weiden nnd zu einer Gefahr für den Staat Gleichstellung der vierten Etappe der Staatlichen zu«erden drohen. Nicht bloß im Interesse der Pensionisten vor sich. Gemeindewahlnovelle geändert Nach kurzer Debatte genehmigte das Haus auch noch die Novelle zur Gemeindewahlordnung, wonach durchgefallene Wahlgruppen der Gemeinde künftig die Kosten der Stimmzettel zu ersetzen haben. Die Bestimmung, daß die zuständige Behörde in Ausnahmsfällen von Eintreibung dieser Kosten nach freiem Ermessen absehen kann, stieß im Ausschuß auf Widerspruch und wuyde schließlich gestrichen. Die kommunistischen Sprecher machten aus der Novelle gar einen großen Angriff gegen das allgemeine Wahlrecht und gegen die Selbstverwaltung. Gleichzeftig mit der Novelle wurden auch Resolutionen angenommen, in denen die gesetzliche Regelung der Numerierung der Kandidatenlisten bei Gemeindewahlen und eine Novellierung des Gesetzes über die ständigen Wählerlisten gefordert wird. Ermächtigungsgesetz nächste Woche Die Nächste Sitzung findet Donnerstag, den Juni, um 11 Uhr vormittags statt. Auf der Tagesordnung steht neben der Kunstfettabgabe n^ch die Verlängerung des wirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes, gegen die im Ausschuß u. a. auch die tschechischen Nationalsozialisten aufgetreten waren. Ihr Sprecher hatte zunächst nur einer Verlängerung auf ein halbes Jahr zustimmen wollen, doch wurde nach dem Eingreifen des Ministerpräsidenten in.die Verhandlungen die § Vorlage vom Ausschuß in der.Regierungsfassung ! angenommen. An größeren Arbeitest hat das Par- Ilömenf bor.&en Serien‘bahn^nodj öie©teuer* ünb"der'D«n,k'rüti^stt'sch'iml-serWkisr ansqe- n o v e l l e, das Eis enbähngeseh und die Zugleich mit der Wehranleihe wurde auch der zweite Punkt der Tagesordnung, der Initiativantrag der tschechischen Genossen auf Aufhebung der Stempelpflicht für Gesuche Arbeitsloser um Stellen im öffentlichen Dienst» vom Hause genehmigt. # Ein In allen Gebieten der Republik wird heute, dessen gedacht, daß der Präsident der Republik, Dr. Eduard Benes, seinen 52. Geburtstag feiert. Jeder deutsche Sozialist dieses Landes weiß es— und darüber hinaus wissen es alle soziali stischen Parteien der übrigen Länder—•' was der Präsident für den Staat, seine demokratische Verfassung und die Freiheit der Arbeiterbewegung für uns bedeutet. Wir waren uns schon am 18. Dezeinber 1935 dessen bewußt, daß die Wahl Benes zum Präsidenten einen Markstein auf dem Wege in eine bessere Zukunft ist und daß damit die Demokratie den stärksten Bürgen und Bundesgenossen erhalten hat, der nach dem Abgang Masaryks möglich war. In der Person des Staatspräsidenten erscheint ein doppelter Wille zusammengefaßt, der gerade jetzt für Europa und' die gesamte Kulturwelt notwendiger erscheint denn je: Friede in der Außenpolitik, Demokratie im Jnnernl Benes hat öfters in Reden und Schriften darauf hingewiesen, daß ohne Demokratie der Friede nicht erhalten werden könne..„Ich glaube", so sagte er einst im Parlament,„daß der Friede nur möglich ist durch die Demokratie". Friede und Demokratie bedeutet heute Menschlichkeit und Aufrechterhaltung der Kultur» Krieg und faschistische Diktatur aber Barbarei und Untergang aller großen Errungenschaften der Menschheit. Benes hat oft dargetan, daß auch in den internationalen Beziehungen der Staaten die Demokratie gewahrt werden müsse, d. h. alle strittigen Fragen durch ftiedliche Auseinandersetzung bereinigt werden müßten und daß der Völkerbund die demokratische Einrichtung sei, in welcher die Staaten— auch die kleineren— gleichberechtigt nebeneinander sitzen und gemeinsam entscheiden können. Die Gefahr für den Völkerbund und die Gefahr für Europa geheir von den zwei faschistischen Zentren Berlin und Rom aus: Faschismus ist Krieg, Demokratie ist Friede. Deswegen werden aber die demokratischen Staaten nicht ruhig zuschauen, wie die faschistischen Staaten rüsten und den Krieg vorbereiten. Wollen wir unsere Freiheit erhalten und sie unseren Kindern bewahren, daun müssen wir sie nicht nur mit Worten verteidigen. Wir wollen mit allen unseren Nachbarn in Frieden leben und viel lieber würden wir all unsere Kraft den Werken des Friedens widmen. Aber wir dürfen nicht wehrlos sein, denn das würde für die faschistischen Gewalthaber geradezu ein Anreiz sein, diese Insel der Demokratie zu überschwemmen. Die Demokratie muß wehrhaft sein oder sie wird nicht sein. NNd in so schwerer Zeft brauchen wir einen Führer wie Benes, der schon vor mehr als einem Jahrzehnt die moralische Pflicht der Verteidigung der Demokratie verkündet hat:„Die. Demokratie", so legte er cs dar,„hat auch eine weltanschauliche Pflicht: Die Pflicht, ihre Existenz zu erhalten. Wer die Freiheit und die Demokratie nicht zu verteidigen vermag, ist ihrer nicht wert." Für den Idealisten, den Friedensfreund, für jenen, dessen Ziel die Herrschaft der Humanität im Leben der Völker ist,■ ist die Zeit des Faschismus und der Barbarei hart und nran muß Mittel anwenden, zu denen man sich nur schwer Seitr 2 Donnerstag, 28. Mai 1936 Rr. 125 Anläßlich der Pfingstfeiertage wird am Montag, den 1. Juni n i ch t g e» arbeitet, so daß unsere Dienstagausgabe vom 2. Juni entfällt. Die Verwaltung. entschließt, damit nicht die Welt in Blut und Tränen, in Barbarei und Elend versinkt. Oft sind wir da vor schwere Entscheidungen gestellt, wir müssen manche Hemmung überwinden, um das als notwendig Erkannte folgerichtig und entschieden zu tun. Auch da kann uns Benes ein Führer sein, der trotz aller Kompromisse, die ihm die Wirklichkeit abgenötigt hat, es niemals aufgegeben hat, weltanschauliche und sittliche Grundsätze in der Politik zur Geltung zu bringen.„Der richtige Idealismus", schreibt er in seinem großen Erinnerungswerk an den Weltkrieg,.cheruht nicht in der Jagd nach der sofortigen Verwirklichung des Ideals, sondern im täglichen, unermüdlichen und ständigen Kampf um die allmähliche An näherung dazu, was uns als Idealismus vor Augen schwebt." Mit den Tatsachen rechnen, nicht weltfern träumen— aber niemals das Ziel aus den Augen verlieren: die Befreiung der Menschheit aus Not und Gefahr, aus wirtschaftlicher Versklavung, politischer Unterdrückung und kultureller Verelendung. Die trübe Gegenwart nötigt unS andere Waffen auf. Wir werden sie zu führen wissen. Wir werden mit all unserer geistigen Kraft, leidenschaftlichen Willens und heißen Herzens die Demokratie verteidigen— um unserer Zukunft willen, die wir nur im Sozialismus gesichert sehen. Wir wissen, daß der Präsident der Republik unbeugsam ist im Kampfe um Frieden und Freiheit. Wir verlassen uns auf ihn, so wie er sich auf die deutschen sozialistischen Arbeiter in der Stunde der Gefahr wird verlassen können.- Gemeinsam mit ihm wollen wir dafür sorgen, die deutschen Verteidiger der Demokratie, wie es in unserem alten Parteiprogramm heißt,' physisch und geistig kampffähig zu machen und zu erhalten. Wolkenbrüche Todesopfer Zerstörte Häuser und Fluren und Überschwemmungen An demselben Tage, da sich in Südmähren das entsetzliche Unglück ereignet hat, dem 31 Kinder zum Opfer fielen, ging über dem Gebiet von R e u- P a k a ein verheerendes Unwetter nieder, das ebenfalls Todesopfer gefordert hat. Auch aus anderen Gebieten der Republik und aus verschie- denrn Gegenden des nahen und weiteren Auslandes langen Meldungen über katastrophale Unwetter ein. * In Neu-Paka sind durch den Wolkenbruch und die folgende Ueberschwemmung 37 Familien obdachlos geivorden. Zwei steinerne Brücken wurden zerstört, fünf andere Brücken wurden fort- gerissen, 26 Häuser wurden im Erdgeschoß überschwemmt, davon wurden fünf Häuser vernichtet. 35 zu ebener Erde befindliche Geschäfte wurden, überschwemmt, bei drei Häusern wurden teilweise die Fundamente unterspült. Der Damm der Eisenbahnstrecke wurde im Kilometer 77,68 in einer Breite von 30 Metern durchrifsen. Die Fabriken der Firmen Matern«, Schnabel, Hoffmann& Co. wurden ebenfalls im Erdgeschoß überschwemmt. Ähre Arbeiterschaft ist nunmehr mit dem Wegräumen des aufgeschwemmten Schlammes beschäftigt. Falls keine anderen Hindernisse eintreten, wird die Arbeit in den Fabriken wieder ausgenommen werden. , Die Katastrophe forderte leider auch vier Menschenopfer. Es kamen ums Leben: die 70- jährige Marie Zajicovä, die achtjährige Jaroslava Preislerovä, die achtjährige Anna Fejfarovä und ein Knabe, dessen Namen bisher noch nicht sichergestellt wurde und dessen Leichnam Mittwoch vormittags bei Alt-Paka gefunden wurde. Der Verkehr auf der Strecke Alt-Paka— Neu-Paka wurde auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Die Wiederinstandsetzungsarbeiten, die Genietruppen bereits in Angriff genommen haben, werden längere Zeit dauern. Allein die im Eisenbahnsektor Neu-Paka verursachten Schäden werden auf 700.000 KL geschätzt. In Alt-Paka wurden im oberen Teil der Gemeinde zehn Familien delogiert. Weggeschwemmt wurden dort drei Holzbrücken und drei hölzerne Stege. Die Schäden in Alt-Paka werden auf KL 700.000.— geschätzt.'' Aehnliche Verwüstungen richtete das Unwetter, das die harmlosen Bäche des Tales in wenigen Minuten in reißende Ströme verwandelt hatte, in der näheren und weiteren Umgebung von Paka in zahlreichen Ortschaften an. Auch die Fluren und Saaten wurden schwer beschädigt. Aehn- liche Schäden meldet das Gebiet von Weitz- wasser u n t e r m B ö s i g. Der Innenminister Eernh begab sich Mitt- tvoch nachmittags in das betroffene Gebiet. Die Bergung der toten Kinder Z« den Bergungsarbeiten an der Thaya wurden Pioniere herangezogcn, die gemeinsam mit der Feuerwehr arbeiteten. Dennoch gelingt es nur langsam, die Leichen der Kinder den Fluten zu entreißen. Bis Mittwoch morgens waren erst sieben Kinder und der Kutscher Belek aufgefunden. Die bisher geborgenen Toten werden Donnerstag nachmittags beerdigt werden. Am Nachmittag wurden in der Thaya bei Neumühl weitere zwei Leichen ertrunkener Kinder gefunden. In den heutigen Abendstunden werden noch 22 Kinder vermißt._, af ,,,...., 2a. Das Parlament gedenkt der Opfer Im Abgeordnetenhaus gedachte der Vorsitzende Ma lypetr zu Beginn dxr Sitzung des tragischen Unglücks an der Thaya und der Opfer des Wolkenbruchs in Neupaka. Es sei gewiß ein Trost, daß sich unter Einsatz des eigenen Lebens opfermutige Retter fanden, die bezeugen, daß Heldentum und Opfevwilligkeit noch nicht ausgestorben sind. Es dürfe aber auch Gewissen- haftigkeitund Vorsicht nicht a u s st e r b e n, die zusammen mit Voraussicht und Sorgfalt alles Mögliche tun müssen, um derartige Katastrophen zu vermeiden oder wenigstens ihre Folgen zu mildern. Die Staatsgewalt werde sicher in dieser Hinsicht ihre Pflicht tun. Ltiirrne und Hochwasser im Waagtai Aus Puchov an der Waag wird berichtet: Montag, den 25. Mai, ging über dem Bezirke lein starker Sturm, verbunden mit einem Wolkenbruch und Hagelschlag, nieder und überraschte zahlreiche Landleute auf den Feldern. Der Bauer H e h e j i k, der mit seiner elfjährigen Enkelin Vieh auf die Weide trieb, wurde bei Ueberschreiten der Brücke über den Hochwasser führenden Fluß vom Sturm ins Wasser geworfen. Das kleine Mädchen konnte sich ans Ufer retten, Hehejik jedoch ertrank, ehe ihm Hilfe gebracht werden konnte. Das Unwetter hat auf den Feldern riesigen Schaden angerichtet, das Getreide wurde ümgelegt, so daß es unverzüglich geschnitten werden mutz und auch die Obstkulturen haben durch Entwurzelung der Bäume und durch den Hagelschlag große Schäden erlitten. Die im Bau befindliche Eisenbahnstrecke Puchov a. d. Waag—Horni Lideö wurde infolge des Wolkenbruches durch Ausspülungen stark beschädigt. Ebenso wie der Bezirk Puchov wurden auch dec Bezirk Poväzskä Bystrica und teilweise auch der Bezirk 2lava von dem Unwetter in Mftleidenschaft gezogen. Saaten vernichtet Äglan. lieber dem böhmisch-mährischen Hügelland wüteten am Dienstag und Mittwoch mehrere Stunden hindurch zwei Gewitter, die ungemein heftig und mit Wolkenbrüchen verbunden waren. Das erste Unwetter erfaßte das Gebiet zwischen Slapanov, Smilov und Pozovice, wo der Bach Slapanka über seine Ufer trat und das ganze Tal in einen See verwandelte; der Wasserspiegel stieg um zwei Meter und die Fluten überschwemmten die Felder und rissen die Saaten fort, so daß dort neuerdings gesät werden muß. Bahnverkehr unterbrochen Prag. Von der Staatsbahndirektion in Kö- niggräh wird mitgeteilt: Infolge Unterbrechung der Straße und der Eisenbahnstrecke zwischen Alt-Paka und I^u-Paka ist die Autobusverbindung der tschechoslowakischen Staatsbahnen und damit auch die Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen beiden Stationen sowohl durch Eisenbahnzüge wie auf dem Straßenwege unmöglich. Personenzüge fahren nur zwischen Chlumec nad Cidlinou und Neu- Paka sowie zwischen Trautenau und Alt-Paka. > Eine Ausnahme bilden nur die Schülerzüge Nr. 437, 432 und 423, welche zwischen Alt-Paka und der Motorzughaltestelle Neu-Paka—Realgymnasium fahren. Für die Reise über die unterbrochene Strecke müssen sich die Reisenden eine entsprechende Verbindung auf einem Umweg suchen. Der Fraktenverkehr wird in unvermindertem Umfange durch Hilfsstrecken aufrechterhalten. Blitzschlag— fünf Tote Warschau. Während eines von schweren Gewittern gefolgten Unwetters im Krakauer und ThornerBezirke wurdenfünfPersonenvom Blitze getötet,.während acht weitere verwundet worden sind. Uebersdiwemmungen in Rußland Moskau. Die Ueberschwemmungen der Flüsse Kura und Araxes im Kaukasus nehmen nach den Blättermeldungen einen immer gefährlicheren Charakter an. Tausende Hektar Ackerlandes stehen unter Wasser und zahlreiche Dörfer mutzten geräumt werden. Auch im mittelasiatischen Gebiet der Sowjetunion dauern die Ueberschwemmungen an. Agrarische„Gewerkschaft“ Im agrarischen Betrieb geschlagen (rb.) Wir haben anläßlich des Abwehrkampfes der Janecek-Arbeiter auf die Versuche der von dem agrarischen Abg. Chloupek aufgezogenen „grünen Gewerkschaft" hingewiesen, unter dem Jndustrieproletariat Fuß zu fassen und sich im Sinne der finanzierenden Hintermänner auf ihre Art zu betätigen. Die kürzlichen Betriebsausschutzwahlen in der Metallindustrie haben erwiesen, wie aussichtslos das edle Bemühen des Herrn Chloupek ist. Der grünen„Gewerkschaft" gelang es nicht einmal, eigene Kandidatenlisten aufzustellen. Doppelt bemerkenswert ist die Tatsache, daß auch die Arbeiterschaft eines so eindeutig agrarischen Betriebes, wie es die Fleischverwertungsund Selchereifirma„Z e m k a" ist, den ihnen von Herrn Chloupek präsentierten„Arbeitervertretetn" eine glatte Abfuhr erteilt hat. Die soeben durchgeführten Betriebsausschutzwahlen der Prager Betriebe dieser agrarkapitalistischen Firma brachten den vereinigten sozialistischen Wahllisten 133 Stimmen und vier Mandate. Auf die„Gewerkschaftsvereinigung" des Herrn Chloupek entfielen ganze 45 Stimmen und ein Mandat.' Mehr Schulpraktikanten. In der böhmischen Landesvertretung führte Genosse I l l n e r aus, daß sowohl insozialeralsauchinpäda- gogischerHinsichteineMehranstel- lunz von a bs o l v i ert en L e h ra mt s« zöglingen notwendig ist. Im vergangenen Schuljahre wurden in Böhmen über 1700 Praktikanten und Praktikantinnen eingestellt. Wenn auch die Bezahlung vollständig unzureichend ist, so werden doch diese jungen Leute in den Arbeftsprozetz eingeführt, mit den Schulverhältnifsen vertraut gemacht und dem traurigen Lose der Arbeitslosigkeit entrissen. Wir wiffen, daß dies nur eine vorübergehende Lösung sein kann, aber sie ist in der heutigen schwierigen Zeit empfehlenswert. Ein Antrag Jllners auf Mehranstellung und besserer Bezahlung von Schulpraktikanten wurde dem Landesausschutz zugewiesen. Der Rechnungsabschluß Böhmens für das Jahr 1935 wurde von der Landesvertretung Mittwoch nach längerer Debatte angenommen. Genosse Grund beschäftigte sich mit der Frage der Bezirksdarlehen für die Landesstratzenaktion, den sogenannten Sanierungsdarlehen an Gemeinden und Bezirke und den Elektrifizierungsdarlehen, deren Schuldendienst das Land unter gewissen Bedingungen übernommen hat. Im Landesausschutzbericht zum Rechnungsabschluß wurde nun der Standpunkt vertreten, daß das Land jetzt zu einer Rückforderung gegenüber diesen Gemeinden und Bezirken berechtigt ist, da sich deren finanziellen Verhältnisse durch, die Novelle des- GemeindefmanzgesetzeSsigebeffert haben. Dieser Aufsassung gegenüber vertrat Genosse Grund den Standpunkt, daß die Vorbehalte, welche das Land bei Uebernahme des Schuldendienstes für die erwähnten Darlehen gemacht hat, erst dann in Kraft treten können, wenn eine Besserung der Selbstverwaltungsfinanzen nicht durch gesetzliche Hilfs Maßnahmen, sondern infolge der natürlichen Steigerung der Einnahmen aus den normalen Quellen einer sich belebenden Wirtschaft erzielt werden wird. Ein in diesem Sinne lautender Antrag des Genossen Grund wurde vom Landesiinanzreferenten in zufriedenstellender Weise erledigt. Die Dienstordnung für die Landesangestellten Böhmen wurde Mittwoch von der Landesvertretung erledigt. 19 Her Ruhm des Kämpfen Don ladt London Copyright by Universitas Berlin, durch Pr. Präger Pressedienst, Wien. Das übliche Beifallsgetöse erhob sich, als Billiy Morgan, der Veteran unter den Ansagern, durch die Seile in den Ring kletterte und sein graues Haupt entblößte. Gerade wollte er den Mund öffnen, um zu reden, als aus einem Abschnitt mit mehreren Sitzreihen ein lautes Krachen ertönte: einige Pfeiler waren zerbrochen, und die Reihen krachten zusammen. Die Menge brach in lautes Lachen aus, drückte den Opfern in scherzhaften Zurufen ihr Beileid aus und erteilte ihnen gute Ratschläge. Niemand war zu Schaden gekommen. Das Getöse der zusammenbrechenden Bänke und die allgemeine Lustigkeit veranlaßten den wachhabenden Polizeihauptmann, einen beredten Blick mit seinen Leutnants zu wechseln; sie wußten, daß ihnen ein bewegter Abend bevorstand, und daß sie alle Hände voll zu tun bekommen würden. Sieben starke alte Helden des Ringes kletterten nacheinander, mit tosendem Beifall begrüßt, durch die Seile. Es waren laute frühere Schwergewichts-Weltmeister. Billy Morgan stellte sie dem Publikum vor und begleitete die Vorstellung jeweils durch einige anerkennede Worte. Einem wurde als dem„Ehrlichen John" und dem„Alten Getreuen" gehuldigt, ein anderer war „der anständigste zweifäustige Kämpfer, den der Ring je gesehen hat". Und von andern wieder hieß es:„Der Held der hundert Kämpfe, der nie aufgab und nie k. o. wurde", dann„der bravste von der alten Garde" und„der einzige, der je Wiederkain", weiter„der größte aller Krieger", und„die härteste Nutz, die es je im Ring zu lnacken gab". Alles das nahm Zeit in Anspruch. Jeder von den sieben sollte eine Rede halten, und vor Stolz errötend und verlegen, murmelten und brummten sie etwas vor sich hin. Die längste Rede hielt der „alte Getreue", eine Rede, die fast eine Minute dauerte. Dann sollten sie photographiert werden. Der Ring füllte sich mit Meisterringern, bekannten Trainern, alten Unparteiischen und Schiedsrichtern. Leichtgewichtler und Mittelgewichtler schwirrten umher. Jeder schien alle andern herauszufordern. Rät Powers war erschienen, um einem Revanchekampf von dem jungen Glendon zu verlangen, und wie er all die andern strahlenden Lichter, die Glendon ausgelöscht hatte. Sie alle forderten auch Jim Hanford heraus, der als er sich'genötigt sah, Stellung zur Sache zu nehmen, erklärte, daß er den nächsten Kampf mit dem Sieger von heute ausfechten würde. Und sofort begannen die Zuschauer die Namen zu rufen; die Hälfte brüllte„Glendon" mid die andere Hälfte„Powers", Mitten in diesem Höllenspektakel brachen noch einige Sitzreihen zusammen, und es gab einen heftigen Streit zwischen den Inhabern der zerbrochenen Sitze und den Platzanweisern, weil mehr Karten verkauft waren, als zulässig war. Der Polizeihauptmann schickte nach dem Präsidium und erbat Verstärkung. Das Publikum amüsierte sich glänzend. Als Glendon und Cannam den Ring betraten, konnte man glauben, einer polittschen Versammlung beizuwohnen. Beiden wurde gut fünf Minuten lang gehuldigt. Alle Unbeteiligten hatten unterdessen den Ring verlasse». Glendon setzte sich, von seinen Sekundanten umgehen, in seine Ecke. Wie gewöhnlich saß Stubener direkt hinter ihm. Cannäm wurde zuerst vorgestellt, und nachdem er seine Verbeugungen und Kratzfüße gemacht hatte, mutzte er den Zurufen gehorchen, die eine Rede von chm verlangten. „Ich bin stolz darauf, daß ich heute hier sein darf", sagte er, und der donnernde Applaus ließ ihm Zeit nachzudenken, was er weiter sagen sollte. „Ich habe immer ehrlich gekämpft. Das habe ich mein ganzes Leben lang getan. Das wird niemand leugnen können. Und ich werde auch heute mein bestes tun." Laute Rufe erschollen:„Das stimmt, Tom!" „Das wissen wir!"„Braver Kerl, der Tom!" „Du wirst schon Gulasch aus ihm machen!" Dann kam Glendon an die Reihe. Die Zuschauer verlangten auch von ihm, daß er eine Rede halten sollte, obwohl diese Reden im Ring eigentlich etwas ganz Neues waren. Billy Morgan hob die Hand, um Schweigen zu gebieten, und mit "klarer, mächtiger Stimme begann Glendon. „Alle haben gesagt, daß sie stolz darauf sind, heute hier sein zu können", sagte er.„Ich bin es nicht." Das Publikum war bestürzt, und er ließ seinen Zuhörern Zeit, darüber nachzudenken, was er wohl meinte. „Ich bin nicht stolz auf die Gesellschaft, in der ich mich befinde. Sie wollen ein« Rede hören. Schön, Sie sollen eine haben. Dies ist mein letzter Kampf. Dann verlasse ich den Ring für immer. Warum? Das hab ich Ihnen schon gesagt. Ich befinde mich nicht wohl in dieser Gesellschaft. Es ist faul bis ins Mark hinein, sowohl bei den kleinen Klubs wie bei der Geschichte heute." Das anfangs leise Gemurmel war jetzt zu einem Gebrüll angewachsen. Es wurde gezischt und gepfiffen, und viele riefen:„Anfängen!" „Wir sind hergekommen, um den Kampf zu sehen!"„Warum kämpft ihr nicht?" Glendon, der ruhig abwartete, daß der Lärm sich legen sollte, bemerkte, daß diejenigen, welche am eifrigsten darauf bedacht waren, sein Weiterreden zu verhindern, Unternehmer, Manager und Boxer waren. Vergebens versuchte er wieder zu Worte zu kommen. Die Meinungen des Publikums waren geteilt. Die Hälfte schrie„Anfängen!" Die andere Hälfte:„Weiterredenl Weiterredenl" 1 Zehn Minuten lang herrschte hoffnungslose Verwirrung. Stubener, der Schiedsrichter, der Besitzer der Arena und die Veranstalter drangen in Glendon, den Kampf zu beginnen. Als er sich weigerte, erklärte der Schiedsrichter, Cannam den Sieg zusprechen zu wollen, da Glendon sich weigerte, mit ihm zu kämpfen. „Das können Sie nicht", entgegnete Pat. „Ich werde Sie vor alle Gerichtshöfe des Landes ziehen, wenn Sie das versuchen. Im übrigen bin ich bereit zu kämpfen. Aber erst, wenn ich mit meiner Rede fertig bin." „Aber es ist gegen die Regeln", protestierte der Schiedrichter. „Durchaus nicht. In den Regeln steht kein Wort davon, daß im Ring keine Reden gehalten werden dürfen. Jeder von den alten Boxern, die heute hier sind, hat geredet." „Doch nur wenige Worte", schrie der Unternehmer Glendon ins Ohr.„Aber Sie wollen hier ja einen ganzen Vortrag halten." „In den Regeln steht nichts davon, daß man keine Vorträge halten darf", antwortete Glendon. „Und jetzt macht, daß ihr aus dem Ring kommt. Jungens, oder ich schmeiß euch hinaus." Der aufgeregte Unternehmer wurde, soviel er sich auch wehrte, beim Kragen gepackt und über die Seile gehoben. Er war ein großer, schwerer Mann, aber Glendon hatte es so leicht getan, daß das Publikum vor Entzücken tobte. Glendon trat wieder in die Müte des Ringes zurück und hob beide Hände. „Wollt ihr, daß ich rede?" rief er mst donnernder Stimme. Hunderte, die um den Ring saßen, hörten ihn und riefen: „Ja!" „Dann soll jeder, der hören will, den Lärmmacher, der ihm zunächst sitzt, zum Schweigen bringen!" (Fortsetzung folgt.)' Mr. 125 Donnerstag 28. Mai 1938 Seite 3 fudetendcutsdm Seitepiesel Unser Reichsjusend* und Kreisparteitas und die Kommunisten Trotz unserer Feststellungen in der Diens- tagansgabe unserer Parteipresse fahren die Ko r- munisten und ihre Prrffe fort, diese Veranstaltung der sozialdemokratischen Jugend und unserer Partei in den Dienst ihrer unwahrhaften und unwürdigen Propaganda zu stellen. Im Niederlande haben sie eine weitverzweigte Flüsterpropaganda organisiert, die nur geeignet und offenbar beabsichtigt ist, ihre eigenen Leute irre zu führen. Nach wie vor behaupten sie, daß sie mit unseren Parteistellen Verhandlungen geführt und Vereinbarungen getroffen haben, denen zufolge die Kommunisten eigene Gruppen und Redner stellen und im Demonstrationszuge eigene Transparente, Standarten, Fahnen und Tafeln führen würden. Sie berufen sich darauf, daß ihnen von Parteistellen und führenden Sozialdemokraten bindende Zusicherungen gemacht worden seien, daß von unserer Seite derartige Beschlüffe vorlägen u. a. m. Anläßlich der Wahlen im Mai 1938 hielt Konrad Henlein vor tausenden Zuhörern in T e p- l i tz eine Rede, in welcher er unter anderem sagte, er wolle weder Abgeordneter noch Minister werden, er werde aber den Kameraden, welche die Partei ins Parlament entsendet, aufdieFin- g e r sehen. Keine Rede Henleins oder eines seiner Untergebenen geht vorüber, ohne daß auf die Sauberkeit und Reinheit, der Sudetendeutschen Partei verwiesen wird. Sehen wir uns diese Sauberkeit an einem konkreten Beispiel etwas näher an. Die„Rumburger Zeitung" bringt in ihrer Nummer vom 21. Mai 1936 einen Bericht über eine Gerichtsverhandlung, welche am 19. Mai l. I. vor dem Bezirksgericht in Böhm.-Leipa stattfand. Gegenstand dieser Verhandlung bildete eine Ehrenbeleidigungsklage, welche der Abgeordnete der Sudetendeutschen Partei, Ernst Köhler, Lehrer in B ili n, gegen den ehemaligen Abgeordneten des Bunde- der Landwirte Anton Köhler aus Radowesitz eingebracht hat. Der Letztere hatte in einer Versammlung, welche am 9. Feber l. I. in Drum be> Böhm.-Leipa stattfand, provoziert durch einen Anhänger Henleins, behauptet, daß Abg. Ernst Köhler, noch ehe er sich von seiner Frau scheiden ließ, ein Liebesverhältnis mit einer anderen Frau unterhielt, die er nach erfolgter Scheidung in sein Haus aufnahm. Später habe er mit seiner geschiedenen Frau ein Liebesverhältnis unterhalten, obwohl diese wieder geheiratet hatte. Anton Köhler habe für Wechselschulden des Abg. Ernst Köhler im Betrage von 14.000 Kö Bürgschaft übernommen und sein— Anton Köhlers— Bruder für weitere Schulden von 8000 KL. Die Geliebte des Abg. Ernst Köhler habe dann diesen beim Kreisgericht in Brüx auf Zahlung von 26.511 KL geklagt und von der Parteileitung der SdP in einem von Dr. Walter Brand gefertigten Schreiben eine Abfertigung von 2 0.0 0 0 KL angeboten erhalten, wenn sie von einer Klage gegen den Abg. Ernst Köhler absehen würde. Der Richter ließ den an» gebotenen Wahrheitsbeweis zu und ordnete an, daß der Abg. Ernst Köhler über die von seinem Gegner angeführten Tatsachen als Zeuge einvernommen wird. Eine ganze Reihe von Zeugen, darunter auch die Geliebte des Ern st Köhler, sollen gehört und dem Anwälte derselben aufgetragen werden, den Brief der Parteileitung der SdP vorzulegen. Soweit der Verlauf der Verhandlung. Aus eigener Kenntnis können wir hinzu» fügen, daß die verlaffene Geliebte in ihrer beim Kreisgerichte in Brüx eingebrachten Klage auf Zahlung von 26.511 KL angab, der Abg. Ernst Köhler habe ihr in Aussicht gestellt, sich von seiner Frau scheiden zu lasten, und sie, die Klägerin, zu heiraten. Auf Grund dieser Versprechungen habe sie sich mit Ernst Köhler in ein Liebesverhältnis eingelassen. Dieser sei im Dezember 1929 mit einer Flasche Wein in ihre Wohnung gekommen, habe sie trinken lassen und in diesem Zustande Von all dem ist Kei« Wort wahr! Es handelt sich um ei» widerliches Manöver der Kommunisten und es ist beschämend, daß sich ein« sich proletarisch nennende Partei aufgelegter, bewußter Unwahrheiten bedient, die es gerader« unmöglich machen, ihnen in Hinkunft Glauben entgegen zu bringen. Wir stellen neuerdings und ausdrücklich fest, daß mit den Kommunisten weder Verhandlungen geführt noch Vereinbarungen getroffen wurden, daß ihnen nicht die geringste Zusage hinsichtlich einer gruppenweise» Beteiligung, Sonderpropaganda, Redner oder sonst etwas anderen gemacht wurden. Der sozialistische Jugendverband und die deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei sind die alleinigen Veranstalter. Sie tragen di« alleinige Verantwortung gegenüber der Oeffentlichkeit und den Behörden. Diese beiden Körperschaften werden daher auch auf der Einhaltung absoluter Disziplin beharren und keinerlei wie immer geartete Störung dulden. habesieseinemWunsche, mitihrge- schlechtlich zu verkehren, entsprochen. Die Scheidung der Ehe des Abg. Ernst Köhler erfolgte im Jahre 1934. Während dieser ganzen Zeit sei dieses Verhältnis fortgesetzt worden. Seit September 1934 habe sie mit ihm in gemeinsamem Haushalt gelebt. Im Oktober 1935 habe ihr Abg. Ernst Köhler erklärt, daß er sie nicht heiraten werde, habe ihr aber angetra- gen, das bisherige Verhältnis fortzusetzen. Die Klägerin verlangte 20.000 KL für v e r- minderte Heiratsaussicht, 6511 KL fürMöbel usw. und die Entlassungaus einer Haftung für einen restlichen Kauf- Willi Wanka der zweite Vorsitzende des Sozialistischen Jugendverbandes spricht am Freitag, den 29. Mai, von 18.35 biS 18.45 Uhr in der Prager deutschen Arbeitersendnng iin Rahmen' der aktuellen zehn Minuten über den Reichsjugendtag Bodenbach preis für Möbel im Betrage von 5800 KL, welche der Abg. Ernst Köhler bei der Firma S k u h e r- sky in Königgrätz gekauft hat.» Schließlich wurde ein Vergleich abgeschlossen, wonach sich der Abg. Ernst Köhler verpflichtete, der Klägerin 6000 KL in Monatsraten zu 200 KL zu bezahlen und die Prozeßkosten von 2322 KL zu ersetzen sowie die Haftbcfreiung bis 15. Juni 1936 beizubringen. Die persönliche Seite der Sache interessiert uns nicht. Ob Herr Abg. Ernst Köhler Liebesverhältnisse unterhält, ist seine Sache, wenn auch die Art, wie sie die Klägerin geschildert hat vorausgesetzt daß sie der Wahrheit entspricht, mehr als sonderbar wäre. Aber die Sache hat doch eine politische Seite. Herr Abg. Ernst Köhler ist einer unserer gehässigsten Gegner, er sprach in Versammlungen von uns Sozialdemokraten als„rotes Geschmeiß". Und er ist Vertreter der Partei der„Sauberen und Reinen". Hat ihm Herr Henlein auf die Finger gesehen? Und was ist es nüt dem Briefe der Parteileitung? Wir wissen, daß Dr. Brand die Absendung dieses Briefes in Abrede stellt. Immerhin ist folgendes auffällig: Die Frau klagt 26.511 KL ein. Der Abg. Ernst Köhler verpflichtet sich zur Zahlung von 6000 KL. Die Differenz entspricht ungefähr jenem Betrage, der in dem Briefe der Parteileitung der SdP angeboten worden sein soll. Das weitere Berfahrm wird wohl Licht in die Angelegenheit bringen. In keiner anderen Partei könnte aber ein Mensch Abgeordneter bleiben, von dem all das, was wir hier anführten, behauptet wird, außer in der Partei der„Sauberen",„Reinen" und„eindeutig Sozialen". Zum Schlüsse noch ein kleines Detail: Der Abgeordnete der Sudetendeutschen Partei, der in so beweglichen Worten von der Not des deutschen Volkes zu sprechen versteht, kauft seine Möbel bei der Firma— Sku- herskh in Königgrätz. Heinrich Manns Bombengeschwader Henleins„Runds ch a u" befaßt sich in der letzten Nummer mit einem Artikel Heinrich Manns in der„Weltbühne" und versucht Heinrich Mann als Kriegshetzer gegen Deutschland hinzustellen. In dem erwähnten Artikel„Fürchte t euch nicht" zeigt der große Dichter, wie der Patriotismus der Heilschreier aller Nationen beschaffen ist. Diesen Leuten stellt Heinrich Mann die Menschen in jeder Nation gegenüber, die eine neue Welt erstreben. So sind die politischen Fronten in Wahrheit fließend, sie gehen über die Grenzen der Nationen hinaus. Die„Rundschau" hebt nur die Stelle hervor, wo Heinrich Mann sagt, daß, w-nn die Zeit erfüllt ist, auch die Bombenflugzeuge über die Grenzen hinweggehen. Ebenso wird Heinrich Mann auf Grund dieser Stelle zum Kriegshetzer gegen Deutschland gestempelt. In Wirklichkeit ist Heinrich Mann ein Kämpfer für den Frieden und er sagt ganz deutlich, von welcher Seite der Frieden heute bedroht wird. Auch in diesem Artikel sagt es Heinrich Mann. Diese Stelle hat die„Rundschau" einfach ignoriert. So heißt es dort einmal: „Der Deutsche weiß, daß sein Land von der Sowjetunion keinen Angriff zu befürchten hat. Der Franzose kennt die Eroberungspläne des Dritten Reiches. Er muß in Betracht ziehen, daß sein Land von einem Hitler, der seinen Raubzug nach Osten mit Glück beendet hätte, schlechthin vernichtet werden könnte." Die„Rundschau" hätte z. B. auch folgende Stelle aus dem Artikel ihren Lesern zum Nachdenken bieten können: „Das Wesen und der Betrieb der Hitlerei erinnert an keine gesunde Wirklichkeit mehr. 80.000 Jahre Freiheitsstrafen sind in drei Jahren verhängt worden, nicht gerechnet die Hunderttausenden in den Lagern. Das hat nichts mehr, woran man noch glauben kann. Man konnte an den Zarismus glauben, Hitler ist unglaubhaft. Man glaubt nicht, daß zwei Drittel des Landes im ewigen Schrecken gehalten werden könnten und daß auf die Dauer der größere Teil der Nation von dem kleineren sollte wtgeprügelt werden." Die„Rundschau" wird das aber niemals tun, denn aus der Htnleinpreffe und der Partei lugt überall die Fratze des Nationalsozialismus hervor. Karlsbader Musikdirektor gestorben. Wie uns aus Karlsbad berichtet wird, ist dort der Musikdirektor Ernest Eberhart gestorben. Eberhart spielte im Musikleben der Kurstadt Karlsbad eine hervorragende Rolle. Ermäßigte Eisenbabn-HalbsabreSkarten für organisierte Geschäftsreisende und Vertreter werden mit Geltung ab 1. Juli auSgegeben. Bei Besorgung durch die Organisation wird ein Sondernach'/iß von fünf Prozent bewilligt. Außerdem steht den Besitzern von Eisenbahn-JahreS- und-Halbjahreskarten eine 2Sprozentige Fahrpreisermäßigung auf den Staats- autobuSlinien innerhalb der Direktionsbereiches der angekauften Eisenbahn-JahreS» oder Halbjahreskarte zu. Nähere Auskünfte über die Preise und Bedingungen erteilt der„Bund der Vertreter und Reisenden", Fachgruppe im Allgemeinen Angestellten-Ver- band. Reichenberg, Turnerstraße 27. UrlauiSbestimmungen für Privatangestellte. Mit Rücksicht auf die ihm zugehenden zahlreichen Anfragen ersucht unS der Allgemeine Angestellten-Verband Reichenberg um folgende Bekanntgabe: Den Privatangestellten gebührt nach sechsmonatiger Dienstdauer im selben Unternehmen ein Urlaub in der Dauer von zwei Wochen in jedem Kalenderjahre, der sich nach fünfjähriger Dienstdauer auf drei Wochen und nach ISjähriger Dienstdauer auf vier Wochen erstreckt. Nicht einzurechnen in den Urlaub sst die Zeit der Arbeitsverhinderung durch Krankheit, Unfall, Entbindung, öffentlichrechtliche Verhinderung und Wehrpflicht sowie die 14tägige Zeitdauer privater Verhinderungen. Lehrlinge haben nach halbjähriger Verwendung in derselben Unternehmung einen Urlaubsanspruch von acht Tagen im Jahre. Praftikanten, Volontäre und dergleichen Dienstnehmer, die dem Privatangestelltengesetz unterliegen, haben den Urlaubsanspruch wir Privatangestellte. Nähere Auskünfte erteilt der Allgemeine Angestell- ten-Berband, Reichenberg, Turnerstraße 27, bzw. seine Geschäftsstellen in Bodenbach, DreSdnerstraße Nr. 886; Brünn, Bahnhofftraße 10/11; Karlsbad, Haus Brioni, Jnvalidenstraße 11/111; Jägerndorf, I Masarhkplatz 21/11; Reichenberg, Schloßgasse 1, und I Teplitz-Schönau, Eichwalderstraße 89. Die Partei der Sauberen Wer Ist es, der die Sozialdemokraten„rotes Geschmeiß* 1 nennt? Die Verbindlichkeit der nordböhmischen Textil- Verträge beantragt Nach wochenlangen Verhandlungen der zuständigen Gewerkschaftsorganisationen mit dem Unternrhmerverband wurde vor einiger Zeit eine Einigung im bezug der Rechtsverbindlichkeit der Textilverträge erzielt. Bon Seite der Unternehmer wurde aber die Rechtsverbindlichkeit mit der Aufnahme der Gablonzer Gewerkschaft in die Verträge junktimiert, wodurch sich die Einreichung an die zuständigen Ministerien verzögerte. Nunmehr sind die Unternehmer von ihrem Verlangen zurückgetreten, so daß einer Einreichung nichts mehr im Wege stand. Vorige Woche wurde nun der gemeinsame Antrag den Ministerien zugesandt und es ist zu hoffen, daß die Verbindlichkeit dieser Verträge bald Rechtskraft erhalten wird. Bon dieser Regelung werden rund 20.000 Textilarbeiter in den Bezirken Reichenberg, Gablonz-Tann- wald und Friedland erfaßt. Verschiebung des- spanischen Parteitages Madrid. Der gemäßigte Flügel der sozialistischen Partei setzte die Verschiebung des Partrikongreffes von Ende Juni bis zum Herbst dieses Jahres durch. Diese Vertagung hat bei den Freunden Largo Cabaleros Unzufriedenheit hervorgerufen. Der Streik in H u e s e a wurde beigelegt, da zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitenr eine Einigung zustandekam. In LWiedo wurde auf Grund eines Beschlusses der Führer der Arbeiterorganisationen der Ausstand um 24 Stunden verlängert. Bomben In Jaffa London. Das britische Kolonialministerium erhielt Mittwoch früh eine von dem britischen Oberkommiffär für Palästina veröffentlichte amtliche Mitteilung, in der es heißt: In brr vergangenen Rächt sind in Jaffa eine Reihe von Bombenanschlägen verübt worden. Außerdem wurde die Polizei mehrfach beschossen, so daß es stellenweise zu regelrechten Feuergefechten kam. Darüber hinaus werden Fälle von Brandstiftungen auS einer Reihe kleinerer Ortschaften in der Umgebung Jaffas gemeldet. Militär beschossen Jerusalem.(Reuter.) Eine Abteilung schottischer Soldaten gemeinsam mit einer britischen Polizeiabteilung stießen in der Nacht auf Mittwoch mit einer Gruppe arabischer Aufständische^ auf der Straße von Jerusalem nach Nablus zusammen. Die Araber befänden sich auf den Hängen der dortigen Höhen in Deckung, von wo sie auf die Soldaten schossen. Hilfe kür Gömbös? Budapest. Wie Budapester Blätter melden, wird der preußische Ministerpräsident Göring zu Pfingsten nach Ungarn kommen und Ministerpräsident Gömbös in dessen Jagdschloß bei Kirälyszallos im Bankonyer- Wald besuchen. Budapest. Wie die Blätter melden, wird der polnische Außenminister Beck auf der Rückreise von Belgrad in der ungarischen Hauptstadt Aufenthalt nehmen. Herriot oder Bouisson? Paris. Der Mittwoch steht im Zeichen der Beratungen der Radikalsozialisten und der repu- blikanischen-sozialistischen Vereinigung. Im Vordergründe steht wiederum die Frage des künftigen Vorsitzenden der Deputiertenkammer. Die Sozialisten würden gerne Fernand Bouisson, den bisherigen Vorsitzenden, an dieser Stelle sehen, der über 30 Jahre Mitglied der sozialistischen Partei war und der über große Erfahrungen verfügt, da er über zehn Jahre Vorsitzender der Kammer ist. Die Radikalsozialisten und die Kommunisten geben jedoch Eduard Herriot den Vorzug, der aber seine Kandidatur nicht angemeldet hat. Der Klub der Radikalsozialisten hat sich ein- mütig dahin ausgesprochen, den übrigen Linksparteien die Wahl Herriots zum Vorsitzenden der neuen Kammer vorzuschlagen. Die Kommunisten stellten sich sehr scharf gegen Bouisson, der wie sie sagen, in der lebten Legislatur-Periode keine besonders wohlwollende Stellung gegen sie eingenommen habe. Jnfanterie-Reaiment 41 in Sillein„Regiment Präsident Dr. Benes". Am Tage des Geburtstages des Präsidenten der Republik wird das Infanterie-Regiment 41 in Sillein in der Westslowakei die Bezeichnung erhalten:„Infanterie-Regiment Präsident Dr. Edvard Benes". Wir marschieren! ‘Hodenbat.fi— Pfingsten 1930 Jugendliche, ff artet. Jportfer. alles, was sich zur foxialdemohratie bekennt, zum Reichsjugend- und Krels-Arbeltertag eite 4 Donnerstag, 28. Mai 1936 Nr. 125 Benes und sein Mittelschulprofessor In seiner netten Benes-Biographie erzählt Dr. Arthur Werner folgende kleine Geschichte aus der Mittelschulzeit des gegenwärtigen Staatspräsidenten: Benes war als Mittelschüler ein eifriger Fußballspieler und trat im Jahre 1901 als Mitglied der Jüngmannfchaft des S.K. Slavia gegen die Mannschaft der„Union"-ZiNov zum Wettspiel a::. In der Hitze des Gefechtes verwechselte ein iliiionspieler, der Verteidiger Komärek, das Leder mit dem Schienbein des init dem Ball zum gegnerischen Tore drängenden Slavia-Stüriners Benes und statt des Balles traf er den empsind- lichcn Knochen so wuchtig, daß der Slavia-Mann niit gebrochenem. Schienbein ohnmächtig zusam- mcnstürzte. Seine erste Frage nach dem Erwachen ays dieser Ohnmacht, wiihrcnd der man ihn ins Weinberger Krankenhaus gebracht hatte, war:„Haben wir gewonnen?"„Schade um Benes", sagte ein Vorstandsinitglied der„Slavia", als er von dpm Mißgeschick des Spielers erfuhr. „Er hatte ein großes Talent." Sehr erbost über den ganzen Unfall wären auch die Professoren Benes'. Eine schlechte Sittennote, der Karzer und als Folge Verlust der Schulgeldbefreiung wegen verbotener Mitgliedschaft bei einem Fußballklub warteten auf ihn. Das Köstlichste war aber, was der gestrenge Herr Klassenvorstand, der alte Professor Hrdlicka zu ihm sagte. Dieser schloß nämlich die Strafrede, niit der er den„Fußballsünder" verurteilte, mit den Worten:„Lassen Sie das Studium, denn aus Ihnen wird niemals etwas Ordentliches. Sie eignen sich ganz und gar nicht für das Studium. Ich rate Ihnen, gehen Sie zum Militär, machen Sie in zwölf Jahren Ihren Feldwebel und gehen Sie dann als k. k. Unterbcamter irgendwohin zur Finanz, zum Gericht oder zur Post und cs wird Ihnen gut gehen!" Schade, daß der alte Hrdlicka nicht mehr lebt! Er hätte seine Freude daran, daß seine Prophezeiung— picht in Erfüllung gegangen ist! Flugzeugunglück bei Pilsen. Am Mittwoch nach 19 Uhr erschien, von Prag kommend, ein dem Baka-Chefpiloten Louka gehöriges Flugzeug über Pilsen, kreiste über dem Flugplatz, flog dann über die Stadt und nach Nova Hospodg bei Pilsen, wo es einige Wendungen in der Luft vollführte. Plötzlich stürzte es ab und wurde vollkommen zertrümmert. Beide Insassen, der Pilot B u r e s aus Prag und F i s ch e l aus Pilsen, kamen ums Leben. Schutz der Schulkinder gegen den Luftkrieg. 2m Rahmen der Arbeiten, die für die Organisation des Luftschutzes Lurchgeführt werden, ist nun im Militärwisienschaftlichen Institut auch, ein Plan für die Evakuierung der durch Fliegerangriffe bedrohten Schulen ausgcarbeitet worden. Ter Plan.sieht die Ueberführung der in Frage kommenden Schulkinder in entsprechend geschützte Orte vor, die in Friedenszeiten als Ferienkolonien und Erholungsstätten praktische Verlvcndung finden sollen. Der Errichtung neuer Ferienkolonien, bzw. Erholungsstätten soll deswegen auch im Hinblick auf die vorgesehene Verwendung im Kriegsfälle ein besonderes Augenmerk gewidmet werden. Grotzfeurr in Pilsen. Mittwoch um 11 Uhr 30 brach in der Möbelfabrik Franz Lidl in Pilsen ein Feuer aus. Der Brand nahm seinen Ursprung am Dachhoden des Maschinenhauses und verbreitete sich schnell auf die ganze Einrichtung des Maschinenhauses, die von den Flammen vollkommen vernichtet wurde. Auch die benachbarten Gebäude wurden zum Teil beschädigt. Wie durch die Untersuchung festgestellt wurde, ist der Brand offenbar dadurch entstanden, daß, als der Heizer in den Kessel der Lokomobile im Kesselhaus Sägespäne zulegte, die Flammen zurückschlugen und den Holzstaub erfaßten, wodurch dann die Wrige Einrichtung in Brand geriet. Ter Schaden iw»be- dcntend und nur teilweise durch Versicherung gedeckt. Die Feuerpolizei der Stadt Pilsen löschte den Brand innerhalb zwei Stunden. Bei den Löscharbeitcn wurde das Mitglied der Feuerpolizei Josef Janota aus Pilsen verletzt. Er wurde in das Krankenhaus gebracht, wo festgestellt wurde, daß er eine leichte Gehirnerschütterung und Ritzwunden am Kopfe davongetragen hat. Bei einem Grubenunglück in der Zeche Lo- vcston bei Haverfordwest sind siebenBerg- lcute ums Lebengekommen. Sie sind ertrunken, nachdem der Stollen, in dem sic arbeiteten, durch einen gewaltigen Wassereinbruch überschwemmt worden war. Eine Fluglinie über den Nordpol wird vielleicht in naher Zukunft von der Sowjetfliegerei eingerichtet werden. Der bekannte Pilot Wodo- p i a n o w ist von seinem Flug nach dem Franz- Josephs-Land, auf dem er einige Zeit verschollen war, nach Moskau zurückgekehrt Er berichtet,, daß. er, je Wester er in die Arktis kam, desto ruhigere Luft und glattere Eisfelder antraf. Er nimmt an, tzatz diese günstige Beschaffenheit des Zlugraumes Kommune-Gedenktag in Paris „Das Paris der Arbeiter Mik seiner Kommune wird ewig gefeiert werden qls der ruhmvolle Vorbote Siner neuen Gesellschaft. Seine Märtyrer sind eingeschreint in dem großen Herzen der Arbeiterklasse...." DcV war,die Zuversicht, mit der der Generalrat der Ersten Internationale nach der Mai-Schlächterei an 30.000 Arbeiter in Paris seinen von Karl Marx verfaßten Bericht über den Bürgerkrieg in Frankreich am 30. Mai 1871 abschloß. Seit 188.0 begannen verschwindende Teile der allmählich wieder entstehenden Arbeiterorganisationen in der letzten Maiwoche in feierlichem Zuge an der Mauer im Friedhöfe. Pere-Lachaise vorüberzuziehen, an der 1871 die. letzte Gegenwehr der Pariser Arbeiter gegen das Blutbad zer- tracki, das der bismarck-gefügige Thiers ihnen als Henkersknecht der französischen Bourgeoisie bereitete. Die„Mauer der Kon föderierten" wurde allmählich zum Symbol für die heroischste Ehoche der französischen Arbeiterkämpfe und zum Mahnmal für die Befreiung. Aber selbst näcki dem Weltkriege blieb noch lange Zeit die Maifeier der Kommune die Sache weniger Hunderter oder Tausender, und wenn auch später, die Aufmärsche bedeutender wurden, so blieb ihre Wirkung doch gering, weil. Sozialisten und Kommunisten an verschiedenen Sonntagen getrennt demonstrierten. Exst als unter der Drohung des internationalen Faschismus die beiden französischen Arbeiterparteien-und dst Gewerkschaften beider Richtungen sich einander zu nähern begannen, sanden sich die.französischen Arbeiter auch in einer einzigen Kundgebung zusammen. So eindrucksvoll auch schon die Erinnerungszüge der letzten Jahre geworden waren, seit dem 24. Mai weiß Paris, daß^ie nichts als die Ankündigung. der Kundgebung hon 1936 gewesen sind. lkeber eine halbe Million Pariser Artz e i t e r folgten am Sonntag dem Rufe des Ko- ordinationskomitees der-Sozialistischen und Kommunistischen' Partei, und von zwei Uhr nachmittags an zogen zehn volle Stunden lang die Männer, Frauen und Kinder des Proletariats in dichten Gliedern an der„Mauer" vorüber. Solange die Arbeiterklasse die Tage ernster Besinnung auf die Heldentage ihrer Geschichte feierlich begeht, sind diese Feiern zugleich Ausdruck ihres Befreiungswillens und Kämpfmutes. Der Sonntag in^Paris umgab diesen Ausdruck des Zu- kunststrebens der französischen Arbeiter mit einem Gefühl der Zuversicht und der Freude an der eigenen Kraft. Unentwegt klangen die alten Lieder der französischen Revolutionsgeschichte auf, unterbrochen nur vom Jubel um B lum, der mit geballter Faust inmittert der sozialistischen und kommunistischen Parteizcntralen die Mauer grüßte. Zahllose Banner der vielen politischen, gewerkschaftlichen und kulturellen Organisationen, eine Fülle von Kränzen zur Niedcrlegung aN der Mauer, pb reich oder bescheiden, stets in gleichem Maße em Zeichen innigster Verbundenheit mft den Ueberliefernngen. der eigenen Kämpfe. Em farbenfrohes Bild der Reigen der Transparente, die die Forderungen nach Einheit der Arbeiterbewegung, nach Durchsetzung der(nichtigsten Wünsche für Lohn und Arbeitszeit!" nach Zerstreckmng der faschistischen Organisationen, nach Amnestie eindringlich Wiedergaben.. Sonntag zeigte das'Pariser Proletariat, daß der Wahlerfolg.vom 2ss. Aprjl und vom 3. Mai es nicht eingeschläsert,' sondern im Gegenteil ermuntert hat, den Weg zu gehen, auf dem es zum Vollstrecker des Heldenwillens von 1871 werden wird. l-von Blum an der Mauer der Föderierten Am Sonntag veranstalteten die.in der Volksfront vereinigten Linksparteien eine große Kundgebung zur Erinnerung an die Pariser Kommune 1871. Acht Stunden läng zogen die Volksfrontanhänger an der Master der Kommune, vorbei, und wurden von dem künftigen Ministerpräsidenten, Leon Blum(in der Mitte)), mit erhobener Faust begrüßt. Naturfreunde-Bcwcgung Zum Reichsjugend- und K r e i s a r b e ite r t a g nach Bodenbach a. E.(Pfingsten 30. Mai bis 1. Juni) rüsten die Ortsgruppen des Tou- ristcnvereines„Die NaNirfrcunde", Sitz Aussig a. E. ' Ein reiches Festprogramm ist vorgesehen: Abendfeier, Morgenfeiern, Temonstrations- und Festzug, Kundgebung, großes Jugend- und Parteifest auf den Sportplätzen. Im Anschlüsse finden auch Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung von Bodenbach statt. Die Kosten der Teilnahme sind mäßig. Nebst I den Fahrkosten(Sonderzüge zu 80 Prozent) sind ein Festbeitrag und'Eintrittsgelder von 10 llö vorgesehen. Tarin ist einbezogen: Festschrift, Festabzeichen, zwei Nächtigungen(Massenlager), freier Eintritt zu allen Veranstaltungen. Die Teilnahme am Sonntag-Nachmittag kostet 5 K£, Festschrift und Festabzeichen. Schon jetzt sind die Bestellungen aufzugebcn, .und zwar: 1. Teilnchmerzahl der Ortsgruppe. 2. Wieviel Quartiere werden benötigt(Massenlager)? 3. Anzahl der Festabzeichen und direkt an das SJ-Sekretariat, Bodenbach, HauS „Hainfeld", weiterzuleiten, wo auch die Verrechnung zu erfolgen bat. Ter Gau„Nordwestböhmen" veranstaltet zu diesem Anlaß eine Gauwanderung nach Bodenbach. Blattes» das sie las, stellten, bis ihr Gesundheitszustand nicht mehr kritisch war, von ihrer Zeitung täglich ein Exemplar ohne die Nachrichten über ihren Gatten her. Eine journalistische Rarität, diese Ein-Exemplar-Auflage.(Die die Welt natürlich dem Umstande zu verdanken hat, daß O'Tonne ll kein armer Mann war. Die Frau eines Arbeiters hätte der Verleger sicher für weniger schonungsbedürftig gehalten.) Die zwölf Bräute des Mr. Lavers. Der 76jäh- rige Lavers aus Plimpton in Devonshire wollte sich wieder verheiraten. Anstelle sich an ein Heiratsbureau zu wenden, begab er sich zum Wohlfahrtsamt und erklärte sich bereit, eine beträchtliche Summe zu wohltätigen Zwecken zur Verfügung zu stellen, wenn man ihm eine geeignete Braut fände. Das Wohlfahrtsamt inserierte nun in einigen Zeitungen und erhielt hunderte von Zuschriften. Eine 80jäh- rige aus Beckingham schrieb, daß sie des Alleinseins satt sei und schöne- Augen habe. Eine 73jährige aus Birmingham berief sich darauf,, daß sie den besten Charakter aus ganz England habe. Eine andere Greisin aus Cumberland erklärte sich bereit, nach Plimpton zu kommen und sich vorzustellen. Das Wohlfahrtsamt sortierte sorgfältig die Bewerbungsschreiben und lud zwölf Damen für die engere Wahl ein. Sie erschienen in FestgewandernstöNd jugendlich geschminkt. Lavers schwankte lange Und wählte zum Schluß tatsächlich eine von ihnen. Da aber kam ein Hindernis zum Vorschein: die Erwählte erklärte, daß sie erst dann den Weg zum Altar antreten könne, wenn Lavers ihrem 44jährigen Sohn als Sftefvater gefallen würde. Das Sterben der Pariser Cafes. Paris ist die Stadt der Cafes, auf den Boulevards findet sich eins neben dein anderen, in jedem Bezirk, in jeder Straße und an jeder Ecke. Trotzdem ist sest- zustellen, daß gerade die berühmtesten unter- den Pariser Cafes alünählich zugrundegehen. Dies ist im Quartier Latin der Fall, wo zum Beispiel das Cafe Verlaine's„Francois I." verschwunden ist. An den großen Boulevards ist. das„C a r d i- und der Landungsmöglichkeit im höchsten Norden am besten sein wird. Die Nordspitze des Franz- Josephs-Landes liegt nur noch 425 Kilometer vom Pol entfernt. Der Flugweg über den Nordpol wäre die kürzeste Verbindung Europas mft den Ländern um den Stillen Ozean und man studiert in Moskau ernstlich die Verwirklichung dieses Projektes,(bn) Fabrikbrand. In den Balatum-Werken in Neuß (Rheinprovinz) explodierte Dienstag spät abends ein Oelbehälter. In kurzer Zcir stand das Fabrftgebäude in Hellen Klammen. Die Lackfabrik fiel dem Brande vollständig zum Opfer, ebenso das in den oberen Stockwerken befindliche Lager mft Riesenvorräten von Alr-Balatum. Tas Feuer griff dann weiter auf die Papierfabrft über, die ebenfalls vollständig zerstört wurde.- Eine Greisin verbrannt. Im 13. Wiener Gemeindebezirk verbrannte in ihrer Wohnung in der Penzingerftraßc die 79jährige Private Anna Ru- zickä. Sie war beim Heizen ihres Ofens unvorsichtig, so daß das beim Ofen angehäufte Brennholz Feuer fing, das auch die'Kleider der alten Frau, die die Flammen ersticken wollte, ergriffen. Dorfgemeinschast. Die„Politika" meldet, daß in einem Torfe bei Risch zwei Bauernfamilien wegen eines gemeinsamen Weges und einer Dachtraufe einen regelrechten Kampf geführt haben.. Von den 20 Personen, welche einander beschossen und mft Messern aufeinander lasgingen, blieb keine einzige unverletzt. Einige von ihnen sind tot, einige schwer verletzt.' Schmuggler, Räuber und Politik. Der Rcuter- Derichterstätter teilt mit, daß etwa 100 mit Knütteln bewaffnete Schmuggler in einen Zug, der um Mitternacht von Shanghai nach Pukeu fährt, eindrangen und die chinesischen Reisenden nötigten, den Zug zu verlaßen, in den sie dann 500 Ballen geschmuggelter Kunstseide verluden. Weiter unternahmen.die Schmuggler den Bcrsüch,den Internationalen Expreß anzuhalten, doch verhinderte die japanische Polizei deren vorvaben. Dreie Vorfälle werden in Anbetracht der unlängst erfolgten Beschwerde der chinesischen Regierung bei der japanischen Regierung als symptomatisch angesehen. Der Beschwerde zufolge seien die japanischen Behörden, die fast absolute Herren Nordchinas find, mit den Schmugglern in Verbindung; sie seien auch gar nicht bestrebt, den japanischen Schmugglern das Handwerk zu legen. Schwämmesuchen nationalisiert. Die reichsdeutschen Grenzbehörden erhielten den Auftrag, Bewilligungen zum Sammeln von Schwämmen und Beeren nur an Reichsdeutsche oder dauernd in Deutschland ansässige Ausländer äbzugeben. Diese Maßnahme trifft innerster Reche die Schwämmesucher aus den ffchechoslowasischen Gebieten.- Das Meer brennt! Im Hasengebiete von San Francisco fing die ölige Oberfläche eines Berbin- dungskanalS Feuer. In wenigen Augeichlicken glich der Wafferarm einem Flammenstrom. Das Feuer, das" an dem mit Kreosot getränkten Balken der Bollwerke reiche Nahrung fand, zerstörte drei Pieranlagen, drei Sägewerke und' 50.000 Festmeter Holz. Vier Stunden lang' bekämpften' 50 Feuerlöschzüge und zwei Löschboote den Brand. Riesige Rauchwolken hüllten lange Zeit den ganzen Südosten der Stadt ein. Bei den Löscharbeiten wurden acht Feuerwehrleute verletzt. Der Schaden wird auf 300.000 Dollar geschätzt. Orientalisches Märchen. Die dreißigjährige Prinzessin Assa, die' älteste Schwester des Königs Ghasi I. von Irak, hat sich in Athen heimlich mit .dem Pförtner eines Hotels von der Insel Rhodos verheiratet. Sie hatte sich vorher nach orthodoxem Ritus taufen lassen und den Namen Anastasia angenommen. Die jüngere Schwester der Prinzessin, Radjiha, hat sich durch Vermittlung der türkischen Gesandffchaft an die griechischen Sicherheitsbehörden gewandt und die Ungültigkeitserklärung der Ehe verlangt. Das jungverheiratete Paar hat Athen mit unbekanntem Ziel verlassen. Rücksichtsvolle Presse,(mb) In Toronto(Kanada) ist dieser Tage Harry O'Donncll gehängt/ worden, der ein junges Mädchen ermordet hatte. | Im vergangenen Herbst, als er verhaftet wurde, war seine Frau leidend. Die Herausgeber des nal", ein altberühmtes Fremdenlokal, seit langem geschlossen. Und jetzt wird auch das„B o e u f ä l a M o d e" seine Pforten schließen. Dieses Cafe-Restaurant, beim Palais Royal gelegen, hat noch Napoleon mit Josephine gastlich ausgenommen. Tallcyrand besuchte seine Separes. Die großen Politiker unserer Zeit sind alle Stammgäste dort gewesen, Briand, Barthou, Herriot konnte man oft in Gesellschaft dort treffen. Uebrigens hat hier auch das letzte große Dejeuner, das Sta- visky vor seiner Entlarvung gab, stattgefundeu. Vom„Boeuf ä la Mode", das seinen Namen auf Grund seines Schildes hatte,— ein Stier, der in der Mode des Empire gekleidet war und einen Hut mit Federn trug— wird nur das Gästebuch übrig bleiben. Es enthält die Autogramme fast aller großen Männer Frankreichs aus den letzten anderthalb Jahrhunderten. Wetter wird schlechter. Donnerstag: Vom Westen her fortschreitende Wetterverschlechterung, Neigung zu Gewittern oder Schauern, Abkühlung. Freitag: Im Westen des Staates: Veränderlich, Schauer, ziemlich kühl, Nordwestwind. Vom Rundfunk iMpWitaniwtrtu au* 4m ProtriMMi Freitag: Prag, Sender L: 7: Orchesterkonzert, 10.05: Deuffche Presse, 11.40: Schallplatten, 12.10: Straußwalzer, 13.30: Arbeitsmarkt, 13.40: Sängerchor. 18.10: Deutsche Sendung: Funkhörkasten, Dr. Bacher: Werden und Wachsen des Versicherungswesens. 18.35:., Aktuelle zehn Minuten, 18.45: Deutsche Nachrichten, 19.15: Kulturwoche: Rahuz und Mahulcna, von Suk und Zryer, 22.15: Jugoslawische Lieder. Sender S: 7.30: Orchesterkonzert, 14.15: Deutsche Sendung: für die Frau, 14.25: j Abenteuer im Südexpreß, lustige Hörfolge, 18: Schallplaüen.— Brünn: 16.10: Rachmittagskonzert. 17.40: Deutsche Sendung: Sportübersicht.— Prestbnrg: 12.35: Mittagskonzert, 16.10: Unterhaltungsmusik.— Mähr.-Ostran: 15: Nachmittagskonzert, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Borger: über Kurpfuscher, für die Frauen. Touristennachrichten. 5?r. 125 Donnerstag, 28. Mai 1936 Seite 5 üustand Zivilisation der Giftgase Frankreich und Italien Die italienische Presse beginnt im Zusammen- hange mit der Bildung der neuen französischen Regierung nervös zu werden. So schreibt die offiziöse „T r i b» n a": ES fei offensichtlich, daß die „Volksfront" die Beziehungen zwischen Frankreich und Italien zu verderben versuchen Werde. ES sei sogar möglich, daß man versuche« werde, biS zu dem Zeitpunkt der offiziellen Regierungsernennung„vollendete Tatfachen" in diesem Sinne zu schaffen. ES ist natürlich schwer zn sagen, ob eine solche Taktik den Absichten der künftigen Regierung entspricht. Aber in jedem Falle erweise die linke Prrffe den Vertretern der Volksfront, die nächstens die RrgierungSgefchäfte übernehmen werden, einen fchlechteu Dienst. Als ein Pendant zu dieser italienischen Pressr- äußrrung soll hier die Ansicht von Edouard H e r r i o t zitiert werden, der in der„E r e 91 o a B e I l e" einen großen Artikel der heutigen Situation zwischen Romund Paris widmet. Herriot nennt die Zivilisation, die Italien nach Abessinien trägt,„die Zivilisation der Giftgas e". Die französische Reaktion sei darüber begeistert, aber wir können uns nicht darüber freue«. Wir würden einem internationalen Mandat, das der Völkerbund Italien übertragen würde, wohl zustimmen, aber Rom habe den Krieg vorgezogen. Rom habe damit die Schleusen geöffnet, und niemand könne wissen, was morgen gr- fwrhen werde. Nicht das ist gefährlich, daß die Regierungen es nicht gewollt haben oder nicht imstande waren, rechtzeitig zu wirken. Die Hauptgefahr bestehe darin, daß die öffentliche Meinung Frankreichs hinter den Verteidigern der rohen Gewalt herlanfe, daß man in Frankreich beginne, sich über die Verteidiger der Gerechtigkeitsidee lustig zu machen. Die Krankheit fei sehr fortgeschritten. Werde es gelingen, sie zu heilen? Die jttdischen Kolonien in Palästina (schwarz) Befestigung der remllltarislerten Rheinzone Straßburg.(E. B.) Die in deutscher Sprache erscheinende Zeitung„Der Elsässer", veröffentlicht einen ausführlichen Bericht über die Aufführung von Befestigungen in dem Grenzgebiet zwischen der Schweizer Grenze und dem Eifel-Gebirge. Auch beim Zufammenflutz der Saar und der Mosel, in der Gegend von Conz, werden permanente Befestigungen aufgeführt. Diese Gegend ist für eine Abwehr der französischen Offensive frhr wichtig. Wie verlautet, hat der französische Generalstab, als man in Paris am Abend des 7. März militärische Maßnahmen gegen die Besetzung der Rhrinzone erwog, zunächst die Besetzung des Brückenkopfes Trier— Eonz in Vorschlag gebracht. Der Brückenkopf I st e i n am obere» Rhein, nordwestlich von Lörrach, der gemäß dem Bersailler Vertrag abgerüstet wurde, wird jetzt wieder hergrstellt, wobei in seinen Forts bereits schwere Artillerie montiert sein soll. irr Italien saturiert? (AP.) Die These, daß Italien nunmehr nach der Annexion Abessiniens saturiert sei, wird allgemein angeztociselt. Man braucht dabei nicht einmal an die Züge Italiens aus dem europäischen Schachbrett zu denken: an die noch engere Kettung Albaniens an Italien, die Aktivität in B u l g a r i e n, die Bedrohung Griechenlands, das weder die italienischen Absichten aus Korfu noch die Annektierung des Dodekanes vergessen hat, und der Türkei, die sich noch sehr wohl an die italienischen Anstrengungen in Südanätolien erinnert, ganz zu schweigen von den Verbuchen zur Einkreisung Jugoslawiens. Weit wesentlicher sind die italienischen Bemühungen im nahen Osten. Hartnäckig erhält sich die Nachricht, daß an den arabischen Unruhen in Palästina, für die man auch das Hakenkreuz verantwortlich machte, auch italienische Agenten nicht ganz unbeteiligt gewesen seien. Ausserdem spricht man davon, dass Italien die alten Beziehungen zum Imam des Demen wieder ausnehmen wolle, die nach dem arabischen Kriege eine gewisse Unterbrechung erfahren hatten. Eine Achten Sie doch einmal darauf, wie viele Menschen die Zahnpflege noch vernachlässigen. Dann werben Sie sehen, wie angenehm ein stischer Mund mit gepflegten weißen Zähnen auffallen kann. solche Taktik würde diesmal auch die Aufnahme guter Beziehungen zu Saudi-Arabien bedingen. Abgerundet wiÄ das Bild durch die Liebeswerbungen in Aegypten, das seinerseits jetzt auch sein Verhältnis zu Ibn Saud nach einem langjährigen Konflikt wieder normalisiert hat. Die italienischen Kolonien in Aegypten, die zahlenmässig von stattlicher Stärke sind, betätigen sich sehr rege. Wenn auch der nationalistischen Wafd- Partei eine Vertauschung der englischen mit der italienischen Herrschaft gänzlich undiskutabel erscheinen muss, so daß man sich hier sehr vor übereilten Schlußfolgerungen hüten sollte, so gibt es doch bereits Fäden zwischen Italien und bestimmten peripheren ägyptischen Gruppen, die bei der Machtverteilung übergangen sind oder in Opposition stehen. Rom tut aber auch alles, um Aegypten zu hofieren, und man hat angvdeutet, dass es die Verhandlungen wegen der Tana-See-Jnter- essen nicht mit England, sondern mit Aegypten zu führen gedenke. Das bedeutet eine Rückenstärkung für den ägyptischen Nationalismus, gibt Italien Gelegenheit, die Frage nach der Souveränität Aegyptens zu stellen, und erlaubt so, zwischen London und Kairo Keile zu treiben, also jedenfalls England neue Ungelegenheiten zu bereiten. Die Plünderung der Sozialversicherung im Hitlersystem. Zur Finanzierung der Kriegsrüstungen im Dritten Reich werden den deutschen Sozialversicherungsanstalten in unerhörtem Ausmaße.ihre Bargeldreserven entzogen. Sie werden gezwungen, Wertpapiere, d. h. die von der Regierung ausgegebenew mannigfachen Reichs- und Staatsanleihen zu kaufen, die zu einem späteren Zeitpunkt einmal ebenso wertlos sein werden, wie ehedem die deutschen Kriegsanleihen. Der Umfang des Zugriffs auf die Gelder der Sozialversicherungsanstalten und auch der Sparkassen wird«r- Um nahezu 1400 Millionen Reichsmark, das sind mindestens 14 Milliarden Kronen, haben demnach allein die Versicherungen und die Sparkassen innerhalb eines Jahres durch Uebernahme von Reichs- und Staatsanleihen zwangsweise- zur Finanzierung der Aufrüstung Hitlerdeutschlands beitragen müssen. Außerdem haben sie einen wohl kaum geringeren Betrag gegen die Hereinnahme der verschiedenen, von der Regierung in Umlauf gesetzten Wechsel hingeben müssen. Natürlich geht diese Ausplünderung der Sozialversicherungsanstalten und der Sparkassen auf Kosten der Versicherten und der Spärer. Politische Schriften. Im Verlag„Graphia" Karlsbad erscheint demnächst«ine Schrift von Gre- gorBien stock„Europaund dieWelt- Politik.„Die Zonen der Kriegsgefahr"; man darf dem Werte des bekannten Schriftstellers und Gelehrten mit Interesse entgegensehen. Ferner will der Verlag ein' Buch von Fr. Stampfer„Die 14 Jahre der ersten deutschen Republik" und eine Schrift von A. Stein„Adolf Hitler, Schüler der Weisen von Zion" herausbringen. Vorstand-Stellvertreter der Präser„Phönlx“-Exposltur zu 18 Monaten verurteilt „Interne Affäre als Auftakt kommender Dinge Prag,(rb.) Während Untersuchungsrichter und Polizei alle Hände voll zu tun haben, das belastende Material gegen die Mitschuldigen des„Phönix"- Skandals zusammenzutragen und zu sichten, kam gestern vor dem Strafsenat Tro st eine interne Affäre der gleichen Versicherungsgesellschaft zur gerichtlichen Austragung. Unter der Anklage schwerer Veruntreuung stand nämlich der V o r st a n d- Stellvertreter der Prager Expo- situ r des„Phönix", der aus^Wien stammende Robert Wolf vor den Richtern. Robert Wolf bezog das bescheidene Monatsgehalt von 1500 KL, dazu noch Provisionen, so dass sein Jahreseinkommen mit 40.000 KL veranschlagt wird. Er hatte indessen so noble Passionen, dass auch diese, immerhin auskömmlichen Bezüge nicht hinreichten. Verlor er doch in Rennwetten bei verschiedenen Bookmakern über 200.000 KL, war Stammgast in den teuersten Nachtlokalen und hatte, obwohl verheiratet, wie sich die Anklage so schön ausdrückt, „viele Frauen' und sogar- eine Geliebte". Die erforderlichen Gelder verschaffte er sich dadurch, dass er bei Schadensauszahlungen, mit deren Durchsiihrung er betraut war. grössere Beträge unter allerlei Vorspiegelungen zurückbehielt und erst auszahlte, wenn die Parteien ganz energisch wurden. Seine Veruntreuungen deckte eil durch immer neue und stets grössere Malversationen und so kann eS nicht wundernehmen.. dass der Gesamtbetrag der unterschlagenen Gelder schliesslich die von der Anklage- errechnete horrende Höhe von 190.592 KL erreichte. Der Angeklagte betätigte sich indessen(seinen Angaben nach auf Wink des sanft entschlafenen Generaldirektors Dr. Berliner) noch in allerlei anderen üblen Machinationen, die aber in die Ge- schäftssphäre dieser verkrachten Anstalt fallen. Wenn ein Schaden ausgezahlt werden sollte, überredete er ngsemtzfünger,. das Versicherungskapital aiprümie"-für eine neue«LerjjcheilUM^zv iu,.der doppelten Höhe ausgezahlt werden sollte(I). Eine prächtige Gelegenheit zu allerlei„Nebenverdiensten" für Leute vom Schlage dieses Robert Wolf. Der Angeklagte war im wesentlichen geständig, seine Ausflüchte sielen ernstlich nicht ins.Gewicht. Bemerkenswert, dass der Vertreter des„Phönix" auf bedingt e Verurteilung plädierte, wogegen der Staatsanwalt Dr. Kabale nachdrücklichst protestierte. Das Gericht verurteilte Robert Wolf zu achtzehn Monaten schweren und verschärften ten Kerkers. Viertägiger SplonageprozeB Reichsdeutscher Gendarm(!) und sechs inländische Helfershelfer Prag,(rb.) Vor dem Strasienat des GR. P t ä L n l k wurde gestern ein grosser Spionageprozess eröffnet, der auf vier Tage berechnet ist und sich unter strengem Ausschluss der Oeffentlichkeit vollzieht, so dass erst nach der Urteilsverkündigung Näheres wird berichtet werden können. Des Militärverrates nach 8 6 des SchutzgesetzeS sind angeklaat: der 31jährige technische Beamte Erwin Scheichenost, der 46jährige reichSdeuffche Gendarmeriewachtmeister Walter Alfred EnderS, ferner die Arbeiterin Marie Schmiedl, 112J1 verwenden>-4>ie nach- eh n Jahren kennbar ber einem Vergleich der Wertpapierbestände dieser Institute am 29. Feber 1936 mit dem 28. Feber 1935. Sie betrugen: Ende Feber 1985 1936 Zunahme in Millionen Reichsmark Aflgestelsienbersicherung 850$.. 962,9 Invalidenversicherung"568,4^-^67,4 Lebensversicherung 862,8^1183,1 Sparkassen 2984,4 3750,0 zusammen 5246,0 6643,4 296# 765,6 1397,4 Jerusalem Mai 1936: Zwischen dem Judenviertel und dem Araberviertel sind spanische Reiter aufgestellt. die 46jährige Gisela Schrichenost. der 22jährige Otto Rauscher und die gleichaltrigen Roman Pfog und Josef Gört. Liebesdrama Im Sprachgrenzort Prag,(rb.) Vor dem Schwurgericht wurde gestern bei den Einvernahmen fast ausschliesslich deutsch gesprochen. Der Prozess, der zur Verhandlung stand, spielt nämlich in der deutschen Sprachgrenzortschaft Swojetin im Rakonitzer Bezirk, der zum Amtsbereich des Prager Kreisgerichtes gehört. Angeklagt war des Verbrechens des Mordes der 24jährige Landwirtssohn Anton W a ch t l, der in der Nacht zum 15. Jänner seine Geliebte Franziska Wa ch t l erschoffen hat. Dir unmittelbaren Beweggründe dieser Bluttat klärte auch das umfangreiche Beweisverfahren dieses fast.den ganzen Tag aussüllenden Prozesses nicht restlos auf. Anton Wachst hakte eine ernste Bekanntschaft mit der Getöteten, die seine enffernte Kusine war. Gleichzeitig bestätigten aber sämtliche Zeugen, daß dieses Mädchen, welches Anton Wachst ernstlich zu heiraten gedachte, seit ihrem 16. Lebensjahr höchst intime Beziehungen zu dem Grundbesitzer WOLLE: lawiouLX O swald Zenz unterhielt, der heute übrigens bereits 41 Jahre zählt und verheiratet ist. Das Zeugenprotokoll des Zennz gibt dieses Verhältnis auch ohne weiteres zu. Es scheint, dass verschiedene Zuträgereien den blamierten Bräutigam in einen Zustand wütender Eifersucht versetzt haben. Kurz vor dem kritischen Tag hatte er neuerlich Nachricht von intimen Stelldichein seiner Braut mit Zennz erhalten. Auf dem Heimweg von einer Tanzunterhaltung schoss er ihr eine Kugel in die Brust. Weder über den Hergang der Bluttat, noch über eventuelle Vorbereitungen dazu konnten die Zeugen etwas näheres aussagen. Sie hörten nur den Schuß fallen, hörten den Auffchrei der Betroffenen: „Hilfel H i l f ei M e-i n Herz 1* ES war tatsächlich ein Herzdurchschuß und die Verletzt« verblutete auf dem Transport ins Saazer Krankenhaus. Die Zeugen stellten dem Angeklagten, der sich mit sinnloser Aufregung verteidigte, das beste Zeugnis aus. Außer der Hauptanklage hatte di« Staatsanwaltschaft Anton Wachst noch der Ue b e r t r«- tung gegen d ie kö r p erlich e S i ch e r- heit angeklagt, weil dieser in der Silvesternacht 1933 einen Schuß aus einem scharfgeladenen Re- Polder gegen das Dach eines- Nachbarhauses abge-.;■ feuert hatte. Angeblich aus Silvesterlaune. Im übrigen bezeichnen sämtliche Leumundszeugen Anton. Wachst als gutherzigen, wenn auch ziemlich reizbaren Menschen. Er habe die Erschossene wirklich SEIDE: iWMhvite» wtrniim/ lieb gehabt. Unter den Zeugen befand sich der Vater der T o t e n, ein alter Mann, der erklärte, er würde feine Tochter erschlagen haben, wenn er von ihren Beziehungen zu jenem Oswald Zennz gewußt hätte. Die alte Mutter des Angeklagten brach in fassungsloses Weinen aus. Nach dem Plädoyers, die zu temperamentvollen Auseinandersetzungen zwischen Anklage und Verteidigung führten, wurde gegen 6 Uhr abends der Wahrspruch der Geschworenen verkündet, welcher die Schuldfrage auf Mord mit neun Stimmen verneinte. Dagegen bejahten die Geschworenen die Eventualfrage auf das Vergehen der fahrlässigen Tötung und ebenso di« Schuldfrage au* Ueb« r- tretung des Waffe npatentes. Der Schwurgerichtshof(Bors. GR. Dr. N o s«k). verurteilte hierauf den Angeklagten zu acht Monaten strengen Arrestes unbedingt. Staatsanwalt Dr. T r z i ck h meldete N i ch- tigkeitsbeschwerde an und beantragte die Jnhaftsetzung des Angeklagten bis zur Entscheid düng des Obersten Gerichtes. Der Gerichtshof gab diesem Anftag statt. WOLLE UND SEIDE: UtraniL/ rite 8 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 28. Mai 1936. Nr. 125 Jrager Rettung Volkswirtschaft und Sozialpolitik Ausdehnung der Lohnkämpfe Bei den Unternehmern tritt das unverkennbare Bestreben zutage, die in den Krisenjahren stark gedrückten Löhne und Gehälter auch für die Zeit des Wiederaufstieges der Wirtschaft beizubehalten. Obwohl fortgesetzt darauf hinaewiesen wird, daß die Stärkung der Massenkaufkraft im Jnlande eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen stärkeren und andauernden Konjunkturaufschwung darstellt, finden sie an der niedrigen Entlohnung der Avbeitevschast so starken Gefallen, daß sie sich auch bei wesentlichen höheren Profites nicht zu einer Lohnerhöhung verstehen wollen. Diese Einstellung und der Zwang für die Arbeiterschaft, von den Krisenlöhnen wieder wegzukommen, führt zu einer Ausdehnung der Lohnkämpfe. Aus den Mitteilungen des Statistischen Staatsamtes geht hervor, daß im April 32 Streiks durchgeführt wurden, während es im März nur 22 waren. Von diesen Streiks wurden unmittelbar 6517 Arbeiter betroffen, um über das Doppelte mehr als im vorhergehenden Monat. Von den 32 Streiks wurden 16 geführt mit dem Ziel, eine Lohnerhöhung herbeizuführen, während drei Streiks notwendig waren, um eine weitere Lohnherabsetzung zu verhindern. Von diesen 32 Streiks konnten 15 mit einem vollen, bzw. mit einem Teilerfolg zu Ende geführt werden, ein Streft blieb Erfolglos, während bei den anderen 16 beim Abschluß der Statistik das Ergebnis noch nicht bekannt war. Es ist daraus zu ersehen, daß es den gewerkschaftlichen Anstrengungen gelingt, in den Lohnkämpfen Erfolge für die Arbeiterschaft zu erreichen. Bei dem Fortschreiten einer günstigen Entwicklung der Wirtschaft wird sich die Aktivität der Gewerkschaften gerade auf diesem Gebiete für die Arbeiter und Angestellten in noch größerem Umfange erfolgreich auswirken können. vle Slawische Versicherungs-Anstalt. Akt.-Ges. In Prag hielt am 27. Mai 1936«ine Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn H. Kolowrat ab. Aus den vorgelegten Ergebnissen kann eine Festigung des Versicherungsstockes, eine Erhöhung der Ver- mögenssuüstanz sowie eine beträchtliche Erweiterung der Vertreterorganisation konstatiert werden. In der abgelaufenen Verwaltungsperwde erwarb die Gesellschaft XL 74,496.019.— neue Versicherungskapitalien in der Lebensbranche, das ist um XL 10,885.333.— mehr als im Vorjahre. Di« Rückkäufe haben gegenüber dem Vorjahre um Kc 12,293.168.— abgenommen und die Storni wegen Nichtzahlung verringerten sich um XL 16,570.950.—. Der Stand der versicherten Kapitalien zum 31. Dezember 1935 ist mit dem Betrage von XL 802-806:996.-^- äusgewiesen. Die Prä- mieneinnahme aller Branchen einschließlich Gebühren und der Zinseneinnahmen beträgt XL 58,950.198.50. Die Prämienreserven und di« Prämienüberträge erreichten XL 277,290.615.45 und stiegen gegenüber dem Vorjahre um XL 10,913-659.10. Der Schadenverlauf hat stch sowohl in der Lobensbranche, als auch in den Elementarversicherungszweigen bedeutend gebessert. Die SteMichkeit hatte einen günstigen Verlauf und blieb weit unter der erwarteten SteMichkeit zurück. Im laufenden Jahre leistete die Gesellschaft an Schäden und an Fälligkeiten XL 18,599.984.20 und seit ihrem Bestände zahlte ste den BerficheoungS- nehmern XL 148,633.061.40 a«S. Der Realitätenbesitz der Gesellschaft besteht aus neun großen und modernen Zinshäusern in Prag uno aus vier großen Häusern in Böhm.-BudweiD, Königgrätz, Brünn und Olmütz. Die Gesellschaft weist zum 31. Dezember 1935 an Staatspapieren XL 78,197.256.35 aus; hievon entfallen auf Staatskassascheine XL 57,950.450.—. Alle Staatspapiere der Gesellschaft find nach den geltenden Vorschriften zum Börsenkurs vom 31. Dezember 1935 bilanziert. Die Liegenschaften, sowie alle Wertpapiere der Gesellschaft find frei von allen Schulden und Verpflichtungen. Das freie Guthaben der Gesellschaft bei der Landesbank in Prag beträgt zum 31. Dezember 1935 XL 24,850.415.90. In Darlehen auf eigene Polizzen wurden XL 18,977.240.05 angelegt. Alle BerficherungSzweige find attiv und ermöglichten der Gesellschaft für das verflossene Verwaltungsjahr die Durchführung von großen Abschreibungen. Die Gesellschaft schreibt für das abgelaufene Verwaltungsjahr XL 15,624.419.55 ab und weist trotz dieser beträchtlichen Abschreibungen einen Ueberschuß von XL 45.634.75 aus, der auf neue Rechnung übertragen wird. - In der abgelaufenen Verwaltungsperiode starb der- Mitbegründer und Verwaltungsrat der Gesellschaft, der ehemalige Senator Herr Josef Smrtka; an seine Stell« wurde in den Verwaltungsrat Herr Börsenrat Ladiftav Vlasäk, Chef der Bank- und Kommanditgesellschaft L.& B. Vlasäk in Prag, kooptiert; ferner wurde in den Verwaltungsrat Herr Josef Hrase, Direktorstellvertreter der Landesbank in Prag, kooptiert. lieber Beschluß der außerordentlichen Generalversammlung, welche im April dieses Jahres stättfand, tvurde das Aftienkapital von XL 6,000.000.— auf XL 12,000.000.— durch Ausgabe von neuen 15.000 Aktien zu XL 400.— Nominale mit 20% Agio erhöht, wodurch die Garantiemittel der Gesellschaft weiter beträchtlich erhöht und die Voraussetzungen für eine weitere gedeihliche Entwicklung der Gesellschaft geschaften wurden. 3489 Deutscher Festakt zu Ehren des Staatspräsidenten Am Mittwoch fand in dem mit den Staatssar- ben und dem Bildnis des Präsidenten geschmückten Bühnensaale der Prager j.Urania" eine Festveran- staltung zu Ehren des Geburtstages des Staatspräsidenten Dr. Benes statt, die auch durch den Rundfunk übertragen wurde. Die Festansprache hielten Stadtrat Dr- W i e s m a y e r, der das Vertrauen der Prager Deutschen zu dem Versöhnungswerk, des Präsidenten zum Ausdruck brachte, der Reichenberger Bürgermeister Senator K o st k a, der Benes's Bekenntnis, er wolle ein guter Tschechoslowake und ein guter Europäer und deshalb ein guter Mensch sein, in den Mittelpunkt seiner Ansprache stellte, der Ausii- ger Bürgermeister Genosse Leopold P ö l z l, der Dr. Benes als Förderer sozialer Gerechtigkeit und nationaler Versöhnlichkeit beglückwünschte, und der Trautcnauer Bürgermeister Jng. Liebt ch, der das herzliche Verhältnis der Riesengebirgler zum Staate und seinem Präsidenten betonte. Alle Redner feierten Dr. Benes als Kämpfer für den Frieden und die internationale Zusammenarbeit und versicherten ihn des Vertrauens und der Liebe der Deutschen im Staate, deren Glückwünsche eine vom Rat des Obersten- Gerichtes Heinrich Weinhuber verlesene- Glückwunschadresse dem Staatspräsidenten mit ehrenden Worten zum Ausdruck brachte. Die Feier wurde durch einen vom Direktor der Urania Dr. Oskar F r a n k l verfaßten und vorgetragenen Borspruch in Versen eingeleitet, von. Schülerchören her Aussiger Volkssinggemeinde, der Reichenberger Bürgerschulen und des deutschen Staatsrealgymnasiums in Trautenau umrahmt und mit dem Gesang der Staatshymne beschlossen. Besichtigung des alten und neuen Burgteiles, des Wladislaw-Saales, des Spanischen Saales, der Rudolf-Galerie, des alten Landtages, am Sonntag, den 31. Mai, ab 15 Uhr, veranstaltet vom Verein „Dobre srdce". Zusammenkunft der Teilnehmer beim Eingang zum Erzbischöflichen Palais um% 15 Uhr. Fachliche Erläuterungen vom Konservator des Staatlichen Denkmalamtes Jaroslav Eeleda. Leiche auf den Schienen. Gestern früh wurde auf den Schienen der Staatsbahn, unweit des Wrschowitzer Güterbähnhofes beim Vergnügungspark Eden, die Leiche einer unbekannten jungen Frau gefunden. Rach ihrem Notizbuch und ihren Briefen handelt es sich um die 23jährige Haushälterin Anna Minarik aus Prag XU. Der Kopf der Leiche war zertrümmert. Als Motiv ihres Selbstmordes gab die Minarik in ihren Briefen unglückliche Liebe an. Aus der Straßenbahn gefallen. Die 20jährige Anna Bryntza fiel gestern von einer plötzlichen Ohnmacht befallen in einer Straße in Holleschowitz von der Plattform eines Motorwagens der 14er-Linie und blieb auf dem Pflaster liegen. Sie wurde mit »in«r Gehirnerschütterung und Kopfverletzungen ins Allgemeine Krankenhaus gebracht. Wieder vier Zusammenstöße. Der 50jährige Akquisiteur Franz Pettikek aus Pilsen stieß gestern mit seinem Personenauto§80.777 bei der Myslik- gasse in Koschirsch gegen das Lastauto des 43jähri- gen Bohumil Vondra aus Chval. Hiebei stürzte sein Auto um. Beide Fahrzeuge wurden stark beschädigt, die Lenker leicht verletzt.— Dem 23jährigen Adolf Bleir aus Mesetitz, der mit seinem mit Vieh beladenen Lastauto gestern mittags durch die Hooverstraße fuhr, begegnete unweit des Wilsonbahnhofes der 61- jährige Glasermeister Anton Krivohlavy aus Zlichow auf seinem Rade. Krivohlavy, vom, Hupensignal erschreckt, geriet direkt vors Auto, das ihm den B r u st- korbüberfuhr. Der Schwerverletzte swrb während des Transportes ins Allgemeine Krankenhaus. Der Chauffeur wurde verhafret, sein Führerschein beschlagnahmt.— Nachmittags stieß das Lastauto des Josef Rychter aus Zizkov in Pankratz mit dem Motorrad des Brauereiarbeiters Anton Kratochvil aus Krc zusammen. Kratochviel wurde zu Boden geschleudert, sein Fahrzeug zertrümmert. Er wurde mit einem Bruch des rechten Daumens und Knies ins Allgemeine Krankenhaus gebracht.— In der Nacht auf gestern stießen an der Ecke Bergstein— Ikationalstraße zwei Autos zusammen, von denen das eine vom Chauffeur Wenzel Hrubin, das andere vom Medizinstudenten Jan Kutarna aus Prag XII gelenft wurde. Das erstere wurde bis an die Ecke der Brcnntegasse geschleudert, wo es sich überschlug. Die darin sitzende Dame mußte mit schweren Kopfverletzungen auf die Klinik Schlaffer gebracht werden.. Vortrag Walter Tschuppik„Perspektiven des Antisemitismus" heute 28. Mai um 20 Uhr,.Cafe Paris, Prag I., ul. U obec. domu, veranstaltet von der Tschechosl. Liga gegen den Antisemitismus. Gäste willkommen, Eintritt frei. Die Böhmische Sparkasse, die. Prager städtische Sparkasse und die Wein- bergerstädtischeSvarkasse halten am Samstag, den 30. Mai 1936 und am Pfingstmontag. den 1. Juni 1936, ihre Kassenschalter sowohl in der Hauptanstalt als auch in allen Exposituren ganztägig geschlossen.^ Xunst und Wissen Mahlers„Achte** (Smetana saal) Das, was ihr eigentliches Wesen ausmacht, was sie aus der übrigen Mahlerschen Produktion heraus- hsbt, hat niemand so überzeugend in Worte gefaßt, wie ihr Schöpfer selbst. Unmittelbar nach der Vollendung. am 18. August 1906, schreibt er an Mengel- berg:„Denken Sie sich, daß das Universum zu tönen und zu klingen beginnt. Es sind nicht mehr menschliche Stimmen, sondern Planeten und Sonnen, welche kreisen." Ist hier auf das Ueberlebensgroße des Kunstwerkes hingewiesen, auf die ihm inne^ wohnenden kosmischen Kräfte, so betont Mahler seine daseinsbejahende, optimistische Tendenz, wenn er in einem Gespräch mit Specht, dem Freund und Biographen, meint:„In den anderen Werken ist noch alle subjektwe Tragik, dieses da ist ein großer Freudespender." Nur von diesen beiden Gesichtspunkten her ist die grandiose Schöpfung zu begreifen, die scheinbare Anomalie der Form mit ihrer Syythese von Elementen der Kantate und Sinfonie, die Zusammenstellung der lateinischen Hymne„Veni, areator spiritus" des Hrabanus Maurus mit der Anachorentenszene aus Goethes„Faust", wie Beschwörung und Deutung, Frage und Antwort wirkend und auf der anderen Seite die Monumentalität und Melodiesreudigkeit der musikalischen Diktion mit ihrer bewußten Einheitlichkeit in Thematik und Tonalität. „Das Unzulängliche, hier wird's Ereignis." Die Erinnerung an diese Worte des, Chorus mysticus läßt sich bei Besprechung der Aufführung leider nicht ganz unterdrücken. Keinesfalls haftet ihr der Charakter des Außerordentlichen an. den man bei der Bedeutung des Werkes und der Seltenheit seiner Wiedergabe erwarten darf. Zemlinskys persönliche und sachliche Verbundenheit mit- dein Mahlerschen Schäften, feine hohen Dirigentenqualitäten stehen außer Frag« und Diskussion. Aber sei es, daß seine allzu intensive„Versenkung" in die Partitur einen solchen Ricsenapparat gegenüber unangebracht ist, sei es, daß der Chor(Prager und Weinberger Hlahol und ein Kinderchor) die Vorbereitung vernachlässigt hat, die Ensembleleistung entbehrt jedenfalls jener Selbstverständlichkeit und letzten rhythmischen Präzision, die hier unbedingt zu fordern sind. Großartig dagegen die Klangwirkung an allen dynamischen Höhepunkten, während den lyrischen Partien subtile Schattierung abgeht. Ten Solisten(SpaLkova, Forrai, Kräsovä, Wanka, ChoroviL, Muj, Sctzvarz) sind starke stimmliche Eindrücke zu danken, musikalische oder gar geistige nur in vereinzelten Fällen. Ansehnliches Niveau wahrt di« Leistung der Tschechischen Philharmonie. Die Stimmung in dem beiweitem nicht ausverkauften Saal(so rächt sich die unbegreifliche Des» orgarsisation im hiesigen Musikleben, die zwei be- deuftame Sinfoniekonzerte am gleichen Abend zuläßt) ist nach dem ersten Teil reserviert, am Schluß von starker Begeisterung getragen.—o. Einmaliges Gastspiel Max Hansen— Gusti Huber„Das bezaubernde Fräulein".(D 1) Preise nur XL P.50 bis 40.—. Dec frdßegwte trfagedieut ist zur ßezuftAwi^ der(Uonnemcnte^etuhr zu ueruwuUft! Iller im KücUtonck tkitt, schädigt die Partei und deren. Iresse Die Verwaltung Donnerstag Festspiele IL— Festvorstellung anläßlich des Geburtstages des Herrn Präsidenten der Republik neueinstudiert„Das Rheingold". Spielplan des Reuen Deutsche» Theaters. Donnerstag, halb 8 Uhr: Das Rheingold Festvorstellung anläßlich des Geburtstages des Herrn Präsidenten der Republik, C 1.— Freitag 8 Uhr: MadameDubarry, D 1.— Samstag 7s^: Das bezaubernde Fräulein, Gastspiel Max Hansen und Gusti Huber, D 1. — Sonntag 7%: Madame Dub a r r y, C2. Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag 8: Salzburg ausverkauft.— Freitag 8: Die Frau ohne Bedeutung, Theatergemeinde des Kulturverbandes und fteier Verkauf. — Samstag 8: Salzburg ausverkauft. Sonntag 8: Salzburg ausverkauft. der Partei Bezirksorganisation Prag: Sitzung der Be- zirksvettretung Freitag, den 5. Juni, um 8 Uhr abends im Patteiheim. F. B. S. A. F r e i t a g, den 5. Juni, im Par* teiheim, Narodnk 4, 3. Stock, Borttag der Genossin Trude Fanta über Geschichte der tschechischen Arbeiterbewegungnach dem Krieg.(2. Vortrag unseres Cyklus: Geschichte der Arbeiterbewegung in der Tschechoflowakischen Republik.)— Beginn 20 Uhr. ZltAeM«v«M- Die Angestellten-Jugend tagte. Unter zahlreicher Beteiligung fand am 17. Mai in Reichenberg eine erweiterte Tagung des Verbands-Jugendausschusses des Allgemeinen Angeftellten-Verbandes statt. Aus der Berichterstattung ging ein bemerkenswetter Aufschwung der Jugendabteilung des Verbandes vor allem in den letzten Monaten hervor, der durch die Verbandstagsbeschlüsse begünstigt, in steigendem Maße anhält. Die Tagung begrüßte mir außerordentlicher Genugtuung das große Interesse des Gesamtverbandes an der Angestellten-Jugend und erblickt vor allem in der neuen Jugendzeitschrift des Verbandes.„Angestellten-Jugend" einen unentbehrlich gewordenen Bildungs- und Werbebehelf. Einer besonders intensiven Durcharbeit wurde der Plan für die nächsten Arbeiten unterzogen, der sich besonders auf die Werbezeit zum Schulschluß und Schulbeginn bezieht. Die Tagung leistete bei reger Beteiligung aller Delegierten für die Vorbereitung der kommenden Veranstaltungen ganze Arbeit, die auf«in weiteres Aufblühen der Verbandsjugendbcwegung schließen läßt. Der Dkm Freigegebene Filme. In der verflossenen Woche wurden sieben Filme zur Einfuhr freigegeben, darunter drei amerikanische„Charlie Chan im Zirkus", „Botschaft an Garcia"— Fox,„Gelbes Gift"— Moldavia; ein englischer„Vom Ruhm gebannt"— Meteor; ein französischer„Wolgaschifter"— Merkur; ein ungarischer„Vorstadt-Konditorei"— Elekta und ein österreichischer„Die Puppenfee"—i Moldavia sowie mehrere Kurzfilme. filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:»Die Mühle im Schwarzlvald." Premiere.— Adria:„Die Milchstraße." H. Lloyd. Ä.— Alfa:„Moderne Zeit." Chaplin. A. — Avion:„Die Milchstraße." H. Lloyd. A.— Sera» nek:„Charly Chan in Aegypten." Warner Öland. A. — Fenix:„Weiße Gardenien." A.— Flora:„Wir fahren nach Honolulu." Laurel und Hardy. A.— Gaumont:„Mädchenräuber." Pat und Patachon. D. — Hollywood:„Die letzte Attraktion." D.— Hviz» da:„Brand im Fernen Osten." Ruff.— Julis: „Spionagebüro Nr. 2." Fr.— Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna: Aktualitäten, Journale, Grotesken.— Kotva B 36:„Niemandsland."— Lucerna:„Weiße Gardenien." A.— Metro:„Spionagebüro Nr. 2." Fr.— Passage: „Mädchenjahre einer Königin." D.— Praha:„Der Kriegsreporter." A.— Radio:„Mutter Krakmerka." Tsch.— Skaut:„(Sequoia." A.— Svitozor: „Stützen der Gesellschaft." D.— Alma:„Eine Frau im Offside." A.— Bajkal:„Die letzten Vier von Santa Cruz." D.— Belvedere:„So mach ich es." A.— Beseda:„Die ganze Stadt spricht davon." A.— Carlton:„Tarzan und seine Gefährtin." A.— Illusion:„Eine Frau im Offside." A— Kino Svanda: Grotesken, Journale.— Konvikt:„Wien, du Stadt meiner Träume." D.—- Lido II:„Unser kleines Mädi." Temple. Al— Louvre:„Mädchenräuber." D.— Maceöka:„Die Wildkatze." D.— Olympie:„Mata Hari." Greta Garbo. A.— Roxy:„Ich sehne mich nach dir." — U Bejvodu:„F. P. 1 antwortet nicht." D.— Baldek:„Ich sehne mich nach dir." D.— Beletrhy: „Unser kleines Mädi." Temple. A. Eine Szene aus dem Film„Der Herrscher von Kalifornien", der von Luis Trenker gedreht wurde. Die Handlung des Films greift in die Zeit der Kolonisation Kaliforniens zurück, als der Goldrausch den ganzen amerftanischen Westen erfaßt hatte. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich XL 16.—. vierteljährig XL 48.—. halbjährig XL 96.—. ganzjähttg XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Bost, und Lele- graphendirektton mtt Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei: ,F)rbis", Druck-, Verlegt, und 8eittmgs-A.-G. Prag.