IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG Xll.,FOCHOVA«. TELEFON«077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 16. Jahrgang Sonntag, 31. Mai 1936 Nr. 128 Die Rundschau:„Wir schlagen zu!** Der Schlag gegen die SdP- Ar beiter Der Kameradschaftttbund löst die soziale Frage- durch Ausschlüsse Die Hintergründe des Führerkampffes in der Menleinpartel Tie Totalitälspartci Henleins kracht in allen Fugen. Es rebellieren die Arbeiter, es rebellieren die Studenten. Führcrtöpfe rollen.«Wir schlagen zu" schreit die„Rundschau" aufgeregt ihren Lesern entgegen. Wer schlägt zu? Ein Fützrcrklüngrl, der seine Position bedroht sieht. Wer wird getroffen? In erster Linie die Arbeiter und Angestellten, welche ihre Hoffnungen auf die Sd P gesetzt haben.„Kampf den Klüngeln und Kasten" eifert die„Rundschau". Wer stad dir Klüngel? Die Kameradschaftsbündler? Nein, ihre Gegner in der Partei. Wer wird als Kaste verfemt? Die SdP-Untcrnehmer, die aus ihren Tagungen mit Herrn Generaldirektor Preist eines Herzens und eines Sinnes find? Rein: die Arbeiter und Angestellten, die auf ihre sozialen Forderungen und auf ihr Mitbestimmungsrecht pochen. Rach der Theorie ihrer faschistischen Meister Spann und Heinrich wollen die SdP-Bonzen den Arbeitern in ihrer Partei nicht das bescheidenste Mitbrstimmungsrecht» nicht das primitivste Organisationsrecht zugesichen. Der Arbeiter istfür fier in Stimmvieh, eine Beitrags maschine, sonst nichts? Dafür ein Beweis: Für die Stan- dcsgruppe der Arbeiter und Angestellten hat die SdP ein einzigrsmal eine kleine Zeitung herausgegeben. Einmal und nicht wieder! Bei dem ricfigcn Bonzcnapparat und den hohen Spesen für Auslandsreisen bleibt kein Groschen für rin bescheidenes Organ der SdP-Arbeiter übrig. So lernen die irregeführten Henlein-Proleten den ganzen Schwindel mit der kapitalistischen Bolksgemein- schaft gründlich kennen. Was in der SdP vor geht, wird für Hunderttausende ihrer proletarischen Anhänger eine bittere Enttäuschung und eine heilsame Lehre sein. Vie soriaie krage im Hintergrund Unsere Darstellung Wer die wahren Hintergründe der Absägung Kaspers wird aus oppositionellen SdP-Kreisen bestä- tigt. Die wohlinformierte„Rumburger Zeitung" läßt sich zu diesem Borfalle aus Prag berichten:/ „Aus der Umgebung des Herrn Kasper wird erklärt, dast die parteiamtliche Darstellung der SdP den Tatsachen nicht entspricht. Es handelt sich vielmehr um den Abschluß eines halbjährigen Kampfes, den Kasper vergeblich gegen den absoluten Machtspruch einer Gruppe um Dr. Walter Brand führte. Den offenen Ausbruch des Konflikts brachte der Ausschluß des Arbeiterstandes- Vertreters der Partei im Wahlkreis Olmütz durch Dr. Fritz Köllner, als Beauftragten Henleins. Dieser Ausschluß erfolgte mit der Begründung, daß dieser Arbeitervertreter sich gegen den Freund Dr. Walter Brands, den dortigen Kreisleiter Skomorowskyj, gewandt halbe." Ueber die Methoden des Kameradschaftsbundes schreibt die„Rumburger Zeitung" in ihrem Leitaufsatz: „Niemand-wird dem Volke begreiflich machen können, daß es Kasper gewesen sei, der die Schuld daran trägt, daß seine Mitarbeit„als weiter nicht erwünscht" erklärt wird. Kasper h at, das ist allerdings sicher, die F o rderun- gcn der Arbeiterschaft mit großer Schärfe vertreten. Da nun aber gerade diese Schicht nicht nur die opferfreudigste, sondern auch die von der wirtschaftlichen Krise am meisten und, schwersten betroffene ist, hat er dies mit vollem Rechte getan. Man sollte es nicht glauben, und doch ist es so: Er stieß bei seinen Bemühuu- gcn auf den Widerstand desselben Klüngels in der Partei, der auch sonst sich als„der Staatsstand" aufführtc, und förmliche Kommandorechte für sich in Anspruch nahm, ohne durch geleistete sachliche Arbeit dazu berufen zu sein. Wieder tvaren es Kreise des Kamctadschaftsbundes, wieder war es Dr. Walter Brand, die Kasper auf Schritt und Tritt nicht nur beobachten und überwachten, als ob es nötig sei, ihn mit Spitzeln zu umgeben, sondern die ihm auch in den Arm fie'en, wenn er diese oder jene Maßnahme, diese oder jene Haltung zugunsten der von ihm vertretenen Arbeiterschaft für nötig hielt." Ule Stimmenabgabe gegen die Arbeitslosen schlug dem FaB den Boden aus len die Stempel erlassen werden sollten. Zum Erstaunen aller erhoben d i e Mitglieder d e r S. u d c t e n d en t s ch e n P a r- tei ihre Hand nicht für diesen Antrag, wie wir hören, mit einigen Ausnahmen. Die Partei wollte doch einen„neuen Stil" im Parlamente einsührcn; wie man weiß, hat ihre Führung überhaupt- bei Abstimmungen Pech. Kann man sich nun wieder daraus ausreden, daß man den Borfitzenden„nicht vcrstanden"< habe? Der„neue Stil" sollte doch wenigstens mit sich bringen, daß die Abgeordneten im Verlauf eines Jahres genügend Praxis und auch genügend Kenntnis im nun einmal zur Verhandlungssprache erhobenen Tschechischen sich erworben hätten, damit sie ihre Pflicht erfüllen können, zu der sie am 19. Mai berufen wurden. Diese Abstimmung aber ließ tiefer blicken. Kasper jedenfalls, dem ein solches Verhalten unbegreiflich erscheint, schloß daraus, daß im Klub der Partei die nötige Erkenntnis für die Forderungen der Arbeiterschaft trotz aller schönen Versicherungen der Führung nicht durchzusetzen ist— e s war nichtdie er st e Erfahrung auf diesem Gebiete. Da er dazu nicht schwieg, konnte er nicht länger sein Amt versehen. Sn Geständnis der„Rundschau“ Die Ausgeschlossenen waren zu sozial Die„Rundschau" bezeichnet den sogenannten „Aufbruch"-Kreis in Prag als den Herd der Z e r- s e tz u n g. Es handelt sich um Koffrantz. K a s p e r, S m v g o n und Dr. K r e iß.l. Die „Rundschau" nennt sie„politische Destrükteure^. Ihnen wirft das Blatt• Beziehungen zu Sim m, Kopatschek, Nentwich und Minister S p i.n a vor und beschuldigt sie, in Prag eine regelrechte Gerüchte-Zentrale eingerichtet zu haben. Ja, die Ketzer sollen sogar die Ver- brennungdes Buches„Reden und Aufsätze zur völkischen Turnbewegung" propagiert haben, welches>— welch eine Majestätsbeleidigung I-— Konrad Henlein zum Verfasser hat. Die „Rundschau" weiß ihnen aber noch viel schlimmeres nachzüsagen: „Die Drahtzieher dieser Umtriebe hüteten sich natürlich davor, ihre wahren Absichten und Ziele sichtbar werden zu lassen. Sie entwickelten sich in ihrer äußeren Propaganda zu einem Jntellektuel- lenklüngel, der vorgab, die A r b e i t eri nteres s r n in der SdP vertreten zu wollen. Mit den Arbeitervertretern selbst aber, vor allem mit den Abgeordneten und Senatoren a»S dem Arbeiterstande, vermieden sie peinlich jede Fühlungnahme, in der sicheren Voraussicht, von diesen wirklichen Arbeitervertretern durchschaut z» werden. Und gerade dieser Akademikerklüngel, der sich in seiner Gerüchte-Propaganda so sozialistisch gebärdete, sprach Konrad Henlrin aus Hochschulboden die Führerberechtigung ab, offen- bar deshalb, well er— kein Akademiker ist! rcrs auf dem Gewissen. Zur Strafe wurden sic aus- dem Paradies der Volksgemeinschaft verstoßen. Nette Zustände in der SdP . Die Anklageschrift der„Rundschau" gibt sodann noch einen interessanten Einblicken die häuslichen Verhältnisse bei der SdP. Sie schreibt: „Wie weit der verbohrte Hatz diese destruktiven Naturen trieb, zeigten grell die Vorgänge im Olmützer Wahlkreis auf. Herr Smagon, der dort beheimatet ist, richtete hier den Hauptangrift gegen den Kreisleiter Skomorowskij. Er bildete, aus einer Handvoll verblendeter Anhänger eine Terrorgruppe, die am 19. Mai in Olmütz den Saal, stürmten, in der eine BezirksleftungstaguNg abgehalten wurde, Kreisleiter Skomorowskij anfiel und zu Boden schlug. Einen ähnlich empörenden Austritt verschuldete dieselbe Terrorgruppe auch in S t e r n b e r g, wo sogar die Gendarmerie eingreifen mußte,- um— Kameraden gegen Kameraden zu schützen!" Daraus geht hervor, daß die Anschauungen in der SdP über die praktische Anwendung des Tötäliiatsprinzips nicht einheitlich waren. Im Parteistatut fehlt offenbar eine klare Bestimmung, ob die Führerkämvfe nur mit Schlag war t e n oder auch mft Schlagringen ausgetragen werden dürfen. Vie Revolte der Studenten Eine Zentrale der Opposition der SdP befindet sich auch in studentischen Kreisen. Insbesondere sind es gewisse studentische Verbindungen, welche der Gleichschaltung durch Henlein widerstreben.'Der Führer dieser studentischen Opposition ist Herr Dr. Rudolf Meckel. Ueber ihn schreibt die„Zeit": „Der unmittelbare Auftraggeber des Dr. Meckel ist eine Handvoll von Leuten aus der akademischen Körperschaft„Ramphold Gorenz", die gemeinhin als„Aufbruch-Kreis" bezeichnet wird und ein besonders nationalradikales Gehaben zur Schau trägt. Dieser„Aufbruch-Kreis" konnte und kann es nicht verwinden, daß nicht er es war, der die Einheit des Sudetendeutschtums zusammenschmiedete, es politisch aktionsfähig machte und darum den faktischen Anspruch auf Gestaltung erwarb." Auf den Hochschulen läßt nun die SdP Flugblätter gegen Dr. Meckel und gegen die Zentralorganisation der deutschen Hochschüler,'die-„Deutsche Hochschülerschaft", deren Vorsitzender Dr. Meckel ist, verteilen. Die Prager Bezirksleitung der SdP benützt zur Verteilung dieser Flugblätter, wie die„Deutsche Presse" mitteilt, nichtstudentische Elemente. Damit bestätigt die Bezirksleitung, wie dieses Blatt meint, daß die Vorwürfe der nationalen Studenten zu Recht bestehen, wonach einzelne SdP-Funktionäre die politische Beeinflussung und Unterordnung der studentischen Zentralorganisation unter führenden nationalen Studentenschaften unter die Parteidiktatur an- strehen. Zahlreiche Studenten schicken ihre Mitgliedsbücher der Partei zurück. SdP-Flüster-Propaganda zugegeben! Wir haben schon oft darüber geschrieben— und jeder unserer Vertrauensleute Weitz es—, daß die SdP neben ihren offiziellen Kundgebungen in Versammlungen und in ihrer Presse auch eine inoffizielle Flüsterpropaganda betreibt. Der schlüssige Bewejs dafür wird nun durch die„Prager Presse" geliefert, die darüber berichtet, daß { laut Weisung des Werbeamtes der SdP OG— 36/2 vom 19. Mai 1936 ein sogenannter„Werbedienst" eingerichtet wird, als dessen Zweck angeführt wird „die rasch« mündlich« Durchgabr von Weisungen, Nachrichten und Anregungen an alle Mitglieder der Ortsgruppe."■ Damit gibt die SdP zu, daß sie einen Ap- ■ parat.aufzieht, um mündliche. Weisungen von der Tas vorerwähnte Blatt schreibt weiter: «Der Gegensatz kam offen znm Ausbruch, als im Prager Abgeordnetenhaus die Abstimmung über den Antrag der Äbg. N o v y und Genossen verhandett wurde wonach den Arbeitslosen und den unbpmitteltep Maturanten beim Einreichen von Gesuchen um öffentliche Stel- Die Ausgestoßenen haben demnach alle mög- ! lichen Delikte,' von der Vertretung der Arbeiter- Interessen bis zur Lästerung des obersten Füh- Parteitag der französischen Genossen Paris. Samstag vormittags wurde der 33. Kongreß der sozialistischen Partei eröffnet, um vor Beginn der neuen Legislaturperiode, kn der die Sozialisten als stärkste parlamentarische Partei eine wichtige Rolle spielen werde,», die Hauptgrundsätze der künftigen Politik der sozialistischen Partei abzustrcken. An den Kongreßverhandlungen nehmen auch Vertreter der Sozia- listischrn Arbeiter-Internationale als Gäste teil. Die Hauptaufmerksamkrit richtet sich auf die Kundgebungen, die die Deputierten Leon B l u m, Vincent A u r i e l und der Generalsekretär der Partei Paul Faure halten werden. Man nimmt an, daß die Schlußresolutionen fAst einstimmig angenommen werden dürften. Der Kongreß wird vier Tage dauern. Hauptleitung bis an das letzte Mitglied weiterzuleiten, was eben die Flüsterpropaganda ist.^a, sie fordert sogar die örtlichen Werbeleiter auf, die Orte in„Sprengel" einzuteilen, die durch einen „Sprengelwerbeleiter" betreut werden. Und dieser Sprengelwerbeleiter soll wieder„sein Gebiet zur besseren Erfassung in Straßen und Häuserblocks unterteilen, die von Blockwerbeleitern dear- beitet'werden". Welche Weisungen die SdP aus mündlichem Wege weitergeben will, geht auch aus folgender Stelle derWeisung dcsWerbeamtes hervor: „ES empfiehlt sich, den Wertrdirnst sorgfältig und lnstematisch ausschließlich aus Kameraden'»f> zubaueu, di« einander kennen und in der Lage sind, sich den verantwortungsvollen Aufgaben voll zn widmen. Di« Erfahrungen deS letzten Jahres und di« voraussichtliche Entwicklung der Zukunft machen dir Organisation deS WerbrdienfteS zu einem Gebot der Stunde." Man sieht, die SdP ist mit ihrer Flüsterpropaganda auf alles vorbereitet! Kasner gegen Henlein Eine Erklärung Kasper versandte Samstag an die Presse folgende Erklärung: „Ich habe den Inhalt der Erklärung Konrad Henleins über mein Ausscheiden aus der SdP vor ihrer Veröffentlichung nicht gekannt. Ich stelle . darum fest, daß ich mich nicht persönlich einem Freundeskreis, sondern ausschließlich meiner Auffassung von Pflichterfüllung verbunden fühle. Daß ich im Augenblick nicht weiter zu jener Erklärung Stellung nehme, ergibt sich ausschließlich aus meiner Auflassung von politischer Pflichterfüllung gegenüber deni Sudetendeutschtum." Daraus ist also zu ersehen, daß Henlein mit seiner Kundgebung die sudetendeutsche Oeffent- lichkeit— falsch informiert. Kamerad Gottl abgesägt Er legt lieber sein Landesvertretermandat nieder als den„Volkswille“ zu klagen An der Landesvertretung wurde mitgeteilt, daß der Landesvertreter der SdP, Kamerad August Gottl, sein Mandat niedergelegt hat. Es ist der SdP jedenfalls sehr unangenehm, daß sie einen so prominenten Führer fallen lassen mußte, und sie tat das natürlich nicht aus freien Stücken, sondern erst, nachdem ihr kein anderer Ausweg blieb. Am 13. September v. I. hat der Karlsbader „Bolkswille" als eine Illustration zu einer Rede des Abgeordneten Wollner, in, der wieder einmal beteuert wurde, daß das unsoziale Unternehmertum in der SdP keinen Platz habe, an der Hand von Briefen das Verhalten des Herrn Landesvcr- treters Gottl angeprangert, der einen Arber t s l o se n und d e s.s en F r a u für sich o h n e L o h n arbeiten ließ. Darob herrschte in der SdP größte-Verlegenheit, und sie glaubte, durch eine pretzgesetzliche Erklärung oder durch eine gerichtliche Verurteilung des„VolkS- wille" ihren Kameraden Gottl rehabilitieren zu können. Gottl wich aber dem Gerichts- s a ä l a u s, er klagte den„Bolkswille" nicht und verzichtete lieber auf das Mandat als Landesvertreter. Nach wiederholten Erklärungen der Henleins ist in der SdP für unsoziale Unterneh- mer kern Platz. Mag Herr Gottl noch das Mitgliedsbuch der SdP in der Tasche haben?- Seite 2 Sonntag, 31. Mai 1836 Nr. 128 Von 8. Juni bis 21. Juli: slowakische Schriftsteller E. B. L uIde und Dr. Senil gewählt. Zeichnung der Vcrteidlgnngsanlcihc! Prag. Das Gesetz über die Bcrteidignngs- anleihe wurde vom Präsidenten der Republik bereits unterzeichnet und auch schon in der Sammlung der Gesetze und Berordnuugen publiziert. Wie der Finanzminister Dr. Kalfus in einer Preffebesprechung mitteilte, wird die Anleihe zu einem Kurs von 97 in der Zeit vom 8. Juni bis 21. Juli zur Zeichnung aufgelegt werden. Der Anleihebetrag ist bekanntlich nicht limitiert. Die Finanzverwaltung erwartet aber, daß dank der Opferwilligkeit der Bevölkerung das Anleihe- Ergebnis die Arbeitsanleihe vom Jahre 1933 zumindest erreichen, wenn nicht übertreffen wird. Diese Erwartung ist sicher nicht als unbescheiden zu bezeichnen. Vor drei Jahren befand sich unsere Wirtschaft auf dem Tiefstpunkt, der Geldmarkt war äußerst knapp und doch wurden damals zwei volle Milliarden gezeichnet. Heute hat unsere Wirtschaft den Tiefpunkt überwunden und befindet sich wiederum in einer aufsteigenden Linie. Di- Einlagen bei den Geldinstituten find im Steigen begriffen, ebenso weisen die Steuereinnahmen des Staates in den ersten Monaten dieses Jahres eine erfreuliche Zunahme auf. Der Aprilausweis der Staatseinnahmen schließt mit einem Plus von 809 Millionen gegenüber dem Vorjahr, wovon 444 Millionen auf die direkten Steuern entfallen. Gewiß geht der überwiegende Teil dieser Zunahme auf diejenigen Steuerzahler zurück, die sich durch rechtzeitige Bezahlung die neuen Steuerbonifikationen sichern wollen, aber ein nicht unbeträchtlicher Teil der Mehreinnahmen ist sicher auch auf die allmähliche Besserung im Wirtschaftsleben zu buchen. Sind doch die Steuereinnahmen auch in dm Monaten Jänner und Feber, wo noch keine Bonifikationen gewährt wurden, höher gewesen als.im vergangenen Jahr. Die Besserung''der Einnahmen der Staatsbahnen ist gleichfalls ein untrügliches Zeichen einer Besserung der Gesamtwirtschaft: Das Defizit der Bahnen hat sich im Jahre 1935 um 75 Millionen verringert. Im letzten Monat haben sich auch die Eingänge der Tabakregie wieder gebessert. Die näheren Zeichnungsbedingungen werden in der Durchführungsverordnung, die noch vor dem ersten Zeichnungstag erscheinen wird, festgesetzt werden. Wie der Finanzminister mitteilte, ist für beide Anleihetypen, den viereinhalb- und dm dreiprozentigen, ein Emissionskurs von 97 vorgesehen. Auch dies ist ein Zeichen, daß die Finanzverwaltung des Erfolges der Anleihe gewiß ist. Die politis^e Aie hio wirtschaftliche Seite der Anleihe Mirdem vesi'letzfei^'Tägen öonoerufkner Seite wiederholt ausführlich dargelegt.' Die Anleihe ist notwendig, um unsere Abwehrmaßnahmen gegen faschistische Angriffslust auf eine solcke technische Höhe zu bringen, daß jeder Angriff auf unseren Staat auch für den stärksten Gegner ein allzu hohes Risiko bedeutet. Die Anleihe wird aber auch eine großezusätzlicheA r bei t s- beschaffung für h und er 11 ausende Händ e bedeuten, die bisher feiern mußten. Beide Häuser der Nationalversammlung haben einmütig gefordert, daß bei dieser zusätzlichen Arbeitsbeschaffung in erster Linie die bodenständigen Arbeitslosen und die Industrie in den Notstandsgebieten berücksichtigt werden, soweit dies technisch nur irgend möglich ist. So wird hoffentlich ein erheblicher Teil des Anleihe-Erlöses auch unseren deutschen Notstandsgebieten in Form von Aufträgen zugute kommen. In den, nächsten Tagen dürfte der Präsident der Republik selbst im Rundfunk über die Bertei- digungsanleihe sprechen; auch der Ministerpräsident und mehrere Minister werden an die Bevölkerung im Rundfunk den Appell zur Zeichnung dieser Anleihe richten. Praktisch genommen stellt die Anleihe keineswegs ein besonderes Opfer des Anleihezeichners dar, sondern eine gute Kapitalsanlage. Der hohe Kurs der, alten Staatspapiere zeigt, daß die Bevölkerung in den Staat und seine Finanzverwaltung volles Vertrauen setzt. Verteidigung gegen den Faschismus— Arbeitsbeschaffung auch für unsere deutschen Notstandsgebietei Diese zwei Gesichtspunkte machen es jedem deutschen Sozialisten zur Pflicht, zum vollen Erfolg der Anleihe nach besten Kräften beizutragen l Klelnbauem-Verban dstag in Wallern Auf dem Kongreß der deiktschen Kleinbauern und Häusler, der am Samstag in Wallern im Böhmevwalde eröffnet wurde» sprachen der Minister für soziale Fürsorge Genosse Jng. N e L a s und Abgeordneter Genoffe Iäksch. Minister NeLas wandte seine Aufmerksamkeit den aktuellen wirtschaftlichen und sozialpolitischen Fragen zu. Im politischen Teil seiner Rede betonte er die Vorzüge des demokratischen Regimes unseres Staates. Er zeigte die undemokratischen diktatorischen Regimes in der Geschichte auf und legte dar, wie diese Regimes schrittweise durch demokratische Formen als höher stehende und bess eit Regimeformen ersetzt wurden. Unter großem Beifall der Kongreßteilnehmer hob Mnister Jng. NeLas die Notwendigkeit der zwei letzten großen Gesetzesvorlagen hervor: des Gesetzes zur Verteidigung des Staates und der Staatsverterdigungs-Anleihe. Kongreß der tschechischen Nationalsozialisten Während der Pfingstfeiertage hält die tsche« chosiowakische nationalsozialistische Partei in Prag ihren XIII. Hauptkongreß ab. Die Kongretzverhandlungen wurden Samstag nachmittags im Smekanasaal des Gemeindehauses in Anwesenheit von 123K-DHhtgierten ipch^äftfMk?w^ktetz^dp7 Parteivorsitzende Klo f a 8 wurde beim Betreten des Saales stürmisch begrützt. Er erklärte in einer Ansprache, daß der tschechoslowakische Nationalsozialismus in dieser ungewöhnlich ernsten und schweren Zeit auf der Wacht sein wird, damit er die Republik und die Demokratie gegen jeden Feind schütze. Der Vertreter des Generalsekretärs der Partei, Abgeordneter Dr. M o u d r h, berich-' tete dem Kongreß über die politische Linie der Partei. Zum Parteivorsitzenden wurde neuerlich Senator K l o f ä L unter nichtendenwollendem Beifall und Hochrufen gewählt. Unter Beifall wurden zu Borsitzenden-Stellvertretern der Partei Minster Dr. Franke, Minister TuLnh» Abgeordnete Z e m i n o v ä, Abg. L a n g r, der( Besuchssperre bei den Ministern. Der Vorsitzende der Regierung und sämtliche Regierungsmitglieder empfangen in der nächsten Woche, d. i. vom 1. bis 6. Juni, überhaupt keine Besuche. Sämtliche, auch angemeldete Besuche, entfallen. Die Hochwafferschäden. Der Minister, für öffentliche Arbeiten Jng. Dostälek entsandte zum Zwecke der Feststellung der von den Hochwasser- Katastrophen in den letzten Tagen an den Straßen und Wegen sowie an den Brücken in den Bezirken Nova Paka, JiLin und Dauba angerichteten Schäden den Vorstand der Straßen- und, Brückensektion des Ministeriums Jng. Josef Svoboda, der an Ort und Stelle die dringendsten Maßnahmen anordnete,' die zur Wiederherstellung der Kommunikationsmittel notwendig sind. Bei den Betriebsrätewahlen in der Poldi- Hütte in Kladno wurden 2644 gültige Stimmen abgegeben(2084). Hievon erhielten der kommunistische Jndustrieverband 1610 Stimmen und 9 Mandate(im Jahre 1934: 1162— 7), die vereinigte Kandidatenliste des Metallarbeiterverbandes und der tschechoslowakischen Metallarbeiter (sozialdemokratisch und nationalsozialistisch) 708 Stimmen, 4 Mandate(599:— 4). und die nationale Bereinigung 326 Stimmen und 2 Mandate (323— 2). Bessere Textilausfuhr nach Jugoslawien. Unter dem Einfluß der Sanktionen gegen Italien besserte sich die tschechoslowakische Ausfuhr von Baumwollwaren in der Zeit Dezember bis März, da die italienische Konkurrenz ausgeschaltet war. Der Baumwollwarenexport nach Jugoslawien erhöhte sich in dieser Zeit auf 49.3 Millionen XL, gegen 19.9 Millionen XL in der gleichen Vorjahrsperiode, die Wollwarenausfuhr von 18.5 Millionen auf 30.8 Millionen XL. Argentinischer Vorstoß gegen die Sanktionen Paris.„Oeuvre" meldet zu dem Ansuchen des argentinischen Vertreters beim Völler- bunde, eine außerordentliche Session des Völkerbundes für den 16. Juni einzuberufen, folgendes: Diesem Anträge zufolge soll sich die Versammlung mit nachfolgenden drei Punkten befassen: 1. Mit den Sanktionen gegen Italien, 2. mit der Reform des BölkerbunveS und 3. mit derAnerkennungderfertigenTat- sache inAbessinien. Die argentinische Regierung hat vorderhand ihren Antrag noch nicht schriftlich unterbreitet, sondern sie hat, der Lbli- cheg Gepflogenheit gemäß, diesen Antrag münd- habe in seiner Unterredung mit Eden dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die englische Regierung auf der Genfer Ratssitzung im Juni mit der Forderung nach Aufhebung der Sanktionen führend vorangehen werde. Die Bemühungen Mussolinis, die Spannung zwischen Italien und England zu mindern, würden in London mit Befriedigung beobachtet. Das Problem sei jedoch mit der Frage der Sanktionspolitik verbunden, die sofort nach den Feiertagen weiter erörtert werden wird. Während keine neue Zusammenkunft zwischen Eden und Grandi' festgesetzt sei, könne mit Besprechungen zwischen der Londoner italienischen Botschaft und dem Foreign Office nach Pfingsten gerechnet werden. lich durch ihren Vertreter'bekanntgegeben. ^DMEÄEgraph" Äel83Äira 1 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grötzsch 1. Kapitel. Der Fluß zog sein Band mit halber Kraft durchs Tal. Es gab nicht viel Wasser in diesem Frühjahr und auch oben im Gebirge hatte die Trockenheit etwas zeitig eingesetzt. In dem dunkelbraunen Wasser spiegelten sich die Uferränder, kleine bewaldete Höhenzüge, Hauser und Villen. Im Ufergras saß Karl Herkner mit seiner .'Kolonne, Rur Moses fehlte, der jüdische Handlungsgehilfe. Und Gusti fehlte auch. Die würgte in der Küche herum und- wurde nicht fertig, wie immer. Sonst waren sie alle beisammen: Schwarzer, der Mann der Gusti; Peter und Paul, die Unzertrennlichen; Frosch, der mit seinen breiten Tatzen im Ufersande wühlte und der Kleine, der! jüngste von ällen, der auf der Böschung hockte und sein blasses Gesicht hartnäckig dem FlüchtlingS- heim zuwandte, dessen runder Turm'weit hinten über die Bäume hinweg ragte. Die Geschichte dieser Kolonne Herkner will ich erzählen. Es sind acht Heimatlose, von ihrem Lande verfolgt und vertrieben. Einige von ihnen habe ich gekannt, von anderen wurde mir erzählt, dieser und jener wird noch hinzukommen, wie Justus, der Schriftsteller», der an diestm Maitage noch werter nördlich saß, an dem Wäldchen, nahe der böhmisch-sächsischen Grenze. Heiß war dieser Tag, voll brennender Sehnsucht, als könnte die Natur den Hochsommer nicht erwarten und wollte die Erinnenmg an den Winter, dessen Kälte sich tief in die Erde gefressen hatte, aus allen Poren schwitzen. Herkners Kolonne sah nackt umher; es sollte das letzte Bad an diesem Gestade sein. Keiner sprach, und aller Augen liefen am Flusse hinauf und hinab, lieber allen lastete die Stimmung des Abschieds. Die Sonne bestreute das Wasser mit tausend flimmernden Perlen; sie taten den Augen weh. Herkner drehte seinen muskulösen, straften Leib herum und sah nach dem Kleinen, dessen Gesicht noch immer landeinwärts gewandt war, als könne es nicht los kommen von der großen Villa, die hinten in einem Garten lag und deren Dach hinter den hohen Bäumen wie ein wagerechter Strich verlief. Herkner fühlte einen leichten Druck iit der Brust. Hier hatten dreißig Flüchtlinge ein Jähr lang gehaust. Das Haus hatten sie gereinigt, verjüngt, erneuert. Ehe die Dreißig einzozen, stand es leer, verfallen, der Besitzer in fernen Landen, der Verwalter gestorben. So hatten sie es übernommen, verwaist und verlassen. Alle Gänge und Zimmer waren verstaubt, der Mörtel abgebröckelt von den Wänden, das Küchengeschirr verrostet, die Oefen verstopft und unbrauchbar. Im Garten hatte das Unkraut alle Beete aufgefreffen. In Baum und Strauch saß das Ungeziefer, die, Wege tvaren bis zur Unkenntlichkeit überwachsen. Nun strählte die Villa Wanja innen und außen kn frischen Farben. Wände hatte man auSzeputzt und neu gestrichen, Betten hatte man gebaut, Mätratzen neu hergerichtet, zerbrochene Diwane wieder auf die Beine gestellt und neu aufgepolstert, das große, schöne HäuS wieder zurückerobert. Der Garten glich einem Keinen Park mit sandigen Wegen und gepflegten Bäumen. Das also sollte morgen schon hinter ihnen liegen. Die frühere Ruine mochte niemand, daS erneuerte Haus fand im Frühjahr einen Käufer. Die erste Möbelladung war schon angekommen. Feine Sachen, alle poliert. Frosch spie ins Wasser und brach das Schweigen:„DaS konnte man sich denken, das konnte nicht so bleiben..." Niemand antwortete, allen schien„Wanja" schöner denn je. Und jedes Jahr würden die Obstbäume blühen und die Rosen, und die Kinder werden auf demRasen spielen, werden glücklich sein und später einmal erzählen:„Das haben fremde Männer geschaffen, Emigranten haben den Baum gepflanzt und den, haben dort, wo der breite Stumpf noch herausguckt, eine alte Linde umgelegt; die Rotunde haben sie gepflanzt und den Weg zur Torausfahrt neu aufgeschüttelt. Wir haben sie noch gekannt, wir haben die Männer noch gesehen..." Drei Trupps gingen morgen ins Land hinaus, jeder in andre Gefilde. Wie würde die neue Heimat sein? Herkner räusperte sich und meinte: „Den Fluß sehen wir wieder." Es klingt wie ein Trost, aber die Höhen hier, das urbargemachte Haus, das muß man zurücklaffen. Alle schweigen. Wenn wenigstens MoseS neben uns säße, denft Herkner, der würde mit seinem Maule keine Trübsal aufiommen lassen. «Das Floß!" rief einer und die Augen der Kolonne liefen flußauf. Langsam glitten die langen Holzstöße um die Biegung. Man erkannte vorn schon den Alten. Peter und Paul, Frosch und Schwarzer ttippelten über die Ufersteine flußaufwärts, warfen sich ins Wasser» schloammen zum Floß hinüber, kletterten hinauf und riefen dem Alten tschechische Begrüßungen zu.„Mä ücta, mä ücta", lächelte er. Wie oft waren sie mit ihm gefahren. Hinten ruderten Karel und Friedrich, die beiden Flotzknechtc. Es ist allemal eine lausige Schinderei, ehe man die Holzstöße richtig um die Biegung herumbringt.„Das letztemal", brüllen Peter und Paul,„morgen geht's abl" Und sie machen eine weste Handbewegung stromabwärts. Der Alte nickt. Auch die anderen aus dem Flüchtlingsheim haben sich von allen Seiten am Ufer zusammengefunden. An die fünfundzwanzig Mann stehen da, winlen und grüßen. Mindestens ein dutzend- Japanische Truppen besetzen Peiping Peiping. Im Zusammenhang mit der Explosion einer Bombe auf die die Strecke Tientsin und Tanfu verbindende Eisenbahnbrücke wird gemeldet, daß nach Beseitigung des Schadens im Laufe des Samstag-Bormittags 1500 Mann japanischer Berstärkungen in Tientsin eingetroffen seien, von denen 600 nach Peiping und T« n g s ch« weiterbefördert wurden und hier als japanische Besatzungstruppen untergebracht wurden. In Nanking nimmt man an, daß die Japaner dieses„Attentat" selbst inszeniert haben, um einen Borwand für ihr weiteres Bordringen in China zu schaffen. Aus Nanking traf der Direktor der asiatischen Abteilung des chinesische« Außenministeriums ein, um sich persönlich über die Borgänge in Rordchina zu unterrichten. Die von dem japanischen Generalkonsul in Nanking getane Aeuße- rung, daß China»wischen dem Anschluß und einem Krieg mit Japan wählen ulüsse, findet hier starke Beachtung. Tltulescu In Belgrad Belgrad. In Belgrad ttaf Samstag an Bord eines Flugzeuges der rumänische Außenminister T i t u l e s c u ein, um die Belgrader Regicintng über das Programm des Besuches des Prinzregenten Pavle in Rumänien zu informieren. Titulescu benützte diesen Aufenthalt auch dazu, um Dr. StojadinoviL über seine letzten Pariser Unterredungen zu informieren, wobei bilde Staatsmänner ihre Ansichten über die letzten internationalen Ereignisse austauschten. 17 Nazi unter Hochverratsanklage Wien. Vor dem Wiener-Neustädter Geschworenengericht hatten sich 17 SA-Manner aus Wiener Neustadt wegen Hochverrates zu verantworten, weil sie in Wiener Neustadt die Standarte Nr. 84 und den Sturmbann Nr. 5 der illegalen SA organisiert hatten. Das Gericht verurteilte den Hauptangellagten Eduard Latzelsberger zu 14 Monaten schweren Kerker, fünf Angeklagte zu je einem Jahre, die übrigen zu zweieinhalb bis sechs Monaten. Wirtschaftsprogramm der französischen Gewerkschaften Die französischen Gewerkschaften haben an die neue Regierung ein Programm wirtschaft- licher Forderungen gerichtet, das vor allem eine allgemeine Vierzigstundenwoche,. mit Lohnausgleich. ein System'bei-KökkektivversrW' ileber- wachung der Arbestsbedingungen durch Vertrauensleute der Arbeiterschaft und Erhöhung des schulpflichttgen Alters enthüll. Das Kernstück des Programms jedoch ist ein großes Arbeitsbeschaf« fungsprogramm, das das größte bisher in Frankreich bekannte sein und unter starker Mitwirkung der Lokalbehörden durchgefiihrt werden soll. Die Stadt Paris allein soll z. B. insgesamt 12 Milliarden Franks aufwenden. Andere Projekte be- treffen die Regulierung des Rhoneflusses, Bewässerungsarbeiten usw.; die gesamte Arbeitslosigkeit l soll dadurch aufgesaugt werden. Die Finanzierung soll durch Heranziehung der Sozialversicherungsfonds, größtenteils jedoch durch eine Kredit- ausweitung erfolgen. Schließlich wird auch eine Nationalisierung der Rüstungsindustrie verlangt. mal ist der alle Flößer so an ihnen vorbeize- rutscht. Die Schwimmer rennen bis zum letzten Holzstoß, grüßen die beiden Gehilfen, springen kopfüber ins Wasser, werden von der Strömung mitgenommen und kommen weit unten wieder ans Land. Man winkt mit Tüchern. Kleiner wird das Floß, der Alte ist nur noch ein schmaler Strich, klein und dunkel verschwinden die Ruderer im Dunst der Dämmerung. Abends sollte eigentlich, eine Abschiedsfeier sein, aber die Stimmung fehlte. Gusti kam nicht aus der Küche herauf, die Jüngeren hatten ihre letzten Kronen zusammengekratzt und waren stromab gefahren in die große Stadt mit den beleuchteten Straßen, den herrlichen bunten Lichtern, den Cafes und Kaufhäusern, den unzähligen billigen Lockungen, die man noch einmal anstaunen wollte. In vielen würgte der Grimm. Wie oft hatten sie geschimpft, gemeutert, das Essen war eintönig geworden. Wie sollte es anders sein— bei sechs Kronen täglich auf den Kopf? Nun kam der Abschied, und alle wußten nur, was sie verloren, aber keiner wußte, was er eintauschte. Wie ost hatten sie Gusti gefrozzeü, weil sie, die starke Frau, immer rundlicher wurde— obwohl sie ani wenigsten aß von allen und am meisten han- tterte! Wie oft hatte man über ihre Küche räsoniert! Wie manche heimliche Träne hatte sie deshalb geweint, sie, die einmal bessere Tage gesehen und nun unten in der Küche tagaus, tagein den Aerger wegen dein Essen hinunterichlucke» mußte. Wer vermag cs mit den kargen Mitteln dreißig Leuten recht zu machen? Gern hätten sie noch einmal mit ihr beisammen gesessen, manche mit stummer Abbitte im Herzen— aber sie kam ja nicht herauf, sie wurde wieder nicht fertig mit Waschen, Putzen und Einpacken. Blank wollte sie das Haus übergeben, das sie mit wohnlich gemacht hatte. .(Fortsetzung folgt.). Nr. 128 Sonntag, 31. Mai 1936 Seit« 3 Bilder vom Unwetter In Schluckenau Die Bilder zeigen, mik welcher verheerenden Wucht das Unwetter am Mittwoch über Schluckenmr niedergegangen ist. Links: An der Eisenbahnbrücke im sogenannten Karschel.-Rechts: Der überschwemmte Auplatz. fudetendcutsdicr Zci tfspiegel CSR der * (E. B.) In Bodenbach sind bereits im Laufe Samstag zahlreiche Gäste zum Reichsjugend- ringetroffrn. In den Aberrdstundrn befanden mindestens 1500 Jugendliche aus allen Teilen Staates bereits in der Feststadt. Außerdem im ein für Der Reichsjugendtag: Zwei Verurteilte aus dem Patscheider-Prozeß nach Deutschland geflüchtet M ä h r.-O st r a u. Der Advokaturskonzipient Dr. Alfred Fuchs, der im Patschridcr- Prozeß zu zweieinhalb Jahren schweren Kerkers verurteilt und gegen eine Kaution von 100.000 Kronen einstweilen auf freien Fuß gesetzt wurde, ist nach Deutschland geflüchtet und hat in einem Brief aus Berlin mitgeteilt, daß er in die Tschechoslowakei nicht znrückkrhrrn werde. Dadurch verfällt somit seine Kaution von 100.000 K£ dem Staate. Auch Erwin Mittel, der in diesem Prozeß zu drei Jahren schweren Kerkers verurteilt und gegen eine Kaution von 80.000 XL in Freiheit gelassen wurde, hat Samstag aus Lrobschütz in Deutsch-Oberschlesien mitgeteilt, daß er in, die Tschechoslowakei nicht zurückkehrcn werde. Demnach verfällt auch seine Kaution dem Staate. Bürgermeister Russy, Teplitz- Schönau, beim Präsidenten der Republik Am Samstag, den 30. Mai 1936, wurde der Teplitzer Bürgermeister, Genosse Russy, vom Herrn Präsidenten der Republik in längerer Audienz empfangen. Der Bürgermeister überreichte dem Herrn Staatspräsidenten die Denkschrift der Stadtgemeinde Teplitz-Schönau und schilderte eingehend die Wirtschaftslage der Stadt, insbesondere auch die kurörtlich'en Verhältnisse und berichtete über die für die nächste Zeit geplanten größeren Arbeiten der Gemeinde. Herr Präsident Dr. Benes nahm mit großem Interesse den Bericht entgegen, erkundigte sich noch über einzelne Details und versprach, die Gemeinde nach bester Möglichkeit zu unterstützen. des tag sich des haben 700 Rote Falken Samstag vormittags ihre Republik eröffnet, die sich in vier Dörfer gliedert, welche die Ramrn der Genossen Wallisch, Matte- otti, Jaures und Fcchenbach tragen. Nm 11 Uhr Bormittag wurde von den Falken über die Rote Kindekrepublik die rote Fahne aufgezogen. Auch ausländische Gäste haben sich bereits eingefunden. Besonders herzlich gestaltete sich der Empfang der mehr als 70 schwedischen und dänischen Genossen, die nach ihrer Fahrt durch das Hitler-Reich Samstag Abend in Bodenbach begrüßt werden konnten. Auf dem Bahnhof hatten sich zahlreiche Bertrrter der Partei, der Republikanischen Wehr und des Jugendvrrbandes, unter ihnen die Genossen Taut, Paul, Kern, Hackenberg, Pölzl, Grund Keßler, Rritznrr, Geißler und Kirpal ringefunden. Eine vielköpfige Menge erwartete die skandinavischen Gäste auf dem Bahnhofe. Fanfaren der Roten Falken, Freiheit- und Freundschafts-Rufe ertönten, als die dänischen und schwedischen Genossen sich zeigten. Mit Musik marschierte der Zug zur Bolkshalle, wo Bürgermeister Genosse Keßler in einer kurzen Ansprache der Freude der Bodenbacher Genossen über den Besuch aus den norwegischen Demokratien Ausdruck gab. Wir sind der zuversichtlichen Meinung, führte Keßler aus, daß der Tag kommen wird, an dem von uns bis nach dem Norden hinauf ein freies rotes Europa sich erheben wird. In den Abendstunden zwischen 7 und 8 Uhr trafen drei Sonderzüge ein, die Festteilnehmer aus den Gebieten von K o m o t a«, Brüx, Dux, Teplitz und Prag in der Gesamtzahl von 1600 Personen brachte». In dem Sonderzug aus Prag befand sich auch eine mehrere hundert Personen starke Gruppe tschechischer Genossen. Die Sondrrzüge wurden auf dem Bahnhof mit großer Begeisterung begrüßt und dir Teilnehmer in geschlossenen Zügen mit Musikbe- yleitung in die Stadt geleitet. * Bodenbach, unsere nördlichste Industrie- Metropole, eine der wenigen Städte übrigens, in denen es' trotz der Krise noch ein paar mächtige Betriebe gibt, in denen gearbeitet wird, Bodenbach, zugleich seit langem eine Hochburg der sozialistischen Bewegung, Rekrutenschule einer Elite von Vertrauensleuten, mächtige Bastion, die gegen die Front der braunen Reaktion vorgeschoben ist, steht seit Samstag mittags im Zeichen des großen Pfingstfestes der sozialistischen Jugend des Sudetendeutschtums'und der sozialdemokratischen Bewegung Nordböhmens überhaupt. Rote Fahnen künden dem Gast, daß Bodenbach dem braunen Terror Schach bietet und deutlicher noch als die Fahnen sprechen die Gesichter und Gestalten unserer Burschen und Mädel von dem sozialistischen Charakter der Pfingsttage in Bodenbach. Diese jungen Menschen, von denen viele sich auf den ersten Blick als Opfer der Kriscnnot erweisen, eben- soviele aber auch mit den sportlich durchgebildeten Körpern, den arbeitsgewohntcn Armen und Fäusten den lebendigen Beweis dafür darstellen, daß unsere Jugend sich nicht unterlriegen läßt, sind heute stolz in dem Bewußtsein, hier mehr als ein Fest zu feiern, hier Zeugnis abzulegen von ihrem schöpferischen und ge- staltendenWillen. Und je mehr von ihnen in den Elbestädten eintreffen, wandernd viele, zu Rade andere, die dritten von den Bahnhöfen in die Stadt strömend, desto mehr heitern sich ihre Mienen auf, die trotzigen Gesichter der jungen Kämpfer nehmen angesichts der vielen Genossen und Genossinnen, die sich hier aus allen Gauen züsammenfinden, den Ausdruck froher Zuversicht und unerschütterlichen Glaubens an die Kampfgemeinschaft der arbeitenden Jugend an. In Gruppen finden sie sich züsammen, rasch sind alte Bekanntschaften von Fahrten, Festest, gemeinsamer Arbeit und gemeinsamem Kampf erneuert, neue Freundschaften geschloffen. Im Gleichschritt gehen sie nun nebeneinander her und wie ans kleinen Rinnsalen der große Strom, so soll aus den vielen kleinen Gruppen der Jungen der große Zug sich formen, der Sonntag durch die Straßen ziehen wird. Menschen, die gemeinsam mit ihren erwachsenen Gesinnungsgenossen in Bodenbach versammelt sind, grüßen Sie, Herr Präsident und erneuern ihren Schwur, der Demokratie treu zu.bleiben und sie mit dem Einsatz ihrer ganzen Kraft zu verteidigen. Die Stadt selbst, die Arbeiter von Bodenbach, Tetschen und von den umliegenden großen ^ndustriedörfcxn, haben für g a st l i ch e n Em p fang gesorgt. Die Bodenbacher Sozialisten sind stolz, in ihrer Stadt die Jugend des ganzen Landes beherbergen zu können, freuen sich auch, mit ihrem Kreisarbeiterfest den Jungen zeigen zu können, daß die Aeltexen nicht zurückbleiben, wenn es Arbeit, Mühe, Eifer für die gemeinsame Sache gilt. Mit Stolz zeigen die Bodenbacher ihren Gasten auch, was sie in der Gemeinde ge- Ein Werk des Genossen Dr. Czech Das Babltzer Erholungsheim wieder in Betrieb Das ehemalige Masaryk- Studenten e r h o l u n g s h e i m in B a b i tz bei Brünn, das inangels finanzieller Mittel durch einige Jahre unbenützt blieb, wurde Heuer ans seiner Ruhe geweckt. Das schöne Gebäude im herrlichen Zwittatal hat endlich wieder eine Bestimmung gefunden: Es wurde dort die Ferienkolonie für die Kinder Arbeitsloser im Rahmen der Aktion, die Gesundheitsminister Gen. Dr. Esoy ins Leben gerufen hat, untergebracht. Run hat auch die Brünner Ortsgruppe der Frauenliga für Frieden und Freiheit ihre Ferienkolonie der in Babitz befindlichen staatlichen Kolonie angegliedert. In diese Kolonie werden deutsche und tschechische Kinder Arbeitsloser aufgenommen, welche keine Unterstützung beziehen. Die Auswahl der Kinder erfolgt durch die Bezirksjugendfürsorgen. Ein Kind getötet. Freitag Vormittag wurde in der Lade-Gasse in Reichenberg der vierjährige Sohn des Arbeitslosen Wenzel von einem Last gefangen in Ts chaikowskys symphonische Dichtung„1812". Im Sieg der Zarenhymne über die Marseillaise kommt sinnbildlich der Untergang der ersten Geschwader der Revolution zum Ausdruck. Und nun reiht sich Bild an Bild, tragen Chor und Sprecher, Musik und Bewegung immer mehr Fragen und Parolen in das szenische Getriebe. Die Welt des Bürgers und des Kleinbürgers, der Haß der Reaktion, die Kleingläubigkeit der Verzweifelten, die Trauer der Besiegten um die Opfer und um ihre Sache nehmen Gestalt an. An die Feber kämpfe, der österreichischen Schutzbündler, wird erinnert. Noch einmal wirst die iwerlegene Technik der„Exekutive" in einer welthistorischen„Exekution" an den Trägern der großen Idee die Hoffenden und Kämpfenden nieder. Wieder droht Verzweiflung die Besiegten zu erfassen. Da rüttelt sie von neuem der Kampfruf auf, da rufen die Fanfaren, der Z u g. d e r Jugend naht, der Jungen, die doch, wenn sie leben wollen, wenn ihr Leben noch einpn Sinn haben syll, den Jammer dieser Zeit überwinden, die doch anschwellen müssen zum endlosen, mächtigen, nun unüberwindlichen Reite rzug der neuen Zeit, der Völker- und Mepfchenverbrüderung unter den neuen ordnenden Parolen der sozialistischen Gemeinschaft. In der„Internationale" finden sich Chöre, Musik, Sprecher zusammen, in ihren majestätischen Akkorden formt sich Sehnsucht, offenbart sich der Lebens- und Schöpferwillen der Jungen. Unter nächtigem Himmel ein I e ch t e n d e s Symbol, in triebgeladener Frühlingsnacht der jubelnde Chor der jungen Stimmen— es ist ein herrlicher Auftakt zu dem Fe st, das Sonntag die Stadt in das heiße, das glückliche, lebensverheißende Rot unserer Fahnen kleiden soll— wenn ein letzter Wunsch sich erfüllt, wenn die Sonne es gnädig mit den Kindern des Schattens meint, die so stürmisch zum Lichte drängen! Teilnehmer am Reichsiugend- und Relchsarbeitertag In Bodenbach! Achtung! Es ist unbedingt notwendig außer dem Festabzei- ch e n auch die Teilnehmerkarte Insbesondere beim Eingang zum Festplatz bereitzuhalten, um sie auf Verlangen vorzuweisen. im h/lonate August mit den Naturfreunden nach Brünn!!! In der Zeit vom 7. bis 10. bczw. 16. August finden internationale Veranstaltungen (Ausstellungen, Exkursionen, Konferenzen) in Brünn mit anschließenden Urlaubsreifen im Jnlande statt. Schon jetzt ist der Urlaub festzulegen und zu sparen. Anmeldungen und Aufklärungen durch die Ortsgruppen und Gaue des Touristenvereines„Die Naturfreunde" und durch die Geschäftsstelle des Tv.„D. N." Aussig a. E„ Marktplatz 11. Telephon 3033. Bodenbach unter den Fahnen der Jungsozialisten Die Opfer von gestern, die Kämpfer von heute, die Sieger von morgen! leistet haben, die sich unter der Bürgermeister-' schaff des Genossen Fritz Keßler nicht nur einer zielbewußten und rastlos für das Volk tätigen Verwaltung, sondern auch— was heute oft noch wichtiger ist— einer wirklich volkstümlichen, mit der Bevölkerung aufs engste verbundenen Führung erfreut.. Reges Lebest" herrscht in der Festkanzlei, herrscht um die Sekretariate der Partei und der sozialistischen Organisationen, in der Volk-Halle^ in den Quartieren des Jungvolkes und auf den Festplätzen, auf denen noch zu den Feiern gerüstet, zu letztem Schliff Hand angelegt wird. » „Cavalcade“ Samstag abends wird das erste der Festspiele aufgeführt, die von Ferry Schimmel montierte„Revue von der Zeit". Unter freiem Himmel, auf dem Masarykplatz in Bodenbach, ist die Szene für dieses symbolische Spiel errichtet, das Zeugnis ablegt von den Kräften, die in unseren jungen Sozialisten nach Ausdruck ringen. Freilich ist es„noch Most, der sich absurd gebärdet", doch Eifer, Idealismus, Kühnheit der Gedanken lassen zuversichtlich hoffen, daß es einmal klaren Wein ergeben wird, was da gärt und aus der Tiefe brodelt. .Cavalcade"— der Verfasser war sichtlich durch den Titel des großen englischen Filmwerkes, das den Weg der Generationen aus dem 19. ins 20 Jahrhundert gezeigt hat, angeregt— schöpft aus früheren Chorwerken und Dichtungen, nirnmt auch die Musik aus schon Bekanntem. Der Eindruck soll gerade dadurch stärker werden, daß an bekannte Motive angeknüpft wird, daß die Zeichensprache dieser symbolischen Dichtung nichts völlig neues bringt, sondern in jedem der jugendlichen Zuschauer und Hörer Saiten anklingen läßt, die schon öfter in ihm ertönten. Da steht musikalisch das große aufwühlende Motiv der Marseillaise am Anfang, ein heißes Bekenntnis der sozialistischen Jugend zu den großen Idealen, von denen Sir, Herr Präsi dent»erfüllt sind und die wir alle in unserer Re publik lebendig erhalten wollen. Der Reichs jugendtag ist eine Ehrung der Freiheit, jener Frei heit verantwortungsbewußter Völker, die die wirk samste Garantie des europäischen Friedens ist. Wir sind stolz darauf, daß wir dabei eines Sin-, nes sind mit der überwältigenden Mehrheit der fuhrwerk überfahren. Das Kind, das wahrschein- ttschechoslowakischen Jugend, eines Sinnes mit der lich in das Fuhriverk hineinlief, wurde auf sozialistischen Jugend ganz Europas, die viele Ab- j Stelle getötet. ordnnngen zu unserer großen Kundgebung ent-1 Strenges Verbot der Ueberstundenarbeit sendet und dadurch gleichzeitig unsere Republik! Eisenbahndienst. Das Eisenbahnminifterium hat und deren Führer ehrt. Die Tausende junger neues, strenges Verbot der Ueberstundenarbeit alle Zweige der Eisenbahnverwaltung herausgegeben. Falls es sich nicht um die Beseitigung von Störungen handelt, die- durch Elementarkataströphen verschuldet wurden, dürfen Ueberstunden nur in den dringendsten.Fällen mit Bewilligung der, vorgesetzten Direktion gearbeitet werden.(DRD.). Unsere Jugend grüßt den Staatspräsidenten Ein Telegramm vom Relchsiugendtag Vom Reichsjugend- und Kreisarbeiter tag würbe dem Präsidenten der Republik das folgende Telegramm gesandt: x Hochverehrter Herr Staatspräsident! Die deutsche sozialistische Jugend unseres Landes ist zu Pfingsten in der Grenzstadt Bodenbach zu ihrem großen Reichsjugendtag versammelt. Sie wird im Rahmen dieser Kundgebung, die mit dem Kreis arbeitertag der Deutschen sozialdemokratischen Ar- beitrrparwi verbunden ist, für ihre Weltan schauung und die noch unerfüllten sozialen Ge- genwartssorderungen der jungen Generation ein treten und die Leistungen erkennen lassen, die sie bei ihrem Kampf und ihrer positiven Arbeit für die soziale Neuordnung der Gesellschaft gesetzt hat. Dir sozialistische Jugend weiß aber auch, daß ihr| Wirken mit der Idee der Demokratie eng ver bunden ist und daß sie in dieser schweren Zeit die ser Idee doppelt eifrig dienen muß. Unser Aufmarsch in der Grenzstadt Bodenbach ist darum ein I Seite 4 Sonntag, 31. Mai 1936 Nr. 128 Der„Kaiser von Abessinien" auf der Briefmarke Soeben kamen in Italien die ersten Briefmarken des abessinischen Kaiserreiches mit dem Kopf des italienischen Königs Viktor Emanuel als Kaiser von Abessinien heraus. Die beiden„Führer** Der„Teplitz-Schönauer Anzeiger" hat sich am Mittwoch in einem Leitartikel mit der für seine Leser zweifellos nicht leicht verdaulichen Tatsache abzufinden versucht, daß im Zeichen des sterbenden Marxismus und der triumphierenden Reinrassigkeit der Sozialist und- Jude L c o n Blum auf Grund eines großen Wahlsieges der Linken Ministerpräsident der französischen Republik wird. Nachdem der Leitartikel des„Teplitz- Schönauer Anzeigers" den Werdegang des literarisch hochgebildeten, in seiner Jugend als Schriftsteller und Theaterkritiker tätigen und bis heute mit Geistesgrößen wie AndrL Gide befreundeten Mannes berichtet hat, versucht er das für ihn Erstaunliche zu erklären, daß dieser Mann Sozialistenführer und Ministerpräsident geworden ist. Der Leitartikel versucht es zunächst mit einer Wendung gegen das deutsche Proletariat, indem er das französische als geistig überlegen hinstellen möchte, im nächsten Satze aber will er den Zusammenhang zwischen Blum und dem Proletariat überhaupt leugnen und erklärt deshalb, daß die französische Sozialdemokratie„heute zumeist aus verarmten Meinbürgern, Rentnern, Beamten und Bauern" bestehe, was allerdings schon deshalb keine- sehr einleuchtende Erklärung für den Sieg Leon Blums ist, weil Blum ja durch einen Sieg der Volksfront zur Macht gekommen ist, in der das französische Proletariat mit'den Mittelschichten gemeinsam aufmarschierte. Aber der Leitartikler des„Teplitz-Schönauer Anzeigers" will mit aller Gewalt das Problem Lion Blum im antimarristischen Sinne„bereinigen" und philosophiert deshalb über die französischen Mittelschichten:„Diese Menschen sehen jenseits der Vogesen in Leon Blum den Führer, wie sie ihn diesseits in Adolf Hitler erblicken", wenngleich diese Führer selber die größten überhaupt denkbaren Gegensätze repräsentieren." An diesem Satze ist vieles unklar: ob mit dem„sie" die französischen oder die deutschenMittelschichten oder die Leser des„Teplitz-Schönauer Anzeigers" gemeint sind, die um jeden Preis Führer sehen wollen,— aber klar ist soviel, daß der verlegene Leitartikler, der auf so halsbrecherische Art die Führerstellung Hitlers durch den Erfolg Leon Blums bestätigt sehen möchte, mit dem zweiten Teil seines Satzes recht hat: zwischen Leon Blum und Adolf Hitler bestehen tatsächlich die größten überhaupt denkbaren Gegensätze, und wenn es währ ist, daß beide vom Vertrauen der Mittelschichten zur Macht getragen wurden, dann fällt der Vergleich für den deutschen Mittelstand vernichtend aus. Der französische Mittelstand hätte demnach.einen Mann an die Spitze Frankreichs berufen, der— um nur ein Beispiel zu nennen— als Goethe-Kenner die„Neuen Gespräche Goethes mit Eckermann" schrieb,— der deutsche Mittelstand aber jubelt einem Führer zu, unter dessen Regime Goethe aus dem deutschen Schullesebuch verschwindet! Wieder zwei Dkenschen vom Blitz getötet. Ueber die kleine Erzgebirgsortschast Frühbuß im Bezirk Neudek entlud sich am Mittwoch um die Mittagsstunden eist außerordentlich schweres Gewitter, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. In der Umgebung des Ortes war eine Gruppe von Arbeitern beim Torfstich beschäftigt, als sich das Unwetter zu entladen begann. Eine aus fünf Personen bestehende Arbeitergruppe flüchtete sich vor dem dicht herniederrauschenden Regen unter eine zehn Meter hohe Fichte, in die ccher kurz darauf ein Blitzstrahl fuhr. Zwei der Leute, der 45jährige verheiratete Joses Wolfert, der Vater eines Kindes ist, und der 35jährige ledige Rudolf Baumgärtl aus Sauersack wurden von: Blitz sofort getötet, während die übrigen drei Männer betäubt wurden. Erst nach stundenlangen Wiederbelebungsversuchen gelang es, sie aus ihrer Ohnmacht zu erwecken. Das Schicksal der Getöteten ist um so tragischer, als sie jahrelang ohne Arbeit waren und erst vor kurzem aushilfsweise beim Torfstich Verwendung gefunden hatten. Anläßlich der Pfingstfeiertage wird am Montag, den 1. Juni n i ch t g e- arbeitet, so daß unsere Dien-» tagausgabe vom 2. Juni entfällt. Die Verwalt««-. ist die Klarheit, mit der.Aauer den Aufstieg und Niedergang der Arbeiterbewegung im Zusammenhang mit der ökonomischen Konjunktur zeigt oder wie er selbst sagt, die„Beherrschung der sozialen und politischen Entwicklung durch die ökonomischen Konjunkturschwankungen". Die Untersuchung endigt mft der Feftellung, daß eine Planwirtschaft im Kapitalismus unmöglich ist, daß der Be- lebungsmechanismus der Wirtschaft diesmal auf weit stärkere Widerstände stößt, als bei früheren Krisen, daß der Raum für soziale Reformen innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft immer schmäler wird, daß aber die ökonomische Entwicklung in den einzelnen Ländern sich verschieden vollzieht, daß also die Entscheidung: Weitere soziale Reformarbe'.t oder soziale Revolution? in jedem Lande anders ausfallen müsse. Demokratie und Diktatur Ein zweiter Abschnitt des Buches befaßt sich mit der Krise der Demokratie. Die Demokratie hat die Arbeiterbewegung nach Bauers Auffassung sehr widerspruchsvoll beeinflußt. Einerseits hat sie Leben und Kultur der Arbeiter unerhört ge- hÄben, andererseits die Arbeiterparteien in bloße Reformpartrien verwandelt, die sich damit begnügen, innerhalb der bürgerlichen Demokratie die Lage der Arbeiter zu verbessern. Da aber die Demokratie die Arbeiter vor den Schlägen von Krise und Arbeitslosigkeit nicht bewahrt hat, verzweifelten die Massen an der Dentokratie und der Faschismus konnte triumphieren. In der Sowjetunion wieder griff man zur Diktatur des Proletariats, die notwendig ist zur Ueberführung des Kapitalismus in den Sozialismus, die aber bei all ihren großen Leistungen für die Sowjetunion, zu denen sich Bauer uneingeschränkt bekennt, allmählich ein Hindernis der Entwicklung wird, denn der Sctzialismus kann der geistigen Freiheit nicht ent- raten, er kann nur demokratisch sein. In einer Untersuchung der Krise unserer Kultur gelangt Bauer zu der Feststellung, daß das Verhältnis von Demokratie und Sozialismus das größt«' und entscheidende Kulturproblem unserer Zeit ist. Bauer hält zwar an der Notwendigkeit einer proletarischen Diktatur als Uebergang zum Sozialismus fest, glaubt aber nicht, daß diese Diktatur in Westeuropa dieselben Formen annehmen muß wie in der Sowjetunion. Er läßt— wenngleich er gerade in diesem Punkte nicht ganz klar ist— auch die Möglichkeit der Diktatur einer demokratischen Parlamentsmehrheit offen. und eines demokratischen Ueberganges zum Sozialis- muß in den kleinen, für die Wellentwicklung nicht entscheidenden Ländern— er liefert also, wenn man so sagen will, auch eine Theorie für den demokratischen Sozialismus in der Tschechoslowakei. Die Untersuchung endet damit, daß eine Synthese notwendig sei ,,des demokratischen -Sozialismus des Westerts und des tetiiflutiönareN Sozialismus des Ostens, die Synthese geistigpolitischer Freiheit und ökonomisch-sozialer Befreiung"— die sich vollziehen wird im Weltensturm der Zukunft, in dem Kriege, den die demokratischen Staaten des Westens im Bund mit der Sowjetunion gegen den Faschismus führen werden. Lpaltung und Vereinigung Der letzte Abschnitt des Werkes ist der jeden Sozialisten brennend interessierenden Frage der Krise des Sozialismus gewidmet. Bauer unterscheidet einen reformistischen und revolutionären Sozialismus, die er beide aus bestimmten geschichtlichen Bedingungen als'Notwendigkeiten ableitet. Dem revolutionären Sozialismus Marxens folgte der reformistische seit den siebziger Jahren aus dem Tageskampse um die Hebung des sozialen Niveaus der Arbeiter, wobei aber die Ideologie dieser Bewegung weiter marxistisch war.„Blieb die Theorie des kontinentalen So- Weltkrise und Sozialismus Ein grundlegendes Werk des Marxismus Marxismus in unserer Zeit Die Sozialdemokratie hat vor dem Weltkriege über die reichhaltigste und bedeutsamste politische Literatur verfügt, der Marxismus hat alle Theorie und Ideologie anderer Parteien turmhoch überragt. Das wissenschaftliche Werk von Karl Marx und Friedrich Engels war die blendendste politische Theorie aller Zeiten und Völker, eine Lehre, die geschöpft war aus der kapitalistisch-industriellen Entwicklung des 19. Jahrhunderts, der Wirtschaft und Gesellschaft Europas, wie sie dem klassischen Kapitalismus entsprach. Aber weder Engels noch Marxens Schüler blieben bei den Ergebnissen der Lehren ihres Meisters stehen, sondern erklärten die Ereignisse der folgenden Jahrzehnte mit Hilfe der Marx'schen Methode. So wie Marx in seinem Hauptwerk, dem„Kapital", den Kapitalismus etwa der Mitte des Jahrhunderts untersuchte und die Gesetze seiner Entwicklung erforschte, so versuchte Hilfevding in seinem wenige Jahre vor dem Weltkriege erschienenen„Finanzkapital" die kapitalistische Wirtschaft um die Jahrhundertwende zu erklären, die Entwicklung vom„freien" Kapitalismus und Liberalismus zum Monopolkapitalismus und Imperialismus darzulegen, die sozialistische Politik jener Zeit auf feste wissenschaftliche Grundlagen zu stellen. Die ersten Jahre nach dem Weltkriegs waren dem wissenschaftlichen Marxismus nicht günstig. Die großen, ökonomischen, sozialen und politischen Umwälzungen waren zu rasch gekommen, um sie dem alten Weltbild rasch einreihen zu können— außer der genialen Schrift Lenins über „Staat und Revolution", die aus einem augenblicklichen Bedürfnis geboren war, weist der Sozialismus der allerersten Nachkriegsjahre kein Werk auf, das die sozialistische Bewegung dauernd beeinflußt hat und noch heute wirkt. Wohl sind dann später bedeutsame theoretische Werke von sozialistischen Schriftstellern erschienen, welche den Marxismus nach irgend einer Selle— ökonomisch, historisch, philosophisch— vertieft haben, aber das große Werk, welches die Gesamtentwicklung unserer Zeit umfaßt, die treibenden Kräfte der Gesellschaft der Nachkriegsjahre aufdeckt und uns damit den Weg in die Zukunft weist, ist uns der Marxismus schuldig geblieben. Seit den katastrophalen Erschütterungen, die die sozialistische Bewegung in den letzten Jahren erlebt, insbesondere seit der Niederlage, welche die Sozialdemokratie in dem Geburtslande des Marxismus erlitten hat, macht sich das Bedürfnis nach einer neuerlichen lleberprüfung der Ge- samtlage der Arbeiterschaft unv des Sozialismus stärker geltend und nach verschiedenen Beiträgen, welche auch Angehörige unserer Partei zu den Schicksalsproblemen unserer Zeit geleistet haben, meldet sich nun der theoretische Kopf der marxistsschen Schule, Otto Bauer, zu Wort. Bauer hatte die Absicht, ein mehrbändiges Werk über„Kapitalismus und Sozialismus nach dem Weltkriege" zu schreiben, von dem seinerzeit der erste Band(„Rationalisierung und Fehlrationalisierung") erschienen ist. Die Ereignisse seither haben den Plan des Autors gestört und er begnügt sich in einem knappen Bande, das wichtigste zur„Krise der Weltwirtschaft, der Demokratie und des Sozialismus" zu sagen. Gerade dadurch hat er ein lebendiges Werk geschaffen, das jedem, der in dieser verworrenen Zeit, in dieser Zeit faschisttschen Ungeistes nach Erkenntnis sttebt, der heißen Herzens mithelfen will, die Menschheit aus dem Tal der Tränen hinaus- zuführen, reiches Wissen bringt und viel Antwort auf die Rätsel der Gesellschaft gibt, immer nach Beurteilung der Gesamtentwicklung strebt, ohne sich in Nebenfragen zu verlieren und mit brennendem Interesse zu Ende gelesen wird— wenn es auch noch manche schicksalshafte Fragen unbeantwortet läßt und zu manchem Zweifel anregt.* Wirtschaftskrise Getreu der Marx'schen Methode untersucht Bauer zunächst die Krise der Weltwirtschaft. Er zeigt die Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaft nach dem Weltkriege, legt die Ursache der großen Krise bloß, zeigt, was sie von den früheren Krisen unterscheidet, erläutert gewisse neue Erscheinungen in ihrer Bedeutung für die Arbeiterschaft, wie Devalvation, Deflation und vor allem die„dirigierte Wirtschaft".„Die bürokratische Regulierung der Wirtschaft ist", so sagt er„zum Mittel der Entwicklung vom liberalen Kapitalismus der freien Konkurrenz zum bürokratisch dirigierten Monopolkapitalismus geworden". Das Wertvollste an dieser ganzen Untersuchung *) Otto Bauer;„Zwischen zwei Weltkriegen? Die Krise der Weltwirtschast, der Demokratie und de->Sozialismus". Erschienen im Eugen Prager-Nirlag 1936. Preis Ki 32.—. Sn dieser Stelle sei mit Anerkennung des rührigen Verlegers gedacht, der kurz hintereinander die Bücher von Jakfch und Franzet und mm auch dar von Bauer berauSgebracht hat. «Der Tag“ Höllenfeuer vor dem Skagerak „Auf den Tag" stießen lange vor 1914 die deutschen Marine-Offiziere an, wenn sie in feierlicher oder weinseliger Stimmung waren. Die Gesichter wurden hart, die Augen brannten heiß und halblaut prosteten sie, als gelte es noch immer ein Geheimnis:„Der Tag!" Gemeint war: der Tag der großen Seeschlacht, der Abrechnung mit England, der Tag, an dem die jüngste Schlachtflotte der Welt, eine Motte ganz ohne Traditton und Kriegserfahrung, der ältesten, ruhmreichsten,' seebeherrschenden Flotte begegnen sollte, um ihr den blutigen Lorbeer und die Macht Über die Meere zu entreißen. Das Echo von drüben, von jenseits des Kanals, war nüchterner. Im Jahre 1905 erwogen der Erste Lord der Admiralität und ein paar Hartköpfe um ihn, ob es nicht das beste sei, die deutsche Flotte, ehe noch das große Hauptprogramm von 1899 fertig sei, in ihren Hafen aufzusuchen und ohne Kriegserklärung zusammenzuschießen. Dann wieder kam Cur» chills boshaftes Wort von der.Zuxirsflotte" der deutschen Vettern.Zwischendurch verhandelte man mit Berlin über«in Kompromiß im Wettrüsten. Denn wenn auch Britannien in der Lage war, für jedes yeue deutsche Schiff zwei englische auf Kiel zu legen, wenn es auch zu immer größeren Bauten überging, zu den Dreadnoughts zuerst und dann zu den Ueber- DreadnoughtS der„Queen Elizabeth"-Klaffe, wenn auch England von den 28 Zentimeter-Kalibern seiner Langrohre zu den 34 und schließlich zu 88 Zentimeter überging, so kostete das doch mehr, als die englischen Steuerträger auf die Dauer zahlen wollten. Einmal mußte man an der Grenze halten, wo cs zu entscheiden galt: Schlagen oder abrüstenl Diese Erwägung spielte für Sir Edward Grey, als er seit 1905 den Eintritt Englands in einen Festlandskrieg systematisch vorbereitete, eine entscheidende Rolle. Als es 1914 so weit war, hielten beide Regierungen ihre Flotten sorgsam in den Häfen. Die schwimmenden Festungen von 20.000 bis 80.000 Tonnen Wafferverdrängung, mit»mdetthaDtausend Mann Besatzung mit ihren Gefechtstürmen und ihren zwölf und mehr Riesenkanonen, hatten jedes ein Vermögen gekostet. Sollte man sie bern Risiko der Schlacht, sollte man sie dem GlückStteffer eines winzigen Torpedobootes anSsetzen?! Die Deutschen blieben im Schutz von Helgoland und die Politiker und Hofadmirale erfanden die These von der Aufbewahrung deS Faustpfands der Motte bis zum FriedenSschluß; die Briten sandten die„Grand Meet" nach dem Norden, nach Scapa flow. Der erste Winter schon bewies, daß ein modernes Schlachtschiff selbst den Unbilden von Stürmen und hohem Wellengang nicht immer gewachsen ist. Die Briten hatten zeitweise einen so hohen Ausfall an großen Schssfen, daß die Deutschen die Schlacht unter sehr günstigen Verhältnissen hätten wagen können. Aber der deutsche Nachrichtendienst war schlecht. Die Deutschen erfuhren erst viel später, welche Gelegenheit ihnen entgangen war. Zwei KriegSjochre beinahe vergehen, ohne daß die Hochseeflotte und die Grand fleet einander begegnen. Einmal stoßen die Schlachtkreuzer aufeinander, an der Doggerbarck. Die Deutschen verlieren den ganz verbauten„Blücher". Sie lernen aber aus der Schlappe und verbeffern manches an ihren Schiffen und viel an ihrer Munition.' Zweimal wechselt das deutsche Flottenkommando. Erst der dritte Kommandant, Reinhold ;S ch e e r, ist ein Draufgänger. Er läßt die englische Küste angreifen. Das Unerhörte geschieht, daß britt- sche Häfen bombardiert werden, während noch keine britische Granate die deutsche Küste erreicht hat. Admiral Jellicoe erhält den Auftrag, die Deutschen zu„züchttgen", wenn sie noch einen Vor- stoß wagen sollten. Der vorsichttge, nüchtern rechnende Seemann wartet also auf den Tag, an dem die Deutschen aus dem Bau kommen würden. Da die britischen Funkstattonen die deutschenSignale mitlesen und alle Chiffreschlüssel binnen kürzester Zett finden, ist Jellicoe über die Bewegungen Scheers jederzeit unterrichtet. Scheer wieder hofft darauf, gelegentlich Teile der Grand fleet zum Kampf stellen zu können, oder, wenn es zum Treffen mit dem Gros kam, die U-Boote und die Zeppelin» einsetzen zu können. Als er in den grauenden Morgenstunden des 81. Mai 1916 die Jade verläßt, hat er aber weder die Zepps zur Hand, noch darf er mit den Tauchbooten rechnen, die schon auf der Heimfahrt sind, da sie zu lange hatten warten müssen, während die Hochseeflotte eines ihrer besten Schiffe, den Schlachtkreuzer„Seydlitz", der eine Havarie hatte, gefechtsklar machte. In London weiß man, daß Scheer, 100 Kilometer voran die fünf Schlachtkreuzer des Admirals Hipper, mit der Hochseeflotte nach Norden marschiert, gegen den Skagerak, das minengesperrte Tor zwischen Nordsee und Sund. Jellicoe erhält Weisung, den Kampf aufzunehmen. Von Scapa flow dampft er nach Osten. Früher als er, wird Admiral Beatth mit seinen sechs Schlachtkreuzern am Platz des blutigen Rendezvous erscheinen, dinn er hat von dem schottischen Rosyth her den kürzeren Weg. Hippers Flagge weht vom„Lützow", Harmlose Signale ergehen von Zeit zu Zeit und auf den Schiffen wird mit Kartuschen geschossen, wird exerziert, gearbeitet wie' im tiefsten Frieden. Hippers Riesen voran, rennen die Kleinen Kreuzer, die Aufklärungskräfte. Nach vier Uhr sichten sie einen kleinen Handelsdampfer, untersuchen ihn auf Konterbande, verweilen bei dem gemütlichen Geschäft. Da tauchen Rauchwolken und bald auch Schlote und Aufbauten über dem Horizont auf. Beatty braust heran. Sein Kommandoschiff ist der ,^hon". Fünf ebenso große laufen noch unter seinem Kommando. Es ist Hipper um ein Schiff und in der Zahl wie im Kalber der Rohre überlegen. Um 5 Uhr 49 feuert„Lützow" den ersten Schuß. Bald ist die Hölle los, sind alle Schrecken der modernen Seeschlacht furchtbarste Wirklichkeit geworden. In dieser Schlacht kämpfen Schiffe, kämpfen Maschinen gegeneinander. Die Menschen sind nur hilflose Bestandteile der Maschinen, Gewürm im Leib der eisernen Riesen. Kein Mann weiß, was draußen vorgöht. Es ist glühendheiß in den Türmen, Kammern, vor den Kesseln. Durst quält und Pulverdampf beizt die Schleimhäute. Die Nerven sind zum Reißen gespannt, in den Eingeweiden wühlt die Erregung der bangen Stunde. Wird das Schiff getroffen, dröhnen die stählernen Wände, dann spüren die tausend Menschen eS. Manchmal fangen sie einen Wortfetzen auf, den die Beobachter dmchgeben, hören, wie eS draußen steht. Aber sonst sehen sie— wenigstens auf den großen Schiffen— nichts. In ihren stählernen Gräbern erfüllen sie den Dienst an der Mordmaschine: Laden, Richten, Feuern, Laden, Richten, Feuern... Wird ein Turm gettoffen, wie auf der„Seydlitz", so brennt er in riesiger, 100 Meter höher Sttchflamme im Bruchteil einer Sekunde auS. Die 80 Mann in seinem Innern sterben einen entsetzlichen und in aller Grauenhaftigkeit Nr. 128 Sonntag, 31. Mai 1936 Seite 5 zialismus revolutionär, so wurde doch seine tägliche Praxis in der langen Friedensperiode notgedrungen auf den Kampf um gesetzliche Waffen, auf den Kampf mit gesetzlichen Mitteln, auf den Kampf um Reformen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft beschränkt". Der theoretische Hauptrepräsentant dieser Richtung war Kautsky. Auf der Basis des Faschismus ist nun ein neuer revolutionärer Sozialismus entstanden. Verschieden nach dem gesellschaftlichen und politischen Sein der Arbeiterklasse entwickelt sich ein verschiedenes sozialistisches Bewußtsein, vor allem die zloei er- - wähnten Richtungen des Sozialismus. Sie zu vereinigen ist Bauers Ziel und er versucht die gemeinsame ideologische Grundlage beider Flügel im Sozialismus zu skizzieren. Er geht dabei von einer Untersuchung der Verschiedenheit der russi-> scheu Revolution von 1917 und der deutschen Revolution von 1918 aus— ein« der glänzendsten Partien des ganzen Buches, woraus er die Ursachen der Spaltung der Arbeiterbewegung destilliert und damit die Möglichkeiten ihrer Wiedervereinigung zu kennzeilbnen. Indem er die Lebensberechtigung beider Richtungen anerkennt, sucht er die höhere Synthese, in welcher sich die Gegensätze auflösen. Bauer ist kein bloßer Ideologe und er weiß, daß eine solche Bereinigung nur unter bestimmten geschichtlichen Umständen eintreten kann und als eine solche Möglichkeit erscheint ihm ein zweiter Weltkrieg, den er für wahrscheinlich hält. Sind Krieg und Faschismus unvermeidlich? So bleibt am Ende dieser glänzenden Analyse der Entwicklung der Nachkriegszeit die Frage offen, ob der Krieg unvermeidlich ist und ob wir ihm nicht entrinnen können.. ommt«in / neuer Weltkrieg, dann hält Bauer die geschichtlichen Bedingungen einer Wiedervereinigung von Sozialdemokratie und Bolschewismus für ebenso gegeben wie für die soziale Revolution, d. h. die Umwandlung des Kapitalismus in den Sozialismus.„Hat der letzte große Krieg das Weltproletariat gespalten, so muß ein neuer Weltkrieg es einigen und dantit den integralen Sozialismus verwirklichen." Ist es eine tröstliche Aussicht für uns, daß die Wiedervereinigung des gespaltenen Proletariats nur im Gefolge eines neuen Völkermordes erfolgen kann, der die ganze.Kulturwelt, also auch die Arbeiterbewegung mit Vernichtung bedroht und vor allem, ist es wahr, daß der Krieg unvermeidlich ist? In dieser Erwägung scheint ein Stück Fatalismus zu stecken, ebenso wie in der Darlegung, daß in Italien, Deutschland und Oesterreich alles so kommen mußte, wie eS ge- kommen ist. Das sagt Bauer wohl mehr nach Oesterreich— jene Sozialisten, die in demokratischen Ländern leben,., werdest sich zu einer derartigen Anschauung schwer bekennen. Sie werden weiter alle ihre Kräfte einsetzen müssen, um den Faschismus ebenso zu verhindern, wie den Krieg, aber sie werden die Massen zu diesem Kanipf nur aufrufen können, wenn sie an die Vermeidbarkeit einer zweiten Weltkriegskatastrophe, die alles hinter sich lassen würde, was die Menschheit in einem Kriege erlebt hat, glauben. Die Menschen machen ihre Geschichte unter bestimmten von ihnen vorgefundenen Umständen, aber sie machen sie.„Die Menschen machen ihre Geschichte, wie diese auch immer ausfalle, indem jeder seine eigenen, bewußt gewollten Zwecke verfolgt, und die Resultate dieser vielen in verschiedenen Richtungen agierenden Willen und ihrer mannigfachen Einwirkung auf die Außenwelt ist eben die Geschichte. E s kommt also auch Darauf an. was die vielen einzelnen wollen".(Friedrich Engels.) E. St. Ausgießung des Friedensgeistes Helfet alle! lieber den bisherigen Erlolg der Brief» markenaktion zugunsten bedürftiger Kinder geht uns von Dr. Karel Capek folgender" Bericht zu: Die tschechoslowakischen Briefmarken mit dein Familienbild von Manes, welche zugunsten bedürftiger Kinder herausgegeben wurden, find nur noch im Juni erhältlich. In der ersten Mai- Hälfte war der Verkauf dieser Marken befriedigend, doch bleiben manche Städte mit dem Der- brauche dieser Wohlfahrtsbriefmarken hinter den anderen auffallend zurück. Die Endabrechnung wird in dieser Hinsicht sehr interessante Schlüsse bringen. Es bleibt noch der ganze Juni für den Ab: Herkauf dieser Marken zugunsten der Kinder. Diese Marken werden für den Sammler eine immer wertvollere Sache werden. Im Juni ist es noch möglich, zu den Hunderttausenden, welche durch die bereits verkauften Wohlfahrtsbrief, marken für die Ernährung der hungernden Kinder in unserer Republik schon gewonnen wurden, noch einige Hunderttausendc Kronen hereinzu- bringen. Nützet alle diese bequeme und praktische Gelegenheit aus, um eure menschliche und bür- gerliche Pflicht der bedrohten Generation gegenüber zu erfüllen I Vergesset nicht, hauptsächlich für den Auslandsverkehr diese Marken zu benützen; dadurch erfteuen Sie die ausländischen Sammler und heben den Verkauf der Zwei-Kro- nen-Marken, welche in der Erwartung heraus- gegeben wurden, daß die großen, mit dem Auslande korrespondierenden Unternehmen für diese Marke ein größeres Interesse haben werden. Die Marken mit dem Manesbild sind bei allen Post- änsiern erhältlich, so wie auch in allen Trafikm, welche der Nachfrage ihrer Abnehmer entgegenkommen; verlanget diese Marken überall, damft auch die säumigen Verkäufer dazu bewegt werden, sich'mit diesen Marken einzudecken. Helfet alle, damit der Juni das gifte Werk krönt, welches unserer Post und den Postlern für ihre Initiative und entgegenkommende Arbest die gebührende Ehre und unseren ärmsten Kindern für die Ernährung im kommenden schweren Winter den höchst notwendigen Millionenbetrag einbringen soll. Es wird uns allen zur Ehre gereichen, wenn wir uns womöglichst der Grenze von zwei Millonen nähern. Dies soll nach dein günstigen Mai der reiche Juni erfüllen. Noch sechs Thaya-Opfer gefunden. Am Samstag morgens wurden bei Neumühl unter dem Wehr an einer Stelle mit den stärksten Wirbeln die Leichen zweier Mädchen und unweit der Gemeinde Pulgram die Leiche eines Mädchens aus der Thaya geborgen. Die Agnoszierung gestaltet sich wegen der weit, vorgeschrittenen Verwesung sehr schwierig. Bisher wurden nebst dem Kutscher Beleih 14 Opfer des Unglücks vom vergangenen Dienstag aus der Thalia geborgen. Am Nachmittag wurde bei dem Wehr in Neumühl die Leiche der Anezka Nenickovä geborgen und um halb 18 Uhr wurde gemeldet, daß bei Neudek und Pulgram zwei weitere Kinder geborgen wurden, deren Identität bisher nicht festgestellt werden konnte. Insgesamt wurden demnach am Samstag sechs Kinder aus dem Wasser gezogen. Ein Blitz schlägt in eine Gruppe von Arbeiterinnen ein. Donnerstag abends kehrte eine Gruppe von sieben Feldarbeiterinnen aus den Feldern bei Grandorf unweit von Mährisch- Trübau heim. Die Frauen beschleunigten ihre Schritte, da ein Gelvittcr im Anzug war. Hinter der Gruppe der Frauen fuhr ein Knecht auf einem mit einem Pferde vorgespannten Wagen. Die Arbeiterinnen gelangten bis in die Nähe von Grandorf, als während des niedergehenden starren Regens plötzlich ein Blitz mitten in die Gruppe ein- j schlug, der alle betäubte; die Dienstmagd Martha Freidsleber war auf der Stelle tot. Auch das Pferd wurde durch den Blitz betäubt. Die übrigen Arbeiterinnen, die sich bald von ihrer Ohnmacht erholten, blieben unversehrt. Der Mörder von Raudnitz, Siepäuck, hat nach einem langen Kreuzverhör Donnerstag das Geständnis abgelegt, daß er auch den sechsjährigen Schüler BroZovskh getötet und im Garten seines Hauses vergraben hat. Letzter Appell! Daß das Minrsterium des Innern der Vereinigung zur Unterstützung deutscher Emigranten, Prag XII., Rim- skä 21, eine öffentliche Sammlung zugunsten der deutschen Flüchtlinge genehmigt hat, ist bekannt. An dieser Sammelaktion haben'sich sämtliche Prager Flüchtlings-Hilfskomitees, unabhängig von ihrer parteipolitischen oder religiösen Einstellung, beteiligt. Die zur Zeit in Deutschland herrschenden Umstände zwingen immer wieder aufrechte Menschen zur Flucht, Ivenn sie ihr Leben oder ihre Freiheit retten wollen. Diese Flüchtlinge, die in unserem Lande Unterkunft gefunden haben, leben in unvorstellbar dürftigen Verhältnissen. Um zu einer konstruktiven Lösung des Emigrationsproblems beizutragen, sind die Komitees bemüht, der ungeheuren Not der Flüchtlinge zu steuern. Dazu sind erhebliche Geldmittel erforderlich, zu deren Aufbringung die oben erwähnte Sammlung beitragen soll. Da diese Sammelaktion ihrem Ende entgegengcht, werden alle Kreise der tschechoslovakischen Bevölkerung herzlichst gebeten, die Sammlung noch tatkräftig zu unterstützen. Die Ergebnisse der Aktion werden vom Komitee National, der Dachorganisationen aller PragerHilfskomitees, kontrlo- liert. Das Soziale Institut der Jüdischen Kultusgemeinde hat sich der Sammlung ebenfalls angeschlossen. Der„Geist" des Hitlcrsystcms.(AP.) Den Umfang des Konsums von Schnaps kann man ohne weiteres in Beziehung bringen zu dem kulturellen Niveau eines Landes. In Deutschland war der Schnapsverbrauch seit Jahrzehnten im Sinken. So ging er von 2,80 Liter per Kopf im Jahre 1912 auf 0.76 im Jahre 1929 und auf 0.61 im Jahre 1932 zurück. Seit dem Anbruch des Dritten Reiches weist der Schnapsverbrauch jedoch plötzlich eine Steigerung auf. Er stieg von 400.000 Hektoliter im Jahre 1938 aus 441.000 Hektoliter im Jahre 1934, und auf 491.0 0 0 Hektoliter im Jahre 1 9 3 8. Das ist eine Steigerung von 22.8 Prozent. Der Bericht der Reichsmonopolverwaltung nennt sie zwar etwas kleinlaut„nur geringfügig", und es wird sogar von„Konjunk- t u r a u ff ch w u n g" gesprochen. Die zivili- sierte Welt macht sich jedoch über diese Erscheinung ihre Gedanken. Beim„Fensterln" erschossen. In der Gemeinde Oberwölviing bei St. Pölten wurde am Freitag der 26jährige Arbeiter Anton Strasser beim„Fensterln" vom Vater desMäd- , ch e n s, dem Landwirt Anton Haberkar überrascht, der auf Straffer zwei Gewehres ch ü s s e abgab. Straffer fiel schwer verletzt von der Leiter. Habekar ließ den Liebhaber seiner Tochter liegen und ging schlafen. Bis früh verblutete Strasser. Habekar wurde verhaftet. DaS Pfingstwettrr. Wettervoraussage für heute: Andauern des unsicheren Witter»ngscharaklers, stärker« lokale Wetterunterschiede, strichweise Gewitter" oder Schauer, mäßig warm.— Wetteraussichtcn für Pfingstmontag: Vom Nordwesten her allmähliche Abkühlung, veränderlich, stellenweise Regen., Vom Rundfunk taetohlMtwartM m du ProsrinM» schnellen Tod: Als fetter Ruß steigen sie flockig zum Himmel, bilden schwarze Wölkchen, fallen langsam auf das granatengepcitschte Meer. 'Die Deutschen schießen besser. Sie haben bessere Zielvorrichtungen. Sie stehen auch so, daß ihre Konturen im schrägen Licht der Nachmittagssonne flimmernd verschwinden, während sich die Briten in scharfen Silhouetten gegen den westlichen Himmel abzeichnen. Die Deutschen haben die besseren Panzer— dafür find sie langsamer als die Briten— und die deutschen Granaten reißen tiefere Wunden, weil sie, mit präzisen Verzögerungszündern versehen, erst nach dem Einschlag explodieren und die britischen Panzer in Fetzen reißen. So kommen die Schiffe HipperS mit ihren 16.000 Kg. Eisen, die sie mit jeder„Bveitseite" verfeuern, gegen die 25.000 Kg. der Engländer aus. Um 1 Uhr 13 trifft eine Salve des„von der Tann" die.Zndefatigable". Sie verwandelt sich in«inen feuerspeienden Krater und versinkt in den Fluten,„ßton" ist schwer ge- tiosscn und Beatty muß da- Schiff wechseln. Nach einer Hachen Stunde Kampf jagen die Admirale die Torpedoboote vor. Auf beiden Seiten blechen welch« auf der Strecke, von den großen Schiffen wird keines getroffen. 'Run erhält BeattN Enffatz. Die vier Schiffe der mächtigen.„Oueen Elizabeth"-Klasse unter Sir Evan Thomas greifen ein. Aber Hipper hält durch, weil er hofft, die Briten an die' Hochseeflotte heranzuziehen. Wenig später muß Beatty mechen: „Oueen Mary" ist aufgeflogen. Und nun donnern aus Süden die Rohre des Ersten Schlachffchiff- geschwaders der Hochseeftotte. Scheer ist da. Beatty dreht ab. Thomas deckt ihn und da- Geschwader de- Adnirals Hood ist nun auch zur Stelle. Scheer stür nt mit ganzer Kraft hinter den Briten her; ohn» nach dem Feind viel zu fragen, rennen die 21 Stahlriesen der Hochseeflotte, was die Kessel hergeben, nach Nordosten. Da blitzt es plötzlich nicht nur im Norden auf, da scheint mit einemmal die Hölle selbst ihren Rachen meilenweit aufgetan zu haben. In gewaltigem Bogen spannen sich die 25 Ungeheuer der Grand fleet, dazu Beatty, Hood, Thomas, drei Dutzend Festungen gegen Scheers und Hippers 26 Schlacht-Einheiten, von Nordwesten nach Osten und Südosten. Und in den Rachen mitten hinein läuft die Hochseeflotte. Als Scheer die Gefahr erkennt, läßt er in Kiellienie wenden. So entgeht er der Vernichtung. Doch kaum vom Feind gelöst, dreht er wieder und rennt noch einmal los. Bis heute hat niemand ergründet, was er damit wollte, und er selbst begnügte sich mit der Erklärung, er habe sich dabei nichts gedacht, der Admiralstab werde schon den Sinn des Manövers nachher herausfinden. Zwar schießen die Deutschen HoodS Schiffe jämmerlich zusammen, aber < den 194.000 Kg. Eisen der britischen Sawen sind sie mit ihren 77.000 Kg. doch nicht gewachsen. Scheer muß wieder zurück. Um sich lösen zu können, jagt er nochmals Hippers zerfetzte Kreuzer vor. Um 8 Uhr 13 Min. signalisiert er:„Panzerkreuzer, ran an den Feind, voll einsetzen!" Die Schlachtkreuzer, die eigeistlichen Kämpfer des„Tages", rennen mit letzter Kraft los.„Lützow" wird tödlich verwundet. Im Hagelschlag der Granaten fährt Hipper mit seinem Boot von Schiff zu Schiff, sucht, wo er seine Flagge hissen könnte. Es gelingt den Deuffchen, sich im anbrechenden Dunkel der Nacht, bei einsetzendem Regen, aus der stählern-feurigen Umarmung der Grand fleet zu ziehen. Die Nacht hindurch marschieren beide Flotten hintereinander her. die Engländer, um am Eingang der deuffchen Minenfelder den Feind zu erwarten, die Deuffchen als zweite Staffel und langsam nach Osten ausbiegend, gegen HornSriff. So verfehlen sie einander und am 1. Juni laufen beide Flotten wieder ihre Häfen an. In der Nacht aber hatten beide, vor allem die Deuffchen, die in der StAacht nur ein Schiff gänzlich verloren hatten, den kleinen Kreuzer „Wiesbaden", Verluste durch Minen, Zusammenstöße, Torpedos, durch Verwechslungen, bei denen die eigenen Schiffe einander beschossen. Beide Teile schrieben sich den Sieg zu. Die Engländer hatten mit rund 130.000 Tonnen und mehr als 6000 Toten gegen 61.000 Tonnen und 2551 Toten der Deuffchen den größeren Verlust. Die Deuffchen hatten sich artilleristisch überlegen gezeigt, im Kreuzergefecht waren sie eindeutig die Sieger. Ihr Material war besser und sie hatten nach Seemannsrecht Anspruch auf den Sieg, weil sie Gefangene gemacht und die Toten aufgefischt hatten. Aber andererseits wehte der„Union Jack" morgens drohend vor, der Deuffchen Bucht und nur die Nacht und der Rückzug hatten Scheer- Schiffe vor dem Schwersten bewahrt. So hat wohl Churchill recht, wenn er von einem unentschiedenen Treffen spricht. Man hatte die Schlacht auf keiner Seite durchgefochten, sich angesichts der rasenden Vernichtung wohl nicht des Wertes der Menschenleben, aber des Wertes der teuren Schiffe erinnert und blick wieder in den Häsen, der Fernblockade, dem U-Boot die Entscheidung überlassend. Hunger ist eine Waffe, gefährlicher noch als Hunderte Feuerschlünde. Und heute, nach 2 0 I ah r e n? Man baut allerorten wieder Schiffe, größer, mörderischer, teurer als die Stahlriesen vom Skagerak. Und man ist wieder bereit, für die„Eh« der Flagge" zu stecken, man stößt wieder mit Champagner an auf den„Tag" und bedenkt nicht, daß sich der so geschenkte Wein in ein Meer von Blut verwandelt.., E. Franzel, Montag: Prag, Sender L: 7: Konzert aus Karlsbad, 8.30: Orgelkonzert, 10: Balalaika-Orchester, 13.45: aus der„Verkauften Braut", 16: Saxophonsolo, 17.35: Deutsche Sendung:„Die Pfingstorgel" bayrische Moritat, 18.50: Deutsche Presse, 19.30: Uebertragüng aus dem Nationaltheater: Teufel und Henker, von Dvokäk, 22.20: Deutsche Sportnachrichten, 23: Tanzmusik. Sender S: 14,30: Deuffche Sendung: Bunte Musik im Frühling.— Brünn 11: Konzert, 17.50: Deutsch« Sendung: Dr. Festa: Raffe und Kultur. 19.05: Balalaikachor russischer Hochschüler. 20.80: Salontrio.— Preßburg 19.05: Bunte Musik— Kascha« 12.15: Rundfunkorchesterkonzert, 19.05: Klavierkonzert.— Mährisch-Ostrau 18.10: Deutsche Sendung: Kunschke: Bon berühmten Sängern. Dienstag: Prag, Sender L: 10.05: Deuffche Presse, 10.50: Pollakovä: Arbeit der Frauen aus Palästina, 12.10: Opernszenen, 12.35: Salönorchesterkonzert, 15: Lickerkonzert, 15.30: Beethoven: Sinfonie 1 C-Dur, 17.20: Klavierkonzert, 18.10: Deuffche Sendung: Reportage vom Bundesturnfest in Eger^ 18.45: Deuffche Presse, 20.80: Frauenchöre. Sender S: 7.30: Populäres Konzert, 14.15: Deuffche Sendung: Johann Strauß-Musik, 18: Militärkonzert. — Brünn 17: Kinderstunde, 17.40: Deutsche Sendung: Arbeitrrfunk: Sozialinformationen, Nießner: Temokratie und Reklame.— Kascha« 20.55: Unterhaltungsmusik,— Mährisch-Ostrau 16.10: Nachmittagskonzert, 17.85: Sains-Säens: Sonate G- Dur. Bon der Prager deutschen Sendung. Montag, den 1. Juni, wird in den deuffchen Nachrichten, 22.40, die neue Staat-verteidigung-anleihe ausführlich besprochen.— In den Sommermonaten vom 7. Juni an bringt die Prager deutsche Sendung als Neueinführung allwöchentlich eine Funkwochenschau, die analog den tönenden Filmwochenschauen über Aktualitäten berichtet. eite 6 5kr. 128 Sonntag, 31. Mai 1936 Trager Adtang vss fest cles Leistes * Dritten im Winter, da alles nach innen sich wendet und jeder dem bergenden Raume, dem Kreis der Familie sich zuneigt, feiert die nach dem christlichen Kalender lebende Welt das Fest der Kinder und der Liebe. In der schönsten Zeit des wahres, auf der. Höhe des Frühlings und schon der Schwelle des Sommers nahe feiert sie Pfingsten, das Fest des Bekennens und des Geistes. Immer kvieder begibt sich von neuem die Pfingstlegende in der Welt: Geister werden von der Erkenntnis erweckt und finden Worte der Verkündung.„Und sie redeten in allen Zungen"— mit diesen Worten hebt die Pfingsterzählung die Legende von der babylonischen Sprachenverwirrung, das Gleichnis für die Entfremdung der Völker auf und si tzt an ihre Stelle die Verkündung der Idee, die von allen vernommen wird. Lesen wir beute den alten Text, so mutet er uns so zeitgemäß an, als umschriebe er dichterisch das noch immer nicht erfüllte Streben, die Völker der Erde durch die verbindende Kraft der Idee einander zu nähern und im gemeinsamen Bunde zusainmenzuschließen. Was vor fast zwei Jahrtausenden in Galiläa als Verkündigung erklang, ist noch immer die Bemühung der besten Geister der Menschheit, und noch immer muß die Idee von Genf um die Erfüllung der Verheißung von Galiläa kämpfen. Und auch das begibt sich noch nutz immer wieder don neuem: daß Menschen um des Geizes willen verfolgt und verfemt, gemartert und getöret werden. Alle Schrecken, die in der Zeit der Christenverfolgungen, in blutigen Religionskriegen, in den Folterkammern der Inquisition verübt wurden, waren Verfolgungen der Idee und des Geistes in religiöser Verkleidung. Und was in der Gegenwart vor unserem Augen sich begibt, alle Schrecken dec Judenverfolgungen,' alle Schandtaten des Rafsen- tyahns, alle Brutalitäten des politischen Terrors entspringen im letzten Grunde- noch immer der gleichen uralten Feindschaft—- es ist noch immer der nie abgebrochene Kampf der rohen Gewalt, der Barbarei gegen die gestaltende Kraft der Idee, es ist der Kampf der Finsternis gegen das Licht des Geistes. Und immer von neuem mutz der Geist gegen seine Widersacher aufstehen. Er kann zeitweilig der bruralen Gewalt unterliegen. Aber er kann nicht für immer erschlagen und vernichtet werden. Immer wieder stehen die Verkünder auf. Tas ist der Sinn der Pfingstlegende, der uns angeht. Und wenn rings in der Welt die Finsrer- nis das Licht bedroht, wenn dumpfe Barbarei den Geist verfolgt, so feiern wir trotz allem in ungebrochener Zuversicht Pfingsten als das Fest des Geistes, der unüberwindlich ist, solange noch ein Streiter die entrissene Fackel aufhebt und sie von nüuem der Zest enrgegenirägt. Deutsche Privatvolksschule in Prag XIX. Mit Beginn Pes' Schuljahres 1936/37 wird die' III. Schulklasse eröffnet werden. An die deutschen Eltern in Prag XIX ergeht das dringliche Ersuchen, bereits jetzt ihre Kinder für den Besuch anzumelden, damit die Schulleitung be-! reits jetzt einen Ueberblick für' den Betrieb im i nächsten Jahre gewinne. Der schulerhaltende! Verein bemüht sich, der Schule ein hervorragendes i Niveau auch im kommenden Schuljahre zu sichern. Anmeldungen und Informationen bei der Schulleitung in Prag XIX., Wintrova 22. Räuber verhaftet. Am Freitag wurde der 27jährige Jaroslav Vacek, ein arbeitsloser Fleischer aus Straschnitz, verhaftet. Er hatte in der Nacht auf den 25. Mai den Druckereiarbeiter Josef I a n o t a aus Pankratz auf dem Heimweg überfallen, gewürgt und ihm seine golden« Uhr mit Kette im Werte von 1500 XL gestohlen. Die Uhr hatte er noch in der gleichen Nacht verkauft. Es gelang, sie zu finden und dem Eigentümer zurückzustellen. Vacek, der Gewohnheitsverbrecher ist, wurde nach Pankratz eingeliefert, Spielhölle im Cafe Rokoko. Das Cafe Rokoko am Wenzelsplatz, das, seit einiger Zeit im Besitz eines neuen Pächters namens Jaroslaus K u d e j ist, dient seit eben dieser Zeit Hasardspielern zum Treffpunkt. Da Kudöj mehrfache. Verwarnungen der Polizei unbeachtet ließ, wurde in der Nacht auf Freitag, eine Razzia bei ihm. durchgxführt. Hiebei wurden etwa 30 Spieler ertappt, die„Gottes Segen Jean Harlow mit Clark Gable in„Ter Mann, den ich will". bei Kohn" spielten. Sie wurden zur Ausweisleistung verhalten, der Bankhalter, der 34jährige Karl Scholz aus Smichow und der 28jährige Jaroslaus S a t r a n aus Straschnitz verhaftet. Beide find als gewerbsmäßige Spieler bekannt. 400 XL, die sich in der Bank befanden, wurden beschlagnahmt. Gegen KudLj wurde die Anzeige beim Prager Magistrat erstattet. Diebstähle und Einbrüche. In der Nacht auf Freitag drang ein unbekannter Täter in die Kanzlei der landwirtschaftlichen Genoffenschaft in der Brenntegaffe ein und entwendete eine Schreibmaschine der Marke„Underwood" im Werte von 1500 XL.— Ein ebenfalls unbekannter Täter entwendete Freitag vormittags einen Radioempfänger „Philips" im Werte von 2000 XL aus einem Auto. — In der Mlehradskä 89 drang ein unbekannter Faffadenkletterer über die Terraffe in ein« Wohnung ein und entwendete einen Damenpelz im Werte von 4000 XL. Geschirr für 6000 XL zerschlage«. Der 22jäh- rige Chauffeur Franz H r e b i k aus Koschirsch stieß am Freitag in der Pilsner Stratze in Koschirsch, als er gerade einen Straßerchahnwagen überholen wollte, gegen ein mit Steinen beladenes Gefährt. Der Zusammenstoß war fo heftig, daß Wagen und Pferde einige Schritte weit auf den Gehsteig. geworfen wurden. Doch auch das Auw fuhr etwa zehn Schritte weit auf den Gehsteig, zertrümmerte das vor dem Geschäft des Glasers Franz Kovanda aus-. HANrGOlLNEB.ASCH VB.- SEHF-.Ol-U.TEIOWAREN-MBRIK E1£ R- >^iptjjJx^TEIGWAREN gestellte Geschirr und fuhr weiter in die Auslage, die zertrümmert wurde. Eines der Zugpferde wurde ebenfalls verletzt. Der Glaser behauptet,«inen Schaden von 6000 XL erlitten zu haben. Das Strafverfahren wurde eingeleitet. Ueberfahren. Der 51jährige Schlaffer Bohumil Kunst« aus Nusle wurde Freitag zwischen Museum und Wilsonbahnhof vom Auto des Chauffeurs Wenzel Petr erfaßt, wobei er einen Bruch zweier Rippen, des Schlüsselbeins und des linken Ellenbogens erlitt. Er wurde auf die Klinik Jiräsek gebracht. Dem Chauffeur wurde der Führerschein entzogen. Die Gattin sterbend gefunden. Der Bauaffistent Böhm fand am Freitag bei der Rückkehr in seine Wohnung in Straschnitz seine 39jährige Frau Antonie ohnmächtig am Boden liegend. Es handelt sich, wie festgestellt wurde, um" eine Vergiftung durch Kanalgase, di« durch das Gitter in das Vorzimmer der Böhm'schen Wohnung eindrangen. Frau Böhm wurde ins Weinberger Krgykenhaus gebracht. Flugverbindung nach den weftböhmischnl Bädern. Ab 1. Juni verkehren zweimal täglich Flugzeuge. der staatlichen Aerolinie von Prag nach den westböhmischen Bädern und zurück. Abflug Prag 11.30 und 16.10, an Karlsbad 12.15 und 16.55. ab Karlsbad 12.25 und 17.05, an Marienbad 12.50 und 17.20. Abflug Marienbad 7.35 und 12.10. an Karlsbad 7.50 und 12.25. ab Karlsbad 8.00 und 12.35, an Prag 8.45 und 13.20. Wochenend-Auwbuffe nach Karlsbad. Die Prager Staatshahlidirektwn veranstaltet.,in der Kursaison Fahrten mit Autobuskars von Prag nach Karlsbad zu dem verbilligten Rückfahrtpreis von 55 XL. Abfahrt von Prag Näm. Republiky Samstag um 14.15, Rückfahrt von Karlsbad, Becherplatz Sonntag um 18.30. Der erste Auwkar geht von Prag am 6. Juni weg, der letzte am 12. September. Fahrkarten sind nur im Vorverkauf im Cedok, Prag, Hybernergaffe, erhältlich. Sollten sich im Vorverkauf nicht so viel Teilnehmer melden, daß ein eigener Autobus beigestellt werden kann, können die angemeldeten Teilnehmer ohne Aufzahlung die regelmäßige Autobusvevbindung Nr. 4(Samstag) und Nr. 3(Sonntag) der staatlichen Autobusstrecke Karlsbad—Prag benützen. Bäder-Aufenthalte für Einzelpersonen, welche zu beliebigem Zeitpunkt angetreten werden können und beliebig lkdig bemessen werden können, sind eine Neuheit der Reisekanzlei der tschechoslowakischen Staatsbahnen und der Staatsbäder. Es sind vorläufig folgende 14tägige Bäderaufenthalte vorbereitet, die verlängert werden können: in Bad Lubochna für 650 XL, in Joachimsthal für 808 XL, in Marienbad für 850 XL, in Karlsbad für 800 XL. In diesen Preisen ist die Schnellzugsfahrt ab Prag, die Kurtaxe, das Logis, die volle Verpflegung und Trinkgelder eingerechnet. Anmeldungen mit Anzahlung werden im Basar neben Wilsonbahnhof, Telephon Nr. 383-35, entgegengenommen. Aunst unck Mssen- Line Wildwest-Tragikomödie Robert Emmet Sherwood- Ter versteinerte Wald. Erswufführung am 29. Mai im Weinberger -Stadttheater. Der Amerikaner Sherwood, dessen Kriegsspiel:„Londoner Brücke" und ein anttkes Stück:„Hannibal ante portas" bereits über die tschechischem Bühnen ging, wählte zu seinem letzten Stück das amerikanische Krisen- und Gangsterleben. Er firjft uns in die vereinsamte Benzinstation mit Büffet in der Wüste Arizonas, wo ein tapferer Trainsoldat des Weltkrieges, jetzt im Verein ausgedienter Soldaten, mit seinem alten verschmitzten und durchgetriebenen Vater(eine komische Figur des Pioniers im wilden Westen) und einer Tochter aus seiner Kriegsehe mit einer— bereits davongelaufenen— Französin, Benzin und alle Tage Hackfleisch an die vorbeifahrenden Automohilisten verkauft. Dahin verirrt sich der ziellos ttampierende Schriftsteller Alan Squier, der des Mädchens'Leidenschaft und Sehnsucht nach dem Frankreich ihrer Träum«! weckt. Das Auto, das ihn ein Stück seines planlosen Weges mitnimmt, wird von der flüchtenden Gang- sterbande Duke Mantees angehalten, die die Benzinstatton besetzt, alle mit Revowern in Schach haltend. Einen langen Abend wartet Mantee auf den zweiten Teil seiner Bande, in dem sich auch seine Geliebte befindet, um eMich zu hören, daß seine Leute gefangen und seine Spur von seiner Geliebten ver-i raten wurde. Es gelingt ihnen nach einem scharfen Gefecht zu fliehen.— In der Benzinstation bleibt ein Toter— der Schriftsteller, den Mantee auf seinen Wunsch erschoß, damit die einzige Habe des Romantikers, eine Versicherung, dem Mädchen die ersehnte Reise nach Frankreich bezahll.— Das von Grund aus durch die Krise geänderte Leben Amerikas zieht vor unseren Augen vorbei— die jungen Leute, die sehnsüchttg nach Rußland blicken, die brutale Macht der Behörden gegen die brutale Gewalt der Unterwelt, das ziel- und planlose Wandern der arbeitslosen Menschen auf den meilenlangen Straßen Amerikas— und daneben die blaue Blume der Romanttk.— Das Stück, hauptsächlich im ersten Akte, feffelte durch das ungewohnte Millieu und Ver- hältnisse, der zweite Akt vermochte- keine Steigerung zu bringen. Bon den Mitwirkerchen wäre u. a. H. Marek als der geschwätzige alte Maple zu erwähnen. Die Hauptrollen der Gaby Maple und Alan Squire hatten F. Glaserovä und Herr Kreuzmann inne. m. i. PaffivnSspirle Hörig i. Böhmerwald. Alleiniger Kartenvorverkauf Prag H., Jungmannova 14a, Tel. 280—62. Sonderzug 6. Juni, Fahrt mit Logis und Verpflegung 125 XL. Anmeldungen dortselbst. 1494 Wvchrnspirlpkan des Reuen Deutschen Theaters. Sonntag halb 8: DieDubarry, C 2.— Montag halb 7: Die Walküre, Festspiel« IV, A 2.— Dienstag halb 8: Iuristen, Erstaufführung, AI.— Mittwoch halb 7: S i e g f r i-e d, Festspiele V, B 2.— Donnerstag halb 8: Jurist e n, C 2.— Freitag halb 8:FraDiavolo. D 2.— Samstag halb 8:' Glückmußman h a b e n, A 2.— Sonntag 6: Die Götterdämmerung, Festspiele VI, D 2. Wachenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag 8: Salzburg ausverkauft.— Montag 8: Salzburgausverkauft,— Dienstag 8%: Eine Fr a u o h n e B e d e u- t u n g, Bankbeamte l und freier Verkauf,— Mittwoch 8: Menschen auf der Eisscholle. Donnerstag 8s^:Eine Frau ohne Bedeutung.— Freitag 8: Salzburg ausverkauft.— Samstag 8: EineFrau ohne B e.d e u t u n g.— Sonntag 8: S a l z b u r g ausverkauft. Der Dknr Der Mann, de» ich will. Nach einer Erzählung von Anita Loos, einer erfolgreichen, aber nicht zu verachtenden amerikanischen Unterhattungsschrift- srellerin, har der Hollytpyod-Regiffeur^ Sqm Wood ' einen Mlm gedkLyt, der äuch seinersei» mchr zu verachten ist: denn er ist intereffant vom Anfang bis zum Ende, und wenn er auch in ein gewaltsam herbeigeführtes happy end ausmündet, Unwahrscheinlichkeiten nicht scheut und rohe Witze ebensowenig wie betonte Sentimentalitäten vermeidet, so steckt in ihm doch so viel Wirklichkeit und Besonderheit, dgß er sehenswert ist.— Der Film spielt— und schon das ist ein Abweichen von der langweiligen Konvention — nicht in der salonfähgen Gesellschaft, sondern einige Etagen tiefer: der Held gehört der„Unterwelt" und die Heldin der„Halbwelt" an. sie lernen sich kennen, als er vor der Polizei, die ihn wegen eines Gaunerstreichs sucht, in ihrer Wohnung Zuflucht findet. Sie lernen■ sich— ohne viel schöne Worte— lieben, sie wird um seinetwillen eingesperrt, als er um ihretwillen einen Totschlag begangen hat, und fie bleibt ihm treu, obgleich sie in der Besserungsanstalt von einer anderen Freundin des Geliebten verhöhnt wird und frei werden könnte, wenn sie den Heiratsantrag eines Verehrers in gesicherter Position annähme.— Wenn man von dem romantischen Ende absieht, das mit einer heimlichen Trauung im Gefängnis, mit viel Versöhnunysttänen und einem unzulänglich motivierten glücklichen Wiedersehen zuviel des Unglaublichen bringt, so ist diese Liebesgeschichte ernster und ehrlicher als die meisten, di« wir im Film zu sehen bekommen. Hier gibt es 'keine schmachtenden Duette und. goldigen Scherze, hier sprechen die Leute so rauh, wie sie in den Vorstädten von New Uork tatsächlich r-den dürften, hier werden aus zweifelhaften Figuren kttne Heiligen gemacht, hier muß jedes Abenteuer mit der Freiheit bezahlt werden, aber hier wird gezeigt, daß auch Gescheiterte einen Charakter haben, der sich gegen alle Maßnahmen eines ahnungslosen frommen Besserungstriebes entwickelt. Der Film ist eine, zwar nicht tiefgründige und entschiedene, aber doch klare Parteinahme für die Menschen auf der Schattenseite des bürgerlichen Lebens.— Die beiden Hauptrollen werden ausgezeichnet gespielt. Daß Clark G a b.l e ein trefflicher Darsteller unkonventtoneller Männertypen ist, weiß man, und es lü sie sich für ihn keine bessere Partnerin denken, als die kaltschnäuzige, mit ordinärer Natürlichkeit begabte Jean H a r l o w, die hier auch in den Szenen, in denen sie Seelisches veranschaulicht, handgreiflich echt bleilt.—eis— Don anwellen. Ein Wiener Lustspiel) das. alte und eigentlich abgenützte Motive in so geschmackvoller und- liebenswürdiger Art verarbeitet, daß sie durchaus ansprechend und überraschend wirken. Freilich, gut« Schauspieler machen die kleine Geschichte lebendig, daß«in junger Chef, bevor er den Bettieb übernimmt, unerkannt von den anderen sein eigener kleiner Angestellter wird und nun die Fehler des Betriebes, aber auch das Herz einer netten Zeichnerin entdeckt. Bor allem sieht man HugöThimig, den älteste^, aber vielleicht charmantesten der berühmt«» Schauspielerfamilie und neben ihm in einer besonders gelungenen Rolle HansHoser, der in der letzten Zeit, als Clown mißbraucht, manchmal eine Enttäuschung war, diesmal aber wieder eine bei aller Komik ergreifende Type eines kleinen Buchhalters hinstellt, der ein Doppelleben führt und auch als Grandseigneur der nörgelnde Buchbalter mit aller Aengstlichkeit und Gehemmtheit bleibt. Das junge WELTBERÜHMTE SPEZIALITÄT L.ouäJ k. iim 9 """ SILBERS*"* NACHWEISBAR AILERFEINST Paar sind der elegante und doch natürliche Rolf W a n k a und die sympathische Gusti Huber. Max Gülstorff und KarlBespermann vollenden den Reigen der Schauspieler, die auch aus-einem ganz anspruchslosen Stoff zwei Stunden unbeschwerter Heiterkeit zu zaubern wissen. jk. Spgrt-§piet-)körp«rpftege Oie Exekutive des SASI-Präsidiums hielt vor kurzem eine Arbeitssitzung in P r a g ab, in welcher vor allem über die polittschen und sportpolitischen Ereignisse berichtet und beraten wurde. Die Vorbereitungen zu der Olympiade in Antwerpen wurden ebenfalls behandelt. Der Kongreß der.S.ASJ findet, wie bekannt, Ende August in der Stadt der Dritten Arbeiter-Olympiade statt. Dem Kongreß kommt eine besondere Bedeutung zu, weil über die Olympiade, über die Verhandlungen mit den Russen und den der SASJ nicht angeschloffenen Verbänden endgültige Entscheidungen fallen. Der Bericht über die Rußlandreise der SASJ-Sportler ergibt, daß die Schweiz, Finnland und Ungarn teilnehmen werden. Für das Präsidium der SASJ wurden die Genossen Dr. Julius Deutsch, Senator Heinrich Müller und Fr. Simek, der derzeittge technische Leiter der SASJ. bestimmt. Der Hauptausfchuh für die SASJ-Winterfport- olvmpiade im Feber 1937 in JohanniSbad hat in seiner letzten Prager Arbeitssitzung alle vorbereitenden Arbeiten durchbesprochen und die Gliederung der Arbeitsausschüsse vorgenommen. Das technische Programm wurde ebenfalls nun endgültig beschlossen. Im Oktober wird eine illustrierte Festschrift herausgegeben. Rnßlandreisr der Satussporüer. Die Delegation des schweizerischen Arbeitersportverbandes, bestehend aus zwei Leichtathleten, zwei Kunstturnern, einem Kampfrichter, 14 Fußballern und einem Schiedsrichter, nach Moskau tritt ihre Reise am 12. Juni an. Handball-Match der Arbtttersportler Hollands und der Schweiz. In Amsterdam findet heute das Verbandsspiel Holland—Schweiz statt und am Montag tragen die Schweizer im H a a g ein weiteres Spiel aus. üus- der Härtel Bezirksorganisatton Prag: Sitzung der Bezirksvertretung Freitag, den 5. Juni,- um 8 llhr abends im Parteiheim. F. B. S. A. F r e i t a g, den 5. Juni, im Parteiheim, Närodni 4, 3. Stock, Vorttag der Genossin Trude.Fanta über Geschichte der tschechischen Arbeiterbewegung nach dem K r i e g.(2. Vortrag unseres Cyklus: Geschichte der Arbeiterbewegung in der Tschechoslowakisch-" Republik.)— Beginn 20 Uhr. Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Die Dubarrh."— Adria:„Ich bin kein Engel."(A.—'Mae West.).— Alfa: „Moderne Zeit."(A.— Charlie Chaplin.)— Avion:„Eine Stunde mit dir."(A. Chevalier.)— Beranrk:„Mädchenjahre einer Königin."(D.)— Fenix:„Wir von Kronstadt."-(Russ.)— Flora: „Die Junggesellenbraut."(A.)— Gaumont:„Tonauwellen."(D.)— Hollywood:„Der Mann, den ich will."(Ä.-— Gable. Harlow.)— Hvezda:„Der Mann.den ich will."(A.)— Julis:„Spionagebüro Nr. 2."(Fr.)— Kinema: Journale. Grotesken, Reportagen.— Koruna: Aktualitäten, Journale, Grotesken.—Kotva B 36:„Männer in Offside." (Tsch.)— Lacerna:„Wir von Kronstadt."(Ruff.) — Metro:„Sutners Gold."(A.)— Passage: „Donauwellen."(D.)— Praha:„Sumers Gold." (A.)— Radio:„Weiße Gardenien."(A.)—- Skant:„Großfürstin und Kellner."(A.)— Svöto» zor:„Eine Stunde mit dir."(A.)—Alma:„Einen Tag Millionärin."(A.)— Bajkal:„Eine Frau im Offside."(A.)— Belvedere:„Weiße Gardenien." (A.)— Brseda:„Ter Favorit der Zarin."(D.) — Carlton:„Konfetti."(D.) p— Illusion: Mädchenjahre einer König?»."(D.)— Kapitol:„Ter Student von Prag."(D.)— Konvikt:„Nur ein Komödiant."(D.— Forster.)— Lid« II:„Tie Junggeselleübraui."(A.)— Louvre:„Weiße Gardenien."(A.)— Maceska:„Konfetti."(T.)—- Olympik;„Episode." /D.— Paula Wessely.)—» Roxy:„Der Favorit der Zattn."(D.).— U Bej- vodu:„Ein Lied für dich."(D.)— Baldri:„Ter Favorit der Zarin."(D.)— Belrtrhy:„Konfetti." (D.) Mitteilungen49 Uhr, sonst>/£6, Uhr. ountng, 31. Mai 1936 t?ciie 7 ZUR BEACHTUNG! In allen unseren Verkaufsstellen ist bereits der neue Wagen SKODA-POPULAR zu sehen, noch vollendeter, bequemer und schöner!• Besichtigen Sie dieses Modell, lassen Sie sich alle seine Vorzüge zeigen, erproben Sie seine Fahrtüchtigkelt!» Wir bieten einen höheren Wert zu niedrigerem Preise! ASAP• Werk Mladä Boleslav feix(k Ititkl urteilt necn Ihren Briefen. Deshalb schon sollten Sie keine»abgeleierte* Maschine benütjen, deren Buchstaben beschädigt sind, bald zu hoch und bald zu tief sitzen. Die Corona kostet nur die Hälfte I Sie bekommen eine elegante Maschine neuester Konstruktion, die alle Vorzüge der großen hat, dabei aber leichter ist und in ihrem Köfferchen überall mitgenommen werden kann. GIBIANico PRAG, 32, Tel. 351-5-1 IA machte schon heute schreiben, aber ent später zahlen. / sAen Sie mir Ve-',‘, s*'s| Eingesendet. Wichtig für Raucher! Viele Raucher wünschen» sie könnten ihren Zähnen ihr schönes, früheres Aussehen wiedergehen, das sie durch starkes Rauchen verloren haben. Hiefür eignet sich am besten Chloro- dont, wie die nachfolgenden Zeilen aus einem Dankschreiben beweisen:„Da mein Mann ein starker Raucher ist, suchte er nach einem Zahnputzmittel, um den mihfarbigen Zahnbelag loszuwerden. Dank der vorzüglichen Chlorodvnt-Zahnpaste sind seine häßlichen braunen Raucherzähne verschwunden, er hat jetzt wieder schneeweiße Zähne bekommen..Auch der üble Mundgeruch ist durch Ihr Chlorodunt-Mund- wasser beseitigt. 8457/2 Von Werner Hegemann dem vor kurzem verstorbenen genialen Te- schichtSphilosophen, sind bei der Zentralstelle für Bildungswesen Prag XII, Slezska 13, folgende Werte erhältlich: Entlarvte Geschichte, geb.■, Ki 40.— brosch.. Kä 82.— Jugendbuch vom großen König KL 28.— Der gerettete Christus.... 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Diese Erfahrungen hat das bekannte B a d T r e n t- s ch i N-T e p l i h, die Perle der Karpathen, für sich nützlich gemacht, als sie Heuer den Bau eines solchen Strandbades begann, welches in seiner Art als einzig dastehend bezeichnet werden kann.An der Lehne des Alwaterberges, inmitten uralter Eichen- und Fichtenwälder, wird dieses Strandbad errichtet. An einem Platze, wo alles von den frühen Morgenstunden bis zum. Sonneuntergang in Sonnenstrahlen sich badet. Das Strandbad, von natürlichen' Th ermalquellen gespeist, benötigt einen bedeutenden Kostenaufwand, da hier alles errichtet wurde, was ein modernes Strandbad., benötigt.„Grüner F r o s ch"-— so wird dqs Stränhbäd• inmitten des Waldes heißen.— verbunden mit eintr mächtigen Kaffeehausterrasse, e s jv i r d h i er'fei ne n'Sändstränd gHe».darnach Feststellung der medizinischen und hygienischen Beobachtungen ein Sandstrand für die Gesundheit schädlich sein kann. Hingegen umringt das ganze Bassin ein großer schöner Rasenstran d, wo die Menschen den ganzen Tag über schönen Sonnenstrahlen ausgesetzt sind, und wo die Kinder, unter Aufsicht geprüften Personals, den ganzen Tag, von früh bis abends, herumspringen können. Die Eröffnung des Strandbades ist für den 1. Juli geplant; an diesem Tage werden zugleich internationale Wettschwimmen veranstaltet, zu welchen das große Bassin prächtig geeignet ist. In unmittelbarer Nähe des Strandbades wird zur Unterhaltung des Publikums, in herrlicher Waldluft, eine asphaltierte große Kegelbahn errichtet, um diesen alten, unverletzlichen und so gesunden Sport^nieder ins Leben zu wecken. wer inseriert—uetkaufi! Oral Minuten In„TRIMIN“ und alles wird wie neu. „TRIMIN“ auffrischendes Waschbad für Wolle und Seide Ist das beste und zarteste Pflegemittel für Natur» und Kunstseide, Strümpfe, Spitzen, Stickereien, Stoff» und Waschlederhandschuhe, Pelzwerk, Teppiche, Vorhänge, Gardinen usw. Die übliche Waschweisse gereicht weder der Wolle noch der Seide zum Vorteil. Wolle und Seide soll man nicht waschen— man badet sie: „TRIMIN“ enthält weder Soda, noch Chlor, oder andere Reizmittel. „TRIMIN“ IBst leicht Schmutz und Fett. „TRIMIN“ erhält Wolle und Seide jung und erneuert des Gewebe. Wolle und Seide lässt man 3 Minuten Im lauwarmen „TRIMIN“— Bade weichen, schwenkt leicht und drückt mit den Händen gut durch. Der Wolle— lange Lebensdauer, der Solde— Verlängerung, den Farben— Auffrischung. » fHüufl••• Wie man Mineralwasser bestellen soll. Obwohl unser Land besonders reich an guten, rein natür- lichen Mineralwäffers ist, gelangen ein« Unmenge sogenannter„billiger" Wüster unter den phantastischsten Namen auf den Markt. Meist handelt es sich um gewöhnliche Brunnenwässer, welche hie und da einige feste Bestandteile— die vom gesundheitlichen Standpunkt aus jedoch bedeutungslos sind— enthalten. Ist es da nicht in Ihrem eigenen Interesse gelegen, statt„ein MineraUvasser" ausdrücklich eine Oualitätsmarke, z. B. Mattonis Gietzhübler zu verlangen? Gietzhübler zeichnet sich durch hohen Gehalt an natürlicher Kohlensäure und anerkannte Heileigenschaften(bei Husten und Heiserkeit mit heißer Milch, weiters bei Blasen- und Nierenleiden). Daher nicht einfach„ein Mineralwasser", sondern die Oualitätsmarke Mattpni's Gietzhübler. 3402/2'. Böhmische Union-Bank Zentrale: PMS FILIALEN: Asch, Aussig, Bodenbach, Böhmisch-Bud weis, Bratislava, Braunau, Brünn, Brüx, Freiwaldau, Frydek- Mistek, Gablonz a. N., Grasli tz, Hohenelbejglau, Jäger ndorf, Karlsbad, Königinhof a. E. Leitmetitz, Marienbad, Mflhr.- Ostrau, Mähr.-Schönberg, Neu-Titschein, OlmUtz, Pardubitz, Pilsen, Prostejov, Reichenberg, Rumburg, Saaz, Tep- lltz-Schönau, Trautenau, Troppau, Warnsdorf, Zwittau. Exposituren: Prag XII. und Prag VIII. 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Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag. Seite 8 „Sozialdemokrat" Sonntag, 31. Mai 1936. Nr. 128 Das Land der tausend Wunder Du Leser, der du aus dem Erzgebirge, aus Nord- oder Südböhmen» aus dem Osten oder Westen unseres Staates kommst, du wirst beim Anblick des Titels dieser Zeilen vielleicht die Schilderung eines orientalischen Wunderlandes erwarten. Du wirst enttäuscht sein— aber nur für eine kurze Weile— wenn du hörst, daß das Land der Tausend Wunder" kein anderes ist als dein Heimatland, die Tschechoslowakische Republik. Das Layd. in dem du lebst und.schaffst oder — arbeitslos bist, das Land, über welches die' Natllr aits ihrem reichen Füllhorn Gaben ohne Zahlgefchüitet hat.- ■ Und du Leser, der du aus fernem Land als Gast ,züm Reichsjugendtag gekommen bist, öffne deine- Augen, damit du recht viel des Herr-- lichen, das unsere Heimat, bietet, in dich aufzunehmen Vermagst, röcht viel Erinnerungen mitnimmst vom Land der tausend Wunderi Oder glaubst du, ich übertreibe? Dann höre und folge mir auf meinem Fluge durch unst Land. und schmerzhafte Stellen im Nacken sind sichere Anzeigen für den beginnenden Muskelrheumatismus. Die Erweichung der Krankheitsherde erzielt man mittels einer starken Durchblutung, die durch Pistyaner Schlammpackungen. bewirkt wird. Für jedermann günstige Pauschalkuren durch die Bade- ££■>, direkt Ion. Suchen Sie ^4 p|gf(* Warst du schon einmal im Zauberreich der heißen Öuellen? Beim Sprudel von K a r ls- b.a d, bei den Thermen von T e p l i tz-Schö- n a u, bei jenen der Slowakei? Sähest du schon einmal das märchenhaft schöne M a r i e n b a d, eingebettet in tiefe Wälder, oder Franzensbad in» Grün feiner Gärten, das bergumrahmte, JoachimSthäl? Oder, das stille Königswart? Du kennst sie wohl alle, unsere großen Bäder, denn ihr Ruhm erfüllt die Welt. Wenn du sie aber nicht kennst, dann lasse dir den guten Rat geben, so bald du kannst, deine Schritte zu diesen Stätten zu lenken, dir zur stellt Sie wieder auf die Beinei 3422 Freude und deinem Körper zum Wohle. Wo ist ein zweites Land, in dem wie hier die Erde sich so.freigebig öffnet und ihre Gluten und Säuren und Salze und Wässer zum Lichte trägt, damit die Menschen sich in ahnen ünd durch sie heilen und stärken? Kennst du die Bergketten, die unser Land umschließen? Siehst du dort im Nördwesten das mächtige Erzgebirgevmit seinen grünen Tälern und den langgezogenen Höhen, wo im Herbst die Heide blüht? Du wirst die rauschenden Wälder nie vergessen. Siehstduhier dieTäfelberge deö E l b es and st e i n g e d i r g e s und die pittoresken Felsengebilde der Böhmischen R&diambad St Joadiimsthal Stärkste Radiumquellen der Welt Idyllische Lage inmitten des waldreichen Erz- 7^ gebirges am Fuße des Keilberges.;.. Bäder-;, Tritt- und Inhalationskufen sowie Be- - Strahlung mit Radiumpräparaten, Ausgezeichnete Heilerfolge bei: Gelenksrheumatiahiu, Neuralgien, Neuritis, Tabes dorSalis, Nervosität, und Neurasthenie, Arteriosklerose, chronischen-Entzündungen des Herz- muskels und der Blutgefäße, chronischen Eiterun- •?. genGelenks-,und Höhlenexsudaten. Auskünfte;)!. Prospekte durch die Kurkommission. S.ch weiz, durch die sich mühsam die Elbe ihren Weg bahnt? Und wenn du weiter mit mir von Westen nach Osten wanderst, dann erfreuen dich bald die Kuppen und Kegel Nordböhmens, des Lausitzer-, des I e s ch k e n- und I s ergeb ir g e s und die waldumschlossenen Teiche des Kummergebirges, vor allem der entzückend gelegene Hirschberger See. Ein Rausch der Begeisterung aber erfaßt dich, wenn du tom Kamm des R i e s e n g e b i r g e s in die Ferne blickst. Dann fühlst du die Wahrheit der Worte des Dichters: „Trinkt, o Augen, was die Wimper hält Von dem goldnen Ueberfluß der WeltI" Kennst du dieses herrliche Gebirge, in dem du alles findest, Ruhe und Frieden der Täler, lockende Gipfel und dräuende Klüfte? Du mußt es kennen lernen, und vergiß auch die Fetsenwelt von Adersbach und Wekelsdorf dabei nicht. Und wenn du ganz stille Einsamkeit, suchst, dann wandere durch das Adlergebi rg e, das sich dort im Osten in. langer Front dahinstreckt. Laste uns" aber gleich ein bißchen verweilen im Altvatergeb irge, das, gleichsam des Riesengebirges jüngerer Bruder, von kaum geringerer Pracht und Majestät als dieses ist. Wir.bewundern von der Gräfe»berger.Lehne, aus der Hunderte heileüde Wässerchen quellen, den Ruhm des belebten Kurortes begründend, das Gebirge, das als breiter, mächtiger Wall vor uns liegt. Du kannst nur mühsam deine Blicke lösreißen von diesem herrlichen Bild und mir folgep, /venn wir rasch die ,^rüne Schles", die noch gar viel des Schönen bietet, durcheilen. Wir wollen heute die Stätten rastloser Arbeit, in denen die Industrie herrscht, beiseite lassen, wir wollen weiter, weiter. Suchen Sie Gesundheit? Quälen Sie Rheumatismus, Gicht, Ischias oder Frauenleiden? Wollen Sie in Ruhe schön und billig Ihren Urlaub verbringen? Besuchen Sie Bad Bohdaneö! Wir sind billig bei erstklassiger - Einrichtung, Bedienung und Pflege. Ihre Gesundheit und Erholung wartet auf Sie in BOHDANEC 3428' Saison vom 2. Mai bis 30. September S ommerfrische ADLERBAUDE Reffelfleck im Adlergebire^ Bahnstation Geiersberg und Lichtenau, in waldreicher, romantischer Gegend. Gute bürgerliche Küche, 8 Mahlzeiten täglich. Pensionspreis 22 Kc per Tag. Günstige Autobusverbindung zu den Bahnhöfen. Verlangen Sie Prospekte. Adreffe: Verwal- .tung der„Adlerbaude". Nesselfleck. Bezirk Senften- ■• berg(Adlergcbirge), 3467 Der yoye Geyalt an KtefetfSuee macht ,Mattoni's Gießhübler" besonders wertvoll bei Blasen- undRierenleiden. Ihr Arzt wifl> Ihnen dies gerne bestätigen! 3482 Aber wieder werden unsere Blicke gefangen genommen: die Beskiden ragen vor uns auf, jeder Gipfel gleicht mit seinem Vorgebirge einer mächtigen, uneinnehmbaren Festung. Sie scheiden die historischen Länder von der Slowakei und bilden gleichzeitig auch eine Scheidewand zwischen westlicher und östlicher Kultur. Märchenhaft schöne Wälher gibt es dort, mit hohen, Tannen und einsamen.Wegen. Nun aber, ehe wir ins Herz der Slowakei vorstoßen, halte den Atem an, mein lieber Weggenosse. Du siehst nun die höchsten Berge unseres Landes, die Zauberweft der Hohen Tatra. Schnee deckt noch ihre Spitzen auch in der Julihitze, Mächtig ragen sie von der Hochebene empor. Die ganze Pracht aber erlebst du erst, wenn du in den Tälern aufwärts wanderst, erst auf sanftem, bequemen Weg, dann auf immer steileren föillige Jfuren an den heißen, hochrad. Thermen BadTeplitz-Schönau bei dicht, Rheuma, Ischias. Auskunft: Stieltische Kurdirektion oder Clarysche Kurdirektion. 3476 Pfaden, bis du in jene Regionen kommst, wo alle Vegetation erstirbt und du nur noch mühsam klettern kannst: In tiefer Ergriffenheit stehst du vor der Schöpferkraft der Natur. Dank erfaßt dich der Gipfelrausch und du gibst nicht früher nach,, bis.d^e^, geschafft hast und auf einer Spitze stehst: ringsum ragen"steile Zacken efNpor, tibf unten schimmern— in 1500 bis 2000 Meter Höhe I— kleine Seen. Du wirft nicht satt vom Schauen und nur schweren Herzens entschließt du dich zum Rückmarsch, in der Erwartung, daß kaum mehr etwas Schöneres kommen kann. Wenn aber plötzlich eine Gemse deinen Pfad kreuzt oder ein Murmeltier mit gellem Pfiff in seiner Höhle verschwindet, dann wirst du immer aufs Neue in Entzücken geraten. Und, du wirst, wünschen, daß recht viele Menschen die Pracht dieses Gebirges bewundern. Dein Wunsch wird erfüllt, am Fuße Mh MOORBAD IP KUMMERSDORF rovrOSCHnZ ranoxXXiroOKF rtmOSCX I TZ«, 6 bringt HEILUN G bei Rheuma, Gicht, Ischias, Frauenleiden. Der dztg. Wirtschaftslage angepaßte Preise. Täglich Kurkonzerte. Tennisplatz, Kegelbahn. Herrliche eigene Waldungen, rauch- u. staubfrei. Prosp. u. Anfragen durch die Kurverwaltung, der Hohen Tatpa gibt es herrliche Kurorte, einst exklusiv für die ungarische Gentry bestimmt, im demokratischen Staat immer mehr der Genesung und Erfteuung des Volkes dienend. Nach diesem Höhepunkt unserer Wanderung im Fluge wenden wir um, wir lasten unbeachtet, obwohl beachtenswert,.den Dunajecdurchbrtzch, die Eishöhlen und die„nur" 2000 Meter hohe Niedere Tatra. Wir folgen dem burgenumsäumten Lauf der Waag, grüßen in Eile Trenöin und Phstyan und kehren über Mähren zurück. Nur eine einzige Station wollen wir noch machen: bei der M a c o ch a. Sie zu schildern versuchen, wäre ein leichtfertiges Unterfangen, man muß sie erleben. Weiter geht es, über das böhmisch-mährische HügeUand mit seiner idealen Landschaft, über die südböhmische Seenplatte zum Böhmerwald, der ein Viertel von Böhmens Grenze umsäumt. Hier ist des Waldes Heimat. Hier ist dieser so beherrschend, daß seine Dunkelheit, das Blau des Himmels verdrängend, sich in den Mastern feiner Seen spiegelt und geheimnisvolle, märchengebärende Stimmung, schafft.. Sind nun der Wunder schon alle? O nein! Wir müssen nur unsere Aufzählung beenden. Wir können nicht dsm Lauf der Flüste folgen—wir find Ursprungsland großer Ströme, die das Tor zur Welt Hilden— wir haben keine Zeit, die Wunder der Städte und'Städtchen zu bestaunen, wir können uns nur— Fremde wie Einheimische eines vornehmen: wir wollen die Tschechoslowakische Republik, das Land der tausend Wunder, gründlich kenütn' lernen. Wekelsdorf und Adersbach. Die Felsenstädte in Ostböhmen. Die Felsenstädte Wekelsdorf und Adersbach, von Wistenschaftlern und Naturfreunden mit Recht das„Paradies Ostböhmens" genannt, gehören zu den größten Naturschönheiten und erhabensten Reisezielen Mitteleuropas. Das Felsenlabyrinth, ein Teil des Felsengebirges der;„Jwischensüdeten", liegt in der sogenannten innersudetischen Mulde zwischen dem Riesin-, Eulen- und Adlergebirge. Das Kreidemeer, das den größten Teil Nord- ostböhmens übcrschwemmic, errichtete vor Jahrtausenden diesen gewaltigen Quadersandsteinbau, dessen durch Verwitterung und Auswaschung entstandene Ruinen die Phantasie des Besuchers geradezu her- ausfordexn, den besonders hervortretenden und eindrucksvollen Sandsteingebilden Namen zu geben. Die höchste Erhebung der Felsenstadt, deren Fuß etwa 500 Meter über der Adria liegt, bildet der 783 Meter hohe Storchberg. Majestätisch ragen die ernsten, grauen, bis 120 Meter hohen Felsenmauern zum Himmel empor.. In schwindelnder Höhe wurzeln auf den Felsgipfeln scheinbar ohne Halt und Nahrung stattliche Kiefern und Birken. Der Besucher wird durch ein Wirrsal von Schluchten, Gassen, Höhlen, Türmen, Burgen und Amphitheatern geführt. Schneemaffen und Eislager sind auch im Hochsommer noch in den Felsenklüsten zu finden.(Sibirien.) Glücklicherweise ist der Urwaldcharakter des gewaltigen Felsenparkes noch an vielen Stellen erhalten geblieben. Das schönste Gebilde der Felsenstadt Wekelsdorf ist„D« r D o m", ein gotischer Riesenbau der Natur von unübertrefflicher Schönheit und Klangwirkung. In Adersbach der „F elfe n s e e mit Wasserfall." Dem Naturkundler bieten Gestein und Felsen- flora mannigfachste Anregungen'(zu finden ist Leuchtmoos, Riesinfarne, Wandkartenflechte u. a.). Unvergeßlich und unauslöschlich erhebend und demütigend zugleich sind die Eindrücke, die der Besucher der Wekelsdorfer und Adersbacher Felsenstädte empfängt, denn diese übertreffen, was Großartigkeit, Masse ifstd Gesamteindruck anbelangt, alle ähnlichen Felsenlandschaften.(Echoblasen, Böllerschießen). Die Felsenpartie ist das ganze Jähr geöffnet und passierbar, ist nicht ermüdend und' dauert 2 bis 2i/i Stunden. Die Saison dauert vom 1. Mai bis 31. Oftober. Vereine und Schulen zahlen ermäßigte Eintrittspreise. Ausgangspunkt zum Besuche der Felsenstadt Wekelsdorf ist das Felsinhotel„Eisenhammer" (Felsinkaffe und Führerstation) und der Felsenstadt, Adersbach, das Hotel„Zur Felsenstadt" in Nieder- Adersbach. , Die Wekelsdorfer und Adecsbacher Felsenstüdte sind nicht nur wegen der Felsen berühmt und Welt- bekannt, sondern auch schön längst zu sehr beliebten Sommerfrischen geworden. Wir empfehlen in Dao Su&atotoice das Hotel„Havltcet" , 2 Minuten vom Bahnhof. Gute bürgerliche Küche, gut gepflegte Biere und Prima Weine, billige saubere Fremdenzimmer Prospekte gratis k 342ä I. Klimäk, Hotelier. * SSUZ-e» M tt««■*" |°>d.i Tsplitt•<*• Wald-Sanatorium Dr. Schweinburg Zuckmantel, Schlesien «rr t inne™ Be iu?^ Siltal‘ S 2?'^ tetischeHelIa’ ,at» I‘ für innere. Nerven* u. Stoffwechsel-Krankheiten Mäßige Pauschalkuren. 3468 Hotel Smetana Bad Luhacovice 50 guteingerichtete Zimmer -Erstklassiges Restaurant Ältestes Haus am Platze- Mäßige Preise 3462