Donnerstag, 4. Juni 1936 Nr. 130 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (•iiuchlicBlich$ Heller Porte) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,fochova«2. Telefon 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Ein neuer Bluff Mussolinis Paris. Tas Blatt„Oeuvre" meldet: Nach Informationen, die das französische Außenministerium vom britischen Außenamte erhielt, trifft die italienische Regierung vor dem 15. Juni gewiffe„geheime Vorbereitungen"» und zwar so, daß man über sie möglich st vielerfahre. Mussolini bereitot an der österreichischen, jugo- slavischen und französischen Grenze militärische Maßnahmen vor. Die Reservisten erhielten bereits den Einberufungsschein für den Fall einer Mobilisierung. Es wurde ferner an- geordnet, daß die Schulen und anderen öffentlichen Gestände vor dem 15. Juni geräumt werden. Auch unternehmen zahlreiche Offiziere des italienischen Generalstabes Dienstreisen in de» Grenzzonen. Kein auswärtiges Amt glaube jedoch, daß es sich um etwas anderes als um einen politischen„Bluff" für den Fall handelt, daß am 15. Juni die Sanktionen nicht aufgehoben würden. Dann dürfte Italien bestimmte militärische Demonstrationen an den Grenzen durchführen, wenn auch eine weitere Ausdehnung dieser Militärdemonstrationen«i ch t zu erwarte« steht. Nochmaliger Aufschub der Ratstagung? Paris.(Tsch. P. B.) In gutunterrich- tcten Kreisen verlautet, daß die Einberufung der Vollversammlung in Genf etwa für den 23. Juni erfolgest werde und daß die für den 15. Juni vorgesehene Sitzung des Bölkerbundrates wahrscheinlich um acht Tage verschoben werden wird. Ausbreitung der Streikwelle Paris. Die Streikbewegung hat im Laufe des Mittwoch sowohl in Paris wie in den Borstädten und auch im Norden Frankreichs an Umfang zugenommrn. Rach Schätzungen der Abendblätter beträgt die Gesamtzahl der streikenden Arbeiter am Abend 350.000, davon 100.000 im Pariser Bezirk. Der wachsende Umfang des Streiks, insbesondere in der Lebensmittelbrauche, beginnt die Behörden zu beunruhigen. In der Pariser Borstadt Ranterre wurde die Arbeit in der Gasanstalt eingestellt und es besteht die Befürchtung, daß auch die Wasserwerksarbeiter der Pariser Borstadt den Streik verkünden werden. Die Allgewerkschaftsbrwegung hat zugesagt, daß die Versorgung der Stadt, nicht bedroht sein wird. Ministerpräsident Sarraut hatte Beratungen mit den Delegierten der Arbeitgeber der Metallund der Chemischen Industrie. Gegen Abend ging das Gerücht, daß der AuSbruch des Streiks in der großen Gesellschaft Hachctte drohe, die in Frankreich ein Monopol auf den Transport sämtlicher Zeitungen besitzt, so daß Paris und Frankreich überhaupt ohne Zeitungen wären. Das Havas-Büro meldet abends, daß die Verhandlungen«egen Regelung der Angestellten-Fordv- rnngen in den Hachette-Untrrurhmmlgen auf gutem Wege zu sein scheinen. Heute Betreuung Blums Heute, Donnerstag nachmittags, wird das Kabinett Sarraut seine Demission geben. Der Präsident der Republik wird noch gegen Abend Leon Blum mit der Bildung der neuen Regierung betrauen. Es heißt, daß Leon Blum das Kabinett im Laufe der Nacht zum Freitag bilden wird und daß er beabsichtigt, sich mit der neuen Regierung schon am Samsrag nachmittags dem Parlament vorzustellen. Frau Zita im Spiel? Berlin. Der römische Berichterstatter des „Berliner Tageblattes" meldet: Bundeskanzler Dr. Schuschnigg begab sich Mittwoch von Florenz im Automobil nach dem bekannten Badeort Viareggio, in dessen Nähe die E x k a i s e r i n Zita ein Schlößchen besitzt, wo sie gern dir Frühlingsmonate verbringt. Die italienische Presse hat ein Schweigeverbot erhalten und berichtet über den Besuch des Bundeskanzlers, als ob es sich um eine Erholungsreise handeln würde. Journalisten wollen jedoch wissen, daß Schuschnigg der Habsburgerfrage wegen nach Viareggio gekommen sei. Nazi-Wühlarbeit in Polen Bewaffneter Aufstand vorbereitet/ Der Eid auf Adolf Hitler Kattowitz. Vor dem hiesigen B-zirksgericht begann der große Prozeß gegen 119 Mitglieder der vor einiger Zeit aufgehobenen geheimen deut-, schen nationalsoz. Organisation NSDAP(Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterbewegung), welche unter der Anklage der Vorbereitung eines b e w a f f n e t e n A u f st a n d e s zwecks gewaltsamer Lostrennung Polnisch-Oberschlenens vom polnischen Staat und Angliederung dieses Gebietes an das Dritte Reich stehen. Die umfangreiche Anklageschrift enthält u. a. folgende Beschuldigungen: Alle Organisationsmitglieder legten das Treuegelöbnis für Adolf Hitler als dem„einzigen Führer der Deutschen" ab und verpflichtete« sich zur Wahrung des Organisationsgeheimnisses. Dem Verräter der Geheimnisse drohte die Kugel. Der Treueid wurde den neuangeworbenen Mitgliedern von einem ans Deutschland eingetroffenen SA- Offizier abgrnommen. Das Organisationsgericht hat u. a. das Mitglied der Bewegung P t 0 k wegen Desertion zum Tode verurteilt. Er wurde auch überfallen und schwer mißhandelt, entkam jedoch dem Tode und machte bei den Behörden ausführliche Airssagen über die Tätigkeit der Organisation. Ptok fungiert i« dem Prozesse als Hauptie- lastnngszeuge. Die SkSDAB stand ferner in engem Kontakt mit den deutschen Behörden, insbesondere mit der deutschen Polizei in Benthe» sowie mit der Leitung der NSDAP. Einen Beweis für diesem Kontakt liefern photographische Kopien von schriftlichen Berichten» welche von der NSDAB nach Deutschland geschickt wurden und von den polnischen Untersuchungsbchörden aufgefangen werden konnten. Aus diesen Berichten ging klar hervor, daß der Aufstand zwecks Lostrennung Polnisch-Oberschlesiens vom polnischen Staat spätestens im Juli 1937, das ist unmittelbar nach Ablauf der Genfer Konvention für Oberschlesien ausbrechen sollte. Die Aufständischen sollten mit Waffen und Munition von Deutschland aus versehen werden. Von den 119 Angeklagten haben sich 90 bereits in der gerichtlichen Voruntersuchung dazu bekannt, an der Verschwörung teilgenomxnen zu haben. Die übrigen Angeklagten leugnen jede Schuld. Der eigentliche Führer der Organisation, Paul M a n i u r a, beging in der Untersuchungshaft Selbstmord durch Erhängen. Deutscher Flleger-General abgestürzt . Berlin. Mittwoch vormittags ist auf dem Dresdener Flughafen das zur Flügbereitschaft des Reichslustfahrtnlinistrriums gehörige Flugzeug ,,„D-Uzon" unmittelbar nach dem Start abgestürzt. Die Besatzung des Flugzeuges, der Chef des Generalstades der Luftwaffe Generalleutnant Wever als Flugzeugführer und der Obergefreitc Kraus als Bordmechaniker kamen dabei ums Leben. Zwei weitere UnsiUcksfälle: Amsterdam. Am Mittwoch abends stürzte über dem Amsterdamer Flughafen ein österrei chisches Sportflugzeug bei der Landung ab, Die beiden Insassen, der Generaldirektor der Oester- riichischen Kreditanstalt van,Hengel und der Flugzeugführer, der bekannte österreichische Sportflieger Hauptmann Brunowski, fanden dabei den Tod. Rom. Bei einem Uebungsflug Wer den Ligurischen Apenninen kam ein Bombenflugzeug in 6000 Meter Höhe in einen schweren Gewittersturm. In einer Wolkenwand verlor der Pilot die Herrschaft Wer das Flugzeug. Bei dem Versuch der aus fünf Mann bestehenden Besatzung, sich mit dem Fallschirm zu retten, kamen drei Mann ums Leben. Der Negus in London London.(Reuter) Der Kaiser von Abessinien traf Mittwoch vor 17 Uhr in London ein Auf dem Waterloo-Bahnhof hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt. Die Angehörigen der abessinischen Kolonie in London begrüßten, den Kaiser mir lauten Zurufen. Sodann hieß ihn der Privarsekretär des Außenministers Eden willkom men, wie dies für den Fall üblich ist, daß ein fremdes Staatsoberhaupt inkognito in London eintrifft Unter den Grüßen der Menge fuhr der Kaiser nach seinem Wohnsitz unweit der abessinischen Gesandtschaft in London, wo er für die Zeit seines Londoner Aufenthaltes Wohnung nehmen wird. Oie Ankunft des Negus in Gibraltar Das Bild zeigt den Negus beim Betreten seines Hotels in Gibraltar. Er war auf einem englischen Kriegsschiff angekommen und setzte die" Reise nach London auf einem englischen Passa- gicrdampfer fort. Osteuropäische Gegensätze Um Sicherheitspakte und Völkerbundsreform —ru. Warschau, Ende Mai. Neben den Großmächten gibt es gegenwärtig in Mittel- und Ost-Europa drei Zusammenschlüsse kleinerer Staaten, die sich zu einheitlichem Auftreten entschlossen haben: die Kleine Entente (Tschechoslowakei, Jugosiawien, Rumänien), die Balkan-Entente(Rumänien, Jugoslawien, Griechenland, Türkei) und den Kleinen Baltenbund(Litauen, Lettland, Estland). Von Moskau und von Paris her sieht man diese drei kleineren Bündnisse als natürliche Stützpunkte künftiger Regionalpakte an, welche dem Frieden Europas ein festes völkerrechtliches Gerüst geben sollen. Eine weitere Staatengruppe, zu der im Osten Polen, Ungarn und Bulgarien zu rechnen find, stellt sich solchen Plänen von jeher entgegen. Die Regierungen dieser Länder haben sehr verschiedene Beweggründe für einen derartigen Widerstand. Ungarn und Bulgarien wollen sich nicht endgültig mit ihren heutigen Grenzen bescheiden. Polen träumt davon, an der Spitze einer Reihe von kleineren Staaten ein eigenes Machtzentrum zu bilden, um dadurch gleichberechtigt neben den größeren Nachbarn in die Geschicke des Erdteils eingreifen zu können. Feste Abgrenzungen bestimmter Sicherheitsregionen würden ihm die Bildung einer solchen Einflußsphäre unmöglich machen. Man hält die polnische Regierung wegen dieser Einstellung oft für einen stillen Verbündeten des nationalsozialistischen. Deutschland, das sich wieder aus anderen Gründen gegen eine stabile völkerrechtliche Ordnung Europas wehrt. Aber Polen unterdrückt in seinen eigenen Grenzen jede nationalsozialistische Propaganda, und das diplomatische Spiel, welches es zeitweise mit Hitler treibt, um innerhalb des französischen Bündnissystems mehr Selbständigkeit zu gewinnen, hat doch niemals zu einer festen Bindung geführt. Einer der in Warschau maßgebenden politisierenden Offiziere, der amtliche Propagandachef Oberst Miedzinski, verglich kürzlich in einer Rundfunkrede dieLagedespolnischenStaates zwischen Deutschland und der Sowjetunion mit dem Schicksal eines Igels zwischen einem Bären und einem RWcl Wölfen. Diese RaWtiere würden sich zwar untereinander immer heftig befeinden. Aber wenn der Igel sich vor ihnen retten wolle, müsse er nach allen Seiten seine eigenen Stacheln ausstrecken. Die polnische Berwaltungspraxis in Oberschlesien und an der Grenze gegen Danzig und Ostpreußen hält sich an diesen stachligen Grundsatz, ohne daß der gelegentliche Flirt zwischen Warschau und Berlin etwas daran geändert hätte. Außenpolitisch bleibt Polen auch dem Völkerbund treu, in welchem es seinen Einfluß als Ratsmacht nach Kräften ausnutzt. Doch zugleich setzt Außenminister Beck seine Bemühungen fort, die Staatenwelt von der Ostsee bis zur Adria von den französisch-russischen Sicherheitsplänen zu einer elastischeren Organisation der internationalen Zusammenarbeit hinüberzuführen, welche mehr Raum für die polnische Einflußnahme läßt. Im Norden begann Beck diese Werbung vor zwei Jahren. Die skandinavischen Staaten, von sozialistischen Politikern geleitet, bedeuteten ihm, daß sie gegenüber allen Frontbildungen neutral zu bleiben wünschen. Etwas entgegenkommender verhielt sich Finnland, das als unmittelbarer Nachbar der Sowjetunion einseftige Bindungen an den Osten vermeiden will. Auch in Estland und Lettland erreichte Polen mit finnischer Hilfe eine Ablehnung der Ostpaktpläne. Die Anknüpfung engerer Beziehungen zu diesen Ostseestaaten neutralisierte überdies den Kleinen Baltenbund in dem immer noch andauernden polnisch-litauischen Streit um das Wilna-Gebiet. Im W e st e n fand Beck ein gewisses Verständnis für seine Bedenken gegen das französisch-russische Sicherheitsschema beim belgischen Ministerpräsidenten van Zeeland, der Hitler keinen Vorwand geben wollte, den Rheinpakt von Locarno zu brechen. Nachdem das Dritte Reich bereits den Abschluß des. französisch-russischen Hilfsvertrages dazu benutzte, um diesen Bruch zu vollziehen, hat sich das belgische Interesse an den anderen Paktfragen wieder vermindert. Einen dritten Vorstoß hat der polnische Außenminister jetzt nach dem S ü d 0 st e n unternonnnen, wo Jugosla- Seite 2 Donnerstag, 4. Juni 1938 Nr. 130 Wien, wirtschaftlich auf Deutschland angewiesen und politisch der Zusammenarbeit mit der Sowjetunion weniger geneigt ist. Die Ergebnisse seiner Belgrader Besprechungen hat Beck selbst dahin formuliert: man sei sich einig geworden, welche Formen internationaler Zusammenarbeit man in beiden Ländern a b l e h n e; positive Vor» schlage für bessere Regelungen müßten aber zunächst anderen Staaten überlasten bleiben. Der jugoslawische Ministerpräsident StojadinoviL übernahm die polnische Formel: Belgrad werde ebensowenig wie Warschau zulasten, daß man über das Schicksal seines Staates ohne seine gleichberechtigte Mitwirkung entscheide. Der Widerspruch Polens und seiner Freunde richtet sich nicht nur gegen die von Moskau und Paris empfohlenen Regionalpakte, sondern auch gegen gewisse Vorschläge zur Reform des Völkerbundes, die bald von London, bald von Rom aus In dem schönen Böhmerwaldstädtchen Wallern trat zu Pfingsten der Verbandstag der deutschen Kleinbauern und Häusler zusammen. Aus allen Teilen des sudetendeutschen Siedlungsgebietes kamen die Vertreter der Kleinbauern, um hier Beratungen über lebenswichtige Forderungen ihres Berufsstandes zu führen. Am Samstag, um halb 2 Uhr, eröffnete Ob- mannstellvertretcr Josef Zenker die Tagung mit einer herzlichen Begrüßung der Anwesenden. Von den befreundeten Organisationen waren erschienen: Senator Genosse M ü l l e r für den Parteivorstand, den Klub der Abgeordneten und Senatoren und den Atus, Genosse Uhl für den deutschen Gewerkschaftsbund in Reichenberg und für den Verband der Land- und Forstarbeiter, Genosse S ch a l a für den Gec-Verband, Genosse H a l a für die Kreisorganisation Pilsen und den Klub der Landesvertreter, Genosse K r a v a k für den Verband der tschechischen Gewerbetreibenden und tschechischen Kleinbauern, Genosse F e ch t e r für die Kreisgewerkschaftsorganisation in Krumau, Genosse Demi für den Konsumverein in Oberplan,' Genosse K u p l e n t für die sozialdemokratischen Bezirksvertreter, die Genossen S o w a und Winkelbauer für die Parteiorganisation in Wallern und viele andere. Für die Wallerner Organisationen sprach der Obmann des BezirksverbandeS der Kleinbauern, Josef S ch i l h ans! herzliche Begrüßungsworte. Genosse J.ä n k a aus Hradzen überbrachte die Grüße des durch Krankheit verhinderten Obmannes Dominik Leibl. Der Verbandstag beschloß daraufhin, dem langjährigen Vorkämpfer der Kleinboucrnbewegung ein Begrützungstelegramm zu übermitteln. Mit großem Beifall wurde dem Vorschlag zugesrimmt, unserem Staatspräsidenten Dr. B e- n e i folgendes Begrüßungstelegramm zu übermitteln: Tie Delegierten des Verbandstages der deutschen Kleinbauern und Häusler in Wallern über» Mitteln herzlichste Begrüßung und versichern als treue Staatsbürger Ihren Kampf für die Erhaltung des Friedens und die Sicherung der Republik gegen ihre Feinde jederzeit zu unterstützen. in die Debatte geworfen werden und immer wieder eine Führung der internationalen Politik durch eine bevorrechtete Gruppe von vier, fünf oder sechs Großmächten empfehlen. Dieser Widerspruch wird auch von anderen— neutralen— Staaten Unterstützt. Die Schwäche der Opposition gegen den einen wie den anderen Vorschlag liegt darin, daß man in Warschau nichtsBesseresan ihre Stelle zu setzen weiß. Im Reichstag der alten polnischen Adelsrepublik konnte jeder Beschluß verhindert werden, wenn ein Abgeordneter aufstand und seinen Einspruch dagegen anmeldete. Dieses„freie Beto" hat viel zum Untergang des früheren Polenstaates beigetragen. Wenn derselbe Grundsatz jetzt in die werdende Verfassung Eurppas eingeführt werden soll, so wird es sich auch hier als eine Quelle der Zersetzung und Lähmung jeder festen Ordnung erweisen. Dann erstattete der VerbandSsekretär Genosse Schmidt einen kurzen Bericht über die Tätigkeit der Verbandsleitung in den letzten zwei Jahren. Seinen Ausführungen war zu entnehmen, daß die Wirtschaftskrise, die durch die Mißernte dtr letzten beiden Jahre erheblich verschärft wurde, auch manche Ortsgruppen in Mitleidenschaft gezogen hat. Der Verband zählte Ende 1935 297 Ortsgruppen, die sich in 28 Bezirksverbände und fünf KreiSverbände und einen Landesverband gliedern. 18 Ortsgruppen haben sich in der Berichtszeit aufgelöst. Die Selbsthilfeeinrichtungen des Verbandes bedeuten gerade in der Krisenzeit eine wertvolle Unterstützung der Mitgliedschaft, doch hat die durch wirtschaftliche Not zerstörte Kaufkraft auch hier ihre Spuren hinterlassen. Der gemeinsame Warenbezug hat trotzdem keinen nennenswerten Rückgang erfahren, er beträgt mengenmäßig über 100 Waggons im Werte von fast 500.000 K£. Dem Haftpflicht-, Brandschaden- und Sterbe-Unterstüt- zungsfonds gehören durchschnittlich 1450 Mitglieder an. Er hat in der Berichtsperiode rund 70 Schadens- bzw. Sterbefälle mit XL 17.000 entschädigt. Insgesamt wurden seit Bestand des Fonds 829 Fälle mit XL 108.358.— entschädigt. Die Viehversicherungsfonds zahlten XL 15.000 an Entschädigungen gus. Großen wirtschaftlichen Wert besitzen die zahlreichen Maschinenkollektivs innerhalb des Verbandes, während der gut ausgebaute Rechtsberatungsdienst bei 39 Anwälten und der Stcuerberatungsdienst den Mitgliedern wertvolle Dienste leistet. 1309 Mitglieder haben den Beratungsdienst in der Berichtszeit in Asn- spruch genommen. Bei den verschiedenen Not» standsaktionen hat die Verbandsleitung oftmals mit Erfolg eingozriffen durch Interventionen eine Berücksichtigung vieler Kleinlandwirte erreicht. Für den Auffichtsrat berichtete Obmannstellvertreter Genosse Prosch: Er beantragte die Entlastung der Buchhaltung und der Geschäftsführung sowie des Vorstandes. In der Debatte nahmen zahlreiche Verbandsvorstandsmitglieder zu wichtigen Jntereffenftagen der ländlichen Bevölkerung Stellung. Obmannstellvertreter Genosse Rupprecht befaßte sich mit dem Getreidemonopol und seinen Auswirkungen, die für Konsumenten und Viehzüchter eine Schädigung mit sich brachten. Er forderte Abhilfe durch eine gründliche Novellierung, und vor allem eine Staffelung der Preise nach den ErzeugungSkosten beinhalten müsse. Genosse Michel-Barzdorf sprach über das geplante Viehmonopol» Gen. Prosch- W e s e r i tz behandelte in seinen Ausführungen die Verordnungen über die Schuldenregelung. Zur Arbeitslosigkeit in den Kreisen der Kleinbauern und Häusler nahm Genosse Perthen- Bi e l a Stellung. Genosse Strenzl-Zwin- g a u verlangte eine neue Bodenreform und Förderung der Auswanderung. Genosse K r o t s ch- Podersam befaßte sich ausführlich mit dem Steuerwesen und die Unzukömmlichkeiten auf diesem Gebiete. Genosse Mayer, Maierbach verwies auf die Schutzlosigkeit der Kleinpächter und die Vorkommnisse bei der Verwaltung des Gemeindegutes. Genosse Zenker-Zebus erhob die Forderung nach Einführung der Alters- und JnvaliditätSversicherung für die Kleinbauern und Häusler und Kleingewerbetreibenden. Genosse Hala-Kosolup bemängelte die Zustände bei den Landeskulturräten, die ein« Reform dringend notwendig machen. Genosse M r a s e k- Tuchorschitz schilderte die Zustände im Hopfenbau. Die Redner legten zu den einzelnen Punkten Resolutionsanträge vor, die einstimmig angenommen wurden. Minister NeCas spricht zu den Kleinbauern Während der Nachmittagsverhandlungen füllte sich der Saal mit hunderten von Gästen aus den Kleinbauernortsgruppen des Wallerer BezirksverbandeS und der befteundeten Organisationen. Alle waren in gespannter Erwartung, denn Minister NeLas hatte seinen Besuch angesagt. Vor dem Volkshause nahm die Republikanische Wehr Ausstellung. Da erschollen während der Rede des Genossen Mrasek plötzlich FreiheitSrufe, sie kündigten. das Eintreffen des Ministers an, der in Begleitung des Abgeordneten I a k s ch angekommen war. Beim Betreten des Saales erhoben sich mehr als 500 Anwesende und begrüßten mit stürmischem Jubel die beiden Gäste und Freunde unserer Kleinbauernbewegung. Unter endlosem Beifall bestieg Minister. NeLaS das Rednerpult. J• Ich begrüße Euren Verbandsiag auf das Herzlichste, so sagte er und will als Minister für soziale Fürsorge, als Genosse und Sozialdemokrat zu einigen politischen und wirtschaftlichen Fragen zu Euch sprechen. In politischer Hinsicht möchte ich darauf verweisen, daß die schwere Krise von ver- chiedenen Demagogen in aller Welt ausgenützt wird, um den Menslben einzureden, daß nur die Diktatur der Menschheit helfen kann. Wir aber bleiben fest und beharren auf den Grundsätzen der Demokratie, auf dem Schutz der Rechte der arbeitenden Menschen. In wirtschaftlicher Beziehung sehen wir, daß man die populäre Forderung der Sozialdemokraten nach Planwirtschaft heute auch von den früheren Gegnern übernommen worden ist, doch müssen wir darauf achten, daß man unter dem Deckmantel dieses populären Schlagwortes nicht bestimmte Wünsche einer kleinen Schichte erfüllt, sondern daß die Planwirtschaft allen BrvölkerungSschich- ten gerecht wird. Ich kenne auch Ihre verschiedenen anderen Sorgen und Wünsche. Ein Schutz für die Kleinpächter ist notwendig. Die sozialen Verhältnisse drängen zu einer neuen Bodenreform, der wir nicht auSwei- chen können. Ein Versicherungsschutz für die Kleinbauern und Häusler und andere selbständige Berufe ist notwendig. Die geplanten Landwirtschaftskammern sollen die Mitbestimmung der breiten Schichten der Landbevölkerung über ihre Berufsfragen bringen. Die größte Sorge aller Faktoren im Staate ist die Frage der ArbeitS- losizkeit, der wir das allergrößte Augenmerk zuwenden müssen. Wir wissen auch, daß Eure deutsche« Gebiete von der Wirtschaftsnot schwer betroffen wurden, und der größten Aufmerksamkeit bedürfen. Bei den Unter- stützungsmaßnahmen kennen wir keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Nationen unseres Staates. Die deutschen Gebiete werden so berücksichtigt wie alle anderen Gebiete, denn wir sind uns dessen bewußt, daß die Parole Friede nach außen, Brot und Arbeit im Innern gift vornehmlich auch für das deutsche Gebiet ES lebe die Freundschaft zwischen den deutschen und tschechischen Sozialdemokraten!(Stürmischer, minutenlanger Beifall.) Dann spricht, mit Jubel uiü> Begeisterung begrüßt, Genosse Jaksch über politische Fragen. Er führte auS: Ich habe nun heute den Dank der Partei für die Treue zu unserer Idee und zum Verband zu übermitteln. Ihr habet als rote Vorposten dem Ansturm des Faschismus am Lande standgehalten. Wir wissen auch, ihre schwere Lage in den Landgebieten zu würdigen. Die letzten Jahre haben unserer gesamten Bewegung eine Prüfung gebracht, wie sie Sozialdemokraten seit 40 Jahren nicht erlebt haben. Wir müssen feststellen, daß es keineswegs an gutem Willen fehlt, bei der Lösung der verschiedenen Probleme, sondern es geht hier um Machtfragrn. Die Schicksalsfrage, die uns alle bewogt, lautet, wielange wird diese Krise noch dauern? Ich sage, bis die Vernunft des Volkes den Kapitalismus und damit auch die Krise überwinden wird. Wir haben in den letzten Jahren ständig eine wirtschaftliche Konjunktur erwartet, statt dessen ist ein« Hochkonjunktur derpolitischen D u m m h e i t eingetreten. Nu» können wir bereits die Erschütterungen der Henleinpartei wahrnehmen. Dort werden jetzt Fliegerkompagnien gebildet, die einen nach dem anderen aus der Partei werfen. Die tiefere Ursache liegt in der Ratlosigkeit dieser Partei. Man kann eben nicht allen, also Kapitalisten und Arbeitern zugleich helfen. Das Paradies, das Herr Henlein versprochen hat, ist ausgeblieben. In dieser Zeit ist auch die Kriegsgefahr wieder drohend geworden. Halten wir trotz allem unsere Organisationen aufrecht, denn es wird unser Tag wieder anbrechen, der Tag des Sozialismus.(Lauter Beifall folgte den Ausführungen des Genossen Jaksch.) Dann ergriff Genosse B ö h m-Wallern, das Wort, der namens aller proletarischen Organisa- Verbandstag der deutschen Kleinbauern und Häusler Prächtiger Verlauf— Minister Netas und Abgeordneter Jaksch über die Forderungen des kleinen Landvolkes 4 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grötzsch Als die Sonne sank, packten die fünf Burschen ihre Badehosen und schlenderten den Weg hinunter an den Fluß. Peter und Paül schrien auf vor Vergnügen. Grünes Weidengebüsch säumte den Wiesenrand bis nahe zum Wasser. Auf dem anderen Ufer standen kleine Häuser zwischen Obstwiesen. Weiter hinten lief das Land über dunkle Hügel zu hohen Bergzügen- empor. Weit stromab zeigten sich die Dächer des Städtchens. Litosch nannten es die Emigranten; in den Briefen, die sie auf Umwegen nach Hause schrieben, nahmen viele Dinge einen anderen Namen an. Weit im Süden ragte die Kuppe des Berges Rib über die Gefilde. Es hieß, daß dieser Kegel bei klarer Sicht von überall her im böhmischen Lande zu sehen sei. Ucber diesen Berg kam das Volk der Tschechen einst anzewandert und die Sage erzählt, wie der Stammvater Cech sich zur Erde warf:„Sei gegrüßt. Du verheißenes, in Schmerzen ersehntes Land!" Und dann, zu seiner Schar gewandt:„Dies sei eure Heimat, soweit ringsum euer Auge reicht. Bebaut sie und haltet Frieden..." Vom Gipfel des Berges sieht man den Fluß. Braun und silbern, in kühnen Bogen, brickit er durch die fruchtbare, felderreiche Landschaft. Moses warf seinen braunen Körper mit Getöse ins Wasser:„Unser Strömchen, unser ge« benedeites Gewässer! Ist an der Billa Wanja vorübergerauscht, um hier unten unsre Gebeine zu kühlen. Womit hast du das verdient, Frosch?" Er gab dem knochigen Burschen einen Patsch auf die Badehose und entschwand in den Fluten. Frosch hinterdrein. Ein Konzertdampfer schaufelte stromauf, der anderen Stadt entgegen, deren Türme weit draußen auf dem anderen Ufer aus hell, blauem Dunst ragten. Die Burschen ließen sich von den Wellen des Schiffes talab treiben. Die Kapelle spielte ein Potpourri deutscher Volkslieder.„Gut, daß Schwarzer nicht da ist!" brüllte Frosch.„Er würde das Schiff entern", sagte Moses,„und die Musiker tauchen lehren". Müde geschwommen und Waffergeruch ausströmend kamen sie in die Spinne zurück. Der Kleine war blaß und Mrzte über ein Stück Brot her. Gusti hatte für Abendsuppe gesorgt. Man legte sich zeitig schlafen. Das Licht war zwar in Ordnung, aber ringsum gähnte noch ungemütliche Leere. Im Gange stieß Herknrr noch einmal auf den Kleinen, blieb stehen, betrachtete ihn sinnend und fragt«:„Warst du gestern abend nicht noch mal in meinem Zimmer?"„Ich?" In dem spitzen Gesicht mahlte etwas.„Gestern abend? Besinne mich nich..." Herkner lächelte.„Na, überleg dir'S nur noch mal... vielleicht warst du's doch." Drehte sich um und ging in sein Zimmer. Dort lag Frosch schon auf seinen Decken und schnarchte. Nebenan war Schwarzers Stimme zu hören. Gusti kramte in ihrem Koffer, suchte das Bild ihres Buben hervor und lächelle versunken. Wann würde sie ihn Wiedersehen— wann? Um ihren Mund hemm zuckte es.„Laß doch das", bmmmte Schwarzer, „es wird doch nicht besser davon." Oben rollten sich Moses und der Kleine auf Strohsäcken in ihre Decken. Nebenan pfiffen Peter und Paul ein tschechisches Lied. Was sie taten, das taten sie immer zu zweit. Bei der Meuterei im Arbeitsdienstlager hatten sie gemeinsam einen SA-Mann niedergeschlagen, flüchteten gemeinsam, gingen bei Nacht über die Grenze. Sie waren in gleicher Größe, hochgeschossen und etwas eckig noch, trugen gleiche Mützen, gleiche Hosen, schworen immer zur gleichen Meinung und spielten gemeinsam Mundharmonika. Am Emigrantenheim wurden sie darum Peter und Paul getauft und sie selbst vergaßen darüber, daß sie eigentlich anders hießen. Es stimmte nicht ganz zu ihnen, daß dex eine Schlosser und der andre Schreiner gelernt hatte. Auch die Haarfarben differierten ein wenig, aber dafür tmgen sie dm Schopf im gleichen Schnitt: oben wie ein« Bürste, im Nacken und an den Seiten ganz kurz. Wenn sie pfiffen, dann pfiffen sie zweistimmig, laut und schlecht. Moses warf einen Schuh gegen die Wand— das Pfeifen verstummte zu gleicher Zeit. Der Kleine starrte zur Decke empor. Immer soll ich es sein... immer ich... Herkner schlief gestern abend doch schon und finster war's auch gewesen. Genau wie mit den Zigareften damals, die konnte auch gut ein andrer geklaut haben. Er kann mick eben nicht verputzen... Fort sein sollte man eines Morgens, fort und verschwunden, da sollten sie gucken l „Du, MoseS.. „Womit kann ich dienm?" fragte MoseS, denn er hatte gerade von der Zeit geträumt, da er noch bei Jannasch& Co. verkaufte; er drehte sich herum und sah durchs Dunkel das Weiße in den Augen des anderen. Die Strohsäcke lagen nur«inen Schritt breit voneinander. „Du hast mir doch einmal Geschichten von Palästina erzählt— kann unsereiner auch dorthin?" MoseS stützte sich auf den Ellbogen.„Was denn? Du sehnst dich ins Land meiner Bäter?" „Wenn sie mich reinließen, ging ich sofort. Was soll unsereins hier? Ich hab Spengler gelernt, Spengler und Installateur— hier karrste ewig Dreck... Spengler könnse dort sicher braue chen, nich?" Schweigen: Vom Strome her tutete ein Dampfer. Es klang wie eine Anklage gegen die Nacht... MoseS überlegte.„Ernst, kannst du's Maul halten? Bestimmt?" Stolz wallte im Kleinen auf, weil ihn der andre beim Vornamen nannte; er richtete sich hoch und reichte seine harten, mageren Finger hinüber. „Hier, meine Hand.. „Dann will ich dir was verraten: Moses geht nach Palästina! In Prag hab ich alles klar gemacht. In vier Wochen sind meine Papiere in Ordnung— dann ade Spinne, ade Europa!" Der Kleine zappelte:„Mensch, nimm mich mit! Weißt du, ich kann dir dort alles abarbeiten, dort verdiene ick> Geld. Mein Gesellenstück gehörte zu den besten: eine Kassette mit getriebenem Dek- krll lind Kupfer kann ich treiben, GaS- und Wasserrohre legen, all:?..." Moses lächelte unter die Decke. Rührend, dieser Eifer des Kleinen... Dann sagte er sachlich:„Paß auf, Ernst. Ich werde mit unserem Komitee reden. Vielleicht kannst du mit, vielleicht erweiche ich einen alten Juden— dann fahren wir zusammen. Auch Palästina braucht Raffenmischung." „Mensch, das wär Sache!" Der Kleine schluckte heftig.„Ja, du hast's gut, du hast ein Vaterland..." „Bloß noch nicht ganz fertig, Ernst!" MoseS streckte sich lang. Eine kuriose Welt! Dort lag ein deutscher Knabe, kaum der Lehre entwachsen. Angehöriger eines großen Volkes, reiches Land, große Städte, herrliche Wälder, schön zu leben dort, wenn man einen leben lieh. In ein Städtchen dieses mächtigen Landes gehöre der Jüngling, aufnehmen mußte ihn die Heimat, selbst wenn er als Bettler kam— und der beneidete ihn, den Moritz Katz, um sein Vaterland... Eine kuriose Welt! Alles glich sich einmal aus... MoseS lächelte im Halbschlaf, hörte den Kleinen weiter phantasieren und frug noch einmal:„Hast du denn einen Paß, Kleiner?"— Jawohl, Paß sei da, vor drei Jahren aingS mit den Kinderfreunden nach Oesterreich. Vierzig Kinder. Er schort als Führer. Seif damals hat er einen Paß. (Fortsetzung folgt) Rr. 130 DonnerStag, 4. Juni 1936 Teile 3 fudctendeutscfie r Zeitspiele t Rüstet in allen Bezirken und in allen Orten für den Genosse Ferry Schimmel der Organisator des Reichsjugendtages 'bet gewesen sind. Denen aber wollen w i r das Urteil über den Verlauf des Reichsjugenb« tage» überlassen, das gleichzeitig das Urteil über die albernen Mätzchen der„Roten Fahne" enthält. r Bemühungen um ein gutes Zeugnis Wer die„Rote Fahne" las, die den Bericht über den Verlauf des Bodenbacher Reichsjugend« tages enthielt— es war die Mittwoch-Nummer — wird nicht wenig gestaunt und schließlich herzlich gelacht haben. Denn dieser Bericht läßt ja die große Demonstration in Tetschen als eine von den Kommunisten geführte Veranstaltung erscheinen, die gegen die sozialdemokratische Parteiführung gerichtet war. Und da unsere Leser zum großen Teil dabei gewesen sind, dürfen wir uns wohl ersparen, die kommunistische Darstellung was dort geleistet wird, macht jeder unserer Geschäftsführer besser und vor allem billiger. Und weiterS verlangen Wit eine genaue und gewissenhafte Abrechnung über die Verwendung unserer Gelder. Das ist eine Anstandsforderung, die überall von selbst eingehalten wird, ohne Aufforderung. Darüber hilft auch kein Tamtam hinweg, wie es so gern veransmltet wird, Wenns irgendwo stinkt. Es stinkt nicht„irgendwo", sondern aller- r t e n in der SdP I Auch in ihrem Kreis o Böhm.-Leipa. Dort fand am vergangenen Freitag eine Kreistagung statt, die nur einberufen war, damit Herrn Henlein gegen Kasper das Vertrauen votiert werde. Aber dem Vorsitzenden gelang es nicht einmal, eine Abstimmung über die Bertrauenskundgebung für den„Führer" zuwege zu bringen, so daß die Tagung ergebnislos auseinanderlief l Wir wollen mit der Wiedergabe solcher Einzelheiten aus dem Durcheinander in der SdP keineswegs die Illusion erwecken, als ob jetzt schon der Zusammenbruch dieser Partei bevorstünde; uns handelt es sich in der Hauptsache jetzt nur darum, aufzuzeigen, wie vorbildlich diese Partei das Sudetendeutschtum aus Not und Elend zum Lichte führt. Darüber hinaus aber gibt es wohl keinen Zweifel daran, daß die Zahl derer, über die nun allmählich die Ernüchterung kommt, täglich wächst! ernstzunehmen. Nicht weniger als 5000 Kommunisten hat der Berichterstatter der„Roten Fahne"" gesehen, dafür aber nur 3000 sozialistische Jugendliche. Es berichtet halt jeder, wie er kann. Der eine kann es sich leisten, die Wahrheit zu schreiben, der nach einem guten Zeugnis gewisser Geld- und Auftraggeber strebt, muß sich einen „Erfolg" in die Tasche lügen, von dem in Bodenbach selbst die eifrigsten und ergebensten Leser der„Roten Fahne" nicht das geringste bemerkten. Hingegen können w i r darauf Hinweisen, daß die Art, wie die kommunistische Parteileitung die „Teilnahme" der KP§ an dem Reichsjugendtag organisierte, selbst bei den kommunistischen Por tionen in Wallern an Minister Necas und Genossen Jaksch eine herzliche Begrüßungsansprache richtete, die in der Versicherung ausklang, daß die roten Vorposten im Böhmerwaldgrenzland den demokratischen Staat, wenn es sein muß, auch mit der Waffe in der Hand gegen den Faschismus zu verteidigen. Damit waren die Verhandlungen des ersten Tages abgeschlossen. * Am Abend fanden sich die Delegierten mit der Wallerner Bevölkerung zu einem Begrü- tzungsabend im Volkshause zusammen, dem auch die Genossen NeLas und Jaksch kurze Zeit beiwohnten. Dieser Abend zeigte den auswärtigen Delegierten, was die Wallerner Genossen auf dem Gebiete der Geselligkeit und der Unterhaltung leisten können. * Am Pfingstsonntag früh wurden die Verhandlungen des VerbandstageS fortgesetzt. In der Diskussion sprachen die Genossen M i ch a l, der sich ausführlich mit dem Versicherungswesen befaßte, weiters S ch i f f n e r AlgerSdorf, Hilpert- Tuchorschitz, Böhm- Wallern, Streitenberger- Schlaggenwald, Forsch« Reindlitz, Schwarz- Seitendorf, H a l a- Kosolup, Wank- Sedlnitz, Mayer- Maier- bach, Leiter- Mährisch-Schönberg. Alle Redner befaßten sich vornehmlich mit den aktuellen wirtschaftlichen und politischen Problemen. Dann wurden einstimmig sämtliche Resolutionsanträge mit den Forderungen zu den wichtigsten Existenzfragen der Kleinbauern und Häusler vom Verbandstag« angenommen und dem Verbandsvorstande, der Geschäfts- und Kaffaführung die Entlastung erteilt. Um 11 Uhr vormittags wurde die öffentlich zugängliche Landvolkskundgebung eröffnet, zu der sich dann neben einigen Henlein- leuten auch kommunistische Parteianhänger eingefunden haben,(für welch letztere Krehan sprach). Für den Parteivorstand und den Klub der Abgeordneten und Senatoren, überbrachte Genosse Müller- Aussig, die herzlichsten Grüße. Er würdigte die große Bedeutung der freien Landvolkbewegung. Die sozialdemokratische Partei ist sich dessen bewußt, daß der freie Berufsverband der Kleinbauern und Häusler eine Lebensnotwendigkeit für diesen Stand bedeute, daher werde die Partei ihm jederzeit die größte Unterstützung angedeihen lassen. Dann sprach als erster Referent Genosse Schweich har t-Bodenbach, der sich in seinem interessanten geschichtlichen Rückblick mit der Entwicklung des Kampfes um Grund und Boden seit dem Altertum bis in unserer Zeit befaßte. Als zweiter Redner befaßte sich Genosse Schmidt- . Prag, mit den Forderungen des Kleinbauernver- bandes.zu den landwirtschaftlichen Maßnahmen und umriß die Aufgaben unserer Bewegung im Kampfe gegen den sudetendeutschen Faschismus am Lande. Beiden Rednern wurde von dem übervollen Saal reichlicher Beifall gespendet. Am Nachmittag ging der Verbandstag in die Beratung der Anträge ein, die sich durchwegs auf wichtige wirtschaftliche und politische Fragen bezogen. So wurde ein Antrag angenommen, der eine dreifache Staffelung der Ge- treidepreis« verlangt. Weitere Anträge fordern die beschleunigte Errichtung von Land- wirtschastskammern, eine neuerliche Bodenreform, Regelung der Arbeitslosenunterstützung für die Kleinbauern und Häusler, Berücksichtigung kleinbäuerlicher Kandidaten bei den nächsten Wahlen, eine Beratung mit der Partei über Existenzfragen , des Mittelstandes, Forderung der Kultivierungsaktion im Böhmerwald, restlose Umwandlung des Gemeindegutes in Gemeindestammvermögen u. ä. Zu den Nachmittagsverhandlungen traf auch der Vertreter des Verbandes der deutschen Kleingewerbetreibenden und Kaufleute ein, der die Grüße seiner Organisation überbrachte. Für die Mandatsprüfungs- und Wahlvorschlagskommission erstattete Genosse Prosch den Bericht. An dem Verbandstag haben 104 ordentliche Delegierte und 145 Gastdelegierte teilgenommen. Außerdem waren an 300 Gäste anwesend. Die Neuwahlen brachten folgendes Ergebnis: Zum Ehrenobmann des Verbandes wurde einstimmig und unter Beifall des gesamten Ver- bgndstages Genosse Dominik L e i b l- Hradzen, gewählt. In den Vorstand wurden gewählt: Verbands« obmann: Josef Zenker(Zebus), 1. Stellvertreter: Georg Rupprecht(Lindenhau), 2, Stellvertreter: Josef Michel(Barzdorf), 3. Stellvertreter: Josef Schweich bart(Bodenbach). Weitere Vorstandsmitglieder: Franz Perthen (Biela), Josef Strenzl(Zwingau), Franz Mrasek