Nr. 135 Mittwoch, 10. Zuni 1936 16. Jahrgang ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xiufochova«r. Telefon sm. HERAUSGEBER» SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR» DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Ehiztf*rels 70 HeHtr (eimthlieBlich 5 Heller Porto) IE NT PALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Blum an der Arbeit Sozialgesetze vorgelegt Paris.(Tsch.P. B.) Die Kammer hielt Dienstag nachmittags eine kurze Sitzung at, in der Ministerpräsident Leon Blum im Namen der Regierung den ersten Teil der fünf Regierungsentwürfe, betreffend die Kollrktivver- träge, die vierzigstündige Arbeitswoche ohne Verminderung der Bezüge, die fünfzehntägigen bezahlten Urlaube nicht nur für die Industrie-, sondern auch für die landwirtschaftlichen Arbeiter und für das Dienstpersonal, ferner betreffend die Aufhebung der Dekrete der Regierung Laval über die Verminderung der Bezüge der kleinen Staatsangrstellten und der ehemaligen Frontkämpfer und schließlich betreffend die Revision anderer Regierungsdekrrte vorlegt«. Der Ministerpräsident ersuchte die Kammer, eine dreiund- dreißiggliedrigr Sonderkommiffion zu wählen, welche diese Rrginrungssesetzentwürfr beschleunigt prüfen würde, so daß sie noch diese Woche von der Kammer und in der nächsten Woche im Senat angenommen und.Gesetzeskraft erlangen könnten. Rach kurzer Debatte, in der sich die Rechte vorbehielt, während der Aussprache Zu- satzanträge einzubringen und Abänderungen vorzuschlagen, stimmte die Kammer der Einsetzung der verlangten Kommission zu und vertagte sich auf Donnerstag nachmittags. Die Kommission wird ihre Arbeiten Mittwoch vormittags aufnehmen. Die Strelklage Paris. Die Verhandlungen Lier die Beendigung der Streikkonflikte schreiten günstig fort. Ministerpräsident Lkon Blum verhandelte mit den Delegierten der Textilindustrie, der Innenminister mit dm Delegierten der Lebensmittelindustrie und mit den Dircktorm der großen Geschäftsbetriebe. Im Laufe des Dienstag brachen neue Streiks unter den Schneidern, unter dem Personal von sechs großm Versicherungsgesellschaften u. a. aus. Außerdem. legten die Svndikate der Chauffeure, der Taxichauffeure, der Hausmeister, der Köche, der Eisenbahnangestellten, der Angestellten der Pariser Berkehrsunternehmungm u. a. ihre Forderungen vor. Der Verband der Bankdirektoren hat den Forderungen der Bankangestellten entsprochen, so daß der drohende Streik der Banken leschworm ist. Ebmso erwartet man, daß di« Arbeiter der Bau- und der Metallindustrie, deren Delegierte heute abends dir letzten Einzelheiten des Abkommens vereinbaren, die Arbeit bald wieder aufnehmm werden. Auch in der Liller Gegend schreiten die Verhandlungen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer der Bergbau- und der Textilindustrie günstig fort. Zum erstenmal während des Stteikes zo^en streikmde Arbeiter durch die Pariser Straßen. Etwa 3000 Arbeiter» die bei den Bauorbeitm für die internationale Ausstellung des Jahres 1937 beschäftigt find, zogen mit rotm Fahnen und unter dem Gesang der Internationale durch die Pariser Straßm zu einer Svndikatssitzung. Auch gegen Abmd begabm sich kleine Arbeitergruppen durch die Straßen zn ihrm Gewerkschaftsversammlungen. -»• Der Erfolg Blums (E. R.) In der Nacht vom Sonntag zum Montag ist, wie gemeldet, auf Veranlassung der Regierung Blum und unter aktiver Mitwirkung Leon Blums und des Innenministers R o- ger Salengro ein Abkommen zwischen dem Allgemeinen Arbeitsverband und dem Spitzenverband der französischen Industrie abgeschlossen worden. Es enthält zum erstenmal in der französischen Geschichte die Anerkennung des Koali- tiönsrechtes und wählbarer Betriebsvertretungen durch die Unternehmer; die Löhne werden um 7 bis 18 Prozent erhöht, der Abschluß von Kol» lekttvverträgen. zur. Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen im einzelnen wird in Angriff genommen. Streikrepressalien sind verboten, und die Unternehmer verpflichten sich im voraus zu einer loyalen Anwendung der für die nächsten Tage erwarteten Gesetze über die Bierzig-Stun- denwoche, den bezahlten Arbeiterurlaub und die Tarifverträge.- Die Streiks und die Fabrikbesetzungen werden erst nach dem Abschluß der einzelnen Tarifverträge aufgehoben; ohne Rücksicht auf den Inhalt dieses Abkommens darf keine Errungenschaft des letzten Arbeiterkampfes rückgängig gemacht werden. Im Gewerkschastsblatt „Peuple" begrüßt Lc.on.Iouhaur den großen und neuartigen Erfolg der Arbeiter; noch niemals haben die Unternehmer in direkte Verhandlungen zwischen ihren Spitzenverbänden und den Gewerkschaften eingewilligt. „Die Uebereinkunst wurde unter Schlichtung durch die Regierung geschlossen, der wir für die Entschiedenheit ihrer Stellungnahme und die Schnelligkeit ihres Handelns aufs Tiefste verpflichtet sind. Das geschlossene Abkommen eröffnet eine Aera direkter Beziehungen zwischen den beiden großen wirtschaftlichen Mächten des Landes, die sich frei über ihre Interessen aus- einandexsetzen.werden. Das ist der Hauptpunkt." Der„Populaire" unterstreicht, daß in zwanzigfährigem Kampf die Arbeiterklasse nichts Aehnliches in Frankreich erreicht, vielleicht nicht einmal erhofft habe. Es sei ein Triumph für die Arbeiterklasse, deren unabhängige, ruhige und disziplinierte Aktion die Bewunderung aller und eine große Sympathie für ihre Forderungen erzwungen habe. Triumphieren könne auch die Regierung, deren Entschlossenheit'und Raschheit ihre Ueberlegenheit über den Willen und die Befürchtungen der Unternehmer erwiesen hätten. „Als Sieger können die Arbeiter die Arbeit wie« ' der aufuehmen. sic werden wachsam hl^ibeq und ihre Berufsorganisationen durch ihren Massenbeitritt stärken." Seit Sonntag befinden sich alle Bergarbeiter der nördlichen Reviere im Streik, und am Mon« tag sind mit Ausnahme der Arbeiter an öffentlichen Bauten alle Bauarbeiter in Paris und der gesamten'Seine-Region in den Streik getreten. Ein Bankangestelltenstreik scheint vermieden, und auch die Lebensmittel- und Benzinversorgungsbetriebe arbeiten wieder normal. Verhandlungen Mussolini gibt drei Ressorts ab Rücktritt Suvichs Rom. Die erwartete Umbildung der Regierung ist Dienstag durch königliche Dekrete voll, zogen worden. Danach werden das Außenministerium, das Korporationsministrrium und das Kolonialministerium, welche seit 1938 neben den Wehrmachtministerien und dem Innenministerium in Händen des Regierungschefs lagen, von Mussolini abgetreten. Der bisherige Propagandaminister Graf C i a n o wird Außenminister, der bisherige Staatssekretär im Korporationsministerium L a n t i n i wird Korporationsminister und der Staatssekretär des Kolonialministeriums L o s s o n a wird zum Kolonialminister befördert. Der bisherige Staatssekretär im Propagandaministerium A l f i e r i wird Propagandaminister. Gleichzeitig ist daS Rücktrittsgesuch des bisherigen Staatssekretärs im Außenministerium S u v i ch vom König genehmigt worden. An seine Stelle tritt der derzeitige Botschafter in Warschau Bastianini. Mussolini hat an Suvich für seine vierjährige Mitarbeit ein Handschreiben gerichtet und ihm einen hohen Bertrauensauftrag Vorbehalten. Schacht wieder In Beigradl Belgrad.(Avala.) Am Donnerstag, de« 11. d. M., trifft der deutsche Reichswirt- schaftsminister und Reichsbankpräsident Doktor Schacht in einem Sonderflugzeug in Belgrad ein. Dr. Schacht fährt nach den Balkan-Ländern, um den Besuch zu erwidern, den ihm die Gouverneure der Rationalbanken in Berlin abgestattet habe«. In Belgrad wird Dr. Schacht GastdesGou- verneurs der jugoslawischen Rationalbank Radosavlllcviä sein, welcher ihn im Herbste hörigen Jahres in Berlin besucht hatte. Dieser Besuch bezweckt auch, daß Doktor Schacht die wirtschaftlichen Verhältnisse der Balkanländer studieren kann. Dr. Schacht wird etwa zwei Tage in Belgrad bleiben und sich dann nach j A t h e« begeben.- zwischen den Gewerkschaften und den Warenhaus- konzerncn, die dem französischen Jndustriellenver« band nicht anzehören und von seinen Abmachun-1 gen nicht betroffen werden, dürften zu ähnlichen Ergebnissen führen wie die gestrigen Spitzenverhandlungen, so daß die einzigartigen Streiks in I den Warenhäusern aufhören werden, die wie alle' übrigen dadurch gekennzeichnet sind, daß die Ver-1 käuferinnen auch nachts seit Tagen die Warm-! Häuser nicht räumen. An der allgemeinen Streik-1 läge in Paris und im Lande hat sich noch nicht I viel geändert; Verhandlungen zum Abschluß von Tarifverträgen sind allenthalben im Gange. Inzwischen nehmm die Massenbeitritte zu den Gewerkschaften gewaltig zu. Seit dem Begiun des Arbeitskampfes in Paris haben sich 60.000 Metallarbeiter in Paris und Umgebung ihrem Verbände neu anzeschloffen; eine gewaltige Zahl, wenn man bedenkt, daß bis zum Anfang des Jahres 1936 nur etwa über 300.000' Arbeiter in Frankreich überhaupt gewerkschaftlich organisiert waren. Sympathiekundgebungen für L6on Blum Im Abgeordnetenhaus Prag. Das Abgeordnetenhaus nahm am Dienstag zunächst die Vorlage über die Verwendung von giftigen Gasen bei der Ungeziefervertilgung in beiden Lesungen an. Bei der Behandlung eines Zusatzprotokolls zum ftanzösischen Handelsvertrag, der die begünstigte Zollbehandlung gewisser Miniralsalze betrifft, entspann sich eine außenpoliti sch e Debatte, in welcher der tschechische Genosse Stivin und später Genosse de Witte die Gelegenheit wahrnahmen, die erstmalige Uebernahme der Ministerpräsidentschaft in Frankreich durch einen Sozialisten zu begrüßen und Leon Blum der vollen Sympathie unserer beiden sozialdemokra- ttschen Parteien für sein bahnbrechendes Werk zu versichern. Stivin warnte u. a. auch nachdrücklichst vor dem Terror gegen die Arbeiter, wie ihn bei uns die Henleivpartei, die Nationale Vereinigung der Herren Stiibrny und Kramar und die agrarischen Gewerkschaftsorganisationen des Herrn Chloupek anstreben, und hielt später den Kommunisten einen Spiegel vor, wie s i e sich seinerzeit dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Tusar gegenüber benommen haben und wie in dem analogen Falle nunmehr die ftanzösischen Kommunisten handeln. Genosse de Witte, dessen Rede wir noch im Auszug nachtragen werden, brachte die Sprache auch auf die wirtschaftlichen Sorgen des deutschen Gebietes und forderte nachdrücklichst, daß der Staat den wirtschaftlichen Wiederaufbau dieses Gebietes selbst in die Hand nehme und nicht etwa dem Gutdünken der Unternehmer überlasse. Er wies nach, daß die wahre Friedenssicherung sich nicht allein"auf die Außenpolitik beschränken dürfe, daß vielmehr die wirtschaftliche Beftie- dung der eigene« Bevölkerung mit zu den Grund- Pfeilern jeder währen Friedensarbeit gehöre. Die Debatte wurde dann auf Mittwoch 11 «Uhr vormittags vertagt.... Japan und(Kina (G. B.) Die Verschärfung der Spannung zwischen Kanton und Nanking, die durch die japanische Telegraphenagentur Domei aus durchsichtigen Gründen maßlos übertrieben wird, ist bloß eine Episode in dem großen Spiel, das gegenwärtig Tokio und Nanking gegeneinder führen. Aus dem bunten Wirrwarr der ostasiatischen Ereignisse treten zwei wesentliche Vorgänge in den Vordergrund: das unaufhaltsame Vordringen Japans in Nordchina und die fortschreitende Konsolidierung derRegierungdesMarschalls Chiang am Jangtse. Diese beiden für die Geschicke Ostasiens entscheidenden Vorgänge stehen mit einander in Wechselwirkung: je mehr sich Nanking konsolidiert, desto größere Anstrengungen macht Tokio, Nordchina an sich zu reißen und dort vollendete Tatsachen zu schaffen. Denn die Festigung des chinesischen Kerngebietes am Jangtse macht Nanking zu einem Anziehungszentrum erster Ordnung für die ganze chinesische Peripherie. Und das will Japan mtt allen Mitteln verhindern, denn ein starkes China bedeutet das Ende der japanischen Träume von der Vorherrschaft, auf dem ostasiatischen Festland. Je intensiver jedoch das japanische Vordringen in Nordchina wird, desto größer werden die Anstrengungen Nankings, den Prozeß her Konsolidierung von Kern-China zu beschleunigen, um dem japanischen Vormarsch schon in der nächsten Zukunft einen Riegel vorzuschieben. Hier ftftt aber etwas ein, was den Europäer höchst seltsam anmutet: um Japan zu bekämpfen, betreibt Chiankaishek eine Politik der Annäherung an— Tokio I Trotz der drakonischen Zensur sind in die chinesische Press« Nachrichten darüber gedrungen, daß Ende April zwischen Nanking, der „autonomen" Verwaltung von Hopei-Chahar (Nordchina) und der japanischen Kwantung- armee ein Abkommen zur Bekämpfung des Kommunismus und der „gefährlichen", d. h. anti-japanischen Gedanken, abgeschlossen wurde. Die Japaner haben in den. letzten Monaten der Regierung von Nanking zweifellos Kriegs- und Eisenbahnmaterial zur Bekämpfung der roten Truppen in der Provinz S h a n s i, östlich des Mittellaufes des Gelben Flusses, zur Verfügung gestellt» mit dem Erfolg, daß Nanking nicht bloß die Kommunisten dort aufgerieben, sondern auch die autonome Verwaltung von Shansi vollkommen liquidiert hat. Nach den letzten Informationen beabsichtigt der berühmte„Mustergouverneur" von Shansi Jen Hsi-shan zurückzutreten und die Verwaltung der Provinz den Vertretern von Nanking zu überlassen. Damit hätte Chiang eine neue starke Position in unmittelbarer Nähe der japanischen Machtsphäre errungen. Ein für Tokio etwas unerwartetes Ergebnis der Zusammenarbeit mit Marschall Chiang! Sehr widersprechend.sind die Nachrichten aus der Provinz F u k i e n. Der Aufstand dort scheint von der„Gesellschaft des Grünen Drenn Castello sich recht-« zeitig mit ihnen' in Verbindung gesetzt hätte, wären sicher alle Gläubiger- damit- einverstaw- den gewesen, sich mit 50 Prozent auszugleichen. Die anhaltenden Regenfälle haben in Oesterreich und in Tirol zahlreiche Ueberschwemmungen zur Folge gehabt. Im Salzkammergut sind viele Hutweiden und Felder vermurrt. Die Bewohner des Trauntales haben Vorkehrungen zur Evakuierung getroffen. Die Achensee-Straße in Tirol ist vom Hochwasser unterbrochen worden.-— In der ostanatolischcn Stadt Erzerum sind infolge anhaltenden Regens, Schneefturmes und Hagelschlages dreißig Wohnhäuser teils eingestürzt, teils weggeschwemmt worden. Mehrere hundert Menschen sind obdachlos geworden und leiden unter dem Kälteeinbruch. Zunehmende Spartätigkeit der russischen Arbeiterschaft,(s.) Die„Leningradskaja Pawda" vom 23. Mai berichtet, daß vom 10. bis zum 20. Mai in Leningrad 4,500.000 Rubel in den Sparkassen eingelegt wurden. Der Großteil dieser Summe wurde'in den Sparkassen bei den Fabriken und Unternehmungen eingelegt. Während der 20 Mai-Tage wurden 7,019.000 Rubel eingelegt gegen 3,972.000 in der gleichen Periode des Vorjahres. Ohne Führerschein. Auf der Staatsstraße bei Ceskö Vrbne unweit Böhm-Budweis stieß ein Personenautomobil mit vier Insassen in rascher Fahrt gegen einen Baum. Der Lenker des Wagens, der Fleischergehilfe Rudolf Prazdny, die Schwestern Ja« hoda und der Student Hradskh aus Böhm.-Büdweis wurden verletzt, davon eine der beiden Schwestern Jahoda schwer. Die Untersuchung ergab, daß Prazdny keinen Führerschein und das Auto aus der Garage seines Arbeitgebers ohne dessen Einwilligung ausgeliehen hatte. Weiße Roten auf schwarzem Papier. Ein tschechoslowakischer Notenverlag verhandelt wegen des Erwerbs eines neuen Verfahrens für den Notendruck. Zur Vermeidung der störenden Lichtteflexe weißer Notenblätter in den Orchesterräumen der Theater usw. wird das Druckverfahren umgekehrt und Weiße Noten auf schwarzem Grund gedruckt. Bei der Verwendung- eines besonderen, mattschwarzen Papiers entfallen die sonst üblichen Reflexwirkungen und di« Augen der Musiker werden geschont.(DND) Wahrscheinliches Wetter: Wechselnd bis vorwiegend bewöltt, Neigung zu Schauern, ziemlich kühl, Nordwest- biS Westwind.— Wetteraussichten für Donnerstag: Vorerst ohne wesentliche Aende- rung„ später vom Westen her fortschreitende Er» Wärmung; Vom Rundfunk ■M*taNM*wert«s mm dt« ProflruMMai Donnerstag: Prag, Sander L: 7: Ueberrragung aus Karlsbad. 8.30: Orgelkonzert, 10:, Muziks Salonquartett, 11.15: Militärkonzert,-17.35: Deutsche, Sendung: Shakespeare:- Liebesleid und-Lust", übersetzt von Tieck/ 18.50:"Deutsche Presse,' 22.30: Schrammel- konzert. Sender S: 14.30: Deutsche Sendung: Nu« tes Konzert: Mandolinen- und Gitarrenkonzert.'— Brünn 17.50 Deutsche Sendung: Dialekt und Volkslieder aus der Brünner Umgebung.— Prrßburg 10.15: Bioloncellokonzcrt.— Kaschau 12.15: Mittagskonzert.— Mäbrisch-Ostrau 10: Rundfuukorche- sterkonzert, 17.50: Deutsche Sendung: Kinderstunde, 19.05: Populäres Konzert. .......* Drei große Sendungen ans unseren Wettkur- orten. Neben- den. ständigen Reportagen aus den Sommerfrischen widmet die Prager Deutsche Sendung den Wettkurorten drei besondere Relationen vom 27. bis 29. Juni.- Damit soll gewissermaßen im vornehmsten Sinne des Wortes«in Wettstreit-sowohl Äer die Qualität der Bädereinrichtpngen und Heilquellen wie auch zwischen den- dort heimischen Verttetern des kulturellen und künstlerischen Lebens eingeleitet werden» Oie Unglücksstätte bei Linz In der Nähe der Station Ebelsberg bei Linz(Oesterreich) entgleiste der Schnellzug Wien —Paris. Die Maschine und fünf-Wagen stürzten um und wurden zertrümmert. Drei Personen wurden getötet und zahlreiche verletzt. Man sieht auf dem Bild die Trümmerhaufen des entgleisten Zuges. Nr. 135 Mittwich, 10. Statt 1936 Sette 5 400 Menschenleben gerettet. In dem holländischen Hafen H e l d e r, am Nordrand der ehemaligen Zuidersee, die jetzt fast ganz auSge- trocknet ist. feierte der Heringsfischer Jaap Bern seinen SO. Geburtstag. Ganz Holland feierte mit, denn Jaap Bern, im ganzen Lande nur„der Admiral" genannt, hat in seinem langen Leben nicht weniger als 400 Menschen Pom Tode des Crtrinlens gerettet. Mit seinem SO. Geburtstag feierte er gleichzeitig das 75. Jubiläum seiner ersten Rettungstat, die er als 15jährigek Junge im Jahre 1861 vollbrachte. Seitdem wurde er der Schutzpatron der ganzen Umgegend. In einem einzelnen Jahre hat er nicht weniger, als 60 Menschenleben gerettet. Er ist noch sehr rüstig und fahrt während der Saison jeden Tag in die Nordsee hinaus, um Fische zu fangen und seinen Verpflichtungen als Leiter des Rettungsdienstes nachzukommen. Die holländische Regierung beabsichtigt, Briefmarken mit p«m Kopf Jaap Berns in Verkehr zu bringen. Die erste Gasmaske.(}) Unter den Dokumenten der französischen Akademie der Wissenschaften ist dieser Tage das Protokoll der Sitzung vom 21. März 1785 gefunden worden. Dieses Protokoll enthält das Ergebnis der Prüfung der ersten Gasmaske der Welt. Ihr Erfinder war niemand anders als der berühmte französische Physiker Pilatre de Rozier, der drei Wochen nach jener Sitzung bei einer Luftballonkatastrophe ums Leben gekommen war. Die Maske, die Rozier„respirator" nennt, stellte einen Apparat dar, mit dessen Hilfe der Mensch sich in verseuchten Gegenden aufhalten konnte. Nach den Beschreibungen hatte diese Maske— die übrigens nie fabriziert wurde— alle Elemente der modernsten Gasmasken unserer Tage, darunter auch einen Behälter für Chemikalien, die das Gift absorbieren sollen. Bücher auS GlaS.(j) Versuchsweise find in Frankreich jetzt einige Bücher aus elastischem, unzerbrechlichem Glas hergestellt worden. Der Name des Verfassers und der Titel des Buches find in den etwas dickeren Deckel tief eingedruckt. Aller andere ist auf ein matter, undurchsichtiges GlaS gedruckt. Ob sich diese Bücher durchsetzen werden, erscheint sehr ftaglich. „Daa Rad hab* ich nämlich in Reparatur." Amerikanische Gesetz-Vorschläge Ein Anti-Lynch-Gesetz Richter Lynch feiert in den Bereinigten Staaten n. ch immer Orgien. Erst vor kurzem ist jene Nachricht durch die Presse gegangen, die zeigte, daß es im Kampf zwischen den Behörden und den Lynchern oft allein auf die Geistesgegenwart und Schlauheit der Kombattanten ankommt: jene Meldung von dem Richter, der die angerückten Lyncher kurz entschlossen als Sheriffs in Dienst nahm und vereidigte und so das Leben des bedrohten Negers rettete. Allerdings nicht auf lange Zeit: vierzehn Tage später wurde der Häftling doch umgebracht. Das Lynchen ist ein Sport: Man fährt hin wie zu einem Volksfest. Im Jahr« 1931 wurde in Maryville(Missouri) der Neger Raymond Gunn gelyncht, das 4998. Opfer fest 1882, dem ersten Jahr für das Lynchstatistiken borliegen. Das Datum der Lynchung, der 12. Jänner, war lange im voraus- in. weitem Umkreis bekannt. Reporter und Preffephctograpben waren von den Zeitungen hinbeordert. Die Stadt wurde schon am Sonntag, dem Tag vor der Lynchung, von AutoS der Schaulustigen überschwemmt. Der Ak- tionSplan wurde in den Hotels der Stadt öffentlich besprochen; die Städter luden ihre Freunde aus der Umgegend telephonisch ein, um acht Uhr pünktlich beim Gerichtsgebäude zu erscheinen. Der Sheriff wußte, was gespielt wurde; aber er lehnte das Unterstützüngsangcbot der Staatspolizei von Missouri ab und weigerte sich, ihrem Chef eine Vollmacht zu erteilen, im Notfall einzugreifen. Im Jahr 1925 hielt in Missouri ein Passagierzug auf offener Strecke, um den angenehm überraschten Passagieren Gelegenheit zu geben, eine gerade im Gang befindliche Lynchung mitanzusehen. In mindestens zwei Fällen sind in amerikanischen Südstaaten Lynch-Spezial-Züge gefahren worden, um Lyncher und Zuschauer an Studentinnen unterm Gewehr Die Studentinnen der Ogontzschule in Rydal(USA) werden auch im Schießen" ausgebildet. üusüuul Dor Wahlkampf In USA Seit Dienstag tagt in Clevelünd der Konvent der Republikanischen Partei, der den republikanischen Präsidentschaftskandidaten sür die im November stattfindenden amerikanischen Präsidentschaftswahlen bestimmen soll. Die Entscheidung liegt zwischen Senator B o r a h, der als Verfechter einer strengen außenpolitischen Neutralität der Bereinigten Staaten bekannt ist, dem Obersten Frank Knox aus Chicago und dem Gouverneur von Kansas, Alfred Landon, der wahrscheinlich die meisten Sttmmen der Konvents- Delegierten auf sich vereinen und damit zum offiziellen Kandidaten der Republikanischen Partei werden wird. LandönS Programm enthält vorläufig nur innenpolittsche Forderungen, die gegen Roosevelts Planwirtschaft gerichtet sind und die Wünsche der amerikanischen Grotzkapitalisten widerspiegeln. Landon fordert die Wiederherstellung des.nationalen Kredits", also die Beendigung der Roose« veltschen Währungspolitik, die Wiederbelebung des„Vertrauens"-der Industrie, die Vereinfachung und Verbilligung der Arbeitslosenunterstützung und die Beendigung»»überflüssig«. Staatsausgaben",— alles Programmpunkte, die sich gegen Roosevelts New Deal richten und den Privatunternehmern die alten Freiheiten wieder in Aussicht stellen. Weiter erklärt sich Landon fiir einen Abbau der Steuern und der Zinsen, für den Schutz der Agrarier gegen Preiskonkurrenz und, um wenigstens einen sozialen Programmpunkt aufzuweisen, auch für eine staatliche Altershilfe. Der bisherige Verlauf der Wahllampf-Bor« bereitungen hat gezeigt, daß die Republikaner sellsst keine großen Siegeshoffnungen haben. Ob- jektive Beurteiler glauben auch, daß Landons Programm keine große Wählermassen anziehen wird, weil eS>ideenlos ist. Die Wiederwahl Roosevelts erscheint unter diesen. Umständen sehr wahrscheinlich. Auch in den Reihen der amerikanischen Gewerkschaften hält man eine Gegenkandidatur gegen Roosevelt für aussichtslos, und die Gewerkschaften lehnen eS deshalb ab, den sozialistischen Präsidentschaftskandidaten Norman Thomas zu unterstützen. Die neue Verfassung der Sowjetunion. Der Moskauer Mitarbeiter der„News Chronicle" teilt einige Einzelheiten aus dem Entwurf der neuen Sowjetverfassung mit, der durch einen Ausschuß unter dem Vorsitz von Stalin ausgearbeitet worden ist. Das Parlament der Sowjetunion soll danach aus zwei Kammern bestehen. Das Unterhaus soll 600, das Oberhaus 200 Abgeordnete zählen. Es werden zwei Sessionen jährlich stattfinden. Die Zahl der sozialistischen Republiken, die als Hauptmitglieder der Sowjetunion gelten, wird von sieben auf elf erhöht. Der Präsident der Sowjetunion wird auf fünf Jahre durch eine allgemeine A b-- st i m m u n g gewählt werden. Auch das Parlament wird auf fünf Jahre gewähll werden. Das Wahlrecht werden alle Männer und Frauen, die irgend eine Arbeit leisten, haben. Auch frühere Geistliche und zaristische Beamte sollen das Wahlrecht häbpn^,v. Üfaäü jx