Einzelpreis 70 Heller («insehlitBlich 5 Heller Porte) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii„ fochova«r. Telefon 53077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. 16. Jahrgang Donnerstag, 11. Juni 1S36 Nr. 136 Strelk»Abbau In Etappen Ter große Streik in Frankreich wird langsamer liquidiert, als es zu Wochenbeginn de« Anschein hatte. Das liegt vor allem daran, daß die Unternehmer in einzelnen Branchen der Industrie sich vielfach dem Rahmenvertrag von Montag nachts nicht fügen wollen und insbesondere bei der Festsetzung der Lohnerhöhungen Schwierigkeiten machen. Die Regierung hat aber die Verhandlungen nicht unterbrochen und es ist ihr gelungen, in wesentlichen Gruppen, so im nordfranzösischen Kohle n b c r g b a u, in der T e x t i l i n d« st r i e, in einem Teil der Glas- und Metallindustrie und den Brauereien die Einhaltung des Abkommens durchzusetzen und damit die Voraussetzungen für die Aufnahme der Arbeit zu schaffen. Insgesamt schätzt man die Zahl der Arbeiter, die bereits wieder zu arbeiten begonnen haben, auf mehr als 10 0.0 00. Andererseits treten teilweise noch immer neue Schichten in den Streik rin. Es handelt sich aber vorwiegend um kleinere Berufsgruppon z. B. das Personal der Pariser Modesalons, der Rennställe u. a. kleinerer Betriebsstätten. Die Preffe erscheint wieder. Man rechnet mit einem Abflauen der Streikbewegung und hofft, daß die Arbeiter und die Regierung die Grundsätze des Schlichtungsabkommens vom Montag in den meisten Industriezweigen werden durchdrücken können. kascke Arbeit in Paris Heute fünf weitere Resierungsentwürfe Pari S. Eine 33gliedrige Sonderkommission der Kammer für die Beschleunigung der Prüfung der Regierungsvorlagen über die Ber- befferung der sozialen Stellung der Arbeiter hat Mittwoch vormittags ihre Arbeite» ausgenommen. Dir Kommission besteht aus 22 Mitgliedern der Linksmehrheit und 11 Mitgliedern der Opposition aus den Reihen der Rechten und der Mitte. Tie Regierung bereitet fünf weitere Gesetzentwürfe, u. zw. über die Amnestie, über die Errichtung eines Getreide-Instituts, über die Reform der Statuten der Bank von Frankreich» über die Verstaatlichung der Erzeugung und des Handels mit Kriegsmaterial und über die Verlängerung des Schulbesuches vor. Diese neuen Gesetze werden am Donnerstag vom Ministerrat genehmigt und noch am selben Tag der Kammer vorgelegt werden. Ein Gestapo-Anschlag auf Brüning? Zürich. Die Schweizerische Telegraphcn- Agentur meldet: Vor einiger Zeit wurde in Zürich ein Beamter der deutschen Gestapo verhaftet. lieber die ganze Angelegenheit wird nunmehr von amtlicher schweizerischer Seite gemeldet: Es handelt sich in dem genannten Falle um den aus Dortmund stammenden Hugo Röme r, welchem zur Last gelegt wird, versucht zu haben, eine Aktion gegen eine hochgestellte Persönlichkeit des.früheren Regimes, welche sich damals in Zürich aufhielt, einzuleiten. Römer arbeitete mit dem ebenfalls aus Dortmund stammenden Heinrich Eduard Clemens Müller zusammen. Müller ist nun wegen politischer Umtriebe in Holland verhaftet worden. Wie bekanntgegeben wird, gibt Müller zu, der Hauptschuldige in der Angelegenheit zu sein. Müller ist geständig, seit vielen Jahren von der Schweiz aus politischen Nachrichtendienst getrieben zu haben. Auch habe er die Ergebnisse seiner militärischen Spionagetätigkeit in Frankreich, wo er seinerzeit in Metz zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, durch die Schweiz nach Deutschland geleitet. Müller hat weiterhin zugegeben, daß sich sein politischer Nachrichtendienst auch auf die erwähnte Persönlichkeit, welche kürzlich zum Staatsfeind erklärt worden und deren Unschädlichmachung beschlossen worden sei, erstreckt habe. Wie behauptet wird, soll es sich bei der er, wähnten Persönlichkeit um den früheren Reichskanzler Dr. Brüning handeln. Dr. Benes auf der Rückreise Bukarest. Präsident Tr. Benes ist mit seiner Suite Mittwoch vormittags nach Prag abgereist, wo er Donnerstag gegen 7 Uhr abends"eintrifft. Eine Ehrenkompagnie erwies dem Präsidenten Dr. Benes die militärische Ehrenbezeigung, die Schiffe, die im Hafen von Giurgiu vor Anker liegen, ließen ihre Sirenen ertönen. oder: Der-streitbare Doppelaar Vincent Auriol Finanzminister im Kabinett Blum London. In politischen Kreisen wird erklärt, daß die Stellung Italiens zum Völkerbunde und zu den Sanktionen den Gegenstand der dienstägigen Unterredung des italienischen Botschafters G r a n d i mit dem Unterstaatssekrrtär Bansittart bildete. Der diplomatische Korrespondent des Reuter-Büros erfährt, daß Botschafter Grandi ganz deutlich hat durchblicken lassen, daß Italien den Völkerbund verlassen«erde, wenn die Sanktionen nicht bereits in der Juni-Tagung der Bölkerbundversammlung aufgehoben werden würden. Es bestehen aber zahlreiche Gründe zu der Annahme, daß Italien bereit ist, einen viel versöhnlicheren Standpunkt zum Völkerbund in der Angelegenheit der Annexion Abes- Schanghai.(Tsch. P.-B.) Da die Mili- tärabteilungen der Regierung des Südens in Hunan eingedrungen sind, scheint es, daß der Bürgerkrieg unabwendbar ist. An gut informier^ ten Stellen wird erklärt, daß die Süd-Armee auf keinen Widerstand der Nanking-Armee auf dem ganzen Wege bis nach Hentscheu, 150 Kilometer südlich von Schanghai, stoßen werde. Das südwestliche politische Komitee greift Marschall Tschangkaitschek wegen seiner Haltung gegenüber den japanischen Angriffsabsichten sehr heftig an. Die Erregung erreichte ihren Höhepunkt, als die Nachricht verbreitet. wurde, daß die Japaner ihren Effektivstand in Nord-China vergrößert haben. Di« Südarme« hat keine genauen Vorstellungen über ihre zahlenmäßige Stärke, die jedoch kleiner ist, als die der Militärkräfte von Nanking. Die Südarmee vertraut auf die patriotische Begeisterung, die sich auch in den Provinzen, di« der Nanking-Regierung unterstehen, ausbreittt. Die antijapanische Agitation in Schanghai hat ungewöhnlichen Umfang angenommen. Studenten ans Kwansi sind massenweise in Schanghai rkngrtroffcn, nm ihre Schanghaier Kollegen zur Ausrufung des Generalstreikes zu bewrgem l Schluß mit der Deflation 1 Paris. Finanzminister Vincent Aurkol erklärte in einer Unterredung mit Journalisten, daß der Index der Preise seit den im August des Vorjahres veröffentlichten Dekreten der Regierung Laval von 420 auf 451 angestiegen ist, was einer Lebensverteuerung von 8 bis 10 Prozent gleichkommt und eine Erhöhung der Arbeitslöhne um 7 bis 15. Prozent begründet, wie sie die Vertreter der Arbeiterschaft und der Verband der französischen Arbeftgeber vereinbart hat. Die Beseitigung der acht- bis zehnprozentigen Gehaltsabzüge der französischen kleinen Staatsangestellten und Kleinpensionisten sowie der ehemaligen Kriegsteilnehmer, welche die Regierung gleich nach der Annahme des Gesetzentwurfes vorbereite, wird dem Staat etwa 300 Millionen Franks kosten. Diese Summe ist jedoch nicht zu hoch, wenn dafür der soziale Frieden im Staate erzielt werden könnte. siniens einzunehmen. In viele» Ländern, darunter auch in Groß-Britannien hoffe man, daß Italien noch vor der Juni-Tagung der Bölker- bundversammlung eine bestimmte Geste gegenüber dem Völkerbund tun werde. Wenn z. B. Italien erklären würde, daß es seine Gebiete in Ost-Afrika in Zukunft n a ch d c n Mandat s- G r u n d s ä tz e n, wie sie vom Völkerbund festgesetzt wurden, verwalten will, würde durch eine solche Erklärung die gesamte Situation ungewöhnlich erleichtert. Man erwartet neue Besprechungen des Botschafters Grandi mit dem britischen Minister für auswärtige Angelegenheiten, allerdings nicht für die nächsten Tage, da sich Botschafter Grandi erkältet hat»nd das Bett hüten muß. Eine neue geheime Gesellschaft, genannt„Bereinigung für die Rettung der chinesischen Völker*, arbeitet aaif propagandistischem Gebiete angestrengt für eine Verbindung mit den Kommunisten gegen die Japaner. In Hankau nehmen 23 Flugzeuge der Nanking-Armee Erkundungsflüge vor. Die Bankkreise in Kanton erwarten mit Nervosität den Beginn der Feindseligkeiten. Die Behörden der Provinz Kwansi haben die Todesstrafe auf Spekulation mit den lokalen Banknoten geletzt und haben der Bank von Kwansi das Monopol für die Operationen mit ftemder Währung gegeben. Kanton.(Reuter) General Caicinkai, ein Volkshcld, der im Jahr« 1932 Schanghai gegen die Japaner verteidigte, weigert sich, die Expedition südchinesischer Truppen nach dem Norden zu unterstützen, weil, wie er erläuternd hinzufügt, diese Expedition einem Bürgerkrieg gleichkommt. Kanton ist darüber verstimmt, daß General Cailinkai ihm die Mitarbeit versagt, denn der Name des Generals ivürde der Bewegung größere Bedeutung gegeben haben., Friedendühler Mussolinis in London Durch neue Drohungen mit dem Austritt aus dem Völkerbund maskiert Bürgerkriegs-Stimmung in China Die nationale Bewegung wächst Geschäft and Moral Die Geschichte der Arbeiterbewegung weist manch ein von den Kommunisten verursachtes Kapitel der Schmach auf. Das Verhalten jedoch, das die von den Kommunisten regierte Sowjetunion in der Frage der Sanktionen gegen Italien und der Wirtschaftsbeziehungen zu Deuffchland an den Tag legte, ist so unfaßbar grauenhaft, daß ihm gegenüber alle Verbrechen verblassen, die die Kommunisten bisher der Arbeiterklasse zufügten. Es handelt sich um folgende, in der letzten Ausgabe des„Kampf" mitgeteilten Tatsachen, die von der tschechoslowakischen Kommunistenpresse nicht etwa bestritten, sondern beschönigt werden: Die Sowjetunion ist das Land, das während der Zeit, da die Sanktionen gegen Italien wirksam wurden, die Ausfuhr nach Italien g e st e i» g e r t hat. Es wird bei diesem Verrat an der Idee des Völkerbundes, bei diesem Verrat an dem europäischen Frieden und damit an der Arbeiterklasse, nur vom faschistischen Oe st erreich übertroffen, dem die Arbeiterklasse bei der Wahrung des Friedens allerdings nicht jene Aufgaben zuschreibt, deren Erfüllung für ein von den Arbeitern regiertes Land, wie es die Sowjetunion ist, als selbstver stündlich erscheint. Uebrigens hat Oesterreich die Teilnahme an den Sanktionen von vornherein verweigert. Selbst das Frankreich unter Laval hat die sich aus den Sanktions- beschlüffen ergebenden Verpflichtungen besser respektiert als die Sowjetunion, von England, Holland, Rumänien und Jugoslawien ganz zu schweigen I Während die französische Ausfuhr nach Italien von 196.82 Millionen Dollar im Feber 1935 auf 60.32 Millionen Dollar im Feber 1936 sank, st i e g die russische von 45.75 Millionen Dollar auf 53.98 Millionen Dollar! Noch auffallender ist aber das Verhalten der Sowjetunion gegenüber der Auftüstung des faschistischen Deutschland. Diese Aufrüstung wird von der Sowjetunion nicht nur unterstützt, sondern von ihr überhaupt erst ermöglicht. Denn Deutschland braucht zur Herstellung seiner modernen Waffen unbedingt jenes Manganerz, das n u r in der Sowjetunion in beträchtlichen Mengen vorkommt und dessen Nichtlieferung an Deutschland der wirksamste Beitrag zur Sicherung, des europäischen Friedens sein könnte, ein wirksamerer Beitrag als ihn alle die tapferen Antifaschisten leisten können, die in Deutschland in heißem Glauben an die Sowjetunion Freiheit und Leben in die Schanze schlagen und in den demokratischen Ländern ihre ganze Kraft dem Kämpfe gegen die faschistischen Kriegstreiber widmen. Aber die Sowjetunion hat allein 52 Prozent des von Deutschland im Jahre 1935 eingeführten Manganerzes direkt geliefert, und es ist anzunehmen, daß die restlichen 48 Prozent, die auf dem Umweg über andere Staaten geliefert wurden, ebenfalls aus der Sowjetunion stammen. Im„Kampf" wurde gefragt, was die Kommunisten wohl zu diesen Dingen zu sagen haben. Nun liegt eine Antwort vor. Die„Rote Fahne" vom 10. Juni 1936 schrieb: „Ist es wahr, daß die Sowjetunion Manganerze nach Deütschlaivd liefert, welche für die Aufrüstung verwendet werden?" So fragt uns ein Grulicher Leser und knüpft daran die Mitteilung, daß in sozialdemokratischen Kreisen darüber' diskutiert wird. Bekanntlich hat auch kürzlich außer dem„Prager Tagblatt" die H e n- lein-Presse dieses Argument gegen die UdSSSR aus der sozialdemokratischen Monatsschrift„Der Kampf" übernommen. Hitlers Agenten führen also das gleiche Argument gegen die . UdSSR ins Treffen. Das allein kennzeichnet schon seinen Wert. Was ist darauf zu antworten? Die sozialdemokratischen Arbeiter wissen, daß die Sowjetunion gegen alle Angreifer, nicht nur gegen das Dritte Reich, sondern auch gegen Italien ein einheitliches■ Vorgehen und schärfste Sanktionen gefordert hat. Die beschlossenen Sanktionen wurden in der Sowjetunion stets lückenlos durchgeführt. Als es zur Rheinlandbesetzung kam und Hitler, den Locarnovertrag in Fetzen ritz, war es wieder die Sowjetuni o n, welche schärfstes Vorgehen aller Mächte gegen den Vertragsbrecher forderte. Dieses wurde von der Reaktion unmöglich gemacht. Dazu lehnten die rechten Führer der II. Internationale wiederholt das Angebot der Kommunisten auf gemeinsame Massenaktionen aller Friedensfreunde und Durchführung proletarischer Sanktionen ab. Welche Heuchelei, wenn" man dieselben Leute, welche zum Beispiel die Oelsanktionen gegen Italien sabotierten, der Sowjetunion den Vorwurf machen, daß ' Sowjetöl nach Italien'gekommen fei'Und jetzt dig Seite 2 Donnerstag, 11. Juni 1936 Nr. 136 Lieferung von Manganerzen aus der UdDTRnach Deutschland beanständen. Dabei Weitz jeder, daß Sanktionen eines einzelnen Staates, etwa der UdSSR, gegen den Angreifer völlig wertlos sind und höchstens den faschistis^en Machthabern Argumente für ihre Kriegshetze gegen die Sowjetunion liefern könnten. Die Sowjetunion hat einen freien Handelsverkehr mit allen Staaten. Schon ans diesem Grunde ist es einleuchtend, datz sich Deutschland das Manganerz jederzeit in beliebiger Menge auch auf anderem^3ege verschaffen kann und datz dagegen nur eines helfen würde: 'S chärfste Sanktionen und gemeinsames Vorgehen aller Staaten. Um wieviel besser wäre es für diese „weisen" Kritiker der Sowjetunion, wenn sie statt die Sowjetunion zu verdächtigen und von ihr Unmögliches zu fordern, sich für di« Aktionseinheit aller Friedensfreunde einsetzen würden, welche die Regierungen aller Länder unter Druck setzen und sie zwingen könnte, gemeinsam mit der UdSSR die kollektive Sicherheit gegen die Kriegsbrandstifter zu organisieren! Durch dieses Arumgerede wird die Mitteilung des»Kampf" ausdrücklich bestätigt, ja es zeigt, datz die kommunistischen Soldschreiber über eine Unverfrorenheit verfügen, um die sie jeder kapitalistische Rüstungsindustrielle und sämtliche journalistischen Klopffechter des Rüstungsgewerbes beneiden könnten. Zunächst greift die„Rote Fahne" zu dem Dreh, datz sie mitteilt, die Sanktionen seien in der Sowjetunion stets lückenlos durchgeführt worden. Ja, wahrscheinlich in der Gestalt von Zeitungsartikeln, in denen die dienstfertigen Journalisten in der„Prawda", der„Jswestija" und der„DZZ" der Sowjetbevölkerung Taten auf dem Gebiete des praktischen antifaschistischen Kampfes vortäuschte. Aber die Arbeiter interessiert die Frage, ob die Sanktionen von der Sowjetunion lückenlos durchgeführt wurden! Und diese Frage mutz nach der feigen Ausflucht der „Roten Fahne" erst recht verneint werden. Wie kann die«Rote Fahne" die Machthaber der Sowjetunion durch den Hinweis auf das Verhalten der kapitalistischen Länder in der Sanktionsfrage'rechtfertigen, wenn übrigens feststeht, datz sogar diese Länder ihre Verpflichtungen zum grötzten Teil erfüllten? Wie kann sie aber die Heuchelei schreiben, die bei der Durchführung der Oelsanktionen zutage getreten sei, wenn feststeht, datz die Sowjetunion an Italien noch nie soviel Oel geliefert hat wie in der Sanktionszeit? Für die Lieferung von Manganerz an Deutschland gibt es erst recht keine Entschuldigung. Und vor allem kann jene der„Roten Fahne" nicht zur Kenntnis genommen werden. In diesem Falle wäre, da das Manganerz autzer« halb der Sowjetunion fast nicht vorkommt, die Sanktion auch eines einzigen Landes, die in der Lieferungsverweigerung bestehen mützte, äußerst wirlsmn, und sie wäre, da es sich bei Deutschland um den Todfeind der Demokratie und der Sowjetunion handelt, doppelt gerechtfertigt. Was aber tut die„Rote Fahne"? Sie hat sich die Moral der kapitalistischen Börsenjobber zu eigen gemacht und erklärt, datz sich Deutschland russisches Manganerz ja auf Umwegen beschaffen könnte und datz, dies ist der Schluß, aus diesem Grunde nichts gegen die Ausschaltung der Zwischenhändler durch die direkte Belieferung einzuwenden sei. Der Sowjetunion, die auf jeden Fall die Möglichkeit einer Lieferungskontrolle für seine Ausfuhrprodukte hat, soll also gestattet sein, das| Geschäft über die Moral zu stellen? Was hat das noch mit Sozialisinus zu tun? Wie können Kommunisten, die solch ein Verhalten rechtfertigen, noch den Mut haben, vor Arbeitern sozialistische Reden zu halten? Das heitzt doch das größte politische Verbrechen begehen, das vorstellbar ist: nämlich mit der Gläubigkeit der Arbeiter- massen zum Vorteil gewöhnlicher Geschäftsverbindungen Schindluder zu treiben. „Gemeinsames Vorgehen aller Staaten!" Das ist ein ausgezeichneter Vorschlag, den allerdings Herr Litwinow weitaus weniger beachtet hat als Herr Laval. Und der umso besser' zu verwirklichen wäre, je eifriger die Sowjetunion mit gutem Beispiel voranginge. Das heitzt nicht Unmögliches fordern,'' sondern Selbstverstä n^d l i ch e S. Am allerwenigsten dürfte die Sowjetunion bei der Erfüllung dieser Pflicht von der Ueberlegung gehemmt sein, datz sie dadurch den faschistischen Machthabern Argumente gegen die Sowjetunion liefern könnte. Es ist doch merkwürdig, mit welchem Eifer die „Rote Fahne" bemüht ist, der Sowjetunion bei Genoffe de Witte sprach den dringenden Wunsch aus, datz in absehbarer Zeit unsere Handelsbeziehungen mit Frankreich wesentlich vertieft und erweitert werden; bisher ist das Bild dieser Beziehungen autzerordentlich trist. Leider ist die wirtschaftliche Orientierung in Frank-eich mit der politischen seit jeher stark auf Kriegsfuß gestanden, doch kann man wohl der Hoffnung Ausdruck geben, datz die politische Neugestaltung in Frankreich auch auf dem Gebiete deS Wirtschaftsverkehrs bald eine fühlbar« Besserung mit sich bringt. Nicht nur vom Standpunkt des Sozialisten, sondern einfach vom Standpunft des Europäers ist die■ politische Aenderung in Frankreich eine autzerordentlich erfreuliche; wir alle können uns zu ihr nur beglückwünschen. Wir haben es mit einem aus schwerer Erkrankung genesenden Frankreich zu tun, das sein« alten freiheitlichen Traditionen wieder aufleben lätzt und dem es gelungen ist, den Verfall in Ungeistigkeit und Gewaltherrschaft, der archeren Staaten und Völkern leider nicht erspart geblieben ist. abzustoppen. Genosse de Witte gibt namenüich der Freude über die Erklärung Ausdruck, mit der sich der neue französische Regierungschef, der Sozialist Lkon Blum, der Kammer vorgestellt hat, denn sie legt klar und unzweideutig dar, datz die Faschisten in Frankreich sich nichts erhoffen können. Für den Zustand der frairzösischen Reaktion ist es überdies bezeichnend, datz sie in der Kammerdebatte kein besseres Rüstzeug aufzutreiben vermochte als jenes aus der Zeit der traurigsten Episode der Dritten Republik, aus der unrühmlichen Zett der Dreiyfus- Affäre. Ehrlich erfreut dürfen wir auch sei« über den von Blum erklärt«» starken Willen zu sozialen Reformen; seine Erfüllung wird beispielgebend und befruchtend auch a»rf die L o z i a l v o l 1- tik bei u«S emwirken. Dabei sei auch daran erunert, daß die französischen Sozialisten nicht mit Versailles belastet stad, sonder« das« sie auch damals, als die graste Mehrheit de» französischen Lölkes vom SiegrSkollvr erfüllt war, der Welle getrotzt haben, die wir heute wieder i« besonders reaktionören Staate» rase« sehen. Dir französischen Sozialisten habe« in einer Zeit, i« der daz» eine große Vortion Courage geben faschistischen Kriegstreibern einen guten Ruf zu erhalten oder zu schaffen. Die Kommunisten mögen nicht wieder den läppischen Versuch unternehmen,.unsere Darlegungen als„Antisowjethetze" abzutun! Sie gaben die vom„Kampf" mitgeteilten Fallen selbst bestätigt und wir haben, zum Unterschied von ihnen, die Auffassung, datz der Sowjetunion im Kampfe gegen den Faschismus/im Kampfe um den Frieden eine besondere Aufgabe zukommt. Erfüllt sie diese Aufgabe nicht, dann mutz man eS aussprechen und die Arbeiterklasse der ganzen Welt aufrufen, nicht nur die eigenen Regierungen, sondern auch die Sowjetunion zur praktischen Friedensarbeit ztr z w i n g e n. Das ist die Wahrheit. Wer sie auszusprechen zögert oder sie bemäntelt, versündigt sich an dem Frieden, an der Arbeiterschaft, an der sozialistischen Idee!' hört hat, den Gednnkm der Völker« ersöhmm« propagiert«ad deshalb darf««« ein FriedenSruf aus diesem Munde als unbedingt ehrlich anfgrnommen werden. In seinen weiteren Ausführungen würdigte Genosse de Witte das Ergebnis von Bukarest: In dieser Zett des ungeheueren Druckes, der aus den faschistischen Ländern kommt, ist es schon eine große E r l ei ch t e r u n g, zu wissen, datz eine achtunggebietende Friedensfront aufgebaut wurde, deren Stärke als Warnungssignal jedem Friedensbrecher gegenüber wirken mutz. Wir scheu darin ein Werk unseres Staatspräsidenten, das grotz ist in seiner Konzeption und das man wohl als einen hervorragenden Beitrag zur Verteidigung und zur Auf- bauarbeit der europäischen Kullur bezeichnen darf. Sehr dringlich ist aber auch im Rahmen der Kleinen Entente die wirtschaftliche Prag. Wie verlautet, soll die parlamentarische Session vor den Ferien mtt dem 26. Juni ihren Abschluss finden. Unter den Vorlagen, die bis zu diesem Termin verabschiedet werden sollen, befindet sich- vor, allem die.Steuer.- n o v e l l e, die noch am Freitag den Budgetaüs- schuh passieren mutz. In gemeinsamen Beratün- gen des Kvalittonssukssomitees mit den Vertretern des Finanzministeriums ist die Novelle in vielen Punkten umgearbeitet und jedenfalls so gründlich vorbereitet worden, so datz die Verabschiedung durch den Ausschutz und durch das Par- üvnentSplenum voraussichtlich auf keine Schwierigkeiten mehr stoßen wird. Für die Verhandlung un Parlamentsplenum sind die letzten Tage der kommenden Woche vorgesehen. Vorher wird das Abgeordnetenhaus in der nächsten Sitzung, die für Dienstag nachmittags anberaümt ist, die Gleichstellung der vierten Etappe der st aatlichen Pensionisten sowie eine Gerichtsentlastungsnovelle verabschieden. Untermauerung der Friedensbündnisse. Namentlich »mser Handelsverkehr mtt Jugoslawien lätzt alles zu wünschen übrig. So ist Jugoslawien erst Heuer dazu übergegangen,- seinen Bedarf an Porzellan in Deutschland zu decken, während es bisher immer unser Kunde war. Das bedeutet für Westböhmen einen Verlust von 600 Arbeitsplätzen. DaS ganze deutsche Randgebiet dieses Staates gleicht ja oh«edirS heut« einer Ruine und darum werden solche Vorfälle doppelt schmerzlich empfuudm. Der Wiederaufbau der Wirtschaft i« dm deutschen Gebietm mutz vor allem Sorge deS Staates fein; sich dabei einfach auf die Unternehmer zu verlaffm, geht keinesfalls an. In Frankreich hat Leon Blum im Parlament die Streikwelle mit den schweren Erschütterungen begründet, denen die Menschen im Gefolge der langen Krise ausgeliefert find, und dabei auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen, durch W i r t- schaftS-und Sozialmatznahmen das Elend, zu bannen und damit die Gefahr abzuwenden. Dasselbe gilt in verstärktem Matze auch für uns- Die Gefahren sind hier noch viel drohender, weil das wirtschaftliche Leben bei uns noch um vieles s ch l e ch t« r ist als in Frcmkreich. Statt dessen sehen wir leider— und gestatten Sie. datz ich das offen ausspreche— datz man die Behandlung der 40-Stunden-Woche ad insinitum auffchiebt und datz man sich in der Ernährungsaktiv« Kunststücke leistet, die ganz untragbar sind. Wenn wtt vom Frieden sprechm, dann den- ken wir doch auch daran, was wir noch i m«i g«» nen Staat z« tu» habm, um eine wirkliche Verteidigungsstellung gegenüber allen uns umdrohenden Gefahrm hcrzustellen. Denken wir daran, wie bei den Arbeitereinstellungen bei öffentlichen Arbeiten vorgegangen wird! Da möchte ich betonen, datz ein erheblicher Teil der Bürokratie, vor allem bei der Post und den Eisenbahnen, leider hinsichtlich der Herstellung der psychologischen Verteidigungsstellung in dm deutschen Randgebieten alles zu wünschen übrig lätzt. Hier anzupacken und rasch und gründlich Remedur zu schaffen, ist wohl daS erste Gebot der Stunde! Alle, die Arbeiter am Frieden sein wollen, mögen von sich auS das Ihr« dazu beittagen, um die Friedensarbeit aus der Sphäre der nur politischen Konzeption in die wirtschaft- l i ch e zu überfuhren und vor allen Dingen mögen sie eines nicht vergessen: datz alle FriedenSarbeit zu Hause zu beginnen hat!(Beifall auch auf de« tschechischen Bänken.) Zur Beratung der Vorlage über die B r u« derladensanierung erhielten die zuständigen Ausschüsse eine Frist bis 20. Juni. Die Vorlage soll dann in der letzten Parlamentswoche auf die Tagesordnung des HauseS. kommen. Ob das Eisenbahngesetz, dessen Beratung im Subkomitee gleichfalls schon ziemlich fortgeschritten ist, noch vor den Ferien verabschiedet wird, ist noch nicht sicher; wegen der Zusammenhänge mit dem Gesetz über die Staatsverteidigung besteht aber sichtlich das Bestreben, auch diese Vorlage baldmöglichst zu verabschieden. Neben diesen großen Vorlagen dürften auch noch einige Initiativanträge verhandelt werden, darunter das Redakteurgesetz, gegen welches die Gewerbepartei ihren Widerstand bereits aufgegeben hat. Allerdings unternehmen jetzt die Unternehmerverbände noch alles Mögliche, um der Vorlage, die den besonderen Dienstverhältnissen der Journalisten Rechnung tragen soll, neue Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Innere Aiifbauarbelt für den Frieden tut not Aus der Parlamentsrede des Genossen de Witte Wir tragen nachfolgend einen knappen AnSzug ans der Parlanrentsrede des Genossen de Witte nach, worin dieser nach einer Würdigung des politischen Umschwunges in Frankreich und der Friedensbestrevungen der Kleinen Entente auf die Notwendigkeit hinwies, die Friedensfront durch nattonal. und wirtschaftopolitffche Maßnahmen im eigenen Lande zu stärken. Es ist nur zu wünschen, daß die offenen Worte de Wittes bei den maßgebenden Faktoren endlich das nötige Verständnis finden. Der deutsch e AktivismuS hat sich dies redlich verdient! Uebemscktte Woche Parlamentttchluß? v Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grötzsch Copyright by Bugen Prager-Verlag, Bratislava. Und doch stießen hier zwei Welten aufeinander, durch eine tiefe Kluft getrennt: hüben gültige Gesetze, Achtung vorm Menschen, Freiheit — drüben die Barbarei eineS Parterwahns, die Konzentrationslager, ein unter der Willkür stumpfer Prätorianer seufzendes Volk... Herkner schien es, als sähe er sie drüben am Hange patrouillieren, Karabiner auf dem Rücken. Seine Fäuste krampften sich... Einen Sprung hinüber, eine» von ihnen packen, einmal nur... Justus trank aus und reichte die Hand herum. Sein Magen knurrte; daheim stand alles, was er brauchte.„Macht» gut, Kameraden und reserviert mir m der Spinne für aste Fälle einen alten Strohsack l" Er schob den Hang hinauf, den leichten Bambusstock überm Arm, die Schultern leicht hochgezogen. Die breiten Ränder seines runden, oben eingedrückten Filzhutes zitterten im Winde wie Falterflügel... Herrgott, wie grau der Herkner geworden war! Die Sorge um die Seinen! Wie leicht und einfach hatte es, wer sich in diesen Zeiten nicht um Werb und Kind zu sorgen brauchte... Er warf noch einen Blick zurück. Der Grenzort lag schon unter ihm. Hügelig wellte das Land unter hellen Wölkchen dahin, blauschwarz, mit grünen Tupfen, bretteten sich die Wälder über Kuppen. Dann, im Gehen, schwand alles rings um ihn, versunkene Zeiten tauchten aus unergründlichen Schächten, stürmten auf ihn ein, stießen mit der Gegenwart zusammen Ein Buch sollte dar aus werden, seit Monaten arbeitete er daran, ein Buch über die sozialen Träume und Schäume der Menschen,., Wo war er doch stehen geblieben heute ftüh mit seinem Geschreibe? Beim Gerber Kleon, der sich mit List und Lüge zum Tyrannen von Athen aufschwang, dem Urtyp des skrupellosen Demagogen, dem die Menge blindlings nachlief, weil er jedem versprach, was jeder wünschte... Es war alles schon dagewesen, auch die Menschen des Altertums kannten Perioden, da sie sinnlos wie im Rausche irgendeinem Scharlatan zujubelten und der Freiheit überdrüssig wurden, wie einer allzu gewohnten Geliebten. Merkwürdiges Phänomen: Menschen flüchten plötzlich vor ihren Rechten, lassen sich in Ketten legen und erwarten, dass aus Fesseln ein großes Wunder erblüht... „Der rasende Wunderglaube" oder so ähnlich sosite das Buch heissen. Der Weg führte über Wiesen, in deren Mulden der Boden wie über Moor zu schwanken schien, dann über die Landstraße hinweg, in den Wald hinein, immer den schmalen Fahrtveg entlang. Zwischen den Bäumen hingen die Schleier der Dämmerung... Trottete da weit hinter ihm nicht irgendwer? Wo sich die beiden Burschen an seine Fersen geheftet hatten, konnte er nicht sagen, an einer Wegbiegung sah er sie in seinem Rücken und wusste, datz sie ihm folgten. Ob er schnell schritt oder langsam, ob er Seitenpfade einschlug oder wieder auf der Fahrftratze ging, immer blieben sie einen Steinwurf weit hinter ihm. Was wollten sie? Seine Wohnung war den Braunen bekannt— fehlte etwa nur noch die gute Gelegen» hett, ihn bet Nacht und Nebel zu verschleppen, wie den kommunistischen Emigranten vor einigen Monaten? Bon weitem hallte der Gesang einiger Spaziergänger und verschwand stadtwärts. Eine Lichtung tauchte auf, ein Stück Laubwald, dann leuchtete von weitem das Weitz des kleinen Landhauses, in dessem Obergeschoss Justus hauste. Sonst wohnte nur eine alte Mutter mit zwei gleichfalls bejahrten Töchtern drin, im Stalle des Hofes lagen drei Kühe. Eine merkwürdige Mischung von Bauerngut und Billa. Der Wald lief bis auf Steinwurfweite an das HauS heran. Der Weg bog sich um die letzte Baumgruppe und entzog Justus den Augen der Verfolger. Er sprang rasch zwischen die Stämme, hinter eine mächtige Eiche, kaum zwanzig Schritte vom Wege. So— jetzt wollte er einmal belauern. Sie kamen etwas eiliger geschlendert. Zwei mittelgroße Burschen. Die Dämmerung verschleierte ihre Gesichter. Beide traten zwischen die Bäume und starrten zum Hause hinauf. „Er muß gerade rein sein," sagte der eine. „Kinderstück» hier einen auszuheben... Motorrad her und dann.'. Ein Auerhahn schrie in der Nähe. Justus hörte nur noch Flüstern. Die Sache hing ihm zum Halse heraus, gründlich.' Was hatten dftse Jungens ihn zu beflüstern? Hier sollte gleich einmal Klarheit werden.'..'Seine Faust packte den Stock. Langsam löste er. sich aus der Deckung und schritt auf den Weg zu. Im fahlen Licht sah er, wie der eine in die Tasche griff. Justus hielt den Stock fest in der Hand. „Also mit dem Mowrrad, meinen die Herren?" Ueberseiner Nase stand eine zornrote Falte, indes sein Mund zu lächeln schien. Die beiden traten einige Schritte zurück, unschlüssig, nach rückwärts sichernd. Von weitem schallte der Lärm heimkehrender Ausflügler— da machten die beiden kehrt und verschwanden mit Lauffchritt im Walde. Justus wollte hinterdrein, tat einige Sätze, dann stoppte er. Mit so jungen Beinen kennt«! er nicht mehr konkurrieren. IV. Kapitel. In der Spinne herrschte dicke Luft. Gusti hatte wieder schlecht geschlafen. Fast jede Nacht schreckte ihr Mann aus bösen Träumen, kribbelnde Unruhe trieb ihn hinaus auf den Gang. Dort schlenderte er hin und her, rauchte eine Zigarette. Dann schlich er sich wieder leise ins Bett, aber sie hörte es doch. Moses war beim Deckenstreichen von der! Leiter gefallen und litt an verstauchtem Handge- lenk. Schwarzer brummte. Muß man sich bei| jeder Handarbeit so dumm anstellen? Frosch tückschte, weil ihm Schwarzer in die Arbeit geredet I hatte. Der Bursche sollte im Keller den Kalkbewurf I einer Wand ausbessern. Was tut er? Klopft den Mörtel völlig runter und putzt die Wand neu auf 1 ... Mochte sich Schwarzer gefälligst um die an- I deren kümmern. Er, Frosch, ist nicht umsonst ge- I lernter Maurer... Der Kleine gar repariert 1 oben die Dachrinne, lötet einen Fleck auf und lätzt I die Zinnstange herunter sausen natürlich in ein Fenster, das Gusti zum Streichen ans HauS I gelehnt hatte.„Mief auf der ganzen Linie", kon- I statierte Moses beim Mittagessen. Alle satzen am I langen Tisch. Die Burschen stocherten in ihren| Gemüsenäpfen umher, fahndeten nach dem Fleische I und meldeten es einander, wenn sie was gefunden I hatten. Diese Art Spatz kannte Gusti. Und da I war einer wie der andere, sogar ihr Mann mutzte I mit sticheln. Ihr Gesicht brannte von Küchenhitze j und Aerger. Sie konnte für das Geld nicht jeden 1 Tag Fleisch auf den Tisch bringen! Sollte ihr I mal jemand vormachen. Nur der Kleine kam ihr I zuhilfe, kaute auf einem Stück Knorpel herum und I meinte:„Fleesch is bei der Hitze überhaupt nick) l gut." Peter und Paul feixten, als hätte Ernst I einen Witz gemacht, Frosch nannte ihn„Lötkönig", I der Kleine kriegte seine Wut, wollte über den Tisch hinweg und Schwarzer mutzte Ruhe gebieten. Auf Herkners Platz stand ein leerer Teller. I Immer wieder glitten die Augen der Burschen zu 1 diesem Teller.„Der Botz wird sich heute nich mit| Jemüse rum öden, wat?" meinte Peter in seiner I brandenburgischen Art, und Paul nickte. „Möcht's ooch mal so gut Hamm", knurrte I Frosch,„drei Tage mtt der Frau im Gebirge.." s Fortsetzung folgt.) Nr. 13« Donnerstag, 11. Juni 1936 Seite 3 jw n Av alle Kinser uns erwachsenen! Sonntag, de« 21. Juni, ist Der Senat wurde ebenfalls für nächsten Dienstag einberufen; auf seiner Tagesordnung stehen zwei Zusatzprotokolle zu Handelsverträgen. * In der Plenarsitzung von Mittwoch wurde die außenpolitische Debatte, die sich an ein an sich unbedeutendes Zusatzprotokoll zum französischen Handelsvertrag geknüpft hatte, zu Ende geführt. Der Agrarier R e ch c i g l besprach unsere Handelsbeziehungen zu Frankreich, die durch die ungenügenden Kontingente, die uns Frankreich einräumt, sehr erschwert werden. Frankreich sollte eS sich au- gelegen sein lassen, di« politische Freundschaft auch durch eine wirtschaftliche zu festigen. Bemerkenswert waren die Feststellungen, daß. da- Programm der neuen ftanzösischen Regierung zu den Forderungen unseres Staates nicht in Widerspruch stehe, ja den Intentionen sowie dem Programm der Partei des Redners sehr nahe komm«, weil es ein Programm des wirtschaftlichen Wiederaufbaues und einer sozial gerechten Politik sei. ein Programm, das in der Tschechoslowakei schon in vielen Abschnitten durchgeführt wurde. In seinem agrarischen Teil greife dieses Programm unsere Wege auf. Kopecky lKom.) bemühte sich eifrigst, die gestrigen Feststellungen des Genossen Stivin über die verfehlte kommunistische Taktik dem Kabinett Tusar gegenüber zu entkräften. Stivin berichtigt den Redner in etlichen gut sitzenden Zwischenrufen. Den Löwenanteil an der Entwicklung in Frankreich schreibt Kopecky natürlich den dortigen Kommunisten zu. während er den Sozialisten nur zugute halt, daß sie die Volksftont überhaupt bilden halfest. Bon den Referenten schloß sich Hrusovskv den Sympathiekundgebungen für Frankreich und seine neue Regierung auf das wärmste an und würdigte dann die Bedeutung der in Bukarest neuerlich bekräftigten Kleinen Entente für die kleinen Staaten und für die Erhaltung des Friedens. Redner wies u. a. auch eindringlich auf die Gefahr hin, die sich aus dem Ausbau einer rheinländischen Festungszone durch Deutschland für dessen östliche Nachbarn ergibt. Gegenüber den Meldungen von magyarischer Seite, daß Dr. Hodja selbst seinen Plan der mitteleuropäischen Zusammenarbeit bereits aufgegeben hab«, erklärt der Referent, er sei von autoritativer Seite zu der Feststellung ermächtigt, daß diese Gerüchte unbegündet seien. Es werde an dieser Sache vielmehr intem'iv gearbeitet und schon am 16. d. M. werde eine Expertenberatung über die von Dr. kwdja beantragte Zusammenarbeit der Kleinen Entente mit den Staaten, des römischen Blockes, aber auch mit Deutschland stattsinden. Nach Annahme des Zusatzprotokolls in beiden Lesungen vertagte sich das Haus auf nächsten Dienstag um 18 Uhr. tfudetendeutscfier Zeifepie^ef ange- ■ ■ ■ KC Reine und Saubere Bei einer Revision der G r o ß p r i e s e n e r Feuerwehr kassa wurde ein Abgang von KC 16.000.— festgestellt. Man hatte den Kassier, einen Maschinisten Böhm der Brauerei Großpriesen, längst im Verdacht, daß in seiner Kassa nicht alles in Ordnung sein könne, obwohl ihm in der Generalversammlung Entlastung erteilt worden war. Nach der Uebergabe der Kassa an den neuen Kassier wurde Böhm wiederholt vergeblich aufgefordert, zur Revision der 15 Jahre Kerker im Egerer Spionageprozeß Seinerzeit erregte weit über den Egerer Bezirk hinaus die Verhaftung des Inhabers eines Schreib- und BervielfältigungSbüros in Eger, Friedrich Karl Witte, und seiner Mutter unter dem Verdachte der Ausspähung militärischer Geheimnisse zugunsten einer fremden Macht großes Aufsehen. Nunmehr stand Witte in fortgesetzter Verhandlung vor einem Senate des Kreisgerichtes unter der Anklage der Spionage. Die Verhandlung endete mit der Verurteilung Wittes wegen des Verbrechens des Verrates militärischer Geheimnisse nach 8 6, Z., Abs. 1 des Schutzgesetzes zu einer schweren Kerkerstrafe in der Dauer von fünfzehn Jahren, verschärft durch vierteljährliche Fasten, zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und zu einer Geldstrafe in der Höhe von 1000 Kronen, eventuell weiteren vier Wochen Arrest. Der Verurteilte meldete gegen Üxteil und Strafausmaß die Nichtigkeitsbeschwerde an. die Hälfte. Die Stadt Saaz hat 72.000 Kc angefordert. Bekommen hat sie nur die Hälfte. Die Annahme der Zentralbehörden, daß die Arbeitslosigkeit wesentlich zurückgeht, trifft ja leider nicht zu. Der Bezirk Bilin wird vielleicht als Landgebiet aufgefaßt, was er nur teilweise ist. Der nördliche Teil dieses Bezirkes ist doch völliges Industriegebiet; gegenwärtig ein Gebiet von Jndu- strieruinen. Die Zentralbehörden scheinen sich der Wirkungen dieser Reduktionen bei der Ernährungsaktion nicht klar zu sein. Sie handeln nach fiskalischen Grundsätzen, ohne an die Menschen zu denken, die doch schließlich das wertvollste Element des Staates sind. Was müßte geschehen, um diese willkürlichen Streichungen zu beseitigen? Es müßten die Richtlinien des Ministeriums für soziale Fürsorge präziser gefaßt werden. Der Arbeitslose, der keine Unterstützung nach dem Genter System bekommt, müßte in die Ernährungsaktion ausgenommen werden. Es könnte dann nicht mehr Vorkommen, daß z. B. ein erwachsener Mann auf die kleine Rente seines alten Vaters oder seiner Mutter angewiesen ist oder daß er auf das Einkommen eines Enkelkindes hingewiesen wird, wie es in der Praxis tatsächlich vorkommt. Man versetze sich doch einmal in die Lage eines solchen Menschen! Hier müßte unbedingt ein Wandel emtreten, wenn die Folgen der Arbeitslosigkeit nicht noch fühlbarer werden sollen. Der Hinweis, daß produktive Arbeitslosenfürsorge wertvoller ist als Unterstützung, ist solange eine Phrase, als nicht wirklich genügend ArbeitSmöglichkeitm geschaffen werden. Die Arbeitsosigkeit ist das Kernproblem unserer Zeit, ohne deffen Lösung wird es auch nickst möglich sein, der politischen Krisenherde Herr zu Lohnkampf bei Mautner In Grünwald In den Mautner-Textilwerken in Grünwald bei Gablonz, die zum Zivno-Konzern gehören, ist am Montag, den 8. Juni, ein Konflikt ausgebrochen, der seine Ursache in den Rationalisierungsmaßnahmen hat, die von der Firma durchgeführt werden. An diesen Tagen legten die Arbeiter in der Spulerei und Schlichterei die Arbeit nieder, weil bei erhöhter Leistung die Löhne bedeutend gesenkt wurden. Am Dienstag legte sodann die ganze Beleg- s ch a ft," bestehend aus 1300 Leuten, als Protest gegen die Maßnahmen der Firma, die Arbeit nieder. In einer am Abend vom Detriebsausschuß einberufenen Versammlung, an der 1000 Arbeiter teilnahmen, wurden die Gewerkschaften beauftragt, am Mittwoch mit der Firma zu verhandeln und dabei zu verlangen, daß die vorgenommenen Rationalisierungsmaßnahmen wiederum zurückgenommen werden und daß die alte Entlohnung wieder eingeführt werde. In der Versammlung, bei der eine ganze Reihe Arbeiter das Wort ergriffen, kam die Empörung über die Maßnahmen der Firma zum Ausdruck, sowie auch der feste Wille, in den Streik zu treten, wenn die Firma nicht den Wünschen der Arbeiter Rechnung trägt. Für Mittwoch wurde beschloffen, die Arbeit aufzunehmen und nach den Verhandlungen mit der Firma neuerdings die notwendigen Schritte zu beschließen. Wir werden über den Fortgang des Konftittes noch berichten. 48.980 41.000 80.000 83.410 103.000 66.000 Prozent dec I I• V I ■■•■• gewissen Voraussetzungen soll von diesen Richtlinien abgegangen werden. Aus der Ernährungsaktion sind also nach dieser Auslegung der Richtlinien alle Rentner und alle Personen auszuscheiden, die über ein zweites Einkommen in der genannten Höhe verfügen. Weiter sollen alle Personen ausgeschieden werden, die älter als 68 Jahre sind. Man ist der Meinung, daß jede ältere Person nicht mehr erwerbsfähig ist, was häufig keinesfalls den Tatsachen entspricht. Die Zahl der Personen, die auf diese Weise aus der Ernährungsaktion in den oben genannten Bezirken bereits ausgeschieden worden sind, beträgt sicherlich 10.000. Die Anwendung der Grundsätze der Zentralbehörden führt in vielen Fällen zu krassem sozialem Unrecht. Die Auslegung des Begriffes„S a i s o n a r b e i- te r" führt ebenfalls zu Meinungsdifferenzen zwischen der Bürokratie und den Bezirkssozialkommissionen, vor allem im Landgebiet. An einigen Beispielen wollen wir die Wirkungen der diesmaligen Streichungen klarmachen. Die Gemeinde Hostomitz im Bezirke Bilin benötigt per Woche 814 Lebensmittelkarten. Sie hat nur 360 Karten zugewiesen erhalten. Was soll mit den anderen Arbeitslosen geschehen, die zumeist alle schon jahrelang arbeitslos sind? Die Gemeinden sind durch die Krise ebenfalls so verarmt, daß sie aus eigenen Mitteln für diese Arbeitslosen etwas Nennenswertes nicht niehr tun können. Die Gemeinde Welhenitz braucht in der Woche 480 Kar ten. Bekommen hat sie nur 200, also nicht einmal i werden. Die Zuteilung von Ernährungskarten für die Periode vom 24. Mai bis 28. Juni war höchst unzureichend. Die nachstehenden politischen Bezirke erhielten z. B. weniger als sie anforderten: Teplitz-Schönau,... Dux., Bilin., Brüx Komotau Saaz.. Die Zuweisungen betrugen in forderten Beträge: Teplitz-Schönau. Dux.... Bilin Brüx Komotau.,,,»,,» itf 7o Saaz..'.'.,..,' 38.6% Geradezu kraß waren die Streichungen bei den Bezirken Bilin, Saaz, Brüx und Komotau. Unter den Arbeitslosen dieser Bezirke entstand denn auch eine ttefe Beunruhigung, als kn den Gemeinden die geringen Zuweisungen bekannt wurden. Im Bezirke Komotau kgm es zu spontanen Aktionen der Arbeitslosen in den einzelnen Gemeinden und in der Bezirksstadt. Die Bezirkssozialkommissionen haben daraufhin Nachtragsforderungen beschlossen und überreicht. Das Ministerium für sozial« Fürsorge hat diesen Forderungen teilweise entsprochen. Es erhielten folgende Bezirke noch zugewiesen: Dux 20.000 Kc, Brüx 80.000 KC, Komotau 70.000 KC, Saaz 20.000 Kö. Unter Berücksichtigung der erfolgten Nachträge beträgt nun der den einzelnen Bezirken zur Verfügung stehende Betrag in Prozenten der angeforderten Summe: Dux 92 Prozent, Brüx 87.7 Prozent, Komotau 92 Prozent, Saaz 87.7 Prozent. Den Bezirken Teplitz-Schönau und Bilin wurde ein Nachttaz nicht bewilligt. Das Mißverhältnis zwischen der notwendigen Summe und der Zahl der zur Verfügung stehenden Karten ist furchtbar kraß im Bezirke Bilin und auch im Bezirke Saaz, trotz des Betrages, den der letztgenannte Bezirk noch erhalten hat. Warum erfolgen diese Streichungen? Zentxglbebörden in Prag iind,.der Meinung, daß die Ernährungsaktion nicht so durchgeführt wird, wie sie es wünschen, daß Leute mit Ernährungskarten beteilt werden, die nach ihrer Auffassung nicht in die Ernährungsaktion gehören. Nach den Richtlinien des Ministeriums für soziale Fürsorge können in die Ernährungsattion Personen ausgenommen werden, die den dreimonatlichen Arbeitsnachweis erbringen und deren Lebensunterhalt gefährdet ist. Wann der Lebensunterhalt gefährdet ist, darüber gehen die Auffassungen auseinander. Nach der Auffassung der Zentralbehörden soll eine Familie keinen höheren Betrag bekommen als 20 KC in der Woche. Wenn daher der Arbeitslose eine kleine Rente bezieht, oder sonst ein kleines Nebeneinkommen, oder wenn ein anderes Mitglied der Familie ein höheres Einkommen hat als der Betrag, den der Staat dem Arbeitslosen gibt, der überhaupt nichts hat, also 80 KC im Monat, soll der betreffende Arbeitslos« keine Ernährungskarten bekommen. Nur unter Die Streichungen bei der Ernährungsaktion Was ist bisher geschehen und was muß nun geschehen? Prag er deutsche Abendsendung Im Mai Endlich beginnt die deussche Abendsendung, die leider noch immer zeitlich ungünstig liegt, das zu werden, was an dieser Stelle früher gefordert wurde: zu einem wesentlichen kulturellen Fakwr im fudetendeutschen Leben. Das Versprechen, das der verantwortlich« Leiter des deutschen Rundfunks, Prof. Dr. Frankl, in einer Ansprache dem Dichter Thomas Mann vor dem Mikrophon gab, möge als Programm für die deutschen Sendungen gerne zur Kenntnis genommen werden, wie wir als Auftast dazu Thomas Manns Bekenntnis auffassen wollen, das uns der große Dichter und Europäer vom Prager Sender aus durch den Aether ablegte, indem er«rklätte, daß nur die Erfüllung aller sozialen Aufgaben zu wirklicher Kultur führe. Die Neueinführung der Sendungen„Klassische Zeugen" wird die geistige Grundhaltung der deutschen Relatton festigen, wenn sie Mahner und Künder jener europäischen Kultur bleiben, die ewig und echt deutsch war und ist, und die in Deutschland nicht verkündet werden darf. Eine solche Aufgabe zu erfüllen obliegt auch den deutschen städttschen und BezirkS-BildungSauSschüffen, die ihre Vettreter zu einer gesamtstaatlichen Tagung nach Prag gerufen hatten. Wir in der Provinz sind der deutschen Sendeleitung dafür dankbar, daß wir di« Red« des Außenminister- Dr. K r o f t a hören dursten, auS der der deutsche Aktivismus neue Hoffnungen auf dem steinigen Verständigungswege zwischen Tschechen und Deutschen schöpfen kann; aber auch die grundsätzlich wichtigen Ausführungen de» MinisterS Dr. Franke, des Ministers Professor Spina, des Genossen I a k s ch, der Herren Dir.' L äk und Dr. Mou cha gaben der zukünftigen Bil«\ dungsarbeit Sinn und Ziel. Die Uebertragung der wesentlichen Teile aller dieser Reden hinterließen beim Hörer den guten Eindruck, daß nunmehr unsere gesamte öffentliche Bildungsarbeit vor einer neuen, nach aufwärts führenden Entwicklung steht. Erzieherisch und aufllärend, dabei von starker Wirkung, war das Hörspiel über Jean Jacques Roüsseau, tvorin dessen Thesen über Staat und Gesellschaft und über Verteilung und Ausübung der Staatsgewast verständlich gemacht wurden. Und diese Ideen, welche die Demokratie als Grundlage besitzen und zur großen ftanzösischen Revolution wurden, behalten ihre Gültigkeit bis in unsere Tage. Auf gleicher Linie lag das künstlettsch wertvolle Hörspiel über Johann Gottfried Herder. Musik von Bach, Beethoven und Smetana umrahmte als Stimmen der Völker Herders Worte. In stilvoller Weise wurde so Geburt und Verkündigung des modernen Humani- tätSgedankens gefeiert. Der Vortrag, den Professor Oskar Kraus über: Dr. Benes und das geistige Erbe MasarhkS hielt,, darf als recht glücklich bezeichnet werden, denn erst aus den Gedanken Rouffcaus und Herders, aus den Worten Goethes, die wir als ersten„klassischen Zeugen" hörten, versteht man die Hochentwicklung zu Masarykr Anschauungen und Lehren, die nun sein bester Schüler als Oberhaupt unserer Republik vollenden möge. Die Gedanken der Demokratie als die Grundlage des Rechtsstaates enüvickelte Dr. Woh- r i z e k in seinem Vortrag, den er aus Anlaß des deutschen JuristentageS pi unserem Staate hielt und klar aufzeigte, daß nur die Demokratie die Basis für den Kampf um die Rechte der nationalen Mino- ritäten bietet. Alle diese Sendungen waren für die staatspolitische Aufklärung wichtig, ebenso wichtig für den Hörer war, daß«Mich auch ein offenes, poli- ! tischeS Wort gesprochen wurde. Unser Parteivor- I sitzender, Minister Genosse Dr. C z e ch war es, der am 1. Mai offen verkündete, daß der Faschismus die letzte Stütze des untergehenden Kapitalismus ist, daß er aus seinen Stellungen geworfen werden muß, wozu sich alle fteiheittichen Kräfte der Welt zusammenzuschließen haben. Er verkündete auch unsere zukünftige Aufgabe: den Faschismus im eigenen Lande zu schlagen! DieKofoluper Genossen sollen noch lobend erwähnt werden, die zum erstenmal eine geschlossene Maifeier im Rundfunk darboten. Die Arbeitersendungen brachten auch sonst neuen und interessanten Stoff. So war Ernst Pauls Vortrag: DieTschechoslowakei, dasLandderDLrfer, instruktiv, weil dadurch manch' eigenarttge, politische Situation, wie sie für unser Land charakteristisch ist,, ihre Erklärung sand. Richt weniger spannend sprach Dr. Frey über ArbeiterschaftundHandels- Politik und schuf ein klares Bild über die. Zusammenhänge in der Weltwirtschaft. Daß auch politische Bündnisse für die Handelspolitik erfolgreich, sein können, bewies der Hinweis auf die Erfolge mit der Sowjetunion.— D i e Frau in derKrise schilderte eindringlich Genossin Else Schmidt. Daß es eine der Unsrigen war, die so klar und logisch die Aufgaben der Frau und Mutter in dieser Zeit herausarbeitete, war erfreulich. Nach all den nationalen Phrasen von deutscher Mutter, deutscher Gattin, die die deutsche Hörerin sonst aus dem Rundfunk jenseits unserer Grenzen hört, hinter denen nichts anderes als der KriegSwahn steckt, waren die Worte der Genossin Schmidt ein Lichtpunkt. Sie appelliette an die frauliche Vernunft, an ihre Menschenliebe, aber auch an ihre Verantwortung für Kind und Familie, sie erinnerte an die einzige Mis- swn der Frau: Arbeiterin für soziale Gerechttgkeit und damit für den Frieden zu sein.— Genosse Kunig warb für das 3. Bundesfest des A t u S in Komotau und erklärte die Aufgaben des Arbeitersportes in diesen ereignisvollen Tage», Es gilt der Kampf um Menschlichkeit und Kultur, für die Wahrheit, gegen die Lüge zu führen. Damit ist auch der Sinn deS Arbeitersports anders, ist ein wichtiger Bestandteil jener Volkserziehung geworden, die den Weg zur Demokratie und Frieden weist.— Auch der Reichsjugendtag fand einigemal Werber im.Rundftnk, unter denen Genosse Fritz Keßler hervorragte, der die Stadt des ReichsjugendtagrS, Bodenbach, als dessen Bürgermeister, sthilderte. Er bewies auch, daß man in einer landschaftlichen Schilderung soziale und demokrattsche Gedanken verankern kann.—• Dagegen war dieWerbesendungfür das Elbetal bestimmt wettloS. Wer die Naivität aufbringt, mag einen Marsch, gespielt von der Leikmetttzer Schützenkapelle, als Werbemittel für Leitmeritz auffassen oder eine Arie, gesungen von einem Mitglied des Aussiger Stadttheaters, für Aussig, aber ernst zu nehmen find solche Sendungen nicht. Warum werden solche, gewiß kostspielige Reportagen nicht von einem Fachmann durchgeführt? Der musikalischeTeilder deutschen Sendung hatte nur einen Höhepunkt. Das war die Uebertragung der Dritten Symphonie von Bruckner unter Georg S z e l l s Stabführung aus Reichenberg. Liederkonzerte, wie das mit Frau Frank-Swoboda, find künstlerisch nicht hinreichend genug, um zu fesseln. In zwei lobenswetten Vorträgen wurde des 80. Geburtstages zweier großer Männer gedacht: Bernhard Marr, des großen Casanova-Forscher» aus Dux und Sigmund Freud, des berühmten Psychologen. Die Landwirte hörten einmal Hans Multerers Bauernschwänke vorlesen und ein andereSmal einiges über Getreidepreis« und Steuern. Als Staatsbürger blieben sie nach wie vor in ihrer Erziehung verlassen. Ist das politisch klug und richtig? Richard Bäuml. Seite 4 Donnerstag, 11. Juni 1938 Nr. 138 Die Staatsoberhäupter der Kleinen Entente in Bukarest Von links nach rechts: Präsident Dr. Benes, Kronprinz Michael von Rumänien, König Carol II. von Rumänien, Prinzregent Paul von Jugoslawien u. Prinz Nikolaus von Rumänien Achtung, Jugendtagsdesucher! Einem alten Genossen ist beim Reichsjugendtag, während alle nn Bierzelt vor dem Unwetter Schutz suchten, eine Brieftasche mit wichtigen Papieren und Kö 70.— Inhalt abhanden gekommen. Dg die Papiere dem Berlustträger von größter Bedeutung sind, wird dringend gebeten, wenigstens die Tasche mit den Papieren an die Redaktion des»Nordböhmischen Bolksüote" in Bodenbach zu senden. Strychnin statt Bittersalz! Der 35jährige Besitzer der Weberei Augustin Hejzlar aus der Gemeinde Dlouhä bei Novh Hrädek an der Met- tau, aß Dienstag abends Gurkensalat. In der Nacht wurde ihm schlecht und er ging daher in das unbeleuchtete Nebenzimmer, wo er eine Prise Bittersalz nehmen wollte. In der Hausapotheke ergriff er im Finstern die falsche Schachtel und nahm Strychnin. Er wurde von heftigen Schmerzen befallen und starb nach der Ueberführung ins Rachoder Krankenhaus. Er hinterläßt ine Witwe mit zwei Kindern. Adria-Flugverkehr dis Split verlängert. Der Adria-Flugexpreß der Staatlichen Aerolinien verkehrt seit Montag, den 8. d., bis Split(Spa- lato). Abflug täglich außer Sonntag ab Prag 7.00 Uhr» Ankunft in Split gegen 15 Uhr. Die weitere Verlängerung der Fluglinie bis nach Dubrovnik(Ragusa) mußte vorläufig auf unbestimmte Zeit verschoben werden, bis der Bau eines Hangars in Dubrovnik durchgeführt, ist.»«Der RLnMg"ab Splk? erfolgt um 9.30 uhr,'Annmfk^ in Prag um 17.10. Den Verkehr zwischen Prag und Susak besorgen dreimotorige Aviafluzzeuge für 16 Personen. Der Fahrpreis Prag—Split beträgt 800 KL, Prag—Susak 630 KL. Die Sense kommt wieder zu Ehren. Infolge des Regens sind die Felder so aufgelveicht, daß Mähmaschinen nicht mehr verwendet werden können und heuer an ihre Stelle durchwegs die Sense tritt. Mit ihr kommen diesmal in stärkerem Matze auch die Mäher zu ehren, was schon wegen der Entlastung des Arbeitsmarktes begrüßt werden kann. Blutige Zusammenstöße in Gdingen. In Gdingen ist ein Bauarbeiterstreik ausgebrochen» in dessen Verlaufe es zu Zusammenstößen zwischen Streikbrechern und Streikenden kam. Die Polizei schritt ein. Zahlreiche Arbeiter wurden verwundet. Der Pfarrer als Schlagerkomponist. Einer der bekanntesten englischen Jazz-Komponisten ist niemand geringerer als der Pfarrer Julius Lawson von der All Saints-Church in Clapton, einem Boxort Londons. Zur Zeit singt ganz England seinen neuesten Schlager, betitelt„The little Girl down our Street". Lawson hat bereits über 100 Schlager komponiett, trotz zahlreicher Proteste, die N-estmügLeUetr London. Der Reuter-Korrespondent in Addis I Abeba telegraphiert: Auf der Tee-Plantage in um 17- bis 18jährige Burschen, die nicht von der Bezirksjugendfürsorge, sondern von der unter Leitung eines Henleinmannes (I) stehenden Heilfürsorge für Arbeitslose ausgewählt wurden. Dec Transportführer ist ein Bursche von IS Jahren, von dem man wohl annehmen könnte, daß er selbständig genug ist, auch ohne Kenntnis der tschechischen Sprache in Prag den Zug noch PoliLka zu finden, wenn ihn nicht die Absicht leitete, ein Werk, für das Tausende von Altersgenossen dankbar sind, zu sabotieren. den Hilferuf überbrachte. Die Kolonisten berichten, daß sie zwar noch alle am Leben sind, daß sie jedoch sämtlich infolge des Mangels an Lebensmitteln sowie infolge der schlaflosen Rächte außerordentlich geschwächt sind. Sie teilen auch mit, daß sie sich keine Munition mehr beschaffen können» ebenso gehen ihre Lebensmittelvorräte zu Ende, so daß sie sich kaum noch länger würden wehren können. Der französische Konsul in Addis Weba, welchem gemäß einem Abkommen Frankreichs mit Hollmrd und der Tschechoslowakei die Fürsorge für die holländischen und' tschechoslowakischen Staatsangehörigen übertragen'ist,' hat in Addis Abeba bei den italienischen Behörden eine Demarche unternommen,'welche daraufhin am Dienstag Flugzeuge entsendeten, die den belagerten Kolonisten Lebensmittel abwarfen. Die italienischen Militärbehörden beabsichtigen eine motorisierte Hilfsexpeditton zu entsenden, und haben versprochen, daß ihre Flieger inzwischen öfter den belagerten Platz- überfliegen- werden,- um die Banditen einzuschüchtevn.■ Verhaftungen nach dem Schutzgesetz. In Aich bei Karlsbad wurde der 38jährige Gemüsehändler Franz Stöckner aus Alttohlau, ein ehemaliger französischer Fremdenlegionär, von der Gendarmerie deshalb verhaftet, weil er in angetrunkenem Zustande mehrmals laut„Heil Hit- lerl" gerufen hatte. Stöckner wird sich vor dem Egerer Kreisgericht wegen Vergehens nach dem Schutzgesetz zu verantworten haben. Forstwirtschaftlicher Ausschuß deS BerbandeS deutscher Selbst»erwaltungskörper. Der' Verband der deutschen Selbswerwaltungskörper hat in der Vorstandsitzung am 28. April l. I. beschlossen, im Rahmen seiner Satzung einen Sonderausschuß der Forstwirtschaftler der waldbefitzenden Gemeinden zu errichten. Am 29. Mai d. I. fand unter dem Vorsitze des Verbandsvorsitzenden, Bürgermeister Pölzl, Nussig, die gründende Versammlung dieses Sonderausschusses statt, der ein beratendes Organ des Verbandes ist. Zum Vorsitzenden wurde Forstmeister Jng. Vorreith(Johnsdorf), zu seinem Stellvertreter Forstrat Jng. Pohl(Bergreichenstein) und zum Geschäftsführer Jng. Klardney(Johnsdorf) gewählt, die zusammen mit den Forst- und Oberforst- räten Jng. Fleißner(Karlsbad), Jng. Heger(Ko- motau), Oth(Mähr.-Schönberg) und Bittmann (Troppau) den Vollzugsausschuß bilden. In der Versammlung wurden vom Finanzreferenten des Verbandes, Dr.' Frank, ein Bericht zum Gesetzentwurf über die Bewirtschaftung von Gemeindewäldern erstattet und Erläuterungen zur Frage des Gebührenäquivalentes vom Waldbesitz gegeben. Tschechoslowakischer Farmer von Abessiniern belagert Radiumbehandlung innerlich,(bn) Am Tage vor ihrer Ernennung zur Unterstaatssekretärin für wissenschaftliche Forschung hat Genossin Iol- liot-Curie, die Tochter der Entdeckerin des Radiyms und gleichfalls Trägerin des Nobelpreises vor der medizinischen Gesellschaft für internationale Heilkunst in London über ihre eigenen Forschungen gesprochen. Aus dem ganzen Lande waren Aerzke gekommen und was sie zu hören bekamen, kündigt lvahrhast weitgehende Verbesserungen der Untersuchungs- und Heilmethoden an. Frau Jolliot-Curie— ihr Gatte arbeitete gleichfalls im Laboratorium der berühmten Marie Curie—- hat den Nobelpreis für die Entdek- kung erhalten, daß gewisse Eigenschaften des Radiums durch die Methoden der Ätomzertrümme- rung manchen anderen Chemikalien beigebracht werden können. Mit der Radiumbestrahlung kann man nicht alle inneren Erkrankungen erreichen, aber das„künstliche Radium" wird als Injektion überall im Körper angewendet werden können. Es kann zwar nicht in solchen Mengen hergestellt werden, daß es das„echte" Radium für die Außenbehandlung überflüssig machen könnte, aber in genügend großen, um Einspritzungen zu machen. Daneben ermöglicht aber das Kunstradium auch eine ganz neuartige innere Untersuchung der Gewebe usw. Es wirkt nämlich auch wie Röntensttahlen und liefert„Autohisto- photographien", die krankhafte Veränderungen weit früher erkennen lassen werden, als es bisher möglich war. Aach dem Laien muß klar sein, welche Bedeutung diese Entdeckungen gewinnen dürften. Dir Wohlfahrtsmarken für die Kinder, deren Verkauf mit Ende Juni endet, bleiben als Postwertzeichen bis Ende dieses Jahres im Umlauf. Es sind dies der britische Plantagenbesitzer Harris, die aus Holland stammenden beiden Brü- dsr Lennartz und der tschechoslowakische Plantagenbesitzer Franz mit seiner Frau und seinen beiden Kindern. Sie werden von abessinischen Banditen, die„Schis t" genannt werden, belagert. Als vor einem Monat die Schift-Banditen einen Angriff gegen die Plantage eröffneten, organisierten diese Kolonisten einer der betroffenen Farmen einen gemeinsamen Abwehrkampf, während die übrigen Farmen in Brand gesteckt wurden. Den europäischen Kolonisten waren bei der Abwehr der Banditen mehrere loyale Eingeborene behilflich, von denen einer inzwischen erschossen wurde. Die Schift beschossen fast ununterbrochen die Farm. Den Kolonisten gelang es, nach Addis Abeba einen Eilboten zu senden, der einen dringen- 5o wird man nicht berühmt... In einem Hospital zu Washington starb, 29 Jahre alt, die Medizinpraktikantin Anna Pabst. Sie hatte schon mehrere Erfindungen gemacht und war eben damit beschäftigt, ein Serum gegen die spinale Kinderlähmung zu suchen, als sie durch einen Unfall ums Leben kam. Ein Kaninchen, dem sie eine Einspritzung gckb, machte eine plötzliche Bewegung, so daß der For- scherin ein Tropfen der tödlichen Bazillenkultur ins Auge spritzte. Sie starb bald darauf unter schwerem Leiden. Die Zeitungen melden nichts über diesen tragischen Fall. Aber in der Pariser Zeiffchrist„Minerve", einem bekannten Frauenblatt, erregt sich Jean Pertuisäne über die Ungerechttgkett, die darin liegt, daß man den Gangstern und Filmstars soviel Raum in der Presse gewährt, während eine solche Hingabe für Wissenschaft und Menschheit von niemandem bemertt wird.„Wenn Miß Anna Pabst", so schreibt er,„eine Million Dollars er- schwindelt, ein Kind geraubt oder ihren Geliebten erdolcht hätte, wenn sie stundenlang auf einem Eisblock gesessen hätte, wenn sie den Dauerrekord im Rumba geschlagen oder die schönsten Beine der Welt gezeigt hätte, hätten wir'ihr Bild und ihren Lebenslauf auf der ersten Seite der Zeitungen gefunden. Aber sie be- gnügte sich damtt, ihr Leben einzusetzen, um das der anderen zu retten. Unwesentlich, nicht wahr, ohne jedes Interesse neben so vielen aktuellen Ereignissen mondäner, sportlicher und kriminell ler Art? Schnell ein paar Zeilen in kleinstem Druck, und dann recht viel Raum für den neuesten Modeskandal!" Vom Rundfunk ■mpfahlanswertas aus Sm PrawuMi Freitag: Prag, Sender L: 10.05: Deuffche Presse, 11.35: Smetana-Komposittonen, 12.10: Donkosakenchor auf Schallplatten, 13.30: Arbeitsmarkt, 13.40: Von Mozart zu Hindemith, 15: Nachmittagskonzert, 16.55: Russisch für die Jugend, 17.10: OndtiLek- quartett, 18.10: Deutsche Sendung: Sportvorschau, 18.15: Univ.-Prof. Jmhofer: Der Straßenlärm und seine Bekämpfung, 18.25: Arbeiterfunk: Aktuelle zebn Minuten, 18.45: Deuffche Presse. 19.20: Kna benchorkonzert, 21: Rundfunkorchesterkonzett. Sender S: 7.30: Salonorchesterkonzert, 14.15: Deutsche Sendung: für die Frau, 14.30: Schallplatten. 14.50: Deuffche Presse, 18.20: Salonorchefterkon- ^■,7 drLnu 16.10: Nachmittagskonzert. 17.40: jj£ fc er eine Million dieser Wohlfahrtsbriefmar- nrnfil.—-»>«.. 19.»:«,,ch„«n(il— mit,,"M M.llwl,-mftH-r Mittag-N-» ke» Sun. Oftran 12.35: Mittagskonzert, 18.10: Deuffche Sen-, gernden Kindern be,chaffen. Jeder nutze daher im düng: für die Frau, Gedichte im Dialekt,— Tou-1 Juni die Gelegenheit aus, damit jede Familie ristennachrichten, ihren kleinen Vorrat an diesen Briefmarken hat. Schön^Plakat^uj^indertag sind sofort beim Reichs-Erziehungsbeirat, Prag XII., Slezskä 13/V, zu bestellen! Kassa auf dem Gemeindeamt zu erscheinen. Immer entschuldigte sich der Schuldbewußte mit Dienswerpflichtungen. Es mutzte bei seinem Vor gesetzten interveniert werden. Schließlich geneh migte der Vorgesetzte des Böhm den Gang nach dem Gemeindeamt. Doch kam es auch diesmal noch nicht zur Revision, denn eine Viertelstunde vor der festgesetzten Zeit explodierte Benzin, mit A s s a l e unweit des Zwai-Sees in der Arussi ge- dem Böhm einen Maschinenteil reinigte. Und erst, nannten Gegend werden.mehrere europäische An- nachdem Böhm aus dem Krankenhaus entlassen siedler bereits einen vollen Monat lang belagert, war, konnte der Sachstand sichergestellt werden. Der ungetteue Kassier will sich aber nicht erklä ren können, wie es zu dem erheblichen Defizit kam. Der Feuerwehrkassier Böhm gehört zur Par tei der„Reinen" und„Sauberen". Bei den ver schiedenen Veranstaltungen der Feuerwehr, des Bundes der Kriegsbeschädigten und anderen An lässen lief er stolz mit dem Abzeichen der SdP herum. Gehässig« Kampfeswelse Durch die gleichgeschaltete Presse macht eine Notiz die Runde, in der von einem Transport 14- bis 16jähriger Kinder die Rede ist, die von der Neudeker Bezirksjugendfürsorge nach Nordmähren zur Erholung geschickt worden sein soll. Dabei wird das Schreiben eines Kindes zitiert, das von der Hilflosigkeit der führerlosen Gruppe spricht, die in Prag wie die Ochsen vor dem neuen Tor gestanden sei, dessen ungeachtet aber den Weg in ein Ministerium gefimden haben soll, um sich dort zu beschweren.— Diese Notiz, die zuerst in dem Neudeker Henleinblatt auf tauchte, enffpringt purer Gehässigkeit gegen ein Werk, das nicht die Punze der SdP trägt. Es handelt sich nicht um Kinder, sondern Wieder ein Zug entgleist 15 Tote, 200 Verletzte Neapel.(Havas.) Mittwoch ftüh entgleiste ein Zng zwischen Neapel und Nola. Aus den Trümmer« wurden bisher 15 Tote und 200 Verletzte geborgen. Drei Waggons stürzten um. Die Ursache der Entgleisung ist bisher nicht bekannt. I« dem Zuge fuhren viele Arbeiter nach Neapel in die Arbett. Der Rettungsdienst setzte augenblicklich ein. In alle« Neapeler Krankenhäusern war Berettschaft. aber angesichts des großen Erfolges allmählich verstummt sind. Für Ende Juni kündigt Lawson einen neuen Schlager an, der diesmal ein Walzer sein wird. Er wirdizum erstenmal von der weltberühmten Kapelle des Savoy-Hotels in London gespielt und durch Radio übertragen'werden. Erpresser von 40 Gendarmen umstellt. An den beiden Fabrikanten Eduard und Viktor Schreiber in Ober-Hohenelbe wurden in der letzten Zeit verschiedenüich Erpressungsversuche verübt. Sie erhielten Briefe, in denen ein Unbekannter hohe Geldbeiräge forderte und die Familien der Fabrikanten mit Erschießen bedrohte. In der Nacht auf Mittwoch um halb 2 Uhr sollte der Fabrikant einen Koffer mit vier Millionen KL an eine durch ein weißes Papier bezeichnete Stelle bei Schreibendorf schaffen lassen. 40 Mann Gendarmerie umstellte den Ort. Inzwischen hatte der Erpresser die Gendarmen mit einem Feldstecher ausfindig gemacht und ergriff die Flucht. Im Walde stieß er auf die Gendarmen und gab einige Schüsse ab, worauf die Gendarmen das Feuer erwiderten. Daraufhin gab er gegen sich selbst einen Schuß ab, der ihn tödlich verletzte. Außerdem war er durch einen Schuß der Gendarmen in die rechte Brustseite tödlich verwundet worden. Im Gesicht trug er eine schwarze Maske. In seinem Besitz wurden zwei scharfgeladene Pistolen gefunden. In dem Erpresser wurde der 1909 in Hohenelbe geborene Reffende Leopold Gottstein, der ein Sohn ehrsamer Bauersleute ist, festgestellt. Schuldige gesucht. Aus Bukarest wird die Nachricht bestätigt, daß im Zusammenhänge mif dem katastrophalen Tribüneneinsturz bei den ! Feierlichkeiten der rumänischen Skauts gegen gehn Personen Haftbefehle erlassen wurden. Die Verhaftungen sind auch bereits vollzogen., Die Verhafteten werden der Fahrlässigkeit bei. dem Bau der Unglückstribüne beschuldigt. Die Verhafteten sind der Vizebürgermeister von Bukarest, fünf Ingenieure, zwei Bauunternehmer und zwei Arbeiter. Lebende Tiere als Luftfracht. Die Staatlichen AeroWien propagieren den Transport, lebender TteK'^mrch FlüMoge.'^ Leoesshe Äere^Oke Hunde usw.-, die in der Kabine-mit dem-Reisenden-befördert werden, werden zu den normalen Gepäckstarifen befördert, die pro Kilo% Prozent der Fahrkarte für die betteffende Strecke betragen.: Sonst gilt für die Verfrachtung lebender Tiere der normale Frachtentarif(annähernd ein Prozent des Preises der Fahrkarte) mit einem 50prozentigen Zuschlag. In dem Frachtbrief kann man sogar vorschreiben, in welcher Zwischenstaffon die Tiere zu tränken oder, zu füttern sind; das nötige Futter muß vom Absender beigestellt und mü der Sendung mit- befördett werden. ES bleibt kalt. Die Witterung in unseren Gegenden wird andauernd von einer Tiefdruckfurche beherrscht, die sich von Mittel-Skandinavien über die Ostsee und Polen hinweg nach Düdrußland erstreckt. Ta sich Mittel-Europa an der Südwestseite dieser Furche befindet^ wird es mit andauernder kühler Nordwestströmung aus den nördlichen Teilen des Atlantischen Ozeans überflutet. Solange die erwähnte Luftdruck-, besonders aber die Temperaturverteilung andauern wird, kann bei uns mit keiner Aenderung des Wetters gerechnet werden. Wahrscheinliches Wetter Donnerstag: Wechselnde in den Tagesstunden zunehmende Bewölkung, Neigung zu Schauern, mäßig kühl. Westbis Nordwestwind. Nr. 136 Sette 5 DonnrrStag, 11. Juni 1936 (lusümck im 1985 128.982 168.932 61.947 848.768 Rinder. Kälber. Schafe. Schweine den, dürfte durch die Blutnacht des 30. Juni den letzten Anstoß zur Abkehr von Hitler erhalten haben. Unter den unzähligen, die damals verhaftet wurden, befand sich auch er. Auch er war, mit vielen„Prominenten", Jnsaffe des Columbia-Hauses. Und was er nicht schon wußte von den Geheiymissen der Machteroberung und Machtbehauptung des deutschen Faschismus, hat er von seinen Mitgefangenen erfahren. Der Berfasser erklärt sich bereit, sich frei« willig dem deutschen Volksgcricht zu stellen, falls es Göring gelingt, die vom Autor geforderten Dokumente über den angeblichen Kommunistenaufstand im März 1933 und den ebenso angeblich geplanten Putsch der SA im Juni 1934 im Original vorzulegen. Er wird nie vor das Volks- gericht kommen, denn nie wird Göring diese Dokumente vorlegen können. Sie sind, was ja schon bekannt ist, aber hier neuerlich bewiesen wird, einfach nicht da, der SA-Putsch und der Kommunistenaufstand find Schwindelbehauptungen. Mit der Legende, daß Hitler von all dem Schrecklichen und Grauenvollen, das im Dritten Reich geschieht, nichts Weitz— mit dieser monarchistischen Legende, die für gläubige Untertanen so notwendig ist— räumt der Verfasser auf: er stellt fest, daß Hitler von allem Weitz und also voll mitverantwortlich ist. Miwerantwortlich also auch für den Reichstagsbrand. Ueber den Reichstagsbrand wird berichtet, was ungefähr schon durch andere Veröffentlichungen bekannt ist, daß er planmäßig von Goebbels, Goering, Helldorf, Heines und Ernst und dem Regierungsrat Sommerfeld„veranstaltet" wurde. Neu ist, datz Hanussen den van der Lubbe im Auftrage Helldorfs vor der Brandlegung hypnotisiert hat und daß Hanussen ermordet wurde, weil er Mitwisser der Vorgänge beim Reichstagsbrand war. .Dkr..SA?Aturmsühxer Steinle zählte im Columbia-Haus, baß er seinerzeit von Ernst den Auftrag bekommen hatte, den Hanuffen„umzulegen", die der SS-Führer Grotze als„unumgänglich" bezeichnet«. Jntereflant ist des Verfassers Hinweis darauf, daß die herrschende Gangsterclique nach dem 30. Juni zur Begründung dieses zweiten Riesen- veübrechens fast mit genau die gleichen Worte gebrauchten, wie nach dem Reichstagsbrand«. War ihre Phantasie, die die grausigen Verbrechen ausgeheckt hatte, so armselig, um neue Worte zu finden, oder schätzen sie das beherrschte Volk so niedrig«in, datz sie glauben, keines der von oben verübten Verbrechen bedürfe einer auch nur einigermaßen wirklich täuschenden Bemäntelung? Die Welt hat schon vor dem Erscheinen dieses Buches gewußt, daß den Reichstag nicht die Kommunisten angezündet haben und daß im März 1933 kein Kommunistenaufstand geplant war und daß in der deutschen Bartholomäusnacht gemordet wurde, um Mitwisser des Reichs- tagÄrand-Bevbrechens und gleichzeitig eine Menge unbequem gewordener Parteigenossen zu beseitigen. Aber es ist verdienswoll, es wieder ins Gedächtnis zurückzurufen und neue Tatsachen als Belege anzuführen. Und es ist wichtig, von Die Lebensmittelschwierigkeiten im Dritten Reich. Die Eierknappheit»ritt in den deutschen Großstädten erneut empfindlich in Erscheinung. Die Zeitungen dürfen darüber, nicht schreiben, aber aus den Berichteri von den Eier- märkten ist die Schwierigkeit in der Eierversorgung zu erkennen. So heißt es in einem Bericht vom Berliner Eiermarkt:„Da für die Konservierung noch beträchtliche Mengen fehlen, auch die Konsumnachfrage weiter gut ist, finden alle Anlieferungen zu festen Preisen glatten Absatz." In verständliches D-utsch übersetzt heißt daS: Die Anlieferungen von Eiern sind zu knapp, der Bedarf kann nicht befriedigt werden. Es wird zu höchsten Preisen verkauft. Also Eierknappheit zu einer Zeit, in der sonst noch ein Ueberschuß für die Konservierung vorhanden war. DaS ist die Folge der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik, die die Futtermittel verteuert und die Eiereinfuhr beschränkt.— Ueber den Auftrieb von Schlachtvieh zu den Hauptviehmärkten in Deutschland, der für die Fleischversorgung der Bevölkerung ausschlaggebend ist, wird für di« dritte Maiwoche berichtet:„Der Auftrieb von Schlachtvieh zu den Haupwiehinärkten im Reiche war gegenüber der Vorwoche in allen Viehgattungen auf den meisten Märkten niedriger. Rinder und Schweine mußten zugeteilt werden." Die Zufuhren von Schlachtvieh zu den wichtigsten 49 Schlachtviehmärkten in Deutschland zeigen Wicklung: Auch dann, wenn der Verfasser des im Züricher Europa-Verlag erschienenen Buches „I ch kann nicht schweigen"(214 Seiten, Preis Fr.4.80). nicht gezwungen wäre, seinen Namen zu verbergen, wäre seine Anklage« und Bekenntnisschrift nicht der Emile Zolas an die Seite zu stellen. Seiner Svrache fehlt die mitreißende Kraft, seine politischen Darlegungen ermangeln der Tiefe. Aus diesem Buche spricht nicht ein großer Mensch, eine überragende Persönlichkeit. Und doch ist sein Buch von hohem dokumentarischen Werte: ein Kenner, ein Eingeweihter, einer, der lange mit Hitler mitmarschiert ist, spricht, vom Grauen und Entsetzen über die Willkürherrschaft einer Gangsterbande gepackt, aus gründlicher Kenntnis aller Schandtaten dieses Regimes, indem er diese schildert, das Urteil über das Hitlersystem. Eine Bestätigung des Schlveizer Alt- Staatsanwaltes Dr. E. Zürcher stellt fest, daß der Verfasser seit dem Kriege führend auf der deutschen Rechten stand, daß er in engster Verbindung zur Reichswehr stand und bis in die jüngste Zeit Mitarbeiter des„Völkischen Beobachters" war. Der Verfasser, einer der vielen, die lange Zeit hindurch an den National sozialismus und an Hitler geglaubt haben, die nur zögernd sich die Enttäuschung, die sie erlitten, eingestanFrick und die Hebammen Nach dem Führerprinzip gibt es im Hitlerreich auch eine„Hebammen-Füh- r e r i n". Reichsminister Frick auf dem internationalen Hebanunen-Kongretz mit merlwür- .dig kostümierten Hebammen und der„Führerin". Ein deutscher„J’accuse!“ Es ergibt sich demnach bei allen Vieh-Arten eine Abnahme des Auftriebs, die besonders stark bei Rindern und Kälbern ist. Diese Entwicklung ist ein Beweis dafür, datz, obwohl die niedrige Entlohnung der deutschen Arbeiterschaft den Verbrauch stark gedrückt hat, die Schwierigkeiten in der Fleischversorgung von der nationalsozialistischen Regierung nicht behoben werden konnten. April 1936 folgende Ent- April 1936 71.080 143.664 61.122 829.230 JODBAD DARKOV das stärkste in Mitteleuropa mit KINDERMIM und modernem SANATORIUM. Heilt mit Erfolg: Chirurg. Tuberkulose, Arteriosklerose, hohen Blutdruck, Frauenleiden, Hautkrankheiten, Exsudate, Skrofulose, rheumatische Erkrankungen, Folgezustände nach Schlaganfall und Lues, Tabes, Struma, Zustände nach Unfällen, Knochenbrüchen. Luxationen u. s. w.— Fachärztliche Ordination. Saison: BAO 1. Mai— 30. September, SANATORIUM ganzjährig. Pausclialklircn, Vereinbarungen mit sämtlichen Krankenversicherungsanstalten und Fonds. Auskünfte und Prospekte: ftlr das Bad durch die Badevcrwaltung, 3505 für das Sanatorium durch die Direktion des Sanatoriums. Der Ahnherr der„Queen Mary“ Von Jug. 2. Freitag. Die Jungfernfahrt des zur Zeit größten Dampfers der Welt, der„Queen Mary", lenkt viele Augen auf die moderne. Schiffbautunst und läßt Gedanken an die Kindertage der Dampf, schifsahrt aufkommen. Wohl nur wenigen ist bewußt, da die Dampfschiffahrt, wie wir sie kennen, erst ein Kind des 19. Jahrhunderts ist. Amerika ist ihr Geburtsland. Nordamerika mit seinen gewaltigen natürlichen Wasserstraßen, seinen riesigen Entfernungen, das zu Lande noch nicht wie die alten Kulturländer Europas gut durchgeführte Straßen besaß, hatte die größten Vorteile von der Dampfschiffahrt zu erwarten. Dem großen amerikanischen Ingenieur Robert Fulton gebührt das Verdienst, vor nunmehr 130 Jahren die erste längere Dampfschiffahrt erfolgreich durchgeführt und zugleich die erste regelmäßige Dampfschiffahrts- Verbindung eingerichtet zu haben. Robert Fulwn wurde 1768 in einer kleinen Stadt Pennsylvaniens geboren. Er wollte zunächst Feinmechaniker werden, ging aber bald zur Kunst über und erwarb sich als Bildnismaler einen gewissen Ruf. 21 Jahre alt. begab er kick' 1788 nach London, um sich als Schüler Benjamin West's, seines amerikanischen Landsmannes, weiter in der Kunit zu vervollkommnen. Seine ausgesprochene Vorliebe für die Technik ließ aber bald den Maler hinter den Ingenieur weit zurücktreten. In England und in Frankreich begann er zuerst, seine Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen. In Paris arbeitete er gemeinsam mit Robert Livingston, der sich ebenfalls schon vorher mit großem Eifer um die Dampfschiffahrt gekümmert hatte. Ein kleines Bersuchsboot, 1802 erbaut, erwies sich als zu schwach für die Maschine; es zerbrach und versank. Mit einem stärkeren Fahrzeug aber konnte er bereits 1803 in Paris auf der Seine ein geladenes Publikum mehrere Stunden lang stromauf und stromab spazierenfahren. Der Krieg zwischen Frankreich und England lenkte seine Aufmerksamkeit auf die Waffcntechnik. Torpedo und Torpedoboote nahmen jetzt sein Hauptinteresse in Anspruch. Auch ein Unterseeboot, mit dem sich Fulton bereits stundenlang unter Wasser aufhielt, erregte damals großes Aufsehen. Die kriegerischen Verhältnisse in Europa waren der Entwicklung der Dampfschiffahrt dauernd ungünstig. Auch von dem Fultonschen Unterseeboot, seinen Torpedos und seinen Seeminen verstand man noch keinen Gebrauch zu machen. So entschloß sich Fulton, nach Amerika zurückzukehren und hier di« Dampfschaffahrt einzuführen. Bei Boulton und Watt in Söho, der ersten und damals noch größten Dampfmakchinenfabrik der I Welt, ließ er nach seinen Angaben eine Dampfmaschine von 609 Millimeter Zyl.-Dm. und 1220 Millimeter Hub bauen. Der Dampfmaschine voraus reiste er Ende 1806 nach New Uork. Livington war inzwischen ebenfalls nach Amerika zurückgekehrt. Beide zusammen betrieben jetzt den Bau des Dampfschiffes, von dem die heutige Dampftchiftahrt ihren Anfang genommen hat. Im Frühjahr 1807 lief die„Claremont" vom Stapel. Das Schiff war 40.5 Meter lang und 5.48 Meter breit. Im August des gleichen Jahres war auch die Maschine betriebsfertig in den Dampfer eingebaut. Am 17. August 1807 konnte die erste längere Fahrt unternommen werden. Eine große Volksmenge hatte sich neugierig, aber des Mißerfolges sicher, an der Ab- fahrtsstclle eingefunden. Man spottete über„Ful- tonS Narrheit", so nannte man seinen Dampfer, und rief ihm höhnisch zu, er solle auch ein Stück vom Nordpol mitbringen. Das Schiff sah merkwürdig genug aus. Kessel, Maschine und Schornstein mußten mehr Furcht als Zutrauen erregen. Die plumpen großen Seitenräder besaßen anfangs noch keinen Schubkasten und die 12 ungeheuren Schaufeln versorgten bei jeder Umdrehung auch noch das Deck mit Wasser. Der Schornstein war fast so hoch wie die Masten. Als endlich die Maschine in Gang gesetzt wurde und das Schiff sich unter gewaltigem Lärmen wirklich vorwärts bewegte, verwandelte sich der Spott der Zuschauer bald in lauten Beifall, der sich bei allen Landungsbrücken wiederholte. Aucki unterwegs hat dieser Dampfer nicht nur Bewunderung, sondern „Ist das ein Auto, Vater?" „Ah wo, das ist der alte Janda!" einem Kenner das deutsche Blutregime in seiner ganzen Greulichkeit geschildert zu bekommen. Belanglos ist, daß der Verfasser meint, eines Tages werde das deutsche Volk erwachen und die Hitler-Diktatur ersetzt finden durch eine„vernünftige" und„sozial gerechte" Reichswehrherrschaft. Das sind Prophezeiungen eines Militaristen, der sich den Weg Deutschlands nicht anders vorstellen kann. Der Wert des Buches liegt im Agitatorischen, liegt darin, daß es mithelfen wird, bisher Blindgläubigen die Augen zu öffnen. Voikswirtschan und Sozialpolitik Wlrtschafts-Resionallsmus Aus Anlaß des X. Berbandstages des Einheitsverbandes der Privgtangestellten in der ESR haben die aus allen Teilen Europas anwesenden Vertreter der Angestellten-Jnternationale erneut ihre Verbundenheit mit der Arbeitsgemeinschaft der freien Angestellten-Gewerkschaften Mitteleuropas bekundet. Die Wirtschaftskrise und große strukturelle Wandlungen haben das wirtschaftliche Gleichgewicht im Weltmaßstab auf der Grundlage einer Teilung von Agrar-, Industrie- und Rohstoffländern und die freie Konkurrenz aufgehoben. Ein neuer Ausgleich kann nur im systematischen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den einzelnen Staaten gefunden werden. Diese Entwicklungstendenz führt zur regionalen Zusammenarbeit innerhalb einheitlich gerichtete? Wirtschaftsgebiete. Die Anfänge eines solchen Wirt- schafts-RegionalismuS zeigen sich in Skandinavien, in den Baltischen Ländern, auf dem Balkan und nicht zuletzt in Mitteleuropa. So lange eine internationale Durchorganisierung der Weltwirtschaft noch nicht zustande kommt, sind die regionalen Wirtschaftsgemeinschaften ein Uebergang zur Schaffung der Europäischen Wirtschaftseinheit. Die Vertreter der Internationale erachten es als die geschichtliche Aufgabe der Gewerkschaften, den Weg zur regionalen Grotzraumwirtschaft zu ebnen. Sie erblicken aber auch in der wirtschaftlichen Konsolidierung der von Arbeitslosigkeit und Wirtschaftsnot bedrängten Länder eine wesentliche Voraussetzung zur Verständigung der Völker und zum Frieden der Welt. ' auch Angst und Schrecken verbreitete AuS dem Schornstein schlugen die Flanunensäulen und Funken hoch hinaus, da der Kessel mit trockenem Fichtenholz geheizt wurde. Dieses Feuerwerk, verbunden mit dem Stampfen, Stöhnen und Geratter der Maschine, und die Tatsache, daß sich ein großes Schiff gegen den Strom ohne Wind zu bewegen vermochte, genügten, um bei den abergläubigen Schiffern, die auf ihren Frachtschiften stromab fuhren, Furcht und Entsetzen zu erregen. Man erzählt, daß ganze Schiffsmannschaften auf ihre Knie fielen und Gott baten, sie vor dem schrecklichen Ungeheuer zu beschützen, das auf dem Wasser einherzog und seinen Weg durch die Flammen, die es ausspie, beleuchtete. Bald aber gewöhnte man sich, das Staunen wich, und nur der Haß gegen die Neuerung, die ihnen den althergebrachten Beruf zu verkümmern schien, blieb bei den Schiftern übrig. Fulton selbst schrieb über diese erste denkwürdige Dampferfahrt an seinen Freund:„Ich überholte viele Schaluppen und Schoner und fuhr an ihnen vorüber, als lägen sie vor Anker. Die Dampfkraft zum Treiben von Booten ist nun voll erprobt worden." Dreizehn Jahrzehnte sind vergangen und die Menschen erschrecken nicht mehr über technische Wunder. Sie forschen nach dem Rekord. Die „Queen Mary" hat das Blaue Band nicht erreicht und schon verblaßt die Bewunderung von gestern und hält Ausschau nach Giganten von morgen. «ette 8 „Soziakbemokrät* Donnerstag, 11. Jun? 1936. Nr. 136 Träger Rettung Die Zunge durchgebiffen. Der 16jährige Elek- trokdchniterlehrling Jaroslav Zalud aus Prag IV. fuhr in der Nacht auf gestern mit seinem Rade den Riegerkai entlang, als ihm bei den Trnkamühlen die vordere Gabel zersprang und er aufs Pflaster stürzte, wo er bewußtlos liegen bileb. Die Rettungsgesellschaft brachte ihn auf die Klinik Jiräsek, wo festgestellt wurde, daß er sich die Zunge durch- gebiffen und eine Gehirnerschütterung erlitten hat. Ein Kind durch Scherben verletzt. Gestern nachmittags stolperte der 12jährige Schüler Jan Kaliba aus Rusle beim Ueberschreiten der Straße Na Pankraci in Nusle über einen Korb mit Flaschen. den die Geschäftsinhaberin Franziska Dvorak auf die Straße gestellt hatte, zerschlug im Fallen die Flaschen und verletzte sich durch Schnittwunden und eine Verrenkung des linken Armes. Das Verfahren gegen die Dvorak wurde eingeleitet. Lastauto fährt gegen Leitungsmast. Der Chauffeur Josef Svec aus Dablitz, der gestern mit einem mit Kolonialwaren beladenen Lastauto durch die Tkebizskhstraße in Koschirsch fuhr, stieß an einer Straßenkreuzung mit dem mit Ziegeln beladeneu Auto P—30.629 des Chauffeurs Franz Radek aus Smichow zusammen. Hiebei wurde das Auw des Svec gegen einen hölzernen Leitungsmast der Stra- ßenbahnlcitung geschleudert, dkn es zerbrach. Tas Automobil wurde'Ebenfalls zertrümmert, die Kolonialwaren auf der Straße verstreut und zum größten Teil unbrauchbar gemacht. Das andere Auto wurde stark beschädigt. Der Vorfall hatte einen großen Menschenauflauf zur Folge. Straßenbahn beim Rationaltheater entgleist. Gestern nachmittags um 5 Uhr wurde auf der Le-, gionenbrücke, gegenüber dem tschechischen Ratwnaltheater, ein Straßenbahnwagen der 2er-Linie durch einen 9er-Wagen, der hinter ihm fuhr, aus dem Geleise geworfen. Hiebei wurde der Wagenlenker des 2er-Wagens schwerer, eine Frau, die beim Aussteigen von der Hinteren Plattform des Schleppwagens des gleichen Wagens gestoßen wurde, leichter an den Beinen verletzt; verletzt wurden auch zwei Passanten, ein Fräulein Mares— ebenfalls leicht — und ein anderer, der zu Fuß ins Krankenhaus ging. Beim 2xr-Wagen wuröen zahlreiche Fensterscheiben eingeschlagen. Der Vorfall hatte einen großen Menschenauflauf zur Folge. Polizei und Straßenbahnpersonal hatten hiebei genug mit der naiven Undiszipliniertheit des Publikmns zu tun, das die herabhängenden Leitungsdrähte des 2er-Wagens berühren wollte. Nach 25 Bieren... (Prager Schwurgericht.)' Prag,(rb.) Die Pflasterarbeiter JosefCer- rn ak und AntonHavelka waren gute Kameraden. Zuletzt arbeiteten sie gemeinsam am Bau der Straße bei Podbaba im Okwber v. I. Am 10. Oktober gingen sie nach Arbeitsschluß in ein Wirtshaus und löschten dort ihren Durst so ausgiebig, daß nach kurzer Zeit ihr Geld vertrunken war. Cermal wußte Rat. Er suchte den ihm gut bekannten auszahlenden Angestellten seiner Dienftgeberfirma auf und ließ sich einen Vorschuß von 50 KC geben. Mit diesem Geld finanzierte dann Cermak das weitere„gemütliche Beisammensein", das aber sehr ungemütlich endete. Schon vorher war es zu Streitigkeiten zwischen den Kameraden gekommen, die aber beigelegt wurden. Im Verlauf der weiteren Sauferei gerieten sie in Meinungsverschiedenheiten über die Strategie in dem damals eben ausgebrochenen italienischabessinischen Krieg und diese Bierdebatte endete tragisch. Cermak rückte seinem Kameraden auf den Leib und dieser versetzte ihm einen Hieb gegen die Rase, welcher den Cermak auf den Boden beförderte. Cermak, durch denGenußvon25Bieren aufs äußerste erhitzt, wollte an Ort und Stelle Rache nehmen. In diesem kritischen Moment trat aber der herkulische Gastwirt dazwischen, der den Cermak beim Kragen packte und kurzerhand auf die Straße warf. Aufgeschoben war nicht aufgehoben, denn der Hinausgeworfene lauerte aus der Straße seinem Feind auf. Als dieser das Wirtshaus verließ, warf sich Cermak mit dem Ausruf:„Hund, mit dir Nene Bücher Brot und Wein. Roman von Jgnazio Silo n e. Verlag Wilhelm O p r e ch t, Zürich.„Wir sind nicht die Partei der Phraseure, wir arbeiten nicht für den Schein. Für uns ist es nicht wichtig, stark zu scheinen, sondern stark zu sein. Die Revolution ist nicht ein Kniff oder ein Zauberkunststück. Sie ist die Wahrheit, nichts anderes als die Wahrheit." Diese Worte, die in Herz und Hirn jedes sozialistischen Kämpfers brennen sollten, läßt Jgnazio Silone den Helden seines bisher tiefsten und reifsten Buches sprechen, einen Revolutionär, der die Freiheit der Emigration nicht ertrug und darum wieder in das faschistische Italien zurückging, um illegale Arbeit zu leisten. Der Held bringt die romantische Vorstellung mit ins Land, die man sich in der Emigration manchmal über die illegale Arbeit bildet, hat alle die Illusionen, die uns das vom Faschismus geknechtete Volk widerstandswilliger erscheinen lassen als es ist.— Das Volk im Faschismus: das ist nicht eine Masse, in der der gemeinsame Wille zur Freiheit reift, das sind die Atomisierten, find die Einzelwesen, die in Stumpfheit, Charakterschioäche und Furcht dahinleben, immer bemüht, sich irgendwie obenzuhalten und möglichst laut die Luft des Kerkers als die bekömmlichste zu erklären. Spina, der Held des Buches, verklebet sich als Priester und nimmt die Aufgabe, Apostel zu sein, sehr ernst. Vorsichtig, immer von Tod und Verfolgung bedroht, tastet er sich an die Herzen der Menschen heran, ge- rechne ich jetzt ab! Ich bringe dich um, du Hund!" auf Havelka und stieß ihm die Klinge seines Taschenmessers in den Hals. Wenig fehlte, daß der Messerstich die Halsschlagader durchtrennt hätte, in welchem Fall Cermak unter Mordanklage vor den Geschworenen erschienen wäre. Diese ärgste Möglichkeit trat durch glücklichen Zufall nicht ein. Trotzdem waren die Folgen der Verletzung tragisch, denn Havelka, der im Krieg eine Verletzung des linken Armes erlitten hat, wurde durch diesen Stich in die recht« Halsseite zum vollkommenen Krüppel, denn der Stich duMtrennte den Hauptnervenstrang, so daß Havelka wohl zeitlebens auch des Gebrauche» seines rechten Armes beraubt ist. Vor dem SchwurgerichtShos des GR. Dr. M a- r e c e k verteidigte sich Josef Cermak, der der schweren Körperverletzung mit bleibenden Folgen angeklagt war, für welches Verbrechen das Strafgesetz eine Strafe von fünf bis zehn Jahren schweren Kerkers vorsieht, einerseits mit vollkommener Trunkenheit, anderseits behauptete er, in Notwehr gehandelt zu haben. Trotz des nachgewiesenen Genusses von 25 Bieren kam der Schuldaushebungsgrund der Volltrunkenheit nicht in Frage, da sich der Angeklagte an alle Details der verhängnisvollen Raufszene zu erinnern vermochte. Was den Einwand der Notwehr betrifft, so hat zwar der Angeklagte bei dieser Auseinandersetzung tatsächlich einen Schulterbeinbruch erlitten, doch ist nicht nachzuweisen, daß dieser ihm von seinem viel schwächeren Widersacher zugesügt wurde. Er kann auch eine Folge des kraftvollen Hinauswurfes gewesen sein. Die Verhandlung zog sich in die Länge, zumal infostre Mängel des Verdiktes der Vorsitzende neuerliche Beratung des Geschworenenkollegiums anord- nen mußte, so daß das Urteil erst in den späten Nachmittagsstunden erfolgte. Im Sinne des Wahrspruches, der den Angeklagten zwar schuldig erkannte, aber das wesentlichste Qualifikationsmoment(nämlich die bleibende Verstiimmelung) verneinte, verurteilte der SchwurgerichtShos den Angeklagten zu zehn Monaten schweren und verschärften KerkerS unbedingt. Kunst mut Mssen. Serenade im Fürstenberg-Garten. Freitag S Uhr. Programm: Mozart: Große Serenade für 13 Blasinstrumente; Diverttmento Nr. 2. Dirigent: Szell. Ferner Johann Strauß: Orwertüren zu„Zigeunerbaron" und„Fledermaus";„An der schönen blauen Donau" etc. Dirigent: Rieger. Solisten: Josef Hagen l Werbelied aus.Ligeunerbaron"); Kurt Baum(Arie aus„Nacht in Venedig"). Mitwirkend: Das gesamte Orchester des Deutschen Theaters. Preis: KC 12.—. Für Abonnenten nur Kc 6.—. Vorverkauf an btt Theaterkassa! Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theater«. Donnerstag, halb 8 Uhr: Eine Nacht in Venedig, volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben.— Freitag halb 8 Uhr: Juristen, D I. 9 Uhr: Nachtserenade im Fürstenberggarten.— Samstag halb 8: Aida, A 1 Sonntag halb 8:Lumpaci» vagabundus, BI. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag, 8 Uhr: Eine Frau ohne Bedeutung.— Freitag, 8% Uhr: E a l z b u rg ausverkauft.— Samstag halb 8: Das großeABC, Erstaufführung.— Sonntag 8: Das großeABC. Der Ntm, Wilhelm Tell. Von einer Verfilmung des„Wil- hclm Tell" könnte man allerhand crtvarten. Dieser Film, der schon vor einigen Jahren gedreht wurde, ist eine hübsche und recht einfache Darstellung der Tellsage. Ein Lehrfilm, der sich begnügt, schöne Bilder aus den Schweizer Bergen zu zeigen und die Grundzüge der Geschichte von Wilhelm Tell in Bild und Ton zu zeigen; breite Landschaftsmalerei wird von kurzen dramatischen Szenen unterbrochen. Hans winnt ihr menschliches Vertrauen, ohne sie polittsch beeinflussen zu können. Immer wenn er einen Knoten des illegalen Netzes schürzen will, reißt der Faden ab. Die Menschen, dumm und stumpf gemacht, verstehen ihn nicht, oder es tritt der Schatten der Erschlagenen, der zu Tode gemarterten Antifaschisten zwischen sie und den Freiheitsboten im Priesterkleid, oder sie erliegen der faschistischen Propagandamaschinerie, oder sie lassen sich korrumpieren. Alle menschlichen Schwächen, die sich unter dem fürchterlichen Druck der faschistischen Diktatur offenbare«, treten vor unser Auge. Und was Silone Wer sie sagt, das ist die Wahrheit. Eine bittere, entmuti- gende Wahrheit, die aber den wahren Revolutionär nicht beirrt. Hundertmal reißt der Faden, Verbindungsmänner wandern in Kerker und Tod— aber hundertmal wird der Faden aufs Neue geknüpft. Die Idee ist stärker als das drohende Ende des physischen Daseins. Die wenigen Helden, di« wider die Tyrannen stehen— sie sind physisch schwach, sie können von den Mächttgen mit einem Schlage ausgelöscht werden, aber das Regime fürchtet sie. Sie sind das Sprengpulver, das, an die empfindlichsten Stellen der faschistischen Staatsmaschinerie gelegt, in kritischen, revolutionären Zeiten die ganze faschistische Herrlichkeit in die Lust sprengen kann. Dabei find sie weit entfernt von dem fatalistischen Glauben an den Gang der Entwicklung: sie wissen, daß gerade im Faschismus der revoluttonäre Wille eine entscheidende Rolle spielt und daß sie nicht nur die Aufgabe haben, auf ihre Stunde zu warten, sondern auch die Aufgabe, diese Stunde herbeizuführen. Auch Spina geht ins M a r r ist ein eindrucksvoller Test und Konrad Beit spielt den Landvogt Geßler als dämonischen Gewaltmenschen. Wie«in Scherz mutet es an, daß die Schauspielerin Sonnemann, derzeit Frau Gorina— die Frau des Tell spielt, der die Schweiz vom Tyrannen befteit. Mit Schillers großem Schauspiel von der Befreiung des Schweizer Bolles bat der Film nichts zu tun. Er hat kaum die gleiche Handlung und schon gar nicht das Pathos und den Freiheitsgeist dieses Werkes. jk. 8p§rt-Hüet-Xörp«rpstege Der Vorstand des DFC hat in seiner gestrigen Sitzung die Demission des Präsidiums zur Kenntnis genommen und seine Gesamtdemission beschlossen. Die Bereinsgeschäfte werden bis zu der für den 28| Juni angesetzten ordentlichen Generalversammlung vom bisherigen Vorstand wettergesührt. Gleichzeilig hat der Vorstand einstimmig beschlossen, dem langjährigen Obmann das vollste Vertrauen auszusprechen.(Tsch. P.-B.) „Es ist unvereinbar..." Der Karlsbader FK spielte bekanntlich vor kurzem mit einem Nazi-Verein aus dem Dritten Reich. Das hat, nach dem„Montagsblatt", die Karlsbader Volks- gemeinschafter nicht gefreut und sie haben an den' Naziverein einen Brief geschickt, worin sie„ihrer Verwunderung Ausdruck verleihen", daß er„mit dem! sich nur aus Juden und Marxisten zusam-! mensetzenden Klub" spielt. Und in dieser Tonart geht es weiter.„Juden" und„Marxisten" sind in diesem„Brief" noch öfter ein Requisit„deutschvöl- Besuchet die Felsenstädte Wekelsdorf und Adersbach Weltberühmt als einzig dastehende Sandsteingebilde. Die Naturdenkmäler zählen zu den beliebtesten Reisezielen tausender Touristen. Sommerfrischen— Herrlich angelegte Bäder— Hotels: Felsenstadt Adersbach— Eisenhammer, Wekelsdorf. Prospekte durch die Felsen Verwaltungen. 3496 kischer Karlsbader", welche ihr„Vollstum" durch die Anonymität verdecken. Ob der Karlsbader FK von Juden beherrscht wird, ist nicht unsere Aufgabe, weiter zu untersuchen; daß jedoch„Marxistel^ darunter, seien, gehört in das Reich der Flüsterpropaganda der„sauberen und anständigen" Volksgemeinschaft. Hollands Arbriterschwimmer siegen in Belgien. In Gent trug der belgische Arbeitersportbund mit dem holländischen Verbände einen B erb ands- wettkampfim Schwimmen aus, welcher mit dem Werlegenen Siege der holländischen Arbeiterschwimmer von55:34 Punktenendete. Die Ergebnisse: 100 Meter Brust(Frauen): 1. v. Oort(H) 1:40.4. 2. Louwense(B) 1:43.2 Min.— 100 Meter Frei- Sonntag, de« 14. Juni, alle Genossinnen und Genossen zum Kindertag am Pohokelee-Turnplatz des DTJ(oberhalb des Strahover Klosters)! Aus dem Programm: Samstag, den 13. Juni: 5 Uhr nachmittags Zeltlager-Aufbau der Roten Falken und AtuS- Kinder; 7 Uhr abends Lager-Eröffnung; halb S Uhr Lagerfeuer. Sonntag, den 14. Juni: 6 Uhr Tagwach» u. Morgen-Gymnastik der Rote« Falken und Atus-Kin- der; vormittags Ballspiele und leichtathletische Wettkämpfe; nachmittagSumSUHrKin- dertag-Feier mit Liebem, Tänzen, Kreisspielen und turnerischen Vorführungen. Eintritt frei! Die Kinder erhalten eine Jause. Für einfache Verpflegung«ährend des Tages ist vorgrsorgt. Wir laden die Erwachsenen ein, schon Sonntag früh zu kommen, jedenfalls aber am Nachmittag. Bringet viele Kinder mit, möglichst auch solche, die noch nicht in unseren Organisattonen erfaßt sind! Kinderfreunde Prag. Atus Prag. sttl(Männer): 1. Schotsman(H) 1:09.2, 2. Hosts- man(H) 1:12.2, 3. Stevens(B) 1:19.8 Min.— 100 Meter Brust(Männer): 1. Pauwels(B) 1:22.4, 2. Schneider(B) 1:22.6, 3. De Vries(H) 1:26 2 Min.— 100 Meter Rücken(Männer): 1. Thybout(H) 1:28.8, 2. v. d. Plus(B) 1:38.4 Min.— 5X50 Meter(Männer): 1. Holland 2:38.6, 2. Belgien 2:50 Min.'—' 3X50 Meter Logenstafetie: 1. Holland 2:08, 2. Belgidn 2:23 Min.— Wasserball: Holland gegen Belgien 3:2. Roderich Menzel lebenslänglich gesperrt! Der bekannte Tennisspieler Roderich Menzel soll aus Anlaß seiner Absage, für dieses Jahr nicht i m Davis-Cup anzutreten, vom tschechoslowakischen StaatS-Tennisverband— wohl mit Rücksicht auf die Niederlage gegen Jugoslawien— lebenslänglich gesperrt worden sein.— Ob die Mitwirkung Menzels wirklich„das Kraut fett gemacht" hätte, ist nach dem Pariser 3:2-Erfolg der Jugoslawen über Frankreich im DaviS-Cup sehr zu bezweifeln. Vkrüninachächiin Falke«, Achtung! Heute versammeln sich alle Kameradschaften um 8 Uhr bei der Endstation der 21er-Elektrischen in Hodkovicky. Wir wandern mit den Arus-Kindern auf den Spielplatz ins Libuscher Tai. Pflichtbetbilistnng für alle Falken!— Wenn cs früh regnet, versammeln wir uns am gleichen Treffpunfte um 11 Uhr.— Bei ganz schlechtem Wetter kommen alle Falken um 2 Uhr nachmittags ins Parteiheim, Rärodni ir. 4, Republikanische Wehr, Ortsgruppe Prag. Donnerstag, den 11. Juni, Sportplatz Pohorelec, Uebungsabend laut Programm. Erscheinen aller Mitglieder notwendig.— Sonntag, den 14. Juni: Nachmittags am Sportplatz Pohotelec Fahnenübergabe an den Atus. Pflichtbeteiligungt Allgemeiner Angestelltenverband, Ortsgruppe Prag. Der Ortsgruppenausschuß ladet zu nachfolgenden Unternehmungen ein: Heure, Donnerstag, nachmittags Punkt 3 Uhr. Besichtigung des Wrbatschen-Gartens im Barockstil. Eine seltene Gelegenheit für Lichchildnerl Zugang durch das HauS Ecke Karmelitskä und Trjnice(Kleinsette). — Wanderungen am Sonntag: 1. zur Raturfteundehütte Brdytvald: Abfahrten von: Wilsonbahnhof um 8.50 Uhr, von Branik 9.20 Uhr nach Statton Mnisek. Hier Sammlung und gemeinsame Wanderung. Rückfahrkarte 10 KC, resp. 8 Kc. 2. Ausflug der Jung-Angestellten nach Karlstetti. Abfahrt Smichov um 8.50 Uhr nach Horni Cerno- sice. Rückfahrkarte KC 5.20. Sammlung vor dem Bahnhof bis 8.40 Uhr. Führer Lahmer.— Treffet Vorbereitungen für den Turnfeftbesuch in Komotau. physische Nichts. Eine„Gefallene" will ihn retten, eine angehende Nonne folgt ihm auf seiner nächtlichen Flucht ins Gebirge, um ihm Brot und Wein, die Nahrung des irdischen Lebens, zu bringen. Sie erreicht ihn nicht, sie fällt den Gewalten der Natur zum Opfer. Sein Ende aber erleben wir nicht— der Dichter schließt den Roman mit der Schilderung der Flucht in den fast sicheren Tod. Dieser künstlerisch grandiose Schluß sagt uns, daß der Held weiterlebt in der Gestaft und der Arbeit der Genossen; es gibt kein Ende der Spinas, kein Ende des Märtyrertums, solange es keine Freiheit und Gerechtig- keit gibt. Die Wanderung in den Tod ist immer-ein neu Beginnen.— Wir haben den Roman Silones mit tiefster Ergriffenheit gelesen, im Innersten erschüttert und von neuem Glauben gestärkt. Dies große Buch ist das Neue Testament des sozialistischen Freiheitskampfes. Möge es recht viele Menschen läutern und ihnen den Glauben und den Opferwillen seines Helden vermitteln! K. DaS Tal. Roman von NathanAsch. Biblas- Berlag, Budapest. Dieser zusammenhanglosen, oberflächlichen Schilderung amerikanischen Landlebens kommt weder die Bezeichnung„Roman" zu, noch hätte sie die Uebersetzung durch Hermhnia Zur Mühlen verdient. Es gibt sicherlich bessere Objekte für ihr bewährtes Können. X. D» und dein Kind. Eine Seelenkunde des Kindes für alle von Anton Tesarek. Saturn-Verlag, Wien.— Anton Tesarek, der Schöpfer der Bewegung„Rote Falken", lebt unangefochten in Wien. Er übt seinen Lehrerberuf weiter aus. Das muß nicht bedeuten, daß er sich innerlich gewandelt hat. Sem neues Buch legt Zeugnis davon ab, daß er nicht nur ein erfahrener Pädagoge ist, sondern auch dem sozialen und fortschrittlichen Denken verbunden blieb. Das Buch Tesareks. ist gemeinverständlich und fesselnd geschrieben und ist auch für sozialistische Erzieher, vor allem aber für Arbeitereltern ein guter Leitfaden. K. F. Cajtham l-Liberte: Josef Boleslav Pecka- Strahvvskh. Verlag A. Sveceny, Prag.— Die zweite Ausgabe der Biographie des Begründers der tschechischen Sozialdemokratie— der Verfasser des Buches ist inzwischen gestorben— ist gegenüber der ersten seinerzeit von uns angezeigten Ausgabe, vermehrt und verbessert. E. St. Josef Martine k: Americti svobodomyslni v boji za«aii samostatnost.(Die amerikanischen Freisinnigen im Kampf für unsere Selbständigkeit.) 1936, Verlag„Volna Mhslenka".— Das Büchlein behandelt den Kampf der amerikanischen Tschechen im Weltkriege. E. St. . Im Verlag European Publications erschien fit bibliophiler Ausgabe eine Abhandlung über den Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik Dr. E. Benes von C. Granville-Geiringer unter dem. Titel„A Pioneer of simplicity". Der Verfasser gibt ein BÜd des Pioniers der Einfachhett, schilderr die Gestalt des Präsidenten und beschreibt den Präsidenten vom Gesichtspunkte des unpolitischen Beobachters, des Journalisten. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich XL 16.— vierteljährig Kc 48.—. halbjährig KC 96.—, ganzjährig KC 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Vost» und Tele- graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und Zettungs-A.-G. Prag.