Freitag, 12. Juni 1936 16. Jahrgang Nr. 137 UNTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg kii., fochova«r. Telefon sxm. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Ehinlmis 70 Heller (•injchließlich S Heller Port») Leon Blums erste Erfolge Arbeiterurlaube angenommen/ Gehaltskürzungen aufgehoben Weitere Abstimmungen in einer Nachtsitzuns Präsident Dr. Benes zurückgekehrt Prag. Um 19 Uhr abends traf der Präsident der Republik auf der Rückreise aus Rumänien im Sonderzug auf dem Prager Wilsonbahn- hof ein. Zur Begrüßung hatten sich eingefunden die Borfitzendrn des Abgeordnetenhauses und des Senats Malypetr und Dr. Soukup. Ministerpräsident Dr. H o d 5 a mit den Ministern B e ch Y n i, Dr. Franke, Jng. D o st a- lek, Najman und Dr. Czech, die diplomatischen Vertreter Frankreichs, Jugoslawiens und Rumäniens, Vertreter der zentralen Behörden, Landespräsident Dr. S o b o t k a etc. Bor der Ehrenkompanie des 5. Infanterieregimentes hatte die Generalität mit den Generalen S Y r o v h und K r e j L i an der Spitze Aufstellung genommen. Rach dem Abschreiten der Ehrenkompanie wechselte der Präsident Begrüßungen mit den Vorsitzenden der beiden Kammern, den Mitgliedern der Regierung und dr» Diplomaten; Kundgebungen fanden nicht statt. Bor dem Bahnhof wurde der Präsident von dem angesammelten Publikum herzlich begrüßt. * Bei der Rückreise bildete Präsident Dr. Benes in Rumänien wiederum den Gegenstand spontaner Kundgebungen der Bevölkerung. Auf tschechoslowakischem Boden erwartete den Präsidenten in Csop der Gouverneur von Kärpakho- rußland Hrabar. In Kascha u' meldeten sich vor 8 Uhr früh die Vertreter der Armee und der Behörden. Längs der Bahnstrecke wurde der Conderzug von der Bevölkerung herzlichst begrüßt, vor allem im Gebiet von Teichen und Ostrau. In Oderberg, wo Tausende von Menschen den Bahnhof bis auf den letzten Platz füllten, meldete sich der Landespräsident Cernh. Auch in O l m ü tz war der Bahnhof von Tausenden von. Menschen erfüllt und die Spitzen Rr Behörden und des Militärs, Parlamentarier, Vereine und die Schuljugend begrüßten den Präsidenten. Gegenbesuch Carols im Herbst Halmei. Vor dem Verlassen des rumänischen Gebietes richtete der Präsident der Republik Dr. Benes an König Carol von Rumänien ein Telegramm, in welchem er sowohl dem Könige und der Regierung, als auch der Bevölkerung Rumäniens für die Kundgebungen der Freundschaft und Sympathie dankt. Tas gesamte tschechoslowakische Volk würdige deren Bedeutung als Beweis der unauflösbaren Bande, welche die beiden Länder vcröindcn. Gleichzeitig bekundete der Präsident seine Freude darüber, daß er König Carol im Herbst in der Tschechoslowakei werde begrüßen können. Van Zeeland gescheitert An der Verteilung der Ministerien Brüssel. Van Zeeland teilte Donnerstag nachmittags dem Könige in einer Audienz, die über- eine Stunde dauerte/ mit, daß cs ihm nicht gelungen sei, das neue Kabine^ zu bilden. Die Ursache des Scheiterns Pan Zeelands sei nicht das grundsätzliche Programm Van Zeelands, sondern es seien die Schwierigkeiten gewesen, die sich bei der Besetzung der wichtigsten Ministerien ergeben hätten. An politischen Stellen wird angenommen, daß sich der König wiederum an einen Soziali« stcnführer wenden und ihn mit der Aufgabe, das neue Kabinett zu bilden, betrauen werde. Unter dem Vorsitz des Königs fand nachmittags eine Parteiführerkonferenz statt, die sich mit der durch das Scheitern der Regierungsuinbildung durch van Zeeland geschaffenen Lage beschäftigte. Die.Einberufung einer solchen ganz ungewöhnlichen Konferenz zeigt den E r n st der Lage. Gorkis befinden unverändert Moskau. Der über den Gesundheitszustand Maxim Gorkis aüsgegebene Bericht gibt bekannt: Seit Mittwoch abends ist. keine wesentliche Aen- derung im Befinden Maxim Gorkis eingeireten, die Temperatur beträgt 36,5 bis 37,4, der Pulsschlag bewegt sich zwischen 80 bis 120 und erreichte zeitweise 140. Paris. Die Kammer nahm Donnerstag mit 563 gegen eine Stimme den Gesetzentwurf an, durch den bezahlte Urlaube für die Arbeiter eingeführt werden. Um 21 Uhr nahm die Kammer nach dreistündiger Debatte und nach Ablehnung aller Gegenanträge und Abänderungsanträge der Rechten den Gesetzentwurf an, durch den die früheren Regierungsdekrete über die Kürzung der Staatsangestelltenbezüge, und zwar sowohl die Dekrete der Regierung Laval vom vorigen Jahr als auch die Dekrete der Mgierung Donmergue aus dem Jahre 1934 aufgehoben werden. Ministerpräsident Leon Blum beantragte Badoglio wieder Generalstabschef Rom. Marschall Badoglio ersuchte den Duce, ihn seines Amtes als Vizekönig von Abessinien zu entheben, damit er unverzüglich seine Tätigkeit als Chef des Zentralgenera l st a b s wieder übernehmen könne. Mussolini gab seine Zustimmung hinzu und teilte Badoglio mit, daß ihn den Herrscher zum Herzog von Abessinien ernannt habe. Zum Vizekünig von Abessinien wurde Marschall G r a z i a n i ernannt. Italien am Vorabend wichtiger Entscheidungen Rom.(E. B.s Wie man aus wohlinformierter Quelle erfährt', bereitet man sich in Italien auf alle Eventualitäten vor, sowohl auf politischem als auch auf militärischem Gebiet. Falls die k o m m e n d e G e n f e r T a g u n g keine für Rom günstigen Ergebnisse zeitigen wird, ist es nicht ausgeschlossen, daß Italien sich auß enpolitisch^n eu orientiert. In Deutschlands Südost-Pläne Berlin. Zu der Balkanreise des Reichs-' bankpräsidentcn Dr. Schacht, der inzwischen bereits in Belgrad eingetroffen ist, wird gemeldet: Der gegenwärtigen Reise Schachts ging eine Exkursion einer deutschen Industrie- Mission auf dem Balkan voraus. Es handelt sich um Unternehmungen der S ch w e r i n d u st r i e, hauptsächlich der Krupp-Werke. An bestimmten Wirtschaftsstellen wird behauptet, daß sich Krupp um die Gewinnung von Rüstnngslieferungen nach einigen Balkanlöndern bewirbt. An bestimmten informierten Stellen wird erklärt, das Ziel der Reise Schachts sei, die Clearingabkommen mit Jugoslawien, Ungarn, Bulgarien und Griechenland zu revidieren und die genannten Länder dazu zu bewegen, den t s ch e Waren in größerer Menge z« kaufen. Es wird auch behauptet, daß Schacht die Schaffung eines Wirtschaftsblocks Südenropas anstrebt und daß er das System eines regelmäßigen Warenaustausches mit de» Agrarstaaten des Donaubeckens und des Balkans schaffen will.,• Die Londoner„Times" haben sich aus Berlin ausführlich über die Reise des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht berichten lassen, über deren Ziele man in Deutschland strengstes Stillschweigen wahrt. In dem Bericht der„Times" wird versichert, daß Schacht zunächst die Bank für internationale Zahlungen in Basel und dann Budapest, Belgrad, Sofia und Athen besuchen wird. Nicht ausgeschlossen seien auch weitere Besuche in Angora und— nach Beendigung der Bukarester Konferenz— in der rumänischenHaupt- st a d t.. lieber die vermutlichen Absichten Schachts berichten die„Times", daß der Reichsbankpräst- dent, der in. Basel wohl wieder Anleihefragen zur Sprache bringen wird, in Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, mrd Griechenland die besten die Abhaltung einer Nachtsitzung der Kammer, in welcher alle restlichen Entwürfe, die am Dienstag vorgelegt wurden, demnach sowohl der Gesetzentwurf über die Kollettivverträge als auch der Gesetzentwurf über die 40stündige Arbeitswoche, behandelt würden. * Eine Delegation der streikenden Metallarbeiter unterzcichircte Donnerstag abend das Abkommen mit den Arbeitgebern, behielt sich aber vor, den Text dieses Abkommens der Arbeiterschaft zur Genehmigung vorzulegen. Die Arbeit in den Metallindustriefabriken wird demnach am Freitag noch nicht ausgenommen werden. diesem Fall soll man in Rom beabsichtigen, auch eine Umgruppierung der Grenzgarnisonen vorzunehme«. Die Garnisonen an der französischen Grenze sollen angeblich verstärkt werden. Nach amtlichen Informationen befinden.sich gegenwärtig 32 Divisio- nenunterdenFahnen, abgesehen von den sieben Armeedivisionen, fünf Divisionen der Schwärzhemden und vier Eingeborenendivisionen, die in Ostafrika stgtioniert sind. Die Munitionswerke find voll beschäftigt. Schweizer Nationalrat Gegen diplomatische Beziehungen zu den Sowjets Bern. Der Nationalrat hat mit 96 gegen 72 Stimmen den Antrag abgelehnt,, mft welchem der Föderalrat aufgefordert wird, die erforderlichen Schritte zur Anbahnung diplomatischer Beziehungen mit der Sowjetunion unter der Bedingung zu unternehmen, daß keiner der beiden Staaten sich in die inneren Angelegenheiten des änderen Staates einmischen wird. Kundenländer Deutschlands besuchen und zur Er- weiterung ihrer Handelsbeziehungen mit dem Dritten Reiche veranlassen will. Er werde ihnen dabei auch den Vorschlag einer Währungs- Angleichung unterbreiten. Von dem Gelingen seiner Mission verspreche er sich eine Stärkung des von ihm vertretenen kapitalistischen Flügels in der deutschen Regierung. Aber Schachts Resse habe neben dem handelspolitischen auch einen außenpolitischen Zweck: die genannten südosteuropäischen Länder enger an das Dritte Reich zu binden. Die Uneinigkeit der Westmächte in der italienischen Frage, die deussche Propaganda im Zeichen der Olympiade bieten dafür günstige Voraussetzungen, während andererseits die Befürchtungen, die man in Deutschland an die Bukarester Besprechungen knüpft, der Berliner Regierung ein rasches Handeln rassam erscheinen lassen. Gleichzeitig verrät die englische Presse jetzt ihren Lesern, daß Herr v. Ribbentrop, der sich sest Pfingsten als Gast des hitlerfreundlichen Lord Londonderry in England aufhält, die Reise keineswegs nur zu seinem Vergnügen gemacht hat. Er will tatsächlich für ein Angebot Hitlers werben, den Frieden in Westeuropa zu garantieren, wenn man ihm in Osteuropa freie Hand läßt. Ribbentrop habe seinen Aufenthält in England verlängert, weil er hoffe, von Eden empfangen zu werden, aber Eden habe erklärt, daß er nicht zu verhandeln wünsche, bevor Hitler nicht den englischen Fragebogen beantwortet hat. Welche außenpolitischen Absichten die englische Regierung hat, ist im Augenblick unklarer als zuvor, nachdem Baldwin neben dem faschistenfeindlichen Eden und dem hitlerfreundlichen Lord Hailsham auch den musiolinifreundlichen Sir Samuel Hoare seinem Kabinett wieder einderleibt hat. Bei dieser Sachlage ist es nicht zu verwundern, daß sich Ribbentrop, Grandi und der Negus, die jetzt zu gleicher Zeit in England ihre Wünsche Vorbringen, begründete, aber einander sehr widersprechende Hcsftrungenuuuhen. Die keiren Schacht! und Ribbentrop* Landsknechte des Kapitals Lm sozialpolitischen Ausschuß des Abgeordnetenhauses gab es dieser Tage einen Zwischenfall, indem es bei einer Abstimmung zu einem Zusammengehen zwischen der SdP mit Agrariern und der Gewerbepartei kam. Charakteristisch für die SdP war dabei, daß es sich um eine Arbeiterforderung handelte, nämlich um die von den sozialistischen Parteien seit langem geforderte Reform der Arbeitsvermittlung. Die Abgeordneten der SdP wandten sich insbesondere dagegen, daß das neue Gesetz im Verordnungswege in Kraft gesetzt werde. Wenn das Ermächtigungsgesetz im Interesse der besitzenden Klassen gehandhabt wird, hat die SdP nichts dagegen, wenn aber eine Forderung der Arbeiter durch Regierungsverordnung verwirklicht werden soll, dann entdeckt die SdP ihr Herz— nicht für die Arbeiter, sondern für die Ver- fassung. Wieso liegt nun eine Regelung der Arbeitsvermittlung im Interesse der arbeitenden Schichten? Die heutige Arbeitsvermittlung ist anarchisch.'Es gibt eine öffentliche, eine gewerkschaftliche und eine private Arbeitsvermittlung, bei welch letzteren der arme Arbeitslose, wenn er endlich eine Stelle mit schmalem Verdienst erhalten hat, noch zahlen muß. Die Arbeitsvermittlung ist also zersplittert und das hat für die Arbeitsuchenden in der Krise und für die gesamte Wirtschaft die unangenehme Folge gehabt, daß es vielfach an bestimmt qualifizierten Bewerbern für manche fteie Stelle gefehlt hat. Tas ist für die Zeit der Krise unerträglich. Es bedarf daher einer ZentralisierungderArbeits- v e r m i t t l u n g, bei der alle freien Stellen ebenso wie alle Arbeitsuchenden in Evidenz geführt werden und an die sich Arbeitgeber ebenso wenden müssen wie Arbeiter und Angestellte. Wenn nun von Unternehmerseite behauptet wird, daß damit auf die Arbeitgeber ein unerträglicher Zwang ausgeübt wird und daß diese gerade jenen Arbeiter aufnchmen müssen, der ihnen von der öffentlichen Arbeitsvermittlung zugewiesen wird, so ist demgegenüber daran festzuhalten, daß die Arbeitsvermittlungsanstalt nur das Interesse hat, die Vermittlung zweckentsprechend zu regeln, d. h. so, daß der richtige Mann an den r i ch t i g'e n Platz kommt und der Arbeitgeber genau so zufriedengestellt wird wie der Arbeiter. Es handelt sich um keinen Zwang, sondern um die Erledigung einer wirtschaftlichen Angelegenheit zur beiderseitigen Zuftiedenheit der Beteiligten. Allerdings können und werden dabei auch soziale Momente berücksichtigt werden, es kann also bei gleicher Qualifikation derjenige, der drei Jahre arbeitslos ist früher berücksichtigt werden als der, welcher erst drei Monate das Schicksal der Erwerbslosigkeit trägt. Auch wird wohl niemand einwenden, daß der verheiratete, kinderreiche Arbeiter in einem solchen Falle dem ledigen, kinderlosen vorgezogen wird, obzwar immer dafür gesorgt werden mutz, daß auch ein gewisser Prozentsatz jugendlicher Arbeiter untergebracht werden muß— so wie es bei der"produktiven Arbeitslosenfürsorge schon geschieht.. Die vollständige Evidenz der fteien Stellen und der Arbeitslosen ist auch deswegen notwendig, um einen genauen Ueberblick über den Arbeitsmarkt zu erhalten. Denn nur bei einer Erfassung aller Arbeitslosen und fteien Stellen kann festgestellt werden, ob wir an bestimmten Kategorien von Arbeitern zuviel und an andern zu wenig haben. Nur auf dieser Grundlage könnte man an die Frage der Umschulung jener Arbeiter herantreten, deren fachlichen Kenntnisse infolge struktureller Aenderungen im Wirtschaftsleben an Wert verloren haben und denen andere Kenntnisse beigebracht werden müssen, damit sie im Kampf ums Dasein bestehen können. Auch eine Kontrolle der Unterstützungen, nach der die bürgerlichen Vertreter rufen, kann erst wirklich durchgeführt werden, wenn die Verpflichtung festgelegt wird, daß alle freien Stellen ebenso gemeldet werden müssen wie jene, die Arbeit suchen. Den Gegnern der Reform der Arbeitsvermittlung, zu denen auch die„eindeutig Spzialen" gehören, handelt es sich aber gar nicht um eine wirtschaft- und sozial-zweckmäßige und gerechte Regelung, sondern sie streben nach der Herrschaft über den Arbeits- m a r k.t. Sie wollen alle Arbeitsuchenden von sich Seite 2 Freitag, 12. Juni 1938 Nr. 137 SchöneJPlakatyun^lndertag sind sofort beim Keichs-Erziehungsbeirat, Prag XII., Slezskä 13/V, zu bestellen! abhängig machen. Sie wollen di« Arbeitskraft kaufen und der Arbeiter soll ihnen mit seiner Leistung auch seine politische Gesinnung verkaufen. An einer Reihe von Branchen und Betrieben wird heute ein unerhörter Gosinnungsterror getrieben, der nicht laut ist und nach außenhin nicht allen sichtbar auftritt, aber darum um so gefährlicher ist. Man sucht die in den freien Gewerkschaften und in der Sozialdemokratie organisierten Arbeiter und Angestellten einzuschüchtern und auszuhungern und verleiht Stellen nur jenen, die im Trotz des Herrn Henlein marschieren. Die SdP fürchtet, datz sie diesen Terror nicht wird mehr ausüben können und deshalb setzt sie Himmel und Hölle in Bewegung, um«ine Donnerstag sprach Ministerpräsident Dr. HodZa im Rundfunk über die Ber- tcidigungsanleihe. Er sagte u. a.: Der Staat, der der moralischen und wehrhaften Bereitschaft entbehrt, bildet geradezu eine Aufforderung für Ausgerüstete, auf seine Kosten den Frieden zu stören. Den Frieden erhalten können nur starke Staaten, die durch ihre Stärke und Bereitschaft eine lebendige und dauernde Warnung an alle bedeuten:„Rühr mich nicht an, weil es vorteilhafter und einzig klug ist, sich mit mir zu einigen!" Dr. HodZa wies darauf hin, datz wir bereits daran sind, den Höhepunkt der Wirtschaftskrise zu überwinden. In den ersten fünf Monaten hat die Staatskasse entschieden— und manchmal wesentlich— höhere Einnahmen erzielt, als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Es haben sich auch jene Einnahmen erhöht, die nichts mit Steuerbonifikationen zu tun haben. Bis Ende März haben wir 200.000 Menschen in den Arbeitsprozeß eingereiht, obwohl der jährliche Zuwachs an Arbeitskräften nicht mehr als 60.000 beträgt. Im Mai wurde die Prolongierung der Kassenscheine um 50 Prozent überzeichnet und innerhalb von 14 Tagen die ganze innere Schuld in der Höhe von 21 Milliarden konvertiert.■ Wir sind uns alle dessen bewußt, daß durch di« Staatsverteidigungsanleihe die Bevölkerung unsere» Staates in ihreeigene Sicherheit inve st irrt, und zwar gleichermaßen in ihr« politische Sicherheit, wie in die Sicherheit ihver Unternehmungen, Zn die Sicherheit ihres kollektiven Aufstieges. Gerade die D e m o k r a t i e ist das Instrument, das aus ders Heimat der einst bevorzeugten Schichten eine Heimat, die tatsächliche Heimataller schafft. Gerade aus der Demo, traue entspringt eine neue unzerreißbare Bindung zwischen den breitesten Schichten und zwischen dem Begriff des Volkes und der H e i- Reform der Arbeitsvermittlung, auf der die sozialistischen Parteien bestehen, zu verhindern, Die Herren von der VoRsgemeinschast wollen nicht die Freiheit, sondern die Versklavung aller Arbeitsuchenden und d. i. aller Proletarier. Sie wollen die Arbeiter in die Gemeinschaft der Nation aufnehmen, nicht als freie Männer, sondern als Sklaven. Nur wenn du dich beugst, Arbeiter, dann wirst du von den SdP-Leuten für würdig gehalten, in ihren Reihen stehen zu können. Das zeigt die Krise in der SdP wie das Verhalten ihrer Abgeordneten bei der in Rede stehenden Abstimmung im Kammerausschutz. Die Sudetendeutsche Partei trieft von Phrasen und Versprechungen, wenn es sich um Arbeiterintereffen handelt. Wenn aber eine Tat gesetzt werden soll, die„eindeutig sozial" ist, dann sehen wir die Henleinleute dort, wo sich all« Reaktionäre, Faschisten und Arbeitevfeinde befinden— auf der andern Seite der Barrikade, bei den Hütern der kapitalistischen Ordnung, bei den Kapitalisten aller Rassen, Nationen und Konfessionen. Dann werfen sie das germanische Bärenfell ab und sind entlarvt als die Landsknechte des internationalen Kapitals. m a t. Die gesamte Bevölkerung unseres Staates ist von der warmen Strömung nationaler und staatspolitischer Geme in» wirtschaft zu dem einheitlichen Ziel« getragen: Alle Voraussetzungen des Respekts und alle Garantien einer ruhigen Sicherheit diesem Staate zu gewinnen, in welchem die Tschechen und die Slowaken und die karpatholändischen Russen ihre nationale Idee realisiert haben und in dessen Demokratie und freien Atmosphäre auf den Grundlagen der nationale« Gleichheit unsere Mitbürger deutscher Sprache und alle unsere nationalen Minderheiten ein dauernd sicheres Obdach finden. Den Böllern genügen nicht in den Paragraphen der Verfassung niedergrlegte Normen. Das Volk, und zwar nicht bloß daS ethnische Volk, sondern auch daS staat-politische Boll im Sinne der staatswisseufchastlichen Terminologie der großen westeuropäischen Demokratien hat seine Kollektividee. Diese Kollektivseele habe ich bei den Abstimmungen über die Staatsverteidigung und über die Anleihe, am Tage des.Präsidentengeburtstages, bei der Militärparade und beim Flugtag dokumentiert.,- In der Tschechoslowakei, an deren inneren GefühlSzusammenhalt unsere auswärtigen Gegner so gern gezweifelt habe«, bildet sich ein politisch-nationales Kol- i lcktiv, verkittet nicht bloß durch Interessen und Berstandesgründe, sondern in gleicher Weise durchglüht von gemeinsame«! Gefühl und gemeinsamen festen Willen des Ganzen. Wir klagen über die geographische Lage unseres Staates, aber Tatsache ist, datz unserem Staat gerade seine geographische Lage ein internationalesGewicht gibt. An den Vorteilen, die uns in internationalem Interesse unsere geographische Lage gibt, würden wir selbst Verrat begehen, wenn wir uns in der internatio- nalen Welt durch unsere Schwäche disqualifizieren würden. Thoma;' Abgang aus dem Unterhaus London. Im vollbesetzten Unterhaus fand Donnerstag die Aussprache über de« Unterhausbericht zum Haushaltsplan in Anwesenheit des zurückgetretenen Kolonialministers Thomas statt. Nach Beendigung der Fragezeit erhob sich Thomas, von einigen Abgeordneten mit Beifall begrüßt. Er habe, so erklärte er, nach dem Austritt aus der Negierung seinen persönlichen Freunden klargelegt, daß er beabsichtige, den Befund des richterlichen Ausschusses ohne Widerspruch anzunehmen, obwohl er die Wirkung des Untersuchungsergebnisses für seine Person schwer empfinde. Er habe niemals ein Haushaltsgeheimnis mit Bewußtsein verraten. Thomas teilte dann mit, daß er sofort seinen Parlamentsitz nieder l e g e und nicht beabsichtige, an einer Neuwahl teilzunehmen. Die Erklärung von Thomas wurde mit vereinzelten Beifallsausrufen ausgenommen. Unter dem Schweigen der Abgeordneten verließ dann Thomas das Unterhaus. Nachdem Thomas das Unterhaus verlassen hatte, erhob sich Alfred Butt. Er teilte mit, daß er ebenfalls seinen Parlamentssitz niederlege. Im übrigen erklärte er jedoch nachdrücklich, daß kein Kabinettsminister ihm jemals vertrauliche Informationen gegeben habe. Dann verließ auch er das Unterhaus. „Pariser Tagblatt** wird hltlerfreundllch Georg Bernhardt will ein neues Blatt herausgeben Paris. Wie die Abendblätter melden, hat der Inhaber des Blattes der deutschen Emigranten in Frankreich,«P a r i s e r T a g b l a t t", der russische Flüchtling P o l j a k o v, den Chefredakteur des Blattes Georg Bernhardt gekündigt und ihn durch eine andere Person ersetzt, die dem Hitler-Regime geneigt ist. Die Redaktionskollegen Bernhardts haben sich jedoch mit ihm solidarisch erklärt und mitgeteilt, daß sie in den nächsten Tagen in Paris ein neues Blatt der deutschen Emigration herausgeben werden. Kleinkrieg hält unvermindert an Jerusalem. In Palästina befinden sich nunmehr zwei komplette britische Militärbrigaden» eine im Norden und die anderen im Süden. Die Lage in Jerusalem ist andauernd gespannt. Es werden ständig Terroratte gemeldet. In Jaffa wurde ein Polizist durch einige Messerstiche verletzt. Ins Krankenhaus wurden 12, Polizisten «mgeliefert,1>le bei dttst Ansschreftuntztzn tsi He^ bron durch Seinwürfe verletzt wurden. In Nazareth streiken die Gemeindeangestellten. In Jerusalem werden von den Arabern Plakate ange- klebt, in denen die britischen Soldaten aufgefordert werden, nicht zur Verteidigung der Juden gegen die Araber zu kämpftn. Mittwoch spät wbends war Jerusalem von den telegraphischen Verbindungen isoliert, da die Telegraphendrähte sämtlicher Linien durchgeschnitten worden waren. Der Schaden wird auf 10.000 Pfund Sterling beziffert. Von allen Seiten werden Brandstiftungen, Feuerüberfälle und Bombenabwürfe gemeldet; hauptsächlich in den Gegenden von Nablus Jenin, Jaffa und Hebron ereigneten sich viele Zwischenfälle. vr. noffla propagiert die Wchranlcihc Die Tschechoslowakei— ein poliflsch-wlrtschaifllches Kollektiv Weiterer Vormarsch der Süd-Armee ZusammenstoB mit den Nanking- Truppen unvermeidlich? Schanghai.(Reuter.) Die Hoffnung, datz es noch möglich wäre, den Bürgerkrieg in China zu verhindern, wird immer geringer. Die Nankinger Regierung hat nach Honan und den drei benachbarten Provinzen zehn Divisionen entsandt, wogegen die Südarmee bereits ganz Süd- Honan besetzt hat. Die Nanking-Regierung wird versuchen, Schanghai, die Hauptstadt und damll die Schlüsselstellung in der Provinz Honan, zu halten. Ausländische Beobachter sind überzeugt, datz mag in China was immer geschehen, der tatsächliche Sieger einzig und allein Japan sein wird und daß nur Japan aus den chinesischen Konflikten Nutzen ziehen wird. Die Führer der Südarmee haben ein neues Telegramm an die Nanking-Regierung abgesandt, in dem sie die Festlegung einer Route für den Vormarsch der Südtruppen nach Norden und ferner die laufende Versorgung der Südtruppen mit Verpflegung, Geld und Munttion fordern. Bürgerkriegsgefahr zwischen Kanton und Nanking Die Armeen Süd-Chinas(Kanton) sind im Marsch auf Mittel-China(Nanking! begriffen. Sie werden von der südchinesischen Luftflotte begleitet. Diese Karte veranschaulicht die einzelnen Provinzen, die jetzt im Mittelpunkt der Nachrichten aus China stehen. 10 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grötzsch Copyright by Eugen Prager-Verlag. Bratislava. Gusti sah mit traurigen Augen auf. Wer> doch diesen Burschen eine Arbeit gäbe, die sie gelernt haben! Mädchen würden sich finden. Die Kerle sind doch gar nicht so schlecht, wie sie tun! — Schwarzer wischte sich über den Bart und sagte: „Seid froh, daß ihr«ich Frau und Kinder habt..." Schiefe Blicke kreuzten sich über dem fische. Natürlich, von allen hier war Schwarzer am besten dran: er hatte seine Frau gleich mit hüben. Unsereiner guckt in den Mond. Frosch dachte an die BoZena, das tschechische Mädchen aus den Leinen Häusern oberhalb der Villa Wanja. Gegen Abend hatte sie meist auf der Wiese am Flusse gesessen und die weidenden Ziegen bewacht. Frosch setzte sich daneben. Ein bißchen deutsch kannte sie, weil sie als Kind bei ihrer Tante an der Sprachgrenze aufgewachsen war. Ein sauberes Mädchen, die BoZena. Haar und Augen dunkel wie die Nacht, breite volle Backen. Wenn sie lachte, waren die Augen nur ein schillernder schwarzer Schlitz, schräg nach oben, ganz anders und fremdartiger, als es Frosch an den Mädchen seiner Heimat kannte. Und singen konnte sie, fingen... Die hätte er gleich geheiratet. Aber ihre Eltern fuhrwerkten dazwischen. Eines Abends wartete Frosch oberhalb der Villa Wanja am Hügel und BoZena kam nicht... Ein Gesicht wie eine seltene Katze und gleich wieder gut, wenn sie mal gefaucht hatte. Und mit der Sprache gab's viel Spaß, wenn Frosch es auf tschechisch versuchte... Aus... Na klar, wenn einer jeden Tag dieselbe Jacke auf dem Balge schleppte! Wie aus einem Traume sah Frosch hoch, strich sich über den Schopf und legte den Löffel weg. „Habt ihr gehört, der Ede, der schlesische Reichsbannermann aus der Villa Wanja, der is ooch wieder hinüber... hat alles verraten, was er wußte..." Die anderen schlenderten schon in den Hof hinaus, qualmten Zigaretten. Was gab's viel über solche Lumpen zu reden! Beiziger Tabakrauch schwelte ins Haus hinein. Frosch zog einmal an Peters Stummel und fluchte:„Zigaretten alle, alles alle! Wird immer doofer, verdammt!" Eines Tages könnte man auch drüben sein... Scheu und unsicher sank sein Blick zu Boden. Gebe der Himmel, daß sich für die Burschen bald noch etwas andere Arbeit findet, betete Gusti im Stillen. Die Kleider gingen kaputt, die Leibwäsche war kaum noch zu flicken. Ein paar Kronen mußten sie ja noch verdienen, sonst gingen sie ja ganz vor die Hunde. Das war doch alles wieder mal dicht vor der Meuterei. Sie merkte es an den stier werdenden Gesichtern... Wenn wenigstens mtt dem Stadion was würde... Vielleicht sollte man's im Sommer mit der Marmeladenfabrikation versuchen,.. Dunst hing am Himmel, Schwüle trieb den Schweiß aus den Poren. Das bißchen Rasen in dem weiten Hofe war eine einzige verttocknete Unkrautwildnis. Nachmittags kam ein Gewitter. Endlich Regen. Gierig trank der Fluß die Sturzbäche, die von den Hügeln herunter plätscherten. Frisch und duftig erschien das Wasser, als dir Burschen gegen Abend hineinstiegen. Die Weidenbüsche waren abgetropft und glänzten wie ftisch gewaschen. Das Mädchen saß unterhalb der großen Weide, unter der ihre Kleider lagerten, saß im Sande und klapperte mit Steinen. Ein leichtes Lüftchen trug den Geruch von Wasser und dampfender Erde über die Ufer. In braunen Wellen spiegelte sich ein mit weißen Wölkchen betupfter Himmel. Mo'es wühlte im Sande und griff ein blankpoliertes Stück. Die anderen Burschen plätscherten im Wasser und beobachteten, wie Moses zu dem Mädchen ging. „Ich sehe, daß Sie Steine sammeln", sagte er mit leichter Verbeugung»„haben Sie diesen schon?" Das Mädchen stand auf und nahm den Stein. Glatt, an den Rändern abgeschliffen, schwarz und mit rotbrauner Stteifung.„Quarz mit Eisen ... danke schön, ein apartes Steinchen. Der hier ist ähnlich." Sie hob einen anderen auf. Röte spielte um ihre Wanzen., Die anderen äugten seitlich vom Wasser und ihr Respett vor Moses stieg, denn der saß schon neben ihr im Sande, betrachtete kleine Steine und ließ sie durch die Hände gleiten. „Der h«t's man raus", meinte Peter. „Kunststück, bei der Schnauze", knurrte Frosch.„Das liegt in der Rasse." Der Kleine machte strenge Augen.„Die Schnauze alleene tut's«ich, die habt ihr ooch. Hier"— er deutete an seine schmale Stirn, über der ein weißblondes Dach leuchtete—„hier, der Grips..." Aber wie er den blauen Trikot und Moses' sonnenverbrannten Körper so nebeneinander sah, fühlte er tief innen ein feines Ziepen: Eifersucht, Ängst um die Palästinasahrt, Ahnung irgendeiner Gefahr. „So, sie sind im Emigrantenheim", hörte der Kleine noch, dann wurde die Helle Stimme gedämpfter.„Dort gehöre ich eigentlich auch hin." Lächelnd warf sie einen Kiesel ins Wasser. Manchmal hatte Moses blitzschnelle Eingebungen. Hinter dem Berkaufsstand mußte er sich darauf verlassen. Er sah das Mädchen an wie eine Kundin, deren Herkunft es zu erraten gilt. „Sie sind Studentin." „Gewesen," lächelte sie.„Ich hielt die deutsche Erneuerung nicht mehr aus." „Also vom Stamme Israel..."»' „Jawohl, ich auch." Um ihren Mund spielte gehemmte Heiterkeit.„Garantiert rasserein." In Moses zerstob etwas. Sie hatte so arisch ausgesehen: blond, eine milde fleine Nase, ovales Gesicht; nur in den Augen lag etwas Fernes, Mandelförmiges. Aber hell schimmerten sie, gegen die Sonne wie Bernstein... As so doch Jüdin... Der feine ftemde Hauch entschwand, dafür kam ihre Nähe wärmer, vertrauter an ihn heran. Gelockert legte er sich auf den Ellbogen. „Ich war Reichsbannermann— meine Woh nung haben sie klargemacht. Wenn sie mich erwischt hätten, war ich hin..." Er wandte den Kopf nach seinen.üameraden. Die hockten schon drüben am anderen User. Dort blieben sie, bis die letzten Strahlen dec Sonük schräg übers Wasser fielen. Dann schlenderten sie stromauf und ließen sich herübertreiben. der Mitte des Wassers stieß Frosch an eine Flasche. Ein fester Kork saß im Halse. Er packte sie, warf sie durch die Luft und schoß wieder hinterdrein. Der Kleine, Peter und Paul beteiligten sich an der Jagd. Einige Male wirbelte so ditz Flasche durch die Luft. Dann war sie verschwunden.. Keiner fand sie. Die Vier schwammen ans Ufer. Das Mädchen saß schon im Weidengebüsch und zog sich an. Auf dem Heimwege schlenderte Moses hinter den anderen drei. Peter und Paul blieben stehen, die Hände in den Vordertaschen der Hose, das Badezeug unter die Arme geklemmt. Frosch platzte vor Ungeduld.„Na— und?" frug er. „Sie heißt Eva Sonnenfeld» ist Jüdin, wie der Name sagt, sechsundzwanzig, Studentin der Geologie— wißt ihr, was sie ist?— Emigriert, völlig kinderlos, lebt im Städtchen bei ihrer Schwester." Abermals fühlte der Kleine ein tiefinneres Zirpüi.„Jetzt geht die Poussiererei wieder los! Jetzt mutz ich wieder auf die Ratte spannen, daß keener quatscht!" „Sie ist eine Fremdrassige," betonte Moses. „Für meinen Stamm garantiere ich!" (Fortsetzung folgt.) Nr. 137 Freitag, 12. Juni 1936 Seite 3 fadetendeMtediet Zeitspiele t Die Sorgen der SdP Dr. Brand Gesandter Sr. Majestät In Wien! Gruß aus Deutschland Dem Sozialistischen Jugendverband kam folgendes Schreiben zu: „Liebe Freunde! Euere ReichSjugeudtag ist»u« vorüber. Ihr werdet alle viele»eue Eindrücke mit nach Hause genommen haben. So will ich auch von meine» Eindrücken berichten: Als Reichsdeutsche zum Jugendtag! Was das bedeutet, werdet Ihr Euch schwer vorstelleu könne». Zum ersteu Male uach drei Jahren wieder rote Fahnen bei einer Demonstration sehen, «ach drei Jahre» wieder einmal unter Jugend in blaneu Blusen zu marschieren,»ach drei Jahren wieder einmal frei und offen Kampflieder singen zu dürfen! Da ist es schwer, die Tränen z» unterdrücken, denn jetzt wird einem wieder so recht bewußt, was wir alles verloren haben! Daß Ihr bei all Euere» Feiern aber auch all derer gedachtet, die drübe« in Deutschland für ihre Ueberzeugung, für di« Idee des Sozialismus leiden müsse«, dafür nehmt herzlichsteu Tauk! Ich werde all Eure Grüße auSrichteu, und Ihr könnt versichert sein, daß der Faschismus mit all seiueu Zuchthausstrafen, Konzentrationslagern und Todesurteilen den Sozialisten den Glauben an ihre Idee doch nicht nehmen kau«. Wenn auch heute»och alle Regungen vom Faschismus rücksichtslos unterdrückt werdeu, so haben wir die Hoffnung noch nicht aufgegeben, eines Tages wieder frei und offen mit Euch, liebe Freunde, für unsre gemeiusameu Ziele kämpfe» zu könne«. Freundschaft! Eiue reichsdeutsche Jugendgenoffin." Parteiberatung Donnerstag, den 11. Juni, fand eine gemeinsame Sitzung des Vollzugsausschusses der Partei mit dem auf dem Brünner Parteitag geschaffenen volkswirtschaftlichen Ausschuß statt, an der auch ein Vertreter der Gewerkschaftskommission und Delegierte der parlamentarischen Klubs der Partei teilnahmen. Genosse Dr. Wiener berichtete über die Vorschläge des volkswirtschaftlichen Ausschusses, die dieser sich in zwei Sitzungen exachesteb hatte und-welche die Belebung der. Wirtschaft. insbesondere!« den industriellen Notstandsgebieten, betreffen. Daran schloß sich eine Debatte, in welche die Genossen R e h w a l d, Jng. Fuhrmann, C. R. S chw arz und Dr. Lederer vom volkswirtschaftlichen Ausschuß und die Genossen Doktor C z e ch und Dr. Heller vom Vollzugsausschuß eingrisfen. Der Vollzugsausschuß stimmte hierauf grundsätzlich den vorgebrachten Vorschlägen zu und beauftragte den volkswirtschaftlichen Ausschuß mit der diesbezüglichen Ausarbeitung der Einzelheiten. Genosse Dr. C z e ch referierte hierauf über die legislatorischen und Regierungsarbeiten, welche bis zum Schluß der Sommertagunz noch geleistet werden müssen, insbesondere über die Verhandlungen, die das Ge- treidemonopol und die Arbeitsvermittlung betreffen. Der Vollzugsausschuß erteilte dem Parteivorsitzenden die Vollmacht zu weiteren Verhandlungen. Der Parteisekretär Genosse Taub berichtete schließlich über die Bemühungen der Partei im Hinblick auf die Kürzungen in der Ernährungsaktion und die teilweisen Erfolge, die in dieser Hinsicht erzielt wurden. Sein Antrag, die Partei möge sich an der Zeichnung der Verteidigungsanleihe beteiligen, wurde einstimmig angenommen. Nach Erledigung einiger orgastisatorischer und administrativer Fragen wurde die Sitzung geschlossen. BdL zur nationalen Frage Die Schuld der SdP In der letzten Sitzung der Reichsparteivertretung des B. d. L. wurde laut»Deutscher Landpost", zur Frage dernationalenMinder- heilen festgestellt: Diese Frage kann nicht vom Machtstandpunkt aus behandelt werden, sondern nur nach den Grundsätzen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Urberfpannter Rationalismus wirkt zerstörend, nicht schöpferisch. Politische, wirtschaftliche und soziale Spannungen werden erst dann beseitigt werden können, wenn die Grundftage, die Versöhnung zwischen den Tschechen und Deutschen, bereinigt ist. Und weiter(und deutlicher) heißt es in dieser Kundgebung: Für die Zurüikdränqung des deutschen Einflusses in«nferem Staate trägt die größte deutsche Partei, die Sudetendeut- sch e Partei, die Hauptverantwar- t u n g, zumal, als str sich wiederholt als allein verantwortlich erklärt hat. In nationalpoliticher Hinsicht muffen wir die Wiedergutmachung jener nationalen Be- nachteUigungrn auf allen Gebieten, namentlich auf Obwohl die führenden Kreise der SdP entschlossen scheinen, ein Kompromiß zu suchen, steht zur Stunde noch die Lösung des Konfliktes aus. In den letzten Tagen ist der Krach mehr und mehr zu einer Auseinandersetzung der K B- Kamarilla um Henlein mit den Kreisleitern geworden, die sich aus opportunistischen Erwägungen heraus, weil ihre Mitglieder auf Seiten Kaspers stehen, gegen den Ausschluß der'Opposition gewandt haben: Die oberste Führung selbst soll glänzend versa gt haben. Die Nervosität in den Füh- rerzirkeln soll unbeschreiblich gewesen sein, weil eben eine wirkliche Führer-Autorität und ein Führerwillen fehlten, lediglich der in weiten Kreisen verhaßte KB gegen die Opposition stand und Henlein selbst nicht aus und ein wußte. Die größte Erbitterung hat es, wie wir hören, her-' vorgerufen, daß Abg. K u n d t als erster das Wort gebrauchte, man müsse„einen 30. Juni" veranstalten. Die Opposition soll dar- aufhin behauptet haben, daß in Deutschland am 30. Juni neben anderen immerhin die Röhm- Typen erschossen wurden, während hierzulande die Röhmlinge die Anderen hinauswerfen wollen. Die Angst vor der täglichen Verbresterung des Konfliktes treibt die führenden Herren dazu, ein Kompromiß zu suchen, wahrscheinlich nicht ohne den Hintergedanken, zu einem zweiten Kampf zu rüsten. Hauptgegenstand des Kampfes soll Dr. Brand sein, der nicht gehen will und dessen Kopf die Opposition fordert. Nun hat man, wie schon berichtet, für Brand die Lösung gesucht, daß er als„A u s l a n d s v e r t r e t e r" Verwendung finden soll. Nunmehr verdichtet sich das Gerücht, daß er als Gesandter Henleins nach Wien gehen soll, während ein anderer Herr vom KB für den B e r li- dcm der Schule und de« Arbeitsplatzes verlangen und die allmählich« Angleichung de« Rech tszusta n d es unserer deutschen politischen Minderheit an jenen des tschechische« Mehr- heitsvolkes. nur mit Kasper wird verhandelt Ueber die Tagung des Hauptrates der SdP in Eger wird ein Kommunique veröffentlicht, in dem es heißt, daß Konrad Henlein der Tagung in seinem Entschluß mitgeteilt habe, die für die Einheit der Bewegung notwendigen getroffenen Maßnahmen aufrecht zu erhalten, trotzdem aber mit Rudolf Kasper nochmals die Möglichkeiten seiner weiteren Mitarbeit in der Bewegung zu besprechen. Diese von Henlein mitgeteilten Beschlüsse seien vom Hauptrat und von dem gleichfalls anwesenden Klubvorstand einmütig genehmigt worden. Demnach soll also nurKasperpardo- n i e r t werden, die andern Rebellen jedoch über die Klinge springen. Bezeichnend für die Patentdemokraten ist schon der Stil der Mit- teilung: Da wird nicht etwa erst in offener Aussprache ein Beschluß herbeigeführt, sondern der Führer teilt einfach seinen Entschluß mit und die anderen schlagen die Hacken zusammen und nehmen die Offenbarung des Führers zur Kenntnis. Selbst wenn der Papst seine Kardinäle zu einer geheimen Beratung versammelt, dürft« es dort wesentlich demokratischer zugehen als bei Henleins! Blldungtarbelt—Erziehungsarbeit Am 4. Juni fanden wichtige Beratungen unserer Bildungs- und Erziehungskörperschaften statt. Vormittags tagte unter dem-Vorsitz der Genossen L o r e n z und W o n d r a k die Sitzung der Zentralstelle für das Bildungswesen, an der 14 Genossinnen und Genossen teilnahmen. Vor Eingang in die Tagesordnung sprach Gen. Won- d r a k Worte des Gedenkens an den vor zehn Jahren verstorbenen Gen. Hillebrand. Genosse Paul berichtete über das Ergebnis der im vergangenen Winter durchgeführten Aktion zur Maffenschulung und erstattete Vorschläge für die Fortsetzung und Erweiterung dieser Aktion im kommenden Herbst. Diese wurden nach eingehender Diskusswn mit einigen Ergänzungen angenommen. Die Sitzung befaßte sich ferner auf Grund von Vorschlägen des Berichterstatters in eingehender Weise mit der Frauen- und Jugendschulung und mit dem Volksbildungswesen. Es fanden ein« Reihe von Vorschlägen, die sich auf diese Gebiete beziehen, einmütige Annahme. Die Organisationen werden zur gegebenen Zeit davon in gesonderter Weise in Kenntnis gesetzt. Unter dem Punkt»Verschiedenes" befaßte sich die Sitzung mit einer Reihe von Fragen, darunter mit ner Botschafterposten ausersehen ist und es noch ungeklärt ist, ob auch die Missionen in der S ch w e i z und in L o n d o n besetzt werden. Brand hätte in Wien natürlich aller- Hand Aufgaben zu erfüllen. Seine Verbindungen zu dem faschistischen Theoretiker und Heimwehr- Professor Spann, dessen Assistent Brand gewesen ist, lassen ihn geeignet erscheinen, die Brücke zu gewissen katholischen Kreisen zu schlagen, vor allem zu den„nationalen" Christlich, sozialen, die sich bekanntlich an das Regime Schuschnigg anhängen und einen Papen^kurs in Oesterreich steuern wollen. Brand und die Span- nianer haben aber auch die besten Verbindungen zum stalienischen Faschismus, so daß Brand in Wien auch eine Art Charge d'affaires für den Quirinal wäre. Der KB soll deutlich die Tendenz zeigen, gegenüber einer ein- festigen Bindung an den Hstlerismus lieber mehrere Eise nim Feuer zu haben, also neben Hitler(bzw. H e ß!), S t o u p a I und gewissen Heimwehrkreisen auch den italienischen Fa.schismus. Brand selbst soll ungern weichen, weil er eine Stellung in Wien für weniger gesichert häll und fürchtet, seinen persönlichen Einfluß auf Konrad zu verlieren. Für die Demokraten in diesem Staate er- hebt sich die Frage, obeSmitdemGrund- satz der Demokratie überhaupt v e r e i n b a r ist, daß eine Partei, die sich ohnehin als" Totalität und Staat im Staate fühlt, nun auch noch Gesandffchasten im Auslande un- terhält und gewissermaßen akkreditierte Diplo- maten an fremde Höfe entsendet. Es fehü nur noch, daß man für Dr. Brand einen Flügel im Wiener Lobkowicz-Palais, dem Sitz der tschechoslowakischen Gesandtschaft, als Amts- raum anfordert, wie man ja für Henlein einst den Platz in der Loge der ausländischen Diplomaten im Prager Parlament verlangt hat! dem hesFilmsund des Lichtbilds, den Erfah- rüngeir bei derp Versuch, ein proletarisches Theater zu aktivieren, mit dem Buchvertrieb und der Organisierung von Einzelvorträgen mit bekannten Theoretikern. Im Anschluß daran fand eine Sitzung des Reichserziehungsbeirates unter dem Vorsitz des Senator Genossen Müller statt, an der Vertreter der Frauen, der Sozialistischen Jugend, des Atus, der Kinderfreunde, der Freidenker, der Arbeitersänger, der Arbeiterradfahrer usw. teilnahmen. Genosse Paul referierte über die Wahrnehmungen bei der Belebung der Erziehungsbeiräte in den Kreisen und Bezirken. Nach einer Stellungnahme zum JugendherbergSver- band nahm die Sitzung ein sehr instruktives Referat des Genossen Jäger über die Fragen der weltlichen Erziehung entgegen, in dem die Forderung nach dem Lebenskunde-Unterricht eingehend begründet wurde und an das sich eine rege Diskussion anschloß. Die Sitzung besprach ferner noch die letzten Vorarbeiten für den Kindertag und Jugendweihe. Spaß muß sei». Die„Rote Fahne" hat es für zweckmäßig gehalten, eine Entschließung zu veröffentlichen, in denen den Teilnehmern am Reichsjugendtag in Bodenbach für die Herstellung der Einheitsfront mit den Kommunisten gedankt wird. Wir können natürlich die„Rote Fahne" nicht daran hindern, schlechte Witze zu machen. Es handelt sich ihr und ihren Auftraggebern ja, wie wir wissen, um das gute Zeugnis der Moskauer. Uns dünkt, daß nicht einmal der kommunistischen Partei ein Dienst erwiesen wird, wenn den Arbeitern Bären aufgobunden werden, geschweige denn der Arbeiterklasse.— In diesem Zusammenhang verdient noch her folgende Vorfall Erwähnung: Die Redaktion der Zeitschrift„Das Leben" bemühte sich dieser Tage um ein Klischee von der Kundgebung des Reichsjugendtages. Die Beistellung des Klischees wurde zugesagt unter der Bedingung, daß der Text vorgelegt werde, der unter die Wiedergabe des Klischees kommen soll. Die Redaktion der genannten Zeitschrift hat es daraufhin vorgezogen, das Klischee nicht zu beheben. Es handelt sich beim„Neuen Leben" nämlich um«in kommunistisches Unternehmen. Die Arbeiter dürfen raten, was mit dem Bild beabsichtigt war. Brief an den Zeibpiegel Seit mehreren Monaten hört die Diskussion über die Hochschulautonomie nicht auf, ununterbrochen erscheinen Aufsätze, die für und wider sprechen. Es muß festgestellt werden, daß aus den Kreisen der tschechischen Hochschullehrer weit mehr objektive Urteile veröffentlicht werden, als aus denen der deutschen. Da durch jahrzehntelange Auslese die derzeitige Zufallsmajorität unter den deutschen Hochschulprofessoren antidemokratisch, antisozialistisch und antisemitisch ist, trägt die eigentlich demokratische Hochschulautonomie dazu bei, diesen Zustand zu verewigen. Es kann nicht genug betont werden, daß in unserem Staate der Verfassung nach alle Bürger gleichberechtigt sind. Ein Sozialist kann bei uns Ministerpräsident, ja sogar Staatspräsident werden. Ersteres war und letzteres ist derzeit der Fall. Dagegen kann heute, besonders an den deutschen Hochschulen, niemand, der sich offen zum Sozialismus bekennt, auch nur Assistent, geschweige denn Dozent oder sogar Professor werden. Man lege einmal unseren deutschen Hochschulprofessoren die Frage vor, ob denn ihrer Ansicht nach die Sozialisten weniger geeignet erscheinen. Dieser offensichtliche Skandal ist nur durch den Mißbrauch der Hochschulautonomie möglich. Es muß noch auf etwas hingewiesen werden, was sich an den tschechischen Hochschulen nicht so kraß ausdrückt, wie an den deutschen. Die persönliche Einstellung, die nichts mit Wissenschaftlicher Qualifikation zu tun hat, spielt eigentlich die Hauptrolle, sonst wäre es nicht möglich, daß an den deutschen Hochschulen allgemein und international anerkannte Fachleute sind, die ein Vierteljahrhundert, ja noch länger— ein Privatdozent hat sich 190£ habilitiert!— als Pri- vatdozenten unterrichten und noch nicht einmal den Titel eines unbesoldeten Professors bekommen haben. Ein derartiger Skandal ist nur möglich, weil die Hochschulautonomie in direkt unanständiger Weise von einer Majorität mittelmäßiger Protektionskinder ausgenützt wird, die, im Bezirke der Professur, fähige und allgemein anerkannte Wissenschaftler ausschalten. Der Jahresbericht der Deutschen Jugendfürsorge Am 13. und 14. Juni findet in Karlsbad die Hauptversammlung der Deutschen Landeskom- mission für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Böhmen statt. Der schriftliche Jahresbericht führt an, daß die Deutsche Jugendfürsorge in Böhmen jährlich 17 Millionen Kronen aufwendet und in 270.000 Fürsorgefällen einschreitet. Im Vergleiche mit den Zahlen des Vorjahres kann festgestellt werden, daß die Ausgaben um 2 Millionen 881.789.85 Kc wuchsen und die behandelten Fürsorgefälle um 9968 zunahmen. Die Bezirksjugendfürsorgen haben geholfen: 34.794 Kindern in 478 Mütterberatungsstellen, 912 in Heilanstalten, 2874 in Erholungsfürsorge, 35.395 in Bekleidungsfürsorge, 11.066 durch Schulzahnpflege, 28.426 durch Generalvormundschaft, 14.798 durch eigene Fcmnlienfürsorge, 3362 durch fremde Familienfürsorgc, 1041 durch Aufnahme in Waisenhäuser, 441 durch Aufnahme in Fürsorgeheime, 292 durch Aufnahme in andere Erziehungsanstalten, 42.625 durch Pflegeaufsicht, 4361 durch die Berufsberatung. Die Zentrale hat geholfen: 565 Kindern in eigenen Fürsorgeanstalten, 239 in fremder Familienpflege,(Kolonien), 38 in fremder Anstaltspflege, 186 durch' laufende Erziehungsbeiträge, 221 durch einmalige Unterstützungen, 114 durch Krüppelfürsorge, 1978 durch Fahrtbegünstigungen auf den Eisenbahnen. Zentrale und Zweigstellen halfen gemeinsam: 85.728 Kindern in der Ernährungsfürsorge, neun in ausländischen Erholungskolonien, 97 in inländischen Erholungskolonien, 486 durch Bekleidungsfürsorge, 8168 Jugendlichen in Heimstätten und Arbeitsgemeinschaften, 1416 Jugendlichen durch Berufsfürsorge. Das Interesse für die diesjährige Reichenberger Messe ist in Anbetracht der gut einlaufenden Ausstelleranmeldungen als ein sehr befriedigendes zu bezeichnen. Nicht nur der größte Teil der vorjährigen Aussteller, sondern auch zahlreiche neue Firmen haben sich für die Beteiligung entschlossen. Insbesondere haben die Sonderveranstaltungen„Die Elektrizität als Licht-, Kraft- und Wärmequelle" sow,ie die„Gemeinschaftsausstellung des Bekleidungsgewerbes" viele Firmen veranlaßt, die Reich« nberger Messe zu beschicken. Bolksbildungsarbrit..Die Bolksbildunqsarbeit" ist das Mitteilungsblatt des Sonderausschusses für das gesamt« Bolksbildungswesen des Verbandes der deutschen Selbstverwaltungskörper und enthält neben werwöllen Beiträgen auch alle Mitteilungen des Ministeriums für Schulwesen und Volkskultur be- treffend die öffentliche Bildungspflege. Es wird daher allen Bezirksbildungsausschüssen und OrtSbil- dungskommissionen zur Pflicht gemacht, diese Zeitschrift zu abonnieren. Die Bezugsgebühr beträgt jähÄich 20 Kd. Bestellungen sind zu richten an die Verwaltung der«VolkSbildungsarbeit". Teplitz« Schönau, Schulgaffe 44. Seite t Freitag, 12. Juni 1936 Nr. 137 3cufr&gneaiglUtteii Regenzeit Die große Regenzeit, von der im Zusam- menhang mit Abessinien viel die Rede war, ist auf dem Kriegsschauplatz zu spät eingetroffen, um die Eroberung der Hauptstadt durch die Angreifer zu verhindern. Dafür hat sie nun Europa heimgesucht, das die Angegriffenen im Stich gelassen hat, und wer das Symbolische liebt, wird sagen, daß sie dem Negus nachgezogen sei, um die Erinnerung an die G i f t r e g e n zu verstärken, die im Lande Aethiopien im Namen der Zivilisation niedergingen,— und an die Tränen, die Zebntausenden Gefallener dort nachgeweint werden. Die großen himmlischen Wasserfälle, die jetzt in den Tropen niedergehen, werden den Zug der Sieger für einige Monate aufhalten. Sollen die Regenfälle, die uns den Frühling verwässert und verdüstert haben, daran gemahnen, daß auch uns nur eine Frist gesetzt ist, die es gegen die Angreifer und Giftmischer zu nützen gilt? Verregnete Frühlingswochen wecken trübe Gedanken,— darunter auch den, daß die Situation Europas der Abessiniens gar nicht so unähnlich ist: daß der faschistische Feind auch in Europa bis weit ins Zentrum vorgedrungen ist und sich gebärdet, als sei ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen. Aber gerade dieser Gedanke, daß Europa ein zweites Abessinien werden könnte, ist eine Mahnung zu entschlossener Abwehr. Es gilt, die Frist zu nützen, die uns gestellt ist. Das Jahr, das mit Krieg begonnen hat und mst Regen seiner Mitte zugeht, hat auch sonst noch Zeichen des Absonderlichen. Der Kalender hat es als Schaltjahr außerhalb des Normalen gestellt, und der Mond wird ein Uebriges tun, wenn er Ende nächster Woche eine Sonnenfinsternis inszenieren wird. Aber selbst dieses ungewöhnliche Himmelsereignis erscheint noch als unerheblich neben der Tatsache, daß in diesem Sommer die faschistische Barbarei, die Europa bedroht, bei der Berliner Olympiade ihr großes Siegesfest unter Duldung und Mitwirkung derer feiern wird, die schon als die Opfer von mor- gen ausersehen sind. Dem Triumph über den Völkerbund, der in Addis Abeba, und in Rom gefeiert wurde, soll der Triumph des Hakenkreuzes über die Gleichgültigkeit der Menschheit folgen. Ist es da eigentlich verwunderlich, daß die Sonne sich schon vor ihrer Finsternis hinter Wolken verbirgt und die Regenzeit keinen Unterschied zwischen Abessinien und Europa macht? Für die Wissenschaft freilich exissieren zwischen Faschismus, Sonnenfinsternis und Regenwetter keine Zusammenhänge. Aber da sie das Absonderliche, das wir erleben, nicht, erklären kann, muß sie es dem Laien gestatten, sich seine abwegigen, aber zeftgemäßen Gedanken zu machen. Die»Kulturträger" in Südtirol. Der italienische Siegestaumel hat sich für die Bevölkerung Südtirols an einigen Orten recht bitter ausgewirkt. Körperliche Mißhandlungen. Ohrfeigen, Faustschläge und Fußtritte haben so manche Südtiroler in diesen Tagen über sich ergehen lassen müssen, weil das südländische Temperament sich im Bewußtsein der Uebermacht zügellos ent- saltete und der Gegner dieser Kraftentwicklung gegenüber völlig wehrlos war. Wenn der kriegsinvalide Bauer Josef Tappeiner in Schlanders am Heimweg, weil er nicht zur Siegesfeier gehen will, ZutztritteundFaust- schlüge erhält, der Arzt,Dr. Schgör, der die Behandlung eines Kranken nicht unterbrechen kann, um zur Siegesfeier zu eilen, eine O h r- feige bekommt, ebenso der Bauernbursche Franz Strickner aus Kortsch, weil er die ihm unverständlichen Reden im Rundfunk nicht mithört, so liegt in diesen Handlungen die Absicht, die Deutschen zu demütigen. Aehnliche Vorgänge wurden aus dem Pustertale gemeldet: auch dort hat man vor allem die Häuser, mit Plakaten, überklebt. Die Arbeit wurde in höchster Eile gemacht, die Plakate meist so angebracht, daß sie der erste Windstoß in Fetzen riß. Und wenn dann der Hausbesitzer die herabhängenden Fetzen fortnahm, so wurde er dafür verantwortlich gemacht. So gings einem Pustertalerbauern, der mit ruhiger Gelassenheit sein Haus von den herabhängenden Papierstreifen reinigen wollte. Gleich war eine Terrorbande da, die auf den Wehrlosen einschlug und ihn blutüberströmt liegen ließ. Und im Ansitze des Baron Sternbach in Bruneck wurden über 100 Fensterscheiben eingeworfen und die Banden versuchten sogar, den Ansitz anzuzünden, weil ein solches Plakat beim Oeffnen des Haustores, über, das es offenbar absichtlich geklebt war, zerriß. Ein nachahmenswertes Beispiel!(mh.) Die Fußgänger-Vereinigung in England(in dem heute wohl das Bereinsleben blüht wie nirgendwo) hat ein Plakat herausgegeben zur Verhütung von Straßenunfällen, das so großen Anklang fand, daß es das Berkehrsministerium an vielen Plätzen Englands auf eigene Kosten gn- schlagen läßt. DaS Plakat zeigt ein totes Kind, das in den Armen eines Polizisten liegt, im Hin- Donaudampicr zerschellt an der RelchshrUchc Sieben Mann Besatzung untergegangen Wien. Infolge Hochwassers fuhr Donnerstag um 13 Uhr 30 der Donau-Personen- dampfer„Wien" auf einen Brückmpfeiler der in Umbau befindlichen Reichsbrücke bei Wien auf. Der Dampfer wurde entzweigeschnitten und versank dann in den Wellen. Das Schiff Var glücklicherweise bloß vom Schiffspersonal, insgesamt 22 Mann, bemannt, wovon sieben Personen vermißt werden; die übrigen konnten gerettet werden. * Zu der Katastrophe werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Als der Dampfer„Wien", mit Kohlen.beladen, nach seinem Hafen zurückkehrte, stieß er gegen einen provisorischen Holzpfeiler, der als Stütze der neuen Brücke(die Reichsbrücke wird nämlich umgebaut) diente. Der Pfeiler wurde umgeriffen und der" Dampfer stieß gegen den steinernen Pfeiler mit solcher Gewalt, daß der Dampfer in zwei Teile zerbrach und im Laufe einer Minute unterging. An Bord des Dampfers befanden sich 22 Mann Besatzung», jedoch keine Passagiere. Von der Besatzung wurden 15 Mann gerettet, sieben Mann,' die sich im Maschinenraum befandeü,'werden vermißt. Irgendeine Gefahr für die neue Brücke besteht nicht. Der Dampfer„Wien" gehört zu den größten Paflagierschiffen der Donäudampfschif- fahrts-Gesellschaft; er hat Raum für 1200 Personen und wurde, auf der Strecke Wien-Passau verwendet.. tergrund steht ein Auto. In großen Lettern darüber die Worte:„Das nächstemal kann es dein Kind sein!" Und darunter:„Fahrer! 6500 Menschen wurden im letzten Jahr auf der Straße getötet. Nimm nicht daran teil!" Dem Einwand, daß ein solches Plakat Auftegung verursachen könne, begegnete das Verkehrsministerium mit der Bemerkung, daß die Straßenunfälle, die aus Unachtsamkeit entstehen, viel entsetzlicher seien als ein noch so realistisches Warnungsbild. Rücksichtsvolle Polizei.(mH) Die Arrestzellen der neuen Polizeistation im Londoner Stadtteil Wembley sind mit Gummibelag ausgestattet worden,«damit die Gefangenen ihre Zellennachbarn nicht durch allzu großen Lärm stören" sollen. Friedliche Menschen, meint der„Manchester Guardian" humoristisch, die in ihrer Ruhe durch das Radio- oder Kindergebrüll beim lieben Nachbarn gestört werden, die Mitglieder der in England sehr zahlreichen„Antilärmliga", und alle, die bisher dem Londoner Straßenlärm vergeblich zu entgehen versuchten, werden nun nach Wembley gehen und sich kleinerer Verbrechen-schuldig machen, nur damit sie eine Zeitlang die Freude haben, die himmlische Ruhe des Polizeigefäng- niffes zu genießen. Der Gottesdienst. Baldur vynSchi- r a ch hat jüngst in einer Rede die Stellung der Hitler-Jugend zu den konfessionellen Streitfragen der Stunde erschöpfend präzfiiert. Er sagte in einer Rede in Norddeutschland wörtlich das Folgende:„Unsere I u g e n d ist n i ch t g o t t l o s, wie oft behauptet wurde. Sie ist dem Führer und seinen Ideen ergeben und erfüllt damit ihren Gottesdien ft" Auf der Suche nach der Schatzinsel, Der englische Fischdämpfer„Girl Pat", der seit zwei Monaten von sich reden machte, weil er, anstatt in der Nordsee Fische zu fangen, eine Fahrt ins Blau^ nach unbekannten Schätzen angetreten hat, ist an der Küste von Französisch-Guyana von dem amerikanischen Dampfer„Lorraine Croß" gesichtet worden.„Girl Pat" hatte das Notsignal gehißt..Das Schiff befand sich 47 Meilen östlich von Cayenne. Als die„Girl Pat" von dem amerikanischen Dampfer aufgefordert wurde, Namen und Bestimmungsort anzugeben, verschwand 1 das geheimnisvolle Fahrzeug, ohne daß ihm Beistand geleistet werden konnte. Angeblich befindet sich der Kapitän der„Girl Pat" im Besitze eines aus sagenhaften Zeiten stammenden Planes, der Auskunft über Schätze geben soll, die irgendwo im Atlantischen Ozean verborgen sind. Bon einer Ratte totgediffen. Ein ungewöhnliches Unglück ereignete sich in Caün, wo der Krämer Marcel Nugue zusammen mit seinem Terrier eine Ratte in seinem Schlafzimmer fing. In dem Augenblick, als er die Ratte packen wollte, schlüpfte das Tier in das Hosenbein; lief das Bein hinauf und biß ihn in den Oberschenkel. Erst dann gelang cs dem Mann, die Ratte zu packen und zu töten. Bier- undzwanzig Stunden danach fühlte sich der Krämer schlecht; er wurde ohnmächtig, und sein Zustand verschlimmerte sich derart, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mutzte. Eine sofort vorgenommene Bluttransfusion blieb erfolglos; der Unglückliche starb innerhalb weniger Stunden an Blutvergiftung. Wo liegt Addis Abeba. Aus einem Londoner Postamt kam es vor einigen Tagen zu einer leidenschaftlichen polftischen Auseinandersetzung. An einem Schalter wurde ein Brief aufgegeben, der nach „Addis Abeba(Jtalienisch-Ostafrika) adressiert war. Der Beamte weigerte sich, den Brief anzunehmen, da die Adreffenangabe falsch sei; es gäbe kein Addis Abeba in Jtalienisch-Ostafrika. Der Briefschreiber erklärte darauf, daß jedes Kind wisse, Addis Abeba gehöre heute den Italienern. Der Beamte 'atzte das als Beleidigung auf, holte den Postvor- t«her, der eine geradezu salomonische Lösung in diesem, Streit fand: er veranlaßte, daß der Brief- zunächst nach Rom weitergeleitet wurde. Die römische Postverwaltung werde schon wissen, wo Addis Abeba liegt. Beim Giftstreuen zur Bekämpfung von Ungeziefer in der Gegend von Goldap in Ostpreußen verunglückte ein Strcuflugzcug, wobei der Flugzeug- ührer ums Leben kam. Bei einem Zusammenstoß zweier Arbeiterzüge in Erfurt, wobei vier Waggons entgleisten, wurden zwei Arbeiter schwer und mehrere leicht verletzt. Rachtbild. Im Stadtpark von Ungärisch- Hradisch kam es in einer der vergangenen Nächte zu einem großen Aufsehen erregenden Borfall. Die Gäste des Parks hörten plötzlich wildes Geschrei und sahen ein völlig, nacktes Mädchen, verfolgt von zwei Männern, in wilder Eile" die Wege überqueren. Versuche, das seltsame Trio zu stellen, blieben erfolglos.' Die Polizei ist mit der Auftlärung der mysteriösen Angelegenheit beschäftigt.- Grausiges Sittenbild. In Seglitz bei Pilsen wurde der Landwirt Kocourek verhaftet, der ein jahrelanges Verhältnis mit seiner verheirateten Tochter unterhielt. Schwiegersohn und Eheftau des entarteten Vaters solle» von der blutschänderischen Verbindung gewußt haben. Em arabischer Prinz in Prag. Auf Aufforderung der französischen Regierung wurde eine syrische Mission nach Paris entsendet, um einen Freundschafts- und Bündnisvertrag abzuschlietzen. Der Mission schloß sich Prinz Fauäz, der Enkel des großen Häuptlings Nuri' der Beduinen, an, die im syrischen Grenzgebiet ein Nomadenleben führen. Auf ausdrücklichen Auftrag seines Großvaters traf der arabische Prinz am Dienstag aus Paris in Prag ein, um den einzigen europäischen Freund und Häuptling seines Stammes Dr. Alois Musil, Professor an der philosophischen Fakultät der Karls- universität, der jahrelang mit dem Fürsten Nuri und seinen Stämmen gelebt hatte, zu begrüßen. Erfolge der Telephonpropaganda. Im ersten Vierteljahr 1936 verzeichnet die Postverwaltüng einen Nettozuwachs von 1227 neuen Telephonstationen, während in derselben Zeft des Vorjahres ein Abgang von 68 Telephonstationen zu verzeichnen war. Insgesamt gab es Ende März 119.235 Telephonabonnenten, mit den Nebcnstationen insgesamt 191.133 Stationen. Die Zahl der Gespräche im Ortsverkehr betrug im ersten Vierteljahr 1936 rund 56 Millionen, d. i. gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent mehr. Die Zahl der inländische» Ferngespräche erhöhte sich in derselben Zeft um eine Viertelmillion, d. i. um 7.5 Prozent. Trotz der Herabsetzung der Telephongebühr für die erste Zone(bis zu 15 Kilometer) von 2.00 auf 1.50 Kö erhöhten sich die Einnahmen aus den inländischen Ferngesprächen um 3.5 Prozent. Die zielbewutzte Propaganda der Postverwaltüng zur Popularisierung des Telephons ist also von Erfolg begleitet. Die steigende Zahl der Telephonabonnenten läßt gleichzeitig auf eine allmähliche Besserung der Wirtschaftslage schließen. Wie wird man Außenminister? Im faschistischen Italien durch„Einheirat“, wie jetzt Graf Galezzo C i a n o, der' Schwiegersohn Mussolinis> quar wollte die in den Noten befindlichen'^Kritze- leien" ausradieren, Patai aber, dem die sonderbaren Randbemerkungen aufgefallen waren,-hinderte ihn daran. Patai sah gleich, daß es sich hier nur um die eigenhändigen Aufzeichnungen Beethovens handeln könne. Um sich aber vergewissern. zu' können, sandte er die von der Handschrift' gemachten Photokopien an verschiedene Fachleute in Wien und in Deutschland. Von dort erhielt er die Versicherung, daß es sich tatsächlich um die von dem großen Kom- ponisten eigenhändig geschriebenen• Korrekturen Und Anweisungen handle und daß deshalb die von ihm erworbenen Werke einen überaus großen- Wen besitzen. Es befand sich unter den Noten auch die Erstausgabe der Messe in' C-Dur von' Beethoven, in welcher auch eine schon unlesbar gewordene Widmung zu sehen war. Man mußte ein chemisches Verfahren anwenden, um die verschwommene Schrift wieder lesbar zu machen. Das Verfahren gelang, und man konnte die folgende Widmung lesen:„An Herrn Hofrat S. von Brouning". Hofrat Brouning gehörte zu den besten Freunden Beethovens. Patai hat auch alte Exemplare von Mozarts' und Haydns Werken entdeckt, die ebenfalls eigenhändige Randbemerkungen und Spielanweisungen von Beethoven enthalten. Diese Anweisungen sind fürdenAdoptiv- sohn Beethovens bestimmt, den Beethoven im Jahre 1816 im Biolinspiel unterrichtete. Diese von Patai entdeckten Erstausgaben hat man schon seit- langem für verloren gehalten und es bleibt: ein Rätsel, wie sie in das Budapester Antiquariat gelangt: sind.- Eine Riesenfliege. In den Päldern. des Mount Cook(Neuseeland) soll eine Fliege- von»einem halben Meter Länge, entdeckt worden sein. Möglich, daß cs eine verfrühte HundstagSfliege ist; ausgeschlossen ist allerdings nicht, daß sich auf der abgelegenen Insel eine der riesigen prähistorischen Jnsektenarten erhalten hat. Vom Rundfunk IsuHaNMiwarlu aus den ProgmuMii Wertvolle Biicherfunde Ein ungarischer Büchersammler hat in einem Budapester Antiquariat mehrere Erstausgaben der Werke Beethovens entdeckt. Die siebzehn Werke sind mit- eigenhändigen Korrekturen und Randbemerkungen Beethovens versehen. Dem Mathematiker einer Versicherungsgesellschaft namens Patai, der ein leidenschaftlicher Büchersammler ist, sind in einem Antiquariat alte Roten-Werke von Beethoven—- zum Verkauf angeboten worden, und zwar um zwei bis drei Pengö pro Stück. Per Anti- Samstag r Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12:35: Mujjiks Salonquartett, 18.40: The englifh singers auf Schallplatte»,, 16.05: Konzert aus Karlsbad, 16.50: für. die Jugend, 18: Deutsche Sendung: 300 Jcchre Klaviermusik, Vortrag Schleißner, 18.20: Bajuwarisches Lachen, Dialektdichtungen, 22.15: Orchester Witheman auf Schallplatten. Sender'S: 7.30: Populäres Konzert,14.10: Deutsche' Sendung: Heitere Lieder und Balladen, 14.40: Kulturrelirf, 18: Schallplatten.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Konzertstunde.— Kascha» 15: Rundfunkorchesterkonzert, 17.25: Mozart: Opernarien. Haremsdamen bei der Eröffnung des ägyptischen Parlaments Ein nicht alltägliches Bild von der feierlichen Eröffnung des neugewählten ägyptischen Parlaments, die in Anwesenheit des Regentschastsrates erfolgte. Auch die Frauen der Minister wohnten der feierlichen Zeremonie bei, und hier sieht man sie zum Teil verschleiert beim Verlassen des Parlamcntsgebäudes. Rr. 137 Freitag. 12. Juni 1938 Seite 8 Os» neueste Bild aus Palästina Beamte und Angestellte der Postämter werden in Wagen, die mit Drahtgeflecht überspannt sind, zur Arbeitsstätte gebracht, um sie gegen Steinwürfe zu schützen. Volkswirtschaft uod Sozialpolitik Die Bandwarenindustrie auf gefährlichen wegen! Die Bandwarenindustrie, eine der ausschlaggebendsten Industriezweige des Bezirkes Hainspach, ist auf Wege geraten, die zum Ruine dieser Branche führen müssen, wenn nicht wirksame Maßnahmen dagegen ergriffen werden. Nicht nur, daß die gesamte Arbeiterschaft in absehbarer Zeit die be- rühmten Löhne der Blumenarbeiter erreichen wird: Die Rationalisierung ist selbswerständlich auch an dieser Branche nicht spurlos vorübergegangen; genannt sei nur das augenfälligste Merkmal, der Uebergang vom Ein- zum Zwei-, Drei- und P i e r st u h l s y st e m bei mehrfacher Leistung und Ausnützung aller möglichen Vorteile der Maschinen., Man wäre geneigt zu glauben, daß der Umschwung in Produktion und Technik genügt hat, um den Arbeitgebern nicht nur Konkurrenzmög- lichteiten und gute Gewinne zu verschaffen, sondern daß es auch genügt hätte, um die Produktion den neuen Verhältnissen entsprechend zu stabilisieren. Nein. Man gibt sich mit dem Erzielten n'cht zufrieden, sondern treibt ein Spiel, das in absehbarer Zeit dieser Industrie zum Verhängnis werden wird. Einige Unternehmer find zum Heimarbeitersystem Lbergegangen. Die Heimarbeiter arbeiten auf billig aufgekauften oder auch auf gepachteten Stühlen, die Regie ist aber in keinem Verhältnis zu ihrem Lohne, so daß sie gezwungen sind, mehr Stühle einzu stellen als sie allein bedienen können. Sie müfien also selbst Arbeiter einstellen, deren Löhne dann wieder Blumenarbeiterlöhnen gleichkommen. Durchschniits- löhne von 50 bis 70 Heller pro Stunde für Akkordarbeiter bei einer Arbeitszeit von 60 bis 70 Stunden in der Woche sind fast die Regel Der erzielbare Verdienst beträgt also 35 bis 50 XL Die Einhaltung sozialpolitischer Gesetze kommt nicht in Frage, man kann ungestraft von früh bis in die späte Nacht arbeiten lasten. Darum kümmert sich keine Gewerbebehörde. Angeeifert durch dieses Heimarbeitersystem sind fast alle Unternehmer zu unbegrenzter Arbeitszeit Lbergegangen. Man richtet sie so ein, wie man es für nötig hält, aber fast immer unter der Parole: Unter keinen Umständen Arbeiter neu einstcllen. Unter Hinweis auf di« Heimarbeiterlöhne und die Löhne bei einer Reihe von Firmen, die schon seit Jahren ihre Arbeiter schlecht entlohnen, sehen sich auch Firmen, die noch auf anständigen Lohn Wert legten, veranlaßt, die Akkordsätze zu drücken. Wir laden die berufenen Faktoren ein, nachzuprüfen, ob unsere Angaben stimmen. Richt nur im Jntereffe der Arbeiterschaft, sondern auch im Jntereffe einer gesunden Volkswirtschaft und jener wenigen Unternehmer^ denen an der Erhaltung der Industrie, an anständigen. Löhnen und Einhaltung der sozialpolitischen Gesetze noch etwas gelegen ist. Sie mögen die Verhältnisse— um nur einige Firmen zu nennen— z. B. bei Kumpf- Wölmsdorf, Lorenz-Röhrsdorf, Johann Macich- ner-Großschönau, Schorisch. Schuhmacher u. Mö- bus, Staude u. Co., Poscher, alle in Großschönau, überprüfen und sie werden unseren Ruf nach Abhilfe im Jntereffe der Industrie und deren Arbeiterschaft gerechtfertigt finden. Oeffentlldie Elementarversicherung für die Landwirtschaft Die immer wiederkehrenden Elementarkatar strophen stellen die Regierung von Zeit zu Zeit erneut vor die Notwendigkeit, den schwer betroffenen Landwirten mit finanziellen Unterstützungen Hilfe zu bringen. Jetzt hat nun der Landwirtschaftsminister erklärt, daß die bisherigen provisorischen Maßnahmen nicht ausreichen, um die ungeheuren Schäden spürbar zu lindern. Es wird aus diesem Grunde auf eine definitive Regelung gedrängt. Sie soll auf der Grundlage einer Versichertenorganisation erfolgen. Ein entsprechender Gesetzentwurf über die. öftentlich« Elementarversicherung wird bereits vorbereitet. Die zu errichtende Versicherungsorganisation soll mit den neu zu bildenden Landwirtschaftslammern eng zusammenarbeiten und sich teilweise auf deren Organisationen stützen. Bon den Staatsgütern. Das staatliche Unternehmen„Staatsgüter und Forste" umfaßt insgesamt ein Ausmaß von 1,186.149 Hektar. Davon entfallen auf die Staatsgüter 46.647 Hektar. In. eigener Regie verwaltet der Staat 24.772 Hektar. Rund 17.000 Hektar sind in Großpacht und etwa 5000 Hektar an Kleinpächter vergeben. Die staatliche Rcgiefläche ist aus 121 Höfe mft einem Durchschnittsausmaß von 205 Hektar aufgeteilt. Zur Verwaltung sind 183 Beamte und etwa 400 Angestellte nötig. Die Durchschnittszahl der beschäftigten landwirtschaftlichen Arbeiter, einschließlich der Saisonarbeiter, beträgt mehr als 7000.. Die Staatsgüter erzielten im Jahre 1935 einen Bilanzgewinn von über 20 Millionen XL. Gründung eines Feinblechkartells. Die seft einiger Zeit geführten Verhandlungen zur Er-, richtung eines Kartells der Feinblechindustrie haben zu einer Einigung in den wesentlichsten Fragen geführt. Nur bezüglich einzelner Qualitätssorten bestehen noch Meinungsverschiedenheiten. die aber an dem endgültigen Zustandekommen des Kartells nichts mehr ändern werden. Uebe Im Dschungel Von Paula Reicher Die beiden Filmoperateure hielten sich in einer Felsspalte eines dichtbewaldeten Hügels verborgen, der zu den letzten Ausläufern des Lake Kion-Massifs in Zentralafrika gehörte. Sie waren vom Laub eines mächtigen Baumes gedeckt. Beinahe zwei Wochen hatten sie in diesem Gorillaland, in ständiger Gefahr, umlauert von wütenden Bestien, auf eine günstige Gelegenheit gewartet, eine intereffante Aufnahme machen zu können. Frank blickte aus seinem Versteck in die Dschungel hinunter— und da,— halb verdeckt von hohem Bambusgebüsch, wurde eine große, dunkle Gestalt sichtbar. Die haarlosen, wulstigen Lippen halb offen, die Ohren gespitzt, daß ihnen kein Laut entgehen konnte, stand der Königsaffe, das sellenste, scheußlichste und einsamste aller Tiere, wie zu einer Großaufnahme bereit da. Mehr als eine Minute vollkommener Unbeweglichkeit. Frank sah auf seinen Kollegen Braun, der, unbekümmert um die Gefahr, ruhig die Kurbel drehte. Der Mann hatte keine Nerven, wenn er' in den Zauder einer' interessanten Aufnahme, verstrickt war. Ebenso leise wie er gekommen, bewegte sich der Gorilla, gestützt auf zwei Bambusstöcke, die er mit seinen haarigen, schwarzen Händen um« klammert hielt, wie ein mächtiger Schatten in das undurchdringliche Gehölz zurück. Frank konnte noch sehen, daß das Haar der Bestie an den Schläsen weiß war, auch auf den Schultern waren graue Flecken. Durch den Feldstecher konnten sie noch beobachten, wie da und dort im Gehölz mächtige Gestalten auftauchten. Es waren weibliche Gorillas, die ihre Jungen an ihren langen Armen hinter sich herschleppten. Zuletzt zeigte sich ein noch junger, männlicher Gorilla, doch schon vollkommen ausgewachsen. Er war schlanker und hielt sich besser aufrecht als die übrigen. In seinem schwarzen, brütenden Gesicht war neben der Wildheit ein Zug von Verspieltheit zu merken. Die ganze Gesellschaft kauerte im Kreise um den alten Führer gruppiert und saugte friedlich den Saft aus den Stengeln der jungen Saat. Plötzlich veränderte sich das Bild. Der Junge, der sich nur oberflächlich an dem Mahl beteiligt hatte, griff in spielerischer Laune nach einer der Damen und zwickte sie in die Schulter. Im selben Augenblick warf ihm die Alte einen Blick voll wilden Hasses zu. Seine eingesunkenen Augen leuchteten wie elektrische Birnen und die schwarzen Lippen entblößten scharfe Raubtierzähne. Er bewegte sich gegen das junge Tier/indem er sich mittels seiner großen Hände vorwärts schob. Aus einer Entfernung von ungefähr acht Fuß schleuderte der Alte seine mächtigen Arme nach rückwärts und ließ sie in einem weiten Bogen auf den Jungen niedersaußey. Schläge hallten dumpf durch das Gehölz, wüstes Gebrüll Wechselte mit dem Pfeifen wild ausgestoßenen Atems. Die Weibchen sprangen aufgeregt hin und her, Grimaffen schneidend, die eine lasterhafte Glut verrieten. Plötzlich ließ der junge Gorilla vom Kampfe ab und zog sich in das Gebüsch zurück. Doch dem Blick nach zu schließen und der Art, wie sich der Alte auf die Brust schlug, war die Fehde noch nicht ausgetragen. Es war schon nahe vor Sonnenuntergang, als die Familie, einer nach dem andern, ganz nahe an dem Apparat vorbeidefilierte, um sich zu ihren Lagerplätzen zu begeben. Es waren faszinierende Aufnahmen. Nur der KrauSkopf, den der Alte gezüchtet hatte, fehlte. Da geschah etwas Sonderbares. Ein haariger Arm fuhr durch die Büsche, um nach den Gegenständen zu greifen, die auf dem Feldtisch« chen ausgebreitet lagen. Es war der junge Gorilla, der einen Topf wegschnappte und mit diesem im Dickicht verschwand. „Der kommt wieder", sagte Frank. Die folgenden Tage hatten die beiden das Gefühl, beobachtet zu werden. Endlich nach Tagen unheimlichen Wartens sahen sie, wie sich das Gebüsch langsam teilte und der junge Gorilla sichtbar wurde. Angezogen von all den Gegenständen, die auf dem Feldtisch standen, kam er langsam näher. Braun drehte wie besessen die Kurbel. Auf dem Tisch stand eine Teekanne mit kaltem Tee. Instinktiv führte der Affe die Kanne zum Maul und ließ die Flüssigkeit mit Behagen durch die Kehle rinnen. Eine volle Minute verharrte er in dieser drolligen Pose. Sie wurde durch das leise Knicken von Zweigen auf der entgegengesetzten Seite der Lichtung unterbrochen. Ein neugieriges Gorillagesicht erschien und verschwand wieder, um an drei verschiedenen Stellen wieder aufzutauchen, bis die ganze schlanke Gestalt einer jungen Gorilladame sichtbar wurde. Mit feurigem Jntereffe verfolgte sie die Heldentaten des Jünglings. Angespornt durch die Aufmerksamkeit, die ihm entgegengebracht wurde, konnte er sich, nicht genug tun. Er stand aufrecht auf seinen kurzen Hinterfüßen und mit seinen langen Armen schwang er die Teekanne rund um seinen Kopf herum. Da konnte sich die Gorilladame nicht länger halten und stieß einen wilden Liebesschrei aus. jUp Es war eine tntzückeirdc Aufnahme. Die bei-. den Filmoperateure waren so in ihre Arbeit vere. tieft» daß sie den riesengroßen Schatten nicht sahen, der über dem Gebüsch wie eine drohende Wolke aufstieg. Der alte Gorilla! Wie der furchtbare Rachegott des Dschungels kam er auf den jungen Herzensbrecher zu. Unentschlossen, doch wütende Grimassen schneidend, zog es dieser vor, das Feld zu räumen. Die Aeffin floh. Alles hätte sich so abgespielt wie am Tage zuvor, wäre nicht die Teekanne gewesen. Als der Patriarch diese an sich riß und sie mit wildem Stakkato der Wut auf den Boden schlug, leuchteten die Augen des Jungen wie feurige Blitze auf. Er entblößte seine schwarzen Lippen und zeigte seine spitzen Raubtierzähne. Mit einem Griff riß er den Schatz an sich. Da wandte sich der Alte mit einer drohenden Gebärde gegen die Aeffin, die sich wieder hervorgewagt hatte. Das war zuviel. Ein Gebrüll wie von nahem Donner erschütterte die Stille. Der sanfte, spielerische Junge war in wahnsinnige Wut geraten. Er stürzte sich auf den Führer. Gorilla gegen Gorilla. Der furchtbarste Kampf im Urwald. Der Alte war der Stärkere. Zweimal ergrifl er den Jungen, hob ihn in die Lüft, als ob er gewichtlos wäre und schlug ihn mit entsetzlicher Gewalt zu Boden. Doch mit der Widerstandskraft der Jungen faßte sich dieser schnell, und zäh wie Gummi, ließ er nicht von dem Allen ab. Vom Rande der Lichtung sah die Aeffin zitternd vor Ehrfurcht und Sorge dem Kampfe zu. Frank warf einen Blick auf Braun und bewunderte dessen ruhige Sicherheit, mit der er jede Phase dieses intereffanten Schauspiels in das Bild drehte. Es war der Coup, auf den die beiden wochenlang, unter den schwersten Entbehrungen, gewartet hatten. Der Kampf gestaltete sich immer grauenvoller. Beim Aiwlick des zerrissenen Fleisches stieg die mörderische Wut der Bestien bis zum Wahnsinn. Schwarze Hände mit Fingern so stark wie Kabellaue zerfetzten und zerrissen einander mit teuflischer Geschicklichkeit. Keuchender Atem und das dumpfe Ausschlagen der haarigen Körper war der einzige Laut, der zu hören war. Da geschah etwas Furchtbares. Ein Stein kam ins Rollen, den Braun in der Intensität der Arbeit mit dem Knie losgelöst hatte. Im selben Moment heftete sich der Blick des Patriarchen auf die Felshöhle, in der die beiden Operateure arbeiteten. Jäh ließ er von seinem Opfer ab und kletterte schnaubend auf die beiden Männer zu. Braun arbeitete an der Kamera und versäumte nicht eine Bewegung des Gorillas. „Geh zurück", rief er Frank zu.„Doch schieße nicht, ehe ich dir ein Zeichen gebe." „Frank, nahm Deckung hinter einem Stein, sein Gewehr schußbereit. Braun stand am selben Fleck und drehte weiter, obgleich sich der Gorilla bis auf wenige Meter geniert hatte. Schon ganz in der Nähe des Apparats, holte die Bestie mit den Armen weit aus, um sie auf den Störenfried niedersausen zu lassen. Jetzt erst kroch Braun zurück, die Kamera fest an sich gepreßt. Mit dem Stativ versuchte er das Ungeheuer abzuwehren. Doch der Gorilla schleuderte das Stativ beiseite und sprang Braun so heftig an, daß dieser nach rückwärts kollerte, den Apparat fest in den Armen haltend. Da feuerte Frank. Die Kugel hatte nicht mehr Erfolg, als ein Steinchen gegen eine Felswand geschleudert. Doch für einen Augenblick war das Interesse des Riesenaffen von Braun, der unter ihm lag, abgelenkt. Noch dreimal mußte Frank schießen. Die beiden letzten Schüsse trafen die Bestie in die Brust. Ihr Ausdruck von höchstem Schrecken und unglaublicher Verwunderung, grauenvoll men- schrnähulich/ btannte sich ib Franks Gedächtnis ein, als er den Gorilla langsam zu Boden knicken sah. Als Braun sich wieder aufrichten konnte, sagte er sonst nichts als:„Die Hauptsache ist, wir haben alles im Bilde!" „Schau dorthin!" rief Frank und ein Lächeln erheiterte seine Züge. Auf der alleren Seite der Lichtung stand der junge Gorilla. Er war beim ersten Schuß geflohen, doch es war ihm gelungen, beim Laufen den Teetopf wieder an sich zu nehmen. Mit kindlicher Freude schwang er seine Kriegstrophäe hoch über seinen Kopf und drehte sich rundum im Kreise, bis er im Gebüsch verschwand. Eine schlanke Gestalt glitt hinter ihm ins Dickicht. „Die kommen nicht so schnell zurück", meinte Frank grinsend. „Das glaube ich selbst nicht", antwortete Braun.„Mit dem Teetopf als Heiratsgut, werden sie heute Nacht ihren Hausstand gründen. Wie die Italiener in Abessinien gesiegt haben Lehren des ost-afrikanischen Krieges In den Generalstäben der ganzen Welt werden in den nächsten Monaten die Erfahrungen des abessinischen Feldzuges studiert. Was bis jetzt darüber in die Fachpresse gedrungen ist, ist allerdings recht spärlich, aber man kann schon jetzt sagen, daß diese Erfahrungen einen außerordentlichen Einfluß auf diekünf- tige Kriegsführung haben werden. In Abessinien sind zum erstenmal nach dem Waffenstillstand von 1918 moderne technische Kriegsmit- trl und eine neue Strategie zur Anwendung gekommen, und zwar nicht im„Kriegsspiel" der Manöverübungen, sondern im vollen Ernst, in einem blutigen Kriege. Ueber die Bewährung der neuen Kriegstechnik ist vorläufig nur wenig bekannt, hier wird noch alles geheim gehalten. Man weiß nur, daß man mit der Flugwaffe sehr gute Erfahrungen gemacht hat, während die Motorisierung der Infanterie sich im schwierigen Terrain als mangelhaft erwiesen hat. Die mittelschwere motorisierte Artillerie hat sich als außerordentlich wirssam bewährt, mit den kleinen T a n k s, die man in Abessinien verwendete, hat man jedoch vielleicht gleichfalls infolge der schlechten Wege, keine befriedigenden Erfahrungen gemacht. Viel bestimmter äußert sich die Fachpresse über die Erfolge der neuen italienischen Sttategie.•. Der abessinische Krieg ist als ein„M anö- v e r k r i e g" geführt worden, d. h. als ein Krieg der raschen Bewegungen und plötzlichen Vorstöße. Allerdings ist die abessinische Armee nicht imstande gewesen, dem italienischen Angriff irgendeine wirksame Verteidigung entgegenzusetzen. Es ist auch nach den Erfahrungen dieses Krieges nicht ausgeschlossen, daß eine einigermaßen ebenbürtige Verteidigung aller Angriffsmanöver zum Sttllstand bringen und damit den frisch-fröhlichen Manöverkrieg in einen ermattenden„Positionskrieg", wie wir ihn von 1914—18 kennen, verwandeln könnte. Bemerkenswert ist, daß Marschall Badoglio seine Schlachwrdnung auf einer Dreiteilung der Truppen aufgebaut hat: Stoßtruppen, Hilfstruppen und Reserve. Jede von diesen Gruppen ist hinsichtlich der Artillerie, Verpflegung, Tanks, Flugwaffe, Lnge- nieurtruppen völlig selbstgenügsam. Die Stoßtruppen übernehmen in der Regel den Frontalangriff und halten den Gegner fest, während die Hilfstruppen für den Flankenvorstoß bestimmt sind. Noch eine wichtige Erfahrung: der moderne Manöverkrieg erfordert eine besondere Art von Soldaten, die die alte Organisation der allgemeinen Wehrpflicht nicht erbringen kann. Das faschistische Italien bietet das Beispiel einer vollkommen militarisierten Natton dar, deren Jugend von Kindesbeinen an für das Kriegshandwerk vorbereitet wird. Vorallem handelt es sich um die Schaffung einer besonderen setlischen• S t i m m u n g, die der Faschismus durch seine politische Organisation, die Mystik des Patriotis- muS, die hemmungslose Unterordnung unter den Willen der„Führer" und durch seine Lehre vom „gefährlichen Leben" erzeugt. Nicht nur die militärischen Fachleute der demokratischen Länder, sondern auch ihre Staatsleute sollten die Lehren des abessinischen Krieges ohne jede Voreingenornmen- hett studieren. ’cifc 6 „Sozialdemokrat" Freitag, 12. Juni 1936. Rr. 137 HVogef Miuftq „Mutterschulung." Im Rahmen der am Freitag, den IS. Juni, um halb 6 llhr im Dachgartensaal'des Deutschen Hauses, stattfindenden ordentlichen Hauptversammlung der Deutschen Hauptstelle für Kinderschutz und Jugendfürsorge, Prag, hält Frau Sekretärin Dr. M. Czerny einen Vortrag über Mutterschulung, ein Thema, welches vom sozialen und psychologischen Standpunkt besondere Aktualität hat. Der Geschäftsleiter der Hauptstelle Dr. V. Pro- chazka wird im Tätigkeitsbericht der Hauvtstelle ein umfassendes Bild über die Fürsorge für die deutsche bedürftige Jugend" Prags geben. Xunst mut Wteaw Julius Caesar Nach dreißig Jahren wieder ein« Neueinstudierung des Shekespearschen„Julius Caesar" auf der Bühne des tschechischen Nationaltheaters.„Das Lied von der politischen Tat" nennt das Drama der Regisseur und szenische Leiter Jiri F r e j k a. der es in seinem Geleitworte der heutigen Jugend widmet. Gegen den Defaitismus der Besiegten, zum Kampfe der Jugend, in der das Gefühl des Beiseüegeschoben- werdens in der heutigen Gesellschaft wächst, gegen Negativismus und leere Opposition, für die politische Tat im Namen der sozialen Gerechtigkeit will er das Urbild der heutigen politischen Zergliederung in der Historie des Todes'Caesars und der Niederlage seiner Gegner dem neuen Zuschauer vorführen. Obwohl dies" nicht völlig gelang, mutzte doch das Stück, in der modernen sprachlichen Fassung der Uebersetzung von E. R. Sandel, in den gewollt vereinfachten, von der bisher üblichen antiken Inszenierung abweichenden^ Szenenbildern,' die hauptsächlich in den" Massenszenen plastisch und lebendig waren, als politische Gegenüberstellung auf den heutigen Zuhörer wirken, was auch der Beifall bewies. Das römische Volk— sonst hier nur Staffage für die szenische Wirkung, wurde hier in«ine Schar junger, politisch empfänglicher Leute verwandelt, die miteingreifend das Rad der Geschichte drehen. Di« von Frejka durchgeführte Einteilung der handelnden Personen in vier dramatische Gruppen, deren vierte das Volk in seiner elementaren Gewalt darstellt, wurde durch die Hauptdarsteller charakterisiert. Der Julius Caesar des Herrn V v d r a war der selbstherrliche Machthaber, der die Drohungen der Menschen und Götter verlachend, seinen Einfluß aus das Volk durch geschickte Bescheidenheit zu steigern Weitz. Der Führer der nationalen Opposition— um im modernen Jargon zu bleiben— der Brutus des Herrn Stepänek, wutzte überzeugend den Typus eines Nationalisten zu verkörpern, der sich in die Aufgabe als Retter der Nation derart eingelebt hat. datz er die guten und schlechten Eigenschaften diesem einem Gefühl unterordnet, sich selbst. belügend und von denen geführt, die wie hier die beleidigten und kaltgestellten Feudalen, nur eine tatenlose und negative Opposition darstellen. Die Rächer Caesars, die junge Opposition, das Volk von morgen, die Erben der politischen Tat. fanden ihren Darsteller in der Person des Marc Anton. der von Herrn B o h a c in vollendeter Nuancierung gespielt wurde. Seine Rede an der Leiche Julius Caesars war ein Muster demagogischer politischer Ueberredungskunst. jesuitisch und zündend. Ihm galt auch der stärkste Beifall. Das römische Volk als Kollektiv wurde durch die geschickte Verteilung in. den Massenszenen zu einem bedeutenden Fccktor erhoben, wie es im Sinne dieser Neueinstudierung lag. Der rasche Szenenwechsel und einige Szenenbilder— im Senat, auf dem Marktplatze und in der Schlucht unterstrichen den raschen Verlauf des Dramas, das die zwei Jahre wechselnder römischer Geschichte in kurze Spanne von fünf Tagen einschließt, m. i. „Der Tscheche und der Deutsche", die harmlos heitere Poise von I. N. Stepänek, die der Klub tschechischer und deutscher Schauspieler in gemeinsamer Arbeit herausgebracht hat, wurde nunmehr auch in einer Nachworstellung im Neuen deutschen Theater gezeigt. Das ausverkaufte Haus war dankbar und beifallsfreudig, nicht nur bereit, dem Gedanken der Völkerverständigung Anerkennung zu zollen, sondern auch amüsiert von dem guten Zusammenspiel, der schönen Inszenierung und zweifellos am stärksten gefesselt von dem Phänomen des Herrn Väclav Vudra, der den österreichischen Dialekt mit einer urwüchsigen Echtheit spricht, wie sie in unserem deutschen Ensemble seit Paul Hörbiger kein Künstler zu zeigen vermochte. Noch virtuoser ist vielleicht die Leistung Vydras, wenn er das verballhornte und schlecht ausgesprochene. Tschechisch des Knechtes Jirka mit einer unglaublichen Sicherheit moduliert.— Das Verlangen des Publikums nach sichtbaren Bekenntnissen der Solidarität kommt in dem Massenbesuch und in der beifälligen Aufnahme der ersten Gemeinschaftsaufführung der tschechischen und deutschen Bühnenkünstler sehr stark zum Ausdruck und ermuntert zur Fortsetzung der Arbeit. fr. Heute 8 Uhr Serenade im Fürstrnberg-Garten! Vorverkauf an der Theaterkasse! Jin Falle ungünstiger Witterung findet die Serenade am 22. Juni statt. Wachrnspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heute Freitag, halb 8 Uhr abends: Juristen D 1. 9 Uhr: Nachtserenade im Fürstenberggarten.— Samstag halb 8: Aida, A 1,— Sonntag halb 8: Lump aci- vagabundus, BI. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Freitag, 8l4 Uhr abends: Salzburg ausverkauft.— Samstag halb 8: Das grotze ABC, Erstaufführung.— Sonntag 8: Das große ABC- Emil Immings in„Traumulus" Der Dinr Chaplins'neuer Film über Chaplin. Auf Manilla, in den Philippinen, vollendet Charley Chaplin jetzt seinen neuesten Film— des„tragischesten" unter den tragischen Filmen, die Chaplin bisher geschaffen hat, wie„Paris Midi" meldet. Der Held dieses neuen Filmes wird— von Chaplin gespielt — Chaplin selber sein. Die Handlung findet in Hollywood statt. Sie beginnt 1917. Chaplin— Statist einer Filmgesellschaft— gräbt, für eine Filmaufnahme natürlich, mit anderen als Goldgräber verkleideten Statisten Gold. Plötzlich stützt er dabei auf wirkliches Gold. Der Film wird Wirklichkeit, und Charley— ein reicher Mann. Es Vergehen 20 Jahre. Und dann sieht der Zuschauer Chaplin in der Rolle eines Millionärs. Er ist Besitzer der größten Filmfirma Hollywoods. Aber er ist unzufrieden. Er kann sich nicht damit. aussöhnen, daß die Menschen ihre Beziehungen zu den Mitmenschen von Geld abhängig machen. Unter zahllosen Bittstellern und Bittstellerinnen kommt zu ihm auch ein junges Mädchen aus der Provinz. Charley verliebt sich in sie aus den ersten Blick.. Sie ist offensichtlich bereit, seine Liebe zu erwidern. Aber Charley will erst mal nachprüfen, ob er oder sein Geld die Schöne anlockt. In seinem Atelier ffnden Aufnahmen statt. Paulett—r die Rolle dieses Mädchens aus der Provinz soll nämlich Paulette Gaudar spielen— wird in diesem Film als Statistin beschäftigt. Chaplin verkleidet und maskiert sich ein wenig und nimmt selbst auch als Statist an den Aufnahmen teil. Und hier gelingt es ihm trotz aller Besuchet die Felaenstldte Wekelsdorf und Adersbach Weltberühmt als einzig dastehende Sandsteingebilde. Die Naturdenkmäler zählen zu den beliebtesten Reisezielen tausender Touristen. Sommerfrischen— Herrlich angelegte Bäder— Hotels: Felsenstadt Adersbach— Eisenhammer, Wekelsdorf. Prospekte durch die Felsenverwaltungen. 3496 Bemühungen nicht, die Aufmerksamkeit der Provinzlerin Paulette auf sich zu lenken. Er ist sehr niedergeschlagen. Er ist entmutigt. Sein Reichtum und der ganze Lebenslauf in Hollywood, wo nur der Reichtum geschätzt wird, widern ihn im höchsten Grade an. Worauf er alles im Stich läßt und aus Hollywood verschwindet. Jntereffant ist, daß Chaplin zur literarischen Bearbeitung des Szenariums ben berühmten Schriftsteller Sinclair Lewis eingeladen hat. Mittellungen aus dem Publikum Warum geht Wäsche bald in Stücke? Weil ihr unsachgemäßes Waschen sehr schadet. Heutzutage aber ist es nicht mehr notwendig, die Wäsche durch schlechtes Waschen zu vernichten. Es genügt, wenn Sie zum Waschen die Dreimänner-Terpentinöl-Seife nehmen. Die Dreimänner erweichen das Waffer, lösen Schmutz und Fett, so datz es nicht mehr notwendig ist, die Wäsche zu reiben und rumpeln. Versuchen Sie die Terpentinöl-Seife Dreimänner und Sie werden vollkommen zufrieden sein. 3190/3 In Ihrem Haushalte sollten Sie immer ein Fläschchen mit Alpa-Fränzbranntwein zur Hand haben. Massagen mit Alpa fördern den Blutkreislauf, stärken und erfrischen den Organismus. Alpa zum Mundausspülen benützt, desinfiziert die Atmungsweg« und schützt vor Erkältungskrankheiten. 2 Sonntag, den 14. Juni, alle Genossinnen und Genoffen zum Kindertag am Pohorelec-Turnplatz des DTJ(oberhalb des Strähover Klosters)! Aus dem Programm: Samstag, den 13. Juni: 5 llhr nachmittags Zeltlager-Aufbau der Roten Falken und Atris- Kindrr; 7 Uhr abends Lager-Eröffnung; halb 9 Uhr Lagerfeuer. Sonntag, den 14. Juni: 6 Uhr Tagwache«. Morgen-Gymnastik der Roten Falken und AtuS-Km- der; vormittags Ballspiele und leichtathletische Wettkämpfe; nachmittags«m3UhrKin- dertag-Feier mit Liebem, Tänzen, Kreisspielen und turnerischen Vorführungen. Eintritt frei! Die Kinder erhalten eine Jause. Für einfache Verpflegung während des Tages ist vorgesorgt. Wir laden die Erwachsenen rin, schon Sonntag früh zu kommen, jedenfalls aber am Nachmittag. Bringet viele Kinder mit, möglichst auch solche, die noch nicht in unseren Organisationen erfaßt find! Kinderfreunde Prag. Atus Prag. lars auf Wetten des Ergebniffes aus diesem Kampfe .umgesetzt" werden. Die Mehrheit tipt auf Louis, als den besten Boxer, welchen Amerika sei der Zeit Dempseys besitzt, und, wie man sagt, auch bester als letzterer ist; kurz und gut, ein neuer Jack Johnson. Sollte Schmeling siegen, so wird er Besitzer einer märchenhaften Summe werden. Aber das ist wenig wahrscheinlich. Schmeling unterlag Baer und Joe Louis ist immerhin weit besser. Selbswerständlich, jeder kann sich den Besuch dieser„Veranstaltung" nicht erlauben. Auf den Plakaten sind Preise von 3% bis 40 Dollar, d. s. 83 bis 960 Xö nach unserer Währung. Aber trotzdem wird die Arena voraussichtlich ausverkauft sein. In Amerika— im Lande von Millionen Arbeitslosen! »Id« fangt mir nichts mit Männern •nl« sagte sie damals. Zport-Zpiet-Xörperpjkege Tanz der Pollers um den Boxkampf Louis—Schmeling In New Jork findet am 18. Juni(Donnerstag nächster Woche) der Ausscheidungs-Boxkampf zwischen dem Neger Joe Louis und dem„Hitler- Heros" Max Schmeling statt. Der Sieger wird dann mit dem derzeitigen Meister Braddock um den Weltmeistertitel aller Gewichtsklaffen kämpfen. Auf Reklame verstehen sich die amerikanischen Manager und Promotore ausgezeichnet; sie ist barnummäßig, das-sagt alles. Jetzt schon sind im Vorverkaus 600.000 Dollars an Eintrittskarten eingenommen worden. Falls die Veranstaltung ausverkauft sein sollte, dann werden an Eintritt weitere 900.000 Dollars zu verzeichnen sein und in New Jork rechnet man damit, daß die 100.000 Personen fassende Arena ausverkauft sein wird. Weitere 500.000 Dollars werden die Auftäufer und Händler mit Eintrittskarten„verdienen". Heber 100.000 Dollars zahlt eine Filmgesellschaft für das Alleinrecht zur Aufnahme eines Tonfilms. Für die Einwohnerschaft New Jorks wird dieser„Kampf" weitere Einnahmen bringen, denn die fanatischen Anhänger des Box-.Sportes" aus den Vereinigten Staaten werden sich am 18. Juni in dieser Stadt ein Stelldichein geben. Und außerdem werden einige Millionen Dol» Und heute ist sie froh, dass sie uns Drei kennen gelernt hatl Sie weiss aber auch, was die»Drei- männer«-Seife für ihre Wäsche bedeutet! Die»Dreimänner«-Terpentinöl-Seife macht das Waschwasser weich; der hohe Gehalt an echtem französischem Terpentinöl entfernt den fettesten Schmutz leicht aus dem Gewebe, macht das mühevolle Reiben und Rumpeln überflüssig und schont deshalb Ihre Wäschei farmte*? Selig sind... Werner Möller, der Sohn der Nachbarsleute, sitzt auf dem Balkon. Er hat ein kleines Büchlein auf dem Tisch liegest und murmelt vor sich hin. Wahrscheinlich mutz er wieder etwas auswendig lernen. Manchmal vergitzt er seine Aufgabe uni» träumt dem wehmütig-wohligen Duft des Frühlings nach, oder er sieht hinunter auf die Stratze, wo die Jungens spielen. Dann hört man bald aus dem Zimmer die Stimme seiner Mutter:„Na, willst du lernen!" Das Kind schrickt zusammen, sein Blick kommt von fern irgendwoher, müde, hoffnungslos. -Elf, zwölf Jahre mag der Junge alt sein, Er ist sehr stumpf und unbeholfen, körperlich und geistig. Schwer wird er es haben, er gehört zu den Menschen, an denen man vorübergeht mit Abneigung oder unfreundlichem Mitleid. Es wäre besser für ihn, seine Eltern hätten ihn ungezeugt gelassen. Nach einer Weile kommt seine Mutter auf den Balkon. Sie ordnet an ihrer Frisur herum, dann setzt sie sich auf den zweiten Stuhl:„Also gib den Katechismus schon Herl Was hast du auf?"« „Spruch 343b und 453." „Also, fang an l" .„Selig find, die da geistig arm sind, denn das Himmelreich ist ihnen." „Ist ihr! Du! Nimm dich zusammen!" „Denn das Himmelreich ist ihr. Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die Sanftmütigen, denn sie sollen das Erdreich besitzen." „Sie werden das Erdreich besitzen! Ich sage es dir noch einmal im Guten: Nimm dich zusammen! Soll das heute wieder so losgehen wie immer? Noch mal!" „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind, die hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden... sie werden..." „Was werden sie?! Na, wird's bald?! Oder soll ich erst wieder den Stock holen?!" „Sie werden... Gott schauen." „Na warte! Du hast ja heute wieder mal unter aller Kritik gelernt. Dir werd' ich's zeigen, mein Bürschchen!" Sie geht, in der Tür dreht sie um und nimmt den Katechismus vom Tisch mit sich. Werner dreht eine kleine Papiarkugel zwischen den Fingern. Tiere, die zum Ziehen gepeitscht werden und nicht mehr können, haben diesen Blick. Bald ist die Mutter wieder zurück. Ein dünnes gelbes Rohrstöckchen legt sie auf den Tisch: „So, vielleicht geht es nun besser! Selig sind di« Barmherzigen, denn sie werden..." „Sie werden Gottes Kinder heitzen." „Sie werden Barmherzigkeit erlangen, du dummer Mensch! Wo hast du blotz wieder deine Gedanken?! Hm?! Den ganzen Tag dich auf dem Spielplatz herumtreiben, ja, das kannst du ausgezeichnet. Nichts als Fußball und die ewige Spielerei im Kopfe! Dazu bist du nicht zu dumm! Aber deine Schularbeiten ordentlich machen— spiele nicht immer mit dem Phpierknödel herum! -Schmeitz den weg! Wer du bist ja gar nicht dumm, du bist blotz faul! Faul bist du, stinkend faul! Aber dir werde ich schon helfen! Dir werde ich's schon zeigen! Selig sind, die reines Herzens sind... Na, wird's bald?!" „Selig find, die reines Herzens sind, denn sie werden... sie werden..." Frau Möller greift nach dem Stock. Werner duckt sich:„Sie werden... Gottes Kinder heitzen." „Nein! Nein! Sie werden Gott schauen!" Das Stöckchen surrt auf die Schulter des Jungen nieder; er hat ein leichtes, blau-weitz- gestreiftes Sporthemd an. Er schreit laut auf: „Nicht schlagen, Mutter! Bitte, nicht schlagen! Liebe Mutter, nicht schlagen!..." „Schrei nicht so unverschämt! Du! Du..! Als ob dir Wunder wie Unrecht geschähe I Anders als wie mit Prügeln kommt man doch bei dir nicht aus! Ach, was ich mich mit dir ärgern mutz! Schämen solltest du dich, du infamer Bengel du! Na, warte nur, ich werde es schon heute abend dem Vater sagen, da kannst du dich ja auf etwas gefatzt machen! Dir werden wir deine Faulheit schon austreiben!" Wieder pfefft der Rohrstock, wieder«.. Das Kind versucht jedesmal, den Schrei zu unterdrücken. „Willst du ruhig sein! Willst du nicht so schreien, datz die Leute denken, dir passiert sonstwas! Aus dir werden wir schon noch einen ordentlichen Menschen machen! Verlass dich darauf..." So geht es weiter: Selig sind... Und dann noch Spruch 453. Endlich wirst Frau Möller den Katechismus auf den Tisch:„So, jetzt gehe ich zum Fleischer, und wenn ich wiederkomme, kannst du deine Sprüche! Aber tadellos, sonst gnade dir Gott! Und nachher werden sämtliche Schuhe geputzt und Kohlen Heraufgeholt I" Eine Tür knallt im Zimmer. Der Junge beginnt wieder zu lernen, lauter als vorher:„Selig find, die da geistig arm sind, denn das Himmelreich ist ihr. Selig sind, die da Leid tragen, denn..." Zu Anfang gluckst noch immer hin und wieder ein Schluchzen zwischen seine Worte. Es mag eine Viertelstunde vergangen sein, da hat Werner den Katechismus vergessen. Ta sitzt er wieder und schaut in irgendeine Ferne. Vielleicht ahnt er das Leben, in das er geboren wurde. Ueber sein starres, stumpfes Gesicht rinnen allmählich langsam Tränen. Ganz still, ganz traurig. Und dann geschah etwas Furchtbares. Der Junge sagte:„Selig sind, die leine Angst zu haben brauchen." Bruno Bogel. I M b 1 J 1 u" 9 e n: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bema durch di. Post monatlich Xö IS.—, vierteffährig Kt 48.—. halljäbria KC 96.—. ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung ber Metourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Dele* graphendirektton mit Erlatz Nr. 13.800/V1I/1S30 bewilligt.— Druckerei:„OrbiS". Druck-, Verlags» und Zeituugs-A.-G. Prag.