Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 16. Jahrgang Sonntag, 14. Juni 1936 Sdp- Riß unheilbar Weshalb Kasper dem Führer nochmals und endgiltig davonlief Seit vorgestern schon weiß man, daß die Bemühungen Henleins, Herrn Kasper noch einmal bor seinen Wagen zu spannen und damit den Frondeuren gegen die SdP den Wind aus den Segeln zu nehmen, gescheitert sind; und es ist bezeichnend, daß man nicht einmal in Politikerfreisen sehr interessiert war, zu erfahren, warum dieser Versuch, an den der„ Führer" so viel Geduld und Zeit, Prestige und Nimbus verschwendete, mißglückte. Man scheint nämlich allenthalben bereits fest überzeugt zu sein, daß in der SdP so vieles nicht in Ordnung ist, daß man es als ein Wunder angesehen hätte, wenn es Herrn Henlein diesmal noch gelungen wäre, den Riß zu verkleistern. Wir sind weit davon entfernt, anzunehmen, daß vielleicht just zwischen Henlein und Kasper unüberbrückbare Gegensäße beſtünden; die beiden scheinen uns vielmehr nur deshalb so hart aneinandergeraten zu sein, weil sie einander im Ringen um die deutsche Volksseele"( insonderheit des sudetendeutschen Arbeiters) Konkurrenz machten und weil gegen die brutale und offensicht= lich reaktionäre Totalität“ der SdP in weiten Streifen ihrer Anhängerschaft Erbitterung entstanden war, die sich„ von unten her" Luft machte, als es von oben richtig zu stinken begann. Die um Henlein hatten wieder einmal vergessen, daß die Revolte um Kaiper, Liebl e tutti quanti nicht in Deutschland spiele, hatten mit dem 3 u schlagen" gedroht, Herrn Sandner als ,, ä uterungs" kommissär gegen die Unvotmäßigen eingesetzt und geglaubt, daß sie so die Rebellion im Keime würden ersticken können. Als jie aber dann einsahen, daß es an allen Eden brannte, troch der„ Führer" zu Kreuze und zu Kasper, verhandelte und scheiterte. Das ist die erste innersudetendeutsche Niederlage Henleins. " Die Verhandlungen mit Rudolf Kasper sind endgültig abgeschlossen. Der Verlauf der gestrigen Besprechungen mußte mich davon überzeugen, daß die Fortführung dieser Verhandlungen nur die innere Geschlossenheit der Bewegung gefährdet. Deshalb erachte ich alle Möglichkeiten einer Fortführung der Verhandlungen mit Rudolf Kasper für erschöpft. Aus dem oben Berichteten geht hervor, daß es Kasper war, der nicht mehr mittat, so daß also Herr Henlein nicht einmal behaupten könnte, er habe in dieser Sache das letzte Wort gesprochen. Grotest aber ist seine Behauptung, die Fortführung der Verhandlungen hätte die Geschlossenheit der Bewegung gefährdet. Die Wahrheit lautet so: die Geschlossenheit war bereits mehr als gefährdet, bevor Henlein noch den Versuch unternahm, den Bruch zu leimen. Und nun, da es der Herr Turnlehrer mit der tiefen Kniebeuge umsonst versuchte, steht erst recht fest, daß die Geschlossenheit und Einheit der SdP futsch ist. Ich untersage... ich verweise ... es hat zu unterbleiben " Noch vor wenigen Tagen ging den Amtswaltern" der SdP folgender Ulfas zu( wir zitie ren ein Rundschreiben der SdP- Kreisstelle Böh= misch Leipa): Auf Grund der ungeklärten Lage unter sage ich allen Gliederungen die Abhaltung von Versammlungen jedweder Art. Ich verweise weiter auf die Erklärung des Konrad Henlein, daß jede Auseinandersehung über die letzten Vorgänge in unserer Bewegung zu unterbleiben hat. Diejenigen, die sich daran hielten es taten's nicht alle haben wohl gehofft, daß HenIcin das Kind schon schaukeln werde. Nun, da er sich nochmals blamiert hat, wird kein Ufas die Rebellen länger zurückhalten können, ihren Herzen wieder Luft zu machen. Und man hat das Gegemeldet, daß dort die Empörung feineswegs abgeflaut ist, daß das stumme Zuwarten die Sdp= Leute noch nervöser machte und daß ständig mit Entladungen des aufgespeicherten Grolls zu rech= nen ist. Und gleichfalls aus Görkau, aber auch aus Komota u, wird uns berichtet, daß dort die Zeit" massenhaft zurückgeschickt wird, oftmals mit wenig schmeichelhaften Bemertungen, die der tiefen Erbitterung der endlich Hellwerdenden Ausdruck geben. Die SdP kann sich also auf einen recht a u 3giebigen Sturm gefaßt machen. Die Erflärung Kaspers gegen Dr. Brand wird selbstverständlich dazu beitragen, daß der Haß gegen diesen Mann und gegen den KB weiter wächst. Und eine Gegenerklärung Brands, in der er Kasper auffordert, die Gründe dieses seines Verhaltens dem von Brand angerufenen Ehrengericht zu unterbreiten, wird daran kaum etwas ändern. Jetzt, da es schwarz auf weiß niederge= legt ist, daß es SdP- Disziplinarberfahren gibt, deren Verlaufim vorhinein figiert wird, werden die Rebellen der Henleinpartei das Ehrengericht gegen den Dr. Brand erst recht entsprechend einschätzen! Und das Echo, das der Edp jetzt antworten wird, will Herr Kasper erst abwarten, bis er sich etwa entschließt, eine eigene Partei zu gründen. Der Traum dieser Einheit und Reinheit scheint bereits ausgeträumt zu sein; Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) Nr. 139 Skandinavien muß rüsten Verteidigungsproblem in aller Welt Die faschistischen Kriegsdrohungen und das tatsächliche Beispiel eines frechen Ueberfallsund Vernichtungskrieges, das Italien in diesem Jahr gegeben hat, zwingen alle Staaten der Erde, auch oder vor allem die klei= neren Länder und Völker, für ihre Verteidigung vorzu sorgen. In Belgien, in Holland, in den jüdosteuropäischen Staaten hat man die Verteidigungsfrage aufgeworfen. In der Sch we iz ist es eben über die Verteidigungsfrage zu einem ernsten Konflift in der Sozialdemokratischen Partei gekommen. Die Tschechoslowakei geht eben mit der Ausschreibung der Verteidigungsanleihe daran, ihr Verteidigungssystem aus zubauen und die sozialistischen Parteien haben die Notwendigkeit dieses Schußes der Demokra tie anerkannt. Wie dringend die Wehrfrage geworden ist, zeigen auch die Vorgänge, die sich eben jetzt in den von Sozialisten regierten nordischen Staaten abspielen. Wenn irgendwo, so waren es die skandinavi Nun, abwarten wollen nun erst recht auch schen Länder, welche mit dem Abrüstungsgedanivir! Wie eine solche Kasper- Partei aussähe, fen Ernst gemacht haben. Sowohl Dänemark wie fönnen wir uns im Hinblick auf die Vergangenheit Norivegen und Schweden haben ihre Rüstungen bis in die letzte Zeit auf ein Mindestmaß be= dieses Herrn sehr gut vorstellen. schränkt. Mit dem Beginn der europäischen Strise nach Hitlers Machtantritt begann jedoch das außenpolitische Unsicherheitsgefühl auch auf die für Henlein wie für Kasper, für Brand wie für standinavischen Staaten überzugreifen. Welches Sandner, aber auch für die Rosches und Peters Gewicht die Arbeiterparteien Standinaviens dem beginnt bereits der Katzenjammer nach dem einen Verteidigungsproblem beimessen, erhellt schon aus siegestrunkenen Jahr nach dem 19. Mai 1935. der Tatsache, daß sie ihre besten Männer in die Innerhalb der Sudetennazis stehen bereits die Heeresministerien entsandten. In Dänemark Fronten gegeneinander übernahm der junge Generalsekretär der sozial- das erleichtert jedenfalls den Neuaufmarsch der demokratischen Partei Alfing Andersen, in Norsudetendeutschen sozialistischen Arbeiterschaft, rei- wegen sogar der Vorsitzende der Arbeiterpartei nigt weite Flächen des Kampffelds der Demokra- Oskar Torp die Neuorganisation des Verteiditie und wird viel von dem Nebel vertreiben, den gungsivesens. der Sudetofaschismus verbreitet. Es ist interessant, daß die in allen standina Kaspers Antwort an Brand vischen Ländern bemerkbare Nervosität, die sich Nach Informationen der„ Prager Presse" nach der Niederlage des Gedankens der kollektifühl, daß das auf sehr lebhafte Art geantwortete Kasper auf die Erklärung Dr. Brands ven Sicherheit im abeſſiniſchen Konflikt außerorschehen wird. dentlich verstärkt hat, eigentlich im exponiertesten mit folgender Feststellung: Sie muß schwere Folgen für die Sd nach sich ziehen, denn sie bedeutet zu gleicher Zeit den Anfang der Entgottung Henleins und einen nicht mehr zu überbrücken Vor neuen Entladungen des den Riß in der„ Einheits"- Partei, Die vielleicht binnen turzem schon in zweigegen aufgespeicherten Grolls einanter stehende Lager zerrissen sein wird! Woran die Verhandlungen scheiterten Miẞglückter Kuhhandel um die Ehre und um den Dr. Brand Gestern erfuhr man, wie die„ Versöhnung" zwischen der Hauptleitung und denen um Kasper gemanaget werden sollte und woran sie sich zerschlug. Kasper hätte wieder in alle seine Rechte als„ Standesführer der Arbeiter" eingesetzt und auch die Maßregelungen seiner Anhänger rückgän gig gemacht werden sollen. Aus Prestige Gründen der SdP wollte man zwar das Diszi plinarverfahren gegen Liebl und Brehm durchführen, aber vorweg so, daß die beiden rehabilitiert würden. Also: vorbildlich " rein und sauber"! Und eine Erklärung war vereinbart, die Kasper hätte unterzeichnen sollen. Als es aber so weit war, legte Sandner dem Kasper erst eine„ Kleine Tertänderung" vor und als dieser sich damit einverstanden erklärt hatte, rückte Sandner noch mit einer zweiten, großen Aenderung heraus, die aber Kasper nicht annahm; Kasper sollte nämlich erklären, daß er sich von der Unhaltbarkeit aller Beschuldigun gen gegen Dr. Brand überzeugt hätte. Das aber, sagte Kasper, könne er mit seinem Ge wissen nicht vereinbaren" und daraufhin wurden die Verhandlungen als gescheitert erflärt. Märchen von einer ,, inneren Geschlossenheit der Bewegung" " Zu der Aufforderung, die Dr. Walter Teil Skandinaviens, in Dänemark, am geringsten Brand durch die Breffeftelle der SdP an mich ist. Was der dänischen Oeffentlichkeit ein gewiſſes richtet, stelle ich fest: Ich habe unabhängig von der Sicherheitsgefühl gibt, ist vor allem die Tatsache, Aufforderung Dr. Brands und vor ihrem Be- daß England ebensowenig eine Besetzung DäneNach den Berichten zu schließen, die wir aus kanntwerden dem Ehrengericht bekanntgegeben, marks wie etwa Hollands und Belgiens dulden verschiedenen sudetendeutschen Gebieten bekommen, wessen ich Dr. Brand beschuldige. Ich habe nichts war es noch ehe man um die Vergeblichkeit des dagegen einzuwenden, daß das Ehrengericht meine „ Burgfriedens" wußte klar, daß der Krach Angaben der Oeffentlichkeit in vollem Wortlaut weiter gehen würde. Aus Gör kau wird uns zur Verfügung stellt. Rudolf Kasper." Vor einer deutsch- italienischen Berlin- römische ,, Einfluß- Sphären" in Mitteleuropa Annäherung? Im Zusammenhang mit der eben erfolgten Um bildung der italienischen Regierung werden in der französischen Presse die möglichen Wandlungen in der römischen Außenpolitik besprochen. Besondere Aufmerksamkeit erregt in Paris die Berufung des Grafen Ciano auf der Posten des Außenministers. Das radikale, eu vre" bemerkt hierzu, daß Ciano sich nie durch besondere Fran kophilie ausgezeichnet habe. Eher sei das Gegenteil richtig. Der Berliner Mitarbeiter des Matin" teilt mit, daß die Ernennung des Grafen Ciano in Berlin als Vorbotecinerdeutsch italienische it Annäherung angesehen werde. Ciano habe unter den Führern des deutschen Nationalsozialismus viele Freunde. Gräfin Ciano, die Tochter des Duce, befinde sich augenblicklich in Berlin, wohin sie sich bald nach der Rückkehr ihres Mannes aus Afrika begeben habe. Ihre Reise habe großes Aufsehen erregt; es sei offensichtlich, daß die Tätigkeit des Ehepaars Ciano auf die Festigung der guten Beziehungen zwischen Berlin und Rom gerichtet sei. ,, Journal" meint gleichfalls, daß man den Grafen Ciano stets für einen großen Freund des Dritten Reiches gehalten habe, jedenfalls als einen viel größeren als seinen Vorgänger Suvich. In Berlin spreche man gegenwärtig sehr viel von einer kommenden Verständigung zwischen Rom und Berlin auf Kosten von Oesterreich und des Balkans. Aber es fei gegenüber allen diefen Gerüchten doch notwendig, meint die radikale„ Republique", zu betonen, daß alle diese Verständigungen“ und„ Verteilungen der Machtsphä= ren" auf dem Papier viel leichter ausschauen als in Wirklichkeit. Es ist jedenfalls noch vorzeitig, davon zu sprechen, daß Berlin leichten Herzens auf Desterreich verzichten wolle, falls man sogar Deutschland eine Einflußsphäre in der Tschechoslowakei einräumen würde. Man solle jedoch auch die Gefahreiner Entente zwischen Muffo= lini und Hitler nicht unterschäßen. Eine solche Entente sei heute jedenfalls viel wahrscheinlicher als vor etwa drei Monaten. Deutschland wartet bloß den richtigen Augenblick ab, um sich entweder an England oder an Italien zu binden. Entscheidend für diese Wahl sei der Umstand, welche von diesen beiden Mächten sich zuerst von Frankreich abwende. Für Frankreich gebe es unter diesen Umständen, meint das einflußreiche radikale Blatt, nur einen Ausweg, nämlich den, daß die französische Regierung der britischen öffentlichen Meinung genüHenlein, der„ Führer"( der jetzt wohl zum erstenmale selber so richtig diese Anführungszeichen spüren dürfte), tritt nun mit einer neuen " Erklärung" folgenden Wortlauts auf den Plan: gend Bertrauen einflöße. kann. Dabei spielt noch eine wichtige Rolle, daß Dänemark ja die Fleischkammer" Englands ist, die um so weniger im Kriegsfall bei der möglicherweise unterbrochenen Verbindung mit Südamerika oder Australien für die Ernährung Großbritanniens entbehrt werden kann. Man kann also wohl sagen, daß man sich in Dänemark schon in einem sehr starken Maß einfach als Teil Großbritanniens fühlt und sich auf den Schuß Großbritanniens verläßt. Was aber nicht ausschließt. daß sich die Regierung Stauning sehr energisch mit der Reorganisation der Armee des. Flugwesens und der kleinen Flotte beschäftigt. Aehnlich liegen die Dinge für Norwegen, wo allerdings das Verteidigungsproblem an sich einfacher ist, da ja Norwegen praktisch nur eine Grenze hat, die schwedische das kleine Stückchen finnischer Grenze ist ja völlig bedeutungslos, so daß Norwegen mit Schiveden eine strate= gische Einheit bildet. Trotzdem hat auch hier die Arbeiterpartei eine völlige Neuorganisation des Verteidigungswesens im Sinne und der Militärplan der Regierung wird von Oskar Torp dem in diesen Tagen stattfindenden Parteikongreß der Arbeiterpartei zur Genehmigung vorgelegt werden. In feinem der standinavischen Länder aber nimmt das Verteidigungsproblem in den Augen der Oeffentlichkeit einen so breiten Raum ein wie in Sch we de n. Hier ist die Frage der Aufrüstung zum zentralen Problem der Innenpolitik geworden. Als Ostseestaat, dem Umfange nach etwa von der Größe des Deutschen Reiches, der Bevölkerungsziffer nach aber von der Desterreichs, mit hochqualifizierter Schwerindustrie, reichsten Bodenschäßen und unermeßlichen Wäldern und Wasserkräften, kann Schweden sehr wohl das Angriffsziel einer Großmacht werden. Unter diesen Umständen ist der alte sogenannte Verteidigungsnihilismus", der in der Seite 2 Sonntag, 14. Juni 1936 Nr. 139 Arbeiterschaft tief eingewurzelt war,.fast völlig verschwunden und hat einem starken Interesse für das Verteidigungsproblem Platz gemacht. Die schwedische Arbeiterregierung hat schon in den letzten Budgets die Beträge für die Rüstungen erhöht, allerdings die endgültige Bestimmung des Umfanges der Aufrüstung der Behandlung des heurigen Reichstages überlasten. Die bürgerlichen Parteien, und zwar ebenso die Konservativen und die liberale Volkspartei wie auch die sonst mit der Sozialdemokratie verbündete Bauernpartei haben jedoch die Frage der Aufrüstung Schwedens zu einer innerpolitischen Streitfrage gemacht, indem sie durch eine maßlose Schreckenspropaganda und ein Hinauftreiben der Rüstungsziffern auf eine der Regierung untragbar erscheinende Höhe, sich eines populären Schlagers für die Herbftwahlen versichern wollten. Bei Len Rechtsparteien der Konservativen und der Liberalen ist das allerdings leichter verständlich als bei der Bauernpartei, denn während jene nach der erfolgreichen Regierungsführung der Arbeiterpartei nach einem solchen Wahlschlager suchen mußten, ist der Erfolg der Bauernpartei bei Len Wahlen auf Kosten der Rechten und der Liberalen so gut wie gesichert. Die Regierung und die Arbeiterpartei gingen mit ihrem Angebot für die Aufrüstung bis zu einer Höhe, die sich um keinen bedeutenden Betrag (rund 72 Mill. XC) von der Forderung der bürgerlichen Parteien unterschied, jedoch nach Ansicht der Arbeiterpartei die äußerste tragbare Grenze im Rahmen des gegenwärtig Möglichen darstellte. Dabei wird von feiten der Regierung betont, daß in diesem Kostenrahmen durchaus eine effektive Aufrüstung durchgeführt werden könnte, wenn gleichzeitig auch die entsprechende Modernisierung und Neuorganisation des HeereswesenS vorgenommen erfolge. Aber gerade gegen die Durchführung einer solchen Neuorganisation laufen die bürgerlichen Parteien Sturm aus Angst um priviligierte Stellen ebenso wie aus Gründen der Wahlkreisstrategie, in der ja die Lage von Garnisonen eine bedeutende Rolle zu spielen pflegt. Um jedoch eine Einigung zu erzielen und zu verhindern, daß die Rüstungen gegen den Willen einer so starken Minderheit wie es die Arbeiterparteien sind— bei den letzten Wahlen hatten ja die Arbeiterparteien sogar ein« kleine Stimmenmehrheit— von einer bürgerlichen Parlamentsmajorität beschlossen würde, was nur dem Verteidigungsgedanken än sich schaden müßte, hat die Arbeiterpartei ihr Angebot auf die Höhe der Forderung der bürgerlichen Parteien erhöht, jedoch hat Ministerpräsident Hanffon die Führer der Parlamentsfraktionen zu Verhandlungen eingeladen, in denen dieses Angebot mit einer Reihe von sozialen Forderungen der Arbeiterschaft junktimiert wurde. Die Arbeiterpartei, welche nach einem Wort Per Albin Hanssons» nicht nur eine äußere Verteidigungsbereitschaft, sondern auch eine innere, näm- 4‘ lich gemessen am sozialen Standard des Bolles, kennt, hat erklärt, daß ein« Aufrüstung in der von den bürgerlichen Parteien geforderten Höhe ohne die Gefahr einer Soziasreaktion nur möglich ist, wenn die besitzenden Klaffen bereit sind, die notwendigen Opfer nicht auf die sozial schwachen Schichten des Bolles zu Lberwälzen, sondern selbst zu übernehmen. Um diese Forderung der Arbeiterregierung werde nun gekämpft. Es ist möglich, daß die Regierung es vorzieht zurückzutreten, zumal da ja in kurzer Zeit Neuwahlen stattfinden, was der Sozialdemokratie Gelegenheit gibt, ihren Standpunkt, di« Aufrüstung nicht den sozial schwächsten, sondern den sozial stärksten Schichten des Volles aufzulasten» den Wähler« massen zur Entscheidung vorzulegen. Der Präsident In Brünn, begeistert empfangen von der Bevölkerung des ganzen Gebietes Der Präsident der Republik Dr. Edvard Benes bat SamStag vor Mittag in Begleitung feiner Gemahlin seine siebentägige Reise nach Myhren angrtreten. Rach kurzen Unterbrechungen in B.-Trübau und in Boskowitz, wo der Präsident ebenso wie entlang der ganzen Strecke mit Herzlichkeit begrüßt wurde, traf der Zug um 15.20 Uhr in Brünn ein. Die Bevöllerung Brünns bereitete einen würdigen und herzlichen Empfang des Präsidenten der Republik und seiner Gpmahlin vor. In der Stadt war von früh an erhöhter Verkehr und es herrschte eine freudige Stimmung, die sich auch in dem reichen Schmuck der Straßen, di« in einer Ueberschwemmung von Farben, unzähligen Fahnen und Flaggen untergehen, zeigte. Die Häuserfronten sind geschmackvoll dekoriert, insbesondere das Bahnhofgebäude ist mit Reisig und Grün sowie mit Fahnen reich geschmückt. In den Geschäftsauslagen und in den Fenstern der Wohnungen sind Bilder und Büsten des Präsidenten, das Staatswappen, Flaggen und Transparente mit Blumen und Grün bekränzt. Nach dem Empfang auf dem Brünner Bahnhof schritt der Präsident mit seinem Gefolge die Ehrenrotte ab, worauf er sich auf die Tribüne vor dem Bahnhofsgebäude begab, vor welcher große Menschenmengen Aufstellung genommen hatten. * Im Namen des mährisch-schlesischen Landesausschusses und der Landesvertretung begrüßte den Präsidenten Landesausschußbeisitzer Prof. Drobnh, hierauf im Namen der Stadt Brünn Bürgermeister Dr. Spazier. Der Präsident antwortete auf die Ansprachen mit einer Rede, in welcher er seine Absicht bekanntgab, alljährlich Reisen zu unternehmen, um mit allen Landesteilen in persönliche Berührung zu kommen.„Für den Präsidenten der Republik," sagte Dr. Benes,„ist nicht ein Teil der Republik mehr wert und wichtiger als der andere. So hat es Masaryk verstanden, so verstehe auch ich es." Der Präsident verabschiedete sich dann von den anwesenden Persönlichkeiten, nahm in dem bereitstehenden, von einem militärischen Ehrengeleite begleiteten Automobil Platz und der ganze Zug bewegte sich vom Wilionplatz vor dem Brünner Bahnhof durch die Straßen der Stadt zu dem Gebäude der Landesbehörde auf dem LaZanskh-Platz. Auf dem ganzen Wege standen Militär und Legionäre Spalier, dahinter stand die Bevöllerung in dichten Reihen, die Fenster waren überall von Menschen überfüllt. Einen schönen Anblick bot der FreiheitSplah, wo sich die Menge üusbreiten konnte. Dem Lajanskh-Platz gaben die Spaliere der Legionäre, der Angehörigen der Italienischen Landwehr, der Sokoln," der Orels, der Mitglieder der Arbeiterturnvereinigungen, des Makkabi und anderer Turnkorporationen das Gepräge. Unsere Partei nahm an der Begrüßung teil durch Abteilungen der Republikanischen Wehr, der Sozialistischen Jugend und durch unsere Vertreter in der Brünner Stadtvertretung und der mährisch-schlesischen Landesvertretung. Im Gebäude der Landesbehörde empfing der Präsident den ersten Präsidenten des Obersten Gerichtes Dr. Vladimir Fajnor, den Lan- deSmilitärkommandanten von Mähren-Schlesien, Divisionsgeneral E. Kadlec und den Landesgendarmeriekommandanten General Mlädek. Ferner empfing der Präsident der Republik die Mitglieder des mähr.-schlesischen Landesausschuffes, welche Landespräsident Eernh einführte und vorstellte. Bei dieser Audienz überreichten die Mitglieder des Landesausschuffes dem Präsidenten ein Memorandum des Landes Mähren-Schlesien und wertvolle Ehrengaben. Gegen 18 Uhr veranstaltete der Landespräsident Dr. Eernh und seine Gemahlin einen Empfang zu Ehren des Präsidenten. Abends besuchte der Präsident eine Festvorstellung im Landestheater. FilrdieVerteldisunssanlelhe, für unsere Freiheit Das politische Ziel aller demokratischen Deutschen dieses Landes, aller jener, welche die Freiheit als ein hohes Gut betrachten und die sich nicht unter das Joch eines Diktators beugen wolle», ist die materielle Existenz des Sudetendeutschtums zu erhalten und seine politische Freiheit zu wahren. Wollen wir daS, so müffen wir uns gegen alle imperialistischen Pläne deS Faschismus wehren, der Europa seiner Herrschaft unterwerfen will. Auch dem Angreifer mußeSals ein Risilo erscheinen unsanzugreifen. Erscheinen wir ihm wehrlos, dann ist die Versuchung deS Faschismus über«nS herzufallen größer, als wenn er weiß, daß wir entschlossen und fähig sind,«nS zu verteidigen. Eine Demokratie, die nicht ihre Existenz verteidigen will, ist nicht wert, daß sie besteht— sagte einst Präsident Benes und danach müssen wir auch handeln. Wir wissen, daß es der Welt viel besser ginge, wenn dir Staaten statt aufzurüste« lieber abrüsteten. Da aber die Imperialisten rüsten, müssen wir alles zu unserer Verteidigung tun. Wir wollen den Frieden, der Präsident und die Regierung wollen ihn auch. Aber wirwollen niemals und unter keinen Umstände n S k l a v e m des Faschismus werden. Deswegen müssen wir dem Staate geben, was er z« seiner Verteidigung braucht. Jede Krone, die für die Berteidigungsanleihe ausgegeben wird, wird für unsere Freiheit, für die Demokratie gegeben. Wir deutschen Sozialdemokraten müffen in diesem Augenblick unsere Pflicht tun, die nicht nur im Reden, sondern im "Handeln besteht. Deswegen werden wir alles tun, damit die Berteidigungsanleihe einen volle« Erfolg habe. Os» bisherige Ergebnis der Zeichnung Während der nicht ganzen ersten Woche wurden für die Staatsverteidigungsanlrihe bei allen Zeichnungsstellen 4>^Aige und 3%igt Schuldverschreibungen im Gesamtnominalwert von 420,735.500 gezeichnet und bezahlt. Zu dieser Mitteilung erfahren wir» daß von der angeführten Gesamtsumme die Zeichnungen i der 4%%tgen Schuldverschreibungen 365 Millionen und der Zeigen Schuldverschreibungen 55 Millionen Kronen ausmachen. Lehrreich ist ein Vergleich der Ergebnisse die- ser ersten Woche der Zeichnung der Staatsvertri- digungsanleihe und jener, welche bei der Zeichnung der letzten Anleihe erreicht wurden, nämlich bei der Zeichnnug der Arbeitsanleihe. Das Ergebnis» welches für die erste Woche der Zeichnung der Staatsverteidigungsanleihe erzielt worden ist, ist um 150,000.000 XC höher als es dies in der gleichen Periode bei der Zeichnung der Arbeitsanleihe der Fall war. Für die Schaffung eines Arsenals setzt sich die Zeitschrift„Program" und auf Grund eines Artikels in dieser Zestschrift auch das „VeLerni Ccske Slovo" ein. Die Erzeugung von Kriegsmaterial in eigener Regie des Staates bzw. des Militärs, würde verhindern, daß sich einige wenige an den tschechoslowakischen Rüstungen bereichern. Welche Gewinne da erzielt werden, dafür gibt das Blatt folgendes Beispiel an: ein Tank mit allem Zubehör kostet etwa 1 Million XL, der Produktionspreis beträgt aber nur 300.000 bis 400.000 XL. Die Rüstungsindustrie verdient also an einem Tank rund 600.000 XL, das ist bei 500 Tanks 300 Millionen XL. Ein anderes Beispiel dafür, was die Rüstungsindustrien verdienen, ist die größte deutsche Rüstungsfirma Krupp, die vor dem Weltkrieg jährlich rund 100 Millionen, im Kriege aber selbst ungefähr 220 Millionen jährlich rein verdient hat. ' Regierungsverordnung über Erleichterungen für Motorfahrzeuge. Der Ministerrat genehmigte in seiner am Freitag den 12. Juni abgehaltenen Sitzung den Gesetzentwurf des Ministeriums für öffentliche Arbeiten über Erleichterungen für Motorfahrzeuge. Da die Dringlichkeit der Angelegenheit es erforderlich macht, daß die Maßnahmen zugunsten des Motorismus beschleunigt in Kraft treten, wurde der Vorlage die Form einer Regierungsverordnung gegeben, welche auf Grund des Gesetzes über die außenordentliche Verordnungsgewalt erlassen wurde. Belgrad. Der' deutsche ReichSbankprästdent Dr. Schacht ist nach zweitägigem Aufenthall in Belgrad nach Athen abgereist. Paris. Gesandter Dr. Osusky wurde Samstag von dem neuen französischen Außenminister Dellbos in Audienz empfangen. Die Unterredung betraf aktuelle außenpolitische Fragen. Nanking.(Reuter) Amtliche Nankinger Kreise sind der Ansicht, daß jetzt der Weg für die Lösung des Konfliktes zwischen den Führern der Provinzen Kwangtung und Kwangsi mit der Nankinger Regierung frei gemacht ist. Madrid. In politischen Kreisen spricht man von der möglichen Einbeziehung der sozialdemokratischen ^Gruppe des Abgeordneten Prieto in die Regierung und der nach einem etwaigen Ministerwechsel erfolgenden Verleihung besonderer Vollmachten an das umgebildete Bolksfrontkabinett. 12 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grötzsch Copyright by Sagen Prager-Verlag. Bratislava. Im Tale setzte er den schweren Koffer ab. Das Landhaus Maria war schon hinter der Anhöhe verschwunden. Wieder einmal stand er mit dem Rucksack vor Neuem, Unbekanntem. Wie vor einem Jahre, als die Braunen ihm drüben das Mobiliar klargehackt hatten. Was er rettete, füllte einen Rucksack. Fort damit. Daheim erstickte das Leben. Für einen sozialdemokratischen Feuilletonredakteur gab's dort einstweilen nichts mehr zu schreiben, nichts mehr zu wirken, gab es keinen Platz mehr. Höchstens im Konzentrationslager. Sinnlos viele Märtyrer verbluteten dort. Niemand draußen hörte ihren Schrei. Wem nützte ihr Opfer und Leiden? Der Atem der Welt stockte kaum einige Augenblicke, dann rotierte der Bettieb weiter. Die Welt war stumpf geworden von vielem Erleben... Justus bekommt ein müdes Gesicht, wenn er dieser Schande gedenkt. Mit dem Rucksack auf dem Rücken kam er vor einem Jahr über die Grenze. Merkwürdig, was man kurz vorher noch alles für nötig hieü! Mehrere Zimmer, einen vollen Garderobenschrank, tägliches Bad, fünf Paar Sttefel, Holzschnitte, Bildermappen, Vasen all'.r Formen, kleine, intime Kostbarkeiten... Plötzlich reißen einige Dämme, eine Schlammflut brodelt durch Land, man steht wieder mit nackter Brust vorm Leben und preist das bißchen Unterwäsche im Rucksack. Und denkt zurück, weit zurück, wie man damals, ein Jahrzehnt vor der Jahrhundertwende, als neubackener Buchdruckergehilfe mit dem Felleisen auf der Landstraße dahinpilgerte. Eine Bürste war drauf geschnürt und drin noch we niger, als jetzt im Rucksack: ein altes Hemd, ein paar Sttümpfe. DaS wichtigste dazwischen: illegale Literatur. Denn die letzten Wochen deS Sozialistengesetzes zuckten über Deutschland hin, auf sozialistische Agitation stand Gefängnis und Landesverweis. Auch er wurde über die Grenze geschoben, der neubackene Buchdruckergehilfe, kaum von der Mutter fort, siebzehn Jahre alt, glatt das Kinn und die Stirn voller Sommersprossen. JustuS putzt die Brille und wischt sich den Schweiß vom Hutrand. Tja, alles kehrt einmal so ähnlich wieder, aber immer sind neue Runen, neue Züge im wenigen Gesicht des Lebens. Nicht einmal die illegale Literatur fehlt in meinem Rucksack. Nur: damals trug ich sie heimlich von Kollegen zu Kollegen, über die Grenzen herüber und hinüber— heute schreibe ich sie. Und heute muß sich die ganze Welt mit den neuen Gedanken von damals auseinandersetzen, in allen Formen, auf Leben und Tod. Hörbar, sichtbar und unsichtbar, im Angesicht des Diktators wie unter der Sonne der Freiheit, werben die Gedanken neuer höherer Menschlichkeit» schwärmen aus in immer neuem Gewand und umwirbeln die Köpfe— ob man uns fesselt oder frei laufen läßt. Er zieht den Rucksackriemen an. Nun war also schon wieder ein Koffer hinzugekommen, ein verkappter Anker der Seßhaftigkeit. Bücher, Kleider, die wackere Kameraden herüber bugsierten. Er schaut zu dem dunkelbraunen Kasten hinab. Der Griff hat sich halb zur Seite gelegt, wie ein schräg gerichtetes Hundeohr. Er packt den Kasten beim Ohr und wandert weiter. Der eingedrückte runde Hut hängt im Genick. Ein kleines Gasthaus steht am Wege. Feiner, warmer, röstbrauner Dust, dunkelbrennend und lockend in seiner Kraft, streift die Nase, weht durch Fenster und Türen, eine unsichtbare Fahne stiller Freuden... Böhmischer Kaffee, böhmische Buchteln, böhmische Lieder— wenn man die Augen schließt und sich den Koster hinweg denkt, könnte man ttäumen, alles andere sei nicht gewesen, die Zeit stünde still, man wanderte wie damals, man schlürfte das erstemal böhmischen Kaffee und alles begänne von neuem. Als Justus nachmittags in der Spinne ankam, roch die große Zigarrenkiste, wie Gustt das Haus nannte, noch stark nach Lack und Farbe, aber alles war schon ziemlich manierlich hergerichtet. Wände und Decken gestrichen, die Fußböden in Ordnung, acht Zimmer parat; in den großen schliefen immer zwei. Feldbetten standen an den Wänden. Decken lagen aus den Tischen, sogar Bilder hingen da und dort. Manches hatte man aus der Villa Wanja gerettet, manches stifteten die Genossen von Litosch und der anderen Stadt stromaufwärts. Im Keller gab es eine Werkstatt mit wichtigem, zusammengeschnorrtem Werkzeug. Peter und Paul zimmerten dort alte Diwane zurecht, sogar, das Polstern hatten sie gelernt. Eine Fabrik pfiff sechs Uhr und die Mäyner der Spinne hockten unten am Wasser. Gusti führte den Neuen in sein Zimmer hinauf.„Sogar die Treppen schon gestrichen", lobte Justus,„oh deutsche Ordnung, segensreiche.. Bor dem Fenster seiner Stube stand sogar ein alter, dunkler Schreibtisch.„Alles für das bißchen Geld? Fabelhaft, was hier einem armen Emi alles geboten wird!" Er sah das'Bücherbrett an der Wand. „Ich danke ihnen, Frau Schwarzer. Sie haben gewiß ein Herz für die Literatur! Hier laßt uns dichten!" Gusti erstrahlte. Endlich mal ein Mensch, der sich bedankt. Das hatte sie an ihrer Meute lange nicht mehr erlebt. Und ein volles, warmes Lachen, wenn er lacht» dachte sie, als sie die Treppen hinabstieg. Dreiundsechzig will der sein? Sollte man's glauben? Wie ein Fünfziger hielt er sich. Justus stand am Fenster. Zwecklos groß und verlassen dehnte sich der Hof. Der Garten, sagte Gusti. Dann kam die lange wellige Steppe und weit, weit darüber hinaus sah Justus daS Wasser des anderen Ufers glitzern. Eine Dampfwalze ratterte in der Nähe, die Landstraße wurde auS- gebeffert. Unten am Hause begoß Gusti den einzigen Baum des Anwesens: eine kleine, schüchterne Linde. Wohlgefällig schaute Justus über die kräftig ausladende Gestalt der Frau. Mit der würde man in Frieden leben können. Gut in diesen Zeiten, wenn die Nerven bißchen weich und fleischig gebettet sind. In den Luftschlössern, die er als junger Mensch gebaut, hatten immer üppige Frauen gehaust. Merkwürdigerweise war's dann später in der Praxis anders gekommen. Die Sehnsucht aber blieb... Wie alt mochte die Frau sein? An die Vierzig? In ihrem Gesicht versteckte sich gedämpfte Schwermut,«in feinerer Zug, der sich nicht heraustraute, weil er sich vor der Robustheit der Welt schämte... Er hing seine Kleider in den Schrank, den Peter neu hergerichtet hatte. Die Tür quarrte, als wäre sie dieses ewigen Auf- und Zuklappens müde. Vom Flusse her tönte Musik. Ein Vergnügungsdampfer schaukelte durch die Wellen. Das Gras der Uferwiesen senkte dürstend die Halme. Barhäuptig querte Justus durch die kleinen Sandmulden, die sich um die Spinne lagerten, zur Straße hinüber, dem Städtchen entgegen. Eine Fabrik ragte auf; er bog zum Flusse hin ab. Die ersten Häuser blieben hinter ihm. Ein Kram- strden. Ein Bäcker. Ein Fleischer. Gärten mit sarbenspeienden Tulpenbeeten. Dann wieder Wiesen. Der schmale Weg stieß auf den Uferpfad. Justus ließ sich am Rande der Böschunq nieder. Der Wall des Weidengebüsches war hier zu Ende. Von weit draußen kam der Lärm badender Menschen. Di« Abendsonne färbte den Wellen violette Streifen auf den Rücken; sie rollten dahin wie geschmolzenes Blei. Vom anderen Ufer leuchteten rotglühende Fenster zwischen Bäumen. Justus hörte Sttmmen. Ein Mädchen und ein junger Mann, Badeanzug unterm Arme, schlenderten stadtwärts. ^Fortsetzung folgt.) Nr. 139 Tonntag, 14 Juni 1936 Seite 3 Der Untemehmerflügel gegen Kasper Wie wir erfahren, hatten es gewisse Kreise in der SdP von vornherein darauf abgesehen Kasper, in dem sie den Vertreter von Arbeiter« interessen sahen, aus der Partei hinauszudrängen. Die Veranstalter der Egerer Konferenz hatten— eS geschah dies zum ersten Male— der Sitzung der Hauptleitung auch die Abgeordneten Dr. Rosche, Dr. Peters und Kundt zugezogen, welche den Unternehmerflügel der Sudetendeutschen Partei repräsentieren. Die Taktik gegen- ' über Kasper war, an ihn stets eine neue Forderung zu stellen, wenn er eine früher gestellte angenommen hatte. Als er dieses Spiel durchschaute, mußte eS zum Bruche kommen. Der Ausschluß Kaspers bedeutet einen Sieg des reaktionären Flügels in der SdP, das ist jener Männer der Hauptleitung, die in Verbindung mit dem rechten Flügel der tschechischen Agrarier, insbesondere mit Stoupal stehen. eine Blamage der SdP Die sonntägige„Deutsche Landpost- berichtet, daß in einem Prozeß, den der SdP-Abgeord- nete May gegen den BdL.- Bezirksleiter Schicht angestrengt hat— Schicht wurde freigesprochen— folgendes offenbar wurden: Der SdP-Abgeordnete Knöchel versuchte einen Hauptzeugen in diesem Prozeß, Klaus, zum Schreiben eines Briefes an den Vertreter Mays, Dr. Kriozrlstein, zu verleiten, in welchem behauptet werden sollte, daß der gewesen« Sekretär des BdL. Jannauschals Urheber der Anschuldgungen gegen May anzusehen sei. Die Hen- leinpartei brauche in diesem Prozeß ein anderes Opfer als den Bezirksleiter Schicht. Die Mitteilungen des Klaus vor Gericht solle» großes Aussehen hervorgerufen haben. Vas wird Kasper tun? Nene Partei oder Anschlufi an Simm? Die„Lidovt Noviny" schreiben, daß es bezeichnend ist, daß Kasper auf die Zusammensetzung des Ehrengerichtes keinen Einfluß hatte. Deshalb wird die Entscheidung des Ehrengerichtes nur einen relassven Wert haben. Ebenfalls bezeichnend für die Verhältnisse in der SdP ist, daß die „Rundschau" schon am Freitag bekanntgegeben hat, daß Kaspers Freund» der Abgeordnete Liebl, sich geweigert habe, das Mandat abzugeben. Achtung, Unterstützungsschwindler Am 12. Juni d. I. fanden sich im Kreissekretariat unserer Partei in Pilsen zwei Durchreisende namens Rudolf K a ch i n a und Lenk, beide aus Reusattl, ein. Sie wiesen sich als Mitglieder des Glas- und Keramarbeiterverbandes aus; Kachina hatte außerdem ein Mitgliedsbuch der Partei. Eine genaue Ueberprüfung der Parteilegitimation ergab jedoch, daß der Name gefälscht war. Ebenso stammten die geklebten Beitragsmarken aus einem anderen Parteibuch. Darob zur Rede gestellt, gestand Kachina seinen Schwindel ein und bekannte auch, daß er Kommunist sei. Er legte zum Beweise dafür ein Mit- gliedsbuch des kommunistischen Turnvereins, des Bundes der Freunde der Sowjetunion und der Union für Freiheit und Recht vor. Selbstverständlich wurde dem Kachina das gefälschte Parteibuch abgenommen. Wir machen alle Organisationen auf die beiden UnterftützungSschwindler aufmerksam und fördern sie auf, ihnen die Tür zu weisen. Ferner mögen unsere Funktionäre daraus die Lehre ziehen, daß alle Mitgliedsbücher» soweit sie von Durchreisenden als Ausweis vorgelegt werden, genauest überprüft werden müssen, bevor Unterstützungen ausgezahlt werden. fudetendeutsdier Zeitspiele t Währenddessen ist das Disziplinarverfahren gegen ihn noch nicht einmal voll im Gange. Kasper wartet vorläufig ab, wie sich die Verhältnisse in der Partei entwickeln werden, ob er aus der Partei ausgeschlossen wird und ob seine Anhänger ausgeschlossen und ihres Mandats und anderer Funktionen enthoben werden. Er wartet ab, wieviel Parteimitglieder hinter ihm stehen. Vorläufig sollen es bereits zehnmal so viel sein, als in der Zeitung gemeldet wurde. Kasper selbst wird vorläufig keine Zeitungskampagne organisieren, er gedenkt sich nur auf Berichtigungen von Unwahrheiten zu beschränken. Er hat sich noch nicht entschieden, was er politisch unternehmen wird, ob er eine neue Partei gründen wird oder ob er sich einer bereits bestehenden Partei anschließen wird. Er denkt angeblich haupssächlich an die Partei seines Freundes und früheren Kollegen auS dem Parlamentsklub der Nazipartei, Simm. Die dreijährige Frist von der Auflösung der Hakenkreuzpartei wird am 4. Oktober ablaufen, bis zu dieser Zeit kann Kasper nach dem Gesetz über die Auflösung von politischer Parteien weder eine neue Partei gründen noch Versammlungen einberufen. angetreten. In St. Nazaire besetzten die Arbeiter und die anderen Angestellten die Flugzeugfabrik Nieuport. Die Fabrik beschäftigt 1200 Arbeiter. Van Zeeland erfolgreich? Brüssel. Das zweite Kabinett Van Zeeland ist fast zur Gänze gebildet. Nack Informationen der Presseagentur Belga wird das Kabinett folgendermaßen zusammengesetzt sein: Ministerpräsident: Van Zeeland; Stellvertreter des Ministerpräsidenten und Minister für öffentliches Gesundheitswesen: Bandervelde(Sozialist); Außenminister: Abgeordneter Paul Henry Spaak(Sozialist); Finanzen: Abgeordneter Merlot(Sozialist); Unterricht: Journalist Julius Hoste (flämischer Liberaler); nicht Mitglied des Parlaments: Nationalverteidigung: General Denis. Dieser neuen Kombination gehören sechs Sozialisten, fünf Katholiken, Van Zeeland mitgerechnet, drei Liberale und ein General an. Belgische Bergarbeiter In den Generalstreik? Brüssel. Man erwartet, daß in Belgien der allgemeine Bergarbeiterstreik verkündet werden wird. Die Metallarbeiterschaft von Lüttich verkündete den Streik. Zwölfjähriger Opfer des wilden Bergbaues. Freitag nachmittags verunglückte auf einer Kohlengrube bei Dallwitz der 12jährige Schüler Willi Richter aus Dallwitz, der zusammen mit seinem Freunde aus einem wilden Bergbau Kohle abholen kam. Nachdem er die für die Großmutter seines Freundes bestimmte Kohle übernommen hatte, scheint der Junge in die ungefähr sieben Meter tiefe Grube abgestiegen zu sein, um noch einige größere Kohlenstücke aufzulesen, wobei er durch die auf der Sohle angesammelten Gase vergiftet wurde. Er konnte erst nach mehr als einstündigen Bemühungen wt geborgen werden. Dreizehnjährige wird Mutter. Nach den Mitteilungen des Aussig er Polizeikommissariats wurde dieser Tage der 32jährige, verheiratete Angestellte Wenzel S. aus Aussig verhaftet, der ein 13jähriges Mädchen geschwängert hatte. Zu der kurzen lakonischen polizeilichen Meldung ist nachzutragen, daß das 13jährige Mädchen, ein Kind /rrmer Eltern, zeitweise die Familie eines Kaufmannes in der Teplitzer Straße besuchte, bei dem der Wüstling angestellt war. Der Handlungsgehilfe wußte den jugendlichen Unverstand des Mädchens geschickt auszunutzen. Vor fünf Monaten lockte er das Kind, als es bei seinem Chef zu Besuch war, in den Keller und vergewaltigte es dort. Als die Eltern auf den Zustand des Mädchens aufmerksam wurden, veranlaßten sie eine ärztliche Untersuchung, bei der die Schwangerschaft des Mädchens festgestellt wurde. Ein 30jähriger lediger Geschäftsmann, der ebenfalls in Beziehungen zu dem Mädchen trat, wurde ebenfalls verhaftet. Aberthamer Raubmörder bei Aussig verhaftet. Johann Preis, der in Abertham einen Raubmordversuch unternahm, wurde von der Gendarmerie in Bokau bei Aussig festgenommen. Erst einige Stunden nach der Einlieferung des Verdächtigen in das Gerichtsgefängnis Aussig konnte man feststellen, daß eS sich um den gesuchten Raubmörder handelte. Eine Fahndungs- .abteilung der Egerer Gendarmerie überführte den Verhafteten nach dem Kreisgericht in Eger. Drakonische Maßnahmen gegen arabische Sabotageakte Jerusalem.(Reuter) Ein Samstag erlassenes Dekret des Hohen Kommissärs für Pa- lästma bestimmt, daß die Todesstrafe oder lebenslängliche Kerkerstrafe gegen Aufrührer erlassen werden kamn, die auf den britischen Sicherheitsdienst schießen oder Bomben mit der Absicht werfen, Tod, Verletzungen oder Materialschäden zu verursachen. Diesen Strafen unterliegen auch Delinquenten, welche Kommunikationen welcher Art immer vernichten oder beschädigest. Vie Massenstreiks beendet ■ Paris:"Der heutige Samstag steht bereits im Zeichen eines bedeutenden NachlaffeNs des Streiks sowohl in der ftanzösischen Hauptstadt und deren Vororte, als auch im Übrigen Frankreich. Die CafLs, Restaurationen, Fleischerläden und die Großhandlungen mit Lebensmitteln sind bereits geöffnet und am Montag erwartet man überall bereits die Rückkehr der Metallarbeiterschaft zur Arbeit. In der Nacht zum heutigen Samstag wurden nämlich auf diesem Arbeitsgebiete ein Endübereinkommen geschlossen, welchem die Delegierten der Metallarbeiterschaft beitraten. Die Arbeiter verlassen am heutigen Abend die Fabriken, in denen sie fich volle achtzehn Tage aufhielten. Auch in der Papier-, der Kartonagenindu- strie ü. a. wurden gleichfalls Uebereinkommen geschloffen. Auch die Streiks in der Bau- und Kon- fektionsindustrie wurden beigelegt, man erwartet deshalb, daß in Paris und Umgebung am Montag über 300.000 in Ausstand befindliche Arbeiter die Arbeit wieder aufnehmen werden. Die Regierung leitet die Schlichtungsbestrebungen zwecks Beseifigung des Arbeitskonflikts in den großen Kaufhäusern und in den Versicherungsgesellschaften. Der Friseurstreik dauert an. Unreelles und betrügerisches System der Bau*Zweckspargenossenschaften Direktor der Sdireckensteiner urd Warnsdorfer Bau* und Zwedc- Spargenossenschaft wegen Betrug verurteilt Das Kreisgericht Leitmeritz sprach jetzt den 47jährigen Privatbeamten Heinrich schuldig, als leitender Direkwr zweier Baugenossenschaften der»Gemeinnützigen Bau-Wohnungsge- nossenschaft in Schreckenstein" und der von ihm selber errichteten.Allgemeinen Nordbühmischen Bau-, Spar- und Krediwereinigung in Warnsdorf" betrügerische Manipulationen zum Schaden der Mitglieder dieser Genossenschaften im Gesamtbeträge von über 2 0.0 0 0 KL begangen zu haben. Das Gericht stützt sein Urteil auf das Ergebnis des Beweisverfahrens und die Sachverständigengutachten. Der Verurteilte habe, wenn auch nicht vor der Aufnahme seiner Tätigkeit, aber doch bald darauf erkennen müssen, daß die Ge- schäftsgebarung der Genossenschaften auf einem strafbaren»Schneeballsystem" aufgebaut war, bei dem zum mindesten das letzte Drittel der beigetretenen Genossenschaftler, aber auch frühere Teilnehmer, die ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachzukommen in der Lage waren, geschädigt wurden. Die Gestapo in Mitteleuropa Prag. Eine Reihe von Blättern berichten auf Grund einer aus Wien stammenden Meldung der Jntro-Preß, daß dort eine Weisung der Gestapo-Zentrale in Berlin aufgedeckt wurde, welche die Richtlinien für die Neuorganisation der Gestapo in den mitteleuropäischen Staaten enthält. Diese vom 2. April 1936 datierte Weisung lautet: Das neue Arbeitsgebiet GD IV(Geheimdienst) wird mit Rücksicht auf die GebietSgliede- rung ganz neu organisiert und in folgende Gebietseinheiten eingeteilt: . 1. Oesterreich: Gruppenführer Glaß; 2. Böhmen, Mähren, Schlesien: Gruppenführer Daubek; 3. Slowakei, Karpachorußland: Gruppen: führer Mohilla; 4. Ungarn: Gruppenführer Hauser. Das Büro Z. T. wird von Budapest nach Preßburg verlegt. An Stelle des bisherigen Gruppenführers A n g e r e r wurde zum Obergruppenführer Grillmayer definitiv ernannt. Der Nachrichtendienst für die inländische und ausländische Politik wird in der Abteilung 8 IV konzentriert; der wirtschaftlich-politische Nachrichtendienst in I IV; der militärpolitische Nachrichtendienst in G IV; der Ueberwachungs- dienst in R IV; der Gegendienst in D IV. Die Durchgangsstation Komorn und Raab werden durch Rosenberg und Klausenburg ersetzt. Die Reorganisierung urü> die Errichtung aller notwendigen Dienststellen müssen bis zum 14. April beendet sein. Im Auftrag: Rautert Stampiglie: Gestapo. An den Obergruppenführer Max Grillmayer. Zu Händen des Deutschen Konsulats. * Bon den Genannten war Glaß an dem Mord an Dollfuß beteiligt, Grillmayer an verschiedenen nationalsozialistischen Verbreche:^ Kommunistisches Theater Die Kommunisten machten sich vor und während des Wallerner Verbandstages an die Funktionäre des Kleinbauernverbandes heran und bettelten, daß man sie doch mittun lassen solle. Dies geschah im Namen irgendeiner„revolutio- nären Landvolksbewegung", von der nachträglich festgestellt werden konnte, daß sie so gut wie nicht existiert. Die Verbandsleitung wollte den herr lichen Verbandstag in Wallern durch keinerlei Mißton beeinträchtigen und hat den kommunisti schen Vertreter zum Verbandstag nicht zuge- lassen. Als dann ein kleines Häuflein Kommu nisten zur öffentlichen Landvolkskundgebung er schien und neuerdings darum bettelte, daß man sie reden lassen möge, wurde ihnen um des lieben Friedens willen das Wort erteilt. Was der Kom munist K r e h a n zu sagen hatte, waren die saft- und kraftlosesten Phrasen, die man je ver nommen hat. Dafür ging nachträglich in der kommunistischen Presse ein Agitationsspektakel los, obzwar die Kommunisten feierlich zugesagt hatten, daß man keine parteipolifische Agitation daraus machen wird. In diesem Bericht tun sie Mehr als die Hälfte der Friseurläden ist gesperrt, so, als ob der ganze Kleinbauernverbandstag nur' Auf der Präfektur von Lille wurde ein Ab- von den Kommunisten beherrscht worden und das kommen mit den Bäckerei- und Kohlenarbeitern Wesentlichste am Verbandstag eine angebliche 1 und ebenso in der Lebensmittelbranche getroffen. VerbrüderungSszene— die gar nicht stattgefun- i Gegen 50.000 Arbeiter haben die Arbeit wieder den hat— zwischen sozialdemokratischen und kom munistischen Kleinbauern gewesen wäre, Dabei ist dieser Bericht so abgefaßt, daß man annehmen muß, dieses von den Kommunisten vorgetäuschte Theater hätte sich am Kleinbauernverbands-1 tag abgespielt, obwohl die Kommunisten dorthin gar nicht zugelaffen wurden. Tas tschechisch-! agrarische Zentralorgan der„Venkov" hat die sen Bericht sofort ausgenützt und noch mehr ver dreht, um die Sozialdemokraten zu kompromittie ren. Eine preßgesetzliche Berichtigung hat diesem Blatt beigebracht, daß man bei der Wahrheit blei ben muß. Den Anlaß hiezu haben die Kommu nisten durch ihre schäbigen Agitationsmethoden in der Presse gegeben. Es ist selbstverständlich, daß man die Berührung mit solchen Leuten künftighin in jeder Weise meiden wird, denn politische Dummheit und Taktlosigkeit kennen bei ihnen keine Grenzen. Die Erfahrungen in Wallern wer den auch für die Zukunft bestimmend sein müssen für das Verhalten gegenüber den Kommunisten. Schließlich haben sich diese Leute nun selber wie der entlarvt und gezeigt, daß eS ihndn nicht um ein einheitliches Vorgehen aller arbeitenden Schichten geht, sondern um aus derlei Anlässen parteipolitisches Kapital zu schlagen. Die Zukunft wird sie lehren, daß sie mit solchen Methoden bei dem Landvolk so abblitzen werden, wie die schon bisher geschah. Sa. Brief an den Zeitspiesel Die von Henlein in seiner Prager Kulturrede auch für das Sudetendeutschtum akzeptierte Hitlerkultur schickt sich an, die Literaturstunden in unseren Schalen gleichschaltend zu reformieren. Die Hitlerkultur hat Heines Werke im Berliner Lustgarten verbrennen lassen, versieht Heines„Loreley“ mit dem Vermerk„Verfasser unbekannte— ergo müssen Heine und seine Werke auch aus unseren Schulen verschwinden! Der sudetendeutsche Schüler . soll und darf nicht wissen, daß ein Jude einer von Deutschlands größten lyrischen Dichter war, ist, und,— trotz aller Autodafes— für alle Zeiten bleiben wird. Seine„Wallfahrt nach Kevlaar“ wird bei Hitler und Henlein zur Parodie auf den katholischen Wunderglauben,„Die beiden Grenadiere“ zu einer das völkische Gefühl verletzenden Franzosenvergottung,„Belsazaar“ zu einem Hymnus auf den jüdischen Jehova gestempelt. Der Lehrer darf der Oberstufe (jungen Leuten bis zu zwanzig Jahren!) nicht mitteilen, daß die Verbrennung der Heineschen Werke bloß Ausfluß eines politischen Systems ist, das mit wahrer Kultur nichts gemein hat, ja, selbst der Hinweis: „daß wir uns glücklich schätzen dürfen, einem Staat anzugehören, in dem wir Heines„Loreley“ unbeanstandet singen dürfen—" wird prompt als„Hineintragen von Politik in die Schule“ denunziert! So oft Kritik an Schule und Lehrer geübt wird, schreibt unsere Nazipresse:„Pauschalverdächtigung“! Hier sind konkrete Fälle angeführt, und Namen nicht angeführt, aus dem Grunde, weil der Schreiber sie' nicht in die Sphäre persönlicher Gehässigkeit zerren will; Personen sind Nebensache, die Gesinnung die Hauptsache! Es ist schließlich Sache der Schulbehörde, die Lehrerschaft zu unterrichten, was der Erlaß des Schulministeriums über das„Nichthineintragen von Politik in die Schuld“ bedeutet; daß nicht die Erwähnung kulturwidriger Vorgänge, sondern ihr Verschweigen „Politik treiben“ heißt— Politik zugunsten sine» fremden, und zum Schaden des eigenen Staates, zum Schaden der J ugend durch irregeleitete Jugendbild- I ner! Unus. Die Strafe wurde mit acht Monaten schweren Kerkers, bedingt mit einer dreijährigen Bewährungsfrist, bemessen. Das.Gutachten des Gerichtssachverständigen JUDr. Maximilian Walter in Teplitz bezeichnete das System der Zweck- und Bausparkaffengenossenschaften im allgemeinen als unreell und aus betrügerischer Grundlage aufgebaut. ■ Nach dem umfangreichen Gutachten ist für die Schädigung aber nicht Heinrich allein, sondern auch das Vorstandsmitglied Arlt, der im Außendienst tätig war, mit verantwortlich. Im Gutachten wurde ein Schadensausmaß vonüber 7 0.0 00 und 11 9,5,2 0 KL angegeben, für die der Verurteilte verantwortlich ist. Vom Sachverständigen wird weiter anerkannt, daß außer den beiden von dem Berurteil- tcn geleiteten andere Genossenschaften in Nordböhmen arbeiteten, die aber inzwischen auch in gleicher Weise ihre Tätigkeit einflellen mußten und deren Leiter ebenfalls sich vor Gericht zu ver- ! antworten haben werden. Seite 4 Sonntag, 14- Juni 1938 Ar. 139 Tl-esnE-kelten. Vie Tapferen Daß es inmitten der würgenden Lebensangst, die unsere Generation an der Gurgel gepackt hat, immer noch heitere und genießerische Menschen gibt,— welche Beruhigung! Ueberdies ist, wenigstens im deutschen Sprachbereich, die „Volksgemeinschaft" ausgebrochen, und also empfindet gewiß auch der Arbeitslose, der nichts hat, womit er für vier unmündige Kinder sor- gen könnte, bei der Lektüre des nachstehenden Berichts über die Erstlingsfahrt der„Queen Mary" Helle Mitfreude an den Möglichkeiten des Lebens: „Man sieht hohe, schlanke, angelsächsische Erscheinungen, rassig und distinguiert aussehende Frauen und Männer, den Speisesaal betreten. Da es recht kühl ist, trägt jede Frau über dem Abendkleid ein Pelzcape. Neben Nerz und Hermelin ist am stärksten der Silberfuchs vertreten. Drei, vier oder fünf Füchse mußten das Leben lassen, um zu solch einem Cape verarbeitet zu werden. Ein ungeahnter Luxus wird in Ansteckbuketts getrieben. Vier oder fünf lebende Orchideen bedek- ken fast die linke Hälfte des weiblichen Oberkörpers.... Eine in Paris lebende Dame, die sichs leisten kann, hatte zwanzig Damen und Herren ihres Bekanntenkreises zur Erstlingsfahrt der „Queen Mary" bis New Mark und zurück, selbstverständlich erster Klasse, eingeladen— eine nette kleine„Party", wie man das dortzulande nennt." Diesen Bericht— er stand nicht etwa in Hetzblättern zu lesen, sondern in den„Times" und anderen wohlanständigen Zeitungen— habe ich ausgeschnitten, und nun trage ich ihn immer bei mir; wenn mich das Grauen vor der Menschenpein ringsum allzu heftig schütteln möchte, ziehe ich meinen Talisman aus der Tasche— und gleich ist der Weltschmerz gelindert, alles nur halb so schlimm und die Erde, immer noch, andrerseits auch voll von heiterem Behagen. Trotzdem kann ich mich sogar noch bei die- ser Lektüre eines Angstgefühls nicht erwehren: Wird den Leuten, die im Jahre 1936 so wohlgelaunt waren(und es sein konnten), nicht etwas zustoßen? Sogar in der Geschichte der Hunnen-Feldzüge dürste es nur wenige Fälle dieser exzessiven Tapferkeft geben, mit der einige Damen und Herren sich heute so öffentlich zu ihren Amüsements bekennen. Das grenzt schon an Tollkühnheit. Wie verängstigt nehmen sich, gegen die Festlichkeiten auf der„Queen Mary" gesteift, jene französischen Aristokraten aus, die, wie bekannt, auf einem Vulkan tanzten! Der un- sympathische Neid der besitzlosen Klassen ist die- sen Klassen zwar gewiß schon einigermaßen aus- getrieben worden, settdem— wenigstens in den ganz modernen Ländern— endlich wieder größere Strenge gegen die armen Leute herrscht. Dennoch solüe die Tollkühnheit der tapferen Rei- chen nicht übertrieben werden; man kann sich vorstellen, daß einigen Mttmenschen dieser ge- nußfähig gebliebenen Wohlgelaunten irgendein- mal auch noch das letzte Verständnis für Le- benshciterkeit verloren geht. Gibt es übrigens im Strafgesetz nicht einen Paragraphen, der die Aufreizung zum Klassenhaß ausdrücklich unter strenge Sanktionen stellt? Aber unsere Zeit ist so heillos ins Paradoxe versttickt, daß nur die Menschen, gegen die doch einstmals dieser Paragraph geschaffen worden ist, nach dem Staatsanwaü rufen: er möge wenigstens gegen diese gewissen Rekorde der Aufreizung zum Klassenhaß gelegentlich einschreiten. Er tut es freilich nicht. Offenbar hat auch er Respekt vor der tollkühnen Courage, mit der die reichen Leute ihrer gequälten Umwell täglich kundtun. daß es ihnen ganz passabel, ja geradezu gut geht. Aber man verzweifle nicht für immer an der Einsicht der 'Staatsanwälte; wenn sie sich nur erst einmal von der Bewunderung für solche Tapferkeit erholt haben, werden sie ganz gewiß etwas unternehmen,— wenn schon nicht gegen die Tapferen, so doch jedenfalls gegen die Zeitungen, die von ihren Taten Kunde geben. t m. Sitten int Kolchosdorf. Der Moskauer „K o m so m o lska j a Prawda"(3. Juni) entnehmen wir folgende Notiz: Neulich hat man im Kolchosdorf Jeryschewka(Gouvernement Woronesch) den Komsomoletz Pjotr Galkin, seines Zeichens Traktorführer, kirchlich getraut. Die Hochzeit ist sehr schick gewesen. Nach der Trauung'fuhren die Neuvermählten mit ihren Gästen auf Pferdewagen im Dorfe herum. Einer der Gäste, der beste Traktorführer des Dorfes, hielt nach altem Brauche ein Heiligenbild auf den Knien.— Der Gottesdienst findet in der Kirche mehrercmal in der Woche statt. Feiertags kann man fast alle Kolchosburschen und-mädel i» der Kirche sehen. In dem Kirchenchor singen die besten Torssäugerinnen. Es gibt auch einen Chorregenten. Der Komsomolausschuß hat versucht, das zu verhindern, es ist ihm aber lediglich nur eins gelungen: der Kirchenchor ging darauf ein, abends ab und zu auch im Komsomolklub aufzutreten. In der Kirche ist die Jugend stets festlich gekleidet. Falls jedoch jemand, und sei es auch feier-. Wenn sich die Sonne verfinstert Zur Sonnenfinsternis am 19. Juni Eine Sonnenfinsternis tritt dann auf, wenn sich der Mond auf seiner Bahn um die Erde in der Zeit des Neumondes eng der Bahn nähert, die die Erde um die Sonne nimmt, so daß der Mondschatten auf die Erde fällt. Die angegebenen Bedingungen für das Auftreten einer Sonnenfinsternis müssen deshalb gegeben sein, weil die Ebene der Mondbahn von der Eklitik-Ebene um einen Winkel von etwa 5 Grad abweicht; wenn beide Bahnebenen zusammenfließen würden, würde bei jedem Neumond eine Sonnenfinsternis eintreten. Der Vollschatten des Mondes, der in Gestalt eines langgestreckten Kegels schwankender Länge ungefähr der Entfernung des Mondes von der Erde gleicht, ist in den Halbschatten eingehüllt, der die Gestalt eines Kegelstumpfes hat und sich in die unbegrenzte Ferne ausbreitet. In jenem Gebiete der Erdoberfläche, das vom Vollschatten des Mondes getroffen wird und verhältnismäßig klein ist, entsteht entweder eine vollkommene oder eine ringförmige Sonnenfinsternis. Im ersteren Falle erreicht der Kegel des Vollschattens die Erdoberfläche und die Scheibe des Mondes erscheint größer als die Sonne, so daß sie die Sonne vollkommen verdeckt. Im zweiten Falle erreicht der Vollschatten nicht die Erdoberfläche mit seiner Spitze, und die Mondscheibe erscheint kleiner als die Sonnenscheibe, so daß im Augenblick der größten Verfinsterung von der Sonnenscheibe noch ein enger strahlender Ring sichtbar bleibt. Der Bereich der vollkommenen oder ringförmigen Verfinsterung schreitet infolge der gegenseitigen Bewegung des Mondes und der Erde auf der Erdoberfläche fort, auf diese Weise eine enge Zone bildend, die sogenannte Zone der vollkommenen, respektive der ringförmigen Verfinsterung. Der Halbschatten des Mondes ergreift allmählich ausgedehnte Gebiete der Erdoberfläche, die sich südlich und nördlich von der Zone der volllommenen Verfinsterung ausdehnen; in diesen Gebieten ist es möglich, nur eine teiltveise Verfinsterung zu sehen, und das in einem größeren oder kleinerem Maße, je nachdem, wie weit der Bcobachtungsort von der zentralen Zone der vollkommenen Verfinsterung entfernt ist. Bei der heurigen Juni-Verfinsterung erreicht der Vollschatten des Mondes die Erdobertags, in den Komsomolklub hingeht, so zieht er sich werktäglich an: anders gehe es nicht, sagen die Burschen und Mädel, die Bänke seien zu schmutzig. — Alte Hochzeitsitten haben sich voll erhallen. Der Bräutigam mutz den Eltern der Braut einen„Kaufpreis" zahlen, etwa 50 Rubel. Die Braut mutz dagegen eine Mitgift in die Ehe einbringen: fünf bis zehn Hemden und ein Oberkleid. Sogar die Funktionäre des Komsomol verlangen beiderEheschlietzungeineMitgift, sonst heiratet man nicht. Die Mädchen sind feiertags nicht übel aufgeputzt, manche tragen sogar seidene Röcke. Aber alles wird ins Dorf von den Privathändlern, Tschasniki, geliefert. Diese Händler beliefern die Jugend mit Anzügen, Stoffen, Nähmaschinen und Rädern. Iw den Kooperativläden kann man diese Waren nicht bekommen. Selbsthilfe gegen Denunzianten.(F. K.) Am Pfingstsonntag wurde in Pirmasents der Fabrikarbeiter Spieß verhaftet und ins Gefängnis abgeführt, weil er angeblich den„Führer" beleidigt hat. Der Vorfall wurde überall besprochen und die allgemeine Sympathie neigte sich, wie das in solchen Fällen jetzt immer geschieht, ganz auf die Seit« des Verhafteten. Auch in einer Wirtschaft wurde der Fall Spieß diskutiert. Dabei nahm als einziger der Milchhändler Adam Käfer Partei für die Denunzianten und gegen Spieß. Als er später die Wirtschaft verließ, wurde er etwa 150 Meter davon enffernt überfallen und so verprügelt, daß sich seine Ueberführung ins Krankenhaus als notwendig erwies. Angaben über die Täter konnte der Verprügelte nicht machen. Enttäuschter SA-Sturmführer erschießt sich. (F. K.) Ter Sturmführer Curt aus Schönkirchen bet Kiel beging Selbstmord durch Erschießen. C. gehörte zu dem linken Flügel der NSDAP und stand zuletzt in scharfer Opposition zu der Führung. In einer Wirtschaft, in der sein Sturm und auch andere Gäste verkehrten, hat er mehrfach geäußert, daß er sich schäme, heute vor seinen Parteigenossen sprechen zu müssen, denen er vor einigen Jahren den Sozialismus nach Hitlers Machtergreifung prophezeit. Sie seien allesamt belogen worden. Die Führerclique habe die soziale Frage für sich gelöst; das Volk aber verelende. C. mußte sich wegen seiner Einstellung vor der berüchtigten Uschla verantworten. Er sagte, daß er von seinen Anklagen nichts zurückgenommen habe. C. kannte die Gefahr und sprach davon zu feinen Freunden. Welche Drohung ihn zum Selbstmord trieb, ist nicht bekannt. Lift abgrstürzt. Infolge Versagens der Bremsvorrichtungen stürzte in New Dort ein überfüllter Fahrstuhl eines Wolkenkratzers in der 42. Straße in der Nähe des Broadway 14 Stockw-rke tief ab. Er prallte auf die im Keller befindlichen Stahlfelder auf, wurde wieder hochgeworfen und dabei völlig zertrümmert. 14 von den 20 Fahrgästen, zumeist Frauen, wurden teilweise schwer verletzt. „Mr. CaetuS". Einer der hervorragendsten Kenner der Kafteenzucht, der auch die große Gartenbauausstellung in Chelsea beschickt hatte, ist Mr. Reale. Seit Ende der Ausstellung blieb Mr. Reale verschwunden, und die Polizei hat ihn eben erst in I einem Hotel in einem Badeort entdeckt. Er nannte fläche; es wird also eine vollständige Verfinsterung der Sonne eintreten, aber nur in einer Zone von 70 bis 110 Kilometer Breite und in der Länge von etwa 15.000 Kilometer, beginnend südlich von Sizilien, durchschneidend dann Griechenland, Kleinasien, das Schwarze Meer, Südostrußland, Sibirien, Nordjapan und bei Sonnenuntergang im Stillen Ozean verschwindend. In dem nördlichen Gebiete der teilweisen Verfinsterung liegt ganz Europa mit Ausnahme des südlichen Teiles der Pyrenäen-Halbinsel, ferner Nord-Sibirien, Grönland, Alaska und die nördlich von Kanada liegenden Inseln'. Im»südlichen Bereich der teilweisen Verfinsterung liegt Nordostafrika, Kleinasien, Arabien, Mesopotamien, Persien, Tibet, China und ein großer Teil Japans. Die Tschechoslowakische Republik liegt ity nördlichen Bereich der teilweisen Verfinsterung, und zwar an Stellen, wo die teilweise Verfinsterung kurz nach Sonnenaufgang eintritt. Die folgende Tabelle zeigt die Zeiten der einzelnen Phasen für verschiedene Orte der Republik: Jede vollkommene Verfinsterung der Sonne gibt Gelegenheit zu Beobachtungen, zum Photographieren und Messen verschiedener die Verfinsterung begleitender Erscheinungen, die für die Erforschung der Sonne große Bedeutung haben, aber in letzter Zeit auch für die Erforschung der höchsten Schichten unserer Atmosphäre. Zu den zahlreichen wissenschaftlichen Expeditionen, welche die großen Sternwarten in die Zone der vollkommenen Verfinsterung entsenden, gehören diesmal auch zwei tschechoslowakische Expeditionen, die ihre Beobachttmgen bei Orenburg in Südost- rutzland und in Japan anstellen werden. Prag Brünn Bratislava Sonnenaufgang 3.52 314S 3.52 Beginn der Teilver finsterung: 4.18 4.18 4.14 Größte Phase der Ver finsterung: 5.08 5107 5.06 Ende der Verfinste rung: 6.02 6.01 6.01 Ausmaß der Verfinste rung(Sonne—1.0) 0.70 0.73 0.73 sich— wie kaum anders zu erwarten war— dort „Mr. Cactus". Die Stelle, die er angenommen hatte, war unbezahlt. Schon dies fiel der Polizei auf, und mehr noch regte sich ihr Argwohn, als sie feststellte, daß er als Briefadresse außerdem sein Pseudonym noch umkehrte und sich bei der Post„Sutcac" nannte. Für sein sonderbares Verhalten konnte Reale keine plausible Erklärung abgeben. Er behauptete einfach, daß er unter dem Namen seiner geliebten Pflanzen leben Wolle. Daß er aber ernsthafte Gründe gehabt haben muß, geht schon daraus hervor, daß fein Verschwinden kurz nach seinem unaufgeklärt gebliebenen Ileberfall auf einen seiner Konkurrenten, der ebenfalls in Cbelsea Kakteen ausgestellt hatte, erfolgte. Die Polizei bemüht sich zur Zeit, Licht in diese Angelegenheit unter Stachelpflanzenzüchtern zu bringen. AnS Angst vor Entführung aus dem Aut» gesprungen. Ein unbekannter Automobilist erbot sich bei einer Tanzunterhaltung in Dobra Voda bei Böhm.-Budweis einer Gesellschaft von mehreren jungen Leuten gegenüber, sie alle nach- der Unterhaltung nach Hause zu fahren. Er erfüllte sein Versprechen allen bis auf. die 16jährige Näherin Karo- line Manovcovä aus Böhm.-Budweis, die als letzte im Automobil blieb und mit der er gegen ihren Willen in der Richtung gegen Prag fuhr. Ta das Mädchen eine schlechte Absicht befürchtete, beschloß es, aus dem fahrenden Wagen zu springen. Es öffnete unbemerkt die Wagentür, sprang heraus und bliev auf der Straße bewußtlos liegen. Ter Wagen fuhr weiter. Später wurde die Manovcovä verletzt aufgefunden und ins Budweiser Krankenhaus eingeliefert. Rach dem Automobilisten wird gefahndet. Der Krieg zwischen Spanien und Mexiko,(mb) Auf den Streik der spanischen Stierkämpsergewerk« schäft gegen die Zulassung mexikanischer Tereros hin, wird in Mexiko der Boykott gegen spanische Bars und— Bordelle angedroht. Die Spezialberufe der Spanier in Mexiko scheinen sehr— spezieller Natur zu fein. Wettertericht. Reste kleiner Störungen über dem Binnenlande lösen sich allmählich auf. Trotzdem behauptet sich unter ihrem Einfluß im Nordostteil der Republik noch stärkere Bewölkung und nachmittags traten dort Gewitter oder Regenschauer auf. Sonst macht die Besserung des Wetters und die Erwärmung in unseren Gegenden Fortschritte. Um 14 Uhr wurden heute in den Niederungen Mitteleuropas meist 21 bis 23 Grad verzeichnet. Die Aussichten auf die Entwicklung des Wetters in den nächsten Tagen sind im ganzen günstig. W ah r sch e in- liches Wetter Sonntag: Ruhig unb im allgemeinen schön. In Gebirgsnähe vereinzelte Lokalgewitter nicht ausgeschlossen. Roch etwas wärmer.— Wetteraüssichten für Mon- t a g: Keine größere Aenderung. Vom Rundfunk iMhlthniwirtw an* den Programmeai Montag Prag, Sender L.: 7.00: Salonorchester. 10.05: Deufiche Presse. 11.35: Schallplatten. 12.10: Operngesange auf Schallplatten. 14.05: Schallplat- ten. 18.05: Deutsche Sendung: Prof. Mink: Zermatt und seine Berge. 18.15: Emerentia und Herzkönig. lusttges Spiel von Pick. 18.45: Deutsche Presse. 20.15: Ueberttagung aus dem St. Beits- dom. 21.15: Beethoven-Konzert. 22.20: Italienisch für Touristen.— Sender S.: 7.30: Salonorchesterkonzert. 15.20: Deutsche Sendung: Causa Maschine. Zwiegespräch. 15.40: Schallplatten.— Brünn: 12.05: Schallplatten. 13.30: Arbeitsmarkt und Sozialinformationen. 16.10: Konzert. 17.40: Deutsche Sendung: Drl Fietz: Die Reste der prähistorischen Kultur. 20.00: Violoncello-Solos.— Preßburg: 12.15: Aus„Der verkauften Braut". 12.85: Mit» tagskonzert. 14.15: Geigenkonzert. 22.30: Populäres Konzert.— Kascha«: 18.30: Jugoslawische Lieder.— Mähr. Ostrau: 18.10: Deutsche Sendung: Arveiterfnnk: Sobek: Demokratie und Aufgaben der Kindersrennde,— Lieder von Kretschmer, Dienstag Prag, Sender L.: 10.06: Deutsche Presse. 11.0« Rundfunk für deutsche Schulen, höhere Klassen. 12.10: Mozart. 14.00: Populäres Konzert aus Schallplatten. 17.00: SchtvedifcheVolkslieder. 18.05: Deutsche Sendung: Redakteur Hornig: Aus dem sudetendeutfchen Kulturleben. 18.15: C. M. Weber: Missa in G.-dur. 18.45: Deutsche Presse. 22.15: Beethoven-Kompositionen.— Sender S.: 7.30: Populäres Konzert. 15.15: Deutsche Sendung: Dr. Fried-Polaschek: Spaziergang zwischen Gläsern. 15.30: Schallplatten. 15.35: Prof. Klein: Heitere Rezitattonen.— Brünn: 12.10: Schallplattenkonzert. 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiter funk: Soziale Jnformattonen, Stiaffn,: Die Arbeiterschaft Träger der neuen Kultur. 21.00: Klavierkonzert: — Preßburg: 12.15: Aus der„Verkauften Braut". 21.35: Hebräische Melodien.— Kaschau: 12.00: Chöre auf Schallplatten. 12.35: Mittagskonzert. Mahr. Ostrau: 16.10: Nachmittagskonzert. Die Sdiiffskatastrophe in Wien Am Donnerstag wurde der Donaudampfer„Wien", der etwa 1200 Passagiere aufnehmen kann, zu dieser Zeit jedoch ohne Fahrgäste war, von einem Pfeiler der Reichsbrücke in Wien in zwei Teile geschnitten. Das Schiff sank in drei Minuten, und sieben Personen, die sich aus dem Innern des Schiffes nicht mehr retten konnten, gingen mit unter. Dies Bild veranschaulicht die furchtbaren Folgen des Schiffsunglücks. Nr. 139 Sonntag, 14. Juni 193k Sette 5 Einer der besten Kenner der internationalen Rohstoffwirtschaft, BrooksEmeny, kommt in seinem eben in New Jork erschienenen Buch„Strategie der Rohstoffe" zu recht interessanten Ergebnissen. Er stellt zunächst eine Liste von 22 für die Kriegführung unentbehrlichen Roh- st o f f e n zusammen und untersucht sodann die Verteilung dieser wichtigsten Stoff« unter den einzelnen Staaten. Es stell: sich zum Beispiel heraus, daß in M a n g a n e r z e n, die für die Stahlproduktion unentbehrlich sind, Rußland allein selbstgenügsam ist, alle anderen Staaten sind mehr oder minder auf Einfuhr angewiesen. K a n a d a ist der größte Lieferant von Nickel, während China die größten Vorräte von Antimon aufweist. Spanien und Italien, die sonst sehr arm an Rohstoffen sind, find reich an Quecksilber. Die Vereinigten Staaten können sich in sieben der wichtigsten Rohstoffe selbst versorgen und können, bei entsprechender Vergrößerung der einheimischen Produktion, auch in fast allen anderen Rohstoffen selbstgenügsam werden. Nur bei sechs Pphstüffen: Kautschuk, Chrom, Zinn, Antimon, Nickel und Mangan sind die USA. heute auf Einfuhr angewiesen. Das Britische R e ich muß gleichfalls sieben von den für die Kriegführung unentbehrlichen 22 Rohstoffen einführen, und zwar: Erdöl, Baumwolle, Quecksilber, Antimon, Kali, Phosphate und Schwefel. Rußland muß gleichfalls bloß sechs Rohstoffe einführen. Anders ist die Situation von Deutschland, Italien und Japan. Deutschland ist auf Einfuhr von 18Rohstoff«n^ die für die Kriegführung unentbehrlich sind, angewiesen; Italien aus die Einfuhr von 15, I a p a n auf die Einfuhr von 14. Es ist interesiant, daß Frankreich, obschon die zweitgrößte Kolonialmacht der Welt, gleichfalls auf die Einfuhr von 14 Rohstoffen von den 22 angewiesen ist. Man sieht also, daß die sieben Großmächte des Erdballs in ihrer Rohstoffversorgung in zwei ungleiche Gruppen geteilt sind, von denen die eine über fast alle Rohstoffe verfügt(USA, Britisches Reich, UdSSR.), während die ander« im wesentlichen auf die Einfuhr angewiesen ist. USA und das Britische Reich ergänzen einander in der hält dadurch ein politisches Aussehen. Vor einigen Schaufenstern der„Galeries Lafayette? sammeln sich Menschen an. Die Streikenden haben ihre Forderungen angeschlagen.„Voilll— pourquoi nouz lut- tons." Da stehen die Lohnforderungen: Mindestgehalt für Männer 1200 Franken und für Frauen 1000 Franken pro Monat, für Jugendliche unter 16 Jahren 500 Franken und 16 bis 20 Jahren 800 Franken; dann ein gestaffelter bezahlter Urlaub und verschiedene andere gewerkschaftliche und betriebliche Forderungen. Hoch oben auf dein Dachgarten sitzen die Streikenden, lesen und spielen, unten, an den Personaleingängen steht Kontrolle für die Ein- und Ausgehenden. Der Betrieb ist hier rege, es ist Mittagszeit. Nahrungsmittel werden gebracht. Und so wiederholt eS sich an allen besetzten kleineren und größeren Betrieben. An den Toren die Kontrolle. Hier und da wehen Trikolore und rote Fahnen. Einige Anschläge, die über Streikforderungen und Betrieb-Verhältnisse Auskunft geben. In den letzten Tagen find noch Sammelbüchsen hinzugekommen: Für die Verpflegung der Streikenden. Schon hat die Neugier der Passanten nachgelaffen. Man erwartet die Wiederaufnahme der Arbeit. Noch aber feiern viele Betriebe, deren Ordnung und Sicherheit allen aufgeregten Gerüchten zum Trotz wohl niemals besser war als gerade jetzt, da sich die Arbeiter Tag und Nacht in ihnen bewegen. Stefan Stralsund. den Fenstern einige Streikende. Die großen Gebäude machen einen verlaffenen Eindruck. Gehen wir weiter,— die Avenue de la Opere entlang nach der Oper hinüber. Unterwegs liegt ausgestorben ein Einheitspreisgeschäft»Monoprix". Auch hier das eiserne Eingangsgitter verschlossen. Einige bunte Plakate kleben an den Scheiben:„Rouveautks d'Lte"— Sommer-Neuigkeiten. Ob damit wohl der Streik und das verschlossene Tor gemeint sein mögen? Jedenfalls, die Plakate lügen nicht, der Streik hat das Interesse für die letzten Hutmodelle für einige Tage in den Hintergrund geschoben. Einige Schritte wefter ein Kaffeehaus. An der Tür ein Zettel:»Geschloffen wegen Streik des Personals". Die großen blanken kupfernen Kaffeemaschinen stehen verlassen im kahlen Raum. Am Büfett lehnen einige Angestellte und schauen heute geruhsam durch di« Scheiben hinaus auf den Verkehr. Hinter der Oper liegen die großen Magazins „Printemps" und die„Galeries Lafayette". Auch in dieser Gegend herrscht beinahe Feiertagsbetrieb. Es fehlt die unabsehbare Menschenmenge der herein- und herausströmenden Besucher. Nur zahlreiche Zeitungsverkäufer rufen ihre Zeitungen aus. Fast alle Parteien find vertreten und das Straßenbild er» sächsischen Reiche zusammen nahezu selbstgenügsam sind. USA können die Briten mit Erdöl und Baumwolle versorgen, während die Amerikaner aus dem Britischen Reich Kautschuk, Nickel und Wolle erhalten können. Die reichsten Rohstoffgebiete des Erdballs befinden sich unter der Herrschaft der Angelsachsen. Auf die beiden angelsächsischen Reiche entfallen über 60 Prozent der industriellen Produktion und über 75 Prozent aller Mineralvorräte der Erde. Ein englischer Kenner der internationalen Rohstoffwirtschaft, Prof. T. H. H o l l a n d, schließt sein gleichfalls unlängst erschienenes Buch„Die Mineralsanktionen" mit der Bemerkung: Nur die beiden angelsächsischen Nationen find imstande, lange Zeit einen Krieg mit Hilfe ihrer eigenen Rohstoffe zu führen. Die Angelsachsen seien also, meint der englische Professor, wohl vorbereitet, sowohl für den Krieg als für die K r i e g s v e r hütung. Falls sie einer kriegführenden Nation ihre Mineralvorräte verweigern, werde diese Nation nicht lange«inen Krieg führen können. DaS ist zweifellos richtig, es fragt sich nur, ob di« ,-beiden angelsächsischen Nationen" oder vielmehr ihre herrschenden- Schichten tatsächlich an- der Verhütung des Krieges'Interessiert find. Vie Rohstoffvorräte entscheidend im nächsten Kriege Volkswirtschaft und Sozialpolitik Welthandel nur langsam vorwärts Im Gegensatz zu der Entwicklung der industriellen Weltproduktion, die Ende 1935 schon über den Umfang des Hochkonjunkturjahres 1929 hinausgckommen ist, kann sich der Welthandel nur schwer von den Rückschlägen erholen, die er durch die Weltwirtschaftskrise erlitten hat. Das wird erneut durch die Berechnungen des Statistischen Reichsamtes in Berlin über den Welthandel im ersten Vierteljahr 1936 bestätigt. Danach hat der Welthandel gegenüber dem letzten Vierteljahr 1935, in dem eine etwas raschere Erholung zu verzeichnen war, wertmäßig- sogar wieder einen Rückgang zu verzeichnen. Im Vergleich zum ersten Vierteljahr 1935 ergibt sich im ersten Vierteljahr dieses Jahres weiter eine Zunahme. In 52 Ländern, die von den Berechnungen des Statistischen Reichsamtes erfaßt werden, ist der gesamte Umsatz ihres Paris, Anfang Juüi 1936. »Die Arbeiter halten di« Betriebe besetzt",— die Meldung klingt nach Panik und Chaos, nach Ge walt und nach Terror. Und es gibt reaftionäre Dun kelmänner genug, die solche naiven Vorstellungen mir Bedacht zu verbreiten suchen. Solche Versuche und Spekulationen aber stehen auf schwachen Füßen. So sehr man sich auch bemühte, den in den Betrieben verharrenden Arbeitern Gewaltmaßnahmen anzudich ten, so sehr mußte man bald damit Schiffbruch er leiden. Panik und Chaos gehören seit je nicht zu den Dingen, die bei den arbeitenden Massen in Gunst stehen,— ihr Kampf steht nicht im Zeichen des ChaoS, sondern in dem der Ordnung, einer neuen und gerechten Ordnung. In einzelnen Betrieben geben die Belegschaften genau acht, daß die Direk tion nicht unkontrollierte Afte vornimmt, daß sie ihnen nicht einen Sabotageaft vorsetzt und da,'n in die Schuhe zu schieben versucht. Es ist eine elemen tare Wahrheit: nirgends findet man eine fester« und kameradschaftlichere Disziplin als bei der freitm'ligen Einordnung der in den Kampf getretenen Arbeiter massen. Die französischen Betriebsbesetzungen der letzten Tage zeigten das von Neuem mit besonderer Eindringlichkeit. Wenn irgendetwas in diesen gespannten Tagen ^chaotisch" war, so war es daS Wetter. Diese ersten Junitage waren ein Rückfall in den Herbst. Der Juni begann mit einem echten Novemberwetter, mir Kält«, Wind und Regen. Es schien, als hätte sich der Himmel gegen die Streikenden verschworen, als wolle er ihnen den Kampf noch erschweren. Drau ßen, am Ende von Paris, saßen Arbeiter auf einer besetzten Baustelle verfroren und naß in einem dürf tigen Bretterbau. Der Wind pfiff. Die Stimmung blieb davon unberührt. Nachts brannte ein helles offenes Feuer. An einem Mast wehten die Trikolore und eine rote Fahne. Hin und wieder aber kam tags über doch die Junisonne hervorgekrochen, Straßen musikanten fanden sich ein und vertrieben den Strei kenden die Zeit. Nässe und Kälte waren schnell ab geschüttelt. Einige versuchten sogar einen baskischen Tanz. Man wartete auf den Delegierten, der über die Lage berichten sollte. Wir gehen durch Paris. Am Boulevard Ras- pail ist das Tor des großen Gebäudes von Hachette — daS Herz des Pariser Zeitungsvertriebes— ge schloffen. Als dieses Tor zufiel, fielen tausend an dere mit zu: die der Zeitungshandlungen und der Kioske. Paris blieb am folgenden Morgen ohne Zeitungen. Nichts bemerkenswertes ist am besetzten Hachette-Gebäude zu sehen. Hinter dem großen Eifentor spielt eine Ziehharmonika flotte Melodien. Die Belegschaft tanzt, die schlürfenden Tanzschritte vernimmt man auf der Straße. In der Gegend der großen Warenhäuser herrscht fast Feiertagsruhe. Stille liegt um die Häuserblocks der Kaufhäuser»La Voile Jardiniöxe" und»Samaritäine". Hier geraten wir in der Rue de la Monnaie auf offener Straße in eine Versamm lung der streikenden Warenhausbelegschaft hinein. Vom Dach eines Taxi herab erstattet ein Gewerk schaftsvertreter Bericht. Er sprüht über die For derungen der Streikenden und betont immer wieder: keiner dürfe entlassen werden. Er ermahnt die Ver sammelten zu Disziplin und zu Vertrauen für die gewählten Delegierten. Es kommen Zwischenrufe: »Wir wollen alle zu den Verhandlungen gehen oder wollen eine größere Delegation schicken I" Der Red ner rechnet der Versammlung vor, wieviele Kilometer die Menschenschlange lang sein würde, falls alle Streikenden nach dem Verhandlungslokal ziehen woll ten. Man lacht. Dann noch eine Mahnung: Drszt- plin und»Pas du politique!"— keine Politik, es geht bei diesem Kampfe um rein wirtschaftliche und gewerkschaftliche Fragen. Danach steigt der von den Verkäufern gewählte Delegiert« auf das Taxi: Man werde kämpfen bis zum Siege,—» vor allem aber werde man auch Disziplin zu halten wissen.„Disci- pline, camerades, disciplinel" Die. Redner fahren im Taxi davon, die Menge verläuft sich in Ruhe. Am Kaufhaus Louvre, einige Schritte weiter, find die eisernen Rolläden Heruntergelaffen. An den Eingängen stehen einige Neugierige, hier und da an jLiohstoffversorgung, so daß die beiden angele Ost und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter in reichem Maße in der „Freien Gemeinde“ Redaktion und Verwaltung. Prag XII.» Fochova 62/V. Außenhandels von 21.4 Milliarden Reichsmark im ersten Vierteljahr 1935 auf 22.6 Milliarden im ersten Vierteljahr 1936 gestiegen. Die Umsatzerhöhung macht demnach 5.9 Prozent aus. Die Einfuhr in diese Länder stieg von 11.3 auf 12 Milliarden RM oder um 6.4 Prozent, die Ausfuhr von 10 auf 10.6 Milliarden RM oder um 5.3 Prozent. Die Ausfuhrerhöhung war demnach nicht so stark wie die Einfuhrerhöhung. Bemerkenswert ist, daß die Erholung in de« europäischen Ländern langsamer vor sich geht alS in den außereuropäischen. So beträgt die Zunahme der Einfuhr in 26 europäischen Länder« vom ersten Vierteljahr 1935 zum ersten Vierteljahr 1936 5.7 Prozent» bei 26 außereuropäische« Ländern aber 7.7 Prozent. Die Ausfuhr stieg in der ersten Gruppe um 2.6» in der zweiten Gruppe der außereuropäischen Länder aber um 8.4 Pro- zent. Liegt der Umsatzwert im ersten Vierteljahr 1936 für beide Gruppen zusammen um 5,9 Prozent höher, so beträgt die mengenmäßige Zunahme nur 1.6 Prozent. Damit erreicht der Welthandel im Jahresdurchschnitt mengenmäßig etwa kaum 80 Prozent seines Höchstumfanges im Jahre 1929, während er dem Werte nach noch immer erst bei unter 40 Prozent des gleichen Jahres angelängt ist. In den 52 Ländern nahm der Welthandel dem Werte und der Menge nach im ersten Vierteljahr der nachstehenden Jahre folgende Entwicklung(1929 ist gleich 100): Werte Mengen 1. Vierteljahr 1932 41.4 78.2 1. Vierteljahr 1933 34.2 73.6 1. Vierteljahr 1934 33.4 74.9 1. Vierteljahr 1935 32.2 74.6 1. Vierteljahr 1936 34.1 75.8 In den europäischen Ländern hat die Ausfuhr wertmäßig nur wenig zugenommen. Verhältnismäßig am stärksten ist sie in den Agrarländern gestiegen, während sie in Frankreich, den Niederlanden, Rußland und Italien zurückgegangen ist. Obwohl Italien keine Ausfuhrstatistik mehr veröffentlicht, ist es ganz zweifelsfrei, daß seine Ausfuhr einen starken Absturz erlitten hat. An d«sr Einsuhrstetgsrung der europäische« Staatmd^ nehmen mit Ausnahme Deutschlands, der Schweiz und Spanien alle anderen Länder teil. Steigen der Hypothekarverechuldung Die Hypothekarverschuldung hat allein in Böhmen von27MilliardenKronenim Jahre 1928 auf 48 Milliarden Kronen im Jahre 1935 zugenommen. Dazu muß freilich bemerkt werden, daß der Löwenan-. teil dieser Zunahme noch auf die Jahre vor dem Ausbruch der Krise und auf dem Baumarkt fällt. In der Tschechoslowakei war die Bautäfigkeit bis zum Jahre 1931 sehr umfangreich. Erst in den folgenden Jahren ging sie zurück, um dann im Jahre 1934 und auch 1935 beinahe sttllzuliegen. Erst in den allerletzten Wochen macht sich wieder ein stärkerer Aufschwung bemerkbar. Es werden auch von den zuständigen Finanzierungsstellen jetzt wieder Bau- und Hypothekarkredite in normaler Weise zur Verfügung gestellt, allerdings erst dann, wenn die Sicherheit und die Rentabilität eingehend geprüft worden ist. Ce«ell Von M. Djavachischviü „Chatuta, erzähle dem Gast ein Märchen... Chatuta schien darauf gewartet zu haben. Sie setzte sich zu meinen Füßen, stützte die Ellbogen auf die Knie, vergrub das Kinn in die Hände, starrte mit ihren kohlschwarzen' Augen in die meinen und begann, sich hin und herwiegend, mich einzuschläfern. Chatutas reglos hastender Blick, ihr Lächeln und ihre Stimme, gleichmäßig und tönend wie das Plätschern eines Bächleins, verschlossen meine Lider mit Schlummer und hüllten alles in eine undurchsichtige Wolke. Die Augen fielen mir zu und ich wiegte mich wie Chatuta hin und her. Plötzlich unterbrach sie die Erzählung und änderte den Rhythmus. Ich öffnete mühsam das eine Auge. Djurcha lächelte Chatuta zu und bat sie flüsternd:«Es ist doch mein Bruder... schäme dich nicht..." Wer Chatuta war verlegen. Sie verdeckte das Gesicht mtt den Händen und wehrte sich leise:„Ich kann nicht Für dich hab ich mein Zicklein geweidet. Damit ich„Cacali" erfüllen kann." Ich unterbrach das Lied:„Chatuta, was bedeutet»Cacali'?" Im dunklen Winkel brach Mzekale in Lachen aus. Nach ihm Jamze. Aus Djurcha gurgelte das Lachen wie eine, Fontäne. Das Mädchen sprang völlig verwirrt auf und lief davon. „Djurcha, was ist.Cacali'?" Wermals Gekicher und Verlegenheit. „Ich sag dir'S dann, Vadjiko. Wenn du schlafen gehen willst, so..." „Ach, lieber Djurcha, freilich will ich schlafen gehen." „Nun, dam. komm, ich bette dir auf dem Dach auf. Fürchtest du nicht die Kälte?" „Nein, ich habe doch die Burka." Djurcha geleitete mich die innere Treppe auf daS flache Dach hinauf, lachte noch eine W«ile und stieg wieder hinunter. Noch einmal streckte er den Kopf durch die Dachöffnung und rief mir zu:„Nur keine Angst, Vadjiko l" Was soll das heißen? Wovor soll ich Angst haben? Worauf bereitet er mich da vor? dachte ich, während ich die Kleider ablegte, die ich drei Tage nicht vom Leib bekommen hatte. sam wie ein Schleichender zum Dach heraus. Ich öffnete die Augen... Dunkle, stille Nacht. Unweit von hier ragten unbeweglich dl« Berge wie schwarze Riesen empor. Und in der Ferne die kaukasischen Gipfel in weißen Burkas, als stünden sie Wache. Am tiefblauen Himmel glänzten unzählige Sterne. Plötzlich fällt em Schatten auf mein Lager. Ich hebe den Kopf und sehe. Jemand beugt sich über mich.„Chatuta!"„Pst... still!" Das Mädchen ist nackt unter der Burka. Trübe blitzt di« Klinge des Kindschal auf. Ein Augenblick— und Chatuta schlüpft zu mir unter den Pelz. „Chatuta! Meine Chatuta!" „Still, sag ich! Schweig!" Sie krümmt sich und zittert und ihre Zähne schlagen wie im Fieber aufeinander. „Bist du es, Chatuta? Warum hast du den Kindschal mit?" „Rühr mich nicht an! Ich bin gekommen, um das„Cacali" zu erfüllen. Ich komme zu dir, da du mit Djurcha aus einem Sibberbecher getrunken und einen brüderlichen Schwur geschworen hast." Ich näherte mich ihr und spürte den— blanken Kindschal. Er lag zwischen unS und in seinem harten Schweigen war etwas Furchtbares. Jetzt begriff ich alles. Ich erinnerte mich Chatutas Geflüster und ihres verschämten Liedes, Djudchas Warnung und jener merkwürdigen Chewsuren-Sitte, von der ich einmal erzählen gehört habe— jenes grausamen.Cacali', ein zartes, aber tödlich strenges, nationales Gebot — der höchste Ausdruck brüderlicher Liebe für den willkommenen Gast. Bis heute weiß ich nicht, ob es nur ein barbarischer Brauch oder etwas Uebermenschliches ist. Etwas Göttliches oder Satanisches. Der Chewsure.schickt dem Gast seines Stammes oder dem, mit dem er sich verbrüdert hat, nachts ein ihm nahvevwandtes Mädchen aufs Lager. Aber beim Morgengrauen muß sich dieses Mädchen unschuldig, uicherührt erheben. Der Kindschal ist die schreckliche Mahnung, die Grenze, di« nicht überschritten werden darf. Ich erkannte jetzt auch ohne Erklärung den qualvollen Brauch und wagte eS nicht, Chatuta zu berühren. - Beim Morgengrauen erhob sie sich unberührt, doch... vermochte sie kaum aufzustehen. Wir hatten das groß« Kreuz quälender Lust auf uns genommen und einander völlig entkräftet. Als sie sich anschickte, fortzugehen, streckte ich die Hand nach ihr aus:„Bleib, Chatuta! Warte... Zeig dich..." Die Burka fiel wieder auf mich. Der Mond stand schon ttefer am Himmel. Neugierig blickten uns die Sterne an und ich flüsterte auf den Knien wie im Gebet:„Geh nicht fort,«Chatuta!" „Es ist kaü, Vadjiko, kalt..." Und sich in die Burka hüllend versengte sie mich noch einmal mit ihren müden Lippen und eilte fort. (Aus dem Georgischen von Julius Mader.) Nein.. ich schäme mich, Djurcha... Ich schäme mich..." „Mädchen", rief Djurcha, ,Welche Ikon zürnt dir heute?" Da sprang Chatuta auf und griff nach dem Saiteninstrument. Dann setzte sie sich wieder zu meinen Füßen und begann zu singen: „Seit der Kindheit künden mir die Sterne Das Lager erwartete mich: zuunterst ein Bärenfell, statt der Decke ein Schafpelz und als Kissen drei zusammengerollte Häute. Ich legte mich hin und schloß gleich die Ueber den heimatlichen Bergen deine Ankunft, I Augen. Da schien es mir, als stiege jemand behüt- Seite 6 Prager Zeitung Kinderfest in Sanopz * Es war ein hübscher Gedanke der Anstaltsleitung, alle im Sanatorium ,, Sanopz" geborenen Kinder zu einem Kinderfest einzuladen, das zugleich ein Fest der Mütter war. Es war das keine Kleinig feit über zweieinhalbtausend Kinder sind seit dem Jahre 1923 in dieser Anstalt zur Welt gekommen und an alle ist die Einladung ergangen. Vor einer Woche schon sollte das Fest stattfinden, aber da machte das schlechte Wetter einen Strich durch das Programm. Trotzdem waren viele herbeigekommen, welche die Radiobotschaft nicht mehr erreicht hatte, manche von weither, von Bodenbach zum Beispiel, und auch manche darunter, die wirklich die Sparpfennige für diese Reise hatten zusammensuchen müssen; denen hat die Anstaltsleitung das Reisegeld für die vergebliche Fahrt und auch fürs Wiederkommen großzügig gespendet. Und an diesem gestrigen Samstag strahlte nun endlich einmal der richtige blaue Gartenfesthimmel, fast zum ersten male in diesem Regenjahre, und alle Bemühungen wurden belohnt. Regisseur Kovářík vom Weinberger ,, Sozialdemokrat" Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Falscher Kolonialwarenhändler. Gestern wurde der 40jährige Handlungsgehilfe Josef Novak aus Potschernik verhaftet, der verschiedene Kolonialgroßhandlungen dadurch geschädigt hatte, daß er unter der Vorspiegelung, er wolle in Hostoun ein Kolonialwarengeschäft errichten, größere Warenlieferungen bestellt und nicht bezahlt hatte. Die Waren hatte er sofort verkauft und das Geld für sich verwendet. Zusammenstoß. In der Russischen Straße in Wrschowiz stieß gestern vormittags das Auto des Miroslav Tichota aus Michle mit dem Fahrrad des ommerfrische Somm Sonntag, 14. Juni 1936. Nr. 139 Sonntag, den 14. Juni, alle Genossinnen Marlé, dazu Frau Me II e r wußten aber auch der Zweitrangigkeit der Rolle den Reiz künstlerischer und Genossen zum Leistung abzuringen. Die Inszenierung ie b I s war sauber. fr. Kindertag Strahover Klosters)! Deutsche Musik- Akademie. Donnerstag, den 18. d., 20 Uhr, Interner Abend der Schauspielklasse im am Pohořelec- Turnplatz des DTI( oberhalb des Saale des Lyzeums. Ausstellung der Bühnenbildklasse im Hörsaal 5, Prag II, Vladislavová 23, Don nerstag, den 18. d., 4 bis 6 Uhr. Eintritt frei! Die Kinder erhalten eine Jause. Für einfache Verpflegung während des Tages ist vorgesorgt. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Sonntag 28: um pacivagabundus. B 1. Wir laden die Erwachsenen ein, schon Sonntag Montag 28: Der heilige Antonius, früh zu kommen, jedenfalls aber am Nachmittag. volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben. Bringet viele Kinder mit, möglichst auch solche, die Dienstag halb 8: Katarina Ismailowa, noch nicht in unseren Organisationen erfaßt sind! A 1. Mittwoch halb 8: Glück muß man ha Kinderfreunde Prag. Atus Prag. ben, B 2. Donnerstag halb 8: Fra Dia volo, E 2.- Freitag halb 8: Gyges und sein Ring, Festspiele VIII, Gastspiel des Burgtheaters Wien D 2.- Samstag halb 8: 2 um pa- gibt, ist dem Film als Besonderheit nachzurühmen. civagabundus, C 1. Sonntag halb 8: In der Regie und in der Darstellung zeigt er feine Der Rosenkavalier, Festspiele IX, Gast- ungewöhnlichen Qualitäten. ―eisspiel Erich Kleiber, D 1. M Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute ADLERBAUDE Gonntag 8: Das große ABC:- Montag: Nesselfleck im Adlergebirç gen Urania- Rino geschlossen. Dienstag 8: Salzburg aus Die lustigsten Komiker Konstantin, Thimig, Linbertauft.- Mittwoch 8: Eine Frau ohne heute 4, 6, 49. jonit 26 und 9 Uhr. in eine Dummheiten, Mama!" Bahnstation Geiersberg und Lichtenau, in wald- Bedeutung. Donnerstag 8: Das große reicher, romantischer Gegend. Gute bürgerliche AB C, Bankbeamte II und freier Verkauf. Frei Küche, 5 Mahlzeiten täglich. Pensionspreis 22 Kč tag 8: Salzburg ausverkauft. höfen. Verlangen Sie Prospekte. Adresse: Verwal- 8: Menschen auf der Eisscho II e. tung der Adlerbaude", Nesselfleck, Bezirk Senftenberg( Adlergebirge). aus der Partei Gladinheater dem Bahn- Camstag aus der Staatsflagge wurde es eröffnet; von drei Mädchen und drei Knaben wurde die Flagge herangetragen und unter den Klängen der Staatshymne wurde sie aufgezogen. Deklamationen und hübsche Tanzvorfüh rungen von Sanopz- Kindern" auf einer improvi sierten Parkbühne, ein Kasperltheater und ein Marionettentheater, in dem sogar Voskovec und Werich" in getreuer Nachbildung auftraten, ein buntes Lebkuchenhäuschen aus dem Märchen und eine Reitbahn mit richtigen gesattelten Ponys boten Kinderfreuden genug. Limonade, Kaffee, Schokolade und Kuchen gab es auch als freie Bewirtung für alle Gäste. Sogar ein lebendiger Storch aus dem 300 war da als ,, Lieferant der Anstalt". Und wenn man diese fünfhundert Kinder sah, die zum " 3467 Bäckergehilfen Josef Heres aus Prag- Weinberge zu ſammen. Heres wurde vom Rad geschleudert, wobe: ihm mehrere Vorderzähne ausgeschlagen wurden; außerdem erlitt er eine Gehirnerschütterung. Er wurde auf die Klinik Jirasek gebracht. Kunst und Wissen Aida war gestern als Gast im Deutschen Theater 3inta Kunc von der Nationaloper in Agram. KURANSTALT REICHENBERG ie Gängerin verfügt über einen richtigen in die Physikal. diätet. Hellmethoden 9 Schrothkuren Mäßige Preise- Chefarzt Dr. J. Neugebauer Feste gekommen waren, so kann man sagen: die Anstalt und erst recht die Mütter können mit dem Lieferanten zufrieden sein; ob er Nachbestellungen erhält, ist freilich eine andere Frage. Jedenfalls: es war eine Freude, diese Kinderschar zu sehen wie Blumen waren sie anzusehen in ihren bunten Sommerkleidchen auf dem grünen Rajenteppich. Immer, wenn man viele frohe Kinder beisammen sieht, denkt man: wieviel Zukunft wächst da heran und welche? Präsident Masaryk hat einmal in einer Ansprache vor Kindern gesagt: Vielleicht ist unter euch ein künftiger Präsident der Republik." Die Jungen hörten es voller Stolz und mancher wünschte gehobenen Herzens, der gemeinte fünftige Präsident zu sein. In ähnlichem Sinne fönnte man vor jeder Kinderschar fragen: Wer unter euch wird einmal die ganze Welt kennen? Und aus welchem Verdienste? Vielleicht schmücken einmal Gedenktafeln das Sanopz- Portal, Ehrentafeln mit Namen, deren Träger dieses Sanatorium ihr Geburtshaus nennen aber wie weit greift das schon über unsere Zeit hinaus! Lassen wir unsere Gedanken lieber bei dieser sonnigen Junistunde, in der die Kinder noch Kinder sind, in der sie glücklich sind, ohne es zu wissen, nein, weil sie es nicht wissen. Und darüber, daß sie den Kindern diesen glücklichen Tag bereitet hat, darf sich die Anstaltsleitung mit den Müttern, mit allen ihren Gästen freuen. Leuchtgas. In einer Wohnung des Hauses Nr. 25 in der Fochstraße wurden gestern die 72jährige Marie Schulz und ihr 34jähriges Dienstmädchen Aloisie Hoznoura mit Leuchtgas vergiftet aufgefunHöhe strebenden und wirklich dramatischen Sopran, etwa zwischen G und C, über prachtvolle, enorm große Töne, die die großen Ensembles mühelos über strahlen und errang sich damit( und übrigens auch mit sehr feinen und flaren Kopftönen) im ersten Aft einen außerordentlich starken Publikumserfolg. Da diesem Gastspiel aber vermutlich Engagementabsich ten zugrundeliegen, dürfen die dieses Licht begleitenden Schatten nicht übersehen werden; die schlecht geſtützte Mittellage ist stellenweise recht unergiebig, neben den schön gesungenen Phrasen gibt es solche von auffallend mangelnder Noblesse; und zu den gejangstechnischen Mängeln gesellt sich solche des Ausdrucks und nicht zuletzt der Darstellung, die erklären, daß das zuerst begeisterte Publikum nach der Nil- Arie bereits ziemliche Enttäuschung erkennen ließ. Angesichts der Bedeutung des Fachs, das zu bejeßen es gilt, taucht vor allem die Frage auf, wie diese Künstlerin in anderen Aufgaben bestünde; möglich, daß schon eine zweite Verdi- Partie sie nicht genügend gerüstet fände; und erst recht wäre unseres Erachtens zu überprüfen, ob diese Sängerin insbe sondere für Wagner an unserer Bühne, die ja auch sprachlich und stilistisch Forderungen zu stellen bat, überhaupt in Betracht käme. Wir empfehlen also sehr einen zweiten Versuch in einer der erwähnten Rich tungen. Zweiter Gait des Abends war Magda Spiegel, die jahrelang am Frankfurter OpernMOORBAD KUNNERSDORF Der Film Baboona поя Aus Kenya, Uganda und Tanganjika( dem ehemaligen Deutsch- Ostafrika) stammen die Bilder die ses Expeditionsfilms, den das amerikanische Ehepaar Deutsche sozialdemokratische Juristenvereinigung, Gruppe Prag. Am Dienstag, den 16. Juni 1936, findet in den Räumen des Parteiheims, Národni 4, ein Vortrag des Genossen Dr. Egon Sch wel b über„ Das Arbeitsrecht des Superrevi sionsentwurfes des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches" statt. Beginn pünktlich 8 Uhr abends. Gäste willkommen! Johnson von einer Flugzeugreise heimgebracht Filme in Prager Lichtspielhäusern hat. Es sind Bilder aus der Luft und von der Erde, Aufnahmen der Bergriesen Kenya und Kiliman dscharo, vom Rudolfsee an der abessinischen Südgrenze, von Steppe, Busch und Urwald, von ZwerBesuchet die Felsenstädte Weltberühmt als einzig dastehende Sandsteingebilde. Die Naturdenkmäler zählen zu den beliebtesten ReiseSommerfrischen zielen tausender Touristen. Herrlich angelegte Bäder- Hotels: Felsenstadt Adersbach Eisenhammer, Wekelsdorf. Prospekte durch die Felsenverwaltungen. 3496 Urania:„ Keine Dummheiten, Mama." Thimig, Ullrich, Konstantin. Adria:„ Der Zauber der Mais länder Oper." Hutchins. A. Alfa:„ Moderne 3eit." Chaplin. A. Avion:„ Der Klosterjäger." D. Beranek:„ Vorstadt- Varieté." D. Fenix: „ Nachtfalter." A. Flora: Traumulus." Jan" Wekelsdorf und Adersbach nings. D. Gaumont:„ Drei bengalische Reiter." A. Hollywood:„ Der Klosterjäger." D.- Hvězda: Traumulus." D. Julis:„ Liebeserwachen." D. Kineman: Journale, Grotesken, Reportagen. Kotva B 36: Soruna: Journale, Grotesken. Berge in Flammen." D. Lucerna:„ Flucht vor der Unterwelt." A. Metro:„ Baboona." Afrikafilm. A. Passage:„ Liebeserwachen." D. Praha:„ Maskerade." P. Wessely. D.- Radio: „ Eine Stunde mit dir." Chevalier, MacDonald. A. Staut:„ Charlie Chan in Aegypten." Warner Oland. A. Světozor:„ Baboona." Afrifalm. A. gen, Negern und Raubtieren, eine bunte Szenenfolge, deren System der Zufall des günstigen Wetters und der guten Landungsmöglichkeiten, nicht aber die belehrende Absicht oder ein wissenschaftlicher Forschungsplan war. Die interessantesten Stücke dieser unterhaltsamen ostafrikanischen AnsichtenReihe sind die Bilder vom Familienleben der Löwen, vom Kampf der Schwarzen mit einem Nashorn, von den kindlich fröhlichen Pygmäen, und vom Leben der Baviane( deren heimischer Name dem Film seinen Titel gab.) Ihre Flucht vor dem Angriff eines Leoparden, der seinerseits vor einem Wildschwein das Feld räumen muß und ihr Abwehrkampf gegen eine Meerkazenherde gehören zu den dramatischsten Partien dieses zumeist gut photograpiehrten Films und mit gestellten Sensationen weitgehend verzichtenden Films, der hier bei uns mit einem tschechischen Begleit- Tert versehen worden ist. ―eisDer Klosterjäger. Ganghofers„ Mosterjäger" hat einst phantastische Auflagen erlebt und wird von Mädchen und Frauen auch heute noch gerne gelesen. Die Verfilmung des Romanes aus den Berchtes gadener Bergen ist mit ausgesuchter Talentlosigkeit hergestellt. Die an sich recht harmlose Handlung des Romanes wird von Schauspielern dargestellt- Paul Richter spielt den Klosterjäger, die einen papierenen bayrischen Dialekt auf berlinerisch sprechen. Eine gute Type, einen schrulligen Klostervogt, stellt Eichheim dar. bei Wenn man von den schönen Außenbleibt nur eine geschmack- und humorloſe, verwickelte aufnahmen Berchtesgaden, Königssee absieht, Liebesgeschichte, in der bis zum happy end alles am alten Ganghofer noch gründlich verpaßen kann. if. Schnürl geht. Der Film lehrt, daß man auch den POSTOSCHITZ STATION KRIESDORF TELEFOSCHITZ& HEILUNG Rheuma, Gicht, Ischias, Frauenleiden. Der dztg. Wirtschaftslage angepaẞte Preise. Täglich Kurkonzerte. Tennisplatz, Kegelbahn. Herrliche eigene Waldungen, rauch- u. staubfrei. Prosp. v. Anfragen durch die Kurverwaltung. den. Der herbeigerufene Arzt stellte fest, daß die bringt Schultz bereits tot war. Ihre Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin geschafft. Die Hoz noura, die noch schwache Lebenszeichen zeigte, wurde von der Rettungsgesellschaft auf die Klinit gebracht. Ob es sich um einen gemeinsamen Selbstmordversuch oder um einen Unfall handelt, wird noch untersucht. Das 22jährige Dienstmädchen Josefa Subri aus Smichow wurde gestern früh auf die Klinik Nonnenbruch gebracht. Sie hatte sich mit Leuchtgas vergiften wollen. Das Motiv ihrer Tat ist unbefannt. nisse an. haus sich den Ruf einer der besten Altistinnen Deutschlands ersang. Noch heute imponiert ihre gister- Ausgeglichenheit und durch etliche Pfunds Amneris durch bedeutendes Gesangsvermögen, Retöne"; dennoch vermögen wir die Zweckdienlichkeit dieses Gastspiels, das manchem Widerspruch begegnet, nicht recht einzusehen. Am Pult Hans Georg Schick, dem zum Aida- Dirigenten doch noch einiges zu fehlen scheint. 2. G. chow schoß sich gestern mittags der 30jährige arbeitsAngeschossen. Im Park Na Klamovce in Smilose Schuster Franz Mikesta aus Mährisch- Ostrau zweimal in selbstmörderischer Absicht in die Schläfe. Der Schwerverletzte wurde auf die Klinik Schloffer gebracht. Das Motiv seiner Tat ist Arbeitslosigkeit. Gestern früh schoß sich der 39jährige Buchbinder Wenzel Reizinger in seiner Wohnung in Prag XII. eine Kugel in die Brust. Auf der Klinik Jirajet gab von Marcel Pagnol. Die Aufnahme der Das große ABC( Monsieur Topaze) Komödie er als Motiv seiner Tat zerrüttete Familienverhält Bagnol'schen Komödie von dem tolpatschig rührenden Rettung der ertrinkenden Geliebten verhindert. Professor, der zum gewiegien Schieber und überlege= Vorgestern mittags sprang die 26jährige Prostitu- nen Weltmann wird, gab Walter Taub Geierte Anna Neruda aus Wysotschan nach einem legenheit, sich wieder einmal in einer BallenbergStreit mit ihrem Geliebten vom Ufer in Karolinen- Rolle, als welche man den Mr. Topaze auch in Prag tal in die Moldau und ertrant. Ihr Geliebter wurde gesehen hat, zu bewähren. Die Stärke der Gestal verhaftet, da er mit einigen Personen, die die Neru- tungskraft Taubs erwies sich schon oft und erweist da hatten retten wollen, in Streit geraten war und sich auch diesmal wieder darin, daß er nicht so ihre Rettung verhindert hatte. Die Leiche der so schwer für ihn nicht wäre Ballenberg kopiert, Neruda wurde einige Stunden später geborgen und ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. In den Lichthof gestürzt. Der 21jährige Tisch Ter Josef Fiala aus Karolinental arbeitete gestern früh an einem Fenster in der Zišfastraße, als er das Gleichgewicht verlor und fünf Meter tief in den Lichthof herabfiel. Auf der Klinik Jirasek wurde festgestellt, daß er einige Rippenbrüche und einen Bruch der rechten Hand erlitten hatte. was Der Zauber der Mailänder Oper. Das ist Mutter ihr uneheliches Kind suchen muß denn sie wieder einmal ein Hollywood- Film, in dem eine hat es, nachdem der Vater im Kriege gefallen ist, einem Kloster überlassen und sieht es nach vielen Jahren als berühmten Mailänder Opernsänger wiehaltenen Tragit, und nur, daß es kein happy end der. Die Mutter, eine Pianistin, bleibt unerkannt, es kommt zu der altbekannten edelfitschigen ver " Alma: Liliom." Charles Boyer. Fr. Bajkal: Königswalzer." D. Beseda:„ Der Kosat und die Nachtigall." D. Carlton:„ Mädchenjahre einer Königin." D. Illufion:„ Eine Stunde mit dir." Chevalier. A. Konvikt:„ Herbstmanöver." D. Lido II:„ Der Mann, den ich will." Gable, Harlow. A. Louvre:„ Eine Stunde mit dir." A. Ma cesta:„ Der Mann, den ich will." A. Olympic: Die fündigen Frauen von Boom." Fr. > Ein Sapperlots- Kerl!< hat sie gesagt. Selbstredend hat sie da mich gemeint! Die I wo! Bestenfalls mich: denn ich schufte für sie Tag für Tag Nur keinen Übereifer, Jungens! Ihr wiẞt ja genau, daß wir alle drei unser Bestes tun und ihr aus vollen Kräften behilflich sind! Dreimanner<- Terpentinöl- Seife macht das Waschwasser weich; der hohe Gehalt an echtem französischem Terpentinöl entfernt den fettesten Schmutz leicht aus dem Gewebe, macht das mühevolle Reiben und Rumpeln überflüssig und schont deshalb Ihre Wäsche! waschen " denimänner" für Sie Reine Spiritus- Preßhefe sondern daß er die Figur mit seinen eigenen Mitteln neu erschafft. Er spannt den Kontrast nicht so weit, wie es Pallenberg getan hat. Er ist weder so sehr das unglückliche und ganz verhatschte Wesen vom armen Schulmeister, noch der schreiende Diktator und posierende Dandy, wie es Pallenberg war. Das Gute an der Charakterkomödie kommt aber so, unter Abschwächung der äußeren Effekte, stärker zur Geltung. Das Spiel läßt das Werden eines Charak Der elektrische Tod. Der 16jährige Schuster ters aus Welt- Erfahrung und Milieu erkennen. Das Lehrling Josef Beránek aus Žižkov ging gestern mit- Bublifum war auch sichtlich überzeugt von dieser tags in Gesellschaft einiger Kameraden auf den Auffassung des Topez und nahm sie beifällig auf. Bei Vítekberg in Karolinental. In der Nähe der Eisen- Stücken wie diesen rücken die Rollen der Partner des bahnstrecke berührte er einen elektrischen Leitungs- einen Helden" meist ins Episodische. Die Herren draht und wurde sofort vom Strom getötet. Die Schmerzenreich, Costa, Siedler, Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Poft monatlich Kč 16.-. vierteljährig Kč 48.-, halljährig Kč 96.-, ganzjährig Kč 192.-. Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. Die Zeitungsfranfatur wurde von der Bost- und Teles graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt.- Druderei:„ Orbis". Drud, Verlags- und Zeitungs- A.- G. Prag. Karin Hardt im Film ,, Liebeserwachen". Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. mit besonderer Triebkraft und höchster Haltbarkeit, garantiert reines Malzmehl und feinsten rekt, als auch denat. Spiritus liefert Rejčiner Zucker-. Spiritus- und Preßhefe- Fabrik vormals Brüder A.& H. May A.-G. Olmütz- Hojčin. 3227