Nr. 140 Dienstag, 16. Juni 1936 16. Jahrgang Etaobrtls 78 Heller '•imchlitfiiich i Haller Forte) IENTRALORGAN„ DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova a. Telefon sxn. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Der Präsident bei den Deutschen Besuch in Südmähren und in Brünn Feierliches Bekenntnis zur nationalen Eintracht Die Reise, die der Staatspräsident gegenwärtig durch Mähre» nnternimmt, hat vor allem für die Zusammenarbeit der Nationen große Bedeutung. Der Präsident wird von der deutschen Bevölkerung ebenso herzlich gefeiert wie von der tschechischen, ein Beweis dafür, wie sic in ihm den demokratischen Staatsgcdanken ehrt. Und der Präsident, der in einer deutschen Ansprache den schöne» Satz sagte, daß er es zu den Deutsche» genau so nahe habe wie z» de« Tscheche«, kommt selber immer wieder a«f die Notwendigkeit der nationale» Eintracht z« spreche».— Für sein Bestreben, mit der deutschen Bevölkerung in unmittelbaren Kontakt z« treten, ist sein Besuch bei einer Sonderveranstal- tnng des Brünner deutschen Ctadtbildungsans- schuffes Montag abends besonders kennzeichnend. Diese Veranstaltung, als Ehrung des Staatspräsidenten dnrchgcführt, hatte viele hnn-1 derte Deutscher im Deutsche« Hause versammelt. Der Festsaal war vollkommen überfüllt. Als der Präsident im Saale erschien, wurde er stürmisch begrüßt. Der Obmann des Deutschen Stadtbil- dungsausschuffes, Tr. 2 a r o l i m, würdigte 4t Der Präsident der Republik kam auf seiner Reise durch Mähren am Montag zu einem Tagesbesuch nach Brünn. Zunächst empfing er Deputationen, dann begab er sich in die Masaryk- unidersität. Auf dem Wege zur Universität wurde der Präsident von der Schuljungend und einer nach vielen Tausenden zählenden Menschenmenge herzlichst begrüßt. Prof. Dr. K r e j ö i, der Rektor der Masaryk-Universität, hieß den Präsidenten im Namen der tschechischen Hochschulen und der Deutschen Technik willkommen. Ein slowakischer Student sprach für die tschechoslowakischen und die ausländischen Studenten; er bekannte sich zu den demokratischen Idealen des Staatspräsidenten. Der Hörer, bet Deutschen Technik Fritz Kristin machte, wie sein tschechischer Kollege, auf die sozialen Schwierigkeiten der Studenten aufmerksam. In seiner Antwort sagte der Präsident u. a.: „In der heutigen schweren Zeit, in der Zeit der Desorganisierung und Desorientierung fast ganz Europas, in der Zeit der Revolutionen, der Putsche und Bürgerkriege ist unser Staat von einigen die Wiffenschaft und Kunst, die Universität, die Schule bedrohenden schweren Erscheinungen verschont geblieben. Um nns haben sich autoritative Regime gebildet, haben in die Freiheit der Wiffenschaft und der Schule eingegriffen, haben die Lehrbücher und den Geist der Menschen gleichgeschalttt und dies mit dem Interesse des Staates und der Nation begründet. Die wiffen- schaftliche Wahrheit und Freiheit der Forschung wurde bestimmten Tendenzen und der Erfüllung einzelner politischer Konzeptionen untergeordnet. Ich sehe gut einige Positiv«, die hieraus entstauben sind, und ich fühle sie, aber größtenteils geschieht das mit solchen Methoden«nd wird das so fortgesetzt, daß der Kulturmensch des 20. Jahrhunderts sich dagegen stellen muß. Und in der Sache ist das richtig... Ter Staat Kamenskys, Dobrovskhs, Palaekhs und Masaryks kämpft hier im Kampfe zwischen Materie und Geist einen siegreichen Kampf und hält das Uebergewicht des Geistes über die Materie aufrecht. Sein erstor Präsident— Euer großer Landsmann—- und der zweite Präsident, fein heutiger Ministerpräsident, eine Reihe seiner heutigen und ehemaligen Minister sind Hochschulprofefforen und vor allem «uch geistige Arbeiter. Das alles ist eine große Sache, das ist ein großes Verdienst, es liegt darin die Erhaltung unseres Staates und Volkes in den großen Krisen, die Europa heute durchlebt. Es ist dies ein Zeichen der Reife des Geistes, ein Zeichen der Moral und der Gesundheit des Geistes beim staatlichen Organismus. Es ist dies für uns auch eine berechtigte Ursache zum Stolz auf die außenpolitische Arbeit des Staatspräsidenten und deffen humanistisches, politisches und soziologisches Werk. Begeistert stimmte die Menge in das„Hoch!" ein, das er am Schluß seiner Rede auf den Staatspräsidenten ansbrachte.— Der Präsident antwortete in schlichte« Worten. Er betonte, daß er gerne der Einladung Folge geleistet habe, da er Wert darauf lege, den Betätigungskreis seiner Mitbürger überall kennenzulernen. Er habe bereits in den deutschen Gemeinden Südmährcns das gesagt, was er der deutsche« Bevölkerung zu sagen hatte. Zum Schluffe sagte er:„Wir müssen einmal aus der Geschichte die Lehre ziehen, daß nur das Streben nach den Humanitätsidealeu der Menschheit den Frieden sichern kann". Anschließend an die Rede des Präsidenten wurde ein von dem Sozialisten Alexander Stern verfaßtes Chorwerk„Durch die Nation zur Menschheit" aufgeführt, in dem Zitate aus Benes' Schriften und Reden enthalte» sind. Die Spielleitung hatte Basa Hochmann, der auch die Haupttolle spielte. Die sozialistische Jugend war an der Aufführung hervorragend beteiligt. Zum Schluß der Feier sang ein Schülcrchor die StluUshymne 4k 4» diesen Sieg des Gesetzes über die Gewalt und der moralischen Kraft über die Materie. Machen wir unS das, geschätzte Herren, wir Tschechen und Deutsche zum Grundsatz, zum Gesetz, zur defini- Ein außerordentlich reichhaltiges Prcgramm hatte der Sonntag aufgewiesen. An diesem Tage besuchte der Präsident vor allem die Geburtsstätte Masaryks, aber auch eine ganze Reihe von deutschen Gemeinden. Bei dieser Gelegenheit trat er mit der deutschen Bevölkerung, die ihn ebenso herzlich und auftichtig feierte wie die tschechische, in enge Berührung. Einigemale nahm er Anlaß, über die notwendige Zusammenarbeit der Nationen zu sprechen, dabei bediente er sich wiederholt der deutschen Sprache. Der erste Aufenthalt nach der Ausfahrt aus Brünn war in A u ft e r l i tz. Hier waren, wie übrigens auf dem ganzen Wege von Brünn nach Lundenburg, Ehrenpforten errichtet. Die ganze Bevölkerung war auf den Beinen. Nach kurzer, feierlicher Begrüßung begab sich Dr. Benes nach Tamboiice und Tschaitsch. Hier fand eine Ehrung des erstenStaatspräsidenten statt, der einmal dort gewohnt hat. Dr. Benes wies darauf hin, daß Masaryk hier das Schmiedehandwerk erlernt habe. Jeder Lebensschritt Masaryks sei das Ergebnis ehrlicher Arbeit. Masaryk, der Schmied, sei das Symbol der Demokratie geworden. Sehr herzlich begrüßte der Präsident Masaryks Altersgenossen, von denen er dem Erstpräsidenten Grüße auszurichten versprach. Dann verblieb der Präsident kurze Zeit in M u t e n i c e, wo Masaryk in seinen Kinderjahren gewohnt hat. In G ö d i n g erwartete ihn eine Ehreneskadron. Hier, in der Geburtsstadt Masaryks, würdigte der Präsident das Lebenswerk seines großen Vorgängers. Er feierte Masaryk als den Verkörperer der Einheit der Tschechen und Slowaken. Dann begab sich Dr. Benes zum Geburtshause Masaryks, dort sprach er zu den Kindern, denen er Masaryk als Beispiel hinstellte. Vom Rathaus in Göding aus ließ sich Dr. Benes mit Schloß Lany verbinden. Er grüßte Masaryk telephonisch aus seiner Heimat. Der nächste Aufenthalt wurde in L u n d e n- burg genommen. Nach der Begrüßung nahm der Präsident gemeinsam mit dem Stadtrat das Mit- tagefsen em. Zwei flowakische Mädchen führten den Präsidenten und zwei Burschen dessen Frau zur slowakischen Kirchweih, aus das Stadion.— tiven Tradition. Möge unser Staat in seine Geschichte ein für allemal auch dieses Kapitel eintragen, und zwar gerade in der Zeit, da ganz Europa in einem geistigen Chaos lebt, in welchem es vielleicht seit der Zeit der Völkerwanderung und der Religionsttiege deS Mittelalters und des Dreißigjährigen Krieges nicht gelebt hat." Rach seiner Rede wurde der Präsident von der akademischen Jugend stürmis ch gefeiert. Unter den Deputationen, die am Vormittag empfangen wurden, befand sich auch eine der deutschen Masaryk-Volkshochschule und des deutschen Stadtbildungsausschuffes unter der Führung von Dozent Dr. I a r o l i m und Prof. Dr. Hugo Iltis. Der Staatspräsident wies in seiner Antwort auf die völkerverbindende Aufgabe dieser Institution hin und auf ihre Mission im Dienste des eigenen Volkes. Eine Abordnung des Deutschen Theatervereins, bestehend aus Dir. Kramer, dem Obmannstellvertreter Neubauer, dem Genossen K a t s ch i n k a und dem Direktor T h ö r e sz, schilderte dem Präsidenten die schwierige Lage des Brünner deutschen Theaters. Der Präsident erklärte, daß er die Situation des Brünner Theaters genau kenne, da er sich fortlaufend über sie informiere. Er wies darauf hin, daß er an der Rettung des deutschen Theaters in Prag beteiligt sei und erklärte, daß er auch dem Brünner Theater helfen werde. Der Präsident emp- siNg auch eine'Vertretung der tschechischen und der deutschen Lehrerorganisatton. Montag nachmittags nahm der Staatspräsident die Huldigung der Brünner Stadtvertretung entgegen, sodann unternahm er mit dem Bürgermeister eine Rundfahrt durch Brünn. Beim Empfang in Eisgrub waren die Deutschen in großer Zahl vertreten. Deutsche und tschechische Kinder begrüßten Dr. Benes. Hier sagte er in seiner Antwort u. a. in deutscher Sprache: „Als Präsident bin ich den Deutschen wir dm Tscheche» in demselben Mäße nahe, arbeite mit ihnen im gleichen Maße loyal«nd freundschaftlich«nd sehe in dieser frcundschaftlichm Mitar- beit die wahre Grundlage einer jedm erfolgreichen Polittk in der Republik. Das möchte ich gerne den Deutschen in dieser Gegend sehr auftichtig sagen." In Feldsberg antwortete der Präsident auf die Begrüßungen ebenfalls in deutscher Sprache: «Es freut mich zu hören, daß der Stand Ihres Gemeindehaushaltes günstig ist, daß die Bevölkerung beider Rationalitäten aufrichtig«nd freundschaftlich in den Gemeindeangelegmheiten Zusammenarbeiten. Ich wünschte, daß in diesem Sinne in der ganzen Republik Tschechen und Deutsche in gegenseitiger Loyalität und in gegenseitiger Achtung miteinander gehen und Mitarbeiten. Auch wenn Ihr hie und da Schwierigkeittn habt, bin ich sicher, daß es gehen wird und daß es gehen muß," In Nikols bürg war die deutsche Bevölkerung neben der tschechischen vollzählig erschienen. Auch hier sprach der Präsident deutsch. Auf die Begrüßungen in Pohrlitz antwortete der Präsident deutsch: .„Ich danke auch für die schönen Worte, die hier namens der deutschen Bevölkerung gesprochen wurden und meiner Ansicht nach ist die gegenseitige Respektierung der Nebrrzcugungen wie auch der Nationalität der anderen die wahre Grundlage unserer Demokratie. Und so soll es auch bleiben. Zu gewaltsamen Umstürzen, bei denen man dem Gegner die Menschenwürde abstreitet und ihn dementsprechend behandelt, wird es bei uns niemals kommen. Wir werden immer mit unserer eigenen Methode, mit der demokratischen Methode der Verständigung und der Ausgleichung der Gegensätze auskommrn." „Den Deutschen wie den Tschechen in demselben Maße nahe** Und bei uns? Arbeitszeitverkürzung In Frankreich und Belgien Unter den Gesetzentwürfen, welche der tat- kräfttge französische Ministerpräsident Leon Blum in der Deputtertenkammer eingebracht hat» befindet sich auch ein solcher über die Einführung der Vierzigstundenwoche» der nun im französischen Senat beraten werden wird. Ebenso kündigt die unter starkem sozialistischem Einfluß stehende neue belgische Regierung eine Verkürzung der Arbeitszeit an. Das sind Anlässe, üm auch bei uns zulande die Diskussion über die vierzigstündige Arbeitswoche wieder aufzunehmen und diese Forderung mit allem Nachdruck zu erheben. Es ist bekannt, daß eine der Ursachen der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit die Ersetzung dec menschlichen Arbeitskraft durch die Maschine und damit die Verdrängung eines Teiles der Arbeiter und oft sehr qualifizierter Arbeiter aus dem Produktionsprozeß ist. Gerade jetzt veröffentlicht der Prager„Metallarbeiter" eine Zusammenstellung, wonach ein Arbeiter vor zehn Jahren in einer Stunde einen Kubikmeter Erdarbeit geleistet hat, heute aber vier Kubikmeter leistet, ein Arbeiter 2000 Stück Druckerzeugnisse fertiggestellt hat, jetzt aber 8000 Stück, ein anderer früher 280» jetzt aber 1800 Flaschen, vor zehn Jahren fünfzehn Glühlampen, jetzt 400 fabriziert, so daß die Ärbeitssteigerung in manchen Betrieben 300, in manchen aber zwischen 2000 und 3000 Prozent beträgt. Die Folge ist, daß die Produktion viel rascher steigt, als die Zahl der Arbeitslosen zurückgeht. 2m Jahre 1930 betrug der Produktionsinder der Welt 90.8(1928 ist gleich 100). heute aber 89.9, das heißt also, die Erzeugung hat denselben Grad erreicht wie 1930. Wie steht es aber mit der Beschäftigung? Im Jahre 1930 gab es auf der Welt 14.9 Millionen, 1938 aber 21.8 Millionen Arbeitslose. Mit anderen Worten: bei gleichem Produktionsumfange werden 1938 um 6.6 Millionen Menschen weniger beschäftig t a l s 193 0. Wie will man diese 6.8 Millionen wieder beschäftigen? Es ist ganz klar, daß eines der vorzüglichsten Mittel die Herabsetzung' der Arbeitszeit ist, die es ermöglicht, bei gleichem Produkttonsumfang mehr Menschen Arbeit zu geben, was noch dadurch gerechtfertigt ist, weil ja das Tempo der Arbeit ein viel intensiveres ist und weil der Mensch in vierzigstündiger Arbeitszeit weit mehr leistet als vor zehn Jahren in 48 Stunden. In der Tschechoslowakischen Republik haben die organisierten Arbeiter, die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie, seitdem die Krise größeren Umfang angenommen hat, für die Forderung der Vierzigstundenwoche Stellung genommen, haben innerhalb der Arbeiterschaft diese Forderung propagiert und den Regierenden immer wieder die Notwendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit als Krisenmaßnahme vor Augen geführt.' Man erinnere sich daran, daß Dr. Czech als Minister für soziale Fürsorge in seinem Exposee für die Verkürzung der Arbeitszeit eingetre- ten ist und eine entsprechende Vorlage ausgear-, beitet hat. Aber das Verlangen nach kürzerer Arbeitszeit stößt auf das Unverständnis der Unternehmer und bürgerlichen Parteien und der einzige Erfolg, der erzielt werden konnte war,'daß man bei gewissen öffentlichen Arbeiten die Vierzigstundenwoche zur Bedingung ihrer Vergabe machte und daß man in einzelnen Produkttonszweigen, zuerst in der Glasindustrie, zu einer Verkürzung der Arbeitszeit auf 42 und 43 Stunden gelangte. Die Bemühungen, die Vierzigstundenwoche internattonal zu erreichen, schlugen fehl. Seit 1933 befaßte sich die Internationale Arbeitskonferenz mit diesem Problem, es ist noch nicht gelungen, einen merklichen Erfolg zu erzielen, abgesehen von der im Vorjahre beschlossenen Konventton, wonach die Arbeitszeit in der Glasflaschenindustrie auf 40 Stunden, herabgesetzt werden— soll. Auch auf der 20. internationalen Arbeitskonfe-■ renz, die am 4. Juni 1936 eröffnet würde, wird' über die Verkürzung der Arbeitszeit in einzelnen, Produktionszweigen wie bei den öffentlichen Arbeiten, im Hoch- und Tiefbau,, in, der Eisen- und Stahlindustrie, im Kohlenbergbau und in der Textilindufttie verhandelt, aber die Unternehmer stellen sich auch da starr und einsichtslos gegen jeden Fortschritt auf dem Gebiete der Verkürzung der Arbeitszeit zur Wehr. Der Wortführer der Untcrnehmergrupp'e Oevsted.(Dänemark) hat ge- Seite 2 Dienstag, 16. Juni 1936 Nr. 140 sagt,.daß die in Aussicht genommene Maßnahme wegen der wirtschaftlichen Verhältnisse unangebracht ist" und daß seine Freunde die Verkürzung detz Arbeitszeit als Mittel zur Ueberwin- dung der Arbeitslosigkeit für unwirksam halten. Daß es sich den Unternehmern nicht um sachliche Argumente handelt, haben sie dadurch bewiesen, daß sie sich bei jedem Versuch, die Verkürzung der Arbeitszeit in einem bestimmten Lande durchzuführen, darauf berufen, daß eine solche Maß- nahme international, d. h. in allen Industrieländern zugleich getroffen werden müsse, während sie bei jedem Versuch einer solchen internationalen Regelung hervorheben, daß die Verhältnisse von Land zu Land verschieden seien. Der engstirnige llnternehmeregoismus und die Kurzsichtigkeit der bürgerlichen Parteien haben bisher Brüssel. Der erweiterte Generalrat der belgischen Arbeiterpartei hat in seiner angekün- digtrn Abendsitzung mit großer Mehrheit die Beteiligung an der neuen Regierung gebilligt. Ministerpräsident van Zeeland gab hierauf bekannt, daß damit die Regierung in der bereits bekannten Zusammensetzung endgültig gebildet sei. Die neue Regierung kann sich in der auS 202 Sitzen bestehenden Abgeordnetenkammer auf eine Mehrheit von 156 Abgeordneten stützen. In Belgien ist eine umfangreiche Streikbewegung zum Ausbruch gelangt. Der Streik, der vor zehn Tagen unter der Dockarbeiterschaft in Antwerpen begann, hat allmählich auf die Metallarbeiter in den Eisengießereien und in den Waffenfabriken in Herstal und von da auf die Bergarbeiterschaft und die übrigen Industriezweige übergegriffen. Die Ursache der Streik- bewegung sind Lohnforderungen. Die Arbeiterschaft fordert, daß die Löhne im Verhältnis zu den steigenden Preisen nach der Devalvation des belgischen Franken mindestens um 15 Prozent er- PariS. Im Laufe des Sonntags wurde der Barbierstreik beigelegt und auch der Konflikt in der Schuhindustrie geregelt. Hingegen dauert der Lohnkonflikt in den großen Kaufhäusern weiter, ebenso in der Film-Industrie, in den Versicherungen, in den Häfen und in zahlreichen kleineren Branchen. Aus vielen Städten Frankreichs wird gemeldet, daß zahlreiche Arbeiter Montags die Arbeit angetreten haben. Die Arbeiter in den großen Metall- i n d u st r^i ebe t r i e b e n in Paris und Umgebung, insgesamt rund 800.000, haben Montags bis auf kleine AuSahmen die Arbeit wieder angetreten. Auch die Bauarbeiter, aus- genonunen die Maler und Anstreicher, haben den Streik aufgegeben. Auch in zahlreichen anderen Betriebszweigen wurde die Arbeit angetreten. Streikkonflikte bestehen noch in den großen Geschäftshäusern, in den Versicherungsgesellschaften, in den DampfschiffahrtSgesellschasten, in den Docks und auf den Werften, in den Filmateliers u. a. Das technische Personal im Haus der Chemie hat die Räumlichkeiten besetzt und streikt seit drei Tagen. Die großen Rennen in Vincennes um den Preis des Präsidenten der Republik wurden wegen des Streiks des Personals in den einen wirklichen Fortschritt auf diesem Gebiete verhindert, haben also die Waffe, welche die Verkürzung der Arbeitszeit im Kampfe gegen die Krise ist, stumpf gemacht. Alle bisherigen Erfahrungen sowohl bei uns als auch in Frankreich und Belgien lehren, daß die Verkürzung der Avbeitszeit nur bei den sozialdemokratischen Parteien und den Gewerkschaften Unterstützung findet. Die Lehre, die da zu ziehen ist, liegt auf der Hand: ohne politischen Machtzuwachs der sozialistischen Parteien kein sozialpolitischer Fortschritt, kein ernstlicher Kampf gegen die Krise. Sollen die Millionen von Arbeitslosen, die es in Europa und die Hunderttausend«, die es in der Tschechoslowakei gibt, Arbeit finden, dann muß die Sozialdemokratie zur entscheidenden Macht in den Regierungen Europas werden. höht werden. Der Sonntag abends stattgefundene Kongreß der Bergarbeiter beschloß den allgemeinen Bergavbeiterstreik, der Montag vormittag» auf alle Kchlenreviere Übergriff. In Lüttich be- schlossen die Streikenden, den Verkehr auf den nach Herstal führenden Straßenbahnen einzustellen. Bisher läßt sich nicht sagen, ob sich die Streikbewegung noch weiter ausdehnen wird. Das Programm der Regierung Brüssel. Der belgische Arbeitsminister Delattre erklärte im Rundfunk, daß die Regierung folgende» Arbeitsprogramm habe: die Arbeitslosenversicherung, die Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung um 5 Prozent, die Herabsetzung der Penstons-AlterSgrenze in einigen gesundheitsschädlichen oder beschwerlichen Fachgruppe« der Industrie, Kürzung der Arbeitswoche unter 48 Stunden in gefährlichen und beschwerlichen Fachgruppen und die Erhöhung der Kaufkraft der Arbeiterbevölkerimg. Pferdeställen auf den September verlegt. Neue größere Streiks werden aus Lyon gemeldet. Der Zentralexekutivausschuß der kommuni- stischm Partei hat mit Dank in seiner samstägigen Sitzung die Worte seine» Generalsekretär» Thorez entgegengenommen, daß es notwendig sei, den Streik zu beenden, nur Kardinalforderungen zu vertreten und em Kompromiß herbeizu- führen. Man dürfe keine Kräfte.verlieren und müsse auftührerische Kampagnen und eine Panik verhindern. Munitionslager explodiert Tallinn. Montag vormittags ereignete sich in der Nähe von Tallinn ein schwere» Explo- fionSunglück. Beim Entleeren von Seeminen flog da» Laboratorium bei den Munitionslagern in die Luft, wobei auch einige Sprengstoffspeicher explo-. vierten. Die Explosion war so stark, daß Fensterscheiben im Umkrei» von vier Kilometern geplatzt sind. Die Anzahl der Toten, unter denen sich eine große Anzahl von Reserveoffizieren befinden, wird auf etwa 25 geschätzt. Schwedische Regierung zurückgetreten Stockholm. Die beiden Kammern des Reichstage» haben Samstag abends eine Regierungsvorlage über eine Erhöhung der AlterSpen- fioncn in besonders teuren Orten abgelehnt. Nachdem der Reichstag erst kürzlich in der Bertei- digungsfrage gegen eine Regierungsvorlage entschieden hatte, hatte die Regierung die Annahme des neuen Pensionsgesetzes zur Bertraucnsfragc gemacht. Rach der Abstimmung ist die Regierung zurückgetreten. Der König hat den Führer der Bauernpartei Pehrsson mit der Bildung der Regierung ans breiterer Grundlage beauftragt. Andauern der Unruhen In Palästina Jerusalem. Auch Sonntags ist es zu schweren Unruhen gekommen. In einem großen Mietsge- bäude inHaifa, in dem viele britische Familien wohnen, ereignete sich eine schwere Explosion. Ein Araber wurde unter dem Verdacht, einen Bombenanschlag verübt zu haben, verhaftet. Er wird voraussichtlich auf Grund des neuen Sabotage- Gesetzes zum Tode verurteilt' werden.— Die Araber hören nicht auf, die Straßen und die Eisenbahnen anzugreifen. Es werden auch einige neue Angriffe gegen jüdische Kolonien in den verschiedensten Teilen des Landes gemeldet. Militärabteilungen sorgen überall für die Anfrechterhal- tung der Ordnung.— Auf der Straße Jaffa- Jerusalem wurde abermals ein Lastkraftwagen beschosien. Bei einem nächtlichen Feuerkampf zwischen Christen und Mohammedanern wurden zwei Christen verwundet, drei Moslems wurden verhaftet. 17 Arbeiter verletzt Bei einem EisenbahnunfaH Budapest. Am Montag hat sich vor dem Heizhause der Staatsbahnen ein Eisenbahnunfall ereignet, bei welchem 17 Arbeiter mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Eine Garnitur, die von einer Lokomotive geschoben wurde, geriet infolge falscher Weichenstellung auf ein Rebengeleise und stieß mit dort stehenden Güterwagen zusammen. Dabei wurde der vorletzte Wagen des Zuges, in welchem sich etwa 40 Arbeiter befanden, zertrümmert. In Kurze Wien. Da» Verbot der reichsdeutschen Zeitungen wurde neuerdings um weitere drei Monate verlängert. Athen. Reichsbankpräsident Dr. Schacht ist Montag früh nach Sofia abgereist. Santiago de Chile. Im Zentrum von Valparaiso ereignete sich Sonntag ein blutiger Zusammenstoß zwischen Angehörigen der chilenischen Faschisten und Anhängern der Linksparteien, wobei drei Personen getötet und neun schwer und viele leicht verletzt wurden. Tokio. Bei den kürzlichen Wahlen in die Ge- meindevertretung der japanischen Hauptstadt errang die sozialdemokratische Partei 21 der 112 Sitze. Bisher verfügte sie über einen einzigen. sssssssssossssssssssssWssssssssoW» Weiteres Ansteigen des Außenhandels Nach den Erhebungen des Statistischen Staatsamtes weist unser Außenhandel im resnen Warenverkehr im Mai 1936 folgende Daten aus: es betrug die Einfuhr 639,233.000 KL, die Ausfuhr 650,091.000 KL, wa§ gegenüber dem Vorjahre eine ziemliche Steigerung bedeutet. Im Mai 1935 betrug nämlich der Wert der Einfuhr 539,345.000 KL. die Ausfuhr 531,547.000 KL. Der Wert der Einfuhr ist also um 100 Millionen, der Wert der Ausfuhr fast um 120 Millionen KL größer als in derselben Zett des Vorjahres. Vergleichen wir den Außenhandel in den ersten fünf Monaten des heurigen Jahres mit dem des Vorjahres, erhalten wir folgendes Resultat: es betrug in dieser Zeit 1936 die Einfuhr 2955,462.000 KL(1935: 2404,964.000 KL), die Ausfuhr 1936: 2953,627.000 KL(1935: 2734,057.000). Es ist also die Einfuhr um rund 550 Millionen KL größer, die Ausfuhr um 220 Millionen größer als in den fünf Monaten des Vorjahres. Bildungsarbeit der tschechischen Sozialdemokratie Die„Dilniekä osvLta" bringt einen Bericht über die letztjährige Tätigkeit der„DLl- nickä Akademie", der Bildungszentrale unserer tschechischen Bruderpartei, dem wir einige Zahlen entnehmen: Danach wurden im Jahre 1935 von der Zentrale aus 6131 Veranstaltungen mit 574.495 Teilnehmern durchgeführt. Davon waren 372 Kurse, 3337 Einzelvorträge (mit 223.615 Teilnehmern) und 2104 künstlerische und sonstige Veranstaltungen. Die„DölnickäAkademie" besitzt 76Zweisst eilen(um drei mehr als 1934), davon 34 in Böhmen, 20 in Mähren-Schlesien, 15 in der Slowakei und 7 in Karpathorußland. Bon diesen Zweigstellen haben 37 noch weitere, eigene Veranstaltungen in 128 Gemeinden durchgeführt. Die Sozialistische Hochschule in Prag hatte im 1. Jahrgang 35, im 2. Jahrgang (Seminar für die Teilnehmer der 1.) 32 eingeschriebene Hörer. Außer den regelmäßigen Vorträgen veranstaltete sie 14 aktuelle Abende(jeden Mittwoch), wo vor einem breiteren Publikum über politische, wirtschaftliche und kulturelle Themata referiert wurde. Verlängerung einiger Bestimmungen der Pressegesetz-Novelle. Am 80. Juni sollte die Wirksamkeit einiger Bestimmungen der Preffenovellen Nr. 126/33 und 140/34 ablaufen. Diese Bestimmungen betreffen das Verbot der Kolportage und des Verkaufes in den Tabaktrafiken u. ä. sowie den Entzug des Post- und EisenbabnbeförderungS« Rechtes oder der TranSportbegunstigungen für einige die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährdende Zeitschriften. Da die Gründe, die zu diesen Maßnahmen geführt haben, weiter bestehen, hat die Regierung dem Senate der Nattonalversamm- lung einen Gesetzentwurf unterbreitet, durch welchen die angeführten Besttmmungen auf weitere zwei Jahre verlängert werden. Die Steuernovelle im Budgetausschuß. In der Generaldebatte über die Steuernovelle, welche Montag im Budgetaujschuß des Abgeordnetenhauses fortgesetzt und beendet wurde, sprachen der slowakische BolkSparteiler Prjinskh, der Nationaldemokrat Dr. Stüla und Nitsch(Zipser Partei). Der Ausschuß beschloß hierauf auf Antrag des Referenten Dr. Noväk, mit der Spezialdebatte Dienstag zu beginnen. Riesenstreik In Belgien Die neue Regierung im Amt Streik-Ende in Frankreich 18 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grötzsch Copyright by Eugen Pra«er-Verla«. Bratislava. „Die Seele der Steine?", fragte der junge Mann verwundert.„Wenn sie überhaupt eine haben, ist sie wohl ein wenig verhärtet, nich?" „Moritz, das Lichtgefunkel im einfachsten Glimmer— ist das hart?" Das Mädchen senfte die Stimme, denn sie schritten hinter Justus' Rücken vorüber und der hatte den Kopf herumgerissen, als wollte er sich in das Gespräch mischen. „Werfen Sie von sich alle landläufigen Vorstellungen, wenn es um das innere Leben der Steine geht, denn wir sehen ja nur* Nichts hörte Justus mehr, obwohl seine Ohreir hinter den beiden herliefen. Herrgott, die Mädchenstimme— wie kam die hierher? Bor zehn Jahren, in Wien, Maria hieß sie— es war dieselbe Stimme. Derselbe leise Alt, dieselbe Klangfarbe im Senken... Gab es dasselbe genau so zweimal? Aber diese hier, die könnte ja beinahe Marias Tochter sein.., Das Paar verschwand im Abenddunst. Bon Steinen sprechen sie, dachte Justus. Junge Menschen flüchten zur Seele des Leblosen, weil die der Menschen ver- steinte... Er hätte ihr nachgehen sollen... War es denkbar, daß eS diese Mariä noch einmal gab? Nach einer Weile erhob sich Justus, ging stromauf und bog zur Spinne ab. Der Kopf hing nachdenklich vornüber. Ein Stück hinter ihm schlenderte Moses heran. Auch sein.Kops lag nicht stolz im Nacken. Unten bei der ersten Fabrik hatte sich Eva von ihm verabschiedet, freundlich, nett und gleichmäßig wie Immer. Moses seufzte. So kam er nicht Wetter. Nachts träumte er von ihr, morgens schwor er sich, am Abend deutlicher zu werden, den Arm um ihre Hüfte zu legen— und dann fand er allemal den Mut nicht. Seit einer Woche begleitete er sie immer ein Stück nach Hause, einmal faßte er mitten im lebhaften Erzählen nach ihrer Hand. Dawar mißlungen. In ihrem Gesicht leuchtete Verwunderung auf und ihre Hand verschwand brüsk nach oben, um dort sanft übers Haar zu streichen — und zwar über ihr eigenes, blondes... Ehe er in die Eisenhandlung kam, hatte er in der Seidenbranche gearbeitet. Da lernte man Frauen kennen. Jeder mußte man den Stoff anders unter die Augen halten, jede kam mtt geheimen Wünschen, Neigungen, Stimmungen, die der Berkäufer zu erspüren hatte. Manchmal erriet es MoseS schon aus dem Gesicht— aber diese Eva... Eine Woche schon kannte er sie und nicht» wußte er von ihr, als ihren Schwarm für Steine. Ausgerechnet Steine... Liebe, nein, Liebe war das nicht! Nie wurde sie mal richtig verlegen, wenn er mit ihr sprach... Von Stein ist sie— nun gut, ich bin von Eisen! Gebettelt wird nicht... So mit einem abwesenden Mädchen hadernd» schritt er an Justus vorüber. Der sah nur Rük- ken, Haarzipfel und Badezeug... Mit ein paar Schritten war er neben ihm.»Entschuldigen Sie, die junge Dame vorhin.——" Er suchte nach paffenden Worten.„Darf man fragen, wer das war?" Sie erinnere ihn an etwas Bekanntes aus früheren Tagen. MoseS sah den Mann von der Seite her an. Ein paar kräftige Augen funkelten durch die Brille. Die Dame wohne da im Ort drin, mehr wiffe er nicht. Und schwieg. Könnte dem so paffen, einen Emigranten auszuhorchen. „Ich fragte nur wegen der Stimme", murmelte Justus in Gedanken verloren.„Es könnte die Tochter sein..." Mose» kitzelte etwas im.Halse.„Oder-ine jüngere Kusine", meinte er leichthin und dachte: völlig meschugge. „Nein, das kaum, eine jüngere Kusine hatte sie nicht..." „Dann vielleicht die Tante", schlug Moses vor und lächelte belustigt.„Es gibt sehr junge Tanten." Justus sah nur zur Seite. Aha, mein Junge, Spaß.„Jawohl", sagte er ernst,„ich hab mal eine Tante gekannt, die war fünf Jahre jünger als ihre Nichte, und ihr Neffe war der Onkel ihre» Vaters. Als es zum Erbschaftsstreit kam, legte der Richter den Vorsitz nieder, weil er sich in die Familienbeziehungen nicht hineinfand." Ein armer Narr, dachte Moses. Was will er eigentlich von mir?— Beide blieben stehen. Man war an die Spinne gelangt. Beide warteten stumm.„Hier müffen wir uns trennen", brach Moses das beharrliche Schweigen. „Durchaus nicht", entgegnete der andere» „ich bleibe an Ihrer Sette, wo immer Sie gehen und stehen, Herr!" In Moses Augen glomm ein fahles Licht auf Weiß Gott, ein richtiger Verrückter... Mit einem Satz war der Junge am Tor— der andere auch Es gab ein kleines Gedrängle zwischen Tür und Angel. „Was wünschen Sie?" fragte Moses und fühlte sich wie hinter der Ladentafel, nur nicht so sicher. Verrückter oder Spion?„Halloh!" rief er nach hinten, um die Spinne zu alarmieren «Wer sind Sie, wenn ich ftagen darf?" „Justus", antwortete der mit einer Verbeugung. Moses verdrehte die Augen. Ich Idiot, ich Idiot. Er biß sich auf die Lippen und stotterte etwas wie:„Herzlich willkommen... Alles steht zu Ihrem Empfang bereit!" Und wirklich quollen sie schon durch die Tür des Hauses: Gusti, der Kleine, Herkner und die übrigen. Alle liefen sie zusammen, umringten die beiden— und so wurde JustuS in» HauS geleitet. Bald darauf sah man den Kleinen mit einem großen irdenen Kruge die Straße entlang sausen,, der nächsten Schänke entgegen. Justus hatte in die Tasche gegriffen, um seinen Eintritt in die Gemeinschaft der Spinne zu feiern. Bis spät in die Nacht zeichnete der Lichtschimmer des Eßzimmers seinen Halbkreis in den Hof. Dann erlosch er, die Spinne ging schlafen. Nur Herkner stand noch eine Weile im Hofe. Justus hatte erzählen müffen, von den dunklen Burschen, die ihn umlauerten, von der Grenze und alles, was er von„drüben" wußte. Abwesend hatte Herkner vorbeigehorcht. Er sah nur das Grenznest, die Sttaße, da er seiner Frau entgegen ging ... Noch immer war keine Nachricht da, kein Lebenszeichen. Wie lange noch hielt er das aus? Da drinnen, unter der Kolonne, da mußte er sich beherrschen; sie hatten ja alle mit sich zu tun... Aber wenn keine Nachricht kam... keine... Hielt er das aus? Schon mancher ging auf und davon, hinüber zu den Seinen, auf Leben und Tod. Lieber erschlagen laffen, als diese marternde Ungewißhett. In den Wiesen ringsum zirpten die Grillen ihre ewig zirrende Musik. Oben knipste Mose» das Licht aus. Der Kleine räkelte sich auf seinem Strohsack:«Du, Moses, hast du den. Herkner beobachtet? Der sttert ja Löcher in die Dielen. Und fällig wird er um die Backen, was? Un die Gusti— die wird ooch immer stiller..." „Und immer dicker, Kleiner. Ja, das Leben ist eine ernste Sache." „Hast du geschn, wie mich Herkner heute angeglotzt hat, wegen dem Bier, weil so'ne mächtge Schmnnleiste uffm Bier war? Ich schwöre dir, MoseS,— ich hab nich geleckt unterwegs, schwöre ich....' Moses spürte, daß der Kleine einige Glas zuviel getrunken hatte. Wie ein Wasserfall plätscherte seine Rede. (Fortsetzung folgt.) Nr. 140 Dienstag, 16. Juni 1936 Seite 3 fudetendeutsdier Zeitspiegel Freigewerkschaftlicher Wahlerfolg Am Montag wurde in der Porzellanfabrik Ren-Rohlau der Arbeiter-Betriebsausschuß neu gewählt. Bon 384 Wahlberechtigten beteiligte» sich 350 an der Wahl. 337 Stimmen waren gültig. Es entfielen auf die Liste des freigewerkschaftlichen Glas- und Keramarbeiterverbandes 247 Stimmen und 5 Mandate(32 Reststimmen), auf die Liste der deutschen Arbeitergrwerkschaft 90 Stimmen und 2 Mandate(4 Reststimmen). Gegenüber dem vorigen Jahr verlor dir Deutsche Arbeitergewerkschaft 8 Stimmen, während der Verband der GlaS- und Keramarbeiter. 13 Stimmen gewann. Rur wmige Stimmen fehlten dem Glas- und Krramarbeiterverband zur Eroberung eines neuen Mandates. Der Abmarsch aus der SdP Abfall der Arbeiter InTürmitzbei Aussig sollten dieser Tage die Wahlen in die Arbeiterstandsvertretergruppen vorgenommen werden. Von der Kreisleitung wurden zu dieser Wahl 69 Wahlberechtigte zwecks Stimmabgabe eingeladen und es erschienen siebens!) Mitglieder zu der Zeremonie. Unter diesen Umständen wurde die mit großem Tamtam angesehte Wahl nicht vorgenommen. Sie wurde offiziell„verschoben". Diese Zeichen des Zerfalls in der Henleinpartei werden noch verstärkt durch Vorgänge in Schrecken st ein. Hier wurden eine große Anzahl„disziplinierter" Parteimitglieder, zum großen Teil ehemalige Nationalsozialisten, aus der Partei ausgeschlossen. Konflikt wesen 6er Arbeitsystems Ende des Jahres 1936 wurde bei den vereinigten Steinnußknopffabriken, die in eine Knopf-A. G. zusammengefloflen sind, an Stelle des Akkordsystems das Prämiensystem eingeführt, das zur Folge hatte, daß die A r b e i t s l e i- stung und Arbeitsintensität bis zur Unerträglichkeit gesteigert wurde. Im April ging man noch daran, in der Stückschneiderei und Dreherei Frauen zu beschäftigen, was bei den männlichen Arbeitern die Befürchtung hervorrief, daß mit der Zeit die männlichen Arbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren und an deren Stelle Frauen beschäftigt werden. Vor ive- nigen Tagen wurde von der Betriebsleitung der Betriebsausschuß davon in Kenntnis gesetzt, daß man weitere Frauen in der Stückschneiderei beim stalinischen System einstellen wird, was neue Entrüstung bei der Arbeiterschaft hervorrief. Die Verhandlungen, die Samstag, den 13. Juni geführt worden sind, verliefen ergebnislos. Montag, den 15.Juni, fand vor Arbeitsaufnahme eine Betriebsversammlung statt, in der über die Verhandlungen mit der Betriebsleitung Bericht erstattet wurde. Eine fiese Erbitterung wurde von der Arbeiterschaft gegen das Prämiensystem zum Ausdruck gebracht, das seit seinem Bestehen nur Unruhe im Betriebe hervorerufen hat und durch das die Unfälle bedenklich gesteigert worden sind. Die Abstimmung ergab, daß von 32 labgegebenen Stimmen 316 gegen die Weiterführung des Prämiensh- stems waren. Das Abstimmungsverhältnis wurde der Betriebsleitung mitgeteilt und diese erklärte.daß sie durchdie gegebenen wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens nicht in der Lage sei, von dem eingeführten Prämiensystem Abstand zu nehmen. Falls die Arbeiterschaft auf der Abschaffung beharren sollte, würde es zur Still- legungdes Betriebes kommen. Da im Laufe des Montag vormittags(15. Juni) die Arbeit nicht ausgenommen werden konnte, erklärte die Firma, daß für diesen Tag eine A r b e i t s a u f n a h m e n i ch t m e h r in Frage kommt. Da die Gegensätze keine Ueber- brückung fanden, ruhtdieArbeitbis auf weiteres. Treffen der Naturfreunde-Intematlonale 7. bis 16. August 1936 in Brünn Nur wenige Wochen trennen unS noch von den internationalen Veranstaltungen der Naturfieunde in Brünn. Die Gastgeber unternehmen alles, um den Teilnehmern unvergeßliche Tage zu bereiten. Festbeitragmit Verpflegung: a) 81 KL(Nächtigung im Massenlager); b) 90 KL(Nächtt- gung in Lagern); c) 111 KL(Nächtigung im Hotel). Festbeitrag ohne Verpflegung: 15 KL(Nächtigung: Massenlager)/Darin sind einbezogen: Für die 3 Haupttage, d. i. 8. bis lü.August 2 Nächtigungen.(Maffenlager sind: Feldbetten mit Strohsäcken und Decken). Einlaßkarten in die Ausstellungen, Kommers, Festabzeichen, Führungen und Trinkgelder. Verpflegung: Je 3 Frühstücke, Mittagessen und Nachtmahle. Fahrpreise auf Grund der Touristen- Begünstigung ab Samineistellen: ab Eger tour und retour Pers.--Zug 119 KL, ab Komotau tour und retour Pers.-Zug KL 95.70, ab Auffig tour und«tour Pers.-Zug KL 99.90, ab Warnsdorf tour und retour Pers.-Zug 76 KL. Auszug aus dem Veranstaltungs- programm: Photo-, Natur- und Volkskunde- Ausstellung— Festkommers zu Ehren der ausländischen Teilnehmer(aus der Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland, Polen, Ungarn usw.)— Kundgebung im Stadion— Film- und Lichtbildervorführungen— tägliche Stadtführungen sowie Besuch der Spielberg»> kasematten und der Umgebung Brünns' ufw. Autobnsfahrten: Mazocha, Bata- Werke Zlin, Znaim und Frainer Talsperre. Tagestouren: Eine größere Anzahl Tagestouren in die weitere Umgebung Brünns während der Haupttage. Urlaubstouren für anschließende Urlaubswoche: 6 Tage Altvatergebirge, TeÜnehmerpreis 160 KL; 7 Tage Tatra, Teilnehmerpreis 275 KL; 6 Tage Riesengebirge Unwetter über Teschen Ein Todesopfer Mährisch-Ostrau. Im Teschener Gebiete wütete Montag nachmittags ein heftiges, von Wolkenbrüchen begleitetes Gewitter. Am meisten wurde Orlovä und Umgebung heimgesucht. Der Marktplatz von Orlovä und auch die niedriger gelegenen Wohnungen wurden überschwemmt, so daß die Feuerwehr an zahlreichen Orten das Wasser aus den Kellern pumpen mußte. Das Getreide auf den Feldern liegt. In Karwin schlug der Blitz in ein Wohnhaus der Larischschen Kohlengruben. Dank dem starken Regen gelang es den Bewohnern des Hauses, die Einrichtung rechtzei- fig zu retten. Die Feuerwehr hat darauf den Brand gelöscht. In den Transformator der Ostrau-Karwiner Lokalbahn schlug ebenfalls ein Blitz ein und während zweieinhalb Stunden war die Verbindung der elektrischen Schmalspurbahn unterbrochen, in Prostkedni Suchä wurde der Landwirt Emil B u r i a n vom Blitze getötet. Burian hinterläßt drei unversorgte Kinder. Saubere Henleinteutonen. Der in Auffig wegen Sittlichkeitsverbrechen verhaftete Schwän- gerer eines dreizehnjährigen Schulmädchens» der Handelsangestellte Suda, war ein eifriger und agiler Anhänger der Sudetendeufichen Partei und des Teutonentums. Noch am Bundesfest des Bundes der Deutschen in Türmitz marschierte Herr Suda mit in den vordersten Reihen. Das deutsche Flugzeug freigegeben. Freitag mittags hatte der Pilotgefreite Franz Hofmeister aus Erfurt mit seinem Flugzeug D—EA XI auf einer sumpfigen Wiese bei Trauschkowitz notlanden müssen. Er war nach halb 11 Uhr vormittags in Erfurt gestartet, sollte nach Dresden fliegen, verlor über unterwegs infolge des herrschenden Nebels jede Orien- tierung und verflog sich auf tschechoslowakisches Gebiet. Flugzeug und Pilot standen hier unter behördlicher Aufsicht. Das Flugzeug wurde durch das BerteidigungSministerium für die Rückbeförderung freigegeben. Da keine Startmöglichkeit bestand, mußte das Flugzeug zerlegt und fachmännisch verpackt werden. Die Rückbeförderung erfolgte im Beisein des Piloten und unter Gendarmeriebegleitung mit einem Lastauto eines Komotauer Spediteurs nach Reitzenhain, wo die behördliche Uebevgabe erfolgte. Opfer des wilden Bergbaus. Beim wilden Bergbau zwischen Schankau und Ottowitz verunglückte der Arbeitslose Lugert, der auf einer Leiter in die Grube eingestiegen war, infolge der giffigen Gase aber in Atemnot geriet und auf die Sohle stürzte. Mit schweren Vergiftungserscheinungen wurde Lugert ins Krankenhaus überführt; an seinem Aufkommen wird gezweifelt. Selbstmord. Sonntag mittags wurde auf der Eisenbahnsttecke zwischen Karlsbad und Dallwitz der 30jährige Ernst S e b i s ch, ein Monteur, auf den Schienen tot aufgefunden. Wie die Untersuchung ergab, handelt es sich um einen Selbstmord, den Sebisch wegen seiner schweren Jnvalidüät verübt hat. Bevor er Selbstmord beging, begab er sich in einen Friseurladen und verletzte dort ein Mädchen durch Messersfiche. Komotaner Feuerwehrtage 1936. Mit Rücksicht auf«ine reibungslose Unterbringung und Verköstigung der Besucher bittet der Arbeitsausschuß, etwa noch ausstehende Meldungen von Gruppenfahrten nachzuholen. Die Meldungen sind an Fachlehrer Josef Tauber, Komotau, Fichtestraße, zu richten. Dabei ist anzugeben: 1. Die Zahl der Teilnehmer, 2. Zeitpunkt des Eintreffens in Komotau, 8. die Art der Fahrt(Zug oder AuwbuS) und 4. besondere Wünsche. Dum-Dummhelt ohne Hoffnung Von Kurt Doberer Bei einem ihrer nächsten Generalangriffe auf das Reich der Mitte werden auch die Japaner zu ihrer Entrüstung entdecken, wie die Chinesen die humane japanische Kriegsführung mit Uridank lohnen. Irgendwie wird man nach siegreichem Angriff auf eine chinesische Befestigung auch hier die berühmten Dumdum-Geschosse aufzufinden verstehen. Ein Teil der Welt wird sich dann zuvorkommend und aus Gefälligkeit an die Japaner entrüsten. Ein anderer wird unter einem mißtrauischen Blick auf die Chinesen sagen; na so was. Und wird die Ueberweisung des Materials an internationale Kommissionen und Gerichtshöfe ernstlich billigen. Leider wird bei einer solchen Schweinerei nicht immer eine Großmacht schloer beleidigt, wie es glücklicherweise durch die abessinischen Duni- dum-Affäre geschah. Wäre England nicht an einer empfindlichen Stelle getroffen worden, man hätte den Abessiniern nicht einmal ihren ehrlichen Untergang gegönnt. Weil aber die Pattonen aus England stammen sollen, darum hat Mister Eden vor dem englischen Parlament und damit vor der Weltpresse den italienischen Dumdumschwindel zerrissen. Etwas hat aber auch Mister Eden vergessen aufzuklären. Warum abessinische Soldaten mit englischen Patronen schossen, die als scharfe Schieß- platzmunifion, unbrauchbar für den Kriegsfall, anzusprechen sind. Haben vielleicht die englischen Rüstungsfirmen, mit der von ihrer Regierung so ängstlich sauber gehaltenen Weste, dem Negus solche Munition angedreht, weil sie diese überzählig auf alten Lagern hatten. Daß die Abessinier kauften, was man ihnen nur andrehen wollte, das ist durch die Lopez-Affäre jedenfalls bekannt geworden. Das Völkerbundsekretariat veröffentlichte Ende Mai eine italienische Denkschrift, die ihm von der italienischen Regierung am 30. April 1936 überreicht worden war und die im Gegensatz zu dem ebenfalls beiliegenden Memorandum auch nach den Erklärungen Edens nicht zurückgezogen wurde.■ In dieser Denkschrift wurden erbeutete Geschosse englischer Rüstungsfirmen folgendermaßen geschildert: In ihre Spitzen sei ein fiefes Loch eingebohrt gewesen, zu dem Zweck, beim Eindringen.des Geschosses in den menschlichen Körper ein Abbrechen der Spitze in verschiedene Stücke und damit schwere Zerreißungen der Gewebe herbeizuführen. Es ist jedoch leicht nachzuweisen, daß die italienischen Schieß-Sachverständigen, den anderen wahren Zweck dieser Munifion kannten und daß auch Italien Geschosse gleicher Konstruktion verwendet hat. Diese sogenannten Dumdum- Geschosse sind nichts als scharfe Uebungsmu- nitionfürdenSchießPlatz. Sie erhielten aus schießtechnischen Gründen einen von der Spitze einwärtsführenden Kanal, um. den Luftwiderstand für das Geschoß zu erhöhen und ihm dadurch eine begrenzte Flugbahn zu geben. Mit welcher kaltblütigen Unverschämtheit von den Diktaturen auf die Dummheit der Weltöffentlichkeit spekuliert wird, das zeigt die italienische Denkschrift kraß. Obwohl allen Armeefckih- leuten der Welt der Zweck dieser Spezialpatronen einwandfrei bekannt ist, kann die italienische Denkschrift dummdreist vom„Zweck" faseln, beim Eindringen der Geschosse ein Abbrechen der Spitze in verschiedene Stücke und damit schwere Zerreißungen herbeizuführen. Warum kann die italienische Denkschrift das? Weil offensichtlich englische Rüstungsfirmen dir abessinische Regierung mit diesem Dreck von Uebungspatronen hereingelegt haben. Herr Eden ist deshalb nicht aufgeständen und kann auch nicht aufftehen, um zu sagen: Unsere englischen Rüstungsfirmen hatten keine verbrecherischen, sondern nur betrügerischeAb- sichten. Hätte jedoch nicht die gesamte Weltöffentlichkeit das Gedächtnis einer minderjährigen Kuh, so wäre das ganze Spiel von Kriegsverbrechern und Rüstungsschiebern in dieser Frage unmöglich gewesen. Der größte Barnum-Reklame-Schwin- del auf dem Gebiete der Dumdum-Geschosse ist bereits einmal zu Beginn des Welttrieges mit diesen selben Uebungspatronen vorgeführt und zum Gespött der Welt geworden. Im August 1914 fanden die deuffchen vordringenden Truppen in der französischen Festung Longwy diese„Dumdum-Geschosse" in vielen Kisten aufgestapelt. Auch damals stellten die deutschen Greuel- und Propaganda-Sachverständigen die Verwendung von Dumdum-Geschossen bei Frankreich einwandfrei fest. Es wurde ein Pressekreuzzug gegen die französischen Verbrecher unternommen. Nicht nur die Photos wurden verschickt, sondern man konnte die Geschosse auch in Spezialausstellungen im Original betrachten. Als Gipfel aller Entrüstung schickte Kaiser Wilhelm II. ein Telegramm an den amerikanischen Präsidenten Wilson. Da dies alles geschah, während auf den deuffchen Schießplätzen genau dieselben Patronen ! kistenweise herumstanden, versank bald die Empörung in dem sich ausbreitenden Gespött. Und nun ist, wie wir sehen, die Welt wieder dutnm genug geworden, um die Methoden deutscher Kriegspropaganda in schlechter italienischer Nachahmung wieder serviert bekommen zu können« Schacht auf Reisen Erfolgreiche Arbeit der Kinderfreunde Sonntag, den 7. Juni, fand im Prager Parteiheim eine von allen Gauen beschickte Sitzung des Reichsvorstandes und Ueber- wachungsäusschusses statt, die in ganz- täfiger Beratung zu den erstatteten Berichten und zu den nächsten Aufgaben der Kinderfreundebewegung Stellung nahm. Aus den vom Reichssekretär Genosse Willi Hocke erstatteten Bericht ging vor allem eines hervor: Die Bewegung ist seitderReichskonferenzinPragim weiteren Aufstieg, innerlich festgeschlossen und vom besten Geiste sozialistischer Gemeinschaftsarbeit getragen. In der Berichtszeit wurde eine umfangreiche Arbeit auf allen Gebieten der Kindererziehung und Kinderbetreuunz geleistet. Die Zahl der Ortsgruppen stieg von 161 auf 188, die Mitgliederzahl nahm um 977 z u. In der F e- rienfürsorge 1936 wurden rund 2500 Kinder mit mehr als 30.000 Verpflegstagen durch unsere Erholungsaktionen(Zeülager, Kleinkinderkolonien, Ferienwanderungen) erfaßt. Eine herrliche Leistung unserer Organisation, wenn bedacht wird, daß die Mittel zu diesen Aktionen ausschließlich von ihr und ihren Mitgliedern aufgebracht wurden.— Die vom Reichsverein errichtete Vermittlungsstelle für den deutsch-tschechischen Kinderaustausch wird bereits von vielen Arbeiterfamilien in Anspruch genommen und hat besonders in diesem Jahr sehr erfolgreich gearbeitet.— Während der Weihnachts-Solidaritätsaktion bastelten unsere Fallen über 10.000 Spielsachen und BekleidungSgegen- stände, die an die Kinder arbeitsloser Eltern verteilt wurden.— Eine im Winter durchgeführte Büchertombola ermöglichte den Vertrieb von rund 1 5.0 00 wertvollen Schriften,— In zwei Reichsführertagungen und 22 Gau-Helfer- und Führerschulen wurde zu allen aktuellen politischen, pädagogischen und organisawrischen Fragen unseres Reichsbereines Stellung genommen. — Ebenso haben im Frühjahr in allen Gaukonferenzen unsere Funfiionäre der Elternvereinigung alle Organisationsfragen durchberaten.— Die Auflage unserer Zeitschriften„Der Kinderfreund" und„Junge Welt" ist ständig im Steigen begriffen und sie werden von den Eltern und Kindern gern gelesen. Für die Erziehungs- funktionä« wird ab 1. Jänner 1936„Der Helfer" gedruckt herausgezeben.— Die Verbindung zu den übrigen Organisationen ist eine sehr gute, an ihren wichtigen Tagungen haben regelmäßig unsere Vertreter teilzenommen. Die Sitzung beschäftigte sich in ihren Beratungen am Nachmittag mit den nächstenAuf- gaben. Kindertag und Jugendweihe sind in allen Bezirken gut vorzubereiten. Die ganze Kraft ist auch in diesem Jahre wieder der Ferienarbeit zuzuwenden. Alle Aktionen sind gewissenhaft einzuleiten, für einwandfreie pädagogische, technische und finanzielle Durchführung ist unbedingt Sorge zu tragen. An größeren Aktionen sind vorgesehen: Für Mähren-Schlesien ein gemeinsames Landeslager in Prerau mit den tschechisch-sozialistischen Skauts, ein Zeltlager in Eger (Gau Karlsbad), ein Zeltlager in Hirschberg (Gau Bodenbach-Aussig-Reichenberg-Prag), ein Zeltlager in Talseifen(Gau Trauten»»), eine große Ferienfahrt nach Westböhmen(Gau Teplitz). Ein internationaler Kinderaustausch soll mit Dänemark, Belgien und der Schweiz durchgeführt werden. Für unsere Restfallen werden in den meisten Bezirken Klein- kinder-Kolonien eingerichtet. Zu Schulbeginn werden in den einzelnen Gruppen Schuleintrittsfeiern für unsere Jüngsten durchzeführt und im September der 15 jährige Bestand unseres Reichsvereines gefeiert werden. Ein An- trag, im Jahre 1938 eingroßesReichS- FalkentreffenundKinderfreunde« fest durchzuführen, wurde der Exekutive zur weiteren Beratung zugewiesen. Nach Erledigung einiger weiterer organisatorischer Fragen konnte der Vorsitzende, Prof. Genosse Schweitzer, die arbeitsreiche Sitzung schließen. Seite 4 Dienstag, 16. Juni 1936 Nr. 140 Verfälschter Likör— fönt Todesopfer Die Tragödie von(Ivalu und Dtdiovlce vor dem Prager tireisgerldit Der Spuk um Schillers„Ermordung" * Da das deutsche Gemüt gegenwärtig gar keine anderen Sorgen hat, beschäftigt es sich lebhaft mit einer Mordgeschichte. Nicht etwa mit einem der unzähligen politischen Morde, die von den Blutschergen des Dritten Reiches begangen worden sind und noch begangen werden— die hüllt nach wie vor das undurchdringliche Dunkel ein, in dem sie geschehen. Nein, es ist eine Mordgeschichte ganz besonderer Art, nämlich ein Mord, der, wenn er überhaupt begangen worden wäre, schon über fünf Vierteljahrhunderte zu- rücklägc, der aber in Wirklichkeit nie begangen worden ist. Im heutigen Deutschland jedoch gibt es Leute, die aller Vernunft beraubt behaupten, daß dieser Mord begangen worden sei— Frau Ludendorff-von Kemnitz, die Frau des ehemali- gen Heerführers, zum Beispiel gehört zu ihnen. Mit zäher Verbissenheit hält fte an der Legende fest, daß immer wieder die Genies des deutschen Geistes von— den Freimaurern durch Giftmorde beseitigt worden seien. Und eines dieser Opfer soll Friedrich von Schiller gewesen sein. Frau Ludcndorsf nennt auch die Anstifter und Mitwisser des Mordes: Goethe und Karl August von Weimar! Da es aber unter den jetzt herrschenden Verhältnissen in Deutschland keinen noch so wahnwitzigen Unsinn gibt, der nicht auch von breiten Schichten des Volkes geglaubt würde, hat diese Behauptung einer offenbar geisteskranken Frau schon das entsprechende Unheil angerichtet. Und neuerdings hat sich um diese Legende ein regelrechter Streit entspannen, in den nun auch bedeutendere Geister eingreifen. Der Präsident der deutschen Goethe-Gesellschaft, Pro- fessor Dr. Petersen ist gegen diesen Unfug energisch aufgetreten, von dem er sagte, daß er nicht nur politisch mißbraucht werde, sondern daß er bereits auch in die S ch u l b ü- ch e r eingedrungen sei und auch von dort aus seine verheerenden Wirkungen anrichte. Und neuerdings hat sich auch der thüringische„Gau- kulturwart" Staatsrat Dr. Ziegler, der Staatskommissar für die thüringischen Landestheater, genötigt gesehen, diesem Spuk entgegenzutreten, wobei er nachdrücklich auf einen Vor- trag hingewiesen hat, den der Jenaer Internist und Direktor der Universüätsklinik Professor Dr. Veil über„Schillers Krankheit und Tod" letzthin in Jena und Weimar gehalten hat. Auch das kürzlich erschienene Buch Professor H e k- k e r s über„Schillers Tod und Bestattung" setzt sich ernsthaft und gelehrt mit diesem Irrwahn auseinander. lieber diesen grotesken Streft könnte man lachen, wenn er nicht symptomattsch wäre für die erschreckende geisttge Verwirrung und Verwilderung, in die die nationalsozialisttschen Heilslehren das deutsche Volk hinabgestoßen haben. Morde über Morde geschehen in Deutsch, land; Menschen werden mft sadistisch raffinierter Grausamkeit zu Tode gequäft nur ihrer polfti» schen Gesinnung wegen. Und in dieser von Blutdunst erfüllten Finsternis soll mit einemmale Entrüstung glaubhaft sein wegen einer Mordlegende, die nie mehr war als nur eine Legende? Entrüstung? Nein, das ist nicht die Triebkraft, die diesen Irrsinn zu Tage treibt. Nein, die Mordatmosphäre, die aus den Folterkellern der SA der entsetzten Welt entgegenschlug, hat auch diesen irrsinnigen Spuk entstehen lassen. Es geht diesen Vergiftern des deutschen Geistes ja gar nicht um den angeblichen„Mord an Schiller"— es ist ihnen um d i e zu tun, die sie des Mor- des beschuldigen: um die Freimaurer. Und man kann fortfahren: um die Juden, um die Marxisten, um alle, die dem braunen Terror gemäß der Identifizierung von NSDAP und Staat als „Staatsfeinde" geltm. Und darum ist dieser Legendenspuk mehr und schlimmeres als nur ein Spuk in verrückten Hirnen. Er ist ein Wahn, der Rache nehmen will, der die Hirne vergiftet und von neuem Mordgesinnung züchtet. Peinlicher Dritckfehler. In dem Nachruf auf Karl Kraus heißt der zweite Vers, den wir aus dem Gedicht„Todesfurcht" zitierten, richttg natürlich so: Fortzuleben, sei mein letzter Wille. Ein Druckfehler hatte das Wort in„fortzubleiben" entstellt. Ebenso stand in derselben Kolumne einmal 1914 statt 1934. Man muß sich zu helfen wisien.(mh) Bei internationalen wissenschafüichen Kongreffen besteht immer die Schwierigkeit der sprachlichen Verständigung. Die Sitte der angelsächsischen Universitäten, ihre Kongreßreden lateinisch halten zu lassen, setzt di« Teilnehmer in Helle Verzweiflung, denn nicht nur können sie dem muntern Fluß der Rede nur unzulänglich folgen, sondern sie werden auch oft genug durch sie blamiert. Sie meist vor dem Dilemma, entweder die Prag,(rb) Im großen SenatsverhandlungIsaal des Strafkreisgerichtes begann gestern eine aufsehenerregende Verhandlung, bei welcher neun Angeklagte wegen des Ve r b r e ch e n s nach§ 19 des Lebensmittelgesetzes(Sttassatz ein bis fünf Jahre schweren Kerkers) vor dem Strass enat des GR. Dr. Trost standen. Tie Anklage verttitt Staats« nwaltDr. Sima. Am 17. November v. I. starben in dem kleinen "MarktfleckenÜvalp beiBöhmisch-BrodvierPerson e n nach dem Genuß eines Gläschens Likör, das ihnen der G a st w i r t S u st a als Probe einer neuen„feinen Sendung" vorgesetzt hatte. Unter den Todesopfern befand sich der Gastwirt Susta selbst. Die abenteuerlichsten Gerüchte, die in dem lleinen Ort eine wahre Panikstimmung hervorriefen, verstummten zwar, als die Obduktion der Leichen Vergiftung durch Methylalkohol fetststellte, aber die Tatsache blieb bestehen, daß eine höchst strafwürdige Manipulation der Schnapserzeuger mit lebensgefährlichen Ersatzstoffen vorlag. Diese Tat-' fache fand eine furchtbare Bestätigung, als am 7. Dezember im benachbarten Dorf Bkchovice bei einer Nikolofeier drei weitere Personen nach dem Genuß eines Gläschens Likör schwer erkrankten und eine von ihnen nach steueren Qualen starb. * Fünf Tote und neu» Angeklagte! Es verlohnt sich, aus der umfangreichen und kompliziert aufgebauien Anklage die Kette der Zusammenhänge herauszuschälen und aufzuzeigen, wie das Profitprinzip wieder einmal seine Todesopfer gefordert hat. Am Anfang dieser Kette(aber nicht als Hauptangeklagter)' steht der Kaufmann Johann Nemejc aus S t r a k o n i tz, der Kölnerwasser und Franzbranntwein erzeugt und zur Erkenntnis kam, daß die Verwendung des giftigen Holzspiritus(Methylalkohol) der 11.50 XL pro Liter kostet, rentabler sei, al- reiner Alkohol, deffen Preis an 40 XL pro Liter beträgt. Der Lieferant des Methylalkohols machte diesen Produzenten, als er 50 Liter des Giftes bestellte, darauf aufmerksam, daß deffen Verarbeitung zu kosmetischen Artikeln verboten ist, worauf Nemejc antwortete, er wolle den Holzspiritus bloß zur Möbelpolitur verarbesten. schweigend anzuhören oder— an einer meist unpassenden Stelle zu klatschen. Die Universität von Princeton(USA) hat jetzt aber einen erleuchteten Gedanken gehabt: sie ließ die lateinischen Reden des letzten Kongresses vorher gedruckt verteilen und fügte englisch geschriebene Fußnoten bei, die folgendermaßen lauteten:„1. Mittlerer Beifall, ,3t Stärkerer Beifalls 8-. Sehr starker- Beifall, 4. Jedermann steht auf, wirst seine Kopfbedeckung in die Luft und ruft mit sehr lauter Stimme!"— Ob das nicht auch ein gutes Rezept für Diktatoren wäre? Dreifacher Mord. Der 36jährige Friedrich Kuehne aus Erfurt erschoß Sonntag ein altes Ehepaar und deren 31jährige Tochter. Der Ehemann der Tochter wurde schwer verletzt. Der Mörder verübte früh auf dem Heuboden eines Hauses in Langensalza Selbstinord, nachdem das Haus von der Polizei mnzingelt worden war. G. K. Chesterton, einer der bekanntesten englischen Schriftsteller, ist jetzt 62jährig gestorben, Chesterton, seiner Gesinnung nach katholischer Quietist, durchaus konservativ in seiner politischen Einstellung, hat sein Glaubensbekenntnis in einer großen Reihe essayistischer Schriften niedergelegt, außerdem kritische Arbeiten(so über Shaw und Dickens) und auch eine stattliche Reihe von Romanen veröffentlicht. Die Tschechen tschät- zen ihn besonders ob der Sympathien, die er während des Weltkrieges für ihren Befreiungskampf zum Ausdruck brachte. Nazi-Stinkbomben im B»rgtheater. In der Wiener Staatsoper und im Wiener Burgtheater wurden am Samstag während der Abendvorstellung Stinkbomben geworfen. Die Demonstration galt sichtlich den Wiener Festwochen, in deren Rahmen die beiden Vorstellungen in der Staatsoper und im Burgtheater durchgeführt wurden. Massenmorde einer Schwindlerbande? In Springfield(Maffachusetts) ist man anscheinend einer Bande von Massenmördern auf die Spur gekommen, die seit Jahren zum Zwecke des Lebensversicherungsschwindels ihr fürchterliches Gewerbe ausgeübt hat. Die Behörden haben sich veranlaßt gesehen, über etwa 50 verdächtige Todesfälle, die sich in den letzten Jahren ereignet haben, eine Untersuchung einzuleiten. Bergführer abgestürzt. Der 26jährige Bergführer Josef Amort hatte mit einer Touristengesellschaft eine Tour auf den Hohen Göll bei Salzburg gemacht und war bereits wieder auf dem Abstieg, als Nebel eintrat. Amort stürzte dabei in eine Tiefe von 1000 Metern ab. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Sonderbarer Irrer. Im Belgrader Krankenhause starb der Bauer Rosko, der an der Manie litt, eiserne Gegenstände zu verschlucken. Etwa vor einem Jahr verschluckte er eine Gabel, die ihm dieser Tage operativ entfernt wurde. Bei der Operation starb er jedoch. Die Leichenöffnung ergab, daß sich im Körper noch eine andere Gabel sowie auch andere eiserne Gegenstände befanden. Schrecklicher Tod eines Kindes. Im Tunnel wischen Aßling und Rosenbach an der jugosla- Nichtsdestoweniger rühmte er seinem Freund,' dem Likörfabrikantcn Josef Hrusa aus L u z e(Ange-! klagter Nr. 2) seine„billige Einkaufsquelle" und, gab ihm ein beträchtliches Quantum des Giftes aus, zweiter Hand ab. Zur Absetzung des zwar billigen, aber verderblichen Urmaterials gewann Nemejc den Haupwettreter den ehemaligen. Monteur Franz Ha-> tone, der als weitererAngeklagtcr erscheint und dieser| fand durch Inserat den- vierten Angeklagten, den| Chauffeur Josef Barta, der u. a. mit der Sodawaffer- firma Rubes in Böhmisch-Brod einen Abschluß auf 60 Liter Alkcchol zur Schnapserzeugung tätigte— zum auffallend billigen Preis von 28 lic pro Liter! Die beiden Inhaber dieser Firma Rudolf | Rubes, Vater undSohn, stehen als fünfter und sechster Beschuldigter gleichfalls unter Anklage. Denn eben jenes 60-Liter-Kontiugent.erwies sich als der Giftstoff, dem fünf Menschenleben zuig Opfer fielen. Für die Qualität des verarbeiteten Materials tragen nach dem Gesetz dje Erzeuger die volle Verantwortung. I» der schnapserzeugenden Sodawafferfabrik der Firma Rubes arbeitete der Manipulant Franz Slavik (der siebente Angeklagte), der am 16. November den tödlichen Schnaps herstellte, der schon t<^s darauf im Gasthaus Susta vier Todesopfer fordette. Auf fünf Liter Likör wurden 1 bis 3 Liter des gelieferten Holzspiritus verarbeitet. Nach Bekanntwerden der Tragödie von Üvaly trank dieser Manipulant in selbstmörderischer Absicht drei Viertelliter des Giftschnapses und konnte bloß durch sofortige Magenauspumpung gerettet werden. Von der Firma Rubes wanderte das tödliche Ge- ttänk einerseits in das Gasthaus des Uvaler Gast- Wittes Susta, der die„Tttnkprobe" samt drei Gästen mit dem Tode bezahlen mußte, andererseits in das Gasthaus der Eheleute Anton und Franziska Hall«, wo die Kostprobe ein Todesopfer fordette. Auch dieses Ehepaar ist des gleichen Deliktes angeklagt.— Soweit die Anklage. Die Verhandlung, bei der sich sämtliche Angeklagten mit dem Einwand des„guienGlaubens" verteidigten, wurde in den Nachmittagsstunden zwecks Vernehmung chemischer Sachverständiger und weiterer Zeugen auf unbestimmte Zeit vertagt. chischen Außenministers tödlich. Bei der Fahrt des Zuges durch den Karawanken-Tunnel suchte der Knabe den Abort des Wagens auf, machte einen Fehltritt und stürzte aus dem Zuge. Er schlug dabei mit dem Kopf an die Tunyelwand und geriet unter die Räder, die ihn vollständig zerstük- kelten. Die Leiche des Knaben wurde einen Kilometer vom österreichischen Tunnelcikttzäntz'' esit- fernt aufgefundcn. Eine Maffenvrrgiftung nach dem Genuß von Schinken ereignete sich bei einem Ausflug von 24 Schülern zur Besichtigung von Warschau. Zehn Kinder und derLehrer mutzten in bedenllichem Zustande in ein Krankenhaus gebracht werden. Folgen des Leichtsinns. Montag kam es in der Werkstätte des Sofioter„Jagdhauses" zu einer großen Explosion. Einer der Arbeiter hatte bei der Füllung von Geschossen einen Zigarettenstummel fortgewocfen, der in ein Gefäß mit Schießpulver fiel. Es entstand eine schreckliche Explosion, die fast die Hälfte des ganzen Gebäudes vernichtete. Fünf Personen wurden getötet, drei sind schwer verwundet, zwei Personen werden vermißt. Die britische Mount-Everest-Expedition hat nach einer Meldung aus Darjeeling ihren diesjährigen Versuch, den höchsten Berg der Erde zu besteigen, endgültig aufgegeben. Die Expedition wird bald nach England zursickkehren. Die»Standard Oil" handelt mit Mundharmonikas. Zu welchen grotesken Zuständen das Clearing- Verfahren zuweilen fühtt, beweist ein neuer Fall, der die Standard Oil bcttifft. Ihre Kredite in Deutschland waren fest langem eingefroren. Nachdem eine Zahlung auf. dem Wege des Clearing in immer weitere Ferne rückte, entschloß sich die Gesellschaft, andere Waren im Tausch gegen ihr Oel anzunehmen. Es blieb ihr nichts weiter übrig, als sich endlich für... Mundharmonikas zu entscheiden— die anderen Angebote waren noch ungünstiger. Und so übernahm die„Standard Oil" 40,000.000(vierzig Millionen!) Mundharmonikas, und sucht im Augenblick Käufer für diese Waren. Aber so beliebt Mundharmonikas auch sein mögen— die Statistiker, die in Amerika so sehr beliebt sind, haben berefts ausgerechnet, daß ihr Absatz in USA. nur dann möglich wäre, wenn alle amerftanischen Männer sich enffchlietzen würden, der„Standard Oil" zuliebe von nun an Mundharmonikas zu spielen. Bürokratischer Ehr-Wirrwarr. Die Ehe, die Elena Szepesz, ein Bauernmädchen aus Keczkemet, eingegangen ist, dürften in ihrer juristischen Form selbst die gewiegtesten Scheidungsanwälte nicht mehr beurteilen können. Sie ging mft ihrem Bräutigam und zwei Trauzeugen aufs Standesamt. Versehentlich hatte sich ein Trauzeuge auf den Platz des Bräutigams gesetzt. Der Beanue merkte den Fehler nicht, die Beielligten kannten sich in den Formalitäten nicht aus, und so wurde Elena rechtmäßig als Frau des Trauzeugen eingetragen. Erst nach erfolgter Ur- kundenausferiigung merkte man das Unglück. Der Standesbeamte ettlärte sich daraufhin bereit, die Ehe zu scheiden. Er tat dies und vermählte sofott nachher Elena nunmehr mit ihrem eigentlichen Bräutigam. Tic höhere Instanz aber erklärte die zweite Ehe nicht für zulässig, da der Standesbeamte kein Miß Earhardt in ihrem„fliegenden Laboratorium“ Die Amerikanerin Amalie Earhardt bereitet sich auf einen Weltflug vor, bei dem sie einen neuen Schnelligkeitsrekord aufstcllen will- Sie beabsichtigt schon im Juli in einem Metall-Großflugzeug für Mei Piloten und zehn Fluggäste die Reise anzutreten. Als alte Ozeanfliegerin wird sie aber weder Passagiere noch Piloten mitnehmen, sondern die Maschine lediglich mit einem„Robot", einem automatischen Steuerapparat, ausrüsten, während sie sich mft meteorologischen Untersuchungen und Messungen beschäftigen wird. Das Flugzeug entwickelt«ine Geschwindigkeit von 300 Stundenkilometer, so daß der Weltflug ' innerhalb von fünf Tagen beendigt sein würde. Richter ist und keine Ehen scheiden darf. Es stellt sich nunmehr der groteske Zustand heraus, daß Elena der Big«nie schuldig geworden ist, weil sie rechtmäßig die Frau des Trauzeugen ist. Anklage wegen Doppelehe wird wohl nicht erhoben werden. Aber es muß nun ein kompliziertes Scheidungsverfahren in zwei Fällen durchgefühtt werden, und erst' daim wird Elena zum drittenmal ihren Bräutigam heiraten dürfen. Roosevelt schlägt Greta Garbo. Bisher hat man immer geglaubt, daß Greta Garbo, die in ihrer Villa in Beverley Hills sehr zurückgezogen letzt, den Weltrekord in täglicher Briefpost hält: sie bekömmt nämlich durchschnittlich, und dies schon feit Jähren, rund 800 Briefe pro Tag. Jetzt stellt es sich heraus, daß Greta Garbos Rekord zwar nicht von einem anderen Filmstar, wohl aber von Roosevelt, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, erheblich' überböten wird. Roosevelt erhält im Tagesdurchschnitt nicht weniger als 6500 Privatbriefe. Selbstverständlich-fit er nicht entfernt in' der'Lage, die Briefe selbst zu lesen, denn wenn er selbst nur 30 Sekunden für das Dürchlesen eines einzigen Briefes verwenden würde, so könnte et doch pro Tag nicht mehr als 2880 Briefe' schaffen, ohne freilich zwischendurch zu effen, zu trinken, zu schlafen oder zu arbeiten. Die Briefe, die er bekommt, sind in sehr persönlichem Sttl gehalten.'Sie beginnen meistens mft„Lieber Präsident" oder„Lieber Franklin" und erstrecken sich sehr oft auf Ratschläge für seine Gesundheft, wenn die Zeitungen melden, daß der Präsident erkältet ist.' Selbstverständlich ist der Inhalt der meisten Schreiben recht egoisttscher Natur. Wetterbericht. Unter dem Einfluß eines Ausläufers der brittschen Druckdepreffion, welcher heute nach Mitteleuropa vorgedrungen ist, hat sich das Wetter in unseren Gegenden etwas verschlechtert. Nur in den Niederungen der Slowakei war es heute nachmittags noch vorwiegend heiter. Im übrigen Gebiete traten an vielen Otten Gewitter oder Regenschauer auf. Aus dem Westteil des.Festlandes strömt gleichzeitig dem Binnenlande ein wenig kühlere Luft zu. Die Abkühlung, welche heute Böhmen erreicht hat, ist jedoch nur schwach. London hatte heute nachmittags 16, Prag 21, LuLenc 28'Grad.— W ah rs ch ei n- lichesWetter Die ns t ä g: Im westlichen und mittleren Teil der Republik wechselnd bewölkt, vereinzelt ein wenig Regen, im allgemeinen etwas kühler. Im Osten warm, Gewitterneigung. Wetteraus- s i ch t e n f L r morgen: Auch im Osten em wenig kühler; sonst keine wesentliche Aenderung. Vom Rundfunk ta*MilM*w«rtae«im den Preframmi Mittwoch Prag: Sender L.: 7.00 Salonorchesterkonzett. 10.05 Deutsche Preffe. 10.35 Mozart. 12.10 Schallplatten. 13.40 Deutscher Arbeitsmarkt. 14.00 Mozart: Klavierkonzert. 17.40 Geigenkonzert. 18:05 Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Reue Bücher. 18.29 Arbeiterfunk: Franz Schön: Gedanken über die Selbstverwaltung. 18^40 Sozial informatione-n. 18.45 Deutsche Preffe. 19.45 Die schöne Helena, Oper von Offenbach. 22.20 Tanzmusik.— Sender St.: 7.30 Salon- ordjefter. 15.15 Deutsche Sendung: Jugendstunde: Hörfolge von Liedern und Gedichten.— Brünn: 12.00 Schallplatten. 17.40 Deutsche Sendung: Früh« lingskompositionen.— Prrstburg: 14.10 Kammermusik. 22.30 Strauß-Walzer.— Kascha«: 12.05 Opernszencn auf Schallplatten.— Mähr.-Oftrau: 12.35 Millagskonzert. 18.30 Schallplattenkonzert. 9 stehen I wisch-österreichischen Grenze in Kärnten verun- Reden i glückte am Samstag der elfjährige Neffe des grie- Nr. 140 Dienstag, 18. Juni 1836 Seit« 5 flusfattU Wird Abessinien weiterkämpfen? Der abessinische Außenminister Blattengeta Harrguy, der vorige Woche zur Unterstützung des NeguS in London eingetroffen ist, hat einem Mil« arboiter des„Daily Heralb" gegenüber Angaben über den gegenwärtigen Stand der Dinge in Abessinien gemacht. Er erklärte, daß ein Drittel Abessiniens noch völlig unbesetzt sei, und zwar das ganze Gebiet, das westlich der Linie Tanasee—Ogäden lie^t, ein Gebiet mit zwei bis drei Millionen Einwohnern. Dieses Gebiet unterstehe der inGore eingesetzten Regierung,.an deren Spitze Waldar Tsadik steht und die auf dem Wege über den. Sudan mit dem NeguS in Verbindung sei. Die abessinischen Arn wen, die an der Nordfront gekämpft haben, seien im Begriff, sich in den westlichen Gebirgen wieder zu sammeln. In der Umgebung von Gore ständen heute schon 10.000 Mann, im Süden habe Ras Desta eine Armee von 18.000 Mann, und auch die Reste der Lgaden-Armu würden sich reorganisieren. / Die Regenzeit verhindere vorläufig eine neue Mobilisierung der abessinischen Streitkräfte. Alle Straßen und Pässe im Inneren des Landes seien unpassierbar, und auch die Italiener könnten deshalb keine weiteren Fortschritte machen. Sie seien„Gefangene in ihrer» eigenen Gar,..- sonen". Im Oktober aber, nach Beendigung der Regenzeit, werde der Krieg Wiederbeginnen. Es werde ein Gebirgskrieg werden, und die Lage der bis dahin wieder mobilisierten abessinischen Truppen werde durchaus nicht hoffnungslos sein. Als Heerführer werden ihnen Ras Desta, Ras Jmru und drei Generäle zur Verfügung stehen. Die Italiener, erklärte der abessinische Außenminister schließlich, hätten tatsächlich nicht zwei Drittel des Landes, sondern nur die Verbindungslinien zwischen den größeren Städten bis Landes besetzt, die zum großen Teil durch Gebiete führen, die dem„Kaiser" noch treu ergeben seien. Aüch vom Rücken und von der Flanke her werden den Italienern deshalb noch viele Gefahren drohen. Gleichzeitig mit diesem Interview des abessinischen Ministers veröffentlicht der„Daily Herald" den Inhalt einer Rede, die der Friedensnobelpreisträger Sir Norman Angell in der Londoner Liga gegen die Sklaverei gehalten hat. In dieser Rede erklärte Angell, das wahre Ziel der Italiener in Abessinien sei nicht die Kolonisierung oder die Erschließung der Bodenschätze, sondern dieSchaffungeinerEingebo- r e n e n a r m e r, die in einem europäischen Kriege Verwendung finden solle. Naziterror im Ausland. Soeben ist am Parlament zu Kapstadt ein Bericht des Ausschusses zur Vorbereitung einer neuen Verfassung verteilt worden, der alarmierende Mitteilungen über die Zustände in dem ehemaligen Deutsch-Südwestafrika, seit 1818 Mandatsgebiet der Südafrikanischen Union, bringt. Bekanntlich werden jetzt die Deut- siben dort trotz ihrer AuSländercigenschaft von den Hitlerkonsulaten auf ihre Hcerestauglichkeit gemustert. Wie der Parlamentsausschuß feststellt, besteht für die'Bürger deS Mandatsgebiets, die deutscher Herkunfi oder Abstammung sind, die verfassungsmäßige Freiheit der Meinungsäußerung einfach nicht mehr, da die von Berlin eingesetzten und instruierten Nazi-Ortsleiter das nicht zulassen und die Leute unter hartem Druck halten. Wer ficki widersetzt, wird nach Deutschland gemelder und sofern er dort noch Verwandte oder Besitz hat, kann er sich glücklich preisen, wenn daran nicht sein eigenes Verhalten gerächt wird. Die britische Flagge wird durch Hakenkreuzfetzen erseht und die unaufhörliche Propaganda für die Rückkehr des Gebietes zu Deutschland ergänzt durch Gelöbnisse unverbrüchlicher Gefolgstreue zu Adolf Hitler. Der Bericht stellt fest, daß die Durchführung der Grund- sätze der Mandatsregierung dort praktisch unmöglich gemacht ist. Roosevelts Gegner im Wahlkampf Amerika rüstet sich für die neuen Wahlen um den künftigen Präsidenten. Bon den verschiedenen Gegenkandidaten des Präsidenten Roosevelt ist jetzt nur «och ein Gegner, und zwar der Gouverneur des Staate- Kansas, Alfred M. Landon, übriggeblieben. Er wurde in der Nacht zum Freitag zum offiziellen Kandidaten der Republikanischen Partei erklärt. Blütenteppiche auf dem Straßenpflaster Alljährlich einmal wird die Via Livia in dem Städtchen Gen- zano bei Rom mit kunstvoll geschütteten Teppichen aus Blütenblättern geschmückt. DE-Etsckrast und äoLÜripoiM Tschechoslowakische Wirtschaftsnachrichten Die Handelsschwirrigkeiten mit Dänemark. Das im Feber getroffene Abkommen zwischen der Tschechoslowakei und Dänemark, das die handelspolitischen Differenzen beseitigen sollte, konnte bisher nicht in Kraft gesetzt werden. Zur Zeit finden zwischen den Delegationen der beiden Staaten Verhandlungen in Prag statt bei denen es insbesondere um einige Anträge tschechoslowakischer Exporteure geht. Bedeutende Ausfuhrerhöhung in Kunstseide- Handschuhen. Der tschechoslowakische Export in ^UtM^de-HüMchuheyl runden, erstes vier Monaten 1836 die Hohe von 8.4 Millionen Kronen. In der gleichen Zeit des Vorjahres betrug er nur 6.9 Millionen Kronen. Im Gegensatz dazu hat sich die Ausfuhr von Seidenhandschuhen erheblich vermindert. Ungerechtfertigte Zollforderungen. Die Zinkhütten der Tschechoslowakei fordern eine Erhöhung der Zölle für Rohzink von 240 auf 720 Kronen je Tonne. Dieses Verlangen nach einer dreifachen Erhöhung ist umso weniger begründet, als die Zinkhütten schon jetzt für Zinkbleche Preise fordern, die höher sind als in anderen Staaten. Mehr Wein aus Ungarn. In den ersten vier Monaten 1836 hat die Tschechoslowakei aus Ungarn 6004 q Wein bezogen, gegen 4611 im Vorjahr. Gründung des Braunkohlenkartells? Nachdem die Differenzen zwischen den beiden größten Interessenten der Braunkohlenindustrie als überbrückt gelten können, wird mit dem baldigen Zustandekommen des Braunkohlenkartells gerechnet werden können. Es wird ein Berkaufskartell sein, das gleichzeitig die Förderquoten kontrollieren wird. Außer den Gruben der Agrarbank und den Staatsgruben werden ihm alle Braunkohlengruben angehören. SpirituSverbrauch steigt. In den neun Monaten der laufenden Spirituskampagne wurden 676.600 Hektoliter abgesetzt. Das sind 38.500 Hektoliter mehr als im Vorjahre. Der Biehstand geht zurück. Die Winterzählung der landwirtschaftlichen Nuhtiere hat ergeben, daß der Rindviehbestand im gesamten Staatsgebiet von 4.30 auf 4.28 Millionen Stück zurückgegangen ist. Schweine wurden insgesamt 2.7 Millionen Stück gezählt gegm drei Millionen Stück im vorhergehenden Jahre. Wie die Rationalisierung wirkt Im„M etallarbeiter" finden wir folgende Zusammenstellung: Ein Arbeiter schaffte 'in einer Stunde Steigerung Vor zehn Jahren heute in% 1 Kbm. Erdarbeit 4 Kubikmeter 300 2000 Druck exemplare 8000 Stück 300 280 Flaschen 1600 Flaschen 436 100 Knopflöcher 2500 Knopflöcher 2400 (mit Maschine) 15 Glühlampen 400 Glühlampen 2560 60 Backsteine 2000 Backsteine 3230 Relativ am wenigsten, nämlich„nur" um 200 Prozent, hat sich die Produktivität der Arbeit im Automobilbau gesteigert, während vor zehn Jahren 1500 Arbeiter e i n Auto pro Stunde herstellten, stellen sie heute drei her. Man ersieht daraus, daß die Rationalisierung vielfach dort die größten Fortschritte gemacht hat, wo die individuellen Arbeitsmethoden überwiegen oder wenigstens früher überwogen. Dies bedeutet, daß der Schutz des Arbeitsplatzes und der menschlichen Arbeitskraft zu einem Problem geworden ist, das alle Arbeiter ohne Unterschied des Berufs im stärksten Maße iitteressiert. 25 Jahre NEW '<' Die„Nordböhmische Elektrizitätswerke Attien- gesellschaft" in Bodenbach-(NEW) kann im heurigen Jahre auf einen 26jährigen Bestand zurückblicken. Die Gesellschaft hat sich in den 25 Jahren ihres Bestandes, namentlich aber seit dem Jahre 1818, zur bedeutendsten der privatwirtschaftlich geführten Elek- trizität-unternehmungen unsere- Staates entwickelt. Die Gründung der NEW erfolgte im Feber 1811 als Gesellschaft m. b. H. mit dem Sitz« in Bodenbach. Am 1. Jänner 1814 wurde sie in eine Wiengesellschaft mit dem Firm awortlaute:„Nordböhmische Elektrizität-werke-Aktiengesellschaft" umgewandelt. Das Gesellschaftskapital betrug bei der Gründung äst. Kr. 3,000.000 und ist allmählich auf iiö 60,000.000.— erhöht worden. Die Anlagen der NEW haben mit Ende deS Jahres 1886«inen Anschaffungswert von rund Kö 280,000.000.—. Das Stromversorgungsgebiet der NEW umfaßt die Bezirke: Auscha, Aussig, Bensen, Bilin, Böhm.-Kamnitz, Böhm.-Leipa, Dauba, Deutsch- Gabel, Dux, Haida, Hainspach, Karbitz, Leitmeritz, Lobositz, Niemes, OberleutenSdorf, Rumburg, Schluckenau, Tcplitz-Schönau, Tetschen, Warnsdorf, Wegstädtl und Zwickau. In diesem Sttomversor- gungsgebiete haben bereits 97,5% der Bevölkerung die Möglichkeit des Sttombezuges, so daß also in diesen Bezirken die Elekttifizierung praktisch durchgeführt ist. Ueber di« Entwicklung der Gesellschaft sei folgendes mitgeteilt: Nach GesellschastSgründung wurden zuerst die Städte Bodenbach, Böhm.-Leipa, Leitmeritz und Lobositz und die in deren Nähe liegenden Landgemeinden angeschloffen. Später folgten die städtischen Elektrizitätswerke in Auffig, Böhm.-Kamnitz und Steinschönau und verschiedene Jndustrieunterneh- mungen, darunter der„Verein für chemische und metallurgische Produktton" in Auffig, schließlich auch die„Siemens" Elektrische Betriebe Ges. m. b. H. in Turn-Teplitz, welche ihrerseits die polittschen Bezirke Teplitz und Dux, sowie zum Teile auch den Bezirk Brüx aus ihren eigenen elektrischen Zentralen in Soborten und OberleutenSdorf mit elektrischer Energie versorgte. Die Energiequellen der NEW waren damals ihre eigene Zentrale am Elisabeth-Schacht mit einer installierten Maschinen» lesstung von 6000 kW und die von ihr gepachtete elektrische Fabrikzenttale der Bodenbacher Berg- mann-Werke mit einer installierten Maschinenleistung von 3200 kW. Im Jahre 1816 wurde das neu erbaute Kraftwerk in Türmitz mit einer installierten Maschinenleistung von zunächst 12.000 kW ferttggestellt und dem Betriebe übergeben, worauf die Schachtzentrale am Elisabeth-Schacht stillgelegt wurde. Der Elisabeth-Schacht wurde käuflich erworben und modernisiert, wodurch die Brennstoffversorgung des Kraftwerkes in Türmitz auf lange Jahre fichrrgeüellt wurde. Bis zum Zeitpunft der Gründung des tschechoslowakischen Staate- hatten die Leitungsnetze der NEW eine Länge von 276 Km. I mit Spannungen bis zu 10 kV. Angeschlossen waren zu diesem Zeitpunkte 57 Gemeinden, 68 Industrien; 6114 Kleinabnehmer und 2 lokale Elektrizitätswerkes In der weiteren Entwicklung-Periode wurde die installierte Maschinenleistung des Türmitzec Kraftwerkes in mehreren Etappen auf 60.000 kW erhöht, so daß der REW in Verbindung mit den zwischenzeittg im Sinne systemattscher Elektrifizie» rung an ihre Leitungsnetze angeschloffenen Waffer» kraftanlagen de- Bersorgungsgebietes Ende 1835 im ganzen 62.000 kW zur Verfügung standen. Die Leitungsnetze wurden auf 1612 Km. eigene Hochspannungsleitungen mit Spannungen bis zu 37kV und auf 1532 Km. eigene Niederspannungsleitungen mit insgesamt 14 großen Transformatoren- und Schaltwerken, 1022 Retztransformawren mit zusammen 88.5 kVA in 823 teils eigenen, teils den Konsumenten gehörenden Tran-formatorenstationen ausgebaut. Die Stromerzeugung der Gesellschaft betrug im Jahre 1885 rund 160 Millionen Kilowattstunden, der Stromverkauf rund 140 Millionen Kilowattstunden. Die NEW unterhält neben ihrem Zentralbüro in Bodenbach 7 Bezirksbüros in den Städten Bodenbach, Bohm.-Leipa, Dauba, Leitmeritz, Niemes, OberleutenSdorf und Turn-Teplitz, und ferner weitere 35 Bezirksstellen, welchen den einzelnen Bezirksbüros unterstellt und den Erfordernissen entsprechend im gesamten Stromversorgungsgebiete der NEW verteilt sind. Das Stromversorgungsgebier wurde fortschrei» tend vergrößert und arrondiett. Zunächst wurde im Jahre 1823«in erheblicher Teil der Anlagen der „Siemens" Elektrische Betriebe Ges. m. b. H. in Turn-Teplitz im Fusionswege den Netzen der REW inkorporiert, unter Stillegung und Abbruch der nicht mehr rationell arbeitenden elektrffchen Zentralen in Sobotten und OberleutenSdorf. Dabei wurde das Gebäude der elektrischen Zenttale in Soborten in eine Zentralwerkstätte des REW-Bersorgungs- gebietes umgcwandelt. 1825 wurde das städtisch« Elekttizitätswerk Teplitz-Schönau an.die Anlagen der NEW angeschlossen. Im Jahre 1826 wurden die Anlagen der„Soorgrund"-Elektrizitätsgenossen- schast in Rosendorf und der„Elekttizitätsgenossen« schäft der Bezirke und Gemeinden im Jeschken» gebiete" in Deutsch-Gabel, im Jahre 1828 die Anlagen des„Polzen-ElekttizitätsverbandeS Ges. m. b. H." in Bohm.-Leipa und der angrenzenden„Elek- trizitätSgenossenschast für Dauba und Umgebung" in Dauba käuflich erworben und mtt den angrenzenden Retzen der NEW technisch zusammengeschloffen. All dies wurde im Sinn« systemattscher Elektrifizierung und mit dem Endzwecke durchgeführt, den Konsumenten verbilligten Sttom mittels leistungsfähiger Anlagen zu liefern. Im Jahre 1831 wurde sodann damit begonnen, durch Herstellung der erforderlichen Uebertragungsanlagen die Möglichkeit zu schaffen, die bis dahin mit elektrischer Energie aus Deutschland Vtrsovgten Apolitische« Bezirker' Rmnburg, Schluckenau und Warnsdorf aas den inländische« Anlagen der NEW zu bedienen; noch im gleichen Jahre wurden die städttschen Elektrizitätswerke Rumburg und Schünlinde als Großabnehmer ange- geschloffen, im Jahre 1833 auch die Lieferung von elektrischer Energie an die„Elektrische Licht« und Kraftanlagen-Gesellschaft m. b. H." in Nixdorf für deren Stromversorgungsgebiet ausgenommen, im Jahre 1835 auch jene an die Elektrizitätswerke Warnsdorf G. m. b. H." in Warnsdorf und schließlich im gleichen Jahre auch jene an di«„Elek- trizitätS-Lieferungs-Gesellschaft m. b. H." in Grot- tau für deren Anlagen in den Bezirken Schluckenau und Rumburg. Mit Ende des Jahre- 1835 wurde also die Stromversorgung aller nanchaften Städte und Gemeinden der drei genannten politischen Bezirke vom benachbarten Auslande unabhängig gemacht. Die NEW arbeitet im Interesse der systematischen Elettrifizierung und somit im Interesse unserer heimischen Elettrizitätswirtschaft mit den in ihrem Stromversorgungsgebiete bestehenden selbständigen Elektrizitätswerken zusammen, von welchen die meisten ihren Energiebedarf zur Gänze durch Sttom« bezug aus den Anlagen der NEW decken und die übrigen einen Teilbezug ausführen. Die NEW legte und legt besonderen Wert darauf, ihre Groß» und Kleinkonsumenten technisch einwandfrei zu Strompreisen zu bedienen, die im Vergleiche mit den unter ähnlichen Verhältnissen arbeitenden, gemeinnützig erklärten Ueb«rland»Elek» trizitätswerken als durchaus angemeffen bezeichnet werden müffen. Es steht somit fest, daß die NEW als privat geleitetes Unternehmen die Kundschaft zu gleich günstigen Bedingungen wie gleich geartete, gemeinnützig erklärte Elektrizitätswerke bedient, was umso bemerkenswerter ist, als die NEW dem Staate erhebliche Summen in Form fiskalischer Leistungen zuzuführen hat, welche der Steuerbegün» stlgung teilhaftige andere Elektrizitätsunternehmun- gen nicht in entfernt gleichem Ausmaße tragen, wozu noch kommt, daß gemeinnützig erklärte Elektrizität-» Unternehmungen das Privileg der Beschaffung lang» fristigen Leihgeldes in Form der Ausgaben niedrig verzinslicher Teilschuldverschreibungen besitzen. Durch diese günstigen Preisstellungen wurde es möglich, einen Konsumentenstand zu erreichen, welcher mit Ende deS Jahres 1835 14 meist kommunal« Elekttizitätswerk«, 284 nach Jndusttietarif ange» schlossene Betriebe, 55 staatliche und städtische Anlagen, 276 Gemeinden und Ottschaften, die als Großabnehmer versorgt werden, und 488 Gemeinden und Ottschaften, in welchen auf Grund von Konzeffionsverttägen rund 83.000 Kleinabnehmer direkt auS den eigenen Niederspannungsanlagen der Gesellschaft beliefert werden, umfaßte. Die Gesellschaft beschäftigt derzeit rund 260 Angestellte und rund 800 Arbeiter durchwegs tschechoslowakischer Staatszugehörigkeit. Z266 Seite 6 „Sozialdemokrat" Dienstag, 16. Juni 1936. Nr. 140 Troger ZMmg Bin Uinrlav.■■■«I Dadaifaei> ten auf den achten Platz. Wedemg erzielte nach- "'O Kinder Und» GIICITCSi stehende Ergebnisse: 50 Meter: 7.2 Sek., Kugel: Zwei Sonnentage— eine erfrischende Pause zwischen den vielen grauen Tagen. Schon Sams- tagnachmittäg sind zur Feier des Arbeiter-Kindertages die Roten Falken und die Atus-Kinder auf den Turnplatz der DTJ auf dem Pohoielec gekommen, sie müssen das Lager errichten, die Zelte aüfbauen— ein großes und eine ganze Anzahl kleinerer— und sich häuslich einrichten. Diese Arbeit, der sie sich mit größtem Eifer hingeben, gehört mit zum Feste, gehört mit zu den großen Freuden der Kinder. Nach einer Stunde alles in Ordnung, die Zeltgemeinschaften sind eingeteilt, nun wird feierlich die Lagerfahne gehißt. Das Lied„Brüder zur Sonne, zur Freiheit I" begrüßt sie. Genosie Hoffmann hält eine kurze Ansprache an die Kinder.' Dann gibts allerlei Spiel und Kurzweil, nur unterbrochen durch das Essen, und beim Einbruch der Dämmerung versammeln sich alle um ein großes Lagerfeuer. Ernste und heitere Scharlieder steigen auf aus der Runde um die flackernden Flammen, und nicht nur ihr Schein, auch Freude rötet die Wangen der Kleinen. Aber auch diese romantische Stunde verfliegt, die Kinder sind so köstlich müde geworden» es wird Zeit, schlafen zu gehen. Die Lagerfahne wird eingeholt, die Kleinen verkriechen sich in den Zelten. Noch wird da und dort ein frohes Lachen laut; aber bald ist alles still, rasch sind die Kinder entschlummert. Nur die Lagerwachen, die ihr Amt sehr ernst nehmen, geistern um die Zelte. Am Sonntag ist um 6 Uhr Tagwache. Eine halbe Stunde Gymnastik. Dann wird wieder die Lagerfahne aufgezogen. Jetzt erst ist die Frühstückzeit.-Es wird Kakao verabreicht. Nach dem Esten Vergnügen sich die Kinder eine Weile je Beiiuehet die Felsenstädte Wekelsdorf und Adersbach Weltberühmt als einzig dastehende Sandsteingebilde. Die Naturdenkmäler zählen zu den beliebtesten Reise** zielen tausender Touristen. Sommerfrischen— Herrlich angelegte Bäder— Hotels: Felsenstadt Adersbach— Eisenhammer, Wekelsdorf. Prospekte durch die Felsenverwaltungen. 3496 nach ihren Einfällen und Vorlieben, dann aber sammeln sie sich als Teilnehmer und aufmerksame Zuschauer zu den leichtathletischen Wettkämpfen. Nach diesem sportlichen Höhepunkte des Festes folgen bis zum Mittagessen allerlei Spiele und Scherze und ein paar Proben für die Nachmittagsvorführungen. Nachdem Miitagessen kommen bald mehr und mehr Erwachsene. Die Eltern der Kinder, viele Arbeiterturner, viele Parteigenossen. Der Kindertag weitet sich nun zu einem schönen Parteifeste. Ein dichter Zuschauerkreis sammelt sich um die Kinder, freut sich an ihrer Freude. Spiele der Kleinsten, Volkstänze, turnerische Uebungen der Atus-Kinder, Scherzgesänge, lustige Spiele undWettkämpfe wie Sackhüpfen, Specrstechen mit verbundenen Augen(die Preise sind von der Gec gestiftete Zuckerlpaketchen) füllen die Stunden. Allzu rasch ist der Nachmittag vergangen. Gegen sechs Uhr marschieren Turner und Turnerinnen, Atus-Jugend und Rote Falken und Sozialistische Jugend auf dem Sportplätze auf. Eine kleine Abteilung der RW geleitet eine herrliche rote Fahne, die Fahne, die unsere Prager Parteiorganisation dem Atus gestiftet hat, als Symbol der innigen treuen Verbundenheit von Partei und Arbeiter- Turn- und Sportbewegung. Genosse S ch ö n f e l- d e r übergibt mit einer kurzen Ansprache die Fahne dem Obmann des Atus, dem Genossen Schrader, der sie mit herzlichen Dankeswortcn übernimmt und im Namen seiner Organisation deren Treue zum Sozialismus, zur Partei gelobt, Der Gesang der„Internationale" und kräftige Freiheit!-Rufe beenden die eindrucksvolle Feier.' Ein Weilchen noch haben die Kinder Zeit, sich dem Spiel hinzugeben. Bald aber ist die Stunde des Abschieds gekommen, allzubald. Die Lagerfahne sinkt, die Zelte werden abgebrochen, der Platz gesäubert, die Rucksäcke gepackt. Herzliche Händedrücke nach allen Seiten, Freundschaft-Rufe, der Platz leert sich... Schön war dieser Kindertag! So besonders schön, weil er zu einem Feste aller Organisationen geworden war, das harmonische Zusammenarbeiten von Kinderfreunden und Atus, die Verbundenheit von Atus, Kinderfreunden und Partei und Sozialistischer Jugend, die herzliche Gemeinschaft von jung und alt so erfreuend dargetan hatte. * Im Rahmen des Kindertages trugen die A t U s- Mädel und-Jungen mit den Roten Falken einen leichtathletischen Dreikampf (bestehend aus 50 Meter, Kugelstoßen und Weitsprung) aus. Bei den Mädchen teilten sich den ersten Platz Pkiberny(Atus) und Michal(Rote Falken) mit je 208 Punkten vor Helga Wolf(A) mit 197 und H. Schwarzbartl(A) mit 178 Punkten. Pkiberny erzielte folgende Einzclergebniffe: 50 Meter: 7.9 Sek., Kugel: 7.80 Meter, Weitsprung: 8.25 Meter.— Bei den Mädchen unter zwölf Jahren blieb Erika Kern(RF) mit 144 vor Mar. Wiesner (RF) mit 189 und H. Grosse(A) mit 121 Punkten erfolgreich.— Den Sieger der Knaben stellte R. Wedenig(A) mit 264 vor K. Stingl(A) 263 und A. JandouZ(A) 241 Puntten. Als erster Rote Falke placierte sich Lukas Bardenhevel mit 176 Punk- 10.53 Meter, Weitsprung: 3.90 Meter; Stmgl warf die Kugel 11.14 Meter und sprang 4.10 Meter.— Die Sportler des Atus trugen gleichfalls einen Dreikampf in denselben Disziplinen aus. Noffek siegte mit 226(50 Meter: 6.6 Sek., Kugel: 10.59 Meter, Weitsprung: 5.69 Meter) vor Ullmann 193 und Nittl 187 Punkten. Qmcht&iaat Kindesleiche in der Friedhofs-Senkgrube Der letzte Prozeß der dritten Schwurgerichtsperiode Prag,(vb.) Vor dem freitägigen Schwurgericht (Vors. OGR. Dr. C e r v i n k a) wurde als letzter Prozeß der gegenwärtigen Schwurgerichtsperiode eine Anklage wegen Kindesm o r- des verhandelt. Auf der Anklagebank saß die 26jährige Marie Maier aus Biezove H o r y! bei Pribram. Bei Ausräumung der Senkgrube des Pri- brgmer Friedhofsabortes wurde am 2. Feber d. I. die bereits stark verweste Leiche eines neugeborenen Kindes zu tage gefördert. Als Kindesmuüer wurde die Angeklagte ausgeforscht, die beim Verhör auch gestand, sie habe, als sie unvermutet von Geburtswehen überfallen wurde, jenen Friedhofsabort aufgesucht. Das Kind sei direkt in den offenen Schacht gefallen mrd habe so den Tod gesunden. Das war am 22. Nobember v. I.' . Der Gendarmeriebericht stellt der Maier kein gutes Zeugnis aus und bemerkt u. a., daß sie seit Iahten unbedenklich allerlei intime Bekanntschaften suche, und zwar vor allem mit verheirateten Männern. Aus solchen Bekanntschaften hat sie bereits eine siebenjährige Tochter, ein zweites Kind starb und wegen Mordes an dem dritten stand die Maier gestern vor Gericht. Auch ihr letzter Geliebter, ein gewisser PeträLek, ist verheiratet und machte die Bekanntschaft der Maier unter ungewöhnlichen Umständen, nämlich bei der Bergung der Leiche eines jungen Mädchens aus dem Teich D r o ß ö a st. Es handelte sich damals um das Opfer des Mörders JaroslavJezek, der seinerzeit von dem Prager Schwurgericht wegen Ertränkung seiner schwangeren Geliebten verurteilt wurde. Das Verhältnis mit PeträLek, das gleich am ersten Tag der Bekanntschaft intim wurde, dauerte einige Jahre und führte abermals zur Schwängerung der Angeklagten. Nach erfolglosen Versuchen, sich des unerwünschten Kindes zu entledigen, endete diese Bekanntschaft, durch welche übrigens das Familienleben PeträLeks aufs schwerste erschüttert wurde, mit der Anklage wegen Kindesmordes. Die Anklagebehörde schenkte nämlich der Darstellung der Angeklagten keinen Glauben und vertritt die Ansicht, daß sie ihr neugeborenes Kind nach der Geburt getötet und dann erst in die Senkgrube geworfen hat. Spuren r.n Gewaltanwendung waren zwar an der stark verwesten Leiche nicht eindeutig nachzuweisen, aber in den Luftwegen des Kindes waren keine Spuren von Kot nachzuweisen, was nach dem Gutachten der ärztlichen Sachverständigen hätte der Fall sein müssen, wenn das Kind bei dem Sturz in die angefüllte Senkgrube noch gelebt hätte, da beim Atemholen die Fäkalien in die Luftröhre hätten eindringen müssen. Die Verhandlung füllte den ganzen Tag aus. Auf Grund des Erkenntnisses der Geschworenen wurde die Angeklagte schuldig erkannt und zu drei Jahren schweren und verschärfte« Kerkers verurteilt. Nurst unck Wissen- Lumpacivagabundus Tas Deutsche Theater hat sich mit der Neuinszenierung dieses bedeutendsten Werkes des größten Wiener Volksklassikers zweifellos ein Verdienst erworben. Es scheint aber, daß man in einer Zeit, in der den Künstlern wie dem Publikum der Quell solch heiter-naiven Theaters fern licht, gerade an N e st r o y mit noch viel mehr Respekt und Gründlichkeft, mit noch mehr liebevoller Versenkung herantteten müffen, als es vermutlich die letzten Wochen vor Torschluß einer anstrengenden Spielzeit gestatteten. Der Knieriem etwa ist eine Aufgabe, an der ganz große Darsteller monatelang arbeiteten; nicht zu verlangen also, daß unser Komiker in vorstellbar kürzester Zeit eine völlig befriedigende Leistung schaffe. Und das gilt nicht nur von ihm, Julius G e I l n e r, von uns außerordentlich geschätzt und immer wieder, seinemVerdienst entsprechend, rückhaltlos anerkannt und gewürdigt, ist für Nestroy kaum inkarniert. Saubere und schöne Bilder, Theatersinn für Tradition genügen in diesem Falle nicht, auch wenn sich vielseittges Können mit ihnen paart. Hier mutz aus dem Gemüt geschöpft werden, mit zauberhafter Leichtigkeit; nicht nur mit Geist und Witz, sondern mtt urgründigem Humor, der über das Leben, dem mit Satire beizukommen, die Zensur dem unsterblichen Nestroy verwehrte, dennoch unter Tränen lachen macht. Die Zusatzstrophcn, die. man unserem Knieriem in den Mund legt, haben mit dem Geiste Nestroy nicht das geringste gemein; auf diese Weise lätzt sich das Tragikomische dieser Figur nicht unterstreichen. Herr Dudek spielt den Schuster sehr arnüsant als sinnierender Säufer, leiht ihm auch den einen oder den anderen beachtlich komischen Zug und trägt so schon das Seine dazu bei, daß oie Bombenrolle.nicht ohne starke Wirkung auf jene bleibt, die nicht miterlebt oder schon wieder vergeffeN haben, daß dieser Schuster zwerchfellerschütternd und zugleich erschütternd zu sein hat. Aber vielleicht wäre Dudek auch ein solcher Knieriem— wenn man ihm Zeit ließe. Vielleicht würde Herr Götz, deffen grotesker Zwirn dem Publikum sehr viel Freude macht, brillant zum Menschlichen dieser Figur Vorstotzen, wenn Führung und Darstellung Mutze hätten, ihre Phantasie mit echteren Vorstellungen des Wiener Vorstadttheaters vor hundert Jahren zu erfüllen. Mit dem Tempo kann man bei Nestroy nichts richten. Hier heitzt's ausspielen lassen! Schulbeispiel der falschen Art: das völlige Verpuffen des Nummerntraums, der jeden Zaubers entkleidet war und durch den unm'ttelbar fol, genden Austritt der Mägde völlig um die Wirkung kam. Nicht die G'spatz sind bei Nestroy das Wichtigste, sondern der Spatz und das Gefühl. Dieses aber wiederum kam in dieser Aufführung nur ein einziges Mal elementar zum Ausbruch: in der Wiedersehensszene des Leim mit seiner Peppi; Padlesak spielte das mit hinreißendem Temperament, mtt jugendlichem Feuer und, vor allem, mit Herz.— Die Episoden führte Stadler einfach und natürlich als Hobelmann; zu erwähnen noch der eindrucksvolle Sprecher des Feenkönigs, Arthur Ziovflh, die Damen Rayn, Kuthan, Warnholtz, Wünsche, Macheiner, Sommer und Herr Volker. Adolf Müllers liebenswürdige Musik fand in Herbert Popper einen beftiedigenden Interpreten. L. G. Der Klub der tschechische« und deutschen Bühnenangehörige« veranstaltet am 20. Juni, um 23 Uhr. im Städtischen Theater in Weinberge eine einmalige(die insgesamt dritte) Vorstellung von I. N. Srepänek's„Tech a Nemec"(Ter Tscheche und der Deutsche). Deutsche Musik-Akademie. Donnerstag, den 18. Juni. 20 Uhr, Lyzeumsaal, Interner Abend der Schauspielklafse. Szenen aus Werken von Bahr. Goethe, Gogol. Körner, Schiller. Shakespeare u. a. Am gleichen Tage 4 bis 6 Uhr Ausstellung der Büh- nenbildklaffe im Hörsaal 5, Prag H, Vladislavovä 23. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Dienstag halb 8:Katarina Ismailowa, Al.— Mittwoch halb 8: Glück mu tz man haben, B 2.—- Donnerstag halb 8: FraDia- v o l o, C 2.— Freitag halb 8: Gygesund sein Ring, Festspiele VIII, Gastspiel des Burgtheaters Wien D 2.— Samstag halb 8: Lumpa- civagabundus, CI.— Sonntag halb 8: Der Rosenkavalier, Festspiele IX, Gastspiel Erich Kleiber, D 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Dienstag, 8 Uhr abends: Salzburgausverkauf t.—Mittwoch 8:EineFrau ohne Bedeutung.— Donnerstag 8: Das große ABC, Bankbeamte II und freier Verkauf.— Freitag 8: Salzburg ausverkauft.— Samstag 8: Das große A B C.— Sonntag: 8 Menschen auf der Eisscholle. Schweizer Klubs ausgeschaltet Die Rückspiele der Schweizer Klubs in der Mitropacup-Vorrunde hatten die Scharte in den ersten Spielen nicht auswehen können und sie wurde teilweise vergrößert. So sehr den Beteiligten am Mitropacup die guten Schweizer Franken lockten, ist doch dois finanzielle Ergebnis für diese Runde kläglicher ausgefallen als angenommen wurde. Die Brünner Zidenice hatte in Lausanne nicht viel zu riskieren, wurde aber doch 2:1 (1:0) geschlagen. Auch Austria Wien trachtete, ihren Vorsprung zu hatten und verhalf damit Grashoppers in Züttch zu einem 1:1(0:1). Phöbus Budapest schlug auch daheim V o u n g Fellows Zürich, und zwar mit 6:2(1:0). F C Bern verlor gegen AC Torino 7:1(4:CH. Um den Aufstieg in die Liga Dar Oualifikationsturnier der fünf Divisionsmeister hat Samstag und Sonntag je ein Spiel gebracht. ViktoriaZizkov schlug S K K ö n i g- g r ä tz sicher mit 3:0(3:0). Nach der Pause boten die Königgräher wohl eine beffere Partie, ohne jedoch zu Erfolgen zu kommen. In Mähr.- Schünde rg blieb Baka Zlin nach einer torlosen Halbzeit als die technisch reifere Mannschaft mit 2:0 über! die Heimischen siegreich, bei denen die Stürmer ver-! sagten. Auch Ferencvaros Budapest in Preßiurg besiegt. Vor einer Woche verlor Hungaria, der ungarische Meister, hoch gegen ESK Preßburg und nun mußte j auch Ferencvaros mit 6:2(3:!) daran glauben. Keine gute Reklame für den Mitropacup I Sonstige Fusiballergebniffe. Prag: DFC komb. gegen Cechie Zizkov 6:2(4:0), Ruselsky SK i gegen SK Lifsa 4:2.— Kladno: SK gegen SK' Nusle 5:1.— Königinhof: SK gegen SK Ra-! chod 3:2(1:1).— Karlsbad: Sportbrüder! Maierhöfen gegen KFK 5:21, am Samstag wurde| KFK vom DSV Saaz mtt dem gleichen Ergebnis ge-\ schlagen.— Komotau: DFK gegen SlaviaKarls-1 bad 1:2,— Saaz: DSV gegen Sportbrüder Schreckenstein 2:1.— Teplitz: TFK gegen BSK Gablonz 5:2, am Samstag in Gablonz 3:1.— B o- denbach: SpVg. gegen Warnsdorfer FK 3:0.— Aussig: DFK gegen DSV B.-Leipa 4:2.— Reichenberg: DFK gegen DSK Gablonz 2:2(1:0). — Trautenau: DSV gegen Jungbunzlauer SK 1:2.— Troppau: SK Protznitz gegen DSV 4:0. '— I ä gerndo r f: Floridsdorfer AC gegen SB 6:2.— Komorn: Ujpest Budapest gegen KFC 12:1.— Kopenhagen: Dänemark gegen Schweden 4:3(2:2). Kakteen mtt„Zamvervuna" begaffen, werden zauberhaft schön. Senden Sie uns XL 5.60 in Briefmarken, wir liefern Ihnen dafür den guten Blumenzauberdung, den besten Dungguß für Ihre Blumen. Sie werden staunen, wie herrlich dann Ihre Blumen gedeihen. Verwaltung„Frauenwelt", Prag XII.» Fochova tr. 62, und durch alle Kolporteure erhältlich. Leichtathletikwettkampf Tschechoslowakei gegen Jugoslawien 97:71 Im Prager Masarhk-Stadion wurde Samsrag und Sonntag der erste Wettkampf der Leichtathletik- verbände der Tschechoslowakei und Jugoslawien aus- | getragen, welcher von den Tschechoslowakei sicher gewonnen wurde. Drei tschechoslowakische und fünf jugoslawische Rekorde wurden dabei aufgestellt. Die tschechoslowakischen Rekorde sind: im Stabhoch mit 4.02 Meter, im Weitspruna mit 7.26 Meter und im Hammerwerfen mit 51.62 Meter. Die Ergebnisse: 100 Meter: Bauer(I) 11.2, Hanc(Tsch) 11.2 Sek.— 200 Meter: Knenicky (Tsch) 22.4 Sek.— 400 Meter: Knenicky 49.8 Sek. — 800 Meter: Otahal(Tsch) 1:58.9 Min.— 1500 Meter: Hosek(Tsch) 4:06.5 Min.— 5000 Meter:: Krevs(I) 15:41.4 Min.— 110 Meter Hürden: Juranka(Tsch) 16.1 Sek.— 4X100 Meter: Tschechoslowakei 42.9, Jugoslawien 44.4 Sek.— 4X400 Meter: Tschechoslowakei 3:25.4, Jugoslawien 3;28,6 Min.— Hochprung: Galanda, Kratky(Tsch) und Martini(I) je 1.80 Meter.— Weitsprung: Hoffmann(Tsch) 7.26 Meter.— Stabhoch: Klasek (Tsch) 4.02 Meter.— Kugel: Douda(Tsch) 15.49, Kovakevik(I) 15.00 Meter.— Diskus: Dr. Na- ranctt(I) 43.29, Bitek(Tsch) 41.56 Meier: Speer: Klein(Tsch) 62.22 Meter.— Hammer: Knote! (Tsch) 51.62 Meter. Oie Jagd nach dem Weltrekord Der Prager Schwerathlet V. Psenicka verbefferte im Schwergewicht den Weltrekord im Olympischen Dreikampf auf 407.5 Kg. Er erzielte im Drücken 127.5, im Reißen 125 und im Stotzen 155 Kg. Im beidarmigen Speerwerfen erzielte die polnische Leichtathletin Kwasniewska mit 66.49 Metern eine neue Weltbestleistung. Bei einem New-Uorker Leichtathletik-Meeting verbesserte der Langstreckenläufer Donald Lash den Nurmi-Weltrekord über zwei englische Meilen. Er lief diese Sttecke in 8:58.3 Min. NurmiS Rekord stammt aus dem Jahre 1931 und wies eine Zeit von 8:59.6 Min. auf. In Kopenhagen schwamm die dänische Schwimmerin Ranghild Hveger die 500 Meter Freistil in neuer Weltrekordzeit von 6:45.7 Min. Den alte« Rekord hielt die Holländerin Willy den Ouden mtt 6:48.4 Min. Die Münchener Leichtathlettn G. Mauermaher verbesserte ihren eigenen Diskus-Weltrekord auf 47.99 Meter. Drei-Städte-Kampf im Wasserball. In Brünn fand ein Wasserballturnier statt, das folgende Ergebnisse brachte: Brünn gegen Pretzburg 5:4(5:2), Prag gegen Pretzburg 8:0(3:0), Prag gegen Brünn 8:0(4:0). Kein Divisionsmeister— Spieler-Abverkauf. Der ESK B.-Budweis, welchem es nicht gelang, die Divisionsmeisterschaft Böhmen-Land zu gewinnen,, verkauft nun langsam seine Spieler. Einer wurde nach Protznitz für 7000 XL, ein anderer an den Pilsener SK für 17.000 Kc verkauft; zwei weitere wurden dem Ortsverein Meteor„überlassen". Baugenossenschaft für Bank- und Sparkassenbeamte, r. G. m. b. H. Prag VH., RC. 1390. Einladung zu der am 23. Jnnt 1936, um 20 Uhr im großen Saale des Deutschen Handwerkervereines, Prag II, Ve SmeLkäch 22, stattfindenden xxvi. oröentlid) tn Sollt) crfammlung Tagesordnung, 1. Verlesung der Verhandlungsschrift der XXV. ordentlichen Vollversammlung. 2. Wahl zweier Verifttatoren. 3. Jahresrechnung und Rechenschaftsbericht. 4. Bericht des Aufsichtsrates. 5. Antrag auf Gewinnverteilung. 6. Wahlen. 7. Anträge nach§ 13 der Satzungen. 8. Allfälliges. 8«r Beachtung! Die Anträge find laut 8 13 der Satzungen mindestens 4 Tage vor Abhaltung der Vollversammlung von einem Zehntel der Mitglieder dem Vorstände tu überreichen. Erscheint Mr angegebenen Stund» nicht die nötige Anzahl Mitglieder, findet eine halbe Stunde später die Vollversammlung mit derselben Tagesordnung statt, welche ohne Rücksicht aus di« Anzahl der Anwesenden beschlußfähig ist. Das Stimmrecht ist nach 8 14 der Satzungen persönlich auszuüben. Nur suristtsche Personen sowie mehrere Erben eines verstorbenen Mitgliedes können sich durch einen mit schriftlicher Vollmacht versehenen Bevollmächtigten vertreten lassen. Ter Bevollmächtigte kann in diesen psällcu nicht mehr als ein Mitglied vertreten. Die den Stimmzetteln beigefügte Teilnehmerlegitimation ist mitzubrinaen. 3038 Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192.—— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde vcn der Post- und Tcle» araphenüirektwu mtt Erlaß Nr. 13.800/VJLI/193Q bewilligt.— Druckerei:.^Orbis". Druck-, Verlags« und 8eittmgS-A.-G. Prag.