Nr. 141 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (•InschlieBlich 5 Halfer Porto) Mittwoch, 17. Zimt 1936 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii, fochova«r. Telefon 53077. HERAUSGEBER« SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Noch diese Woche Phönix-Entscheiduns? Wie dir„Prager Presse" aus Bersicherungs- kreissn erfährt» erwartet man noch im Laufe dieser Woche das Zustandekommen der Entscheidung in Sachen des Prager„Phönix". Im Brennpunkt der Schlußberatungen über diesen Gegenstand steht nach dem genannten Blatt ekn Projekt, wonach die Bersichernngsinstitute durch dreißig Jahre einen Stock von 14 Millionen XL zur Sanierung der Phönix-Polizzen beitragen sollen, d. i. die Hälfte des zur Sanierung erforderlichen Betrages von 38 Millionen XL. Die Liquidierung der anderen Hälfte ist bisher nicht in das aktuelle Beratungsstadium getreten, weil Pie Zustimmung der BersicherulngsanstaTten zur Mobilisierung ihres Jahresbeitrages sich noch im Ber- hckndlungsstadium befinde. 200.000 Streikende in Belgien Brüssel. Die Zahl der streikenden Berg- und Metallarbeiter in Belgien wird auf 200.000 geschätzt. Ausschreitungen werden nur ans Lüttich gemeldet, wo sich die Lage im Laufe deS Montag nachmittags weiter verschärft hat. Als sehr ernst wird vor allem die Lage in Seraing, dem Hauptsitz der belgischen Eisen- und Maschinenindustrie, angesehen. Hier wurden im Laufe des Montag nachmittags M t»i t ä r z u m Schutze der Fabriken herangezogen, was darauf schließen läßt, daß die Behörden einer weiteren Verschlimmerung der Lage mit allen Mitteln begegnen wollen. Goebbels-Interpellation in der Pariser Kammer Auch Eden für Aufhebung britischen Kabinetts der Sanktionen London. Die für Donnerstag anbrraumte Debatte im Unterhaus über die Sanktionen wird mit einer Erklärung des Außenministers Eden eröffnet und mit einer Rede des Prentierministers Baldwin geschloffen werden. An der Debatte werden sich zahlreiche Redner der Opposition beteiligen. Auch Llovd Georges beabsichtigt, in die Debatte einzugreifen. Die endgültige Entscheidung über die englische Stellungnahme kn Genf wird auf der Wochensitzung des Kabinettes am Mittwoch fallen. Die Mitteilungen der'Morgenblätter lassen jedoch nicht mehr den geringsten Zweifel darüber bestehen, daß sich die Regierung bereits so gut wie entschlossen hat, die Aufhebung der Sanktionen gegen Italien zu befürworten. „News Chrvnicle" schreibt in einem innerpolitischen Artikel, daß in der Sitzung des Kabinetts, die sich mit der Aufhebung der Sanktionen beschäftigen wird, Minister Eden nicht gegen die'Kabinettsmitglieder Stellung nehmen werde, die für die Aufhebung der Sanktionen sind. Das Blatt spricht die lleberzeugung aus, daß Minister Eden nicht auf sein Amt verzichten wird. Sobald entschieden sein werde, daß die Sanktionen aufgehoben werden, könne erwartet werden, daß die britische Regierung. ihre Verpflichtungen im Rheinland und im Mittelmecrgebiete präziser sestlezcu wird. Allerdings werden dann die brüt- schen Verpflichtungen gegenüber den übrigen Gebieten noch unklar sein. Die„Morning Post" sagt, daß die grundsätzliche Entscheidung der britischen Regierung viele Gründe in der dringenden Notwendigkeit habe, Italien wieder zur Mitarbeit in-Egropa zurückzuführen und so den deutschen Drang nach dem Südosten Europas zu verhindern. London. Zum Nachfolger des kürzlich zum Kolonialminister ernannten Kommiffärs für die öffentlichen Arbeiten Ormsby-Gore ist der bisherige Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt Lord Stanhope, ein Konservativer, ernannt worden. Er hat gleichzeitig den Rang eines Kabinettsministers erhalten. Wie verlautet, wird die Hauptaufgabe Stanhopes die Vorbereitung der im Hai nächsten Jahres stattfindendcn Königskrönung sein. Rom fordert mehr... R 0 m.(Stefani) Zur Frage der Reform des Völkerbundes und zu dem Problem der Regionalpakte wird an zuständigen Stellen erklärt, daß sich Italien mit keinem Problem befaffen wird, das zu einer Zusammenarbeit mit dem Völkerbund führen würde, solange nicht der Bölkerbmid anerkenne, daß ihm ein R e ch t s i r r 1 u m(!) unterlaufen sei, als ex Italien für einen Angreifer-Staat erklärte. Leon Blum vor dem Senat Auch hier Mehrheit für die Sozialsesetze zu erwarten Paris. Der kommunistische Klub der Deputiertenkammer hat beschlossen, daß der Deputierte Journalist Peri die Regierung wegen der letzten Rede des Reichsministers G 0 e b b e interpellieren wird, in der sich dieser in unzulässiger Weise in die innerpolitischen Verhältnisse Frankreichs eingemischt hat. Abflauen der arabischen Terroraktionen? Jerusalem.(Reuter.) In den letzten 24 Stunden hat sich die Situation ziemlich beruhigt. Es werden nur einige wenige Attentate gemeldet, so u. a. ein Bombenwurf auf die Eisenbahnstrecke bei Kalkilieh. Einer der verletzten Juden ist gestorben, so dass sich die Zahl der seit Beginn der Unruhen getöteten Juden auf 31 beläuft. Sowjetkonsul in Japan verhaftet Tokio. Der sowjetruffische Bizekonsul in Kobe ist nach einer heftigen Auseinandersetzung mit der Hafenpolizei in Shimonoseki verhaftet worden. Der Konsul hatte sich der Polizei gegenüber wegen angeblicher Schikanen beklagt, er sei wie ein Sträfling behandelt worden. Der Konsul befand sich mit 85 Seeleuten auf dem Wege nach Moji, um ein für die Sowjets gebautes Schiff abzunehmen. Beruhigung in China Schanghai. Der Reuterberichterstatter teilt mit, daß sich die Lage in China in beruhigender Weise entwickle. Die Möglichkeit eines Konfliktes Nankings mit dem Süden werde immer unwahrscheinlicher, weil die Nanking-Truppen ihren Vormarsch nach Honan, das von den Südtruppen völlig geräumt ist, eingestellt haben. Tschiangkaischek habe Kwantung große fi- nanzielle Zugeständnisse gemacht und die Annäherung zwischen Kwantung und Nanking entwickle sich erfolgversprechend. Japanischer Protest von Kanton abgelehnt Kanton. Der japanische Generalkonsul in Kanton erhob gegen die japanfeindlichen Ausschreitungen am Samstag Protest und forderte, daß die Kantonregierung die japanfeindliche Propaganda unterdrücke. Die Forderung des japanischen Generalkonsuls wurde abgelebnt. Man nimmt an, daß dieser Umstand eine Verschärfung der chinesisch-japanischen Spannung zur, Folge haben wird.• Paris. Die Senatsdebatte über die Sozialvorlagen der Regierung, welche Ende der abgelaufenen Woche von der Kammer angenommen wurden, nimmt bisher einen günstigen Verlauf. Der Berichterstatter des Finanzausschusses empfahl die Entwürfe zur Annahme. Zum Schlüsse der Nachmittagssitzung sprach Ministerpräsident L e 0 n B t u m, der einleitend feststellte, daß die fünf Vorlagen ein Ganzes bilden, da sie alle die Besserung der sozialen und Lcbensbcdingungen des arbeitenden Volkes anstreben. Diese Regierungsentwürfe stellen dengrötztenFort sch ritt dar, der je in der sozialen Gesetzgebung der französischen Republik verwirklicht wurde. Die Befürchtungen vor einer finanziellen Belastung des Staates werden durch die erwartete Besserung der gesamten wirtschaftlichen Lage und des Unternehmertums beseitigt werden. Die Präsidentenreise Am Dienstag mllH8rische Paraden Brünn. Der vierte Tag der Mähren-Reise des Präsidenten der Republik war wiederum Brünn gewidmet und sein Programm war ausschließlich mit militärischen Angelegenheiten ausgefüllt. Um 8.30 Uhr war der Präsident bereits auf dem Brünner Flugplatz. Dort begrüßte ihn u. a. Minister für Nationalverteidigung M a ch n i k. Rach technischen Vorträgen wurden Schauflüge vorgeführt. Der Präsident dankte hierauf vor den versammelten Fliegeroffizieren, den Unteroffizieren und der Mannschaft für den Enipfang, der ihm auf dem Flugplätze bereitet wurde, und für alles, was ihm gezeigt worden war, und hob hervor, daß sich unser Flugwesen stets nach dem Motto richten müsse:„Bis zum höchsten Ziel". Vom Flugplatz kehrte der Präsident der Republik in das Regierungsgebäude zurück, von wo er sich nach kurzer Pause wieder mit den militärischen und anderen öffentlichen Faktoren auf den Militärübungsplatz begab, wo eine Parade der Brünner Garnison stattfand. Rach der Parade benützte der Präsident die i Zeit, während der sich die Truppen zum Festmarsch umgruppierten, um mit den Vertretern der staatlichen und autonomen Behörden, sowie der verschiedenen hervorragenden Korporationen, die der Parade beiwohnten, zu sprechen. Der Vorsitzende des Finanzausschusses,'der radikale Senator Caillaux, sprach einige Befürchtungen vor den wirtschaftlichen und finanziellen Folgen der Entwürfe aus und sagte, der Senat stelle sich n i ch t gegen die Forderungen des französischen Volkes, noch gegen die augenblicklichen Versuche der Regierung. Um 20 Uhr vertagte sich der Senat auf Mittwoch, wo wahrscheinlich alle fünf Gesetzentwürfe angenommen werden dürften. Jaur&s-Gedenkmarke Paris. Postminister Jardillier hat entschieden, daß zum 31. Juli, dem Jahrestage der Ermordung des sozialistischen Führers Jaures (1914), eine Postmarke mit dem Bildnis Jaures herausgegeben werde. Die Bevölkerung Brünns verfolgte den Aufenthalt des Präsidenten der Republik in ihrer Stadt mit großem und herzlichen Interesse und wann immer der Präsident irgendwohin fuhr, ob bei Tag oder in den Nachtstunden, st■■ a ■ • 4.465 3.857 3.622 3.908 Glasindustrie..» • ■ B 34.579 18.641 14.695 13.595 Metall- und Maschinenindustrie. ■ B 15.958 11.183 11.890 10.875 Holzbearbeitung.»» n M■ a 6.026 4.362 5.691 5.281 Textilindustrie,.« a „ a 29.766 21.628 22.742 19.664 Bauarbeiter.... 13.093 10.256 12.664 12.188 Hilfsarbeiter... a 24.032 19.2/7 20.005 20.271 Tagarbeiter.... 1 a 12.788 9.627 9.788 10.272 Handels- und Jndustrieangestellte ■ 4.221 3.789 4.202 4.755 Haushaltungspersonal. • • k ■ . 3.250 2.868 3.107 3.292 Den Staatszuschuß zu der durch die Gewerk« I erhielten 27.976 gänzlich und 12.369 zeitweise schäften ausgezahlten Arbeitslosenunterstützung I Arbeitslose, also 40.348 Personen. Der lösende Holländer und die„liebe Bohemia“ Die„Bohemia", immer wieder rückfällig, veröffentlichte gestern folgende Notiz: Wirst man so deutsche Kurgäste? Liebe Bohemia,— jahrelang bin ich Besucher der Westböhmischen Bäder, deren Verfall und Verelendung ich zu meinem tiefsten Leid von Jahr zu Jahr sehe. Wie man aber den Fremdenverkehr zu heben sucht und die verzweifelte Lage der Bäder zu applanieren trachtet, zeigt folgender Vorfall. In FranzenSbad war am 7. d. M. eine sozialdemokratische Tagung, stundenlang zogen durch die Hauptstraßen deS Bades zur EAmvung der Kurgäste rot a n g e- zogene Arbeiterkolonnen mit sehr viel unterernährten Kin- dergruppen. An diesem Tage fand eine Theatervorführung von feiten der Arbeiterschaft statt, bei welcher ein Emigrant auS Schad« den Kanzler Hitler markierte. Es wurde nun dem Publikum gezeigt, wie Kanzler Hitler erschossen und aufgehängt wurde. Dieser Vorstellung wohnte auch der Vizebürgermeister von Franzensbad bei, welcher vor kurzer Zeit mit der Baderkommiffion in Berlin vorsprach. Abgesehen hievon, daß eine Beschimpfung ftemder Staatsoberhäupter auf diese Art eine grobe Ungehörigkeit bedeutet, bezeichne ich ein solches Vorgehen als eine Gewissenlosigkeit an den Gewerbetreibenden de- Kurortes Und an den Menschen, welche von den deutschen Kurgästen leben müssen. Es ist nicht zu verwundern, wenn heute bereits deutsche Sender warnen: Meidet das böhmische FranzenSbad.— Ihr alter Leser John van der Made, königl.-holländ. Generalkonsul. Schmarrn angeht. Und wir bezweifeln auch, daß er daheim in Holland ungestraft ähnliche Bemerkungen öffentlich machen dürste. Vollends unerhört aber ist es, daß dieser Herr van der Made, ohne sich als Gast unseres Landes seiner Sym- pathien für Hitler zu enthalten, auch vor Unwahrheiten nicht zurückschreckt. Bei der Theatervorführung, von der Herr van der Made spricht, handelte es sich nämlich um eine vom At u s veranstaltete geschlossene .Borstobtung, deren Programm lediglich aus turnerischen,, gymnastischen Vorführungen und aus Sprechchören bestand, deren einer einen Diktator vorführt, ohne aber, dass von Hitler die Rede wäre; und daß dabei dem Publikum gezeigt würde, wie Hitler erschossen oder aufgehängt würde, ist eine absolut« Lüge. Uebrigens dürfte ein gewisser Eifer nicht einmal die„Bohemia" so blind machen, um zu glauben, die Behörden hätten eine solche Vorführung zugelassen. Tatsächlich und natürlich wurde nicht nur das ganze Programm dem Be- zirkshauptmann unterbreitet und von ihm in Ordnung befunden, sondern es gab auch Behördenvertreter bei der Vorführung selber; der Herr van der M a de dürste allerdings nicht dabei gewesen sein; der dürfte sich vielmehr die Geschichte von gewissen Franzensbadern Akademikern und Nicht, akademiktrn haben ausbinden lassen, die wir sehr güt kennen. Aber ein hier zu Besuch weilender königl.-holländischer Generalkonsul ist nicht Irgendjemand, der politische Märchen glauben und öffentlich weiter erzählen darf— auch wenn es ihm noch so sehr scheinbar um unsere Kurorteinteressen oder anscheinend um Hitler geht. Wir wollten sehen, was solche Johns in Holland täten, wenn etwa ein tschechoslowakischer Generalkonsul dort in ähnlicher Weise an die Oeffentlichkeit träte! Wenn dem Herrn Generalkonsul bei uns etwas nicht paßt— beispielsweise, daß die Sozialdemokraten(ganz so wie die in Holland) gegen den Faschismus kämpfen, dann braucht er unser Land nicht mehr beglücken; wäre unter solchen Umständen nicht schade, Herr van der Madel Nicht schaden aber wird es auch, sich wieder einmal davon zu überzeugen, ob di«„Bohemia", wenn sie schon dem königl.-holländ. Generalkonsul sichtlich mit Freuden aufgesessen ist, wenigstens pöst festum der Wahrheit die Ehre geben wird! Die Arbeit der Jugendfürsorge Vertretertagung der Landeskommission Am 13. und 14. Juni wurde in Karlsbad der Bertretertag der Deutschen Jugendfürsorge Böhmens durchgeführt, in den auch der Frauentag der Deutschen Jugendfürsorge eingebaut war. Der Frauentag wurde von Anton Schäfer, Reichenberg, im Namen der Jugendfürsorge begrüßt. Frau Fachlehrerin Rott sprach sodann über Mutterschulung. Sie legte den Organisationsplan der Deuffchen Landeskommission vor. Der Mindestarbeitsplan umfaßt folgende Gebiete: die Grundlagen der Volkse vhallung, Pflege und Ernährung des Säuglings und des Kleinkindes, Krankheit und Krankenpflege bei Kindern und Erwachsenen. In der Diskussion beschäftigte sich auch FannyBlatny krftisch mit den erstatteten Vorschlägen. Sie begrüßte die geplante Mutterschulung.— Die Berichterstattung über die Frauenarbeit erfolgte in der Form eines Wechselgespräches.— Am Samstagwbend wurde eine Begrüßungsfeier veranstaltet. Erziehungsrat Dr. Heller hielt die Festansprache. Er sagte u. a., daß die Deuffche Landeskommission alljährlich 16 bis 17 Millionen XL zu Linderung der Kindernot ausgebe und im vergangenen Jahre in 274.000 Fällen geholfen habe. Am Nachmittag hatte sich eine Sitzung des Hauptausschusses vor allem mit der Fürsorge fürdie^u gen bliche nArb eit s lose n beschäftigt. Der Bertretertag der Deuffchen Jugendfürsorge Böhmens begann am Sonntag um 8 Uhr vormittags. Zunächst überbrachte Vojta Benes, Senator der tschechischen Sozialdemokratie, die Grüße der ffchechischen Juendfürsorgeorganisa- tion. Dann wurde ein Begrüßungsielegramm an den Staatspräsidenten und Danktelegramme an den Gesundheitsminister Dr. C z e ch, den Fürsorgeminister Jng. N e L a s und an das Justizministerium abgeschickt. ES folgten die Berichte der Fachreferenten, anschließend daran erstattete Dr. MaxLederer, Teplitz- Schönau, das Hauptreferat über das Thema: „Zentrale und Zweigvereine". Er verlangte die straffer« Zusammenfassung und einheitliche Leitung der Arbeit. Bei den Ergänzungswahlen in den Hauptausschuß wurde auch Dr. G r u s ch k a, Aussig, wiedergewählt.. Als Ort der nächsten Vertretertagung wurde Leitmeritz bestimmt. Mit herzlichen Dankesworten schloß Anton Schäfer, Reichenberg, die Vertretertagung. Am Nachmittag fand ein Kinderfestzug statt. Was geht In der Hauptleitung der SdP vor? Major Frank, Marien bad, der Vorsitzende des Klubs der SdP-Senatoren, auf der Fliegerliste Unter diesen Titeln berichtet der Karlsbader „Volkswille": Heiß ging es in der Freiiagsitzung der Hauptleitung der SdP im braunen Haus in Eger zu. Nach stürmischen Auseinandersetzungen, die oft sehr gefährliche Formen annahmen und den tiefen Riß innerhalb der SdP so augenscheinlich aufzeigten, unzufrieden mit den Anschauungen der Mehrheit in der Hauptleitung über die Verkleisterung des Riffes innerhalb der „Volksgemeinschaft", verließ Major Frank die Sitzung und machte gleich ganze Rechnung. Seinen Sitz inderHauptleitung gab er auf. Mit hochrotem Kopf und tiefer innerer Erregung begab er sich zu seinem Auto, während ihm ein SdP-Hauptleitungsmitglied begütend zuredete und sich entschuldigte, daß er nicht anders handeln konnte. Es dauerte nicht lange und aus dem braunen Haus wurden dem Major Frank seine zwei gelben Stühle aus der Hauptleitung nachgetragen und im Auto verstaut. War das ein Hinauswurf, oder ein freiwilliges Verzichten? Auch die Schreibmaschine und andere Kanzleiutensilien wurden im Auto untergebracht. Ohne sich in kameradschaftlicher Form zu verabschieden, schlug der Herr Major den Autoverschlag zu und fuhr in seine Heimatstadt Marienbad. Es ist wohl die Frage gestattet: Was geht in der Hauptleitung der SdP vor? Warum war Major Frank so erregt und warum verließ er in vollster Erregung den Sitz der Hauptleitung? Arbeitslosigkeit treibt eine junge Mutter in den Tod In Janeffen bei Karlsbad wurde die 32jäh- rige Schneiderin A. in ihrer Wohnstube tot aufgefunden. Die Unglückliche hatte Selbstmord durch Erhängen im Kleiderschrank begangen. Sie war Muller von drei Kindern im Alter von 10, 8 und 6 Jahren, sell einigen Jahren von ihrem Mianne geschieden, herzleidend und sell längerer Zeit arbeitslos. Sie litt Not und hat wohl wegen der Aussichtslosigkeit, wieder in den Arbeitsprozeß eingeschaltet zu werden, zum Strick gegriffen. Mrsserattentat«nd Selbstmord eines Trübsinnigen. Aus Karlsbad wird uns gemeldet: Bor etwa drei Jahren erlitt der 30 Jahre alte Installateur Ernst Z e b i s ch aus Karlsbad auf der Fahrt im selbstgelenkten Auto auf der Strecke Karlsbad-Eger einen Unfall, wcbei er sich einen Wirbelsäulenbruch zuzog, durch den er arbeitsunfähig wurde. Als Folge dieses Unfalles stellten sich bei dem jungen Manne Trübsinnserschei- mmgen ein, die nunmehr auch zur BewußffeinS- störung geführt haben dürsten, denn anders läßt sich das Drama, das sich am Sonntag in Karlsbad abgespielt hat, nicht erklären. In den Bor- mittagsstunden erschien Zebisch in dem Karlsbader Friseurgeschäft Lauterbach, zückte«in mitgebrachtes großes Küchenmeffer und stürzte sich auf die im Geschäft angestellte Friseuse Anna Linz, gegen die er mit dem Messer mehrere Sllche führte, die glücklicherweise das Mädchen nur leicht verletzten. In der entstandenen Panik gelang es dem offenbar Wahnsinnigen zu flüchten. Er schlug di« Richtung gegen Dallwitz ein, entledigte sich, am User der Eger angekommen, seines Rockes und seiner Weste und sprang in der Absicht, Selbstmord zu begehen, in die Fluten. Er tauchte einigemal« unter, erreichte nach einiger Zeit das Ufer und Ref dann quer über die Felder, um sich kurz darauf von einem auf der Strecke Karlsbad —Lichtenstadt verkehrenden Motorzug überfahren zu lassen. Der Unglückliche wurde auf der Stelle getötet. DaS überfallene und gestochene Mädchen hat Zebisch nicht näher gekannt. Allerhand, so ein ausländischer Generalkonsul,«in königlicher gar, ein Herr„van"l Da müßte die„Bohemia" nicht die„Bohemia" sein, wenn sie solchen Brief nicht mit Freuden aufgrisfe und veröffentlichte, zumal sie doch auf diese Weise wieder einmal zu gleicher Zell die verdammten Sozialdemokraten tüchtig zu treffen, einen Kotau vor Herrn Hitler, sogenannten Liebesdienst für die Kurorte und alles in allem so ein kleines politisches Geschäftchen im Interesse der SdP zu machen Gelegenheit fand. Wer cs geht uns nicht einmal so sehr um die„Bohemia", als um diesen holländischen Generalkonsul, wenn wir hier mit aller Deutlichkeit feststellen, daß Herr John van der Made im wesentlichen Punkte seines Briefes an die«liebe Bohemia" eine glatte Unwahrheit niedergeschrieben hat. Decouvriert hat sich der Herr Generalkonsul ja schon mit seiner gehässigen und antisozialen Bemerkung über die«rot angezogenen Arbeiterkolonnen" und die„vielen unterernährten Kindergruppen"; es Handelle sich da um ein B e z i r k s t u r n f e st unseres A t u s; und obzwar unsere Jungturner, auch wenn eS ihnen nicht gut geht, sich jederzeit auch körperlich selbst neben holländischen Generalkonsuln können sehen lassen, ist es doch für den Herrn van der Made bezeichnend, daß sein v chönheitS- und Kurortesinn den Anblick sozialistffcher Turner und„unterernährter" Kinder nicht ertragen kann. Wir erlauben uns Äber dem Herrn Generalkonsul zu sagen, daß ihm dies und- das meiste andere, was er hierzulande zu sehen kriegt, einen »I« totale Sonnenfinsternis vom 19. 3unl und die Astronomen Totale Sonnenfinsternisse sind sensaffonelle Ereignisse, die nur sehr seüen eintreten. An ein und demselben Ort tritt diese Naturerscheinung durchschnlltlich nur alle 360 Jähre auf. Das heißt: 15 Generationen können an einem Orte aufeinander folgen, ohne daß auch nur eine Zeuge dieses eindrucksvollen Schauspiels gewesen wäre. Die Zone, innerhalb deren am 19. Juni für 1 bis 2 Minuten eine vollständige Verfinsterung der Sonnenscheibe zu beobachten sein wird, ist nur etwa 100 Kilometer bxeit, aber sehr lang. In der Tschechoslowakei, wie überhaupt nördlich und südlich dieser Zone, wird nur eine teilweise Sonnenfinsternis zu sehen sein, und zwar am frühen Morgen. Die Zone der Totalität beginnt bei Sonnenaufgang im östlichen Mittelmeer. Die Athener werden eine vollständig« Sonnenfinsternis zu sehen bekommen, aber unter sehr ungünstigen Bedingungen, da die Sonne noch ganz in den Nebeln des Horizontes stehen wird. Dann verläuft die Tota- lllätszone über Kleinasien und das Schwarze Meer, erreicht Rußland und dringt in die Sibirische Steppe ein. Schließlich berührt der Mondschatten, denn differ ist es, der über die Erde läuft und die Zone der totalen Sonnenfinsternis erzeugt, die Nordspitze des Baikalsees, durchquert die japanische Halbinsel Jesso und taucht im Süllen Ozean unter. Auf dieser langen Spur sind in Sibirien, besonders in der Nähe der Städte Omsk Seite 4 Mittwoch, 17. Juni 1936 Nr. 144 VerhSrtuns der Herzen Tag um Tag dringen Nachrichten an unser Ohr, die uns von entsetzlichen Katastrophen Kunde geben. Bor einigen Wochen hat der Tod der 31 Kinder von Rakwitz durch einige Stunden hindurch viele Menschen erschüttert. Eine Explosionskatastrophe in Tallinn löscht das Leben von 25 Menschen mit einem Schlage aus. In Budapest kentert eine Fähre und 60 Menschen stürzen in die kühlen Fluten der Donau, in Norwegen finden sieben Menschen bei einem Flug- zcugabsturz den Tod. Ins Unendliche könnte diese Liste fortgesetzt werden.— Das Unglück von Rakwitz ist längst schon dem Gedächtnis der Menschen entschwunden, die Nachricht vom Unglück in Budapest erreicht das Gehirn, aber kaum noch bas Herz, über die anderen Nachrichten liest die Menschheit hinweg. Der Tod des unglücklichen Skäcel, der vor vierzehn Tagen auf dem Flug- Platz in Gbell absprang, hat dem Treiben keinen Abbruch getan, in Bukarest wurden die Festlichkeiten trotz dem Tribünenesst stürz nicht unterbrochen.— Wir haben es herrlich west gebracht! Einstmals, lang ist es her und die Technik hatte noch nicht einen so hohen Grad der Vollkommenheit erreicht, riefen Nachrichten solcher Art Entsetzen, Empörung, Mstgefühl hervor. Und man dachte nicht schon am nächsten Tag oder in der gleichen Stunde an den laufenden Betrieb. Heute? In dieser Wett giü das Menschenleben nichts mehr. Tausende verhungern, ohne daß ihr Unglück vielen Menschen ans Herz greift, Zehntausende sind um ihrer Gesinnung willen in Kerkern und Konzentrationslagern und man pflegt mit ihren Henkern und Kerkermeistern Umgang als wären diese gesittete Bürger und keine Bestien. Kurz und gut: die Zivilisatton macht sichtbare und fühlbare Fortschritte. Und ehe wir es uns versehen haben werden, wird uns die Gewöhnung an das Grauen noch größeres Unglück gebracht haben. Uns ist eben auch die Fähigkest abhanden gekommen, das eigene Verschulden zu erkennen, das in vielen Fällen entscheidend ist. Die Verhärtung des Herzens zieht die Vernunft in Mitleidenschaft. k°Iusreus»drtun— sieden, lote Oslo. Das auf der Strecke Bergen— Drontheim—Tromsoc verkehrende norwegische Passagierflugzeug„Havoern" der norwegischen Luftfahrtgesellschaft ist Dienstag morgens im Rebel gegen den Berg Lihesten an der Rordküste des Sogne-Fjordes geflogen und abgestürzt. Es ist auf einem Absatz' in 400 Meter Höhe gefunden worden. Die vier Mann Besatzung und die drei Passagiere sind tot. Skiieels Tod. Die Preffestelle des Verteidigungsministeriums veröffentlicht die Ergebnisse der Untersuchung des tödlichen Absturzes des Fliegerleutnants Karl Skäcel beim Armeeflugtag. Die Kommission hat bei Untersuchung beider Fallschirme, die der Flieger angeschnallt hatte, keinerlei Fehler gefunden. Beim Absprung hatte Skäcel mit größerer Verspätung als alle übrigen Flieger den Fallschirm gelockert. Der zweite Fallschirm habe sich normal geöffnet, bevor er aber zu funktionieren begann, stürzte der Flieger zu Boden. Die Kommission kam zu der Ansicht, daß die unteren Teile der Oberfläche so stark aneinander hafteten, daß sie das Eindringen der Luft und damit das Oeffnen des ersten Fallschirms verhin- Astronomen auf sich; denn man ist weit davon entfernt, ihre wahre Natur zu kennen. Die Größe dieser Atmosphäre der Sonne wechselt in einer zehnjährigen Periode und kann bis zu zehn Sonnendurchmessern erreichen. Die Sonnenfinsternis vom 19. Juni bietet eine umso günstigere Gele- genhest zu Beobachtungen und Messungen der Korona, als diese sich jetzt wieder ihrer größten Ausdehnung nähert. Die Temperatur der verschiedenen Punkte der Korona wird sorgfältig gemessen werden, um daraus schließen zu können, ob die Korona sich in gasförmigem Zustande befindet oder aus kosmischem Staub besteht. Weiter wird man festzustellen versuchen, welche chemischen Elemente in der Korona vertreten sind. Ein PrMem anderer Art ist die mögliche Existenz weiterer Planeten zwischen Sonne und Merkur, die während der Verfinsterung der Sonne sichtbar werden könnten. Man sucht nach solchen Himmelskörpern, weil ihr Vorhandensein eine Unregelmäßigkeit in der Bewegung des Merkur aufklären würde. In der Relativitätstheorie von Einstein findet die unregelmäßige Bewegung des Merkur eine andere Erklärung. Man brauchte daher nach dem Planeten nicht länger zu suchen, wenn die Reali- vitätstheorie bei Gelegenheit der Finsternis ein« Bestätigung fände. Die Astronomen, besonders die sowjetrussischen, werden nicht versäumen, am 19. Juni eine der Konsequenzen der Einsteinschen RelativitätsiHeorie nachzuprüfen, nämlich die behauptete Ableistung der an der Sonne vorbei- gchendcn Lichtstrahlen der Sterne durch die Schwerkraft. Sie muß bestätigt werden durch Pho- Fähre mit 40 Menschen sinkt Ein furchtbares Unglück auf der Donau Budapest.(MTJ.) Montag gegen Mitternacht ereignete sich auf der Donau bei Ajpest, in der Nähe der Stadt Budapest, rin schweres Unglück. Eine Fähre, auf welcher ungefähr 40 Angestellte der elektrischen Strassenbahn, die nach einem Festessen von der Donauinsel heimkehrten, Platz genommen hatten, ist gekentert- Bisher wurden 9 Leichen geborgen. 15 Personen wurden ins Kranke>lhaus gebracht. Am Dienstag haben sich weitere 15 Personen gemeldet, die sich ebenfalls auf der Fähre befanden, aber glücklich ans Land schwimmen konnten und sich dann nach Hause begaben. Man nimmt an, dass das Unglück keine weiteren Opfer gefordert hat. Es werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Das Unglück ereignete sich in einer kleinen Bucht der Donau, wo das Wasser füqf Meter tief ist. Nach dem Geselligkeitsabend der Budapester Stratzenbahnangestellten, an dem etwa 200 Personen teilnahmen, wurden diese von dem Restaurant, wo der Abend tzattfand, auf der Fähre des Restaurants gruppenweise an das andere Ufer der Donau befördert. So haben bei einem Transport etwa 40 Personen auf der Fähre Platz genommen und die Fähre begann mit Hilfe eines kleinen Außenbord-Motors die kleine Donaubucht zu überqueren. Die Insassen waren in ziemlich angeheiterten Zustand. Inmitten der Bücht begann plötzlich einer von den Insassen laut zu schreien, was eine Panik hervorrief. Alle Insassen drängten sich auf eine Seite der Fähre, so daß diese zu sinken begann. In der nächtlichen Finsternis spielten sich schreckliche Szenen ab. Als man am nahen Ufer die Hilferufe hörte, verständigte man sofort die Rettungsgesellschaft und die Feuerwehr und einige Minuten nach dem Unglück setzten schon die Rettungsarbeiten ein. In der Nähe der Unglücksstelle wurden fünf Personen an Land geschleppt. 17 Personen wurden lebend geborgen, davon mußten 18 mit mehr oder minder schweren Verletzungen ins Spital gebracht werden. Die übrigen Insassen der Fähre werden vermißt. In den frühen Morgenstunden wurde die Bucht mit Hilfe von Schleppnetzen durchsucht, wobei man noch vier- Leichen fand, womit sich die Zahl der bisher gefundenen Leichen auf neun erhöht. Da man nicht genau weiß, wieviel Personen in der Fähre Platz genommen haben, kann die Zahl der Vermißten noch nicht genau festgestellt werden, doch dürste sie etwa 17 betragen. Oie Donau in Budapest Die Unfallstelle befindet sich im Hintergrund derten. Solche Fälle kämen sehr selten vor, seien aber auch im Ausland beobachtet worden. Verhafteter Entführer. Wie bereits gemeldet, wurde von der Gendarmerie die Verfolgung eines unbekannten Automobilisten eingeleitet, der vor einigen Tagen nach einer Tanzunterhaltung in Dohrä Voda bei Böhm.-Budwcis die 16jährige'Näherin Karoline Manovcevä aus Dobrä Voda aus ihr.em Heimatsortc in seinem Wagen entführte. Auf der Fahrt gab er den verzweifelten Bitten des Mädchens Gehör und brachte das Automobil zum Stehen, damit das Mädchen aussteigen könne. Kurze Zeit darauf holte er das Mädchen wieder«in, zog es in den Wagen zurück und setzte mit ihm die Fahrt in tographierung des Sternhimmels nahe der Sonne, was nur bei einer Sonnenfinsternis möglich ist. Die Stellung der Sterne muß, verglichen mit anderen Photographien, leicht verschoben sein. Die behauptete Verschiebung ist s e h r g e r i n g, und bei den vorhergehenden Sonnenfinsternissen glaubte man bald eine Bestättgung der Einsteinschen Theorie gefunden zu haben und bald nicht. Die kommende Sonnenfinsternis wird hoffentlich eine entscheidende Nachprüfung der Theorie von Einstein durch die Erfahrung erlauben. Die Erforschung des Mondes soll am 19. Juni gefördert werden durch Abschätzung der niedrigsten Temperatur, welche auf der Mondoberfläche vorkommt, wenn die Bestrahlung durch die Sonne am längsten ausgesetzt hat, wie das bei Neumond der Fall ist. Die Abschätzung kann geschehen durch Messung der Wärmeausstrahlung des Neumondes, eine Messung, die nur während einer Sonnenfinsternis stattfinden kann, weil sonst die Sonnenstrahlen zu sehr stören. Bekanntlich kann eine Sonnenfinsternis immer nur bei Neumond zustande kommen. Man vermutet, daß die Temperatur auf dem Monde bei Neumond etwa 100 Grad unter Null und bei Vollmond 100 bis 200 Grad über Null beträgt. Ein ungeheurer Temperaturunterschied I Es ist interessant, daß auch die Messung der höchsten Temperatur auf dem Monde bei einer Verfinsterung erfolgt, u. zw. bei Mondfinsternis, wobei der Vollmond, nachdem der Mondboden lange von der Sonne erhitzt worden ist, plötzlich in den Erdschatten tritt und so wiederum die der Messung sonst hinderlichen Sonnenstrahlen ausgeschaltet sind. der Richtung gegen Prag fort. Dem Mädchen gelang es, während der Fahrt die Tür des Automobils zu öffnen und aus dem Wagen zu springen. Sie wurde später bewußtlos aufgefunden und mit Verletzungen in das Krankenhaus von Böhm.-Budweis gebracht. Nach der Beschreibung des Taters gelang es der Gendarmerie, den 26jährigen Ehauffeur Rudolf Krejäi aus Tabor feftzunehmen und der Tat zu überführen. Unter der Last der Beweise bekannte er sich zur Entführung des Mädchens. Er wurde in die Haft des Kreisgerichtes von Böhm.-Budweis eingeliefert. Selbstmord. In der Gemeinde Rudolfov bei Böhm.-Budweis verübte der 48jährige Eisenbahnangestellte F. S t i b i t.a n zl Selbstmord Wie ungeheuer vielseitig die Forschungen der Astronomen bei der Sonnenfinsternis sein werden, ersieht man daraus, daß man sie auch zur Erweiterung unserer Kenntnisse über die höheren Schichten der Erdatmosphäre ausnutzen will. Das riesige Interesse der Forscher an den oberen Luftschichten haben bereits die Stratosphärenflüge gezeigt. Die außergewöhnlichen Forschungsmöglichkeiten bei der Sonnenfinsternis beruhen auch hier auf der plötzlichen Ausschaltung der Sonnenstrahlen. Sendet die Sonne nur Strahlen mit Lichtgeschwindigkett aus, so müssen alle Veränderungen in der höheren Erdatmosphäre, die die Sonnenfinsternis Hervorgruft, sofort mit der Verdunkelung eintreten. Tritt aber ein Teil dieser Veränderungen erst später auf, so ist der Schluß berechtigt, daß die Sonne, wie man vermutet, auch Strahlen stofflicher Natur mit geringerer als Lichtgeschwindigkett aussendet. Man nimmt an, daß diese Strahlen 30 bis 80 Stunden brauchen, um von der Sonne bis zu uns zu gelangen, während das Licht nur acht Minuten dazu benötigt. Schließlich werden sich die Forscher während der Sonnenfinsternis auch mit den sogenannten kosmischen Höhenstrahlen befassen, die ebenfalls sckion während der verschiedenen Stratosphärenflüge untersucht worden sind. Man möchte feststellen, ob diese geheimnisvollen Strahlen von der Sonne oder von den Spiralnebeln ausgehen— oder(was von manchen sogar auch angenommen wird) ohne heute noch erkennbaren Ursprung und ohne Ende das Weltall--urKwingen. Das Programm der Forscher ist überreich. Mögen sie vom Glück begünstigt werden! K urt Sch r e i er. Mus-Vereine, Achtung! 2. Radlotumstunde des Atus Bundesturnwart Grasse Karie' über den Eindruck gebt an, wie sie ausgenü Sonntag, den 21. Juni: 1440—14.40 Uhr, Prag I., Liblicc, 120 kw. Es gilt, die letzten Unebenheiten auszugleichen, die letzten Anordnungen werden getroffen.— Aus jedem Atusverein vor den Lautsprecher: a) die Turnwarte (Vorturner) aller Abteilungen, b) aus jeder Abteilung einige Tellnehmer. Sendet an Atus, Aussig, eine der Turnstunde und >t wurde! durch'Erhängen. Was den verheirateten Mann, Vater von fünf unversorgten Kindern, zu der Tat bestimmt hat, ist nicht festgestellt worden. Baka baut.. Die Firma Baka hat soeben in Trebic-Borovina den Neuba» eines zweiten fünfstöckigen Fabrikgebäudes beendet, in das aus d«n.älteren.Gepäu.den die Erzeugung von Strssmpfen. uyd Schuhen übertragen wird, die npnqrehx iy Trebic-Borovina wesentlich ausge- dehnf w.ird. Nach dem Verhauungsplan beabsichtigt Pie.Fixma. Bgka.in Trebiö noch drei weitere fünfftöckjge. Fabrikgebäude, sowie ein Gesell» schaftshqus.für. di« Fabrifangestellten zu errichten. -Der Trainer und der Einbrecher. Der in der Nähe des„Geystrparkes" in Karlsbad wohnhafte Trainer Stefan Klement wurde in der Nacht durch die Alarmanlage seiner Wohnung aus dem Schlaf geschreckt. Klement ergriff ein Gewehr und überraschte den aus dem Karlsbader Stadtgebiet ausgewiesenen Einbrecher Josef Hüttl aus Horn bei Elbrgen, den er mit dem Gewehr solange in Schach hielt, bis di« Polizei eintraf und Hüttl zum Weitertransport ins Bezirksgericht übernahm.- Wirbelsturm in Florida. Wie aus Jackson- ville(Florida) gemeldet wird, hat ein von schweren Wolkenbrüchen begleiteter Wirbelsturm in Südflorida große Ueberschwemmungen verursacht. Mehrere Ortschaften sind überflutet, das Ueberschwemmungsgebiet ist von der Umwelt abgeschnitten. Während des Wirbelsturmes stürzte ein Flugzeug der Küstenwache in der Tampa- Bucht ins Meer. Die aus drei Mann bestehende Besatzung kam ums Leben. Mitarbeiter Edisons ermordet. In East Or Ange(New Jersey) wurde der bekannte Erfinder und Mitarbeiter Edisons,' Mc Farlan M o o r e, vor seinem Wohnhaus« mit zwei Schußwunden ermordet aufgefunden. Man vermutet, daß ein Geisteskranker der Mörder ist. Zngsunglück in Norwegen. Der Schnellzug Oslo—Trontheim ist Dienstag morgens bei dem Oxte Barkaab-Garli entgleist. Fünf Waggons sind umgestürzt. Von den 150 Passagieren wurden 7 leicht verletzt. Der Materialschaden ist groß. Es wird noch immer gestohlen... Das ehemalige Floridsdorfer Arbeiterheim wurde am Dienstag von dem dortigen Bezirksgericht versteigert. Der Schätzwert der Liegenschaft beträgt 206.000 Schilling. Nach längerem Bieten wurde das Arbeiterheim dem regierungsfreundlich enGew e rks ch aftsbund zum Betrage des Schätzwertes zugeschlagcn. Die Wetterlage ist nunmehr g ü n st i g. Im Karpathengebiet der Republtt traten Dienstag zwar noch zahlreiche Gewitter auf, unter dem Einfluß eines Druckhochs, welches sich vom Westen gegen das Binnenland ausdehnt, herrschte jedoch in den böhmischen Ländern und in der Westslowakei wieder überall schönes Wetter und die Temperatur steigt rasch an. Dienstag nachmittags wurden in unseren Gegenden vielfach mehr als 25 Grad Celsius verzeichnet, Es kann damit gerechnet werden, daß auch in den nächsten Tagen das Wetter bei uns von einem Druckhoch beherrscht werden wird.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Schön und relativ warm. Auch im Karpathengebiet Abnahme der Gewitterneigung.— Wetter- ausfich t e n für Donnerstag: Andauer des im allgemeinen schönen und dabei warmen Wetters. Vom Rundfunk taHaMMiwarlu au* 4m OruaraauMui Donnerstag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Presse. 11.05 Mujiks Salonquartett. 12.10 Operngesänge. 14.00 Mozart. 17.00 Konzertübertragung. 18.05 Deutsche Sendung: Schimetschek: Sportübersicht. Finanzrat Rupprich: Aktuelle Steuerfrügen. 18.25 Jng. Lischka: Bahnwärterwesen. 19.30 Uebertragung aus dem Deutschen Theater: Fra Diavolo, komische Oper von Aubert. 22.15 Tanzmusik.— Sender St.r 7.30 Schallplattenkonzert. 15.15 Deutsche Sendung: Vorlesung aus Büchern heimischer Autoren. Ausflugs« sorgen,— Brünn: 17.40 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Dr. Marburg: Die sanitären Einrichtungen Brünns. 19.20 Schubert:--Ballettmusik.— Kascha«: 16.10 Rundfunkorchesterkonzert.— Mähr.-Ostra«: 18.10 Deutsch« Sendung: Scherzrundfunkspiel. Wunschkonzerte in der Prager deutschen Sendung. Am 25. Juli und am 25. August finden in der deutschen Sendung Wunschkonzerte statt. Wünsche sind schon heute an die Leitung: Urania, Prag I., Klimentskä 4, zu richten. Mittwoch, 17. Ium 1936 Seite 5 Nr. 141' Die Sowjet-Union auf dem ROdtmarsdi? Von Julius Epstein Vor einem Jahr haben wir an dieser Stelle über das tiefbedauerliche neue Homosexuellen- Gesetz Sowjetrußlands geschrieben, ein Gesetz, daö mit der wieder eingeführten Bestrafung des gleichgeschlechtlichen Sexualverkehrs— wobei bie Bestrafung härter ist, als es die zaristische,war — eine Reihe reaktionärer Gesetze einzuleiten schien. Nun liegt ein sowjetrussischer Gesetzentwurf vor, dessen soziale Bedeutung wie Reaktion die des Homosexuellen-Gesetzes bei weitem übertrifft. Es handelt sich um den„Entwurf des Beschlusses des ZEK und deö Rates der Volkskommissare der Union der SSR über das Verbot des Abortus, die Vergrößerung der materiellen Hilfe für Wöchnerinnen, die Festsetzung einer staatlichen Hilfe für Kinderreiche, die Erweiterung des Netzes für Entbindungsanstalten, Kinderkrippen und Kindergärten, die Verschärfung der gerichtlichen Strafen für Hinterziehung der Alimente und über einige Aenderungen im Ehescheidungsrecht." Der uns in unserem Zusammenhänge inter- essierende Teil dieses, demnächst bestimmt Gesetz werdenden Entwurfes lautet:< „l. lieber das Verbot dei Abortus. 1. Im Zusammenhang mit der feftgestellten Schädlichkeit des Abortus wird seine Vornahme sowohl in Krankenhäusern und Spezialheilanstalten, als auch in den Wohnungen von Aerzten und in den Privatwohmmgen von Schwangeren verboten. Die Vornahme des Abortus wird' ausschließlich in den Fällen zugelassen, wo die Fortsetzung der Schwangerschaft mit Lebensgefahr verbunden ist oder die schwangere Frau mit einer schweren Schädigung ihrer Gesundheit bedroht, und dann nur in Krankenhäusern und Entbindungsanstalten. 2.. Für die Vornahme des Abortus außerhalb von Krankenhäusern oder im Krankenhaus, aber unter Verletzung der genannten Bedingungen, wird der Arzt, der den Abortus ausgeführt hat. strafrechtlich verfolgt, und zwar erhält er ei» bis zwei Jahre Gefängnis. Für die Vornahme des Abortus unter sanitätswidrigen Verhältnissen oder durch Personen, die keine medizinische Spezialbildung besitzen, wird eine Strafe von mindestens drei Jahren Gefängnis festgesetzt. 3. Für die Nötigung einer Frau zur Vornahme eines Abortus wird als Strafe eine Ge- fängnishaft bis zu zwei Jcchren festgesetzt. 4. Für schwangere Frauen, die einen Abor tus unter Verletzung des genannten Verbotes vornehmen, wird als Strafmaß vorgesehen: öffentlicher Verweis und bei wiederholter Verletzung deS Gesetzes Üb^r bas Abörtusverbot eine Geld straft bis zu 300 Rubel."~- lieber anderthalb Jahrzehnte war es der Stolz der.Sowjet-Juristen und der linken Sexualreformer der ganzen Welt, daß es in der Sowjetunion kein Gesetz gegen die Schwangerschaftsunterbrechung gibt. In tausenden Proletarierversammlungen des Erdballs wurde die Großtat der revolutionären Gesetzgebung verkündet und in zahllosen bürgerlichen Versammlungen wurde der Haß gegen die Sowjetunion mit dem Hinweise auf diese dort herrschenden„unchristlichen" Zustände geschürt! Run ist alles aus! Die Sowjetunion hat damit einen entscheidenden Rückschrftt vollzogen, einen Rückschritt, der. ihr bei dem revolutionären Proletariat der ganzen Welt mehr schaden wird als ihre Machthaber heute ahnen können. Dies bleibt tief bedauerlich. Die UdSSR hat sich mit diesem Schritt ein weit reaktionäreres Abortus-Gesetz gegeben als Island, das die soziale Indikation ausdrücklich anerkennt. Man sage nicht, die wirtschaftlichen Zustände in dem Sechstel der Erde, das die Sowjetunion bildet, seien heute schon so, daß jede Mutter eine beliebige Anzahl von Kindern gut und in jeder Beziehung auskömmlich erziehen könne. Wär's so, es brauchte erst recht nicht dieses reaktionäre Gesetz. Einst sagte ein höchster Sowjet-Funktionär(zur Begründung der Ab- sibaffung des den Abortus bestrafenden zaristischen Gesetzes):„Jeder Sowjetbürger sei ein willkommener Gast am Tische des Lebens I" Ein wunderbares Wort, bejubelt von Millionen Menschen auf diesem Stern. Liest man die„Deutsche Zentralzeitungl, Moskau, vom 27. Mai 1936, die Rümmer, die sich zum großen Teil mit dem Entwurf beschäftigt, so ist man nicht nur über diesen selbst erschüttert, man ist auf's äußerste peinlich berührt von der Technik propagandistischer Gleichschaltung. Da melden sich Frauen und Frauenorganisationen aus dem ganzen Erdteil, den die Union bedeckt und alle— ohne eine einzige Ausnahme — begeistert zustimmend! Das sieht dann so aus: „Swerdlowst, 26. Mai. Die ordensgeschmückte Klawdia Grigorjewna Surowzewa, Urheberin der großartigen Bewegung der Frauen der Kommandeure der Schwerindustrie, sprach in einer Unterredung mit einem Pressevertreter der Partei und der Regierung ihren tiefempfundenen Dank für diese neue Tat im Interesse der Frauen der UdSSR aus." oder: „Rostow am Don, 26. Mai.— In der Tabakfabrik. wo über 200 Frauen beschäftigt find, wurden in allen Abteilungen lebhafte Versammlungen abgchalten. in denen Hunderte Arbeiterinnen das Wort ergriffen. In glühenden Reden der Be- Und dann habe man auch ihr Zu beziehen durch die Zentra! war sie dann Iveitergegeben j für das Pildungswese», Prag XU., und , zu und vor allem Weihnachtszeit Die Direktion der Böhmischen Sparkasse hat in ihrer heutigen Sitzung einstimmig be- schlossen, auf die Staatsverteidigungsanleihe den Betrag von XL 28,009.000.— zu zeichnen. mag, ist nicht einmal aufgefallen, wie lächerlich es wirken muß, wenn Millionen und aber Millionen von Frauen dem großen Stalin begeistert für das Verbot der Abtreibung danken, also für das Verbot einer Handlung, zu deren Vollziehung sie vorher nie gezwungen waren. Mit der Vernichtung der Straffteiheit für die Schwangerschaftsunterbrechung stürzt wieder eine Säule des revolutionären Strafrechts der Oktoberrevolution. WaS von diesem Strafrecht noch steht, ist nicht allzu viel. Seine Bedrohung mit weiterem Zerfall trifft nicht nur die Massen der Sowjetunion. Sie trifft alle die Millionen schmerzhaft, die— aus welchen Gründen immer — in der Existenz der Sowjetunion einen Hort gesellschaftlichen Fortschrittes auf diesem Stern sahen. Und trotz allem noch immer sehen. daß sie von Freunden des Theaters von Abonnenten ganz besonders zur allerhand Geschenke sowohl in bar als auch in Natu« ralien erhalten habe und daß es ihr bei ihrem sparsamen Lebensunterhalt schon möglich gewesen sei, Gelder zu erübrigen. selbst Geld geliehen. festgestellt wurden— zeigt, wie es um diese Kassierin bestellt ist. Daß gesellschaftliche Milieu zu schildern, in dem sich die Kaffierin mit einem Gehalt von 1400 Xi monatlich, da- aber nur sieben Monate lang gezahlt wurde, bewegte, wollen wir uns ersparen. Aber ein- steht fest, der Fall Hamm gehört zu einem habe. Die präzisen Angaben des Sachverständigen waren jedoch trotz aller Gewandtheit, die die Angeklagte aufwandte, um die verschiedenen-, Mankos zu erklären, nicht zu erschüttern, zumal in tem Gütachten deS- Sachverständigen auch die Posten angeführt waren, die zugunsten der Angeklagten sprachen. Auf den Einwand der Verteidigung, daß man nicht alle Belege, die zugunsten der Beklagten sprechen,' herbeigebrächt habe— Frau Hamm sprach davon, daß sich in ihrem Schreibtisch noch Bestätigungen und Belege befunden haben müßten—, wurde mitgeteilt, daß die Polizei alle Schriftstücke beschlagnahmt und dem Gericht zur Verfügung gestellt habe. Schließlich wurde nach einer Reihe von Beweisanträgen und der Erörterung etlicher Nebensächlichkeiten beschloffen, die nächste Verhandlung am F r e t« tag stattfinden zu lassen. In dieser Verhandlung soll der Buchhalter des Theaters einen Bericht geben und mit der Vernehmung der übrigen Zeugen begonnen werden. Die Verhandlung wurde auf FreitP vertagt. brachten sie ihre große Dankbarkeit für die Sta» linsche Sorge um den Menschen zum Ausdruck." oder: „Mit gewallter Begeisterung nahmen die Delegierten des Kongreffes der karelischen weib« ' lichen Jugend den Gesetzentwurf auf. Der Kongreß sandte an die Genyffen Kalinin und Molotow ein Telegramm, in dem es heißt:„Ein Gefühl ungeheurer Freude und gewaltigen Stolzes für unser Land erfaßte jede von uns. als wir dieses einzigartige Dokument lasen. Mit als die ersten erheben wir unsere Stimme, der jungen Mädchen und Mütter für die möglichst baldige Erhebung dieses Entwurfes zum Gesetz. Von ganzer Seele danken wir dem großen Stalin für seine Sorge um die Frau." Den Organisawren dieser Begeisterungs- erruption, die ein Goebbels neiderfüllt betrachten Exportförderungen der Eisenindustrie Die tschechoslovakische Eisenindustrie ist der’ Internationalen Rohstahlgemeinschaft angeschlossen, die auch den Export für zahlreiche Produkte der Eisenindustrie regelt. Zur Zeit verhandelt sie über ihren Beitritt zu weiteren Abkommen mit der Rohstahlgemeinschaft. Neben dieser Aufteilung des Weltmarktes, der durch die Internationale Rohstahlgemeinschaft unter den Eisenitldustrien der einzelnen Länder vorgenommen wird, erheben die Eisenindustriellen in ihren Staaten bestimmte Forderungen für eine Exportpolitik. In der Tschechoslowakei dürften sie in ihrer Studie, die ein Direktor der„Moravia" veröffentlicht hat, im wesentlichen wiedergegeben sein. Sie untersucht das Exportproblem der Eisenindustrie und fordert eine gewisse Koordination und Unterordnung der Exportinteressen. Den einzelnen Industrien sollen nach dem Grad'ihrer Exportbedürftigkeit, des zu erwartenden Devisenanfalles, der sozialen Gesichtspunkte eventuelle Exportunterstützungen gewährt werden. Darüber hinaus werden folgende Exportförderungen gestellt: Refundicrung der Verkehrssteuern, Valutaprämien, Tarifnachläffe• für Rohstoffe zur Verarbeitung auf Exportwaren, Ermäßigung der Exporttarife, Prämiierung der Prodüktionssteigerung aus dem Titel höherer. Umsätze oder Frachtgebühren. Diese Prämien sol«> len nach der Art der Waren abgestuft werden. Weiter werden gefordert billige Exportkredite, Begünstigungen für Exporteure mit mehr als 30 Prozent Exportanteil bei Jnlandslieferungen, Einschränkung der indirekten Einfuhr, damit der Gesamtimport noch mehr fiir die Exportlieferun- gen der heimischen Wirtschaft genutzt werden kann. Schließlich kehrt auch die Forderung wieder, alle Fragen des Exports und der Exportförderung in einem Ministerium zp vereinigen. Hamm erneut vor Gericht der peinlichsten Kapitel der Teplitzer Theatergeschichte und eines, wenn'auch kleinen Teiles der sogenannten Teplitzer Gesellschaft. Zwei' Jahre nach der Aufdeckung der Unterschlagung Frau Hamm hat über ein Jahr in llnter- l fuchnngshast gesessen. Gegen Stellung einer Kaution wurde sie entlassen und die im Dezember an- i gesagte Hauptverhandlung vertagt, um zu den umfangreichen Entlastungsanträgen des Verteidigers Herrn Dr. Rudolf Fischer Stellung zu nehmen andererseits.. die Sachverständigengutachten ergänzen. Rund zwei Jahre nach der Aufdeckung der Manipulationen begann jetzt am Montag in Leit- meritz der negt Prozeß gegen Frau Hamm. Die .Staatsanwaltschaft erhevtz^nach wie friy, die An- ;'TTifS: e f’STrtt n fr e " 7StÖwK'£ köährftsö Hamm oöf'BcHT©TifliS? Punkt steht, daß sie unschuldig sei. Ihr Verteidiger hat dem Gericht eine 160 Seiten umfassende Darstellung der Tätigkeit der früheren Theaterkassierin überreicht, in der Punkt für Punkt die Anklage wie das Sachverständigengutachten zu widerlegen versucht wird. Daneben ist beantragt, eine große Anzahl Zeugen aus Teplitz zu laden. Das geschädigte Theater, bzw. die um ihr Geld gekommenen Künstler, haben die Anwälte Dr. Knöpfelmachcr und Dr. Schlesinger mit ihrer Vertretung betraut. Den Vorsitz in der Verhandlung führt Obergerichtsrat Dr. Polak. Der Vorsitzende ist über die komplizierten Methoden des Theaterkartenvertriebes sehr gut im Bilde. Er stellt an Frau Hamm in der Beweisaufnahme viele peinliche Fragen. Aber auf jede Frage weiß Frau Hamm eine passende Antwort und Ausrede. Selbst die Bemerkung des Vorsitzenden, daß ein Kassenrapport mit den verschiedenen„Korrekturen", wie ihn Frau Hamm täglich ausstellte, nicht wahr sei, kann die Angeklagte nicht verblüffen. Und wenn der Vorsitzende schließlich nicht locker läßt, wenn er feststellt, daß Abrechnungen, die nicht wahrheitsgemäß gemacht werden, bloß den Wert eines Stückes Papier haben, läßt sich Frau Hamm nicht irre machen. Sie weist dann einfach darauf hin, daß eben den Rapport niemand beanständet habe. An ein Schuldbekenntnis, an ein Geständnis habe sie nie gedacht, so behauptet sie rauher wieder. Schwieriger wurde die Situation für die Angeklagte in der Nachmittagsverhandlung, als der Vertreter der Arbeitsgemeinschaft, Dr.. Schlesinger, verschiedene Fragen stellte. Sie mußte unter anderem bestätigen, daß ihr von der Leitung der Arbeitsgemeinschaft, Herrn Nanninger, die Verpflichtung auferlegt worden war, peinlichst genau und technisch einwandfrei jeden Abend alle Einnahmen zu verbuchen und abzurechnen, weil am nächsten Morgen der Kassenstand durch das städtische Rentamt überprüft wurde. Dr. Schlesinger und mit ihm der Sachverständige P o p o r ä k nahmen nun die einzelnen der Klage auf Veruntreuung zugrunde liegenden Posten durch, wobei die Bemerkung fiel, daß nach den vorliegenden Feststellungen die Unterschlagungen eigentlich noch höher sein müßten, als die Staatsanwaltschaft festgestellt hat. Die wiederholte Frage, wieso eS möglich sei, daß eine Angestellte mit 1400 XL Gehalt, das überdies nur | sieben Monate lang voll bezahlt werde, gewissermaßen Ein neues Werk des antifaschistischen Dichters: I g n a z i o S i I o n e Brot rmd Wein Roman auS dem Alltag des faschistischen Italien —— Preis geb. Kü 56.—— 3» beziehen durch die Zentralstelle --?... 2., Slezska 13. MMM und WIM Der sinkende Viehbestand Seit zwei Jahren zeigt die Entwicklung des. Viehbestandes in der Tschechoslowakei eine sinkende Tendenz. Jeweils am 1. Jänner betrug stand in Millionen Stück: Im Vergleich zum 1. Jänner 1931 ist der Rückgang perzentuell bei Rindvieh stärker als bei- Schweinen. Da auch der Bestand an Zuchtsäuen• weiter sinkt, ist mindestens für das laufende Jahr mit einer erneuten Verminderung des Schweinebestandes zu rechnen. Bemerkenswert für die Entwicklung des. Fleischverbrauches in unserem Lande ist, daß im Jahre 1931 bei einem um 180.000 Stück höheren Viehbestand noch ein Einfuhrüberschuß von 19.087 Stück Rindvieh zu verzeichnen war., Obwohl nun im Jahre 1935 für Schlachtungen eine wesentliche geringere Menge an Rindvieh aus inländischer Zucht zur Verfügung stand, sank dennoch der Einfuhrüberschuß vis auf 1005 Stück Rindvieh herunter.' Auch aus der Entwicklung. des jährlichen Einfuhrüberschusses an Schweinen ist im Zusammenhang mit den Viehbestandsziffern auf. den. Rückgang des Fleischkonsums zu schließen, der ja auch tatsächlich durch die Berechnungen des Statistischen Staatsamtes festgestellt worden ist, . Diese., rückläufige Entwicklung des Vieh- Lüstmch^„.liegt. zücht. Im- gestutMu-tiuiaftlichcu Jnteresse.mnseres.Staates.und es^echcheint not-- wendig, daß durch eine Verbilligung der Futtermittel die Viehzucht eine Förderung erfährt. JODBAD DARKOV das stärkste in Mitteleuropa mit KINDERNIIM und modernem SANATORIUM. Hellt mit Erfolg: Chirurg. Tuberkulose, Arteriosklerose, hohen Blutdruck, Frauenleiden, Hautkrankheiten, Exsudate, Skrofulose, rheumatische Erkrankungen, Folgezustände nach Schlaganfall und Lues, Tabes, Struma, Zustände nach Unfällen, Knochenbrüchen. Luxationen u. s. w.— Fachärztliche Ordination. Saison: BAO 1. Mai— 30. September, SANATORIUM ganzjährig. Pauschalkuren. Vereinbarungen mit sämtlichen Krankenversicherungsanstalten und Fonds. Auskünfte und Prospekte: für das Bad durch die Badevcrwaltung, 3505 für das Sanatorium durch die Direktion des Sanatoriums. Die Unterschlagungen Im Teplitzer Stadttheater Die frühere Kasslerin Mathilde Leitmeritz, 15. Juni.(Eigenbericht.) Vor reichlich zwei Jahren erlebte Teplitz eine Sensation, Nach Schluß der Theatervorstellung und nach Kassaschlutz wurde eine Nachprüfung aller ver einnahmten Gelder und der tatsächlich verkauften Eintrittskarten vorgenommen und dabei.ejn Defi zit von rund 2500 X t(an einem Abend!) festgestellt. Die mit der Kassierin Hamm durchgeführten Kontrollen und Verhöre zeigten zu nächst auf, daß an diesem Abend laut Kontrolle der damals das Theater führenden Arbeits gemeinschaft 3698 XL eingenommen wor den waren, während Frau Hamm schwor, nur. 1164 XL in der Kasse zu besitzen. Auf die Spur dieser sonderbaren Kaffengeba rung war die Arbeitsgemeinschaft durch die Fest- stellung gekommen, daß zwar das Theater verhältnis- mäßisi gut^hsjucht war, Mxr die EinnßhmM^dau- eüw jÄUMpn.' So i^ftjisiefte'iNa^esift'KgWe Kartemonkrolle, die nun okeses EngÄniS WW7 Zum anderen wurde bei dieser Kassenrevision ein Teil der Manipulationen, mittels derer Frau Hamm den Kassenrapport zurechtmachte, aufgeklärt. Zu nächst war nur ein Teil der bar verkauften Ein trittskarten als Bareinnahme verrechnet worden, ferner hatte die tüchtige Kassierin sogenannt« Abonnementsgutscheine sehr oft zurückbehalten und es verstanden, sie mehrfach zu verrechnen. Frau Hamm, nun entlarvt, bot 40.000 XL als Schadenersatz, wenn man keine Strafanzeige er statte. Darauf ließen sich die Revisoren nicht ein. zumal der Augenschein ergab, daß in einem Straf verfahren endlich die gesamte Kaffengebarung der Frau Hamm klargelegt werden konnte; und es er folgte die Verhaftung. Interessant ist es, daß sich nach dem Mgang der Frau Hamm die Einnahmen des Theaters in geradezu wunderbarer Weise hoben. Im ganzen Monat Mai 1934, also bis zur am 26. Mai erfolgten Verhaftung der Frau Hamm, wurden aus Vorstellungen mit Abonnement ganze 5000 XL Einnahme erzielt, in den letzten fünf Tagen mit gemischter Vorstellung 11.000 XL. Die Sachverständigen stellten bei der Nach prüfung der verschiedenen Manipulattonen der Frau Hamm im Laufe der Zeit Veruntreuungen in Höhe von 72.000 XL fest. Frau Hamm bezog als Kaffierin ein Gehalt von 1400.X monatlich. Trotzdem führte sie einen sehr, erheblichen Aufwand, ja sie war in der Lage, dem Direftor Richter 20.000 XL zu leihen, Herrn Josef Löwy mit 38.000 XL auszu helfen und der Arbeitsgemeinschaft mit 20.000 XL beizustehen. Dieses Teplitzer Finanzgenie wollte so gar dem Sekretär Rainer obendrein noch 100.000 XL zur Pachtung deS Theaters leihen! Dem Theaterpersonal ging es im Winter und Frühjahr 1934 hundsmäßig schlecht. Obwohl sich die Arbeitsgemeinschaft alle Mühe gab, blieb den Künstlern und dem technischen Personal zeitweise kaum so viel an Einkommen, um die Mieten zu be zahlen, während die ehrenwerte Frau Hamm.ma nipulierte", selbstverständlich nicht für das notlei dende Personal, sondern für sich allein. Fra» Hamm versucht jetzt vor dem Leit- m c ritze r Gericht den Nachweis zu führen, daß sie absolut unschuldig sei; aber schon di« eine Tatsache, gegen die die Frau nichts einwenden_ kann— nämlich die»ersuchte Veruntreuung vom jaiHnmyier für°daS TheaterundPrivatperfonen 26. Mai 1934, bei der rund 2500 XL Abgang auftreten könne, beantwortete Frau Hamm damit. 1936 1935 1934 1931 Rindvieh 4,28 4,30 4,40 4,16 davon Kühe 2,44 2,50 2,51 2,43 Schweine 2,70 3,03 3,43 2,77 davon Zuchtsäue 0.42 0,45 0,50 0,44 Seite 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 17. Juni 1936. Nr. 141 Trager Mtung Zwei Einbrüche. In der Nacht auf gestern drangen unbekannte Täter aus dem Hof eines Hauses in der Rimskä in Prag XII. in die Kürschnerwerkstatt Mika, indem sie die Füllung der Hintertür hekausschnitten und entwendeten Pelze im Werte von 11.000 KC. In Karolinental brachen ebenfalls unbekannte Täter in die Kanzlei der Kaffeebrennerei Gebrüder Kolman ein und entwendeten 20.000 KC in bar. Einen Rest des in der Kasse befindlichen Geldes liehen sie zurück. Aufgespießt. Der 24jährige Zimmermann Anton K l e j z a r, der vorgestern abends an einem Neubau in der Bartholomäusgasse arbeitete, wollte sich nach beendeter Arbeit die Hände in einem Fah waschen und trat zu diesem Zweck auf den Rand des Gerüstes; hiebei stürzte er hinunter und spießte sich aus cstiem Eisenstück, das aus einer bereits fertigen BetonMauer herausragte. Die Eisenspitze drang ihm durch den Rücken bis in den Bauch. Der Schwerverletzte wurde auf die Klinik Jiräsek gebracht. Berlaffen. Die 23jährige Friseuse Georgine Haron aus Liboc trank gestern in der Wohnung ihres Arbeitgebers in Bubentsch Lysol, da ihr Geliebter, der mit ihr in gemeinsamem Haushalt lebt, sie nach einem Streit verlassen hatte. Sie wurde auf die Klinik Pelnaic gebracht. Staatliche deutsche Volksschule in Prag VII—>. Simäkkova 14— Tel. 72572. Schulsprengel: Prag VII— VIII— IX— XIX.— Jedes volksschulpflichtige deutsche Kind von Holleschowitz gehört in diese Schule. Anmeldungen 27. und 30. Juni d. I. Vormerkungen täglich: Geburtsurkunde, polizeil. Mellieschein, Heimatdokument, Jmpfzeugnis. Prags Verschuldung um 53.3 Mill. KC gewachsen. Die Stadt Prag hat im Jahre 1935 Anleihen in der Gesamthöhe von 92,258,350 KC ausgenommen Von den alten Schulden wurden durch den ordentlichen Amoritasattonsdienst, außerordentliche Ratenzahlung und durch Ratenzahlungen des Fürsorgeministeriums 40,974.581 KC getilgt. Infolge des höheren Kurses der städtischen Ausländsanleihe stieg aber die Gesamtschuld der Gemeinde Prag um 53,283-058 KC auf insgesamt 1.687,120.848 KC. Der städtische Großgrundbesitz ist mit 18,8 Mill. KC verschuldet. Prager Konzertsaal Gegen alle Gepflogenheit und Regel dauert heuer die Konzertsaison mit unverminderter Lebendigkeit auch im I u n i an. Aber die unnatürliche und ungewohnte Ausdehnung des Konzertbetriedes bis in die vorgeschrittene warme Jahreszeit,— wenn diese heuer auch picht gerade sehr freundlich ist,— rächt sich; etliche Konzerte, die in den letzten Wochen vielverheißend angekündigt worden waren, wurden mangels entsprechenden Interesses des Publikums abgesagt, und die Mehrzahl der allen Hemmungen zum Trotz abgehaltenen übrigen Konzerte zeigte einen so schlechten Besuch, daß weder die Konzertgeber noch die Konzertveranstalter auf ihre Rechnung gekommen sein dürften. Die in den letzten Mai- und ersten Junitagen in den Prager Konzertsälen veranstalteten Konzerte waren vorwiegend Solisten- K o n z e r t e. Ruda F i r k u s n h, der immer mehr zur Geltung kommende junge tschechische Pianist, hatte in einem Konzert, das er zusammen mit dem spanischen Baritonisten Celestino S a r o b e gab. abermals Gelegenheit, seine außerordentliche Kunst im Klavierspiel, seine brillante Technik, seine wundervolle Anschlagskultur und die impetuose Lebendigkeit seines Vortrages zu zeigen; namentlich Robert Schumanns blühend schöne und rhythmisch prächtige Fantasie spielte er mit der ganzen Hingabe eines temperamentgesegneten und empsindungsstarken Künstlers. Gegen Firkusnhs junge und stürmende Kumt vermochte fich der Sänger Sarobe nur schwer zu behaupten, obwohl er ein Meister des Bel canto ist; denn seine Stimme klingt nicht mehr frisch und warm genug und sein Liedvortrag wirkt allzu überlegen und selbstbewußt. Ein Künstler, der, ähnlich wie Firkusny, immer größere Beachtung im Musik- leben der Gegenwart findet, ist der tschechische Cellist Milos S ä d l a. Sein letztes Konzert bewies, wie sehr er diese Anteilnahme verdient; als Virtuose und als geistig bedeutender Musiker. Zur imponierenden technischen Fertigkeit seines Spieles hat sich nun auch die Ausdrucksstärke im Vortrag gesellt. Und Sädlos Programme werden immer mehr zu Zeugnissen seines Kunstbekenntnisses, das dem Fortschritt und daher vorzüglich der modernen Musik gilt. So brachte er auch bei diesem Konzerte neben Beethovens C-Dur-Sonate opus 102 eine aus der allerletzten Schaffenszeit des Komponisten stammende Suite von dem hervorragenden russischen Neutöner Igor Strawinsky und setzte sich im zweiten Teil seines Programmes auch für eine kleinere Komposition des neuzeitlichen sudetendeutschen Tonsetzers Kurt Seidl ein. Strawinskys Cello-Suite entspricht nur teilweise der temperamentvollen und draufgängerischen Musizierart dieses Musikrevolutionärs; ihre ersten Sätze sind sehr konventionell in der Form und im Ausdruck und satztechnisch zahm, erst im zweiten Teil des Werkes, namentlich in einer blendenden Tarantella, kommt Strawinskys Eigenart und sein urwüchsiges Musiziertalent zum Vorschein. An U. K r e d b a hatte der Konzertgeber einen zuver- läffigen und folgsamen Begleiter am Flügel.—• Den Versuch, ein selbständiges Harfen-Konzert zu geben, machte eine junge tschechische Virtuosin, Fräulein G. Seidl. So sehr man sich der Harfe als klangauflockernden Instrumentes im symphonischen Stil zu freuen vermag, so sehr man auch ihre instrumen- tale Bedeutung etwa in der Oper schätzt, wo sie soli- ftisch oder begleitend zum Gesang für eine wirksame Belebung und Abwechslung des Klangbildes sorgt, so wenig wird man chrer auf die Dauer eines ganzen Konzertabends als eines auf sich selbst angewiesenen Soloinstrumentes froh.. Schon die Literatur gerade für dieses Instrument ist zu klein und unbedeutend, um dem solistisch wißenden Künstler entsprechende Aufgaben zu bieten.. Das merkte man auch an dem Konzerte und seinem Programm, das Fräulein Seidl gab. obwohl diese Künstlerin ihr Instrument nicht nur technisch ausgezeichnet meistert, sondern es auch zu schönen Vortragswirkungen im klanglichen Sinne und hinsichtlich des Ausdruckes und der Stimmung auszunützen versteht.— Ein Wohltätigketrs- konzert zugunsten des Prager Tausftummen- Jnstitutes sah mehrere tschechische Konzcrtkünstler erfolgreich am Wert: Den rühmlichst bekannten Geiger Otto S.i l h a v h, der, von Vladimir P o l i v k a grundmufikalisch begleitet, Max Regers C-Dur- Sonate und die A-Dur-Sonate von Cesar Franck stilvoll, tonschön und mit ausgeglichener Technik spielte,> die Sängerin Rosa Varvazovsky- Kodes, die. vom Komponisten begleitet, stimmungsstarke Lieder von I. K. F ü r ft sang, und die Pianistin Olga Surda-SasovyC, die mit beachtlicher Technik und schöner Anschlagskunst ein Orgelkonzert von Bach in der Klavierbearbeitung von August Stradal spielte.— Von dem zweiten Reger-Abend, den die Prager Deutsche Musikakad emi e als O rgelkonzert Besuchet die Felsenstädte Wekelsdorf und Adersbach Weltberühmt als einzig dastehende Sandsteingebilde. Die Naturdenkmäler zählen zu den beliebtesten Reisezielen tausender Touristen. Sommerfrischen— Herrlich angelegte Bäder— Hotels: Felsenstadt Adersbach— Eisenhammer, Wekelsdorf. Prospekte durch die Felsenverwaltungen. 3496 ins Werk gesetzt hatte, konnten wir nur die letzten Programmsnummern hören, vier Orgelftücke und einen Largo-Satz für Violine und Orgel. Während bei dem ersten Reger-Abend anfangs Mai die Pro- fefforen der Musikakademie selbst als künstlerische Mittler und Werber Max Regers auf dem Konzertpodium erschienen waren, hatten diesmal die Schüler der Anstalt die künstlerische Durchführung des Programmes übernommen.— Das Prager Ts che- chischeStaatskonservatorium batte in der Berichtszeit zwei öffentliche Musik- a b e n d e veranstaltet, bei denen vor allem die Pianistinnen, Pianisten und Geiger, aber auch verschiedene andere Instrumentalisten sowie Gesangseleven zu Gehör kamen. E. I. Operetten-Gastspiele. Walter Müller vom Stadttheater in Reichenberg, der vorgestern als Reporter Tommy Ouick in Jara Benes' Operette „D er heilige Antonius" gastierte, wäre berufen, den scheidenden Erich Dörner als Gesangskomiker zu ersetzen. Weder der Sänger noch der Komiker in Walter Müller sind von überzeugender Axt; denn von desem geht nicht jener warme und herzliche Humor aus, der wirklich erfreut, und jener ist durch ein auffallend sprödes Organ gehemmt. Auch die saloppe Art des Darstellers Müller, der, ohne die Hände in den Hosentaschen zu haben, nicht spielen zu können scheint, ist keine Empfehlung für ihn. Eine ausgezeichnet« Leistung bot der Gast dagegen als Tänzer, der durch die groteske Note und origenelle Einfälle seiner Tänze imponierte. Jedenfalls müßte man den jungen Künstler in einer aufschlußreicheren Partie sehen und hören, als sie Joel Mc. Crea und Maurern O'Sullivon mit Adr irnne Ames in dem Film„Flucht vor der Unterwelt" der Reporter Tommy Ouick dem jugendlichen Gesangskomiker bietet. Um bei seinen Tänzen die entsprechende Unterstützung zu finden, hatte sich Herr Müller seine ständige Reichenhxrger Partnerin mtt- gebracht, Frl. Christi Hansi, eine temperamentvolle und tanzgewandte Operettensoubrette von ebenso lleinen figürlichen wie stimmlichen Format. Die Stimmung des Gastspiel-Operettenabends war sehr animiert, obwohl es ohne etliche musikalische Schmisse nicht abging. E. I. Bon der Deutschen Musikakademie. Heute Interner Abend der Schauspielllasse der Deutschen Musik-Akademie, 20 Uhr Lyzeumsaal.— Ausstellung der Bühnenbildklasse 4— 6 Uhr, Vladislavovä Nr. 23. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute, Mittchow, halb 8: Glück muß man Hatz en, B 2.— Donnerstag halb 8: FraDia- v o l o, C 2.— Freitag hall« 8: Gygesund sein Ring, Festspiele VIII, Gastspiel des Burgtheaters Wien D 2.— Samstag halb 8: Lumpa- civagabundus, CI.— Sonntag halb 8: Der Rosenkavalier, Festspiele IX, Gastspiel Erich Kleiber, D 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Mittwoch, 8 Uhr abends: Ein« Frau ohne Bedeutung.— Donnerstag 8: Das große ABC, Bankbeamte II und freier Verkauf.— Freitag 8: Salzburg ausverkauft.— Samstag 8: Das große A B C.— Sonntag: 8: Mens ch en aufder Eisscholle. Der Düw Liebeserwachen und ein Nazi-Propaganda-Film „Liebeserwachen" ist der sentimental« Film einer Künstlerliebe. Ein Mädchen aus dem Dorfe verliebt sich in einen großen Geiger und erlebt bald, daß er auch andere Frauen küßt. Sie kehrt in die Heimat zurück und findet bescheidenes Glück an der Teste eines Jugendfreundes. Das abgenützte Thema wird breit ausgesponnen und obwohl das Ganze sich „Lustspiel" nennt, hat der Zuschauer nichts zu lachen. Aber er kann sich immerhin an der schönen, schlanken Karin Hardt erfreuen, an dem sympathischen Walter Rilla und an dem kräftigen Humor Eugen Klöpfers. Er hört auch wunderbares Geigenspiel und die schöne Stimme Heinrich SchlusnuS'. Schließlich werden prächtige Aufnahmen aus den bayrischen Bergen geboten. Ueberhaupt ist das ganze Programm auf Winter eingestellt. Vorher sieht man nämlich den offiziellen Film von der Winter-Olympiade in Garmisch-Partenkirchen unter dem Titel„Jugend der Welt". Er bringt neben den aus Wochenschauen bekannten Eröffnungs- und Schlußfeierlichkeiten der Olympiade einen Ueberblick über die sportlichen Veranstaltungen in Garmisch. Wie zu erwarten war, benützen die Hakenkreuzler wie die ganze Olympiade auch diesen Film zum Borwand, um den bekannten Propagandarummel mit Massenaufmärschen, Fa- schiMngrüß, Hakenkreuzfabnen und Führerkult vor einem mit Sport herbeigelockten internationalen Publikum zu demonstrieren. Es ist nicht einzusehen, was dieser Film hei uns in der Tschechoslowakei zu suchen hat und warum eine sonst manchmal überempfindliche Zensur diese faustdicke Nazipropaganda duldet. jk. Leichtathleten, Achtung k Samstag, den-20. Juni, tragen wir unseren zweiten Meisterschaftskampf in Pro sek aus. Es ist daher Pflicht eines jeden Sportlers, am PRAG Mittwoch das Training zu besuchen, um sich über diesbezügliche Einzelheiten zu informieren. Treffpunkt am Samstag: halb 5 Uhr nachmittags Endstation der 15er und 19er in VysoCany. Neue Bttcher Die Novelle„Die Zeit der Verachtung" von Andre M a l r a u x(Editions du Carrefour, Paris), ms Deutsche ühertragen von Alfred Kurella, schildert die Erlehniffe eines Gefangenen im Kerker der Gestapo, eines Gefangenen, der sich durch die Kraft seines Willens aufrecht zu erhalten, vor dem körperlichen und seelischen Zusammenbruch in der— verhältnismäßig kurzen— Zeit seiner Haft zu retten vermag. Er wird frei, weil ein Genosse, der den Gefangenen für den Kampf als wichtiger ansah als fich selber, sich für ihn ausgab, sich anstatt seiner gefangen gab. Die Erlebnisse im Gefängnis, die Malraux den vielen Tatsachenberichten dichterisch nachgestalten konnte, find überzeugend dargestellt. Ein wenig blaß, ja fast unwahrscheinlich wirkt dagegen die Schilderung des Wiedersehens des Gefangenen mit Frau und Kind. Auch die Stadt Prag, in der er nach(schön geschildertem) gefahrenreichem Flug aus Deutschland seine Familie wiederfindet, wird nicht recht lebendig. H In der an Umfang schon recht beträchtlichen antifaschistischen, besonders gegen den Nationalsozialismus fich wendenden Literatur verdient das im Verlag„Societe d'Editions Europeennes, Paris, erschienene Buch„Hitler gegen Christus" von Miles Ecclesiea besondere Beachtung, weil es eine bisher im Zusammenhang noch nicht dargestellt« Besonderheit des deutschen Faschismus ausführlich schildert: seinen Kampf gegen das Christentum. Der deutsche Religionswirrwarr, das Durcheinander von halbchristlichen und ganzheidnischen Sekten, das dem Ausländer zumeist als äußerst lächerliche Folge der deutschen„Erneuerung" erscheint, ist nur Teilerschei- nung des nationalsozialistischen Kampfes gegen das Christentum. Der Nationalsozialismus ist, seinem verlogenen„positiven Christentum" zum Trotz, unerbittlicher Feind des Christentums, nicht nur der katholischen Kirche, er will selber Religion sein,«ine Religion, die an Stelle Gottes den Staat, an Christi Stelle den«Führer" stellt. Das wird bewiesen durch Lehre und Praxis des Nationalsozialismus. Eine Fülle von Beispielen der anttchristlichen Erziehung im Dritten Reich, der Verfolgungen aufrechter Katholiken werden als Belege dieser Praxis angeführt. Im Anhang werden viele, viele Fälle der Verurteilung von Katholiken, vor allem von Priestern aufgezählt.— Auch den Nichtgläubigen packt das Grauen, wenn er«inen Blick in diese Sammlung von Gemeinheiten, Brutalitäten, von moralischen Verkommenheiten tut. Hoffentlich wird diese Schrift von vielen Katholiken außerhalb Deutschlands gelesen und ttägt so mit bei zur Zerstörung eines Nimbus, den das Dritte Reich immer noch in den Augen vieler Katholiken hat.—fb— Zwei im gleichen Verlag(Schweizer Spi«gel Verlag, Zürich) erschienene Romane versuchen den Weg junger Menschen zu schildern, die ihren eigenen Weg gehen wollen, an keine Partei gebunden. Das sind gewiß nicht wenige, die jeder Uniformierung, der äußeren wie der geistigen, entrinnen wollen. Nicht wenige, die der politische Kampf anwidert, die ihm entrinnen wollen. Wie ist der Weg dieser jungen Menschen? Paolo Rossi erzählt in dem Roman »-Ich mache nicht mehr mit!" von einem italienischen Studenten, der aus einem Faschisten zum demokra- ttschen Anttfaschisten wird, in die Schweiz flüchtet und dort in kurzer Zeit Sozialdemokrat und Kommunist und Anarchist wird und zuletzt, von allen Parteien angewidert, seinen Weg allein geht. Er ist. wenigstens bis zum Schluß des Romans, der Weg in eine Liebcsidllhe. Vorher aber hat der junge Mann schon recht viele Frauen verbraucht. Sobald er bei ihnen geschlafen hatte, waren sie für ihn er ledigt, hinderten sie ihn an seinem„Wachsen". Wenn nur der junge Mann, den Rossi da schildert, wirklich ein Kerl wäre, ein Kraftmensch, eine Persönlichkeit! Dann könnte man noch sich einreden laffen, daß er Menschen und Menschengemeinschaften verbraucht, nachdem es sie erlebt hat. Aber er ist eine schattenhaft bleibende Figur und sein Roman ist wertlos.— Wesentlich ernster zu nehmen ist der Roman»»Der Einzelgänger" von Ernst Erich Roth. Hier erlebt man wirklich«in Stück Rot der deutschen Jugend mit. Ein junger Stundent erlebt sie, diese Mühsal des durch den Hunger gehemmten Studierens, der durch den Hunger zerstörten Liebe, des Suchens der Jungen nach einer seelischen Heimat, des Verzweifelns an der Welt der Alten. Aber während die Freunde nach links und rechts— viel mehr nach rechts— abwandern, will er allein seinen Weg gehen, und erst recht, nachdem die Rechten, die Nazi, gesiegt haben. Aber wollte der Autor seinen Helden nicht just in diesem Augenblick verlaffen, wollte er dessen weitere Versuch«, ein Einzelgänger zu bleiben, zeigen, dann müßte er schildern, wie er an diesem Versuche zerbricht. In den faschistischen Staaten, in den Staaten mit totalem Uniformzwang, wird der Individualismus erstickt. Keiner kann seinen Weg allein gehen, er wird auf den staatlich vorgeschriebenen Weg gezwungen. Erst wenn der Faschismus zerbrochen wird, kann auch der einzelne wieder frei sein. Auch Roths Buch muß deshalb abgelehnt werden, weil es eine in der Zett des Faschismus sehr gefährliche Lehre verkündet,— es muß abgelehnt werden, weil in dieser Zeit niemand, dem es ernst ist um die Zukunft der Menschheit wie des Individuums, dem Beifpiele dieses Jünglings folgen und den Verpflichtungen gegen die Gemeinschaft und damit gegen sich selber sich entziehen darf. Bedeutender als diese beiden Romane ist Martin Hallers im Europa-Verlag, Zürich, erschienener Roman„Ein Mann sucht seine Heimat"(Preis des Buches kart. Fr. 5.—, geb. Fr. 7.—). Einer der vielen, die durch die Nachkriegswirren, in denen die neuen Staatengebilde sich formten und Staatsbürgerschaften gewonnen und verloren wurden, ihr Vaterland verloren: die amtliche Bescheinigung der Zugehörigkeit zu einem Vaterland, hat durch die Hilfe eines Kriegskameraden in einer deutschen Kleinstadt Arbeits- und Aufenthaltsmöglichkeiten bekommen und eine Heimat gefunden. Der junge Kunsthistoriker lernt die alte Stadt, die Landschaft, in die sie eingebettet ist, und ihre Geschichte lieben— und er lernt ein junges Mädchen lieben. Aber sein Aufenthalt in der neuen Heimat fällt in die Zeit des deutschen „Erwachens", und der völlig unpolittsche Mensch wird, bloß well er ein anständiger Mensch ist und ein nzenschlich fühlender, bald zum verdächtigten und dann verfolgten Ausländer. Denn der anständige Mensch muß Partei nehmen, muß Partei ergreifen für das Recht, für die Wahrheit, für die Menschlichkeit. Erschüttert erlebt er, erleben die Leser mit, wie ein sozialdemokratischer Redakteur verfemt und gehetzt, wie zuerst sein einziger Gefährte, ein Wolfshund, grausam umgebracht, lebendig verbrannt.und wie dann derRedafteur ermordet wird. Richt gesucht dürfen die Mörder, nicht geahndet darf der Mord werden, denn das Opfer ist ja bloß der rote Störer der nationalen Eintracht. Der junge Kunsthistoriker muß, well er Partei ergriffen hat, mit der Geliebten, die noch mehr erlitten hat als er, die neue Heimat verlassen.— Ein Mann sucht eine Heimat 1 Ach, viele suchen in dieser Zeit eine Heimat! Geflüchtete und im Land gebliebene. Staatenlose und deuffche Staatsangehörige. Sie suchen eine Heimat der Menschlichkeit. H. Lüchereinlauf LUi Korber: Begegnungen im Fernen Osten— Rußland— Japan China. Biblos Berlag Budapest Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus cder bei Bezug durch di. Post monatlich KC 16.—. vierteljährig KC 48.—. halbjährig KC 96.—, ganzjährig KC 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft- und Tele» graphendirektton mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt. Druckerei: ,F)rbis", Druck-, Verlags« und Zeitungs-A.-G. Prag.