Dienstag, 23. Juni 1936 Nr. 146 16. Jahrgang Ehinlprils 70 Heller (•Iiuchli.Blich$ Hell.r Part») IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova a. Telefon 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Dardanellenkonferenz in Montreux Vor der Revision des Lausanner Vertrages In Montreux haben sich die Vertreter der Staate« und Mächte cingefundcn, die den Vertrag von Lausanne im Jahre 1823 unterzeichnet Haden, der die Befestigung der Dardanellen und ihre Sperrung durch die Türkei als Anrainer der Meerengen und des Marmarameeres untersagt. Der Vertrag revidierte seinerseits die vielen Abkommen, die seit dem Friede« von Adria- nopel sich im letzten Jahrhundert mit der Meerengen-Frage befaßt haben(insbesondere Pariser Vertrag von 1856, Pontusvertrag von 1871, Berliner Kongreßakte von 1878). Jetzt fordert die Türkei, lebhaft unterstützt von der USSR, das Recht zur Befestigung und fakultativen Sperrung der Vteerengen, da sie die Voraussetzungen des Lausanner Vertrages— wachsende Sicherheit und Abrüstung nicht mehr für gegeben erachtet. Da Rußland mit der Türkei konform vorgeht und die Staaten dar Balkan-Entente, also Runiänien, Jugoslawien und Griechenland, sich kürzlich mit don Türken geeinigt Haden, kann ein Widerspruch nur von Bulgarien und Italien erwartet werden. Italien hat eine» leisen Protest bereits angemeldet. Es ergibt sich der groteske Zustand, daß eine Macht, die vom Völkerbund als Vertrags» und Friedensbrecher erklärt wurde, die eben eia ganzes Land annektiert hat, gegen die noch die Sanktionen— wenigstens ans dem Papier— bestehe«, zu der Beratung über die Rechtmäßigkeit eines Vertrages zugelassen wird, ja daß sie sich heransuehmen darf, Bedingungen z« machen. Nichts kan de» Zusammenbruch der internationale»Rechtsordnung, die Unhaltbarkeit des Völkerbundes in seiner jetzigen Form, so deutlich kennzeichnen, wie dieser lächerliche Fall, der den Berbrecher zum Mitglied des Gerichtshofes macht! Der Präsident in Pilsen Pilsen. Sonntag besuchte der Präsident der Republik Pilsen, wo er von der gesamten Bevölkerung der Stadt und der Umgebung begeistert empfangen wurde. Nach der Kundgebung auf dem Platz der Republik, wo das Militär, Ehrenabteilungen aller turnerischen Organisationen, der Legionäre usw. Aufstellung genommen hatten, wurde der Präsident auf dem Rathaus offiziell begrüßt. Auf die Ansprache des Bürgermeisters Gen. Pik erwiderte der Präsident mit einer kurzen Rede, in welcher er des verstorbenen Genossen Habrman gedachte und sagte: Die Revolution gegen die Habsburger war nicht nur eine politische, sondern auch eine soziale und eine Revolution für die Volksregierung. Die Frage unseres Grenzgebietes, fuhr der Präsident fort, ist im gewissen Sinne eine Frage unseres ganzen Staates, wie wir die Grundsätze der politischen Demokratie» der Freiheit, der Wertschätzung des Menschen, der Nation und der Menschheit, die Auffassung»von Autorität, Disziplin und Freiheit bewahren können, möge anderwärts was immer geschehen und es anderwärts wie immer verstanden werden. Wir haben schon einmal eine Welle fremder Ideen überwunden, wir zweifeln nicht, daß wir sie auch jetzt aushal- ren werden. Nachmittags fand ein Umzug sämtlicher Turnerorganisationen statt, worauf der Präsident an dem Fest des Pilsner Sokolgaues teilnahm. Die Stadt Pilsen ernannte den Präsidenten zu ihrem Ehrenbürger. Todesstrafe für Bombenwerfer Jerusalem. Die Mandatsregierung hat heute neue scharfe Maßnahmen angekündigt. Eine Verordnung sieht für unbefugten Besitz von Waffen, Bomben und Explosivstoffen mindestens fünf Jahre, in schweren Fällen auch lebenslängliches Gefängnis vor. Ferner soll von jetzt an das Werfen von Bomben mitdemT ode oder mit lebenslänglichem Gefängnis bestraft werden. Aus Beirut und anderen Städten des Libanon werden Sympathiestreiks für die Araber in Palästina gemeldet. Bei Tulkarem in Rordpalästina kam es zu größeren Zusammenstößen mit etwa 70 Arabern, wobei Militär, Polizei und Flugzeuge eingesetzt werden mußten. Ein Soldat fand den Tod, drei wurden verletzt. Die Araber wurden in die Flucht geschlagen und ließen zwei Tote zurück. blutiger Sonntag in Bukarest Bukarest.(Havas.) Sonntag vormittags kam es in fast allen Bukarester Stadtvierteln zu Zusammenstößen zwischen Arbeitern rind Studenten der äußersten Rechten, Die rassischen Studenten bildeten Posten, um den Verkauf der demokratischen Blätter in den Straßen der Hauptstadt zu verhindern. Demgegenüber haben die Arbeiter und die Redakteure der demokratischen Blätter die Verteidigung der Kioske und Kolporteure organisiert. Die Rechtsextremisten bemächtigten sich aber trotzdem in verschiedenen Stadtteilen der Auflagen der demokratischen Blätter und verbrannten sie, wobei sie auch Angriffe auf die Lastautomobile mit den Linksblättern unternahmen. Zu blutigen Ereignissen kam es in der Umgebung des Sitzes der ehemaligen Grünen Garde, wo die Arbeiter mit Revolverschüssen überfallen wurden. Hier wurden ein Arbeiter getötet und drei weitere schwer verletzt. Im Zentrum der Stadt wurde ein Polizeikommiffär verletzt. Die Redaktion und die Druckereien der demokratischen Blätter sind verbarrikadiert. Staatssekretär Bülow gestorben Berlin. Der Staatssekretär im auswärtigen Amt Dr. Bernhard Wilhelm von Bülow ist Sonntag vormittags an den Folgen einer Lungenentzündung im Alter von 51 Jahren gestorben. Bon Bülow wurde im Juni 1930 auf besonderen Wunsch des Außenministers Dr. Curtius als Nachfolger von Schuberts zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt ernannt. Honduras vertut Genf Mexiko. Wie aus Tegucigalpa gemeldet wird, beschloß Honduras, aus dem Völkerbunde auszutreten. Die türkische Delegation hat bereits ihre konkreten Entwürfe betreffend die Revision des Lausanner Vertrages vorgelegt. Das grüßte Interesse der Delegationen weckt unter den türkischen Vorschlägen die Frage der Durchfahrt von Kriegsschiffen durch die Dardanellen. Die türkische Regierung behält sich für den Fall der Kriegsgefahr in dem neuen Entwurf die Erteilung einer b e fand e r e n B e w i l l i g u ft g seitens der Türkei für die Durchfahrt von Kriegsschiffen vor. Samstag und Sonntag fand in Teplih- Schönau das Gau-Kinderfest der„Kinderfreunde" statt, das jeden, der daran teilnahm, mit Freude und Rührung erfüllt hat. Auch unser Parteiführer Minister Dr. Czech war gekommen, seine Rede, die er bei der Kundgebung am Sonntagnachmittag hielt, war der Höhepunkt der Veranstaltung— es war ergreifend, als ihm nach der Ansprache von Kinderhand Blumen überreicht wurden. Der Redner schilderte erst den Eindruck, den„das malerische Treiben unserer prächtigen Jugend" auf ihn gemacht hat, schilderte die Entwicklung der Kinderfreunde-Bewegung seit ihrem Entstehen und fuhr dann fort: Wir sehen hier viele Kinder unter uns, die schwere Opfer des Kapitalismus find, der nicht nur der Arbeiterschaft die heiligsten Menschenrechte und Kulturgüter gemuht, sondern auch an den proletarischen Kindern schwere Verbrechen begangen hat. Denn aus vielen der Keinen Kindergesichtchen spricht nicht das wohlige Lebensgefühl, das sonst so erquickend an dem kindlichen Wesen anmutet. Ihre zarten Händchen, ihre schier durchsichtigen Glieder, ihr matter Gesichtsausdruck und ihr scheuer Blick, aber auch ihr entsetzlicher Erziehungsnotstand, der vielfach schlimmer ist als der physische, das alles sind schwere Anklagen gegen eine Wirtschaftsordnung, die zwar den Wohlstand eines Reinen Häufleins von Menschen vermehrte, die aber der großen Masse der arbeitenden Menschen zum Fluch wurde. Wenn ich dies sage und wenn in mir in diesem Augenblick das Blut aufwallt, so geschieht es auf Grund der Erfahrungen, die wir im Zuge der Staatlichen Kinderhilfsaktion gemacht haben, welcher 8000 Kinder und 1000 Jugendliche zugeführt wurden. Und wenn es auch dank dieser Aktion gelungen ist, das gesundheitliche Niveau der ihr eingegliederten Kinder zu heben, so bleibt immer noch die Frage offen, was aus diesen armen Wesen werden wird, tvenn sie wieder in ihre alten armseligen gesundheitlichen und sozialen Verhältnisse zurückkehren und— das ist unser zweiter großer Schmerz—,, welches das Schicksal jener vielen Zehntausenden von Kindern sein mag, die dieser Aktion nicht zugeführt werden konnten. Welch ein erschütterndes Bild rollt sich bei diesen Gedanken vor unserem geistigen Auge auf, wenn wir das, was hier angedeutet wurde, zu Ende denken. Die englische Delegation und eine Reihe anderer Delegationen stimmen mit diesem Vorschlag offensichtlich nicht überein. Außerdem hält die englische Delegation die Gebühren, die beim Passieren der Dardanellen von Handelsschiffen gezahlt werden sollen, für allzu hoch. Was das Ansuchen der Türkei hinsichtlich der Remilitarisierung des Küstengebietes der Dardanellen betrifft, werden bisher von keiner Seite nennenswerte Einwendüngen erhoben. Die sozialdemokratische Arbeiterklasse kennt den schweren Notstand des proletarischen Kindes und kennt auch die Aufgaben, die ihr daraus erwachsen. Sie läßt aus dem Gefühl brüderlicher Solidarität heraus keine Möglichkeit ungenützt, um hier helfend einzugreifen. Darum bringt sie dem vor einigen Tagen veröffentlichten Notruf der .»Kinderfreunde" vollstes Verständnis entgegen. Denn auch sie ist vom glühendsten Interesse und von brennendster Sorge um das Kind erfüllt. Sie weiß, daß es hier um das Schicksal der Gesamtbewcgung und damit auch der ganzen sozialistischen Arbeiterklasse geht. Wir wollen alles daransetzen, daß sich die Kinder des Proletariats ebenso wie ihre Eltern stolz zur Arbeiterklasse bekennen. Wir wollen die Arbeiterkinder sehend machen, auf daß sie wissen, daß die Sozialisten hingebungsvolle, aufopfernde und edle Menschen sind und daß ihre Feinde lügen, wenn sie den Sozialisten, zu denen ja ihre Eltern und Geschwister gehören, alles Böse andichten und sie sogar als Mordbrenner und Mörder bezeichnen. Aber noch eines müssen unsere Kinder wissen, daß die Freiheit der Menschen die Voraussetzung für den geistigen und kulturellen Aufstieg der Mmsch- heit ist und daß nur die Freiheit und die Demokratie den Staat vor den Faschismus bewahren kann und daß der Krieg ein Unglück der Völker und damit auch ihr Verderben ist. Darum muß das proletarische Kind zusammen mit den Eltern den schweren Kampf um die Befreiung der Arbeiterklasse führen. Aber die Jugend wird dieser Aufgabe nur dann, gewachsen fein, wenn ihr von der ersten Stunde an zielbewusste Erziehungsarbeit zuteil wird. Liebe Freundei Die Stunde ist ernst, sie muß uns gerüstet finden. Dazu gehört, daß wir an dem proletarischen Kinde, an unserer Jugend zielklare sozialistische Erziehungsarbeit leisten, daß wir die Arbeiterkinder mit Gemeinschaftsgeist erfüllen, sie zur brüderlichen Solidarität erziehen und sie zu Sozialisten machen. Dadurch werden wir unserer Bewegung immer neue Kämpfer zuführen und sie mjt Kampfesmut und mitreißender Begeisterung, mit Tatkraft und mit eisernem Siegeswillen durchfluten, der unsere Bewegung ewig jung erhalten und sie unüberwindlich und unbesiegbar machen wird. Her Statthalter Hitlers demaskiert sich! Die Rede, die Konrad Henlein in Eger vor den zum Appell befohlenen Getreuen gehalten hat, enthält nur an einer Stelle mehr als das übliche und seit Böhmisch-Leipa immer wieder als Ersatz eines klaren Programms vorgesetzte Gefabel: da wo Henlein von der angeblich für die Deutschen untragbaren Außenpolitik der Republik spricht, gebieterisch die Unterwerfung unter die Führung Berlins fordert und ein unumwundenes Bekenntnis zu Hitler ablegt. Es ist das z w e i t e m a l, daß der Unterführer des„Führers" sich vor der sudetendeut- fchen und tschechoslowakischen Oeffentlichkeit als Gefolgsmann Hitlers demaskiert. Das erste Bekenntnis lag in der„Kulturrede" vor(die ja ein Bekenntnis zu den Feinden und Zerstörern deutscher Kultur gewesen ist). Vorausgegangen war die Reise Henleins nach Garmisch-Partenkirchen. In eingeweihten Kreisen wußte man bald darauf von Zusammenkünften sudetendeutscher und reichsdeutscher Unterführer Hitlers zu berichten. Es wurde von gewissen Bedingungen gemunkelt, die der SdP angeblich von der reichsdeutschen Bruderbewegung auferlcgt wurden. Zu ihnen soll ein klares Bekenntnis zur hit- lerdeutschen„Kultur" gehört haben. Mit den Hintergründen der neuen, deutlicheren Demaskierung des Henlein-Nazismus sieht es komplizierter aus. Zunächst scheint da ein Widerspruch zu bestehen. Henlein hat gegen einen Teil der ehemaligen Nationalsozialisten in der SdP eine Kampagne eröffnet und sie bis zum Hinauswurf wefentlicher Häupter dieses„nationalsozialistischen" Flügels durchgefochten. Auf der andern Seite legt Henlein nun ein glühendes und, nach der tschechoslowakischen Seite hin, herausfordernd scharfes Bekenntnis zu Hitler ab. Ein Bekenntnis zu Hitler ist e s. Man rede nicht von Deutschland und dem deutschen Voll, wo es lediglich um das in Deutschland heute herrschende System geht! Es wäre weder Herrn Henlein, noch einem seiner nazistischen oder deutschnationalen Vorgänger jemals eingefallen, sich zu dem Deutschland vor Hitler, zu der Weimarer Republik auch nur im entferntesten so leidenschaftlich zu bekennen wie zu dem Deutschland Hitlers. Auch Brüning oder Schleicher hätten solche rückhaltlose Schwüre nicht haben können. Von S t r e s e- mann, Rathenau und Ebert nicht zu reden I Damals hätte sich kein sudetendeutschcr Nazist gefunden, der erklärt hätte, er wolle lieber mit Deutschland gehaßt werden, als aus dem Haß gegen ihn Vorteile ziehen. Und man braucht nur für einen Augenblick den Fall anzunehmen, daß morgen in Deutschland eine andere Fahne weht als die mit dem Hakenkreuz, daß morgen der deutsche Reichskanzler und das deutsche Staatsoberhaupt anders heißen als Adolf Hitler und man wird nicht im Traum daran denken, daß Herr Henlein sich zu diesem Deutschland von morgen rückhaltlos und leidenschaftlich bekennen würde. Wie wir ihn kennen, würde er sich lieber mit allem Tod und Teufel verbünden als für ein rotes Deutschland auch nur ein Wort einzulegen. Daß er sich zu Hitler in so gefährlich lauter Weise'bäennt, kann zweierlei Ursachen haben: entweder deckt Hitler selbst die Abrechnung mit den„Radikalen", billigt er den sudetestdeut- schen„30. Juni" und Henleins Rede ist nur der RapportandenChef, daß die Aktion auftragsgemäß durchgeführt sei, oder aber Henlein ist seines Echos drüben nicht ganz sicher» fürchtet vielleicht, daß die herausgeworfene Opposition an den Ober-Osaf appellieren wird und will sich gegen jede nazistische Strömung in der SdP wie gegen jede Parteinahme Adolfs für die Ausgeschlossenen sichern. Das Ergebnis ist im Grunde in beiden Fällen dasselbe: wer nicht von allen Göttern verlassen, völlig blind und taub ist in diesem Staate, mutz nach der Egerer Rede wissen, woran er mit Henlein ist. Für uns ist das nichts Neues. Unsere Warnungen und Prophezeiungen— auf die wir uns nichts zugutetun, denn man konnte sich seit 1983 schon an den Fingern abzählen, welches Resultat die Rechnung Henleins ergibt— unsere Auffassungen sind vollauf bestätigt worden. Eine anderL Frage ist es, ob gewisse tschechische Kreise Zielklare sozialistische Erziehungsarbeit! Parteivorsitzender Dr. Czech beim Kinderfest in Teplltz Sette 2 Dienstag, 23. Juni 1936 Nr. 146 jetzt endlich klarer sehen, oder ob sie abwarten werden, wann unsere weiteren Schlußfolgerungen sich erfüllen werden. Daß sie bestätigt werden, daran ztoeifeln wir nach Eger weniger als je vorher. Noch ein scheinbares Rätsel bleibt: an dem sudetendeutschen 30. Juni haben i m H i n t ergründ gewisse tschechische Ratgeber und Freunde der SdP mitgewirkt. Ilm die Herren Stoupal und P r e i ß darf man die Leute suchen, die bei diesem 30. Juni die gleiche Rolle gespielt haben wie einst vor zwei Jahren bei der Original-Aktion Mussolini und einige englische Geldleute. Wie reimt sich aber Henleins Bekenntnis zu Hitler mit der Rolle zusammen, die der tschechische Faschismus bei der „Reinigung" der SdP von den„radikalen Elementen" ohne Zweifel spielt?! Der Widerspruch ist nur scheinbar. Wer sich wie wir seit Jahren darüber im klaren ist, daß der tschechische Faschismus eine P o l i t i k d e r K a- pitulation vor Hiller, eine Politik des nackten Landesverrats betreibt, daß er bereit ift, für einen faschistischen Kurs im Innern die Unabhängigkeit der Republik als Preis zu erlegen, den wird Eger auch nach dieser Richtung hin nicht überraschen. Der krttische Beobachter wird nur bestätigt finden, was Einsichtige seit langem erklären, daß der tschechische und der sudetendeutsche Faschismus gemeinsam darauf ausgehcn, aus dem Bollwerk der Demokratie und des Friedens in Mitteleuropa einen Anhängewagen jenes Berliner Schnellzuges zu machen, der mit verderbenschwängeret Eile dem Abgrund des neuen Weltkrieges entgegenrast. Im tschechischen Lager war bisher die Zahl der Einsichtigen, die Zahl der wahren Patrioten des demokratischen Staates, bei weitem größer als die Zahl der Kapitulanten und Verräter. Die Kundgebung von Eger wird hoffentlich dazu beitragen. Zweifelnden die Augen zu öffnen und Einsichtige vonderErkennt- niszurTatzu führen. Sie könnte aber auch gewisse Leute im deutschen Lager belehren: darüber nämlich, daß es eine Narretei ist» sich im Kampf gegen Walter Brand auf die Hilfe Hitlers zu verlassen. Der„Sozialismus" der radikalen Nazi bei uns wird von Hitler genau so preisgegeben und an den Stärkeren verraten werden wie der„Sozialismus" der Radikalen im Reich..« Die Steuernovelle im Plenum Scharfe Kritik von Koalitionsseite an der Flnanzverwaltuns Prag. Rach den bisherigen Dispofitionrn soll das Abgeordnetenhaus, das am Montag die Aussprache über die Steuernovelle eröffnete, in ganztägigen Sitzungen ab Mittwoch das restliche Programm erledigen und Samstag mittags in die Ferien gehen. Der Dienstag bleibt fitzungsfrei, um dem Hause die Tell- nahme an der Beisetzung d«S früheren Kammerpräsidenten Dr. Stankt zu ermöglichen. Reben der Steuerreform und der Bruderladensanierung befindet sich auf dem Programm noch die vom Senat angenommene Berlängerung des Kolportageverbotes nach dem Pressegesetz und ferner der Initiativantrag Klein über die Dienstverhältnisse der Redakteure. » In Gegenwart des Ministerpräsidenten und der Minister hielt Kammerpräsident Malypetr dem verstorbenen Abgeordneten Dr. Stanek einen herzlichen Nachruf, worauf die Sitzung zum Zeichen der Trauer geschloffen wurde. * 10 Minuten später wurde eine neue Sitzung eröffnet, in der der tschechische Volksparteiler Dr. N o v a k über die Novelle zu den direkten Steuern referierte. Er ging davon aus, daß dar Koalifionskomit«, das die Vorlage einer gründlichen Umarbeitung unterzog, dabei von zwei Motiven geleitet war: das Steuersystem gerechter zu gestalten und das Verhältnis zwischen Steuerträger und Finanzverwaltung zu bessern. Die neuen Gedanken, die man in der umgeavbeiteten Vorlage find«, seien Zeichen einer neuenOrdnung, die im Werden begriffen sei und die-um erstenmal ihren Ausdruck in dieser Nopelle gefunden habe. Während man früher dem Parlament von gewisser Seit« Mangel an Initiative vorgeworfen hab«, sei es jetzt von derselben Seite angegriffen worden, weil es die Steuerreform gründlich durchführen und sich nicht mit der ausgearbeiteten Vorlage begnügen wollte. Daraus sei unschwer der Einfluß jener Kreise ersichtlich, denen die Initiative des Parlaments gerade in dieser Richtung unangenehm war. Di« Steuerkommission der Koalition war an die Voraussetzung gebunden, daß die Vorlage nach der Umarbeitung dem Staat nicht weniger eintragen "darf als früher. Von diesem Gesichtspunkt aus nmßte sie sich schließlich mit der Erhöhung der Rentensteuer abfinden, obwohl durch sie die kleinen Sparer hart betroffen werden. Die- gab jedoch den Anlaß, sich auch mit den großen Einkommen gründlicher zu beschäftigen. Unsere großen Wirtschaftsführer disponieren heute nicht mehr mit eigenem, sondern mit ««vertrautem Kapital; auf die wirtschaftlichen Ergebniffe der von ihnen geleiteten Unternehmen hat immer die Gesetzgebung Einfluß und nicht nur die private Initiative der Direktoren. Daher sind auch ihre Bezüge eine Angelegenheit de- Staatsganzen. In dieser Richtung wurden in der Novell« bereits gewisse Korrekturen durchgeführt. Zuwendungen im Zusammenhang mit dem Dienstverhältnis werden, falls sie 20.000 Kd übersteigen, entsprechend versteuert, und auch Gehalte über 260.000 Kd werden aus dem Titel der Erwerbssteuer des auszahlenden Unternehmen- betroffen. Auch die Erträgnisse der Holding-Gesellschaften werden wenigstens so erfaßt, wie es der Rentensteuer aus den Dividenden entsprechen würde. Man hat auch verhindert, daß bedeutende Gewinne in Form von hohen Gehalten verschwinden und das betreffende Unternehmen dann nur die Minimalsteuer zu zahlen hätte. Auch hier ist gute Arbeit geleistet worden. Man sollte nicht zögern, in dieser Richtung noch weiterzugehen und jene Wirtschafts- und' Gesellschaftsordnung herbeizuführen, die dem heutigen Ge» sellschaftS und Wirtschaftsleben entspricht. Wenn nicht jene die Steuern zahlen, die sie zahlen können, weil sie entsprechende Gewinne aufzuweisen haben, so müßte man die fehlenden Gelder ja sonst bei den breiten Massen beschaffen. Was das Verhältnis zwischen Steuerzahler und Finanzbevwaltung betrifft, so macht der Referent der Finanzverwaltung den Vorwurf, daß sie das bisherige Gesetz nicht zu handhabenver- ft a n d. Sie hat weder Vorschreibungen noch Rekurse rechtzeitig erledigt und die Bezahlung der Bor- schüffe für da- laufende Jahr verursachte eine solche Verwirrung, daß sich eine Aenderung des Steuerjahres als notwendig erwies. Auch sonst wurde die Stellung des Steuerträgers verbessert, die Strafsanktionen gemildert und ein Unterschied zwischen absichtlicher Steuerdefraudation und bloßer Unachtsamkeit oder Vergeßlichkeit gemacht. An die Steuerbeamten richtet der Referent den Appell, sich dem normalen Steuerträger gegenüber nicht einfach auf den Standpunkt zu stellen, daß das Amt der Herr sei. Namens der koalierten Parteien des Bud» getauSschuffes sprach der Agrarier T e p l a n- s l y, der Vorsitzende deS Budgetausschusses. Er ma.t die Finanzbehörden nachdrücklich darauf aufmerksam, daß die p r a k t i s ch e Durchführung der Vorlage alles bedeute. Die Finanzverwaltung dürfte dem Steuerträger nicht den Glauben an dar Recht nehmen. Angesicht» der erhöhten Ansprüche, die an die Staatskasse gestellt werden, konnte man dem Steuerträger bei bestem Willen nach der m a- teriellen Seite hin keine beträchtliche Erleichterung bringen: dafür waren alle jwalitionsvertreter in der Auffassung einig, daß man dem Steuerträger eine größereRechtSstcherheit bieten und dieSteuerpraxiS vereinfachen m ü s s e. Es ist ein eminentes staatspolitisches Interesse. daß zwischen dem Steuerträger und der Fi- nanzverwaltung Ruhe. Rechtssicherheit und Ordnung einlrete. Der Steuerdruck ging in einzelnen Fällen so weit, daß er das ruhige Verhältnis des Bürgers zum Staat bedrohtem I« der Dteuerpraris der Finanzverwaltung «miß auch die traurige Erscheinung aufhör««, daß sich di« Behörde« in gewiss«« Fälle« einfach nicht »ach der ständigen Judikatur des Oberst«« Ber- waltungsgerichtshifeS richteten, und die Finanz- Verwaltung mutz sich dessen bewußt sei», daß die Gesetz auch für sie gelten, und muß sich nach ihnen richtm, auch wenn die Entscheidung gegen sie ausfällt. Die Borschreibung der Steuern für das laufende Jahr ist die erste Voraussetzung, um Ordnung in die Steuersachen zu bringen, und sie wird sicher zur erfolgreichen Liquidierung der Steuerrück- stände beitragen. In der Slowakei, wo die Leute an die einfachen und klaren ungarischen Steuergesetze gewöhnt waren, sind 80-Prozent der U n z u f r jede n h e i t, die sich in dem Ruf nach der Autonomie äußert, auf die Kompliziertheit de» Steuersystems zurückzuführen, welches da- einfache Boll nicht versteht. Das Steuerkomitee der Koalition empfiehlt daher bei den kleinen Steuerträgern ein einfaches Pauschal für alle direkten Steuern. Der Steuerträger darf in der Finanzverwaltung nicht feinen größte« Feind sehen. Die Meldungen über Konflikte zwischen der Koalition und dem Finanzministerium weist der Redner zwar znriick, doch betont er gleich nachdrücklich, daß es der Wunsch des ganzen Parlamentes sei, daß in unserer Fi- nanzverwaltung nicht ein Element im Staate heranwächst, das ohne Rücksicht ans dir Interesse» des Parlaments oder vielleicht gar über dem Parlament stehend, willkürlich vorgehe« wollte. Aehnliche Erscheinungen würden in Hin-, kunft im staatSpolitischen Interesse mit der größten Entschiedenheit unterdrückt werden. Der Redner erinnert weiter daran, daß ein Wunsch der Selbstverwaltung erfüllt wurde, indem den Ländern di« Möglichkeit gegeben wird, den Gemeinden die Ein Hebung der Zuschläge unter entsprechenden Garantien zu bewilligen.- Die KoalitionSkommiffion sei jedoch überzeugt, daß man im Interesse der Selbstverwaltung für rin völlig neues Fmanzgesetz für die Selbstverwaltung sorgen müssen wird, damit diese einwandfrei ihre Aufgaben erfülle« könne. Der Ausschuß empfiehlt der Regierung einen allmählichen Umbau unserer Steuergesetzgebung. In erster Linie wäre ungesäumt die Ausarbeitung einer allgemeinen Steu- erordnung zu beginnen, worin die Vorschriften für alle Steuern zusammengefaßt sind, dann müßten ein einheitliches Steuerstrafgesetz, ein neues Ge- bichrengesetz und ein Rahmengesetz für alle indirekten Steuern folgen. In der Debatte sprach als erster Ritsch(Zipfer deutsche Partei), der e- bedauerte, daß die„Frei- zügi^eit", die Dr. Englii der Wirtschaft eingeräumt habe, nunmehr aufgehoben werden und einem FiÄkaliSmus Platz machen solle. Dr. Klapka(Nat.-Soz.), der gelegentlich als Kandidat seiner Partei für das Finanzministerium genannt wird, erklärte u. a., in der Republik könne eS nicht zwei Regierungen geben; allein entscheidend in Wirtschaftssragen könne nur die Regierung der Tschechoslowakischen Republik und keineswegs die Regierung derZivnobank sein. Der Motivenbericht zur Steuerreform aus dem Jahre 1027 erkläre, daß das Gesetz soziale Gesichtspunkte berücksichtige, daß der Kapitalsertrag mehr belastet und Rücksicht auf die subjektive Tragfähigkeit genommen werden soll. Diese sozialpolitische Aufgabe, die Dr. Englis der Steuerreform gestellt habe, habe in der Praxis völlig versagt. Die Steuerlast wurde nicht den kapitalskräftigen Schichten auferlegt, sondern auf die breiten Bevölkerungsschichten überwälzt. Im Jahre 1027 habe Dr. Englis die Einnahmen des Staates und der Selbstverwaltung aus der Wirtschaft beschränkt und der Effekt war, daß — während die Privatwirtschaft in die Krise mit gewissen Reserven ging, der Staat und die Selbstverwaltung als Bettler in den Kamps mit der Krise gingen. Jng. Dr. Toutek(Rat. Ber.) polemisiert gegen Dr. Klapka und erklärt, daß ohne Stabilisierungsbilanzen, die zur Anhäufung unversteuerter Reserven dienten, viele Unternehmungen die Krise nicht hätten überdauern können. Nach Kräften ninunt er die Wirtschaftskrise um die Zivnobank in Schutz, so namentlich die Holdinggesellschaften vor dem Vorwurf, daß ihr Hauptzweck die Steuerflucht sei. Er kündigt an. daß seine Partei gegen die Vorlage stimmen wird, weil ihre Anträge nicht berücksichtigt worden seien. Um 7 Uhr abends wird die Debatte abgebrochen. Nächste Sitzung Mittwoch um 10 Uhr früh. Dr. Hodia Uber die Koalition Verengung der Koalition wäre Zersetzung Ätubnanskä Teplice. Sonntag sprach hier Ministerpräsident Dr. HodZa. Nach Ausführungen über die vorbereitete Autonomie Karpatho- rußlands betonte er, daß die Koalition in der Zusammensetzung wie sie heute besteht, bleiben wird, gegebenenfalls um solche Komponenten erweitert wird, mit denen es möglich sein wird, sich über ein gemeinsames politisches und wirtschaftliches Programm zu einigen.-Das Programm der gegenwärtigen Koalition ist solcher Art, daß es sich direft auf die Bestandteile stützen muß und noch lange wird stützen müffen, die als Vertreter der Erzeugungsintereffen und der sozialen Interessen Übereinkommen müssen, wenn die Stabilität unseres Wirtschaftslebens auch in der Zukunft garantiert sein soll. Nach Beendigung der gesetzgebenden und' finanziellen Maßnahmen zur Verteidigung des Staates werde die Koalition in intensiver Weise ihr Programm fortführen, Es kommt daher absolutnichtinFrage, daß irgendein Bestandteil die heutige Koa^itzi^pn v ssKl/iH^^xde Verengung der heurigen Koaimon nmrve^Zerseh'ustg bedeuten, wahrend es die Aufgabe jeder vernünftigen Staatspolitik, insbesondere in der gegenwärtigen Zeit, ist, allmählich alle staatsbildenden Kräfte in der Regierung, im Parlament und im ganzen öffentlichen Leben zusammenzufassen. Wahlen bei der Prager Eisen. SamStag spät nachts wurden die Wahlen in die Betriebsausschüsse der Prager Eisen beendet. Der Jn- dustrieverband(Kommunisten) erhielt 1863 Stimmen, neun Mandate(bei den heurigen Maiwahlen, gegen die protestiert wurde, 1913 Stimmen mit zehn Mandaten), die gemeinsamen Kandidatenliste der Metallarbeiter und Meiallbearbei- ter(sozdem. und natsoz.) 833 Stimmen, vier Mandate(823, 4), die nationale Vereinigung 884 Stimmen, drei Mandate(848, 2), 10 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grötzsch Copyright by Bugen Prager-Verlag, Bratislava. Justus hörte nur zerstreut hin. Was ging's ihn an, er zahlte sein Tagegeld; es mußte also wohl noch einiges andere im Hintergründe sein. Aha, jetzt räusperte sich Herkner, seine Augen streiften über den Tisch hin von einem zum anderen. Und dann kam es. „Nun noch etwas, unter uns, ehe die Jungens antanzen." Er holte Lust.„Du mußt das Kommando, übernehmen, Max. Morgen haue ich ab." Handbewegung nach Norden.„Alles ist klar. Wenzel nimmt mich früh im Auto mit... Guckt nicht so entgeistert... Ich muß hinüber, muß, ich halte es nicht mehr ab... ich will wissen, was mit meiner Frau los is!" Er gab sich einen Ruck. So, das war heraus. Klar und fest sah er zu den beiden hinüber, leicht und frei, wie einer, der weiß: jetzt nimmt die Qual ein Ende, so oder so... Pause. Die Gesichter verschwammen im zunehmenden Dunkel. Ueber Schwarzers gefurchtes Gesicht mtt der breiten Stirn hing eine graue Haarsträhne.^ „Ueberleg dir's noch einmal, Karl", sagte er langsam. „Nichts mehr zu überlegen. Ich bin nicht von Eisen, ich hab nur immer so getan... ich halte es nicht mehr ab." Justus Augen verloren ihren stumpfen Ton, bohrten sich mählich durch die Brille. Er hatte tagelang geschrieben, von ftüh bis in den späten Abend, zwischen den Fingern saß ihm noch ein Gefühl wie Schreibkrampf, unter der Schädeldecke lasteten geschichtliche Gedantenketten, die herunter gejchrieben jein wollten... Er nickte nur. Also doch. Es war zu greifen gewesen: der war nicht lange mehr zu halten. „Und keine Abschiedsfeier, nich?l Ihr wißt Bescheid, außer euch und Gusti brauch's keiner zu wissen, daß ich drüben bin... Je weniger Gerede desto besser. Wenn jemand ftagt: besondere Aufgabe an der Grenze. Das klingt so schön, nich?" Er lachte, ftei und heiter, wie Schwarzer ihn lange nicht mehr gehört hatte. „Meinen Koffer nehm ich zum Scheine mit. Er bleibt bei Ignaz." Wird man dich Wiedersehen?— dachte Justus. In der Kehle würgte etwas. Er schwieg. Den konnte ja doch keiner mehr halten, den mußte man gehen lassen, wenn er einmal dazu entschlossen war. Er kannte diesen Schlag, es war das Beste von den Kerntruppen des Sozialismus. Wo man so etwas hinstellte, da stand es für seine Sache: unpathetisch, tönenden Phrasen abhold, kernfest und für die Dauer. Wie die Stiefel, mit denen diese Männer marschierten: durch vier Jahre Krieg hindurch, für die Republik, in den Kolonnen des Reichsbanners, in den Tod für die Freiheü, wenn das Kommando dazu gekommen wäre. Jetzt handelte er unter eignem Befehl, jetzt wollte er sich in die große Dschungel wagen, die viele der Besten verschlang. „Ueberleg dir'S noch mal", wiederholte Schwarzer warnend.„In paar Tagen kann bessere Nachricht da sein." „Wie lange ich darauf schon warte, wißt ihr ja... Anna wohnt jetzt in einem anderen Viertel, dort kennt sie vorläufig niemand. Die Gefahr is nich mehr so groß." Er zählte einige auf, die hinüber gingen und heil wiederkehrten. JuftuS schluckte etwas herunter. Bei manchen war es schief abgelaufen. Die Dschungel verschluckte sie.„Und wie stehts mit dem Mammon, Herkner?" Seine Stimme klang heiser. Herkner wiegte küchelnd den Kopf.„Kaufmann Wenzel wird mir was vorschietzen..." Er legte den Finger an den Mund, Man hörte, wie die Burschen durchs Tor brachen; sie klatschten das Badezeug draußen auf die Bank und Moses jubelte:„Man riecht Kartoffelpuffer. Gustis Spezialität. Soll ja wohl für Erdarbeiter bereits eine Delikatesse sein." Gusti schwankte aus der Küche herauf, die Backen hochrot, zwei volle Schüsseln in den Armen:„Da steht man stundenlang in der Hitze für die Bande und in fünf Minuten iS die schönste Präpelei runtergewürgt. Was bleibt mal von meiner Arbeit? RichtSI" Heißhungrig stürzten die Burschen auf daS Gebackene. JuftuS nickte traurig.„Ja, Gusti, du schaffst das Notwendigste und Vergänglichste. Wenn wir dir's nicht danken— die Nachwelt flicht der Köchin keine Kränze..." Und da war Gustis duftendes Werk buchstäblich schon wieder vertilgt. An diesem Abend kam Bier auf den Tisch und bei den Burschen herrschte großes Staunen, als sie vernahmen, daß Herkner für zwei Wochen an die Grenze ging.„Man nich zu nahe", warnte Peter.„Vor paar Tagen is wieder einer verschleppt worden,"—„Einfach hinüber jeschleppt", echote Paul und bastelte am Radio herum. Seit einer Woche schon war eS kaputt, bockte und pfiff. Neue Teile mutzten her, aber wer hatte das Geld dazu? In seinem Zimmer oben überzählte JuftuS seine Barschaft. Viel war's nicht mehr, aber ein paar Scheine konnte man dem Herkner wohl mitgeben. Das einzige, was sich vorläufig tun ließ. Am anderen Morgen war Herkner schon reisefertig, als die anderen noch hinterm Kaffee saßen. Also an die Grenze geht der Boß? Aber warum verschwand Gusti weinend in der Richtung zur Küche, als es ans Abschiednehmen ging? Und weshalb war Herkner so aufgeräumt, wo Anna doch krank lag und er die Frau an der Grenze jetzt keinesfalls treffen konnte?„MoseS ahnt alles, Moses weiß alles", raunte der im Vorbeigehen dem Kleinen ins Ohr« Von der Straße her winkte Herkner noch einmal zurück, dann schritt er straff drauflos. Das Auw wartete dort, wo sich die Turmspitze über die Häuser schob. Noch einmal hörte er seinen Namen, wandte sich um. Atemlos kam der Kleine angcjagt. Sein heller Schopf flog im Winde. Er drückte dem Boß ein Kuvert in die Hand, Justus habe es vergessen...„Und weißt du, Genosse Herkner... damals abends in deinem Zimmer... da hab ich wirklich nix gewollt, bloß sagen, daß ich gern mit dir hierher ging..." Herkner schlug ihm auf die Schulter.„Schon gut, Ernst, bist'n braver Kerl, wir kennen uns doch lange genug, nich? Wirst mal'n fester Hund!" Dann war er fort. Sein Hut mit der vorn herunter gezogenen Krempe verschwand hinter den grünen Karrees einiger Hopfenfelder. Fort... Alle in der Spinne sind so stumm und jeder denkt: Ob wir den Wiedersehn? Er ist der tüchtigste Heimleiter der ganzen Emigration! Mensch, ob wir den je Wiedersehn? Achtes Kapitel, Am Hange buddeln fünf Mann. Schwarzer hat das Kommando und weiß nicht recht, was er mit Paul anstellen soll. Der Bursche ist mürrisch und kann mit Frosch beim Steineabtragen nicht richfig ins Geschirr kommen. Denn Peter fehll, Peter hat heute Stubendienst, und es rächt sich immer, wenn die beiden auseinander gerissen werden. In der Nacht hat eS gewittert, nun schmort die Morgensonne hinter Weißen Wöllchen über dem Tal und drückt den Dunst nieder. In einer Buch» tung des Bergzuges dämmert eine Siedlung. Gelb grün liegt der durchsonnte Dunst darüber; es ist, als schaute man auf den Grund eines Hellen tiefen Wassers. »(Fortsetzung folgt. Ur. 14« Dienstag, 23. Sunt 1936 Seite 3 fadetendeutedier Zeitspiele f Henleins Euerer Bekenntnis zu Hitler-Deutschland Der„Führer**„wiedersewählt“—.Spontanes“ Vertrauensvotum für Dr. Brand— Maßregelungen bleiben aufrecht Die Egerer Amtswaltertagung der SdP endete, wie nicht anders zu erwarten war, mit der »Wiederwahl" Henleins, das heißt:»der Vorsitzende Henlein wurde mit 3500 gegen drei Stimmen in schriftlicher Wstimmung zum Vor- , sitzenden der Partei wiedergewählt". Also bis auf drei Mann? Run, die Egerer Tagung ging unter Ausschluß der Oef- fentlichkeit vor sich. Demnach hängt es ganz von dem Vertrauen jedes Staatsbürgers für die SdP ab, wie er htefe 3500 und die drei ein- und abschätzen mag! Und jedenfalls wirkt diese »Einmütigkeit" wie ein Zauber, wenn man liest, was die SdP selber über die Atmosphäre dieses Parteitages verrät. Laut»Zeit" berichtete dort „Rudolf Sandner unter atemloser Spannung über die jüngste« innerparteilichen Ereignisse" und die Tagung war „überreich an dramatischen Spannungen". Angeblich„ergriff kein einziger Redner für die gemaßregelte Gruppe Partei, jeder einzelne stellte von sich aus in aller Offenheit so viel von Borwürfen gegen die Führung zur Aufklärung, als ihm nur irgendwie bekannt geworden ist". Mso es regnete Vorwürfe— aber nur zur„Aufklärung"; es herrschte Einmütigkeit(sogar überwältigender Art), über dennoch auch atemlose Spannung, dramatische Spannung, überreiche Spannung! Wir lesen das so: eS ging hoch her, aber zum Schluß sahen sich alle(die dort waren) wieder hinter Konrad Henlein gestellt. Fragt sich, mit welchen Gefühlen die Amtswalter heimgingen und mit welchen Gefühlen sie von den Amtsverwalteten werden empfangen werden... Henlein und der Kameradschaftsbund Am Samstag gab«s eine„Nachtsitzung", der — laut den offiziellen Berichten— Henlein selber in einer Rede die Aufgabe vorzeichnet«, alle nur irgendwie gegen die Führung der Bewegung erhobenen Vorwürfe vorzubringen und nicht früher auSeinanderzugchen, als bis der letzte Rest Unklarheit aus der Welt geschafft sei. Er selbst griff wiederholt in die Wechselrede ein und gab über lebenswichtige Fragen der Bewegung erschöpfende Aufklärung, indem er feststellte, daß die Gerüchte über ein Weiterbestehen des'„KameradschaftSbundeS" Lüge seien und daß er jeden, der an einer solchen Bereinigung teilhaben würde, selbst sofort auS der Bewegung ausstoßen würde. Auch über die Einstellung der Bewegung und ihrer Führung zur Spannschen Ständelehre gab Konrad Henlein restlose Aufklärung, indem er feststellte, . daß zwischen Spann und der SdP keinerlei Verbindung bestehe. DaS Gewicht, das diesen Erklärungen Henleins zukommt, wird veranschaulicht durch einen sonntägigen Artikel in der„P r a g e r Presse", die nachweist, daß in Eger Dr. Brand durchaus(und zum Teile wörtlich) die Theorien Spanns verzapfte und daß Aehn» liches von den Referaten Sebekovskys und K. H. Franks gilt, Lehren des.KameradschaftSbundeS". Und deshalb kommt die„Prager Pr." zu der Feststellung: Daß die Sudetendeutsch« Partei m ihrer heutigen Gestalt eine Fortsetzung des KameradschaftSbundeS darstellt und daß sie— wie jetzt wieder mit aller Klarheit die Egerer Tagung beweist— offiziell das Gedankengut des.Kameradschaftsbundes" weiter verwaltet, dieses Gedankengut, dessen g e- gen die Existenz des Staates gerichteter Charakter unzweifelhaft ist. Der„Läuterunsskommlssär“ zählt die Anhänger nicht mehr Herrn SandnerS Egerer„Tatsachenbericht" wiederholt nochmals, nur etwas gedämpfter, die diversen Beschuldigungen, denen zufotze die „Maßregelungen aufrecht bleiben". Aber interessanter als SandnerS Behauptungen Wer Kasper, LiÄl und so weiter ist diese seine Erklärung: ES wäre falsch, die Einheit des-Sudetendeutschtums nur nach der Z a h l, nach der Summe d,erAnhänger zu beurteilen. Unter der Einheit des Sudetendeutschtums verstehen wir die Einheit des W i l l e n s, der Treue und die Einheit der D i s z i p l i n," Das nennt man: aus der Not der Abspaltungen die Tugmd der„Disziplin" zu machen! Henleins Kotau vor den Nazis und vor dem Dritten Reich Noch in der Nachtsitzung hielt Henlein abermals eine Rede, in der er— laut„Zeit"— unter anderem sagte: „Unsere Aktion richtet fich keineswegs gegen die ehemaligenMitglie- d e r der aufgelösten DRSAP. Ich frage nicht, welches Parteibuch der oder jener ftüher besaß. Ich wäge die Menschm einzig und allein nach ihrer Treue, Einsatzbereitschaft und Bewährung. Ich werde unter keinen Umständen duldm, daß in unserer Bewegung eine Partei in der Partei entsteht. Keinesfalls aber werde ich es hinnehmrn, wenn man durch Gerüchtemacherei«ine Stimmung erzeugt, die heute gegen meine Mitarbeiterund morgen gegen mich ausgewertet wird." Die tiefe Verbeugung Henleins vor den ehemaligen Nationalsozialisten innerhalb der SdP läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen Wrigl Und wie sehr muß es Henlein bereits mit der Angst zu tun haben, wie stark der„F ü h- re r"- Glauben in ihm selber und in der Gefolgschaft erschüttert sein, wenn er fürchtet, daß die Stimmung morgen schon gegen ihn umschlagen könne!* Vielleicht imponiert Zehntausenden die „Bertrauenskundgebung für Brand", über die sich die„Zeit" also aus Eger vemehmen läßt: Während der Wechselrede wurde spontan aus der B e r s a m m l u n g der Antrag gestellt, Dr. Brand im besonderen das Vertrauen auszusprechen- Wie ein Mann er- hobm fich sämtliche Amtswalter und begrüßten die Vertrauenskundgebung mit langanhaltendem Beifall. Sicher ist aber, daß diese„spontane" Bertrauenskundgebung für den best- und meistgehaßten Mann des Führerklüngels weiter« Tausende aus der SdP abtreiben wird! Das nazistische Horn Die s o n n t ä g i ge Rede Henleins liegt noch nicht im ganzen Wortlaut vor, aber was schon heute aus ihr zitiert werden kann, ist bemerkenswert genug. Henlein soll da vor allem die SdP-Leitung als»verantwortliche Führung" der als solcher anzuerkennenden sudetendeutschen Volksgruppe hingestellt und soll gefordert haben, daß diese Führung allein berechtigt wäre, mit den anderen Nationalitätengruppen zu verDer Existenzkampf der Arbeiter- und Beamtenschaft der Apollo-Mlneralöl-Rafflnerle in MShr.-Schönberg Seit Oktober 1935 leistet die Arbeiter- und Beamtenschaft der Apollo-Mineralöl-Raffinerie in Mähr.-Schönberg heftigen Widerstand gegen die beabsichtigte Stillegung bezw. Verlegung der Produktion in den Preßburger Betrieb. Aber nicht nur die Arbeiterschaft, sondern auch die Oeffent- lichkeft befaßte sich eingehend mit dieser Frage, da ja durch eine solche Stillegung weite Kreise, darunter auch einige Gemeinden einen bedeutenden Schaden erleiden würden. Ueber Einschreiten des Fabrikarbeiter-Verbandes und der beiden in Betracht kommenden Angestelltenorganisationen fanden in dieser Angelegenheit bereits Verhandlungen im Beisein aller in Betracht kommenden interessierten Kreise am 13. Feber beim Handelsministerium und am 3. März bei del Handelskammer in Olmütz statt. Der Firmavertreter hatte in beiden Verhandungen jedes Zugeständnis um weitere Auftechterhaltung des Betriebes in Mähr.-Schönberg abgelehnt, obwohl die Vertreter der Arbeiter» und Beamtenschaft günstige Vorschläge für die weitere Produktion in Mähr.-Schönberg und Preßburg unterbreitet hat- ten. Die gesamten Teilnehmer an der Enquete in der Handelskammer in Olmütz, unter Vorsitz des Kammerpräsidenten Abg. M l L o ch, haben fich gegen eine Produktionsverlegung von Mähr.- Schönberg nach Preßburg ausgesprochen und der Firma nochmals nahegelegt, die Vorschläge der Arbeiter» und Angestelltenschaft einer ernsten Ueberprüfung zu unterziehen. HierWer fanden Inun seit dieser Zeit eine Reihe von Verhandlun- 'gen zwischen den Bettiebsausschußmitgliedern mit handeln. Und diesem Größenwahn suchte Henlein anscheinend gefällige gesellschaftliche Form zu geben, indem er auch die Forderung nach einer „tschechisch-deutschen Diskussionsgesellschaft" aufitellte, in der wahrscheinlich deutscherseits auch nur die Henleins diskutieren sollen. Tschechischerseits dürfte die Lust an solcher Diskussion kaum rege werden, wenn richtig gelesen werden wird, wie Henlein diese Diskussion einleitet: „Wir lasse« es«nS nicht weiter biete«, wen« auf tschechischer Seite die Forderung erhoben wird, die tschechische Bolksgrenze bis an die Staatsgrenze vorzutragen. Das ist Imperialismus reinste» Wassers! Und besonders di« demokratische tschechoslowakische Außenpoliti k wird begeistert sein, aus Henleins Munde zu Hitlerdeutschland ein so offenes Bekenntnis zu hören, wie er sich bisher noch nicht leistete: „ES ist unerläßlich, daß man in Präendlich einmal einneves, anständiges Verhältnis zum gesamten deutschen Mut- tervolk und besonders zum Deutschen Reich schaftt. Es muß hier einmal ein offe- neS Wort gesagt werde«! Wenn man eS uns erst kürzlich wieder zum Borwurf machte, weil wir eine Brücke zwischen de», Tschechen und dem Deutschem Reich« bilden wollen, wenn man unS offen oder versteckt die Forderung vorhält, wir sollte»«ns in die Front gegen Deutschland einreihen, muß ich erwidern: man vergißt, daß wir Deutsche sind. Ich will eher mit Deutschland gehaßt werde», alS daß ich a«S dem Hass« gegen D e« ts ch la« dBor« teile zSg e!" Herr Kolbenheyer— wir werden uns ihn merken— der an der Egerer Tagung als„Ehrengast" teilnahm, wird gewiß nicht ermangeln, Herrn Hitler höchst poetisch zu schildern, welch treuen Knappen der Führer an diesem „Stammesführer" hat. Aber schon vorher wird eS sich wohl zeigen, wie die Führer der tschechoslowakischen Demokratie nun zu Henlein sich ein- oder umstellen werden! Hoffentlich anders als das Tschechoslowakische Pressebüro, das am Montag einen so freundlich-objektiven ersten Bericht Wer die Egerer Tagung veröffentlicht«, als ob es nicht bis drei zählen könnte! -» Die Vorgänge in der SdP fanden am Montag auch im Parlament einen Widerhall. Dr. K l a p k a erklärte, die von Henlein bestrittene Behauptung, daß Deutschland die Ursache der politischen und wirtschaftlichen Störungen in der Welt sei, sei g a n z r i ch t i g, da das ganze Stteben Deutschlands darauf gerichtet sei, für einen Angriff gerüstet zu sein. Er anerkenne die geistigen Leistungen des deutschen Volkes, aber es wäre vergeblich, mit der SdP zusammenzuarbeiten, solange ihr Evangelium das sei, was in Hillers„Mein Kampf" stehe. AuS der Erllärung des SdP-Abgeordneten Birke, daß die Meldungen des„Montagsblatt" über die Rede Henleins aus dem Zusammenhang gerissen seien, geht hervor, daß den Herrschaften schon die bisherigen Kommentare in der Presse doch auf die Nerven gehen. Birkes Rede verfiel Wevdies zum Teil der Beschlagnahme durch das Präsidium. der Firma in Mähr.-Schönberg, Brünn und Preßburg statt. Das Ergebnis dieser Verhandlungen ist, daß die Firma nach wie vor auf dem Standpunkt stehen bleibt, die Produktion mit Ausnahme-von einem ganz kleinen Kontingent, welches nur kurze Zeit für wenig Arbeiter eine Arbeitsgelegenhett bieten würde, nach Pretzburg zu verlegen, und zugesteht, 45 Arbeiter in den Preßburger Betrieb zu Wernehmen und die restlichen Arbeiter nach Möglichkeit teilweise in Mähr.-SchöWerg zu beschäftigen. Die Arbeiterund Beamtenschaft hat sich wiederholt mit diesen Firmavorschlägen befaßt und mußte sie ablebne n, da die Urma keine Garantte für eine dauernde Beschäfttgung gab. Die Firma hat nun als letztes ZugestäWnis eine 18monatige Garantte für die Arbeit in Preßburg und Mähr.-Schön- berg und, falls eine Entlassung vorzeitig erfolgen sollte, die Bezahlung des Rückttansportes und e>ne Abfertigung von acht Wochenlöhnen zugestanden. Ein solches Angebot der Unsicherheit für die Arbeiter- und Beamtenschaft mußte selbstverständlich mit Entrüstung abgelehnt werden. Der Fabrikarbeiterverband hat sich bereits am 7. Mai an das zuständige Ministerium mit dem Ersuchen gewendet, durch eine neuerliche Verhandlung beim Handelsministerium eine Entscheidung zu tteffen und zwar dahingehend, daß die Existenz der Arbeiter- und Beamtenschaft des Be- trieves gesichert wird. Da die Firma die Arbeiterschaft des Mähr.-Schönberger Betriebes durch Nichtzuteilung von Kontingenten zum Aussetzen von der Arbeit verhält, wurden von den geschädigten Arbeitern die entgangegen Lohnbeträge eingeklagt. Es wird daher Aufgabe der maßgebenden behördlichen Stellen sein, Maßnahmen zu tteffen, daß dem Ansuchen des Fabrik- arbeiterverbandes und der Angestelltenorganisationen ehestens entsprochen wird. Die Arbeitslosigkeit hn tschechischen und deutschen Gebiete Einer Zusammenstellung der„Mitteilungen des deutschen Hauptverbandes der Industrie" entnehmen wir, daß zu Ende Mai d. I. von 1000 Einwohnern in der ganzen RepWlik 43.0, in den deutschen Gebieten 80.3 und in den tschechischen Gebieten 33.3 arbeitslos waren. 100 Arbeitslosen in den tschechischen Bezirken entsprachen in den deutschen Bezirken im Jänner 1936 206, im Feber 109, im März 206, im April 219, im Mai 241 Arbeitslose. Hiebei wurden als deutsche Gebiete jene gezählt, deren Einwohnerschaft nach der letzten Volkszählung zu mehr als 50 Prozent aus Deutschen besteht. Vor Betriebstillständen In der Trautenauer Textilindustrie Am 25. Juni I. I. kommt die Flachsspinnerei A. Haase in Trautenau zum vorWergehenden Stillstände, jedoch nicht über 13 Wochen hinaus. Von diesem Stillstand werden insgesamt 565 Personen in Mitleidenschaft gezogen, wobei ihnen jedoch die erworbenen Rechte gewahrt bleiben. Auch die Firma I. Etrich, Flachsspinnerei in Oberaltstadt, hat bei der Bezirksbehörde ein Stillstandsansuchen für dieselbe Zeit eingebracht, weshalb auch dieser Betrieb für die nächsten Tage zur vorWergehenden Einstellung kommen dürfte. In diesem Betriebe sind 2ö0 Arbeiter beschäftigt. Als Gründe für diese Betriebsstillstände werden angefüllte Garnlager, infotze Absatz- und Clearingschwierigkeiten angegeben. Ferner hat auch die F i r m a S. S o j k a, mech. Bindefadenfabrik in G a b e r s d o r f, der Bezirksbehörde bekanntgegeben, daß auch sie im Monate IM l. I. bis zu drei Monaten ihren Bettieb einstellen muß, worWer noch verhandelt werden wird. Als Gründe für diese Maßnahmen werden Rohstoffschwierigkeiten, bedingt durch die Hanfeinfuhrsperre aus Polen, sowie finanzielle Schwierigkeiten angeführt. In diesem Betriebe sind gegenwärttg 42 Arbeiter beschäftigt. bas Grubenunglück am Prokopschacht in Soborten vor dem Kreisgericht Gestern begann in Leitmeritz die Hauptver- handlung gegen die Eigentümer des Prokop- Schachtes. Die Anklageschrift schildert die Betriebsverhältnisse auf diesem Schacht und den Hergang des Unglückes, dem sechs Bergarbeiter zum Opfer sielen. Die zweite Wirtschaftliche Ausstellung „Trowa" inTroppau wurde Sonntag feierlich in Anwesenheit des Bezirkshauptmannes Dr. Michälek und des Bürgermeisters Dr. Just eröffnet. Egerer„Wollenstem"-FestspielauSschuß gegen PassionSspiete. Unter der Leitung des Theater- direkwrs Kohl sollen im Laufe des heurtzen Sommers in der Egerer großen Sängerhalle an Stelle der bisher üblichen Wallensteinfestspiele» deren Beranstallung im heurigen Jahre wegen Geldmangels nicht durchgeführt werden kann, Passions-Festspiele mit dem bekannten Christusdar- steller Fastnacht arrangiert werden. Gegen diesen Plan wendete sich nun der Ausschuß der„Wallenstein"-Festspiele mit dem Hinweis, durch die Aufführung der Paffionsspiele im heurtzen Jahre könnten den für 1937 und für die späteren Jahre projektterten Wallensteinspielen in künstlerischer und wirtschaftlicher Hinsicht Abbruch getan werden. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, daß eines der leitenden Mitglieder des Wallenstein-FestspielauSschuffes, der leitende Redakteur der„Egerer Zeitung", Dr. Ergert, der Stadtzemeinde Eger das Verfitzungsrecht über die Sängerhalle absprach und behauptete, die Halle sei-Eigentum des„Wallenstein"-Festspielkomitees. Dagegen stellt die Stadtgemeinde fest, daß die Halle keineswegs dem Wallenstein-Aus- schuß, sondern der Stadt gehört.'Die Jnittatoren der Paffionsfestspiele sind jedenfalls entschlossen, die geplante Veranstaltung durchzuführen, um so mehr, als bei der Stadttasse bereits die erforderliche Pachtsumm« erlegt und an die mitwirkenden Schauspielkräste neben Reisevergütungen auch Vorschußzahlungen auf die Gagen geleistet worden sind. Berbindlichkrit des ReichSseidenverttages. In der Sammlung der Gesetze und Verordnungen wurde die Erklärung der RechtSvettbindlichkeit des zwischen dem Veäiand der Seidenindustriellen einerseits, der Union der Textilarbeiter, dem christlichen Textilarbeiterverband, dem Brünner Texttlarbeiterverband und dem Verband der Tex- ttlarbeiter in Nächod andererseits abgeschlossenen Reichsseidenvertrages verlautbart. Der Vertrag gilt für dieSeidenindustrie in den Gerichtsbezirken Hof, Mährisch-Schönberg, Mährisch-Trübau, Odrau, Römerstadt, Stadt Liebau, Wagstadt, Wtzftadtl, Zlabings, Zuckmantel, Zwittau, Gru- lich, Wysoka, Policka und Trautenau. GEDENKET M elfen Anlassen der Arbeiterfürsorge! Teilt t Dienstag, 23. Juni 1936 Nr. 146 Der Philosoph Moritz Schlik Die Flucht aus dem Leben Einige Daten aus der Selbstmordstatistik (rb.) Den tragischesten Teil-er kürzlich in den Mitteilungen des Statistischen Staatsamtes erschienenen„Retrospektiven Statistik der häufigsten Todesursachen", die- den Zeitraum von 1928 bis 1935 erfaßt, stellt zweifellos der Abschnitt dar, in welchem die Selbstmordziffern für diesen achtjährigen Zeitraum ausgewiesen werden, lieber die Tragik des Einzelfalles hinaus ist der Selbstmord ein überaus ernstes soziologisches Problem und kein Geringerer als T. G. Masaryk hat diesem Problem vor vielen Jahren eine tiefschürfende Monographie gewidmet. In der Selbstmordziffer kommt die seelische Widerstandsfähigkeit der zum gesellschaftlichen Kollektiv zusammengeschlossenen Einzelperonen gegen das Leid und Ungemach des Lebens zum Ausdruck und diese Widerstandsfähigkeit ist einerseits bedingt durch soziale und wirtschaftliche Gegebenheiten, andererseits durch biologische und psychologische Einflüsse, also Ein- flüffe, die sich aus der Erbmasse einer örtlichen Menschengruppe, aus der Einwirkung der jeweiligen Umwelt, sowie aus gefühlsmäßigen(z. B. religiösen) Bindungen ergeben. Alle diese Komponenten sind bei der Analyse der Statistik in Betracht zu ziehen. Im gesamtstaatlichen Durchschnitt entfielen auf 10.000 Einwohner im Jahre 1935 drei Selb st morde. Diese Durchschnittsziffcr ist aber auf die einzelnen Länder sehr ungleich verteilt. Die Selbstmordziffer des fortgeschrittensten Landes Böhmen ist nahezu viermal so hoch, als die des primitivsten Ostlandes Karpathorußland. Verfolgt man den zeitgemäßen Ablauf innerhalb dieses achtjährigen Zeitabschnittes, so ist festzustellen, daß Lderall der Höhepunkt der Selbstmordstatistik mit dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise und damit mit dem Höhepunkt des wirtschaftlichen Elends zusammrnfällt. Die letzten zwei Jahre zeigen ein erfreuliches allgemeines Absinken der Selbstmordziffer. Die Statistik weist ferner die Selbstmordziffer der einzelnen B e z ir k e aus. Nachfolgend führen wir die politischen Bezirke mit der größt en Selbstmord st erbl ich leit der Reihenfolge nach an(wobei zu bemerken ist, daß die gesamtstaatliche Durchschnittsziffer 8.0 auf 10.000 Einwohner beträgt): R u m b u r g 8.6 auf 10.000 Einwohner (die gleiche Ziffer zeigt der zum politischen Bezirk Tatschst» gehörige Gerichts-«- zirk B e n s e n), Deuts ch-G ab el 7.9 (Zwickauer Elendgebiet!), Reu-Pa ka 6.4, Leitmeritz 6.3, Iilovö(Eule) 6.0» Asch 6.0, D a u b a 5.6, B S h m. L e i p a 5.6, Warnsdorf 5.5, T e p k 5.3, Starke n b a ch 5.2, T u r n a« 5.1. , Dagegen zeigen minimal« Selbst- m o r d st e r b l i ch k e i t die Bezirke: H l« b o k ä(Südböhutrn) 0.6, P l ä n i c e (Südböhmen) 0.7, H o st a«(Böhmerwald) 0.7, R e t o l i tz(Südböhmen) 0.8, K a l- s ch i n g(Böhmerwald) 0.8, Ronsperg (Böhmerwald) 0.9, Schüttenhofen (Böhmerwald) 1.9, Hohenmaut(Ostböhmen) 1.9. Bemerkenswert, daß der südböhmi« s ch e Raum, obwohl in ihm eine große Anzahl von ausgesprochenen Notbezirken enthalten ist, so günstige Ziffern gegenüber dem nordböhmi- schen Gebiet ausweist. Es scheint sich um eine durch Generationen ererbte Zähigkeit dieser südböhmischen Gebirgsbevölkerung zu handeln, die auch dem schwersten Existenzkampf gewachsen ist. Endlich wollen wir noch jene Bezirke anführen, in welchen überhaupt kein Selb st mord ausgewiesen ist: Milevsko(Südböhmen), Hart« anitz (Böhmrrwald), B e seik an der L ü j n i tz (Südböhmen), Biks Belkä(Mähren, Bojkovirr(Mähren), Heinersdorf (Schlesien), H a v a(Slowakei), Z i p s e r Altdorf(Slowakei), P e r e 4 i n(Kar- pathorutzland), U j h o r o d(Karpathorußland). Es wäre eine dankbare Aufgabe für soziologische Forscher, das angedeutete Material einer eingehenderen Bearbeitung zu unterziehen. Furchtbarer Selbstmord. Der 41jährige Fleischermeister Emil Schütz in Bärringen, der vor einigen Tagen aus seiner Wohnung spurlos verschwunden war, wurde auf dem sogenannten Wölfling mit furchtbarer Schutzverletzung tot aufgefunden; Schütz hatte mit dem Schutzapparat» mit welchem Schlachtvieh getötet wird, seinem Leben ein Ende bereitet. Ein Kinderschändrr. Der 48jährige geschiedene Fabrikarbeiter Karl H. aus Ziegelhütten bei Karlsbad hat sich vor Monatsfrist an zwei Mädchen, von denen das eine 10, das andere 8 Jahre alt war, in Anwesenheit der 14jährigen Schwester der zwei Kleinen in schwerster Weise sittlich vergangen; nachdem er die Kinder unter einem Vorwand in seine Wohnung gelockt hatte. Nunmehr stand H. unter der Anklage deS Verbrechens der Schändung vor dem Egerer Kreisgericht. Er wurde zu sechs Monaten schweren Kerkers, jedoch mit Rücksicht auf seine bisherige Unbescholtenheit, mit dreijähriger Bedingtheit, verurteilt« VON einem Irren ermordet Wien.(Tsch. P-B.) Der Vorstand deS philosophischen Institutes der Wiener Universität und Leiter des philosophischen Seminars, ordentlicher öffentlicher Professor Dr. Moritz Schlik wurde Montag früh um 9.20 Uhr beim Stiegenaufgang zur philosophischen Fakultät im Universitätsgebäude von einem gewissen Dr. Nelböck erschossen. Man vermutet, daß der Attentäter geistig nicht normal ist. Professor Dr. Schlik ist Professor der WienerUniversität seit dem Jahre1922. Der Mörder des Universitätsprofessors Schlik, Dr. Nelböck, ist 32 Jahre alt und der Sohn „Fräulein Eta Donner vom Wiener Afrika- Jnstitut ist von einer Studienreise aus den afrikanischen Tropenwäldern zurückgekehrt. Sie reiste allein, ohne gefährdet zu werden. Sie berichtet, daß weißeMenschen überall dort sehrrespektiert werden, w o s i e bisher nochwenigbekannt find." „The Science New Letter", Washington Warum nur auf die Brust? Ein kaum glaubliches, dabei aber buchstäblich wahres Ge- schichtchen erregt weit über die Grenzen des Cho- dauer Bezirkes hinaus Schmunzeln und Kopf- schütteln. Ein enragierter Anhänger der SdP vermag sich von seinem Parteiabzeichen so wenig zu trennen, daß er, da er in der nunmehr eingetretenen heißen Jahreszeit nicht gut die SdP- Nadel beim Baden an die Brust stecken kann, auf eine glänzende Idee verfiel: er ließ sich, um auch als Nackter bzw. Halbnackter seine Zugehörigkeit zur Partei Henleins dokumentieren zu können, die Initialen des SdP-Abzeichens auf den Brustkasten täwwieren und ist auf diesen Einfall nicht wenig stolz, um so mehr, als sein Beispiel, wie es heißt, bereits Schule gemacht haben soll; es wird sich daher dem Beobachter wohl in manchem Freibad der Anblick mit„SdP"-Buchstaben geschmückter Jünglinge und Mädchen bieten, die aus Begeisterung die schmerzhafte Tätowierung ertragen werden, solange nicht die sonst sehr geschäftstüchtige SdP- eines Landwirte? aus Oberösterrcicb. Der Täter hatte sich nach der Tat selbst der Hochschulwache gestellt, Dr. Nelböck befand sich bereits einmal in Steinhof in Pflege. Er strebte eine Dozentenstelle an der Wiener Volkshochschule an, konnte sie je- dych nicht erlangen und glaubte, daß Professor Dr. Schlik ihm im Wege stehe. Prof. Schlik, der aus der bekannten Adelsfamilie Schlik stammte, war das Haupt der„Wiener Schule" der Naturphilosophie, aus der u. a. der Prager Philosoph Prof. Carnap hervorgegangen ist. Hauptgeschäftsstelle einen Ausweg dahingehend findet» daß fie einen Rundstcmpel anschafft, mit dem sie auf die hiefür geeigneten Körperstellen badender Mitglieder gegen eine kleine Gebühr das „SdP" aufdruckt... soll„Klagsal" werden, auch„Ragout"„Hackkich", aus„Bonbon"„Leckel", aus„Omelette"„Eilach", aus„Ingenieur""„Technald" und aus „Prokurist"„Fugnich".-'Zeitungen dürfen nicht mehr„abonniert", sondern müssen fortan^ge- daurigt" werden und der„Abonnent" wird zum „Daurich".' I. Wanderausstellung der Naturfreunde! Alle Naturfreunde Lichtbildner machen wir aufmerksam, daß mit 30. Juni der'Einsendetermin für die I. ganzstaatliche Wanderausstellung in der CSR. endet. Es ist Pflicht jedes Naturfreundes, der Lichtbildner ist, sich daran zu beteiligen. Anmeldeformulare sind bei Heinz Weithofer, Brünn, Bindergasse 10-1, anzusprechen. Die Ausstellung wird am 8. August l. I. in Brünn anläßlich der XIII. Haupttagung unseres Vereines eröffnet und wird dann in verschiedenen Städten der§SR. zu sehen sein.— Die Photogruppe Brünn im T.-B.„Die Naturfreunde". Eine neue Racketeers-Methode. Im Staate Massachusetts hat man eine neue Arbeitsmethode der Racketeers festgestellt. Die Gangster begannen damit, Kaufleute durch unlautere Machenschaften zum Konkurs zu bringen. Als es dann so weit war, erhielten diese Kreditangebote, die sie natürlich gern annahmen. Als Bedingung wurde jedoch gestellt, daß die Betreffenden hohe Lebensversicherungen eingingen, die sie den Gläubigern verpfänden mußten. Kurz darauf verstürben sie unter mehr oder minder verdächtigen Umständen, die aber nicht ausreichten,.mm die Auszahlung der Versicherungssumme zu verhindern. Die Angelegenheit kam durch einen Zufall heraus. Einer der Versicherten kam bei einem Auwunfall um. Bei der Obduktion stellte es sich heraüs» daß er schon tot ins Auw gesetzt worden war— er war vorsorglicherweise von den Gangstern vergiftet worden. Eine Marseillaise-Briefmarke. Frankreich feiert im Augenblick das 100jährige Jubiläum des Schöpfers der französischen Nationalhymne, der Marseillaise, Rouget de Liste. Aus diesem Anlaß wird die französische Poswerwalwng zwei Marseillaise-Briefmarken herausgeben. Die eine trägt das Bild des Rouget de Lisle-Denkmals in seiner Heimatstadt Lons-le-Saunier, die andere die Darstellung, der Marseillaise auf dem Arc-de-Triomphe in Paris. Die Ausgabe der Briefmarke erfolgt am 27. Juni in der Heimatstadt ihres Schöpfers und in Paris und soll erst danach auf allen Postämtern in Frankreich verkauft werden. Wahrscheinliches Wetter heute. Wechselnd bewölkt, vorwiegend trocken bis auf Lokalgewitter. Im ' Weftteik des Stänke s' Testlpedakltr dhnr wesentliche Aenderung oder vorübergehend«in wenig kühler, im Osten weitere Erwärmung.— Wetterausfichten für Mittwoch: Allgemeine Wetterlage ohne erhebliche Aenderung, ziemlich warm, wkale Gewitterstörungen. Vom Rundfunk ■aurfehlanawertas ans da« Proaraatneaai Mittwoch: Prag, Sender L: 10.15: Deutsche Presse, 10.15: Rundfunk für deutsche Schulen, niedere Stufen. 10.35: Sinfonieorchester auf Schallplatten, 11.05: Konzert, 12.10: Operngesänge, 13.40: Deutscher Ärbeitsmarkt, 14: Konzert auf Schallplatten, 18.05: Deutsche Sendung: Dr. Nadler: Kunstftil und Weltanschauung, 18.20: Arbeiterfunk: Franz Kaufmann Komotau: 50.000 vom 3. bis 6. Juli in Komotau, 18.40: Sozialinformationen» 18.45: Deutsche Presse, 19.45: Sommernachtstraum, von Shakespeare, 22.15: Chastsons, 22.35: Beethovenkonzert. Sender S: 7.30: Salonorchesterkonzert, 15.15: Deutsche Sendung: Kinderstund«, 15.40: Schallplatten.— Brünn 12: Klabierwmpositwnen, 16.10: Nachmittagskonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Etwas über die Behandlung kranker Tiere,— Musik für die Jugend, 18.15: Salontrio, 19.20: Italienische Lieder. — Kascha« 12.05: Schallplattenkonzert.-— Mähr.- Ostran 12.35: Mittagskonzert, 18: Klavierkompositionen. Das Gesicht Europas „Bei der Verhandlung gegen die des versuchten Umsturzes angeklagten ungarischen„Sen- senkreuzler" erklärten sämtliche Angeklagten, sie hätten Böszörmenyi— der sich übrigens mit Be- hanptung, geisieskrank zu sein, der strafgerichtlichen Verfolgung entzogen hat— zum Führer der Nation erhoben, wie dies mit Hitler und Mussolini geschehen sei. Man müsse für ihn auch sterben können." „Ungar. Telegraphen-Agenwr", Budapest * „Der Führer der in Kattowitz angeklagten deuffchen Nazis in Polen, Manjura, ist, wie sich nun ergibt, Pole. Die Behauptung, daß er sogar polnischer agent Provokateur war, kqnn nicht beweiskräftig widerlegt werden. Als ihm das erste Mal in einer Versammlung dieser Vorwurf gemacht wurde, legte er sein Amt nieder und verschwand." „Deutsche Presse". Prag „Mädchen, die gesündigt haben, und Reue empfinden, können in Zukunft Mitglieder wer- den von Girls Friendly Society." Anzeige im„Daily Herald", London" ,Zn Kirchberg am Walde wurde die 80- jährige Barbara Wlcek, die bei dem Zimmer- mann Gläubmann im Ausgedinge wohnte, drrrch einen Messersfich in'- den Hinterkopf getötet. Glaubmann wurde verhaftet. Es wird angenommen, daß er die Greisin tötete, weil er das täg- liche Ausnahmegeld von 70 Groschen nicht mehr bezahlen wollte." „Der Wiener Tag" G „Nach 18jähriger Pause sind heute beim „Dreher" die Musterungen für die allgemeine Dienstpflicht wieder ausgenommen worden. Bei der Stellungskommission 1 war der erste Taug, liche der Handelsangestellte Adolf Abele s." „Reues Wiener Tagblatt" * „In Budapest ist eine Grammophonplatte verboten worden, weil in einigen Fällen Personen, die sie anhörten, sich ums Leben gebracht haben. Ein Tenor singt auf dieser Platte den Höhepunkt des Schlagers**„Stirb! Stirb!" so überzeugend, daß sich empfindliche Gemüter dieser Anregung offenbar nicht entziehen können. Uebrigens haben zwei sehr bekannte ftanzösische Grammophonfirmen das Recht auf den Vertrieb der Platte berefts gekauft." „Paris Midi" Gorki bei Kanonendonner beigesetzt. Sonntag fand auf dem Roten Platz die Beisetzung Gorkis statt. Zehntausende Werktätige aus Moskau und. eigens zur Beisetzung eingetroffene Delegationen aus den anderen Städten der Sowjetunion versammelten sich auf dem Platze, um den großen russischen Schriftsteller das letzte Geleit zu geben. Während des Trauermeetings sprachen der Vorsitzende des Rates der Volkskommissäre, Molotolv, der Vorsitzende des Moskauer Sowjets, Bulganin, der Schriftsteller Alexej T o l st o i und der in Moskau weilende französische Schriftsteller Andre Gide. Unter Kanonenschüssen wurde die Urne mit der Äsche Gorkis in der Kremlmauer eingemauert. Bei einem Zusamincnstoß zwischen ztvei Motorrädern auf der Solitude-Rennstrecke bei Stuttgart wurden drei Personen getütet und zwei verletzt.— In Armhem(Holland) fuhr ein vollbesetzter Autobus gegen einen Baum. Der Chauffeur wurde hiebei getötet, 24 Passagiere wurden verletzt, neun von ihnen befinden sich in hoffnüngs- sem Zustand. Tragisches Ende des Sonntagsansflngrs. Montag nachts wurde auf der Bahnstrecke Paris— Cherbourg in der Nähe des Ortes Boucheville ein Autobus mit Sonntagsausflüglern auf einer Ueberführung von einem Zug erfaßt, wobei der vordere Teil des Wagens in Trümmer ging.. Bon 28 Fahrgästen fanden acht den Tod, zwölf andere erlitten schwere Verletzungen., Schlagende Wester. In den Gruben bei Viflanusva Dclasyinas(Spanien) ereignete, sich, eine Schlagwett er-ErPlrnon, Zwölf Bergarbettcr kamen ums Leben, vier wurden schwer verletzt. Hitlergrüße an Oesterreich. Sonntag nachts wurden an einigen Stellen in Wien,.und zwar hauptsächlich aus derKärntner- und derRingstraße und im Stadtpark Stinkbomben geworfen» von der gleichen Art, wie sie die Nationalsozialisten kürzlich im Stadttheater in Wien verwendeten. In Liesing bei Wien haben Nationalsozia-- listen vormittags. in das Bassin der dortigen Schwinimschule zwei Säche giftiger Farben geschüttet. Das Wasser wurde plötzlich rot und das Bassin mußte entleert werden. 1936 aus dem Weltkrieg zurückgekehrt! Große Erregung hat in Kufstein und Umgebung die Rückkehr eines Franz Keßler und vier weiterer Tiroler hervorgerufen, welche im Jahre 1914 den Militärdienst angetreten haben, kurze Zeit darauf in russische Gefangenschaft geraten und nunmehr nach 22 Jahren nach großen Strapazen aus Sibirien in die Heimat zurückgekehrt sind. Eü» Hacklich zum Eilach. Mit Billigung der offiziellen Buchzensur ist in Deutschland eine Broschüre, betstelt.„Neuer Weg", erschienen, in der Vorschläge zur„Reinigung" der deutschen Sprache von Fremdwörtern gemacht werden. Für „Souterrain" soll es in Zukunft„Senking" heißen, für„Parterre"„Ebing". Aus„Tragödie" kin amerikanisches Riesengeschütz Ein Bild von den amerikanischen Manövern: Ein Eisenbahngeschütz mit einem Kaliber von 35 Zentimeter beim Feuern. Sein 1500 Pfund schweres. Geschoß fliegt 50 Kilometer weit. Nr. 146 Dienstag, 23. Juni 1936 Sette 8 WaS Adolf noch nicht hat. Ter Präsidentschaftswahlkampf in USA. wird mit den merkwürdigsten technischen Hilfsmitteln geführt. Der frühere Präsident Hoover unterstützt den Kandidaten der Republikarier Landon durch eine Redetournee. Hoover war eine Zeitlang sehr unpopulär, aber seit etwa einem Jahr erfreut er sich steigender Beliebtheit, und seine Kundgebungen, in denen er gegen Roosevelt wettert, sind überfüllt. In einer seiner letzten Rie- senversammlungen in Chicago hat man ein« neu« erfundene Maschine anfgestellt, die die Dauer und den Grad der Beifallskundgebungen für den Redner in Tiagrammform auf einem Blatt Papier registrierte. Nach der Kundgebung stellte man fest, daß der Begrüßungsbeifall, bevor Hoover zu sprechen begann, nicht weniger als 12l4 Minuten dauerte, der Schluhbeifall aber 18 Minuten. Die Beifallskundgebungen während seiner zweistündigen Rede nahmen eine Zeitspanne von 23 Minuten ein. Wie es heißt, beabsichtigen auch sämtliche anderen Redner des Wahlkampfes, während des Wahlkampfes diese Maschine zu gebrauchen und deren Aufzeichnungen zu veröffentlichen, um den Beweis zu erbringen, wie„populär" man sei. Ein sonderbarer Verein,(mh) Kürzlich hat in Amerika ein Verein sein LOjähriges Bestehen gefeiert, der sich S.P.C.S.P.G. nennt In ihrer vollen Läng« lund auf Deutsch) bedeutet diese Abkürzung nicht weniger als„Gesellschaft zur Verhinderung, daß Schlafwagen-Kellner George genannt werden"! In den Vereinigten Staaten werden die Schlafwagen-Angestellten irgendeiner dunklen Tradition zufolge tatsächlich George gerufen, zur großen Pein derer die diesen Bornamen tragen. Als vor zwei Jahrzehnten Mr. George Dulanh aus Clinton einmal im Schlafwagen fuhr und durch das Rufen seines Vornamens ebenso heftig wie nutzlos aus dem Schlummer geschreckt wurde, sagte er zu seinem mitfahrenden Freund voll Verzweiflung, er werde einen Verein gründen, der mit der Unsitte aufräume, daß die Kellner mit seinem achtbaren Vornamen gerufen würden. Der Freund, ein Druckereibesitzer, leistete sich den Spaß, Mr. Dulanh kurz darauf ein Paket Mitgliedskarten des imaginären Vereins zu senden, Herr Dulanh nahm die Gelegenheit wahr, mit dem Erfolg, daß der Verein heute über 80.000 Mitglieder zählt— und daß die Schlafwagen-Angestellten in USA immer noch George gerufen werden! WM odö WM Deutschlands Industrie unter Rohstoffmangel Wie sehr durch die verhängnisvolle Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten vor allem die LextjsMdustzi« in Deutschland geschädigt wird, das ist aus den Handelskammerberichten über die Lage in den einzelnen Branchen dieser Industrie zu ersehen. Wir zitieren nach der„Frankfurter Zeitung": „Rach den Handelskammerberichten war di« Beschäftigung in der Textilindustrie im Mai, ähnlich wie in den Vormonaten, recht stetig unter Vorherrschen leichter Befserungstendenzen. Die Streichgarnindustrie bezeichnet sich als zufriedenstellend beschäftigt, wobei sich allerdings in der letzten Zeit die Schwierigkeiten der Materialbeschaffung erhöhten. Die teilweise als Ersatz herangezogenen Balkan-, Ziegen« und Zickelwollen könnten bei größeren Geschäften keine Verwendung finden. Auch in der Kammgarnindustrie wird die Beschäftigung als gleichbleibend, bzw. gut bezeichnet bei schwieriger Roh- stoffbeschaffung, worunter auch das Exportgeschäft litt. In der Zittauer Tuchweberei ar- beitendieBetriebeim allgemeinen wieder 88 Stund en und mehr. Teilweise bereitete die Beschaffung guten Rohmaterials Schwierigkeiten. Der weitere Anstieg der Rohwollpreise wirkt sich langsam in den Garnpreisen auS.— In der Baumwollindustrie scheint sich die Rohstoffversorgung allgemein auf normaler Höhe gehalten zu haben. Die Münchener Spinnerei arbeitete z. B. 41% Stunden.— In der Leinenindustrie haben sich gegenüber den Vormonaten keine wesentlichen Veränderungen ergeben. DieBersorgunginGar- nenwarnichtohneSchwierig« feiten. Der Auftragseingang in Bielefeld und Zittau ließ— z. Zt. aus Saisongründen— etwas nach. D i e Beimischung von Zellwolle(das ist Kunst wolle, d. Red.) ließ sich ziemlich reibungslos durchführen. Die niederrheinische Baumwollweberei klagt über Mangel an guten Garnen.— Auch die D t r i ck w a r e n i n d u st r i e in Württemberg war weiterhin befriedigend beschäftigt. Die Hagener Bandindustrie stößt bei der, Einführung der Mischgewebe noch auf Schwierigkeiten. Di« S.ch w i e r i g k e i t e n im Ex- p o r t scheinen sich in allen Zweigen der Textilindustrie im letzten Monat etwas erhöht zu haben, z. T. scheint das mit dem Fortfall der Kompensationsgeschäfte zusammenzuhängen." Dieses authentische Bild von der Lage der deutschen Textilindustrie stimmt mit den optimistischen Schilderungen über die deutsche Wirtschaftslage, wie sie sonst üblich sind, gar nicht überein. Politische Gefangene in Deutschland (B. G.) Unter diesem Titel berichtet der„Manchester Guardian": Drei politische Prozesse finden derzeit in Hamburg statt— einer gegen den früheren Führer der Hamburger Kommunisten A n d r e, einer gegen 270 Leute,«in dritter gegen 570. Andre wurde am 5. März 1833 verhaftet. Er wird der Mitschuld bei den Unruhen angeklagt, die in Altona am 17. Juli 1932 ausbrachen, also vor der Errichtung der Nazi-Diktatur. Daß er vor dem Richter größte Tapferkeit bewies, ergibt sich sogar aus den Prozeßberichtcn in der Razipresse. So sagt das„Hamburger Fremdenblatt" vom 4. Mai, daß er„einen Ton anschlug, der seiner Lage als Gefangener nicht entsprach". Die meisten der Angeklagten aus dem Prozeß der 270 wurden bei zwei Razzien verhaftet, die von besonderen Polizeiabteilungen, Braunhemden und Schwarzhemden, im November und Dezember 1934 in Elmshorn bei Hamburg durchgeführt wurden. Di« Gefangenen werden in 23 Gruppen vor Gericht gestellt. Eine Anzahl von Urteilen ist bereits gefällt worden— bis zu acht Jahren Kerker. Auch gegen die 570 wird in Gruppen verhandelt. Es sind meistens Arbeiter, die der Zugehörigkeit zur„illegalen" sozialdemokratischen oder kommunistischen Partei beschuldigt sind. Auch hier sind bereits zahlreich« Verurteilungen, bis zu acht Jahren schweren Kerkers, erfolgt. Der Terror ist besonders schwer in Hamburg, wo alle Gefängniffe überfüllt sind. Die offiziellen deutschen Erklärungen über deutsche politische Verbrechen sind irreführend. Am 8. Mai erklärte Dr. Frank, Minister ohne Portefeuille und Vorsitzender der Akademie für Deutsches Recht, daß nur mehr zwei Konzentrationslager in Deutschland bestünden und sich in ihnen nur 4000 Personen befänden. In Wahrheit gibt eS in Papenburg allein fünf Lager, die Dr. Frank vielleicht als eines zählt. Folgende Lager bestehen gegenwärtig: Dachau, Lichtenburg, Fuhlsbüttel, Außenkommando Glasmoor(bei Hamburg), Brandenburg(daS Konzentrationslager in KiSlau im Rheinland ist eben aufgelöst worden, da eS sich im Gebiet befindet, daS befestigt wird). Ebensowenig trifft aber Dr. Franks Erklärung über die Zahl der Gefangenen zu. In Fuhlsbüttel(das sowohl Gefängnis als Konzentrationslager ist), befinden sich 5000 Gefangene. Die Gesamtzahl der Gefangenen in den deutschen Konzentrationslagern ist nicht bekannt, unoffizielle Schätzungen schwanken zwischen 20.000 und 50.000. 1400 200 800 100 800 500 1000 500 800 2000 5000 500 800 G e e G G Die Zahl der politischen und nicht-politi» schkN Gefangenen in den Gegenden von Hamburg ist beiläufig die folgende: Hamburger Gefängnis(Altbau) Spitalgebäude de- Altbaus., Neubau A Frauenhaus Hanöversand(für Jugendliche) HeinrichShof und Welterhof, Außenkommando Glasmoor. Lauevhof(bei Lübeck)., Wolfsbüttel(Zuchthaus). a kpvm vuuuvi^uiyiiiuuv/••• Wolfsbüttel und Fechta(Gefängnis) Oslebshausen Fuhlsbüttel Neumünst Rendsburg ■■ i ••• (bei Bremen)... (Gefängnis und Lager) Insgesamt 14000 Das Verhältnis zwischen der Zahl der politischen und der unpolitischen Gefangenen ist verschieden. Die ersteren stellen aber die große Mehrheit. In Fuhlsbüttel handelt es sich fast ausschließlich um politische Gefangene. Im ganzen Hamburger Distrikt beläuft sich die Zahl der politischen Gefangenen allein vermutlich auf rund 10.000. England, Deutschland und die Kolonien. Wie der Berliner Mitarbeiter der,,News Chro- n i c l e" meldet, werde die Einberufung des Reichstages in den nächsten Tagen geplant. In der Sitzung des Reichstags werde Hitler in einer großen Rede die Zurückgabe von Kamerun, des früheren deutschen Ostafrika und anderer Kolonien verlangen. In diesem Zusammenhänge gewinnen die Ausführungen des„Völk i- schen Beobachters" auS Anlaß der Jahresfrist deS Abschluffe» de« deutsch-englischen Marineabkommens ein große« Jntereffe. Der freiwillige Verzicht Deutschlands, meint Hitlers Osfi- ziosuS, auf den Wettbewerb mit England auf dem Günete"der Seerüstungen v e r st ä rt e mach mehr d(ie d e ut sch e P o s i ti o n in der Kolonialfrage. Deutschland habe bewiesen, daß die Kolonialfrage keine Machtfrage sei, sondern ausschließlich eine WirtschaftSfragc. Die internationale WährungSsituation mache die L ö, sung dieserFrage absolut dringend. Da» Schicksal der Sanktionen. Die italienische Presse nimmt die bevorstehende Aufhebung der Sanktionen al« eine Selbstverständlichkeit hin. Die„Tribun a" begrüßt den traditionellen gesunden Menschenverstand der Briten", glaubt jedoch nicht an eine unmittelbar bevorstehende Entspannung. Zunächst müsse man den vollkommenen Zusammenbruch der Sanktiünsfront feststellen. Das Spiel mitDeutschland wird in Rom anscheinend fortgesetz. So meint der ofsizieöse„G i o r- n a l e d'J t a l i a", Italien habe seine Rechnung mit Abessinien abgeschloffen. Nun komme die Stunde, mit Europa die Abrechnung zu machen. Deutschland habe gegenüber Italien eine klare und freundliche Position eingenommen. Das deutsche Volk sei von dem Gefühle der historischen Gerechtigkeit und dem Verständnis für die geschichtlichen Realitäten durchdrungen, den beiden Grundprinzipien der Politik von Hitler. Sehr bemerkenswert ist auch der Leitartikel der„G a- zetta del Popolo": Die Wiedergeburt der deutschen Macht habe Europa in seinen Grundfesten erschüttet. Alle französischen Allianzen haben auf einmal ihre Bedeutung verloren. Die Horizontale Pr a g—-B u k a r e st—M o s- k a u sei durch die Vertikale Mascha u— B u- da p e st—B elgrad durchschnitten. Die Wiedergeburt Deutschlands habe O e st e r r e i ch bewiesen, daß seine Unabhängigkeit bloß dann gesichert sein werde, wenn Oesterreich sich aus einer Hemmung der deutsch-italienischen'Entente in ein Bindeglied zwischen Rom und Berlin vevwandle. F alls D eutschland a u tz er« h«rl b de kstber b u n d b le ißt, w e tz d e Italien nichts andere» übrig bleiben al» Genf den Rük« kenzu kebren. Damit wäre dann das Schicksal des Völkerbundes entschieden. Zur Lösung der syrische» Frage.(AP.) Die syrische Frage ist nunmehr so gelöst worden, daß Syrien und Libanon zwei sechständige Staaten werden. Ob es bei dieser Zweiteilung bleiben wird, ist eine andere Frage. Zwischen den Vertretern dr» Libanon und Syriens war eiste Abmachung zustandegekommen, wonach der Patriarch der katholischen Maroniten in Libanon hie Forderungen der syrischen Naftonalisten zu unterstützen versprach, während die syrischen Nationalisten auf einen Anschluß des Libanon an Syrien verzichteten und den territorialen Bestand des Libanon anerkannten. Die syrischen Nationalisten rechnen damit, daß der Libanon ihnen an einigen Jahren ohnehin zufallen werde, da dies Gebiet von etwa 850.000 Einwohnern nicht selbständig bestehen kann und wirtschaftlich sowie geographisch eine Einheit mit dem übrigen Syrien bildet. Die Jugend ist daher auch, ohne Unterschied der Religion von dem Gedanken eines pansyrischen, arabischen Nationalismus erfüllt. Äußer der Jugend des Libanon hatten auch die Mohammedaner der Distrikte Tripolis, Sidon und Bekaa den Anschluß an Syrien gefordert. Lediglich die ältere Generation der Maroniten trat für einen unabhängigen Libanon und für Beschränkung auf einen Freundschaftsvertvag mit Syrien ein. Die syri- rischen Rationalisten hatten oft geradezu Mühe, die Jugend in Libanon von Demonstratio- n e n gegen den Fortbestand der Autonomie des Libanon znrückzuhalten. Auf die Dauer wird sich der Gedanke der Einheit also nicht aufhalten lassen. Kompliziert wird die Situation noch durch das Vorhandensein von zwei separat verwalteten Gebieten, dem von den Drusen bewohnten Dschebel Drus und dem Ter- ritorium der Alauiten von Latekieh. Es ist also ganz unvermeidlich, daß die Neuregelung, die natürlich einen Fortschritt darstellt und die arabische UnabhängigkeitSbewegung automatisch weitertreiben wird, neue Fragen aufwirst, neu« Probleme stellt, die der Lösung harren. klner, der nur In Silber zahlt Raffinierte Bauernfängerei Prag. Bor dem Strafsenat Ja»Lik wurde gestern«in Betrugsprozeß verhandelt, der seinesgleichen suchen dürst«. Angeklagt war da« 88- jährige Alois Brada, nach der Anllage Händler mit Edelmetallen, und Gegenstand des Verfahren» ist eine, dem Anschein nach sehr reelle geschäftliche Unternehmung. Brada suchte durch Inserat in der„Närodni Politika" ein Häuschen mit Garten in der weiteren Prager Umgebung, wobei er in dem Jnseratentext bemerkte, daß er„i»Silber zahlen" toolle. ES meldete sich ein Herr B l a ch aus Neuhütten bei Kriboklät und offerierte dem Angeklagten ein Häuschen nebst Garten, das diesem nach Besichtigung so gut gefiel, daß er dem Eigentümer den Vorschlag macht«, sofort abzuschliehen. Der Angeklagte Brada war auch mit dem Kaufpreis von 50.000 XL einverstanden. Dann aber rückte er mit seinen Bedingungen Heraus. Er zähle,wie bereit» imJnserat erwähnt, nur„in Silber", in Form von 2500 Zwanzigkronenstücken. Er werde ihm aber nicht diese 2500 XL Silbermünzen auszahlen, sondern, da er gerade größere Vorräte an Silber liegen habe. daSgletche Gewichtig reinem Silber. Und nun begann der tüchtige Edelmetalkhändler dem erstaunten Verkäufer schwarz auf weiß vorzurechnen: Ein Zwanzigkronenstück wiegt 12 Gramm——..Fünf Prozent geb' ich Ihnen aus Entgegenkommen noch drauf, für die Mühe“ Der Rechenkünstler kam zu dem Resultat, daß er für jene 2500 Zwanztgkrv- nenstücke ein Quantum von 81.5 Kg. reinen Silbers al» Kaufpreis zu liefern habe, Abgemacht? ' t Der Verläufer Blach Watz ziiinlW betäubt von -dem-Redestrom des- biederen Käufer», bedielt aber doch soweit klaren Kopf, daß er denBertrag noch nicht unterschrieb, sondern sich ein« kurz« Bedenkzeit aue- bedang. Dies« Bedenkzeit nützte er dazu aus, sich bei der Nationalbank zu erkundigen, wo man ihm nachrechnet«. daß er um ein Haar einer raffiyier- tenBauernfängerei ausgesesien wär«. Es handell sich um ein geschickte» Jonglieren de» Händler» mit den Begrfffen„Gewicht" und„Wert". Herr Mach erhielt jedenfalls zu seinem Erstaunen bei der Rationalbank den Bescheid, daß der Käufer bei einem Börsenpreis deS Silbers von 840 XL per Kilogramm nicht 32.5, sondern 147 Kg, hätte erlegen müssen, mit anderen Worten, daß der Verkäufer bei Abschluß dieses seinen Geschäfte« einen Verlust von rund 39.000 XL hätte buchen müssen! Da sonsttge Ausreden vor Gericht nicht verfangen hätten, führte der biedere, Edelmetallhändler ge-. stern an, daß das Häuschen bloß 12.000 XL wert sei und er daher den richtigen Gegenwert geleistet habe. Ein« ziemlich armselige Verteidigung, da der Angeklagte alle Verhandlungen ausdrücklich auf der Basis von 50.000 XL geführt hat und der Staatsanwalt daher mit guter Begründung da« Geschäft als betrügerische Machenschaft bezeichne» konnte. Zum Ueberfluß ist noch beim Bezirk«gericht Krivoklüt festgestellt worden, daß der Verkäufer Vlach da» Haus im Jahre 1913 für 7600 Goldkronen erstanden hat. was einem Gegenwert von 50.000 XL entspricht. Da der Verteidiger aber trotz allem di« Schätzung des Hauser durch«inen Sachverständigen verlangte, mußte die Verhandlung vertagt werden. Das Grab Von Kurt Kersten Es ist ein länger Weg von der City bis in den höhe» Norden, in die äußersten Vorstädte Londons,«in Weg durch verdroffene, ewig gleiche Stadtviertel, in denen die Arbeiter wohnen müssen. Niedrige Zicgelbauten mit flachen Dächern, rohe, unverputzte Fassaden, Baracke neben Baracke, düster und eintönig. Schmale Fronten. Ein Stockwerk, zwei, drei Fenster hat jede Fassade, immer sieht ein Haus dem andern Hau» zum Verwechseln ähnlich. Ein Meer von elenden Wohnstätten, ein bitterer Anblick, Und wenn man fast eine Stunde durch diese verfluchten Häuserdünen der Gleichheit fährt, kommt etwas wie Verzweiflung auf. Es wird unerträglich. Endlich kann man den Autobus verlassen. Dann muß man liirks gehen, muß sich immer link» halten, gleich wenn man die Untergrundbahn Highgate verläßt, aber das große Krankenhaus muß rechts liegen bleiben, es geht steil bergan, auf der Höhe breitet sich eine Kolonie kleiner Einfamilienhäuser aus, hübsche, einladende Kleinbürgerheime, in Gärten eingebettet. ES war noch Frühling, die Blumen wucheren wie wild, zuweilen in schreiender, betäubender Buntheit. Dann liegt da ein Park am Hang, wellig gelagert, mit Rasenplätzen, auf denen man auSruhen kann, mit kleinen Teichen, auf denen Schwäne weiß aufleuchten. ES war ein stiller Vormittag in den letzten Maitagen, von der Höhe ahnt man die Siebenmillionenstadt, die vom leichten Nobel überzogen ist. Hat man den Park durchquert, öffnet sich eine Pforte, man steht auf einer schmalen Straße, und rechts wie links erscheinen die Eingangsportale zu Friedhöfen. Da stand ein langer, schmaler, weißhaariger Mann, nicht mehr jung, ich nannte ihm die Grabnummer 24.748, aber er wollte den Namen wiffen, und als ich ihst nannte, wußte er sofort Bescheid. Und e» war wie ein Gruß, wie eine Verständigung. Dann geht man link» durch die Pforte, immer den breiten, leichtgeschwungenen Hauptpfad am Hang zwischen den Gräbern entlang, biegt beim zweiten Seitenpfad rechts ab, nach wenigen Schritten ist man am Grabmal der Familie Serimgecvr, jetzt feldeinwärtS, immer an Kreuzen, Blöcken vorüber, plötzlich steht man an der Stätte, die so viel bedeutet. Bier Menschen schlafen unter der Weißen Platte im engen Schacht. An einem Wintertag im Dezember 1881 begruben sie Jenny von Westfalen, nach einem, entbehrungsreichen, harten Dasein, nach einem qualvollen, hoffnungslosen Kampf um das erlöschende Leben. Al» noch ein Winter gekommen und eben gegangen war, erschienen sie wieder und brachten im März 1883 Karl Marx. Wenige Tage später öffneten sie die Gruft für ein Kirch, den blutjungen Harry Longuet. noch nicht fünf Jahre alt. Sieben Jahre später folgte die Schaffnerin Helene Demuth. Auf einer Tafel vier Namen, in einem Grab vier Menschen, darunter er. Es ist immer noch ein schmuckloses, einsames Grab, nirgends ist verzeichnet, daß es hier liegt, Fremdenführer verzeichnen manchen Mannes Namen; der hier liegt, sein Name wird nicht genannt. Er gibt in dieser Stadt Kathedralen und Abteien, gefüllt mit Monumenten und Statuen, in einem ungeheuren Marnwrblock, fast so riesig wie der Marmorschrein seine» Feinde» im Jnvalidendom, ruht im Mast eines eroberten Schiffes der Leichnam Nelson»; ungeheuer ist der Block, in dem Wellington schläft, der 1848 die Bürger und den Adel vor den Ehartiften rettete. Gräber und Gräber und wieder Gräber, Monu-' mente, Sarkophage, Statuen in Kathedralen und Abteien. Am Hang von Highgate Einer unter Vielen, unter vielen Namenlosen, Verblichenen, Vergangenen, so ruht der Mann mit den Seinen, der die Welt durch seine Lehre erschüttert hat und einem Zeitalter den Namen gab. Seite 6 »Sozialdemokrat" Dienstag, 23. Juni 1936. Rr. 146 l 31.55, 44.25, 39.55 Dvokak 10.28, 3. Kminek 10.24 Meter.— Kugel: 1. Rossek 10.86, 2. Koreiek(P) 9.78, 3. Ullmann 8.85 Meter.— S p.ee-r: 1. Amsler 40.20, 2. Cerny (P) 39.70, 3. Korekek 38.60 Meter.— Diskus: 1. Rossek 32.09, 2. KoreLek 28.46, 3. Cerny 26.85 Meter. Der am Sonntag in Prag durchgeführte ichtathletische Rückkampf?! tu s „8.... Kc 20.—. Vorverkauf täglich! im Stcinersaale des Prager Volkshauses abgehaltenen Festabend mit Vorführungen der turnerischen Expedition wohnten u. a. auch die Genoffen Minister Dr. Czech und Minister Dr. Derer bei. kln schSner Erfolg der Lelchtlathleten des Präser Atus DTJ Pro sek verliert mit 36:68 Punkten Am Samstag trug die Leichtathletitsparte des Prager Atus ihren Meisterschaftskampf mit der DTJ Prosek auf deren Platze aus und gewann ihn mit einem Unterschiede von 32 Punkten. Die wichtigsten Ergebniffe sind: 6 0 M e t e r: 1. Dvorak (P) 7.5, 2. Amsler(A) 7.6, 3. Raus(P) 7.7, 4. Kminek(A) 7.8 Sek.— 800 Meter: 1. Sin- delak(St) 2:35, 2. Ullmann(A) 2:36.3, 3. Hnisdo (P) 2:37.5 Min.— 4X10 0 Meter: 1. Atus 53.7, 2. Prosek 55 Sek.— Schwedenstaffel: 1. Atus 2:33.5, 2. Prosek 2:37 Min.— Höchst» r u n g: 1. Karpe(A) 1.55, 2. und 3. Kminek und Manik(P) je 1.52 Meter.— Weitsprung: 1. Rossek(A) 6.16, Amsler 5.93, 3. Dvorak 5.70 Meter..— Dreisprung: 1. Rossek 11.92, 2. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Dienstag,%8: Lumpacivagabundus, A 2. — Mittwoch,%'8: Hoffmanns Erzählun- g e n, B 1.— Donnerstag,%8: Boccaccio, C 1. — Freitag,^h8:DerfliegendeHolländer, D 1.—■ Samstag, halb 8: Orpheus in der Unterwelt, vollstümliche Vorstellung, Abonn. aufgehoben. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Dienstag, 8: Das große ABC, Bankbeamte 1 und freier Verkauf.— Mittwoch, 8: Was Ihr w o lt, vollst. Vorst.— Donnerstag, 8: Dr. med. Hiob Prato rius, vollst. Vorstellung.— Freitag, 8: Das große ABC, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freies Verkauf.— Samstag, 8: I ch h a b's ! g e t a n, vollstümliche Vorstellung. Prager Konzert-Bilanz 1935*1936 Kaum eine andere Konzertsaison in den letzten zwei Jahrzehnten des Prager Konzertlebens war so ergiebig in qualitativer und vor allem quantitativer Hinsicht wie jene des abgelaufenen Konzertjahres 1935/1936. Würde man die ungewöhnliche Regsamkeit in den Prager Konzertsälen in der vergangenen Saison als Maßstab für die allgemeine Wirtschaftslage bei uns nehmen, dann würde man zu einem Trugschluß kommen; denn der Fülle und Güte aller der gebotenen Konzerte entsprach die Teilnahme, die sie beim Publikum fanden, keineswegs. Die Folgen der allgemeinen Wirtschaftskrise äußern sich also bei uns nur im mangelhaften Konzert-Besuch, nicht aber in einer Einschränkung des Konzertbetriebes. Zwei Konzertgruppen der Saison waren als außerordentliche Konzertgelegenheiren zu werten: Die Konzerte des im Herbst 1935 abgehaltenen 13. Internationalen Mufikfestes und die Musikveranstaltungen des Ersten Musikpädagogischen Kongresses im Frühjahr 1936. In beiden Konzertgruppen konnte Prag feinen Ruf als Musik- stadt von internationaler Größe und Bedeutung neuerdings festigen. Die künstlerischen Ergebnisse waren bei dem zuletzt genannten Kongresse, der seinen umfassenden Aufgaben theoretssch und praktisch nachkam, bei weitem bedeutender als bei dem Internationalen Musikfeste, das in seinen Orthester- und Kammerkonzerten nur beispielhaft in eng gezogenen Grenzen zu wirken vermochte. Die ordentlichen Saisonkonzerte gipfelten wie immer in den Symphonie-Konzerten der Prager Tschechischen Philharmonie, die neben zehn Abonnementkonzcrten auch eine respektable Zahl von Sonder-Orchesterkonzerten umfaßten und uns eine stattliche Reihe glänzender Gastdirigenten und nicht minder glänzender Konzert-Solisten bescherten. Besonders bemerkenswert waren unter diesen Symphoniekonzerten die im Rahmen eines großen Mahler-Zyklus veranstalteten, in denen nahezu das gesamte schöpferische Lebenswerk dieses größten Symphonikers der Musikepoche nach Bruckner zum Erklingen kamen. Besonders künstlerische und musikzeitgeschichtliche Bedeutung kam den zahlreichen Konzertveranstaltungen zu, die das Prager Tschechische Der Chef der Geheimpolizei.„Das hinkende Raubtier" ist eigentlich der Name dieses englischen Spionage-Films, der während des Weltkrieges in der Türkei spielt und die alte Geschichte von der schönen Spionin erzählt, mit der Variante allerdings, daß sich die abenteuerliche Dame nicht in ihr Opfer verliebt, sondern daß ihr ein deutscher Offizier, der sie liebt, schuldlos zum Opfer fällt, während sie selbst am Ende mit ihrem Kollegen glücklich wird, gerade als es den englischen Truppen gelingt, bei den Dardanellen zu landen und damit das Werk der englischen Spionin zu krönen, die übrigens von Hause aus eine Journalistin ist. Der Mann, dem sie entgegenarbeitet, kommt für Liebe nicht in Frage: denn er ist das„hinkende Raubtier", der gefürchtete und gehaßte Geheimpolizeichef des Sullans, eine Gestalt, die offenbar dämonisch sein sollte, weshalb man sie Fritz Kortner anvertraut.hat. Aber so sehr sich Kortner bemüht, das Scheusal, das er spielen muß, interessant und beinahe tragisch zu machen, so wenig ist ihm etwas wirklich Eindrucksvolles gelungen, weil der Gestalt dieses Polizeityrannen vom Manuskript her jede psychologische Vertiefung fehlt, weil sein Schicksal, am Weltkrieg gemessen, belanglos erscheint und Kortner bestenfalls eine schwache Wiederholung seiner Leistung als Abdul Hamid in dem Film vom blutigen Sultan geben konnte. Die schöne Spionin spielt Wynne G i b s o n: genau so konventionell wie es der abgenützten(und wie immer ganz unwahrscheinlichen) Handlung gemäß ist.—eis—■ Gegen den Bankrotteur Lothar Felber dessen Verhaftung Sonntags gemeldet wutt)e, sind drei weitere Betrugsanzeigen eingelaufen: die Schadenssumme beträgt KL 45.000.—, Kc 500.000—diese stammen von einer Frau, die von den Geschäften Felbers überhaupt keine Ahnung hatte— und KL 30.000. Ein Mädchen ohnmächtig aufgefunden. In der Rovodvorskä in Prag III., wurde Sonntags um 6 Uhr früh das 18jährige Dienstmädchen A. H., die in einem Hause in der Nähe bedienstet ist, ohnmächtig und blutend aufgefunden. Sie war nur mit Unterwäsche bekleidet. Die Rettungsgesellschaft brachte sie ins allgemeineKränkenhaus, wo festgestellt wurde,daß sie ein« schwere Gehirnerschütterung, Ritzwunden im Gesicht und einen Bruch des linken Schenkels erlitten hatte. Was ihr geschehen ist, steht noch nicht fest, da sie aus ihrer Ohnmacht noch nicht erwacht ist. Ihre Verletzungen sind schwer. Ihre Zimmerkollegin sagt aus, daß sie kurz vor der'krittschen Zeit das Zimmer verlassen habe, um Wasser zu holen; es ist also ungewiß, ob es sich um einen Selbstmordversuch oder einen Unfall handelt. Heißblütiges Publikum. Sonntag um 9 Uhr ftüh wurde das VysoLaner Polizeikommissariat telephonisch verständigt, daß auf dem Fußballplatz des SK. Slovan hinter der Fabrik Duko in VysoLan eine allgemeine Rauferei zwischen den Zuschauern im Gange sei. Tatsächlich stellte die an Ort und Stelle enffandte Wache fest, daß während des Fußball-Matchs zwischen den Klubs SK. Sloban-VysoLan und SK. Meteor- Ehval die Parteigänger der einzelnen Klubs im Publikum ein Handgemenge begonnen hatten. Der Schiedsrichter unterbrach den Kampf auf kurze Zeit, während die Veranstalter unter den Kämpfenden zu vermitteln suchten— mit dem Ergebnis, daß sie von beiden Parteien verprügelt wurden. Der 18jährige Installateur Alois Medkickh äuS Chval— ein„Me- teorist"— wurde während dieser Vorgänge von einem Stein am Kopf gettoffen und blieb mit einer ttefen Rißwunde ohnmächttg liegen. Er wurde an Ort und Stelle von den Mitgliedern des Klubs „Roter Stern" verbunden und von der Rettungsgesellschaft auf die Wachstube geschafft, lehnte die polizeiärztliche Behandlung jedoch ab. Der Täter wurde nicht festgestellt.' Bon einem Bündel Heu tödlich verletzt. Der 45jährige Pferdewärter Jan Mitas ging Sonntag nachmittags an einem Hause in der Bahnhofstraße in Smichov vorbei, aus dessen Bodenfenster der Kutscher Franz FuLik Heubündel herunterwarf. Von einem der Bündel wurde Mitas so unglücklich getroffen, daß ihm die Halswirbel gebrochen wurden, wobei durch einen Knochensplitter eine Schlagader verletzt wurde. Die Rettungsgesellschaft brachte den tödlich Verletzten auf die Klinik Schlosser. Die Eingeweide zerquetscht. Der 41jährige Arbeiter Jan Tößler wurde Samstag nachmittags während der Arbeit an einem Neubau in der Kiizovä in Smichov. von einem Lastauto an die Wand gequetscht und schwer verwundet. Er wurde von der Rettungsgesellschast ins allgemeine Krankenhaus gebracht, wo festgestellt wurde, daß er einen Bruch des Rückgrats und einen Eingeweideriß erlitten hat. Heute, 20 Uhr, findet im großen Saale des Handwerkervereines, Prag II., Ve SmeLkäch 22, die XXVI. ordentliche Vollversammlung der Baugenossenschaft für Bank- und.Sparkassenbeamte, Prag VII., statt. 3515 ' Staatskonservatorium anläßlich der Feier seines 125jährigen Bestandes ins Werk gesetzt, dabei aber auch noch Zeit gefunden hatte, mehr als zwei Dutzend mustergültiger öffentlicher Musik-Schülerabende zu geben., Unter den d euts ch en Konzerten der Saison waren die Philharmonischen Konzerte des Prager deutschen Theaterorchesters die bedeutendsten. Sie bewegten sich in ihren Programmen überwiegend in g«näßigt moderner und klassischer Richtung. Daß man ihre Zahl von vier auf sechs erhöht hatte, hatte nur theoretischen Wert, da ihre praktische Ausnützung durch das Publikum leider ausblieb. Beachüich waren die in der vergangenen Saison gemachten Versuche, die Tonkunst der heimischen sudetendeutschen Tonsetzer zur Geltung zu bringen. Die Konzerte aber, die in diesem Sinne die sudetendeutschen Tottsetzer in eigener Sache selbst in Szene gesetzt hatten, erfreuten sich.eines weit geringeren Erfolges als die Yon. fremder Hand veranstalteten. Hervorragendes künstlerisches Niveau wahrten wieder die Abonneurentskonzerte des Prager Deutschen Kammermusikvereins, kammermusikalische Musterkonzerte, bei denen nur. zu. bedauern war, daß sie aus dem Theater jn den. wenig akustischen Festsaal des Deutschen Hauses übersiedelten. Richt zu übersehen waren unter den deutschen Konzerten auch die sporadischen Konzerte, der Prager.deutschen bürgerlichen Gesangvereine.und die vorbildlichen Schülerkonzerte der Prager Deutschen.Mvsikakqdemie.. Im Reigen der rxin.t sch.echischen Konzerte nähmen die Konzertveranstaltungen der großen ffchechischen Männer- und gemischten Chöre das größte Interesse für sich in Anspruch. Die größte künstlerische Sensation der Konzertsaison war das erste Auftreten des sow- TTJ Reratowitz gegen DTJ Prag VII 60:53. Diesen Meisterschastskampf gewannen die Nerato- wiher auf eigenem Platze dank dem Können der Brüder Schöps und sind nun nach diesem Erfolg Favorit zum Aufstieg in die erste Klasse. Die wichttg- sten Ergebnisse: 60 Meter: Eichler(R) 7.9 Sek. — 800 Meter: Soumar(R) 2:24 Min.— 5000 Meter: Judytka(91) 17:51 Min.— Kugel: V. Schöps(N) 12:47 Meter.—Diskus: Bezchleba(P) 33.77 Meter.— Speer: A. Schöps(N) 37.90 Meter.— Hochspruna: Vantuch(N) 1.54 Meter.— Weitsprung: Eichler 5.87 Meter.—• Dreisprung: Eichler 11.43 Meter.— 4X100 Meter: Prag 53.T Reratowitz 56 Sek.— Schwedenstafette: Prag 2:27.4, Reratowitz 2:29 Min. jetrussischen staatlichen Sängerchores aus Moskau in Prag. Unübersehbar im wahrsten Sinne des Wortes waren die im verflossenen Konzertjahr 1935/36 gebotenen Soli st en-Konzerte. Jn der überwiegenden Mehrheit waren die Pianistinnen und Pianisten vertreten, doch war auch das Aufgebot an anderen Instrumentalisten und an vokalen Konzertkünstlern ganz außerovdentlich groß. E. I. Mitropa-Cup mit Ueberraschungen Run hat nach der Ouvertüre nnt den Schweizer Klubs der eigentliche Bewerb um den Mitropa-Cup eingesetzt. Aber schon diese erste Runde bringt das wieder, was diese Konkurrenz gerade nicht erfteulich macht: Krawalle. Daß im bürgerlichen Sport mit seinem Profi-Amateur-System der Mitropa-Cup mehr der finanziellen Sanierung dient als der sportlichen Propaganda— das alles ist ja nichts Neues mehr. Na, und Krawalle— ohne die geht es da heutzutage nicht mehr, ist Gewohpheitssache geworden. Es entscheidet das bessere„Stehvermögen", die Robustheit und nicht die Technik und Schönheit des Spiels. Wer eben die Ellbogen z. B. besser einsetzen kann, hat noch Aussicht, eine oder gar bis in die Endrunde weiter zu kommen und das bedeutet Geld und wieder Geld— das ABC des bürgerlichen Sports... Jn Budepest gab es Sonntag eine» Krach, welchen die Polizei schlichten mußte und eine Unterbrechung des Spiels mit sich brachte. Jn Wien und Prag wurden heimische Mannschaften ausgepfiffen, weil sie angeblich nichts zeigten. Der Anfang ist da— das dickte Ende wird wahrscheinlich für bürgerliche Begriffe auch noch ganz nett wexden. Samstag gewann in Prag die Sparta über P h ö b u s Budapest— ein« Mannschaft des Elektrizitätswerkes— mit 5:2, nachdem es zur Pause 2:2 stand. In Budapest siegte die Wiener Vienna über H u ng a r i a 2:0(0:0). Sonntag gab es eine große Ueberraschung in Wien: SK P r o ß n itz schlug Admira 4:0(1:0). Ein großes Pfeifkonzerr konnte die Admira-Leute auch nicht aufpulvern. Rapid gewann gegen AC Roma 3:1(2:0). Einen argen Mißerfolg bedeutet die Niederlage der Prager Slavia in Budapest durch Ferencvaros mit 2:5(1:4). Zidenie« konnte sich auf eigenen: Platze gegen Ambrosiana Mailand infolge schlechter Taktik nicht durchsetzen'und verlor knapp 2:3.(0:2). Jn Turin verlor Ujpest Budapest gegen FC T o r i n o 0:2(0:1) und A u st r i a Wien wurde in Bologna vom dortigen FC nur knapp mit 1:2(0:2) geschlagen. ein« Beute der Zizkover, die über die 1500 Meter den Radotiner Kolin einsetzten; schade, daß Breite (Aussig) infolge seiner Verletzung nicht mit von der Partie war. Gemessen an den Wetter-, Platz- und Bodenverhältnissen können aber die erzielten Ergebnisse befriedigen, die'wir nun folgen lassen.■ 60 Meter: 1. Matys(Z) 7.3, 2. Kühnel(Ko- motau) 7.6, 3. Sterzel(Aussig) 8.0, 4. Halbich (8) 8.2 Sek.—- Hier gab es«ine Menge Fehlstarts 20V Meter: 1 Kühnel 25.6, 2. Matys 26.0, 3. Pittrof(Tischau) 26.2, 4. Szebinovfly(Z) 26.8 Sekunden. 400 Meter: 1. Schuster(Z) 57.0, 2. Kraus (Aussig) 57.2, 3. Karafiat'(Z) 59.0, 4. Rückert (Aussig) 60.8 Sekunden. 1500 Meter: 1. Kolin(Radotin) 4:25-7, 2. Tichy(Z) 4:30, 3. Löbel(Biela) 4:39.1 Min.', 4. Kraus. 3000 Meter: 1. StrejLik(Z) 10:20.4. 2. Kli- mes(Z) 10:28, 3. Günther(Aussig) 10:34.6 Min. — Gaube(Großpriesen) stürzte in aussichtsreicher Positton über einen Bordstein und fiel so unglücklich, daß er bewußtlos liegen blieb; zum Glück verletzte er sich, nicht.. 4X100 Meter: 1. Atus 5. Kreis 49.1 Sek.— Zizkov verlor den Stab und wurde nicht gewertet. 10X100 Meter: 1. Atus 5. Kreis 2:09.5, 2. Zizkov 2:10 Min. Olympische Stafette(800, 400, 200, 200 Meter): 1. Zizkov 4:04.1, 2. Atus 5. Kreis 4:04.6 Minuten. Hochsprung: 1. Szebinovsky 1.63, 2. Teufel (Biela) 1.58, 3. Pittrof 1.55, 4. Mazura(Z) I. 50 Meter. Weitsprung: 1. Matys 6.05. Ritttnger(Z) 6.03, 3. Richter(Bodenbach) 5.61, Rovy(Tetschen) 5.57 Meter.— Außer Bewerb sprang Rossek(Prag) nur einmal und erzielte 5.95 Meter. Dreisprung: 1. Rossek(Prag) 12.09(neue Atus-Bestleistung), 2a Mazura 11.59, 2p Matys II. 59, 3. Rovy 11.29 Meter. Kugel: 1. Burianek(Z) 11.75, 2. Rossek 11.11 (neue Kreisbeftleiftung), 3. Schuster 10.70, 4. Seidel(Bokau) 10.65 Meter. Speer: 1. Seidel 45.54, 2- Schuster 3. Müller(Kamnitz) 43.55, 4. Briva(Z) Meter. DiskuS: 1. Seidel 32.70, 2. Schuster 3. Rossek 30.55, 4. Mazura 27.83 Meter. ... Im QualifikationSturnier nm den Aufstieg in die Liga fanden wieder zwei Begegnungen statt. SK R.-Schönberg verlor in Ujhorod nach fast gleichwertigem Spiel gegen Ruff 2:6(1:2) und in Zliu trennten sich Baka und Viktoria Zisjkov mit 2:2 (2:1). Sonstige Fußballergebniffe. K l a d n o: Sportbrüder Prag gegen Sparta 2.2(1:0).— B.- Bu d- weis: DFC gegen CSK 5:3.— B.-Krumau: Sparta Karlsbad gegen DFK 4:3.— Neusattl: Karlsbader FK gegen DSK 4:3.— Komotau: DFK gegen BSC Chemnitz 2:2.—- Saaz: DSV gegen VfB Teplitz 4:4.— Teplitz: TFK gegen VfB Leipzig 6:2.— Bodenbach: SpVg gegen SK Nusle-Prag 6:1.— Schreckenstein: Sport- brüder gegen DSK Gablonz 1:1.— Reichen- berg: RFK gegen Warnsdorfer FK 4:3.— Trop- pau: Viktoria Pilsen gegen DSV 5:2.— Preß- bürg: Simmering-Wien gegen CSK Reserve 5:1. — Graz: Sturm gegen CSK Preßburg 3:2, Fav. AC gegen GSK 5:1.— Stockholm: Schweden gegen Schweiz 5:2(2:0). Der Frauen-Schwimmwettkampf Tschechoslowakei gegen Oesterreich, welcher in Brünn ansgetra- gen wurde, endete mit dem Siege der Oesterreicherinnen von 57:40 Punkten. Im Zeichen des Bundesturnfestes DTJ Zizkov gegen Atus 5. Kreis 76:75 Neue Atus*Bestlelstuns im Dreisprung DTK-Expeditlon auf Fahrt nach Amerika Zur ersten amerikanischen Arbeiter-Olympiade, welche in Milwaukee(Cleveland) im Juli stattfindet, hat bekanntlich auch der Verband der DTJE gerüstet. Am Sonntag mittags trat nun die Expedition der DTJC von Prag aus ihre Reise nach Amerika an, welche aus 18 Turnern und Turnerinnen unter Führung des Genossen Mrazek und der Genossin Paioc- kovä sowie 48 weiteren Teilnehmern— u. a. Genossen Soukup— besteht. Einem am Samstagabend Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bet Bezug durch di. Post monatlich KL 16.—. vierteljährig Kc 48.—, halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde vcn der Potl- und Tele- graphendirektton mit Erlaß Nr. 18.800/V1I/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Nerlags- und Zeitungs-A.-G. Prag. Samstag Nachtvorstellung im Neuen Deutschen Theater» veranstaltet von den Solisten für den Ferialfonds. Gegeben wird die Revue in 5 Bildern„W enn zwei dasselbe tun". Hauptbild ist die„K a b a l e• und Liebe- Parodie" mit Preger in der Rolle des Wurm. Dudek als Ferdinand, Stadtler als Präsident, Macheiner als Luise, Volker als Miller, Rodenberg als Fr. Miller, Wünsche als Lady Milford. Ein weiteres Bild betitelt sich„D i e unentschuldigten Stunden unserer Lieblinge". Hier tritt das gesamte Opern-, Operetten- und Schauspielpersonal als Kinder einer ersten Voltsschulklasse auf. Ein weiteres Bild ist die Sudermann-Parodie rau Ehre" etc. etc. Preise: KL 2.50 bis e 5. Kreis gegenDTJ Zizkov auf deren Platz endete mit einem knappen Erfolg für den Gastgeber. Dieses Meeting war eine s ch ö n ePropa g a n d a des Arbeitersports und für das Atus-Bundesturnfest inKomotau. Wer auch sportllch konnte man mit dieser Veranstaltung— deren Besuch besser hätte sein können— mehr als zufrieden sein, obwohl da» sönnigheiße Wetter gerade keine Annehmlichkeit für die Wettkämpfer bedeutet und auch die Bahnverhältnisse— auf dem übrigens kleinen Platz— durch die Trockenheit nicht gerade als ideal zu bezeichnen waren. Jn organisatorischer Hinficht hätte es besser klappen können. Erfreulich für die Atussportler ist es aber, daß in der größten Mittagshitze im Dreisprung der Prager Atus-Tportler Rossek die B u n d e s- b estleistung verbessern konnte und auch im Ku- g e Ist o ß en«ine neue Kreisbestleistung erzielte. Zu Beginn des Wettkampfes begrüßte die Wettkämpfer der Vorsitzende der DTJ Zizkov, Genosse C h a r v a t, deutsch und tschechisch, wies auf die enge Zusammenarbeit der beiden Verbände hin, schloß mit einem„Auf Wiedersehen!" in Komotau und überreichte den Atus-Sportlern einen Strauß roter Rflkey. Für den Atus erwiderte Genosse K u- n i g in herzlicher Wesse und danfte dem Gastgeber durch Ueberreichung eines Wimpels., Seine Worte verdolmetschte Genosse Schrader(Prag). Dann erklangen die Sportgrüße„Frei Heil" und Ra- zdar" und der Wettkampf nahm seinen Anfang. • Bon den einzelnen Wettkämpfen waren die der Laufbewerbe wohl die schönsten und spannendsten; besonders jedoch jener über 10X100 Meter, wo die Atus-Sportler die Führung übernahmen, sie, verloren und wieder an sich rissen und bis zum Schluß beibehiellen. Aber auch über 200 Meter bewies der Kömotauer Kühnel sein Können und ließ sich die Führung trotz heftiger Ansttengungen Matys' (Zizkov). nicht nehmen. Ueber 4X100 Meter fiel die Zizkover Staffel infolge schlechter Stabübergabe aus, so daß es bei anfänglicher Gleichwertigkeit zu einem Endkampf nicht kam. Die Langstrecken wurden