16. Jahrgang Freitag, 26. Zuni 1936 Nr. 149 Einzelpreis 70 Heller («injchli.Blich i Hellar Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xiufochoya a. Telefon sxn. HERAUSGEBER» SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR» DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Der Bolschewistenschreck Schlußwort Dr.Kroftat ein leeres Gerede Prag. Im Außenausschuß des Abgeordnc- trnhauseS hielt Donnerstag früh Minister Tr. Krofta das Schlußwort zur letzte« außenpolitischen Debatte, die sich an sein Expose geknüpft hatte. Der Minister beschäftigte sich zum größten Teil mit den Anregungen, bzw. Angriffen des slowakischen Bolksparteilers S i d o r, die er— und zum Teil in auffallend scharfer Form— zurück—, bzw. in die richtige» Bahnen verwies. Auch die TdP erhielt auf ihre durch Birke gestellten Forderungen nach Neuregelung unserer Außenpolitik im Sinne des Tritten Reiches eine klare Antwort: die völlige Ablehnung des von der SdP geforderten Kurses. Päpstlich« Bulle urgiert In dem Schlußwort urgierte der Minister zunächst in wohlabgewogener Form die verabredete p ä p st l i ch/e Bulle über die äußere Abgrenzung der slowakischen Diözesen, die die Regierung b e- reitsimVorjah r erwartet habe, nachdem sie von sich aus alle verabredeten Bedingungen für die Inkraftsetzung des ersten Teiles des modus vivendi — darunter die Uebergabe der beschlagnahmten Kirchengüter an den Treuhänder des. Hl. Stuhles— erfüllt habe. Die Errichtung zweier neuer Kirchenprovinzen, einer römisch-katholischen für dje Slowakei und einer griechisch-katholischen für Karpathoruß- land, die durch die Bulle erfolgen soll, wird erst die Voraussetzung für die Ernennung eines E r z bisch o f e s für die Slowakei schaffen.’ Im Verlaufe einer Auseinandersetzung mit Si- dor, ob das Bündnis mit Lowjerrutzland-die Wertung der Hussitenzeit in der tschechischen Geschichte beeinflusse, erklärte der Außenminister, es sei ganz abwegig, dem Bündnis mir Sowjetrußland irgendeinen Einfluß auf unsere Innenpolink und namentlich auf das Verhältnis der Regierung zu den hiesigen Kommunisten zuzuschreiben. Wir mischen uns selbst nicht in die inneren Verhältnisse anderer Staaten, mögen sie unsere Verbündeten oder unsere Widersacher sein, würden es andererseits aber auch dem besten Verbündeten nicht gestatten, unsere Innenpolitik zu beeinflussen. Ren Herren S i d o r und Birke, die den Standpunkt vertraten, daß unserem Staat aus dem Sowjetkommunismus, bzw. Bolschewismus weiß Gott was für eine Gefahr drohe, erklärt der Minister, daß diese Furcht vor dem Bolschewismus nicht nur bei«ns, sondern viel mehr noch in gewisse» anderen Staaten sehr verbreitet sei und vielfach auch als Waffe gegen unseren Staat verwendet werde, weil er angeblich das Eindringen der„bolschewistischen Pest" nach Westneropa unterstütze und sich dadurch selbst ins Verderben stürze. Unsere Außenpolitik hat niemals«ine solche Furcht gehegt, obwohl sie»icmals ihren Widerstand gegen den Bolschewismus verheimlicht hat. Dr. Krofta ist f r st überzeugt, daß unsere demokratische Ordnung den Bedürfniffeu und dem Sehnen der Menschheit besser entspricht als das Sowjetregime, und fürchtet deshalb nicht, daß unsere demokratische Ordnung, die in ihrem Kern gesund und gut ist, von dem Sowjetsystem gestürzt werden könnte. Ebenso brauchen wir«ns auch vor der Gefahr des P angerma- n i s m n s nicht zu fürchten. entschiedene Worte rum Konflikt mit Polen Zu dem ebenfalls, von Sidor aufgeworfenen polnischen Problem stellt der Minister zunächst fest, daß. gewisse Kundgebungen auf polnischer Seite, die sich bis zur Forderung nach Aufteilung der Tschechoslowakei steigern, von offizieller polnischer Seite'niemals verurteilt worden sind, wie dies umgekehrt bestimmt der Fall gewesen wäre. Urber die Beschwerden unserer polnischen Minderheit werde niemals ein Herr Dr. Wolf (der Abgeordnete der bürgerlichen Polen in«nse- rem Parlament)«nd auch nicht Warschau einseitig entscheiden. Auch unsere Regierung wolle jedoch nicht einseitig entscheiden und halte daher ihren Vorschlag, diese Differenzen dem vorgesehenen Schiedsgericht»der einen« anderen«n- ■ parteiischen internationalen Tribunal zu unter- . breiten, voll aufrecht. Mas die gegenseitigen Ausweisungen betrifft, so' stellt Dr. Krofta fest, daß im Jahr« 1935 von Polest 14.6 Prozent aller dort lebenden Tschechoslowaken, von uns aber nur-1.8 Prozent der hier lebenden polnischen Staatsbürger ausgewiesen wurden. Ziffernmäßig halten sich die Ausweisungen fast die Waage(878 Tschechoslowaken/gegen 930 Polen), -veil die polnische Minderheit bei uns. rund-75.600 beträgt, während in Polen nur 6000 Tschechoslowaken leben. Hitlers Außenpolitik für uns kein Vorbild Der SdP, die durch Birke in drei Punkten eine Umorientierung unserer Außenpol i- t i k(selbstverständlich in Ungleichung an die Außenpolitik des Tritten Reiches) gefordert hatte, gibt Dr. Krofta eine ebenso eindeutige wie nicht mißzuverstehende Antwort. Auf die Frage„Freundschaft und damit Untergang im Bol- s ch e w i s m u s?'^verweist er auf seine oben zitierten Ausführungen, über den Bolschewikenschreck. Auf die Frage:„Neugestaltung der Ordnung und damit Verständigung der Völker und Staaten Europas auf der Grundlage des gleichen Rechtes" lautet die Antwort: „Wir sind für die Verständigung der europäischen Völker und Staaten auf Grnnd des gleichen Rechtes, aber ich halte es für notwendig, hinzuzusügcn, daß wir es nicht billigen können, daß die neue Ordnung durch einseitige Verletzung der übernommenen Verpflichtungen nach subjektiven Vorstellungen Auch der Senat für Blums Außenpolitik Paris. Der Senat hat nach Abschluß der Außendrbatte der Regierung mit 183 gegen 56 Stimmen das Vertrauen ausgesprochen. Die deutsche Zwangsanlelhe Berlin. Die Tranche voi« 200 Millionen Mark, die einen Teil. der großen Anleihe des Deutschen Reiches in der Gcsamthöhr von 700 Millionen Mark bildet, muß von allen deutschen Sparkassen obligatorisch gezeichnet werden. Der Presse wurde verboten, diesen Umstand zu ver- ösfentlichen, damit unter den Einlegern keine Unruhe entsteht. Die am 22. Juni eröffnete Konferenz in Montreux wird zweifellos zu einer Etappe der Herausbildung des neuen europäischen Gleichgewichtes werden. Von diesem Standpunkt hat die Konferenz eine große Bedeutung auch für die Staaten der Kleinen Entente, um so mehr, als die Regelung der Meerengenfrage die vitalsten Interessen der Balkanstaaten berührt, die ja. mit der Kleinen Entente eng verbunden sind. Den Anstoß zur Revision der bisher geltenden Bestimmungen hat der italienische Tieg gegeben. Es handelt sich heute anscheinend um zwei Momente: einerseits die Stärkung der anti-italienischen F t o n t im östlichen Mittelmeerbeckcn, andererseits um die Verstärkung d e r r u s s i s ch- türkischen Zusammenarbeit im Schwarzen Meer. Die Sowjetuion hat hierbei ein ganz besonderes Interesse: es handelt sich für Moskau um nichts anderes als den Schutz der Küsten des Schwarzen Meeres und damit der Ukraine gegen feindliche Seeoperationen.' Der russische Grundsatz- gegenüber der Meerengenfrage hat vor dem Kriege darin bestanden, für sich'den„Schlüssel z u m e i g e n e n H,a u s e", mit anderen Worten, den Besitz von Konstantinopel zu verlangen. Auf der Lausanner Konferenz von 192.2/23 hat die Sowjetregierung einen anderen Standpunkt vertreten, der jedoch auf dasselbe Ziel hinauswollte. Moskau hat in Lausanne, im Einverständnis mit der Türkei, eine Schließung der Meerengen für alle Kriegsschiffe sowohl in Frie-s dens- als in Kriegszeiten verlangt. Die Meerengen sollten dem Schutze der Türkei überlassen werden, die natürlich das Recht haben sollte, dbrt Befestigungen beliebiger Art aufzu führen. Die Lausanner Konferenz ist bekanntlich zu einem entgegengesetzten Ergebnis gekommen: die Meerengen wurden demilitarisiert^ und die Kriegsschiffe, der nnb Gelüste« einzelner Völker und Staaten eingeführt werde." Zur dritten Frage„Vollständige Neutralisierung der Tschechoslowakei nach den Grundsätzen der Schweiz" bemerkt Dr. Krofta, man solle sich keinen Illusionen hingeben, daß eine eventuelle Neutralitätserklärung der Tschechoslowakei von den anderen Staaten zur Kenntnis genommen und respektiert würde. Eine neutralisierte Tschechoslowakei, die sich der'Möglichkeit einer entsprechenden Verteidigung begeben hätte, würde im Gegenteil bald ein Gegenstand von Streitigkeiten in Europa und pamit eine Quelle der Unruhe. Dom Frieden in Europa dienen wir am besten, wenn wir in unserer bisherigen Politik fortfahren und unsere Verteidigung gewissenhaft aufbauen. Antwort an Känya Auf die Drohungen des ungarischen Außenministers K ä n y a, die durch das Siaatsver? oi- gungsgesetz bedrohten Rechte der magyarischen Minderheit nötigenfalls vor dem Völkerbund zu verteidigen, erklärt der Minister, daß solche Drohungen uns nicht hindern können, den vorgezeichneten Weg zu' gehen. Unsere Gesetze gelten für alle Staatsbürger ohne Unterschied. Eine Kritik aus dem Ausland fürchten wir nicht. Vor dem internationalen Forum hätten wir aber nicht nur Gelegenheit, uns gegen die Beschuldigung erdachter Persekutioncn zu verteidigen, sondern wir könnten uns auch unsererseits der tschechoslowakischen Minderheit in Ungarn annehmen, die dort der Möglichkeit der freien Pflege ihrer völiki- schen Eigenart beraubt sei. Der Terror der Araber nimmt zu Jerusalem. Tic Terrorakte nehmen im gan- i zen Land« zu. Ungefähr dreißig Araber grisfen die jüdisch« Niederlage Kalandia an. Sin Jude würde getötet. Erst als militärische Verstärkung eintraf, wurden die Angreifer zurückgcworfen. Auf der Polizeistation von Hebron explodierte eine Bombe, ohne jedoch Schaden anzurichten. Di« dortige Militärbaracke wurde nachts angegriffen, ohne daß es Verletzte gab. Das Gleiche geschah mit dem Zollhaus von Aiko und den Militärbaracken, die an der Bahnstrecke Jerusalem-— Lydda liegen. Ueberall fanden wiederum Schießereien statt. An verschiedenen Stellen wurden idie Telephonleitungen zerschnitten. Großmächte haben die Erlaubnis bekommen, in Friedens- wie in Kriegszeiten die Meerengen zu passieren. Damit hat England, dessen Ueber- macht im östlichen Mittelmeer damals unbestritten war, sowohl die Kontrolle über die Dardanellen an sich gerissen, als sich auch die Möglichkeit verschafft, gegebenenfalls das Schwarze Meer in seinen Machtbereich hineinzuziehen. Italien ist damals als Mittelmeermacht von keiner Bedeutung gewesen. Nun hat sich jedoch die Situation verändert: die Sowjetunion steht zwar wieder in einer Front mit der Türkei, diese beiden Mächte verlangen wieder eine Schließung der Meerengen und im Zusammenhang damit ihre Wiedcrbefestigung. England hat aber seinen Standpunkt grundsätzlich verändert und ist jetzt bereit, die russisch-türkischen Forderungen zu bewilligen. Damit verzichtet London auf jede Einflußnahme im Bereich des Schwarzen Meeres und überläßt auch die Kontrolle der Dardanellen völlig der Türke i. Das Schwarze Meer würde damit zu einem geschlossenen russisch-türkischen Meer werden, andere Anliegerstaaten, wie Rumänien und Bulgarien, würden sich dem Kondominium von Moskau und Ankara unterwerfen müssen. Die Spitze des kommenden Protokolls von Montreux wird jedoch gegcnItalien gerichtet sein. In Montreux wird, höchstwahrscheinlich der erste' Grundstein zu dem von England geplanten Bündnis der Anlieger des öst- lrchen Mittelmeer es gegen Italien gelegt werden. In diesem Zusammenhang erhalten erst die letzten Darlegungen Edens, im llnterhaüs über die Aufrechterhaltung, der vor einiger Zeit abgeschlossenen Sichcrheitsabkommen mit den Mittelmeerstaaten sowie über' das Weiter-. bestehen der britischen Verteidigungsbereitschaft im' Mitielmeer ihre richtige Bedeutung,-.-.... vis Konferenz In Montreux Die Deutschen und die Grenzzone Nun ist die Durchführungsverordnung zum Staatsverteidigungsgesetz erschienen und sie ist besonders in jenem Teil wichtig und in das Leben jedes einzelnen Staatsbürgers tief einschneidend, der die Sicherung der Grenzzone betrifft. In den historischen Ländern handelt es sich bei den Bezirken, die in die Grenzzone eingegliedert werden, vor allem um Bezirke mit deutscher Bevölkerungsmehrheit und viele Sudetendeutsche, die das Reden von der Kriegsgefahr bisher mit einem ungläubigen Lächeln quittierten, werden. durch die notwendigen Vorkehrungen für den hoffentlich vermeidbaren Ernstfall aus ihrer beschaulichen Ruhe, aus , ihrer lässigen Ungläubigkeit ziemlich unsanft aufgestört. Es gehört zur politischen Eigenart des völkischen Sudetendeutschtums, sich über die unangenehmen Erscheinungen des politischen und staatlichen Lebens lediglich die Gedanken zu machen^ die in das enge Weltbild völkischer Unduldsamkeit' und Einseitigkeit passen. Man hat dies vor kurzem bei der Ge fährdung der sudetendcutschen Weltbädcr durch die Drosselung des Zustroms Reichsdeutscher gesehen: keinem Schriftleiter ist es eingefallen, auf die unumstößliche Tatsache hinzuweisen, daß nicht die Tschechoslowakische Nationalbank, sondern in erster Linie die deutsche Reichsbank an der Zahlungsmisere schuld ist. Es ist bequem und „dankbar", gegen Prag Anklagen zu erheben und die Schädigung der sudetendcutschen Bäder durch die deutschen. Devisenbestimmungen und die durch die Aufrüstung verschuldet« Zahlungs- unfähigkcit Deutschlands zu verschweigen. Ja, die SdP scheint die Schädigung der sudetendcutschen Kurorte systematisch zu betreiben: das geht aus der Konstruktion des„Falles Franzensbad" hervor, das ergibt sich aus der gewissenlosen Flüsterpropaganda, die eben jetzt in den westböhmischen Kurorten unter den Reichsdeutschen betrieben wird. Aehnlich liegen die Dinge beim Gesetz über die Staatüverteidigung, das manchen, Staatsbürger, von dem es unmittelbare Opfer verlangt oder dessen Freizügigkeit es einschränken kann, als hart empfunden werden wird. Er wird sich sicherlich nicht sehr leicht mit dem Gedanken trösten, daß die tschechischen Mitbürger in den Grenz- > gebieten keine geringere Bürd.e zu tragen haben, sondern nach dem Schuldigen suchen. Und wieder blickt er, in seiner Kurzsichtigkeit durch die völkische Schriftleiterpresse bestärkt, mißbilligend nach Prag: hier wurde das Gesetz beschlossen, hier wurde die Verordnung erlassen. Wagt cs diese gewisse Presse auch nicht, die erlassenen Bestimmungen zu verdammen, so unterstützt sie doch die mittlerweile ins Werk gesetzte Flüsterpropaganda gegen Prag wenigstens durch höhnende Heberschriften. Keineswegs geht sie so weit, das Gesetz und die Verordnung zu erklären. Sie müßte dann nämlich doch auf die Tatsache zu sprechen kommen, daß es der Tschccho- slolvakischen Republik nicht zur Zeit der Weimarer Republik einfallen mußte und eingefallen ist, so weitgehende und einschneidende Schutzmaßnahmen zu ergreifen.. Das Bekenntnis unseres ganzen Landes zum.Frieden ist heute nicht geringer als ' einst; a b e r d i e> V o r a u s s e tz u n g e n zur' Erhaltung tne s Friedens haben. sich geändert. Sie haben sich verändert durch die Etablierung des Hitlerregimes, in dessen Programm die Expansion und insbesondere die Schaffung Grotzdeutschlands vorgesehen ist. In der Grenzzone des Dritten Reichs wurden schon viel früher noch.weitergehende Maßnahmen ergriffen als jetzt bei uns. Das kann nicht mit An- griffsabsichtcn der Tschechoslowakei, die anzunehmen höchst lächerlich, wäre, Zusammenhängen, sondern nstr mit zu befürchtenden des.Dritten Reichs. Und es ist auffvllcnd, daß. keines der völkischen Blätter, die an den Verteidigüngsmaßnahmen der Tschechoslowakei verhaltene Kritik üben(auf. jeden Fall aber ihren Lesern die Begründung verschweigen) auf die Aufrüstung Deutschlands, auf die Kriegsvorbereitungen nn..deutschen Grenzgebiet, auf das Expansionsprogramm des Nationalsozialismus zu sprechen kommt. Das ist kein Wunder, denn es würde sich dann doch Herausstellen müssen, daß die Maßnahmen der Tschecho- l'lowakei einer-dringenden-Notwendigkeit ent- Seite 8 Freitag, 26. Juni 1936 Nr. 149 springen, einer Notwendigkeit, die von Hitler verschuldet ist, von eben jenem Manne, den dieselbe Presse als Retter des Gesamtdeutschtums preist. Auch dies gehört zu den Methoden des Nationalsozialismus, sür die Schrecknisse und Widerwärtigkeiten, die er hervörrust, die Betroffenen, die Opfer schuldig zu sprechen. Und das Verhalten der völkischen Press« ist auch vort, wo eS nichts anderes unternimmt als das Verschweigen der Wahrheit, eine Verlängerung des Goebbel'schen Propagandaarmes. Es ist an der Zeit, daß die Sudetendeutschen die Wahrheit zu sehen beginnen, die darin besteht, daß das Hitlersystem die schwerste Gefährdung des Friedens, die schwerste Gefährdung unserer Heimat ist. Herr Henlein will lieber Mit dem Deutschland von heute, also mit Hitler, gehaßt sein, als das Bekenntnis zu ihm aufgeben. Wir aber erfüllen die Verpflichtung, gegen Hitler für das andere Deutsch land zu kämpfen, da- jetzt schweigen mutz: für das Deutschland des Friedens und der Kultur. Ueber dieses Deutschland hat vorläufig der Faschismus triumphiert. Daß er nicht auch über uns triumphiert, über unser Land und die Deutschen, die es bewohnen, ist der Sinn unserer Ver«, teidigungSmatznahmen. Mögen sie recht bald und ohne Katastrophe durch die Ueberwindung Hitlers überflüssig gemacht werden! An dem Sturz Hitlers zu arbeiten ist die Pflicht aller Deutschen mit wahrer deutscher Kulturgesinnung. Dies ist die Lehre aus dem ernsten Anschauungsunterricht, das unser Berteidigungsgesetz bietet. Die Weckung des Missmuts darüber und seine Hinwendung nach Prag ist darum ein feindseliger Akt nicht nur gegen unsere Demokratie, sondern auch gegen das Deutschtum und seine Kultur— eine Kultur, die sich in Goethe, Herder und Kant verkörpert und durch Hitler und seine Freunde geschändet wird. heute schon bis über 50 Prozent von Gebühren und Abgaben, die vorwiegend von den armen und Mittelschichten getragen werden müssen und dabei das Leben verteuern. Wir begrüßen die Tendenz der Vorlage, die grossen Gehalte über 250.000 KL als Abzugspost bei der Erwerbsteuer auszuschalten, weil der bisherige Zustand nur zu einer Schmälerung des Dteu- ervolumen» geführt hat; auch die Beschneidung der Erträgnisse der Holdinggesellschaften ist zu begrü- ssen, ebenso im Interesse der Gemeinden die Klarstellung der Steuerpflicht bei gemeinnützigen Unternehmungen der Selbstverwaltungsverbände. ES fit zu hoffen, daß di« Novelle tatsächlich «inen besseren Kontakt zwischen dem Steuerträger und d» Fiuanzvrrwaltuag hrrbeifuhren wird. Der vorliegenden Korrektur begangener Fehler unter dem Regime de« Bürgerblocks müssen aber recht tald neue weitergehendr Schritte folgen, nicht nur in der Neuordnung der Steuern, sondern insbesondere auf dem Gebiet der Sanierung der autonomen Selbstverwaltung!(Beifall.) kl» Oürgerblodfgesctz wird reformiert Genosse Kodier urglert völlige Neuordnung des Steuerwesens Wir veröffentlichen nachfolgend einen Auszug aus der Rede de« Genossen Kogler, die er am Mittwoch im Plenum des Abgeordnetenhauses zur Stenernovell« gehalten hat: Die Vorlage ist ein Beweis für die Richtigkeit des leidenschaftlichen Kampfes, den unser Klub seinerzeit gegen die Steuerreform des Bürgerblockes geführt hat. Wir begrüßen die neue Vor lage. sind aber der Auffassung, dass eS sich dabei nur um eine Abschlagszahlung handelt, denn di« von uns seinerzeit betonten ungünstigen Auswirkungen der Steuerreform sind seither in vollem Umfang eingetreten Ich verweise dabei nur auf die ausserordentlich ungünstige Finanzlage der unteren Selbstver« waltungSverbäiche. die sich aus den Bestimmungen über die besondere Erwerbsteuer der Aktiengesellschaften etc. ergeben hat. Schon ein Jahr nach dem Inkrafttreten der Steuerreform haben von 16.862 Steuerpflichtigen in der besonderen Erwerbsteuer 9.188 nur die Minimalsteuer von 2 Promille und 2.557 die Minimalsteuer von 1 Promille bezahlt. Also rund 76 Prozent aller Betriebe haben noch in dem Konsunkturjahr 1928 bloss die Minimalsteuer gezahlt! Um die Verlagerung der Steuern im Gefolge der Steuerreform darzutun, greift Genosse Kügler üstie Jahre 1926 und 1933 heraus."IN' dikstt' Zttt ging die allgemeine Erwerbsteuer von 87 auf 59,8, die besondere von 120 auf 56,8 Millionen KL zurück. die Hausklaffen- und Hauszinssteuer dagegen stieg von 1l4 auf 165 Millionen. Der Rückgang der Erwerbsteuer ist nicht allein in der Krise begründet, sondern zunächst in der Konstruktion der Steuerreform. Im Jahre 1933 hatten die industriellen Aktiengesellschaften bei einem Kapital von 7,2 Milliarden immer noch eine Bilanz-Summe von 34,6 Milliarden aufzuweisen und dieselbe Industrie nahm für 18,4Milliarden Investitionen vor! Im Verlauf der zehn Jahre sei bem Inkrafttreten der Steuerreform haben die industriellen Aktiengesellschaften bei der besonderen Erwerbsttuer mehr als eine Milliarde eingespart und di Erttagrsteuern wurden künstlich so gesenkt. dass ste 1931 mit 550 Millionen überhaupt nur noch 5,5 Prozent aller Steuern ausmachen, während 4.3 Milliarden allein an Verbrauchssteuern und 5.3 Milliarden an Zöllen, Monopolen. Stempeln usw. den Konsum belasten. Diese Verlagerung der Steuerlasten schuf wirtschaftliche« Anrecht für die Konsumenten, die Ardeitrr und die mittlere« Bevölkrrungöschichten. Dabei sind die Gewinn« der Gesellschaften«ährend dieser Zeit gestiegen, der Herr Finanz- Minister schätzt ste auf annähernd 6 Milliarden KL; einzelne Unternehmen haben in der Krisenzeit noch gewaltige Kapitalsakkumulationen vornehmen können. So hat eine Unternehmerfamilie in Nordböhmen dank der Steuerreform gegen 100 Millionen Industriekapital anhäufen können. Dagegen erhält die Gemeinde am Sitz dieses Unternehmens von diesem nicht einmal so viel an Zuschlägen, dass ste ihren Arbeitslosen während der Wintermonate eine Ausspeisung ermöglichen könnte. Die Gemeindefunktio- näre müssen mit Sammellisten von Wohnung zu Wohnung gehen, um die Finanzierung der AuSspei« sung zu ermöglichen! So muss der Arme für den noch Aermeren zahlen, während der riesenhafte Betrieb seine Mittel für sich behalten und zu übermässigen Jnvesttttonen, ja zu Fehlrationafisterungen verwenden kann. An den Grundlagen der Steuerreform ändert auch die vorliegende Novelle mchtS, weshalb wir fordern. daß die erste Gelegenheit dazu benützt werden muß, ein« grundlegende Reform durchzuführen, dir vor allem die Kapitalisten in erhöhtem Maße zur Steuerleistung heranzieht. Die Vorteile der heutigen Vorlage liegen wohl zunächst in der Handhabung der Steu- e r p r a r i S; sie bringt durch die Vereinfachung des Verfahrens und dse Borschteibung für daS laufende Steuerjahr eine wesentliche Erleichterung. Hier darf wohl fest-iestellt werden, dass die Steuerverwaltungen mit dem Gesetz vom Jahre 1927 viel gesündigt haben. Die Selbstherrlichkeit der Finanzbürokratie namentlich in den Notstandsgebieten beunruhigend gewirkt, hat vor allem die Mittelschichten aufgebracht, radikalisiert und unzufrieden gemacht. DaS hat im deutschen Siedlungsgebiet nicht wenig zu der Wahlentscheidung vom 19. Mai beigetragen! Die Vorlage erfüllt den Wunsch der Selbstver« Wallung, unter entsprechenden Garantten die Gr- meindezuschläge wieder selbst einheben zu können. Die Selbstverwaltung braucht aber mehr, um ihre Aufgaben ordentlich erfüllen zu können: sie braucht ein neues Finanzgesetz. Die Gemeinden leben ja Lteuersdrllmmuns Keule Prag. Das Abgeordnetenhaus beendete am Donnerstag gegen Abend die Debatte über die Steuernovelle. Die Abstimmung wurde auf Freitag vertagt. Dann erstattete der tschechische Genosse Klein das Referat über das RedakteurS- gesetz, um dessen Zustandekommen er sich große Verdienste erworben hat. Es handelt sich um die Einlösung eines alten Versprechens, die besonderen Dienstverhältnisse der Redakteure über den Rahmen des Privatangrstelltengesetzes hinaus zu regeln. Weiters wurde noch di« Regierungsvorlage über dieSanierungderBruderladen in Verhandlung gezogen. ES sprachen alS Referenten der tschechische Genosse B r o j i l und der Nationalsozialist Lane. Um halb 10 Uhr abends wurde die Debatte, in der zwei Redner gesprochen hatten, auf Freitag 11 Uhr früh vertagt. AuS der Steuerdebatte wäre noch die Stellung der deutschen Ehristlikbiozialen hervorzuheben, deren Sprecher Dr. Mayr-Harting anerkannte, dass die Vorlage wegen der Art und Weise ihres Zustande« kommens und wegen der Verbesserungen, die sie enthält, zu b eg rüssen sei. Allerdings werde seine Partei mit Rücksicht auf Mängel, die er eingehend erläuterte, doch gegen die Vorlage stimmen. Einleitend hatte der Redner namens seiner Partei ein unbedingtes Bekenntnis zur Demokratie abgelegt, von deren Berechti- gung sie grundsätzlich überzeugt sei und die sie auch als die einzig mögliche Staatsform anseh«, die der Partei die Erreichung ihrer Ziele ermögliche. Später hatte auch Dr. Peters(SdP) es ausdrücklich anerkannt, dass diesmal der Opposition reichlich Gelegenheit gegeben worden sei, zur Ausarbeitung des Entwurfes beizutragen. Er bemängelt«s merkwürdigerweise, dass das Finanzministerium durch einen Fachmann und nicht durch einen. politischen Minister besetzt sei, und ergeht sich dann m allgemeinen Redereien, dass man prüfen müsse, ob die Steuern gegenseitig in richtigem Verhältnis stehen, ob genügend gespart werde usw. Das ganze Ivar auf de Tonart abgestaunt:„Es muß waS g s ch e h e nl", ohne daß Herr Dr. Peters auch nur irgendwie gesagt hätte, wie er sich diese Dingt konkret vorstellt. * Die Abstimmungen wurden durchwegs auf Freitag vertagt. Bezüglich der Fleischsteuer sind Bestrebungen im Gange, das Pauschal für die HauSschlachtungen von 1.50 aus 2 KL pro ha zu erhöhen. Eine endgültige Uebersicht über das restliche Arbeitsvrogramm werden erst die für Freitag vormittags angesetzten Ausschutzsitzungen bringen. Die Verwaltung talere Momenten, Mwlnite lUll MlkölkN! Anläßlich des Feiertages(Peter und Paul) wird am Montag, den 29. Juni» nicht gearbeittt, so daß unsere DienStagauSgab« entfällt. Neue Vorlasen Zu den Vorlagen, die noch vor SessionSschlutz verabschiedet werden sollen, gehört ein am Donnerstag eingebrachter Antrag, welcher eine Aenderung des F i n a n z g e setzes für das Jahr 1936 in jenem Artikel behandelt, welcher die Finanzen der Selbstverwaltung betrifft. Der Antrag bedeutet eine wesentliche Verbesserung. des durch die Verordnung vom 25. März d. I. über die Entschuldung der Selbstverwaltung geschaffenen Zustandes. - Für diese Schuldenregelung war ein Gesamtbetrag von 202 Millionen KL vorgesehen, von welchen 51 aus den Länderquoten, 151 Millionen durch Zuweisungen ans der Einkommensteuer gedeckt werden sollten. Der Finanzminister wurde durch daS Finanzgesetz ermächtigt, durch Kreditoperationen jenen Betrag aufzubringen, der von den 151 Millionen nach Abzug jener Ersparungen übrig bleibt, welche die Gemeinden durch die inzwischen erfolgte Zinsfusssenkung erzielen. Bereits durch die Verordnung vom 25. März wurde der Betraa von 51 Millionen aus den Län- derquoten auf 72 Millionen erhöht, hingegen sollten von dem Staatsbeitrag von 151 Millionen gewisse Abzüge gemacht werden, die in ihrer Höhe dem Gewinne der Gemeinden aus der Zinsfutzsen« kung und der Zahlungserleichterungen gleich kamen. Durch den eingangs erwähnten Antrag wird nun eine Neuregelung geschaffen, nach welcher nicht die ganzen Ersparungen abzuziehen sind, sondern nur die Hälfte, höchstens aber 45Millionen KL. Die Mittel, welche den Gemeinden daraus zufließen, werden durch diese Aenderung wesentlich erhöht. Es bleibt allerdings bedauerlich, daß die eigentliche Durchführung des EntschuldungSgesetzeS, welche- am 1. Jänner d. I. bereits in Kraft getreten ist/ immer noch auf sich Watten läßt. *» Auch der am Wend vorgelegte Entwurf eines Flaggengesetzes soll noch parlamentarisch erledigt werden. Diese- Gesetz regelt die Benützung von Flaggen, Wappen und anderen Symbolen, sowie von Uniformen und Abzeichen und trifft Maßnahmen gegen nicht einwandfreie Bezeichnungen. Der Zweck dieser Neu-Regelng ist es. die bisherigen divergierenden und in einigen Richtungen unvollständigen Rechtsvorschriften zu vereinheitlichen und zu ergänzen. In den Bestimmungen über die Benützung-von Fahnen und Flaggen wird insbesondere an einen besonderen Schutz der Staatsflagge vor unwürdiger und ungebührlicher Verwendung oder deren Uebergehung bei Festveranstaltungen gedacht. Detailliette Bestimmungen über das öffentliche Tragen von Uniformen schützen vor Mißbrauch, insbesonder der Militär« und Gendarmerie-Uniformen sowie anderer Uniformen, deren Schutz im öffentlichen Interesse notwendig ist. Der Gesetzentwurf erfasst mit seinen Verboten auch die Verwendung solcher Abzeichen und Bezeichnungen, welche gegen die Grundprinzipien unserer StaatSeinrichtungen gerichtet find oder die öffentliche Ruhe und Ordnung bedrohen. Uebertre- tungen des Gesetzes werden von den politischen Behörden mit Geld- oder Freiheitsstrafen geahndet werden. LoprrlSdt dl- Eugen Prager-Verleg. Bratislava. Und in der Schule werden seine Eltern jeden Tag beschimpft... Seh'n Sie, das sind meine Schmerzen und jetzt koche und wasche ich für neun Emis und keiner ist zufrieden und man muss sich trotzdem grade halten..." Eva nickte beherrscht und preßte ihr Ziga- retten-Etui in der Hand. Schwer für die Gusti, sehr schwer. Aber wozu solche Vergleiche, dabei kam doch immer ein Unrecht heraus. Er wußte doch, was sie dazu sagen konnte: Ich möchte Kinder haben, Gusti, aber alles, was Sie gelitten haben, was beweist es? Doch nur, daß man sich fürchten möchte, Kinder in diese Welt von heute zu setzen. Bon heute, gut, sie wandelt sich. Aber das Heute ist doch unsere Welt! Na, und das andere? Ich habe Naturwissenschaften studiert, Mineralogie als Hauptfach. Mit Erfolg, wie mein alter Professor sagte. Und nun? Soll ich meinen Doktor machen? Und wo und mit welchen Mitteln? Und dann? Und das andere? Seit zweitausend Jahren werden wir umhergejagt. Wir sind die ewigen Emigranten. Mein Bruder, ist für Deutschland bei Verdun gefallen und jetzt sitzen jüdische Kinder drüben in den Schulen auf der Bank für Aussätzige. Und daß man die mißhandelt, die unsere Menschenrechte verteidigten, daß man ihnen nicht helfen kann ach, wozu re den wir immer dasselbe... Justus weiß das ja alles und seine Kraft ist wohl die Stärkere, aber jeder erleidet das Leben mit seiner eigenen Haut. Aus dem Gastzimmer des Cafes schmalzten weiche Melodien ins Freie. Radio. Tanzmusik. Junge Leute erhoben sich» schleiften drin sachlich« 22 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grötzsch selig über die Bretter und kehrten singend und angeregt zu ihren Tischen zurück. So war es vielleicht richtig, so mußte es wohl sein... Justus hatte sich hinter den Dampf seiner Zigarre zurückgezogen. Er spürte Unruhe in den Fingern. Das Gespräch hatte einiges gelockert, nun floß in ihm der Strom der Gedanken. Jetzt am Schreibtisch sitzen! Sie erhoben sich und gingen. Auf der Straße draußen reichte sie ihm die Hand. Er wollte sie noch ein Stück begleiten.„Nein, danke, ich finde allein, Sie wollen noch schreiben, ich merke es Ihnen an. Vergessen Sie meinen Qualm, nicht wahr?" Sie versuchte zu lachen, ging, winkte noch einmal zurück, verschwand in den Straßen. Leichter Aerger kribbelte in ihr. Wozu habe ich ihn wieder mit meiner trüben Schwachheit behelligt? Wie soll da ein Mann arbeiten, wie soll er seinen Kampf führen können? Ach, er würde eS ja wohl fühlen, daß sie bei ihm Kraft holen, daß sie ihren Tränenkrug auf den Grund seiner Seele gehen lassen und einen feurigen Trank heraufholen wollte... Aber trotzdem! War ein.* Frau dazu da, einem Manne das Herz mit schwarzer Philosophie zu beschweren?! Justus schtttt die Landstraße entlang. Korn wogte und duftete nach reifem Brote. Lichter Sommerabend. Seine Gedanken liefen zurück. Ein feines Mädchen. Leider mit Melancholien behaftet, mit drückenden Erinnerungen wahrscheinlich. Aber reifen Geister. Nimmt's nicht quer, wenn man maulfaul wird,, zu arbeiten anfängt. Und für so was findet sich keiner, der sie nicht wieder los läßt?... Vierzig sollte man sein! Trotzdem schwierig. Ihre Schultern und Hände wie die eines Kinder, ihr Geist am Rande aller Zeiten. Wie alt müßte der sehr, der ihr genügte? Ein Greis? Aber von einem Greis kann man keine Kinder haben... Ein Bauernwagen ratterte vorüber. Der Kutscher hieb auf die Pferde und baumelte auf seinem Sitze. Justus bog zur Spinne ein. Die Fenster de- großen Zimmer» waren erleuchte!. Dort saßen Gusti und ihr Mann. Sie lasen Zeitungen. Die Burschen kümmelten draußen um die Bank herum. Man hörte Frosch's grobe Stimme. „Guten Abend Spinne", grüßte JustuS nach der Hausecke hin, an deren Kante sich einige Blüten der Linde schmiegten. Maulfaul, gedämpft, ftostig kam der Gruß zurück. Justus stieg die Treppe hinauf, hötte ein feindseliges Lachen und dann:„Der eine geht rüber ins Dritte Reich kundschaften, andere gehn poussieren.". - Die Worte drehten ihn wieder zur Treppe hinunter. In leichten Schuhen, Gürtel über dem Sporthemd, stand er vor ihnen. Der Adamsapfel rutschte zwischen dem geöffneten Kragen auf und nieder.„Wer geht poussieren?" Schwer, bei dem Lichte einen ins Auge zu fassen. Das geschwungene Haar des Kleinen war das Hellste, was man sah. Frosch stemmte die Pratzen in die Seite. Durch das geöffnete Hemd dunkelte die behaatte Brust.„Na", sagt« er, „es gibt doch welche, die poussieren... Das wird man wohl noch sagen dürfen." „Schade", meinte JustuS und hatte sein Lachen wieder.„Ich dachte, es ginge um uns. Ich habe solche Leute nämlich gern um mich herum— und nun ist eS wieder keiner von unS!" Moses biß sich. auf die Lippen, schämte sich. SchmonzeS, verfluchte! Man kann doch niemandem Vorwürfe machen, wenn er mit einem Mädchen spazieren geht? Na ja, Eva gehörte eigentlich zur Spinne und nicht mit einem einzelnen ins Cast, gut. Aber schließlich wärest die beiden doch erwachsene Menschen.-— Frosch schaute von einem zum andern. Also sagte keiner was? Auch MoseS nicht? Erst meutern alle, dann halten sie das Maul?! Wortlos drehte et sich auf der nackten Ferse um und lief in sein Zimmer. Bald darauf hörte man ihn bestiefelt durchs Tor gehen.„Wo will er hin?", frug Moses. Niemand antwortete. Ter.Kleine zirpte auf Peters Mundharmonika. Ein schmaler Lichtstreifen fiel durch JustuS' Fenster in den Hof. Er saß am Schreibtisch und wischte sich über die Stirn. Es war ein Kreuz; die Menschen flogen in die Stratosphäre, tauchten auf den Meeresboden, aber selbst wenn sie demnächst etwa auf dem Mars landeten, würden die vielen noch um di« Frage streiten, wer mit wem im CafL sitzen durste... Mochten sie maulen. Er hätte ihnen Dinge erzählen können von ehedem.,, Wozu? Es war immer komisch, von seinen ehemaligen Taten zu bettchten. Für vergangene Opfer zahlt niemand etwas. Darüber kann man nur noch in seinen Memoiren bettchten. Also gut, schreiben wir einmal unsere Memoiren... Aber auch die ändern nichts daran, daß die Burschen nicht ins Caf« gehen können, daß sie keine Mädchen haben und miekrig werden... Ec legte das Buch auf den Tisch. DaS Bild fiel heraus. Dahinter dämmerte daS ander«, dafern, fern an einer Wand hing: der geistige Kämpfer mit dem Strohkranz im Haar, verlacht, verhöhnt, verspottet... Sitzt ein andrer davor? Bewitzelt jetzt ein brauner Barbar sein Bild? Aber der Redakteur in der fernen Stadt im anderen Lande sitzt nicht mehr vor dem unerhörten Bilde. Redakteur Meller ist nach Hause gegangen. Er hat die Flaschenpost mitgenommen und reicht sie einem Freunde. Lesen soll er daS, lesen. Um sie herum duften die Blumen der Veranda. Meller» Frau bringt Wein. Sie trägt einen Kranz von Zöpfen, da» muß jetzt nun einmal sein; vielleicht sollte man das Haar blond färben, gilt al- tüchtige Empfehlunng jetzt, da daß Germanische im ganzen Lande oberster Trumpf ist... (Fortsetzung folgt.) Nr. 149 Freitag, 26. Ium 1936 Seite 3 fudetendeutsdiei Zeitspicgel Nagender Zweifel Die sudetendeutsche Provinzpresse, die über- lang hundertprozentig Henlein-,.Politik" machte, beginnt allmählich aus dem Schweigen zu erwachen, das sie nach der Egerer SdP-Tagung befallen hatte. Aber sie erwacht allem Anschein nach zu lebendiger Opposition gegen die S d P. Als typisch hiefür kann die Stellung der „B r ü x e r Z e i t u n g" angesehen werden, die am Mittwoch in einem ungewöhnlich langen Leitartikel bereits den ernstesten Zweifeln an Politik und Taktik der SdP Ausdruck gibt. Das Blatt beschwert sich jetzt darüber, daß der Kontakt zwischen SdP und Provinzpresse nicht den großen Diensten entspricht, die sie jener leistete; diese Presse habe insbesondere seit dem 19. Mai 1935 alle Kritik an der SdP verstummen lasten und habe es verstanden, zu s ch w e i- gen, wenn es sein mußte. In der letzten Zeit aber habe diese sudetendeutsche Priwinzpresse zu kritisieren beginnen müssen. Und vollends die Egerer Tagung nun läßt diese Preste nicht mehr schweigen. Henleins Egerer außenpolitischer Exzeß wird als„vielleicht nicht staatsmännisch" bezeichnet. Die„Brüxer Zeitung" versucht zwar auch jetzt noch eine Art loyaler Verteidigung Henleins und der SdP gegen den Wider st and, auf den Henleins vielbesprochene Redewendungen stießen, stellt aber doch auch fest: ... die erreichte Ausbreitung und Vertiefung des Widerstandes gegen den deutschen Wunsch, als gleichberechtigter Mitarbeiter im Staat« anerkannt und behandelt zu werden, bildet für die sudetendeutsche Politik keinen Gewinn. Die SdP hat sich nervös machen lassen und zu einer Geste der Rechtfertigung vor einem anscheinend vermuteten radikalen Flügel der Partei gegriffen, die weiter ausholte, als nötig und gut war. Und unter Hinweis auf die„i m m e r e n- geren Beziehungen" der SdP insbesondere zu tschechischen Agrariern schreibt die„Brüxer Zeitung": Daß gerade i« diesem Moment die angesponnenen dünnen Fäden durch eine Umlegung der sudetendeutschen Politik auf»ine neue Linie abge» kiffen werden, ist schlechthin unverständlich. Dann aber folgt es knüppeldick ... man kennt sich nicht aus in der Politik der SdP.-, Die Tschechische Agrarpartei gerät durch das plötzlicheUmschwenken der S d P in eine schwierige Lage und wird sich über einen Mangel an Einfühlungsvermögen der SdP in die auf tschechischer Seite bestehenden Verhältnisse beklagen. Was—bis zu einem gewissen Grade— für die SdP war, wird v e r st i m m t sein, was g e g e n sie war, wird dagegen er st recht zusammengeschweißt... Ein V o r t e i l, den die sudetendeutsche Sache durch eine demonstrative Proklamierung bestimmter nationalpolitischer Forderungen gegenwärtig gewinnen konnte, ist nicht wahrzunehmen, dagegen mehren sich die Anzeichen von Verwicklungen, denen die SdP entgegengeht. Die Egerer Tagung wär ein großer innererErfolg tauch das glaubt wohl die„Brüxer Zeitung" selber nicht! d. Red.) der sudetendeutschen Bewegung. Aber vielleicht waren der Blick und die Sorge der Führung diesmal zu sehr nach innen gerichtet, und das kann es verschuldet haben, daß die äußere Aktion einen nervösen Charakter annahm und eine neue Richtung einschlug» für die vorläufig die Erklärung fehlt. Also jener Schriftleiter, der zwei Jahre lang in der ersten Reihe von Henleins publizistischen Vorkämpfern stand, findet keine Erklärung mehr für die Haltung der SdP und stellt fest, daß„man" sich in deren Politik nicht mehr auskennt! Vorteil und Gewinn für die sudetendeutsche Sache vermag nun auch er in Henleins Partei, Taktik und Auftreten nicht mehr zu erblicken! Und dabei haben wir n u r die„Brüxer Zeitung" zitiert. Aber„fallen seh' ich Blatt auf Blatt..." Erfolgreiche Betriebsausschußwahlen Bei der Firma Viktoria A.G., Porzellanfabrik in Altrohlau, fanden arn Donnerstag die Wahlen in den Arbeiter-Betriebsausschuß statt. Sie brachten dem Verband der Glas- und Keram- arbeiter einen schönen Erfolg. Bon 1022 abgegebenen Stimmen waren 993 gültig. Davon erhielt der Verband der Glas- und Keramarbeiter 762 Stimmen und acht Mandate, die Deutsche Arbeitergewerkschaft, Sitz Gablonz, 231 Stimmen und zwei Mandate. Die Henleinleute hatten sich einen ähnlichen Wahlerfolg wie am 19. Mai des Vorjahres erhofft. Diese Hoffnung wurde jedoch zu Master. Die Wahl ist ein deutlicher Beweis dafür, daß die Betriebsarbeiter an die Henleinsche Volksgemeinschaft nickt glauben, sondern treu zu ihrer freien Gewerkschaft stehen. Henleins Schlußwort— „ein schwerer politischer Fehler“ „Unklug, kurzsichtig und taktlos** Wir lesen in der offiziösen»Prager Wochenkorrespondenz": Die Sonderausgabe der„Rundschau" mit der Schlußrede Konrad Henleins aus der Tagung der SdP zu Eger bringt auch einen lyrischen Stimmungsbericht dazu, der mit den Worten schließt:«Diese Rede Konrad Henleins war wahrhaft groß. Sie bleibt eine'politische Tat." Leider sagt uns dieser Kommentar nicht, worin diese Tat bestanden habe. Eine politische Tat setzen, heißt etwas Positives schaffen. Wir hören, daß die versammelten Amtswalter, Kreis- und Bezirksleiter, Abgeordnete, Landesvertreter usw. stürmischen Beifall spendeten und offenbar äußerst zufrieden waren, denn mit der Beschwörung der Opposition in den eigenen Reihen konnten auch sie wieder einigermaßen erleichtert aufatmen. Aber die Schlußrede Henleins galt nicht diesem inneren Zwiste, sie sollte ein Programm für die Zukunft sein. War sie in dieser Hinsicht eine politische Tat? Sie war leider alles andere als das, sie war ein schwerer politischer Fehler, sie war unklug, kurzsichtig und taktlos, Wenn starke Worte Taten wären, dann hätte vielleicht der Lyriker der«Rundschau" recht, aber Kraftmeiereien,, mit Pathos vorgetragen, mögen vielleicht in Augenblicken gehobener Stimmung zu einem kurzen Begeisterungsstürme ausreichend sein, aber von politischen Taten sind sie meilenweit entfernt. Denn was hat die Rede an aufbauenden, positiven Ergebnissen gebracht? Hat sie den Anhängern der SdP einen Vorteil gebracht oder zumindest begründete Aussicht, daß sie eines solchen teilhaftig werden können? Hat sie die Hoffnung auf eme erfolgreiche Klärung des deutsch- tschechoslowakischen Verhältnisses gestärkt? Hat sie der sudetendeutschen Einigkeit gedient? Hat sie die nationale Verständigung gefördert? Wir könnten die Reihe der Fragen beliebig verlängern, auch um Detailfragen, ob etwa der sudetendeutsche Bauer, der sudetendeutsche Angestellte, Beamte, Kaufmann davon einen Vorteil oder die Aussicht auf einen Vorteil haben werde. Auf alle diese. Fragen se^en wir nur ein Nein. Einige deutsche Blätter sehen in Henleins .Retz- ein»-Abücht, die DWusswn über die Beziehungen zwiscken Deutschen und Tschechen,„die seit etlichen Wochen Gegenstand einer erhöhten Aufmerksamkeit der offiziellen Kreise sind", im Gang zu erhalten und«in den Strom der Aussprache auch die Meinung des völkischen sudetendeutschen Lagers mit einzuleiten". Wenn diese Absicht, woran wir nicht glauben, bei Henlein tatsächlich bestanden haben sollte, dann hat er eine reichlich taktlose Art gewählt, sich in die Diskussion, wie sie etwa Präsident Dr. Benes bei seinen Kundgebungen in Mähren beabsichtigte, miteinzuschalten. Denn das, was Herr Henlein bot, ist keine Diskussion, an die angeknüpft werden könnte, sondern ein D i k t a t, das niemand .annehmen wird. Diskussionen über Diktate knüpft aber auch die Demokratie nicht an. Wollte Herr Henlein nicht Politik ins Blaue hineirx machen, dann mußte er die Wirkung seiner Worte auch im tschechoslowakischen Lager bedenken. Die Reaktion auf tschechoslowakischer Seite ist eindeutig? Wollte Herr Heplein diese Reaktion? Wenn ja, dann hat der Henlein von heute den von gestern, der auszog, das deutsch-tschechoslowakische Verhältnis zu klären, der dafür sogar die alleinige Verantwortung für sich reklamierte, gründlich desavouiert. Henleins Rede wird von seiner Presse als besonders mutig gepriesen und er,selbst überkompensiert seine innere Weichheit durch die Härte seiner Worte. Uebertxiebener Mut wird leicht zu Uebermut, der bekanntlich auch in der Politik nur selten gut tut. 1 Auch in der auswärtigen Politik hat Herr Henlein in forscher Art(„Es ist unerläßlich... Wir ertragen es nicht... Es muß hier einmal ..." usw.) der tschechoslowakischen Regierung Aenderungen aufgetragen. Er will ein neues Verhältnis zum Deutschen Reich,„ein neues, anständiges Verhältnis". Daß die tschechoslowakische Außenpolitik auch in sehr bösen Zeiten Deutschlands, wie z. B. in den Zeiten der Ruhrbesetzung, „ein anständiges Verhältnis" einzuhalten bestrebt war, scheint ihm, der sich damals wahrscheinlich mit Außenpolitik noch nicht befaßt hat, gänzlich unbekannt zu sein. Wenn er aber schon dieses Thema jetzt berührte, so hätte er uns vielleicht darüber Auskunft «eben können, welcher reichsdeutsche Emigrant es bei uns zum Abgeordneten gebracht hat und welche Emigranten drüben im Reich als Abgeordnete dafür Sorge tragen, daß»ein neues, an- ständiges Verhältnis" zur Tfchecho- Herr Hennin hqt' die Zeiten, der Zeit in,feinem Sinne gedeutet und dieser Deutung in seiner Art Ausdruck verliehen, wir fürchten aber sehr, daß er sie sehr schlecht verständen und seinen Deutungen einen höchst-unpassenden Ausdruck verliehen hat. Die„Läuterungsaktion“ in der SdP wird fortgesetzt Nach dem Egerer Parteitag'setzt nun die weitere Läuterungsaktion gegen die unbotmäßigen Elemente in der SdP ein. Die Hauptleitungsmitglieder fahren im Lande herum, um die Be-. zirksleitungen ihrem Willen zu unterordnen. Die zu diesen Bezirksleitungssitzungen eingeladenen Funftionäre sind zumeist vorher gutausgewählt, damit auf den Tagungen nicht allzuviel Krach entsteht. In K o m o t a u fand eine solche BezirkS- lcitungssitzung statt, zu welcher man alle jene Mitglieder, die im Verdacht der Opposition stehen, nicht eingeladen hatte. Trotzdem erschienen einige der Nichteingeladenen, die Kenntnis von der Sitzung erhalten hatten. Als Vertreter der Hauptleitung i erschien Sebekov sky, der es nicht leicht hatte. Jedenfalls wurde den mit Kasper und Liebl Sym- i pathisierenden gleich gesagt, daß sie in dieser Sit- I zung unwillkommene Gäste seien. Unter den ab- I gesägten Größen befindet sich auch Dr. Haisch- ' in a n n, der sich bisher ebenso wie seine Gattin sehr für die SdP exponiert hat. Die Sitzung ber- I lief nach der Entfernung der Widerspenstigen zwar ruhig, aber umso depremierter. Schlimmer als Sebekovsky in Komotau erging esSandner in Görkau. In der dortigen Bezirksleitungssitzung im Hotel„Weißes Rotz" erschien auch der seines Amtes enthobene Bezirksleiter Bock aus Hohenofen. Zwischen ihm und dem„Läuterungskommissär" kam es zu einer äußerst erregten Auseinandersetzung. Schließlick wurde die Sitzung unterbrochen und" Bock entfernte sich mit seinen Anhängern. Wie verlautet, haben sick trotzdem noch einige Ortsgruppen des Bezirkes Görkau hinter Bock und Liebl gestellt, die Mehrheit sprach jedoch der Hauptleitung die Treue aus, nachdem die Sitzung nach Entfernung der „Rebellen" weitergesührt werden konnte. Damit ist der streit im Bezirk natürlich noch lange nicht erledigt., In den Ortsgruppen gärt es weiter und man kann sich noch auf allerlei aus der Häuslichkeit der SdP gefaßt machen. Man versucht, die Mitgliedschaft durch ihre Wirtschaft- liche Abhängigkeit zu halten und jeden in der Existenz zu gefährden, der sich auflehnt. Einzelne Ortsgruppen haben es unter diesen Verhältnissen vorgezogen, bei den Sitzungen überhaupt nicht zu erscheinen. • Die Stimmung unter der Mitgliedschaft ist jedenfalls ganz anders, als es die SdP glauben machen möchte. Der Widerstand gegen den Kameradschaftsbund ist weiter im Wachsen und das einzige, was die SdP zur Bemäntelung der wahren Situation zu tun vermag, sind die mit allen Mitteln zustandegebrachten Treuekundgebungen ernannter Funktionäre. Lis haben Geld bei der SdPI Man schreibt uns aus Karlsbad: Dieser Tage wurde in einem Hause in der Karlsbader Masarykstratze eine riesige Aufschriftstafel in rotweißer Farbe angebracht:„D i e Z e i t. S u bete nd e u t s ch e s T a g b l a t t". Die SdP hat in diesem Hause mehrere dort seit längerer Zeit leerstehende Bureauräumlichkeiten gemietet, offenbar zu dem Zwecke, den Vertrieb des Blattes, die Bezieher- und Anzeigenwerbung und möglicherweise auch die Berichterstattung der„Zeit" in Karlsbad zu reorganisieren. Bisher wurden die Geschäfte der„Zeit" in der im„Mattonihos" befindlichen Geschäftsstelle für den Karlsbader Bezirk besorgt. Die Mietpreise in dem von der Zweigstelle der„Zeit" in der Masarykstratze bezogenen Haus sind so beträchtlich, datz selbst eingefleischte Anhänger der SdP sich kopfschüttelnd fragen, ob die Kosten der Erhaltung dieser Bureaus angesichts der nicht übermätzig starken Auflage des Parteihlattes in Karlsbad im richtigen Verhältnis zu dem Nutzeffekt der Schaffung dieser Zweiggeschäftsstelle stehen. Ein Verbrechen im Erzgebirge Samstag, den 20. Juni in den Abendstunden wurde zwischen Natschung und Reitzenhain im Erzgebirge, der Händler Josef Barth aus Krima im Bezirke Komotau in bewußtlosem Zustande aufgefunden. Ursprünglich nahm man an, datz es sich um einen Unfall handelt, der in der Weise erfolgt sei, datz Barth auf seinem Wagen einschlief, herabsturzte und sich dabei die schweren Kopfverletzungen zuzog, denen Barth schlietz- lich erlag. Inzwischen wurde die gerichtliche Obduktion der Leiche angeordnet, bei der die Feststellung gemacht wurde, datz man Barth durch sieben Schläge auf den Kopf tödlich verletzt hat. Im Bezirke Komotau herrscht ob dieses Verbrechens naturgemätz ziemliche Aufregung. Im Zusammenhang damit wird Henleins„Rundschau“ für sechs Monate eingestellt Prag. Wie„Di« Zeit" meldet, wurde Henleins Wochenschrift„Rundschau", das offizielle Publikationsorgan der SdP, vom böhmischen Landesamt auf di« Dauer von sechs Monaten eingestellt. Die Einstellung erfolgt auf Grund wiederholter Konfiskationen nach dem Schutzgesetz. Die letzte Konfiskation, die den unmittelbaren Anlaß zur Einstellung gab, hatte am Montag eine Sonderausgabe der„Rundschau" betroffen, in der ein Teil der Egerer Rede HenleinS beschlagnahmt wurde. Der anmaßenden Rede des Führers, gegen die die ganze tschechisch« Oeffentlichkeit fast einmütig Stellung nahm» ist also eine empfindliche Strafe auf dem Fuße gefolgt. uns mitgeteilt, datz in K r i m a bereits zwei ortsbekannte Personen verhaftet wurden. Gewerkschaftlicher Erfolg. Der„Internationale Metallarbeiterverband"(Komotau) hatte von Anfang Mai bis Mitte Juni in den einzelnen Verwaltungsstellengebieten insgesamt 573 Neubeitritte festzustellen. Worüber die„Zeit" spottet. Das Hauptblatt der Henleinpartei versieht die Nachricht, datz der Gesetzesantrag über die M e n s ch e n e n t f ü h« r u n g im Senat aufgelegt wurde, mit dem spöttischen Titel:„Besorgte Senatoren". Just, als ob noch niemand entführt worden wäre, just als ob jene, die ins Dritte Reich verschleppt wurden, nunmehr ein Schlaraffendasein genössen. Was Wunder, datz die„Zeit", die so über den Schutz von Menschenräubern spottet, zu Mord und Totschlag nichts zu sagen hat, sofern die Mörder und Totschläger Nationalsozialisten sind? Was Wunder, datz sich Henlein zu jenem Deutschland hingezogen fühlt, das Menschenraub und Terror in seiner politischen Arbeit verwendet?!— Es wäre sehr erzieherisch, wenn die Redakteure der „Zeit" einmal so behandelt würden, wie die nach Deutschland Verschleppten behandelt werden. Genosse Senator Dr. Heller spricht heute, Frei^aL um 20,15 Uhx.abends.im. Prager Rund, funk(Kender Libljtz) über„Die aktuellste Aufgabe unserer Politik". Defraudant nach Deutschland geflüchtet. Unregelmäßigkeiten bei der Meisterkrakenkafse der selbständigen Gewerbetreibenden in E g e r führten zur sofortigen Beurlaubung des Kassiers Vogel und des Boten Bartl. B a r t l ist kurz nach Feststellung der Unregelmäßigkeiten aus Eger verschwunden; die Erhebungen in dieser Angelegenheit ergaben, daß er sich über die Grenze nach Deutschland begeben hat, wo er bereits, wie es heißt, einen Arbeitsplatz erhalten haben soll. Flug Karlsbad—Marienbad: 35 K(. Die staatliche Aerolinie hat den Preis für die Benützung der Fluglinie Karlsbad—Marienbad auf Kö 35.— herabgesetzt, wobei allerdings die Benützung der zwischen den beiden Kurorten verkehrenden Flugzeuge mit wenigstens vier Personen Voraussetzung ist. Reichenberger Stadttheater an Dirrkwr Bar- nah vergeben. In der Donnerstag-Sitzung der Reichenberger Stadtvertretung wurde das Stadttheater mit 31 von 40 Stimmen für die nächsten drei Spielzeiten an den Direkwr B a r n a y vergeben. Direktor Barnay leitet: bis zum März 1933 durch zwölf Jahre als Intendant die Vereinigten Theater in Breslau, war vorher drei Jahre in Kattowitz tätig und hatte zuletzt die Direktion des Raimundtheaters in Wien. Der neue Direktor entstammt einer bekannten Künstlerfamilie und es geht ihm ein guter Ruf voraus. Die Mutterschulung der Deutschen Jugendfürsorge. Die Deutsche Jugendfürsorge richtet ab Herbst dieses Jahres eine Wutterschulung ein. Hier soll dem Mädchen, der werdenden Mutter und der Mutter selbst in einem zusammenhängenden Lehrplane alles mitgegeben werden, was sie brauchen, um ein gesundes, frohes und wertvolles Kind aufziehen zu können. Daher beschränkt sich die Mutterschulung der Deutschen Jugendfürsorge durchaus nicht auf Kurse über die eigentliche körperliche Pflege des Kindes. Richtige Beschäftigung des Säuglings upd Kleinkindes, ein Kapitel, das gerade für die vielgeplagte Frau der Arbeiterund Mittelstandskreise von größter Wichtigkeit ist, Erziehungsfragen, kurze Streifzüge durch das weite Gebiet der Vererbung, Bevölkerungspolitik, allgemeine Haushaltungsfragen, Krankheiten und Krankenpflege, kurz das ganze bunte arbeitsreiche Leben, das sich im Haushalte der Frau abspielt, alle Fragen, die für sie als Gattin, Mutter und Hausfrau Bedeutung haben, sollen in der Mutter- sckulung behandelt werden. Selbst darauf' ist nicht vergessen, jeder Mutter durch leichtfaßliche Anleitungen die Selbstanfertigung von billigem, zweckentsprechendem Spielzeug und von Säuglings- und Kinderkleidung die Möglichkeit zu geben, ihren Liebling nicht nur gesund, sondern auch hübsch und froh zu machen. Seite t Freitag, 26. Ium 1936 Sir. 14S Wie verlief die Sonnenfinsternis! Die Beobachtungen in der Sowjetunion Aus Moskau wird uns geschrieben: 300 sowjeirussische und 70 ausländische Gelehrte, in 41 Expeditionen vereint, beobachteten.am 19. Juni in der.Sowjetunion die totale Sonnenfinsternis auf der enormen Strecke von der Küste des Schwarzen Meeres bis zum Stillen Ozean. An acht Beobachtungspunkten von insgesamt 17 verliefen die Beobachtungen glänzend. An sechs Orten waren die Ergebnisse der Beobachtung infolge der Bewöllung nur mittelmäßig, an drei Beobachtungsorten muhten die Beobachtungen wegen völliger Bewölkung und Regens unterbleiben.. Von. außerordentlicher Bedeutung sind die gelungenen Beobachtungen in Ak-Bulak bei Orenburg, wo eine sowjetrusftsche und eine amerikanische Expedition weilten, ferner die Beobachtungen in Sara, wo zwei sowjetrussische Expeditionen, Astronomen der italienischen Akademie der Wiffenschaften und Vertreter der Tschechoslowakischen astronomischen Ge- scstschaft tättig waren, weiter in Omsk, wohin sich zwei sowjetrussische, eine englische, eine japanische und eine polnische Expedition.begeben hatten, in Tosk, wo drei sowjeirussische Expeditionen die Sonnenfinsternis beobachteten, und schließlich in Kuiby- schewo im Fernen Osten, wo die Expedition des Moskauer astronomischen Instituts Forschungsarbeiten zur Nachprüfung des Einstein-Effektes vornahm. Der Vorsitzende des Ausschusses der Akademie der Wissenschaften der STSR Professor G e r a s s i- in o witsch erklärte zur Beobachtung der Sonnenfinsternis, daß die Forschungsergebnisse von zwei sowjetrussischen und einer amerikanischen Funkexpedition besonders wichtig seien. Diese Expeditionen befaßten sich mit der Frage der elektrizitätsleitenden Atmosphärenschichten und ein Mitglied der amerikanischen Funkexpedition erklärte, daß die Ergebnisse, die bei den Beobachtungen gewonnen wurden, vollends bestätigen, daß die elektrizitätsleitenden Sira- tosphärenschichten, die die Verbreitung der Funkwellen längs der Erdoberfläche bedingen, infolge der ultravioletten Strahlen entstehen und nicht, wie angenommen wurde, durch elektrisierte Partikelchen, die mit gewaltiger Geschwindigkeit von der Sonne zur Erde streben. Von der Sonnenkorona wurden während der Verfinsterung, über 50 Aufnahmen gemacht. Die Korona hatte die Form eines fünfzackigen Sternes, der aus fünf großen silberweißen Strahlen bestand. Die Länge der Strahlen erreichte fünf Durchmesser der Sonnenscheibe. In Omsk währte die Phase der totalen Sonnenfinsternis 136 Sekunden. Es waren zwei große Protuberenzen sichtbar, von der Korona, der infraroten Strahlung des Spektrums usw. wurden Aufnahmen gemacht., i«' 1•' In Tomsk haben die Sowjetgelehrten trotz starker Bewölkung fünf Aufnahmen des Spektrums gemacht. Der Typ der Korona war dem Maximum nahe. Es waren Fackeln und zwei große^und eine kleine Protuberenz von roter Färbung sichtbar. Trotz starken Leuchtens der Korona waren im Augenblick der totalen Sonnenfinsternis am Himmel sieben Sterne zu sehen. Ideal waren die Witterungsverhältnisse in Sara, wo Aufnahmen der Korona in infraroten und blauen Strahlen, vier Aufnahmen des Spektrums usw. gemacht wurden. Die Ergebnisse der Beobachtungen im Dorfe Beloretschenskaja werden in den nächsten Tagen erforscht werden. Mit Hilfe eines standardmäßigen Koronographen wurden zehn Aufnahmen einer partiellen Phase der Sonnenfinsternis und zwei Aufnahmen der totalen Phase gemacht. Während der Finsternis waren die Venus und zwei andere Sterne vorzüglich sichtbar. Besonders interessante Ergebnisse sind von dem in Kuibyschcwo gewonnenen Material zu erwarten. Mit Hilfe einer besonderen Anlage, mit der vier Aufnahmen gcniacht wurden, ist dort der Einstein- Effekt nachgeprüft worden. Während der Sonnenfinsternis waren fünf bis sechs flammende Protuberenzen. von einer Höhe von etwa einem Sechstel der Größe des Sonnenradius sichtbar. Ucberall, wo die Sonnenfinsternis beobachtet wurde, war während der partiellen Sonnenfinsternisphasen und während der totalen Sonnenfinsternis ein starkes Sinken der-Temperatur zu verzeichnen. So z. B. sank in Omsk die Temperatur von plus 22 auf plus 11 Grad. Auch die Beobachtung der Tiere Vom Rundfunk Imptahlenswertai aus den Programme«> Samstag: Prag, Sender L: 7: Konzert, 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Operngesänge, 14: Buntes Konzert, 16.50: Klavierkonzert, 17.55: DeutscheSendung: Im Fluge durch Marienbad, Reportage. 18.45: Deutsche Presse, 20.45.: Unterhaltungsmusik, 22.15: Blasmusik, 22.30: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Populäres Konzert, 14.30: Schallplattenkonzert, 15.15: Deutsche Sendung: Buntes Konzert, 15.50: Deutsche Prdsse.— Brünn 12.05: Beethoven: IV. Klavierkonzert, 12.35: Mittagskonzert. 17,40: Deutsche Sendung.: Das Volkslied von der Wiege bis zum Grabe, 20.30: Konzert.— Preßburg 14.15: Opereitengesänge.— Mährisch-Ostrau 16.05: Konzert, ergab viel wertvolles Material. Die Tiere verhielten sich in der gleichen Weise, wie die Nacht anbricht: Die Nachteulen verließen ihre Nester, Hühner und Haustiere machten Anstalten, einzuschlafen usw. Sehr interessante Ergebnisse verheißen die Beobachtungen,. die aus der Luft und auf hoher See gemacht wurden. In Krasnodar, in Omsk und in Moskau sind drei Substratosphärenflugzeuge aufgestiegen. In Krasnodar stieg mit einem Substratosphä- renballon der Astronom Schistowski auf, der während des Fluges, welcher 1 Stunde 27 Minuten währte, 1.000 Aufnahmen. der verschiedenen Fin- sternisphasen machte. Gleichzeitig beobachtete der Pilot Popow die Einwirkung der Sonnenfinsternis auf den Flug des Substratosphärenballons. In Krasnodar ließ die Expedition des Aerologischen Instituts vier Registrierballons aufsteigen, von denen einer eine Höhe von 20 Kilometer erreichte. In Omsk stieg der Substratosphärenballon bis zu einer Höhe von 9.200 Mter auf und blieb 4 Stunden 50 Minuten in der Luft. Während dieser Zeit nahm der Astronom Kulikowski alle erforderlichen Beobachtungen vor. In der Nacht auf den 19. Juni stieg in Moskau ein grptzer Substratosphärenballon auf und erreichte eine Höhe von 7000 Meter. Der Ballon blieb mehr als sechs Stunden in der Luft und während dieser Zeit machte der Direktor des Moskauer Planetariums sechs Photoaufnahmen und fertigte viele interessante Zeichnungen an. In Kras- nodark stiegen Astronomen im Flugzeug bis zu einer Höhe von 5000 Meter auf, wo es ihnen gelang, mhrere Photoaufnahmen der Sonnenkorona zu machen. Zum erstenmal in der Geschichte der Astronomie wurden während der totaien Soni.enfinsternis auf hoher See hydrometeorologische Beobachtungen vorgenommen. Die Beobachtungen erfolgten auf dem Schwarzen Meer unter der Leitung des korrespondierenden Mitgliedes der sowjetrussischen Akademie Schuleikin. Es gelang der Expedition, inte- reffante Angaben über den Wärmeaustausch zwischen dem Meer und der Atmosphäre während der Sonnenfinsternis zu gewinnen. Das von den Expeditionen gewonnene Material wird jetzt von Astronomen, Geophysikern, Meteorologen, Biologen und Vertretern anderer wissenschast- lichcr Zweige, die sich an den heurigen Beobachtungen in der Sowjetunion beteiligten, eingehend studiert und bearbeitet werden. Granit oder Brei? „Nie stand die Front Henleins granitener da als gerade jetzt". Ans einem Henleindlatt. Henlein-Granit hat eigne Oualitäten, Wie sie aus diesem Gleichnis wohl ersehn, Bian kann ihn spalten, durch die Mangel dreh», And ihn wie Gummi biegen oder kneten—. Der Fachmann muß sich staunend revidieren. Da der Granit, der sonst graniten hält, Wenn wir ihn nach Herrn Henlein variieren, Just wie ein Pudding auseinanderfällt! Ein Phänomen—. Man muß es sehr brachten, * Hier wird Granit uns offeriert als Brei, And wenn auch selbst dir Setzmaschinen lachte», Tas Wort, es steht—. So fest wie die Partei! Soviel Granit wird Henlein kaum vertragen. So manches Luftschloß braucht zwar eine» Grund, Graniten ä la Kasper sozusagen—, Sie spalte« sich und drum sind sie gesund! Pierre. Wolkenbruch über Znalm lieber 3 n a im und der weiteren Umgebung ist Mittwoch nachmittags ein Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen und Hagelschlag niedergegangen, das große Schäden verursacht hat. Nach dem zwei Stunden lang andauernden Sturzregen schwollen die Flutzläufe an und traten vielfach über die Ufer. Die Wassermassen überschwemmten die niedriger gelegenen Orte, Keller und Wohnungen und verursachten an Wohn- und Wirtschaftsgebäuden Schäden. Stellenweise wurde auch die Ernte auf den Feldern, in Gärten und Weingärten beschädigt. Auch die Eisenbahnstrecke wurde zwischen Znaim und Olbramkestal in einer Länge von ungefähr einem halben Kilometer durch die Waffermaffen unterspült und der Verkehr mußte eingestellt werden. Vielfach schlug der Blitz ein und zündete. Feuerwehr, Gendarmerie, Polizei und Militär mußten in vielen Fällen'Hilfe leisten. Opfer an Menschenleben sind nicht zu verzeichnen. Der Schaden ist vorläufig nicht genau abzuschätzen. Bilder vom Streik in Belgien Das Gewitter ging auch nordöstlich von Brünn in Bilovice und Lisen nieder, wobei drei Personen Verletzungen davontrugen. „Geisterdieb"— Meisterdieb. Der von den Multimillionären von Long Island gefürckuete und von der-Polizei seit Jahren gesuchte„Geisterdieb" suchte in der.Nacht zum Donnerstag zwei feudale Besitzungen in Loeust Valley auf und stahl Juwelen im Werte von insgesamt einer halben Million Dollar. In dem einen Falle drang der„Meisterdieb" in die Besitzung des Ehepaares William 11. R. Coe ein, die wegen ihrer Orchideengärten und Rennställe sowie ihrer 750 Morgen großen Parkanlage in ganz Amerika berühmt ist. Während im Garten eine Bridge-Gesellschaft stattfand, gelang es dem Dieb trotz der Anwesenheit von 52 Dienern, Privatdetektiven und Wächtern und einem Dutzend dänischer Doggen über eine Veranda in das Schlafzimmer des Millionärs zu klettern und dort, während dieser schlief, ein berühmtes Perlenhalsband und andere Schmucksachen im Werte von 400.000 Dollar zu stehlen. Wie üblich, konnte der Geisterdieb entkommen, ohne die geringste Spur zu hinterlassen. Piccard fliegt nochmals. Der bekannte Stratosphärenflieger Professor Pieeard beabsichtigt in Minneapolis in einem Ballon neuer Konstruktion zu einem Flug in die Stratosphäre zu starten. Professor Pieeard hofft, den bisherigen Höhenrekord zu schlagen. Großspionage. Gegen den ehemaligen USA- Matrosen Thompson und den japanischen Marineoffizier Teshio Miyazaki in Absentia ist offizielle Anklage wegen Spionage erhoben worden. In den Fall ist angeblich eine große Zahl von Personen verwickelt. Thompson hatte mehrere Jahre lang, als höherer Offizier verkleidet, auf den USA-Kriegsschiffen GeheimschriftschlüffeU Kopien von Plänen für von der Marineleitung geheim gehaltene Flottenmanöver im Stillen Ozean und Pläne neu konstruierter Bombenflugzeuge und Motoren gestohlen und an Miyazaki weiterverkauft.- Zn dem Eisenbahnunglück in Spanien, in der Provinz Galizien, kam es dadurch, daß der Zugsführer des Schnellzuges infolge einer zweistündigen Verspätung auf der vor dem Tunnel liegenden Station San Miguel de la Sduenas nicht das Abfahrtssignal des Stationsvorstehers abwartete. Der Maschinist des entgegenkommenden Güterzuges sah die Katastrophe kommen, brachte den Zug am Eingang des Tunnels zum Halten und flüchtete dann in die naheliegenden Berge, wo man ihn später in einem Zustand der Verzweiflung wiederfand. Der Heizer des Güterzuges konnte sich nicht mehr rechtzeitig retten und kam ums Leben. 1 Fünfzig Jahre FürftenvertreibÜng in Frankreich. Vor fünfzig Jahren, am 23. Juni 1886, erhielt das Gesetz Rechtskraft, durch das dit Angehörigen der in Frankreich früher regierenden Fürstenhäuser des Landes veriviesen wurden. Dieses Gesetz hatte im Parlament zu lebhaften Auseinandersetzungen geführt; aber nicht darum, weil die Royalisten gegen seine Annahme waren, sondern vielmehr, weil die Gegner des Antrages die Meinung vertraten, daß bereits damals die Republik so gesichert war, daß man eine so „unmenschliche" Maßnahme nicht zu treffen brauche. Unter das Gesetz fielen zunächst der Graf von Paris, der Herzog von Orleans, der Prinz Napoleon und sein ältester Sohn. Noch am Tage der Verkündung des Gesetzes verließ der Graf von Paris sein Schloß, um sich in die Verbannung zu begeben. Der Abschied wurde mit allem Prunk gefeiert. Eine Menge von etwa 2000 Personen stand Spalier. Seit damals sind, wie man Iveiß, die Mitglieder sowohl des Hauses Bourbon, wie die des Hauses Bonaparte nie mehr nach Frankreich zurückgekehrt. Der heutige Thron- prätendant, der Herzog von Guise, lebt in Belgien. 15 Millionen Exemplare des Verfassungsentwurfes der SSSR(s). Nach einer Mitteilung der„Leningradskaja Pravda" vom 15. Juni wurde« vom Parteiverlag 15 Millionen Exemplare der neuen Sowjetverfassung gedruckt, um diese den Massen bekannt zu machen. Knrpanschalaufenthalte der ESD für Einzelpersonen. Diese können wann immer angetreten und auf beliebig lange Zeit verlängert werden, so z. B. auch in der Hochsaison(Juli—August): Drei Wochen in Tatranskä Lomnice XL 1390.—(Hotel Lom- nica und Slovenskh Dom) oder XL 1740(Grand Hotel Praha), in Strbske Pleso XL 1275(in Villen) oder XL 1695.— im Hotel Krivän oder XL 2115.— im Grand- Hotel Hviezdoslav, Lubochüa in der Slowakei XL 980.—, Johannisbad XL 890.—, Marienbad XL 1100.—(Hotel Casino),Joachimsthal XL 1205.— und Karlsbad XL 1100.—. In Tatranskä Lomnice billige Bäderkur für Teilnehmer in der Staatlichen Wasserheilanstalt XL 250.— inklusive ärztlicher Behandlung. In den angeführten Preisen inbegriffen sind beide Fahrten, Logis, Verpflegung, Trinkgeldablöse, Taxen usw. Anmeldungen für die Hochsaison mögen rechtzeitig im Basar neben dem Wilson-Bahnhof Fernruf 883-35 vorgenommen werden. Prospekte eventuell telephonisch dortselbst. Wahrscheinliches Wetter heute: Veränderliche Bewölkung, nur ganz vereinzelt Schauer oder Gewitter, Temperatur wenig verändert oder etwas kühler. Mäßiger Nordwestwind. Wetteraussichten sür Samstag: Allgemeiner Witte« rungscharakter vorderhand unverändert, Nr. 149 Zugsunglück in Italien. In der Station Seveso bei Mailand ist eine Lokomotive auf einem stehenden Personenzug aufgefahren. 32 Personen wurden verletzt. Der Jdiotenklub.( MTP.) In einem Theater in Stopenhagen läuft zur Zeit ein Stück, das in der Deffentlichkeit stark umstritten ist. Erregt durch die zum Teil abfällige Kritik hat nun die Trägerin der Hauptrolle, eine der berühmtesten dänischen Schauspielerinnen, öffentlich erklärt, daß sie alle als Jdioten bezeichnen müsse, denen das Stück nicht gefalle. Diese Erklärung hat einen Entrüstungssturm bei den betreffenden Kritikern entfesselt, die sich zusammensetzten und einen öffentlichen Aufruf erließen, in dem die Gründung des Vereines der Gegner des Stücks vor geschlagen wurde. Auf diesen Aufruf meldeten jich Tausende. Die tonstituierende Sigung trat an einem Sonntag vormittags zusammen. Man hatte als Raum das Theater gemetet. Der Verein beschloß stolz, den Namen diotenklub" 311 führen. Als Ziel seiner segensreichen Tätigkeit ist die Pflege der Kunst und Literatur vorgesehen. Der Unterrock tommt wieder. Der in Beziehungen zur Damenmode stehende Teil unserer Tertilindustrie trifft auf Grund der ihm aus Italien zukommenden Mitteilungen Anstalten, jich betriebstechnisch auf die Rückkehr des Unterrods in der Damenmode des kommenden Winters vorzubereiten. Zum Aufkommen dieser ,, neuesten" Mode trug wesentlich der Film bei. Die italie nischen Filme bevorzugen nämlich seit geraumer Zeit das Milieu des fin- de- siècle und in Anlehnung an dieses wird nun die italienische Damenmode des kommenden Winters im Zeichen des Unterrockes stehen. Die Damenkleider werden zu diesem Zwecke so geschnitten sein, daß der Rod hinten etwas kürzer ist als vorn, um dem Unterrod Gelegenheit zu geben, hervorzuschauen. Der. Unterrock besteht in der Mehrzahl der Fälle wenn die Trägerin ganz modern sein will aus reich gefälteltem Taft. Das frou- frou" ist also wieder da. Der Golfstrom als Wettermacher. Professor J. W. Sandström, Direktor des Meteorologischen Instituts von Stockholm, hat soeben in einem Interview erklärt, daß er auf Grund seiner langjährigen For schungen vom nächsten Jahr ab fähig wäre, die Wetterbedingungen für West- und Nordwesteuropa je weils auf ein Jahr vorauszusagen. Sandström ist ein Erpert in der Beobachtung des Golfstroms und der Hauptvertreter der These, daß die Wetterlage Europas aufs Allerjtärkste durch jeweilige Verände rungen des Golfstroms( Wärme, Lauf) beeinflußt werde. Sandström kontrolliert von ihm eingerichtete Beobachtungsstationen in Spißbergen, auf den FaröInseln, in Grönland, Norwegen und den ShetlandInseln. Vor zwei Jahren gelang ihm der wissenschaftliche Nachweis, daß der Golfstrom die Richtung seines Laufes entscheidend geändert habe. Auf diese Veränderungen führt der Forscher die Unregelmäßig feiten der europäischen Wetterverhältnisse der letzten Beit zurüd. Rinderkrippen in Leningrad.( 8.) Die ,, Leningraditaja Pravda" vom 30. Mai berichtet, daß die 3ahl der Krippen und Kinderhäuser in Leningrad bon Jahr zu Jahr zunimmt. So gibt es in diesem Jahre in Leningrad, den Vorstädten und Kronstadt 14.845 Kindergrippen gegen 5590 im Jahre 1931. In Leningrad selbst gibt es in diesen derzeit 59.500 gegen 35.600 Kinder fünf Jahre vorher. Kinder Wenn der Holunder blüht Von E. Aldt Freitag, 26. Juni 1936 Krisenfeste Dividenden Gefamt fumme der ausgezahlt. Dividende inozent des AktienIn den zahlreichen Unternehmerkundgebun- senjahr nur drei aus, in den übrigen Jahren gen wird jedesmal der Eindruck hervorgerufen, noch weniger! als ob die Wirtschaftskrise die Unternehmer aller Die Dividendenausschüttung nahm seit 1929 Wirtschaftszweige außerordentlich schwer bedrücke. die folgende Entwicklung: Wir erleben es immer wieder, daß bei jedem Versuch der Sozialdemokratie, die sozialpolitische Gefeßgebung einen Schritt vorwärtszubringen, die Krisenwirkungen für die wirklichen Opfer ein wenig zu mildern, die Unternehmerverbände in Industrie, Handel und Gewerbe Protestresolutionen fabrizieren, in denen sie den Zusammenbruch der Wirtschaft prophezeien. Dabei halten sich auch jene Unternehmer nicht zurück, die an der Krise ziemlich gut vorbeigekommen sind. agu 1929 Bahl der Gefell 8 if or schaften fapitals 15 5,895.000 8.33 1930 14 5,805.000 8.44 1931 13 5,625.000 8.18 1932 12 5,940.000 8.19 1933 1934 13 14 6,210.000 6,950.000 7.99 8.40 Es sind in der tschechoslowakischen Wirtschaft einzelne Unternehmungszweige vorhanden, die Die in jedem Jahr zur Auszahlung gekommene durch die Krise keine Erschütterung erfahren Gesamtsumme hat sich von ihrem Höchststand im haben. Daneben gibt es zahlreiche Unterneh- Jahre 1929 bis zum Jahre 1934 weiter reicht die Statistik nicht nur um 270.000 kronen mungen, die nur wenig von ihr berührt worden berringert. sind, so daß ihre Rentabilität nur schwach zu= rückgegangen ist. Leider besteht keine Möglichkeit, allgemeine zuber lässige Erhebungen vor allem für die Einzelun ternehmungen anzustellen. Ein gewisser Maßstab in allerdings begrenzter Zuverlässigkeit können dafür die Bilanzen der Aftiengesellschaften sein. Aber auch die Aktiengesellschaften haben bei der Rechnungslegung so viele Möglichkeiten, die tatsächliche Ertragsentwicklung zu verschleiern. Schon bei der Errechnung des Rohgewinnes, noch mehr aber bei der Feststellung des sogenannten Reingewinns fönnen namhafte Beträge in der Bilanz so verschoben werden, daß eben nur das erscheint, was dem Verwaltungsrat der Aftiengesellschaft genehm ist. Seither ist sie wieder im Steigen begriffen und hat 1934 den Höchststand von 1929 um Kč 1,055.000.- überschritten. Nach den bis jetzt veröffentlichten Abschlüssen der Versicherungs anstalten für das Geschäftsjahr 1935 ist mit einer weiteren Zunahme der ausgezahlten Dividendensumme zu rechnen. Aus dieser Aufstellung ist zu ersehen, daß das private Versicherungsgeschäft für die Aktionäre ich wirklich lohnt. Es hat ihnen auch in den Krisenjahren ununterbrochen hohe Gewinne abgeworfen. Mehr als 30 Millionen Kronen haben die Af= tionäre von 12 bis 14 Versicherungsgesellschaften in den Jahren von 1930 bis 1934 eingeheimst. Im allgemeinen steht fest, daß der wirklich er- Das hat jedoch die Versicherungsanstalten nicht zielte Reingewinn viel höher ist, als er ausge- abgehalten, die Gehälter ihrer Angestellten herabwiesen wird, und als er sich durch die Berückzujeßen und ihnen auch sonst Verschlechterungen sichtigung der vorgenommenen Abschreibungen, ihrer Arbeitsverhältnisse aufzuzwingen. Investitionen und andere Bilanzmanipulatio= nen korrigieren läßt. Daß auch von der Dividendenhöhe nicht ims Belebung im Außenhandel Skandinaviens. mehr ein zuverlässiger Schluß auf den tasächlichen Die Entwicklung des Außenhandels der drei Reingewinn gezogen werden tann, ist ebenfalls standinavischen Länder Schweden, Norwegen und bekannt und muß besonders bei den Dividenden Dänemark war im Monate Mai weiter günstig. ausschüttungen in diesem Jahre beobachtet wers Besonders die Umsäße Schwedens nahmen den. Denn in einer Zeit, in der die Unterneh- neuerdings zu und ergaben auf der Einfuhrseite mer über unrentable Produktion, über hohe so- 129,9 Mill. Kr gegen 122,0 im Vorjahrsmai, ziale Belastungen, über unerträgliche Steuern auf der Ausfuhrseite 129,0 gegen 116,9 mil. und noch manches andere fortgesetzt klagen, in der Kr. Ganz wesentlich ist somit der Export gestiesie mit diesen Argumenten auch die Arbeiter- gen. In den ersten fünf Monaten betrug die löhne auf dem tiefsten Stand halten, scheint| Einfuhr 634,2( im Vorjahre 566,6) Mill. Kr., es den meisten von ihnen angezeigt zu sein, bei die Ausfuhr 541,4( 462,1) Mill. Kr. Auch die den Dividenden keine allzu herausfordernden Außenhandelsziffern Norwegens stiegen Erhöhungen eintreton zu lassen. im Mai: Die Einfuhr betrug 78,38( im Mai Umso bedeutsamer ist es, wenn ein ganzer Zweig 1935 75,3) Mill. Kr., die Ausfuhr 48,65 unserer Wirtschaft durch seine Dividendenaus Mill. gegen 46,7. Die norwegischen Fünfmonatsschüttungen den Nachweis erbringt, daß ihm die ergebnisse erreichten bei der Einfuhr 355,2 Mill. Strife wirklich nichts angetan hat. Es handelt sich Str. gegen 317,2; bei der der Ausfuhr 268,0 dabei um das Versicherungsgewerbe. gegen 234,9 Mill. Kronen. Die Einfuhrsteigerung Nach einer Aufstellung in dem Bulletin der Dänemarts steht teilweise im ZusammenNationalbank zahlten von 25 Versicherungsanstal, hange mit der viermonatlichen( stets im Jäns ten mit einem Aftienkapital von 115.2 Millionen ner, Mai und September) EinfuhrbewilligungsKronen Aktienkapital im Jahre 1929 15 Aktien zuteilung des Valutakontors. Sie erreichte 138,8 gesellschaften, die über 70.7 Millionen Kronen Mill. Kr. und übertraf somit das Aprilergebnis Aktienkapital verfügten, insgesamt 5,895.000 Kč um 38,8 Mill. Kr. und die Einfuhr im Mai 1935 Dividende. Von diesen 15 dividendezahlenden um 15 Mill. Kr. Ebenso stieg die Ausfuhr im | Versicherungsanstalten fielen im schlimmsten Kri-| Mai 1936 um 9,5( gegen April 1936). mat it. Der„ Fliedertee" z. B., jenes wohlbe- lang" genannt. Man pflanzt es auf das friſche L Fade Sommerfrische! Seite 5 Du könntest doch nach den Stricknadeln tauchen, die mir ins Wasser fallen! Ausland Die Konferenz für Asylrecht Paris.( Tsch. P.-B.) Die internationale Konferenz für Ashlrecht hat ihre zweitägigen Beratungen mit der fast einstimmigen Annahme zahlreicher Resolutionen abgeschlossen. Es wurde u. a. ein Entwurf betreffend die Regelung des Asylrechtes angenommen, der den politischen Emigranten internationale Bässe und Identitätsnachweise, das Recht auf Arbeit, die Möglichkeit der Teilnahme am kulturellen und sozialen Leben, in dem Lande, das sie sich als Zufluchtsstätte gewählt haben, das Ausweisungsverbot u. ä. sichert. Dieser Gefeßentwurf wird dem Völkerbunde und den verschiedenen Staaten als Muster für ihre Gefeßgebung vorgelegt werden. Zahlreiche Mitglieder ausländischer Parlamente, die verschiedenen politischen Parteien angehören, versprachen, sich in den Parlamenten ihrer Staaten für die definitive Regelung dieser Frage zu verwenden. Eine besondere Resolution verlangt die Amnestierung aller im Gefängnis oder in Haft befindlichen politischen Emigranten und die Aufhebung der be( reits ergangenen Ausweisungsbefehle. Eine an dere Resolution perurteilt die Entführung von Emigranten u. ä. Die Konferenz wählte einen internationalen Ausschuß zur Hilfeleistung für die politischen Flüchtlinge und eine Delegation, welche anfangs Juli an der Konferenz der Regierungen teilnehmen wird, in welcher Fragen der politischen Flüchtlinge zur Verhandlung gelangen werden. Die viergliedrige tschechoslowakische Des legation mit Dr. Rádl an der Spize hat wirksam in die Kongreßberhandlungen eingegriffen. Nicht nur als Arznei, sondern auch als Sympathiemittel fand der Baum Verwendung. Nach alter Holunder, der ein echtes Kind unserer Hei- Holunderholz voran. Dieses Kreuz wird ,, Lebefannte Hausmittel für Schwizkuren, wird aus Grab und wenn es zu grünen beginnt, dann Plinius werden die Masern vertrieben, wenn man den getrockneten Blüten des Holunderbaumes be- glauben die Angehörigen, daß dem Toten die die befallenen Körperstellen mit einem Holun Sommersonnenwende! Auf den Bergen lo- reitet. Das Wort„ Fliederbaum" stammt aus dem ewige Seligkeit beschieden sei. Auch im Banat fin- derzweig peitscht. Werkwürdig ist der Irrglaube, Althochdeutschen und bedeutet etwa Flatter det der Holunder Verwendung beim Totentult. daß der Holunder eine Krankheit aufnehmen derten wieder die Johannisfeuer. Glühwürmchen baum", verständlich im Hinblick auf die zahllosen, Man legt dem Toten einen Zweig in den Sarg fönne. So sollte man z. B. den Rotlauf auf den schwirren durch die laue Nachtluft und der Ho- zu Boden flatternden weißen Blütensternchen, die und streut Holunderbeeren unter den Sarg. In Baum übertragen" tönnen, und dadurch die lunder steht in voller Blüte. Sommerstimmung der Baum überreich in alle Winde streut. der Slowakei macht man aus dem Mark des Bau- Krankheit loswerden. Auch Fieber und Auszehliegt über der Natur. Die Höhe des Jahres ist Vielerlei Heilkräfte sollen dem Baume inne mes die sogenannten„ Holundermännchen", die rung wollte man in den Baum hineinbannen, erreicht. Uralte Bräuche leben heute noch im wohnen. Es ist nicht unberechtigt, wenn ein Autor als„ Diener des Todes" aufgefaßt werden. übrigens eine gefährliche Sache, denn er war nun Volfe, uralter Glaube an Wunderkräfte, die sich ihn als„ die lebende Hausapotheke des Ginöd- Uebrigens erwähnt schon Tacitus, daß das Holz ansteckend für andere Menschen. Allerlei Zauber entfalten, um die Zeit der Sommersonnenwende bauern" bezeichnet. Alles an ihm wird verwen- des Holunders bei der Leichenbestattung Verwen- knüpft an den Holunderbaum an: ein Dieb muß, und vor allem in der Johannisnacht, der Nacht det: die Blüten und die Beeren, die Blätter, das dung fand. Nicht überall erfreut sich der Baum was er gestohlen hat, wiederbringen, wenn man, Holz, ja selbst die Rinde, das Mark und die Wur- der gleichen Beliebtheit wie bei uns. In Rußland vor Sonnenaufgang, mit der linken Hand eine zel. Und wie seltsam sind, besonders in früheren und Polen gilt er als ein unheimlicher Baum. Holunderstaude, gegen Often gewendet, niederWie lange schon der Holunder ein Begleiter drückt. Je stärker man drückt, desto schneller muß Zeiten, oft die Verwendungsarten gewesen! Der Holunderbaum gehört so recht zum Bilde der menschlichen Siedelungen ist, beweisen Funde der Dieb kommen. Auf dem Lande stellt man häufig unter Zudes deutschen Bauernhauses. Fast bei jedem Hause aus der Bronzezeit. Schon der prähistorische sieht man ihn grünen und blühen und das ist nicht Mensch scheint Beziehungen zu dem Baum gehabt hilfenahme von Holunderblüten ein moussiereneben verwunderlich, denn er kann selbst auf dürf- und seine Heilkräfte gekannt zu haben. Es ist un- des Erfrischungsgetränk, eine Art Limonade, her. tigstem Boden noch gut gedeihen, selbst auf Schutt glaublich, wie viele Leiden die wundertätige In ein Glasgefäß kommen Wasser, Zucker, Zitround. Abraum, und ohne jede Pflege. Vögel ver- Pflanze heilen soll. Im Altertum wurde Solun- nensaft und Holunderblüten. Nachdem man das schleppen seine Samen und in wenigen Jahren ist der als gynäkologisches Medikament und als harn- Glas einige Tage an der Sonne stehen gelassen, er zum üppigen Busch aufgeschossen, der alljähr- treibendes Mittel verivendet. Bald sollte er Pos bis sich Glasbläschen entwickeln, wird die Flüsvor dem 24. Juni. Am Johannistag muß gebadene Holler fücheln essen, wer Bank und Streit und besonders Chezerwürfnisse fernhalten will. So will es der Brauch in vielen Gegenden, besonders in den Alpenländern. Die Hollerfücheln sind die in Teig getauchten und in Schmalz gebackenen Blütendolden des Holunderstrauches.„ Wer am Johannistag gebackene Hollerfücheln ist, wird das ganze Jahr nicht mehr frank" sagen die Leute in manchen Gegenden Süddeutschlands. enthält, dafür aber stark Mit dem Holunderstrauch hat es überhaupt lich seine weiße Blütenpracht entfaltet. Einen dagra heilen, bald Spulwürmer vertreiben, gegen figkeit auf Flaschen gefüllt und in den Keller ge eine eigene Bewandtnis. Viel Heimliches und Holunder darf man nicht fällen, denn Frau Holle Kolik konnte er helfen, ebenso wie gegen Bahn- stellt, wo sie weitergärt. Nach zwei Wochen ist Unheimliches wird um diesen Baum gesponnen weiter und ist das Haus vor bösen weh, Entzündungen und Geschwüre. Als schweiß- das Getränk fertig, das merkwürdiger Weise faft und allerlei seltsame Bräuche haben sich bis auf Geistern. Und muß man es dennoch tun, dann treibender Tee erfreut er sich allgemeine Ver- gar keinen Alkohol ein im Bolt erhalten. In vielen von ihnen sind chen, wie es z. B. in Bolen heute noch hie und da soll man um Mitternacht pflücken, am besten in nichts zu schmecken. Läßt man sie aber weg, so unsere Tage, bis in unsere aufgeklärte Zeit hin soll man dazu allerlei Beschwörungsformeln spre vendung. Aber Holunderblüten für diesen Tee moussiert. Von den Holunderblüten ist weiter christlicher Glaube und Seidentum in wundersch sein soll, um Unglück und Tod abzuwen- der Johannisnacht, in der nach altem Glauben, entsteht ein Getränk, das alkoholhaltig ist. Hat licher Weise mit einander verquidt. den. Auch darf man das Holz nicht verbrennen, die Heilkräuter alle ihre höchste Wirkung entfal- Frau Holle den bösen Geist des Alfohols ausge= sollen nicht Krankheit und Viehseuchen ihren Ein- ten. Denn die Johannisnacht ist eine Geistertrieben? Hier ist die Wissenschaft ihr auf ihre " Schon der Name erinnert an Frau Holle, zug halten. Wer unter dem Holunderbusch ein- schwärmzeit", unheimlich und von geheimen Kräf- Schliche gekommen. Gärung von Zuckerlösungen denn die alte Bezeichnung war Solluntar, schläft, der hat schöne Träume und ist sicher vor ten voll... Ueberall spiel der Wunderglaube ist die Wirkung von Hefepilzen, die überall reichdas bedeutet: Baum der Holla oder Berchta, jener bösem Zauber und Schlangenbiß. Wo ein Holun- mit hinein in den Glauben an die Heilkräfte des lich vorkommen. Die meisten Hefeforten aber verNaturgöttin der alten Germanen, die einst hohe der steht, da ſchlägt der Blitz nicht ein. Grund Baumes. Albertus Magnus, der große Alchimist gären den Zucker nur bis zu Alkohol und nicht, Verehrung genoß als Herrin der Liebe, der Wol- genug aljo, ihn zu schonen und zu schüßen. Wer des 13. Jahrhunderts, gibt an, daß, wenn man oder nur zum geringen Teil, zu Kohlensäure. Die fen und des Spinnrockens und die besonders in ihn gar pflanzt, will damit die Geister der Un- die Rinde des Baumes von unten nach oben Rolle der Holunderblüten besteht nun darin, eine den Alpenländern noch in vielen alten Sagen und tervelt günstig stimmen. Sein Ansehen ist in schabt, ihr Saft ein Brechmittel liefert, ein Ab- bestimmte Sefeforte, die in ihrem Nektar lebt, in Volfsbräuchen weiterlebt. Da der Holunder oder manchen Gegenden so groß, daß man, wie ein führmittel dagegen, wenn man von oben nach die zu vergärende Flüssigkeit einzuführen. Durch Soller vielfach auch& I i e der genannt wird, gibt alter Bauernspruch sagt, vor ihm den Hut ziehen unten schneidet. Derselbe Aberglaube findet sich die Lichtwirkung wird nun diese bestimmte Hefees wohl zuweilen Verwechslungen mit dem eben müsse. In manchen Gegenden Deutschlands nimmt merkwürdiger Weise in den verschiedensten Län- raffe denn anderen gegenüber in ihrer Entwidfalls als Holler oder Flieder bezeichneten Syrin- der Totengräber unter Schweigen, das Maß zum dern: in Rumänien Rußland, Sibirien, ja selbst. lung gefördert, und sie macht gründlichere Arbeit, genbaum unserer Bartanlagen, der unserer Vege- Sarg mit einem Holunderstab. In Südtirol trägt bei gewissen Indianerstämmen. Tatsache ist nur, indem sie den Alkohol noch weiter abbaut zu tation nicht ursprünglich angehörte wie unser man in manchen Orten dem Sarg ein Kreuz aus daß die Rinde beide Wirkungen ausübt. Kohlensäure. Seite 6 Festgewachsene Tiere Von C. Aldt Wir pflegen uns das Tier im Gegensatz zur Bilanze als frei beweglich vorzustellen. Indessen wäre es ganz falsch, alle frei beweglichen Lebewesen als Tiere und alle festgewachsenen als Pflanzen anzusehen. Nicht das ist es, was die Organismen in die zwei großen Gruppen der pflanzlichen und der tierischen Lebewesen scheidet, sondern die Art und Weise, wie das Wesen seinen Körper aufbaut, wie es feine Nahrung erwirbt und bereitet, ob es sich ..selbständig" ernährt, wie die grüne Pflanze, d. H. unter Zuhilfenahme der Sonnenenergie von Luft und Bodenfeuchtigkeit lebt, oder ob es darauf angewiesen ist, organische Nahrung, bestehend aus Fettstoffen, Eiweiß, Kohlehydraten usw. aufzunehmen, also grob gesagt: zu fressen, Tiere oder Pflanzen zu töten, um sich in den Besitz ihrer Körperstoffe zu sehen. Der nahen stammesgeschichtlichen Verwandt schaft der niedersten Tiere und Pflanzen entspricht es, daß auf der untersten Stufe des Lebens, bei den einzelligen Wesen, die festsitzende oder frei bewegliche Lebensweise noch durchaus nicht charakterisierend er scheint. Die erste hat sich bei den Pflanzen im Laufe der Entwicklung herausgebildet als die zweckmäßigste Lebensform, die den pflanzlichen Ernährungsbedingungen offenbar am besten entspricht. Der feste, un veränderliche Platz an der Sonne, die sichere Veranferung im waſſerſpendenden Boden sind die wich tigsten Erfordernisse. Das Tier muß Beute erjagen oder immer neue Weidepläße aufsuchen, muß dem Nahrungserwerb nachgehen. So will es die Regel ,, Sozialdemokrat" reits einen Zellenstaat darstellt. Sie sind freilich jen: verschiedener Tiergattungen kommt, dafür sorgt der Freitag, 26. Juni 1936. Nr. 149 Vielzeller, welche wir als die niederst organisierten chemische Sinn der winzigen, meist mikroskopisch fleis Der beiliegende Erlagschein ist zur ansehen, weil bei ihnen die Differenzierung der ver schiedenen Körpergewebe, die Ausbildung verschie dener Organe nur den niedersten Grad erreicht. Os es mit der festsigenden Lebensweise zusammenhän gen mag, daß sie es zu keiner höheren Organisation gebracht haben? Ob sie wohl in ihrrer Entwicklung keinen höheren Aufschwung nehmen konnten, weil sie erdgebunden, dem Meeresgrund, den untermeerischen Felsenklippen auf Lebenszeit verwurzelt sind? Oder ob sie seßhaft wurden, weil sie vermöge ihrer besonderen Organisation den Kampf ums Dasein nur in dieser Form aufnehmen konnten? Wer wollte das entscheiden? Solche Hohltiere sind die Schwämme, in all ibrer Vielgestaltigkeit. Da sind die zarten Glasschwämme, wie sie an den Küsten des stillen Ozeans gefunden werden, deren Rieselsfelett aussicht wie eine kunstvolle Spize aus gesponnenem Glas. Oder die Hornschwämme, deren einer unser Badeschwamm ist. Und die Kalfschwämme, mit einem Gerüstwert, das aus Kalf erbaut ist. Viele von ihnen prangen in leuchtenden Farben, gelb und rot und orange. wieder andere find dunkelbraunschwarz oder schneeig weiß. Es ist wohl noch keinem gelungen, die Farbenlentiere in Worten so zu schildern, daß sich ein pracht der Seeanemonen und vieler SoralBild von ihrer Schönheit machen kann, wer sie nicht fennt. Und auch der Pinsel vermag den seltsame Schmelz dieser Farben, das eigenartig matt- leuch tende dieses Violett und Grünn nicht wiederzugeben. Die Farbenschönheit vieler dieser Tiere ist einfach Tiere, die feſtgewachsen sind und abwarten, was unbeschreiblich und will erlebt sein. Da brangt das ar Freßbarem der Zufall ihnen beschert, sind durchleuchtendste Ziegelrot neben dem zartesten Violett und tregs Wasserbewohner; die meisten sind Meerestiere. grüne, gelbe, blaue Farbentöne gehen in schillerndem Sie haben offenbar diese Lebensgewohnheit ange- Farbenspiel ineinander über. Diese Farben sind so nommen, weil es für sie keinen Mangel gibt, wei: merkwürdig leuchtend und gedämpft zugleich. Der ihr Tisch immer gededt ist. Mit Ausnahme der Sammetglang und die Farbabtönung sind einzigWirbetiere stellt fast jeder Tierstamm einen Beitrag artig schön. zur großen Gesellschaft der festgewachsenen Wesen. Meist sind freilich die Jugendstadien dieser Tiere ner. Geschlechtspartner. Er läßt sie das Wesen der gleichen Art erkennen und von dem artfremden mu Eicherheit unterscheiden. Richtiger gesagt vielleicht: Nur der Geschlechtspartner der gleichen Art übt eine Anziehung aus. Das artfremde Wesen wird vieileicht gar nicht wahrgenommen. An den Küsten des Stillen Ozeans tommen heute noch einige Formen der seltsamen Seelilien vor, verwandt den Seesternen, zierlich verästelte, schlankgliedrige Wesen, die auf langen, be= weglichen Stielen mit vielen, schlangenartig beteglichen Armen emporragen. Sie sind Vertreter eines uralten Tierstammes. In der Silurzeit schon, im Altertum der Geschichte unserer alten Erde haben diese festsitzenden Formen der Stachelhäuter eine weite Verbreitung gehabt und eine bedeutende Rolle gespielt in der zeitgenössischen Tierwelt. Das bezeugen die massenhaften Versteinerungen ihrer KalfBezahlung der Abonnementsgebühr zu verwenden! Wer im Rückstande bleibt, schädigt die Partei und deren Presse Die Verwaltung stelette, wie sie z. B. in der Gegend von Prag viels fach zu finden sind. Andere, noch mächtiger entwif felte Formen des Jurameeres im Mittelalter der Erdgeschichte führten den Höhepunkt und die Glanz zeit in der Entwicklungsgeschichte der Stachelhäuter herauf. ( Schluß folgt.) Prager Zeitung Ferienlager der Noten Falken in Schelesen., von Tschaikowsky. Die Aufgaben, die den Absolven werden, daß alle drei Absolventen glänzende Die Vorarbeiten für dieses Lager sind nun abge- ten in diesen Konzertwerken gestellt worden waren, schlossen. Unsere Falken werden drei Wochen in erforderten weniger geistige Reife als vor allem herrlichster landschaftlicher Umgebung ihr Lager technisches Können. Und da muß anerkannt verwalten. Wanderungen, Bade- und Schulungs- Beispiele technischer Reise auf ihren Inſtrumenten stunden, Lagerfeiern und Propaganda- Aktionen gaben, wobei bei dem Geiger noch der schöne werden die Tage rascher beenden helfen. Anmel- und volle Ton, beim Cellisten die Klarheit dungen werden noch Samstag, den 27. Juni, im des Spieles und beim Pianisten die KultiParteiheim( Národni 4, 3. Stock) zwischen 5 und viertheit des Anschlages und die temperamentvolle 6 Uhr entgegengenommen. Bis zu dieser Zeit Art seines Vortrages besonders auffielen. Weniger müssen auch die restlichen Beträge eingezahlt gut entledigte sich seiner begleitenden Aufgabe das werden. Staatliche deutsche Volksschule Prag VII., 27. und 30. Juni d. J., Geburtsurkunde, Heimat Šimáčkova 14, Telephon 72572. Einschreibetage dokument, polizeilicher Meldeschein und Impfzeugnis. Eine anschauliche Schilderung der untermeeri schen Tierwelt und ihrer märchenhaften Schönheit wie es dort unten in der Tiefe aussieht: William für Groß- Prag ersucht uns, mitzuteilen, daß dieser in gibt uns einer, der es vor allen andern wissen muß. Schuldeinschreibungen. Der Zentralschulausschuß Beebe, in seinem kürzlich in deutscher Uebersetzung Angelegenheit der Einschreibungen in die deutschen spiegel." Dieſer kühne Amerikaner ist zunächst mit dem Taucherhelm und später mit seiner Tiefseekugel unzählige Male in der Tiefe gewesen. Die Zauberwelt, die sich ihm da erschloß, und die er uns mit erleben läßt, muß herrlicher sein, als wir sie uns je und Ratschläge in der Zeit vom 25. bis einschließlich 30. d. M., und zwar an Werktagen während der Amtsstunden( von 9 bis 16 Uhr), am 28. und 29. d. M. von 10 bis 12 Uhr im 3immer Nr. 16, des Deutschen Hauses 2. Stock, alter Traft erteilt. unter der Leitung Kapellmeister Friedrich Rie gers stehende 3öglings- Orchester der Akademie. Leider war der Besuch dieses Jahresdemie nicht so, wie es die materiellen Interessen der abschluß- Konzertes der Prager Deutschen Mujikataschwer um ihre Existenz kämpfenden einzigen höhe fordert hätten. ren deutschen Musikbildungsanstalt des Staates ers E. J. Zusammenschluß der Stadttheater von Brüg meinsame fünstlerische und finanzielle Zeitung der Stadttheater von Brür und Saaz statt. Als der gemeinsame Leiter der beiden Bühnen kommt der neue Direktor des Brüyer Stadttheaters Moosbauer in Frage.( DND) noch frei beweglich, so daß dem jungen Tier die Wahl des Ortes, an dem es sich auf Lebenszeit feſtſeßen will, ermöglicht ist. Je günstiger die Ernährungsbedingungen eines Gebietes, desto bunter und artenreicher ist natürlich die Fauna der festgewachsenen erschienenen Buche: 923 Meter unter dem Meeres Schulen aller Kategorien von Groß- Prag Auskünfte und Saaz? Es finden Verhandlungen über eine ges Tiere. So sind die Korallenriffe und die Austernbönke reiche Fundstätten für den Zoologen. Die meisten festsitzenden Tiere leben von mikroskopisch Kleinen Einzellern, die dem sogenannten Plankton angehören, d. H. der Gesamtheit der im Wasser fre: schwebenden Lebewesen. Es gibt nun gewisse Stels Ten im Meer, die in dieser Hinsicht besonders reiche Beute versprechen. Licht- und Temperaturverhält nisse, Wasserströmungen usw. spielen dabei die Hauptrolle. erträumen fönnten. Wenn wir uns Korallen vorstellen, so den= fen wir wohl meist zunächst an die roten, rosenfacs benen oder weißen, oft zu Schmuck verschliffenen Achsensfelette der Kalfforallen, an die Korallenriffe Es ist überraschend, zu sehen, wie sehr jene und Koralleninseln der Südsee, oder an die mächtigen Tiere, welche die auffallendste Eigentümlichkeit tieri Korallenbänke, welche auf Festlandsgebieten, die einst schen Lebens; die freie Beweglichkeit aufgegeben vom Meere bedeckt waren, heute als mächtige Gehaben, in ihrem Aussehen an Pflanzen erinnern. birgsstöde emporragen, wie etwa das Massiv des Diese Aehnlichkeit geht so weit, daß viele unter Schlerns und König Laurins Rosengarten. Aber es ihnen von den ältesten Naturforschern tatsächlich für gibt auch Korallen, deren Achsensfelett nicht aus Star Pflanzen gehalten oder als Uebergangsformen zivi- gebildet, sondern weich und elastisch ist. Die Hornschen Pflanze und Tier beschrieben wurden. Das forallen etwa sehen wie zarte, bunifarbige Bäum hat dazu geführt, daß man eine große Gruppe unier chen aus, deren Kronen von den Wellen bewegt we ihnen auch heute noch unter dem Namen„ BI uden, als striche der Wind durch den Wald. Und die mentiere" zusammenfaßt. Ihre Formenichön- prachtvollen, purpurfarbenen oder weißen„ Seeheit und Farbenpracht stellt sie allerdings den er federn" Teuchten im Dunkeln in einem grünlichweis Lesensten Blüten einer phantastisch üppigen Troven- Ben Licht. Sie alle faßt man als Blumentiere zu vegetation an die Seite. Heute weiß man, daß ce sammen. lebergänge zwischen Pflanze und Tier nur bei dea einzelligen Wesen gibt. Die Blumentiere" abe gehören zu den Hohltieren, deren Körper be gar " Kunst und Wissen Samstag halb 11 Uhr Nachtvorstellung! Einmalige Aufführung der Revue„ Wenn zwei dasselbe tun" unter Mitwirkung des gesamten Solopersonals und des Filmschauspielers Rolf Wantaa. G. „ Ich hab's getan" in der Kleinen Bühne. 6, 12, Samstag Abschiedsvorstellung Dolores Moncaft 18 Kč. Zwischenfall in Pilsen. Dieser Tage fam es im Pilsener Stadttheater bei der Generalprobe zu einer Aufführung von„ Madame Butterfly", als die die japanische Sängerin Michiti= Mein IWochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Tanaka gastierte, zu einem Zwischenfall. Frau Freitag, halb 8: Derfliegende Holländer, Meinl jang die Partie nämlich deutsch. Darob D 1. Samstag, halb 8: Orpheus in det größte Aufregung während der Probe. Der Stadt- unterwelt, volkstümliche Vorstellung, Abonn. rat so berichtet DND- wurde eigens einberafen, aufgehoben. im Rahmen einer tschechischen Aufführung in der um darüber zu verhandeln, ob dieses Deutschsingen zudem der Tenor Emmerich Godin italienisch sang erlaubt werden dürfte. Und nur der Umstand, daß das Haus ausverkauft war und Michiko Meinl- Tanaka ohne Honorar auftrat, ließ die Entscheidung der Stadtväter positiv ausfallen. Inmerhin gab es, auf alle Fälle, am Abend Polizeiverſtärfung im Theater. Wochenspieplan der Kleinen Bühne. Freitag, 8: Das große ABC, Theatergemeinde des Kulturs verbandes und freier Verkauf. Samstag, 8 ch hab's getan, volkstümliche Vorstellung. Vereinsnachrichten Daß es angewachsene Formen unter den Tierea des Festlandes nicht gibt, hängt nicht nur mit dem Absolventen- Abend der Prager Deutschen Von der Deutschen Musikakademie. Der zweite Nahrungserwerb zusammen. Die Errungenschaft Mujitakademie, der vorgestern abends im großen Saal Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker. der freien Beweglichkeit steht auch im Dienste der der Produktenbörse abgehalten wurde, war als In- Freitag, den 26. Juni, findet in der kleinen Aula Mitteilungen aus dem Publikum. Erhaltung der Art. Zum Aufsuchen des Partners strumental- konzert gedacht, bei dem die des Karolinums die Promotion unseres Mitgliedes, und zur Vereinigung mit diesem ist Ortsveränderung besten Absolventen der Instrumentaltlassen Gelegen Genossen Josef Doppler, statt. Wir fordern Unangenehme Kopfschmerzen können durch ein- notwendig. Denn die Natur hat keine Methoo: heit haben sollten, ihre künstlerische Reife an ganz unsere Mitglieder auf, sich zur Promotion ein faches Bestreichen von Schläfen und Stirn mit ausgebildet, um die Verbreitung der Spermatozoer großen Konzertverken und zwar mit der für diese zufinden. Falken, Achtung! Samstag, 27. Juni, halb Alpa- Franzbranntivein gelindert werden. Einrei- socher Tiere in der Luft zu ermöglichen", wie sich vorgesehenen Orchesterbegleitung zu erweisen. Drei bungen mit Alpa lindern auch rheumatische Schmer- ein bekannter Zoologe ausdrückt. Wohl aber ist das we ber mit Lalos Symphonie espagnole", der ist Pflicht eines jeden zu erscheinen. Die restlichen Absolventen stellten sich vor: Der Geiger Josef 5 Uhr, Parteiheim, letztes gemeinsames Heim. Es zen und erfrischen bei Ermüdung. Verlangen Sie Wasser ein Medium, das sehr geeignet ist, die Ge- Gellist Rudolf Güttler mit dem Violoncello- Beträge für Schelesen müssen erlegt werden! Alpa- Franzbranntwein nur in Originalflaschen mit schlechtsprodukte verschiedener Tiere einander entonzert in B- dur von Boccherini und der Pianist Halb 7 Uhr wichtige Helferratsigung im Plombe. Ausgewogenen Alpa gibt es nicht! 4 gegenzuführen. Daß es dabei nicht zur Vermischung Heinrich Berg mit dem Klavierkonzert opus 23 Parteiheim. | Kunst ohne Tradition nicht vorstellen, und es fiel mir auch nie ein, die ziehung. An Dramen wie sie Ibsen, Tolstoi und Troß gegen die Todeshand des Strafgerichtes. Die nicht widerspenstige Künstlerin, darnach auszufor Hauptmann schufen, hätte die Künstlerin gewiß nicht Akzente der Sinnenfreude, das nervöse Augenzuden es sind diametrale Emil Faktor schreibt uns anläß- ichen, ob sie überhaupt brauchbares Material für so hohe Rangstufen erklommen und das Theater eines schlechten Gewissens lich des 70. Geburtstages Else Leh- Lehrmeister der Schauspielkunst gewesen ist. Ihr vielleicht wieder aufgegeben. So oft sie gelegentlich Kontraste, an der leidenschaftlichen Kunst der Lehmanns, der großen Schauspielerin, die Naturell, mäßig und selbständig von Anbeginn, von ihren Bemühungen um eine Klassikerrolle ermann auf eine erschütternde Formel gebracht. Nun ihre Altersjahre in Prag verlebt: brauchte außer der Ueberwindung anfänglicher Be- zählte, liefen ihr Heiterkeitstränen über die Wan- erinnert man sich an ihre Dina in der„ Wildente", Die Schauspielerin Else Lehmann kann sich fangenheit, nicht zu lernen, nichts abzuschleifen, an gen. Schiller war von ihr hoffnungslos ermordet an ihre Regina und später Frau Alving in den„ Gedarauf berufen, ihre Kunst, völlig traditionslos in Hergebrachten auszuproben. Es war eine Begegnung worden. Vielleicht hatte sich das Talent der Leh- spenstern", an ihr Aennchen in Halbes„ Jugend", an Angriff genommen zu haben. Nicht ihr Organ, nicht zwischen den Stücken, die gerade eine solche Darstel- mann an kleinen Komödien und Berliner Lokalstük- ihre Schwägerin von John Gabriel Bockmann und ihre Sprechform, nicht ihre Erscheinung machten den lerin brauchten, und zwischen eine Schauspielerin, ten erschöpft. Wer kann wissen, was ohne Natura- sieht lauter dichttreue Gestalten, dem Werke völlig Prozeß einer Annäherung an ein Vorbild durch. Der die nicht vom Theater, vom Uebungsplatz des emsigen lismus aus ihr geworden wäre? Den großen Tra- ergeben, mit den Figuren identisch und doch völlig fast völlige Mangel einer Anknüpfung an Vorheriges Rollenstudiums hertam. Jeder andere Versuch, Thea- gödien der Wirklichkeitsnähe gab sie starken Auftrieb. unfomödiantisch zustande gekommen, fast entgegen braucht nicht als preiswürdig zu gelten. Viele große ter um des Theaters willen zu spielen, hätte Else Leh- Auf der Bühne entstand ein neues, tieferes und allen Begriffen, die man unter Theater zusammenKünstler sind im Schatten eines Meisters aufgewach- mann nie den Weltruf bewilligt, den Durchbruch herzhafteres Erbarmen mit dem gequälten, mißhan- zufassen pflegt. Zu Else Lehmann gehörte die dasen und haben ihn vielleicht nur darum zu überbie- aller bisherigen Gepflogenheiten ermöglicht. Obwohl delten und mißbrauchten Menschen. Die Humanität mals neue Wirklichkeitssprache, die Menschlichkeitsten vermocht, weil er sie von Vorarbeiten befreite Else Lehmann niemals auf Intellektualität, auf begnügte sich nicht mehr mit Moral, mit schöngeisti- fonflikte, selbst wenn sie komisch wie im„ Biberpelz" und ihnen die Voraussetzung schnellerer Entwicklung theoretischen Begründungen ihrer enormen Bega- gen Worten, mit den Predigten der Güte. Sie re- waren, zu ihr gehörte eine Kontrollinstanz wie Otto schuf. Bei Else Lehmann muß man die Dinge ganz bung Anspruch erhob, darf man trotzdem behaupten, bellierte und schrie auf, sie wies an Erlebnisse, an Brahm. Schon Reinhardt hätte sie zu weit von ihrem anders betrachten. Während wir bei unseren heutigen daß ihr warmblütiges Wesen, ihr heißer Atem, ihre den Gemeinheiten der Umgebung, am Widerstande eigenen Naturell zu entfernen oder auf EigenheitsBühnenkünstlern nicht selten beklagen, sie seien fast Kraft, Leiden auszudrücken, das Verhängnis sinn- und an der Hilflosigkeit nach, warum der Mensch nuancen festzulegen gesucht. versagt, warum seine Liebe ins Unglück steuert, wenn ohne Schule und das mit ihr verbundene Repertoire licher Ergebenheit ins Bewußtsein zu drängen auf den Zuschauer losgelassen worden, hätte ihr, diese Mischung von Menschlichkeit und animalischer sie von der Selbstsucht quitt wird. Und eine Schauder Hauptdarstellerin des naturalistischen Dramas, Wärme war für die Dramatiker ihrer naturalisti- spielerin wie die Lehmann wandelte die Schicksale der nichts Schlimmeres passieren können, als wenn sie schen Epoche Anreiz zu produktivem Schaffen. May von männlichen Teufeleien gehezie Rose Bernd zu für diese Mission von einem Meister oder einer Mei- Halbe, Gerhart Hauptmann, Georg Hirschfeld, er einem Großgemälde eines Passionsweges aufgesterin, sei er Barnay, Possart oder Klara Ziegler tannten an der selbstverständlichen Bereitschaft einer peitschter Sinne. Im Anfang war es naiver Genuß dressiert worden wäre. Else Lehmann, an ihren Blicken, Gebärden und le- einer liebeträchtigen Unschuld, die sich von der Autobensnahen Lauten ihren eigenen Weg. Naturgemäß rität, von der Mannestraft des Gutsherrn verführen Ihr Theater nannte sich Leben und war die große unvergleichliche Kunst, es ohne Verluste des Dichters und der eigenen Persönlichkeit wiedergeben zu können. Wirklichkeit und Kunst gehen bei ihr auch heute noch ineinander über, wenn bei der Siebzigjährigen Gedanken an Menschen und Erlebnissen lebendig werden. Man kann sogar behaupten, dieses Echlimme Sie selber mag nicht mehr spielen. Aber die hätte ihr gar nicht passieren können. Ich kann mir wurde es im Laufe der Jahre erfreuliche Wechselbe ließ. Schließlich wehrt sich verwilderter, verſtockter Klänge der Welt spielen in ihr weiter. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich Kč 16.- vierteljährig Kè 48.- halljährig Kč 96.- ganzjährig Kč 192.-. Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. Rüdstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. Die Zeitungsfranfatur wurde von der Bosts und Teles graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt. Druderei:„ Orbis", Druds, Verlags- und Zeitungs- A.- G. Prag.