Samstag, 27. Juni 1936 16. Jahrgang Nr. 150 Einzelpreis 70 Heliw (•inschli.ßlieh I H.ll.r Fort») 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHENSOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung kag xii.,fochova 42. telefon sm. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Bruderladensanierung beschlossen U ffinS Stimmen der Koalition mit geringen stilistischen! S e n a t die angekündigten Reden halten. '*- V VV* Q“**» H**t,*'** V k-ntyv VW TVWMVW UUV. v.tlt Es handelt sich auch diesmal um kleine ret ähnliche Anschauung entwickelte Minister Eden. Nach kurzer Debatte wurde beschlossen, die Frage-er Vollversammlung dem Völkerbunde vorzulegen. Jahrzehntelang wurde im alten Oesterreich um die Gesetzwerdung der Alters- und Invalidenversicherung gekgmpst. Wohl wurden die Kranken- und Unfallversicherung verwirklicht, aber die Arbeitsunfähigkeit des Parlamentes und starke reaktionäre Strömungen hatten der Verwirklichung der Alters- und Jnvalidenversorgung unübersteigbare Schranken gezogen. So blieb die Einführung der Arbeiterversicherung für den Fall der Invalidität und des Alters der Republik vorGrenzberichtigungen längs der sächsischen und bayrischen Grenze, hauptsächlich dort, wo die Grenze durch Wasserläufe gebildet wird, die im Laufe der Zeit ihr Bett verändert haben.. Nun wird die Grenze wieder in die Mitte des Wasserlaufes verlegt. Der gegenseitige Gebietsaustausch.ist, bis auf das Quadratmeter gleich. Prag. Im Abgeordnetenhaus ergab sich am Freitag mehrmals das Ungewöhnliche, daß bei einer Abstimmung das ganze Haus einmütig für den betreffenden Antrag stimmte. Es war dies der Fall bei der Bruderladensanierung, bei dem Redaktoursgesetz und bei dem Verfassungsgesetz über die Regelung der Staatsgrenze mit Deutschland, für das eine qualifizierte Mehrheit vorgeschrirben war. Entgegen der schon fast Tradition gewordenen Erscheinung, dass gerade in den letzten Tagen vor den Sommerferien innerhalb der Koalition sich Schwierigkeit an Schwierigkeit häuft, wickelte sich Heuer die Parlamentsarbeit in diesen letzten Tagen ohne grössere Differenzen ab. Lediglich die Verhandlungen über die ziemlich untergeordnete Frage der Pauschalierung der Flrischsteuer bei Hausschlachtungen gestalteten sich innerhalb der Koalition etwas langwierig, doch auch hier wurde eine einvernehmliche Lösung gefunden und vom Hause bereits an- genommen. Das Flaggengesetz, über dessen Beratung im Ausschuß wir an anderer Stelle berichten, wurde einvernehmlich einem Subkomitee zugewirsen, was einer Vertagung auf den Herbst gleichkommt. Für die letzte Plenarsitzung am Samstag stehen nur noch drei Punkte ans der Tagesordnung, nämlich die Preßgesetznovelle, die Verlängerung des Währungsschutzes und die Vorlage betreffend die Aenderungen in der Entschuldung der SelbstvvrwaltUngskörper, deren Verabschiedung kaum irgendwelche Schwierigkeiten machen dürfte. So ist also diesmal die kritische Zeit vor Parlamentsschluß glücklich ohne besondere Krisenerscheinungen vorübergegangrn, was sicher auch für die Wiederaufnahme des parlamentarischen Lebens im Herbst die Hoffnungen auf eine ruhige und gedeihliche Weiterarbeil der Koalition bestärkt. Nach der Haussitznng trat der verfassungsrechtliche Ausschuß zusammen, um eine Erklärung des Innenministers Dr. Eernh in Angelegenheit des Phönix entgegenzunehmen. Dir Ausführungen des Ministers werden der Presse erst Samstag früh zur Verfügung gestellt werden. In den Couloirs verlautete, daß zum Abschluß noch Finanzminister K a l f u s zu der Selbstverwaltungsvorlage und Ministerpräsident Dr. H o d Z a zu allgemein politischen Fragen im Hause Stellung nehmen werden.’ Wie offiziell bekanntgegeben wird, werden die beiden Minister jedoch erst Ende der nächsten Woche im Zehn Jahre Sozialversicherung Am 1. Juli sind es zehn Jahre, seitdem in der Tschechoslowakischen Republik das große Werk der Sozialversicherung, eine der größten sozial- Genf.(Tsch. P.-B.) Der Völkerbundrat hat in nicht öffentlicher Sitzung beschlossen, daß die Frage betreffend Locarno nicht verhandelt werde, bis der Vorsitzende des Rates, Minister Eden, in Uebereinstimmung mit den Mitgliedern des Rates den Augenblick für geeignet be- finden wird. Weiters wurde festgestellt, daß der abessinisch-italienische Konflikt erst nach der Debatte in der Völkerbundversamm- lung erledigt werden wird. Bei dieser Gelegenheit nahm der Rat den Inhalt der Rote der italienischen Regierung zur Kenntnis, in der Minister Ciano das Fernbleiben der itcklieni- schcn Delegation begründete. Die Mitglieder des Rates wurden von dem Antrag des chilenischen Delegierten Rivas Bicuna überrascht, der namens seiner Regierung forderte, daß die Frage der Reform des Völkerbundpaktes auf der Tagesordnung-es Rates oder der Vollversammlung gesetzt werde.■ Diese Rede rief ein starkes Echo hervor und insbesondere der sowjetruffische Volkskommissar für Aeuheres, Litwinow,, wandte sich energisch gegen den Antrag der chilenischen Delegation. Minister. Titulesr« hielt hierauf namens der Kleinen Entente eine wichtige Rede, in welcher er den chilenischen Delegierten auffor- drrte, einen konkreten Vorschlag zu unterbreite». TituleSru warnte davor, die Autorität des Völkerbundes dadurch heräbznsetzen, daß ein Beschluß gefaßt würde, wonach di« Bestimmungen der 26 Artikel des Paktes durch Bestimmungen von unbekannter Tragweite ersetzt werden. Minister Delbos sprach sich namens der französischen Regierung für eine Mäßigung bei einer allfälligen Reform des Paktes aus. Ein» eine Erklärung des Negus Rechtmäßige abessinische Regierung Der Kaiser von Abessinien Haile Selassie empfing am Freitag die Journalisten und gab ihnen eine Erklärung ab, in welcher er im wesentlichen ausführte: „Der ungerechte Angriff, dessen Opfer unser Volk ist, wurde von dem Gewissen der Wett in feirr- licher Form bereits verurteilt. Der Völkerbund, dieser Wächter der kollektiven Sicherheit und der friedlichen Beziehungen aller Nationen» ist es sich selbst schuldig, sich nicht mit dem Siege brutaler Gewalt abzufindrn. Begangene Verbrechen als legal anzu- erbennrn würde bedeuten, angesichts der Welt di« Vorherrschaft der Gewalt vor dem Rechte zu proklamieren. Unsere Regierung in Westabessinien ist die einzige legitime Regierung in unserem Lande." an Alters- Witwenrenten Waisenrenten Die Novelle zur Fleischsteuer wurde auf Grund eines Koalitionsantrages im ersten Artikel neu gefaßt. Das Pauschal von 1,50 Kc pro Hektar für die Hausschlachtungen wird nicht geändert. Die Verwendung von Fleisch aus Hausschlachtungen zu anderen Zwecken als zum Eigenverbrauch wird, falls davon nicht die normale Fleischsteuer bezahlt wird, als schwere Gefällsübertretung behandelt. Die Steuerreform wurde mit den Das Abgeordnetenhaus setzte zunächst die Debatte über die Sanierung der Bruderladen fort, in welcher noch zwölf Redner» alle durchwegs pro, sprachen. Unsere Fraktion entsandte den Genossen Katz, den Vertrauensmann der Falkenauer Bergarbeiter, in die Debatte, der in logisch aufgebauter Beweisführung darlegte, dass man die Bergarbeiter für den derzeitigen Zustand der Bergarbeiterversicherung nicht verantwortlich Machen kann, daß sie im Gegenteil rechtzeitig auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht und in den langwierige« Verhandlungen über die Sanierung auch große Opfer gebracht Hatzen, um die selbständige Bergarbeiterversicherung und die erworbenen Rechte ihrer Mitglieder z« schützen. Unsere Partei kann ohne Selbstüberhebung von sich behampten, daß sie an dieser gedeihlichen Lösung einen grossen Anteil hat. Indirekt mußten dies auch die Kommunisten bestätigen, die zwar Abänderungsanträge eingebracht hatten, nach deren Ablehnung aber für die Regierungsvorlage stimmten. Wir bringen die Rede des Genossen Katz an anderer Stelle. * Aus der sonstigen Debatte seien die erschütternden Ziffern hervorgehoben, die der tschechische Genosse Langer über die Unfälle im Bergbau vorbrachte. In den Jahren 1919 bis 1935 wurden im Bergbau 2426 Bergarbeiter getötet; in 13.571 Fällen kam es zu schweren Unfällen, bei denen 64.000 Bergarbeiter verwundet wurden. W«r nur ein bißchen menschliches Gefühl besitzt, wird anerkennen, daß«in Stand, de: im Dienste der Allgemeinheit derarttge Blutopfer mitten im Frieden bringt, auch ein Anrecht darauf hat,, daß seine besonderen Interessen berücksichtigt werden. Dubiekh(tschech. Agrarier) ritt sein Steckenpferd, die„strenge staatliche Konttolle über alle Sozialversicherungsanstalten", und sprach Befürchtungen hinsichtlich des Risikos aus, das die Zentralsozialver- sicherüngsanstalt durch die Rückversicherung. der Bruderladen übernimmt. Seine Auffassung, daß die innere Amtssprache in allen' Bergwerksbettieben tschechisch sein sollte, dürste auch in tschechischen Kreisen keinesfalls allgemein geteitt werden. Diesmal gab er wenigstens zu, daß die Aufsichtspersonen in der Grube»eben der Staatssprache auch die Sprache her betreffenden Mindccheit beherrschen sollten. Der Kuriosität halber sei erwähnt, daß von der SdP. Knarre unzufrieden in den Saal schmetterte, daß soziale Probleme sich überhaupt nicht.durch Kompromisse lösen lassen, während N e m e c, dem das Hauspräsidium vor kurzem dix eigenmächtige Verdeutschung seines Namens wieder rückgängig macht«, gar von den„G r u b en- bar o n e n" sprach,' die„jährlich Millionen einstecken".. Die Vollsgenossen-Unternehmer werden zu diesen fast revolutionär klingenden Phrasen gewiß nur mitleidig lächeln. Gar so ernst waren sie wohl auch nicht gemeint.... * Die Abstimmung über das Verfas- sungsgesetz, durch das gewisse Grenzberichtigungen au der deutschen Grenze vorgenommen wurden, wurde mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit von 187, in zweiter Lesung von 192 Stimmen angenommen. Ein ähnliches Gesetz wurde vor zwei Jahren bereits angenommen. Zum Schluß wurde noch der SeMrtsbeschluß auf Verlängerung gewisser Bestimmungen der! behalten. Pressenovelle vom Jahre 1934 in Verhandlung I• Bereits die erste tschechoslowakische Regiegezogen. Sie betreffen u. a. das Kolportageverbot.| rung hatte diese Forderung in ihr Programm Nach dem Referat Dr. Stranskhs hielt der Kommunist K l i m e n t eine Rede, in deren Verlauf zwei seiner Klubkollegen, die das unzufrie dene Volk markierten, vom Vorsitzenden zur Ord nung gerufen wurden. Birke(SdP.) gab parteioffizielle Er klärungen zur letzten Henleinrede ab, die darin als vollkommen har'mlos hingestellt wird, ,und protestierte gegen die Einstellung der „Rundschau". Die Debatte wurde dann auf Samststg 9 Uhr früh vertagt. Verlegenkett In Lenk Ankunft des Negus und Refformantrag ausgenommen, die sofortige Durchführung war jedoch nicht gleich möglich. Für das wichtige Werk mußten nun zunächst die Vorbedingungen auf dem Gebiete der Krankenversicherung getroffen werden. Dies geschah durch die Gesetze der Jahre 1919 und 1920, wodurch der Kreis der kranken- versicherten Personen erweitert, die Zersplitterung der Krankenversicherung— 1919 gab es über 2000 Krankenkassen, von denen viele lebensunfähig waren— ein Ende gesetzt und die Unterstützungsdauer der Krankenversicherung von 28 Wochen auf ein ganzes Jahr verlängert wurde. Die Alters- und Invalidenversicherung selbst wurde bei uns durch das Gesetz vom 9. Oktober 1924 eingeführt, das dann zweimal(1928 und 1934) novelliert, bzw. verlängert wurde. In Kraft getreten ist das große. Werk eben vor zehn Jahren, am 1. Juli 1926. Welche Bedeutung die Alters- und Jnvali- , denbersicherung der Arbeiter hat, geht schon allein aus der Zahl der von ihr e r f a tz t e n Personen hervor, die im Jahre der höchsten Wirtschaftskonjunktur 2,330.932 betrug und 1935 1,692.104 Personen umfaßte. An Beiträgen für diesen Zweig der Versicherung wurden in dem genannten Konjunkturjahre XL 721,304.956.72, im Jahre 1935 XL 408,079.746.15 eingenommen. Seit dem Jahre 1929 kamen die Versicherten in den Genuß der R e n t e n, am 31. Mai 1936 gab es bereits 136.565 Menschen, die Invalidenrenten beziehen, 29.853 Altersrentner, 25.047 Frauen, die im Genuß der Witwenrente stehen und 29.545 Waisenrentner, zusammen 221.010 Rentner. In den Jahren 1929 bis Ende Mai des Jahres 1936 wurden an einzelnen Renten(mit Staatsbeitrag) ausgezahlt: an Invalidenrenten 633,647.075.04, renten 120,219.027.58, an 62,556.931.56 und an 55,395.473.65.. Die durchschnittliche Höhe der Invalidenrente betrug im Jahre 1935 138 XL, der Altersrente 151 XL, der Witwenrente 70 XL und der.Waisentente 48 XL monatlich. Außerdem werden an A u s st a t t u n g s b e i t r ä g e n für weMiche Versicherte jährlich 20 bis 22 Millionen XL ausgezahlt, an Abfertigung in 7000 Fällen bis Ende Mai 1936 51,818.337.85. Was auf dem Zweige der Invaliden- und Altersversicherung geleistet wurde, geht vielleicht am besten dadurch hervor, daß bis Ende Mai 1936 XL 1.067,793.620.78 zur Auszahlung gelangten. Aber das ist noch nicht alles. Ein segensreiches Gebiet, welches durch das vor zehn Fahren in Kraft getretene Gesetz erschlossen wurde, ist die H e i l f ü r s o r g e der Zentralsozialversicherungsanstalt, eine freiwillige Leistung an die Versicherten, die, wie wir ruhig sagen können, tausenden von Menschen wieder Gesundheit und Glück zurückgegeben hat. Die ZSVA trägt zur Heilbehandlung ihrer Versicherten durch Beiträge an die Krankenversicherungsanstalten bei, und zwar für Jugendliche, die noch nicht 18 Jahre alt sind, zur Heilbehandlung der Witwen und der Rentner', bei welch letzteren von der ZSVA die gesamten Behandlungskosten getragen werden. Die ZSVA beteiligt sich ferner an der Sanato- riumbehandlung der Erkrankten, an ihrer Heilbehandlung in Bädern und Genesungsheimen und an der Gewährung von Beiträgen zur Anschaffung orthopädischer Behelfe. In Vhsnie Hägy errichtet sie gegenwärtig das Majaryksanatorium Bezirksblatt der SdP eingestellt , Brüx. Die Landesbehörde hat unter Berufung auuf 8 34, Z. 1, Abs. 2, des Gesetzes zum Schutze der Republik die Einstellung des Bezirks-, blattes der Sudetendeutschen. Partei, des„Volksrufes", in Brüx auf sechs Monate verfügt. Das Kreisgericht in Brüx hatte am 20. April die Zu- lässigkeit der. Einstellung des Blattes ausge- sprochen.* Aenderungen, die in einem Koalitionsantrag zu-....... sammengefatzt wurden, angenommen, ebenso die Ws«m Leistungen unserer Zeit, in Kraft ge- Resolution bezüglich der Rückverlegung des Aus-; tteien^ist.^^^^^^ Zahlungstermins für die Staätsangestelltea. Zu dem Redakteurgesetz brachte! die Koalition einen Abänderungsantrag ein, in I dem die letzten Vereinbarungen zwischen den j Herausgebern und den Journalistenorganisa-! tionen verarbeitet waren. In dieser Fassung! nahm das Haus die Vorlage einstimmig an. Seite 2 Samstag, 27. Juni 1936 Nr. 150 Sozialdemokraten und Kinderladen- Eine aufschluBrelche Bede im Abgeordnetenhaus Sanierung mit 300 Betten für Lungentuberkulose und mit 100 Betten für die Tuberkulose der Knochen und Gelenke. Insgesamt hat die ZSBA für die individuelle Heilfürsorge bis Ende Mai 1936 KL 194,911.899.40 verausgabt. Sie hat außerdem gelegentlich der Jubiläumsfeierlichkeiten des Präsidenten der Republik und des zehnjährigen Bestandes der Republik über 25 Millionen KL gewidmet fjir Zwecke der chirurgischen Tuberkulose, der Bekämpfung des Lupus, der Krebskrankheit u. a. Nicht weniger als KL 11,479.500.— hat die Anstalt der Einrichtung und dem Betriebe von Beratungsstellen für Mütter und Kinder, von Berufsberatungsstellen, von Zahnambulatorien für Kinder und von Beratungsstellen für Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten gewidmet. Eine beachtenswerte soziale Tat war auch die Heilfürsorge für die Arbeitslosen, der die ZSVA in der schwersten Zeit der Krise zwei Millionen KL zugeführt hat. Von welch sozialem Geiste die ZSVA getragen ist, sieht man auch bei ihrer Vermöge n s a n l a g e, die gleichfalls im Dienste der Volksgesundheit stützt. So werden bei der Gewährung von Kommunaldarlehen insbesondere Investitionen für gesundheitliche Zwecke, bei der Gewährung von Hypothekardarlehen Wohnungsbauten berücksichtigt. An Kommunaldarlehen hat die ZSVA bis zum 31. Dezember 1935 KL 789,262.600.— ausgezahlt, an Hypothekardarlehen KL 611,703.899.—. Aber auch für produktive Zwecke wurden.Darlehen gewährt, wobei wir besonders hervorheben die Gewährung von Darlehen an industrielle und gewerbliche Betriebe (bis Ende 1935 KL 276,453.500.—), wodurch sich die.ZSVA in die erste Reihe jener Einrichtungen stellte, die im Kampfe gegen die Wirtschaftskrise eine hervorragende Rolle spielen. Demselben Zwecke dienten Darlehen an den Straßenfonds, die den Betrag von 970 Millionen KL erreicht haben. Die ZSVA ist auch der größte Gläubiger des Staates, sie hatte Ende des vergangenen Jahres insgesamt 1.167.493.750 KL Nominale in staatlichen Wertpapieren angelegt. Diese Ziffern mögen ein annäherndes Bild der gewaltigen Leistungen unserer Sozialversicherung ans dem Gebiete der Alters- u. Invalidenversorgung der Arbeiter geben. Wer diese Ziffern auszudeutsn vermag, der weiß, wieviel Elend gemildert, wie viel Verzweiflung beseitigt, wie viel Menschen ihre Gesundheit wiedergegeben wurde, wie vielen ein ruhiger Lebensabend gewährt, wie viele Invaliden, Witwen und Waisen vor Hunger und Not geschützt worden sind. Die Sozialversicherung ist ein Mittel zur Linderung der Not in der menschlichen Gesellschaft und die Arbeiter haben sich durch-! ihren politischen Einfluß, durch ihre politischen und gewerkschaftlichen Organisationen, vor allem durch de Sozialdemokratie diese große und segensreiche Errungenschaft erkämpft. Daran mögen- insbesondere die jüngeren Arbeiter und Arbeiterinnen denken, die die Sozialversicherung, insbesondere die Versorgung für das Alter und die'Invalidität selbst nicht erkämpft, sondern von den früheren Generationen als Geschenk erhalten haben. Ohne politischen Einfluß, ohne eine starke Sozialdemokratie und mächtige Gewerkschaften gibt es keine Sozialpolitik, keinen Schütz der Schwachen, Kranken und Alten, gibt es keinen wirksamen Kampf gegen Hunger und Elend, keinen Aufstieg zu höherer sozialer Lebensgestaltung und reicherer Kultur, kein Glück und Wohlergehen. Am Freitag sprach im Abgeordnetenhaus der sozialdemokratische Abgeordnete Katz zur Bruderladenfanirrung. Er führte«. a. aus: Der vorliegende Ge setzentwurf entspricht zwar noch nicht den berechtigten Wünschen* der Bergarbeiter, ist* aber trotzdem zu be grüßen. weil zu er warten ist, daß er endlich die Bruder- ladenversicherung auf gesunde Grundlagen stellt. Schon seit den allerersten Anfängen. die in das Jahr 1854 zurückweichen, war bei der Bergarbeiterversicherung fast nie eine ver sicherungsmathema tische Deckung der Renten und Anwartschaften vorhanden. Die von den Bergarbeitern seit Jahrzehnten verlangte Zusammenlegung aller Bruderladen konnte erst nach dem Krieg durch das Gesetz 242/22 verwirklicht werden, das jetzt zur Novellierung steht. Dieses Gesetz hat die Regelung der Bedeckung im Verordnungswege vorgesehen. Daß dies nicht in dem erforderlichen Ausmaß geschah, ist also nicht Schüld der Bruderladen oder des Gesetztes. Zur Verschuldung der Bruderlade haben die ungünstige Borkriegssituation und die Belastung durch die Kriegsversicherungsfälle beigetragen. Durch die Inflation schmolz das Vermögen der Bruderladen auf ein Siebentel zusammen. So brach, trn die Brnderladen bei der Verschmelzung keine ausreichende Deckung für die erworbenen Rechte ihrer Mitglieder mit? für die hinzugekommenen Bergarbeiter aus der Slowakei und aus Hultschin war überhaupt keine Deckung vorhanden. Als 1926 bei der zentralen Bruderlade die ersten größeren Abgänge entstanden, waren es unsere Bergarbeiterorganisationen, die mit allem Nachdruck die Sanierung der Versicherung verlangten. Der Sanierungsvorschlag 1927 stieß auf den schärfsten Widerstand der Bergarbeiter, weil er ein vernichtender Angriff auf die Selbständigkeit der Bergarbeiterversicherung war. Man muß sich nur in Erinnerung rufen, was er enthalten bat, um zu ermessen, daß die heutige Vorlage als ein sehr beachtenswerter Erfolg bezeichnet werden kann. Auch der Sanierungsvorschlag der Fachkommission vom Jahre 1934 erwies sich für die Bergarbeiter vor allem wegen der Rentenkürzung und der Einschränkung des Anspruches auf die Altersrente bei den Obertagarbeitern als untragbar. Sie verlangten vor astem, daß die Grubenbesitzer zu größeren Leistungen herangezogen werden, weil ste an dem schlechten Stand der Bruderladen ein post, gerüttelt Maß von Schuld tragen. Die rücksichtslosen Rationalisierung Smaßnahmen brachten«ine bedeutende Erhöhung der Rentnerzahl mit sich, während die Zahl der aktiven Bruderladen- Mitglieder von Ende 1929 bis Ende 1935 von 140.340 auf 97.729 zurückging. Dagegen gab es Ende 1935 55.659 Rentner, 34.384 Witwen und 10.137 Waisen. Der Aufwand für die Renten stieg von.1929 bis 19.34 von. 159,7 auf 203,4 Millionen. Die Schuld der Zentralbruderladen dürfte gegenwärtig 450 Millionen, erreichen; die Auszahlung der Reuter; konnte nur durch die Kreditgarantie des Staates'bei der Landesbank sichergestellt werden. Daß der Staat die erworbenen Rechte der Bergarbeiter schützt, ist ein Beweis dafür, daß dir Rechte der Arbeiter in einem demokratischen Staat doch besser gewahrt sind als in den autoritären Staaten. In Deutschland und Oesterreich z. B. sind die Bruderladenrenten bedeutend herabgesetzt worden. Welch ein schreiendes Unrecht die Kürzung der Renten gewesen wäre, geht schon daraus hervor, daß die Durchschnittsrente monatlich nur. 232.67 KL beträgt, für eine Witwe nur 104 KL. Die heutige Vorlage ist das Resultat eines Kompromisses. Neben den 90 Millionen des Staates haben die Unternehmer jährlich 2,5 Prozent der Löhne, d. s. etwa 24 Millionen, die Bergarbeiter ein Prozent ihres Lohnes, d. s. ungefähr 10 Millionen, beizutragen. Die Umlage auf Kohle und Koks soll 40,6 Millionen betragen, was zusammen jährlich 165 Millionen ausmacht. Dlwurch dürste die Sanierung gesichert lein. Die Bergarbeiter bringen dieses schwere Opfer, weil die Selbständigkeit ihrer Versicherung aufrecht blecht und ihre erworbenen Rechte nicht angetastet werden. Wie jedes Kompromiß weist der Entwurf viele Mängel auf: So den einprozentigen Sanierungsbeitrag, der vom Verdienst der Bergarbeiter abgezogen wird, die Nichteinrrchnung einer Krankheit, die länger als ein Monat dauert, die niedrige Einrechnung der Militärdienstzeit und die Herbeiführung der Parität zwischen Arbeitern und Unternehmern in der Zentralbruderlade. Demgegenüber steht eine ganze Reihe von Verbesserungen: Die Herabsetzung der Karenzfrist von fünf Jahren auf zwei Jahre, die Auszahlung der Waisenrente bis zum 17.(bisher 16.) Lebensjahr, der Entfall der Höchst- grenze bei Kumulierung von Witwen- und Waisenrenten, die Einführung eines Erziehungsbeitrages und eines A u s- stattungsbeitrages für weibliche Versicherte, die Abfertigungfür Hinterbliebene nach Versicherten, die die Karenzzeit noch nicht erreicht haben, und die Sicherung der Ansprüche für arbeitslose Mitglieder auf die Dauer von fünf Jahren etc. Durch die Rückversicherung bei der Zentralsozialversicherungsanstalt wird die Zentralbruderlade wesentlich entlastet und ein engerer Kontakt zwischen beiden Instituten hergestellt. Sehr zu bedauern bleibt, daß die Forderungen der Joachimsthaler Radiumbergarbeiter auf Erhöhung ihrer Rente nicht berücksichtigt wurden: ihre traurige Lage ist von dieser Stelle ja wiederholt geschildert worden. Die Bergarbeiter hätten es gern gesehen, wenn ihnen eine weitere Belastung erspart geblieben wärt und man dir Grubenbesitzer stärker zur Sanierung hrangezogen hätte. Die Herren hätten dies gewiß vertragen. Sie verstehe« es ja ausgezeichnet, auch in der Kris« ihre Profite zu sichern. Bon der Volksgemeinschaft, mit welcher auch einig» deutsche Grubenbesitzer sympathisieren und in der vor allem eine große Zahl von Direktoren«nd Ingenieuren mitwirkt, ist nach dieser Richtung nichts zu spüren. Sie erblicken in dieser famosen Volksgemeinschaft eben Nur ein Mittel, um sich neuerlich auf Kosten der armen Grubrnproleten zu bereichern/ Die Produk- tionsmrthoden im Bergbau, dir Ziffern über die Schichtleistung«nd die Löhne, beweisen dies mit aller Deutlichkeit. So ist der Wochrnlohn eines Falkenauer Bergarbeiters von 1929 bis 1935 von 225,50 auf 187,81 ,KL gesunken, obwohl»er För- deranteil pro Schicht um 581 Kilogramm gestiegen ist. Durch solche Ziffern wird das Geschwätz von der Beseitigung des Klaffenkampses ad absttrdum geführt. Durchschnittlich werden im Bergbau nur drei bis vier Schichten pro Woche verfahren. Soll eine Befferüng in der Beschäftigung eintretcn. dann muß für die Hebung des Jnlandkonsums und des Exportes gesorgt werden. Brüx uvd Falkenau werden durch den 40prozentigen Rückgang der Ausfuhr nach Deutschland im Gefolge der Kontingentierung geschädigt; dazu kommt die schwere Benachteiligung namentlich von Falkenau bei der Vergab« der Kohlenlieferungen für die Staatsbahn. Umgekehrt wird 23 Wir suchen ein Land ■, Roman einer Emigration Von Robert Grötzsch Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava. Dann stoßen sie an, auf eine bessere Zukunft, die Gegenwart ist so grau und drückend und voll Gefahren, man kann nur auf die Zukunft trinken, also prositl Heute ist der Tag der Flaschen! Der Freund läßt einen geraden, blauen Blick über den Glasrand von einem zum andern gleiten, einen Blick ohne Falsch— und wäre Meller vor diesem geraden Blick gewarnt worden, er hätte es-nicht geglaubt, daß in solchen offenen Augen gemeiner Verrat lauern kany und daß er binnen kurzem mit Bitterkeit an diesen Abend denken würde... An diesen herrlichen Abend, da die Sterne so nah erschienen und die Mondsichel wie eine helle Flamme durch den Himmelsraum segelte. Auch Frosch sah zu dieser gelbroten Sichel auf. Wo sie stand, dort war Deutschland, dort wollte er hin, noch in dieser Nacht über die Grenze. Nun war schon alles egal... Litosch lag lichtlos und schlafend hinter ihm. Er lief, daß die Halbschuh um seine-nackten Füße schlotterten. Was sollte er hier noch? Hier mußte man froh sein, wenn man Dreck buddeln durfte und Kohldampf schieben und andere konnten poussieren... Nie kam er hier dazu, wieder einmal ein Haus mit aufzuputzen. Der Ede, der mit den runden Schultern aus der Villa Wanja, der stand drüben schon wieder hinter der Werkbank, lief frei herum. Nichts war ihm passiert— nur einiges verraten mußte er. Ein paar Adressen, irgendwas über illegale Arbeit... Seine Bejne verlangsamten das Tempo. Ver». raten, jawohl, das mußte wohl sein. Man würde sagen müssen, was Justus schrieb, daß Peters Bruder in der Villa Wanja zu Besuch gewesen, daß Moses Verwandte schon mal Geld geschickt hatten... Ein Nagel scheuerte im Schuh. Frosch setzte sich in den Straßengraben. Das alles sollte er verraten? Seine Kameraden? Na selbstverständlich, sonst würde, man ihn ins KZ knallen, war er doch damals bei etlichen Zusammenstößen zwischen Reichsbanner und SA dabei gewesen. Und wenn man nun weniger sagte? Verdammt ja, sie würden schon herausholen, was sie konnten. Wie ist das mit Herkner, mein Sohn? Wo steckt er? So, du weißt nichts? Komm mal mit in die Verhörzelle. Ein paarmal mit dem Kopf gegen die Wand, einige Mal über den Tisch gelegt. So, mein Sohn, weißt du nun mehr zu berichten? Herkners Gesicht taucht vor ihm auf, die Schmarre am Kinn, die ruhigen, festen, graublauen Augen. Nein, das kann Frosch nicht... Gusti... Darum hatte sie sich für ihn die Hände zerflickt und zerwaschen? Er sieht auf seine Hose nieder; sie stammt von Justus und der besaß selbst nur noch zwei. Und die Zigaretten, die Gusti manchmal verteilte? Die kamen meist von Justus. Der Geber wollte nicht genannt sein, sonst ging der Quatsch los: Der hats, der kann Pakete Zigaretten verschenken... Eine Stunde wohl saß er so,, der Kopf zog müde nach unten. Im,, Halbschlaf sah er alte Kollegen, mit denen er früher auf dem Gerüst gestanden hatte, sah Fahnen von ehedem, die einst wieder flattern würden, hörte Kameraden im KZ. Auch du ein Verräter, Frosch, während wir uns hier für unsere alten Fahnen martern lassen? Warst in Freiheit und stellst dich unseren Schindern? Dafür haben deine böhmischen Ge- Lwssen sich Krone um Krone ahgedarbt, damit du eines Tags deine Brüder verkaufst? Ein ruppiger Kunde warst du immer, Frosch, aber ein Halunke? Der Tau fiel, Kühle senkte sich über die Felder. Frosch fuhr empor, zog die Jacke enger um den knochigen Leib, erhob sich und ging den Weg zurück, den er gekommen.. Im Osten erschien am Horizont ein fahler rötlicher Streif, als der Bursche wieder vor der schlafenden Spinne stand. Er kletterte über das Geländer, ging leise ums Haus, stieg durch das angelehnte Fenster in sein Zimmer, warf sich auf seinen Strohsack. IX. Kapitel Ein Brief, auf den man zu lange gewartet hat, kann recht ungelegen kommen, wenn er in einen anderen Traum hineinplatzt. Einen solchen Brief hielt Moses in der Hand. Er hatte Stubendienst, die Kolonne buddelte drüben am Berghang. Im Kessel des Waschhauses kochte große Wäsche. Mit nackten Armen patschte Gusti in der Waschwanne. Das Schreiben kam aus Prag vom Flücht- lingskomitee. Der Palästinafahrt stand nichts mehr im Wege. Das Zertifikat war da, nur für Ernst nicht, aber da er Handwerker sei, könne ihm das Komitee eine Empfehlung mit auf den Weg geben, ebenso etwas Reisegeld. Baldige Entscheidung sei wünschenswert, da binnen kurzem ein Auto abginge, das die beiden bis Ungarn mitnehmen könne, denn mit den Mitteln müsse gespart werden. Moses legte den Brief kühl zur Seite. Herrgott» würde der Kleine toben! Langsam mußte man ihm das beibringen, in Dosen... Oder vorläufig überhaupt nichts sagen? Aufichieben?— Moses war weder wetterwendisch, noch unentschlossen, aber er dachte nicht gern an die Stimde da er von Eva endgültig Abschied nehmen mußte. in der Slowakei die Bräunkohlenjördernng forciert; das müßte während einer schweren Lbiatzkrise^ wie heute, unterbleiben. Unter diesen ArbettSverchWnis- sen sind die Opfer, die die Bergaarü.itrr zur Sanierung ihrer Versicherung bringen, doppelt und dreifach zu werten I 4- Zu den von den Kommunisten eingebrachtcn Abänderungsanträgen bemerkt Genosse Katz, daß sich hinter diese Forderungen nicht einmal der-Zom- munistische Berggrbeiterverbaud stellt, weil er Lbenio gut wie die kommunistischen Abgeordneten weiß, daß sie nicht zu verwirklichen find. Auch der kommuniiti- sche Bergarbeiterverband hat an dem vorliegenden Entwurf mitgearbeitet und wird für ihn inmnien. Appelt(Komm.):„Wir werden auch dafür stimmen!" Katz: Dann diirfen Sie nicht solche Anträge stellen, von denen Sie wissen, daß sie nicht zu verwirklichen find! ES muß auch sesthestellt werden, daß weder die Gablonzer Gewerkschaft, noch die SdP etwas zur Lösung dieses brennenden sozialpolitischen Problems beigetragen haben. Die Hmlrins, dir sich immer wieder als di« alleinigen Vertreter der Sude- tendeutschen aufspielen, haben praktisch nicht einen Finger krumm gemacht, um die Bergarbeiter in ihrem schweren Kampf zu unterstützen. Wenn die Bergarabeiter auf die Hilfe dieser Partei angewie- ien wären, so stünde eS um ihre Versicherung sehr schlecht. Dir Herren haben sich, wir rin Bersamm- lungsbericht deS Herrn Wollner aus dem„Volksruf" vom November des Vorjahres beweist, sogar sehr fieißig bemüht, die Kampfaktion der Bergarbeiter in ihrer bekannten sauberen Art heraizusetzen. Die Sozialdemokraten haben bewiesen, daß sie auch in diesem Falle die Rechte der Arbeiter zu wahren wußten, die SdP bat diesen Beweis»och Nicht erbracht. Sie bleibt ihn schuldig, wie sie ibn bisher in der ganzen Politik schuldig geblieben ist. Auch bei dieser Vorlage hat die SdP wieder ihre Einfluß- lofigkrit unter Beweis gestellt. Es würde uns allerdings nicht wundern, wenn die SdP die Verurteile dieser Vorlage für die Bergarbeiter als ihren Erfolg hinstellen wollte.(Zwischenrufe.) Wenn Sie aber glauben, daß Sie damit die Bergarbeiter täuschen, so werden Sir sich irren. Die Bergarbeiter, die hier wieder einen so herrlichen Beweis ihrer Solidarität mit den alten, invaliden Bergarbeitern erbringen, werden weiter den Kampf um die Beseitigung der Härfrn führen, die dieser Entwurf für sie noch enthält. Und wir werden dabei an ihrer Seite stehen, so wie wir das immer getan haben!(Beifall.) Schimpfende SdP-Akademlker Im Plenum des Hauses kam es am Freitag bei der Rede des SdP-Abgeordneten Nemec zu einem Zwischenfall, der recht bezeichnend für die Manieren ist, die selbst akademisch gebildete Herren aus dem SdP-Klub gegenüber Kollegen aus änderen Lagern an den Tag legpn. Ausgerechnet Herr Dr. Z i p p e.l tü S beschimpfte den deutschen Sozialdemokraten Zischka im Laufe einer Auseinandersetzung mit den Worten:„Sic a uF gesr.ess.cn e r S a lo u m-a r x i st!", weil Zischka dem Herrn Nemec unangenehme Zwischenrufe machte. Zischka ist der Sohn eines Bergarbeiters und hat selbst früher als Bergarbeiter gearbeitet. Ihn auch nur mit einem Wort gegen diese gemeine Beschimpfung durch den SdP-Akademiker zu verteidigen, hieße ihn erneut beleidigen. Wir teilen nur mit, daß Zischka beim Präsidium des Abgeordnetenhauses ein Disziplinarverfahren gegen Dr. Zippelius beantragt hat und die Angelegenheit bereits dem Jmmunitätsausschuß zugcwiesen wurde. Neuer Abgeordneter. An die Stelle des verstorbenen agrarischen Abgeordneten Dr. S t a- n e k wurde Josef D v o r a k, Bürgerschuldirektor in VolevLice, berufen. Viel Hoffnung machte sie ihm nicht, nein, wirklich nicht. Er hatte tagelang leise geschmollt— sie blieb gleichmäßig freundlich zu ihm. Er wurde schweigsam, kam ihr nicht zu nahe, wenn sie mit Justus an den Weiden saß— sie rief ihm Scherzworte in die Mitte des Flusses hinüber. Unbefangen verabschiedete sie sich abends von ihm, wenn er noch in der Badehose war, ging mit Justus heimwärts, winkte zurück.... Moses kippte aus den Pantinen, wie Frosch behauptete. Mache ich so wenig Eindruck auf kluge Frauen, gerade ich, zu dem sie im Seidenhaus Meinert& Co am liebsten kaufen kamen? Seine Sprache verlor das Spielerische, Gewandte, wenn er? mit ihr plauderte. Aber gerade in den letzten Tagen hatten sie so nett im Grase beisammen gesessen und von fremden Völkern geredet, vom deutschen Wald, von Tieren, die sie gekannt... Halbedelsteine hatte sie in einem Kästchen mitgebracht. Ein Göldtopas war dabei, der leuchtete mild„wie die Sonne an kalten Herbsttagen..Und ein Opal, weiß-graugrün. Und einer wie zersplitterter Regenbogen... Alles hatte sich Moses gemerkt, was sie gesagt— und der stille Traum war in ihm weiter gewachsen, sie würde ihm eines Abends die Hand lassen, wenn er sie wieder packte. So vieles wußte sie von Dingen, von denen er wenig wußte; er hörte sie gern reden, es war ein sanfter Klang in ihrer dunklen Altstimme. Auf so was würde man sich verlassen können, sie gehörte sicher zu den Treuen. Mochte sie manchmal mit Justus herum sitzen, kein Wunder, wo es doch in diesetn Nest hier so wenig geistige Anregung gab. Schade, daß man nicht weiter kam; wenn er vom Heiraten sprach, bog sie sofort mit ein paar Scherzen ab. Die Spröden sind eben so, aber dafür halten sie dann Farbe in Sturm und Regen— und das war in diesen ungebärdigen Zeiten Goldes wert. .(Fortsetzung folgt.), Seile 3 Nr. 150 Samstag, 27. Juni 1936 fudctcndeutstfier Zeitspieget Worte des Präsidenten Bei einem Empfang der Vertreter des„Bundes der Deutschen", des Kulturverbandes, des Deutschen Turnerbundes und des Deutschen Sängerbundes sagte Präsident Dr. Benes u. a.: Leistung der Arbeiterschaft ein h ä h e r e r Lohn zu garantieren ist, daß als Grundlage für die Festsetzung der Werte von den Vertrauensleuten der Arbeiter gemessene Rormallei- st u n g e n anzusetzen sind, daß nach 4 Wochen bei neuerlichen Verhandlungen festzustellen ist, ob die getroffenen Maßnahmen für die Arbeiterschaft durchführbar und erträglich find und daß alle von der Firma vorgenommenen Entlassungen zurückzu ziehen sind. Wenn die Herren im Mauthner-Konzern und die mit den Kuponscheren„arbeitenden" Besitzer des Betriebes alle die Not, aber auch die stolze Ueberzeugung der Arbeiter, daß sie für eine gerechte Sache kämpfen, sehen und verstehen würden, müßten sie eine Entscheidung fällen, die dem Standpunkt der Arbeiterschaft voll Rechnung trägt. Die Arbeiterschaft des Mauthner-Konzerns steht nach wie vor in einmütiger Geschlossenheit im Streik und wird ihre Entscheidungen nach reiflicher Urberlegung treffen, wenn die Stellung der Firma zu de« Vorschlägen der Behörde bekannt wird. Nauthner-Strelk-Grünwald Die Behörden greifen ein Seit mehr als zwei Wochen steht die Arbei- zum Teile durchgeführter Herabsetzung terschaft des Mauthner-Betriebes in Grünwald des Lohnes den Abwehrkampf verursachten, geschlossen im Abwehrstreik. Kein Streikbrecher hat> Nach stundenlangen Verhandlungen, bei welchen sich' gefunden, der den schriftlichen, an die Arbei-> der Vertreter der Zentrale des Mauthner-Kon- ter gerichteten Aufforderungen der Firma, die zerns klar ausführte, daß es der Firma Mauthner Front der kämpfenden Arbeiter zu verlassen, ge- in Grünwald darum gehe, den jetzigen Lohn abfolgt wäre. Der Betriebsausschuß der Firma, der es ablehnte, Streikbrucharbeit zu ver richten, wurde ebenso wie die. M e i st e r der Firma, welche die Aufforderung zur Streikbrucharbeit gleichfalls abwiesen, von der Firma nach 8 82 der G.-O., resp. nach den bezüglichen Bestimmungen des zubaucn, wurden die Beratungen untergebrochen und die Vertreter der Firma übernahmen die Verpflichtung, sich zu einem Vermittlungsvorschlag der Behörde in allernächster Zeit zu äußern. Der Vorschlag sieht vor, daß die geplante Einführung des Beiwaux-Systems vorläufig auf ein oder höch- Privatangestellten-Gesetzes! stens zwei Borbereitungsabteilungen der Firma fr i st los entlassen. Gegen diesen Schritt beschränkt bleibt, daß für die geforderte hohe wurden die geeigneten Maßnahmen unternom men. Der Mauthner-Konzern wirb sich überzeu gen lassen müssen, daß auch für ihn die Gesetze! unseres Staates gelten und daß er nicht seine| wirtschaftliche Macht und Gewalt an Stelle von Recht setzen darf. Die Bezirksbehörde in Gablonz und die Ge werbebehörde in Reichenberg hatten für den 22. Juni Verhandlungen ängesetzt, bei welchen für die Belegschaft deutscher Nationalität Genosse K o u t n i k, Union der Textilarbeiter, und für die Arbeiterschaft tschechischer Nationalität, Ge nosse M o r a w e k, vom Brünner Textilarbeiter verband, die Verhandlungen zu führen hatten. Es muß festgestellt werden, daß die Vertreter der Be hörde, welche die Verhältnisse im Betriebe Mauth- nrr in Grünwald genau kennen, da ihnen sicher alle notwendigen Jnformationsmöglichkeitcn zur Verfügung standen, die Berechtigung des Kampfes der Mauthner-Arbriterschaft anerkannten. Tvr Vertreter der Behörde stellte fest, daß von der Firma zu Unrecht geforderte Leistungs- st ei g e r u n g, verbunden mit beabsichtigter und OlmOtzcr SdP-Vcrsammlung verweigert TrcucgciöDnis rar Deinem! Demonstrativer Exodus Die donnerstägige Monatsversammlung der' Olmützer SdP., die bis 11 Uhr nachts dauerte,, nahm— laut Bericht der„Prager Abendzeitung" — stellenweise einen stürmischen Verlauf. An der Versammlung nahmen 150 Mitglieder teil, die beim Eingang ftrengkontrolliert wurden, damit kein Unberufener in den Saal gelange. Einleitend sprach Abg. Ritsch(Muglitz), der mit Bedauern feststellte, daß einige Gruppen es an der nötigen Disziplin fehlen ließen und dadurch die Arbeit der Partei gehemmt werde. Es wurde hierauf bekanntgcgeben, daß der Obmann der Olmützer Ortsgruppe Wilhelm Gratschka, der sich hinter den Abg. Typhuserkrankungen durch Brunnenwasser In dem Egerstädtchen Rodisfort ereigneten sich vier Falle schwerer Typhuserkmnkungen durch Genuß von verseuchtem Brunnenwasser. Von den Einwohnern zweier benachbarter Häuser, deren Parteien das Nutz- und Trinkwaffer aus einem gemeinschaftlichen Brunnen bezogen, erkrankten vier Personen, unter ihnen ein Kind, unter sehr schweren Bergiftungserscheinungen, so daß sie ins Karlsbader Krankenhaus eingeliesert wurden, wo sic unter Typhuserscheinungen mit dem Tode ringe n. Aufsiger Sparkasse zeichnet eine Million Kt Staatsverteidigungsanleihe. Die Aussiger Sparkasse hat in ihrer Ausschußsitzung vom 18. Juni den Beschluß gefaßt, eine Million Kc Staatsverteidigungsanleihe der Tschechoslowakischen Republik zu zeichnen. Eine Greisin verbrannt. In der kleinen Erzgebirgsortschaft T r i n k s a i f c n bei Ncuhammcr im Bezirke Neudck brach gegen Mitternacht im Hause des Johann Bachmann ein Schadenfeuer aus, das binnen kurzer Zeit das gesamte Anwesen in Asche legte. Während sich die anderen Inwohner des Hauses retten konnten, wurde die 69jährige Therese Glöckner im Schlaf von den Flammen überrascht und fand in ihnen den Tod. Die Erhebungen der Gendarmerie sind noch nicht abgeschlossen.;« Wahnsinnsfälle in Karlsbad. Im Hause„Odin" in Karlsbad fiel den Wohnparteien auf, daß die in einer Dachkammer wohnende 34jährige Rosa P l e y e r nicht wie sonst zur gewöhnlichen Morgenstunde ihre Behausung verließ. Klopfen an der Tür blieb erfolglos, und weil die Pleyer seit dem kürzlich erfolgten Tod ihrer Mutter Anfälle von Schwermut gezeigt hatte, befürchteten die übrigen Hausinsassen, die Frau könnte sich ein Leid angetan haben, weshalb die Polizei verständigt wurde, die schließlich gewaltsam in die Dachkammer eindrang. Den Beamten bot sich dort ein seltsames Bild, die Pleyer stand mit zum Geber gefalteten Händen gegen ein Heiligenbild des Aohnraumes gelehn:, und auf Kassier und gegen Brand gestM hatte,.,s eist e s A in t c s e n t h o b e n's e i. Die. Kreisleitung. in Mähr.-Schönberg übernimmt anStelleS k o- morowskis Abgeordneter Nitsch. Der gewesene Obmann Gratschka erhielt darauf das Wort, um sein Vorgehen zu rechtfertigen: Als der Abg. Ritsch die Mitglieder aufforderte, Henlein aufs neue die Treue zu geloben, erhob sich ungefähr die Hälfte der Teilnehmer der Versammlung und verließdemonstrativ den Saal. Die Versammlung wurde hierauf ohne weiteren Zwischenfällen geschlossen. den Tischen, Kästen und Schränken brannte eine Anzahl von Kerzen. Auf die Frage nach ihrem Tun gab das unglückliche Wesen keine Antwort, und so blieb den Beamten nichts anderes übrig, als die mit verklärtem Antlitz das Heiligenbild anstarrende Frau ins Krankenhaus zu überführen, wo eine schwere geistige Störung als Folge seelischer Depressionen festgestellt wurde.— Am Abend des gleichen Tages stieß im unteren Stadtteil von Karlsbad eine Polizeipatrouille auf ein 18jähriges Mädchen, das unter dem Einfluß einer Nervenkrankheit auf der Straße von einem heftigen Weinkrampf befallen worden war. Da auch bei diesem Mädchen Anzeichen einer Sinnesverwirrung festgestellt wurden, brachten die Wachleute die Unglücklich« vorerst zum Kommissariat, wo die Achtzehnjährige wie wild um sich zu schlagen begann, so daß sie nur mit Mühe ins Krankenhaus gebracht werden konnte, woselbst sie in der Isolierzelle untergebracht wurde. Aufstand In Transjordanien? 60.000 Beduinen an der Grenze Palästinas? London.„News Chronicle" meldet, daß seit einigen Tagen eine ntue, sehr ernste Gefahr in Palästina drohe. Bisher hat sich der arabische Widerstand nur auf Westjordanien beschränkt, jetzt breitet er sich aber auch in Transjordanien aus. An 60.000 Beduinen seien bereit, den Jordan zu überschreiten und sich den arabischen Aufständischen in Palästina anzuschli'eßen. I« der Hauptstadt Transjordaniens Amman sind 200 Scheiks versammelt, die beschlossen haben, dem britischen Hohen Kommissär Sir Wauchope ein Ultimatum zu senden, in dem Sinne, daß der Widerstand in Transjordanien öffentlich ausbrechen werde, wenn nicht binnen zehn Tagen die Forderungen der palästinensischen Araber erfüllt werden. In Transjordanien gestattet das Gesetz jedem, ein Gewehr oder einen Revolver und eine beliebige Menge Munition bei sich zu tragen, was in Palästina verboten ist, so daß, wenn sich die Araber dieser Gegend ihren Landsleuten in Palästina anschlietzen würden, Großbritannien einen wirklichen Krieg fuhren müßte. Flassensesetz auf den Herbst verlast Der verfassungsrechtliche Ausschuß beschäftigte sich Freitag früh mit dem Entwurf des Flaggengesetzes, das die Verwendung der Staatsflagge, der Staatswappen und anderer Symbole der Staatssouveränität zum Gegenstände hat. Der Entwurf will die in annähernd 20 Gesetzen und Verordnungen, die zum Teil noch aus dem alten Oesterreich stammen, verstreuten Rechtsvorschriften auf diesem Gebiet vereinheitlichen. Die Bestimmungen gehen aber weit über die bestehenden Normen hinaus und stießen deshalb nicht nur bei der Opposition auf heftigen Widerstand, der sich insbesondere auf jene Bestimmungen konzentrierte, die Art und Umfang der beabsichtigten Benützung von Fahnen und Symbolen in das freie Ermessen der Bezirks- und Landesbehörden stellen. Namens unserer Partei wandte sich Genosse Kügler gegen diese Teile des vorliegenden Entwurfes. Er bezeichnete sie im Interesse der Staatspolitik gegenwärtig als inopportun und verfehlt. Der Entwurf stehe auch, so betonte er, in entscheidenden Partien in unüberbrückbaren Widerspruch zu den ehrlichen Versuchen des Herrn Staatspräsidenten nach nationaler Befriedung. Aus der politischen Erfahrung geht immer wieder hervor, daß sich an Fahnen und Symbolen die nationalistischen Leidenschaften der Chauvinisten in allen Lagern erhitzen. Den Herren der SdP wurde erflärt, daß sie gar keine Veranlassung haben, über das freie Ermessen der Bezirkshauptleute und über Polizeiwillkür zu klagen, da sie einer Partei angehören, in der ein Führer machen kann, was er WM, ob es recht ist, oder nicht. Niemand darf sich in einer solchen Partei über Willkür beklagen. Der Staatsbürger kann sich nur dort gegen Unrecht zur Wehr setzen, das aus Berwaltungsmaßnahmen erfließt, wo Demokratie und Freiheit herrschen. In der gegenwärtigen Zeit voll drückender Not muß die Aufmerksamkeit des Parlaments, das sich eben in einer umfangreichen Steuerdebatte die Meinungsfreiheit gegenüber der Finandemolratie mit Entschiedenheit gewahrt hat, auf die großen und wichtigen Probleme der Wirtschaft gelenkt werden. Der tschechische Genosse Dr. Mares zeigte ebenfalls die Akängel des Entwurfes auf, der auch in die finanzielle Gebarung aller Arbeiterorganisationen, Atus, DTJ, Sokol und ihrer Kindexgruppe« einschneidend eingreift. Ein. derartiges Gesetz müsse mit größter Ueberlegung vorberaten werden. Für den Gebrauch der Fahnen reichen die vorhandenen Vorschriften aus. Er unterstützte die Stellungnahme des Genossen Kügler, der die tschechische Sozialdemokratie beipflichte. Jeder kann seiner nationale» Kultur treu, dabei aber ein guter und ergebener Bürger dieses Staates und vor allem ein guter Europäer und Mensch sein. Dieses Ideal ist schon heute erreichbar, der Versuch, es zu verwirklichen, erst wird der deutschen Bevölkerung in diesem Staat eine wahrhaft nationale und menschliche Sendung zuweisen und ihr die ihr gebührende bedeutsame Stellung einräumen. * Die Kulturarbeit der Deutschen bei«ns kann nur dann Erfolg haben, wenn sie tatsächlich den Fußstapfen jener Klassiker deutschen Geistes folgen wird, welche auch für die Tschechen Klassiker und große Menschen find, den Fußstapfen Herders, Lessings, Goethes, Schillers«sw., d. h„ wenn wir es alle zuwege bringen werden, uns einander vor allem ideell, in der Welt- a n s ch a u u n g zu nähern und wenn wir uns weder der eine noch der andere von dem Ideen- chaos des Rachkriegsenropas verwirren lassen werden, von zeitweiligen Ideologien, welche nicht annähern, sondern entfernen und welche in Bälde von den wirklichen Idealen der Menschlichkeit und eines vernünftigen Europäertums werden verdrängt werdrn. Die Zugehörigkeit der Sudetendeutschen zur großen deutschen Kulturgemeinschaft ist einr natürliche Sache, gegen die auch von feiten des Staates nichts einzuwendrn ist. Der Staat ist sich bewußt, daß die politischen Grenzen keineswegs auch geistige Schranken bedeuten müssen. Notwendig ist freilich, die kulturelle Arbeit streng von der politischen Tätigkeit zu scheiden. Hf Ich selbst bin bemüht, Tag für Tag irgend einen Beitrag zur Befriedigung des Verhältnisses unserer beiden Völker zu leisten. *** Der„Deutsche Kulturverband" hat diese Aeußerungen des Präsidenten einer Reihe von deutschen Blättern zugestellt, wobei aber die Zustellung unsere Redaktion nicht erreicht hat. Auch der Referent Richter(Rat. Soz.) anerkannte, daß mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Materie die Einsetzung eines Subkomitees zur detaiflierten Durchberatung der Vorlage notwendig sei. Ein diesbezüglicher Antrag wurde einstimmig genehmigt. Den Henleinleuten, hinter deren Aufgeregtheit sich nur Schwäche verbarg und die in ihrer großen Verlegenheit, die aus inneren Schwierigkeiten kommt, gerne ihre Parteisuppe an der Fahnenfrage gewärmt hätten, sind in ihren Hoffnungen durch das Eingreifen der Koalitionsparteien enttäuscht worden. Zum 3. Bundesturnfest Nur noch wenige— 7 Tage— trennen uns von der größten Veranstaltung des Atus dem 3. Bundesturnfest. 10.000 sozialistische Arbeiter und Arbeiterinnen haben sich dafür schon vorbereitet und angemeldet, sind über das Programm und alle notwendigen organisatorischen Voraussetzungen informiert. Tausende Genossen und Genossinnen werden sich jedoch noch im letzten Augenblick entscheiden und nach Komotau fahren und über manches, was der Festbesucher wissen muß, nicht genügend informiert sein. An alle diese wenden wir«ns heute und beantworten ihnen einige Fragen, die erfahrungsgemäß in den letzten Tagen in 1000 Varianten an uns und unsere Funktionäre gestellt«erden. Du willst wissen: Mit welchenZLgen du am schnellsten und billigsten, womöglich mit 50 Prozent Ermäßigung, nach Komotau kommst? Gehe sofort zu deinem Vertrauensmann— Turnvereinsobmann•— er ist darüber genau informiert. Lies im Ortsteil deiner Zeitung die Verlautbarungen über den Abgang der Sonderzüge. Wann daS Fest beginnt'? Am 3. Juli 6 Uhr abends. Wir lange es dauert? Bis Sonntag, den 5. bzw. Montag, den 6. Juli. Was es kostet? Die Fahrkosten erfährst du bei deinem Vertrauensmann. Eine Ganztagskarte kostet Kü 6.—. Eine Halbtagskarte kostet Kc 3.50, bzw. KL 4.—. Das Festabzeichen KL 1.— die Uebernachtung Kc 2.—. Wo du schläfst? In Massenquartieren die dir, bzw. dem Verein angewiesen werden. Gibt es am Festplatz Essen? Am Festplatz erhältst du Mittagessen(Reis- fleisch per Portion KL 2.— bis KL 2.50, Milch, Kaffee, Butter und belegte Brote, Wyrst und Backware.) In den Maffenquartieren erhältst du Kaffee (KL 1.—) eventuell Milch. ZudeinenJnformationen noch folgendes: Für die Maffenlager empfiehlt es sich, einen Schlaffack oder eine Decke mitzunehmen.\ Wer Mittagessen wünscht, meldet dies dem Vertrauensmann odet Obmann, welcher die Sammel- meldüng bei der Ankunft in Komotau sofort in der Hauptfestkanzlei abzugeben hat. Bei Kindern empfiehlt es sich, einen kleinen Zettel(Pappdeckel) anzufertigen, darauf den Namen und genaue Adresse zu schreiben, Md mit einem schwachen Bindfaden dem Kind um den Hals zu hängen. Handtuch, Seife und andere Ersatzwäscheteile, eventuell Eßgeschirr und Löffel sind mitzunehmen. Dazu einen Rucksack. *** An alle Mltwlrkenden des Festabends am SamBtag, den 4. Juli, in Komotau! Fahnenträger, Sänger und Sängerinnen, Kinder, Jungturner und-Turnerinrien, Tänzerinnen, Fackelschwinger, Kreis-, Betriebs- und Parteiabordnungen! Was müßt Ihr alle unbedingt beachten, wenn unser Festabend restlos gelingen soll? 1. Pünktlich zu den Proben antretrn! Kinder um halb 7 Uhr, Jungturner um 7 Uhr im Hof des Gymnasiums, eine Minute vom Jestplatz entfernt. Tänzerinnen und Fackelschwinger um 7 Uhr im Hof gestellt, von dort Abmarsch zur Probe auf den Platz. Probe mit Musik und Gesang. Tanzprobe ohne Tanzkleider im Turnanzug. 2. Ganz pünktlich zum Beginn des Festabends antreten! Alle Mitwirkende— ohne Ausnahme, wie oben genannt— um 8 Uhr im Hof des Gymnasiums gestellt zum Abmarsch auf den Feftplatz. 3. Kleidung: Fahnenträger, lange Hose, roter Gürtel, Atus-Hemd, Kappe, roter Binder. Kinder in vorschriftsmäßiger Turnkleidung, Jungturner zum Sprechchor wie die Fahnenträger, zu den Festübungen in vorschriftsmäßiger Turnkleidung, ebenso die Jungturnerinnen. Fackelschwinger, weiße Hose, weißes Leibchen. Genossen! Genossinnen! Wir wissen, es wird viel Arbeitsfreude, viel Ausdauer von Euch verlangt. Ihr werdet kaum Ruhe zum Abendbrot haben. Und trotzdem: zeigt, daß Ihr im Atus Disziplin zu halten gelernt habt! Es darf keiner von Euch 2000 zu spät kommen! F r e i H e i l!. Heitzer— Grafje, i Seite 4 Samstag, 27. Juni 1936 Nr. 150 In vollen Wirk» Zum erstenmal als Herrscher beging König Eduard Von England seinen Geburtstag. Hier begibt er sich zu Pferde mit seinen drei Brüdern Vom Buckingham-Palast zur traditionellen Parade der Königlichen Garde. Entsetzliche Bluttat In Mlttellangenau Der in Oberlangen«« wohnende Landwirt Haselbach erschien am Mittwoch, gegen %1 Uhr mittags, bei seiner in Mittellangenau wohnonden Ausgedingerin FilomenaZirm. Im Verlaufe eines erregten Wortwechsels tötete Haselbach die achtzigjährige Frau mit einem Küchenmcsscr. Auf die Hilferufe kam ihre Tochter, Frau Hedwig Weiß, herbeigeeitt, auf die Haselbach zwei Rcvoloerschüsse abgab; sie st a r b am nächsten Tage im Hohenelbrr Krankenhaus. Auch den Schwiegersohn der schwerverletzten Frau Weiß, Leopold Tost, bedrohte Haselbach mit dem Revolver, als jener herbeieilte, um der Frau Zirm das Messer ans der Wunde zu ziehen. Rur die schnelle Flucht rettete Tost vor der Re- volverkugel. Roch ein weiteres Opfer hätte daS entsetzliche Wüten des Haselbach gefordert, und zwar de» 50jährigen Schwiegersohn der Erstochenen, Anton Weiß, wenn nicht zufällig der Revolver versagt hätte. Auch den herbeigerufenen Arzt Dr. Kraus bedrohte Haselbach mit gezogenem Revolver. Unterdessen hatte sich bei dem Haus« ein« nach Hunderten zählenden Menschenmenge versammelt; doch konnte niemand wagen, den Täter zu bewältigen, da er sich in der Wohnung der Ermordeten«ingeschlossen hatte und jeden durch das Fenster mit dem Revolver bedrohte» der sich ihm näherte. Rach einer Stunde traf die Gendarmerie von Hohenelbe ein und wollte die Wohnung gewaltsam öffnen, um den Täter festzunehmeu. In diesem Augenblicke schoß sich Haselbach eine Kugel in die Schläfe, was seinen sofortigen Tod herteiführte. Es wird ver- niutet, daß der Grund zu diesen furchtbaren Taten des Haselbach in seinem wirtfchaflichen Ruin zu suchen ist. Er war feiner Ausgedingerin, Frau Zirm, schon einige Jahre das Ausgedinge schuldig und stand vor der Versteigerung seines AmvrsrnS. Einbrecherkönig Soucek Ein bei seiner Gilde in hohem Ansehen stehender Verbrecher wurde einer Anzahl Untaten überführt. Zwölf mehr oder weniger schwere Einbrüche werde» ihm zur Last gelegt. Im März wurde Soükek wegen mehrerer schwerer Delikte dem Kreisgericht Böhm.-Leipa eingeliefert. Achtzehn Monate hat er dort abzusitzen. Während Soükek brummte,‘ arbeitete die Aussiger Polizei an der Feststellung weiterer Verbrechen. Sie vernahm im Bezirkskrankenhaus die Geliebte des Verbrechers. Dabei wurde festgestellt, daß die Dame sich einen Mantel hatte färben lassen, der, wie sich herausstellte, beieinem nächtlichen Diebstahl im Auss i« ger Volkhaus von Soukekgestotz- len wurde. Eine bei diesem Einbruch gestohlene Pistole wurde ebenfalls ausfindig gemacht. Weiter wurden geklärt ein Einbruch in die Aussiger Turnhalle, bei dem eine große Menge Zigaretten gestohlen wurden, ein Schreibmaschinendiebstahl, Diebstähle und Einbrüche in Teplitz und ein Einbruch in die Kanzlei des A r- beite r-T urn- und Sportverbandes in Aussig, bei dem eine Schreibmaschine im Werte von 3000 Kö gestohlen wurde. Soükek legte im Gefängnis ein umfassendes Geständnis ab und nannte eine Anzahl Helfershelfer. Paris. Die Regierung setzt die Realisie- rüng ihres Wirtschafts- und Sozialprogramms fort. Der Ministerrat bereitet u. a. den definitiven Text eines Rrgierungsrntwurfes über die Verstaatlichung der Kriegsindustrie vor. Der landwirtschaftliche Ausschuß der Kammer hat nach einigen kleineren Aendrrungen den Gesetzentwurf betreffend die Schaffung eines staat- l ich en Getreide-Institut- angenom- men, über den die Kammer anfangs nächster Woche verhandeln wird. Der Minister für Landwirtschaft.gab Zusicherungen sowohl betreffend die Methoden der Finanzierung des Instituts im Einvernehmen mit der Bank von Frankreich als auch über dir energische Bekämpfung aller Versuche der Spekulation und der Unterschleife mit Getreide und Mehl. Todesstrafe Segen Andre beantragt Die„Pr. Presse" erfahrt aus Berlin: In dem Prozeß gegen den frühere« Leiter des Roten Frontkämpferbundes, Bezirk Wasserkante, und Hamburger Bürgerschastsabgeordne- teu Edgar Andre beantragte der Staatsanwalt wegen Borbereftung zum Hochverrat in Tateinheit mit Aufruhr und Landfriedeusbruch sowie Mittäterschaft am vollendeten Mord in drei Fällen und versuchtem Mord in 13 Fällen die Todes st rafe und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Ministerrat nächst« Woche. Der normale Ministerrat wurde auf nächste Woche verschoben, da verschiedene das Getreidemonopol betreffende Fragen noch zu erledigen sind und auch die Frage der Errichtung einer Ersätzgcsellschaft für den „Phönix" in Behandlung gezogen werden muß. Stgewuigfceiten Geschichtsfälschung als Tagessensatlon Daß die Boulevardpresse Sensationen er- findet, wenn sie keine wahren Begebenheüen als Sensationen frisieren kann, rst nichts Neues; daß die Geschichte oft gefälscht wird, ist nicht min- der ein alter Brauch. Aber daß man längst zurückliegende historische Ereign'sse als schreiende Tagessensation aufzieht, die Geschichte fälscht, um für zwei Nachmittagsstunden eine Sensation ausschreien zu können, dürste so ost nicht vorkommen. Ein Prager Boulevardblatt hat die- ser Tage das Kunststück zuwege gebracht, eine von Unwahrheiten strotzende Darstellung der ostböhmischen Schlachten von 1866 in der Form eines„Aufmachers", eines journalistischen Reißers zu bringen, als handle es sich um die stisch eingelangte Meldung einer Katasttophe, die man der Prager Gasse noch rasch vor dem Nachmtt- tagskaffee servieren müsse. Der Feldzug von 1866 hat wahrhaftig genug blutige Opfer gefordert. Daß mau die Verlustziffern, um sie dem heutigen Smsationsbe- dürfnis anzupassen, hinaufschraubt, ist ein Unfug. Nicht minder ist es ein grober Unfug, wenn dem General B e n e d e k, dessen Gebeine fest einem halben Jahrhundert auf dem Grazer Friedhof modern, anno 1936 in einem Boulevardblatt sensationshalber nachgesagt wird, er sei bestochen gewesen und habe absichtlich den Krieg verloren, absichtlich Hekatomben von Menschen geopfert. Benedeks Persönlichkeit ist bis heute umsttiüen. Mel eigene Schuld hatte der unglückselige Mann, der seiner Aufgabe nicht gewachsen war, zu tragen, für viel fremde Schuld mußte er büßen. Aber daß er schlechthin bezahlt gewesen wäre— der Vorwurf selbst entspringt ganz der Denkungsart der West des 20. Jahrhunderts und einem Milieu, das die Redl und Geidl hervorgebracht hat— ist doch eine Nachrede, die ebenso läppisch wie geschmacklos ist. Es sollte doch so etwas wie h i st o r i sch e n Ehrenschutz, analog dem Denkmalschutz geben. Es ist grotesk, daß in einem Lande, des» sen Preßgesetz es beinahe unmöglich macht, einen wirklichen Lumpen anzuprangern, das jede nicht- vorhandene Ehre schützt, jede Wahrhest zu„berichtigen" ermöglicht, die Ehre von Toten unge- sttaft in der gröblichsten Weise besudest werden darf. Der Reimer und der Blitz. In der letzten großen Senatsdebatt« über das Finanzprojekt der Regierung kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen Freunden und Gegnern. Einer der besten Redner des Hauses, der Senator DeS- jardins von der Rechten, bestieg das Podium und begann:„Ich möchte Sie daran erinnern, meine Herren, was Herr Blum vor zehn Jahren gesagt hat. Es wird Sie alle überraschen..." In diesem Augenblick zuckte ein furchtbarer Blitz an den Fenstern vorbei, unmittelbar danach erschütterte«in langanhaltender Donner das Gebäude, und alsbald prasselte ein Regengemisch mtt Hagel auf das Dach des Hauses nieder— kurzum, es war keine Silbe mehr zu verstehen. Der Präsident des Senats erhob sich und gab der Versammlung mit einer Handbcwegung zu verstehen, daß man die Sitzung für eine Zeitlang vertagen müsse. Eine dreiviertel Stunde lang wütete das Unwetter über Paris und das Senatsgebäude. Schließlich wurde die Sitzung wieder eröffnet. Desjardins aber von Blitz, Donner und Hagel um seine Pointe gebracht, verzichtete resigniert aufs Wort. Aber seinen Spitznamen hat er weg, er heißt nur noch: der Blitzrednerl BKB-Kladno ausgeraubt. Heute Freitag nachts wurde die Kassa der Bezirkskrankenversicherungsanstalt in Kladno ausgeraubt, wobei den Einbrechern 25.000 XL in die Hände fielen. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Sein„Kamerad". Einer der berüchtigten Potemba-Mörder, die im Sommer 1932 von Hitler als seine„Kameraden" bezeichnet wurden, hat jetzt in Mikulsschütz in Oberschlcsien einen Briefträger ermordet und beraubt. Nur ein dichter Polizeikordon konnte den Täter vor der Lhnchung durch die erregten Ortsbewohner schützen. Bei der Gelegenheit sei daran erinnert, daß ein zweiter Potemba-Mörder, Hans Broslawitz, Ende 1935 nach einem persönlichen Streit einen Karus- sclbesitzer in Hindenburg in Oberschlcsien von hinten erstach, wofür dieser„nattonale Erneuerer" mit einem Monat Gefängnis davonkam. Dynamit im Schaufenster. Am Frestag um 16.15 Ur kam es in Presov im Geschäfte des Simon Mittelmann zu einer großen Explosion. Der Kaufmann hatte in der Auslage neben anderen Waren auch Dynamit und Patronen ausgestellt, die explodierten, während in der Straße die größte Frequenz herrschte. Durch die Explosion wurden fünf Personen schwer und zehn leichter verletzt. Schwer verwundet ist der Geschäftsinhaber, seine zwei Söhne, eine Frau und ein Bettler, leicht verwundet sind zumeist Kinder. Alle Verwundeten wurden in das staatliche Krankenhaus in Kaschau eingeliefcrt. Das Haus wurde durch die Explosion ziemlich beschä-. digt, desgleichen auch der benachbarte Juwelierladen Haks. Der rasch herbcigeeilten Feuerwehr gelang es, den entstandenen Brand zu löschen. Das Unglück wird von einer Gerichtskommission untersucht. Bessere Markierung von Bahnübergängen. Die wachsende Verkehrsdichte und Steigerung der Fahrgeschwindigkeit auf den Landstraßen macht einen Ausbau der Markierung der Bahnübergänge notwendig. Da es nicht möglich ist, die Gefahren der Straßen-Eisenbahnkreuzungen durch den Bau von Unterführungen oder Ueberbrückun- gen generell zu beseitigen, hat sich die Eisenbahn entschlossen, die Warnungszeichen vor Bahnübergängen von Grund auf zu erneuern bzw. zu ergänze». Zu diesem Zwecke hat sie die Lieferung von insgesamt 7200 eisernen Warnungszeichen ausgeschrieben. Diese Aktton läuft parallel mit den Bestrebungen nach Verbesserung der Signalisierung von Bahnübergängen. Auf diesem Gebiete werden Versuche mtt verschiedenen Systemen von Blinklichtern gemacht, die allenfalls selbst die Bahnschranken unnötig machen würden, gegen welche übrigens eine Reihe von Einwände sowohl von der Eisenbahn als auch von den Benützern der Landstraße erhoben werden. Der Mann ahne Fingerabdruck. In Buenos Aires hat man einen Mann namens Jesse Mount ausfindig gemacht, der der Gegenstand des Neides für all« Verbrecher der Well sein dürfte. Er besitzt nämlich nicht den geringsten Fingerabdruck, seine Haut an den Fingerkuppen ist vollständig glatt wie GlaS. Man ist ganz zufällig auf dieses Phänomen gestoßen, und man schleppt den 51jährigen Mann jetzt von einer Untersuchungsanstalt in die andere, ohne daß die Wissenschaft einen Grund für diese Erscheinung angeben kann. Er selbst leidet darunter in keiner Wesse. Seine Finger sind ebenso empfindlich wie die ganz normaler Menschen. Familie und Wirtschaftskrise —rb.— Eine eindrucksvolle Illustration zu den Auswirkungen der Wirsschaftskrise, unter deren Druck die breitesten Bevölkerungsschichten stehen, bietet eine Gegenüberstellung der HeiratS-, Geburten- und Scheidungsstatistik seit dem letzten Jahr der sogenannten Hochkonjunktur, also seit 1929. In jenem Fahr wurden auf dem Gebiet der Tschecho- slcwakei 139.200 Ehen geschloffen. DaS absolute Maximum der Eheschließungen seit dem Umsturz fällt begreiflicherweise in das Jahr 1919, in welchem, infolge der zahlreichenEhen der Kriegsheimkehrer die Rekordziffer von 184.990 Eheschließungen erreicht wurde. Sett 1929 zeigt aber die Zahl der Eheschließungen eine ständig sinkende Tendenz. Die einsetzende Arbeitslosigkeit verwehrte Tausenden lunger Menschen die Gr'>dung einer Familie. Im Jahre 1934 verzeichnet die Statistik bloß 118.270 Eheschließungen, also ein Minus von annähernd 18 Prozent gegenüber 1929! Die Geburtenzahl, die ihr absolutes Maximum 1921 erreicht hat(408.266), wies 1929 die Ziffer 333.589 aus, Die Geburtenzahl sank während der Wirsschaftskrise um 46.362 auf 287.227. Dagegen zeigt die Schridtmgssiatistik einen bemerkenswerten Anstieg. Im dreijährigen Durchschnitt von 1928 bis 1930 sind 4938 Ehescheidungen und 5497 Ehetrennungen ausgewiesen. In dem zweijährigen Durchschnitt von 1931 bis 1932 steigt die Zahl der Scheidungen auf 513» und die Zahl der Trennungen auf 5974. Die Steigerung dieser Ziffern setzt sich im Jahre 1933(dem ärgsten Krisenjahr) fort und auch noch im Jahre 1934, für welches 5348 Scheidungen und 6938 Trennungen ausgewiesen sind. Gegenüber dem dreijährigen Durchschnitt von 1919 bis 1921 bedeuten die letztangeführten Ziffern eine mehr als hundertprozentige Steigerung. Rekerdredrn.(mH) Im nordischen Parlmnent hat der Abgeordnete Henderson kürzlich eine neunstündige Rede gehalten, nachdem ihm sein Gegner Hamilton allerdings mit einer fünfzehnstündigen Red« vorangegangen war. Es wird fteilich behauptet, daß die Zuhörer durch diese„speeches" weit mehr mitgenommen worden find als die Redner selbst. Sonst wäre es ja auch kaum erklärlich, daß solche Rekordreden in den angelsächsischen Ländern, besonders auch in USA, gar»keine Seltenheit sind. Der Weltrekord dürfte allerdings anderswo aufgestellt worden sein, nämlich— in der Türkei, von Mustafa Kemal Pascha, der im Jahre 1927 anläßlich des Ersten Kongresses der Türkischen Volkspartei vier Tage lang sprach, mit ganz kurzen Unterbrechungen fteilich, während deren seine Seftetäre amtliche Dokumente verlasen. Der heutige Diktator der Türkei hat in diesen vier Tagen nicht weniger als 400.000 Worte zu den Versammelten gesprochen. Auto vom Zuge geschleift. Donnerstag nachmittags wurde ein Personenauto von einem Zug der Graz— Köflacher-Bahn an der Südostgrenze von Graz erfaßt und mehrere hundert Meter weit ge- schlesst. Die beiden Insassen, der Chauffeur Josef Sencar und der Missahrer, Vinzenz BaKikek, wurden herausgeschleudert und erlitten so schwere Verletzungen daß Vaöikek kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus seinen Verletzungen erlag, während Sencar noch mit dem Tode ringt. Letzte Tage der Postmarkrn„Dem Kinde". Ab I. Juli hört der Verkauf der zugunsten hungernder Kinder ausgegebenen Postbriefmarken auf, doch bleiben sie bis 1. Jänner nächsten Jahres im Umlauf. Deshalb empfiehlt-es sich im letzten Augenblick, daß alle diejenigen, die den ärmsten Kindern einige Mit» tagmähler noch verschaffen wollen, sich diese Briefmarken in Vorrat anzukaufen. Jede derartige Briefmarke bedeutet, die Sättigung eines gefährdeten Kindes. Bis 15. Juni wurden sschechoslolvakische Marken „Dem Kinde" für ssö 3,362.066 verkauft. Der„Slowakische Pfeil". Auf Anregung der Staatsbahndirektion in Kaschau-wurde auf der Sttecke Oderberg—Kaschau und hierauf auf der Strecke Kaschau—Kysak Obysovce und zurück die esst« Versuchsfahrt des schnellsten tschechoslowakischen ZugeS, des sogenannten»Slowakischen Pfeils" unrer- nommen, der bereits mit großem Essolge auf der Strecke Preßburg—Prag verkehrt. Der Zug verließ Oderberg um 7.03 Uhr ftüh und war bereits nm II. 58 Uhr in Kaschau. Er fuhr stellenweise mit einer Stundengeschwindigkeit von 130 bis 140 Kilometern. Wahrscheinliches Wetter heute: Vom Westen her Zunahme der Neigung zu Gewittern und Schauern, Abkühlung, Nordwestwind. In der Slowakei noch im ganzen heiter und warm, stellenweise Gewitterbildung. Wetteraussichten für Sonntag:-Veränderlich, stellenweise Schauer oder Gewitter,. mäßig warm. Nordwestwind. Vom Rundfunk ■MPfahlanswartas mu du>rof w—» Sonntag: _ Prag, Sender L: 7: Konzett aus Karlsbad. 9.45: Operngesänge, 12.25: Buntes Konzert, 17.35: Deussche Sendung: Wochen- und Radioübersicht, 17.50: Sommer in Karlsbad, 18.50: Deutsche Presse, 19.05: Militärkonzert, 19.50: Unterhaltungsmusik, 22.45: Salonorchesterkonzert. Sender S: 14.30: Deussche Sendung: Arbeiterfunk: Adolf Schmidt: Skizze a«S dem Böhmerwald, 14.45: Konzert, 15.05: Aus der Revue: Glückselige Augenblicke. — Brünn 8.30: Philharmonisches Quartett.>0.30: Balalaikakonzert, 17.30: Deussche Sendung: Kon« zertstund«,— Mährisch-Ostrau 8.30: tschechische Lieder, 10. Tschechischer Arbeiterfunk, 9tr. ISO Seile 5 Samstag, 27. Juni 1936 Kreditanstalt der Deutschen DerwaltungSkapital 930 Millionen XL. tzaftungSkapital 90 Millionen XL. •1 Ktasorlassungen. JCunal und Wuaw »Der fliegende Holländer", Richard Wag;iers sattsam gespielte romantische O p e r. diente gestern einem Gastspiele von ziemlich undurchsichtiger Art. Denn der Sängergast war Frau Rose H uska- P a l l o s, eine hier unbekannte Sängerin der Münchner Staatsoper, als Senta, also in einer Partie, die wir gegenwärtig und- künftig doppelt besetzt im eigenen Opernensemble zur Verfügung haben. Um aber ein das Publikum anlockendes besonderes Gastspiel dieser Senta zu rechtfertigen, dazu waren ihre künstlerischen Eigenschaften nicht bedeutend genug, um so weniger, als diese und der etwaige künstlerische Ruf der Sängerin dem Publikum fremd waren. Leider waren die Leistungen der GastsäNgerin noch schlechter als normalen Gastspielvoraussetzungen entspricht. Ihre Gesangskunst überzeugt nur in den schön gebrachten Piano-Kopftönen. Die Stimme an sich imponiert durch Kraft in der Höhe/ ohne tonlich fest genug zu sein, leidet unter halsigem Ton, klingt unedel im Forte und spröd in, der unergiebigen Mittelstimme, ist häufig unrein in der Intonation und wird nicht dutch die beste Wortbehandlung unterstützt. Auch als. Darstellerin war., die Gastsängerin herzlich unbedeutend, und musikalisch ist sie so geartet, daß sie nicht einmal im großen Duett, mit Holländer sicher blieb: Dirigent des nicht allzu festgefügten Opernabends war Kapellmeister H. Georg S ch i ck. E. I. Samstag, 10^h Ahr Nachtvorstellung!„Wenn zwei dasselbe tun", em lustiges Spiel. in sechs Bildern. 1. Bild: Festspielouvertüre, dirigiert von Leopold Dudek.' 2. Bild: In der Direktionskanzlei. 3. Bild:„Frau Ehre", frei nach Sudermann. 4. Bild:„Kabale und Liebe", frei nach Schiller, mit Leopold Dudek als Ferdinand und Kürt Preger als Wurm. 5. Bild:„Die allgemeine Lage", besprochen von dem Raunzenden, dem Zuwidern, der Energischen, dem Passiven und dem Kellner. Den Abschluß bilden die„Unentschuldigten Stunden". Sämtliche Mitglieder wirken als Schüler der ersten Volksschulklasse mit! Preise nur Xö 2.60 bis 20.—. Heute 8 Uhr Abschiedsvorstellung Dolores Mon- cask„Ich hab's getan". XL 6.—, 12.—, 18.—. Atontag„Elektra" von Richard Strauß.»Diri- gent: Generalmusikdirektor-Gustav Brecher. Regie: Mordo.(B'2) Dienstag Abschiedsvorstellung Hilde Konriini „Die verkaufte Braut".(Al). Umtauschrecht für Viertelabonnenten. Dir Svmmerspirlzeit in der Klemen Bühne beginnt am 2. Juli. Gastspiel von Mitgliedern des Burgtheaters in„Kpntuschowka". Hauptrollen: Maria Eis, ferenr Barbara Uth und die Herren Krauß, Schmidt, Siegelt, Bolters, Zeska. LUX schäumt auch in kaltem Wasser Zuerst die„Kleinigkeiten" packen — oft sind sie wichtiger, als man glaubt. Es wäre ärgerlich, gerade LLIX nicht mitzuhaben, denn LUX wäscht überall und jederzeit— auch Ix in kaltem Wasser— IFire feinen Sachen schnell wieder sauber. W Agger Leitung Clusland Streikorfolg der litauischen Arbeiter. Die Streikbewegung, welche in der litauischen Hauptstadt vor einigen Tagen aufgetreten war, ist bereits, vollkommen beendet. Die Arbeiter haben die Arbeit wieder ausgenommen. Bei den Verhandlungen wurde festgestellt, daß die Arbeiter provoziert wurden. Etwa die Hälfte der insgesamt 50 Verhafteten wurde freigelassen. Die Arbeiter erhalten für die Tage, an denen sie gestreikt haben, den Lohn ausgezahlt. Die Arbeiterdelegierten waren mit dem Gesamtergebnis volllommen zufrieden. Waffe« für die spanische Reaktion? Zollbeamte haben in Cadiz in dem englischen Handelsdampfer„Santa Maria" elf Kisten mit Maschinengewehren gefunden. Die städtischen Behörden von Cadiz ließen nach telephonischer Rücksprache mit der Madrider Regierung das Schiff sofort unter Verschluß legen, um ein Löschen der Ladung zu verhindern. Gerüchtweise verlautet, daß die Waffen ursprünglich für Abessinien bestimmt gewesen seien. Nach Beendigung des Krieges aber von spanischen Konterrevolutionären erworben werden-sollten. Weitere Einzelheiten fehlen vorläufig, da die telephonische Nachrichtenübermittlung aus Cadiz, soweit sie sich auf diese Angelegenheit bezieht, auf Anordnung des Innenministeriums unterbunden worden ist. Allgemeine Wehrpflicht in England? Wie die Londoner„Reynolds Paper" melden, werden in politischen Kreisen Gerüchte über die bevorstehende Einführung der allgemeinen Wehrpflicht kolportiert. Der Kriegsminister Duff Cooper soll angeblich dafür eintreten. Die englischen Wehrreserven sollen etwa zweieinhalb bis drei Millionen junger Männer betragen. In offiziellen Kreisen werden diese Gerüchte dementiert, wobei man sich darauf beruft, Baldwin habe Ivährend der letzten Parlamentswahlen erklärt, er werde nie in Friedenszeiten die Wehrpflicht einführen. Victor Emanuel m als König and Kaiser. Ter bekannte Außenpolitiker Wladimir d'Ormesson versucht im„Figaro" die Gründe für das augenblicklich vor sich gehende Revirement(Neuernennung und Austausch) der italienischen Botschafter festzustellen. Am 9. Mai hat König Victor Emanuel den Titel eines„Kaisers von Abessinien" offiziell angenommen. Daraus folge nun, daß die diplomatischen Vertreter Italiens im Auslande von nun an als Botschafter und Gesandte„Seiner Majestät des Königs von Italien und Kaisers von Abessinien" akkreditiert werde«. Umgekehrt werde die italienische Regierung darauf achten, daß die neuernannten diplomatischen Vertreter beim römischen Hof zugleich auch beim.Kaiser von Abessinien" beglaubigt werden. Daraus ergebe sich nun für Mussolini die Möglichkeit, die diplomatischen Beziehungen mit England und Frankreich, die voraussichtlich den neuen Titel des italienischen Königs nicht anerkennen werden,-zu lockern, ohne sie jedoch abzubrechen. In Paris., und London werden Geschäftsträger statt Botschafter ernannt werden, was eine Demonstration und zugleich einen Druck bedeute. Viel wichtiger ist aber die Möglichkeit bei verschiedenen Mächten eine st ill schweigen de Anerkennung der Annexion von Abessinien durchzusetzen, falls nämlich diese Mächte die Ernennung der italienischen Botschafter als Vertreter des Kaisers von Abessinien" ohne weiteres hinnehmen. Das werde bestimmt von Berlin und von Warschau erwartet. Auf diese Weise soll aber nach und nach, durch die Annahme der Beglaubigungsschreiben im Namen des König? von Italien und zugleich des Kaiser- von Abessinien eine Anerkennung der Annexion bei der Mehrzahl der Mächte erreicht werden. ttwMali ui WM Steigende Automobilproduktion Die Automobilproduktion in unserem Staate befindet sich in aufsteigender Entwicklung. Jeweils in den ersten fünf Monaten der folgenden Jahre wurden Automobile(einschließlich Lastauws und Omnibusse) hergestellt: 1933... 3469 1934... 3468 1935... 3531 1936... 4159 Gegenüber dem Vorjahre hat sich demnach die Automöbilproduktwn ganz bedeutend erhöht. Immerhin hat sie damit noch nicht den Stand von 1932 erreicht, wo in der gleichen Perivde 4908 Automobile hergestellt wurden. Generalversammlung der Cesko* moravska-Kolben-Danik A.-G. Die Ceskomoravfka-Kolben-Dankk St. G. in Prag, hielt Freitag, den 26. Juni 1936, um 11 Uhr vormittags ihre ordentliche Generalversammlung ab. Der Generalversammlung wurde die Anfangsbilan- zum 1. Jänner 1935 vorgelegt, weiters der Jahresund Bilanzbericht für das Jahr. 1985, welcher einen Verlust in der Höhe von XL 16,698.745.76 aufweift. Die Generalversammlung genehmigte sowohl die Anfangsbilanz als auch den Vorschlag des Per- waltungsrates, den ausgewiesenen Verlust aus dem Stabilisierungsfonds zu ersetzen und«in sechsprozen- iige Dividende aus dem versteuerten Anteil« des Hauptrescrvcfonds äuSzuzahlen.' Ferienlager der Roten Falken in Schelesen. Heute endet die Anmeldeftist für das schöne Falkenlager. Wer sein Kind noch nicht angemeldet hat, der komme heute zwischen 5 und 6 Uhr ins Parteiheim Närodnt 4, 3> Stock. Betrunkener Chauffeur. Der 2Sjährige Chauffeur Jaroslav HudeLek fuhr in der Nacht auf.gestern die Fochstraße herunter und warf vor dem Hause Nr. 74 einen Mann zu Boden, in dem der 60jährige Gerber Wilhelm Viesten festgestellt wurde. HudeLek wollte davonfahren, wurde aber von der Wache danm gehindert und mußte den Ueberfahrenen, der bcwckßt- los war, auf die Klinik Jiräsek mitnehmen.'wo eine schwere Gehirnerschütterung festgestellt wurde. Da der Chauffeur sichtlich betrunken war, wurde er auf die Wachstube gebracht und nach polizeiärztlicher Untersuchung in Haft belassen; sein Führerschein wurde beschlagnahmt. Vom Gerüst gefallen. Der 60jährige Maurer Adalbert Vesely fiel gestern während der Arbeit an der Beseitigung der Deckenbalken eines Hauses in der Jnselgasse vom Gerüst und erlitt eine Kopfwunde und wahrscheinlich einen Bruch des Rückgrats. Er wurde auf die Klinik Jirasek gebracht. Wilde Jagd. Dem. 26jährigen Kutscher Karl Novotny, der beim Gutsbesitzer Fiala in Satalizt beschäftigt ist, fiel gestern mittags in der Russischen Straße auf dem Wege nach Wrschowitz ein Bremsblock aus dem. Wagen,.so daß dieser im Eiltempo die ziemlich abschüssig« Straße hinunterraste und gegen eine Tabaksbude fuhr, dl« beschädigt wurde. Hiebei kam das Handpferd zu Fall und wurde noch ein Stück Wegs durch die HavliLekgasse geschleift; erst als das Gefährt gegen ein Haus anrannte, konnte es zum Stehen gebracht werden, wobei der Kutscher herabstürzte und Verletzungen am Rücken, sowie einen Bruch des linken Fußes erlitt. Das Handpferd hatte zahlreiche Abschürfungen erlitten. Ertrunken. Gestern zog der Arbeiter Josef Svoboda in Lieben die Leiche des 20jährigen Lackierergehilfen Josef Zemka aus der Moldau, der vor zwei Tagen beim Baden ertrunken war.— Gestern mittags ertrank der Schlosserlehrling Miroslav Fiala, er genügt nick« einfach „ein Mineralwasser“... In Ihrem eigenen Interesse sollten Sie darauf sehen, daß man Ihnen stets eine Oualitätsmarke, z. B. M a t t o n i's G i e tz h ü b l e r, vorsetzt. Dieses rein natürliche Mineralwasser zeichnet sich durch anerkannte Heileigenschaften und besonderen Wohlgeschmack aus. 3512 der an einer verbotenen Stelle unterhalb der Liebe- ner Brücke badete. Die Leiche konnte nach einer dreiviertel Stunde geborgen werden und würde ins Ki- ftitut für gerichtliche Medizin gebracht. Staatsvolksschule mit deutscher Unterrichtssprache in Prag I, MaSnä 18. Einschreibungen am 27. und 30. Juni. Große, lichte Schulräume. Bedürftige Schüler werden vom Elternausschuß unterstützt. Qtrichti&aal Der Herr Dechant fiel unter die Räuber Prag,(rb) Ein unangenehmes Abenteuer erlebte der Dechant von Weihwasser in Nordböhmen, alß er am 18. Mai von einer Dienstreise nach Prag, in seinen Amtsort zurückkehrte. In das Waggon- abteil, in welchem der alte Herr ani Fenster Platz, genommen hatte, trat ein einigermaßen verwegen aussehender Mann und nahm mit höflichem Gruß gegenüber dem Geistlichen Platz. Gleich nachher betraten drei weitere Passagiere das Abteil, die sich scheinbar nicht kannten und ein allgemeines Gespräch begannen. Um was für Leute es sich handelte, zeigte sich bald darauf, als einer von ihnen den Vorschlag machte, die langweilig« Fahrt durch ein Kartenspielchen unterhaltender zu gestalten.. Es war, kurz gesagt, eine Bande sogenannter Bauern fänger,-die die Eisepbahnzüge in aller Welt unsicher machen. Diesmal hatte sich die hier in Frage stehende Bände den geistlichen Herrn aufs Korn genommen. Um die Sache unauffälliger erscheinen zu lassen, stellten sich die Kumpane,.-als ob keiner von ihnen" Karten bei sich, hätte und einer von ihnen mimte den Retter in der Not, indem, er Würfel herborzog und'-vorschlug, zum Zeitvertreib ein wenig zu würfeln.- Für Uneingeweihte sei vermertt, daß- ein Hasardspiels mit Würfeln um nichts weniger gefährlich ist, als.ein solches mit„des Teufels Bibel". Nun■—■■ die Kumpane begannen zunächst untereinander-zu würfeln, wie das stets geschieht, uin dem zu Rupfenden Lust zum Spiel zu machen.- Die Einsätze waren nicht klein: 20 XL pro Wurf. Da aber der Dechant trotz wiederholter Einladung energisch ablehnte und-sogar einige abfällige Bemerkungen über solchen sündhaften-Zeitvertreib fallen ließ, begannen die Gauner ihr Opfer energisch -in-die Arbeit zu nehmen. Sie seien.anständige Leute uni> ließen fich nicht beleidigen./ Unter dem Druck allerlei versteckter Drohungen entschloß fich der. unter die Kumpane eingekeilte Geistliche, dem wohl vor einem Skandal graute, seinen lieben Reisegefährten die geforderte„Genugtuung" zu geben, indem er.sich an dem Spiel beteiligte. Freilich wurde ihm sogleich eröffnet, daß von jetzt ab der Min dest e in- satz hundert XL sei. Der Herr Dechant setzte unter Schweißausbruch«inen Hunderter, der im Handumdrehen verschwunden, war. Ein zweiter und dritter, folgte und dann, war die Brieftasche des hochwürdigen Herrn leer. Nun kam aber erst der Hauptschlager. Eben jener verwegen aussehende Mann, der als erster das Abteil betreten'hatte, bedauerte mit teilnahmsvollen Worten das Mißgeschick des Herrn Dechanten. „Durchhalten, Hochwürden, und den Einsatz verdoppeln!. Sie müssen alles zurückgewinnen." Der Geistliche gestand, kein Geld mehr zu haben, aber der teilnahmsvolle Ratgeber wußte Rat:„Ach was, ich strecke Ihnen vor!" Und gleich setzte er, ohne zu fragen, eine Tausendkronennote„im Namen des hochwürdigen Herrn". Halb betäubt und ohnmächtige Proteste stammelnd, sah der Dechant auch den Tausender zum Teufel gehen und binnen wenigen Minuten noch drei weitere. Ehe der Zug nach VZetath gelangt war, war das Spiel zu Ende und das Falschspielergesindel verflüchtigte sich. Im Abteil blieb nur der„hilfsbereite" Mitspieler,, der nun dem Dechanten die Hölle-heiß zu machen begann und energisch den Rückersatz der„vorgestreckten" 4000 XL verlangte. Dem Geistlichen nützte wenig, daß er das Geld gar nicht verlangt und so- . gar gegen die Einsätze protestiert hatte. Der Bauernfänger verlangte seine 4000 XL und gab sich erst zufrieden, als der Dechant sich legitimiert hatte. Dann verschwand er mit deck Versprechen, sich übermorgen diese 4000 XL abzuholen. Daß das ganze eine unter den Kumpanen abgekartete Komödie war, bedarf keiner Erwähnung. Der Dechant Biltz tat das Klügste, was er tun konnte— er verständigte die Gendarmerie, die fich des gütigen Helfers annahm, als er zwei Tag« später seine Forderung eintreiben wollte. In dem Verhafteten wurde der zahllosemale wegen Eigentumsdelikten..und Falschspiel vorbestrafte Peter Svoboda fcstgestellt, der gestern vor dem Strafsenat Kap la n wegen des Verbrechens des Betruges angeklagt war. Er wurde zu fünf Monaten schweren und verschärften Kerkers verurteilt und die Anhaltung in der ZwangS- ardeitsanstalt nach verbüßter Strafe ausgesprochen. Seine Komplicen konnten leider nicht eruiert werden. Verlanget überall Volkszünder Klndcrtrcundelxwcgiing Falken, Achtung! Samstag, 27 Juni, halb 5 Uhr, Parteiheim, letztes gemeinsames Heim. Es ist Pflicht eines jeden zu erscheinen!- Die restlichen Beträge für Schelesen müssen erlegt werden!— Halb 7 Uhr w i ch t i g e H elf e r r a t s i tz u n g im Parteiheim. Lin Trost für Eden Dem englischen Außenminister Anthony Eden wurde der Ehrendoktörgrad der Universität Oxford verliehen. Außenminister Eden und Kardinal Seredst im Ehrendoktorornat beim feierlichen Umzug der Universität. Seite 6 „Sozialdemokrat Samstag, 27. Juni 1936. Nr. 150 muß aui den ganzen Organismus einwirken, denn Rheuma- tismus befällt nicht allein einzelne Gelenke. Die Pistyanei Schlammbäder beeinflussen alle inneren Organe und entfalten wirksame Abwehrstoffe. Prospekte über erfolgreiche Rheu- mabehandlung, sowie über Pauschalkuren durch die Badedirektion Pistyan. Suchen Sie Eingeseüdet. Pressedienst Radio Telefunken. Dieser Tage wurden-von der Tschechischen Philharmonie in voller Besetzung unter Leitung des Generalmusikdirektors Erich Kleiber einige Konzerte auf Telefunken- Platten ausgenommen, von denen besonders das Liszt-Präludium für die Liebhaber von Lisztmusik eine vortreffliche Bereicherung des Schallplatten- repertoirs darstellt.'Die Tschechische Philharmonie dringt also durch die Telefunken-Plätte weiter in das Weltprogramm ein, ein Beweis, welch grosser Beliebtheit sich die Tschechische Philharmonie in der internationalen Musikwelt erfreut. R. T. der einäugige.fliegende Indianer", zu sehen ist. Aber er ist nicht die einzige Sensation dieses Films:, es gibt Fallschirmabsprung«,. Flugzeugkatastrophen und.Todesslrahlen" zu sehen, mit denen der Konkurrenzkampf zweier Fluggesellschaften ausgefochten lvird, die sich um das Flugpostmonopol der Bereinigten Staaten beworben haben. Am Ende siegt selbstverständlich die anständigere der beiden Gesellschaften, die nicht.mit Todesstrahlen arbeitet, und sie siegt nicht zuletzt infolge der Liebe einer Nachtklub-Sängerin zum Chef der so unfair bekämpften Fluglinie, den sie eigentlich, ohne es recht zu wissen, in die Falle locken sollte. Da auch ein komischer Rcvorter in die Affäre verwickelt ist und ein rührendes Kind erscheint, dessen Vater dem mörderischen Konkurrenzkampf zum Opfer siel, ist für jede gewünschte Stimmung gesorgt. Nur für die Schauspielkunst ist schlecht gesorgt, weil der Film zwar viel Knalleffekte, aber keine Rollen bietet. -—eis— Freigegebrne Filme. Diese Woche wurden drei abendfüllende gespielte Filme, zwei amerikanische und ein deutscher, freigegeben. ES sind dies: Der ^Billige Jfuren an den heißen, hochrad. Thermen BadTeplitz-Schönau bei dicht, Rheuma, Ischias. Auskunft: Städtische Kurdirektion oder Clarysche Kurdirektion. 9476, amerikanische Paramountfilm„Das Liebeslied", der amerikanische United Artistsfilm„Die mordende Luge" und der deutsche Ufafilm„Hotel Savoy Nr. 217". Der Silm- Pension Mlmosas Schon einmal, in dem Film„Das grosse Spiel", hat Jacques Feyder, der Satiriker, ein ernstes Thema gestaltet. Es wurde ein schwermütiger, fatalistischer Film,— und auch„Pension Mimosa's" hat diesen fatalistischen Zug. Aber dieses Werk ldas schon vor Feyders„Frauen von Boom" entstand), ist weit mehr als„Das arosse Spiel": es ist ein wahrhaft psychologischer, in jedem Dialog-Satz und in jeder Aufnahme, im Spiel der Darsteller, in Aufbau und Stimmung künstlerischer Film, der wenig seinesgleichen hat. Die Kunst. Feyders, ohne Uebertreibung zu pointteren und ohne Ausbrüche seelische Vorgänge DeremstlackrtMe«. Republikanische Wehr, Ortsgruppe Prag. B u n- desturnfest Komotau. Wir fahren Samstag, den 4/ Juli, mit Sonderzug zwischen 5 und 6 Uhr nachmittag». Genaue Abfahrtszeit wird noch bekannigegeben. Jene Genossen, welche sich noch nicht gemeldet hohen, müssen dies bis spätestens Dienstag-Pjittag nachholen. O Ortsgruppe Prag. Samstag, den 27. Juni, Treffpunkt um.%4 Uhr am Smichowcr Bahnhof. Fahrt nach Vse- nor, Wandelung zur Hütte. Am Sonntag Wanderung in die Umgebung der Hütte. Führt Reithar. Praktischer und eleganter Domenschuh aus Modeleinen. Hübscher Schuh mit aparter Bin* düng. lustiger, leicher Schuh aus festem Leinen. Kombiniert mit 2 Farben. Bequemer und praktischer Pumps mit Tier-Perforierung. sichtbar zu machen,' tritt Hier so überzeugend in Erscheinung, das; jeder, der den Blick für Film-Kunst noch nicht verloren Hat, diesen Film bewundern must. Die Handlung(die übrigens von"dem Autor der „Frauen von Boom", Charles Spaak, stammt), erinnert an naturalistische Milieu- und Charakterstücke. Eine Pension an der Riviera, mit Gästen, die auf den Ipielgewinn im Kasino warten, und mit einem Besitzer-Ehepaar, das sich aus dem Spieler-Milieu in spiessbürgerliche Tüchtigkeit gerettet hat, ist der' Schauplatz. Ter Pflegesohn dieses Ehepaars, dessen Vater am Spiel zugrundeging, kann dem ererbten Drang nicht widerstehen. Vergeblich versucht die Pflegemutter ihn zu retten, vergeblich opfert sie ihr Geld für ihn, vergeblich Holk sie ihn und seine Freundin zurück in die„Pension Mimosas",— sie unterliegt im Kampfe mit der Schwäche des jungen Mannes, den sie aufopfernd liebt,- und mit dem Egoismus seiner Freundin, die der Pflegemutter eifersüchtig-feindselig entgegentritt. Auch der letzte Versuch, den'Pflegesohn durch Trennung von seiner Freundin zu retten, misslingt: der junge Mann vergiftet sich, und die.Pflegemutter, die für ihn sogar, ins Spielkasino gegangen war! steht verzweifelt an der Leiche des Sohnes, der nicht ihr Sohn war. Feyder hat diese Handlung benützt, um Menschliches auf die Leinwand zu bringen und das rätsel- hafte Gesicht des. Lebens an dem Fall des„verlorenen Sohnes" zu zeigen, der äusserlich gar nichts Ungewöhnliches hat, aber so gezeigt wird, dass alle Fragen nach Schuld und Rotwendigkeft ausweglos werden und bhne Antwort bleiben. Diese Besonderheit des Films, äusserlich einfach und realistisch, aber zugleich psychologisch und problematisch zu sein, kennzeichnet auch das Spiel der beiden Darsteller, denen Feyder die Rollen der Pensionsbesitzer anvertraut hat: es sind die aus dem Film„Die Frauen von Boom" bekannten Francoise R o s a y und Paul B e r n a r d, und beide gestalten ihre Rollen schlechthin vollendet. Schon um ihres Spiels willen ist der Film sehenswert.—eis— Adler der Luft Tas ist ein älterer amerikanischer Film, in dem — in einer winzigen Nebenrolle— der voriges Jahr tödlich verunglückte Rekordflieger Wiley Post, Leichtathletik- Sparte, Achtung! Am Sonntag, den 28. Juni, werden jm Masaryk-Stadion die t1 Wettkämpfe um das„Felde!- dsssmk Memorial" ausgetragen, mit PR. ß denen gemeinsam die Meisterschaften des Prager DTJ-Kreises für Jungsportler und-Sportlerinnen zur Durchführunug gelangen. Die Wettkämpfe beginnen um 8 Uhr früh, daher alle Sportler pünktlich zur Stelle sein. Mitteilungen aus dem Publikum. Einen Monat Urlaub— einen Monat der Ruhe und Bequemlichkeit. Nach intensiver ganzjähriger Arbeit brauchen wir unseren Urlaub schon sehr notwendig. Wir müssen uns körperlich und geistig erholen. Für die Nerven das ruhige Land oder der Kurort, für den Körper Bequemlichkeit und Ausruhen. Bequemlichkeit finden Sie in einfacher Kleidung. Ein Waschkleid und. dazu Leinenschuhe mit niedrigem Absatz von Baka—- das ist das Symbol der Bequemlichkeit im Hochsommer. 1848 Eine seltene Gelegenheit.....im Hochsommer die schönsten Sommerschuhe zu tief ermässigten Preisen zu erstehen. Natürlich bei Baka, wo cs einen Jnventurverkauf gibt. Da heisst es aber, sich mit dem Einkauf zu beeilen, solange noch alle Nummern auf Lager sind. Eine günstige Gelegenheit, den Schuhbedarf für den bevorstehenden Urlaub billig zu decken. Baka. * Die Frau und das Moorbad. ES ist immer eine auffallend« Tatsache, dass vor allem Frauen die Moorbäder besonders lieben und bevorzugen. Sie erklären ihre Vorliebe gerade für dieses Kurmittet mir ihrem instinktiven Gefühl«, eine besondere „Erdkraft" aus dem Moore beim Baden in sich zu ziehen. Was nun die Frau mit ihrem weitaus feineren In stinkt leben seit langem erfasste, das gelang der exakten Wissenschaft erst kürzlich zu be weisen. In pflanzlichen Mooren wurden erhebliche Mengen weiblichen„Sexualhormones" nachgewiesen, wie auch absolut klar erhärtet werden konnte, dass der Hormongehalt im Blute nach einer Moorbaderur beträchtlich gesteigert'erscheint. Es ist damit nicht nur der untrügliche Beweis der verjüngenden und heilenden Kraft des Moores geliefert, vielmehr auch die Erklärung der Richtigkeit der Frauenintuition. Aber auch dafür, dass vornehmlich pflanzliche Moore einen grösseren Hormongehalt als mehr mineralisierte Moore aufweis-.t. Die berühmten Kon ft a ntiysbader Moore find vorwiegend-pflanzliche Moore, ihr Gehalt an weiblichen Hormon ist überaus gross und die allseits bekannten Heilerfolge bei Badekuren mit Konstantins- bader Moor bA Erkrankungen der Frau finden damit ihre wissenschaftliche Fundierung. Der fein differenzierte Geist-der Frau aber hat mit klarem inneren Blicke fest je schon das Moor-als Lebens- elexier befunden und geschätzt. Dr. L. 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