16. Jahrgang Sonntag, 28. Juni 1936 Nr. 151 Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII..FOCHOVA C. TELEFON 53077. HERAUSGEBERS SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Verteidisunssanlelhe: 1218 Millionen Prag. Die Zeichnung der Staatsverteidi- gungsanleihe hat mich in der vergangenen Woche rin sehr günstiges Ergebnis gezeitigt. Insgesamt wurden in der vergangenen Woche 415,708.500 KL Staatsverteidigungsanleihe gezeichnet und eingezahlt, doch wurde bereits eine Reihe neuer erheblicher Zeichnungen angekündigt, die erst im Zeichnungsabschnitt der kommenden Woche verarbeitet werden. Insgesamt wurden seit Beginn der Zeichnungsfrist 1,218,677.500 KL Staatsverteidi- gungsanleihr gezeichnet nnd eingezahlt, davon KL 295,618.00V in dreiprozentigen Schuldverschreibungen und 923,059.500 KL in l^prozentigcn Schuldvers chreibnngrn. 40-Stundenwoche in Belgien angenommen Br ü s s el. Die Kammer hat Samstag abends den Gesetzentwurf, der die allmähliche Einführung der 40-Stunden-Woche vorsieht, mit 160 Stimme« bei 23 Stimmenenthaltungen, ferner die Gesetzentwürfe über den bezahlten Jahresurlaub und die gewerkschaftliche Bereinigungsfreiheit angenommen. Roosevelt wird wieder kandidiert .. Philadelphi a. Der Antrag, den Präsidenten Roosevelt bei den künftigen Prüsidrnt- schaftswahlen neuerlich als Kandidaten der Demokraten aufzustellen, wurde im demokratischen Konvent einmütig durch Akklamation angenommen. Eine ganze Stunde lang währte der B e- geisterungstaumrl, die Delegierten defilierten vor dem Präsidium und stießen Frrüden r u f e aus, während das Publikum auf den Galerien die Programme und anderes Papier in kleine Stückchen zerriß und diesen improvisierten Konfetti in den Saal streute. Diese Sitzung steht in der Geschichte der demokratischen Partei Amerikas ohne Beispiel da. Der Umbau Im braunen Machtapparat Berlin, 27. Juni. Reichskanzler Hitler hat den Staatssekretär im Reichs- und preußischen Ministerium des Innern G r a u e r t auf seinen Antrag in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Staatssekretär Pfundtner leitet nunmehr als alleiniger Staatssekretär die Geschäfte sämtlicher Abteilungen des Ministeriums. Die polizeilichen Angelegenheiten sind unter dem Chef der deutschen Polizei im Reichs- und preußischen Ministerium des Innern Himmler zusammengefaßt, der dem Minister persönlich untersteht. Die Stellung des Reichsarbeiterführers Staatssekretär Hier! ist durch die Neuregelung nicht berührt. Vie erschreckte Rüstungsindustrie der Rüstungsindustrie Berlins Angebote an Frankreich ent- Das Kabinett Blum hat sich über einen demnächst vor die Kammern kommenden Gesetzes-Entwurf geeinigt, der die Verstaatlichung der Rüstungsindustrie zum Ziel hat. Einer unserer ständigen Mitarbeiter stellt, uns zu dem Thema Rüstungsindustrie und Landesverteidigung den folgenden äußerst interessanten Beitrag zur Verfügung. In diesem Zusammenhang' sei aber insbesondere auch auf den gemeinsamen Antrag der beidensozialdemo- kratischen Fraktioneninunse- rem Parlament verwiesen, der ebenfalls die Verstaatlichung der Rüstungsindustrie fordert. Wie wichtig auchfür d i e Tschechoslowakei dieser Akt wäre, wird nach der Lektüre des folgenden Artikels jeder begreifen, der weiß, wie eng auch unsere heimischen Rüstungsfirmen, insbesondere Skoda, mit den internationalen Konzernen verstrickt sind. Wer die Verteidigung der Republik ernsthaft will, wer sein Land nicht zum Spielball der profithungrigen internationalen Kapitalistenklüngel machen will, mutz den Kampf der Sozialdemokratie gegen das private Rüstungskapital unterstützen l Bei der letzten außenpolitischen Debatte in i französischen Kammer hat der oppositionelle T h y s s e n, des Finanziers der deutschen„nationalen Revolution", während. des Krieges Pan- Put$chab$ichten in Danzig Beseitigung des Völkerbundkommissärs! Genf berät Gegenmaßnahmen Dinge in Abesfi- argentinische Regierung im Völkerbünde zu Her blutige Handel Zur Frage der Verstaatlichung Zwei Gruppen in Genf Genf. Die Genfer politischen Beratungen wurden Santstag vormittags in privaten Unterredungen der anwesenden Staatsmänner und Diplomaten fortgeföhrt. Den Hauptgegenstand des Interesses-bildet, die Frage der Ailerkeunung des neuen Standes der n i e n, über welche die einen Rrsolutionsantrag unterbreiten beabsichtigt. Die Verhandlungen in dieser Angelegenheit äußern sich in den überaus lebhaft geführte« Debatten zweier Gruppen von Delegationen: Ans der eine» Seite befinden sich die Vertreter der gemäßigten Politik gegenüber Italien, auf der anderen stehen mehrere füdamerikanisch.e Delegationen, denen aus verschiedenen Gründen daran gelegen ist, daß das Prinzip der Nichtanerkennung der durch einen unerlaubten Krieg entstandenen Situation auf dem Genfer Weltforum bekräftigt werde. Deutschland die größere Gefahr I Paris.„Le Malin" schreibt, daß verschiedenen Anzeichen zufolge an ein f r a n z ö s i s ch englisches Ü eb« r ei n k o m m e n geglaubt werden könne. Die Delegationen verheimlichen nicht ihre große Zufriedenheit über die letzten Meinungsaustausche. Die diplomatische Redakteurin des„Oeuvre" schreibt, daß keines der großen Länder, durch das wendet sich die offiziöse Deutsche diplomatischpolitische Korrespondenz gegendenVölker- b u n d, und zwar insbesondre ein der Danziger Frage. Nachdem bereits der Kommandant des Danzig besuchenden deutschen Kreuzers„Leipzig" ostentativ den Völkerbundkommissar nicht besucht hatte und nachdem Samstag früh die Blätter in großer Aufmachung einen ausfälligen Artikel des Danziger nationalsozialistischen Gauleiters F o r st e r geqen den Danziger Völkerbundkommissär Lester veröffentlichten, drückt nun auch das Oraan der Wilhelmsträße seine Unzufriedenbeit mit dem Völkerbund wegen seines Verhaltens in Danzig aus. Der Artikel schließt mit der» Worten: Ein Staatswesen wie Danzig braucht weder einen Gouverneur noch eine Gouvernante. Fernand de B r i n o, der engste Mitarbeiter von Laval und zugleich ein mehr oder.minder offener Verbindungsoffizier zwischen Laval und d'er Wil- Hel m st r a ß e, veröffentlicht in der Wochenschrift„M a r i a n n e" einen sensationellen„offenen Brief" andenheutigen A u ß e n m i n i st e r Delbos, der augenscheinlich direkt von Ribbentropp inspiriert ist. Deutschland, schreibt Brinon, der soeben von Berlin zurückgekehrt ist, wo er eine lange Unterredung mit von Ribbentropp gehabt hat,— setze in energischer Weise seine Versuche fort, Englands Freundschaft zu gewinnen.-Die besten deutschen Sach v e r st ä n d i g e n i n a s ia t i sch e n Angelegenheiten seien deshalb gegenwärtig nach Londou dirigiert, wo sie zu beweisen versuchen, daß der slawisch-asiatische Bolschewismus eine unmittelbare Gefahr für das Britische Reich darstelle. Nur auf die M Y st i k und die Kraft des.Dritten Reiches werden die Briten in der nächsten Zukunft im Kampfe mit dem Bolschewismus in Asien rechnen können. Frankreich habe wenig Aussicht, behauptet Brinon auf Grund seiner. Berliner Gespräche, England von Deutschland zu trennen. Der Chef des Foreign Office, mit dem Sie(so wendet sich de Brinon an den Außenminister Delbos) in ein ernstes Gespräch über Ihre Bemühungen eintre- Versagen des Völkerbundes entwaffnet, sich in Anwesenheit des Opfers trauen werde, so zynisch zu sein, und Verhandlungen mit Abessinien im Geiste der ganz klaren großen Politik zu beginnen. Am Freitag war die Ursache der Pause in der Entwisilung dieser Angelegenheit und des Hinaussehiebensderselben klar-zu scheu.. Die Ursache fei inbesondere die E r h ö- hung der deutsche n R ii st« n g e n, die ihren Einfluß auf Genf ausgeübt haben. Daraus gehe der englische Wunsch nach Erneuerung des Einvernehmens mit Italien n m jeden Preis hervor. Auch der versöhnliche Standpunkt zu Italien bei de» Meerengen-Beratungen des Völkerbundes hänge mit dem englischen Wunsch der Zusammenarbeit mit Italien zusammen. England sei der Ansicht, daß einzig die Zuslunmenarbeit all« Länder imstande ist, Deutschland im Zügel zu halten. Aus diesem Stand der. Dinge, der ganz Europa in Spannung hält, leitet„Oeuvre" die Ansicht ab, daß der Negus ein doppeltes Opfer sei, hauptsächlich für die Notwendigkeit, die verzweifeltsten Mittel dazu zu benützen, daß Italien wieder die europäische Zusammenarbeit aufnehme, was jeder als Notwendigkeit des europäischen Gleichgewichtes ansehe. Trotzdem in Paris und London ziemlich skeptische Stimmen über die Aussichten' dieser Versuche laut werden, wird das Einvernehmen mit Italien, loyal gesucht. der PNH Abgeordnete Fernand-Laurant an die Regierung die rhetorische Frage gerichtet, ob die nationale Verteidigung mit der Verstaatlichung der Kriegsindu st r i e vereinbar sei. -Diese Frage-lönnte. von. den Regierungsbänlen mit der Gegenfrage beantwortet werden: Ist die nationale Verteidigung mit dem Bestehen der privaten Kriegsindustrie vereinb ar? Denn heute sind wir bereits genügend darüber informiert, daß es sich von Seite der.internationalen kriegsindustriellen Konzerne nicht bloß um die Sabotage des Frideens handelt, sondern auch um die Sabotage der Außenpolitik dey respektiven Heimatländer und, im entscheidenden Augenblick, auch um die Sabotage der nationalen Verteidigung selbst. Der neuernannte italienische Kolonienminister L e s s o n a hat dem Vertreter des Pariser„Journal" in dürren Worten die immerhin seltsame Tatsache mitgeteilt, daß die englischen Privatfirmen während des abessinischen Krieges riesengroße Mengen von B e n zä n an die italienische Armee in Ostafrika geliefert und damit wesentlich zum Siege der s faschistischen Waffen bcigetragen haben. Die I Sanktionen, schloß der faschistische Minister, seien ! schließlich nichts anderes gewesen als eine Steuer, welche die Engländer vom italienischen Siege er- hbben haben.\ Mag das eine polemische Uebertreibung sein, aber die Tatsache bleibt: die Kriegskonzerne und Rohstofflieferanten aller Staaten haben an dem abessinischen Krieg, trotz der Verhängung der Sanktionen oder vielmehr gerade infolge dieser Verhängung, ausgezeichnet verdient. Die Sanktionspolitik ist dadurch allerdings unwirksam geworden, und es drängt sich unwillkürlich sogar der Gedanke auf, ob nicht Abessinien einem dunklen Komplott der Kriegskonzerne zum Opfer gefallen ist. Auf dem Portal der Bremer Börse steht die berühmte Ueberschrift: Seefahren ist notwendig, Leben nicht! Ist man nicht säst gezwungen, diesen Satz heute so. zu deuten: Der internationale Frieden ist'nicht notwendig; notwendig allein ist das Verdienen an Waffenlieferungen? Der englische Vizeadmiral Conset t, einer der Chefs des Intelligence Service, spricht in seinem'unlängst, erschienenen Buch über die „dunkle M ä ch t, des W a h n s i n n s und der Grundsatzlosigkeit", die | nicht nur jede Friedenspolitik, sondern auch jede i nationale Verteidigungspolitik unmöglich mache. Während des letzten, Weltkrieges ist Deutschland ten wollten, hat sich Ihrer Einladung fast zogen.(Eden wird höchstwahrscheinlich auf seiner Reise nach Genf mit Blum und Delbos in Paris zusammenkommen! Anm. d. Red.). Gestatten Sie, lieber Herr Minister, mir, der soeben von Berlin kommt und dessen Kopf voll ist von Erzählungen über deutsch-britische Verhandlungen, gestatten Sie mir Ihnen in aller Bescheidenheit zu sagen: hüten Sie sich vor optimistischen Versicherungen! In dem Bett, das die Engländer für Sie machen, schlafen Gespenster. Sie werden mit der kollek tiven Sicherheit und mit dem««teilbaren Frieden schlafen müssen. Aber noch nie konnte sich die Ehe zwischen einem französischen Außenminister und diesen alten Jungfern des Genfer Völkerbundes vollziehen. Denken Sie daran... Suchen Sie.die Sicherheit Frankreichs nicht allzuweit, während| diese Sicherheit vielleicht sich ganz nahe von Ihnen befindet.—,., Wir haben es hier offenbar mit einem ganz I von der Entente.aus mit. Erdöl, Kohle,. Nickel, plumpen Versuch zu tun, Mißtrauen zwischen i Kautschuk, mit anderen Worten, gerade mit jenen London und Paris zu säen. Interessant ist bei-! Rohstoffen beliefert worden, die zur. Fortsetzung läufig die Tatsache, daß das„offene Schreiben"s des Krieges notwendig waren. Die. deutschen von Brinon, dessen Absender anscheinend in der, schwerindustriellen Firmen standen allerdings in Wilhelmsträße sitzen, in„Marianne" veröffeüt-1 diesem edlen Wettbewerb ihren, feindlichen Gericht wird, einem Organ der radikalen frcnrzösi- schäftsfrrunden nicht nach..Längst..erwiesen ist die schen Intellektuellen,-die zugleich die bekannte Tatsache, daß der Konzern des Herrn Fritz Monatsschrift„La Revue Francaise" heraus- geben. Ge ns.(Tsch. P.-B.) Ueberaus lebhaft wurde ani Samstag in Genfer politischen Kreisen die Nachricht kommentiert, daß in Danzig rin nationalsozialistischer Putsch vorbereitet werde und daß die nationalistischen Elemente die Ab- sich verfolgen, sich der internationalen Kontrolle zu entledigen, die durch den Kommiffär des Völkerbundes ansgeübt wird. Im Völkerbund zweifelt man vorläufig daran, daß diese Frage in der gegenwärtigen Situation ernstlich aufgerollt werden könnte. Trotzdem finden jedoch an den zuständigen Stellen in Genf Beratungen über allfällige M a ß n a h m e n st a t t, falls es zu einem solchen Versuch der nationalsozialistischen Partei in Danzig kommen sollte. Die Wilhelmsträße gibt das Stichwort Berlin. Anläßlich des angekündigten Austrittes ,N i g a r.a g u a s aus dem Völkerbund Sette 2 Sonntag, 28. Ium 1838 Nr. 181 Wegs um einen nebensächlichen PunÄ des Programms der-.Volksfront". Auf dem Gebiete der inneren französischen Politik handelt eS sich um! die Einnahme einer der wichtigsten, ja viel-! leicht der wichtigsten Bastionen der Schwerindustrie. Um diesen Punkt wird i sich zweifellos ein erbttterter Kampf zwischen der, Volksregierung Blum und dem Comitö des F o r g e s, der Spitzenorganisation der Schwerindustrie und dem unoffiziellen Kampfausschutz der Großbourgeoisie, entspinnen. Ebenso wichtig sind aber die internationalen Konse-t q u e n z e n aus der Verstaatlichung der französischen Kriegsindustrie. Die Regierung Blum wird, falls sie hier' siegt, einen gewaltigen Ein- flutz über ein weitverzweigtes Netz der internationalen Verbindungen von Schneider-Creu-s sot erlangen. Die Quellen, aus denen die Kriegspropaganda in der ganzen Welt, aus denen die Hetze gegen die heutige französische Regierung finanziert wird, werden auf einmal versiegen. In England wird die Propaganda der Labourparty für die Verstaatli- chung von Wickers-Armstrong eine gewaltige Förderung erfahren.• Die Verstaatlichung der französischen Kriegsindustrie wird erst die wirklichen Voraussetzungen für eine tatkräftige internationale Friedenspolitik der Arbeiterklaffe und darüber hinaus aller aufrichtigen Friedensfreunde schaffen. Die französische Regierung steht hier vor einer gewaltigen Aufgabe, bei deren Lösung sie der Sympathien der sozialen Demokratie der ganzen Welt sicher sein kann! zerschilder durch Holland an die Entente verdufte. Pikant ist folgendes Detail dieses zwei« fellos einträglichen Geschäftes: Thysien hat der Entente für jedes Panzerschild blotz 68 Emmchen berechnet, während er von dem deutschen Kriegsministerium 117 Mark erhalten hat. Wirtschaft, Horatio, Wirtschaft! Anfang 1916 hat die britische Admiralität den Admiral Consett mit der Kontrolle der ausländischen Lieferungen der englischen Konzerne beauftragt. An Ausführung dieses Auftrages hat Consett die skandinavischen Länder bereist, um an Ort und Stelle das Problem zu studieren. Am Dezember 1914 seien, nach Ansicht des englischen Admirals, Deutschland und Oesterreich wirtschaftlich bereits besiegt gewesen. Aber die Vorräte der Entente haben d en Mittelmächten immer aus der Ver- legenheit geholfen. Anfang 1915 habe Deutschland an Kohle Mangel gelitten, aber bereits einige Wochen später wurde über Schweden eine große Lieferung englischer Kohle nach Deutschland transportiert. Damals hat Ludendorff das Wort fallen gelassen: Die englischen Bergarbeiter arbeiten ja für uns. Der englische Gesandte in Kopenhagen hat damals nach London telegraphiert: Unsere Kohle mordet u.nsere Soldaten! Die dunklen Mächte, schließt der Admiral seine Ausführungen, denen cs vorteilhaft war, das Völkermorden zu verlängern, verstanden ihre Sache ausgezeichnet. Es handelt sich im wesentlichen um vier Weltkonzerne der Kriegsindustrie, die mit ihren Filialen und Tochtergesellschaften das ganze Waffenlieferungsgeschäft auf dem Erdball beherrschen: Wickers-Arm- strong(England), Schneider-Creu- sot(Fankreich), Steel Corporation (USA) und M i ts ü i(Japan). Damit soll na- tiirlich nicht gesagt sein, datz etwa die deutschen Konzerne, die Krupp und Thysien, in der Kriegsindustrie keine Rolle spielen. Deutschland stellt heute nichts anderes dar als eine grotze Waffenfabrik, aber die deuffchen Waffenlieferungen ins Ausland spielen, im Vergleich mit der Vorkriegszeit, eine untergeordnete Rolle. Vielleicht wird es nach der Balkan- reise von Herrn Schacht anders werden, vorläufig jedoch hat die deutsche Kriegsindustrie ihre ausländischen Verbindungen und Stützpunkte noch relativ wenig ausgebaut. Die Kriegskonzerne kennen kein Vaterland oder vielmehr ihr Vaterland ist die Welt, überall wo man aufrüstet und sich zum Kriege vorbereitet. Die internationalen Verflechtungender Kriegsindustrie sind äutzerst mannigfaltig. Wickers-Armstrong hat in Japan eine grotze Waffenfabrik gegründet, diese Fabrik gehört.aber, gleichzeitig zum Konzern Mitsui. Wickers kontrolliert die ganze" Kriegsindustrie Spaniens und zum Teil auch jene Italiens, hat eigene Wasfenfabriken in Rumänen, Polen, Holland. Wickers ist auch an der deutschen Gesellschaft Junkers-Dessau beteiligt, die die ganze deutsche Flugzeugindustrie kontrolliert. Die französische Firma Wickers- S ch n e i d e r ist ein gemeinsames Tochterunternehmen von WickerS-Armstrong und von Schnei- der-Creusot. Die internationalen Verbindungen von Schneider-Creusot sind fast ebenso bedeutend wie jene des englischen Waffenkonzerns, es ist i jedoch im Rahmen eines Zeitungsartikels unmöglich, über diese Dinge ausführlicher zu reden. Wenn also heute die R e g i e r u n gBlum die Verstaatlichung der französischen Waffenindustrie ankündigt, so handelt es sich hier keineS- Die deutschen Regierungsparteien zur Centralbank-Frage Prag. Die beiden deutschen Regierungsparteien haben am Samstag der Presie folgendes Kommunique zur Verfügung gestellt: „Die in den letzten drei Wochen vonseiten der deutschen Regierungsparteien unter Teil- nahme von Fachleuten im Finanzministerium unter Vorsitz des Finanzministers sehr intensiv geführten Verhandlungen zur endgültigen Bereinigung der Centralbankfrage wurde heute zu dem Zweck vertagt, um noch vor den Ferien eine Entscheidung der politischen Minister in einigen grundsätzlichen Fragen herbeizuführen. Di« deutschen Regierungsparteien beharren nach wie vor auf der Schaffung einer eigenen deutschen Geldzentrale und der Erhaltung der einzigen »rutschen Emisiionsanstalt, vor allem auf der entsprechenden Befriedig«ng der Ein lege r." Neues Phönix-Institut Zwei Varianten von der Regierung erwogen Prag. Im verfassungsrechtlichen Ausschutz gab am Freitag abends Innenminister Doktor Cerny eine neuerliche Erklärung zur Phönix- Affäre ab Blau werde keinen Schritt bei der österreichischen Regierung und bei der Phönix-Zentrale in Wien unterlaffen, der zur Auftlärung der Entstehung des Defizits und der Haftung hiefür beitragen kann. Ueber die Gratispolizzen erklärte der Minister, datz solche Polizzen, soweü ficher- gestellt werden konnte, l e di gl i H zu hu Manila ren Zwecken(hen Hinterbliebenen der. Opfer der Einsturzkatastrophe auf dem Poric) ausgestellt wurden. Die Beträge, die pauschal Zeitschriften aller polttischen Parteien und Fachzeitschriften ausöe- zahlt wurden, erreichen nicht die in der Rede des AbgeoÄneteN Slansky angeführte Höhe. Sowett das Aktenmaterial schon überprüft wurde» bietet es noch keine Möglichkeit.sich davon zu überzeugen, inwieweit jene Betrag« der Insertion, angemessen waren. Was die Unterstützung einiger deutscher und tschechischer Vereine durch den Phönix betrifft, so handelt' es sich durchwegs um Sonder- provisionen aus den sogenannten begünstigten Versicherungsverträgen, die mit den Mitgliedern der betreffenden Vereine abgeschlossen wurden. Diese Vorzugstarife werden geregelt werden. Die Bezüge der leitenden Beamten der Versicherung wurden herabgesetzt, die verantwortlichen Funkfionäre der Direktion, über die wegen des Verdachtes von Straftaten und inkorrekten Handlungen die Gerichtshast verhängt wurde, wurden ohne Anspruch auf Pension oder Abfertigung aus dem Dien st entlassen; es wurden Matznahmen getroffen, um ihr Vermögen sicherzustellen. Bezüglich der weiteren Regelung der Verhältnisse des inländischen Phönix erklärte der Minister, daß der Bersicherungsstock nach den Dispositionen der Regierung auf e i n n e u e r- irichtrtes Institut überführt werden wird, das entweder eine Aktiengesellschaft unter Teilnahme aller(auch der ausländischen) Le- bensversicherungsgesellschaften sei», wird, die ihr Geschäft in der Tschechoslowakischen Republik betreiben, oder ein Landesversicherungsinstitut. Die Frage, ob und in wieweit die Ansprüche der Versicherten verkürzt werden, wird die Regierung entscheiden. Es wird darauf Rücksicht genommen werden, daß Ansprüche aus Polizzen mit niedriger Versicherungssumme nach Möglichkeit nicht betroffen werden. Man wird auch nicht ermangeln, in geeigneter Form die Existenz der Angestellten sicherzustellen. Abschluß der Parlamentstagung Prag. Das Abgeordnetenhaus schloß Samstag mittags seine Arbeiten programmgemäß ab und vertagte sich dann auf den Herbst. Än der nächsten Woche wird ab Dienstag der Senat die in dieser Woche vom Parlament angenommenen Gesetzentwürfe aufarbeiten, wobei be- rcit» zwei Ministerertläruiigen, de» Liu/»nz< Ministers und des INinisterpräfidenten, angÄün- digt sind. Innerhalb der Regierung finden andauernd Beratungen über die Gestaltung des Getreidemonopols für die nächsten Jahre statt; sie sollen am Dienstag mit einem Ministerrat abgeschlossen werden. <: Das Abgeordnetenhaus beendete zunächst die Debatte über die Verlängerung einiger Bestimmungen der Pressegesetznovelle. In der Debatte schlug Dr. Neuwirth(SdP) wieder beschwörende Töne an, die tschechische Oeffentlichkeit möge doch die Haltung der SdP. die mit einem»neuen Ethos" an die polttischen Dinge herangegangen sei. „psychologisch zu verstehen" suchen. Ihr Ehrgeiz erschöpfe sich nicht darin. Spina und Czech durch ibr« Männer abzulösen. Sie wollen sich nicht zu»Gefangenen von Maffenstimmunaen" machen laffen. sondern sie fühlen sich als»Träger einer Aufgabe, deren gelungene Lösung der national« Friede im Lande sei". In Eger sei angeblich gar kein Bruch der bisherigen SdP-Linie erfolgt... In der gemeinsamen Aussprach« über die V er« längerung des Währungsschutzes und über die Rovellezum Finanzgcsetz, worin die Bestragsquote des Staates zur Entschuldungsaktion der Selbswerwaltungskörver neu geregelt wirb, machte der Referent Dr. Goldstein auf di« Tatsache aufmerksam. Last die- tschechoslowakischen Rückwanderer aus Deutschland infolge der deutschen Devisenbestimmungen dabei 72 Prozent ihres Vermögens drüben zurücklassen müssen. Bei der Bewilligung. von Devisen zum Olymviadcbesiich sollte die Nationalbank auf die Zahl der Ansuchen Bedacht' nehmen, damit für uns nicht ungünstige valutarische Folgen im Zahlungsverkehr mit Deutschland entstehen. In der Selbswerwaltunasvorlage teilte der Referent mtt, datz der-finanzielle-Effekt der Zinsfuss» Herabsetzung und der Verlängerung der Amortisie- rungsfristen für die Selbstverwaltung sich nur schwer beurteilen lasse: er dürfte etwa 100 Millionen betragen. nicht aber 300, wie das Innenministerium annehme. Nach der Vorlage wird der Staat für 1936 106 Millionen Kö beizuschlietzen haben. Der Referent machte weiters darauf aufmerksam. datz durch das Staatsverteidigungsgesctz«nd die Bestimmungen über die zwile Flugabwehr den Gemeinden neue Ausgaben erwachsen, so daß die Gefahr besteht, datz die Selbstverwaltung bald wieder auf dem unerfreulichen Niveau von 1933 halten wird. Der Budgetausschutz hat u. a. darüber Beschwerde geführt, datz das Finanzministerium auch bei dieser Frage den Beirat für Selb st- verwaltungsfragen nicht zu Rate gezogen hat. In der Debatte beschwerte sich Sogs(SdP), datz die Zuweisungen an die deutschen Gemeinden nicht dem nationalen Schlüssel entspreche», datz Polizei und Gendarmerie im Grenzgebiet parteiisch Vorgehen, und gebrauchte dabei die Worte: Bis bie- her und nicht weiter! Ihm entgegnete der Referent, datz die Regierung schon alle Matznahmen getroffen habe, um auch ihrerseits sagen zu können: B i s hieber und nicht weiter! Alle drei Vorlagen wurden schietzlich in beiden Lesungen angenommen, worauf der Vorsitzende Malypetr mit dem Wunsche schloh, die Mttglieder des Hauses und alle ihre Mitarbeiter mögen sich in den Parlamentsferien gründlich erholen. z Erweiterung der Koalition neuerdings aktuell Prag. Das Tschechosl. Preffebüro verlautbart: Im Verlaufe seiner Unterredungen mit einer Reihe oppositioneller Gruppen im Abgeordnetenhaus kam der Vorsitzende der Regierung Dt. Milan H o d z a auf seine am vergangenen Sonntag in Stubnanske Tcplicc gemachte Erklärung zu sprechen, datz die Koalition bereit sei, über dey. ßff n f t kt t einige r st ä a t§ 6 11 b e n- der oppositioneller Gruppen in die Regierungsmehrheit zu verhandeln. Der Vorsitzende der Regierung hob bei dieser Gelegenheit hervor, datz die Börbereitungen zum Eintritt in die Regierungsmehrheit so bald als möglich erfolgen müßten, also entweder s o f o r t, oder im Hinblick darauf, daß die Parlamentsarbeiten bereits ihrem Ende zugehen, gleichzuBeginnderHauptperiode. Es ist währscheinlich, datz es in dieser Hinsicht teilweise noch vor den Ferien, teilweise nach den Ferien zu einem Meinungsaustausch mit jenen oppositionellen Parteien oder Gruppen kommen wird, deren wirtschaftliches und politisches Programm sich mit dem wirtschaftlichen und politischen Programm der Koalition in Einklang bringen läßt. 24 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grötzscl\ Copyright by Eugen Prager-Verlag. Bratislava. Er fegte die Gänge, wischte das Treppenhaus und goß die Gemüsebeete. Nachher sollte er die Wäsche mit auswinden helfen. Gegen Abend würde er Eva am Wasser treffen. Da mußte es sich entscheiden. Was denn? Was sollte sich entscheiden?— Er hielt im Kehren inne und stützte das Kinn sinnend auf den langen Besenstiel. Es gab wohl nur einS: einfach fragen, ob sie mit nach Palästina auswanderte! Wenn sie. mitginge— er lächelte versunken über den Besenstiel hinweg, es war ein Lächeln, daS auf. einem Beine stand. Vielleicht könnte man in eine Äpfelsinenfarm kommen... ein gemeinsames Häuschen... er würde neben Eva kein Heimweh haben... sie kannte die deutschen Wälder... sie war ein Stück der früheren. Heimat; jawohl, das war sie.... Wenn, er.mit Justus spräche! Wenn der ihr zuredete.... Hatte jq großen Einfluß auf sie,... Das andere wuvde dort im anderen Lande kommen, wenn sie weg wären von allem hier, was den Sinn beschwerte. Aber ob ihm Justus beistehen würde, wo er doch so an Eva hing— oder wie sollte man das nennen? Justus ging im Garten auf und ab, die Hände auf dem Rücken, den Kopf gesenkt, als trüge er eine Last. Oben lag seine Arbeit, er stakte wiedermal im Stauwasser. Bücher fehlten ihm, die er nur in den Bibliotheken der Hauptstadt bekam...,Er blieb stehen, bewegte die Lippen, sah ins Unbestimmte. Nun gut, auch die römischen Diktaturen gingen mit einer Entwertung -es Geistigen Hand in Hand, der.Gewaltkult-er italienischen Renaissance dagegen vertrug sich mit einem mächfigen Auftrieb des geistigen Lebens... Justus griff mit den Händen in die Luft, als packe er einen Feind... Ob Diktaturen mit dem Geiste oder gegen ihn, zur Rettung oder zur Steinigung der Vernunft gemacht werden— darauf kommt es an. Die faschistischen Diktaturen sind gekommen, um den Geist abzuwürgen, weit er ganz neue Formen des menschlichen Gemeinschaftslebens fordert— aber im Kampfe gegen den Geist sind bisher noch alle Despoten gescheitert. Ein Schatten riß ihn aus seinem Denken. Der Schatten hatte einen Besen in der Hand und fiel damit gespenstisch über den Weg. Moses. „Meister, dürfte ich um Ihren Rat bitten?" Jy der Spinne war für alle das Du üblich, aber es blieb Moses oft im Halse stecken, wenn er mit dem Grauhaarigen sprach. Justus machte Halt. Der Wind wirbelte seinen Haarkranz nach oben.-» „Was würden Sie sagen, wenn Sie hörten, daß ich nach Palästina gehe" „Da würde ich so tun, Moses, als ob ich staune— obwohl ich's längst ahnte." »Wie.bitte?"— machte Moses verdutzt unbeugte sich nach vorn wie über eine Ladentafel. „Ihr habt euch doch immer laut genug davon unterhalten! Man konnte manchen Abend nicht über den Korridor gehen, ohne daß man den Kleinen in eurer Kammer schwärmen hörte: Auf nach Asien! Mich ruft die Pußta l" Er lachte und ging wieder hin und her. Was der alles weiß, denkt Moses. Weiß das und hat niemand was gesagt. Sehr nett von ihm. „Und was würdest du sagen, Meister, wenn du hörtest, daß.. datz Eva mitmandert!" „Eva?" Er blieb stehen. Seine Augen verloren das Verschleierte, wurden klar.„Was soll denn die dort?"- Moses schwieg, zuckte die Achseln. Ach so, -achte Justus, hier hat sich einer schon zu sehr verguckt... Wie der andere so vor.ihm stand, den Besen in der Hand, die dunkelblauen Augen aus sonnenverbranntem Gesicht erwartungsvoll empor gerichtet, fühtte er eine warme Welle übers Herz spülen,.schwer, da was zu raten, Moses... Vielleicht als Lehrerin. Spricht ja vier Sprachen, nich? Palästina... Zukunft... junges Lmid..." Ein sachlicher, bekömmlicher Zeitgenosse, dachte Moses.„Ja, wenn du ihr das sagen wolltest.*." „Sehr schwer, das Schicksal zu spielen» Moses; sehr schwer. Gewöhnt man sich im Laufe der Zeit ab... Aber ich will's versuchen."--* „Merci, Meister, Merci! Im Land meiner Väter werde ich ein Kollektiv auf Ihren Namen taufen." In der Hausflur-erschien mahnend Gustis volle Gestalt. Die Wäsche mußte raus, konnte ja auch Regen kommen. Moses präsentierte den Besen und verschwand. Bald darauf stand er am Waschtrog und wand die Wäsche mit einer Kraft, daß Gusti warnen müßte:„Langsam, Moses, das Zeug ist dünn!" Bekümmert senkt« sie das Gesicht über ihre Wanne. Der Waschtag war für Gustt immer eine traurige Begebenheit. Nicht wegen der Arbeit für neun Mann, daran hatte sie sich nun gewöhnt, jedoch bei jeder Wäsche zeigte sich drückender und drückender wie das Zeug zer- schliß, wie die Jungens herunter kamen. An manchem Hemd saß bereits Flicken an Flicken. Die Sttümpfe stopften sie sich selber, es war ein ewiges Gestopft. Jetzt liefen die Burschen ja meist halbnackt einher, aber wie sollte das im Winter werden?— Der Jammer lenkte von eignen Sorgen ab, nur am Waschtrog sah sie immer wieder, wie auch ihre Unterwäsche hinüber ging... Kein schönes Bild, wenn das so nebeneinander auf der Leine hing. Konnte man nicht stolz sein, wenn Fremde vorüber gingen. Die Sporthemden ihres Mannes sahen aus wie die vom Frosch, nirgends mehr ejn ganzer Kragen, alles zerwaschen und zerflickt... Noch hatte sie einen Ring und eine goldne Brosche— wie lange noch? Eines Tages würde sie auch das verkaufen müssen... Ihr Blick fiel auf ein Monogramm: K. H.— Wurde das Wäschestück nicht plötzlich schwerer? Herk- ner.. Wo mochte er jetzt sein? Bei seiner Frau? Oder schon? Niemand sprach davon, alle dachten sie an ihn, jeden Tag... Im Garten ging Justus noch immer auf und ab. Der Kreislauf seiner Gedanken war gestört.' Immer wieder schob sich Eva dazwischen. Palä-» stina... Unsinn... Wieso denn Unsinn? Was ging's ihn an? Hatte er sich schon so an das Mäd-- chen gewöhnt? Komisch... Wieso komisch? Na ja, könnte ihr Großvater sein... nein, das noch nicht, aber der Vater...» Er stapfte in sein Zimmer hinauf, rückte die Vase mit Glockenblumen zur Seite, griff zur Feder, ließ die Tinte rieseln. Bald wurde es langsamer und langsamer, wieder stakte er durch Stauwaffer... Wieder sputte Eva zwischen den Sätzen umher. Es kam kein Gewitter. Der Wind jagte die Wolken über die Berge hinweg. Dort blieben sie eine Weile zwischen den Zacken und Tälern hängen, um dann gegen Nordwesten davonzujagen. Ein Wetter war es geworden, wie es sich an solchen Tagen jede Frau wünscht: blauer sonniger Himmel mit leichter Brise. Am frühen Nachmittag schon blähten sich die Leinewandstücken trocken im Winde. Moses und Gusti nahmen die flatternde Wäsche herunter. Jetzt erst wurden die Schäden offenbar: durch dünne Stellen schimmerte das Nichts und der Wind pfiff durch Fetzen und Löcher. ((Fortsetzung folgt.)) Ur. 151 Sonntag, 28. Juni 1938 Seite 3 (Zeichnungen von Georg H. Trapp) Die Preußen kommen! Mit banger Sorge blickten im Frühjahr 1866 die Bewohner der böhmischen und schlesischen Grenzgebiete der österreichischen Monarchie auf die weitere Entwicklung des Konfliktes, der zwischen den beiden deutschen Großmächten Oesterreich und Preußen, scheinbar wegen der 1864 gemeinsam den Dänen abgenommenen und nun umstrittenen Provinzen Schleswig-Holstein, in Wahrheit um die Vorherrschaft in Deutschland entstanden war. Während das Wiener Bürgertum in dulci jubilo dahinlebte— und noch während der heißen Schlachten seine Praterfeste feierte— während die Wiener Presie sich rühmte, man werde„die preußischen Schneidergesellen (so verspottete man das Reservistenheer) mit nassen Fetzen davonjagen" und während die Wirtshausstrategen von Benedeks„geheimem Plan" fabelten, sah man die Dinge an dec Grenze selbst doch ernster an. Von Benedeks Heer, das sich bei Olmüh konzentrierte, war in Böhmen nichts zu sehen, ein einziges vorgeschobenes Korbs stand an der Jser. Als die Preußen Sachsen besetzten und die sächsische Armee nun über die Erzgebirgspässe nach Böhmen marschierte, als sich in der Lausitz und in Schlesien nahe der Grenze große preußische Heeresmassen versammelten, begannen die Grenzler mehr und mehr mit einer Invasion zu rechnen und Benedeks„Marsch nach Berlin" zu mißtrauen. Die Stadt Trautenau hatte besonderen Grund zur Besorgnis. War das aufblühende Städtchen am Fuße des Riesengebirges doch erst vor wenigen Jahren— 1861— von einem verheerenden Brande heimgesucht worden, der es in eine rauchende Trümmerstätte verwandelt und das Vermögen vieler Bürger ebenso wie die, letzte Habe der armen Leute verzehrt hatte. Und nun drohten die Schrecken des Krieges, von denen man seit fast hundert Jahren, seit dem siebenjährigen und dem Kartoffel- oder Zwetschgenkrieg von 1778 verschont geblieben war. Schneller als man fürchtete, brach der Feind ms Land. Während nun endlich auch die österreichische Armee sich in Bewegung setzte und von Olmütz auf Josefstadt marschierte, durchschritten die Spitzen der 2. preußischen Armee, die unter dem Befehl des Kronprinzen(Stabschef General Blumenthal) stand, die Pässe zwischen Liebau und Nachod. Am frühen Morgen des 27. Juni gingen die beiden Divisionen des preußischen 1. Korps(aus West- und Ostpreußen bestehend) die Grenze. Die 1. Division marschierte von Liebau, die 2. von Schömberg aus gegen Parschnitz, wo die Straßen sich, wenige Kilometer von Trautenau, vereinigen. Ueber Q u a l i s ch rückte, aus dem Braunauer Ländchen kommend, noch die 1. Gardedivision an, die aber Befehl hatte, in Parschnitz links einzuschwenken und die Aupa abwärts auf E i p e l zu gehen. Als er mit seinen beiden Divisionen durch die Defileen des Gebirges zog, ließ er vorsichtig alle Dörfer, Höfe, Seitenwege und Abhänge erkunden. Die Soldaten mußten in voller Marschadjustierung die steilen, bewaldeten Abhänge absuchen, ob sich nicht irgendwo ein Feind verborgen halte. So kam die Avantgarde des preußischen Korps, bei der Bonin sich befand, später im Aupatal an als das Gros, das um acht Uhr früh Parschnitz erreichte. Statt sich an die Spitze zu setzen, blieb aber dieses Gros in Parschnitz stehen, bis die langsam nachrückende Avantgarde von Liebau her anrücktr. Inzwischen war die Avantgarde der Oesterreicher, die Brigade Mondel, bei Trautenau angekommen und hatte die Höhen südlich der Grabdenkmal bei Alt-Rognitz (Frhrr. Kruchina v. Schwan berg) Stadt besetzt, die damals weit weniger bewaldet waren als heute. Nur auf den'Gipfeln fand sich Unterholz und Gebüsch, gegen die Stadt zu dehnten sich, wo heute der herrliche Stadtpqrk von Trautenau den Abhang ziert, Felder aus, so daß die Truppen auf dem Johannes-(Kapel- l e n-) und Hopfenberg(heute Knebelsberg) freien Ausschuß nach der Stadt hatten. Die Kavallerie der Oesterreicher, die Windisch- grätz-Dragoner(Nr. 2) hatte mit den Preußen Fühlung bekommen und im Aupatal— wo sich heute das Grab des ersten Gefallenen vom 27. Juni an dem Wege Trautenau—ParschniP befindet— die ersten Kugeln gewechselt. Nun schwärmten die Dragoner südwestlich der Stadt unterhalb des Galgen-(Gab l e nz-)B e r- g e s, während die Preußen in aller Ruhe die Stadt besetzten, auf dem Marktplatz lagerten, Wasser holten und keiner weiteren Störung gewärtig schienen. General Bonin schien sich über die Situation auch insofern völlig im unklaren zu sein, als er dauernd nur die Straße nach Pil- nikau im Auge hatte, während es für ihn doch auf die Straße über Hohenbruck—Neu-Rognitz nach Josefstadt ankam, auf der Gablenz mit dem ganzen Korps im Anmarsch war. Panikl Es war gegen zehn Uhr vormittags. Die ermüdeten Grenadiere und Füsiliere der Preußen freuten sich der Ruhe. Brennend lag die Sonne über der aufgeregten und buntbewegten Stadt. Da ertönten plötzlich Schüsse, Kugeln pfiffen den preußischen Posten am Südrande um die Ohren und bei den schlecht geführten Truppen entstand eine furchtbare Panik. Man suchte die Schützen in den Häusern, bald wollte man genau wissen, daß aus diesem oder jenem Hause geschossen worden sei, daß es bereits Straßenkämpfe gebe, daß man in eine heimtückisch gelegte Falle geraten sei. Es wirkte alles zusammen: der überraschende Angriff von den Höhen, die man sträflicherweise nicht beachtet hatte, die Ermüdung der Truppen, wohl auch die glühende Hitze, die auf die Hirne drückte, die schlechte Stimmung, die der ängstliche Bonin durch seine Marschmethoden und seine übervorsichtigen Rekognoszierungen erzeugt hatte. Sofort wurden der Bürgermeister Doktor Roth und die Stadträte von Trautenau der Apotheker Carl Czerny, der Hotelier Stark, der Kais. Rath S ch e p s, dazu die Herren L e s k» G u t f ch, F i e d l e r, C a p o u s e I, Zub und H o n i g(die große Zahl slawisch klingender Na- men fällt auf!) verhaftet und in Ketten gelegt. Obwohl man sich wenige Stunden später hätte darüber klar sein müssen, daß der„Ueberfall" und der„Stratzenkampf" eine tolle Phantasie, eine Fata morgana seien, hat man die Traute- nauer Bürger als regelrechte Gefangene nach Glogau geführt und dort 80 Tage in strengem Gewahrsam gehalten. Die Großväter der heutigen SA- und SS-Männer haben die Großväter der heutigen Henleinleute auch keineswegs höflich behandelt. Manche der Gefangenen klagten über die üblen Verhältnisse in der Haft, einige auch darüber,, daß man sic geprügelt habe. Die Methoden, mit denen die Preußen das deutsche Nationalgefühl erwecken, waren also 1866 schon ähnlich wie 1966... Daß man die Trautenauer Bürger so lange in Haft behielt, daß man gegen alle Beweise und wohl auch gegen besseres Wissen ihre Schuld behauptete, hatte seine Gründe darin, daß die Niederlage der Preußen am 27 Juni eine drastische Erklärung brauchte. E n t st a n d e n a u s einer Panik, wurde die Trautenauer Affäre für die preußische Propaganda dann eine sorgfältig gehütete Dolchstoßlegende. Denn militärisch verliefen die Dinge an jenem 27. Juni für die Preußen nicht günstig. Dem Sieg, den Bonin über den Bürgermeister Roth erfochten hatte, vermochte er keinen Sieg über Gablenz hinzuzufügen. Zwar räumte die Brigade Monde! über Befehl Gqblenz', der inzwischen selbst auf den Höhen erschienen war, ihre Stellung, die mit nur sieben Bataillonen gegen die sich enttoickelnde preußische Uebermacht nicht zu halten war, aber Gablenz zog sich nur zurück, um besser springen zu können. Die Höhe mit der Kapelle wurde von einer Nachhut erbittert verteidigt und die auf Neu-Rog- nitz zurückgehenden Truppen— das Regiment Parma Nr. 24(Kolomea), Mazzuchelli Nr. 10 (Przemysl) und das 12. Jägerbataillon— bekamen als erste an diesem blutigen Tag die furchtbare Gewalt des Zündnadelgewehrs zu fühlen, das in den dichten Reihen der Oesterreicher verheerend wütete. General Bonin, der sich— Vorsicht ist der Tapferkeit besserer Teil— auf die sichere Kommandeurhöhe auf dem linken Aupaufer zurückgezogen und dort auch seine Artillerie aufgestellt hatte, die ihm auf diese Weise nichts nützte, glaubte nun, der Sieger des Tages zu sein. Er ließ die Truppen biwakieren, schickte seine Kavallerie gegen Pilnikau vor, von wo sie nach einem Gefecht mit den österreichischen Dragonern in übler Verfassung zurückjagte, und meinte sich sm übrigen durch die Besatzung auf den Hohen zur Genüge gedeckt. Von Parschnitz aus hatte er zwei Regimenter unter Generalmajor Buddenbrock mit vollem Gepäck über den steilen Rand des Tales heraufklettern laffen. Diese Truppen, seit drei Uhr morgens auf den Beinen, mußten dann nochmals in einen tiefen Einschnitt und auf die nächste Bodenwelle hinauf, ehe sie, todmüde, zwischen Hohenbruck und Alt-Rognitz in Stellung gingen, von der Oesterreichischen Artillerie, die hinter Hohenbruck auffuhr» unter heftiges Feuer genommen. Bonin konnte den Tag gewinnen, wenn er jetzt sein Gros auf die Höhen führte und auch Artillerie nachschob. Beides unterließ er. Radefckymarsdil Um drei Uhr ging ein leichter Gewitterregen nieder, der den Staub löschte und ein wenig abkühlte. Um eben diese Zeit begann das österreichische Artilleriefeuer gegen die vordere Stellung der Preußen(das 44. und 45. Regiment) heftiger zu werden. Die Regimentskapellen der anrückenden Oesterreicher— jedes Regiment hatte eine„Musikbande" von 48 bis 60 Mann, auch die Jägerbataillone hatten eine Kapelle— spiel-, ten den Radetzkymarsch und mit jenem großartigen, auch von den Preußen in diesem ganzen Feldzug immer wieder bewunderten Elan, der die k. k. Armee von damals charakterisierte, stürzten sich von Alt-Rognitz her die beiden Regimenter der BrigadeGrivicic auf den linken Flügel der Preußen. Im ersten Treffen stürmten die dichten Kolonnen des Regiments„A i r o l d i" Nr. 23(aus dem Banat ergänzt) und das mährisch-schlesische 16. Jägerbataillon. Die Anhöhe zwischen dem Wäldchen, an dessen Rand sich heute das Grabdenkmal des Freiherrn Kruchina von Schwanberg befindet und der A i r o l d i- Höhe, von der hochragend ein Obelisk Zeugnis von dem blutigen Geschehen vor 70 Jahren gibt, spielten sich Sturm» Rückzug und blutige Tragödie der tapferen Rumänen, Schwaben und Ungarn vom 23. Regiment ab. So kühn sie losstücmren— im Feuer der preußischen Hinterlader fielen sie wie die Aehren unter der Sense. 950 Mann verlor das Regiment Airoldi ast diesem Tage, nahezu jeder Wettlauf nach Trautenau Die österreichische Heeresleitung hatte keine blaffe Ahnung von Moltkes Plänen. Sie begriff nicht, daß der große Stratege— damals ja. noch ein unbeschriebenes Blatt, so unbekannt, daß noch auf dem Schlachtfeld von Königgrätz ein preußischer General den Ordonnanzoffizier, der einen Befehl überbringt, fragen wird:„Wer ist denn eigentlich dieser General von Moltke?"— es wagen würde, den Angriff aus zwei Fronten vorzutragen und im Angesicht des Feindes eine ganze Armee aus den Pässen debouchieren zu. laffen. So vermuteten Benedek und sein lenkender Geist, der Generalmajor Krismanic, etwa sechs preußische Korps im Anmarsch von der Lausitz an die Jser, in Schlesien aber nahmen sie höchstens zwei Korps an, die lediglich Demonstrationen, Störungsmanöver, Diversionen, wie man damals sagte, ausführen würden, um die Oesterreicher auf ihrem Marsch an die Jser zu behindern. Statt sich vor die Pässe zu legen und die nächste feindliche Armee mit Ueb-rmacht anzugreifen, schob Benedek zunächst nur zwei Korps gegen die wie er meinte„demonstrierenden" Preußen vor. Das X. Armee-Korps unter Feld- marschalleutnant Gablenz dirigierte er auf Trautenau, das VI. unter Ramming auf Skalitz. So fand an dem frühen Morgen des 27. Juni, einem glühendheißen Sommertag, von beiden Heeren ein Wettlauf gegen Trautenau statt. Die Preußen hatten eö näher, aber die Oesterreicher marschierten an jenem Tage schneller. Der Kommandant des preußischen I. Korps, v. B o- n i n, war ein unfähiger und übervorsichtiger Vcarm, ein typischer Günstling und Hof-General.' Skizze zu den Kämpfen am Nachmittag des 27. Juni 1866(Preußen: schwarz; Oesterrei- cher: schraffiert) Skizze zu dem Gefecht bei Neu-Rognitz- Brikersdorf am 28. Juni 1866 Leite 4 Sonntag, 28. Jun? 1936 I Nr. 151 Ludwig von Gablonz Fmlltn. Freiherr Vom Feldwebel abwärts" Noch in den Mauern von. Trautenau stößt man auf das Grab des Oberstleutnant,H Obermann, der beim Sturm auf die Höhen tödlich verwundet wurde, im Aufstieg zur Kapelle begegnet man dem Grabe deS Majors Liposäak von den 24ern, jenem Teil der Brigade Mandel» der im Vormittagsgefecht die Kapelle fast bis zum letzten Mann verteidigt hatte. Dicht daneben liegen, im Tode versöhnt mit dem Feinde, Ostpreußen und Kasslchen vom 45.(„8. Ostpreußischen") Regiment. Auch bei den Preußen hat es im Sommer 66 noch hoheOffiziersver« luste gegeben, wenn auch nicht in dem Maße wie bei den Oesterreichern. Die Massengräber und die vielen einzelnen Gedenksteine und Kreuze, die man zwischen Trautenau, Nachod und Königgrätz trifft, ost wie Meilensteine an den Straßen des preußischen Vormarsches wirkend, geben ein beredtes Zeugnis dafür ab, daß zwischen 1866 und 1914 jene Wandlung sich vollzogen hat, die dem Krieg den letzten Schein von Ritterlichkeit, die letzte Gloriole von Ehre und Ruhm genommen, ihn zur Schlächterei gemacht hat, bei der die einen sterben, während die andern nur das Sterben befehlen. 1866 stürmtendie Offiziere noch mit gezogenem Säbel, die Brigadiers, Oberste, Majore und Hauptleute zu Pferde, die Subalternen drei Schritt vor der massierten Kolonne den Soldaten voran. Kein Wunder, daß I aus ihren Reihen eine im Verhältnis größere I Zahl von Opfern geholt wurde als aus den Rei-1 hen der Mannschaft! dritte Mann war also tot, verwundet oder vermißt(die Vermißten waren damals meist Deserteure). Nun ließ Grivicic die Preußen umgehen, während er zugleich sein zweites Treffen, das Kaiser Alexander-Regiment Nr. 2(Siebenbürger) zum Sturm ansetzte. Um dieselbe Zeit gingen von Hohenbruck her die beiden Regimenter der B r i g a d e W i m p f f e n, die„Bamberger" vom 13.(Padua) und die 58er(„Erzherzog Stephan", Ruthenen aus dem Stanislau^r Gebiet) mit dem Bajonett gegen die preußische Stel lung vor. Nun wichen die neun Bataillone der Preußen und gingen, noch inimer feuernd, teils auf die Gipfel der Hügelkette, teils gegen Parsch- nitz zurück. Aber noch war eine schwere Arbeit für die Oesterreicher zu leisten. Die Hügel selbst, vor allem der Kapellenberg mußten mit stürmender Hand genommen loerden. Während Wimpffen die Stellung frontal angreift, soll Griviäiä sie umgehen. Aber die Regimenter Wimpffens warten die Umgehung nicht ab, sondern stürmen gegen die feuerspeienden Höhen vor. Dreimal koimnen sie bis fast an den Rand des Gehölzes, dreimal müssen sie im Schnellfeuer zurück, das letztemal von den Ostpreußen im Gegenstoß geworfen. Da greift nun eigenmächtig, wie dies 1866 immer wieder . vorkam, der Generalmajor Knebel, dessen Brigade als Reserve auf der Straße gegen Neu- Rognitz steht, in den Kampf ein, den Gablenz schon abzubrechen geneigt war. Die letzten Regimenter des X. Korps, die an diesem Tage noch nicht im Feuer waren, treten zum Sturm an. Die „Einser", das Troppauer Hausregiment„Kaiser und König Franz Joseph I.", die 28er-Jäger und im zweiten Treffen die Hanaken vom Krem- sierer Regiment„Erzherzog Karl" Nr. 3 brechen gegen die Höhen vor. Oberstleutnant Habermann und mit ihm zahlreiche Offiziere und Infanteristen des 1. Bataillons der 1er fallen, aber schon haben das 2. und 3. Bataillon die Kapelle erreicht. Major P i l a t i» der als erster oben ankommt, bricht sterbend zusammen, über ihn weg stürmen seine Leute. Kapelle, Hügel und Sieg sind den Oesterreichern gesichert. Griviciä wirft die Preußen jetzt vom Hopfenberg und läßt von den 16er Jägern, deren Kommandant Major Heidel ebenfalls fällt, die Krieblitz stürmen. Um neun Uhr abends besetzen die Ocsterreicher die Stadt. Bilanz Von den Preußen ist die Artillerie, sind aber auch beträchtliche Teile des Fußvolls nicht ins Feuer gekommen. Trotzdem wälzt sich das ganze Korps durch das Gebirge zurück und nimmt erst auf preußischem Boden wieder Stellung. Bier- undzwanzig Stunden nachdem sie von Liebau aufgebrochen, passieren die Preußen wieder die schwarzgelben und schwarzweißen Grenzpfähle.. Bonin entschuldigte den überstürzten Rückzug damit, die Truppen seien zu müde gewesen.„Zu ermüdet, um stehenzubleiben" bemerkt dazu sarkastisch Graf Schliessen. Tatsächlich war das preußische I. Korps mehr durch die strapaziösen Märsche als durch di« Verluste im Gefecht für einige Tage kampfunfähig geworden. Die Verluste waren bei den Siegern weit höher als bei den Geschlagenen. Die österreichische Taktik— eine„zaristische Taktik" nennt der Kriegshistoriker Daniels das Losstürmen in tiefen Kolonnen, das blinde Vertrauen auf den Gewaltstoß mit dem Bajonett — forderte ungeheure Opfer hier wie in allen anderen Gefechten des Feldzuges. In Trautenau leben noch einige Alte, die berichten, daß sie die Toten in Reihen und zu Häuf liegen sahen, am dichtesten um die Kapelle, wo sich auch die meisten Gräber finden. Für die 1 Nachkommenden sprechen die Steine und Kreuze i »in« beredte Sprache. i Dichtung und Wahrheit Auch von der Zivilbevölkerung st>r- derte der Tag blutige Opfer.; Ein Mann ging, wie berichtet wird, mit zwei Kindern vor die Stgdt, um die Schlacht zu beobachten. Eine Kugel streckte ihn nieder; wahrscheinlich ein verirrtes Geschoß; mit dreien seiner vier Brigaden auf der Straße Trautenau—Neu-Rognitz—Burkersdorf. Kris- maniä, der die Sachlage noch iminer nicht durchschaute, obwohl man am 27. nicht nur bei Trautenau, sondern auch bei Nachod gefochten hatte, und der Anmarsch von mindestens drei Korps sicher tvar, hatte Gablenz versprochen, den entscheidenden Punkt, an dem die Straße aus dem Eipeler Patz auf die Verbindung Gablenz' stützt, die Dörfer Keile und Deutsch-Prausnitz durch einige Bataillone besetzen zu lassen. Er hatte es dann nicht getan, Gablenz aber auch nicht verständigt. Am Vormittag des 28. Juni trat die Spitze der 1. Garde-Division aus dem Patz, den die Preußen mit gemischten Gefühlen, einmal schon zum Rückzug entschlossen, passiert hatten. Sie waren erstaunt, noch immer keinen Feind zu finden. Gablenz aber, überrascht, daß Prausnitz unbesetzt sei und cr die Preußen auf seiner Rückzugsstraße hatte, wo preußische Kavallerie bereits seinen Train verwirrte und zu erbeuten begann, zeigte an diesem Tage nicht die Entschlußkraft, die er am Vortag bewiesen hatte. Vielleicht beeindruckten ihn neben der Sorge um seinen Rücken auch die furchtbaren Verluste vom Vortage. Statt mit allen Kräften dicht an Staudenz heranzurücken und sich auf die aus dem Patz debouschieren- den Preußen zu stürzen, die ihm an Zahl unterlegen und auf der Patz-Stratze in schwerer Gefahr waren, stellte sich Gablenz mit zwei Brigaden zwischen Burkersdorf und Neu-Rognitz und hinter Neu-Rognitz auf, also zu weit hinten, um den Patz noch beherrschen zu können. Die Brigade G r i v i c i C dirigierte er über ihr blutige» Kampsfeld vom Vortage auf Alt-Rognitz—Rudersdorf—Raatsch. Dort sollte sie in die Flanke der Preußen stoßen. Diese aber hatten sich bei Staudenz rasch entwickelt, griffen umfassend über Burkersdorf und durch die Wäldchen zwischen Stauden- und Neu-Rognitz an und warfen die Ocsterreicher, ehe Grivieiö zum Eingreifen kam. Für den Kastengeist und Feudalismus zeugt es wiederum» daß auf den Grabsteinen fast nur die Namen von Offizieren verzeichnet sind, während die Mannschaft„vom Feldwebel abwärts" wie es auf dem Gablenzmonument in Trautenau ganz brutal heißt, nur gezählt und nicht mehr genannt wird. So liegen sie in der kühlen roten Erde von Alt-Rognitz, in den Wäldchen deS Kapellenberges, zwischen Reu-Rognitz und Burkersdorf zu Hunderten, lauter namenlose, lauter unbekannte Soldaten. Die Preußen nennen ost noch die Namen der Unter-Offiziere«wer führen ihre Zahl gesondert an. Das ist bezeichnend. Der preu- tzische Subaltern-undUnteroffizier war es, der anno 66 dem österreichischen überlegen war, der sich in der Lage erwies, selbständig zu handeln, eigene Entschlüsse zu fassen. Die höhere Schulbildung, das höhere gesellschaftliche Niveau Norddeutschlands gegenüber der Untertanen-Maffe des alten Oesterreich bewährte sich. Vielleicht lag es auch daran, daß gerade das oftpreutzische Korps, das aus den geistig sicher rückständigsten Gebieten Preußens kam, das einzige war, das im Kriege eine Niederlage erlitt, eben die von Trautenau. .Dicht, gedrängt stehen« oben mm die Kapelle die Grabsteine. Wer sie aufmerksamer betrachtet, die Inschriften liest, kann sich aus ihnen ein Bild der buntscheckigen Armee formen, die zum letztenmal im Jahre 66 die ganze Pracht und Größe I >es alten habsburgischen Reiches verkörperte,! reilich auch schon den Todeskeim der Monarchie,| den Starrkrampf der Reaktion, in sich trug. Na- men aller Völler begegnet man: Pilati, Heidel,! Matthias Horduseu— ein Leutnant im Roma-1 nen-Banater Grenzregiment— Zimmermann,! Plachki, Ethofer, Wladak, Zanoni, Rabcnegger, I Mühlberger, Schosulan, Deutsche, Tschechen, Ru-1 mänen, Italiener. Merkwürdig norddeutsche Na-1 men tauchen unter den Oesterreichern auf: ein 1 Oberstleutnant Freiherr von Stenglin, ein Haupt- I mann Klopstein. War doch Gablenz selbst Sachse! und hatte einen Bruder in preußischen Diensten! I Der deutsche Hochadel und der Keine Militäradel I 'acht damals Bruder gegen Bruder in beiden! Lagern. Bei Königgrätz hat den letzten Schuß! aus einer österreichischen Kanone ein Graf Solms I abgefeuert, dessen Bruder auf der preußischen 1 Seite kämpfte. Dr. Hieronymus Roth, Bürgermeister von Trautenau (nach der Zeichnung auf der preußischen Flugschrift, die ihn in Ketten zeigt Revanche Dabei hätten die Preußen es kaum nötig gehabt, Trautenau durch eine grobe Dolchstoßlüge zu entschuldigen. Sie bekamen ihre Revanche im offenen Felde ja schon am 28. Juni. Nicht lange korinte Gablenz auf dem blutigen Lorbeer des 27. Juni ausruhen. Er wußte, daß er durch den Paß von Eipel den Anmarsch der preußischen Garde zu gewärtigen hatte. Sein Auftrag lautete nicht, die Pässe unbedingt zu halten, sondern sie zu beobachten und seine Verbindung zur Elbe zu wahren. Auch wußte er nicht— hier liegt ein Mangel seiner Aufklärung vor— daß Bonin mit dem ganzen Korps einen Tagniarsch zurückgegangen war. Abkühlung mit Schauern oder Gewittern. Im Osten der Republik jedoch wärmer als in den böhmischen Ländern, Rordwestwind. Vom Rundfunk ln*WilM>w«rtM au* du Proaruinui Montag: Prag, Sender L: 9.10: Blasorchesterkonzert, 16.45: Promenadenkonzert, 17.35: Deutsche Sendung: Auf der Wiese, Rundfunkspiel, 18.05: Tag in Franzensbad, 18.50: Deutsche Nachrichten. 20.50: Rundfunkorchefterkonzeri. 22.40: Deutsche Bresse. Sender S: 14.30: Deutsche Sendung: Bunte Musikstunde.— Brünn: 9.10: Geigenkonzert. 11.00: Konzert aus Luhaiovice,"17.35^Deutsche Sendung: Dr. Hadina: Für Frieden und Mildtätigkeit, 17.55: Schalldlätten. 20.50:■ Griechische Volkslieder.— Preßburg: 20:50: Neue Lieder von Sowjet-Komponisten, 21.10: Rundfunkorchester-Konzert.— Kascha»: 12.15: Mittagskonzert.— Mähr.-Ostra«: 19.05: Nedbal:„Die keusche Barbara." Operette. Dienstag. Prag, Sender L: 6.00 Morgengymnastik, 10.05: Deutsche-Preffe, 12.10: Operngesänge. 11.00: Schallplattenkonzert, 16.50: Liederkonzert. ,18.05: Deutsche Sendung: Schubert: Schutz für die Bergarbeiters 18.15: Geiska-Osen, nach Klabund. 18.45: Deuffche Preffe, 20.45: Uebertragung auS Turin: Janakek: Jcunsa, Oper.— Sender S: 7.30: Populäres Konzert, t 14.30: Sinfonie von Beethoven, 15.15:. Deutsche Sendung: Engel: Ueberzeugungs- krast des gesprochenen Wortes, 15.25: Schallplattenkonzert. 15.50: Deutsche Preffe.— Brünn: 17.05: Jazzorchester, 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiter- funk: Soziale Informationen, Schmerda: Krieg in der Literatur.— Preßburg: 14.15: Leichte Musik. 17.05: Unterhaltungsmusik.— Kascha»: 11.05: Rundfunkorchefterkonzert, 18.30: Leichte Musik.— Mähr.-Ostra«: 12.35: Mittagskonzert, 17.05: Schallplattenrevue. Ein böses Vorzeichen Bor einigen Tagen wurde die französische Haupfftadt von einem schweren Gewitter heimgesucht, bei dem der Blitz den im Monttouge-Park stehenden„Baum des. Friedens" fällte. Der Stamm stürzte auf. einen Musikpavillon, in den sich Frauen und Kinder vor dem Regen geflüchtet hatten. 50 Personen wurden verletzt 9fr. 151 Seite 7 Sonntag, 28. Juni 1936 Arbeitersozialversicheruns, Staat und nationale Minderheiten Von Abg. Ant. Hampl Ein Gesetz ist dann gut, wenn sein Geist im Zeichen des Fortschrittes steht, die Entwicklung antizipiert und eine Stütze der Staatsraison ist. Diese drei Hauptbedingnngcn erfüllt das Gesetz über.die Ä'rbeitetsozialversicherung, trotz seiner verschiedenen Unvollkommenheiten, in höchstem Maste. Oesterreich-Ungarn hat lediglich die Unfall- tznd Krankenversicherung realisiert. Gegen Jnvali« «tät und Alter hat Lhrkriegs-Ungarn lediglich seine Staats- und öffentlichen Angestellten stchergestellt, Oesterreich hat diese Sicherstellung auch den Privatbeamten und aus dem Arbeitarlager lediglich den Bergarbeitern gewährt. Deshalb ging die größt« Sehnsucht des arbeitenden Proletariats dahin,' eine ■ Exiftenzsichrrung gegen die schwersten Risken des Lebens und des Berufes zu erhalten. Der Ruf nach Verwirklichung dieser Sozialreform war schon vor dem Kriege sehr stark, zur Verwirklichung gelangte sie bei uns erst nach dem Kriege. Bereits die erste tschechoslowakische Regierung hat in ihrer programmatischen Kundgebung erklärt, daß der neue Staat die Invaliden- und Altersversicherung verwirklichen werde. Unter der Leitung des ersten Ministers für soziale Fürsorge Tr. Lev Winter, wurden denn auch mit aller- grötzter Beschleunigung sämtlich« statistischen und finanziellen Vorbereitungen getroffen, damit dieser Große soziale und finanzielle Plan der obligaten Kol- lekriversparniffe gegen die Risken der Arbeitsinvalidität und des Alters im Arbeiterlager verwirklicht werden können. So wurde es möglich, im Jahre 1J24 unter aktiver Teilnahme unserer politischen Parteien das Gesetz zu verwirklichen, das vor zehn Jahren am 1. Juli in Kraft getreten ist. Schon damals wurde dieses Gesetz als eines der besten Gesetze zum Schutze der Republik bezeichnet und die mit ihm gewonnenen Erfahrungen bestätigen dies. Durch Gesetzwerdung der Sozial- derficherung ist der Staat der Arbeiterschaft nähergekommen.' Er hat sie in Situationen gestützt, die für sie menschlich die empfindlichsten und schmerzlichsten waren. Zugleich hat er die Arbeiterschaft ohne Unterschied der Nationalität und der politischen Parteizugehörigkeit an das Schicksal des Staates gefesselt. Von der Konsolidierung ihrer Wirtschafts- verhältnisie und dem daraus erfliehenden Werte der Währung ist die Sicherheit und der Wert der Pension des Arbeiters im Falle der Invalidität und des Alters sowie die Sicherstellung seiner Angehörigen abhängig..Moralisch und politisch hat es sich in schweren, inttzmationalen Situationen erwiesen, wie die den nationalen Minderheiten angehörigen Arbeiter in der Slowakei und in den historischen Ländern zwischen dem eigenen Regime und den Regimen der übrigen Staaten unterschieden. Und dies, meines Erachtens, zugunsten unserer Republik. Die Zentralsozialversicherungsanstalt muhte in den ersten Jahren gegen die schwersten Vorurteile ankämpfen. Es wurde ihr vorgehalten, sie hebe nur Beiträge ein,'ohne auszuzahlen, sie entzieh« der Volkswirtschaft und dem privaten Unternehmertum bedeutende Mittel und thesauriere sie. Diese Vorurteile sind nun unter dem Gewicht der Tatsachen zerstoben. All« objektiv öffentlichen sind Wirtschaftsfaktoren sind sich dessen bewuht, daß die Jnvaliden- und Altersversicherunug der Arbeiter zu einem der größten und verlählichsten Gläubiger d«S Staates/ der Länder, Bezirke und Gemeinden geworden ist. Zu Ende des Jahres 1935 befanden sich in festen Händen der Zentralsozialversicherungsanstalt für nominal 1167 Millionen KL Staatswertpapiere; unter der Mitwirkung der Zentralsozialversiche rungsanstalt dem Staats- und Straßenfönds zum Ausbau eines modernen Automobilstrahennetzes geliehen und solcherart auch zur Linderung der Arbeitslosigkeit in de» Jahre» der allerschwerften Wirtschaftskrise beigetrage«, di« wir durchzumachen hatten. In der Republik gibt es kaum eine einzige auwnome Einheit, sei es das Land, Bezirk oder Gemeinde, in deren Distrikt nicht mit Hilfe der Zentralsozialversicherungsanstalt Gemeinde- oder Genoffenschaftshäuser erbaut worden wären. Die Zahl der aus Mitteln der Zentralsozialversicherungsanstalt erbauten Kleinwohnungen ist auf 40.000 zu schätzen. Er gibt keinen Distrikt, in dem nicht mit Hilfe der Zentralsozialversicherungsanftalt eine Wasserleitung, Kanalisation, Melioration errichtet, Krankenhäuser, Siechenanstalten oder Waisenhäuser erbaut worden wären. Nur die Kommunalkredite allein haben die Summe von% Milliarden Kc überschritten. Der Wahrheit entsprechend ist festzustellen, dah namentlich Gesuche von Genossenschaften und deutschen Gemeinden vom Anfang der Tätigkeit der Sozialversicherungsanstalt sehr häufig waren und dah ihnen seitens der Anstalt in äuherstem Matze entsprochen wurde. Für sogenannte industrielle und gewerbliche Kredite wurden an 308 Millionen KL Darlehen gewährt, wovon «ine sehr namhafte Onate«ach Rardbähmm ie> gange« ist. Wenn wir die Kreditpolitik der Zentralsozial- versicherungsanstalt verfolgen, mutz festgeftellt werden, datz sie die Kredite ohne Unterschied für alle Gebiet« der Republik zugunsten der Bevölkerung aller Nationalitäten gewährt hat. Es wird, glaube ich, kein« Indiskretion sein, wenn ich ein paar Beispiele anführe: dem Karlsbader Bezirk wurden 87 Millionen KL geliehen, davon der Stadt Karlsbad 14 Millionen KL, dem Reichenberger Bezirk 40 Millionen. der Stadt Rcichenberg allein davon 13,250.000 KL, dem Bezirke Aussig a. E. 39 Millionen. Der Bezirk Eger erhielt für sein Krankenhaus 3,930.000 KL, der Bezirk Asch für den gleichen Zweck 3 Millionen KL, und diese Aufzählung ist noch lange nicht zu Ende. Die Leistungsagenda der Zentralsozialversicherungsanstalt setzte erst im Jahre 1929 nach Ablauf der Karenzfrist ein, aber ihre Bedeutung nimmt sehr rasch zu und ihr Umfang hat infolge der langandauernden Wirtschaflskrise alle Voraussetzungen Ausland Die Außenpolitik der Regierung Blum und di« französische Presse. Die Deklaration der neuen Regierung zur Außenpolitik hat in der Pariser bürgerlichen Presse keine ungünstige Aufnahme gefunden. Abgesehen von einigen ausgesprochenen Rechtsorganen, die die Kundgebung der Regierung zum Anlaß für eine scharfe oppositionelle Stellungnahme benutzen, trägt die Kritik im allgemeinen einen sachlichen Charakter. Im.„Echo de Paris" schreibt Pertinax: Der Außenminister spricht uns von einem Donaupakt mit Einschluß aller Staaten Zentraleuropas. Aber wir wissen ja, daß heute weder Un g a r n noch Polen sich diesem Pakte anschließen werden. Die alten Rechnungen zwischen Italien und der Kleinen Entente sind gleichfalls noch nicht liquidiert. Hitler werde nie auf Pakte allgemeinen Charakters eingehcn. Im„Figaro" west überholt. Es ist übrigens verständlich, datz die Arbeiter mit ihren gesunkenen Löhnen und die völlig Arbeitslosen in weit höherem Matze ihre Ansprüche namentlich auf die Invalidenrenten geltend machen als in Zesten guter Beschäftigung und steigender Löhne. In der ganzen Republik gibt es kaum eine Gemeinde, in der nicht ein Invalider, ein Greis, Witwen oder Waisen regelmätzig Renten erhielten. Die Schichtung der BiertelmMo« von Rentnern, die von der Zentralsozialversicherungsanstalt zwar kleine, aber regelmätzige Invaliden-, Alters-, Waisen- oder Witwenrenten monatlich beziehen, entspricht begreiflicherweise auch der sozialen und natto- nalen Schichtung unserer Versicherungsnehmer. Die ZentralsozialverficherungSanstalt korrespondiert mit den tschechischen Versicherungsnehmern tschechisch, mit den slowakischen slowakisch, mit den deutschen deutsch, mit den magyarischen magyarisch und mit den ruthenischen ruthenisch, also jeweils in der Muttersprache des Versicherten. Die Leistungen sind allerdings noch sehr bescheiden und bei jüngeren Rentnern mst mehreren Kindern begreiflicherweise unzulänglich. DaS Werk ist aber begonnen und noch nicht vollendet. Trotzdem jedoch ist die soziale und die wirtschaftliche Bedeutung der namentlich in den letzten Krisenjahren an Personen, die ihrer Verdienstfähigkeiten und-Möglichkeiten beraubt sind, ausgezahlten Summen sehr groß. Die ZentralsozialverfichernngSanftalt hat i« den letzten fünf Jahren an Rente««nd sonstigen Leistungen mehr als eine Milliarde KL ausgezahlt. Heute beträgt die Auszahlung der Leistungen und Renten täglich mehr als eine Million KL. ES ist ersichtlich, datz die an Versicherungsprämien einlaufenden Beträge nicht brach liegen bleiben und nicht nur zum Nutzen der sozial Schwächsten, sondern auch zum Nutzen unseres gesamten Wirt- schastslebenS verwendet werden. Sie flietzen auf unzähligen Wegen in unseren inneren Konsum und dem ganzen wirtschaftlichen Kreislauf wieder zu. Die Krankenversicherung, die Arbeiter-Jnvaliditäts- und Altersversicherung, die Bergarbeiter-Pensionsversicherung und die Versorgung der Staats- und öffentlichen Angestellten schützen alle unsere privaten und öffentlichen Angestellten für den Fall von Krankheit, Mutterschaft, Invalidität, Alter und Todesfall und geben unserer Demokratte«inen sozialen Charakter. Der nicht voreingenommene Bolkswirtschaftler und Sozialpolitiker sieht in diesen Mahnahmen nicht nur ein verdienstvolles Werk auf dem Gebiete der sozialen Mahnahmen, er ist sich darüber hinaus auch der Wichtigkeit dieser Einrichtungen für das gesamte öffentliche und polttische Leben der Republik bewuht. Schon in meiner letzten Kundgebung habe ich im Rundfunk betont, daß die diesen Zwecken gewidmeten Beträge von allen Gesichtspunkten, also auch vom Gesichtspunkt des Staates, rin sehr gut angelegtes Kapital sind. äußert sich' Wladimir d'O r m e s s o n über die Regieruttgskundgebung, es sei ein Achtungserfolg. Aber, setzt er fort, wir befinden uns auf einem Kampfplatz. Es gibt in Europa ein Land, das sich Tag und Nacht für den Krieg vorbereitet. E s wird den Krieg plötzlich beginnen, wenn es bloß«inen passenden Augenblick findet; es wird sich davon enthalten, wenn es diesen Krieg für riskant hält. Alles andere ist leeres Geschwätz. Di« wesentliche Aufgabe unserer Politik besteht darin, mit jenen vier oder fünf Mächten uns zu einigen, deren kollektiver Widerstand, im Bunde mit dem unsrigen, imstande ist, die Ordnung und den unteilbaren Frieden in Europa zu sichern. Vor dieser Aufgabe sollen die Ideologien, Doktrinen, Sympathien und Mißtrauen zurücktreten. Damit tritt d'Ormesson offen gegen die antifaschistische Sttmmung der gegenwärtigen Regierungskreise auf. Demgegenüber wird in der„Ere Nouvelle", dem Organ von Herriot,«ine Lanze für die t r a- Mädel mit acht Weltrekorden Willie den Ouden, Hollands große Schwimmerin und Olympia-Zweite im 100-Meter-kräul» schwimmen von Los Angeles, nach dem Training. ditionele franko-britische Entente gebrochen. England sammelt jetzt seine Kräfte, heißt es dort, man bereitet sich in London für den Fall vor, daß jemand die Grundlagen des Friedens selbst zerstören wollte. Für England geht cs nun vor allem um Zeitgewinn. Jene, die es heute für eine gute Außenpolitik ansehen, den britischen Löwen bei dem Schwanz zu ziehen, werden sich sehr verrechnen. Japan und USER. Unter diesem Titel veröffentlichen die offiziellen Moskauer„I swe- stij a"(18. 6.) einen Aufsatz, der sich in scharfer Weise gegen die japanischen militaristischen Kreise wendet. Die sich häufenden„G r e n z- z wischenfälle" bestehen darin, daß die japanischen Soldaten die russische Grenze überschreiten, während entgegengesetzte Fälle überhaupt nicht vorkommen. Das gehe schon daraus hervor, daß die japanischen Grenzbehördcn stets an die entsprechenden russischen Behörden sich mit der Bitte wenden, Leichen der japanischen Soldaten, die die Grenz« überschritten haben, herauszugeben. Die Japaner sabotieren die Einsetzung der Grenzausschüsse und erheben nun die Forderung nach der Schaffung einer d e m i l i- tarifierten Zone an der sowjet-mandschurischen Grenze, die zu beiden Seiten der Grenze sich auf je 50 Kilometer hinziehen soll. Die Sowjetunion, meinen die„Jswestija", habe an ihrer fernöstlichen Grenze eine Verteidigungslinie aufgeführt, und die führenden japanischen Militärkreise wissen es sehr gut, wie schwer es sein werde, diese Linie einzunehmen. Daher schlagen sie nun uns vor, sie zu beseitigen. Hinter der russischen Verteidigungslinie jedoch befinde sich die strategisch wichttge Eisenbahn, die keine 50 Kilometer von der Grenze entfernt verlaufe. Die Tokioter Militärs müssen doch endlich verstehen, daß niemand in Moskau ihre Vorschläge ernst nehmen könne. Die Sonnenfinsternis Von Josef Wechsberg Tic Geschichte vom Kapitän Lissiac und der Sonnenfinsternis hat mir ein französischer See- niann an einem glühendheißen Sommerabend in Suez erzählt. Später habe ich sie auch noch in Rio und Wladiwostok gehört. Denn sie ist eine jener Seegeschichten, die ihre Runde durch alle Häfen der Erde machen und allen Matrosen vom nürdlNhen bis zum südlichen Wendekreis geläufig sind. Wir Landmenschen kennen sie nicht. Aber damit soll nicht gesagt sein, daß sie nicht wahr sein ckayn. An'jenem Abend lag die„Esperance" im Hafen von Cristobal vor Anker. Die„Esperance" wär trotz ihres vornehm klingenden Namens nur ein„Cargobvot", ein gewöhnliches Frachtschiff, und der Abend der Begebenheit mag fünfzehn, vielleicht auch achtzehn Jahre zurückliegen; doch sind diese Einzelheiten nebensächlich und unwichtig. Um sechs Uhr abends schlug Kapitän Lissiac, der Kommandant der„Esperance", seine Bücher zu, über denen er den ganzen Tag gesessen war, ließ sich den ersten Steuermann rufen und hielt ihnz die folgende Ansprache, die wortwörtlich wie- dcrgegcbcn werden muß, ohne Aenderunz und Kürzung, da darin der Kern der ganzen Begebenheit liegt. Es stünde fast dafür, sie auswendig zu lernen, ivenn man das Kommende richtig verstehen will.„Wie Sie wohl wissen werden", begann der Kommandant in gewohnter Höflichkeit,„haben wir morgen eine Sonnenfinsternis, was nicht alle Tage vorkommt. Sie lassen um acht Uhr früh alle Mann in Dienstkleidung auf dem Vordeck antreten.-Sie werden dort das seltene Phänomen beobachten können und ich will ihnen die nötigen Erklärungen geben. Falls es regnen sollte, gibt es natürlich nichts zu. sehen. In diesem Fall wird nicht angetreten und die Burschen bleiben im Bootsraum unten." Der Kommandant machte eine Pause und blickte den ersten Steuermann an.„Sie haben mich wohl verstanden?" „Vollkommen", sagte der Steuermann, obzwar er in diesem Augenblick an die rassige Mexikanerin dachte, die ihn unten am Peer erwartete. „Ich danke Ihnen", sagte der Kommandant, „veranlassen Sie das Nötige!" Der erste Steuermann lief die Stiegen herunter, ließ sich den zweiten Steuermann rufen und sprach schnell, wobei er nervös auf seine Uhr blickte: „Auf Befehl des Kommandanten, ist morgen um acht Uhr früh Sonnenfinsternis, in.Dienstkleidung. Alle Mann treten auf dem Vorderdeck an und der Kommandant wird die nissigen Erklärungen geben, wäs nicht alle Tage vorkommt. Wenn es regnet, gibt es natürlich nichts zu sehen. In diesem Fall wird das seltene Phänomen, im Bootsraum beobachtet werden und es wird nicht angetreten. Verstanden?" Der zweit« Steuermann nickte und sein Vorgesetzter schaute zu, daß er zu seiner Mexikanerin zurechtkam. Indessen ging der„Zweite" aufs Achterdeck und ritzf Rossi, den Schiffszimmermeister und Vertrauensmann der Matrosen.„Rosst", sagte er wörtliche„morgen um acht Uhr früh wird auf Befehl des Kommandanten die Sonnenfinsternis auf dem Vorderdeck sein. Alle Mann treten an. Der Käpt'n wird im Bootsraum die notwendigen Erklärungen geben. Wenn es regnet, was nicht alle Tage vorkommt, wird das seltene Phänomen in Dienstkleidung stattsinden. Abtrcten!" Rossi war dermaßen erstaunt, daß er mit offenem Munde dastand und über das seltene Phänomen nachdachte. Es kam selten vor, daß Rossi nachdachte.„Das wird ein Spaß sein!" sagte er, ohne es eigentlich zu wollen. „Laß deine Reden", schrie der zweite Steuermann wild,„und schau lieber zu, datz du deine Leute instruierst I" Rossi blickte sein Gegenüber wütend an, spuckte über die Reeling und swlperte die Treppen in den Bootsraum hinunter. Dort setzte er die Finger an die Lippen und lietz einen markerschüt- ternden Pfiff ertönen. „Ruhe jetzt!" brüllte er, als die Matrosen um ihn versammelt standen,„macht lieber Eure Ohren auf und bemüht Euch, weniger vernagelt zu sein als gewöhnlich... Also: morgen früh um acht Uhr im Bootsraum wird der Käpt'n die Sonnenfinsternis mit den nötigen Erklärungen machen. Wenn es regnen wird, seid ihx alle auf dem Vorderdeck und das seltene Phänomen wird in Dienstkleidung abgehalten, was nicht alle Tage vorkommt. Morgen acht Uhr! Datz keiner zu spät kommt,.O Was schaust du so dumm?" schrie Rossi auf den Schiffsjungen Tom,„haft du das nicht verstanden, du Lümmel?" Tom machte ein Gesicht wie ein Bettler aus der Landstraße, der ein Luxusauko vorbeifahren sieht und stieß einen lästerhaften Fluch aus. „Schluß jetzt!" rief Rossi und schloß die einseitige Debatte»„jeder auf seinen Platz!" Als um acht Uhr abends die zwei Matrosen vom Dienst von der Kommandobrücke herunterkamen, wurden sie von ihren Kameraden mit geheimnisvollen Gesichtern empfangen. „Moret", begann der alte Laperuchc flüsternd,„morgen um acht ist am Deck..." „Und wozu?" „Verdammt, eine faule Geschichte, die nicht alle Tage passiert. Das soll die Sonnenfinsternis mit dem Käpt'n in Dienstkleidung sein..." „Und wo?" „Im Bootsraum. Außer wenn's regnet...." „Wenn es regnet, wird das seltene Phänomen mit den notwendigen Erklärungen auf dem Vorderdeck stattfinden." „Und was sollen wir dabei tun?" „Ich weiß nicht mehr genau", sagte Lape- ruche,„ich will Rossi fragen gehen."— Um dieselbe Zeit ließ der Kommandant Lissiac den ersten Steuermann rufen.„Sie haben meine Befehle bezüglich der ixorgigcn Sonnenfinsternis an die Mannschaft weiter gegebene" „Ja, Kommandant", erwiderte der Erste, wobei er'die Hand an die Mütze führte und daran dachte, daß ihn die Mexikänerin heute die Hälfte seines Monatslohnes gekostet hatte. Verdammte Weiber! „Und alle wissen, um was«S sich handelt?" „Alle!" sagte der Steuermann mit dem Brustton unerschütterlicher Ueberzeugung. „Danke, mein Lieber. Sie können gehen!" schloß der Kommandant die Unterhaltung und klopfte seinem Untergebenen freundlich auf die Schulter. Und während der Kapitän Lissiac seine Bücher ergriff und sich in stiller Zufriedenheit die Stellen anzeichnet«, die er morgen seiner Mannschaft vorlesen wollte, saßen unten im Bootsdeck, in der Kambüse und im Maschincnraum die Matrosen und sprachen halblaut über das seltene Phänomen, das morgen um acht Uhr auf dem Vorderdeck den Käpt'n mit den notwendigen Er- Uärungen verfinstern würde... Seite 8 .Sozialdemokrat" Sonnkag, 28. Ium 1936. Rr. 151 Jeaqer Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit Ber ich t d e s D i r e k t o r s für die 2$. Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz. Genf 1936. "104 Seiten. Preis 14 KL. Der angeführte Bericht des Direktors, der soeben in deutscher Sprache erschienen ist, dient für die 20. Internationale Arbeitskonferenz als Unterlage für eine eingehende Aussprache über die Politik der Internationalen Arbeitsorganisation. Wie in den vorhergehenden Jahren ist in diesem Berichte wiederum die allgemeine Wirtschafts- und sozialpolitische Lage einer eingehenden Kritik unterzogen. Direktor Butler kommt zu der Auffassung. daß der Rückblick auf die soziale und wirtschaftliche Entwicklung während-der letzten zwölf Monate eher zu Zweifeln und Bedenken als zu hoffnungsvoller Züversicht Anlaß gibt. Die Arbeitslosigkeit ist weiter zürückgegangen, und sie bildet ein Anzeichen der wirtschaftlichen Gesundung, doch Vollzog sich diese Entwicklung nur langsam, und sie war nicht allgemein. Nach oberflächlicher Schätzung ist im vergangenen Jahre ein Rückgang der Arhcitslosenzahl um 15 v. H. festzustellen, wodurch der gesamte Rückgang seit 1932 auf 37 v. H. gebracht worden ist. Aus diesen Zahlen dürfen jedoch allzu optimistische Schlußfolgerungen nicht gezogen werden, denn hei dem vorliegenden Zahlenmaterial sind weite Gebiete, wie Jlidien und China, nicht einbezogen, ferner ist in verschiedenen Staaten, besonders in Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz die Gesamtzahl der Arbeitslosen zu Ende des Jahres 1935 höher als zu Ende des Borjahres.< Direktor Butler widmet dem Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit in den verschiedenen Ländern ist seinem Berichte einen großen Raum, da er diesen Kampf als die dringlichste Frage der Gegenwart ansieht..So vollkommen Arbeitsschutz, die Krankenversicherung, die Sicherstellung der Löhne auch sein mögen, für die Arbeitslosen haben diese Maßnahmen ihre Bedeutung, so ziemlich verloren. Auch kann kein Wirtsckiastssystem als befriedigend angesprochen werden, wenn es eine große Anzahl von Arbeitnehmern zur unfreiwilligen Arbeitslosigkeit verdammt." Direktor Butler ist der Auf- faffung, daß die Lehren aus der Krise genügend klar erkennen lasten, in welcher Richtung die richtige Lösung zu suchen ist.„Eine bessere Neuordnung der Industrie, größere Freiheit des Güteraustausches und eine vernünftige Steuerung und Verteilung des Geldes würden gestatten, der Arbeitslosigkeit Herr zu werdend Der Bericht ist in die fünf folgenden Kapitel gegliedert:.. Genesung oder Rückfall; Kampf gegen die Arbeitslosigkeit; Sozial- und Wirtschaftspolitik;.die'Internationale Arbeitsorganisation im Jahre 1935; das Werk des Wiederaufbaus.. .. Direktor Butler schließt seinen Bericht mit folgenden Worten:„Nur durch eine gerechte Regelung deS. internationalen Wirtschaftslebens kann der Welt Friedens Gerechtigkeit und Freiheit gesichert werden. Dafür aber gilt es, alle eigennützigen Interessen höheren Zielen unterzuordnen; denn im Reich« der sozialen Gerechtigkeit gibt es keine Vorrechte, weder für ganze Nationen, noch für private Interessengruppen, sondern oberster Grundsatz in stets die allgemeine Wohlfahrt der Menschheit. Solange nicht unter den Rationen das Bewußtsein«»ner moralischen- Verbundenheit erwacht, entsprechend jener gegenseitigen Abhängigkeit in materiellen Bedürfnissen, durch die sie so unlösbar aneinandergekettet sind, wird der Wiederaufbau eine unlösbare Aufgabe bleiben. Wenn sie sich aber von dem unerschütterlichen Willen leiten lasten, den Krieg in allen seinen Formen— politisch, militärisch, wirtschaftlich— zu ächten, kann die Menschheit noch eine Kulturstufe erreichen, die im Zeichen der GereAigkeit stehen und damit vollkommener sein wird als alle früheren Kulturen,"- Baugenossenschaft für Bank- und Sparkaffenbeamte, in Prag VH., reg. Gen. m. b. H. Die 26. ordentliche Haupwersammlung hat am 23. Juni l. I. stattgefunden. Den Vorsitz führte der Obyiann Karl E. Focke. Seinem Rechenschaftsberichte war au entnehmen, daß die Entwicklung dieser größten deutschen Prager Baugenossenschaft eine a n h a l- rend günstige sei und besonders die finanzielle Fundierung weitere Festigung erfahren bat.' Der Realbesitz besteht aus 17 großen Zinshäusern im gut gelegenen Belvedere-Viertel von Prag VII., in denen 277 Mitglieder wohnen, wobei der Gesamtmitgliederstand 519 beträgt. Die Genoffenschaft ist Besitzerin von unverbauten Grundstücken in Pra'g- Bubna und in Lhotka und die Haupwersammlung gab die Anregung zur Fortsetzung der genossenschaftlichen Bautätigkeit, wobei vorwiegend Kleinwohnungen(Ein- und Zweizimmer-Wohnungen) geschaffen Mb MOORBAD W KUNNERSDORF »oerOSCMITZ itatioxKJUESBORFttujOSCHITZ^S bring» HEILUNG bei Rheuma, Gicht, Ischias, Frauenleiden. Der dztg. Wirtschaftslage angepaßte Preise. Täglich Kurkonzerte. Tennisplatz, Kegelbahn. Herrliche eigene Waldungen, rauch- u. staubfrei. Prosp. u. Anfragen durch die Kurverwaltung. werden sollen. Bei vorsichtiger Bilanzierung weist die Genossenschaft Vermögenswerte von 38,751.524 KL aus, denen an"'Passiven die Hhpothekarschulden von 32,377.607 KL und die Kapiialseinlagen der Mitglieder(Anteile, Mieterdarlehen),.von KL 3,248.167.— gegenüberstehen. Die buchmäßigen Reserven werden mit KL 2,752.695.— ausgewiesen. Als Gewinn wurden für 1935 KL 157.372.— erzielt, wovon eine 3prozenttge Dividende'aut das Anteilskapital ausgezahlt wird und KL 76.000.— den Reserven hinzugefügt werden. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl der wrnusgemäß ausscheidenden Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder und es wurden auch bei der Konstiwierung die bisherigen bewährten Funktionäre wiederum mit der Leitung der Genossenschaft betraut, die sich wie folgt zusammensetzt: Obmann Karl E. Focke, Obmannstellv. Dr. Franz Bacher, Geschäftsführer Oberrat Josef Rohm. Kassier Heinrich Neugeboren, Kontrollor Disp. Hans Steinhauer, Hausverwaltungsreferent Prok. Siegfried Hammerschlaa, Aufstchtsratsohmann. Mini-, sterialrat Dr. Franz Appel, A. R. Schriftführer Bankdirektor Dr. Williy Freund, u. a. m.— Im Verlaufe der Haupwersammlung erörterte der Obmann Focke die Mängel des gegenwärtigen Standes der Gesetzgebung über die Förderung^ der genossenschaftlichen Wohnungsbautätigkeit. die diesmal nur auf Kleinstwobnungen Bedacht nahm und Franz Nehyba vom Verbände der Bankbeamten besvrach das gemeinsame Wirken von Gewerkschaft und Baugenostenschaft. um'wirksame und erfolgreiche Bekämpfung der Prager Wohnungsnot vom 48esichts- punkte der Angestelltenschaft der Prager deutschen Geldinstitute, welche Referate beifällig ausgenommen wurden. Todesfturz aus dem List. Freitag nachmittags fiel im Palais der Riunione Adriatica in Prag Ü. die 68jährige Elisabeth Tauer aus Prag Hl. aus dem Personenaufzug und blieb ohnmächtig auf dem Pflaster liegen. Tie Rettungsgesellschaft brachte sie auf die Klinik Schlaffer, wo sie kurz nach ihrer Einlieferung ihren schweren Verletzungen— einen Schädelbruch und einer Gehirnerschütterung— erlag. Selbstmord in der Badekabine. Gestern nachmittags wurde in einer Kabine des Kgrlsbades eine nnbekannte, etwa 25jährige, 16Ö Zentimeter große Frau stärkerer Statur ohnmächtig aufgefunden. Sie hatte sich die Adern ausgeschnitten"Und eine unbekanntes Gift genommen; die Rettungsgesellschaft brachte sie auf die Klinik Schmidt, wo sie jedoch kurz nach ihrer Einlieferung verschied, ohne das. fcstgcwadisciie Tiere Von E. Aldt (Schluß.) Sehr eigenartig und interessant find die festsitzenden Röhrenwürmer des Meeres. Wer würde glauben, daß es unter ihnen wahre Schönheiten gibt? Man wird verleitet, direkt von Blumengärten des Meeresgrundes zu sprechen, in denen es blau und gelb, orange und rosa und violett blüht und leuchtet. Der Wurmkörper an sich hat freilich wenig Anziehendes und Erfreuliches, aber er ist verborgen in einer langen, biegsamen Röhre, die einem Blumenstengel ähnelt. Aus der Röhre streckt der Wurm seine bunte Kiemenkrone heraus, die phantastisch, wie ein Federbusch geformt und spiralig gedreht ist. Fährt man im seichten Meer in einem bcot über ein« solche unterseeische Wiese von Röh> rcnwürmern dahin, so kann man beobachten, wie plötzlich alle Federkronen und mit ihnen alle Farbenpracht verschwinden, wenn auch nur der Schatten des Bootes die Tiere streift. Sie schützen sich vor Gefahr, indem sie sich blitzschnell in ihre Röhren zurückziehen. Und doch haben fie keine Augen, wie ihre nächsten, freilebenden Verwandten. Aber trotzdem I sie nichts sehen können, haben sie doch ein äußerst I Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Nach ihrer' Identität wird geforscht. Hochstapler. Vorgestern nachmittags erschien ein Unbekannter in der Juwelenbandlung Jakobowib in der Nationalstraße und verlangte verschiedene Schmuckstücke< ju sehen; er wählte davon für etwa 28.000 KL aus, gab ein Zwanzigmarkstück als Anzahlung und ersuchte, man möge ihm die Schmucksachen in sein Hotel schicken, da er das Geld erst erwarte. Nach seinem Weggang stellte sich heraus, daß das Zwanzigmarkstück falsch war, worauf eine Ueberprüfung der Waren ergab, daß eine goldene Zigarettendose fehlte. Die bisherigen. Nachforschungen ergaben, daß es sich um den 30jährigen stellungslosen Artisten Franz, Spratek aus Landsberg, einen bekannten internattonalen Hochstapler, handelt; er pflegt sich im allgemeinen für den Artisten Leo Leiser aus Mähr.-Ostrau auszugeben. Er dürfte sich nach Brünn gewendet haben. Selbstmord im Hotel. In der Nacht auf gestern bezog ein Mann, der sich als Postunterbeamter Gustav Herzig aus Saaz ins Fremdenbuch'eintrug, ein Zimmer des Hotels am PoriL Nr. 9 und verlangt«, am nächsten Tag um 8 Uhr früh geweckt zu werden. Ta sich aber beim Klopfen niemand meldete, wurde das Zimmer mit einem Ersatzschlüssel geöffnet; hiebei wurde Herzig erhängt im Kleiderkasten gefunden. Das Motiv seiner Tat ist unbekannt. Todessprung vom Aussichtsturm. Gestern nach- mfttags sprang ein junger Mann— nach einem bei ihm gefundenen Brief wahrscheinlich der 30jährige Korrespondent Karl Jableknik aus Binar bei Caslau— in selbstmörderischer Absicht vom zwetten Stockwerk des Aussichtsturms auf dem Petrin und blieb mit zerschmettertem Schädel auf der Platt-' form des ersten Stockwerkes liegen.' Nach einem hinterlassenen Brief hat ihn Furcht vor gerichtlicher Be- strafung in den Tod' getrieben. Kunst imck Mssen Gedächtnisausstellung MiloS Jiränek Am Ende dieses im Manes ausgestellten Werkes steht ein früher Tod. Vor 25 Jahren ist Milos Jirgnek gestovben, geistig um- nachtet und erst 36 Jahre alt. Die Frage bleibt unbeantwortet: zu welcher Reife wäre sein Schaffen noch gediehen?-Diese 120 Gemälde, die 140 Aquarelle, Pastelle und Zeichnungen bezeugen das vielseitige Können eines Impressionisten. Man spürt die wechselnden Einflüsse von Prag, München, WWWMNkiiskirb i Ptnrslkal. eiltet Heilmethoden— ScbraWww MMIge Preise— Chefsrtt Dr. 3. Neugebauer Paris, aber man sieht auch, daß da vieles noch im Fluß war, daß da Könnerschaft nach eigenem Ausdruck strebt«. Und einiges läßt schon eine Entwicklung ahnen, die über die Lebenszeit hinaus Gettung verhieß. Ein tragischer Tod hat sie abgebrochen. Es hängen Bilder da, die den Betrachter sehr gegenwärtig ansprechen, das lebensvolle Damenbildnis (15), die Leserin(48), das Bildnis in Violett(88). Weitere Ziele deutet das Doppelbildnis am Tische an(108). Eines der kleinsten Bilder ist eines der schönsten: einige Aepfel,.leuchtend gelb-rot auf grauem Grund(45). Auch die gelben Tulpen(49), der weiße Strauß in grauem, grün geringeltem Krug(50). und die Bank unter Bäumen(71) ziehen die Aufmerksmkeit aus sich. Es ließe sich eine Auswahl denken, die eindrucksvoller als die bunte Fülle, die künstlerische Hinterlassenschaft dieses Frühverstorbenen der Erinnerung einprägen würde, ld. Piontag, 8 Uhr,„Elektra" von Richard Strauß. Dirigent: Generalmusikdirektor Gustav Brecher, Regie: Mordo.(B 2) Der Präsident der Republik wird der Aufführung der„V e r k a u f t e n Braut" am Dienstag, den 30. Juni, beüvohnen. Es ist dies die letzte Vorstellung der Spielzeit im Neuen Theater. feine? Gefühl für Helligkeitsunterschiede. Auch der Tastsinn ist gut entwickelt. Bei Berührung zucken die schönen Blumen sofort scheu zurück und verschwinden blitzschnell in ihrem Kelch. Ueberhaupt ist der Tastsinn meist der bestentwickelte und für die festsitzenden Tiere jedenfalls der wichtigste. Immer laßt sich feststellen, daß Nervensystem und Sinnesorgane jener seßhaften Formen, welchem Tierstamni sie auch angehören mögen, primittver und relativ schlechter entwickelt sind, als bei den freibeweglichen Verwandten. Eine Ausnahme hiervon machen indessen vielfach die Jugendstadien. Das ist verstäno- lich; denn, wie erwähnt, sind diese ersten Entwicklungsstufen ja noch nicht an den Boden gefesselt. Su sind mit allen Organen ausgerüstet, die ihrer Organisation entsprechen und zum freien Leben notwendig sind. Erft mit dem Seßhaftwerden tritt eine sogenannte„rückschreitende Metamorphose" ein, eine Umwandlung, die«in Rückgreifen auf primittver« Entwicklungsformen andeutet. Einen eigenartige^ Beitrag zum Kapitel dieser Rückbildungen liefert eine Gruppe von Tieren, die dem Laien freilich wenig bekannt ist. Es sind daS die zu den„Manteltteren" gehörigen Ascidien oder Seescheiden, feiste, festfitzende Tiergestalten, deren scheinbar sehr primitiver Körper von einer dicken, schützenden Hülle, dem„Mantel", umgeben Kakteen mit begossen, werden zauberhaft schön. Senden Sie uns KL 5.60 in Briefmarken, wir liefern Ihnen dafür den guten Blumenzauberdung, den besten Dunggutz für Ihre Blumen. Sie werden staunen, wie herrlich dann Ihre Blumen gedeihen. Verwaltung„Frauenwelt", Prag XU.» Fachova tr. 62, und durch alle Kolporteure erhältlich. Der Mm Rendezvous um Mitternacht. Keiner ist in diesem Film er selbst. Alle haben Gründ«, sich für einen anderen auszugeben. Der arme Schlucker g'bi sich für den Sohn des reichen Farmers aus, der bsf gehrte reiche junge Mann ftir einen harmlosen Juwelier, die, Hochstaplerin für eine Gräfin, der Gauner für ihren Chauffeur usw. Und der Zuschauer, der ihre Masten kennt, unterhält sich an den Vers Wicklungen und Verwechslungen, die sich drohend zusammenballen. Ueberflüssig zu sagen, daß am Schluffe di« richtigen zusammenkommen. Diese Komödien der Irrungen sind reichlich abgedroschen. Diesmal ist der Film durch schmissige Musik von Künnccke aufgeputzt. Sohnker.und Dreyers sind datz Liebespaar, das sich bis zum Ueberdruß ansingt. Ueberraschend ist Harald Paulsen in einer komische» Rolle. Und wieder Adele Sandrock in ihrer Klische^ Rolle. Man möchte der alten Dame ihre wohlvem diente Ruhe gönnen. jk. is filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Die Adler der Lüfte." A.— Alfa: „Dämon Weib." Jean Harlow. A.— Avion:„Daliles Inferno." A.— Beranek:„Episode." Paula Wessely. D.— Feniz:.Die Brautschau der Na« nynka Kulichovä." Tsch.— Flora:„Der ideale Gatte." D.— Gaumont:.Rendezvous um Mitternacht." D.— Hollywood:.Rendezvous um Mitternacht." D.— Hviizda:„Der Chef des Gehvorülenstes." D.— Kinema, B.-Th.: Journale, Groteske, Reportage.— Koruna: Aktualitätenbuhne.—■ Lacerna:.Nach Bureatsschluß." A.— Metro:.Drei Männer im Schnee." Tsch.— Passage«.P eniion Mimosa." Franc. Rosay. Fr.— Praha:„Ueber- fall im Hotel." D.— Staut:.Wir von Kronstadt." Ruff.— Svetozor:.Drei Männer im Schnee." Tsch.— Alma:.Alles für die Firma." D.— Baikal:„Zauber der Mailänder Oper." A. Beseda: „Verlobung mit Hindernissen." D.— Carlton:„Viktoria." Luis« Ullrich. D.— Illusion:^Verlobung mit Hindernissen." D.— Lido II:„ 3* üben tennlut» ter." Tsch"— Louvre. ,'Ich on^cm^Engel." Ma« West. A.— Maeeoka:„Flucht vor der Unterwelt." A.— Olpmpic:.Leise flehen meine Lieder." D.— Roxy:.Der ideale Gatte." D.— U-rjvodux.Die blonde Carmen." D.— Baldek:„Eine Frau im Offside." A.— Beletrhy:.Krach im Hinterhaus." D. Wir empfehlen in£uQa Pers wieder aus. Nervensystem und Sinnesorganc dieser höchst unbegabten Tiere stehen auf niederster Entwicklungsstufe- Aber die Ascidie» gehen aus Larven hervor, die frei beweglich sind und einen Bauplan besitzen, der eS berechtigt erscheinen läßt, daß man diese Tiere, die an sich so niedrig organt- fiert erscheinen, als nächste Verwandte der W'cbel- tiere bezeichnet. Die Larven zeigen Organisattons- merkmale, die etwa denen gewisser Fische«ittspr-chen. Es ist, als hätte die Natur hier schon einmal den Versuch unternommen, den TypuS des Wirbeltteres zu schaffen und als sei fie auf Haldem Wege umgekehrt, als ihre Geschöpfe es vorzogeN^' die freie Lebensweise, die Bewegungsfähigkeit gegen dir geruhsame, seßhafte einzutauschen, die keinen Fort- schritt, keinen Kampf und kein Streben mehr kenn' Aber andere Formen setzten den Gcdankengang fort und führten ihn durch bis zu den höchsten Entwicklungsstufen, die wir heute kennen, bis zur Menschwerdung. Sie konnten eS, eben dadurch, daß sie beweglich blieben. Denn nur in der Bewegung in de.' Unrast, im Stteben nach Vorwärts liegt der Fortschritt. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 43.—, hall jäbrw KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung vosi Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft- und Tele- graphendirektton mtt. Ersaß Rr. 13.800/VI1/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag.