Freitag, 3. Juli 1936 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (einschließlich- Heller Porto) Z-MAMÄrrat 1ENTRALORGAN a_|i DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI»■ . IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung frag xii„ fochova«r. Telefon motz. HERAUSGEBER' SIEGFRIED TAUE. VERANTWORTLICHER RED AKTEUR■ DR. EMU STRAUSS, FRAG. WkWüttmilMch« EBaxiei Xä»tU fflenn«taWw-aaldj Uü-sMeLa!» Aujeabs.. Henlein und seine Partei gerichtet Per Ministerpräsident Uber Hehlelns Rede: Ein Damm zwischen den Nationen Unwahrheiten/ Gefährliches Spiel/Nebel der Finsternis/ Kindische Versuche ren hat sie das ihr anderen— entgcgengebrachte Vertrauenskapital verwirtschaftet und wenn die SdP wie der Ministerpräsident im Senate sagte, das Bestreben hatte» die Position des deutschen Volles im Staate zu stärken, so hat die Egerer Siede Henleins diesem Streben„einen schweren Schlag" versetzt.• Der Ministerpräsident hat die Stellung der Gcsamtregierung zur SdP an einer Zergliederung des bekannten Ausspruches Henleins in dessen angeführten Rede dargelegt, worin der Ascher Freund des Dritten Reiches erklärt hat, er wolle lieber mit Deutschland gehaßt werden" als aus diesem Haß Vorteil ziehen. Dr. Hodza hat gesagt, daß cs nur zwei Erklärungen ftir diese Redewendung Henleins gebe: Entweder habe der Redner der SdP seine These auf eine Unwahrheit gegründet oder wolle er Mißtrauen säen— beides eine schwere Anschuldigung, die der Regierungschef gegen den Führer einer politischen Partei erhebt. Noch schärfer wurde Hodja zum Schluß als er von„kindischen Versuchen" sprach, die Deutschen dieses Landes gegen den Staat in Gegensatz zu bringen. Aiag dieser Hohn angebracht sein, so können solche kindischen Versuche in bestimmten Augenblicken für einen Staat sehr gefährlich werden,/wie dies auch im Leben Einzelner geschieht., Das Entscheidende des sudciendeutschcn Problems ist aber unserer Meinung nach der aktive Kampf des Staates und seiner Organe gegen die Ursachen jener Stinunung im deutschen Volle, die vor allem.den" Erfolg der SdP bei den vorjährigen Parlamentswahlbn erklärt. Der Ministerpräsident hat auf die Resolution der Parlamentsmehrheit hingewiesen, daß bei den Jiwc-> stitionsarbeiten aus der Vertcidigungsanlcide die von der Krise hart.betroffcnen Gebicte besonders berücksichtigt werden- sollen, DaS,würde, tatkräftig durchgeführt, ein"- verheißungsvoller- Anfang sein..Der Wiederaufbau dieser Notgbbiete ist nicht nur.ein Lebmsprodlem des Sudetendcutschtums, sondern eine Notwendigkeit für'Stäat und Demokratie., Die deutsche Sozialdemokratie/erblickt in diesem. Streben nach Renaissance- des Sudeten« deutschtums ihre.besondere politische, soziale und - Die Parlamentömehrheit hat-bereitwillig verbandelt und den Wunsch, der-deutschen Parteien, auch der oppositionellen, den ParlamentSrefolutionen einverleibt, daß ein.entsprechender-Anteil der Verteibi- gNngSanlcih« in den von Deutschen bewohnten Gebieten investiert werde, die mit der tragischen Jn« dustriekrise so schwer ringen,"wie nur in den sogenannten-El-ndSgebieten Rordeggland». Die Regierung hat die Bedingungen für die Lieferungen durch besondere RIchtlienien geregelt, über deren"O b j ek» tivität gerade vom Gesichtspunkte der Arbeit für die deutsche. Bevölkerung nicht die- geringsten- Einwendungen erhoben, werden können/-: Was mt trennt, ist nicht-daß Luchen einer neue» Moras, sendem z.».«in derartiger geistiger Zustand wie ihnaußerhalt de» Parlamtit» die Sprecher der StP gerade in jener Kundgebung zum Ans- druck brachte,"über die im Abgeordnetenhaus«" g«. sprechen wurde. Dieser««»druck lautet:„Arber will ichz» s« mm«« m i-t Deut s ch l a n d gehaßt werden, al» daß ich aus dem Haße gegen Deutschland. Ruhen ziehen möchte/' Roch dazu folgte dieser AnSspruch sofort nach einem.Save, in welchem »er Sprecher ein /,a n st a n d i g e«" BerhälMi»»er Republik zu Deutschland verlangte. Solche«ubspriiche find wi« ei» Dam«, der zwischen den Mensche» errschtet wird, und wehe dem, der- ihn«wische« de« Rationen errichten möchtet"-->--- Sollen-wir.Deutschland Hassent auf daß der Sprecher der SdP mit ihm gehaßt werden könne, dann kann man. ihm nicht, willfahren. Bei uns herrscht" kein Haß. gegen Deutschland.\ Es kann sich nur um eine" Nichtßusti.mmungmit"dem R eg ierungSsy stech handeln.- so wie.«-"-eine Nichtzustimmung mit RegkeruügSsysteMen einer-gchi"- zen, Reihe anderer Staaten"gibt,"gegen" die-bei UN» gleichfalls k e i n! Haß- besteht. Aus. privaten Ansichten. erfließen jedoch- keine" Konsequenzen für internationale Beziehungen...7,1..... ES ist tragikomisch, da» die Politik oder Taktik einer großen, deutschen nationale». Beweg»»» ist der Republik auf der BerauSsetzUn, beruhen soll, die.Tschechoslowakei hasse Dentfchland. Diese L> r a u»f t ü b n g t e steht»i ch t, pn». damit würde auch di« sudetcndeutsche Bewegung ihre" moralisch« Bast» verliere». . Die tschechoslowakische national« Kultur, hatte" auch in-der modernen Zeit.soviel, direkte und wechselseitige, Beziehungen" hur großen- deutschen Kultur» Welt,.daß.-bisher, nie män.d eine andere tschechoslowakische Beziehung" zu."Deutschland^konstatieren kchmte,--al»- hi« Beziehung. k ö r ra k't er,.Rach», b a r s ch a f t" und initiativen kulturellen. Zusachm'en- wirkcn». Es ist geradezu zweifelhaft,: vielleicht- sogar -undenkbar,-daß" dem" Sprecher der^SdP" diese Tatsachen unbekannt sein sollten.-'" ..-** Es hleibennur^«eiMLgllchkeiten:Ent< weder tauOderSprecher^ der-SdP-fein» These ,«f«in« v n wa h rh!« i. t auf, eine Unwahr- ihrit.diediepolitischheikleFrage.zwischenRati»- nen und Staaten»ervhrt, deren korrektes Ber- hjittuis.«ine. dar unenIh.ehpIichften. KomVpnenten. »«politisch e Teil hervorgehottn, in d^ „Iflndisdic Versuche“ HodZas Abrechnung mit Henlein In der Rede dcS Ministerpräsidenten Doktor HodZa'in der gestrigen Senatsitzung sind politisch am interessantesten jene Stellen, in denen er sich mit der Tudctcndcntschen Partei besaßt. Der Redner hat hiebei eine Auffassung verkündet, welche die Sozialdemokratie seit eh und je vertreten hat, wenn er sie auch in einer Weise zum Ausdruck brachte, wie er dies als Regierungschef tun zu müssen glaubte. Wir sind die Letzten, welche die Ansicht vertreten, daß eine Partei in ihrer Bewegungsfreiheit gehemmt werden sollte, bloß deswegen, weil sie nicht dem Regierungslager angehört und sich in Opposition befindet. Wir stimmen daher dem Ministerpräsidenten zu, wenn er auf ein„korrektes Verhältnis" der Regierungsmehrheit zur staatscrhaltcndcn Opposition Wert legt. Ein solches Verhältnis von Mehrheit zur Minderheit, wie es vor allem der englische Parlamentarismus ausgebildet hat, ist— das lehren die Erfahrungen der letzten Jahre mit zwingender Deutlichkeit — nur möglich zwischen Partnern, die auf dem Boden der Demokratie stehen. Da aber die SdP ihrer ganzen Weltanschauung nach nicht eine demokratische, sondern eine faschistische Partei ist, haben ihr gegenüber andere Spielregeln zu gellen, als sic in der demokratischen Arena geübt werden. Die sozialistischen Parteien verkünden das schon lange und es ist erfreulich, daß auch die Augen eines nichtsozialistischcn Ministerpräsidenten den Rebel, zn durchdringen beginnen, mit dem sich. Henlein und die Seinen umgeben und daß die Regierung in ihrer Gesamtheit das demokratisch« Getue des„Stammesführers" als das Mittel erkennt, das wahre Gesicht des SudetofaschiSmus zu verhüllen. Nie hat, so bemerkte der Redner der deutschen Sozialdemokratie, Senator Nießner, eine deutsche Partei eine so. günstige Ausnahme im"tschechischen Volk und eine so gute Presse ge» fundcu wie die SdP. Nach nicht einmal drei Iahnicht von uns aber von den Prag. Dir migekiindigte Rede de» Mimsterpräsidenten Dr. H» d i a im Senat fand Donnerstag mittags viele gespannt lauschende Zuhörer, die geduldig di» vorausgehenden wirt» . schaftlicheu Kapitel anhörten, di» der Ministerpräsident endlich gegen Schluß auf die Innen. Pol i t l k überging und sich vornehmlich mit der"letzten Egerer Rede des„Führers" auS« einanderfetzte Jedes Wort deS Ministerpräsidenten war da wohlerwogen und verfehlte daher auch die Wirkung auf daS HauS nicht. Die SdP-Senatoren nahmen-HodjaS Ausführungen zunächst mit deutlich zur Schau getragener Gleichgültigkeit. entgegen, dann wurden die Gesichter aber immer, länger und länger— soweit die Herren überhaupt der slowakisch vorgetragcnen Rede zu folgen vermochten. Im Hauptquartier zu Eger dürft« diese kalte Dusche die Temperatur trotz dem. Hochsommer wohl inzwischen unter den Nullpunkt gedrückt haben. Der Ministerpräsident wurde wiederholt von der Koalition mit Beifall belohnt, der sich -namentlich am Schluß demonstrativ st e i g e r t e. Di« Henleinleute kamen über gelegentlich« halblaute Randbemerkungen nicht hinanS. In den Beifall der Koalition- klangen Rufe deS unverwüstlichen Mikuliäek, der der Meinung Ausdruck gab, daß die". Agrarpartei" »ach dieses Rede nun auch mit den Protrltoren Henlein» reinen Tisch machen und di« Branns und Stoupal» äu» der Partei anSschliesten müßte. -Biel vermerkt wurde in Koalitionskreisen der Umstand, daß sich unter den Käbinettsmit- gliedern, die der Rede gespannt folgten, nicht auch der ressortmäßig unmittelbar zuständige . Innenminister Dr. E e r n h befand, obwohl verlautete, daß er sich in Praß befind« und auch nicht durch unaufschiebbare Geschäfte verhindert sei." Bon unserer Fraktion sprach unmiteltar nach Dr. Hodja Genosse Rieß» e r, der daran erinnerte, daß auch der Staatspräsident Dr. Bene» in seiner Znaimer Red«. Zweideutigkeiten und-taktische.Spielereien in der Politik verurteile habe, also Eigenschaften, die mir auf^die SdP nach jeder Richtung,«treffen. In formvollendeter Rede zeigte Nießner systematisch auf, daß die " ganze Geschichte der SdP tatsächlich-au» nicht» anderem al» au» Zweideutigkeiten mid Unausrichtigkeiten besteht.- Der langandauernde Beifall,-in den namentlich die-tschechischen Genössen,- aber- auch, andere Koalitionspolitiker-überzeugt mit einstimmten, bewies, daß Nießner» von-direkt jugendlichem- Elan getragene Red« im Hau» einsn ungewöhnlichen Eindruck hinterlassen hat. Au» der Rede Dr. Hodja»^ sei vor allem""“'"" "»tr Ministerpräsident u. a. ausführte:-. Die- Regierung legt-Nachdruck auf. ein k o r« rekter Verhältnis zwischen der Regierungsmehr heit"und der staätsbildenden Opposition. Im Zu» samnienhäng mit den Aufgaben, die der Administra tive"noch in der Slowakei harren, wurde mit der f-l-o w akischenVolkSpartei verhandelt. In der letzten Zeit könne der Ministerpräsident eine Annäherung der beiderseitigen Gesichtspunkte konstatieren, wenn sie auch noch nicht derart orga nisch sei," daß die Basis zu einer.dauernden Zu sammenarbeit schon heute fest wäre. Dr.. Hodla be merkt hiebei, daß. es weder der Regierung, noch der Opposition würdig sei, sich zu einer Zusammenarbeit früher zu zwingen, bevor für sie dauernde moralische und politische Grundlagen gcgcbeü seien. Zu dem Ziel der Konzeyirierung aller staatsbilden den Komponenten durch organische Entwicklung werde, man eher kommen als durch Mechanisierung deS politischen.Lebens.. Das Verhältnis zu den Deutschen Im Verhältnis ,u unseren Minderheiten de- harrt die Regierung ans der Richtlinie-der" n a- tionalen Gleichberechtigung. Bon. die», see Linie lassen wir un» weder durch««»ländische Voelllder, noch durch Provokationen abtringen. Die tschechoslowakische Staatlichkeit ist politisch und gei stig, stark genug,»« sich vor dieser nationalen, > bürgerlichen und-moralischen Freiheit nicht-fürchten zu müssen, die. sie in gleicher Weise Tschechen und Slowaken wie auch ihren Minderheiten»«währt. - Wenn sich Problem« ergeben, die«Ine Lösung verlangen, werden wir uns mit ihnen in Ueberein- fttmmung mit allen politische» MinderheltSpar- trien und Gruppen beschäftigen, di« die Mitverant wortlichkeit für,die Führung de» Staate» traten., -. Deshalb nimmt die Regierungsmehrheit.gern die Mitarbeit der Deutschen chriftlichsozialen-Partei entgegen," zu der ich ditse"Partei aufgefordert habe, - geführt von" dem-Bestreben, daß an- der Regelung , ünserer nationalen Verhältnisse möglichst vielMin- ' derheitenvertreter Anteil haben.-.".- Antwort an Henlein Wa» die Minderheitenoppofition betrifft, die von der SdP repräsentiert wird, spreche ich«ein Be dauern.an», daß^.ihre srüherr» Kundgeiungen über"ditz Bereitwilligkeit zu konstruktiver Politik durch «ine Kundgebung aüS.alleryeurftdr Zeit-wider legt wurden." ". Wenn sich, im-Abaeo.rdnetenhflU».-der Sprecher ' der SdP darüber beschwert, daß die tschechoslowa kisch« Oeftentlichkeit- die.'Bestrebungen unserer Deut schen n ich t versteh'en will, besonders did ihrer "- jungtn'-.Generation",.einen'-neuen Inhalt- und neue Farmen des-Lebens zu finden, dann--ist" diese Be- schwerd«!"direkt u.n-beg-rei fl-i.ch- si h e-rcke g e,n'-fpa,'n-"d ö-l o r.- Wenn- über« haupt irgendwo jn. der weiten Welt,.dann ist ge rade bei uns in allen Schichten der Bevölkerung, bei .allen-Jntellektu.elleh.,ein,aeradezu.früch.tba.rei Boden" -fWMist DiSlüssion- über^dle^ soziale- find,'moralische" ". Erneuerung des Volke»,", der Nationen und-der- Alenschhcit. Auf.diesem- Gebiete, hätten wir uni mit 'spruch nicht in einer Unwahrheit verankert sein soll, dann könnte in den weiteste» Kreisen der öffentlichen tschechoslowakischen und auch der deutschen öffentlichen Meinung die Vermutung entstehen, daß jemand in der SdP in g e- fährli ch e«Weife mit de m V e r suche spi e l t," M i tz trau e n zu erwek- ken, di« psnchologischcu Hinvernisse Port zu verlief« n, wo ein jeder, der sich nicht nur der politischen, sondern der allgemeinen nioralischen Verantwortung bewußt ist, insbesondere in der jetzigen Zeit an der Beseitigung der Hindernisse arbeiten muß, an der Beseitiguiig alles dessen, wa» in den Gedanken und in de» Seelen der Nachbarn, den guten Willen und Frieden bedrohen kann. Der Ausspruch des Sprechers der Sudetendeutschen Partei hat eine Atmosphäre geschaffen, in der der N e b e l der- F in st e r n i s aus alle Probleme fällt, deren Lösung. gerade im Gegenteil Klarheit und Objektivität verlangt. Nur im Schatten dieses Ausspruches über den Haß gegen Deutschland läßt sich die Ansicht über die mechanische Teilung eines Gebietes, da» die deutsche Minderheit kompakt bewohnt, von dem 'übrigen Staatsgebiet propagiere». Außer den Deutschen,, die geschlossen, in-zur Mehrheit deutschen Ge- richtsbczirken. siedeln.,.leben in der Republik 727.025 Deutsche.- und auf dem Gebiet, das in der Mehrheit kpmpakt von Deutschen bewohnt wird, leben 882.190 Lichtscheu". Die tschechöslöwakische" Staätlichkikt'Mi eint» a-nderen Begriff von der Verantwortung für ihre Bürger, oh. sie nun Tschechen oder Deutsch» sind, und wird dauernd für die nationalen nnd alle Interessen aller, ihrer Deutschen sorgen, also auch der Deutschen in Prag, Brünn. Bratislava und in allen Enliavcn dieser Staates, ebenso wie hier n i e» malr ein Shstem herrschen wird, das irgendeine Kürzung der bürgerlichen und nationalen Rechte der Tschechoslowaken zulassen würde.,die in dem Gebiete wohnen, dar sonst geschlossen von Deutschen bewohne wird. Die deutsche Minderheit in der Tschechoslowakischen Republik hat sicherlich ihre politische, moralische und. zivilisatorische Sendung, von welchem Gesichtspunkt man immer auch auf diese Sendung blickt, di« deutsche Minderheit wird sie nicht erfüllen können, wenn sie sich von den Tschechen politisch oder territorial oder irgendwie anders trennen wollte. Ähre Bedeutung, von welchem Gesichtspunkt« man sie" auch" betrachten" mag, liegt gerade darin, daß sie zusammen mit den Tschechen lebt. Wenn«S da» Bestreben der SdP war, die deutsche nationale Position in diesem Staate zn stärken, so hat dieses Be st reden durch die Egerer Kundgebung einen.schweren Schlag erlitten. .- Di« tschechoslowakisch« Staatlichkeit wird immer mit ihren Bürgern deutscher Rationalität rechnen und die nationalen Probleme, soweit sie noch nicht gelöst" sind, in Nebcrcin< st immun g mst ihnen lösen. Niemals aber wfrd die tschechoslowakische Staatlichkeit niit denen rechnen,. die. aus dem Titel der deutschen Nationalität B e r's« ch e, w e n n auch k i n- d i s ch e B e vs'U ch e Unternehmen, diesen"Staat bu Deutschland in Gegensatz z« stellen»der die tschechoslowakischen Deutsche» zum tschechoslowakischen Staat in"Gegensatz z» stellen, z- ; Wirtschaftliche Besserung " Einleitend batte der Ministerpräsident die fortschreitende Wirtschaftsbesserung im heurigen Jahre durch.'ein« Reihe.von"Ziffern, erhärtet. So zeigte er auf, daß unser Außenhandel seit dem tiefsten Punkt im. Jahre 1988"bereits mehr als zweieinhalb Jahre hindurch eine"f-o rtschreiteud e Besse- rung des Umsatzes aufweist. Die Ergebnisse von 1984' waren besser als.die von 1988, die von 1988 bisserals die von 198»." Auch die Ergebnisse, der er- sten-.fijnf Monqtc. dcs heurigen- Jahres- sind, mit einem Gesamtumsatz von 6977 Millionen wieder besser, al» die des Vorjahres mit 6177. Millionen, waS einer"" Besserling- um"15- Prozent"gleichkömmt." Die-Tschechoslowakei"- gliedert-sich eben, wenn anchi-rtwaS verspätet, doch in-die Gesamtströmung deidswirtschaftlichen-Besserung-«in,-die"-gegenwärtig Iftcher ggnzenWeltz«.verzeichnen ist. Daietz erklärte dxr,Ministerpräsident, a«»drsick.lich!" Wir sind-,««» der gsuzßeU.Bedeutung-der-i n d«-st« i e l l« n Ausfuhr für'den Aufschwung" dr« gesamten Inländi- fche)l.Wirtschaft,htwußt. Wir find daher bestrebt,.daß "- itSurMu», auf eWte-SJi (Seife 2 Freitag, 3. Jen? 1938 Nr. 154 Genosse Nießner hielt gestern Im Senat eine mit starkem Beifall aufgenommene Rede gegen die SdP. Dr. Hodla Uber die wirtschaftliche Besserung (Fortsetzung von Seite 1.) Vie Tschechoslowakei stets ein Land der Industriellen Produktion bleiben möge, welche sich bis zu den äußersten Möglichkeiten steigert. Dr. Hodja erinnerte daran, daß der Monats» durchschnitt der Beschäftigten nach der Statistik der ZTLA und der Beamtenkrankenkassen bereits durch eine ganze Reibe von Monaten eine Steigerung gegenüber dem Borjabc ausweist, welche Im Durchschnitt der letzten vier Monate 169.999 beträgt. Ninmmt man noch die weiteren Kategorien der ilrbeitSMarkter hinzu, so gelangt man zu dem Ergebnis, dost die Zahl der Beschäftigten gegenüber dem Borjabr konstant um rund 200.000 höher ist. Dies«. Urteil wird durch die Statistik über die erhöhte Baubewegung und über die gebes- sarte Investitionstätigkeit bekräftigt. Die Zementlieferungen sind in den ersten fünf Monaten von 28.862 Waggon- im Vorjahr ailf 88.982 Waggons im heurigen Jahre gestiegen. Auffällig ist die Steigerung der Zufuhr von Baumaterial nach Groh-Prag, wo seit Jahresbeginn um 101 " Neubauten mehr bewilligt und um 198 mehr begonnen wurden als 1988. Im ersten Bierteljahr sind in 99 größeren Städten 1,948.999 Kubikmeter Raum verbaut worden, gegenüber nur 728.999 im Borjahr. Auch die Erhöhung der öffentlichen Investitionstätigkeit trug zur Erhöhung der Zahl der Beschäftigten bei. Auch die Zunahme der verladenen Eisenbahnwaggon- von 1,676.999 auf 1,828.999, also um neun Prozent, und die Zunahme der Berbrauche» von elektrischem Strom um 11.8 Prozent beweisen wie die früher zitierten, von einander unabhängigen Zahlenreihen, daß der wirtschaftliche Optimismus, der jetzt so stark in den Produktionsschichten bereits durchdringt, nicht nur das Ergebnis eine- bloßen Zufalls, sondern durch die reale Entwicklung bestätigt ist. Neue Novellierung; 4 Im Herbst? Zu Beginn der(Sitzung erstattete Mo d va- L e I das Referat Mer die Etcuernovelle. Unter voller^ Würdigung der, vielen positiven Seiten, der Vorlage erklärte, der Referent, daß. in'Einzelfällen dringend e Korrekturen notwendig sein werden, damit größere Klarheit erzielt werde. In den letzten Aenderungen, die vor der Abstimmung,im Parlament.noch vorgenommen wurden^ erblickt Modraiel doch eine Rückwirkung gewisser Bestimmungen, zumindest für das erste Halbjahr 1986. Wenn, er trotzdem die Novelle unverändert zUV Annahme empfehle, so auch deshalb,, weil vereinbart worden sei, daß wahrscheinlich'noch bis Ende' dieses Jahres die Mängel und Unstimmigkeiten der Vorlage beseitigt werden sollen. Künftig'solle man aber den Senat nicht wieder in Hine, solche Zwangslage versetzen.'‘• In der Debatte setzte sich u. a. E n hu'be"r (SdP) für die Umwandlung des SenätiS in eine Wirtschaftskammer ein. K v a S n i ö I a(Rat. Vor.) bedauert, daß sich in der Krife kein Finanzminister gesunden habe,■ her. mit einem Schlag mit. dem unmöglichen Steuersystem aufgeräumt hätte, da- aus dem alten Oesterreich übernommen wurde. Unmittelbar nach dem Ministerpräsidenteii, über dessen Kundgebung wir an anderer Stelle referieren, kam Genosse N i e ß n e r zu Wort, der namcnS unserer Partei die Erklärungen des Ministerpräsidenten begrüßte und guthieß.(Wir werden seine Rede morgen im Auszug nachtragen.) Die Aussprache über die drei zur Verhandlung stehenden Vorlagen finanziellen Charakters und über das Expose des Ministerpräsidenten wurde erst in der neunten Abendstunde beendet, worauf die drei Vorlagen in beiden Lesungen unverändert angenommen wurden. Für die letzte Sitzung des Senats, die für Freitag 9 Uhr früh anberaumt ist, bleiben noch das Redakteurs« geseh, die. Bruderladensanierung und der Grenzvertrag mit Deutschland übrig. Tschechische Sozialdemokraten Uber die SdP Im Leitaufsah der ,,Rovä Svoboda" be- schäftigt sich Genosse V. P a h a k mit den letzten Vorgängen in der Henleinpartei und knüpft daran folgende Folgerungen: „Sicher ist nur, daß der Staat, welcher sich seines eigenen Wertes betvußt ist, sich nicht auf trockenem. Wege und in saldier Weise-zersetzen lassen kann, wie sich da» Henlein vorstellt. Vermutlich strebt dieser danach, der Märtyrer seiner Volkes zu werden und billigen Ruhm zu erwerben. Es genügt jedoch, daß man dieses Versteckenspiel einfach aufdeckt. Hier handelt es sich nicht um eine Sache des deutschen Volkes in der Tschecho- slowalci und nicht um seine Rechte, sondern, um das Feilschen mit dem Grenzland und um eine Spekulation in fremden Diensten, um Interessen, welche in ihrem Wesen in völligem Gegensatz stehen zu den tatsächlichen Interessen unseres deutschen Staatsbürgers. Henleins politisches Spiel ist nicht ehrlich, es ist dies ein Hasardspiel, welches mit der Jrredenta als der Grundlage des Erfolges rechnet. Wir haben nicht di« Absicht nach den Behörden zu rufen, aber es muß klar sein, .daß^HenleinDiesem Stadt!' nicht'' eiste Weisung geben Wird) sich mit, Berlin gleichzuschalten." / AlSdie größte, Gefahr bezeichstet Patzak, daß Hjmlein das Vertrauen in die deinäkrattsche Gesinnung der Sudetendeutschen imtergrcibh Im„Prävo Lidu" wiederutN-beschäftigt sich dessen. Parlamenisrehakteur Dr. K k i,ä.mlt dem Verhältnis der Agrarier zu Henlein. Wenn der „Vestkov" ititmer wieder MtoW'oa'ß'rS:stch um nichts anderes handle,' als das Interesse des Staates, säge er nur leere Worte. Möge jemand vom„Venkov" in die, deutschen Gebiete fahxen. und dort mihdep Leuten'sprechen, er tverde sehen,' waS es nist per Bewegung.der SdP auf sich habe und' waS umn über die Politik des„Venkov" denke. Der„Venkov" sage.weiter: Wir betrachten die Deutschen als Ganzes, wir,unterscheiden sie nicht nach Parteien. DaS unterscheidet uns von denatcherey tschcchoflowakischen politischen Grup- Tagesbllanz In Polen: 15 Menschen von der Polizei erschossen. Warschau. In der Ortschaft Ostrow in der Lemberger Woiwodschaft kam eS zu Zusam- -menstößen zwischen Saisonarbeitern auS anderen Ortschaften, welche auf dem dortigen GutShof beschäftigt, waren und Arbeitslosen auS dem Ort selbst. Die einschreitende Polizei wurde von den Ortsansässige» mit Steinen und Schüssen angegriffen, worauf sie Feuer gab. Sieben Personen waren auf der Stelle tot, drei wurden verletzt. ....Auch in Krzeezowice im Bezirk... Prceworski unternimmt eine über 2000 Köpfe' zählende Menge«inen Sturm auf das Polizeiamt, um verhaftete Streikagitatoren zu befreien. Auch hier griff die Polizei zur Schußwaffe. Dabei wurden acht Personen getötet, neun schwer Und mehrere leicht verletzt. Auf Seite der Polizei wurde ein Offizier schwer verwundet. Chlappes Mandat annulliert Paris. Nach einer sehr stürmischen und den ganzen Nachmittag währenden Debatte hat die Kammer mit 282 gegen 198 Stimmen beschlossen, daß die Wahl des ehemaligen Polizeipräfekten und Bürgermeister» von Paris Jan C h i a p p e, der als Deputierter auf Korsika mit einer».ehrheit Pen,.Dgzu,.sagt, Kbij wörtlich:«Diese Auffassung entspricht, der tschechisch-kleinbürgerlichem Anschauung, daß alle Deutschen gleich sind... Wenn der„Venkov" alle Deutschen als Ganzes betrach« tet unterscheidet er sichftatsächli'ch von den übrigen tschechoslowakischen politischen Gruppen... während alle'übrigen tschechoslowakischen politischen Parteien, Parlament und Administrative begreifen, daß e» notwendig ist, zwischen unseren Deutschen zu unterscheiden. Man muß anders umgehen mit den deutschen Demokraten, das ist mit den deutschen Aktivisten, welche dem Staat in für den Staat ststd für sie schweren Zetten Treue'hielten, und notwendig anders zn verfahren' mit jenen Deutschen, welche von der Totaliiät reden, hitli- risch Händeln,'einen Terror ansüben und öffentlich verkünden, daß sie lieber mit dem Dritten Reich gehaßt werden, als sich zur Demokratie und Republik zu bekennen,". von 14 Stimmen gewählt, ungültig ist. Zwischen den Kommunisten und der Rechten kam es oft zu sehr scharfen Zusammenstößen. Verhandlungen Schuschnigg—Papen London. Der diplomatische Redatteur deS RenterbüroS hat festgestellt, daß in London einige eingehendere Informationen über die Be- sprechmigen deS deutschen Gesandten in. Wien von P a p e n mit dem österreichischen.Bundeskanzler Dr. S ch u s ch n i g g, die In'den letzten Tagen geführt' wurden, eingelangt sind. Nach diesen Informationen machte sich bei diese» Besprechungen daS ernste Streben nach einer Besserung der Beziehungen»wischen Oesterreich und Deutschland geltend. Ueder die heikle Frage der HabSburger-Restaurierung wurde nicht gesprochen, sagt Reuter, aus dem einfache» Grunde, weil Deutschland mit derselben nie übereinstimmen wird. 2» den Besprechungen handelte es sich nur um die Feststellung der Möglichkeit eines ModuS vivendi zwischen Oesterreich und Deutschland, der eine Milderung der gegenwärtigen Spannung bedeuten und die Befürchtungen hinsichtlich eine» deutschen UeberfalleS beseitige» würde. Danzig—ein s"Acht Mhre Kerker, für MiHtlrverrat Troppau. Bom Senat des Kreisgerichtes in Troppau wurde der 28jährige Gärtnergehilfe Josef,Still.er aus Roßwald bei Hotzenplotz wegen.Verbrechens des Militärverrates zu acht Jahren schweren Kerker» und 8000 KL Geldstrafe sowie zum Verlust der Bürgerrechte verurteilt. Sein Bruder Max Stiller wurde wegen Unierlassung der Anzeige zu vier Monaten Kerkers und 1000 KL Geldstrafe, ein gewisser Herbert M ü ck zu fünf Monaten Kerker» und 1000 KL Geldstrafe verurteilt. Die Verhandlung war geheim. Klattauer Fabrikant wegen Industriespionage verhaftet Dieser Tage wurde der 38jährige Fabrikant Jttg. Alois S ch i f f a u e r aus. Klattäu we- gen des Verbrechens der Industrie-Spionage für einen fremden Staat verhaftet. Wie nachgewie- fen wurde, hat J»g. Schiffauer vom 1. März l. I. bis 26. Juni I. I. durch Vermittlung eine» geiviffen Wenzel C e r n t) ans Kutten bei König- grätz von einem in einer dortigen Fabrik beschäftigten Schlosser verschiedene Umstände und Einzelheiten, welche die Erzeugung in der Fabrik betrafen, in Erfahrung gebracht, um dieselben einem fremden Staate zu verraten Der verhaftete Cerm) hat bei seinem Verhör den Fabrikanten derart belastet, daß die Staatspolizei zu seiner Verhaftung geschritten ist. Die Verhaftung des Fabrikanten Schiffaner, der in der Gesellschaft eine große Rolle spielte, hat großes Aufsehen erregt. Ein Gruß aus Dänemark Von den dänischen Jugendlichen, die an unserem Reichsjugendtag teilgenommen haben, langte folgendes Schreiben ein: „Liebe Genossen I Empfanget durch diese Zeilen einen herzlichen Dank für die unvergeßlichen Tage, die Ihr uns dänischen Teilnehmern bei dem Bodenbacher Reichsjugendtag bereitet habt. Sowohl den begeisterten Empfang, das feierliche Abendfest, die stimmungsvolle internationale Morgenseier und die machtvolle Kundgebung, als auch die schöne Fahrt— trotz Regen! — nach HerrnSkretschen. werden wir als Erinnerung fürs Leben bewahren. Gleichzeitig fühlen wir uns verpflichtet, zu einem besonderen Dank für die Gastfreundlichkeit, die uns während des Aufenthaltes in Bodenbach erwiesen wurde. Ich bitte Euch, diesen Dank weiiergehen zu lassen an alle Parteigenossen und Jugendkameraden, Es ist unsere Hoffnung, einmal unsere Dankesschuld abzahlen zu können, indem wir die Gastgeber der Genossen aus Eurer freien Republik sein lverden. Ihr sollt herzlich willkommen sein bei uns in Dänemark. Mit sozialistischem Gruß: für die sozialdemokratische Jugend Dänemarks in Kopenhagen: Paul Hansen. Landjugendorganisätion zerfällt. Nach dem Kreisverband Saaz des Bundes der deutsche»' Landjugend hat sich nun auch der Kreisverband Schönhengstgau-Adlergebirge von der unter Hen- leinkommando stehenden Reichsleitung des Bundes der deutschen Landjugend losgesagt und ein Treugelöbnis auf G u st a v Hacker abgelegt. In einem Beschluß des Kreisverbandes heißt es u. a„ daß die Jugend schon lange erkannt habe, Schönwortgeklaube und großangelegte Tagungen und Appelle könnten die stille Arbeit nicht ersehen. Der Verkehr mit der Reichsleiiung wird abgebrochen. Verlängertes Moratorium. Das Finanzministerium hat mit Erlaß vom 25. Juni 1939, ZI." 78.282/36—II A. III das Moratorium der Zentralbank der deutschen Sparkassen bis zum. 80. September 1939 verlängert. Das Ministerium keilt gleichzeitig mit, daß es keinen Einwand erhebt gegen die Fortführung der eingeschränkten Tätigkeit der Bank. Die Kündigung der Unentbehrlichen Angestellten wurde bis zum genannten Zeitpunkt hinauSgeschöben. Esperanto-AuSstellung in Kontotau! Der Tschechoflotvakische Arbeiter-Esperantobünd, Sitz Aussig, veranstaltet im Rahmen des Atus-Feftes in Komotau am Sonntag, den 5. Juli, eine Esperanto-Ausstellung und ladet alle Freunde und Förderer der internationalen Welthilfssprache zum Besuche ein. Viel, interessantes Material steht uns zur Verfügung., Besonders kein Arbeiter-Esperantist sollte es.versäume», unseren Stand zu. besichtigen.' Jeder trage In Komotau den grünen Stern! Jeder und jede bringe"seine Freunde und Bekannten mit; zeigt, daß ihr Interesse habt und daß unsere Arbeit sür die Arbeiter-Esperanto-Bewegung nicht vergeblich getan, ist, Bei. genügender Beteiligung soll Montag, den 9. Juli, 9 Uhr vormittags, eine Zusammenkunft aller Bundesmitglieder, welche das Komotauer Fest besuchen werden, stattfinden. Der Ort wird am Ausstellungsstand bekanntgegeven werden. Amikecon— Liberecon! Der Bundesvorstand. Seite 4 «r. 154 Sirr’ Enge Zusammenarbeit Frankreidis: und'Sbwjetrußlands In Genf Wahrend der Verhandlungen-In Genf arbeiten t>ie-Franzoscnund die- Sowjetrussen eng zu» sannnen. Blum mit Litwiiww im vertrauten Gespräch. ^orclemngen der prlvatangeztellten Konnloagverolvlierun«— Arbeitsplatz Neben einer Reihe sehr wichtiger Beschlüsse tn bezug aus hie Organisation hat sich der Verbandsvorstand der AAV in seiner Tagung am 27. und 28. Juni nach einem sehr aufschlußreichen, die sozialpolitische Tätigkeit des AAV treffend kennzeichnenden Bericht seines Obmannes Kirchhof und über dessen Anregung einmütig dafür ausgesprochen, daß der AAV sich in der nächsten Zeit auf dem Gebiete der PensiSnSversicherung mit der ganzen Kraft für die folgenden Wünsche der Privatangestellten einzusetze» hat: 1. Für die Aufwertung der in-der Vorkriegszeit und während der KriegSzeit geleisteten Versicherungsbeiträge. 2. Für die Aufhebung der einschränkenden Bestimmungen der 8 24 der PVG und 3. für die Sicherung der erworbenen Anwartschaften während der ganzen Dauer der Stellenlosigkeit. Die Aufwertung der In der Vorkriegszeit uyd während der Kriegszeit geleisteten Versicherungsbeiträge wäre imstande, eine Benachteiligung der Altversicherten und Altrentner aus der Welt zu schaffen. Die Aufhebung der einschränkenden Bestim« nnmgen der 8 24 tvürde ein soziales Unrecht beseitigen, dar jene ohne ihr Verschulden trifft, die infolge der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse bedeutende Kürzungen ihrer Dienstbezüge hinnehmen muhten. Die Sicherung der erworbenen Anwartschaften während dec ganzen Dauer der Stellenlosigkeit ist eine selbstverständliche Verpflichtung der sozialen Gemeinschaft der Prjvatangestellten gegenüber den bedauernswerten Opfern der grundlegenden Veränderungen i>n wirtschaftlichen Unierban der heutigen Gesellschaft.. Verbandssekretär G r ü n z n e r erstattete einen umfangreichen Bericht über die außerordentlich vielseitige Tätigkeit der Fachgruppen„Industrie",-„Handel" und der Fachsektionen„Genos- feiischaftsangestellte" und„Bund der Vertreter und Reisenden". Aus demselben ging hervor, daß die Verbandszentrale, die Fachgruppe Industrie und die zuständige» Geschäftsstellen eine Unsumme Kleinarbeit leisteten, die in der Hauptsache darauf abzielt, bedrohte Arbeitsplätze den deutschen Privatangestellte» zu erhalten und darüber hinaus auch zu sichern. Besonderes Augenmerk den jüngsten Vorgängen in der Porzellanindustrie zuwendend. gab der Verbandsvorstand des AAV eine einmütige Willenskundgebung über alle Maßnahmen, die getroffen werden müssen, um der Poc- zellanindustrie in ihrer bedrängten Lage beizustehen und hunderte gefährdete Arbeitsplätze zu erhalten. Diese Willenskundgebung lauiet: 1. Planmäßige Ordnung in der Erzeugimg linier Sicherung der Arbeitsplätze und der Lebenshaltung der Angestellten und Arbeiter. Regelung des JnlandSmarkteS. Schaffung von internationalen. Vereinbarungen mit den Absatzländern. 2. Abschluß bzw. Anbahnung neuer Handelsbeziehungen und lleberprvfüng der bestehenden. Ab- . bau jener Hiuderniffe im zwischenstaatlichen Warenverkehre,' die den Export der Porzellanindustrie gefährden. 8. Erleichterungen bei der Devisenbeschaffung und im Kompensationsverkehr. . 4. Beschaffung von billigen Kredit für die Por- zellaninduitrie bzw. llmtvandlung der der Porzellanindustrie gewährten kurzfristigen Darlehen in langfristige eventuell Vereinbarungen über Stillhaltungen. 8. Erweiterung des Inlandsabsatzes besonders für elektrotechnisches Porzellan durch Vergebung von SiaatSaufträgen bei Ausbau der Telephon- und Telegraphenwesens. 6. Unterstützung des Exportes durch die öffentliche Hand. Der Verbandsvorstand des AAV hat außerdem aber noch beschlossen, daß einvernehmlich mit den frejgewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen bei allen örtlichen und zentralen ösfentlichen und staatlichen Stellen unverzüglich alle notwendigen Schritte einzuleiten sind. Auflassung deutscher Mittelschule» ohne Svnreffekt. Die Auflassung von sieben deutschen Mittelschulen z» Beginn des Schuljahres 1984/85(Gymnasium Reichenberg, Böhmisch- Leipa, Leitmeritz II„ Realschule Brünn, Mäd- chenreformrealghmnasimn Eger, Teplitz-Schönau, Troppan), die zusammen(18 Klassen zählten, blieb ohne den erwarteten Spareffekt. Der Ge- samtverlust an deutschen Mittelschulklassen betrug ,nämlich im nächsten— heurigen— Schuljahr nur 15, die übrigen Klassen mußten zum größten Teil bei anderen Anstalten, an die die Kinder übertragen, tvieder errichtet werden. Dadurch ergaben sich Anstalten von 29 und mehr Klassen und mehr als 700 Schülern, was naturgemäß die Schulleitungen vor fast unlösbare Ausgaben stellt. Hakenkreuz-Zwischenfall In Teplih. Montag mittags erschien auf dem Tepliher Marktplatz ein schwedisches Luxusauto, hielt an und sein Lenker orientierte sich bei umstehenden Passanten über die Richtung der Weiterfahrt. Mittlerweile halte ein Polizist eine Hak en- krenzfIagge erspäht, die unter anderen fremdländischen Staatsflaggen vom Kühler des Kraftwagens wehte. Der Autolenker wurde gezwungen, bei der Polizeiwache vorzusahren, wo die anstößige Flagge ab geschnitten und dem Autolenker eingehändigt wurde mit dem Bemerken, daß das öffentliche Hissen von - Hakenkreuzslaggen auf Privatautos unzulässig sei. Darauf setzte sich der schwedische Luxuswagen wieder in Bewegung und fuhr weiter. Hitlers Leibdichter I» der„Prager Presse" wurde kürzlich en Wort von H a n n s I- o h st'zitiert,^daS-wirklich wert war, fcstgehalten zu werden:„Vätör- landSlicbe kann Beschränktheit sein, ge- wohnlich ist sie gesetzliche Vorschrift." Dies stramme Wörtchen stannnt.aus einer Vergangenheit/ von der Iahst heute nicht." mehr gern spricht: auS der KriegSzeit. Wo war in jenen Tagen der heutige Herold des braunen KriegL- gcistes? Der danials 24jährige saß in Deutsch- lands Notzeit durchaus nicht-im Schützengräben, sondern- kämpfte mit der Feder. Wofür? Durchaus nicht für den deutschen"Sieg^ n.i.cht für Heldentum und heroisches Aüsharren in. der Landesverteidigung:'—. im Gegenteil! Er schrieb 1916 schon dcfaitistische Gedichte, in denen das Unsinnige des KamPfcS'lyrischen Ausdruck fand. Seine Feder war so krtegömüde und antikriegcrisch, daß er Mitarbeiter des anti. militaristischesten, pazifistischesten BlätteS- sein konnte, das es damals gab:-von' PfemfertS „Aktion".-• Wir greifen ans dem Novemberheft 1917 eine» Beitrag von Hitlers-Lcibdichtcr- heraus, ein Dialogstück, in dem so ziemlich alles- lächerlich gemacht wird, was als völkisch-und patriotisch galt. Da- wird die- hcrkönimlichc VatcrlandSlicbo verspottet/da werden.die Dich, ter verhöhnt, die znm,Durchhalten blasen,"da wird die■ Staatsgesimiung ironisiert-da.'fliegt alles in den Orkus, was er heute aüftragsge- maß besingt. Selbst der- Antisemitismus- bekommt seinen Hieb, und-vom Kriege, heißt eS: Für die oberen Schichten cm-Geschäft-oder Ed- bauung, für das Proletariat eitle Dezimie- rungSgclcgcnhcit... Und das alles-umrahmt von Artikeln gegen die KricgSkrcdite, gegen den „Soziälpätriotismus" der Sozialdemokratie. ES fehlte nur noch der Rus:„Schmeißt-die Waffen weg!" Doch das litt die Zensur nicht.■- Dieser selbe Johst, der damals-die-Matro- enrcvolten geistig mit vorbereitete,. der„ip Deutschlands schwerster-Stunde" für die- Verweigerung der Kriegsmittcl war und das-einlei- ten hals, was die Nazis den„Dolchstoß von hinten", Landesverrat,- Novembcrverbrcchen und was- sonst.noch.nennen.—.djeser- ,sclhe.,Johst Preist" Heute- Hitlers Weltkriogsbegeisterung. frißt- die--.„Novcmbervcrbrccher"/" urkchlt-1 die „ÜändcSv'errät'er" ab,. paukt-dem.Volke abge- steinpelte StaätSgesinnung." Plus. kriegerischen! Heroismus" und. hält heute so zicmM älle^ein- tröglichen.Positionen. deS; deutschen SchriftülmS besetzt." Auf" der Brust klappert'der^bralsne Klempnerladens.daS Bankkonto-"-schwillt.- DaS Geschäft hat. sich- gelohnt,, wie efür- alle: braune» Bonzen,-.--'n-.■:''.'!. ' 19Z5 crgattörte er den- PitepätürsireiS" de: NSDAP., In der Nazipressei^.ießresn-ntünihabe keinen- WürHtzÄm^finiHn-Mckk,' MS scheint cs auch/. daß:cr,-ünter. allenLraüneniLitÄaten und. Renegaten- die.klassischeste- symbolische-Figur der.braMen-'LstmPerei. und-Verlogenheit-dar-j stellt. Ein- würdiges- Vorbild.- der- deutschen In- gend, ein'strählestder."Führer-der"hitlcrdeutschcn Dichterei.-' Fromme Wünsche.-Die- eben erschienene Festschrift zuin-hundertjährigen Jübiläum deS Israelitischen Badehospitals in Bad Teplitz-Schönau, enthält einen--sehr--schönen Aussatz über dieses Hospitals ersten...Ordinarius, Dr. Gottfried Schmelkes.(-1831—-1879),, den Vetter des. damals' berühmten-'Pveten'Dr. Ludwig August Fragil,- dessen.-Toast zur-1-190 Jahr-Feier der Auffindung der'Teplitzer Thermen"— diese fand 1862 durch drei Jnbcltagc statt Stellen von auch heute zukunftweisender Bedeutung enthält. Diese, lauten:" „Er wird dar Land der Tschechen Sticht" frei,- wenn aus-dem Thor DeS Berges Blanik" brechen Die schlafenden Ritter hervor. Doch wenn deutscher' Geist sich einen -"-" Und der Tschechen mutige Kraft, Wird Freiheit im Lande erscheinen. Freiheit, nach langer Hast." , Der damalige Redakteur des Teplitz-Schö« nauxr-Anzeiger schloß seinen Bericht über daS Fest:- Möge.das- Fest sein Scherflein dazu bei- gctragenhabest,-deutsche» Geist, und deutschen Brudersinn zu stärken und" zu kräftigen, möge ab'crauchdieseSschönc Fest, ast tvelchem Deutsche und. Tschechen in brüderlicher.Eintracht, teilnab- men, den Weg zeigen zu einer Einigung zwischen den beiden Brüderstämmen dieses Landes, daS nicht umsonst die schönste Perle im Herrscherdia- dem Oesterreichs genannt wird."! ES"wäre. Zeit, daß-die guten Wünsche" nun bald in"Erfüllung gehen. Gegen den Hamburger Justizmord. Die Union für Recht-und Freiheit teilt uns mit, daß der- Abgeordnete N. S. Robert Klein mit dem heutigen Datum- ein-Telegramm-in- der Prozeßsache Edgar Andrä an das Hanseatische Oberlan- deSgericht- in" Hamburg absandte:-„Namens der stälcksten Gewerkschaftsorganisation-der"Tschechoslowakei, des-Einheitsverbandes"der Privatangestellten bitte ich das-Gericht von der Verhängung einer" Todesstrafe über-Edgar Andre- abzusehen und unter" Berücksichtigung der. inzwischen im Auslande gemachten-Zeugenaussagen noch einmal alles-unternehmen"zu" wollen,- um jeden.irreparablen-Justizirrtum zu vermeiden. Mitglied deS tschechoslowakischen Parlamentes Robert Klein, Generalsekretär des-Einheitsverbandes der Privätangestellten."" Schnellzug"Warschau—Berlin- entgleist. Der Schnellzug Warschau—Posen—Berlin. ist zwi- schest" den Stationen. Kostschin. und Wreschen, etwa.349"Kilometer-vor" Posen,- in".voller.Fahrt- aus".ein. blindes. Geleis" ausgefahren, wobei die Maschine und-fünf"Wagen" entgleisten,.und zwar der.Pack-," der Post--und drei Personenwagen, Der"Lokomotivführer, und ein Beamter.des Post- lvagens wurden bei dem Unfall getötet,.ein-weiterer Postbeamter starb"nach der"Einlieferung Ins Krankenhaus. Von" den-Fahrgästen, find- zwölf leicht verletzt. Der.Materialschäden, ist bedeutend. EinOstranerin.denAlpeiiabgestürzt.Aus St. Anton.äufdepl.Arlberg wird gemeldet, dqß Hers 3.6jährige..-" Privacheamte, Rudolf Weidner aus. Mährisch-Ostrgn Mittwoch-abends- auf der Mdse.ite.deL"Pätteriöl-in.esnenjAbgrund gestürzt sst^".wo-"er Mt.!zeAchhie,ttgMn--Gliedern ,tot lie- g.en".bli"eb." Seine"Gattln-war.Zeugindes-tragischen Unfalles. Mutiger. Retter. Der 17jährige OttoR e I- ch e l aus Laug-Ugest, der,"nur.schlecht schwimmen kay.n,.gerIet^btzIm,Bäden.i.in^ei.nema>b>l-e,jMitglied des Mus,-der", auf" den j Extrinken den aufmerksam wurde,"'warf, sich..sofprt:-ins-Wässer.undes-gelang ihm, den bereits- Bewubtlvsen'.glücklich an das Ufer M.bringen,. Am.Tag«: vorher, hatte-, er, auf gleiche Weise.: ein-14jähriges- Mädchen, auseiner'Pinge bei Serbitz, wo er.zu. Befuch^toär, Vox dem Ertrinkungstode gerettet. Dem mutigen und geschlck- ten Retter gebührt für sein entschlossenes Eingreifen Dätzk. ünd.Aiierkennüng', Ln untere Abonnenten und Kolporteure! Anlässlich des Feiertages wird am Montag, den 6. Juli, nicht gearbeitet, so daß unsere Dienstagansgabe entfällt. D i r B e, r w a l t n n g. Der soziale Numerus rlausuS in der Schulbildung. Int Anschluß an die heurigen- Maturaprüfungen erschien eine" sehr aufschlußreiche Statistik über die soziale Herkunft von 4811 Mittel«. schülern, die diesen Sommer ihre Reifeprüfung ablegten. Danach stammten von 8411 Maturanten 248, also"7.8 Prozent", aus Arbeiterfamilien, 287, also 11.3 Prozent ans Angestelltenfamilien und 1282,-also 37.7 Prozent aus Beamtenfamilien. Der Rest wurde in die Kategorie: Selbständige und Pächter eingeteilt. Wenn auch diese Sta«. tistik nicht genau ist—unter der letztgenannten Kategorie werden sich auch Kleinbauern und Gewerbetreibende befinden— so springt doch dje Benachteiligung der proletarischen Schichten in die. Augen. Roch deutlicher wird sie auf Grund-folgender Zahlen: Auf 19.999 Arbeiterfamilien entfielen 4 Maiuranten, auf 19.990 Angestellten» familien entfielen 25 Maturanten und auf 10.000 Beamtenfamilien entfielen 128: Maturanten. Die Gründe für diese Erscheinung sind leicht einzusehen. Diese Zahlen beweisen aber jedenfalls, wie Iveit wir noch vor einer wirklichen Demvkratisierung und der Verwirklichung der Parole:„Freie Bahn dem Tüchtigen" entfernt sind. Adolfs Leibstandarte verunglückt. Ein Omnibus, in welchem Angehörige des Musikzuges der SS-Leib st andarte von einer Konzertreise zurückkehrten, stieß auf der Straße zwischen Burg und Genthin mit dem Anhänger eines-Lastautomobils zusammen, das auf"der regennassen Straße ins Schleudern geraten, war. Durch die Wucht des Zusammenstoßes wurde die- .Seitenwand des Autobusses in ihrer ganzen- Länge aufgerissen. Zwei Männer des Musikzuges waren sofort tot, zwei weitere verstaiLen kurz nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus. Sechs Musiker tvurden schwer und eine Anzahl leicht verletzt. Todesopfer de» Wetter». Bei einem Unwetter am Mittwoch kamen in Steiermark sechs Menschen. um» Leben. In denr-Orte Mösel wurde ein Va- ter mit seinen drei Kindern tot" aufgefunden, die alle in den Hochwasserfluten ertrunken waren. In. Völling riß da» Hochwasser einen Brückensteg eben in dem Augenblick-mit fort, al» die Frau eine» Bergmannes über denselben zum änderen'User gelangen wollte. Die Frau ertränk." In der Umgebung von Weißenbach wurde vom Hochwasser ebenfalls ein Brückensteg weggeriffen, wobei ein zehnjähriger Schulknabe den Tod fand. Zwei Knabe» ertranken. Auf dem Schloßteiche In Dornbach bei Gmünd"in Steiermark fuhren Kinder auf einem selbstverfertigten Floß;" diese» kenterte und zwei Knaben, der achtjährige Aloi» Oberwinkler und der 14jährige Han» Lüftenegger ertranken. Gladiatorenlo». In Cardiff City sollte ei« Boxkampf zwischen dem Südafrikaner Benford-und dem amerikanischen Boxer Cook stattfinden.-Da» Wetter war schlecht, und die Arena fast völlig leer« Beide Boxer waren verzweifelt und Cook entschloß" sich, dem etwa 590köpfige» Publikum sein Leid zu llagen. Sie bekämen beide nur Tantiemen von. de» verkauften Karsen. Unigekehrt würde es für ihn de« sportlichen Tod bedeuten, wenn er geschlagen tvürde, da» ein AnSscheidungSkampf sei. Man möge.doch verstehen, dgß sich da» nicht lohne. Mer da» Publikum erwic» sich al» mitleidslos. Die Boxer mußten antreten. Und Cook wurde geschlagen. Er hdt kaum einige hundert Dollar bekommen. ES wird wieder mehr geraucht. Die Einnahmen der Tabakrcgie betrugen im Juni 148,2 Millionen Ke, gegen Juni 1985. um 2,8. Millionen- Ki mehr. In den erster, sechs Monaten de» laufende» Jähre» stellten sich'die Einnähmen äuf, 798 Milo lioncn Kö, überträfen somit die des ersten Halbjahres 1935-um" 9,4 Millionen"Ki.-Der StäatS- kässa wurden im Juni 100 Millionen Ki abgeführt, gegen" den gleiche» Monat 1935 um 7-, Millionen- Ki mehr. Im erste» Halbjahr-führte die. Tabakregi« 515 Millionen Ki"ab,, gegen die. gleiche Zeit 1985 um 6 Millionen"Ki"mehr. Da nunmehr mit, einer weite r en- Absatz b äff eru n-g zu'rechnen ist, wird der abgeführte Betrag für da» ganz« Jahr-1986 voraussichtlich dem mit 1,25 Milliarden -Ki im Staatsvoranschlag präliminierten Betrag sehr "nähekommen.-. ,..•>,....’■ Vom Rundfunk ta»tahlM>warlM mb 0m Pragn l Samstag Prag, Sender L: 6.00:"Gymnastik, 10.05: -Deutsche Presse, 12.10: Lpetngesänge,-14.00; Konzert,!,.16.05: ,Konzert aus Karlsbad. 17.55: Deutsche Sendung:"Ritter.Aussig: Die gewerkschaftliche Stellenvermittlung, 18.05: Mühlberger: Mozart äyf. der.Reise nach Prag. Hörspiel, 18.45: Deutsche Presse, 22.15t".Leichte Musik. Sender Sr 7.40: Populäres"Konzert,, 14,80: Schallplatte». 15.15: Deussche"SendUng: Vergessene" romantische Liedern — Brünn: 12B5:-MIttqgSkönzert,' 17,05: Radio« schrammcl.— Mähr.-Oftrau: 18.15: Unterhäl« tungSmusik. Freitag, S., Jun? 1836 Veite 5 «r..154 Löhne und Preise Ein Vergleich zwischen dem ersten Vierteljahr 1934 und dem ersten Vierteljahr 1936 Wir haben in verletzten Tagen wiederhol! auf ba8. außerordentlich tiefe Lohnniveau unserer Arbeiterschaft besonders im.sudetendeutschen Gebiet hingewiesen. Im Jahre 1934 lag das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Arbeiters mit 4800 Kronen'weit unter dem Existenzminimum einer Arbeiterfamilie. Nun sind aber seit 1 S 3 4— im Gegensatz zu der aussteigenden Produktiv-RentabilttätS- und Ausfuhrentwicklung— die Löhne weiter gesunken. Betrug nach der Statistik der gentralsozialversi- cherungsanstält über die Versichertenbcwegwjg der durchschnittliche TageSlohn der Versicherten im ersten-Vierteljahr 1984 ,16 Kä, so way e r. im ersten Vierteljahr 1935 auf 15.72 Kä gefallen. Erst, für das erste Vierteljahr 1936 ist eine leichte Erhöhung auf 15.79 KL wstzüstellen. Dagegen'hüt der Anteil der. in den höheren Lohn» Nassen Versicherte»(von der. y..bis zur. 10. Lohnklasic) an der Zahl der Gesamtversich'exten auch vom ersten Vierteljahr 1935"zum"ersten' Viertelsahr 1936 weiter abgenommen, und. zwar um 0,5 Prozent. Wabrand demnach das Arbeitseinkommen '.tat ersten Vierteljahr des laufenden Jahres «ach dem von der Zmtralsozial-BersichorungS- anstatt«rrechnetem.durchschnittlichen Tagesverdienst erheblich Hintor dem des erste» Vierteljahres 1934 zurückbleibt, haben die Preise für einige der wichtigsten Labensmittel fcii jener Zeit«in« nicht unbedeutende«ufsteigmde Entwicklung genommen. ES betrug de.r Kleinhandelspreis in der Tscheche-, slowakischen Republik für(wiedergegeben nach dem Bulletin der Tschechoslowakischen Nationalbank): . März 1984 Kilogramm KL Weizenmehl.. 100 270.— Roggenmthl.. 100 165,—' Kartoffeln,. 100 65.— März 1986 KL 290.— 217.— 69.—. März 1984 März 1986 Kilogramm KL KL Erbsen--». 100 810.— 850;— Rindfleisch.... 1 10.50 12.85 Schweinefleisch. Bauernbutter'. 1 11185 18.59 1 15.85 17.04 Eier, Stück-... ' 1 0.45 0.46 Diese Ziffern geben die dur chschnitt- l i ch e n Kleinhandelspreise wieder, wodurch jedoch die tatsächlich eingetretene Verteuerung picht in ihrem, ganzen-Umfang zum Ausdruck kommt. Denn geradeste Preise für die billigeren Kac- tossclsortcn, Mehl- und Fleischarten' sind: im Verhältnis viel stärker gestiegen, als die' der besseren und teuereren Dualitäten Aber selbst, nach- dieser Aufstellung■ ergibt sich eine nicht unerhebliche Verteuerung der Er- nährungSkoswn, Dse prozentuelle Preissteigerung beträgt bei: Weizenmehl 7,4 Prozent, Roggest- -mchl rund 30 Prozent, Kartoffeln 3 Prozent, .Erhsen 15 Prozent,, Rindfleisch 18 Prozent, Schweinefleisch 20 Prozent, Bauernbutter mehr .als 7 Prozent..-. Diese erhebliche Bertenerung der wichtigsten Nahrungsmittel ist zu verzeichnen in der gleichen Zeit, in der daS Arbeitseinkommen der großen Bevölkerimgsmehrheit sich weiter vermindert hat. -Seit dem letzten Jahre haben außerdem die Preise für Wäsche und Konfektion ebenfalls eine beträchtliche Steigerung erfahren. Diese gegensätzliche Entwicklung Les Arbeitseinkommens und der Preise für Waren des Massenverbrauchs, die hemmend auf-den wirtschaftlichen Aufstieg zurückwirkt, unterstreicht die Dringlichkeit der von der Sozialdemokratie und von den Gewerkschaften erhobenen Forderungen, die eine Kursänderung in der Agrar-, Zoll- und Einfuhrpolitik und ein schärferes Vorgehen gegen die wirtschaftsschädliche Diktatur der Kartelle zum Ziele haben. Der unbezwingbare Mount Everest. Die Mount Everest-Expedition unter, Führung von Hpgh Rutt- ledg«', die seit'zwei Jahren versucht, endlich die Spitze der höchsten Berger der Welt zü erklimmen, ist jetzt gezwungen, diese Versuche endgültig auszugeben. In der Hauptsache war dar schlechte Wetter daran schuw. Seit Wochen rasten Schneestürme über dar Zeltlager der Expedition, dar sich in 5000 Meter Höhe befand. Um der Gefahr bei Erfrierens und der Verhungerns zu entgehen, mußt« man schleunigst die Zelte abbrechen und sich nach tagelangcn schweren Kämpfen-gegen, dar Unwetter talwärts begeben. Zur Zeit ist übrigens- eine, französische- Expedition-auf dem Wege zum Himalaya, um ihrerseits den Versuch zu unternehmen, den Gipfel der Mount Everest zu erreichen., Ein Baby als Schlangentiter. In dem Garten seiner, väterlichen Hauser in Atlanta spielte ein 17 Monate alter Baby. Der Tag war heiß und sogar Schlangen wurden müde. So auch eine Ringelnatter von besonderer Länge, die auf dem sandigen Wege in unmitewarer Nähe de» Kinde» sich apathisch in der Sonne ringelte. Da» Kind wurde neugierig, alr er den glänzenden Leib sah. E» faßt« zu und, nach Kinderart, steckt« e» den Kops der Schlang« in den Mund. Dann biß dar Baby zu. In diesem Moment muß die Schlage natürlich zusammengezuckt sein. Jedenfalls ließ da» Kind sie fallen und begann zu weiNen. Als die Mutter dazu lief, sand sie die Schlange verendet neben dem unverletzten Kind liegen. Polizeischutz für ein«„Kunst".Ausstellung. Die größte Sensation der gegenwärtigen Londoner Season ist der erste internationale Surrealisten- Salon, zu dem täglich Tausende von Neugierigen pilgern. Der Clou der Ausstellung, der von zwei Polizeibeamten geschützt werden muß, damit da» Publikum nicht aggressiv wird, ist die Frauenstatue eine» spanischen Surrealisten. Diese Frau, ein« Holzplastik, hält in ihrer Hand«in nackter Bein, außerdem besteht ihr Gesicht lediglich au» Haarsträhnen, die bi» auf den Hals fallen. Die Haare sind echt, und dar Bein soll, wie die Gerüchte behaupten, au» präparierter Menschenhaut hergestellt sein. Kein Wunder also, daß e» vor diesem Kunstwerk tagtäglich zu erregten. Szenen kommt und die beiden Polizeibeamten haben viel zu tun, um da» Publikum zu beruhigen und Attentate zu verhindern. .'Neue Formen des FilmS. Auf den farbigen Film, der vor zwei Jahren als die große Neuerung der Filmtechnik in Amerika gestartet wurde, aber bisher noch nicht, wie damals viel» sach prophezeit wurde, den Schwarz-Weiß-Film bedrängt hat, ist inzwischen schon die nächste groA technische Umwälzung im Film gesolgt:die ersten plastischen Filme sind in Frankreich hergestellt worden. Ihr Erfinder ist der achtzigjährige Louis Lumiere, der vor vierzig- Jahren den ersten brauchbaren Filmpro- jcktionsapparat, konstruiert und damit den Grundstein zur.Entwicklung dcb'Filnls'^alS' Müssen-" Unterhaltung gelegt hat. Das Prinzip des plastischen FilmS ist das des Stereoskop»: daß ein Bild Plastisch erscheint, wenn man eS in zwei Aufnahmen vor sich hat und durch zwei im Winkel zueinander stehende Gläser betrachtet. Die" nach dem Lumiire-Verfahren hergestellten Filme werden zweifach, und zwar in blauer und gelber Farbe auf die Leinwand projiziert, und die Zuschauer'müssen sic durch eine Brille betrachten, deren ejneS Glas blau und deren anderes gelb ist. Die ersten plastischen Filme sind Kurzfilme, die Varietk-Nummern, oder, Land» schafttzbilder zeigen, und es wird behauptet, daß der plastische Eindruck, die erstrebte„Dreidimensionalität", bereits vollkommen sei.. Inzwischen hat man aber auch in Amerika schon wieder eine Neuerung zur Welt gebracht: Filme, die nicht, wie bisher üblich, weniger al» zwei Stunden, sondern länger dauern. Obwohl aus künstlerischen Gründen gegen eine Durchbrechung der Zwei- Stunden-Norm nichts einzuwendcn ist, machen die-Kinobesitzer, gegen den Drei-Stunden-Film EiNwäNde, weil'sie durch ihn gezwungen werden könnten, die Termine ihrer Vorstellungen tfjfd di« Eintrittspreise zu ändern. Da aber die„v e rlang. e r t e n" Filme in Amerika günstige Ausnahme ,beim Publikum gefunden haben sollen, isb,anzunehmen, daß man sie in einiger Zeit auch bei- unS wird sehen können. Jugend der englischen Bölkerbundligen gegen Eden. Die Jugendsektion der britischen„Gesellschaft der Freunde des Völkerbundes" hat in ihrer Sitzung vom 27. Juni die Kandidaten Edens als Vorsitzenden abgclehnt. Eines der Mitglieder der Sektion hat diese» Beschluß so begründet.:.. Noch vor eiyemJahr hat.dieganz«, Intellektuelle Lugend die Tätigkeit Edens mit Be-' geisterung unterstützt. Die heutige Politik des Chefs des Foreign Office kann, leider, unsere Billigung nicht finden.— Austin Chamberlain ist gleichfalls aus dem Exekutivausschuß der Bölkerbundligen ausgetreten. In einem öffentlichen Schreiben an den berübm- tcn Pazifisten Gilbert'M ur r a y, der den Vorsitz der englischen Bölkerbundligen führt, begründet Chamberlain seinen Austritt damit, daß die Aufrechterhaltung der Sanktionen, die von den Ligen noch immer gefordert wird, eine riesige Gefahr für den europäischen Frieden darstelle. Der Einfluß der englischen Bölkerbundligen auf die britische Außenpolitik ist bis jetzt sehr groß gewesen. ES scheint jetzt, daß dieser Einfluß im, Schwinden begriffen ist und daß in den Reihest der hochstehenden Mitglieder der Ligen selbst eine Spaltung eintritt.. Biel bemerkt, neben dem Austritt von Chamberlain, ist die Niederlegung des Amtes des Ehrenschatzmeisters der Bölkerbundligen seitens eines so einflußreichen Mitgliedes der englischen Gesellschaft wie Lord'Q ueens- Üorou gh. Was Rom von Pari» erwartet. Die gegenwärtige Außenpolitik Roms ist sehr-kompliziert. Man hält gleich'mehrere Eisen im Feuer. Man biedert sich in London und besonder» in Berlin an, gleichzeitig versucht man, aber Paris gegen England auSzu- spielen. Man fühlt sich nämlich angesichts der Konferenz' von Montreux, an der Italien aus Prestigegründen vorläufig nicht teilnimmt, nicht besonders sicher und erwartet verschiedene Intrigen seitens Englands. Man möchte in dieser Situation auf' die Methoden vom Anfang. 1935, die Aera Lava l-M u s s o- 11 n i, zurückgreifen. Dem Romer Mitarbeiter des sonst gut informierten„Paris Midi" hat man.ip den dortigen offiziellen Kreisen folgende politische Lii-nc'suggerieren wollen:'- sobald-- di« Frage' bei'Nd still i t a r i s i« r ü n g d e r Meerengen gelöst sein werde, werde England zweifellos versuchen, sein« Machtpositionen im Mittelmeer aus Kosten der anderen Mächte zu verstärken. In dieser Situation dürfe Frankreich sich nicht wieder inS britische Fahrwasser begeben. Paris solle das Problem von realistischer Seite betrachten und soll« sich nicht dazu hergeben, dem gefährlichen und- fruchtlosen Versuch, Italien im Mittelmeer zu isolieren, Vorschub zu leisten.„Paris Mdi" möchte dabei feststellcn, daß man in Rom noch nie auf die guten Beziehungen mit Frankreich soviel Wert gelegt habe, wie heute. Angestellte demonstriere»! In den letzten Tagen haben. die Wiener Versicherungrangestillten ihren Kampf gegen dar Abbaüdiktat der Unternehmer und den Verrat der„Einheitsgewerkschaft" mutig und opferbereit auf die Straße getragen, unbekümmert um die unter dem heutigen Regime drohenden Folgen. Am 16. Juni versammelten sich einige Hundert Bersicherungsangestellte vor dem Gebäude, in dem die Gewerkschaft ihren Sitz hat, begehrten stürmisch Einlaß und die Erstattung einer Berichter über den Stand der Verhandlungen. War blieb dem Obmann, Herrn. Loir Weinberger, ander» übrig alr sich endlich seinen begeisterten Mitgliedern zu zeigen? Er mußte Rede und Antwort stehen und gab schließlich ckohn Bull zu Marianne:„Mit der kleinen Thusnelda kann man nicht tanzen, die ist zu stachlig." die Erklärung ab, daß er eher zurücktretc», als einen Vertrag fertigen werde, der die Angestellten schäbige. Der Unternehmewerbanb bat seinen Sitz auf dem geräumigen Börsenplatz. In den NachmittagSstunben der 19. Juni füllte sich bieser Platz plötzlich mit großen, Menschenmassen, die in einer aufreizenden Ruhe sich vor bem Gebäude des Verbandes zusammenballten. Tie Polizei, durch die Ereignisse überrascht, war zunächst niachtlos. Erst al» in Ueber- fallrautor ihre Alarmtruppen herangebracht waren, ging sie mit der an ihr gewohnten Schneidigkeit mit dem Gummiknüppel gegen di« Versammelten los. E» war die erste Slraßenbemonstration kämpfender Proletarier seit dem Feber 1984. Angestellte, die eine jahrzehntelange freigewerkfchgftliche Erziehung mit der Idee der Klassenkampfes verbunden hat, haben den Bann gebrochen. 89 Prozent der Landwirtschaften in der SSSR kollektivtstert(r.) Die„Leningradskaja Pravda" vom 1. Juni enthält eine Taß-Meldung aus Moskau vom 81. Mai, derzufolge zum 1. April 1985 in der Sowjetunion 244.814 Kollektivwirtschaften mit 16,982.800 Wirtschaften vorhanden waren. Zum 1. April 1986 wurden 245.784-Kollektivtvirtschaften mit 18,322.200 Wirtschaften gezählt. Zum 1. April 1985 waren die Landwirtschaften zu 81 Prozent kol- lektivisiert und zum 1. April 1986 zu 89 Prozent. Konzentrationslager für Nationalsozialisten. (AP) Dar Konzentrationslager in Glückstadt.in Holstein, da» im Jahre. 1985 ausgclftst. worden war, wurde-jetzt, wieder, eröffnet.. Seme Insassen sind fast -ausschließlich SA- und SS-Leute sowie Funktionäre der NSDAP. In der Hauptsache handelt er sich um di« in der letzten Zeit verhafteten Parteigänger. WkswirisM und SoriaMtik Biermilliardenanleihe der IISTR. Mittwoch wurde ein Beschluß des Zentralexekutivkomitees und des Rates der Volkskommissare der USSR über die Emission einer staatlichen inneren Anleihe des zweiten Fünsjahrplancs(Ausgaben des vierten Jahres) und über die Konversion einiger bisher emittierter innerer Anleihen durch Austausch ihrer Obligationen gegen Obligationen der neuen Anleihe veröffentlichr. Die Anleihe wird im Jahre 1936 im Betrage oon vier Milliarden Rubel aufgelegt werden. Ihre Laufzeit beträgt 20 Jahre ab 1. September 1936, der Zinsfuß betrögt vier Prozent jäb-lich. Die Konversion der bisherigen Anleihen wird zwecks weiterer Verbilligung pes Kredites und der Verbesierung der gesamten Organisation des staatlichen inneren Anleihewesens vorgcnommen. Das solle mim j Die Fremden, die vor dem- kleinen Bahnhof von'-Lana stehen und sich suchend umblicken, müssen picht lqnge wgrten. Ein Einheimischer tritt aüfsie zu und sagt mit selbstverständlicher Ruhe: „Zym Schloß müssen Sie den Weg hinunter gehen undchdapn über die Straße."- Natürlich zum Schloßt Wohin-sollten die Fremdest,'. die in Lana ankommen, sonst-gehen? Wan erfährt von den freundlichen Bewohnern, daß in. der letzten; Zeit die Zahl. der Besucher. des Schlosse» immer größer geworden ist. Aus allen Tpiken des' Landes-kommen fies- auch aus der FrSnder Gestern waren zwei.amerikanische Tschechen hier. Alle kommen aus demselben Wunsch: sie möchten.ihn" sehen, und wenn sich dazu keine Cselegenheit bietet, wenigsten» die Umgebung, das Land, in dem.er" lebt.' An Feiertagen wird der.Eintritt in dest Schloßpaxk sreigegeben. Biele Bemchersämmeln-stch an, die geduldig Ivgrten und. in Autor, Autobussen'au» Prag nach Lana gekommen sind.-'Die Legionäre am Tor werden mit Fragen bestürmt:„Ist der Herr Präsident heute .außgefähren?"„Sehen Sie ihn manchmal im Park?"—.Wie sieht er au»?"- Auch Viele an- dtre Fragen hört man ustd allen ist die Sorge um da» Wohl T. G. Masaryk» gemeinsam, der Wunsch für ihn. Die Legionäre antworten geduldig: Sie haben hier einen leichteren Dienst al» ihr« Kollegen auf der Prager Burg. Und sie erzählen, daß der Präsident, hier sagt man ihm noch immer„pan President", während Dr. Benetz „Pan President Benetz" genannt wird, was im Sinn und der Terminologie vollkommen richtig ist und die Gefühle dieser einfachen Menschen am besten aurdrückt--- daß Masaryk gestern ausgefahren ist: in den Tiergarten, in feinem geschlos» senen Auto, von seiner Tochter begleitet, Wie. immer hat. er den Leuten auf der Straße, die ihit,! gleichsam mit faimliärer Liebe ustd Achtung be->- grüßen, freundlich zugenickt. Heute? Rein,, heute wird er nicht ausfahren. Es ist kalt und es regnet, kein Wetter für. Gesunde, noch weniger- für ibn, da er sich schonen muß. Die lange Karawane, die still duxch die Alleen des Schloßparks geht, ist ruhig und ver-' meidet jedest Lärm.. Man möchte„ihn" nicht' -stören ustd) vergißt ganz, daß dieser Lärm gar nicht'gehört werden-könnte, denn der Schloßpari Ist West und der W.ifld peitscht, durch die Bäume.' Allei wird, einem gezeigt: die'Garagen'mit den Autor,, der Reitftall des Präsidenten,.'der stille' See, die Schwäne, die große Allee,'durch die er früher geritten ist und die Steinbank, auf der er auch heute noch bei gutem-Wetter sitzt. An einer Wegbiegung sieht man, weit zurück, das Schloß und der Führer zeigt, in welchem Zimmer sich der Präsident tagsüber aufhält. Ein besonders Findiger glaubt hinter dem Fenster jemand zu sehen und flug» beginnt die ganze Gesellschaft begeistert zu-winken. E» äst«ine stille, doch eindrucksvolle und in ihrer Aufrichfigkeit rührende Demonstration. Man ruft nicht, man macht keinen Lärm, aber man möchte den„großen alten Mann* hoch grüßen und so winkt man— ohne Antwort zu bekommen. Wahrscheinlich war es gar. nicht Masaryk, er wird sich'.erst nachmittag» zeigen, e» sollen viele hundert Schulkinder aus einer schlesischen Stadt herkontmen und er wird ein paar Worte zu'. ihnen sprechen. „Ich bin aus Jasina", sagt ein karpathorus- sischcr Bauer, der in.seiner malerischen Tracht hinter uns geht,„und ich bin hergekommen, weil ich doch einmal sehen möchte, wo er lebt und wie das aussieht,. was- ihm gefällt." Die Frauen bleiben in der Gärtnerei stehen, vor dem wunder» baren spanischen Flieder, den weiten Blumenbeeten und dem Feld mit den Rosenstöckm. Man erinnert sich an Masaryks Liebe zu den Blumen. Dieser große' Garten mit-seinem Treibhaus voll tropischer'Pflanzen kann da» ganz« Jahr hindurch seine Blumenwünsche'befriedigen, Daneben stehen, wunderbar gepflegt, die Obstbäume und dahinter beginnt erst der Wald, der wunderbare Wald mit seiner Mischung von Laub- und Nadelbäumen, der sich eine Stunde weit hinzieht, still und abge- schlosien, ein Wirklichkeit gewordener Wunschtraum für Menschen, die Ruhe und Einsamkeit suchen. Die zwei Männer, die die Führung der Fremden besorgten, verabschieden sich höflich grüßend am Tor. Ein Ausländer bleibt nachdenklich stehen.„Seltsam", sagt er,„ich habe schon die Residenzen vieler prominenter Staatsmänner und Staatsoberhäupter besucht, aber niemals ist es so glätt gegangen, ohne jede Kontrolle.. Ist Ihnen nicht ausgefallen, daß man nirgendwo einen- Detektiv sieht, der argwöhnisch die Fremden mustert, daß selbst die Legionäre am Eingang, die zwei Gendarmen ganz unmilitärisch, sozusagen privatim,, ihren Dienst versehen, nirgendwo leine Bewachung ist.... Da erinnere mich an andere Residenzen, die ich sah.,." Was soll man ihm darauf antworten? Daß Masaryk eine besser« Bewachung, hat als Polizisten und Detektive,. Gewehr-bei-Fuß-Soldatcn. und Leibwächter: die Liebe und Verehrung.seine? Volker. ES hätte, äuch genügt, auf den einfachen karpathorussischen Bauern-»»iS Jasina zu zeigen, der viele-hundert Kilometer weit hergekommen ist, um zu sehen, wo.„er" lebt.. I. W. .Stile 6 „Sozialdemokrat" Freitag, g. Juli 1936. Nr. 154 Amerikas Vagabunden Eine Armee des wandernden Elends O In den Bereinigten Staaten von Amerika gibt er eine Armee von Landstreichern, deren Stärke unberechenbar ist, denn tzie bittere Not fährt dieser Armee immer neue Rekruten zu. Die Mehrzahl dieser Rekruten sind junge Leute, darunter viele Minderjährige und schulpfltch- tige Kinder, die von dem Elend im Eltern« . Haus auf die Landstraße getrieben wurden. Sie haben Schulbildung, sind gesund, aufgeweckt und arbeitswillig. Ihre Lebensenergie verlangt nach Betätigung, ihre Not nach Arbeit und da sie beider'nicht bekommen können, wählen sie den einzigen Weg, den die Wirtschaftskrise ihnen gelassen hat, die Landstraße. Die Sonne scheint warm, es. gibt so viel Räum in der Welt, so viele Felde» mit Frucht und so viel Ueberilußl Zn Hause aber sitzt die Sorge am Herd, starren die fiebergroßen Augen der hungernden Geschwister auf den Aeltesten, der ihnen dar Brot verkürzt. Vielleicht kann er draußen auf dem Lande etwas verdienen. Sam, des Nachbars Sohn, denkt ebenso und der Plan der Burschen ist rasch gefaßt. In der ersten Morgendämmerung schleichen sie sich aus dem elterlichen Haus, hinter einem Zaun treffen sie sich und die Armee des Ivandernden Elends hat zwei neue Rekruten erhalten. Andere kommen aus den vielen Quartieren der Armen und Arbeitslosen, wo das Brot nicht mehr für alle Mäuler reicht. Sie kommen auch von Herden, wo noch die Feuer hrennen, aber wo Haß oder HerzenSroheit der Eltern die Luft verpesten. Sie kommen als entlaufene Taugenichtse und srühverdorbene Tunichtgute, aus allen Schichten der Bevölkerung und in jedem Alter. Aber die Jugend überwiegt. Die Vagabunden von heute sind nicht mehr ausschließlich Faule und Degenerierte, sondern Ueberzählige unter den Menschen, Enterbte deS Schicksals. Die Gesellschaft hat dies anerkannt Und ihre Stellung diesen Unglücklichen gegenüber geändert. Der Vagabund ist in Amerika nicht mehr geächtet— er wird geduldet, wenn er die Gesetze nicht übertritt. Man hilft ihm so gut man kdnn» Man will'dar Uebel.der Vagabondage nicht auSrotten, sondern unter Kontrolle stellen, da eS von selbst verschwinden muß. Der Leidensweg eines amerikanischen Landstreichers ist kurz. Das unerbittliche Land zermalmt diese Elenden rasch, denn daS unbeschühte und unorganisierte. Einzelwesen kann gegen die Natur in der Riesenhaftigkeit und Härte nicht lange bestehen. In seinem kurzen Leben lernt der amerikanische Vagabund alle Qualen der Hölle, aber auch manche Freuden kennen. Er schwelgt in' dem Ueberfluß der Erntemonate und hungert und friert während des strengen Winters. Er reist auf schnellen Frachtzügen beinahe ungehin- birt zwischen Chicago und Texas, zwischen New Dork und Kalifornien hin und her. Er flieht vor dem nordischen Winter nach dem warmen Süden oder Westen und vor den Knütteln und Ketten der brutalen Justiz dieser Länder zurück nach dem kalten aber humaneren Norden, wo er sich mit der Hilfe von Missionen noch ein paar klägliche Jahre am Leben erhält. Der Beginn der Odhffee. Der Frachtbahnhof einer Borstadt ChieagoS — Schienenstränge, Schwellen und Schotterbette, Schlote, Schupfen und Schmutz. Auf den Geleisen stehen endlose Reihen leerer Frachtwagen und zwischen den langen Reihen dampfspeiende Lokomotiven. Diese trostlos graue Arene ist der Ausgangspunkt manch einer leidvollen, freudarmen Odyssee für Tausende, die keinen Familiennamen und keine Familie mehr haben und bald nichts sein werden als eine Nummer aus dem' Friedhof der Namenlosen in einer fremden Stadt. Bom anderen Ende des Bahnhofes her ertönt. der schrille Pfiff einer herankommenden Zuges, der in diesem Gewirr von Geleisen und Weichen seine Fahrt verlangsamen muß. Dies ist das Signal, aus das unsre beiden Ausreißer gewartet haben. Sie kriechen aus ihrem Bersteck unter einem Frachtwagen hervor und stellen sich sprungbereit neben das Geleise, eine Wagenlänge von einander entfernt. Aber sie sind nicht mehr allein. Etwa ein Dutzend Männer und Burschen sind aus anderen Schlupfwinkeln gekommen und haben Stellung genommen. Der Zug braust heran. Seine Fahrt ist schnell genug, aber den meisten gelingt der gewagte Sprung. Nur Sam, der mit einer Hand eine Leitersprosse erfaßt hat, verliert den Fußhalt und wird nachgeschleift, bis er endlich loslassen muß und schwer mit dem Gesicht auf das geschotterte Schienenbett aufschlägt. Sein Gefährte überlegt einen Augenblick, ob er wieder abspringen und seinem'Freund zu Hilfe kommen soll, dann spuckt er verächtlich aus und ruft nach hinten„dumbbell", Dummkopf. Damit ist die Sache für ihn erledigt. Sam ist heute ein ehrlicher Arbeiter, von seinem Gefährten aber.hat niemand wieder gehört, Der rollte mit dem„fast freight" in die Ferne und gesellte sich einer Gruppe' erfahrener Landstreicher zu, mit denen'er' im Frachtwagen Bekanntschaft geschlossen' hatte. Als der Zug bei einer Wasserstation die Fahrt verlangsamte, sprangen die Vagabunden ab und liefen rasch quer über die Felder, um der Bahnpolizei nicht Rede stehen zü müssen.. In einem verlassenen Steinbruch, wo das Regenwasser sich gesammelt' und einen Teich Xuirst und Wtesm Die Sömmerspielzeit der Kleinen Bühne würde gestern.'mit' einem Stück nmnens.jKöntuschoWka" (yön einem Autor, der sich Axel Nielsen Nennt) er« 'öffnet..Das Stück erweckt den Verdacht,-im PertÄiien darauf geschrieben zu sein, daß die Werbezirk sich der Hauptrolle(einer polnischen Schnapswirtin, die es zeitweisig bis zur„Fürstin" bringt). ann^hmeniUnd die--.Albernheiten/ Geschmacklosigkeiten und öden Plumpheiten der Handlung durch Drastik und Pointierung heiter machen werde. Da nun'in der Kleinen Bühne nicht die WerbezKk, sondern,die ihr. in'keiner Weise'-.ähnliche,M a r.i a E.i r spielt(dereN.TM^ tigkeit iy-änderen Rollen nicht bezweifelt,werden stülp — und, da außer /ihr.(unter Leitung Philipp öon Z e S k-a 8) Mitglieder des BurgtheäterS erWeinen, die den Eindruck erwecken, daß es beim Burgtheater neuerdings eine Abteilung-für Dilettanten gibt, hatte die dargebotene-„Kontuschowka".' eher einschläfernde Margarete Snllavan und Randolph Scott in dem Film„Norden' gegen Süden",, au«, der Zeit de» großen amerikanischen Bürgerkriege» ken sich, auf. eine, Warnung vor dieser oder jener' Stadt,.auf'.einen kargen Rats-den sie selbst, von bitterer. Erfahrung empfangen haben. Ihre Interessen sind- auf die drei'Begriffe zusammengeschmolzen! Obdach,' Essen und'Behandlung. Manche haben noch ein. Reiseziel,.die,meisten jedoch haben' däs Herumreisen. aufgegeben ukd sind in die Stadt gekommen, um hier resigniert wie Tiere ihr Ende zu erwarten. Das sind die vom Leben Geschlagenen, die vergessenen Menschen. Hier stehen sie stundenlang in dem kalten Regen und wenn sie dle elende Kost, gierig verschlungen haben, die das organisierte Mitleid und das schlechte Gewissen der Gesellschaft ihnen reichen, schleichen sie zurück, in die Schlupfwinkel, ans denen sie hdrvorgekrochen und wo sie wenigstens vor dem Regen geschützt sind. Sie verkriechen sich' und warten.' Warten auf die nächste Schale Kaffee, auf das nächste Stückchen Brot—-und auf das nahe Ende. Es ist ein kläglicher Abschied, den der. fröhliche Landstreicher der Sommermonate- und der faule-Degenerierte der Städte vomLeben nimmt. Zusammen verrecken sie in-den'„siuMS" der Großstädte und-befreien die Gesellschaft, von jeder weiteren Sorge. Zwei Winter genügen, um aus dem frischen, jungen und gesunden Landstreicher ein hoffnungsvolles menschliches Wrack zu machen. Zwei Winter— und die städtische Brotlinie hat ein- neues Mitglied erhalten. Und wenn fein Platz. leer wird, tritt ein anderer in die Lücke, Die'Brotlinien werden Nicht kürzer. Die Not reißt neue Menschin aus dex Reihe der Satten und vermehrt- die Zahl der Hungrigen.- Feder Sommer bringt, der Armee des wandernden Elend» neue Rekruten. W. I. P a l m e. und kahenjammeriiche al» berauschende‘ Wirkungen. Selbst wenn man in Betracht zieht, daß. e» sich'da um die„.Sommtrspielzeit""handelt, kann man'.hie EnttNlschung nicht. verheimlichen: entweder''haben die Veranstalter. dieser Auffichrung sich'.-und, ein schlechtes Stück maßlos überschätzt oder die Ansprüche, die man, in- Prag, an-eine'Theateraufführung, stellt, maßlos unterschätzt.'—eiS-,- DaS Neue Theater- eröffnet seine Spielzeit äm 6. September mit- einer Gesamtauffühxung- des „F a u st" I. und H. Teil in der Bearheitungvon Richard Beer-Hofmann. Die erste Opernaüfführüng -ist Mozart»„Z a u b e r-f.l ö t e" am 8. Septeniber. Die erste Neueinstudierung im Schauspiel ist Shaws „A r z t, am. Sch e.i d e w e g e".'E» folgenaljt Schauspielnovitäten Kaufmanns„F r ö'h l ich d r e h e n w i r u n s i m K r-e'-t s-e"'uild Lipplr„P f in g st o r g e l". Die erste Operettennovität ist„Gab h", die erste Opernnovität Wolff» Ferrais.Neugierige Fr au en". Im September gastiert auch die hochdramatische, Sänge« rin K i r st e n F l a g st a d von der Metropolitan-Oper als Brünhilde. In der Kleinen Bühne sind die ersten Novitäten„L i e b e m i t 188 PS", ein Lustspiel von Stefan Bökeffy, Musik von Paul Ghöngy, und die Komödie„D e r S o h n d e s Mini st e r S" von Andre Birabeau. Noch Im-Sep- tember geht auch Ibsens ,,B a u m e i st e r S ol« n e ß" in der Kleinen Bühne in Szene. Freie Verelninunn wriillristliir MaUrtter Mitglicderzusammenkunft bei« AtuS-Feft in Komotau.' Die Mitglieder-ter Freien Bereinigung, die am Atus-Fest teilnehmen, treffen sich Montag vormittags um 8 Uhr zu einer wichtigen- Besprechung. Treffpunkt Cast Reiter. gebildet hatte, wurde ein Bad genommen und ein Kriegsplan, gemacht. Die Gesellschaft teilte-sich, in kleine Gruppen, die auf den Feldern fouragieren und sich später am Ufer de» nahen Flusses in einem Hobo-Rendezvous oder Landstreicher-Lager treffen sollten. Solang die warme Sonne scheint.. Das Lager der Landstreicher hat eine hübsche Lage, einen Steinwurf vom Flusse entfernt. Die Rachmittagssonne gießt ihr warmes Gold über Fluß und Land und die Welt sieht wie ein freundliches Paradies aus, wo es sich gut leben läßt. Die Jugend, die sich um das Camp-Feuer schart, erinnert mehr an fröhliche Ausflügler als an heimatlose Vagabunden. Man singt, scherzt und lacht— und warum nicht? Die Flammen- des Feuers brennen lebhaft, der Braten duftet verlockend,'wenn er auch gestohlen ist, und auf glühenden Kohlen rösten Kartoffeln und Maiskolben. 'Später werden sogar noch ein Dutzend Fische gebracht, die ein gutherziger Angler einem der Vagabunden geschenkt hat. Die Aussichten auf ein herrliches Mahl sind nicht schlecht. Niemand wird hungrig bleiben. Niemand braucht zu hungern in diesem reichen Land. Ein paar. Stimmen beginnen ein„cowboy"- Lied, später machen zwei Burschen auf ihren Mundharmonikas ausgezeichnete Tafelmusik.: Am nächsten Tag wird die Stimmung im Lager noch besser, sei er, weil die Fourageure sogar ein Ferkel und mehrere Hühner aufgetrieben haben, sei es, WLil Sine neue Gruppe.mit ßwei Mädchen eingeitöffin ist, die sofcrt das Kommando übernehmen und sich als vorzügliche Köchinnen erweisen. Unter' einer Gruppe von Bäumen haben Vorgänger ein paar Laubhütten errichtet, um bei schlechtem Wetter einen Unterschlupf zu finden. Dorthin haben sich die beiden Pärchen zurückgezogen, aber niemand kümmert sich darum. Niemand. scheint daS Lachen und Kichern zu hören, das aus den Hütten kommt. Man lagert sich um das Feuer, man raucht und plauscht, gibt und empfängt guten Rat. Man denkt nicht über das Heute und Morgen hinaus, es gibt weder Vergangenheit Noch Zukunft.„Wenn der Winter kommt?" Der.Gefragte wirft gleichgültig ein Stück Holz'in die Glut.„Wer weiß? Vielleicht Dallas oder Sait Lake City. Vielleicht auch die „Mission»".in„Chi"(Chicago). Who rares?" Vier'forglose Tage bleibt die Gesellschaft beisammen, dann beginnt sie sich zu verlaufen. In kleinen Gruppen wandern die Heimatlosen in die vier Himmelsrichtungen. DaS Lager ist verödet, nur schwarze Kohlen und verrußte Blechbüchsen bleiben zurück. Der Himmel hat sich umwölkt und es beginnt zu regnen. Von der warmen Sonne und der unbesorgten Fröhlichkeit ist keine Spur mehr da. Wie auch diese heimatlosen Menschen bald keine Spur zurückgelassen haben werden. Andere werden.sie ablosen. Die Spieler wechseln, aber das Drama wiederholt sich. So ist dar Leben der Landstreicher im Sommer. Drei Monate später In einer schmutzigen Gasse, wo die Massenquartiere der großstädtischen Proletariats ihre Häßlichkeit schamlos enthüllen, stehen zerlumpte Männer in langer, ordentlicher Reihe.. Sie stehest in dem kalten Növemberregen, der-ihre Lumpen erbarmungslos- durchnäßt/ zitternd, und' frierend. Stumpf upd teilnahmslos wartcnsie.auf-einStück verschimmeltes- Brot' und auf eine Schale' heißen Kaffee, den'sie miteinem-letzten Rest von Humor „Das bräune Elend"'getauft haben: So tief hat. das Leben sie gedemütigt, daß sie- auf-dieses „braune-Elend" sehnsüchtig-und geduldig Warten, als wäre, es ein Festmahl.- Wie' Geschöpfe,"'-die aus- den' Höhlen und. Wasserlöchern>eines verwunschenen Waldes- gekrochen' sein'könnten,: sehen' diese.Menschen- aus. Der. Nebel-' und die- Dämmerung" der- Großstadtnächt. verzerren ihre Gestalten ins: Groteske.' Sind das Menschen öder Ausgebürten- einer-wüsten- Phantasie?.- Rauhe- esnsWige Worte- verraten',-daß' eä Menschen sind,, degenerierte Menschen., Sie reden, aber'siestlagen Nicht.' Ihre',Mitteilungen beschräy- Kakteen mit begossen, werden zauberhaft schön. Senden Sie uns Xi 5.68 in Brief« - marken, wir liefern Ihnen dafür den guten BlumenzaNberdung, den- besten Dungguß für Ihre Blumen. Sie werden staunen, wie herrlich dann Ihre Blumen gedeihen. Berwaltung„Frauenwelt", Prag. XU., Jochooa 1t. 82, und durch alle Kolporteure erhältlich. Urania-Kino, KlimentsKA 4. ,■Fernsprecher 61528. Bis Ende ZuN geschloffen. Derlanoei Überall DolhszUnilcr! Auch Dickhäuter fühlen sldi bei dieser Hitze Im Wassir äm wohlsten.-i Bezugsbedingungen: Bei Zustellung in» Haus oder bet Bezug durch pi- Post monatlich XL 18.—. viertcliahrig Xi su,—. halt'iäbrig XL 86.—, ganzjährig XL 182.—.— Inserate Wertzen- laut. Tarif billigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. Äuckstelltzng vön.Manuskripten erfolgt nur-bei Einsendung det Retourmarken.— Die ZeitungSfrankatuc Wurde von der Bost-.und. Tele- graphendtrektun"mst',Erfaß'.Nr..1SB00/V).M838'befliÜigt:— Druckerei:„Orbis", Druck-,: Verlag»-..und.Zeituugs-A.-G. Prag.: ssl-f-5'H'?.' A■%’ 1"' v-'■ 7-’*"’'''' v---M'Ä''. ■.......,-.,....•:•-