\ Donnerstag, 9. Juli 1936 Nr. 158 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Haller (einichlleSllch 5 Heller Porto) DER^DSUTSCHEi^SOIlALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova a. Telefon sxn. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Der Begründer der Sowjet- Diplomatie gestorben Moskau. Hier ist Dienstag nachs im Altor von 61 Jahre» nach langer schwerer Krankheit der ehemalige Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten Georgij Wasiljcwitsch Tschitscherin gestorben. - Der verstorbene Sowjetpolitiler war eine der typischesten Gestalten der russischen Oktoberrevolution. Er wurde im Jahre 1872 in Kaluga bei Tambow als Sproh einer altrusjischcn Adels- fämilie geboren und trat nach Vollendung seiner Studien in den russischen diplomatischen Dienst eilt, den er jedoch im Jahre 1007 verließ, da er inzwischen zu einem überzeugten Sozialisten bolschewistischer Richtung geworden war. Er begab sich ins Ausland, uni sich der sozialistischen Propaganda zn widmen. Während des- Weltkrieges war er in Paris unter dem ,Name» Ornatzli tätig. Später ging er nach Loudon, wo er nach"dem Ausbruch der Oktyber-Rcvölution in Haft genommen wurde.'Noch während dieser Haft wurde er in Leningrad zum'Volkskommissar für Auswärtiges ernannt.- Aber erst als Lenin mit'Vergeltungsmaßnahmen drohte, wurde Tschitscherin im Dezember 1917 nach Rußland entlassen. Seiner Erfahrung und Intelligenz gelang es,. der So- wjetdiplomatio, um deren Organisation er sich 'hervorragende Verdienste erworben hat, sein persönliches Siegel aufzudrücken. Seinem Auftreten in der internutionalen'Welt des Westens, namentlich auf der-Konferenz, in Genua, verdankt So- wjctrußlaud zum guten Teil seinen Wiedereintritt in das Spiel der Großmächte. Nach.dem Austritt aus feinem Amt war Tschitscherin'schwer erkrankt und suchte Heilung in Deutschland, sowie bei, anderen ausländischen Aerzten. In einem von der Sowjetregierung und dem Volkskommissariat für auswärtige Politik veröf- fentlichteii Medizinischen Gutachten über die Krankheit und den Tod Tschitscherins heißt es, daß Tschitscherin im Jahre 1925 in schwerer Form an Diabetes erkrankte. Infolge hinzugekömmener Infektion begann sich seit, dem' Jahre■ 1928 bei Tschitscherin Polyneuritis zu entwickeln und gleichzeitig spitzte.sich ei» Skleroseprozeß zu, von dem die Gefäße Wb der Herzmuskel betroffen, würde. Vom Jänner 1986 an nahm sesne Krankheit einen besonders> schweren Verlauf. Am 7. Juli trat plötzlich'eilte jähe' Verschlechterung ein,' es begännen Syckptöme eines Blutergusses ins Gehirn mit Bewußtlosigkeit äufzutreten, Ungeachtet aller Maßnahmen' lieft die Herztätigkeit mehr und mehr nach und Tschitscherin starb,, ohne das Belvüßtsein wieder erlangt zu hüben. Riesengebleteln USA verdorren, '' Chtkago. Wie bis jetzt festgestellt wurde, sind bei der ungeheuren Hitze in den Staaten des mittleren Westens 72 Personen umS Leben gekommen. I» der Stadt Hakpark. isst.Staate Hli-, npiS wat die,Hitze so groß, daß der Asphalt auf den Straßen, schnsvl» Md-Prine Bäche bildete. In WhoiutÜS find- nach■ Blitzschlägen. zahlreiche Waldbrände auSgebröchen. In der^trockene»' Zpne tritt infolge Mangels an FjiitedHnd Wasser «in Ma s s e nste fb e ni uist-rr^d'e.ti. T i e- r en a»,f.,- Rätselraten um die Verhandlungen Schuschnigg—Papen Pari S. HavaS meldet äuS Rom, daß an italienischen politischen Stellen den Nachrichten über die fortschreitende österreichisch-deutsche An- nährrnng und über das geplante Abkommen, welches eine ausdrückliche Erklärung Deutschlands betreffend die ter- ritorialeJntegrität Oesterreichs und betreffend die Ni ch te i n m i s ch ung in dessen Innenpolitik zur Grundlage habe» soll, große Bedeutung beigemeffen wird. Gesandter von Pape» habe den» österreichischen Bundeskanzler einige AbkommenSrntwürfe vorgelrgt, doch fei bei der letzten Zusammenkunft Mussolinis mit Bundeskanzler Schuschnigg vor einem Monat noch nichts vereinbart worden. An italienischen Stellen heißt es, daß«ine Erklärung Deutschlands betreffend die Respektierung der Unabhängigkeit' Oesterreichs da« (ctite Hindernis einer italte- »isch-deutschen An Näherung beseitige n und zugleich die Nach-Locarno-Po- litik erleichtern würde, in der Italien die Rolle einer Garantiemacht spielen könnte. Während Reuter am Vortag nut aller Bestimmtheit gemeldet hatte, daß die Verhandlungen zwischen Papen und Schuschnigg gescheitert seien, meldete Agence HavaS am Mitt« woch. daß-diese Besprechungen einen gü n sti- g e n Verlauf nehmen. Die Budapester Reise des Vizekanzlers Baar-Baarenscls wird- dahin interpretiert, daß er die ungarische Regierung Im Sinne der römischen Vereinbarungen über die Verhandlungen mit Deutschland informieren wolle. Havas meldet, daß Baar-Baarenfcls im Anschluß au die Budapester Reise auch, nach Rom fahren werden. Spät nachts wird eine HavaS-Meldung aus Rom veröffentlicht, wonach in italienischen diplomatische» Kreisen Gerüchte knrsiereii, daß die Entwicklung der Verhandlungen zwischen Oesterreich und Deutschland über den moduS vivendi noch n i ch t in ein Endstadium getreten sind. DI« Nachrichten einzelner Blätter auS Wien, daß schon In der nächstr» Zeit zwischen Hitler und Schuschnigg ei» Schriftrnwechsel über den modus vivendi stattsinden werde, werden als„verfrüht" bezeichnet. Starhemberg als Frledensensel nach Berlin? Paris. Wie der Berliner Berichterstatter der „Information Financierc".erfährt, wird Star» h e m b e r g zur Olympiade in Berlin als Führer der österreichischen Delegation eintreffcn. Dieser Umstand scheine darauf hinzudeutcn, daß die Ver- handlungen über den Modus vivendi zwi- gchcN Oesterrcjchund Deutschland ziemlich weit fortgeschritten sind- In Berlin werde die Nachricht von der Ankunft StarhembcrgS mit lebhafter Befriedigung ausgenommen. Ausländische Propaganda In Palästina •vom britischen Kolonialminister zugegeben L»»do y, Die Lage in Palästina war Ge- genstand verschiedener Anfragen im Unterhaus. Der Kolonialminister bestätigt« dabei, daß er Berichte über ausländische Propa- g a nd a i n P a l ä st i n a erhalten habe. Er halt« es jedoch n i ch t für im öffentlichen Interesse gelegen, hierüber Auskunft zu geben. Er könne versichern, daß alles getan werde, um dieser Propaganda entgegenzuwirken. *•'\ . Jerusalem. Oberkommissär Wauchope richtete am Dienstag abends erneut eine Rundfunkansprache an die Bevölkerung Palästinas. Er kündigte die baldige Beendigung der Terrorakte d u r ch M i l i t ä r an und teilt mit, daß im Notfälle weitere Verstärkungen hcrangezogcn würden. Der Kommissar- warnte vor der offenbar verbreiteten Ansicht, daß ein Widerstand gegen die Militärmacht möglich sei. Die Aufrührer seien für dies Not der armen Bevölkerung allein verantwortlich. Infolge Verminderung der Staatseinnahmen werden SteuererhÜbungen nötig,' was sich wiederum auf die Lebenshaltung der Bevölkerung ungünstig. auswirken werde. Der Kommissar wies ferner auf die Unmöglichkeit ärztlicher Behandlung infolge der Unsicherheit der Landstraßen hin; den Aerzten sei es nicht möglich, Kranke aufzusuchen. Dadurch werde vor allem die Ausbreitung der landesüblichen Augenkrankheitcn gefördert, besonders bei den Kindern, von denen viele zu lebenslänglicher Blindheit verurteilt seien. Der Kommissar wiederholt schließlich den Londoner Rcgierungsbeschluß zur Entsendung eines 1l n t er such ungsauSschusses, sobald die Unruhen beendet sein werden. Greiserprovoziert weiter ... nichts mehr mit dem Völkerbund zu tun Land o ii.„Daily Expreß" veröffentlicht eine Unterredung seines Korrespondenten mit dem Präsidenten deS Danziger Senats Grei- fer, der u. a. erklärte: DanzighatbereitSnichtSmehr mit dem Völkerbünde zu tun,, wenigstens soweit die inneren Angelegenheiten in Frage kommen. Wir haben nicht die Absicht, daS von Genf garantierte Statut der' Freie» Stadt zu ändern. An unseren Beziehungen zu driz ausländischen Mächten hat sich nichts geändert und wir bereiten weder«inen staatliche» Umsturz i noch den Anschluß an daS Reich vor. Danzig bleibt Freie Stadt,-«. zw. von heute an »w irklich«" Frei Stadt,-in der wir unsere eigenen Herren sein werden: Mr beabsichtigen nicht, dem Oberkommissär'Lester zu gestatten, seine Stellung auszunützen, um unS Ge- setze vorzuschreiben. Falls, dir< oppo s ift i o. n eil e n Parteien böi mir Beschwerden.vor-.' bringen,Hörden, werd« ich-sie in höflicher Weise anfi meitze»GeUfer- Erklärung verweisen.- Falls Genfmichnoch einmal berufen sollte, mich wegen bekängloser'Bezichtigungen zu rechtfertigunge», werde ich die-Einladnng a b l e h n« n. Wie die.Opposition zelcnedelt wird Danzig. Der Danziger Polizeipräsident hat dir- sozialdemokratische»Danziger B o l k S st t m m e" auf dir Dauer von fünf Monaten verboten-! polnische Warnungen -' Warschau. Die halbamtliche polnische„Politische. Information",- welche, die Ansichten deS Außenministeriums wiedergibt, veröffentlicht '«inen Artikel'über die Danziger Angelegenheit, her von der Regierungspresse abgedruckt wird. In' diesem Artikel wird.-der'Senat der Freien' Stadt Danzig vor der geplanten Aenderung des .'Statuts.der-Freien Stadt Danzig e I n d r i n g- Hich.g.e.'ttz avnt.'.i■> V Hf /'.-'Der sozialistische„R übw t wi k" behauptet, haß die Gefahr- eines matiDnglsoziälistischeN iPut- sches-in Danzig.a kst» e lliseij und berichtet-daß SA-Abteilungen aus- dem-Dritten'. Reich., in großer.Anzahl, in Danzig eintreffcn. Polens Auftrag In Danzig Nach Hitlers neuem Vorstoß an der Weichsel —m. Warschau, Anfang Juli. Das Auftreten des Danziger nationalsozialistischen Gauleiters Forster gegen den örtlichen Völkerbundslounnissar, den Irländer Lester, und die offene Herausforderung des Genfer Rats durch den nationalsozialistischen Regierungschef der Freien Stadt, den Scnatspräsidcnton Greiser, haben die polnische Außenpolitik vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Die Warschauer Negierung hat von den Danziger Hakenlreuzlern, die nun bereits Uber drei Jahre an der Macht sind, eine ganze Reihe von wirtschaftlichen Zugeständnissen erhalten. Polnische Staatsangehörige und Danziger Bürger polnischer Nationalität werden in der Freien Stadt besser behandelt als jene deutsche» Danziger, die nichts von der Lehre Hitlers wissen wollen. Um diesen Preis hat Polen uns alle Auseinandersetzung mit Danzig vor internationalen Instanzen in den letzten Jahren verzichtet und seine Interessen in diesem kleinen Staatsgebilde, das wirtschaftlich zum polnischen Zollgebiet gehört, nur noch durch direkte Verhandlungen wahrgeuonnnen. Gab cS dabei einmal Schwierigkeiten, so wandte sich Warschau in nichtamtlicher Forni nach Berlin und erreichte bei Hitler, daß dieser um der deutsch-polnischen Freundschaft willen seinen Danziger Gefolgsleuten einzulenkcn befahl. Die letzten Vorstöße der Danziger Haken- treuzldr brachten eine Aenderung dieser Taktik, die vorher wiederum ausdrücklich von Berlin angeordnet war. Warum habe» Forster und Greiser jetzt Befehl bekommen, Front gegen die geltende völkerrechtliche Regelung für die Freie Stadt zu machen? Glaubt Hitler nicht mehr an nahe Erfolge an der- Donau, wie sie ihm damals vorschwebten, als er seinen vorläufigen Frieden an der Weichsel schloß? Für seine Danziger Nntcr- führcr und Ratgeber waren näherliegende Gründe maßgebend. Der Widerstand der Bevölkerung ihrer Stadt gegen die nationalsozialistische Mißwirtschaft und den nationalsozialistischen Terror wuchs im letzten Jahr immer niehr an. Neuwahlen auf Grund des geltende» Verfassungsrechts, das allgemeine, gleiche, direlte und geheime Wahlen Vorsicht, mußten die Hakenkrcuzler zweimal aus Angst vor den Wählern ablehncn. Garant der Verfassung, die sie in absehbarer Zeit zu Wahle» z w Ingen würde, ist aber der Völkerbund. Dem Kommissar Lester ist man nicht so böse darüber, daß er einmal zwei oppositionelle Politiker zu einem Tee-Empfang für deutsche Seeoffiziere einlud, sondern viel mehr deswegen, weil er erfahrungsgemäß aufReinh.. ltungdesWahl- akts von Gewalt und Betrug drängt. Deshalb soll er fort, noch ehe er Gelegenheit hätte, sich wieder in diesem Sinne zu betätigen. Sonst ist die nationalsozialistische Mehrheit in Danzig dahin, und die Hakenkreuzfahne müßte dort wieder niedergeholt werden. In Genf ist' der Senatspräsident Greiser mit de>n naiven Vorschlag aufgetreten, entweder einen solchen Välkerbundskommissar nach Danzig zu schicken, der sich überhaupt nicht mehr um die dortige Innenpolitik kümmert, also seine Pflicht als Hüter der Verfassung nicht erfüllt, oder—ihn selber, den nationalsozialistischen Regierungschef, zum Verbindungsmann für den Völkerbund zu ernennen. Der britische Außenminister' Eden hat diese Anregungen ironisch als„nicht aktuell" bezeichnet. Die einstweilige Behandlung des Kon- flikts, zu der sich die Ratsmächte entschlossen haben, weist die weitere Entwicklung in.anderer Richtung. Sie liegt auf derselben Linie wie die allgemeinen Bestrcbungen'dcr jetzigen Londoner Regierungspolittk zur Reform des Völkerbundes: Entlastung Genfs durch Verteilung der Verantwortung für den.Frieden auf die Träger regionaler Interessen. Statt des Genfer. Rats soll sich vorläufig sein polnisches Mitglied um den Ausgleich zwischen dem Vülkerbündlommissar und dem Danziger Senat,bemühen, unterstützt allerdings : noch durch einen ständigen Dreierausschuß, in dem England und Frankreich je einen Platz erhalten. Polen wird also zum H aup tm a n d a tar der'LigaderNation.en im Danzig, wenigstens für. die Dauer des fetzigen Konflikts. In welchem Sinne wird die Warschauer Regierung dw'.Aufgabe durchführen, die ihr damit Seite 2 Donnerstag, 9. Juli 1936 Nr. ISS W. internationaler dcwerksdiaits- hongrcO In London citrine über den Kampf um den Frieden London.(Reuter.) Beim siebenten internationalen Kongreß der GewerkschaftSorganisatio- nen, der Mittwoch in London unter Teilnahme von mehr als 209 Delegierten aus 20 Staaten begann, Ivies der Borsitzende deS Kongresses Walter Citrine auf die Notwendigkeit der Stärkung des BölkerbnndeS und der Schaffung irgendwelcher Kräfte hin, die imstande wären, die Durchführung der Völkerbundsbeschlüsse zu garantieren. Er setzte sich auch für eine energische Aktion zur Bekämpfung des Faschismus ein. Dec italienische Faschismus und der Nationalsozialismus haben sich als imperialistische Bewegungen erwiesen, die kein anderes Gesetz kennen als das der bewaffneten Macht. Die Mißerfolge deS Völkerbundes sind das Resultat der S ch>v ä ch e, ll n- entschiedenheit und Uneinheitlichkeit, durch die die Außenpolitik der Großmächte gekennzeichnet ist. Wir sind, erklärte Citrine, für die kollektive Sicherheit und werden unsere Hilfe nur denjenigen Regierungen angedeihen lassen, die sich für eine versöhnliche Lösung aller Konflikte verbürgen, wir werden unsere Hilfe denjenigen Regierungen versagen, welche durch Spruch des Völkerbundes als Angreifer bezeichnet werden. Das legt uns die Verpflichtung auf, unseren Regierungen behilflich zu sein, die Verpflichtungen zu erfüllen und unsere Armeen zu stärken. Wir niüssen es jedem Angreifer unmöglich machen, daß er sei» Ziel erreicht und die Früchte seines Angriffes genießt. zufällt? Die polnische Minderheit in Danzig verlangt in eindeutigen Entschließungen, daß Bock dem angegriffenen Völlcrbundlommissar zu Hilfe kommen soll. Die Polen, die unter der.Herrschaft des Hakenkreuzes leben, wissen den Schutz des internationalen Rechts zu schätzen. Sie wissen, daß mit der Beseitigung der jetzigen Verfassung auch ihre Stellung erschüttert tväre. Sie haben es. erlebt, wie die nationalistische» Instinkte der Haken« kreuzler, wenn sie einmal gegen Sozialisten oder auch deutsch-bürgerliche Oppositionelle losgelas- sen ivurden, vor den'„Pollacken" nicht halt machten/Sie wissen, daß in einem„totalen" nationalsozialistischen Staatswesen Ausländer und Minderheitsangehörige wirtschaftlich mit Leichtigkeit ausgeschattet werden. Die Warschauer Regierungspolitiker haben aus denselben Gründen ebensoivenig Lust, vor den Forderungen der Danziger Hitlerleuie zu kapitulieren. Aber sie begnügen sich nicht dainit, nun einfach wie die Danziger Polen gemeinsam mit der Mehrheit der Bevölkerung der Freien Stadt für die Aufrechterhaltung von Staats- und Völkerrecht einzutreten. Ihr Ehrgeiz treibt sie dazu, de» Gegensatz zwischen Danzig und Gens, dec tatsächlich ein Konflikt zivischen Berlin und Genf ist, für die E r w e i t e r u n g d e.r e i g e n e n Machtposition auszunutzen. Ter nationalsozialistische Senatspräsident, der dem Völkerbundrat mit solcher Nichtachtung begegnete, war Polen gegenüber in seinen Genfer Sieben wie in seiner ganzen Politik sehr viel höflicher. Daz» wirkt nicht nur die Rücksicht auf die Freundschaft zivischen Warschau und Berlin mit, sondern auch der Respekt vor den praktischen Machtmitteln, die Polen gegenüber Danzig in der Hand hat. Die Freie Stadt ist ja wirtschaftlich ganz von ihrem polnischen Hinterland abhängig, zumal der polnische Nachbarhase» Gdingen die Warschauer Wirtschaftspolitik von Danzig unabhängig gemacht hat. Was liegt näher, als daß Polen' einen Schritt tveiter geht und i n Zulu n f t selb st die Funktionen der Völkerbundsaufsicht in den kleinen Weichselstaat übernimmt? Der Genfer Rat, der den polnischen Außenminister diesmal bereits zu seinem Vertreter gemacht hat, braucht diesen Zustand nur zu verlängern, der Danziger Senat nur die Folgerung aus seiner bisherigen Nachgiebigkeit gegen Warschau zu ziehen. Die polnische Negierung wäre der lachende Dritte. Bisher sind. Hitlers Vorstöße gegen den Völkerbund meist Mussolini zugute gekommen. Diesmal rüstet sich Beck zur Ernte. Reform der Pariser Stadtverwaltung Paris. Die Regierung plant, eine-ausgedehnte Reform der Verwaltung von Paris.. Jeder der 20 Pariser Bezirke soll eine eigene Gemeinde mit eigenem Bürgermeister und einer vollständigen Gemeindevertretung, mit eigenem Budget und fast vollkommener Unabhängigkeit werden- Der sozia- Falsche Gerüchte über Sprengung der Dardanellen- Konferenz Montreux.(Reuter.)' Nach der Mittwoch- Sitzung der Meerengenkonferenz verbreiteten sich auch vom DNB weitergegebene Gerüchte, daß der sowjetrussische Delegierte Litwinow von seiner Regierung die Weisung erhalten habe, die Konferenz zu verkästen, wenn einigen Forderungen der Sowjetregierung, insbesondere hinsichtlich der Durchfahrt durch die Meerengen in Kriegszeiten, nicht entsprochen werde. Volkskom- mistär Litivinoiv erklärte, daß diese Gerüchte vollkommen falsch sind. Der britische Delegierte Stanley hatte Nachmittag eine Unterredung mit Litivinoiv. Es wird versichert, daß in dieser Unterredung ein wesentlicher Fortschritt auf dem Wege zu einer Kompromißlösung der britisch-russischen Gegensätze erzielt ivurde. Rußland fordert für seine Kriegsschiffe vor allem das Recht der freien Durchfahrt durch die Dardanellen bei der Erfüllung von Verpflichtungen, die sich aus dem Völkerbundpäkt oder aus den im Rahmen des Paktes.abgeschlossenen Verträgen Uber die gegenseitige Hilfeleistung ergeben. Abflauen der Streikwelle Regierung gegen Betriebsbesetzungen Parisi Dienstag aUndS. teilte Innenminister Sale n g r o im Senat mit,'daß die Regierung alle geeigneten Maßnahmen treffen werde, um eine eventuelle Besetzung von Fabriken bei Streiks zu verhindern. HavaS kommentiert diese Erklärung dahin, daß die Regierung in erster Reihe in einem solchen Falle den Einfluß der Funktionäre der Gewerkschaftsbewegung benützen werde und erst dann, wenn dieses Eingreifen ergebnislos sein sollte, von der ihr zu Gebote stehenden öffentlichen Macht Gebrauch machen wolle. iär der sozialistischen Partei und mit den Vertretern des Allgewerkschaftlichen Arbeitsverbandes voraus. Die Erklärung des Innenministers kam unter dem Druck der Radikalen zustande. Der Vorsitzende des radikalen Senatsklubs Bienvenu- Martin soll erklärt haben, daß von der Antwort des Innenministers, ob die Regierung auch weiterhin die Besetzung von Fabriken dulden werde, das Vertrauen des Senats zur Regierung abhängen werde. Die Streiks sind überdies fast zier Gänze abgeflaut. Währmd die Höchstzahl der Streikenden Ende Juni 1,200.000 betmg, streikten Dienstag abends in Frankreich nur mehr 97.000 Personen. Explosion Im Londoner Arsenal London. In der Versuchsstation deS Arsenals von Woolivich ereignete sich Mittwoch nachmittags eine Explosion, bei der fünf Personen ums Leben kamen. Nähere Einzelheiten über das Unglück wurden nicht bekanntgebeben. Wie verlautet, ist dabei Major Lang, einer der Abteilungsleiter des Arsenals, getötet worden. lNajor Long war während des Weltkrieges ein Spezialist für artilleristische Fragen. Er ist anscheinend nach einem Versuch, der- in einem der Laboratorien unternommen wurde, getötet worden. Mit ihm fielen z w e i K i n d e r uriir zwei Arbeite« des ArseNäls dem Unglück zum'Opfer; Das Laboratorium selbst ist durch die Explosion völlig zerstört worden. Rom ZU Locarno-Besprechungen eingeladen Rom. Die belgische Note mit der Einladung Italiens zur Teilnahme an den Locarno-Besprechungen in Brüssel ist, wie von unterrichteter Seite verlautet, nunmehr hier einzetrossen. Sie wird zur Zeit von der Regierung geprüft. Rom. Die Gerüchte, wonach Italien zur Deckung seiner Schulden an Englaird finanzielle Hilfe in den Vereinigten Staaten suche, werden von zuständiger Seite dementiert. listische Senator Morizet soll Regierungs-Ober» kommissär von Paris und des Pariser Kreises werden. Die jetzige Pariser Stadtvertretung be grüßt zwar die Ernennung eines Regierungskom- missärr, befürchtet jedoch, daß die beabsichtigte,„....._„......., ,,_... Diese Erklärung deS Innenministers hat ein Austeilung von Paris in selbständige Gemeinden sta^s Echo ausgelöst; ihr gingen Beratungen mit der notwendigen BerwaltungSeinheit der Groh- b cm Ministerpräsidenten. BI u m, mit dem stadt Paris zum Schaden gereichen könnte. Staatsminister Paul F a u r e als Generalsekre- Deuttche Waffenlieferungen nach Griechenland Zum Ausgleich der Clearlngspltze Athen. Wie die Blätter melden, werden sich der griechische Finanzminister ManeavinoS und der stellvertretende Gouverneur der griechischen Nationalbank V a r v a r e s o S, die zur Zeit in London ziveckö Verhandlungen übe: Bestellungen für die Kriegsmarine weilen, sich demnächst nach Berlin begeben, wohin auch der Minister für Volkswirtschaft DekazoS reisen soll, um dort über Lieferungen für die griechische Armee zll verhandeln? Ministerpräsident General Metaxas hat diese Nachrichten nicht in Abrede gestellt und hinzuge- fügt, daß sich demnächst eine Kontmission bestehend auS höheren Offizieren aller Waffengattungen de» Landheere» und der Luftstreitkräfte nach Berlin begeben tvird, um an Ort und Stelle über die Lieferung von Heeresinaierial zu verhandeln. Der Kommission werden als Finanzexperten außerdem noch Vertreter des Obersten Rechnungshofes und der Nationalbank angehören. Nach der Rückkehr aus Berlin wird der Rat für Nationalverteidigung definitiv über die Bestellungen von Kriegsmaterial enifcheiden. Die Clearingspihe zwischen Deutschland und Griechenland beträgt etwa 28 Millionen Mark, In den nächsten Tagen wird.in Athen ReichSpropagandaminister Dr. Goebbels und wahrscheinlich auch General Göring erwartet.- Engllscher Protest gegen unerwünschte Zeppelinbesuche London. Jgi Unterhaus machte ein Abgeordneter auf den Umstand aufmerksam, daß das deutsche Luftschiff„Hindenburg" im Verlaufe weniger Wochen bereits zweimal die Stadt Leeds in geringer Höhe überflogen habe, und fragte, ob die britische Regierung ausländische Flugzeuge berechtigt habe, England in geringer Höhe zu überfliegen und sich nicht genau an die festgesetzten Strecken zu halten. Der Unterstaatssekretär für das Flugwesen Saffoon erwiderte, daß das genannte Luftschiff bisher England nicht regulär überfliege. Die britische Negierung habe mit Deutschland vereinbart, daß die Luftschiffe„Graf Zeppelin" und„Hindenburg" England nur in dringenden Fällen aus navigawrischen Gründen überfliegen, lieber die erwähnten kürzlichen Flüge finden zur Zeit Beratungen mit der deutschen Negierung statt. In KUrze Tokio. Dai Tokioter Militärgericht fällte dar urteil gegen 118 Personen, die der Teilnahme an dem Militärputsch vom 26. Feber 1986 beschuldigt wurden. 17 Offiziere wurden zum Tode tzrrurteilt, fünf tveiter« zu lebenrlänglicher Zwangrarbeit. 44 Unteroffiziere wurden zu Kerkerstrafen im Ausmaß bis 16 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Jaffa. Hier wurden die Leichen von drei ermordeten arabischen Christen gefunden. Man ist der Meinung, daß die Morde au» Familienrache verübt wurden. London. Die Zahl der Arbeitrlosen In England belief sich nach einer amtlichen Mitteilung Im Juni auf 1,702.676 gegen 1,706.042 im Vormonat. 81 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grätzsch Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava. Herrlich bin ich in Form, dachte. MoseS. „Dieser Führer und Weise dort hat das Wort geprägt: Die Demokratie ist die politische Form der Menschlichkeit. Verstehst du das, Ernst?" „Bei uns war sie's»ich", opponierte der Kleine, weil er sich von Moses erdrückt fühlte. Moses sah kummervoll auf Ihn nieder und dann stritten sie zum soundsovielten Male uni die Frage, warum die deutsche Deinolratie unterliege» mußte. Als sie sich wieder dein Schloß über den Wolken zuwenden wollten, ivar die Erscheinung zerstoben. Der Nebel jagte in Fetzeir davon, die Stadt lachte von allen Hügeln und Höhen und aus alle» Tälern, ein Hang mit Häusern lief sonnenbeglänzt zum Hradschin empor. An diesem Tage trafen sie den langen Schorsch. Durch die Straßen strudelte der Mittagstrubel und sie saßen in dem kleinen Restaurant, in dem die Speisemarken der Flüchtlingshilfe galten. Schivaches Licht düsterte im Raume. An allen Tischen ringsum wurde deutsch gesprochen. Halblaut, flüsternd. Emigranten. Am Nachbartisch hörten Moses und der Kleine einen blassen aufgeschossenen Menschen. Jüdischer Mediziner. Von Deutschland flüchtete er nach Aegpten, fand Stellung, aber die Einbürgerung blieb aus. Jetzt war er ivi^rwegs nach Mandschukuo. Neben ihm ein Techniker. In drei Wochen ging seine Fahrt nach Brasilien. In der Ecke ein Dentist, ein brünetter junger Mann, dem Konzentrationslager entronnen. In seiner Tasche steckte schon die Schifsskarte nach Ostasrika. Ein Ruch von War- tesaal und Expreßzug schwebte über dem Raume.. Dem Kleinen wirbelten alle geographischen Vorstellungen durcheinander.^Brasilien, Mandschukuo, Ostafrika— mehrere Wochen Fahrzeit I Wie bescheiden erschien ihm plötzlich die Palästinareisei Ein Katzensprung. Von der Fensterecke her sah ein langer Mann scharf Uber die Zeitung hinweg zu den beiden, die gerade über Kartoffelmus mit Leber herfielen. Er zog mächtig an der Zigarre, blies eine gewaltige Wolke bau sich und bohrte die Auge» durch den Dunst... Natürlich Marc» sie das, aber klar... Er packte seinen Biertopf, erhob'sich,' dehnte seine, lange Gestalt, als sei es eine besondere Arbeit! den Kopf immer wieder da hinauf zu schieben und segelte dann zivischen den Tischen hindurch zu den beiden. Das ivar der lange Schorsch! der Längste ehedem in der Villa Wanja. Um seine Länge zu dämpsen, trug er die Haare kurz geschnitten. Wie dunkle Drahtstifte starrten sie gerade nach oben. Eine Weile'wär er als Heizer zur See gefahren, aber das blieb für ihn ein Martyrium, er mußte zuviel gebückt hcrumlaufen, die untern' Schiffsräume waren zu niedrig. Als das braune Regime kam, verweigerte er auf See den. Hitlergruß, nannte den ersten Offizier eine Hakenkreuzotter und sollte Ivegcn Meuterei in Ketten. gelegt werden, aber Kapitän und Mannschaften ließen ihn an Land flüchten. Moses und der Kleine'schauten erstaunt zü ihm auf. Heller Anzug, weißes Heistd, neue Schuhe.„Gut in Schale bist du, Schorsch"/ sagte MoseS. Der Lange lachte und entblößte eine Reihe weißer Zähne, wie ein riesiger Nußknacker.„Ja, Kinder, immer hat Schorsch mit seiner Länge Pech gehabt, ivarum soll er»ich mal sei» Glück damit machen, he? Wißt ihr wie?" Eine Frau? Nee. Reklamefigur? Nee.„Beim Film, MenschenSkinderl Dort ist Zukunft. Statist !bin ichl". Lange Lulatsche hatte die Firma zu einem historischen. Film, gebraucht. Da Schorsch. von all den Niesen am stärksten wirkte, behielt man ihn weiter.„Eene Latte könnse in jeden Film brauchen; is immer Heiterkeit, wenn so ivaS uss de Leinwand kommt. Mein'» Kopp finden se hier in der ganzen Republik»ich wieder...Hält! ihr ooch»ich gedacht, wa, daß ich noch nial unter Kunst und Literatur falle?" Er hing. den Kopf zu ihnen hinab. Sie lachten alle drei. Schorsch führte die beiden in ein Cast. Karten gingen ab: eine an Gusti, eine an Eva. Moses genoß seine unglückliche Liebe. Er' schaukelte darist, wie ein Kahn im Medr, trunken von Reisefieber. Die Wonne des Schaukelns war größer als'der Schwerz. Eva lag auf dem alten Sofa ihrer Mansarde, als ihr die. Karte gebracht wurde.„In drei Tagen! In drei Tagen!"— stand drauf geschrieben. Die Lust sprang sie an, ihr Zeug zu packen und mit zu. reisen. WaS. hielt.sie' ist Litosch noch? Was? Designiert legte sie die Karte auf die bunt' gebatikte Tischdecke. Es ging ja doch sticht.... Moses wollte sie ja durchaus ehelichend ... Sie legte sich lang und. streckte die Beine Her die Lehne, Bom Fenster her strich'der satt«' Duft des Gartens herein. Sie fah zur Decke empor,, in deren Mitte zwei Amorgestalten einander, jagten. Jetzt hieß es einmal Inventur machen. Was hielt sie hier noch? Justus. Es hatte keinen' Zweck, sich«länger gegen diese Erkenntnis zu sträuben. Bisher kannte-sie Liebe noch-nicht, Freund«/ schuft mit Studtenkameraden, ja— Liebe, jedoch wär nicht daraus geworden, bei ihr nicht; Aber wenn man mit einem Mann gern viel beisammen; war- wenn man ihn gern sprechen hörte, in seiner Nähe manchmal besangen wurde,'seine Gedanken; kühn und graziös sand, feisten^burschikosen Witz liebte, vor seiner opferreichen Vergangenheit;Re- spekt hatte— was war das? Und er? Manchmal hatte er ihr die Hand gedrückt; oft bat er, sie solle ihm etwa- erzählen, er-höre ihre Stimme gen», manchmal sprach er seine Arbeit mit ihr durch, bekam dann Schreibsieber und stürzte nach Hause, hinter den Arbeitstisch... Und tvenn es nach ihm ginge, konnte sie jetzt mit MofeS ins Unbekannte ziehen. Woflir lebte, man noch? Ein Kind haben... Aber mit wem? Und wer konnte ivagen, ei» Kind mutwillig in diese Welt der Bärbarei zu fetzen? Endlichen die Doktorarbeit gehen? Sie wußte: spielend würde sie das leisten. Aber für wen? Warum eigentlich? Eine Welle von Trauer, Müdigkeit und Lebensüberdruß schlug Uber ihr zusammen! Sie hört Gusti sprechen:„Sie sind immer so ausgeglichen, Eva... Sie sind fester Ivie ich..So also erscheint man den anderen! So also.—Lange liegt sie auf dem Sofa, starrt ins Leere, das Denken friert.angenehm ein. Einmal hört sie eine Uhr schlagen. Fünf. Eigentlich müßte sie jetzt an den Fluß hinunter. Vielleicht wartet Justus, hat ist eittem Buch etwas angestrichen, will ihr„Delikatessen" vorlesen. Nein, sie wird nicht gehen, sie' kann nicht, mehr so sachlich neben ihm fitzen. 'Justus hockt hinter seinen Tifche'.und schreibt.'Wenn er aufschaut, ist ihm, als schaukelte das Zimmer. Seit, einer Woche schuftet er so, von früh bis abends. Ein paar Gänge durch den Garten, Raupest'von den Kohlköpfen lesen, dann läßt er die Feder wieder rauschen. Dicker und dicker schwillt sein Manuskript an. Er schlestdert an das Master hinunter, schaut die Ufer entlang. Wo bleibt Eva? Drei Tage hat er ste nicht mehr, gesehen. Ist sie krank? Abends sitzt er hinter seiner Lampe und hört unten die Burschen geheiistniSboll flüstern. Von Herkntzch Illegal wird er arbeiten, mit falschem BartÜber die Grenze herüber« und hinüberwechseln. Sollte doch eine ganz neue unterirdische Orgastffatipn zu spürest sein. Herkster hat's mit in der Hastd.... Eine Heltzenlegestde entsteht, geflüstert. gnS-; ge- raunt. Kratzig klingt plötzlich.' Frosch'S' Stimme, ans dem Geflüster:„Knarren sollten wir/ist Pfoten habest, drüben ein paar Hunderttausend, waS, Jrftf?!"'.(Fortsetzung folgt.), Rr. ISS Donnerstag, 9. Nult 1936 Seite S Verbandstagung der Metallarbeiterjugend Im Rahmen des S. Bundesturnfestes in Ko- motau fand Samstag nachmittags eine Verbandstagung der Jungmetallarbeiter, die im Internationalen Mctallarücitcrverband organisiert sind, in den städtischen Parisälen statt. Ein Zug von mehreren hundert Jugendlichen, alle in gleichen blauen Blusen mit dem Verbandsabzeichen des Internationalen Metallarbeiterverbandes bewegte sich von dem Massenquartier, in dem die Jugendlichen untergebracht waren, durch die Stadt zum Versammlungslokal, was großes Aufsehen hervorrief. An der Tagung selbst nahmen über 700 jugendliche Metallarbeiter teil. Trommler und Bläser eröffneten die Kundgebung, während gleichzeitig der E i n- marsch von 25 Fahnen d e r Jugendgruppen erfolgte. Dann brachte die Egerer Gruppe den Borspruch:„Rebellen wollen wir sein" zum Vortrag. Reicher Beifall folgte dieser Aufführung. Die eigentliche Tagung wurde vom Verbandsobmann Genossen K a u f m a n n, mit einer Ansprache an die Jungmetallarbetter eröffnet, in der er sie im Namen des gesamten Vcrbandsvor- standeS begrüßte. Er erinnerte an jene Zeiten, in denen die Jugend noch nichts zu sagen hatte, sondern durch einen willkürlichen Lehrvertrag rechtlos gemacht worden war. Es besteht aber auch noch ein anderer Unterschied gegen früher: Während wir früher noch wußten, daß wir nach der Auslehre ettvas verdienen können, so ist das heute anders geworden. Die meisten jungen Menschen werden auSgeschieden aus der Gesellschaft der Arbeitenden. Der Verbandsvorstand ist deshalb bestrebt und hat dies auch wiederholt durch Taten bewiesen, die Jugend in das Heer der Kämpfer für eine neue Zeit einzureihen. Allein allerdings wird nichts, wir müßen alle mithelfen und Mitarbeiten in der Organisation. Der Vorsitzende Genosie G ö r n e r, gab dann bekannt, daß auch der Allgemeine Angestell- tenverband einen Vertreter seiner Jugend entsendet hat. Dann marschierte unter Trommelschlag eine Wteilung der AtuS-Fugend mitFahne aufdieBühne. Genosie Weiß, der Sprecher des AtuS, begrüßte die Metallarbeiter-Jugend und überreichte ihr als Zeichen der Verbundenheit eine Fahne, welche dleJnitialien deS AtuS und des I M v trägt. Er wünschte, daß die Fungmetall- arbeiter und die Atus-Jugend immer zusammen für eine bessere Zukunft kämpfen mögen. Nach einem Prolog des Genoffen lterwenka dankts Genosse Görner für die übergeben/ Fahne, joelche er der Obhut der Komotäüer Fügendgruppe anvertraute. Sie wird in Zukunft jedes Jahr immer jener Gruppe überlassen, die am regsten sich der Verbands- und Wettbewerbsarbeit widmet. Der Vertreter der Angestellten-Jugend, Genosse Müller, überbrachte nicht nur die Grüße der freigewerkschaftlich organisierten jungen Angestellten, sondern lud die Metallarbeiierjugend gleichzeitig zu der im nächsten Jahre in Komotau stattfindenden Tagung der Angestellten-Jugend ein. Dann sprach der Hauptkaffier deS JMB Genosse May. Er zeigte die Erfolge des Verbandes und auch, die finanziellen Leistungen der Gewerkschaft auf. Durch die Solidarität der Metallarbeiter sind in den letzten zwölf Fahren über 175 Millionen KL allein vom Internationalen Metallarbitterverband den organssierten Kollegen zugefloffen. Sowohl in der Form der Arbeitslosenunterstützung als auch in der Schu- lungs« und Bildungsarbeit haben die Jugendlichen einen großen Anteil bekommen. Sodann wurde ein Antrag an den Ber- bandsvorstand, der Jugendsektion drei Delegierte zum BerbandStag zuzubilligen, einstimmig genehmigt. Dem BerbandSvorstand wurde Dank und Anerkennung für die im Interesse der Jugendlichen geleistete Arbeit ausgesprochen. Ein weiterer angenommener Antrag fordert vom BerbandStag die Einsetzung eines aus zehn Mitgliedern bestehenden BerbandSjugend- auSschusseS. Sodann legten die jugendlichen Metallarbeiter stehend das Gelöbnis ab, immer mit allen Kräften im Dienste des Verbandes und der gesamten Arbeiterbewegung tätig zu sein. Eine Resolution, die ebenfalls einstimmig angenommen würde, faßt die F o r d e r u n- g e n der a r b e i t e n d e n u n d arbeitslosen Metalsarbeiterjugend zusammen,• wobei unter anderem vor allem Arbeitsmöglichkeiten und Beratungsstellen für Jugendliche gefordert werden. Die übrigen Punkte beziehen sich auf die Forderungen eines entsprechenden LehrlingSgesetzes und die Einbeziehung> der jugendlichen Hilfsarbeiter in den Fortbildungsunterricht. Die Aufnahme der arbeitslosen Jugendlichen in' hie Ernährungsaktion soll ohne BeschästitzungSNachwelS erfolgen. Mit Lebhaftem. Beifall.wurde, schließlich die Er« klärung des Zentralsekretärs Genossen Ladtg ausgenommen,! daß wir nun, gemeinsam mit der Äugend an die Arbeit zur Verwirklichung der Forderungen gehen wollen.. Nachdem Egerer Jugendliche noch das Lied vom schaffenden Men- schen' vorgetpagen hatten, wurde hiervon einem prächtigen Kampfgeist, und einer Ungeheueren Begeisterung getragene Tagung geschloffen. . Die Jungmetallarbeiter eilten.dann sofort Wieder zu den^ turnerischen Vorführungen. fudetendeu hdier Xeitepicget Furchtbares Grubenunglück In Kutterschltz Drei Häuer des Ludwigschachtkö in Kutter- schitz bei Bilin hatten die Aufgabe übertragen bekommen, einen alten Grubenpfeiler abzutragen und eine Kohlensohle zu versetzen. Al« die drei Bergleute Dienstag gegen 10 Uhr vor» mtttag« die Strecke erreichten, gab wenige Minuten später die Decke nach und verschüttete die Arbeiter mit glühenden Erdmassen. Es handelt sich um Franz N o v a L e k. au« Kuttowcnka, Alois Gatschabck aus Dux und Johann NovaLek aus Bilin. Zwei Brüder erlttten im Schoße der Erde den Tod. Der eine ist Bat er von acht Kindern, der andere hat drei Kinder.— Immer wieder verschlingt die Erde unsere Proleten, immer wieder zieht da« Leid und die Klage in den Bergarbeiterfamilien ein. Den schwer geprüften Familien und den Kollegen der Toten wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. komotau hat gesprochen! Unter diesem Titel veröffentlicht das „PrävoLidu" an leitender Stelle einen Artikel, in welchem die politische Bedeutung des Ko- motaucr BundcSturnfesteS gewürdigt wird. Der Schreiber des Artikels— Genosse Josef Stibin — vergleicht das Komotauer Fest mit der Arbeiter-Olympiade in Prag im Jahre 1921, von welcher der Wiederaufstieg der tschechischen Sozialdemokratie ausgegangen ist. In Komotau sei es um eine Schlacht mit dem Hakenkreuz gegangen und diese Schlacht wurde von den deutschen Sozialdemokraten gewonnen.. Das„Prävo Lidu" gibt sodann einen Ueber- blick über die Entwicklung der deutschen Sozialdemokratie iti der Tschechoslowakei bis zur Wahlniederlage im Jahre 1985. Trotz dieses Wahlausgangs blieben, wie das Blatt schreibt, die Kader der deutschen Sozialdemokratte unerschüttert.»Es blieben die organisierten MUglieder, die Bezieher' der Zeitungen, alle übrigen Bestandteile der Partei; nur die Mitläufer, die unorganisierten Anhänger der Partei erlagen der Psychose. Nun begann ein neuer Kamps um die Eroberung der verlorenen Stellungen. Ein Jahr nach den Wahlen berufen die sportlichen>ünd.turnerischen Bestands teile, der Partei unter. Mitarbeit der politischen Führung nach Komotau eine Kundgebung, welch« Bewunderung erregt. 25.999 uniformierte Turner und Sportler— abgesehen von den zehntausenden übrigen— stehen massiert auf dem Komotauer Marktplatz, der etwa um ein Drittel kleiner ist als der Prager Altstädter Ring, Die Henlein- anhänger blicken auf die marschierenden Lausende vom Gehsteig, sind überrascht, schweigen und überlegen. Niemand anderer unter den Deutschen in der Tschechoslowakei kann einen solchen Wall entschlossener, deutscher Kämpfer für die Demokratie aufstellen, wie unsere deutsche Sozialdemokratie Wir beglücklvünschen die deutschen Genossen zu ihrem großartigen Erfolg I" Schwelgen Ist Gold? Die„Bohemia" hat Hebammendienste geleistet, als der„königl. holländische Generalkonsul John van der Made" in die Welt gesetzt wurde; sie hat die mit diesem Namen unterfertigten Lügen aus Franzensbad nicht demenfiert, obwohl wir sie als solche nachwiesen; und die„Bohemia" blieb stumm, als wir an Hand der„Prager Presse^ feststellten, daß es einen Mann namens vanderMadeim holländischen Außendienst gar nicht gibt. Tag für Tag haben wir zugewartet, weil wir annahmen, daß die«Bohemia" doch noch den Beweis primitivsten journalistischen Anstandes und publizistischer Pflicht erbringen werde. Zehn Tage lang haben wir der„Bohemia" Zeit gelassen— sie hat sich nicht gerührt. Unterdessen haben wir auch noch von einem führenden holländischen Politiker pte Tatsache bestätigt er« halten, daß es diesen Herrn van der Made nicht, gibt. Zum letzten Male ftagen wir deshalb die Redaktion der„Bohemia"— dit doch inzwischen genügend Zelt hatte, diese Angabe zu überprüfen — ob sie endlich der Wahrheit dte Ebre geben und' eine Lüge zumindest als Mystifikation erklären will. Antwortet die„Bohemia" auch jetzt nicht beftiedigend oder weiterhin gar nicht auf diese Frage, so ist das Urteil über sie endgültig gefällt., Vom Stand wieder zur Partei Ein Gewerbetreibender schreibt uni: Bor kurzem ging durch die Presse di« Nachricht, daß Herr Stenzel und' die Seinen die Gewerbepartei neu. konstituiert haben. Nach dem Umstürze sahen viele Gewerbetreibende in der Organisation des Standes ihr Heil. 15 Jahre sahen sie in: der Gewerbepartei; ihre Rettung., Unfähig und zu schwach, um eigene: Politik zu machen, hängten sie sich bald an die Rockschösse der Agrarier. Bis dann dte Zollpolitik der Agrarier ihrer Partei schweren Schaden zufügte,' versuchten sie wieder sich auf eigene Beine zu stellen, ohne aber für die selbständig erwerben den Kreise etwas Nennenswertes in wirtschaftlicher Hinsicht zu leisten. Die Krise, die auch den kleinen Handiverkern und Geschäftsleuten bewies, daß die heutige Gesellschaftsordnung nicht aufrecht zu erhalten ist, brachte schlvere Verwirrung in ihre, Reihen. Sie waren nicht imstande, aus Eigenem dem kleinen Bürgertum neue Wege in die Zukunft zu weisen. Willkommen war Ihnen daher„die Bewegung"' der Henleiner. Da ihnen die alte Zunftverfassung aufzurichtcn nicht möglich war, begrüßten sie die Spann'sche Idee des Ständestaates begeistert. Vor ungefähr zwei Jahren erklärte Stenzel die Gewerbe- und HandelStreibcndcn »ach Spina, der die Bauern zum Landstand erhob, als Stand. Von der Standeserklärung in der Henleinbewegung erhofften sie sich die Rettung des kleinen Mannes. Die Wunder, die man erwartete, sind auS- gcblicben und es nützte nichts, daß Herr Stenzel voreilig die eigene Partei aufgab und sich Henlein an den Hals warf. Henlein ließ Herrn Stenzel mit seiner Partei undankbar vor der Türe stehen. Henlein ernannte selbstherrlich„die Führer" des Gewerbestandes, ohne sich darum zu kümmern, ob sie den Gewerbetreibenden genehm sind oder nicht. So wenig wie Herr Stenzel für die Gewerbetrei- benden leistete, so wenig leisteten die neuen Führer Henleins. Nachdem nun die Standeserklärung des Herrn Steimel den Gewerbetreibenden nichts nützte, begannen sie wieder die glorreiche Parteipolitik von anno dazumal. Ueberzeugt von.seiner ruhmreichen Tätigkeit lehnte Herr Stenzel bei der Neukonstituierung der Gewerbepartei die Wiederwahl zum Obmann ab. Doch übertrug man ihm die politische Geschäftsführung der Partei. Wohl selten hat eine Partei derartige extreme Wandlungen durchgemacht wie gerade diese Partei. Die Veränderungen in Wirt-, schäft und Politik sind an diesen Leuten spurlos vorübergegangen. Leute, die mit ihrem Denken in der Vergangenheit hängen bleiben, können keinen Weg in die Zukunst weisen. Mit der liberali- ftischen Wirtschaftsordnung ist auch der wirtschaftliche Individualismus am Ende. Da und dort fanden Gewerbetreibende einen Weg, der sich für sie gangbar erweist. Dieser Weg geht vom wirtschaftlichen Individualismus zum Kollektivismus, das heißt zur Gemeinschafts- arbeit. ,.. Sie.Rationalisierung, Mechanisierung und Automatisierung der Produktion bringt nicht nur den Arbeitern schweren Schaden in der Form der Arbeitslosigkeit, sondern sie bringt auch den kleinen selbständigen Existenzen ihre schwere wirtschaftliche Not. Die übergroße Mehrheit der kleinen Geschästsleute und Handwerker erkenne», daß die Arbeitslosigkeit auch ihnen das Brot entzieht, aber sie sind unfähig und nicht willens, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Die Kundschaft des kleinen Handwerkers und Geschäftsmannes ist in erster Linie der Arbeiter. Hieß cS einstmals„hat der Bauer Geld, so hat's die ganze Welt", so heißt es.heute„hat der Arbeiter Geld, so verdienen alle Geld". Selbständig Ertverbende, die zu dieser Erkenntnis gekommen sind, schließen sich der Arbeiterschaft an. Nur im Kampf mit der Arbeiterschaft um bessere wirtschaftliche Verhältnisse kann auch den kleinen selbständigen Existenzen geholfen werden. Vorbildliche Pflichterfüllung Das ganze reichgegliederte organisatorische Gebäude der sozialistischen Arbeiterbewegung ist auf die gewissenhafte Ersüllung freiwillig übernommener Pflichten durch zahllose, unbekannte Funktionäre gegründet. Sie und ihr Idealismus bilden di« Wurzeln unserer Kraft. Jede Mant» sestation, jedes große Fest, aber auch die stille, zermürbend« Arbeit im Alltag konsumieren diesen Idealismus und diese Pflichterfüllung bis zum Aeußersten. Wir sind dies gelvohnt, wir pflegen darüber nicht viele Worte zu mqchen und nehmen dies als etwas Selbstverständliches hin. Wenn wir doch darüber.einmal einige Zeilen schreiben, so deshalb, weil es in unserer Arbeiterbewegung eine Gruppe gibt, in welcher die Pflichterfüllung das übliche hohe Ausmaß— man möchte glauben, daß dies schön nicht mehr möglich ist— noch erheblich übersteigt. Das sind unsere tapferen Genossen von der Republika- nisch enWehr. Wo immer eine Veranstaltung eines Zweiges unserer Bewegung ist, unsere RW- Genossen sind'am Platze. Niemals aber sind sie nur Zuschauer fund selten nur stehen sie als Mit- wirkende im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses- Immer stehen sie im Dienst, immer ist es ihr« Ausgabe, durch Aufrechterhaltung der Ordnung einen flaglosen Ablauf der Veranstaltung zu sichern. So war es auch während der prächtigen Komotauer Tage. Unsere Republikanische Wehr war von der ersten Stunde des Festbeginns bis zu dessem leuchtenden AuSklang in Funktion. ES gab Genossen, die achtzebn bis zwanzig Stunden ununterbrochen auf den Beinen waren!- Es waren dies eoen- so-Arbeitslose, die sich.jede Krone, die das Fest auch von ihnen forderte, buchstäblich vom Munde «Bsparen mussten, wie Genossen, dik am Tag darauf wieder mit müden Knochen, aber' begeisterten Herzen an der Werkbank standen. Diese Leistung, für die unsere RW nie«inen.Dank beansprucht, Mur noch bis Samstag läuft die Zeicbnungsfrlst für die. Staatsverteidigungs- Anleihe! die sie mit schlichter Selbstverständlichkeit darbringt, zeugt von hoher sittlicher Reife, von wertvollster Erziehungsarbeit und von tief verwurzelter sozialistischer llebcrzengung. Aus solchem Holze waren noch immer die besten Kämpfer geschnitzt. Und wir wissen eS— und registrieren diese Ueberzeugung mit Stolz und Genugtuung —, daß sich die demokratische Republik und die sozialistische Arbeiterbewegung auf diese Männer in jeder Situation verlassen kann. Die sozialdemokratischen Lehrer. Im Anschlüsse an das AtuSbundeSfest versammelten sich am Montag um 19 lihr vormittags im Hotel Scherber in K o m o t a u die in der Feststadt anwesenden Mitglieder der„Reichsvereinigung deutscher soz.-dem. Lehrer in der Tschechoslowakischen Republik" zu einer Besprechung über aktuelle Fragen. An das ausführliche Referat des Genossen Fritsch(Tiirmih), welches sich mit den.' Ausgaben der sozialistischen Lehrer, der Im verflossenen Jahre geleisteten Arbeit und den nächsten Zielen befaßte, schloß sich eine rege Aussprache dec Erschienenen, deren Ergebnis in Forin konkreter Anträge der Geschäftslcitung zur Stellungnahme und Durchführung übermittelt wurde. Ein Genosse Bürgcrnicistcr von Pudla«. Die schon lange sällige Wahl des Bürgermeisters von Pudlau wurde plötzlich am Freitag, den 8. Juli, von der BezirkSbchörde für Samstag, den 4. Juli, einbcrufon. Schon lange vorher bemühten sich einige Parteien, die Wahl des Bürgermeisters beeinflussen zu können, Nichts Ivurde unterlassen, um die Wahl hinauszuschiebcn. Endlid) ist das Rätselraten vorüber. Als Bürgermeister würde Genosie Robert Zeman mit 17 Stimmen gewählt. Der von den tschechischen Parteien vorgeschlagcne Kandidat Ludwig Ploiica erhielt 18 Stimmen. Zum ersten Stellvertreter wurde Anton Preßfreund(tschechische Natioitale Bereinigung) im zweiten Wahlgang mit 13 Stimmen gewählt. Der tschechische Genosse Karl Florian erhielt 12 Stimmen, 5 Stimmzettel der Wahlgemeinschäft waren leer. Zum zweiten Stellvertreter wurde Leopold Ludwig(Deutschbürgerlicher) im zweiten Wahlgang mit 15 Stimmen gewählt. Der Pole Szymcczek Franz erhielt 14 Stimmen, eine Stimme war leer. In den Gcmeinderat entsendet unsere Partei nock) die Genossen Rudolf Titze und Robert Komanek. Prachatitzer DizcbUrgcrmcister aus der SdP ausgetreten. Der erste Vizebürgermeister von Prachatitz, Rechtsanwalt Dr. Reinhart L u m b e, welcher der Sudetendeutschen Partei angehörte, hat der Parteileitung seinen Austritt aus der SdP mitgetcilt. Gleichzeitig hat er sein A m t als Bürger m« iste rstellvertre- ter zurückgelegt. Gute Ergebnisse der Telephonaktion In Nordböhmen. Im Mai und teilweise im Juni wurde von der staatlichen Telephonverwaltung eine Propagandaaktion mit einer Ermäßigung der Jnftal- lationskosten um 59 Prozent durchgesührt. Sie erfaßte auch die nordböhmischen Gebiete, wo sie nach den bisherigen Feststellungen sehr gute Erfolge hatte. In Gablonz meldeten sich säst 299 neue Teilnehnter an, das sind 19 Prozent de« gegenwärtigen Abonnentenstandes. In A u s- s i g betrug die Steigerung 73(4.5 Prozent), in Asch 18(4 Prozent), in Eg er 29(3.5 Prozent), in Reichenberg 74(3 Prozent) und in Te p l i tz- S ch ö n a u 62(3 Prozent), in Karlsbad dagegen nur 24(das sind 1.5 Prozent) neue Telephonabonnenten. Diese Ergebnisse halten sich auf gleicher Höhe wie jene in den tschechischen Gebieten, wo in Pardubitz eine Zunahme um 19, in Königgrätz um 5, in Tabor um 5.5 und in Pilsen um 4 Prozent der Teilnehmer erzielt wurde. Ole Zahl der Penslonsverslcherten Im Steigen In der letzten Sitzung der BersiwltungSkom- miffion der allgemeinen Pensionsanstalt ivurde festgestellt, daß die Anstalt am 1. Juni 1936 389.791 Pflichtversicherte gegenüber 823.992 am selben Tage des Vorjahres hatte. Die a u f st e i- gends Tendenz in der Zahl der Versicherten dauert an, was sich namentlich in der Zahl jener Versicherten zeigt, die überhaupt zum« r st e n M a l e bei der Anstalt versichert werden. Im ersten Vierteljahr 1936 gab eS 11.987 solche Versicherte, die,größte Zahl innerhalb der letzten fünf Jahre. Das Akter dieser neueintretenden Versicherten, ist ständig im Kinken begriffen. Seite<£ Donnerst«», 0. Juli 1938 Nr. 188 Jftgmeuigfceiten „Das Leiden ist die Schmach der Welt** Die folgenden geile» bilden einen Auszug aus dem letzte»Brief Gorkijs an -2 o f ch i f ch e n k o und werden erstmalig deutsch veröffentlicht. Lieber Michail Michajlowitsch I Wie gut wäre eS, wenn Sie ein Buch über bas Leiden schreiben ivürden. Noch nie hat es jemand geivagt, das Leiden auszulachen,-daS Leiden, das für eine ganze Menge von Menschen den liebsten Beruf auswachte und innner noch ousmacht. Noch nie wurde jewand durch das Leiden angewidert. Geheiligt durch die Religion des„leidenden Gottes" hat das Leiden in der Geschichte die Nolle der ersten Geige gespielt. war das Leitmotiv, die Griwdmelodie des Lebens. Selbswerständlich wurde es durch ganz reale Ursachen soziologischen Charakters Hervorgernfen— das stimmt schon s Während aber die„einfachen Menschen" gegen das Joch des Leidens ankämpsten, und sei es nur dadurch, das; sie einander Leiden zu erdulden zwangen, oder dadurch, das; sie vom Leiden in die Einöden und Klöster und in fremde Länder flohen, haben die Prosa schrei, benden Literaten und die Gedichteschreiber das Leiden fixiert, seinen>„Universalismus" vertieft und verbreitert, unbeachtet der Tatsache, das; sogar dem„leidenden Gott" selber seine Leiden zum Ekel geivorden waren, und er flehte: ,Anter, last diesen Kelch an inir vorübergehen!" Das Leiden ist die Schinach der Welt, und man. mutz es hassen, um es zit vernichten. Die Skopzen haben ein Lied, das u. a. auch folgende Worte enthält: „Der Teufel hat Adam gelehrt, Damit die Mutter mich in Sünde und Schmerzen gebärt.. Aber in unseren Tagen werden die Geburten, dank der Bemühungen der Wissenschaft, schmerzlos! ■ Mit dieser Gegenüberstellung miiszte man denn auch das Buch voit der Bernichtttng des Leidens beginnen, und darauf himveisett, das; die Schriftsteller bis zum Ueberdruß apokryphe UlirchenliterMp üher hie angeblich, gottgefälligen. Großdulder gelesen'zu habens scheinen...... Die berufsmäßigen Leidträger auszulachen — das wäre eine gute Tat, lieber Michail Michajlowitsch. Den Menschen auszttlachen, der beim Umarmen der geliebten Frau sich mit einer Stecknadel den Finger verletzt und dttrch den von diesem Nadelstich verursachten Schmerz seine ganze Liebe vernichtet, oder den Menschen, den die mächtige Schönheit kaukasischer Berge so lange entzückte, bis er über einen Stein stolperte und den großen Zeh anstieß, worauf er die „häßliche Anhäufung ungeheuerer Steinmassen" verfluchte. Man müßte alle attölachen, die durch idiotischen Kleinkram und durch die Unbequemlich- leiten des eigenen Privatlebens feindlich gegen die Welt gestimmt werden. (Tculsch von Gregor Järcho.) Bon Schlangen getötet. Eilte fast unglaublich klingende Begebenheit, die mit dem Tode zweier Kinder endete, meldet der„Telegraf" ans Schildberg im Adlergebirge. Dort gingen zwei Schwester», Anna und Else Schildert, in den Wald, um Erdbeere» zu satnmeln. Plötzlich schrie die jüngere Else entsetzt ans: sie Ivar in ein Schlangennest getreten und ettvii 20.Schlangen griffen sie an. Ans die Hilferufe eilten andere Beerensammler herbei, doch traute sich keiner, dem Kind z» Hilfe zu kommen. Nur ihre Schwester wollte zu Hilfe eilen, wurde iedoch auch von den Schlangen gebissen und beide Schwestern erlagen de» giftigen Bissen. Als die Mutter der Kinder von dem Unglück erfuhr, soll sie der Schlag getroffen haben. Rache eines abgebanten Beamten. In Marsch a u tvurde MitNvoch nachmittags der Direktor- Stellvertreter der staatlichen Sozialversicherungsanstalt. Dr. Viktor Gosietvski beim Verlassen des Amtsgebäudes von einem abgebauten Beamten der Sozialversicherungsanstalt überfallen und durch sechs R e v o l v e r s ch ü s s e tödlich verletzt. Dr. Viktor Gosiewsti tvurde in hoffnungslosem Zustand ins Krankenhaus überführt. Der slowakische Pfeil ninunt den regulären Verkehr am 13. Juli auf. Die Versuchsfahrten mit dem neuen Motorwagen M 290.0, genannt der„slowakische Pfeil", sind bereits beendet und ab Montag tvird der Motorwagen den regelmäßigen Verkehr auf der Strecke Preßburg—Prag versehen. Der Fahrplan des diesbezüglichen Zugspaares(Nr. 175/176) ist in den Fahrplänen der Sta.atsbahiien angeführt. Der neue Zug besitzt nur zweite Klasse und jeder Reisende muß sich ausserdem mit einer Platzkarte.(5 UL) ausweisen.. Mililärballon im eisigen Gcwlucrslurm P r o s> n i b. Am Mittwoch nachmittags stieg ans dem hiesigen Flugplatz ein Militftrbnllon mit einer viergliedrigen Besatzung unter der Leitung der Oberleutnants I. Bychodil und Fr. D r t i n n zu einem UebnngSslng auf. Um 15 Uhr,»IS sich der Ballon in einer Höhe von 5800 Bieter befand, zog über der Gegend ein Gewitter, verbtmden mit Hngelfchlag auf. Infolge deS heftige» EIS st u r iit-c S, der in dieser Höhe tvütete, erstarrte» in kurzer Zeit der Besatzung die Hände, so das; sie nicht mehr die Leine betätigen mtd die normale Landung vornehmen konnte. In-I folgedessett st ii rz te der Ballon ab und wurde vernichtet. Oberlentnnnt Drtina erlitt schtvere innere Berletzttngen und wurde inS Divi- sionStrnnketihanS in Olmütz eingeliefert- Ober- lentnnn t Bvchodll wurde nm'Kopf verletzt und'erlitt Erfrierungen ay beiden Hände». Die weiteren Mitglieder der Besatzung habe» teilweise Erfrierungen an de» Hände» davongetragen,, Bon der Stärke deS HagelschlngeS zeugt der Umstand, das; an der UnglückSstelle die Hagelkörner die Getreidefrüchte zu 90 Prozent vernichtete» und die reihenden Wassermassen die Kartoffel und Rüben' aus dem Boden rissen und sie einige Meter weit fortführte». An der UnglückSstelle fand sich eine militärtechnische Kommission von der Militärfliegerschiile in Prostnitz ein, die aber wegen deS herrschenden Sturmes die Untersuchung nicht sofort aufnehmen konnte. Auto vom Zug zertrümmert. Dienstag um 1.0.35 Uhr fuhr der Personenzug Nr. 816 auf der Straßenüberguerung beim Kilometer 87 der Strecke Senftenberg—GeierSberg auf das Lastauto der Marie Pänkcvä ans Gabel an der Adler auf- Vier Personen ivurden verletzt, das Auto wurde zertrümmert. Blitzschläge töte» fünf Menschen. Bei einem heftigen Unwetter, das nm Dienstag über einem Teil'Hollands niederging,'find,'wie jetzt bekannt wird, fünf Personen durch Blitzschlag getötet worden. Die Sachschäden durch Blitzeinschlag wären bedeutend. Mehrere Bauernhöfe wurde» ein Raub der Flammen. Die Wassermassen haben besonders in Amsterdam schwere Schäden an der Straßendecke verursacht. An vielen Stellen versank das unterspülte Klinker-Pflaster, so daß kostspielige Jnstandsetznngsnrbeiten notwendig waren. Die Schlacht um die Palmen. Wie aus Kairo berichtet wird, kam es in Oberäghpten zu heftigen Auseinandersetzungen zivische» mehreren Dörfern über das Eigentum an ztvei Dattelpalmen. Ter Streit entbrannte ursprünglich zwischen zwei Fellachenfamilien. In; Verlaufe einer heftigen Auseinandersetzung ergriffen jedoch die beiden Dörfer der beiden Familien Partei, bis schließlich 200 Personen mit Prügeln, Messern und Feuerwaffen an dem Streit beteiligt waren. Die Polizei griff schließlich ein und trennte die Streitenden. Pier Fellachen lvnrden getötet und zwanzig scknver verwundet. Fünf Menschen verbrannt. Mitttvoch nachts brach in einem Bauernhaus in Montanara in der Nähe von Mantua ein Brand aus, dem ein im Obergeschoß schlafendes Ehepaar, ztvei Kinder im Alter von fünf mw drei Jahren und ein Knecht zum Opfer fielen. TnS LebenSwert GorMl'Vom Jahre 1893 bis -zum Jahre 1916 sind die gesannnelten Werke Maxim Gorkijs in 126 Ausgaben von insgesamt 799.880 Exeniplare» erschienen. In den Jahre» 1917 bis 193» wurden i» der Sowjetunion insgesamt 558 Ausgabe» der Werke Gorkijs niit einer Gesamtauflage von 80,907.100 Exeniplare» herausgebracht, davon 1130 Ausgabe» in den verschiedenen Sprachen der Völkerschasten der Sotvjetunion. Erhöhte Owldvrodnttio» in der SSSR.(S.) Die„Leningradskaja Pravda" vom 28. Juni enthält einen Bericht, demzufolge die Goldexzeugung in der SSSR. bereits am 27. Juni ihren.Halbjahresplan erfüllt hatte. Die Goldproduktion ist in diesem ersten Halbjahr um 25 Prozent höher als die der gleichen Periode des Vorjahres. Eine Gorki-Universität In Solvjetrnsiland. (2.) Das Zentrnl-Bollzugs-Komitee des Verbandes der SSSR hat, wie die„Leningradskan Pravda" vom 29. Juni meldet, bestimmt, daß die StaatSnniversität in Swerdlowsk den Namen A. M. Gvrli führt. Eigenartiges Duell,(j.) In Denver(Colorado, USA, lvo auch sonst?!) fochten zwei junge Männer eines Mädchens wegen ein eigengrtigeS Duell auS: sie. ließen, sich an ztvei Bäunie binden, daß jeder nur den rechten Arm frei hatte und droschen mit Knüppeln aufeinander so lange los, bis beide betvnßtloS Waren. Autobn» Prag—Klagenfurt. DaS Kärntner LandeSamt für Fremdenverkehr hat in diesen Tagen eine direkte Autobnsverblndung Klagenfurt—Prag eingerichtet. Fünfzig Häuser verbrannt. In der Gemeinde JeloZnik' bei Tetovo ist in Abwesenheit der Hausbewohner'die aus den Feldern arbeiteten, ein Brand anSgebrochen, der vo» 60 Gebäuden 50 in Asche legte. Den Brand verursachten mit Zündhölzchen und Stroh spielende Kinder. Die Midineiten und ihr?lpollo. In Deauville sand ei» männlicher Schönheitswettbewerb statt, bei dem 200 Modekünstlerinne», die unter Führung des Pariser Moderichters Monsieur de FoiiquiereS, dorthin gekommen waren, den schönsten Mann des Jahres wählen sollten. Sechs Feuerwehrleute, sechs Boxer, drei Ringer und einige andere junge Leute,, schön wie die Götter, stellte» sich-in der Pose des Diskuswerfers den Midinetten vor, die sich für einin Fenerwehrmann entschieden, lind so hat die Pariser Fenertvehr jetzt den Ruhm„Apollo 1986" in ihren Diensten zu haben. Der Mann, der nicht sterben konnte. Einer der bekanntesten südafrikanischen Großindustriellen, Sir Lionel Philipps, ist soeben im Silier von 81 Jahren gestorben. Er war in ganz Südafrika unter dem Namen„Der Mann, der nicht sterben konnte" bekannt. Er kam früh in die Kapkolonie, hatte a» unzähligen Kämpfen teilgenomme» und nicht einmal die leichteste Verwundung erlitten. Im Burenkrieg wurde er gefangen genomnien und sollte erschossen werden; er hörte ans seiner Zelle, wie sein Grab geschaufelt tvurde, aber im letzten Augenblick wurde er begnadigt. 1913 wurde ans ihn ein Attentat auk den Straßen Johannesburgs verübt. Drei Kugeln 'trafen feinen Körper, aber alle drei prallten an einem metallischen Gegenstand in seiner Rocktasche, zurück. Bei einem Bergwerksunglück riß das Sei» des Förderkorbs; Philipps stürzte mit drei Steigern über 100 Meter in die Tiefe. Die drei waren auf der Stelle tot, Philipps hatte nicht einmal Verstauchungen erlitten. Sein, ganzes Leben ist voll von solchen unwahrscheinlichen Errettungen vom Tode gewesen. Shakespeares Telephon.(mH) DaÄ neueste Gesellschaftsspiel in England veranstaltet man mit, Hilfe des zweibändigen TelephoybucheS. Es gilt möglichst viele historische Gestalten herausznfinden, deren Namen im neuen Telephonbuch der Weltstadt stehe». Man kommt da-zu de» komischsten'Entdeckungen: Oliver Cromwell und Nell Gwyn,.Henry Fielding und Oliver Goldsmith sind da vertreten, neben vie- „Girl Pat“ endgültig festgenommen<»’ Das erste Originalbild-von dem festgenominenen englischen Fischereiboot,„Girl'das. von seinem lsapitän mit fünf Mann' Besatzung! aus dem Heimäthnfeit-MriniSby epnführt' tvorden war. Nach aufregender Jagd wurde es vor''dem Häfejr Georgptowil"'!); Bri.tifch- Guinea von einen; englischen Negieryngsdainpser gekapert und, iii den Hafen gebracht.'Man', hat auch behauptet, es habe' sich mit Bvmbentransporten. üeschästigti, Rundfunkvortras Uber die Verteldlsungsanlelhe Der Gouverneur der Postsparkassg, Dr. Karl Trnpl, wird heute, de» 9. d., nm 19 llhr über alle tschechoslowakische» Sender.über, die StaatSverteidigungSanleihe sprechen. len anderen, sind wenn einer Lust hat, mit William Shakespeare persönlich zu sprechen, braucht er nur Whitehall 00816 anzurufen. Jubiläum deS Platins.(mH) ES ist jetzt gerade zlveihnndert Jahre her, daß ein Spanier namenS Antonio de la Torre, der ans Südamerika nach Haufe zurückkehrte, einen Klumpen Metall mttbrachte, der „silberähnlich" aussah. Man nannte dar neue Metall deshalb Platin,' d. h..„kleines Silber", aber hatte lange Zeit überhaupt keine Verwendung dafür. Es galt als Abfallprodukt bei der Goldgewümung und wurde weggeworfen. Später verwandte man es feines Glanzes wegen als dekoratives Material— das Pfund kostete ja Im 17. Jahrhundert nur eine» Preis, der heute etlva 80 XL entspricht. Die Sage, erzählt, daß es eine lebensgroße Statue eines spanischen Königs gebe, von der seit dem Jahre 1806 aber jede Spnr fehlt, obwohl Dutzende von Forschern nach ihr suchen, da man ja jetzt ihren wahren„Wert" kennt. Seine heutige Bedeutung gewann das Platin erst in neuerer Zeit. Es wurden phantastische Preise dafür bezahlt, doch heute hat auch das Platin sehr unter der Krise zu leiden. Es kostet heute nicht viel mehr als Gold. Sonderbares Baumaterial.(mH) Aus Berlin kommt die Nachricht, daß das Problem gelöst fei, Bausteine au» Müll zu fabrizieren. Experimente hätten die Haltbarkeit des Materials klar bewiesen, aber es scheint uns,, daß es trotz allem ein wenig— anrüchig Ist. Sympathischer berührt da-schon der Vorschlag eines englischen Architekten, Sojabohnen zu Bausteinen zu verwenden. Auch er behauptet, daß seine sozusagen Ziegelsteine dauerhaft und zweckentsprechend seien. Er begründet seine Experimente mit der rationalen Erwägung:„Wir können nicht die Erde unumschränkt der Stoffe berauben, die man zum Häuserba'n braucht. Deshalb müssen neue Hilfsmittel gefunden werden". Ein Trost für die Erdbewohner ist es daß es wohl noch geraume Zeit dauern wird, bis die Technik(von der„Zivilisation" zu schweigen) soweit fortgeschritten ist, um uns alle zwischen Mülloder Bohnemvänden unterzubringen. Der Tigon. Iw Londoner Zoologischen Marten werden zur Zeit systematisch Löwen und Tiger gekreuzt, um eine neue Tierrajse zu erzielen. Diese Bemühungen gehen auf datz Jahr 1921 zurück, wo im Londoner Zoo zum ersten Mal ein Bastard.von Löwe und Tiger geboren wurde. DaS Tier, daS den Namen„Tigon" erhielt, hatte den Körperbau und. den Kopf eines Tigers, dagegen daS Fell eine» Löwen. Es gelang, den Tigon volle zehn Jahre- am Leben zu erhalten, obwohl das Tier wie alle künstliche» Bastarde überzüchtet und äußerst nervös war. Fast die ganze Zeit Uber rannte der Tiger ruhelos m seinem Käfig umher, und konnte sich auch nicht an die Wärter gewöhnen. Als das Tier im Jahre 1931 einging, hatte man beschlossen, die Kreuzung wieder zu versuchen. Aber erst jetzt Ist eine Tigerin von einem Löwen schwanger, so. daß man hofft, alsbald einen neuen Tigon zu besitzen. Unwetter und Hagelschlag in Bulgarien. Da» getreidereiche Gebiet-Nordbulgariens in der Umgebung von Cerven Breg wurde dieser Tage von verheerenden Hagelschlägen heimgesucht. Die Hagelkörner lagen stellenweise 80 Zentimeter hoch. In Südbulgarien, namentlich in der Umgebung der Stadt Hermanli wütete ein heftiger Zyklon, der unter der Bevölkerung eine Panik hervorrief, da er die Dächer der Häuser forttrug, starke Bäume entwurzelte, Häuser zum Einsturz brachte, und sogar Menschen und Vieh mehrere Meter weit durch die Luft davontrug. Die Maritza ist au» ihren Usern getreten. Der. angerichtete Schaden ist sehr erheblich, besonders in den Gärten, wo vielfach die Bäume vollständig ihrer Blätter beraubt wurden. Veränderlich und kühler. An der Südseite eines Drucktiefs, dessen Kern Mittwoch nachmittags über der Nordsee lagerte, schreiten vom Atlantischen Ozean her gegen das Festland einzelne Störungen vor. Diese haben in Mitteleuropa westlich der Oder, im Böhmisch-mährischen Hügelland und in den Alpen zahlreiche Gewitter und leichte Abkühlung her-, vorgerufen. Die kühlere Witterung wird bei uns. noch.andauern und sich noch'weiter gegen Osten auSbreiien.— Wahrscheinliches Weiter Voß heute: Im Westen der. Republik veränderli ch, Neigung zu Gewittern ober^Schauern, weitere Abnahme der Temperatur, auffrischender Westwind. Im Osten Zunahme der BewölkungundNeigung zu'Gewittern oder Schauern, Abkühlung.— Wetteraussichten für Freitag:. Im ganzen noch^unbe- : ständig, Neigung, zu Gewittern oder Schauern, ! ziemlich warm.. ' Britisches Militärflugzeug in der libyschen Wüste verunglückt Kairo.• Bei Mersa Nätruh in der Libyschen Wüste'stürzte ein britisches Militärflligzeng mst einer dreizehngliedrigen' Besatzung ah. Sieben Personen wurden getötet; Die Übrigen wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Es handelt sich üm das.englische Bomben- jflugzeug„V a l e'Nst i a", das beim ,Länden haüt aufstietz und zertrümmerte. Die getöteten'Hnsässen' sind drei Offiziere, ein Sergeant lind, drei Flieger. Die Ursache des Unfalles ist unbekannt,,- Sir- 1S8 Donnerstag, I). Juli 1836 Leit« 5 Vor siebzig Jahren Waffe, Taktik und Strategie ein Menschenleben entscheiden würde.- Er zögerte nicht, er drückte die Hand aus die vergiftete Stelle— er rettete das Leben des anderen. Aber er verwirkte-sein eigenes Leben. Denn trotz'der sofort vorgenommenen Desinfektion; trotz aller Versuche, sich nachträglich zu schützen/, erkrankte nun Henry Philb.rick Nelson selbst. -Und nun beginnt der Kampf, der einen Monat lang dauern'sollte, der schweigende, heroische, verzweifelte Kampf eines Mannes um sein Leben— nein, der Kampf der besten, sorgsamsten, hingegebensten. Aerzte Englands mit dem eigenen. Tode.' ' Nicht das laute,,tönende Heldentum ist das wahichäft große. Aber der Heroismus, der mit offenen Augen in die Gefahr geht! um ändere zu retten öder der Wissenschaft zu dienen, der Herois- mus des Forschers und Aerztes: dieser Mut ist der bewundernswerteste-und diesen Mut besah Nelsons ,Er wüßte,geüau„'.s in-welcher Gefahr er schwebte,'. Er machte sich nichts vor, er beobachtet^ zugleichPattent.undSachverständiger.daS., Fort schreiten der Erkrankung, die Ausbreitung dxS Giftes. Er besah seine geschwollene, unbewegliche Hand ein letztes Mal, ehe sie ihm abgenommen wurde. Er lvarf einen Blick auf den Arm, als es sich zeigte, daß such er nicht mehr zu retten tvar. Er lag still da— und so lange man sie zu ihm ließ, saß seine junge Frau neben ihm. Nelson gab den Kampf nicht auf— und ganz England erfuhr auS den tägliche» Berichten-der Zeitungen in diesen Wochen von dem Leiden und der Ruhe des jungen Arztes. Die Professoren, die Kollegen aber'kämpste» um ihn Ivie um ihre Ehre. Medizinisch gesehen war der Fall fast hoffnungslos— aber niemand ist so geneigt, in solchen Fällen das Unmögliche zu erwarten und das Menschenmögliche zu tun wie ein Arzt. Als bekannt wurde, daß eine Bluttransfusion nötig sei, meldeten sich mehr als ein" halbes Hundert Menschen, um dem FÜnfunddreißigjähri- gen zu helfen. Aber die Transfusion chatte nicht das erhoffte Ergebnis. Sein Herz begann schwach zu werden, die Lunge wurde angegriffen,— aber Nelson blieb ganz klär und wollte leben- Er wurde fast zum Symbol- Ader während der'Kranke, den er gerettet hatte, wieder frei im Licht atmen durfte, verlöschte Nelson langsam, Er hat bis zum letzten Augenblick, bis zum Augenblick, seines Todes in der Nacht zum 25„ Juni, nicht geklagt Et hat, grauenhaft sicher, beobachtet, wie sein Leben ent» schwand, wie er langsam, zugrundeging- Er hielt bis zum letzten Augenblick die Hand seiner Frau in seiner gesunden Hand.— Es gibt Märtyrers die keine Kirche heilig spricht, sondern die das Leben und die Erinnerung, selbst heilige!,. Und' solch ein Mann"wär der Arzt Henry Philbrick Nelson',.. den England betrauert. M. C. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung ins Haus oder bet Bezug-durch di.'Post monatlich KL 16,—. vierteljährig KL 48.—, halliäbrto KL'96.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. 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