16. Jahrgang Freitag, 10. Juli 1936 Nr. 159 Einzelpreis 70 Heller (elnichlieSlich 5 Heller Porto) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME OES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova«. telefon atm. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR! DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Phönix-Sanierung: Kleine Polizzen voll anerkannt I Beschlüsse des Ministerrats Donnerstag fand die letzte Ministerrats- Sitzung vor den Ferien statt. Der Ministerrat beschloß u. a. die Ä u f h e b« n g dcrSank- t io ne» gegen Italien. . Die vom Innenminister vorgeschlagene Phönix. Notverordnung wurde genehmigt. Sie sieht die Schaffung eines neuen Institutes vor, an dem sämtliche anderen Gesellschaften und der Staat beteiligt sein werden. Jene werden 14, dieser 6 Millionen KS jährlich zur Deckung' des Defizits auf 30 Jähre beistenern. Die Angestellte» werden von der Neuen Gesellschaft übernommen. Die Polizzen bis zu 10.000 AL werden voll aaerkannt, bei de» höheren werden in einer bestimmten Abstufung Abzüge durchgeführt. Ferner genehmigte der Ministerrat die Verlängerung des Gctreide- m o n o p o l s bis 1040. Die MonatSzüschläge werden beseitigt, dagegen EinkanfSzuschlage eingeführt.(Weizen 18, Gerste 12, Roggen 8, Hafer 7 W.) Die Arbeitsvermittlung wurde ebenfalls genehmigt. Die Unternehmer sind verpflichtet, freie Posten zu melden, nicht gier die ihnen zugewiefenen Arbeitskräfte ein« züstellr». Auch die Syndizierung der Textil i n d n st r i e hat der Ministcrrat genehmigt. Im Syndikat werden^Unternehmer, Arbeiter und Konfumentru vertreten sein. Kurorte In höchster Plot Bin neuer Schlag Deutschlands gegen die Sudetendeutschen Di« deut sich«ReichSregierung hat de» Kredi t von 20 Millionen UL, den ihr die. tschechoslowakische Regierung zur Bereitstellung von Devisen sür den Knrbesnch reichsdeutscher Gäste in der LSR angeboten hat, a b• gelehnt. Obwohl unsere Regierung weiter verhandelt, ist durch die schroff« deutsche Haltung die Gefährdung der Kurorte und der vor alleni sudetendeutschen Arbeiter und Geschäftsleute, die von.dem Kurbetrieb leien, aufs höchste gestiegen. Kn Marien bad fand eine Kundgebung statt, bei der Bürgermeister Turba eine Katastrophe als unvermeidlich bezeichnete, wenn nicht in letzter Stunde Hilfe komme. Es scheint aber, daß Berlin j« d e A k t i o n für unsere Kurorts sabotiert. Zentralbankregeluns bis 30. September Prag. Wie das Tsch. P.-B. erfährt, ist in. Angelegenheit der Zentralbank der deutschen Sparkassen zu dirntervention der Minister Dr, Czech, Dr. Spina und Dr. Za j iL e k die'grundsätzliche Uebereinstimmung der beteiligteisi Regierungsfaktoren konstatiert worden, daß diese Frage definitiv vor Ablauf des Moratoriums, d. i. bis 30. September 1936, erledigt- werden wird..-.-/ Senat für Verstaatlichung Paris.(Tsch. P.-B.) Der WehrauSschuß der Kammer hat nach einer Erklärung des Ministers für Nationalverteidigung Daladier den RegirrungSenttvurf üier- die Verstaatlichung der K r i e g S i n d u st r i e einstimmig bei einigen Stimmenenthaltungen angenommen. Die Kam- wer wird den RegierungSentwurf in der kommenden Wochedutchbeiaten.. 's',-'.-.Havanna.Donnkrstäg-üm Mitternacht-teilte die Geheimpolizei mit, daß etwa- 60 Personen' wegen Tülnahme an einer--Vtrschwöruiig gegen Oberst Betista-verhaftet worden sind', ',-------..• Das Spiel um Oesterreich Hitler*Papen dicht am Ziel? Trotz österreichischer Dementis und der Reutermeldung über daS Scheitern der Verhandlungen hält sich insbesondere in der französischen Presie hartnäckig die Version, zwischen' Schuschnigg und Papen sei ein Abkommen über die Verständigung-Oesterreichs mit Hitler-Deutschland nahezu fertig. Manche Blätter leisten sich mit einem wahre» Galgenhumor den Witz, das Abkommen, das der Existenz eines selbständigen -Oesterreich ein Ende setzen soll, einen ModuS vi v e n d i(was ungefähr Form des Zusammenlebens bedeutet), obwohl für-Oesterreich in diesem Fall doch nur vom Sterben die Rede sein kann. Verhandelt wird zunächst über die 1000- Mark-Sperre und die Entsendung von 2300 Olympiakämpfern nach Berlin, die gegeneinander kompensiert werden sollen. Ferner will Hitler die „Unabhängigkeit" Oesterreichs garantieren, was österreichischerseitS mit dein Verzicht auf die Restauration, mit der Zulassung nationalsozialistischer Propaganda und der Aufnahme von Nazis in die Regierung z» bezahlen wäre. Daß die Gleichschaltung-Oesterreichs dann nur eine Frage von Monate» wäre, braucht kaum erst betont zu werden. Interessant oder besser gesagt grotesk und für die Kurzsichtigkeit einer gewissen Politik bezeichnend ist es, daß dieselben Kreise, die in den letzten Monaten alles getan haben, um Schuschnigg Hitler vor die Pistolenmündnng zu treibe» und H i f l e r d i e K a r t r-O e st erreich z u z u s Pi e l r n, nun knapp vor dem Gelinge» ihrer geistvolle» Selbstmordpolitik Bedenken bekomnien und zu erwägen beginnen, ob der nach denr„modus vivendi" kaum mehr'aufzuhaltende Anschluß Oesterreichs an Deutschland'nicht doch eine ernste Erschütte r u ng Mitteleuropas und des europäische» Gleichgewichts überhaupt wäre.— Italien, das Hitlers Hilfe augenblicklich noch braucht, soll bereit sein, Schuschnigg zu dem Abkommen und zu deut Verzicht auf die Restauration zu raten. Abessinien wieder aktuell Parisbezweifelt Italiens-vollen Sieg Paris,(tzavas.) Der Mordüberfall auf italienische Flieger in Abessinien beschäftigt- die Pariser Presse, die ihre große Ileberraschnng nicht verhehlt und bemerkt, daß manch einer der Leser dieser Nachrichten sich fragen wird, wie es eigentlich um die italienische Herrschaft in Abessinien bestellt ist. Der römische Korrespondent des ,Petit Parisien" teilt mit, daß an römischen amtlichen Stellen keine Einzelheiten über den Ueverfall auf die italienischen Flieger zu erlangen waren, trotzdem werde zugegeben, daß die Zahl der Opfer größer ist, als gestern angegeben wird. Der sozialistische„Populaire" sagt, daß die italienische Hegemonie inAbessinien noch unsicher sei, hauptsächlich in einem gewissen Teil des Landes. Das Gewerkschaftsorgan„Pouple" erklärt,. daß dieser Zwischenfall gerade zur rechten Zeit in Erinnerung gebracht habe, daß der Krieg in Abessinien noch nicht beendet sei und daß es viel-schwieriger sein werde, ihn in Abessinien als in Genf zu liquidieren. „L Oeuvre" meint, daß bei der Konferenz von Montreux die Nachricht von der Ermordung der italienischen Flieger eine gewisse Ueber- raschnng hervorgerufen hat. Ganz öffentlich wurde bemerkt, daß die politischeSitua» tion Italiens sich ständig verschlechtert, was nach den.Worten der Redak» triee des genannten französischen Linksblattes auch die Ansicht des französischen Außenministeriums sei. Italien sei isoliert, so daß man fragen kann, und gewisse hohe französische Stellen sich auch fragen, ob es von Nutzen sei, darauf zu drängen, daß Italien nach Brüssel(Locarno-Konferenz) gehe, wenn 400.000 Italiener in Abessinien festgehalten sind und Italien wahrscheinlich gezwungen sein wird, weitere 100.000 Soldaten als ! Verstärkung nach Abessinien zu entsenden. Frankreich am Vorabend einer Revolution? (Nu) Befindet sich Frankreich tatsächlich' auf dem Wege zur Revolution— mit dieser Frage hat sich der Mitarbeiter der bis.jetzt links eingestellten, nach glaubwürdigen Informationen des„Populaire" jedoch in der allerletzten Zeit unter'den Einfluß-des Comitö des ForgeS,.der allmächtigen Organisation' der französischen Schwerindustrie,- geratenen Tageszeitung„L a Rtpublique",— an den bekannten Politiker Berge ry gewandt, der bekanntlich die Idee der„Volksfront" in die Welt, gesetzt hat, heute jedoch mehr oder weniger isoliert dasteht. Die zweite großefranzösischeRevolu» tion werde'kommen, meinte Bergery, oder die' Nation sei verloren. Etwa Ende Juli werde das Programm der„Volksfront" voll und ganz verwirklicht-sein, Was dann? Alsdann werde das. Grundproblem austauchen: Unter.welchem Regime solleFr a nkreich von nun an leben? Unter dem jetzigen? Die Radikalsozialisten hoffen, daS jetzige Regime, aufrechterhalten-zu können. Bergery glaubt'jedoch nicht daran,-Bereits als Blum-zur Macht gelangte, sei däS N^ginie ernstlich.krank gewesen;-heute, nach -der Berwirklichüny'der,.' zweifellos vollkommeH gerechten, soziale». Reformen,.-'-'m ü f f e das g e g e n w ä r^t ige Regime' un-ve.r» weidlich z e r-fä l I'.e'-n.. Bergery glaubt nicht'daran,'daß die-Zukunft ausschließlich deist-, Proletariat- gehöre. Pli neue Gesellschaftsordnung werd«'durch-gemeinsame Bemühungen aller Klaffen geschaffen werden, mit Ausschluß natürlich, meint Bergery, der gegenwärtig herrschenden Klaffe, die ihre völlige Unfähigkeit erwiesen habe. Die kommende Revolution werde, nach Ansicht von Bergery, nicht unter fremden Einflüssen stehen, sie werde rein französisch sein. Bemerkenswert ist"die Tatsache, daß diese Meinung, daß Frankreich- am Vorabend einer Revolution oder sogar schon mitten in einer revolutionären Entwicklung stehe,-von vielen Presseorganen der verschiedensten Richtung geteilt wird. So schreibt der Pariser«P e t i t D l e u", der die Stimmungen des„Mannes-von d e r S t r a h e" gut wiedergibt: Allmählich beginnen die Menschen zu verstehen, daß wir uns bereits in der Epoche der Revolution befinden. Auch die katholische Zeitung„La Croix" spricht die Meinung aus, daß in -Frankreich eine Revolution begonnen habe, in der die Zeitung sogar Anzeichen einer Entwicklung zum„totalitären Staat" festzustellen sich bemüht. In diesem-Falle handelt es sich jedoch zweifellos um-eine-polemische Einstellung gegenüber der neuen Regierung. Aber auch das radikale --.iOeuvre" glaubt, daß.Frankreich heute ein Hohes Spiel treibe. Aüflbem'Spiele stehe das 'Schicksal- des heutigen- Regimes und?vielleicht, auch die Stellung des Landes, in der'Welt, ja, -wer weiß, sogar die Unabhängigkeit selbst. Dieses Spiel müsse, aber zu, Ende, gespielt werden, weil es kein Zurück gebe. Kommunale Mißwirtschaft I» den Nachkricgsjahren ist das Gesicht unserer Selbstverivaltung, unserer Gemeinden und Bezirke, völlig verändert worden. Durch de» Einzug der Sozialdemokratie in diese Vertretungskörperschaften ist eine soziale Gemeindewirtschaft begründet ivorden, der das Wohl und Wehe der wirtschaftlich schlvächercn Schichten der Bevölkerung oberste Richtschnur geworden ist. Es wäre in der Tat eine dankbare Aufgabe für einen Geschichtsschreiber darzustollcn, wie vielen Menschen,' Männern, Frauen und Kindern von den Gemeinden und Bezirken geholfen toorden ist, wie viele soziale Werke und Einrichtungen ins Leben gerufen wurden. Diese große soziale Arbeit, die ein Denkmal aufbauender sozialdemokratischer Politik ist, hat natürlich finanzieller Mittel bedurft und so hat das Bürgertum, das sich seit 1018 seiner Alleinherrschaft in Gemeinden und Bezirken beraubt sah, das Schlagtvort aufgebracht, die Sozialdemokraten hätten in den Gemeinden das Geld mit vollen Händeir hinausgctvorfen und sie seien schuld daran, daß die Gemeinden in die mißliche Lage von heute geraten sind, tvährend in Wirklichkeit das von einer Bürgerrcgicrung 1927 verwirklichte Finanzgesctz unsere Selbstverwaltung ruiniert hat. Wie aber Vertreter des Bürgertums in den Gemeinden tvirtschaften, lehrt ein Fall, der in der ersten Juliwoche die Gerichte beschäftigt und mit der Verurteilung deS DarkehenSvermittlerS' Triebe geendigt hat. Die Gerichtsverhandlung hat gezeigt, daß hier bürgerliche Gemeindever- treter bodenlos leichtsinnig gehandelt und damit die Selbstverwaltung schlver geschädigt haben. Die von bürgerlichen Bürgermeistern verwalteten Städte Tachau, Weipcrt und Joachimsthal haben sich im Verkehr mit Geldanstalten so benommen, wie cs Agenten an einer Winkelbörse tun. Der Fall Triebe ist für alle Gemeinden eine eindringliche Lehre, sich bei Darlehensgeschäfte» keines BerufSvormittlerS zu bedienen. Ucber Ge- nierndedarlehcn haben mit Geldanftalten lediglich Gomeindeorgane zu verhandeln. Die genannte»» Gemeinden habe»» nicht nur durch Triebe Wertpapiere kaufen und verkaufen lassen— wobei Tachau an 300.000 Kö daraufgczahlt hat— sondern der Schwindler von der Komotaucr „Hcimatscholle" tvar der bevollmächtigte Vertreter der Gemeinden bei den Verhandlungen wegen der Darlehen und— daS ist schon grotesk— beim Empfang der Darlehenssummeni Er hat sich das für Weipert bestimmte Geld el»»fach auszahlen lasse»» und hat dabei die Stadt um etwa vier Millionen geprellt. Daß eine Gemeinde einen Agenten für sich verhandeln läßt, ist zwar unstatthaft und sollte nicht geschehen, ist aber mit einem norinalen Verstand zu fassen, daß aber eine Gemeinde das Geld nicht an sich, sondern an den Agenten auszahlen läßt, ist— gelinde gesagt— eine Sauwirtschaft. Wozu haben den»» unsere Städte Rentämter, wenn sie nicht selbst ihre Geldgeschäfte abwickeln. Aber die genannten Gemeinden haben yiit den Vollmachten einfach hcrumge- worfen, obzwar sie überhaupt reine Vollmacht hätten ausstelle» müssen und sollen. Wäre-nicht der einfache Bergmann Brcnnich, der sozialdemo- kratische Vizebürgermeister vo>» Joachimsthal gewesen, der Herr Triebe hätte cs noch weiter getrieben. So schaut also die bürgerliche Wohlanständigkeit und Sparsamkeit aus, die uns Sozialdemokraten immer als Muster vorgehalten wird. Wenn die Bürgermeister der drei genannten Städte, die sich von dein Spitzbuhen haben hinein- legen lassen, Sozialdemokraten, gewesen. wären, die gesamte Provinzpresse häste von,dem Geschrei über sozialdemokratische Mißwirtschaft widerge- hallt. Da aber Vertreter bürgerlicher,Parteien die Gemeinde» In den. Abgrund geführt-haben',.wird darüber der Mantel christlicher Nächstenliebe gebreitet. Uin so mehr müssen wir auf den Unterschied zwischen einer sozialen Verwaltung, wie sie Sozialdemokraten betreiben, und einer bürgerlichen Gemeinderegierung Hinweisen, welche die Gemeindewirtschqft nach den Methoden von WIn- kelbankierS betreibt. Mit dem Schlagwort von „sozialdemokratischer Mißwirtschaft" in den Gemeindendürfen uns die bürgerlichen Parteien seit den» Fall Triehe-nicht kommen. Seite 2 Freitag. 10. Juli 1036 Nr. ISS Die Neuregelung der direkten Steuern R.W. Im Jahre 1927 stand das klassenbewusst« Bürgertum in der Tschechoslowalischen Republik auf dem Höhepunkt seiner Macht. ES hatte die Koalition aller tschechischen Parteien gesprengt, die deutschbürgerlichen Parteien seinem Herrschaftssystem eingegliedert und ging nun mit Feuereifer daran, den Staat nach seinen politischen Vorstellungen zü gestalten. Die wirtschaftliche Entwicklung kam ihm zu Hilfe. Die Nach- lriegStrise war eben überwunden, die Kurve der Konjunktur ging steil auswärts, Umsatz und Verbrauch wuchsen und die indirekte Steuerbelastung lieferte so der Staatskasse steigende Ucber- schüsse. So konnte der Bürgerblock daran gehen, einen der brennendsten Wünsche des kapitalistischen Bürgertums zu erfüllen: Er verwirklichte mit der Steuerreform des Jahres 1027 eine wesentliche Entlastung aller Besitzenden. Die Einkommensteuer tvurde herabgesetzt, zugleich aber durch den Lohnabzug ihre volle Eintreibung von den Arbeitern und Angestellten gesichert. Die Steuer der großen kapitalistischen Ge- seltschasten, die besondere Crwerbsteuer, wurde in ihrem Satz ermäßigt und zugleich i» ihrer Be- messnngsgrundlage geschmälert. Die Drosselung der autonomen Zuschläge brachte, uni den Preis des Verdorrens der Selbstverivaltung, weitere, noch beträchtlichere Steuererleichterungen für die Besitzenden. Das Gesetz über die Stabilisierungsbilanzen ermöglichte es den großen Aktiengesellschaften, die Auswertung ihres Vermögens mit der Anlegung riesiger Reserven zu verbinden, die der Besteuerung entgingen. Die erhofften Wirkungen für di« Gesamtwirtschaft blieben aus. Hatte die angeblich übermäßig« Steuerbelastung vor der Reform die Industrie nicht gehindert, auS der Krise in die Hochkonjunktur der Jahre 1027 bis 1020 überzugehen, so konnte die Steuerentlastung den Einbruch der neuen Krise nicht hemmen, nicht einmal mildern. Tie Mitarbeit der Sozialisten, die nach ihrem Wahlerfolge vom Jahr« 1020 wieder in die Regierungsmehrheit ausgenommen werden mussten, vermochte das Stenerunrecht deö Bitrgerblocks in manchen Punkten zu mildern:, Die besondere Erwerbsteuer wurde erhöht, die Tantiemensteuer verdoppelt, die Progression der Einkommensteuer, besonders in den hohen Stufen, wurde wesentlich verschärft, die Umlage- Stufen, wurde wesentlich verschärft, die Umlagendrosselung gelockert. Der verspätete Versuch, das Gesetz über die StabilisierungSbilanzen zu reformieren, blieb freilich ohne fühlbare Wirkung. Mit alledem konnte, inmitten der schweren Wirtschaftskrise.und der wachsenden Finanznot des Staates, ein grundlegender Umbau des Steuersystems nicht verwirklicht werden. Auch di« eben abgeschloffenen Verhandlungen über die Novelle zum Gesetz über di« direkten Steuern bedeuten einen solchen grundsätzlichen Umbau nicht. Dennoch ist das neue Gesetz über die direkten Steuern von großer Bedeutung. ES ist auch ein politischer Erfolg unseres Parlamentarismus. Die Regierung hatte im Jänner dieses Jahres die Steuernovelle nur zu dem Zwecke vorge- legt, um durch Anspannung einzelner Steuerver- pslichtungen den immer noch andauernden Notstand der Staatssinanzen zu mildern. Aber das Parlament nahm seine Aufgabe, die Regierungsvorlage gründlich zu prüfen und selbst Geist und Inhalt der Gesetzgebung zu bestimme», ernst. In langen Beratungen eines SubkomiteeS der Koa- litionlpärteien erfuhr der Regierungsentwurf eine gründliche Umarbeitung, die ihm ein ganz neues Gesicht gab. Diese Beratungen beschränkten sich nicht auf einige Verbesserungen der materiellen' Bestimmungen. Die parlamentarische Arbeit führte zu einer wichtigen Reform der Verfahrensbestimmungen, die auf der einen Seite für den Staat jjur raschen und sicheren Aufbringung des StPierertrageS führen, äuf der anderen Seit« die Rechtssicherheit für die Steuerpflichtigen erhöhen sollen. Das Parlament gab bei dieser Gelegenheit deutlich zu verstehen, wie es sich die Anwendung der Ermächtigungsgesetze» nicht vorstellt: Die Regierung hatte im Jänner eine Notverordnung erlaffen, durch welche nicht nur, was vernünftig ist, bei kleinen Steuerträgern die Vorschreibung der Steuer sür zwei Jahre auf Grund eines BekcnntniffeS. ermöglichen sollte, sondern durch welche die Regierung sich gleichzeitig selbst ermächtigte, im VerordnnngSwege weitere Vereinfachungen des Steuerverfahrens herbcizuführen. Das Parlament übernahm die vernünftige Regelung, setzte aber die unzulässige Ermächtigung außer Kraft. DaS Parlament unternahm auch den Versuch, in das Chaos der Steuervorschreibung Ordnung zu bringen. Darin liegt die Bedeutung der in der Oeffentlichleit wenig verstandenen Aendcrung des sogenannten Steuerjahres. Nach dem Steuergesetz vom Jahre 1027 hatte die Vorschreibung für ein bestimmtes Steuerjahr nach seinem Ablauf und auf Grund seines tatsächlichen Ergebnisse» zu erfolgen, gleichzeitig wurde aber die Vorauszahlung der Steuern in Vierteljahresraten vorgeschrieben. Geschäftsjahr und Steuerjahr deckten sich, aber die Borschreibung erfolgte im Nachhinein. Das führte dazu, daß die Steuerträger verpflichtet waren, die Steuern für da» laufende Jahr vorauszuzahlen, während sie noch nicht einmal ihr« Steuerschuldigkeit für das vergangene und manchmal selbst Pir da» vorangegangene Jahr kannten. So geriet, für den Steuerträger und für die Finanzverwaltung, die Evidenz von Steuerpflicht und Steuerleistung ganz in Unordnung. Die Folgen waren unvermeidliche Schikanen. Darum sieht, die Neuregelung vor, daß die Steuer, vom Jahre 1937 angefangen, für das laufende Jahr vorgeschrieben wird, wobei dann freilich das Erträgnis des unmittelbar vorangegangenen Jahres die BemeffungSgrundlage bilden muß. Dadurch soll, im Verein mit den Bestimmungen, welche die Steuerverwaltung zur Borschreibung der Steuer und zur Erledigung der Rekurse in Jahresfrist verpflichten, di« laufende Ausbringung der Steuern Erzielt/ da» neue An-! wachsen von Rückständen eingedämmt, zugleich aber für di« Steuerzahler die leichtere Uebersicht Uber ihre Verpflichtungen gesichert werden. Ueber- gangsbestimmnngen verhindern, daß au» dieser Aenderung de» Steuerjahre» eine Doppelbesteuerung erwächst. Jnsbcsonders werden die der Abzugssteuer unterliegenden' Personen durch die Aenderung überhaupt nicht berührt: Sie erfüllen durch die Abzüge de» Kalenderjahre» 1936 auch ihr« Steuerpflicht sür da» Steuerjahr 1087. So wird, nachdem bisher in der Regel die säumigen Steuerzahler an Amnestien und Steuerabschreibungen profitiert hatten, nun dem Grundsätze Rechnung getragen, daß vor allem der ehrliche und pünktliche Steuerzahler Rücksicht verdient. „Resultate der friedlichen Arbeit schlitzen** Gouverneur Trapl Uber die Verteidigung»* anlelhe In seiner Rundfunk-Red« am Donnerstag sagt« Minister a. D., Trapl,'u. a.: „Seit Entstehung de» Staate» wendet sich die Regierung zum ersten Mak« an dir Staatsbürger mit der Aufforderung, durch Zeichnung einer Staatsanleihe di« Mittel zur Stärkung der Staatsverteidigung zu gewähren. Bisher wurde der Gesamtauswand für das Heer im Rahmen der budgetären Wirtschaft deS Staates beschafft. Diese ordentlichen Ausgaben entsprachen der internationalen Lage in der Nachkriegszeit. ES zeigt sich jedoch, daß die Friedensgarantien insbesondere dann gestärkt werden, wennwirzurBerteidignng vorbereitet sein werden. Unser junger Staat erwie» schon unzählige Mal den gemeinsamen Willen der Bevölkerung zur friedlichen Arbeit und für die Sicherung der Bedingungen der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung. Die Möglichkeit der Erreichung dieses Zieles erblickt« er in der internationalen Zusammenarbeit und Solidarität aller, die von gleichem Willen und der gleichen Ueberzrugung.beseelt sind. Wir trachteten darnach, den Staat in die Reihen der Böller zu stellen, di« von der g l e i ch e n I d e e der Demokratie, deS wirtschaftlichen Wohlstandes, der sozialenGerechtig- keit und deS kulturellen Fortschritts geleitet sind. In diesem Wettstreit de« Böller haben wir ehrenvoll bestanden. Wenn wir nun zur Beeteidigung vorbereitet sein wollen, wollen wir nichts anderes, al» die Resultat« unsrrerfriedlichenAr. beit zu schützen. Wir wissen auch, daß wir dadurch daS Leben unserer Mitbürger, die Eri- stenz von Millionen von Familien und alles beschützen werden, waS wir in' unserer Heimat erreicht haben und waS unS in unserem Vaterland teuer ist." Kerem-Industrielle beharren auf Stillegung Enquete Im Handelsministerium Prag.(E.-B.) Am 9. Juli tagt« im Handelsministerium ein« Enquete, die sich mit den von den Porzellan-Industriellen beabsichtigten Betriebsstillegungen beschäftigte. An der En- yuete beteiligten sich di« Vertreter der Gewerl- schasten, de« Industriellen, des Fürsorge, und deS Handelsministeriums. Die Bertreter der Gewerk- schaften benützten die Gelegenheit, auf die unhalt- säte Situation in der Kcramindnstrte hinzuweisen und rascheste» Eingreifen der staatlichen Aemter zu verlangen. Die Vertreter der Ministerien sagten entsprechend« Maßnahmen zu und versprachen, mit den Verhandlungen über sie sofort zu beginnen. Die Bertreter der Gewerkschaften beantragten, daß di« Ansuchen um BetriebSstill- legungen vorläufig auf sechs Wochen ruhen sollen und daß während dieser Zeit all« mit den HilfS- maßnahmen sür dir Industrie zusammenhängenden Fragen gelöst werden solle«. Diesem Vorschlag stimmte» die Bertreter der Ministerien zu, doch wurde er von den Industrielle» strikt a i- gelehnt. Diese Haltung der Industriellen wird nicht nur den unmittelbar Betroffenen, sondern auch der ganzen Oeffentlichleit unverständlich bleiben, den» sie entbehrt einer stichhaltigen Begründung und ist geeignet, di« Unruhe unter den Porzellanarbeiten, noch mehr zu steigern. Bo» den Stillegungsanträgen sind vorläufig Nicht weniger al» 1400 Arbeiter Servhtt, mit den Fa- mtlienangehörigen handelt e» sich um 6000 bi» 7000 Menschen. Nunmehr haben da» Fürsorgeministerium und daS Handelsministerium In einem Zeitraum« von vierzehn Tagen über di« StillegungSanträge zu entscheiden. Vom Danziger Kriegsschauplatz Warschau. sHavaS.) Der Danziger Senat will, wie cs scheint, die Opposition endgültig vernichten. Er hat den Oppositionsführer» da» Waffentragen verboten. AuS Furcht vor Repressalien habe» einige Führer der Sozialisten und der Kommunisten Danzig verlassen. Sämtliche im Ausland« erscheinenden oppositionellen Blätter, auch die in deutscher Sprach« gedruckten, wurden beschlagnahmt. ES sind nur die nationalsozialistischen Blätter erhältlich. War sch a u.(PAT) Dee polnische Genc- rallommiffar ist beim Präsidenten de» Danzilier Senates vorstellig gelvorden und teilte ihm mit, daß die polnische Regierung«ine einseitige Revision des Danziger Statutes nicht zulaffen werde. Er machte auch den Präsidenten des Senates daraus aufmerksam, daß jedwede Tätigkeit, die den Rahmen der geltenden Abkommen überschreite und den polnischen Handel im Danziger Hafen bedrohe, polnischerseitS eine Reaktion Hervorrufen müsse. Präsident Greiser antwortete, Hatz der Senat der Freien Stadt Danzig keine AuSnahmSgesetze verkünden wolle und' daß seine Tätigkeit gegen die Opposition„nicht über den Rahmen der Danziger Verfassung hinauSgehen" werde. Warschau. sHavaS.) In Danzig wird der Besuch deö Schulschiffes„Deutschland"' der deutschen Kriegsmarine mit 500 Schülern der Marineschule erwartet. Bor der polnischen Küste bei der Halbinsel Hela manövriert eine deutsche Flottille, bestehend auS einem Torpedobootzerstörer, vier Unterseebooten und einige» Monitoren. Labourlstlscher Mißtrauensantrag London.(Reuter.) Im Unterhaus wurde Miitlvoch von dem Arbeiterpartciler Joienston ein Mißtrauensantrag gegen die Negierung eingebracht, der mit der ungenügenden Fürsorge der gegenwärtigen Regierung sür die Volksernährung motiviert wurde. ES kam zu einem scharfen Mei- mingsaustousch zwischen Arbeitcrparteilern und 'Mnsewätiökn. Der Antrag wurde pikt 8H0 gegen 180 Stimmen abgelehnt.'""" Audi Hoare hat es mit den Jahrhunderten I London. Im Unterhaus stellte Abgeordneter Mander die Frage, wann die Regierung beabsichtige,'die britische Flotte aus dem Mittelmeer zurückzuziehen. Hoare antwortete, es bestünde nicht die Absicht, die britische Flott« aus dem Mittelmeer zurückzuziehen. Auf eine weitere Anfrage hin erklärte Hoare, er könne dem Abgeordneten versichern, daß die britische Flotte wahrscheinlich aus weitere drei Jahrhunderte im Mil- telmeer bleiben werde. 82 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration —Von Robert Grötzich Copyright by Eugen Praser-Verlac. Bratislava. Josef, das ist der Neue. Vor ein paar Tagen kam er an. Ein junger Mensch, kaum zwanzig, schlecht genährt, schlank, mit einer Beule an der Stirn. Vor einigen Wochen erst entfloh er auS dem Konzentrationslager, nachts, mit einem Motorrad, das draußen aus ihn wartete. Ganz allmählich taut Josef auf und redet gern davon, wie man die große Schande eine» TageS rächen wird. Bei der Arbeit drüben am Hang sehen die anderen immer zwei große Narben auf JosesS nacktem Rücken. Rot leuchten sie durch daS Braun der Haut und machen die Burschen stumm. Abends teilt ihm Gusti die besten Happen zu, damit endlich etwa» Fleisch über die Rippen kommt., „Wißt ihr, waS ich täte?" hört Justus einen der Zwillinge. Und nun beginnt e» wieder, das bekannte Spiel: Was täten wir, wenn drüben die Barbarei in Klump geschlagen würde! Alle ergehen sich in grimmigen Rachebildern, schwelgen in Vergeltungsträumen. Selbst Schwarzer, der ewig Schweigsame, wird munter;„Foltern? Ne«... Aber ein paar Schinder morden, das könnt ich heute... Früher konnte ich so was »ich..." Justus starrt durchs Fenster in den hellen Abend. EvaS mahnende» Gesicht verschwimmt vor ihm.„Hören Sie, Justus, das sind di« ehemalige» Soldaten der Humanität...„Justus drückt einen Bleistift zwischen den Fingern. Um den Mund mit dem grauen Stutzbart gräbt sich ein harter Zug. Wenn er reden wollte, müßte er sagen: Bestialisches Gewürm zertreten, kalt und ohne z» zittern— da» könnte ich heute auch. Früher macht ich keine Fliege töten... Etwa» ist von uns gewichen, da» unzerstörbar schien, vielleicht da» Beste unserer Seele. Dafür hatte diese Zeit keinen Sinn... Traurig, jawohl... Aber es wird wieder kommen, muß wieder kommen, in unseren Kindtrn, leuchtender und schöner. Es gibt keine Kraft, die nicht weiter wirst, es gibt nichts Großes, da» verloren geht... Unten ist Gusti zu der Gruppe getreten. „Ach, hört auf mit dem blutigen Gerede. Macht euch nicht schlechter, als ihr seid.. Josef, der Neue, senkt murrend den Blick. Sie sieht durch den fahlen Mondschein da» schmale, helle Gesicht, denkt an den Kleinen und fragt:„Wo mögen die beiden jetzt wandern? Wo mögen sie schlafen?" Keiner antwortet und Gusti zählt die Sterne am Himmel, so einsam fühlt sie sich. XII. Kapitel Im Hochsommer durch Mazedonien zu wandern, da» ist für Leut« aus dem Norden eine heiße Sache. Verbrannt und zerdörrt ergibt sich die Erde der unbarmherzigen Sonne, wolkenlos spannt der Himmel seinen bleiernen Bögen über das dürstende Land, auf den Straßen lagert eine helle Staubschicht. In den riesigen Disteln am Wegrande hängt der weiße Staub und färbt die Pflanzen hellgrau. Die Bauern flehen den Himmel um Wasser an, die Brunnen sind erschöpft — wohl dem, der nahe an einem Flusse wohnt — wohl ihm, wenn der Fluß nicht versiegt, ist. Durch diese verbrannte Landschaft zogen Mose» und der Kleine. Bis Budapest wurden sie von einem Auto mitgenommen. Dann mit der Eisenbahn zur jugoslawischen Grenze. Nacht» in» Serbische hinüber- im Mondlicht Wer die Save setzend. Dem Kleinen fehlte da» Visum dieses Lander, weil da» Zertifikat von Palästina äus- blieb. Mit der Bahn weiter durchs Serbische, gen Mazedonien. Und nun laufen, denn das Geld wurde dünn. In zehn Tagen wollten sie über der griechischen Grenze drüben sein. Hellgrau zieht die Straße zwischen Feldern dahin. Das Getreide ist schon gehauen.' Nur der Mai» steht noch hoch, mit hellen Kolben. Gelb und müde hängen die Spitzen seiner Blätter. Im Osten zackt der Rücken der Schar Planina un- term bleigrauen Himmel dahin. Das sind die Bastionen, hinter die sich ehedem mazedonische Komitadfchi flüchteten, wenn ihnen türkische Gendarmerie auf den Fersen war. Dort hausen noch Bären und Wölfe. Der Kleine zieht den Rucksack hoch, wischt den Schweiß unterm Hemd hervor. Seit drei Tagen haben sie nichts anderes gegessen, al» saure Milch mit Maisbrot. Gastfrei sind diese Bauern, gastfrei und arck. Büffel liegen auf verbrannten Wiesen und kauen mit geschlossenen Augen. Im Schatten zweirädriger Karren hocken Frauen. Bunte Kopftücher, rote Schürzen, nackte Beine. Di« Straße läuft über eine Bergwelle hinweg. Weit drunten in der Ebene stechen die Minaretteiner Stadt i» die sonnenheiße Luft. Nirgend» ein Wald. Vereinsamt« Pappeln am Wege. Mose» und der Kleine schauen in die wolkenlose Wett«. Auf ihren Wimpern liegt Staub, Beide denke» da» gleich«: di«'deutschen Wälder, die grünen, schattigen deutschen Wälder, mit den dicken Blättern, den hohen, schirmenden Nadelbäumen. Die Sonne hing schon tief im Westen, in der Mulde zweier Bergkuppen.„Wenn ull» was mit deinem Paß passieren sollte—> wie ist die Parole?" fragt MofeS.„Saloniki",, sagt der.Kleine. Die Rucksäcke druckten auf. den'schwitzenden Rüsten.«Hier laßt und rasten", sagte Mose»..Sie warfen sich am Rande eines Maisfeldes nieder. Hinter ihnen rauschte der Wind durch die hohen Stengel wie durch hundert Harfen. Etwas hergab leuchteten die hellen Häuser eine» mazedonischen Ortes, türkische Dächer mit gewellten Ziegelm Die Kuppeln der Moschee» wölbten sich Uber, die Dächer hinweg. Moritz schnitt mit der Hand durch die Luft, Richtung über die Berge im Süden. „Über den Buckel himveg geht der Pfad nach Saloniki, dann ein Stück Meer, dann da» Land meiner Väter." Mit einem Kopsruck warf er eine Strähne seines dunklen Haars nach hinten. . An jenem Abend verschwand die Solln« ohne Aufhebens. Sie war plötzlich weg, in der Luft blieb ein blaues Leuchten, der Tag zog nur ein dunkleres Kleid an. Die Sterne saßen ganz hoch oben wie auf einem Sammetkiffen. Der Kleine dachte an das böhmische Emigrantenheim. Dort wurden um diese Stunde vielleicht Suppen ausgetcilt. Und dann vielleicht Kartoffelpuffer. Niemand machte st« so knusprig wie Gusti.,,: Ja GustiI Konnte eigentlich die Tochter seiner Mutter sein... Crnst's kleine- spitzes Gesicht hing-verträumt auf den hochgezogenen Knien... Wenn man nur erst Über die griechische Grenze wäre,.denn im Paß fehlt« auch da» griechische Visum.. Ein Esel trabt«, vorüber. In seinem Sattel hockt«: ein Bauer in weißer Lammwolljacke, roten TuchzÜrtel über der Hofe. Di« Frau lief barfuß nebenher, Moritz erhob sich; sie hingen die Rucksäcke auf die Schultern. Der Wind spielte sanst um ihre Stirnen. Bei jedem Schritt wirbelt« die dicke Staubschicht des Wege» empor, bedrängt« die Kehle. Kein Wasser im Rucksack mehr. Pappeln trauerten lang und stumm a» der Straße dahin. . In der mazedonischen Stadt flammten nur wenige Lichter.. Die Dächer schienen, zwischen Himmel und Erde zu- schwimmen. An der Landstraße schimmerte eine Lampe matt, in dem Abend. Schenke mit Garten. Drei mächtige Kastanienbäume. An der Taxushecke hißten zwei alte Türken, bärtig, stuinm, aus langen Pfeifen rauchend/ Man sah ab und zu den Tabak ausglühen und das Weiß der hohen Turbane. In der Mitte d« Garten»,, an rundem, wackligem.Tisch, sahen junge Männer in europäischer Tracht Sporthemden. r' /... (Fortsetzung folgte'' 7* Nr. 159 Freitan, 10. Juli 198« Seite 8 Sudetendeutscher Zettspieeel Bund der Deutschen alt Vorspann der SdP Das MHhr.-Sditinberger Bundesfest Der»Bund der Deutschen" hielt am vergangenen Sonntag sein Bundesfest in Mährisch- Gchönberg ab. Nach den Berichten der„Zeit" und aller mit ihr gleichgeschalteten Blätter hätten sich hunderttausend Menschen an diesem Fest beteiligt, .wqhrend Blätter, bei denen einigermaßen Objektivität vorausgesetzt werden kann, nur von fünfzigtausend Teilnehmern die Rede ist; aber auch dies so, daß die Wahrheit keinesfalls in der Mitte, sondern unter den 50.000 liegen dürfte. Doch nicht das ist das Wesentliche. Politisch bemerkenswert ist vielmehr die Tatsache, daß sämtliche Berichte zu erkennen geben, in welchem hohen Maße dieser Fest des BdD. zu einer P a r t e I d e m o n- stration der SdP. benützt oder mißbraucht wurde. Herr Henlein ließ sich dort feiern und die „Feit", der man in Mährlsch-Schönberg mit einem Riesenplakat Reklame für sich zu machen erlaubte, brachte begeisterte Artikel über das Auftreten des „Führers" während der Kundgebung. Henlein marschierte mit den Männern der SdP-Haupt« leitung im Festzug und trat dann mit ihnen aus dem Zug auf einen freien Platz, um die M a s s e n defilieren zu lassen. Die„Deutsche Presse" schreibt, daß das Fest wie„eine geschickt organisierte Demonstration der SdP." wirkte und die„Deutsche Landpost" unterstreicht das, indem sie feststellt, daß die SdP.-Bertreter bei der Festversammlung sich die beiden vorderen Sesselreihen reservieren liehen, „was einigen Unmut erregte". Wir haben bereits verzeichnet, daß Henlein bei der Studentenversammlung während der Mährisch-Schönberger — eine Parade Henleins Tage dem SdP.-Senator Greger das Reden ve r b o t— eine Maßnahme, die auch Innerhalb der SdP. schars kritisiert worden sei und die doch erst recht beweist, daß Herr Henlein sich als Herr des Bundesfeste» fühlte. Sowohl die Ländbündler als auch die Christ- lichsozialen sind mehr als verschnupft darüber, daß der BdD. sich zur„politischen Staffa- g e" für die SdP. hergibt und übrigens begräbt auch die„Prager Presse" In einem Bericht über Mährlsch-Schönberg das„Märchen" vom„unpolitischen" BdD. All dies ist.umso bemerkenswerter, al» doch erst vor kurzem die Führer des BdD. einevielbesvrochene Audienz beim Präsi- d e n t e n der Republik angesucht und auch erhalten hatten, der den Herren bei dieser Gelegenheit durch die Blume einiges über Demokratie und Humanität so sagte, daß kein SdP.- Mann es sich hinter den Spiegel stecken wird. Und nun also gehen diese Herren hin, veranstalten in Mährlsch-Schönberg,>das doch übrigens Sih der SdP.-LandeSzentral« für Mähren ist, eine große Kundgebung, in der Henlein und die Seinen sich al» die alleinigen politischen Vertreter des Sudetendeutschtums ausspielen und in den Bordergrund drängen dürfen? Nun, wir lieben klare Verhältnisse und sind deshalb nicht böse darüber, daß der BdD. sich also als eine Art Domäne der SdP. offen enthüllte. Damit ist eine politische Tatsache gesetzt, aus der bei geeigneter Gelegenheit zweifellos gewisse Konsequenzen sich ergeben werden. SdP-Terror In Saaz JnderSaazerBezirkSvertre- tung haben die Henleinleute ihr Zustimmung zur Erhöhung der Bezirksumlagen von der Erfüllung folgender unerhörter Forderungen abhängig gemacht: 1. Der Entlassung von 7 Straßenwär- tern und von der Besetzung der freigewordenen Stellen mit SdP-Anhängern und 2. davon, daß bei produktiver Arbeitslosenfürsorge die Einstellung der Arbeiter nach dem nationalen und Parteienschlüssel erfolge. Als» nicht mehr di« fachlich» Eignung, nicht die soziale Bedürftigkeit und auch nicht die Lluifli- fikation, sondern ausschließlich die Mitgliedsbücher der Heuleinpartei sollen maßgebend sein. Die SdP versucht auf diese Weise die Ihr von der Oeffentlichkeit übertragenen Funktionen für Parteizwecke ärgsten» zu mißbrauchen. Wie ist das, so fragt sich die Arbeiterschaft entsetzt, in einem demokratischen Staate möglich? Erinnert das Vorgehen der Henleinfraltion in der Saazer Bezirksvertretung nicht an Geschehnisse jenseits der Grenzen? Spielen für freigewählte Vertreter öffentliche Interessen und das Schicksal der Selbstverwaltungskörper überhaupt kein» Rolle mehr? Die SdP will in die Kommunalpolitik eine Moral bringen, die In der Nachkriegsperiode durch die umsichtige und opfervolle Arbeit von Sozialisten ausgeschieden wurde. Die SdP stellt di: Interessen-des Bezirkes und der Selbstverwaltung hinter die Interessen ihrer Parteiangehörigen zu, rück. Der Bezirk Saaz soll terrorisiert und gezwungen werden, sich dem Diktat der Henleinpar- tet zu unterordnen. Dar, was hier gefordert wird, ist beispiellos in der Geschichte unserer Selbstverwaltungskörper. Daß unter diesen Umständen an eine Beschlußfassung nicht zu denken war, ist selbstver- ständlich., Neuer Grubenunfall Im BrUxer Revier Brüx. Ein tödlicher Grubenunfall ereignet» sich ipr„Julius.HI."-Schacht in«»Pitz. Dir 84 Jähr» alt» Bergarbeiter Josef Storek war in d»r Abbaulammer gerade mit dem Ausladen von Köhl» beschäftigt, als sich Plötzlich von der Decke eine Kohlenmasse im Gewichte von etwa zehn Meterzentner liste und au» einer Höhe von ungefähr fünf Meter auf ihn herabftürzte. Storek erlitt-derart-schwer» Verletzungen, daß er bald dar- auf' starb. Der Bergmann hinterläßt«ine Gattin und einen 12jährigen«nabe». eine Grube wird behördlich eingestellt und arbeitet trotzdem weiter Wu sich du TepUtzer Revierbergamt alles gefallen läßt? Auf der Grube„Colonia" in.Drakowa bei Teplitz besteben«ihnliche Zustände wie auf der Grube„Prokop".in Sobortem Die Grube hat ckensall» nur einen AüSgang und ist sthr, gefährlich. Das Revieübergamt in Teplitz-Schönau Hai daher schon vor vielen Monaten angeürdnet, daß dir Besitzer Erich Schneider, ein Wurstwqren- händler aus Teplitz-Schänau. eiiien zweiten ÄuS- gang zu errichten und Außerdem eine Kaution von 20.000 KL zu erlegen hat. Das zu tun fiel aber dem Grubenbesitzer nicht ein, weshalb das Revierbergamt die Grube bereits mit 1. April dieses Jahres einstellte. Der Herr Schneider jedoch kümmert sich darum nicht, und läßt, trotz des bergbehördlichen Verbotes ruhig Weiterarbeiten, freilich nur in der Nacht. Gegenwärtig sind auf der Grube„Colonia" fünf Mann beschäftigt, davon zwei Häuer und drei Rcgicarbciter. Sie arbeiten nur nachts und verdienen als Häuer 80 KL und als Regiearbeiter 20 KL pro Schicht, ohne Zulagen und Deputatkohlc. Da die Grube sehr gefährlich ist, ist e» leicht möglich, daß die Belegschaft eines Tages durch eine Katastrophe ums Leben' 'kbMMt?'ES'wicd deshalb'nöiwendig'sein,'. daß7die Bergbehörde in Teplih bei dem Grubenbesitzer die entsprechend« Respektierung ihrer Anordnung durchsetzt und für die Sicherheit der Grubenverhältnisse Sorge trägt. Sie darf nicht mehr länger zusehen, daß unter diesen schlimmen Zuständen auf der Grube„Colonia" weiter gearbeitet wird. Sie würde sich sonst im Fall« einer Katastrophe mitschuldig machen. ermordet Aussig. Der aus Königswald stammende Kaufmann Josef Mache, der vor sechs Wochen auf der Straße Arbesau—Königswald überfallen und schtver verletzt worden ist, ist im Ma« saryk-Kranlenhaus in Aussig nunmehr seinen Verletzungen erlegen. Die Nachforschungen nach den Tätern blieben bisher ergebnislos. Totschlag und Selbstmordversuch wegen einiger Heidelbeeren. Der 28jährige R. M a c u r a mit seiner Gattin wollte am Montag auf dem Waldgrunde seine» Schwiegervaters bei Ober- Zukau(Ostschlesien) Heidelbeeren pflücken. AIS beide an eineStelle kamen, wo cs sonst immer viel Heidelbeeren gibt, bemerkten sie bereits vier Personen, die Beeren pflückten. Weil Macurä die Leute aufforderte, den Platz zu verlassen, kam. eS zu einem erregten Wortwechsel, der sogar in eine Rauferei ausartete. Die Beerenpflücker bearbeiteten Macura mir ihren Stöcken und schlugen ihn zu Boden. Ein Hieb traf ihm über dem rechten Auge, zertrümmerte de» Schläsenknochen und der Mann sank bewußtlos zu Boden. Kurz darauf starb er. Die Gattiw Macuras war so verzweifelt, daß sie in die Hütt« Ihres Vaters lief, ein Küchenmrffer holte und«S sich in die Brust stieß: In der Aufregung entkamen die vier Uebel- täter, konnten indes später von der Gendarmerie ausgeforscht und verhaftet werden. Die schwerverletzte Frau wurde in daS Krankenhaus in Tschechisch-Teschen gebracht. Ihre Verletzung wird als lebensgefährlich bezeichnet.- Henlein»„Weckruf" eingegangen! Vergangene Woche erschien der„Weckruf, Kampsblatt der SdP im Kreise X(Znäim)" nicht mchrl Zur Begründung würde'in einer Notiz den„Kameraden"- mitgeteilt:„Infolge technischer. Und juristischer Gegebenheiten erscheinen die KreiSnachrichten des Wahlkreises X». vorläufig unter dem Titel der .Front'," Wie uns Kenner der Verhältnisse Mitteilen, find die technischen und juristischen Gegebenheiten. in dem ftefem Leserschwund zu suchen,; welcher auf die finanzielle Gebarung derartigen Einfluß hatte, daß man sich, um überhaupt noch ein parteiamtliches. Mitteilungsorgan zu habend zu diesem Schritte entschließen mußte. Man kann 'wirllich sagen:„Fallen' sah ich Blatt auf Blatt"! Der WarnungsschuB von Genf; Ein Sterbender klagt an Stefan Lux über die Genfer Verantwortlichen: „grauenhaft Impotent, grauenhaft vorsichtig.. .. und apathisch" Der Emigrant S te f a n Lux, der sich zwei Tage vor dem dramatischen Auftritt des Hitlerschen Sendboten Greiser, von dem er noch nichts ahnen konnte, in Genf wahrend der Völ- kerbundsitzung erschossen hat, ist nicht einfach, wie man zunächst annahm, aus Not und Verzweiflung über sein Emigrantenlos in den Tod gegangen. Seine Abschiedsbriefe beweisen, daß er gestorben ist, um für eine Sache zu demonstrieren, die weit mehr ist als die der vertriebenen Deutschen und Juden, die heute die Sache aller frieden sw illigen Mensch e n i n E u r o p a ist. Stefan Lux hat sich zu sterben entschlossen, weil er die, wie er sagt, grauenhast apathische Stimmung der Genfer Führer gegenüber dem zielbewnßte» Vorgehen des Berliner„Führers" nicht mitansehen wollte, weil er glaubte, durch seinen Tod, durch einen„Eklat", die Leisetreter ausscheuchen, die Gesundbeter in Schtvung bringen zu können. Der Prager Arzt Dr. Artur Heller gehört zu den wenigen Menschen, an die Lux — abgesehen von den Staatsmännern, an die er sich gewandt hat— Abschiedsbriese geschrieben hat. Herr Dr. Heller hat uns den an ihn gerichteten Brief, dessen Sinn es ja Ist, weitere Kreise auf den Fall Lux und seine Hintergründe aufmerksam zu machen, zur Verfügung gestellt. Unter Weglassung von zwei Stellen, in denen cs sich um rein private Anniec- kungen des nunmehr Toten handelt, drucken wir den Brief wörtlich ab, in der Ucbcrzeugung, daß eS sich ebenso um ein menschlich tief erschütterndes Dokument dieser Zeit handelt, wie um eine unerhört bedeutungsvolle politische Kundgebung. Der Brief lautet: Stefan Lute zZt. Geneve, den 2. Juli 1986 2. rue Thalberg(Pens. Elisabeth) Lieber Doelor Heller, ich komme zu Ihnen, wie man zu einem Freunde kommt und zu einem Menschen. Ob ich Sie Freund nennen darf, weiß ich nicht genau, daß Sie ein Mensch und ein ganzer. Kerl sind, das weiß ich. Wenn Sie diesen Brief erhalten, da dürfte ich es schon überstanden haben. Das heißt, ich spiele das Praevenireund warte die f f. deut s ohar i- 8 ehe n Gasgranaten nicht erst ab. Aber ich muß Sie doch wohl etwas deutlicher informieren, denn ich habe eine Bitte an Sie, eine große, herzliche und dringende Bitte. Und da diese Bitte in die Kategorie jener mit Recht so berühmten„Letzten Bitten" gehört, so hoffe ich, daß Sie sie auch erfüllen werden. Ich bin in dem seltsamen Zustand eines Menschen, der seit 2 4 Stunden bewußt und überlegt seinen Abgang vorbereitet, seine letzten Dispositionen trifft, seine letzten Briefe schreibt. Da werden Sie es wohl verstehen, lieber Doc- tor, daß ich mit meinen Nerven ziemlich fertig bin und mich kurz fassen möchte. Also hören Sie: ich bin nach Paris und Genf gefahren, um eine bestimmte Action zu unternehmen, von der ich mir eine wesentliche Schwächung des Dritten Reiches versprach. Meine Action ist zunächst an Mangel an genügend fundiertem Material gescheitert, dann aber und vor allem an der grauenhaft impotenten, grauenhaft vorsichtigen und wohltemperierten, apathische n Atmosphäre hier'in Genf. Von hier ist nichts zu erwarten, auch mit dem allerstärksten Material nicht. ... Da habe ich, umdisponieri. Ich werde in der nächsten Vollversammlung des Völkerbundes einen großen Eclat hervorrufen, indem ich mich während der Sitzung erschieße. Entsprechend verstärkende Begleitumstände, Briefe an maßgebende Persönlichkeiten, an einige Weltblätter, sind vorbereitet. Vielleicht gelingt es durch dieses etwas abrupte Vorgehen einen C hock in dieser Gespenstergesellschaft hervorzurufen und die öffentliche Meinung in England, die so ungeheuer wichtig ist, zu beeinflussen.. Dies ist der Tatbestand. Ob mein Plan gelingt, weiß ich nicht. Vor allem auch nicht, ob mich nicht im letzten Moment der Mut verläßt, denn ich habe Angst, ganz gemeine Angst vor dem Sterben. Und ich habe AngstumdasSohicksal meiner Frau und meines Buben. Sehen Sie, lieber Doctor, das ist so ungefähr aas Schwerste. Ich lasse die Beiden vollkommen mittellos in Prag zurück. Sie stehen buchstäblich vis& vis de rien. Ich habe wohl einiges versucht in dieser Hinsicht, einige Briefe geschrieben, aber ich habe keine Ahnung, ob sie nützen werden. Und ich habe in Prag keinen Menschen, von dem ich annehmen könnte, daß er meiner Frau auch nur über die ersten Stunden hinweghilft.... Meine Frau, mit der ich seit 14 Jahre n* n der harmonischesten Einheit lebe, ist vollkommen unvorbereitet. Sie weiß wohl. wh etwas unternehmen wollte, aber sie kennt keine Details und ahnt vor allem ni°ht, welche Wendung die Sache genommen hat. Sie wird mit gleicher Post einen Brief bekommen, daß sie sich darauf gefaßt macht, einige Zeit nichts von mir zu hören. Aber e 8 kann sich ja nur um Stunden drehen, da muß sie es ja schon aus den Zeitungen erfahren. Lieber, lieber Doctor Heller,— wollc n l-'w ihr in diesen ersten schwersten Stunden als Mensch, als Freund, als Arzt beistehen f— Sie ist keine Riesin, auch keine besonders- starke, selbständige Natur. Und, ick habe solch schreckliche Angst um sie. Sie muß doch für den Jungen gesund bleiben.••• Bei Ihnen, lieber Doctor, klammere ich mich an die Hoffnung, daß Sie ihr persönlich beistehen werden. Ich weiß, es ist eine schwere Sache, eine harte Zumutung, Aber ich weiß mir sonst keinen Rat. Schlagen Sie mir. diese Bitte nicht ab> handeln Sie gleich, wenn Sie diesen Brief bekommen. So— und nun will ich mich auf die Beine machen und meinenselbstgewähltenWeg zu Ende gehen. Wenn Sie diesen Brief bekommen, dann habe ich es geschafft. Wenn ich das Glück hätte, eine religiöse Erziehung genossen zu haben, wenn ich die Sprache unserer Väter sprechen würde, so würde ich Ihnen, dem Gläubigen, in dieser Sprache jetzt danken, Eie in dieser Sprache segnen. 8o kann ich Ihnen nur herzlich die Hand drücken. Kann Ihnen nur wünschen,'daß Sie aufrecht bleiben und gesund und alles Gute erreichen für sich und für alle, die Sie lieben, für alles, was Ihnen nahesteht. Leben Sie wohl. Ihr, Sie aufrichtig verehrender Lua> Hat der Opfertod deS Stefan Lux einen Sinn gehabt? Wenn inan zwei Tage nach seinem Tode Zeuge deS würdelosen Kuschens der Genfer Herren vor einem braune» Rüpel mar, wen» man weiß, wie die Verantwortliche« de»„Zwischenfall" des Selbstmordes in der Versammlung zu bagatellisieren versuchten, wenn man sieht, wie in derDa nzi ger, in der österr«i- ch i s ch e n, in der Balkan frage Europa und der B ö l k e r b« n d so gut wie n i ch t S t u n, der drohende» Katastrophe vorzubeugen, so könnte man fast zn dem Schlüsse konimen, Lux sei. umsonst den bitteren Weg gegangen. Aber Taten wie die seinen wirken oft nicht unmittelbar und nicht rasch. Sie brauche» wie jede Saat ihre Zeit, um auSzureife». Vielleicht reift auch da», waS der zum Sterbe» Entschlossene, dieser„Mortturus" einer Arena, die noch leer ist und der Schlachten von morgen harrte während die Millionenmässeder Zuschauer träge und apathisch dahindöst, vielleicht reist, WaS Stefan Lux in die Herzen seiner Freunde und Tausender Mitfühlenden gelegt hat, doch zu einer Ernte, die das Opfer bezahlr macht, zu dem Erwachen d e r e,r,# i c demU e i elEinhalt gebiet e n könnten, ehe e» zermalmend üb« uns hinweggehtl' Sette 4 Freitag, 10. Juli 1036 Nr. 160 Die englische Schützen meisterschaft in Bisley „Wozu sich das Leben leicht mache», Iven» cs auch schwer geht." Bei dem Treffen der Schützenvereinigung von England, das in BiSley statt fand, lonnte nian diesen, eigenartigen „Ueberschiitzen" bewundern, der sich mit einem Riesensernrohr und sonstigen Schikanen auf. den Anstand legte... 3agmeui^citm Späte Entdeckunsen Das; über der„olympische» Stadt" in Berlin die Kriegsslagge des Dritten Reiches wehen und die Leitung der„sportlichen" Veranstaltung in den Händen des. ReichskriegSniinisteriuinS liegen wird, ist eine Entdeckung, die seht-— nur wenige Tage vor dem Beginn der fainosen „Olympiade"— auch die bürgerliche Presse in Aufregung bringt. Daß die Olynipiade-Pro- paganda des Herrn Goebbels mit zweckmäßig gefälschten Landkartell arbeitet und daß man in Berlin— wie die Massnahmen gegen die böh- niischen Kurorte beweise»— die„Olympiade"- nicht nur als Gelegenheit zu hemmungsloser Propaganda, sondern auch als Gelegenheit zu einem großen Fremdenverkehrs, und Devisengeschäft auf Kosten deS Auslandes betrachtet, hat sich ebenfalls als unbestreitbare Tatsache erwiesen. Erstaunlich ist nur die Ueberraschung, mit der diese Tatsachen in der bürgerlichen Presse verinerkt werden,— als wären sie unvorhergesehene Entdeckungen. Nun, sie liehen sich seit drei Fahren klar Voraussehen und sind von uns vorhergesagt worden. Immer wieder haben wir in diese» drei Jahren unsere Stimmen gehen, die Abhaltung der Olympiade in Berlin erhoben: mit dem Er- folg, daß man unsere Warnungen aus Ausfluß von Parteihaß und Emigrantenzorn mißdeutet und nicht befolgt hat. Seit drei Jahren habe» wir daraus hingewiesen, daß der Hitler-Faschis- mus eine europäische Gefahr ist, der man durch Boykott begegnen sollte, bevor er zur Kriegs- gefahr wird. Seit drei Jahren haben wir er- klärt, daß man mit der Hitler-Regierung nicht verhandeln könne. Zlber erst jetzt, nachdem Hit- ler nicht einmal den Fragebogen Edens beantwortet und den Herrn Greiser nach Genf ge- schickt hat, um dort mit Faustschlägen und Rü- peleien zu antworten, müssen auch die englische Regierung und der Bölkerbund einsehen, daß alle Verhandlungsbemühungen nutzlos waren, lind zu gleicher Zeit stellt inan in England fest, daß das Dritte Reich feine KriegSvocbereitungen vollendet hat... ES sind späte Entdeckungen, die da gemacht werden. Sie werden hoffentlich dazu beitragen, nun endlich Klarheit über die Größe der safchi- flischen Gefahr und die Stärke der notwendigen Abwehr zu schaffe». Aber die bittere Wahrheit bleibt: daß man die Gefahr eher und leichter hätte bannen können, wenn man die Warnungen derer beachtet hätte, die schon seit drei Jahren erkannt hatten, was die anderen jetzt erst entdecken. Rätselhafter Unfall. Auf der Straße bei Chropnü im Kremsierer Bezirk wurde Mittwoch mit zahlreichen Rißwunden am Kopfe die 82jäh- rige Handelsreisende Marie Bakkovä bewußtlos anfgefunden und von zwei unbelannten Männern, die dann verschwanden, in das tschechische Kran- kenhans in Kremsier gebracht. Aks sie aus der Bewußtlosigkeit erwachte, gab sie an, daß sie in einem Auto, fuhr, das havarierte und mnstürzte. An mehr könne sie sich nicht erinnern. Der Vorfall wird weiter untersucht. Schutz de» vertriebenen Gelehrten! Die französische Unterstaatssekretärin für wissenschaftliche Forschungen, Frau Joliot-Curie, hatte für Donnerstag eine Beratung einberufen, an der neben Vertretern des Außen- und des Jnnenministe. riumS, sonne des Ministeriums für nationale Erziehung namentlich Persönlichkeiten aus den französischen wissenschaftlichen Kreisen teilnahmen. In dieser Beratung wurde ein Ausschuß gebildet, welcher die Mittel zur Ausnahine fremder Gelehrter in Frankreich zlveckS Fortsetzung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten suchen soll. Es handelt sich ln erster Linie um hervorragende ausgewiesene oder gcslüchtetö Gelehrte. Sonne und Spekulation. DaS Hitzegebiet der NSA erstreckt sich jetzt von den Rock» Montains bis zum Atlantischen Ozean über Zweidrittel der Vereinigten Staaten. In New short stiegen die Temperaturen bis zu 42 Grad Celsius im Schatten. Die Lesden der Bevölkerung besonders im Mittelwesten sind unbeschreiblich. Die Hitze, hat dort bereits über 180 Todesopfer gefordert. Was die Sonne noch nicht vernichtet hat, lvird von den Millionen Heuschrecken kahl gefressen. Die Bundesregiermig schätzt, daß' drei bis fünf Millionen Menschen direkt von der Hitze betroffen wurden. Nur Chicogas Aetreidevörs e war in den letzten-Tagen fieberhaft tätig. Der Bushel Mais und Weizen ist seit dem Dürrebeginn um 20 Cents gestiegen I Die Explosion im Arsenal von Woolwich, bei der fünf Personen ums Leben kamen, erregt in der. Oefsentlichkeit beträchtliches'Aussehen. Sämtliche Tore des Arsenals wurden mit doppelten Posten besetzt. Nach Pressemeldungen soll eine 15-Zoll- granate explodiert sein. Der einzelstehende Schuppe», in dem Versuche unternommen wurden, ist vollkommen zerstört worden. Das Dach wurde über 30 Meter in die Lust geschleudert.— Nach Meldungen aus Odessa hat sich in einer dortigen Linoleumfabrik eine Explosion ereignet, der. s i e- beu Arbeiter zum Opfer gefallen sind. Außerdem haben zehn Arbeiter schwere Ver- letzmigen erlitte». Die Explosion verursachte ein Schadenfeuer, das die Fabrik teilweise zerstört hat. Ein Untier. In der Gemeinde Wiening bei Waidhofen a. d. Th. wurde der Taglöhner. Johann Rogner festgenommen, weil er seinen kran k en z w eijährigen.Sohn Walter Bauer z u T o d e gequält hat. Boni„letzten" Weltkrieg her... Bei der Gemeinde Ceeowa In der Umgebung von Lemberg wurde eiue noch aus dem Weltkrieg stammende Granate gefunden. Beim unvorsichtigen' Hantieren explodierte die Granate, wobei zwei Personen schwer verletzt wurden.' Prozehflnt über Frankreich. Kurz vor den'Fe- rien müssen sich die französischen Gerichte mit einer wahren Flut von Prozessen beschäftigen, in denen es sich fast immer um Kapitalverbrechen handelt und.die Angeklagten ihren Kopf verteidigen miifseir-In Reuen findet in dieser Woche. der Prozeß gegen Gaston Poulain statt, der seine Geliebte,.eine Tänzerin, ermordet hatte, deren Leichnam. man unter tragischen Umständen in einem Koffer fand. In Douai verantwortet in der gleichen Zeit der Adjutant Baume den Mord an feiner Familie. In Caen wird der Mörder von zwei Juwelieren, Martin, abgeurteilt..In.Pari» kommt ein blutige» Drama au» dem Milieu zur Verhandlung, ebenso, in Metz ein Mord. Nur. bei dem interessanten Prozeß deS„Na- pcleon» des Kolonialwarenhändel»"., der.äbensallSin dieser Woche in Riom. beginnt, handelt, e» sich nicht um Blut, sondern um Gelt» Der leere Wolkenkratzer. ES ist für die immer noch andauernde Wirtschaftskrise in den Staaten bezeichnend, daß die Wolkenkratzer zum großen Teil von ihren bisherigen Mieter» verlassen' werden: und neue Mieter Nicht zu finden find. So sind zum Beispiel in dem Empiro State Building,, dem. größten Wolkenkratzer der Welt, zur. Zeit von den 86 Stockwerken nur die untersten 40 vermietet.• 46 dagegen stehen leer. In diesem ungeheueren Büroblock, ist ei» einziger 9laum in der 80. Etage vermietet, und nur in den beiden obersten Stockwerken hat sich die Televisionszeiitrale eingerichtet. Damit aber abend» der unbeleuchtete Wolkenkratzer kein allzu sichtbare» Zeichen für die Wirtschaftskrise sei, werden auch, in den leerstehenden Büro» alle Lichter-'angezündet: und der märchenhafte Anblick soll über die' gähnende Leere im Inner» Hinwegtäuschen. Der Bankier Napoleons Von Kurt Kersten In seinen„Novellen aus Böhmen" hat Max Brod auch seine Traumgespräche des jungen Bonaparte geschaffen, da» er mit Danton kurz vor dem 18. Brumaire führte, dem Tag der Machtergreifung des Generals Bonaparte. Es ist Brod gelnngen, suggestiv den Leser so zu be- einftussen, daß er sich verführt glaubt, die Realität dieser von Brod erdichteten Abrechnung für wahr zn halten. Brod läßt durch Danton dem jungen General Wahrheiten sagen, tvie man sie in dec großen Napolen-Literatnr nur sehr selten findet, es ist einer der tvenigen Versuche, sich mit der überlieferten Napoleon-Tradition kritisch auseinanderzusetzen. Zur selben Zeit, da Brods Novellenband(bei Allert de Lange in Amsterdam) erschienen ist, wird in Frankreich die Vorgeschichte des 18. Brumaire neu beleuchtet; es lohnt sich, die Ergebnisse der Studien bekanntzugeben, da, sie den Weg erhellen, den historische Größen zuweilen zu wandeln pflegen. Wir haben im letzten Jahrzehnt Verschiedenes erlebt, was allzu rasch bengalisch beleuchtet wurde; Licht und Schatten ivurden raffiniert verteilt, und nur wenige wissen,>vas sich im Schatte» begab. Am 18. Brmnaire eroberte der junge Bonaparte die Macht, mit dem Staatsstreich des 0. November 1700 beginnt das große Drama, das nach sechzehn Jahren an einem Sommertag aus einem englischen Kriegsschiff endete. Nicht zu leugnen ist, daß der junge Bonaparte an jenem Novembertag 1700 zitternd und bleich vor Furcht in St. Cloud erschien, um das Parlament auS- einanderzujagen, ohne die Aktivität des Bruders Lucien wäre Per Streich vielleicht nicht gelungen. Jetzt erfahren wir noch einige interessante Details über die Vorgeschichte deS 18. Brumaire. Mächtig tvär in Paris des Direktoriums der Bankier Perrögaux, ein gebürtiger Schweizer. Jean Frödöric Perrögaux wurde!m Jahre 1744. in Neuchlltel geboren, als Söhn eines Osfiziers im französischen Heere, der sich nicht an die Front begab, sondern das Amt eines Werbeoffiziers innehatte,- also den Soldaten-, fang organisierte, eine gewinnbringende Beschäf- tignng. Der. jünge Perrögaux machte mit den ererbten'Geldern des Vaters Geschäfte in Mühlhansen, Amsterdam und London, kam nach Paris und gründete dort im Jahre 1781 eine Wechselbank, das war wieder ein einträgliches Geschäft bei den unzähligen Münzsorten, i die man damals hatte, bei den variablen Kursen, und der Schwierigkeit, den Nachweis gu führen,.'daß man gerade nicht reell von Herrn Perrögaux. bedient war. Zur selben Zeit., amtierte ein.anderer Schweizer in Paris und versuchte,, die Finanzen des Staates mit. unverwüstlichem Optimismus zu reiten: es Ivar Herr Necker aus Genf, Finanzminister LudtvigS XVI. Perrögaux- fand Zutritt zum Salon seines einflußreichen Landsmannes, erhielt Tips und lag immer richtig, was sich von den-Finanzen des Königreichs nicht sagen' läßt,'Herr Necker siel in Ungnade; aber Herr Perrögaux wurde ein/sehr reicher Mann und' besaß ein prächtiges- Haus.-im Pariser-Westen..-<- Als die Revolution aüshrach, gehörte. Perrögaux. zur Fraktion Lasayette, bekleidete.einen hohen.Posten,in der Nationälüärde, die ihn zugleich selbst. schützte, erhielt von der legislativen Versammlung',den.Auftrag), die- in Masih»,gefälschten Assignaten-' aufzustöbern, verdjeiite auch dabei, verdiente ferner, an dec Verproviantierung von"Paris,.als- tiie' Levensmittelkrise' immer schlimmer> wurde. Er wurde der Bankier des Wohlfahrtsausschusses'und verschaffte Carnöt die Mittel zum Feldzug. im Sommer 1702) Die zerlumpten'Revolutionstruppen siegten trotz der dunklen Geschäfte des Herrn Perrögäux, den im Jahre 1794 das Schicksal beinahe erwischt hätte: er.'wurde des Hochverrats' beschuldigt, es gelang ihm'aber zu entfliehen, er verbrachte seine Tage in seiner Heimat, in Neuchütel. Im Sommer 1704 wurde Robespierre gestürzt und hingerich- tet, die Mäuse krochen Kun wieder aus den Löchern und bereits im August erschien Perrögaux in Paris. Es begann dieZeitdcc-großen Spekulanten und.Geschäftemacher, der.junge Ouv» rard verdiente dreißig Miliönen im kürzer Frist; die Taliens, BarraS,. Röcamiers füllten, sich'.die Taschen, über allen aber thronte Herr. Perrögaux. In-seinem Salon tauchte nun eines Tages die elegante Witwe des- Generals Beauhar- nais auf, eine Kreolin,-die Barras'.- Freundin gewesen tvar, Perrögaux nahm.sie ihm. ab: und übergab.sie im' März 1-796 einem ijungen General,- der- sich-.an- d'er.'Frqnt ausgezeichnet, hatte: dem- General Bonaparte. So.kam) Josephine.zu einer Karriere.. In den.Akten.der Geheimarchive istwon nichts die Rede als von,.Böstöchüngen', Geschäften, Geld;' Geld'.und. wieder Geld;-Nebenher wurde gekämpft, gesiegt) nebenher schrieb. Bonä- parte vor Estersucht tollwütige. Billets. Dann schickte Bönchbarte seinen. Adjutanten, den Mann seines Vertrauens,. Marmontel» ürit'.den',Tro- phäen des.' italienischen Feldzuges nach.Paris. Marmontel. heirattzte. die. Tpchter. des.,Bankiers Peprögaux,; erhjelt' eine riesige'. MitMt mird außerdem'von, seinem, Gege.rA Leiste'enorme.'Sum- me, geschenkt, es war. itgiienischöS'.Ätzüfegew. Man bestach.sich gegenseitig,' hielt.; sich/ M,.die Staatskassen, bstdete die/Koterie„ die'den.Staat beherrschte. Dann' kam. die/ schwere Äriser^B'önä-1 Der Hüter der. St. Mnuritlul-Jnsek. Die St. Mauritius-Insel ist nur-wegen ihrer kostbaren blauen MaurUiur-Märke berühmt. Sonst ist e» eine vollkommen verlassene Insel, an einer der einsamsten Stellen der Welt gelegen, und kaum vo» Europäern bewohnt.' Darum kann der Sergeant James Smith, der zugleich Leuchiturnuvärter und Kanonier de» einzigen hier. befindlichen Geschütze» ist, al» eine der prominenteste» Persönlichkeiten der Insel angesehen werdin. Man kann, es Jame» Smith nicht verübeln, daß er sich einsam fühlte und den Beschluß faßte, eine Lebensgefährtin nach der Insel St. Mau- ritiu» kommen zu lasse». Er wandle sich an den Bürgermeister von Tottenham, seiner Heimatstadt, mit der Bitte, ihm eine Frau zu verschaffen. Der Bürgermeister gab eine dementsprechende Heiratsannonce auf. Nicht weniger al» 460 Frauen und Mädchen erklärten sich bereit, nach der einsamen Insel zu gehen, um die trensorgende Gattin de» Sergeanten James Smith zu iverden. Der Bürgermeister hat alle Briefe getreulich nach St. Mauritius geschickt nnd soeben ein Dankschreiben erhalten. Ja- nie» Smith erklärte nnnmehr, der glücklichste Diener seiner Plajestät zu sein, denn er habe jetzt endlich einmal etwa» zu tun, denn er wolle mit allen 460 Bewerberinnen in eine rege Korrespondenz treten. Au» diesem Briefwechsel hoffe er zu ersehen, welche die richtige Frau für ihn sei. Bei den Entfernungen dürfte es«her vermutlich einige Jahre dauern, bi» sich der wählerische James Smith aus diese'Methode entscheiden kann. Immerhin.haben für ebenso lange Zeit 400 Frauen und Mädchen in England dii Hoffnung, nach St. Manritiu» zu komme». Da» Weinfaß bringt e» an den Tag. Der Portier eine» herrschaftlichen Hause» in Pari» bemerkte zu seinem Erstaunen, wie zwei Männer ein große» Weinfaß au» dem Keller herausrollten. Sie waren sichtlich angetrunken und konnten schon darum keine genügende Auskunft geben. Jedenfalls rief der Portier einen Polizisten, der die beiden zur Rede stellte. Als ec ihnen auf den Kopf zusagte, sie hätten einen Einbruch verübt und dar Weinfaß geraubt, brachen sie in schallender Gelächter au». Mit solchen Klei- nigkeite» gäben sie sich nicht ab, und deswegen ließe» sie sich noch lange nicht verhaften. Ja, wenn der Sergeant den großen Einbruch in den Juwelierlapen in der Rue Lamarck meine oder den Ueberfall in St. Deni», da könnten sie nicht widersprechen. Und in ihrem angeheiterten Zustand plauderten sie dem Sergeanten gegenüber, der auf den Ton gern einging und alle» notierte, ihr ganze» Sündenregister au». Sie durften sich ihren Rausch im Sante- GefängniS ausschlafen. Luftpost onSgeraubt! Wie au» Kalkutta berichtet wird, sind tausend Luftpostbriefe auf dem Wege zwischen Großbritannien und Indien verloren gegan»- gen, und zwar im Staate von Sikkin. E» sind anscheinend eine, ganze Zahl von Säcken mit Luftpostbriefen gestohlen..worden,.weildie Diebe sich.stu.^en.Besitz dec Luftpostmarken sehen wollsey,, Vom Rundfunk x taHtNMiWwiu aus PmriMMii Samstag Prag, Sender L: 16.08: Deutsche Prelle. 14.00: Schallplatte». 16.60: Schubmann-Komvosi« tione», 17.06: Mandolinenkonzert. 17.56: Deutsche Sendung: Stimme» der Heimat: Hörfolge mit sude- teudeuischen Schwänke», 18.15: Die Habergoa» gehen wallfahrten, Hörspiel von Tutzinger. 18.45: Deutsche Prelle. 22.80: Orchesterkonzert. Sender S: 7.80: Populäre» Konzert, 14-80: Unterhaltungsmusik. 15.15: Deutsche Sendung: Lieder und Balladen von Wallhüfer, 15.40: Kulturrelief von Diautb- ner.— Brünn: 12.00: Schallvlattenkonzert. 12.85: Salonorchester. 17.40: Deutsche Sendung: Over»« arte», 20.50: Zitherguartett.— Prehburg: 16.50: Klavierkonzert, 21.40: Unterhaltungsmusik.— Kascha»; 21.15: Klavierkomert. parte saß in Aegypten und Palästina fest, am Rhein wurden die französischen Truppen geschlagen; der Rat der Fünfhundert erlebte, wie die Fraktion der Jakobiner noch einmal stärk tvurde, den Rat beherrschte, Steuergesetze durchsetzte, die die Reichen trafen und vor allem die Kriegsgewinnler belasten sollten. Perrögäux war außer sich, beschloß alles zu tvagen, nichts zu opfern, ließ Bonabarte zurückkommen,'schaffte Geld herbei, nicht für den Staat, nicht für die Steuern, die der Rat erheben wollte, sondern fiir seine Koterie, bestach Generäle und Minister, setzte die Wahl Lucien» zum Ratspräsidenten durch,, gewann Bonaparte ganz für sich und trieb ihn zum Handeln. Man kaufte die Soldaten, schenkte, ihnen neue Röcke— dies alles ist aktenmäßig zu belegen. Im November 1799 war man so weit;- In St. Cloud vollzog sich, was Perrögaux -verlangt hatte. Marmontel, der artige Schwiegersohn, war übrigens auch dabei: Der Staatsstreich des 18. Brumaire hat anderthalb Mil? lionen Francs gekostet. Im Dezember saß Bonaparte als Konsul in den Tuilerien, Perrögaux wurde Senator nnd „regent" der„Bänque de France"; 1808 ist er äuf der Höhe'der Macht gestorben. Ob ihm, tvie Laetitia, der Mutter Napoleons, zuweilen"Zweifel und Ahnungen kamen, ob auch er wie sie warnend aussprach:„wenn es nur säuert", ist nicht überliefert. Marmontel aber hat Napoleon Nur geschadet, er hat die Schlacht bei Salamanca verloren, hat 1814 den Kaiser verraten,/würde ein Pair Ludwigs XVlll., wollte Im Juli 1880 die Revolution Niederschlagen,' als alles zu spät'., war, ist mit Karl X. in die Emigratioü gegangen und erlebte noch Napoleon III, 1852 starb er, völlig vergessen, in Venedig. «r. ISS Freitag, 10. Juli 1S3S Gelte 8 Dramatischer Sprang mit dem Motorrad Während einer großen Sportschau auf der Donau bei Wien sprang der Feldjäger Schwarz vom österreichischen Bundesheer in voller Ausrüstung mit dem Motorrad in die Donau. Der Springer erschien jedoch nicht mehr an der Oberfläche, so daß bereits große Befürchtungen um ihn gehegt wurden. Nach einiger Zeit tauchte er wieder auf, mußte aber wegen Erschöpfung ins Krankenhaus gebracht werden. Er war mit seinem Karabiner am Motorrad hängengeblicben, so daß es ihm anfänglich nicht möglich war, wieder hochzukommen. Die Schachmeister-Krawatte. Einer der angesehensten englischen Schachklubr, der von Herford- shire, hat eine merkwürdige Trophäe für sein« Schachmeister geschaffen: er handelt sich um eine Krawatte, deren Zeichnung patentiert worden ist. Bis jetzt gibt e» nur vier Personen, die dar Recht haben, diese Schachmeister-Krawatte zu tragen; sie ist ihnen bei einem großen Schachtournier in feierlicher' Form verliehen worden. Troglodtzten-Hochzeit. In regelmäßigen Ab« ständen muß man aus Amerika über die seltsamsten Cinfälle/' äuf mögliW^originelle Art"'Höchz(etkM' feiern, berichten. Obwohl solche Meldungen fast ausnahmslos lächerlich sind, sind sie doch amüsant und werfen ein bezeichnendtS'Licht auf«mexikanische Extravaganzen. Jetzt hat ein..junger Paar eine Tröglodyten-Höchzeit gefeiert. Die Zeremonie fand In einer Höhle tm Staat« Oregon statt, die von Dteinzeitmenschen bewohnt war und eine Sehenswürdigkeit darstellt. Streng stilecht erscheinen Braut und Bräutigam in Tierfellen, während der Pastor und die Gäste um einige Jahrtausende später gekleidet gingen. Dem Paar hätte' man ohne die Jelle wohl auch geglaubt, daß e» zu den Tryglodhten gehört I llhinefisch für jedermann. Zu den Modernisierungstendenzen in China, die auf allen Gebieten der täglichen Lebenr festzustellen sind und behördlich ge- sördert werden, gehört auch der Kampf um dar chinesische Alphabet, Man weiß, daß die chinesische Sprache ein Alphabet in unserem Sinne nicht kennt, sondern-sich vielmehr aus Tausenden von Zeichen• zusammensetzt, die di« verschiedensten Bedeutungen je nach einer komplizierten Grammatik haben können. Nun hat ein bekannter chinesischer Gelehrter Dr. Yen, ein neue» Alphabet geschaffen, das die Möglichkeit gibt, die traditionellen Zeichen außerordentlich zu vereinfachen, so daß jedermann in wenigen Monaten lesen und schreib!» lernen kann. Die Aktion der Dr. Ken ist schon sehr weit fortgeschritten. lieber vierhundert Bände chinesischer Klassiker in der neuen Orthographie sind bereiterschienen, und in 500 Schulen eingeführt worden. Diese Schulen werden fieberhaft ausgebaut; sie fassen heut« bereit» 200.000 Kinder, aber In den aller« nächsten Jahren soll ganz China mit einem Netz von Sprachschulen durchzogen werden, di« bi» zu 50 Millionen Lernende fassen können. klebrigen» beschränkt sich die Tätigkeit von Dr. 8en nicht nur auf dapädagogische Gebiet;« ist auch Leiter einer landwirtschaftlichen Zentralstelle, die. nach' modernsten Methoden die Bauern auszubilden sucht, und.mßer- dem ist er der Schöpfer von Hunderten Polyklinikea, namentlich, auf dem flachen Lande. Abkühlung. Der Zufluß kühlerer ozeanischer Luftmassen, die sich in den letzten Tagen in einzelnen Wellen, auf da» Festland fortpflanzten, nimmt erneut, an.Stärke zu. Donnerstag nachmittag» ist eine erneute Abkühlung vom Westen her guf da» Gebiet, der Republik vorgedöungen und hat bi» 16 Uhr In, Begleitung Von Gewittern Mittelböhmen erreicht.— Wahrscheinliche» Wetter Frei... tag: Boni Westen.her fortschreitende Berschlech- terung bei Wetter» mit Gewittern oder Schauern, nach den Gewittern Abkühlung und auffrischender Westwind. In der vstflowakei noch heiter und sehr warm, nur veteinzelte Gewittert— Westerau»« f ich t e.n f ü r Sam» sä,g: Veränderlich, zeitweise' Schauer oder. Gewitters;mäßig kühl, Westwind. Nach der SS die HJ de»en die (AP.) Während man den Fall Himmler noch in einer Form geregelt hatte, die trotz, der— in der Um t e rstellumg u nterFrick zum Ausdruck kommenden Tendenz auf Ausschaltung der„radikalen" Unterführer wenigstens' nach außen durch die Beförderung der immer drohender werdenden Haltung der radikalen Elemente Rechnung trug,' scheint man sich jetzt schön weniger Reserve auszuerlegen. Nach der SS kommt die. H it le rjug e nd an die Reihe. Auch an ihr manifestiert. sich der S t e g d e» S t a a t e S über die.Partei. Baldur von Schirach hat einen längeren KrankheitSnrlniib angrtretcn. Seit Wochen ist der nationalsozialistische Jugendführer nicht Mehr in der Oeffcntlichkeit ausgetreten, und die ReichSführerschule in Braunschweig wurde durch seinen Stellvertreter Hermann Lauterbacher eröffnet.. Baldur von Schirach müßte seinen Urlaub auf Veranlassung de» Reichrinnenministers Frick antreten. Ihm paßten die„sozialistischen" Tendenzen in der HI, denen sich die Führung geschmeidig, wenn auch ohne innere Ueberzcugung anzupassen wußte, ganz und gar nicht. Dazu kamen Differenzen Uber die Reich»« jugendführung. Bekanntlich ist noch immer keine Einigung über die Organisation der Reichsjugend erzielt worden, die al» allgemeine Jugendorganisation neben die HJ treten und alle nicht von der HJ erfaßten Jugendlichen sammeln sollte. Seit der Ankündigung ist ein halbe» Jahr verflossen, ohne daß das Gesetz über die RetchSjngend verabschiedet wurde. Da» liegt daran, daß Baldur von Schirach namens der HJ seine FUh» r u n g S a n s p r ü ch e bei dieser'Reichsjugend anmeldete. Gegen diese Forderung wandten sich vor allem ReichSkriegSministcr von Blomberg und der Arbeitsdienstloitcr Oberst Hierl..•'...., Dio Reichswehr will In der Reichrjugend 'einen maßgebenden Einfluß, haben. Dabei wird sie aber auch. von maßgebenden Parteiführern unterstützt, z. B. von dem schlesischen Oüerpräsi- denton Wagner und dem oskpreußischcn Oberpräsidenten K o ch, der sich zwar selbst zu den Radikalen zählt, andererseits starke,.anscheinend heute. überwiegende.Reichswehrbindungen hat. Auf selten Baldur von SchirachS stehen hingegen der Reichskultusminister R u st und, Alfred R o- senberg. Der Widerstand gegen die Ambitionen der HI wurde noch verschärft durch eine Denkschrift der Katholischen Kirche, die durch Kardinal. Faulhaber dem ReichSinnenminister Frick überreicht wurde und in der eine solche Unsumme'von belastendem Material über die HI zusammengetragen worden ist, daß man sich den Einwänden nicht mehr entziehen konnte. Es'ist daher eine durchgreifende Säuberung in der Führung der Hitlerjugend— nach dem Muster der SA— im Gange. DaS ist natürlich ein Versuch am untauglichen Objekt, denn man hat doch bisher prinzipiell stets die politische Zuverlässigkeit Über die' sonstigen Qualitäten gestellt. WaS wurmstichig ist, kann durch Quacksalbcrmethoden nicht zum Gesunden gebracht werden. Welches Vertrauen man zur Führung dec HI hat, ist schon daraus zu ersehen, daß man ihr bereits vor geraumer Zeit die eigene Kassensührung entzog, die man In die Hände des Schatzmeisters der Partei, Schwarz, legte. Hitler, dessen Günstling Baldur von Schirach ist, wich auch in dieser Frage bis jetzt einer endgültigen Entscheidung aus. Wie man cs macht Wie man es macht, wenn man auf eine gewisse Bank zu sitzen konunt und keinerlei Lust vcr-' spürt,, einen„Urlaub in gestreiftem Pyjama" zu verbringen? Das macht inan'am einfachsten so wie jener amerikanische Gentleman, der sich kürzlich in Huntlel)(Nevada) vor einem hohen Gc- rickitshof wegen Hochstapelei zu verantlvorten hatte: während der Verhandlung sahen die Zuschauer zu ihrem nicht geringen Erstaunen, daß der Herr Angeklagte ans einmal de» Saal verließ, ohne daß da» Gericht gegen diesen Akt uugc- lvohnten SelbstbestinunungSrechteS Einspruch erhob. Erst als etwa zwanzig Minuten vergangen waren(wo war inzlvischen unser Mann!), fuhr der Borsikeudc auf und rief:„Ja, wo ist denn der Angeklagte geblieben?" lind nun stellte sich heraus, daß dieser während der Verhandlung das Kunststück fcrtiggebracht hatte, alle GcrichlSper- soncn so zu huvnoiisicrcn, daß leine von ihnen seinen„Abgang" gcmcrlt hatte. * Wie man cs macht, um zu erreichen, daß andere für einen arbeiten, und zwar ohne jedwede Ettischädigung? Diese„soziale Frage" löste kürzlich ein schlauer Bauer(richtige Bauern sind immer schlau!) durch einen geradezu genialen Einfall: Er ließ das Gerücht auSstrenen, daß auf seinem Acker ein Goldschatz vergraben liege und fuhr, als sich die Sache genügend hcrumgesprochen halte,»ach der Stadt,— angeblich, um sich mit einem bekannten Kapitalisten zu beraten. Vicr- undzwanzig Stunden späier war er wieder daheim, und— ei, sich da!—, sei» Feld war tvcit gründlicher umgegrabe», als er zu hoffen geivagt hatte.— Hoch 1 klingt das Lied vom schlauen Mann. Weshalb vermerkt sei, daß der Held des Liedes in einer kleinen Ortschaft bei Necla in Spanien beheimatet ist. » Im Zeichen der„deutschpolnischen Freundschaft” Wie Hitler den Volksgenossen hilft Die in Berlin erscheinende Zeitschrift„O st- l a n d", die zum Unterschied zu der Tagespresse immer wieder über die schlechte Behandlung der Deutschen in Polen trotz des Vertrages berichtet, bringt einen Artikel, der mit den Worten beginnt: „Es ist nützlich, von Zeit zu Zeit die sprichwörtlich„g u t e B e h a n d l u n g", der die D e u t's ch e n in Polen ausgesetzt sind, durchdie.-AusammenstellungeinevSerie charak- . teristischcr.Ereignisse.zu, illustrieren/' Daun führt das genannte Blatt eine„Serie unerfreulicher, leider aber immer noch charakteristischer Ereignisse" In Polen an.. ES.heißt da wörtlich:„Am 17. Mai wurde eine Gruppe von Jungdeutschen, die von einem Kameradschaftsabend in Dreilinden(Kreis Culmsee) heimkehrte, von einer mit Knüppeln, Zaunlatten und Messern bewaffneten Horde polnischer Burschen überfallen; fünf Deutsche wurden verwundet. Am 21. Mai überfiel ein Trupp von 20 bis 80 Polen in Turse bei Dirschau eine jungdeutsche Versammlung; die Polen schlugen mit Stuhl- und Tischbeinen auf die im Saal versammelten deutschen Teilnehmer ein; mehrere Personen wurden verletzt. Am 24. Mai drangen etwa 100 mit Schlagringen und Stichwaffen ausgerüstete Polen in eine jungdeutsche Versammlung in Käkülin(Kreis Wongrowttz) ein; zahlreiche Deutsche wurden verprügelt, Zugleich wurde in Bülowrheide in der Tuche« ler Heide ei» Vergnügen der Jungdeutschen Par« tei, an dem auch Deutsche aus den benachbarten Dörfern und aus Neuenburg teilnahmen, von einer mit Knüppeln bewaffneten polnischen Bande auSeinandergesprengt; auch hier gab es auf feiten der überfallenen Deutschen Verletzte, außerdem wurden einer Reihe von Teilnehmern die Fahrräder und Mäntel gestohlen. Gleichfalls am 24, Mai wurde von etwa 200„uniformierten Aufständischen in Rhdultau (Ostoberschlesien) ein Ueberfall auf eine Veranstaltung der. Jungdeutschen Partei durchgeführt; mit Knüppeln, Ochsenziemern und Mestern fielen die Polen über die Versammelten her; etwa 70 D e u t f ch e. w u r d e n,.'darunter: mehrere durch Messerstiche, verletzt. Am 25. Mat wurde:in FriedrichShütte(Ost- oberschlesien)- eist, deutscher Gemeindevertreter, der von einer Familienfeier heimkehrte, bon einem Aufständischen angerempelt, beschimpft und schließlich durch zwei Schläge mit dem Revolverkolben im Gesicht erheblich v er letzt. Am 8. Juni versuchten drei Polen um Mitternacht gewaltsam in die Mahnung eines Mitgliedes der Jungdeutschen Partei in Wielepole (Ostoberschlesien) einzstdrtngen; als ihnen da» nicht gelang/ rissen sie/dest Gartenzaun' nieder und warfen äch t Zaunlatten durch da» Fenster In» Schlafzimmer; durch die Glassplitter..trüg der/zwStfjährlge Söhn der Deutschen,. desten.B.efi.ist/dtzr Nähe de» Fenster» stand, Schnittwunden im Gesicht davon. Danin warfen die Palen im Nachbarhause, in dem die Schwägerin de» Ueberfallcncn wohnte, mit Ziegelsteinen die Fenster ein. Rechnet man diese Ueberfälle zusammen, so kommt man zu dem Ergebnis, daß in dem kurzen Zeitraum von 14 Tagen in Polen etwa 100 deutsche Volkstumsangehörige von aufgehetzten polnischen Burschen mehr oder weniger schwer verletzt worden sind." Das also sind die Früchte der Verständigung Hitlers mit Polen. Da können sich die Sudetendeutschen für den von Henlein erstrebte»„A u s- gleich" Hitlers mit Gajda, Preist undStbibrnhauf allerhand gefaßt machen! London-Paris-Berlin.(Ru) Das Organ der Londoner City,„Time S", zieht aus der eben beendeten Genfer Woche folgende Schluhfolgerun- gene,,Die Frenndschafi Mit Frankrchch,sch'.füx, die, britische öffentliche. Meinung ein Axionz, England sei bereit sehr Iveii zu gehen, um das französische Territorium zu schützen, besten Sicherheit im eigenen britischen Interesse liege. Aber, meint das Londoner Blatt, die englische öffentliche Meinung ioerde sich nie damit zufrieden geben, daß Frankreich allein die europäische Politik bestimme. Die englische öffentliche Meinung iveigere sich gleichfalls, für jene Verträge diel Verantworiung zu Ubernchmen, die Frankreich nach dem Weltkrieg auf der anderen Seite von Deutschland abgeschlossen habe. Die„Time»" halten merkwürdigerweise für den besten Ausweg aus der heutigen Lage, ein«ernste» Studium" der v o n H i t l e r gemachten Friedensvorschläge, denn nur ein solches Studium vermöge die Stabilisierung Europas zu gewährleisten. Mit anderen Worten, schlagen die„Times" vor, daß England sich in die ost- und vielleicht auch in die mitiel- europäischen Angelegenheiten nicht.einmischen und vor allem Rußland seinem Schicksal überlassen solle. „Tragische Woche" in Genf und der Greifer- Zwischenfall.(Ru) Der bekannte Publizist Per- t i n a x meint ün„E ch o d e P a r i»", der Völkerbund habe eine' tragische Woche verlebt. Der Areiser-Skandal sei sehr bezeichnend für die heutige Situation. Und stehe e» bevor, die Wiederholung de» Austrittes vom 7. März, und zwar nicht nur an einem Punkt der Erdballs zu erleben. Wenn Frankreich und die anderen friedliebenden Staaten auch künftig dieselbe Schwachheit an den Tag legen werden, so werde ihnen nichts andere» übrig bleiben al» die Folgen der kommenden Ereigniss e geduldig zu ertragen..„Journal" glaubt, daß die Deutschen mit- voller Offenheit gezeigt haben, zu welcher Methode sie künftig zur Erreichung ihrer! Ziele zu greifen beabsichtigen. Berlin werde si,ch bestimmt auf das„R e ch t d e r Völler auf Selbstbestimmung" be- rufen. Da» mögen die unmittelbar betroffenen Mächte nicht vergessen: Polen mit D a n z i g, die Jtälienernnit Oesterreich und dem Etschtal. Aüch die Franzosen feien.verwarnt Wörden: alle» wa».deutsch gewesen sei, müsse wieder, deutsch werden. . Sine Mystifikation. Einigelungarische und Wiener Blätter, haben kürzlich berichtet, daß der stngarische sozialdemokratische Abgeordnete Eszergalyo». für ein /»jWokratstche» iKönigtüm"' ist Ungarn eingetreten ftzi^Wte die„Nkpszava" vom 8. Juli mitteilt, sind diekileußeryngen Esztergalyö» reine Erfindungen der .Gömböt-Presse. Aber bitte: es wäre durchaus verfehlt zu meinen, daß es ausschließlich schlauen Landmännern Vorbehalten ist, mit solchen und ähnlichen geldsparenden Eingebungen gesegnet zu werden. Da ist, zum Beispiel, der Sultan eine» hinterindischen Malayenstaates, der es zuwege brachte, nach dieser Richtung hin geradezu einen Rekord aufzustcllcn. Fremde, die fein Reich besuchen, finden Gelegenheit, die furchtcrwcckende Feststellung zu machen, daß es hier lvcit mehr Sträflinge gibt, als irgendlvo anders in der Welt, und naturgemäß glauben sie(sofern sic nicht bereits eines Besseren belehrt sind), diesen Umstand als Folge einer Verseuchung des Landes mit kriminellen Individuen ansehcn zu müssen. Dem ist nun aber nicht so, denn die Ursache liegt lediglich in der unglaublichen Härte der Gesetze und ihrer rücksichtslosen Handhabung. Und damit hat cs folgende Bewandtnis: Der Herr Sultan ist nämlich'esst'FreNNd allerlei'kostspieliger''Passiünchen.' Daheb braucht et mvney, und um solches fortlau- send schöpfen zu, können, etablierte er sich neben- berusiich als Guinmipslanzcr. Und es gelang ihm, den Betrieb innerhalb kürzester Zeit dadurch in Schwung zu bringen, daß er sämtliche Gummilieferanten im Preis unterbot. Wieso ihm die» möglich war? Sehr einfach: er zahlte keine Löhste, da er für sämtliche Arbeiten die Sträflinge hcranzog. Freilich brauchte er viele, viele dieser billigen Knechte, und— verstehst du nun, lieber Fremdling, warum der brave Landesvater hinging und drakonische Gesetze schuf? Ernst Mache!.. Vortrag mit Oesterreich Ende Juni' fanden in Prag Wirtschaftsverhandlungen zur Aktivierung des am 2. April d. I. in Wien abgeschlossenen tschechoslowakisch- österreichischen Handelsvertrages ftait. Damals einigten sich die Regierungs-Delegationen, ihren Regierungen zu empfehlen, in dem Vertrag bestimmte Aenderungen vorzunehmen und den derart abgeändertcn Vertrag später provisorisch in Kraft zu sehen. Am 0. Juli wurden nun in Prag die Verhandlungen abgeschlossen und das Zusah- proiokoll unterzeichnet. Gleichzeitig wurde vereinbart, den Vertrag in der den Regierungen empfohlenen Fassung am 1. August d. I. provisorisch in Kraft zu sehen. hieve Osten(Iber die Entwicklung der Bautätigkeit Seit 1932 wird für 88 größere Städte der Kubikmcterumfang der bewilligten Neubauten erhoben. Diese Zahlen, die zlveisello» genauer sind als die bloße Statistik der bewilligten Neubauten ohne Rücksicht auf deren Größe, ergibt folgendes Bild: April 1982: 1,000.1)00 Kubikmeter April 1988: 800.000 Kubikmeter April 1984: 800.000 Kubikmeter! April 1985: 250.000 Kubikmeter j April 1988: 610.000 Kubikmeter> Dies bedeutet also, daß die Bauintensität sich in diesem Jahre gegenüber 1985 mehraI» verdoppelt hat, wobei nicht zu übersehen Ist, daß die langwierige Behandlung derZement- Preisfrage auf die Baulust im Frühjahr hemmend eingewirkt hat, Wie da»„P. T." her- vorhebt, ergibt sich au» eine« Vergleich»er Neu« bautenzahl und dem Kubikmeterumfang, daß die ö f f e n t l i ch c B a u t.ä t i g l c i t ein besonders j förderndes Moment, bildet. Sette S Freiing, 10. Juli 1036 hier laut aufzutreten IüurtzL luul Msseo Oer elnzlxe, der sied traut, Ist 6er Kater... begraben liegt. Hier ist überall historischer Boden, der an Antike und das oströmische Reich erinnert. Kilometer hinter Geige kommt die Station großer Teil der Einwohner von Bilccik schloß sich uns an und pilgerte mit auf den Hügel. Dort waren strenge Absperrungsmaßnahmen getroffen worden, um Störungen zu verhindern. Der oberste Teil des Hügels ivar mit Stacheldraht umgeben, Polizisten und Soldaten bewachten das Beobachtungsgclände, auf dem ein Platz für die Vertreter der Behörden und der Presse und einer für die Studenten abgeteilt ivar. Auf dem Boden waren 18 große Bettlaken anSgebreitet, auf denen Dr. Dember die Bewegung der kurz vor und nach der Totalität austretendcn sogenannten„fliegenden Schatten" beobachten wollte. Der Himmel war von einer seltenen Klarheit, und es wehte nur ein ganz leichter Wind. Um 4% Uhr ging die Sonne In einem Taleinschnitt am nordöstlichen Horizont auf. Jeder Beobachter prüfte in fieberhafter Erregung nochmals genau seine Instrumente, und die Beobachter, die gemeinsam zu arbeiten hatten, wiederholten zum lebten Male die getroffenen Verabredungen, nach denen die Arbeit vor sich gehen sollte. Die nicht an den wissenschaftlichen Arbeiten Beteiligten hielten schon die vorher in Istanbul hergestelltcn geschwärzten' Filmstücke bereit, durch die sie während der' Finsternis nach der. Sonne schauen wollten. Um 4 Uhr 58 Minuten erschien der Mond am Sonnenraude: die partielle Verfinsterung begann. Sogleich begannen auch die Beobachtungen der Astronomen an dem aus Istanbul mitgebrachten Fernrohr. Hinter dem Okularende des Fernrohrs war eine ProjektivnSscheibe angebracht worden, auf der ein Bogen Millimeterpapier befestigt war. Auf dieses Koordinatenpapier wurde mittels des Fernrohrs die Sonne projiziert. Die Beobachtungen sollten dazu dienen, die geographische Länge des Beobachtungsortes zu bestimmen. Nachdem wir genau hundert Messungen geinackst hatten, brachen wir die Beobachtungen ab, da die Totalität nahezu herangerückt war. Was dann kam, läßt sich kaum In Worten wledergcbcn. Die letzten Minuten vor der Totalität sind etwas ganz.Eigenartiges. Von der SoNne ist, nur eine ganz schmale Sichel übrig: die Landschaft ist in ein eigentümlich fahles graues Licht getaucht, wie man es sonst.niemals sicht, fliegende Schatten huschen über die auf dem Boden ausgebreiteten weißen Tücher: ein schrecklich beäng- stisiendeS Gefühl Müßte jeden ergreifen, der nicht die Ursache, des Phänomens kenyt. An,den letzten Sekunden vor der Totalität. nimmt die Helligkeit Die Uebungen der zivilen Fliegerabwehr, welche, am 2. Juli d. I. an sieben Stellen in Prag abge- balien wurde», haben beim Publikum große Anteil» nähme, gefunden, wie aus den Anfragen bervorgeht, mit denen die Kanzlei der Zivilen Fliegerabwehr im Alistädier Rathause in Prag und die Kommandanten der einzelnen Rayons, in. denen die Uebungen abgehalte» wurden, überhäuft werden Der Ortsbe- raiungSauSschuß für Fliegerabwehr in Groß-Prag gibt der Prager Oefsentlichkeit bekannt, daß diese Uebmigen in größeren: Umfang auch in anderen Prager Vierteln werden veranstaltet werden. Bei den nächsten Hebungen wird als UebungSort eine solche Stelle gewählt werden, die durch ihre Ueber- sichtlichkeit einer möglichst großen Zahl von Zuschauern das Programm zu verfolgen gestattet. Rach diesen informativen Uebungen werden auSgedehn- tcre Uebungen der Zivilen Fliegerabwehr, und zwar spätestens im Herbst" dieses Jahres" vorgenommen werden,' bei denen das Eingreifen der einzelnen Komponenten der. Zivilen Fliegerabewchr gezeigt wrden wird.. Psra Ferbasova als reizender Backfisch in der verfilmten Operette Won Jära Benes„DaS Gassenmädel".\ die 60 Herekc, in deren Nähe die Burg Ankyron liegt, in der Konstantin der Große starb, und die Stadt Jzmit am äußersten Ost-Zipfel des nach ihr benannten Golfes ist das alte Nikomedia, einst Hauptstadt des Königreichs Bithynien und später die Residenz des römischen Kaisers Diokletian. Hinter Jzmit wendet sich die Bahn landcin- tvärts nach Süden und kommt über eine Paßhöhe zu dem Sapanca-See, der zwar 125 Kilometer von Jnstanbul entfernt ist, aber von den Groß-! städicrn gern als Ausflugsziel gewählt wird, weil er idyllisch gelegen ist. Der schönste Teil unserer Fahrt beginnt aber erst hinter der Stadt Osma- neli, wo lvir ins Tal des Flusses Karasu sauf deutsch Schwarzwasscr) konnncn. Es ist ein ganz enges Tal zwischen Bergen. Die Felsen erhebe» sich ganz steil, fast senkrecht empor, und die Bahnstrecke führt so dicht an den Felsen entlang, daß man von: Fenster aus nicht bis zu ihrem oberen Rande sehen kann. Oft fährt der Zug durch Tunnels, aber manchmal, wenn die Felsen etwas zurücktretcn, kann nmn in zerklüftete Schluchten sehen, auf deren Gestein nur selten Sträucher wachsen. Eine großartig wilde Landschaft, in der das-Städtchen Bicelik, das Ziel unserer Reise, liegt. Es ist ein kleiner Ort mit nur 50.80 Einwohnern, aber Hauptstadt eines Vilayet(Provinz), und eine Autobusstrccke führt vom Bahnhof zu der fünf Kilmnetcr entfernten Stadt, die ganz modern und gar nicht„asiatisch" wirkt. Diese Stadt ist— wie so viele andere türkische Orte— im Jahre 1022 von den Griechen auf ihrem Rückzüge vor den siegreichen Truppen Kemal Paschas(des heutigen Präsidenten Kamal Atatürk) zerstört und nachher von der türkischen Regierung neu aufgcbaut worden. Bei unserer Ankunft fanden wir bereits die Kisten vor, in denen unser Fernrohr aus Istanbul verpackt war. Und da die Stadtverwaltung von Bilccik eigens für uns eine breite Straße zu dem Beobachtungs- hügel nördlich der Stadt hatte bauen lassen, war cs nicht schwer, das Fernrohr sogleich an Ort und Stelle zu schaffen. Oben ans„unserem" Hügel trafen wir Offiziere von der Landkartenabteilung Bad Könlgswai’t bei Narienbad Autom. Tel. 4*21 Moor-, Stahl-, Kohlensäure- und ander« Bilder, Trink- und Heilquellen 723 Klein ü. M.. tuMAe,«ef