16. Jahrgang Sonntag, 12. Juli 1936 Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova a. telefon nm. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS, FRAG. 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK Schuschnigg einigt sich mit Hitler Krieg Der Inhalt des Abkommens sprach Bß Abkommen auf Befehl Mussolinis— Goebbels und Schuschnlgs gleichzeitig Im Rundfunk Innenpolitik Oesterreichs nicht berührt? lin bis Rum zustandebringen, um das System der kollektiven Sicherheit vollends auSzntilgen. Oesterreich hatte unter dem jetzigen Regime, nachdem die Pläne H o d Z a s an mannigfachen Widerständen, nicht zuletzt an dem Jugoslawiens gescheitert waren und sich gegen die Restaurationspläne Schuschniggs von Belgrad, Bukarest und Berlin her ein heftiger Widerstand geltend machte, der neuerdings auch von Paris auS noch DukkurS erhielt, kaum eine andere Wahl als stch den Wünschen der beiden Diktatoren zu fügen. Die Borteile für Oesterreich stnd wirtschaftlicher Natur. Politisch hat eS nur zu verlieren, denn di« nationalsozialistische Bewegung wird einen mächtigen Auftrieb erhalten und Hitler wird daS Kabinett Schuschnigg von innen her aushählen. HitlerS Borteil, abgesehen von der vorübergehenden Freundschaft mit Italien, ist vor allem dleFernhaltnngderHabsbnr- g e r. Er darf heute hoffen, daß er Habsburg einen schweren Schlag versetzt hat, von dem eS stch kaum wird erholen können. Auf jeden Fall hat er Ott» Habsburg für die nächsten Runde« erledigt. Bei HitlerS Denkart und Zielsetzung ist dieser Erfolg für ihn sehr hoch rinzuschätzen, abgesehen davon, daß er sich dannt Mch die»Dank-, barkeit" Jugoslawiens und Rumäniens sichert. Erinnert ma« stch an die Entrevue HitlerS und Mussolinis in Benedig und an die fünf Wochen später erfolgte Ermordung Dollfuß', so kann man auch die Lebensdauer der neue« Entente skeptisch beurteilen. Sie kann in wrnigrn Monaten erledigt sein. Aber die Gefahr, daß der nächste Konflikt dann den bringt, ist ungeheuer gewachsen. Gestern- abends wurde im österreichischen lind deutschen Rundfunk daS Kommunique verkündet, das über die zwischen Schuschnigg und Hitler getroffenen Vereinbarungen auSgegeben würde. Im deutschen Rundfunk gab Goebbels das Kommunquä bekannt, das folgenden Wortlaut hat: ,,J» der Ueverzeugung, der europäische» Gesamtentwicklung für die Aufrechterhaltung deS Friedens eine wertvolle Förderung zuteil werde« zu lassen, wie in dem Glauben damit am besten den vielgestaltigen wechselseitigen Interessen der beiden deutschen Staaten zu dienen, haben di« Negierungen deS^Deutschen Reiches und des BundeSstaateS Oesterreich beschlossen, ihr« Beziehungen wieder normal und freundschaftlich zu gestalte». AuS diesem Anlaß wird erklärt r 1. Im Sinne der Feststellungen des Führer« und Reichskanzlers vom 21. Mai 1835 anerkennt die deutsche Reichsregieruug die volle Souveränität des Bundesstaate« Oesterreich. 2. Jede der beide» Regiernnge» betrachtet die in dem andere« Lande bestehende innerpolitische Gestaltung, einschließlich der Frage« des österreichisches Nationalsozialismus als eine innere Angelegenheit der andere« Landes, ans die fie weder««mittelbar noch mittelbar Einwirkung nehmen wird. 3. Die österreichische Bundesregierung wird ihre Politik im allgemeine«, wie i«r- brsondrre gegenüber dem Deutsche» Reiche stets auf jener grundsätzliche» Linie halte«, die der Tatsache, daß Oesterreich stch als deutscher Staat bekennt, entspricht. Hierdurch werden die Römische» Protokolle eg 1934 und deren Zusätze^ex 1936 sowie die Stellung Oesterreichs»« Italien und Ungar« al« de» Partner» dieser Protokolle»icht-berührt. In der Erwägung, daß-die von beiden Seiten gewünschte Entspannung stch nu< verwirklichen lassen wird, wen» dazu gewisse Bor» bedingungen seitens der Regierungen beider Län» der erstellt werden, wird die ReichSreglerung sowohl wie die österreichische Bundesregierung in einer Reihe von Einzelmaßnahmen die hierzu notwendigen Voraussetzungen schaffen.* Im östererichischen Rundfunk Schuschnigg. Die Einzelmaßnahmen Die eindeutige und unzweifelhafte Anerkennung der Unabhängigkeit und Selbständigkeit Oesterreichs, weiter die Anerkennung des Grundsatzes der Nichteinmischung in die inneren Verhältnisse Oesterreichs, die. ausdrückliche Rücksichtnahme auf die Tatsache der römischen Protokolle des Jahres 1.084 mit den Zusatzprotokollen von« Jahre 1086, die die unverrückbare Grundlage sind und bleiben, schließlich die eindeutige Feststellung, daß der Nationalsozialismus weder als politischer Faktor, noch als Vertragspartner in Frage kommt. Diese Grundlage und diese Voraussetzungen sind nun vorbehaltlos anerkannt worden. Daher steht einer Normalisierung der österreichischen Beziehungen, die schon Kanzler Dollfuß als eines der Hauptziele der österreichischen Politik verfolgt hat, nichts mehr im Wege. Die Normalisierung stellt die Selbständigkeit und Freiheit außer Streit und bildet damit einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung des Friedens in Europa, der lange Zeit wegen gewisser Spannungen in Mitteleuropa von Sorge erfüllt war. Die Normalisierung ändert nicht das geringste an Form und Inhalt der Mai-Verfassung vom Jahre 1084, noch an dem unbeugsamen Willen der Bundesregierung, die österreichische Unabhängigkeit im Innern, wie'nach aühenmit alley Mitteln zu verteidigen. Einzige Organisation' zur politischen Willensbildung bleibt die vaterländische Front. An ihrem Kurs ändert sich nichts. Neben ihr darf es auch in Zukunft keine politischen Organisationen geben. Bedingung für die Aufnahme in die vaterländische Front bleibt das vorbehaltlose Bekenntnis zum unabhängigen, christlichen, deutsch-berufsständischen organisierten, autoritär geführten Bundesstaate Oesterreich. Aus dem Uebereinkom» men geht klar hervor, daß für de» Nationalsozialismus auch in Zukunst in Oesterreich kein Platz ist. Gegen unverbesserliche extremistische Elemente, die nach wie vor Haß und Zwietracht zu säen suchen, wird auch weiter mit unnachsichtlicher Strenge vorgegangen werden. Erweiterung der österreichischen Regierung Die österreichische Regierung wurde erweitert. Es gehören ihr außer den bisherigen Ministern nunmehr noch an: der Direktor des Kriegsarchivs, G l a i setz o r st e n a u und Dr. GuidoSchmidt, bisher BIzedirettor in der KabinettSkanzlei des Bundespräsidenten. Glaise-Horstenau ist ein alter Deutschnatio- naler, der der nationalsozialistischen Partei nicht angehört und ist Minister ohne Portefeuille. Dr. Guido Schmidt wird Staatssekretär für AeußereS Mussolini—Hitler—Schuschnigg . Wie verlautet, Hat M u s s o l i n i bei dieser österreichisch-deutschen Annäherung, eine hervorragende Rolle gespielt. Wie es heißt, ist eine Zusammenkunft zwischen Hitler und Schuschnigg beabsichtigt, die zu Beginn des Monats August auf reichsdeutschem Gebiet, höchstwahrscheinlich in Berchtesgaden,, stattfinden dürfte. Gestern wurde daS Abkommen verkündet, daS zwischen Hitler und Schuschnigg über daS Berhält- nis zwischen Oesterreich und Deutschlauh abgeschlossen wurde. WaS stch der Welt als dir, seit Tagen angesagte«roße Verständigung zwischen Oesterreich und Deutschland darbieten will, von Hitler als nationaler Erfolg, von Schuschnigg alS Sicherung feines Regimes auSgegeben, ist nur zu verstehen auS dem Kräftespiel zwischen Berlin und Rom. Es kann kaum einen Zweifel darüber geien, daß S ch u s ch n i g g bei seinem letzten Besuch i n Italien den Auftrag erhalte« hat, stch mit Hitler zu„verständigen". And eS ist ebenso stcher, daß bei den deutsch-italie- nisch en Verhandlungen die Bedingungenfestgesetzt wurden, unter denen die beiden Diktatoren das nächste Stück WegeS unter gegenseitiger Flankendeckung marschieren können. Natürlich kann es stch dabei nur um eine« Waffenstillstand, um«in HMausschieben der Entscheidung handeln. Für Mussolini ist dabei maßgebend der Wunsch, sich gegen englische Rachegelüste und gegen die anglofranzöstsche Entente überhaupt zu. sichern, womöglich mit Hitler, gemeinsam seine-Idee des Biermächtepaktes wieder auf die Tagesordnung zu setzen.' H i t l.e r wieder braucht, solange die angko- frqnzösische-Entente besteht und der Locarnostreit Nicht beendet ist, die Freundschaft Mussolinis, so schwer eS ihm fallen mag, in dem Kampf um Oesterreich ekle neue Pause einzufchalten. Beide, Mussolini und Hitler, wollen de» SirgübrrdenBölkerbundliSzur letzten Möglichkeit auSnützen, einen große« Revisionsblock von Warschau biS Athen und von Ber. Wien..(Reuter.) Zufolge Nachrichten aus nichtamtlicher, jedoch vertrauenswürdiger Quelle betreffen diese Einzelmaßnahmen folgende Punkte: Die Tausend-Mark-Gebühr für deutsche Touristen wird aufgehoben und allm Oesterreichern, welche in Deutschland wohnen, wird später der freie Grenzviertritt gestattet werden. Die österreichischen Nationalsozialisten wer- den zur Baterländischen Front zugelassen und amnestiert. Außerhalb der Baterländischen Front werden die Rattonalsozialistri» kein Recht aüf politische Betätigung haben. Den nationalsozialistische» Emigranten wird die Rückkehr«ach Oesterreich gestattet werde«, soweit sie nicht deutsche Staatsbürger grwordrn sind. Die- bleutet, daß die Führ e r der österreichische«. Nationalsozialisten nicht»«KÜckkehren werde«. De« deutsche» Staatsbürgern wird die His- sung der Hakenkreuzflagge gestattet werde».. Die österreichische Legion wird aufgelöst. Kein Platz für den Nationalsozialismus** Die Amtliche Nachrichtenstelle in Wien gab eine Erklärung aus, in der es«. a. heißt: Die" österreichische. Regierung, hat nie«in Hehl dargüS gemacht,' daß sie eine. Normalisierung der Beziehungen- zwischen zwei Nachbarstaaten anstrwt, die durch, die ,gleiche Sprache verbunden sind. Die Voraussetzungen für diese Normalisierung hat der.Bundeskanzler zu wiederholten Malen Md in aller Offenheit»ns Eine totalitäre Ehren-Affäre Zu den vielen Sorgen, die das Sudetendeutschtum in dieser Zeit hat, ist als eine der scheinbar drängendsten nun noch die um die Ehre deS Dr. Walter Brand hinzugekommen. Daß cs dieses Problem gibt und wie man eS bisher zu lösen versucht hat, ist bezeichnend für das Niveau, auf dem sich unser nationales Dasein dank der Herauskunft des Herrn Henlein und seiner totalitären Partei befindet. Wir rekapitulieren kurz, was an Fakten vorliegt: Bor Jahr und Tag begann die SdP gegen Leute vorzugehen, deren verbrechen darin bestand, an der Rolle des Dr. Brand in der Parteiführung, vor allem in der Führung des„Führers", Kritik geübt zu haben. Eines solchen Falles hat sich damals die„Numburger Zeitung" angenommen. Ihr Redakteur H e i n z Pfeifer, gewiß ein Mann von einwandfrei nazistischer Gesinnung und in seinen außenpolitischen und allgemeinen Ansichten mindestens so verblendet wie die Hauptleitung der SdP, sand eS immerhin unerträglich, daß die Sudetendeutschen samt und sonders nach der Pfeife des Dr. Walter Brand tanzen sollten, dessen Verdienste problematisch, dessen Persönlichkeits-Format umstritten ist. Aus dem Widerspruch Pfeifers, gegen Brand enfftand eine Ehrenaffäre, in deren Verlauf Brand heftig gegen die, wir wollen es gestehen, uns vorsintflutlich erscheinenden Ehrenregeln der studentischen Korporationen verstieß, indem er den strittigen Fall dem Kreisgericht übergab und außerdem die Verhandlungen über das geplante Duell abbrach. Brand, sozusagen in verschiß geraten, wurde nun für die studentischen Korporationen erst recht der Stein des Anstoßes. Aus den Weiterungen des Konflikts ergab sich die heftige Opposition der nationalen Studenten gegen Henlein, der Ausschluß des Studentenschaftsfüh- rers M e ck l und von diesem Krach spinnen sich Fäden zu der Affäre um K a s p e r und die„Arbeiter-Opposition" in der SdP. Wie sehr sich aber auch die Gegensätze zwischen der Opposition und der Führung in der SdP vertieften, wie breit auch die Plattform des Kampfes wurde, derruhendePunktinder Erscheinungen Flucht blieb Walter Brand. Wir wissen nicht, ob er wirklich ein so einflußreicher und gefährlicher Mann ist, wie die Oppositionellen in der SdP es wahrhaben wollen; aber das eine wissen wir, daß ein Mann, der hinter und unter ihm steht, sich von ihm gängeln läßt und von seinem Lichte mitleuchtet, ein sehrkleinerMann sein muß. Im Konflikte KasperS mit der Hauptleitung spielte neben größeren Fragen wiederum die nach der Ehre und Bedeutung des Dr. Brand eine Rolle. Nach manchem Hin und Her, das wir nicht umständlich erzählen wollen, weil der Bericht über dieses Hakelziehen Seiten füllen würde, setzte der autoritäre Führer der totalitären Partei ein Ehrengericht ein, das die Anklagen gegen seinen Brand überprüfen sollte. Kasper und andere bezweifelten die Unparteilichkeit dieses vom „Führer", also mittelbar vonBrand, über Brand eingesetzten Gerichtes. Während die Untersuchung im Gange war, erhielt der Vorsitzende des Ehrengerichts, Professor Greger, ein Redeverbot von Henlein. Genoß der Mann, den Henlein bestimmt hatte, die Ehre Brand reinzuwaschen, nicht mehr das vertrauen Dr. Brands? In dem Ehrengericht scheint man jedenfalls plötzlich die Funktionen getauscht zu haben. Das Freitag erfloffene Urteil ist von S a s u m, nicht mehr von Greger gezeichnet. DaS Urteil sucht Brand sichtlich zu schonen, sieht sich aber veranlaßt, gewisse schwere B er- stöheBrandS gegen die akademischen Ehrbegriffe, gegen die Interessen der Partei und gegen die allgemeinen Auffassungen von Fairneß festzustellen. Wie inzwischen verlautet, hatten die Mitglieder des Ehrengerichts auch gedroht, aus der Greise rs Maulkorb * Danzig. DaS einzige Danziger oppositio nelle Blatt, die„Danziger B o l k S z e i- tüng", veröffentlichte gestern eine Notiz der Redaktion, 1 in der bekanntgegeben wird, daß sich das Blatt künftig aller Kommentare über die Fn- nenpolitik der Freien Stadt Danzig enthalten werde,' um seine Einstellung zu vermeiden. ."'Die Danziger öffentliche» Funktionäre er- M hielten tzin Rundschreiben, in den» ihnen„emp-1 Partei aüSzutreten, wenn man sie nicht ihrer fohl?»" wird, innkrhalb einer bestimmten Zeit iUeberz-ügüng,gemäß urteilen lasse. derüätionalsozialistifchen Partei bei,«treten, an- Kaum ist das Urteil des von Henlein ein» dernfall» sie unangenehme Folgen.zu gewärtigen gesetzten autoritären Ehrengerichtes erfloffen, so hätte«.?>nimmtH ein sei n alles, wa S de m B ran d „...- u iijii,ii-w»tiu ri‘‘W»eWM Außenminister Beck ist FreitagIvorg e w orfenwird, aufseineKappe, Klarheit bekanntgegeben. Diese Voraussetzungen abends nach Danzig abgereist,. wo er sich zwei desavouiert daS Ehrengericht uno fällt die autori- findi ioderdrei Tage aufhalten wird-. itär-totalitäre Entscheidung, es handle sich eben Stile S Sonntag, 12. JuN 103« Nr. 1KL 31 ^ii- suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grötzsch Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava. Vom Minaret her näselt der monotone Ge- beiSrns des Muezzin durch die Lust.„Allah ha akbar. La il laha il allah.. Langsam geht Melek zu den beiden Türke». Moritz und der Kleine haben ihre Rucksäcke gepackt und stehen auf der Etrahe dranhen. Blechern und fremd dringt ihnen der Ruf des mohammedanischen Priesters in die Ohren. Der Kleine denkt an die grünen schweren Wälder daheim und fühlt ein ziependes Nagen in der Herzgegend. Wie sie die Etrahe entlang schreiten— man wird im nächsten Dorf auf Stroh schlafen, die kleinen Herbergen wimmeln ohnehin von Unge- ziefer— wie sie ins Freie schwenken, läuft Plötzlich der lange Hagere neben ihnen, stapft stumm durch de» Abend.„Gehörst du nicht ins Lager?" fragt Moritz. „Js scho alles gleich", sagt der in den braunen Hosen.„Fein häinS uns angeschmiert, feine Eprüch hamS gemach!..." Marschiert mit in die verbrannte Steppe hinein, ein Haarbüschel in der Stirii, die Augen ins Abendhell gebohrt, als suche er das verheihene Land. Muhte doch irgendwann kommen, vielleicht wühlen die beiden mehr davon, schienen ja noch dran zu glauben,, muhte doch irgendwo einmal sein. XIII. Kapitel Auf der' Landstraße, die von Litosch zur Grenze führt, raste ein blauer Auto dahin Am Steuer sah Kansmanii Wenzel. Neben ihm Ignaz. Hinter ihnen Eva und Justus, lieber den kleinen Ortschaften, durch die der Wagen schnurrte, lag die Ruhe und Sauberkeit, des Sonntagmorgens. Justus stocherte in einem Buche und Eva muhte die angestrichenen Stellen lesen: witzige Sätze, pointierte Gedanken. Eine Woche lang hatte er das Mädchen nicht gesehen., Ihr Kopf war benommen getvesen, Zeilen tanzten vor ihren Augen, wenn sie aus einem Buche aufsah.„Hat sie keine Kopfschmerzen, so macht sie sich welche", sagte Thekla, als Gustt im Vorbeigehen einmal zu Besuch kam. Nun freute sich Justus, dah sie wieder einmal neben ihm sah. Die Strohe zog über eine Höhe. Sie' blickten zurück und sahen den' Fluh noch einmal.• Eine dünne Silberschnur in der Morgensonne. Schmal, matt und fiebrig wand er sich durchs Land. Seine Nebenadern waren eingetrocknet, sein flaches Wasser trug die Schiffe kaum noch. Bäume flogen vorüber. Zwischen verdurstenden Blättern gelbten die Birnen. Duftend schwelgte das reisende Obst in der Augustsonne. Wald brauste heran. Bier Tramps' lagerten am Waldrande: weite lange Hosen, bunte Mützen, jede anders in Farbe und Schnitt.„Schön ist die Welt", sagte Eva, weil JustuS so begeistert in die Weite schaute. Dabei erschienen ihr die Worte abgestorben, al- spräche sie on etwa-, das gewesen ist. Und buchten doch ringsum Rosen, wuchsen und reiften Früchte, jedes Jahr, jeder Jahr, unbeirrt vom Treiben der Menschen. Merkwürdig, Ivie leer und verbraucht auch Gedanken werden können, die zu oft zu Hilfe gerufen wurden.— Vorn unterhielten sich Wenzel und Ignaz läut über die miesen Zeiten.- Junge Menschen zogen truppweise über Wiesenpfade., Blaue Blusen, kurze Hosen. Singend und mit Fahnen. Kanonenfutter für den Krieg, dachte Eva, es gewittert schon am Horizonte, aber greisenhaft und, hypnotisiert starrt Europa Ins Wetterleuchten. Ihr Jungen, die ihr Henle noch singend durch den Morgen wandert, ihr Tramps mit'euren lustigei»"bustftn umPolitik und nicht um die Privai-Ehre des Brand. Aber nichts ist so totalitär, daß es nicht ein Loch, und nichts so autoritär, dah es.nicht einen Sprung hätte. In der Hauptleitung der SdP scheint man es bei all den Spannungen nnd Wirrnissen nicht tragbar zn finden, dah Henlein mit dem Brand"durch den dicksten Dreck geht und ihn gegen die Meinung der erdrückenden Mehrheit hält. So kam Samstag nachmittags eine neue En tsch e i d u n g^ans Licht. Dr. Brand legt, obwohl Henlein an der Behauptung festhnlt, jener habe nur in seinem Namen und zu politischen— also wie cs in der SdP zu gelten scheint mit der Ehre nicht zusammenhängenden— Zwecken gehandelt, die Funktionen vorläufig nieder. Zugleich aber wird ei» n e n e s B e r f a h r e n eingeleitet, da dem Ehrengericht das grohe, aus Zuschriften flammende Material nicht bekannt geive- sen sei, daS zur Beurteilung des Falles Brand nötig sei. Wir" halten in der verlvickelien Sache also dabei: dah Walter Brand von einem Ehrengericht für m i n d e st e n S b e d e n l l i ch, wenn nicht für schuldig erklärt wurde, dah Henlein erklärt, er übernehme— wie Hitler nach dem 8V. Juni— die Verantwortung für die Handlungen des Brand nnd schenke diesem, sein Vertrauen, dah dem Ehrengericht wichtiges Material, das die Hauptleitung Samstag zur Einleitung eines neuen Verfahrens bestimmt, Freitag noch nicht zugänglich lvar, ' dah der mit dem Vertrauen des Führers bedachte Brand seine Funktionen niederlegt, Und es bleiben nur einige Frage offen; zum Beispiel: Wärmst totalitäre Partei, wenn es dann doch nicht klappt? Warum autoritäre Führung, wenn die vvm Führer eingesetzten Ehrengerichte etwas anderes beschliehen als dem Führer paßt? Warum Rücktritt Brands nnd nicht Henleins, lvenn dieser sich für das verantwortlich, erklärt, was jenem zur Last gelegt wurde? Warm» ein neüeS Ehrengericht, wenn man sich an den Beschluß des allen nicht" gebunden hält? Warum überhaupt Ehrengericht, wenn es um höhere politische' Interessen ging, bei denen nach Henlein die Ehre deS Brand' keine Rolle spielt? Und endlich: W i e l a n g e w i t d e i n e N a t i o n, die doch umS tägliche Brot kämpft, sicheinreden lassen, dah diese totalitären Ehrenhändel ihre Lebens- und SlerbenSprobleme seien, für die sie mit sehr viel Gut und, wenn es so weiter geht, auch mit ihrem Blut wird einstehen müsten?! Und waS hat,diese neu deutsche Gerichtsbarkeit im Geiste deS Dritten Reiches eigentlich in. einem demokratischen Staatswesen zu suchen, in dem Ehrensachen vor das Bezirksgericht, strafbare Handlungen vor den ordentlichen Strafrichter und Parteisachen vor statutarisch festgelegte Vereinsinstau- zen gehören?! Die Neuregelung der direkten Steuern III.* R. W. Der seinerzeilige Finanzminister Eng- liö halte bei der Steuerreform des Jahres 1927 erklärt, dah die mit diesem Geseheswerk verwirklichten Steuererleichterungen durch Hebung der Steuermoral ausgewogen werden sollten. Aber dieser Grundsatz wurde in Wahrheit nur bei den dem Steuerabzug unterworfenen Lohn- und Gehaltsempfängern in vollem AuSmahe verwirklicht. Bei den direkt vorzuschreibenden Steuern sollten die bei der Abzugssteuer gegebenen Möglichkeiten einer gründlichen Kontrolle durch drakonische Strafbestimmungen und weitgehendes Ermessen der Behörden bei der. Steuerveranlagung ersetzt werden. Aber diese Mittel blieben gegenüber den Bu« chungSkünsten der grohen Gesellschaften so ziemlich wirkungslos, sie wurden dagegen den kleinen Steuerträgern zur Geißel, insbesondere jenen, die wegen geringen Umfanges ihres Geschäftes, wegen Mangel an Zeit und Schulung und angesichts der Unmöglichkeit, fachliche Hilfskräfte zu bezahlen, keine ordentlichen Geschäftsbücher führen können. Einen der Hauptgrundzüge der Reform bildet darum das Bestreben, für die kleineren Steuerträger erhöhte Rechtssicherheit zu schaffen. Die unwirksamen Strassanktionen, die bis zum Zwanzigfachen der verkürzten Steuer gin- * Sieh unsere Folge von vorgestern und gestern. gen, werden auf das höchstens Zehnfache gemildert, die Entscheidung nicht nur wie bisher, wenn Arreststrafen verhängt werden sollen, sondern auch bei höheren Geldstrafen dem ErkenntniSsenat unter Vorsitz eines Richters zugewiesen und dem Beschuldigten das Recht gewährt, nach dem ersten Verhör einen Vertreter zuzuziehen, bei der Vernehmung von Zeugen und Sachverständigen anwesend zu sein und ihnen Fragen zu stellen. Der sreigesprochene Beschuldigte hat Anspruch aus Ko- stenerfah, wenn die Verfügungen der Steuerbehörde der ständigen Judikatur des Obersten Ber- waltungSgerichtes widersprechen. Wenn die verkürzte Steuer nicht mehr als 1909 XL beträgt, kann sich der Schuldige durch nachträgliche Zahlung in der ihm gesetzten Frist von, der Strafe befreien."' Ilm Bemessungsverfahron sind neben Verbesserungen-der Bestimmungen über die Fristen, die Zustellungen, die Rechtsmittelbelehrungen, welche Vorschriften im Wesen den allgemeinen Verwaltungsverfahren angeglichen werden, vor allem die Anordnungen hervorzuheben, durch die auch bei Personen, die leine Geschäftsbücher führen, also bei den kleineren Steuerträgern, die Willkür ausgeschaltet werden soll. Darum wird die Kontumazierung der Steuerpflichtigen, die Bemessung der Steuer ohne Beteiligung des Steuerschuldners an strengere Voraussetzungen gebunden. Die Mindestsrift zur eingehenden Zugliederung seiner Ausgaben und Einnahmen wird von 8 auf 18 Tage verlängert und dem Steuerpflichtigen das Recht gegeben, den> Sächverständigenbeweis über die Höhe seiner Erträgnisse anzubieten., Wenn die Steuerbehörde die Antwort deS Steuerpflichtigen auf den Bedenkenvorhalt.für" ungenügend erächtet, müh sie ihn, ehe sie zur Kontumazierung schreitet, zur Ergänzung auffordern und sie muh fchliehlich, auch wenn sie den Steuerpflichtigen kontumaziert, bei der- Bemessung der Steuer auf alle Hilfsmittel Rücksicht nehmen, die sie zur Hand hat, sie kann sich die Unterlagen der Bemessung nicht auswählen. Von grundsätzlicher Bedeutung ist, die Zulassung der Wiederaufnahme im SieuerbeinestungSverfah- ren, während bisher nur die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bei Versäumnis wegen unvorhersehbarer oder unabwendbarer'. Hindernisse Möglich war. Hat der Steuerpflichtige der Behörde in der ihm gesetzten Frist alle zur Bemessung notwendigen Erläuterungen gegeben^ so ist die Behörde verpflichtet, den ZahlungSauftraginner- h a l b e i n e s I g h.r e S nach Ueberreichung des Bekenntnisses'zuzüstellen. Nur. in komplizierten Fällen gilt eine zweijährige Frist. Wird sie nicht eingehalten, so gilt die Steuer in der dem Bekenntnis entsprechenden Höhe alS vorgeschrieben. Ebenso wird einer Steuerberufung automatisch stattgegeben, wenn die Berufungsbehörde unter den gleichen Voraussetzungen die Frist zur Entscheidung nicht einhält. Auch diese Bestimmungen dienen nicht nur zur rascheren Erfassung des StenerertrageS für die Staatskasse, sondern soll auch für den Steuerpflichtigen zeitgerecht Klarheit über seine Sieuerverbindlichkeit schaffen. Der BndgetanSschuh fügte seinen» Beschlüsse eine Reihe von Resolutionen an, von denen zwei hervorgehoben seien, deren rasche Erfüllung im höchsten Grade wünschenswert ist. Die eine fordert die Regierung auf, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der aktiven und pensionierten Staatsangestellten verbietet, Anstellungen in privaten Diensten als Berater in ihren» Fache anzuneh- mcit. Diese Resolution richtet sich vor allen» gegen Finanzbeainle, die ihre im Staatsdienst erworbenen Erfahrungen als Steuerberater großer Unternehmungen zu Ungunsten der Staatskasse an- wenden. Die Gebäudesteuer ist durch den vorliegenden Gesetzentwurf nicht abgeändert worden. Aber eine solche Aenderüng wäre insbesondere bei der HaüSklassensteüer dringend notwendig, da diefe Steuer, weil sie, abge- fehen von einem unbedeutenden Zuschlag für Luxusbauten, die Räume in Bauernhütten und in Schlössern gleich behandelt, und nur eine sehr ungenügende Progression nach der Zahl der Räume vorsieht, die Häusler und ländlichen Gewerbetreibenden hart bedrückt. Darum fordert eine weitere Resolption'mitMecht,» dah diese Schj.cht.en^duxch .eine Reform pgr?HauSklgssensteuer entlastet werden sollen. Diefe Resolution fordert aber auch die Ueberprüfung des. Klass en st euer-, k a t a st e r S, die nach dem gellenden Gesetz periodisch durchzuführen ist, worauf aber. zahllose KleinhäuSler seit Jahren vergeblich warten, die bei der Einreihung durch Ai»rechnung befreiter Räumlichkeiten geschädigt wurden und die Re- furSfrist versäumt haben. Hier hat die Finanzverwaltung die Möglichkeit, durch eine administrative Mahnahme manches Unrecht zi» beseitigen, sie darf daher den Ruf des Parlaments nicht überhören. In den knappen Zügen der vorliegenden Darstellung konnten natürlich die zahlreiche»» Neuerungen des Gesetzes nur mit wenigen Worten gewürdigt, manche nur gestreift, manche gar nicht berücksichtigt werden.?lber auch aus dem Wenigen, was in diese»» Rahmen gesagt werden konnte, geht doch hervor, dah das neue Gesetz ein werwosses Ergebnis parlamentarischer Initiative ist, daß es der Stesterge» r e ch t i g k e i t dient und dah es, indem es danach strebt, dem Staat rasch und sicher zu seines» notwendige»» Einnahmen zu verhelfen, auch hie RechtederSteuerträger, besonders der kleinen, zu sichern und zn wahren bemüht ist. Neuer bisher 246.138 in der produktiven ArbeltslosenffUrsorge Jin Jahre 1988 wurde für 249.188 Arbeitslose im Rahmen der produktiven Arbeitslosenfürsorge Beschäftigung auf die Dauer von einem bis zu zwölf Monaten besorgt. Nach den Ausweise»» des FürsorgeministeriumS entfallen davon - 1. auf die sogenannte Länderaktion 89.897 Personen. Diese Aktion besteht darin, daß das Fürsorgeministerium Arbeiten öffentlicher Bauführer, die zwar Subventionen aus anderen Quellen(Strahenfonds, Meliorationsfonds Ufw.) erhalten, dadurch ermöglicht, dah es den Bauherren Beiträge oder unverzinsliche Darlehen gewährt. Auf diese Weise wurden im Vorjahre für 947 Arbeiten mit einem Kostenaufwand von 972,872.869 Xi Mittel in der Höhe von 91,462.899 XL bewilligt. 2. auf Arbeiten voi» gemeinnützigen Korporationen. Der Beitrag wurde für 184 Projekte bewilligt, die einen Aufwand von 2,818.879 XL erforderten. 8. auf die sogenannte allgemeine produktive Arbeitslosenfürsorge. Hier handelte es sich um 8478 Fälle und 182.291 Personen und um einen Aufwand von 69,118.969 XL. Zusammen betrugen also die bewilligten Beträge 188,999.429 XL, die Zahl der Arbeitslosen, welchen auf dem Wege der drei Arten voi» produktiver Arbeitslosensürsorge Beschäftigung gesichert wurde, 246.188. Aus verschiedenen Gründen(z. B. wegen technischer Unmöglichkeit der Arbeit) konnten jedoch, nicht alle Arbeiten schon im Jahre 1938 beendet werden. DaS FUrsorgeministerium bewilligte daher in diesen Fällen eine Verlängerung derFristen. Der bisherige Umfang der produktiven Ar- beitSlosenfürsorge im heurigen Jahr ist demnach: 1. Ueberlragung aus dem Jahre 1988: Arbeiten bis. zu 80,000.000 XL, die Beschäftigung für 128.999 Personen bedeuten. 2. Reu bewilligte Beträge aus der Länderaktion und der allgemeinen produktiven Arbeits» losenfUrsorge,: Beiträge in der-,..Höhe von .68,896.080.XL.sü r Arbeiten.mit einem Gesamtkostenaufwand von 629,998.468 XL.-Die Zahl der beschäftigten Arbeitslosen beträgt 96.414," 8. Arbeiten gemeinnütziger Korporationen: I»» 146 Fällen wurden 2,488.999 Xi Staatsbeiträge bewilligt, der Gesamtaufwand dieser Arbeite»» beträgt rund 28,899.999 XL, die Zahl der Beschäftigten 4882, iBS zum 26. Juni 1988 erfaßte die pro- düktive Arbeitslosenfürsorge 228.796 Arbeitslose, der StaatSbeitrag erreichte eine Höhe von 146)927:989 XL! In den letzten Tagen wurde der Regierung vom Fürsorgeministerium ein Antrag auf Bereitstellung neuer Gelder vorgelegt, da die zur. Verfügung stehenden in den nächsten Woche»» erschöpft sein werden.. Mühen, froh in» Kraftgefühl eurer Glieder unb eurer Schönheit, für euch weih diese hilflose Well keine andere Zukunft——— sie riß den Blick von den' singenden Trupps, hinweg," ihr Herz bäumte sich auf wie ein wildes Pferd. JustuS ließ das andere Fenster tief herab, dah der Wind voll hereinbrauste, sah ihr in die Augen, funkelte durch die Brille und sagte etwas. Sie erschrak. So scharf las er ihr die Gedanken vom Gesicht?! Er sagte:„Es ist eine Krankheit, Eba, ihre Krankheit." Und griff nach ihrer Hand, spielte leise mit dem dünnen Ring am Mittelfinger. Sie nickte. Meine Krankheit, ich weih.. Oester tanzen, sagt Herr Wendisch. Sorgen fehlen mir, meint Thekla. Der Wagen flog zwischen waldigen Bergkuppen dahin. Eichenwald ragte auf. Ein Auerhahn rief. Weit im Busch antwortete gackernd die die Henne. Zitronenfalter gaukelten am Strahen» rande. Der Waid blick zurück. Felder, mib spär» Wem, verbranntem Getreide. Verstreute Hüften auf abgeweideten Wiesen, die ai» ein Dorf heranliefen. Man war auf dem Kamme. Da» Auto hielt. Eva,. JustuS untz Ignaz stiegen au», nur Wenzel führ weiter. Er wollte nachmittags zurück sein. Ignaz schmiß den Rucksack auf, den Rücken. Man Arte Papier knistern.", . Abseits der Orte?, nach dem Waldrande zu, lag ein kleine» East. Hier wollte mast die Kuriere erwarten. Ignaz war leicht errear, die Kanten keiner knochigen Stirn leuchteten hellrct. Würden sie kommen? Ein Freund HerknerS sollte Wei seist. Würde man von Herkner hören? Der Wirtsgarlen war noch leer. Im Gast- zlinmer hingen Zeitungen, jungfräulich und neu. Fette Ueberschriflen stritten»m» Krieg oder Frieden^ Demokratie und Diktatur, Kapitalismus und Sozialismus.: Frisch eingespannt wartete»» die Blätter auf Publikum, um mit schivärzen. Druckspalten über lesenden Köpsen zusanunenzu- schlagen.“ Die Drei sahen im Garten,. tranken rüstig duftenden Kaffee) Dann bummelte Ignaz dein Wald entgegen. Ehe er ging, legte" er lächelnd Evas Hand wie zur Verteidigung auf den Rucksack, dessen Riemen neben ihr melancholisch über eine Stuhllehne baumelten. Dei» Hang hinab lief der Weg in» Deutsche. Spitze Türme stiegen aus der deutschen Landschaft auf. Heimat. Eva» Gesicht bekam einen weichen Ausdruck. Schön war sie gewesen, diese Heimat, schön, sauber Und vertraut. Jetzt galt man dort, als Aussätzige.. Wo lag jetzt ihre Heimat? Dort drüben?"Das war vorbei. Sie muhte den Blick abwenden und. bewegte die Schultern, als schüttle sie ein. innerer Frost. Gemeine Verse hatte man ihr im Studiensaale auf ihren Platz geklebt; junge Helden schrieben ihr heimlich auf die Bank: Judensau.".. Und was jetzt den Märtyrern der Freiheit geschah sie fror. Räch einer Weile, kam Ignaz wieder, zwei andere an seiner Seite: ein junger Blasser und ein. älterer Mittelgrrher. Sie schüttelten Eba und JustuS die Hände. Beide mit Rucksack und Kniehosen.. Der Junge hieh Franz, der Aeltere Sepp". Unscheinbar sähen sie an»: jung, durchschnittlich, bartlos der Junge. Beinahe wje der Kleine, nur ein paar Jahre älter, dachte Eba. Der andere von gedrungener Figur, mit dünnen», schwarzem Barl, unauffällig die ganze" Erscheinung..;• Langsam nur kam da» Gespräch in Gang. Sie erzählten von drüben. Neue Mässeuverhaf- tüilgen, illegale» Matiriäl gefunden," wieder" ein' Spitzel überführt, teil» wachsende Mißstimmung, teils Apathie, unter den Massen..!," Eba kannte solche Berichte—■ es war meist dasselbe.- Und doch btick e» ein seltsames, aufwühlende» Gefühl: Männer zu sprechen, die au» der Dschungel kamen, die Haiit geritzt von ihren. Dornpn;. Männer, die Nachrichten brachten, in die Dschungel gingeiii Nachrichten Mitnahmen.— Wer konnte diese»» unscheinbaren Burschen ansehen,.was. sie wagten?! l.Fortsetzung. folgst), Nr. 161 Sonntag, 12. SuN 1936 ftidetenjcutwftci Xcitspicgcf Am 8. Feber 1935 wurde der schlesische Parteilreis von einem schiveren Verlust betroffen. An diesem Tage ginn Genosse Hans I o k l für immer von uns. Wie schwer wir seinen Abgang empfinden, welcher Beliebtheit in allen Kreisen der Bclvegung sich Hans Iokl erfreute, geigte die am Samstag auf dem Jägcrndorser Friedhof erfolgte G r a b st e i n e n t h ü l l u n g. Neben dem Erwecken dcS schlesischen Proletariats, Hugo Schmidt, hat das, Ivas an Hans Iokl sterblich Ivar, seine lebte Ruhestätte gefunden. Ein wuchtiger Granitblock, ans dem eine Flamme emporlodert, versinnbildlicht das Leben dieses Unver« geglichen. Die Inschrift auf dem Grabmal meldet, das; hier ein von den Arbeitern vielgeliebter VolkSführer rubt. Zug zum Friedhof Bei sinkender Sonne formierte sich beim Arbeiterhcim ein stattlicher Zug, voran mit wehender Fahne eine Hundertschaft RW. Es folgten die sozialistische Jugend und die Kinderfreunde, Abordnungen der zur Austragung der Bundcs-Radfahrermeisterschaften dcS Aruk in Jägerndorf zusammengekommenen Vereine und die AtuS-Leute. Hinter einem roten Fahncnwald ging die KrciSvcrtretung Troppau der DSAP, das FranenbezirkSkomitee, die Vertreter der Bc- zirksorganisationen. Auch die Kreisorganisation Sternberg hatte Delegiert« entsandt, ebenso die BundcSleitung des Aruk, die tschechischen Genossen, der Gcc-Berband, die Verwaltungsstelle Ostrau des Internationalen Metallarbeiterver- die diesjährige Reichenberger Messe besondere Anziehungspunkte für einen regen Einkänser- und Jntcressentenbesuch geschaffen. Oer Internationale Metallarbeiter- Verband zeichnet Verteldlgunssanlelhe In der wegen des„AtuS"-Festes von Ende Juni auf den 10. Juli verschobenen Vorstandssitzung hat der Internationale Metallarbcitcrvcr- band nach einem WirtschaftSbericht des Vcr- bandskassiers Genossen M a l) einstimmig beschlossen, 500.000 Kö StaatSvcrteidi- gungSanleihe z u zeichnen. BdD, SdP lind das Dritte Reich Zum M ä h r i s ch-Schönberger Bundesfcst sind noch ein paar bemerkenswerte Einzelheiten nachzutragen. So vor allem die nette Episode, daß der SdP-Abge ordnete Knarre, als er in Mährisch-Schönberg in aller Herrgottsfrüh' angesäuselt aus einer Bar kain und die Passanten belästigte, unsanft v c r- prügelt wurde. Wichtiger aber als dies ist die Tatsache, daß die Zahl der Teilnehmer, vom größten Teil der Bürgerpresse bekanntlich mit Hund erttausend angegeben, amtlich wüt 5660 Üeim Festzug und 10.000 auf dem Festplatz geschätzt tvurde. Dagegen hat der B r e s- laucrRundfunkals Besucherzahl 300.000 angegeben I Da kaum anzunehmen ist, daß die Breslauer einen eigenen Berichterstatter nach Mährisch-Schönberg entsendet hatten, läßt sich unschwer erraten, aus welchem sudetendeutschen Partei- Lia g e r diese Vervielfältigung stammt. Eröffnung der Ausstellung„Kultur und Arbeit" Im Isergeblrge Im Sitzungssaal des Gablonzer Rathauses wurde gestern Nachmittag die Ausstellung»Kultur und Arbeit" für eröffnet erklärt. Behörden und Korporationen ivaren vertreten, das Handelsministerium hatte den Oberrat W i I d n e r entsandt. Bürgermeister Petrovsky begrüßte im Auftrag des Gablonzer Stadtrats. Er verwies einleitend auf die hohe» Leistungen der heimischen Wirtschaft, die zur Geltung gebracht werden müssen.— Die Ausstellung wird vom deutschen Gewerbe- und Mufeunisverein veranstaltet, der seinen siebzigjährigen Bestand feierte und auch aus Anlaß der Siebzigjahrsoier der Stadterhebung. Der Antrag des Bürgermeisters, dem Staatspräsidenten ein Danktelegramm für sein Wohlwollen zu senden, sand starke Zustimmung. In den siebzig Jahren konnten u. a. die Staatsfachschule, die Kunstgewerbeschnle, das Stadtmuseum, der Sparund Borschuhvercin und der Botanische Garten geschaffen werden. Diese Schau demonstriert eindringlich die Leistungsfähigkeit der Jsergebirgs- bewöhner..•., Oberrat Wildner vom Handelsmini- sterium entschuldigte den Handelsministcr und erklärte die Ausstellung für eröffnet. . Hervorzuheben ist, daß der Bürgermeister der Stadt Reichenberg, Senator K o st l a, in seiner Begrüßungsansprache betonte, daß auch entsprechender L o hm notwendig ist, die Lohngrenze dürfe nicht unter eine bestimmte Höhe fallen. Das mögen: sich manche Unternehmer des Gablonzer Bezirkes sehr gut einprägen. Die Komödie um Brand Henlein kassiert Llebls Mandat Prag. Die Pressestelle der Sudeiendeutschen Partei teilt mit: Dr. Walter Brand, der sich verpflichtet hatte, sich dem Spruch des Ehrengerichtes zu unterwerfen, hat auf Grund des erslosscnen Erkenntnisses an Konrad Henlein das Ersuchen gestellt, ihn seiner Mitgliedschaft in der Hauptleitung und seiner Aemter zu entheben, um so der SdP völlig freie Hand zu gewährleisten. In Ansehung dieser von Dr. Walter Brand angeführteii Gründe hat Konrad Henlein dessen Ersuchen stattgcgeben unter" voller Aufrechterhaltung des Standpunktes, dem er in seiner Vertrauenserklärung für Dr. Walter Brand vom 10. Juli Aus, druck gegeben hat. Der Begründung des Spruches des Ehrengerichtes gegen Dr. Walter Brand liegen Tatsachen zugrunde, zu denen mehrere Kameraden, unter diesen vor allem eine Anzahl von Hauptlcitungsmitgliedern, für die Feststellung des vollen Tatbestandes wesentliche Mitteilungen und Ergänzungen zu machen haben. Deshalb haben sich diese Kameraden entschlossen, den Vorsitzenden des Ehrengerichtes um Wiederaufnahme des Verfahrens zu ersuchen, um so Gelegenheit zu haben, als Zeugen aussagen zu können. Der ständige Disziplinarausschuß des Klubs der Abgeordneten und Senatoren der SdP hat über Beschluß des Klubvorstandes mit Zustimmung Konrad Henleins ein Disziplinarverfahren gegen den Abgeordneten der SdP Otto L i e b l durchgeführt. Der fünfgliedrige Disziplinarausschuß beschloß einstimmig, bei Konrad Henlein als Vorsitzenden der SdP zu beantragen, Otto Liebl zur Niederlegung seines Mandates aufzusordern. Konrad Henlein hat dem Antrag stattgegeben und den Abgeordneten Liebl schriftlich zur Niederlegung des Mandates aufgesordert. Der Gesamtklub der Abgeordneten und Senatoren der SdP hat in seiner Sitzung vom 9. Juli die Entscheidung des DtsziplinarauSschusses zur Kenntnis genommen. Das Ehrengericht gegen Dr. Brand bestand auS Franz Eduard S a s um(Vorsitz), Dr. Justin Gregcr, Gottfried Wehrenfennig,' Ferdinand Alter und Richard Bernhard. „Krieaswlchtiae" Betriebe Durchführungsverordnung zum Verteidigungsgesetz Soeben ist eine der Durchsührungsvcrord- mmgen zum Staatsverteidigungsgesetz erschienen. Ihr Hauptinhalt besteht darin, daß jene Betriebskategorien aufgezählt sind, die im Sinne des Gesetzes als krieaswichtig anzusehen sind. Als derartige Unternehmungen werden erklärt solche des Bergbaues, der Glas- und Metallindustrie", der chemischen, Papier» und graphischen Industrie, Textil- und Bekleidungsindustrie, GaS-, Wasser« und Elektrizitätswerke, Verkehrsunternehmungen, Sanitätsindustrie, Leder- und Holzindustrie. Ein Teil dieser kriegswichtigen Betriebe steht unter Aussicht der politischen Behörden, ein Teil untersteht außerdem der Kontrolle der Militärbehörden. In den kriegswichtigen Betrieben dürfen nur verläßliche Personen tätig sein, Ausländer dürfen nur mit besonderer Bewilligung des Nationalverteidigungsministeriums beschäftigt werden. Gegen die Qualifi- zierpng als staatlich unverläßlich steht den Betroffenen die Berufung an einen Senat zu. Diese Senate werden bei den LändeSbehörden errichtet und auf drei Jahre ernannt. Kriegswichtige Unternehmungen, welche /Ausländer beschäftigen,' müssen biiinen vier Wochen/nachdem-ihnen mitgeteilt tvurde, daß sie als kriegswichtig betrachtet werden, um die Bewilligung der weiteren Beschäftigung der Ausländer ansuchen. Die Bezirksämter müssen Verzeichnisse der in ihrem Sprengel gelegenen kriegswichtigen Unternehmungen anlegen, die Unternehmer find verpflichtet, den Bezirksämtern die erforderlichen Angaben zu machen. Die Verzeichnisse müssen bis zum 10. JäNner 1987 angelegt sein. Ole wahre Gewerkschaftseinheit Eine Entschließung des NSV London.(Meuter.) Der Kongreß deS . Internationalen Gewerkschaftsverbandes(Ge- werkfchaftSinternationale) nahm eine Resolution an, welche fordert, daß der Internationale Ge- werkschaftsverband mit den GewerkschastSorgani- sationen in Amerika, Au st ralien, Reuse e l a n d, im Fernen Osten und mit denen der Sowjetunion sowie mit anderen Gewerkschaftsorganisationen verhandeln möge, welche bisher im Internationalen Verband nicht vertreten sind, und zwar zu dem Zwecke, eine einheitliche Bewegung der GcwerkschaftSorganisationen in der ganzen Welt zu schaffen. Weiter' wurde cjne Resolution genehmigt, in der erklärt wird, daß der F r i e d e unteilbar sei und der Faschismus besonders in solchen faschistischen Län» der», wie in Deutschland und Italien Kriegsgefahren mit sich bringe. Die Resolution erklärt, daß die internationale Gewerkschaftsbewegung treu auf den Grundsätzen der wirklichen kollektiven Sicherheit im Rahmen des Völkerbundes beharre und geneigt sei, seinen Mitgliedern zu erklären, daß er die Verantwortung und alle Risiken übernehmen müsse, die für ihn daraus erfließen. Dec Kampf gegen den Faschismus muß weitergeführt werden. Eine andere Resolution verurteilt den wirtschaftlichen Nationalismus und das Dum- Pingfystem und betont die Notwendigkeit von ' internationalen Abkommen über die gerechte Verteilung von Rohstoffen unter alle Nationen. Der Gewerkschaftskongreß empfiehlt, die Bestrebungen ' zur Einführung der 40stündigen Arbeitswoche für alle Arbeiter.fortzusetzen. O Znm Vorsitzenden deS Internationalen Ge- wrrkschaftSbnndes wurde wieder Citrin«, zum Vorsitzenden- Stellvrrtreter Ta perle (Tschechoslowakei), Mertens(Belgien), Ia- eobsen(Dänemark) gewählt. Kupers(Holland) wurde zum Borsitzruden-Stellvertrrtrr an- . stelle S ch o r s ch s(Oesterreich) gewählt,/der auf seine Funktion resignierte. Der nächste Kotzgreß wird in Prag stattfinde».' Die heurigen SchluBmanöver werden in zwei Gruppen und zwar in Böhnien unter Leitung des Gencralstabschefs Gen. Krcjöi, in der Slowakei unter Leitung des Landcslom- mandante» Gen. Votruba abgehalken. Die beiden Parteien werden von Gen. Prchala und Gen. Kadlec geführt werden; den Schiedsrichterdienst wird Gen. Vojccchovskh leiten. In Böhmen wcr- den die Manöver in der zweiten Angnsthälftc, in der Slowakei in der ersten Scptemberhälfie durchgcführt werden. Tas Ministerium für nationale Verteidigung ersucht die Bevölkerung in de» Mauövergcbietcn, das Militär nach Kräften zu uiitcrstUtzcn und insbesondere damit zu rechnen, daß Mowrlastfahrzenge zur gegebenen Zeit werden vom Militär gemietet Ivcrden müssen. Vas Durcheinander- In der SdP Der. ArheiterstandeSvertreter von Gablonz a.'R'/, Bruno K o h l, tvurde, da er erklärte, die Arbeiterschaft kämpfe mit Rudolf Kasper und gegen Dr. Brand"für die Volksgemeinschaft, seines Amtes/enthoben.,. In P o l a ,u n wurden der frühere BezirkS- standesvertreter der Arbeiterschaft, Ernst Ja- n o ch, und der Amtswalter Emil.Bartel ihrer, Aemter enthoben und überdies auS der SdP ausgeschlossen," da sje sich gleichfalls, für Rudolf Kasper und gegen Dr. Brand ausgesprochen hatten, Die A u S s ch l ü s s e. mußten jedoch nach wenigen Tagen rückgängig gemacht werden,! dä die darob erbitt e r te Mitgliedschaft hinter die AuSgeschiössenen trat und das Fortbestehens der Ortsgruppe in Frage gestellt war. ....' Reichenberger Messe gut besetzt. Die vom 18. bis, 28. August stattfindende Reichenberger Mustermesse wird an" Umfang und Mannig- faltigkeit der ausgestellten Erzeugnisse jene des Vorjahres, übertreffen, Die•„Technische Messe" und die„Radiomesse" sind heute schon derart gut beseht," daß nur noch(ganz wenige Stände vergeben, werden können. Auch, in verschiedenen anderen Branchen besteht bereits Platzmangel. Durch die Neuangliederung der großen Sonder- aüsstelluligen„Die Elektrizität als Licht-, Kraft- und WärmequeUe",„Gemeinschaftsausstellung des Bekleidungsgewerbes", das„technische Weltwunder": Der durchsichüge Mensch" wurden für bandcs, die Westschlesische Konsum- und Svar- genossenschaft Jägerndorf, die Landcsvectretung des AtuS und die Druck- und Vcrlagsanstalt »Vorwärts" und die„VolkSprcsse" in Troppau. denen HanS Iokl durch mehr als ein Vierteljahr- Hundert Vorstand. Für den Partcivorstand wollte Genosse Taub an der Gedenkfeier tcilnehmen, er mußte sich jedoch infolge unvorhergesehener und unabwciSlicher Arbeiten entschuldigen lassen. Die Feier auf dem Friedhof Verteldlaunesanlelhe: 2 5 Milliarden Während des letzten ZeichnungSabschnittcS vom 4. bis 11. Juli 1986 wurden auf die StaatsvcrtcidigungSnttleihe 954,178.500 KC gezeichnet und bar bezahlt, so daß mit den Zeichnungen aus den vorhergehenden Wochen die Ge- samtzeichnung 2.588,489.000 KC beträgt, davon 851,010.000 KL in dreiprozentigen und 1.717,479.000 Kö in 4^prozentigen Titres., Dieses Ergebnis muß uni so eher angenehm überraschen, als in Ihm noch nicht die Schlußabrechnung aller Zeichnungen für die Staatsver- teidigungSanlcihe ausgedrückt ist. Man muß daher damit rechnen, daß noch einige weitere Zeichnungen verrechnet werden, die bis zum 11. Juli, an welchem Tage die ZcichnungSfrist für die StaatSvcrtcidigungSanlcihe ablief, die Zeichnungen bei den entfernten Filialen der Zeichnungsstellen nicht verarbeitet werden konnten und auch ein gewisser Posten von Zeichnungen, die zwar innerhalb der ZeichnungSsrist angemeldet, aber "bisher nicht bezahlt wurden, noch nicht verrechnet worden ist. Die oben angeführte genaue Ziffer der Zeichnungen für die. StaatSRkrtcidigungs- anleihe ist daher nicht endgültig und wird sich gewiß iwch erhöhen. Schlesiens Arbeiter gedenken ihres toten Führers Mena Jokls Grabmal enthüllt Rings um die Grabmäler stellen sich die Teilnehmer auS allen Gebieten Schlesiens auf. Auch die Genossin M a r i c I o k l, die treue Kampfgefährtin Hanö Jokls und die nächsten Angehörigen waren zugegen. Mit dem Choral»Ein Sohn des Volkes" wurde die schlichte Feier eröffnet. Ringsum herrschte lautlose Stille. Da standen die alten, grauhaarigen Kampfgefährten, die mit Iokl Sieg und Niederlage erlebten, dazwischen die jungen Streiter von heute. In der Flut des Sonnenlichtes flammten die Fahnen rot auf. Als der Vertrauensmann des KreiieS Troppau, Rudolf Heeger, vortrat, um die Gedenkrede zu halten, legte die RW zwei Kränze mit roten Rosen und Nelken auf die Gräber. Nach Heegers Rede übernahm der Bürgermeister Jägerndorfs, Genosse E r n st Richter, das Denkmal in die Obhut der BczirkSorganisation Jägerndorf." ES klang die Melodie des„Tord Foleson", ein Fanfarenruf beendete die Feier. > Etkar Andre 1 Zum Todesurteil gegen den Hamburger Kommunistenftthrer Das Hanseatische ObcrlandcSgcricht Hamburg hat über Etkar A n d r i das Todesurteil gesprochen. Man kann ohne Ilbertrcibung sagen, daß dieses Urteil einen der schlimmsten Willkürakte der nationalsozialistischen Rachejustiz darstellt. ; Gerade im Falle Etkar Aiidrä sind dem Gerichte ; hinreichend Beweise zugestellt worden, aus denen , seine völlige Unschuld an den ihm zur Last gcleg- " ten Vorfällen hcrvorgeht. Etkar Andrä wird vor» ; geworfen, der geistige Urheber jener Zusammenstöße gewesen zu sein, die sich im Zeichen des braune» Terrors im Jahre 1932 in Hamburg ereigneten und unter dem Namen„Altonaer Blut» ; sonntag" und„lieberfall an der Sternschanzo" in " das Gedächtnis der Hamburger Bevölkerung ein- " gegangen sind. Am„Altonaer Blutsonntag" veranstaltete die Nationalsozialistische Partei, trotz aller Warnungen, in provokatorischer Absicht einen Demonstrationszug diirch die engen Gassen des Proletarierviertels. Die Arbeiter, die zum Schutz ihrer Versammlungslokale und Wohnstätten sich in den Gassen aushielten, kamen bei einer Stauung des Dcmonstrationszuges, herausgcfordert durch das provozierende Verhalten der SA, mit ihr in ein Handgemenge. Es fiel ein Schuß, der, wie heute feststeht, von nationalsozialistischer Seite abgegeben worden ist. Damit begann eine ungeheure Panik und eine wilde Schießerei der Polizei. Kann also schon von einer Schuld der organisierten Arbeiterschaft an diesen Vorfällen nicht gesprochen werden, so noch weniger von einem Verschulden Etkar AndröS, der lveder bei dem Vorfall anwesend Uiar, noch auch in seiner Eigenschaft als früherer Führer des Roten Frontkämpferbundes hierfür verantwortlich gemacht werden konnte. Denn abgesehen davon, daß es sich ja nicht um eine Aktion dieser damals bereits längst aufgelösten Organisation handelte, hatte auch And'ä nachweislich seit der Auslösung dieses Verbandes keinerlei Verbindungen mehr zu irgendwelchen Gruppen ehemaliger Teilnehmer des RFB. Er hatte vielmehr feit dem Jahre 1929 eine Reihe von kommünalpolitischer Funktionen übernommen, war nach Cuxhaven übersiedelt und wirkte als Stadtverordneten in der Hamburger Bürgerschaft, dem Parlament der Hansastadt. Auch bei der Demonstration an der Sternschanze befand sich Andrö lediglich in seiner Eigenschaft als Abgeordneter, wie alle anderen Bürgerschastsmit» glieder, im Dcmonstrationszuge und ihm kann an dem Ileberfall dieses Zuges durch uniformierte SA von keinem rechtlich denkenden Augenzeugen der Vorfälle irgendwelche Schuld an den Opfern dieses Tages zugeschrieben tverden. Vor Hitlers Machtantritt hatten die Nationalsozialisten keine Möglichkeit, auf gesetzlichem Wege gegen, ihn vorzugehcn. Im Herbst 1931 versuchten drei SA-Männer einen Mordübcrfall auf ihn, dem der Abgeordnete Henning zum Opfer fiel. Seit mehr als drei Jahren sitzt Etkar Andrö bereits in Haft, jetzt erst hat man es gewagt, ibm den Prozeß zu machen. Ein in Präg von der „Union für Recht und Freiheit" veranstalteter Gegenprozeß hat in öffentlicher Verhandlung durch einwandfreie Zeugenaussagen, die späterhin noch durch Protokolle aus einer Reihe anderer i Länder ergänzt werden konnten, mit ab-oluter Ge» wißheit ergeben, daß AndrS völlig unschuldig an den ihm zur Last gelegten Verbrechen., ist. DaS Gericht hat sämtliche Zeugenäüssagen übermittelt erhalten und ihren Eingang bestätigt, eine Fülle von Protesten, so auch seitens der größten Ge- werkschaftsorgänisationen der Tschechoslowakei ist gegen den Antrag des Oberstaatsanwaltes ergangen, Sette 4 Sonntag, 12. Nult 1936 Re. 161 Das Getreidemonopol Durch die weitere"Novellierung des Ge- tretdemouopolS, welche die Regierung in ihrer letzten SihuNg vor deu Ferien genehmigte, soll die Organisation der Getreidegesellschast stabilisiert, ihre Wirksamleit verstärkt lind das sinan- zielle Gleichgelvicht der Gesellschaft gesichert werden. Die Preise Die wichtigsten Aenderungen in der Novellierung sind Im Wesen folgende: Die Preisfrage ist so geregelt, dah die bisherigen Einkaussgrund- preise zwar aufrechterhalten iverden, dah aber die Landwirte die Pflicht haben, in dem betreffenden Wirtschaftsjahr nach Bedarf Beiträge für den besonderen Reservefonds zur Deckung der Auslagen und Verluste zu leisten, welche die Gesellschaft bei der Vertvertnng des Getreides heimischer Ernte erleidet. Die Höhe dieser Beiträge, welche bei der Bezahlung des Kaufpreises für das gelieferte Getreide werden abgezogen Iverden, seht die Gesellschaft mit Zustimmung der Regierung vor der Eröffnung des Getreideeinlauses in dem betreffenden Wirtschaftsjahr fest. Diesem Fonds fliehen auch eventuelle Gewinne aus der Einfuhr und ein Beitrag des Staates zu, damit der Fonds 60 Millionen Kö erreiche. Die Ein- laufsgrundpreise für alle Getreidearten blieben aufrecht; die Monatsbeiträge werden bei Weizen bis 14 KC, bei Roggen bis 12 Kö, bei Gerste bis 9 Kö, bei Hafer bis 12 KC und bei Mais bis 12 Kö betrage». Die Beiträge der Landwirte zur Vertvertung der Ueberschüsse werden bei Weizen 18 Kö, bei Roggen 8 Kö bei Gerste 11 Kö und bei Hafer 8 Kö betragen. Die Preise mr den Verlauf von Weizen und Rogge» bis Mühle werden das ganze Wirtschaftsjahr hindurch die gleichen sein und bei Weizen 176 KL und bei Roggen 136 Kö pro Meterzentner betragen. Die Wirtschastsgebarung der Gesellschaft würde auch auf getrocknete Rüben und Futtermelasse erweitert. Kontrolle Um eine spekulative Umgehung des Monopols, insbesondere den Schwarzverlauf und das Schwarzmahlen zu verhindern, ist die Gesellschaft ermächtigt, nach Anhörung des Kollegiums für Angelegenheiten der Mühlenproduktion besondere Bedingungen für das Lohnmahlen, festzusetzen und eine Kontrolle vorzunehmen. Der direkte Verkehr der Landwirte mit den Mühlen wird demnach ausrechterhalten, doch wird die Kontrolle verstärkt werden. Der Absatz Was die Pslichtabnahme der Getreideüber« schüsse durch die Landwirte betrifft, wird in der Neuregelung bestimmt r Soforn andere Möglichkeiten zum Absatz der aus den heimischen Getreidelieferungen entstandenen überschüssigen Getreidevorräte nicht ausreichen sollten, sind die Geireidelieferanten(bei jährlichen Getreidelieferungen von über 20 Meterzentnern anher Mais) verpflichtet, nach den von der Gesellschaft ausgearbeiteten und von der Regierung genehmigten Richtlinien von der Gesellschaft die heimischen Getreideüüerschiisse abzunehine» oder sich an der Liquidierung dieser Ueberschüsse durch Abnahme einiger Sorten von Mehl, Msihlenprodukten und Kleie je nach Festsetzung dieser Sorten durch die Richtlinien zu beteiligen. Es wird demnach kein Unterschied mehr zwischen den einzelnen Getreidearten gemacht und auf deu Jahrgang der Ernte keine Rücksicht genommen werden. ES wird die Ausfuhr einer größeren Menge von Gerste, Malz, Hafer und Futtermehlen mit Benützung von Einsuhrscheinen organisiert werden. Ausmahlung Tie neue Anordnung ermöglicht die Festsetzung der AuSmahlungSart bei der Erzeugung von Mehl und Mühlenprodukten aus Getreide. Das doppelgrifsige Weizenmehl 0HH soll nur bis zu 48 Prozent ausgemahlen werden und die chemische Behandlung des MehleS wird verfolgt werden. Es wird so der Getreidemarkt belebt und auch die Qualität der Mühlenprodulie gesichert werden können. Dauer deS Monopols Die Geltung des Getreidemonopols wurde um drei Jahre, demnach noch bis zum Wirtschaftsjahr 1939/40 verlängert. Die neue Verlängerung ermöglicht eine Stärkung und Vervollkommnung der Organisation. Fürsorgeminister Jng. Neöas wird ab IS. Juli auherhaib Prags sein. Während seiner Ur- laubSzeit wird seine Privatkorrespondenz nicht erledigt werden. Strafen wesen Betrlebsbesetzuns Vor dem Neberiretungsgericht in Bor- d e a u x wurde die Beschwerde eines Arbeitgebers gegen" 13 Arbeiter verhandelt, die" kürzlich während eines Streiks das Unternehmen gewaltsam besetzt hatten und 28 Tage hindurch die Werkstätten nicht verliehen. Die Arbeiter wurden zu je 25 Franken Geldstrafe verurteilt. ES ist dies das erste gerichtliche Erkenntnis dieser Art. Die Blätter weise» daraus hin, dah zahlreiche Unternehmer in deu letzten Tagen nach der kürzlichen Senatsrede des Innenministers wegen der Besetzung ihrer Betriebe bei Gericht Beschwerde erhoben haben. Furchtbare Diirrekatastrophe in Amerika Siebenundzwanzig Staaten von USA sind von einer Dürrekatastrophe betroffen worden, wie sie seit viele» Jahrzehnten nicht erlebt wurde. Die Zahl der Todesopfer beträgt 400, tvährend der Ernteschaden in die Hunderte von Millionen Dollar geht. Das Land ist so trocken geworden, dah es bei der Bearbeitung wie Staub in die Luft fliegt. Die Fackeln von Verdun. Anlählich der gro» Heu Frontkämpferkundgebung in Verdun werden von Paris drei Fackeln an die Stätte des ehemaligen Völkerringens gebracht,, die von-einem ehemaligen französischen Kriegsteilnehmer, einer französischen KriegSwittve und der Mutter ein'.S bei Verdun gefallenen französischen Soldaten getragen werden. Die erste dieser drei Fackeln wurde SamStag vom Pensionsminister an der ewigen Flamme, des Grabmals des Unbekannten Soldaten am Triumphbogen angezündet und sofort von einem ehemaligen Kriegsteilnehmer zunächst nach ChalonS-sur-Marne und von dort über Bar-le- Due nach Verdun gebracht. Streiks. Der Streik des Fleischer- und Selcherpersonals in Belgrad dauert an und hat sich auch aus Zemun ausgebreitet. I» den Fleischerläden arbeiten Lehrlinge und das Hilfspersonal.— 12.000 Angestellte der britischen Petroleumgesellschaft Aguila Oil Company sind in den Streik getreten, so dah neun wichtige Naphthafelder im Staate Vera Cruz stilliegen. New Bork, die Stadt der Analphabeten. Nach einer amtlichen Statistik gibt es in der Stadt New Bork allein noch immer 500.000 Analphabeten, die weder schreiben noch lesen können. Die Behörden haben sich nunmehr entschlossen, die Zahl der Sonntagsschulen für Erwachsene zu vermehren. Die Kultur dieser Zeit. Freitag wurden in neun verschiedenen Staaten Nordamerikas insgesamt 13 Todesurteile vollstreckt und zwar fan« Die Schwlmmschwelnerei Seit einiger Zeit macht der T s ch e ch a- s l o w a k i s ch e S ch w i m in v e r b a n d die Oefsentlichkeit über die Staatsgrenzen hinaus in der ekelhaftesten Weise auf sich aufmerksam, in- dein er seine jüdischen Untervcrbändc zwingen will, ihre Mitglieder zuni Wettbewerb bei den O l y m p i s ch e n S P i e l c n in B e r l i n antreten zu lassen. Zwar haben sowohl das tschechoslowakische Olympische Komitee als auch der tschechoslowakische Allsportliche AuSschuh längst erklärt, dah auf jüdische Spieler ein solcher Zwang nicht ausgeübt werden dürfe. Trotzdem aber— und obwohl inzwischen auch Auhenminister Dr. K r o s t a befragt, selbstverständlich sich in ähnlicher Weise äußerte—• läßt- der Tschechoslowakische SchwimmverLand nicht locker. Und nun hat er den Vogel abge- schossen: die jüdischen Schwimmklubs in Prag, Brünn und Prehburg sollen ihre Weigerung nut einer Strafe von je 4000 Kc buhen und, falls sie das Geld nicht innerhalb dreier Tage erlegen, eine einjährige Sperre erleiden. Angesichts solcher Unverschämtheit dürfte wohl jedermann selbst auf den Gedanke» kommen, dah ihrer nur Faschisten fähig sein dürsten, in diesem Falle heimische, die pervers genug sind, ihr nationales„Prestige" an der Jnternationalität des Olympia. Faschismus selbst aus Kosten und Kraft der Juden nicsscn zu wollen, die sich ehrenhaft und anständig weigern, durch eine kurz geöffnete unsaubere Lücke in den Rasseschranken zu schlüpfen. Die Haltung dieses tschechoslowakischen SchwimmvcrbandcS ist fast als satanisch zu betrachten. Denn statt die jüdische Weigerung als natürlich hinzunehmcn, wollen diese Totalitätsschwimmcr allein Anschein nach die ablehnenden jüdischen Klubs gewisser- mähen als schlechte(und deshalb zu bestrafende) Patrioten disqualifizieren, weil ihnen Sauberkeit, Menschlichkeit, Solidarität wichtiger sind als etliche mögliche Punkte, mit denen die tschechischen Nationalschwimnier von der Konkurrenz mit anderen Faschisten heimzukehren ge- denken. Der Fall ist in vieler Hinsicht lehrreich. Er beweist, dah unter allen Umständen Würde das beste Mittel gegen jene Erzschweinerei ist, die allem anhastet, was die faschistische Sphäre berührt. Besser der zu vermutende Schimpf „Saujuden" gegen die sich Weigernden, als der sichere gleiche Schinipf, der die jüdischen, Schwimmer getroffen hätte, wenn sie sich für die Olympiade wunschgemäh prostituiert hätten., Im übrigen aber beweist auch dieser Fall, wie durchaus ungehörig jede Beteiligung an der Olympiade durch Menschen ist, die der Demo- kratie verpflichtet sind. Wirkliche Demokraten mühten, ohne Rücksicht auf Abstammung oder Rasse, unter allen Umständen die Berliner Olympiade meiden. Dah sie eö vielfach nicht tun, ist und bleibt eine S ch a n d e, die durch die Schändlichkeit des SchwimmverbandeS auf fast erfreuliche Weise voll ins Licht gerückt wird. Der Mystiker akS WohnnngSdiei. Die Prager Polizei verfolgt feit einigen Tagen- die Spur einer Bande von Wohnungsdieben, die jetzt während der Urlaubszeit besonders grohe Beute machten. Wie„Telegraf" meldet, gelang.es jetzt, den Führer der Bande uvd einen seiger Leljers- helfer zu verhaften. ES ist der 24jährige Fran- tiSel Sv ab, der Broschüren mystischen und religiösen Inhalts schreibt. In seinen Wohnungen, eine befindet sich in Prag II, die andere auf den Weinbergen, wurde ein Teil der gestohlenen Sachen gesunden. DaS glühende Amerika. Im ganzen Mittelwesten sowie in den östlichen Staaten dauerte gestern die rekordbrechende Gluthitze ohne Anzeichen deS Nachlassens trotz erneuter vereinzelter Regenfälle an. In zahlreichenHitzegegenden erklärten die Behörden und die Privatgeschäfte einen Feiertag für ihre Angestellten. Die Zahl der Toten wegen HihschlagS erreichte gestern nachmittags tm Mittelwesten 370.— Freitag um 15 Uhr erreichte die Temperatur in New Uork 37.5 Grad C. Der Bürgermeister der Stadt Laguardia lieh alle städtischen Beamten mit Ausnahme der Feuerwehrleute und der Polizisten nach Hause gehen. Mit Rücksicht darauf, dah in den staatlichen Behörden 75 weibliche Beamten ohnmächtig wurden, ordneten auch die staatlichen Behörden einen freien Tag für die Anaellellten an. Im Lanke des Vornüttag sipd in den Strahen von New Aork zehn Personen infolge der Hitze plötzlich gestorben. Wie es zn Freisprüchen kommt: ES ist allgemein bekannt, dah Verbrechen aus Leidenschaft von den französischen Gerichten außergewöhnlich milde beurteilt werden, und dah es sehr oft zu .Freisprüchen kommt. In einem Fall, der an und für sich uninteresiant ist, kann man in klastischer Weise die Einstellung der Oefsentlichkeit zu solchen Verbrechen sehen. Ein Kasfeehausbesitzer'n LantoSque hat seine Frau, die ihm bereits einmal untreu geworden war, mit einem Offizier überrascht und beide niedergeschoffen. ES wird lebt zur Verhandlung kommen. Und schon publiziert die grohe MiltagSzeitung„Paris-Midi" auf der ersten Seite einen hundertzeiligen Bericht, der sich wie ein sentimentaler Roman liest.„Josephine Galli» und Segond Laurent Ciarlet(der Mörder) waren 17 Jahre alt, als sie ihr erstes Liebeslied unter den Tannen von LantoSque sangen..."— mit diesen Worten beginnt der B-- richt.Er werden dann die fürchierlickenEifersuchtS- qualen des Mannes geschildert, die er vor sieben Jahren, als die Frau mit einem Unteroffizier zuni erstenmal die Ehe brach, durchlitten hatte. Und nun„wurde die Eifersucht wieder wach, und die Erinnerung an das Abenteuer mit dem Unteroffizier, großherzig aus seinem Gedächtnis seit Jahren verbannt, stellte sich wieder ein..." Und in diesem Stil geht eS weiter. Das Verbrechen selbst, das ganz alltäglich ist, wird geschildert, dah jeder Filmautor daran seine Freude hat. Und wenn man den Auffatz zu Ende gelesen hat, ist man voll Rührung, und kein Auge bleibt trocken. Auch die Herzen der Geschworenen, die am Tage des Erscheinens dieses Aufsatzes noch Privatleute waren und ihr Mittagsblatt lasen, sind selbstver- ständlich für den Mann voreingenommen. Bei all dem handelt es sich, nicht um eine einmalig-! Presse-Kampagne,, sondern um die tatsächliche Stimmung in Frankreich solchen Fällen gegenüber. Großer Prozeß gegen mazedonische Kommunisten in Sofia. In der mazedonischen Stadt Gorna Dschumaja wurde soeben ein Prozeh gegen eine Gruppe mazedonischer Kommunisten beendet, von denen zehn zu Kerkerstrafen in der Gesamtdauer von 60 Jahren und zu Geldstrafen in der Gesamthöhe von 1,100.000" Lewa verurteilt wurden. In Sofia begann die Verhandlung gegen weitere zwanzig mazedonische Koifununisten. Die Germanen. Nach zweitägiger Verhandlung verurteilte das Wiener Schwurgericht-18 Mitglieder der illegalen' nationalsozialistischen Standarte 84 und anderer ähnlicher n a t i o- n a l s o z i q l t st i s ch e r Organisationen wegen Geheimbündelei zu 6 bis 8 Monaten Arrest. Führer dieser Organisation waren Johann No- v ä L e l, LudwigBah a L und Joses Klima. den vier verschiedene Todesarten Anwendung, nämlich der elektrische Stuhl, Giftgas, Erhängen und Erschießen. Verzweiflungstat eines Arbeitslosen. In der Gemeinde Slatinskö Doly im Bezirke Rachovo verletzte der arbeitslose Friseurgehilfe Alexander Daraba» nach einem vorhergehenden Streit seine Verlobte Anna Polgar durch einen Schuh in die Brust und erschoß sich sodann selbst. Aus den Abschiedsbriefen Darabans geht hervor, dah er die Tat aus Furcht davor begangen habe,, dah feine Verlobte die Bekanntschaft mit ihm abbrechen werde. Autobahnen auch In USSR. Soeben wurde der Ban zweier großer Autostraßen in Angriff genommen, die die Hauptstadt der Sowjetunion mit den Hauptstädten der weißrussischen und der ukrainische» Sowjetrepublik verbinden werden. Eine Asphalt- betonstrahe in der Länge von 866 Kilometern wird Moskau mit Kiew, eine 695 Kilometer lange Straße Moskau mit Minsk verbinden. Hauste in Katzen. Die Stadwerwaltung von Trapezunt hat angeordnet, daß in jedem Geschäft mindestens vier Katzen„Dienst""tun müssen. Der Grund zu dieser Maßnahme liegt darin, dah Trapezunt runter einer ungewöhnlichen Ratlezi- und Mäuseplage zu leiden hat, deren rxm mit Gift uno Fallen nicht Herr werden konnte. Die Verordnung, die Zuwiderhandlungen unter strenge Strafe stellt, hatte zur Folge, daß Katzen jetzt in Trapezunt sehr gefragt sind. Einige besoiiders geschickte Händler, die Hunderte von Katzen rinfingen und sie zu Wucherpreisen verkauften, sind verhaftet worden. Wetter-Beruhigung. Von den Baltischen Staaten" verläuft quer durchs Gebiet der Republik eine ausgeprägte Wärmegrenze bis zur Adria. An den westlichen Grenzen des Staatsgebietes war es nachmittags 15 Grad kühler.als in den östlichen. In Tirol und Bayern wurden nur 13 bis 15 Grad verzeichnet, i» Jugoslawien jedoch gleichzeitig 31 bis 34 Grad. Die kühlere Luft wird sich in Begleitung von Regenfällon oder stellenweise auch Gewittern weiter nach Osten ausbreiten. Die Wetteraussichten sind daher im allgemeinen ungünstig. Erst zu Beginn der nächsten Woche dürfte sich die Wetterlage unter Einfluß eines Hochdruckgebietes, das vom Atlantischen Ozean heranrückt, allmählich beruhigen.—- Wahrscheinliches Wetter Sonntag: Äestteil der Republik: Zunächst vorwiegend umzogen und vielfach regnerisch,»och etwas kühler, Wind aus westlichen Richtungen. Später Ilebergang zu veränderlichem Wetter und leichte Besserung. Ostteil des Staates: Wechselnd bis vorwiegend bewölkt, Regen und Gewitter, schwül, später amähliche Abkühlung. Wetterau-sichten für Montag: Fortschreitende Beruhigung der Wetterlage. Vom Rundfunk iMPtahlanawarlas aus den ProarmMM Montag. Prag, Sender Lt 10.05: Deutsche Presse, 11.05: MujsikS Salonkonzert. 12.10: Operngesänge, 14.05: Mozart-Sinfonie, 16.10: Tanzmusik, 17.40: Geigenkonzert, 18.05: Deutsche Sendung: Stögbauer: AuS dem Böhmerwald, 18.25: Saman: Sommer aus einem alten jüdischen Friedhof, 21.15: Bkethoven- kannnermusik, 22.00: Tanzmusik.— Brünn: 12.35: Salonorchester. 17.40: Deutsche Sendung: Dr. Zweig: Aus dem Lebenswerk groher Aerzte, Thiel: Männer gegen Tod und Teufel, Müller: Bahnbrecher der Heilkunde.— Kascha«: 12.05: Schallplatte».— Mährisch-Ost ran: 18.10: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Dr. Lederer: Problem des D o p p e l e i n k o in m e n s.—» Kinderstunde.• Dienstag. Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11.05: llnterhaltungskonzert, 14.00: Haydn-Sinfonie, K6.50: Geigenkonzert, 17.05: Populäres Schallplattenkonzert, 18.05: Deutsche Sendung: Harbich: Vom freien Verkauf zur Planwirtschaft,— Som« niermusik, 18.45: Deutsche Presse, 19.10: Paris "tanzt und singt heute, 22.20: Mexikanische Musik. — Sender S: 7,80: Populäres Konzert, 15.-15: Deutsche Sendung:' Dr. Mikolaschek: Was wissen wir von den Wasserfällen?" Musikeinlage.— Brünn: 17.40: Deutsche Sendüng: A r b eite r f« n s: S o z t nie Info r m a ft o ti e st,' G o l d- "schmied: Die Ar beit e r s ch a freund R a t u r f r e n« debewegu n g.— Prell, bürg: 16.10: Nachmittagskonzert, 22.80: Tanzmusff, «r. 161 Sonntag, 12 Anli 1836 Tritt 8 Lar Einführung! (GB) Wir wollen auf diesen Spalten unseren Lesern iiber die Entwicklung der tvelt- wirtschaftlichen Konjunktur fortlaufend Bericht erstatten. Was heißt Konjunktur? Wenn wir behaupten, da die Anzahl der nicht untergebrachten Stellenbewerber in der Tschechoslowakei Ende Juni 1886 865.870 Personen gegen 687.685 Personen Ende des Vormonats betrug, so' ist damit ein Kennzeichen der Konjunkturentwicklung festgestellt.' Es handelt sich gleichfalls um Konjunkturerscheinungen, wenn wir seststellen, daß der Preisstand um so viel Punkte gestiegen oder gesunken ist oder, daß die Ausfuhr aus unserem Lande in diesem oder jenem Monat um so viel Millionen KL mehr betragen hat als im gleichen Monat des Vorjahres. Kurz und gut: unter »Konjunktur" versteht man die Gesamtheit jener Erscheinungen, die den Stand der Wirtschaft in diesem oder jenem Zeitabschnitt kennzeichnen. Die Wirtsckiast der Tschechoslowakei ist nur ein Ausschnitt der europäischen und der Weltwirt- schaft. Wir leben in einer anormalen Zeit, in der scheinbar die wirtschaftlichen Beziehungen von Staat zu Staat eine bedeutende Schtvächung erfahren haben. Die großen und kleinen Staaten sperren sich voneinander ab, wollen„sclbst- geniigsam", autark werden: man will möglichst wenig vom Nachbar kaufen und möglichst viel im eigenen Lande erzeugen. Aber trotz aller dieser' Bestrebungen sind auch heute die Wirtschaften der einzelnen Staaten auseinander angewiesen, ja man kann sagen, daß wir heute, mitten in dieser Welt der voneinander abgcsperrten und sich selbst isolierenden Staaten, unsere schicksalhafte Verbundenheit mit der Wirtschaft des Auslandes noch schmerzlicher empfinden. Gerade die von Sudetendeutschen bewohnten industriellen Gebiete, die am schwersten unter der, heutigen Krise.leiden, zeugen in krasser Weise von der internationalen Verflechtung unserer Wirtschaft. Die tschechoslowakische Industrie ist auf Ausfuhr ihrer Fertigsabrikate angewiesen, ebenso wie sie ohne Einfuhr fremder Rohstoffe überhaupt nicht bestehen kann, Für das Schicksal unserer Industrie ist also von entscheidender Bedeutung, ob die Kaufkraft des Auslandes groß oder klein ist,'wie sich dort die Ärbeits- und PrciSverhältnisse gestalten. Für unseren Kampf um die Hebung der Lebenshaltung der Arbeiterschaft ist cs überaus wichtig, den w e l t w i r t s ch a f t l i ch c n R a h- m e», in dem sich die tschechoslowakische Wirtschaft enttvickclt, aufzuzeigcn. Die tschechoslowakische Wirtschaft, wie übrigens auch di« gesamte europäische und auch die außereuropäische Wirtschaft, niacht gegenwärtig eine Ilmstcllung durch, paßt sich an neue und immer noch im Fluß befindliche Verhältnisse an. Diese Umstellung bewußt zu gestalten, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Sozialdemokratie. ES ist uns nicht gegeben, der Wirtschaft andere Wege zu tveisen als jene, die Für die gesamte gegenwärtige Situation der Weltwirtschaft ist cS äußerst bezeichnend, daß, während dicWeltproduktion seit dem großen Krisentief von 1882 einen bedeutenden Aufstieg erlebt hat und im allgemeinen sich jenem Umfange nähert, den sie vor dem Ausbruch der Wcltkriese, also etwa im Jahre.1828—28 gehabt hat und ihn sogar überschreitet, der W e l t h a n» d e l dieser Produktionsentwicklung nur unter großen Hemmnngcn nachhinkt. Nächstfolgende Tabelle zeigt uns diese Entwicklung in großen Zügen, wobei der Entwicklung des Welthandels jene der Wcltproduktion und der Produktion der Tschechoslowakei gegenübcrgcstcllt ist. BerhältnISzahlen der Weltprodnktion, der tschecho- slowakischen Produktion und deS Welthandels. (1828/28- 100) gelt »ell. ' veodttlilon ts«ll.>) VrodukNon Welt- 0and«l0 1988(Mona». 86.6 62.8 74.9 1984 durch- 95.2 69.4 77.2 1985 schnitt) 106.2 78.0 79.0 durch die geschichtliche Entwicklung vorgczcichnct sind; es ist jedoch möglich, diesen Weg abzukürzen und die Entwicklung in einer für die Allgemeinheit günstigeren Richtung zu bceinslusseii. Tas Wissen um die großen Iveltlvirtschaftlichen Zusammenhänge, in die der Verlauf des tschecho- slowakischcn Wirtschaftslebens eingestellt ist, kann uns diese bewußte Gestaltung der Wirtschaft und im Zusammenhänge damit, der Lebenshaltung der Arbcitormassen bedeutend erleichtern. Denn schließlich wird ja bekanntlich die Erkenntnis selbst zu einer treibenden Kraft, wenn sie sich der Köpfe der Massen bemächtigt. ES handelt sich bei unserer„Wirtschaft der Welt" um einen Versuch, dessen Gelingen nicht zuletzt von der Aufnahme abhängen wird, die er bei unseren Lesern und vor allem bei den Funktionären der Arbeiterbewegung findet. Sei« »en- produkNon «iqu.'i Produktion WtN» handel») 1935 Jänner 108.0 64.6, Feber 103.5 64.9} 77.1 Mär» 104.6 64.nl April 104.8 66.1, Mai 108.5 68.2} 77.6 Juni 102.4 68.01 Juli 102.8 67.4, August 105.0 68.1} 76.7 September 105.8 72.6 J Oktober 118.1 75.8) November 114.4 78.5} 84.5 Dezember 112.5 80.41 1936 Jänner 109.5 75.4) Feber 108.6 78.7} 79.4 März 75.01 April 78.0 >) MonaI«durl»si0nUle 1033, 1934,1935 nach n. M-Iwald; DerbättnIS-ablen für die einzelnen Monate 1V35 und 1036 nach Obzor Nürodohospodärskh. *) Umsätze von 76 Ländern, Werte nach vuSschaltuna der PreiSschivankungen. —. Aus dieser Tabelle kann, man folgende, Schlüsse ziehen: Die Weltproduktion'im ganzen hat sich seit 1838 und insbesondere im Laufe von dteuinvestMonen von Kapital In den Ver. Staaten von Amerika Der Ausstieg der Konjunltur in den Vereinigten Staaten lvird durch zlvei Erscheinungen gekennzeichnet: Durch die Wiederaufnahme der Kapitalinvestitionen für die inländische Wirtschaft und durch den fast vollkonnnenc» Au s f a l l d e L Auslands: nve st ition en. Nennivestitionen von amerikanischem Kapital im Jnlande und Ausland«(in Millionen Dollar)! nenwirtschastliche Konjunktur; die für die Rach« kriegSkonjunkturcn in den Vereinigten Staaten bezeichnende Kapitalausfuhr nach dein Auslande hat völlig aufgchört. Diese Isolier« n g des mächtigsten nationalen lvirtschaftlichcn Organismus des Erdballes ist für die Entivicklung der Weltwirtschaft ein großer Verlust. Besonders die lapitalarmenLändcrE uropas müssen es schmerzlich empfinden, daß die große bin» ncnwirtschuftliche amerikanische Konjunktur nnr sehr mittelbar ihre eigene Wirtschaft befruchtet. Inländische Ausländische Investitionen Investitionen 1827 6.218 1.387 1828 6.788 1.251 1828 8.420 671 1880 6.004 805 1881 2.860 • 229 1832 1.165 20 1888 708 12 1884 1.386 0 1885 1.438 0 1836(Jän./April) 528 44 Die Konjunktur in lISA ist eine rein bin« 1885 viel rascher enttvickelt, als die tschechoslowakische Produktion; die Weltproduktion im ganzen hat bereits den Stand von 1828/28 nicht nur erreicht, sondern sogar überschritten, während die tschechoslowakische Produktion noch bedeutend unter dem Stand der Borkrisenzcit sich befindet; auch die Entwicklung des Welthandels hat denr Wachstum der Weltproduktion nicht standgehalten, der Welthandel bleibt hinter dem Stand von 1828/28 wesentlich zurück. Welthandel der grollen Ländergruppen Weltproduktion und Welthandel Man kann alle mehr oder minder lvichtigen Staaten nach ihrer WährungS- und Wirtschaftspolitik und daniit auch nach ihrem ganzen Verhältnis zu den internationalen wirtschaftlichen Beziehungen in vier große Gruppen einteilen: Länder des Pfundblockes, die Vereinigten Staaten von Amerika(NSA), Länder des Goldblockes und die Clea- r i n g-Länder. Zu den Ländern des PsundblockcS zählte man heute: Großbritannien, alle skandinavischen Länder, die englischen Dominien, China, Argentinien, Aegypten, Palästina, Portugal und Litauen. Die Währungen aller dieser Länder orientieren sich nach der englischen Währung und haben zu ihrem wirtschaftlichen Zentrum die Hauptstadt des Britischen Empire, London. Zum Goldblock gehören Frankreich,. die Niederlande, Polen und die Schweiz. Das find Länder, die bis jetzt eine starre Währungspolitik und im Zusammenhänge damit eine Politik der Deflation, d. h. der Preisherabsetzung und der Einschränkung der Kredite, verfolgt haben. Dem„Clearing-Block" gehören Oesterreich, Ungarn, Rumänien, Jugo- slawien, Bulgarien, Italien; Griechenland, die Türkei und, von den außereuropäischen Ländern, Brasilien, an. Diese Länder streben bewußt einen Ausgleich ihrer Einfuhr und Ausfuhr an, unter wesentlicher Einschränkung ihrer Beteiligung am internationalen Wirtschaftsleben. Abseits von diesen Ländergruppen stehen die beiden ausgesprochen niilitärischen Großmächte Deutschland und Japan, deren Wirtschaftspolitik dem Ziele der Aufrüstung untergeordnet ist. Der Außenhandel der großen Ländergruppen entwickelt sich in verschiedener Richtung und in verschiedenem Tempo, und eö ist vom wirtschaftspolitischen Staiidpunkt sehr lehrreich, diese Entwicklung zu verfolgen. In der nächstfolgenden Tabelle, die nach den Materialien des Völkerbundes von uns berechnet und zufammengeftellt ist, wird die Entwicklung des Außenhandels der vier Ländergruppen in den ersten vier Monaten 1885 und 1886 dargestellt, wobei außerdem die Entivicklung des Außenhandels des„isolierten Militärstaates" Deutschland, und unseres eigenen Landes in derselben Periode vergleichsweise angeführt lvird. Welthandel nach den großen Ländergruppen Jänner biS April 1836 und 1836 in Millionen Golddollar Jänner—April Einfuhr Differenz in Prozent Ausfuhr Differenz in Prozent Länder deS PsundblockcS 1885 1881.3 1240.6 1886 1578.1 1294.5 4-196.8 .+14.2 + 58.9 :+. 4.3 USA 1885 898.2 401.4 1986 458.5 448.4 ,4-65.8 + 16.6 + 47.0 >11.7 Länder des GoldblockeS .1885 508.1 381.0 1886 551.0 862.7 + 42.9 + 8.4 —18.8 — 4.9 Clearing-Länder 1935 302.4 258.0 1986 162,5 160.0 —189.0 ,—46.6 —98.0 --SS.S Deutschland, 1985 852.8 812.0 1986 387.8 358.3 —14.5 — 4.1• + 46.3 + 14.8 Tschechoslowakei 1935 46.3 54.7 1936 56.9 56.6 + 10/6 + Ö3.8 + 1.9 + 3.4- In dieser Tabelle tritt die Verschiedenheit in der Entwicklung des Außenhandels der einzelnen Läiidergrnppen und Staaten kraß zutage. Besonders' interessant ist die Entwicklung d e r E i n f u h r. Die Länder des Pfundblockes sowie die Vereinigten, Staaten ziehen kraft ihrer inländischen hohen Konjunktur gesvaltige-Massen der Rohstoffe an. In weitem Abstände folgen die Länder des GoldblockeS, während die Clearing-' Länder einen bedeutenden Rückgang der Einfuhr aufwcisen. Erfreulich ist die starke Zunahme der Einfuhr nach der T s ch e ch o s l o w a k e i, die im Tempo an der Spitze marschiert. In der A-u S- fuhr muß man einen Rückgang bei dem Goldblock und einen noch bedeutenderen Rückgang bet den Clearingländern seststellen. Anteil der Tschechoslowakei am Welthandel Die tschechoslowakische Wirtschaft ist mit der Weltwirtschaft verflochten. Zwischen den einzelnen Teilen des gewaltigen weltwirtschaftlichen Organismus gibt es eine A r b e i t s t e i I u n g, an der auch unser Land, gemäß seiner wirtschaftlichen Bedeutung, teilnimmt. Der Grad der weltwirtschaftlichen Verflechtung der Tschechoslowakei wird durch jenen Anteil gemessen, den unser Außenhandel an den Umsätzen des gesamten Welthandels hat. Im allgemeinen kann man behaupten, daß se größer die Beteiligung unseres Landes am Welthandel ist, desto größer sein Wohlstand. Deshalb ist eS von besonderem Interesse, den Anteil der Tschechoslowakei am Welthandel durch die Wechselfälle der wirtschaftlichen Konjunktur der letzten Jahre zu verfolgen. Dies ist in der nächstfolgenden Tabelle geschehe», die u. e. diese Entwicklung znm erstenmal in unserer Presse darstellt. Anteil den Tschechoslowakei am Welthandel(in vH) 1926 1928 1934 1988 1988 1986 I. II. NI. IV. I. n. in. IV. Einfuhr 1.42 1.68 1.44 1.46 1.00 1.18 1.87 1.40 1.28 1.61 1.48 1.60 Ausfuhr, 1.70 1.95 1.78 1.68 1.86 1.57 1.63 1.83 1.38 1.63 1.61 1.56 Man sieht, daß der Anteil unseres Landes am Welthandel in der Periode des allgemeinen Aufstieges der Weltwirtschaft, in der Epoche der ersten Stabilisierung 1826/28, gestiegen ist. Der jetzige Aufstieg der Weltkonjunktur hat aber noch nicht zur merklichen Steigerung unseres Anteils an den Umsätzen des Welthandels gefiihrt. Bei der Einfuhr kann man eher von einer Steigerung sprechen: die Anteilsziffern der ersten vier Monate 1886 sind im allgemeinen Häher als die entsprechenden Ziffern des Vorjahres. Bei der Ausfuhr ist aber der Anteil der Tschechoslowakei eher gesunken. ES ist klar, daß die Besserung unserer binnentvirtschaftlichen Konjunktur eine Steigerung der Einfuhr vom Rohstoffen nach sich zieht. Damit ist eine gewisse Verschiebung der Vertei« lung der Weltrohstoffe zu unseren Gunsten ge- geben was sich in einer leichten Steigerung unseres Anteils an der Welteinfuhr äußert. Dagegen ist es nicht gelungen, den Anteil unserer Industrie an der Belieferung der Weltmärkte entspre-i chend dem allgemeinen Aufstieg der Weltproduktion zu erhöhen. Aufstieg der Industrieproduktion in der Welt Nachstehend bringen wir eine Tabelle, die wohl eine lveitere Erklärung die Entivicklung der industriellen Konjunktur deutlich auszeigt: Verhältniszahlen der Industrieproduktion einiger wichtiger Länder 1933 36 Basis 1828-- 100. England.. USA Frankreich Nieder lande Tschecho slowakei Deutschland 1929 100.0 100.0 100.0 100.0 100.0 100.0 1933 88.2 68.9 76.7 69.1 60.2 60.7 1984 98.8 66.4 71.0 69.8 66.5 79.8 1985 105.7. 75.6 67.4 66.3 60.0 94.0 1986 Jänner. ) 82.4 69.5 67.9 75.4 95.3 1986 Feber. 1114.7 79.0 71.0. 67.9 73.7 95.8 1986 März. J 78.2 72.4' 69.8 75.0 9.7.8 1986 April.. 84.0 1 72:4 74.1 78.0 Das Zurückbleiben im Tempo des Aufstieges dxr Industrieproduktion der beiden wichtigstes: Länder des GoldblockeS Frankreich und der Niederlande im Vergleich zum Aufstieg der Industrieproduktion der angelstichsischen Länder tritt in der Tabelle deutlich zutage! Die englische Industrieproduktion Hai bereits Ende 1884 den Höhepunkt von 1828 überschritte». Der ruckweise Aufstieg der deülschen Industrie beruht zweifellos aus der AufrüstuugSkonjunktur. Sette 6 Sonntag, 12. Nult 1936 Nr. 161 Vor siebzig Jahren*) Zwischen Elbe und Iser önlvnA oeweJJ* E.A. Oo.n»*' 40 nm nec und erwartete dort den. Angriff der preußischen I in der Nacht vom 2. auf den 8. Juli erfuhr, daß 9 Qfrni«« f it m«• m 4 fi« T her ftefi rtrri&ere SP/tifen h/»S SVrinhe»Ä h»/*aFn»M hei* Der Feldzug von 1868 ist einer der kürzesten der modernen Kriegsgeschichte. In Italien fiel, wie wir gesehen haben, die Schiachtentscheidung von Custoza schon drei Tage nach der Kündigung de» Waffenstillstandes. In Böhmen begannen die Bewegungen beider Heere am 21. Juni, die ersten Treffen fanden am 28. Juni statt, die erste» größeren Gefechte am 27. und die Entscheidung siel am 8. Juli vor Königgrätz. Zwar wurde der Feldzug noch b°» zur Donau fortgesetzt, doch ohne größere Kampfhandlungen. Am 22. Juli trat eine Waffenruhe ein, die nicht mehr unterbrochen, sondern von dem Nikols- burger Vorsrieden abgelöst wurde. Die rasche Entscheidung war ebensosehr auf die kürzlich hier dargestellte wasfentechnische und strategische Ueberlegen- *) Vergleiche die«riikel In Sir. 147. 1dl, ISS, 168 und 108 unseres BlaUeS. KÖNIGGRÄTZ VORMITTAG ausgesetzt, daß er das Richtige tun würde, nämlich so rasch al» möglich auf eine der beiden Armeen loszugehen. Er glaubte dieser Gefahr gewachsen zu sein. Aber die Wechselfälle de» Krieges, da» Iva» man Glück und Unglück eines Feldherrn nennt und was in der Regel nur feine Begabung oder Unzulänglichkeit ist, die ihn hindert oder ihm erniöglicht, eine Lage rasch, und gründlich aurzunüt- zen, lassen sich nicht vorausberechnen. A m 28. I u n i trat für die preußische Armee eine schwereKrisir ein, der sie nur durch die Blindheit und Enischlußlosigkeit der Oesterreicher entging. Diese Krise war nicht durch Molt- keS Strategie, sondern durch die mangelhafte Durchführung dieser Stra- Garde umfassend bedrohen. Der Kronprinz war dann jedenfalls auf Tage im Gebirge festgehalten und Benedek konnte mit mindesten» vier Corp» an die Iser abrücken, sich mit den Sachsen und dem I. Corps vereinigen und mit sechs gegen viereinhalb Corps dort eine zivelte Schlacht schlagen. Militärisch wäre er dann wohl noch immer in einer schwierigen Lage gewesen, aber sn diesem Aiigenbltck hätte vermutlich die politische Vermittlung Napoleon» III. eingesetzt und Oesterreich wäre über da» schlimmste hinweg gewesen. DieChancevon Slalitz bat Benedek v e r s ä u m t. Er ließ zwei Corp» nach Josephstadt zurückmarschiereii, während zwei Stunden davon entfernt bei Skalih da» VIII. Corp» in eine schwere Niederlage verstrickt und zugleich Gab- lenz von der Garde bei Burkersdorf geworfen wurde. In der Zange So war die Krisis am Abend de» 28. Juni für die Preußen überwunden. Benedek aber, der sich in den Mittagrstunden in Josephstadt noch al» der Meister fühlt«, quittierte am Abend die Nachrichten von de' Niederlage seine» 8. Corp» bei Slalitz, de», 10. bei Burkersdorf und de» 1. bei Münchengräh. Nun gab man im österreichischen Hauptquartier den Gedanken an. eine Offensive auf. Noch immer aber begriff man nicht, in welcher Gefahr man sich befand, daß die k. k. Armee wie eine Nuß zwischen den Greifern der Zange aal. Man ging auf die Höhenstellung von Dube» 2. Armee. General Blumenthal, der Stabr- chef de» Kronprinzen, nächst Molkte 1868 der bedeutendste Stratege der Preußen, tat aber KriSmanik nicht den Gefallen, ihn bei Dubenec anzugreifen. Dagegen kämpften am 29. Juni die Sachsen und da» 1. Corp» bei Jikin unglücklich gegen die Preußen. Run lag für Friedrich Karl die Straße an die Elbe ofi... und Benedek mußte schleunigst auf Königgrätz zurück, wollte er nicht von seinen Verbindungen abgeschnitten werden. Ueber da» Scheitern der Pläne Benedek» gibt e» eine reichhaltige Literatur. Man hat ihm vorgeworfen, daß er an seinem berühmten»Plan", zuerst an die Iser'zu marschieren und Friedrich Karl zu schlagen, während er den Kronprinzen seitwärts liegen ließ,»».lange festgehalten, daß er.sich nicht gegen den Kronprinzen gewendet habe, der österreichische General Alfred Kr»a»ß(der später».. Sieger von Mitroviea und von Flitsch) hat mit gutem Grunde die These aufgestellt, jener„Plan* Benedek» habe nie bestanden. Benedek sei einfach, ohne eine rechte Vorstellung von den Absichten de» Feinde» und da» Zusammentreffen mehr oder, minder dem Zufall überlassend, lormarschiert. Da er' nicht feststellen konnte, wo sich eigentlich die feindliche Hauptmacht befinde, schwankte er solange, bi», er in der Falle saß. Wenn Benedek zur Iser wollte,., dann war jedenfalls, die Demonstration von Skalitz ein unnützer Aufenthalt, dann hätte er schon ap, 27.. besser daran getan, die Corp» zur„Beobachtung" de» Kronprinzen, nicht erst nach Trautenau und Na«, chod vorzuschicken, sondern sie hinter der Elbe bei Josephstadt stehen zu lassen. Au» seinen Befehlen... läßt sich nicht feststellen, ob er die Pässe wirklich verlegen wollte oder nicht, ob er zeitweise die Absicht hatte, sich gegen den Kronprinzen zu wenden, ob er an die Iser wollte. Richtig und dabei entscheidend scheint ja doch zu sein, daß er da» Wesen der gegnerischenStrategieide» Angriffe» au» zwei Fronten, nicht begriff. So versuchte er gar nicht, die Feinde vereinzelt zu fassen und zu schlagen, sondern strebte dem Treffen mit der feindlichen„Hauptmacht" zu, die er bald an der Iser, bald an der Elbe vermutete. Al» Benedek die Stellung an der Bystritz bezog, saß er. bereit» in der Falle. Die Schlacht nach zwei Fronten wäre nur noch durch schleunigen Rückzug hinter die Elbe zu vermeiden gewesen. Hinter der Elbe vermutete auch Moltke die Oesterreicher. Darum empfahl er dem Kronprinzen, seinerseits ebenfalls noch auf.em linken Elbeufer zu bleiben, um die Oesterreicher unter Umständen über die Aupa.und Met tau in der rechten Flanke zu fassen, fall» sie sich zwischen Königgrätz und Josephstadt mit der Elbe vor der Front schlagen wollten,. Al» Mollke heit der Preußen wie auf Moltke» Vernichtung»« Strategie zurückzusühren. Moltke ging niemals auf „ordinäre" Siege, sondern immer auf die Vernichtung des gegnerischen Heere» aus, er setzte die Ope- . ration gegen Flanken und Rücken de» Feinde» an. , Diese Tendenz zeigte, wie wir gesehen haben, schon sein Aufmarsch'm zwei Hauptgruppen und der Anmarsch an» zwei Fronten. Ta»„Getrennt marschieren", der Anmarsch au» zwei Fronten, die Operation auf der„äußeren Linie" oder wie immer inan Moltke» Vorgehen nennen will, war nicht ungefährlich. Wenn Benedek den Vorteil der„inneren Linie" auSniitzte und sich rechtzeitig niit ganzer Kraft auf eine der beide» preußischen Armeen warf, hatte er gute Aussichten, . sie zu schlagen. Auf die Uiienischlossenheit oder schwere Beweglichkeit der Oesterreicher durfte Rioltke sich nicht verlassen. Ihre Bcwegiingen verliefen, darin war KriSmanii auf der Höhe seines Könnens, reibungslos. In wenigen Tagen waren sechs Armee-Corps, von denen nur eines teiliveise die Eisenbahn benützte, also etwa 180.000 Mamr mit einem gewaltigen Train, von Olmütz nach Ostböhmen verschoben worden. Auch durfte nian Benedek vor dem Feldzug nicht al» Zauderer ansehen. Er galt vielmehr in ganz Europa als Draufgänger und rasch entschlossener Man», als der wahre Erbe Radetzky». So hatte er sich 1848 in Galizien, 1848 und 1849 in Italien und Ungarn und wiederum 1869, mindesten» dem Schein nach, bei Solferino bewährt. Moltke mußte also ernstlich daniit rechnen, daß eine der beiden Armeegruppen angegriffen wurde, ehe die andere zur Stelle Ivar. Nun darf man aber nicht übersehen, daß Preußen und Oesterreicher etwa zur gleichen Zeit zu marschieren begannen. Als Moltke seine Kolonnen in Marsch setzte, stand Benedek nicht etwa an ihrem vorauszusehenden Treffpunkt bei Jikin, sondern bei Olmütz. Wenn auch.die Schlesische Armee zunächst von der Neiße nach den Pässen abmarschieren mußte und durch die Defilken einen schwierigen Marsch halte, so konnte sie doch, wie sich dann tatsächlich erwies, mindestens mit einer Kolonne schon au» den« Gebirge heraus sein, ehe Benedek heran war. Wurde sie von Benedek angegriffen, so konnte sie, selbst bei einer Teilniederlage mit ihren vier gegen die sechs Corps Benedeks, in die Pässe znriickgehen und ernem vorbrechen, sobald die Armeen Herwarth und Friedrich Karl herangerückt waren. Moltke durfte also erwarten, daß bis zum 27. oder 28. Juni, an dem die Krisis heranreifte, beide Armeen schon so nahe aneinander stehen würden, daß Benedek sie nicht mehr einzeln schlagen konnte, weil er spätestens am zweiten Schlachttag im Rücken gefaßt wurde. Eine völlige Vernichtung einer seiner Armeen aber durfte Moltke für ausgeschlossen halten,'weil ihre bessere Infanteriewaffe und ihre überlegene Taktik auch eine österreichische Ueberzahl ausglichen. Krisis der Preußen— Chancen Benedeks Moltke hat also gewiß nicht den Fehler begangen, den Gegner für dumm zu halten, sondern vortegie durch Unterkommandanten heraufbeschworen worden. Zunächst einmal marschierte der Prinz FriedrichKarl mit der 1. Armee zu langsam. Er hielt sich nicht an Moltke» wohl erwogene Ratschläge, sonder» zauderte und hielt, sich westlich der Iser zu lange auf. Dadurch wär.zur selben Zeit, al» die Oesterreicher schon bei Josephstadt anlangten, zwischen den preußischen Heersäulen eine Lücke von gut drei Tagmärschen vorhanden. Ter zweite Grund war die Niederlage de» General» Boni« bei Trautenau am 27. Juni, die in erster Linie auf dar Versagen diese» General» zurückzuführen war. Hätte Boni«,. wozu er leicht imstande war, am 27. Juni.sich gegen Gablenz ans den Höhen südlich Trautenau auch nur behauptet, so konnte am 28. Juni hinter ihm und durch den Eipeler Paß die Garde au» dem Gebirge austreten. Dadurch aber, daß.Boni« am 27. Juni auf Liebau zurllckgeworfe» wurde, entstand am 28. Juni für die Armee de» Kronprinzen eine schwierige Lage. Sie stand mit dem V. Armee-Corp», da» am 27, Juni bei Vysokow-Wenzelsberg(Nachod) über das VI. österreichische gesiegt hatte, vor Skalitz. Hinter dem V. stak da» VI. Corp» noch tief im Gebirge, so daß es für eine Schlacht im Laufe de» 28. Jun! schwerlich in Betracht kam. Die Garde aber mußte nach Bonins Niederlage durch den Eipler Pas; marschieren in der steten Angst, vor dem Austritt au» dem Tefile angegriffen zu werden. Zur selben Zeit hatte Benedek da» X. Corp» (Gablenz) bei Trautenau stehen, da» mindesten» die Garde fesseln konntet Vor Skalih stand sein VIII. Corp», hinter Skalih, aber in erreichbarer Nähe aus ein bi» zwei Stunden Distanz hatte er zwei weitere Corp» und eine Kavalleriebrigade stehen. Selbst wenn er seine Ueberlegenheit nicht aurnützte, um die Preußen zu umfassen, so mußte er mit drei Corp» selbst beim Frontal stoß die Preußen werfen, zumal da er ja die bessere Artillerie und für diese auf den Aupahöhen gute Stellungen hatte. Wenn Benedek am 28. Juni das Corps Steinmetz bei Skalitz vernichtete, so konnte er dem VI. Corp» den Paß von Nachod sperren, die PREUSSISCHER VORMARSCH 16.m.— 3O.Ä. Skizze zur Schlacht bei Königgrätz Ausgangsstellungen(Oesterreicher— schraffiert, Preußen= schwarz) o QCWU* sich noch größere Massen de» Feinde» die»seit» der Elbe befinden,. war er angenehm überrascht und befahl den sofortigen Aufbruch beider Armeen zur Schlacht. Lebt» Illusionen Benedeks stellte sich Benedek in der gefahrvollen Hakenstellung(siehe Skizze:„Königgrätz vormittag»"!) v»n Probluz- Lipa»Nediliöt zur Schlacht T Die freisinnig gefärbte Geschichtsschreibung, die bemüht ist, Benedek, den protestantischen Junker, von sede^ Schuld reinzuwakchen, ebenso wie die konservativ-klerikale ihn zu belasten sucht, erklär^ sein Verbleiben mit der Depesche» die al» Antwort auf Benedek» Ersuchen an den Kaiser, sofort Frieden zu schließen(ein Analogon zu dem Ludendorffschen Alarm vom 28. September 1918; die Generale glauben immer, Frieden zu schließen, sei eine im Handumdreh.n zu erledigende Sache!) au» Wien eingelangt war. Sie erklärte, daß Frieden zu sckilleßen, derzeit unmöglich sei und enthielt die Frage ob eine Schlacht statt g.efun- d e n habe. Der kaiserliche Sonderbevollmächtigte Oberstltn. Beck(der spätere Generalstabschef) hatte Benedek nicht zur Schlacht geraten Und gegen die Vorbereitungen eine» Rückzüge» auf Pardubitz und hinter da» Elbeknie nicht» eingewendet. Daniel», der Fortsetzer der. Delbrück'scheu Kriegsgeschichte, sieht al» da» entscheidende Motiv Benedek» seine Ueberzeugung an, sich einem Angriff nur unter Verlust. de» Train» noch entziehen zu können. Um nicht die Impediment« zu verlieren, riskierte Benedek dis Schlacht und damit den Verlust der Armee..Die Depesche mag mitgespielt haben, entscheidend war sie nicht. Obwohl in den' Kommandoverhältnlssen der Oesterreicher insofern, eine' Aendernng eingetreten Nr. 161 Sonntaft, 12. Juli 1636 Seit- 7 bot sich der Sieg dar und man |> H 5 CHL C^roxb Ousfaiul KÖNIGGRÄTZ NACHMITTAG. Oesterreichcr.?lber für diese wäre eben schon eine Remi-Partie ein Gewinn gewesen. Bet Königgrätz selbst-hätten besondere Glück»- fäll« für Oesterreich eintreten müssen, hätte cS das Schlachtfeld behaupten sollen. Am 28. Jimi aber, btt Skalttz, Ivar, ale der— von Anfang an völlig einflußlose— Generalstabschef Henikstein und der Quartier» «leister(Operationsleiter) K r i s m a»i i enthoben und Generalmajor Baumgarten znm Chef des Stabe» ernannt worden war, traf die Dispositionen »Ur Schlacht noch Krismaniö. Auch am Schlacht« tage weilte er in Benedeks Nähe.und dieser fragte ihn ebenso um Rat wie den General Baumgarten. Benedek, ein alter Tkoupier ohne tvtssenschaftliche Bildung, der gern über die Theoretiker und Generalstäbler spottete und sich großsprecherisch gebärdete, war im Grunde Innerlich unsicher und hatte, woran 1886 seine ganze Führung krankte, einen unerhörten Respekt vor Krismaniö, der ein praktisch unerfahrener Theoretiker und vor allem ein Doktrinär der„guten Positionen" war. Die Stellung an der Bystrih war, abgesehen davon, daß die Rückzugslinie der Armee über die Elbe führte, nicht schlecht. Die beste Waffe der Oesterreicher, ihre gezogenen Kanonen, kam gut. zur Wirkung, ha die sausten Anhöhen gegen die sumpfige Niederung an der Bystritz freien Ausschuß haben. Benedek hatte auf dem linken Flügel bei Probluz und Prim dip Sachsen und da» VIII. Korps ausgestellt. Im Zentrum bei Lipa standen unter den Augen de» Feldherrn ebenfalls zwei Korps, das X. und das III, Dahinter hielt Benedek da» I. und da» VI..Korps, dazu schwere Kavallerie und zahlreiche Artillerie in Reserve. Die kritische Situation mußte aber am rechten Flügel eintretcn, wo Benedek das Ik. und das IV. Korps einen Haken bilden ließ, um sich gegen den Anmarsch der Armee des Kronprinzen zu schützen. Wenn diese, beiden Korps in verschanzten Stellungen, auf den Anhöhe» recht» des Trolinabachc» gestanden hätte», so wäre e» ihnen tpohl möglich gewesen, die Kolonnen de» Kronprinzen stundenlang aufzuhalten. Unterdessen konnte vielleicht ein Gewaltstoß im Zentrum die Preußen zum Weichen bringen. Aber Benedek stellte di« rechten Flügelcorps so nahe an Chlum auf, daß sie nichts . von dem merkten, war auf der vorderen Bodenwelle und im Trotinatal vorging. Außerdem weihte er die KorpSkommandanten nicht in seine Pläne«in. So zcrflatterte ihm sein rechter Defensiv-Flügel im Grunde, ehe er recht angegriffen, wurde. Benedek wußte nicht» von dem Unheil, da» sich zwischen Hokinkvc» und Chlum vorbereitete. Er stand bei Lipa und sah den Ersolg der gewaltigen Kanonade seiner Batterien gegen die Armee Friedrich Karls, die hilflos in der Bhstritz-Niederung und im Hola« Wald festlag. Gegen Mittag erwog Benedek in einer letzten Aufwallung von Mut und Hoffnung, die Reserven zum Gegenstoß loSzulasien, der gewiß gefährlich/ aber nicht ganz aussichtslos war. In diesem Augenblick, war aber, ohne daß Benedek und Moltke er wußten, die Schlacht bereit» entschieden. brauchte nur zuzugreifen. Hier liegt Benedeks Tragik und Schuld. Die Frage, ob ein anderer, etwa Erzherzog Albrecht, an seiner. Stelle zugegriffen hätte, ist schwer zu entscheiden. Nach dem Verhalten de» Erzherzog» bei Custoza darf man Wohl annehmen, daß er, der Benedek zweifellos strategisch überlegen war, bei Skalitz angegriffen und gesiegt hätte. Aber daß man den Erzherzog, um die Dynastie nicht zu gefährden, einer Niederlage nicht aussehen wollt«' und da» Kommando im Norden darum dem populären Troupier Benedek gab, war unausweichlich und eine Folge der Inneren Struktur des Staates. So erweist sich auch hier der untrennbare, ewige Zusammenhang von Politik undKriegSkunst, innerer und äußerer Lei, stungSfähigkeit eine» Staate». 8kirre zur Schlacht bei Königgrätz: nach der Aufrollung de» rechten öst. Flügels durch die preußische Garde' Ta die Preußen tagelang nicht verfolgten, i ten, freilich niemals so schwer gewesen wie die der konnte Benedek die Armee nach Olmütz führen und“ sie dort ordnen, lieber di« Kleinen Karpathen ging er, al« die Straßen im Marchtal von den Preußen gesperrt wurden, gegen Pretzburg zurück. Da zwei Korp» der Südarmee per Bahn an dte Donau geworfen wurden, stand Ende Juli den Oesterreichern 01« Niederlage Di^ißriKden de» österreichischen^rechkn Flügel», ohne Vorstellung von der Äesämtläge, hatte» sich der Reihe nach in den Kampf gegen, die 7. preußische Tivision in dem Svibwald bei Mäslojcdy gestürzt. Unter schweren Verlusten erdrückte sie mit ihrer starken zahlenmäßigen- Ueberlegenheit schließlich die Magdeburger der Division Fransecky und glaubten, auf dem rechten Flügel Sieger zu sein. Aber die österreichische Flanke war durch diese eigenmächtige Operation der Unterführer, an der Benedek nicht schuldlos war, weil er den kommandierenden Generälen, ihre Ausgabe nicht klar dargelegt hatte, entblößt und aufgerissen. In diese" offene Flanke marschierte die Avantgarde de» Kronprinzen,"die I. Gardedivision fast ohne Widerstand bi» Chlum. (Skizze„Königgrätz nachm.") So brach die Katastrophe in einem von Benedek nicht geahntem und von Moltke nicht erhofftem Ausmaße über die k. l. Armee herein. Diese wurde nicht eigentlich in der rechten Flanke angegriffen, sondern diePreußen drangen wie durch ein offene» Tor mitten in das Z e n t r u m und in den Rückew der österreichischen Position und nähmen mit Chlum den Schlüsselpunkt des Felde», ehe Benedek noch wußte/daß er von rechts angegriffen fei. Statt die Reserven zUm Gegenstoß auf Sadova zu werfen, mußte Benedek versuchen, durch ihren Einsatz di« Schlacht auf dem rechten"Flügel Wiede? soweit her« »ustellen, daß die Rückzugslinien nach Königgrätz frei wurden. Der Nachmittag de» 6. Juli ist vor allem «»»gefüllt durch die blutigen Sturmangriffe der österreichischen Schlachtreserve auf Chlum, da» aber den Preußen, die sich von-Stunde zu Stunde verstärkten, nicht mehr zu entreißen war. ' Inzwischen war freilich auch Benedek» linker Flügel gewichen, aber ohne daß er wie der rechte aufgelöst lind zertrümmert worden wäre. Den, österreichischen Feldherr» blieb nur übrig, der Maste der Armee einen Weg aU» der tödlichen Umklammerung zu schaffen. Ta» gelang durch den Einsatz der KavallerleXauf dem Feld"von StkeSetiee und durch tsi« Aufopferung der österreschischen Artillerie, die mit mehr al» einer„Batterie der Toten" ds« Infanterie herai>»schlug und damit die Armee vor des» Untergang rettet«. Der Eindruck, den die Reiterschlacht und vor.allem die feuerspeienden und bi» zum letzten Schuß kämpfenden Batterien der Lester- reicher auf Moltke und Bismarck machten, hat" nicht nur die Verfolgung der Preußen zum Stehen gebracht, sondern cnkch Bismarck» Willen zu baldigem Jriedensschluß gestärkt, beit er ihm noch einmal oft» Risiko der AN» e t n ä nd«x"s e$« n g TL. L.SEH0R- noch immer eine stattliche Macht an der Donau zur Beifügung und der neue Oberkommandant Erzherzog Albrecht sah einer neuen Schlacht mit den Preußen optimistisch entgegen.*Sie wurde aber-"nicht mehr riskiert. Am 28. Juli einigten sich die Gegner über die FriedenSbcdingungen in NikolSburg. Könnt» Oesterreich den Krieg gewinnen? Welche» Risiko ein Krieg in sich trägt, zeigt in diesem Ftldzug nicht nur dar Schicksal der Besiegten, sondern auch die.Gefahr, die der Sieger lief. Trotz ihrer wasfentechnischen, taktischen und zahlenmäßigen Ueberlegenheit hätten die Preußen den Krieg verlieren können. Ihre Niederlage wäre, wie alle Kritiker, u. a. auch Friedrich Engel», urteil- a ..«w ritv- 1 11 I.•'.. V b U V V V I» VK WIHiVIUIUIIH VW*, ihIt«tote Augen führt«,d«»»«rmitper.^Enlsse in unserem Lande besprachen. Einen tte. asteten Gewehren und einer verasteten Taktik focht,| j cn Eindürck machte die Rede unseres ungarischen İr denndch eine- imposante Wehrkraft darstellte. P» ch i n g e r, der als Ungar auf die Der Gesamtverlust der Besiegten betrug 41.898! eigentlichen Aufgaben, der Union, die Währung Mann. DI« Preußen verzeichnt!« 88s2 Mann und j der Demokratie, de» PaslamentariSmv»,.der Frie- Wo Offiziere als Verluste, davon 1885 Tote gegen. densidee- der Freiheit-'verwies. Es ist bezeich» '5öu8 Tote bei den Oesterreichern ynd 581 bei den.!-stenLi" daß'stch iiber diese: Rede Herr Graf- Sachsen.> iHoyoS« der Jühper der österreichischen Delega» X Die 32. Konferenz der Interparlamehterlschen Union tagte in Budapest vom 8. bis züm 8. Juli. Sie begann, wenn wir die erste Sitzung, welche in Anwesenheit des Herrn Horthy statt sand und rein formellen Charakter hatte, übergehen, mit der Debatte über den B e r i ch t des Sekretärs der Union, Herrn Boiffier. Nahezu alle Redner hüteten sich ängstlich, die Ereignisse des letzten Jahres zu besprechen. Wie kann man über den Krieg in Abessinien sprechen, wenn Italiener(Faschisten) zuhören? Wie kann man den«inseitigen Bruch des Vertrages von-Versailles richtig charakterisieren, wenn begeisterte Anhänger diese» Bruch», wie die revisionistischen Ungarn, dasitzen? Ja, diese Ungarn schrieen schon auf, als ein Redner von der Notwendigkeit, die Union durch Beiziehung""der Russen zu erweitern, sprechen wollt«. Di« Ereignisse-"der Sieg de» Faschismus in seinen verschiedenen Abarten, di«. Anwesenheit der Vertreter einer ganzen Reihe von"Ländern, in denen der Parlamentarismus zu einer Komödie herabgesunken ist, üben Ihre Rückwirkung auch auf die Union, die ihrer Aufggbe, der Hort der"pärlamentärisch- dcmokratischcn Regierung-form zu'- sein, nicht mehr""in vollem. Umfange Nachkommen" kann,. In der politischen Debatte spracht» von tschechoslowakischer Stile die- Herren Dri'S t o d o l a. und H r ü» o v s k h- welche die Entwicklung der Per» Of"-- 4 Si.«ta. 8 X tion, aufregte. Seine— de» Herrn Hoyos Red», ditse Sammlung von Plattheiten, wär allerdings -in keiner Weise aufregend. Er mußte sich belehren lassen, daß Genosse Buchinger eben al» Vertreter einer sozialdemokratischen Partei. nicht anders sprechen konnte". Zu den übrigen Punkten der Tagesordnung, Internationale HandelSgerichtSbarkeit, öffentliche Arbeiten(hiezu sprach Genosse Dr. Marko« vii), Verkürzung der Arbeitszeit(Redner der ungarische Genosse Payer), Wanderungen(Genosse K e r t e e z) und Parlamentarische Initiative und Kontrolle in finanziellen Angelegenheiten entspannen sich lange Debatten. Zu dem letzten Punkte sprach Genosse Dr. Heller, der die volle Prärogative deS Parlamentes über die ausübende Gewalt auch in finanziellen Dingen vertrat. Zu einer Kampfabstimmung kam es lediglich über die Resolution, welche di« Kommission in der Frage der Verkürzung der Arbeit»-- zeit vorgelegt hatte und welche sich für di« Verkürzung ausgesprochen hatte. Bei der Abstimmung Waren fast alle Delegationen geteilt; sie wurde jedoch mit großer Mehrheit angenommen. Von der Tschechoslowakei wurden nur Stimmen für di« Resolution"abgegeben. •' Nach Schluß der Tagung konstituierten sich di« KommissioNiin, darunter auch die"soziale, welche sich Mit der Lage der Landarbeiter befassen will. Dieser Kommission gehört Genosse Dr. H.eckl'e r'.an. DI« ganze Laguna erstickt« förmlich in per Fülle geseflschaftlicher peranstMungen, tfli« si« in sölcher Menge und Opulenz noch nie dagetpesen Wär. Man"kann, eist bkkanNfe» Wort variierend, sagen-„Der Kongreß ißt und"trinkt". Gewiß tragt die bekannte ungarische Gastfreundschaft an diesem Uchermaß bei, allein) für jedermann deutlich sichtbar war es.yor allem, die Propaganda für M- ungarischen RevistönSbistrebungen, die.auch auf. diesem anscheinend ganz abseits liegenden Gebietenden ÄuSschlag gab. Dieser Propaganda begegnet man auf Schritt und Sritt. Ein Land, dem der Kopf, die Arme und die Beine abgeschlagen wurden, wie die landläufige Klage lautet. Und es hieße die Wahrheit verkennen, wenn man nicht zugäbc, daß diese Propaganda Erfolg hat. Eine wahre Oase in dieser Wüste unanf« richtiger Reden und cndsoscr Gastereien war der tlbend, den wir mit unseren ungarischen Genossen in dem schönen Heim des Verbandes der Handelsangestellten verbringen durften. Es schlug uns nicht nur aus den Reden, sondern aus den Gesichtern der ungarischen Genossen eine solche Fülle von Herzlichkeit, wahrer sozialdemokratischer Kameradschaftlichkeit entgegen, daß diese zwei Stnn- den ein wirkliches Labsal wstren. Je ein finnischer, schwedischer und dänischer Genosse, sowie die<"e- nossen Dr. Markoviö und Dr. Heller gaben den ungarischen Genossen einen kurzen Bericht über die Verhältnisse in ihren Ländern. Wir schieden von unseren ungarischen Genossen mit dem Bewußtsein, daß in Ungarn der Sozialismus nmtige, opferfreudige und aufrechte Vertreter hat. Gesänge, von jugendliche» Genossinnen und Genossen vollendet vorgctragen, verschönten noch diesen an sich schönsten Abend. Der Führer der englisch«« Gewerkschaften über die Sowjetunion.(Ru.) Walter C i t r i n e» Vorsitzender des Generalrates der englischen Ge- werkschaften und eine der einflußreichsten Persönlichkeiten der britischen und der internationalen Arbeiterbewegung, läßt soeben ein Buch unter dem Titel„Ich habe die Wahrheit i n Ruhla n d gesucht" erscheinen. Citrine kehrt eben von einer mehrwöchigen Reise au» der Sowjetunion heim und hält keineStvegS mit der Kritik der dortigen Zustände zurück. Bemerkenswert iedoch sind vor allem seine Schlußsolgerungcn auf dem Gebiete der internationalen PoIi- t i k, die wohl die Stimmungen der führenden Kreise der englischen Arbeiterpartei tvicdcrgebcn. Citrine hält die Gefahr eines gleichzeitigen A n- griffe» von Deutschland und Japan auf die Sowjetunion für reell. Ein solcher gleichzeitiger Angriff würde die Sowjetrcgie» rung in eine äußerst schwierige Situation bringen, während, nach Ansicht von Citrine, Sowjetrußlpnd sich gegen jeden von diesen beiden Gegnern einzeln mit Erfolg wehren könnte. Citrine meint sogar, daß Hitler allein bei einem Angriff auf Rußland das Schicksal von Napoleon im Jahre 1812 erleben könnte. Wir müssen jedoch, sagt Citrine, alles Mögliche und Unmögliche tun, um die Katastrophe eines deutsch-rus« schenKrieges zu verhindern. Rußland wolle keinen Krieg, aber es werde dazu gezwungen sein, falls andere Mächte sich nicht vereinen, um dieses Abenteuer zu verhindern. Di« britische Arbeiterbewegung werde sich nie tzazu hergeben, als Werkzeug" der russischen, revolutionären- Propaganda mißbraucht zu Iverden, schließt Citrine sein" Buch, e» unterliegt jedoch keinem Zweifel, daß bereits in den nächsten Wochen da» Problem der H e r st e l- lung eines engeren Kontakts zwischen der britischen und der russischen Gewerkschaftsbewegung sehr ernst und sehr aktuell werde. Die Sowjeiregic- rung habe die Möglichkeit, mit den größten Ar- betierorganisationen der ganzen Welt in freundliche Beziehungen zn treten, und ich hoffe, meint Citrine, daß diese Regierung in der allernächste» Zukunft ihren guten Glauben auf dem Gebiete der demokratischen Politik beweisen wird. Japan„demonstriert" seine Macht. Jn.Pci« ping vollführten die Japaner eine militärische Demonstration, indem sie mit 16 Tanks und 16 Panzerautos durch die Straßen der Stadt fuhren und schließlich im Zcntralpark von Peiping ihp Lager ausschlugen und dort menagierten. Die riesigen Tanks erregten in den Straßen, deren Pflaster sie völlig vernichteten, begreiflicherweise große Aufmerksamkeit. Ausländer, die diese Stra- tzenszenen photographieren wollten, wurden von den Soldaten daran mit Gewalt gehindert. Der amerikanische Botschafter hat wegen der Belästigung eines amerikanischen Photorcporters durch japanische Soldaten bei der japanischen Botschaft protestiert. Japanische SiedlüngSpläne. Nach einer Meldung der Zeitung„Tokio Nitschi-Nitschi" sollen in den nächsten 20 Jahren fünf Millionen japani- jche Siedler in Mandschuluo angesiedelt werden. Die Kosten für diesen gewaltigen Sicdlungsplä» werden auf zwei Milliarden Jen berechnet, wovon 800 Millionen von der Regierung zur Verfügung gestellt werden sollen. Eine»«zeichnende Aufforderung an die britisch« Regierung haben«ine ganze Menge konservativer und liberaler Politiker erlassen und in vielen englischen Zeitungen, veröffentlicht. Die Regierung wird darin beschworen, doch nur ia keine britische Kbloniei kein britische» Mandatsgebiet an Deutsch- lästd abzutreten, zumal die ehemals deutschen Kolonien alle» in allem" nur ein" halb«» Prozent der Deutschland damals nötigen Rohstoffe gelieferh haben," also di« hitlerdentsche Behauptung von der Deckung des Bedarf» äys diesen Gebieten vollkoin- men haltlos sei. Und die Bedeutung der verlorenen deutschen Kolonien al» angeblich"unentbehrliches -Siedlungsgebiet wird widerlegt durch die Tatsache, daß 1808—1214 jährlich nur 88 Leute au» Deutschland dorthin auSgewaudert sind. Au» denEinleitungS« sähen dieser Erklärung geht deutlich hervor, daß ihr« Verfasser durch Acußerungen"der" britischen Regierung in yynsflt Besorgnis verseht worden sind.„(&)Q| Seife 8 Sonntag, 12. NnN 1936 Nr. 161 Die Weimarer Republik Friedrich Stampfers Geschichtswerk Der Zusammenbruch der deutschen Demokratie im Jahre 1988 ist ein so eindrucksvolles Geschehnis der deutschen Geschichte und des europäischen Schicksals, daß die Frage der Ursachen des Unterganges der Weimarer Republik die Menschen noch lange beschäftigen wird. Zu den Darstellungen, die bereits erschienen sind,,ist nun eine neue getreten, die uns besonders interessiert, weil ihr Verfasser Friedrich Stampfer nicht nur Sozialdemokrat ist, sondern ein Mann, der die Geschichte der Deutschen Republik miterlebt und die sozialdemokratische Politik der vierzehn Jahre ihres Bestehens als Abgeordneter und als Chefredakteur des Hauptblaties der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands mitgestaltet hat — also auch für diese Politik mitverantwortlich ist»). Obwohl selbst Partei vor dem Richterstuhl der Geschichte ist Stampfer von ft a r I e r Wahrheitsliebe erfüllt, selbst dort, wo eS sich um die Fehler seiner eigenen Freunde Han, bett. Er verfolgt die Mängel der deutschen Sozialdemokratie und der Massen, die hinter ihr standen, bis in die Vorkriegszeit. Mit ungewöhnlichem Freimut sagt er, daß das Proletariat vor 1914 zwar oppositionell, aber nicht revolutionär gewesen ist und daß der 4. August(der Tag der Kriegskreditbewilligung)»das Wunschbild einer revolutionären Massenpartei zerbrach, die in Wahrheit niemals existiert hatte". Diese Auffassung vertritt der um die geschichtliche Wahrheit ringende Verfasser— in allen Fasern mehr ein Man» der Erwägungen und Bedenken als Draufgänger und Mann der Tat— auch dort, tvo er die Ursachen der Niederlagen seiner Partei 1982 und 1988 erörtert.„Die Sozialdemokratie", sagt er,„war seit Jahrzehnten eine Partei der ruhigen Entwicklung, der verstandesgemäßen Erwägung, der gewaltlosen Verständigung— hätte sie das Signal zum Losschlagen gegeben, so hätte sie versucht, als ettvaS zu erscheinen, was sie nicht war". Ich sage nicht, die gesamte Sozialdemokratie Deutschlands so zu beurteilen, denn das heißt großen geschichtlichen Umwälzungen zu resigniert und fatalistisch gegenüberzustehen und darauf aus doktrinären.Gründen verzichten, die Geschichte zu gestalten versuchten, dem Rad der Geschichte in die Speichen zu fallen. Mag eine Partei auch Jahrzehnte hindurch eine gewiße Taktik befolgt haben, sie muß das Steuer umreihen, wenn es notwendig ist— selbst um den Preis als etwas zu erscheinen, was sie nicht war". Dabei soll durchaus nicht verkannt werden, daß Stampfers Betrachtung a»S einer edlen' Gesinnung ersließt, die sich in jedem Kapitel deS Werkes kundgibt. Ma» soll nie bedauern, anständig gehandelt zu haben, sagt Stampfer— trotz der Ruchlosigkeit und der Barbarei jener, welche die Gesinnungsgenossen des Verfassers gemartert und zu Tode gequält haben. Der Humanismus der deutschen Sozialdemokratie, die ganze Tradition unserer Klassiker und großen Philosophen, spricht aus dieser Anschauung Stampfers. Daß diese Ansicht von den Führern der deutschen Sozialdemokratie geteilt wurde, dafür möge als interessantes Zeugnis dienen, womit der erste deutsche Reichspräsident die Nationalversammlung in Weimar am 6. Feber 1919 eröffnet hat: „Wir lvolien errichten ein Reich des Rechts und der Wahrhaftigkeit, gegründet auf Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt". ES waren Worte des nationalsten der klassischen Philosophen, I. G. Fichtes. Diesem philosophischen Humanismus entsprach aber leider auch ein Dogmatismus, der seine Erkenntnisse aus einer Zeit bezog, die in dem Donner des Weltkrieges zugrunde gegangen wär. Die deutsche Sozialdemokratie wollte demokratische Freiheiten allen geben, auch ihren Feinden. Sie war„eine grundsätzliche Gegnerin des Ausnahmszustandes, stets geneigt, ihn zu mildern und auszuheben." Sie übte Milde sogar gegen Hitler. Man braucht kein Wort darüber zu verliere», wie, diese Handlungsweise belohnt wurde. Ebenso starr war der Pazifismus der deutschen' Demokratie. Die Abneigung der sozialistischen Arbeiter gegen den Heeresdienst hat den Aufbau einer reaktionären Reichswehr möglich gemacht, die, mit Hindenburg an der Spitze, den Machtantritt Hitlers am 30. Jänner 1988 bewirkt hat. Es ist tragisch, wenn wir bei Stampfer lesen müssen, daß die Partei von irgendivelchen Beziehungen zwischen Sozialdemokratie und Reichswehr nichts wissen wollte:„Die Partei.. wünschte weder geheime Rüstungen, noch die Militarisierung ihrer Jugend; sie wachte argwöhnisch darüber, daß die Beziehungen des Reichsbanners zur Reichswehr nicht zu intim w u r d e’n."(S. 567.) Da so die Reichstvehr in die Hände der Todfeinde der Republik geriet, war es kein Wunder, daß sie wohl ein Instrument gegen links wurde(Reichsexekution gegen Sachsen), aber gegen rechts unverwendbar war.(Kein Vergehen des Reiches gegen Bayern) oder sagen wir es mit den Worten Stampfers:„Das scharfe ») Friedrich Stampfer:„Die vierzehn Jahre der ersten deutschen Republik", 1986, Ver- lagsanstalt„Graphia", Karlsbad/ Die Prager Einwohnerschaft wird aufmerksam 'gemacht, daß vöm 18. bis 81. Juli während der Tages- und Nachtfwnden zeitweise die auf dem Gebäude de» militärtechnischen« und Flnginstitut» in Dejviee aufgestellten kleineren Alarmapparate(Sirenen, Hupen usw.) ausprobiert werden. Ihre Hörweite beträgt etwa einen Kilometer.,(MO). Flugverbindung Prag—Sarajewo—Dubrovnik. Nach den geltenden Luftfahrplan der Air France ist es möglich, au» Prag nach Sarajewo oder Dubrovnik in einem Tage zu gelangen. Abflug Prag 11.27, an Wien 12.45, ab Wien 18.25, an Belgrad 18.15. ab Belgrad 18.80, an Sarajewo 17.45, ab Sarajewo 18.00, an Dubrovnik 19.00 Uhr. Der Mm. Wie Frauen lieben In eurer Zeit, in der man(mangel» anderer Ruhmestaten) den Stolz auf die eigene Raffe verkündet, ist e» sicher sehr anständig vom amerikanischen Film(der—wie Amerika überhaupt— ein buntes Raffengemisch beherbergt),' um Sympathien für fremde Rassen zu werben. In diesem Film de» Regisseurs Leis e n sehen wir ein Jndianermädchen, das einen hellblonden Millionärssohn liebt, dessen Familie und StändeSgenossen da» fremde Mädchen verachten und demütigen, bis schließlich die grenzenlose opferbereite Liebe der Indianerin Herz und Hand der weißen Jüngling» gewinnt, für den sich dar Jndianermädchen beinahe hätte zum Tode verurteilen lassen, obwohl der Geliebte einer solchen Aufopferung keineswegs würdig erscheint. ES ist eine Lieberromanze. gewiß, und noch dazu eine sehr aufgetra- gene: daß der Weiße ein Millionärssohn ist und die Liebe gleich bi» nahe an den Opfertod geht, macht die Sache nicht wahrscheinlicher und überzeugender, und daß die gutgemeinte Tendenz allzusehr an die alte Legende erinnert, daß die„Wilden" die besseren Menschen sind, macht da» moralische Spiel zu einem melodramatischen. Aber ein svmpathischer Kitsch ist besser al» ein widerwärtiger. Bor allem dann, wenn die Hauptfigur von einer Schauspielerin wie Sylvia Sidney dargestellt wird, die scheu in der Leidenschaft, menschlich in der Fremdartigkeit und auf eine stille, fesselnde Art bezaubernd wirkt.—ei»— Das Lied der Liebe " Den Amerikaners scheint e» mit" Europa nicht ander- zu gehen, als uns mit Amerika. So wie bei uns die schlechtesten Einfälle Amerikas solange verspottet werden, bi» sie eine» Tages ihre— oft noch schlechtere— europäische Nachahmung finden, so scheinen die Amerikaner auch auf die schlechtesten europäischen Einfälle nicht selten hereinzufallen. Jedenfalls ist man in Hollywood nun auch schon dabei, Tenorfilme zu drehen. Und Man hat zu diesem Zwecke Jan Kiepura, die bekannte Sfimmkanone aus Polen, und Herrn Erich Wolfgang Korn- gold, den bekannten Komposttionsfabrikanten aus Wien, geholt. War Kiepura da singt, läßt sich schwer berichten, da bei ihm iund auch bei Herrn Korngold) aller so ziemlich gleich klingt. Kiepura schmettert im Fischerboot, in der Kirche, im Gefängnis, bei strömendem Regen und auf der Opernbvhne, er ist erst Fischer in Sorrent und dann ein gefeierter Tenor in Neapel, der sich in seine Partnerin verliebt, in die auch der Komponist der Oper„Romeo und Julia" verliebt ist. Die Vorgänge sind derart, daß man sie«ft für eine Parodie auf den Tenorfilm halten, kann, und wo wirklich ein Tenor verpflichtet wird, sind sie am amüsantesten. Allerdings ist dieser verspottete Tenor (der sogar mit'Eiern beworfen wird),.nicht Herr Kiepura. sondern ein Mann, von dem gesagt wird, er singe wie ein Fleischer,— war manche Leute allerdings, nicht mit Unrecht, auch von Kiepura behaupten. Bon der Partnerin der Tenors. Gladys Swarthout, läßt sich sagen, daß sie eine ange- Jnstrument der Reichsgewalt funktionierte nur gegen links. Gegen rechts versagte es". Und das zur Zeit Eberts. Gerade am ersten deutschen Reichspräsidenten Hat. sich diese Weichheit geradezu'unmenschlich gerächt, indem ein deutsches Gericht ihn während seines Sterbens des Landesverrates, begangen durch sein Verhalten während des MetallarbeiterstreikS vom Jänner 1918, be- zichtigt hat. Allerdings zeigt der Verfasser auch in über- zeugender Weise, daß die deutsche Demokratie nicht nur an ihren eigenen Fehlern, sondern auch an der Tücke der von ihr vorgefundenen Umstände zugrunde gegangen ist. In den furchtbaren Wirren der NachkriegSmonate handelte es sich vor allem darum, das deutsche Volk zu. retten, es von dem Hungertode, den deutschen Staat von dem Auseinanderfallen seiner Bestandteile zu bewahren. Nicht nur die Nationalsozialisten, auch der Friede von Versailles war der Henker der deutschen Re- publik. Er hat Deutschland insbesondere finanziell, aber auch politisch, etwas vorgeschrieben, was Deutschlands' ökonomische Leistung überstieg und was ein Volk, das nicht aus Sklaven besteht/ auf die Dauer picht. ertragen ,kgnn. Ebenso, todbringend wirkten für" die. deutsche. Republik— und dieser Teil der Darstellung gehört nehme Stimme hat,— aber ihr Spiel ist derarr, daß Kiepura neben ihr wie ein Charakterdarsteller Spart- Spiet- Körperpflege Umbau Im sowjetrussischen Sport Der Hohe Rat für Physkultur in Sowjetrußland, das oberste Sportamt im kommunistischen Sport, wurde laut eines Beschlusses des Rates der Volkskommissäre und des Zentral-Exe- kutivkomitees liquidiert. Seine Funktion übernimmt dar„All-llnipnSkomitee für Körperkultur und Sportfragen". Zum Vorsitzenden dieser neuen Institution wurde der Hußballsportleiter I. I. Char- tschenko ernannt. Die Moskauer„P r a w d a" berichtet über die Hintergründe dieser überraschenden Umbaues, im sowjetruffischen Sport folgender: „Alr Grund für die Liquidierung des Obersten Rater für Körperkultur wird angegeben, daß er sich nicht bewährt-'hat. Er Ivar losgelöst von den Sportlermassen und hat die Entwicklung der Sportbewegung im Lande nur ungenügend unterstützt. Statt dem Sport neue Millionen-Maffen, besonder» aus der Kolchosjugend, zuzuführen,' widmete der Oberste Rat seine ganzeAufmersam- keit einigen StarS. Weil die Kontrolle des Obersten Rates fehlte, beschäftigten sich einige Sportorganisationen nur wenig mit Massenarbeit. Der Bau neuer Stadien und anderer Sportbauten ging langsam und planlos vor sich. Die Ausbildung neuer Kader von Instruktoren ist derart schlecht gewesen, daß sie in keiner Weise befriedigen kann. Die Entwicklung des Sportes wird auch gehemmt durch den Mangel an Sportinventar und durch feine schlechte Qualität. Aufgabe des neuen Komitees ist es, sich mit der Beseitigung aller dieser Mängel zu beschäftigen." Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Da» letzte Hindernis". Jugendliche zugänglich.— Alfa:„Das Lied der Liebe". Kiepura. A.— Avion:„JänoSik". Palö Bielik. T.— Fenix: „Wie Frauen lieben". Sidney. A.— Flora:„Katharina, die Letzte". F. Gall. D.— Gaumont:„Das Geheimnis im Nachtexpreß". A.— Hollywood:..Back Street"(Seitengasse). A.-—Hviztza: Ditz Adler der Lüfte".— Infi»:„Sine Nacht im Grandhotel". D.— Sinern», B.-Th.r Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna, Aktualitäten-Theater: Journale, Grotesken.— Lncerna:„Wie Frauen lieben". A.— Metro:„Drei Männer im Schnee". A.— Passage:„Marvöa". T.— Praha:„Sturm über dem Gran Chaco". A.— Alma:„Die selige Exzellenz".— Besetz»:„Schön ist die Liehe". D.— Carlton:„Spionagebüro Nr. 2." A.— Illusion: „Leichtsinnige Jugend". F.— Lido II:„Die Festung der Verfluchten". Annabells. A.— Louvre: „Liebeserwachen."— Maöefka:„Leichtsinnige Jugend". F.— Olympier„Solang du eine Mutter hast."— Roxy:„Barietö." Annabell», g>. Alber» D.— lt Vejvodü:„Schatten in der Tür." A. Nach Brünn und in die Macocha, Batawerke um 220 Kd am 8. August bis 11. August mit dem Allgemeinen Angestellten-Verband, Gruppe Prag. Anschließend Urläubsreisen in das Altvatergebirge und in die Tatra. Auskünfte beim Kollegen Strnad, Prag I., Fügnerovo näm. 4, nur nachmittags, oder im Heim, Närodnk 4/m, Mittwoch und Freitag abends von 8 bi» 7 Uhr. zu den besten in Stampfers Geschichtswerk— die Spaltung des deutschen Katholizismus und der deutschen, Arbeiterbewegung. Hätte am 28. April 1925 eine Million bayrischer katholischer Wähler nicht für Hindenburg, sondern für den Zentrumsmann Marx gestimmt, wäre jener niemals Präsident geworden.«Die kommunistische Partei hat durch die Aufrechterhaltung ihrer Zählkandidatur ihre Truppen aus dem Kampfe zurückgezogen und Gewehr bei Fuß der Niederlage der Republik zugesehen". Die Kommunisten waren nicht für den Streik beim Kapp-Putsch, weil es für sie keinen Unterschied gab zwischen Kapp und Ebert, sie haben in ihrem Hauptblatt, in der „Roten Fahne", noch am 16. November 1931 geschrieben:„Gegen die Sozialdemokratie führen wir den Hauptschlag".„Was-sie leitete", so sagt Stampfer treffend,„war der Haß gegen die Sozialdemokratie, zum Teil aber auch die Vorstellung, daß ein faschistisches Vorspiel unvermeidlich sei, bevor über dem großen., Schauspiel, der komm»« nistischen Weltrevolution der Vorhang äufgehen könne". Aus dem faschistischen.Vorspiel'ist aber eines der blutigsten Dramen der Geschichte, geworden. Aus der Darstellung eines so gewichtigen Zeugen des Zusammenbruches der'Peimyrer Re- Gcwcrhsdiaftlldics An alle Eltern! Die Zeit des Schulschlusses'st gekommen und damit beginnt für die Eltern eine neue Sorge. Was sollen die Jungen lernen, und vor allem, wo sollen sie lernen? Es ist nicht einerlei, bei wem man den Jungen einen Beruf erlernen läßt. Es muß die Gewähr vorhanden sein, daß der Lehrling auch die Möglichkeit hat, sich die für seinen Beruf notwendigen Kenntnisse anzueignen. Es muß leider immer wieder konstatiert werden, daß die Eltern aus Unkenntnis nicht den Rat der Jugendsektionen eingeholt haben. Erst während der Lehrzeit mußten die Eltern einsehen, daß sie vor Abschluß des Lehrvertrage» nicht vorsichtig genug waren. Der Verlust der Lehrzeit und Nachlernea an anderen Stellen sind die Folgen. Deshalb sollen die Eltern vor Antritt einer Lehrstelle durch ihre Kinder sich an die nachstehenden Jugendsektionen des Internationalen Metallarbeiter-Verbandes wenden: Jugendsektion Pilsen, Husova tk. 85, Jugendsekfioa Eger, BolkShauS, Jugendsektion GraSlitz, Steingrube Nr. 99, Jugendsektion Karlsbad, Hau» Neckar, Jugendseksion Komotau, Kreuzgaffe 8, Jugendsektion Brüx, Weitengaffe 4, Jugendsektion Teplitz, Hauptstraße 128, Jugendsektion Aussig, KarlSgasse Nr. 1, Jugendsektion Bodenbach, Postgasse 818, Jü« gendsektion Döhmssch-Leipa, Schloßgasse 17/51, Jugendsektion Warnsdorf IV., BereinShauS 1442, Jugendseksion Reichenberg, Hafnergasse 7, Jugendseksion Trautenau, Pragerstraße 19, Jugendsektion Jägerndorf, Arbeiterheim, Jugendsektion Mährisch- Ostrau, Fiedlergaffe 1. Volkswirtschaft und SizialiMlihli Tschechoslowakische Wirtschaftsnachrichten Neuer Handelsvertrag mit Australien? Seit etwa einem Jahre werden mit der Regierung des Australischen Bundes Verhandlungen geführt, die den Abschluß eines neuen Handelsvertrages zum Ziele haben. Gegenwärtig bereist eine australische Delegation Europa. Es wird die Möglichkeit bestehen, durch mündliche Besprechungen den Abschluß der Verhandlungen zu beschleunigen. Die Handelsbilanz war bisher für die Tschechosiowakei gegenüber Australien passiv. Steigender SpirituSabfatz. In den ersten zehn Monaten der laufenden Kampagne würden 758.958 Hektoliter Spiritus abgesetzt. Gegenüber der gleichen Vorjahrszeit ist demnach der Absatz um 88.511 Hektoliter gestiegen. Luftverkehr wirft Dividende ah. Die tschechoslowakische Lyftverkehrs-Gesellschaft, die dem Skoda-Konzern zugehört, hat auf ihrer Generalversammlung die Ausschüttung einer Dividende von 5 Prozent beschlossen. Nm die ZwangSfyndizierung in der Textilindustrie. Der Gesehensivurf über die Syndizierung in der Textilindustrie ist vom Ministerral bereits genehmigt. Keine höhere Belastung der Verbraucher. Die zur Sanierung der Bruderladen beschlossene Kohlenabgabe wird in den nächsten Tagen in Kraft treten. Sie beträgt für Braunkohle und Braunkohlenbriketts 15 Heller, für Steinkohle, Steinkohlenbriketts 25 Heller und für Koks 30 fettet je Zentner. Sie muß von den Abnehmern getragen werden. Es muß Vorsorge getroffen werden, daß der Kohlengroß- und Kleinhandel bei den letzten Verbräuchern nicht eine Kohlenpreiserhöhung durchführt, die ein mehrfaches der geringen Abgabe zugunsten der Bergarbeiter beträgt.. Deutsches Kalisalz für die Tschechoslowakei. In den ersten fünf Monaten 1988 hat die Tsche- chaslowakei aus Deutschland 870.409 Zentner Kälirohsalze aus Deutschland zur Einführung gebracht. In der gleichen Vorjahrszeit wurden nur- 208.900 Zentner eingesührt. publik geht also hervor, daß sowohl subjektive, als auch objektive Faktoren mitgewirkt haben,, der Deutschen Republik von Weimar den Untergang zu bereiten, einer Demokratie, welche die Verwirklichung eines großen politischen Ideals war,' das tief in der deutschen Seele steckt und wie wir alle glauben, unausrottbar ist. Die deutsche Sozialdemokratie war und ist noch die Verkörperung dieser Seite deutschen Wesens, Erbin und Vollstreckerin des deutschen Idealismus.„Es bleibt der Ruhm der deutschen Arbeiterbewegung, daß ihr bester Kern, in diesem Kampfe auf feiten der Freiheit und der Menschlichkeit, gestanden hat und — Konzentrationslager und Gefängnisse bezeugen: es— noch steht. Die Sieger- nehmen das Recht des Stärkeren fiir sich-in Anspruch. Als die Stärkeren werden sich aber auf die Dauer diejenigen erweisen, die sich' durch keine Niederlage. zerbrechen lassest und, trotz aller Verfolgungen in ihrer Gesinnung festbleiben., Sie werden eines' Tages- aus dem Dunkel,. in- das sie die Despotie gestoßen hat, kämpfend,- ins Licht steigen, um-aus den: Trümmern der deutschen Bassille die Fahne der Menschenrechte aufzu- pflanzen"(Stampfer).' Emil Strauß. B e z u g S b e d i n g u n g e n: Bet Zustellung tnS HauS oder bet Bezug durch dt. Post monatlich Ai 16.>-, vierteljährig Ai 48M. halbjährig Ai- 98.—- ganzjährig Ai 192—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur hei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von-der Bost« und kele« graphendireksion mit' Erlaß Nr. 18.800/VII/1980 bewilligt,— Druckerei:.KrbiS", Druck». Verlags- und Zeitiaigr-A.-G. Prag.