. 16. Jahrgang Mittwoch, 18. Juli 1936 Nr. 163 Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto) IE NT PALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOnOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova u. Telefon swt. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, PRAG. der der Die Re- I» diplomatischen Kreisen verlautet, daß der deutsche Gesandte in Wien von P a p c n im Hinblick auf seinen Erfolg in Sachen der Normalisierung des österreichisch-deutschen Verhältnisses ausersehen sei,, den Posten deS deutschen Botschafters i n L o n d o n zu übernehmen. Ministerpräsident Umzuges und des dieser Stelle vor auSfsihrte:„Der Alle Aeusserungen der betonten Gleichgültigkeit und der Bereitschaft zu ruhigem Abwarten in den Ländern, die von der preussisch-ttalirntschen Einigung über Oesterreich überrascht wurden, können nicht darüber Hinwegtäuschen, dass sich über Mitteleuropa ein Alpdruck ausbreitet, den auch der sorglose Westen mitzuempfinden beginnt. Man sieht nun langsam doch die Gefahr der völligen Gleichschaltung und vielleicht deS staatsrechtlichen Anschlusses Oesterreichs an Deutschland auftauchen. Zwar betont-man den Gegensatz zwischen Italien mid Deutschland, aber man verkennt nicht mehr, daß sich Mussolini und Hitler unter Umständen in einem grossen Kompensationsgeschäft" auch" über die völlige Liquidierung Oesterreichs alS Staat ebenso einigen könnten, wie sie sich jetzt über den sogeimnnten modus vivendi geeinigt haben. Man sieht mit bangen Erwartungen der grossen Ueberrnschung entgegen, die Mussolini zu dem Termin seiner Rückkehr vom Urlaub angekündigt hat. Dass damit, wie einige seit Jahr und Tag falsch informierte oder falsch kombinierende Blätter meinen, die Restan- ration" der Habsburger in Oesterreich gemeint sei, erscheint natürlich ausgeschlossen. DI« Fernhaltung der Habsburger ist ja daS stärkste Aktivum Hitlev s lei dem Pakt. Dagegen, erscheint eS nicht als ausgeschlossen, dass Mussolini die R e st a u r a t I» n i n N n g a r n durchführen wird, um sich zugleich einen sicheren Posten gegen das Angreifen Deutschlands im Donau raum und eine Bedette gegen Jugoslawien zu schaffen, daS durch seine Zustimmung zu dem Wiener Pakt aufS neue seine Hinneigung zu Deutschland zu erkennest gibt. Die ö st ere i ch i s ch en R a t I o n alsozialistcn. haben bereits, im Widerspruch mit dem Buchstabe», aber in Uebercinstimmung mit dem Geist deS Vertrages eine heftig« Kamp a g e e r öffne t. Linz. Die„Tagespost", ein mit den Natio nalsozialisten sympathisierendes Blatt, schreibt zu den außenpolitischen Auswirkungen, des neuen deutsch-österreichischen Abkommens,st. a.: —-^Deutschlandund-Österreich haben"sich gefun den. Jubel erfüllß unser« Herzen, seit wir wissen, dah der deutsche Bruderzwist beendet ist. Von den Karawanken bis zur Ostsee fühlt man in. tiefster Ergriffenheit die Gröhe des Geschehens. Durch daS geeinte deutsche Bolk wird Europa genese». Wer eS anders wollte,"wird daran zugrund« ge hen? er verdient es nicht anders. Die größte Wich tigkeit des deutsch-österreichischen Abkommens liegt auf a u tz e n p o l i ti s ch e m Gebiet. Ma» kann nur ahnen, was dieser Tat vorausgc- gangen ist. Das eine aber ist heute sicher, daß ein Hauptpunkt des englischen Fragebogens über den deutsche» Fricdcnsplan beantwortet ist. Und noch eins ist gcwih: Der österreichisch-deutsche Schritt ist die Antwort und eine deutliche Warnung auf die Moskauer Kriegsvorbereitungen in Mit teleuropa. Die Tschechoslowakische Republik geht sie in erster Reihe an. Prag hat dem Kommunis mus den Weg zum Herzen des deutschen Mittel europa geöffnet. Sollte Prag daran denken, etwa über Rumänien rote Truppen in der Tschecho slowakei aufmarschieren zu lassen? Es weih nun, woran es ist. Dass geeinte deutsche Bolk istzum Aeustersten entschlossen.' Polen Und Berlin sind über die Moskauer Pläne, über die politische Rolle der Tschechoslowakei gewih einer Meinung. Oesterreich, Italien und Ungarn haben sich in den römischen Protokollen auf eine gemeinsame po litische Linie festgelegt,, hie jetzt nach Berlin ver längert"worden ist. So liegt der Schluß, nahe, daß sich über Rmn Und Berlin die künftige Gestaltung der Ding« in- Europa entwickeln wird...Darüber. gibt es allerdings nur Vermutungen..Die.Schaf fung eines mitteleuropäischen-Blocks von der Ost see bis zum Mittelmeer liegt jedoch.nach dem Ab schluß des österreichisch-deutschen Friedens durch aus im Bereiche, her.Möglichkeit, Er, könnte Deutschland, Polen, Oesterreich, Ungarn und Jta- lien umfassen, Gestört würde seine-Geschlossen heit, von dxr Tschechoslowakei werden. Die tsche choslowakischen Staatsmänner sind nun gewarnt. DaS ist die besondere Seite der außenpolitischen Wirkungen des österreichisch-deutschen' Abkom mens." Polen fühlt sich überrumpelt Warschau. In politischen Kreisen wird Be fremden darüber, geäußert, daß., von offizieller Seite bisher noch keine Stellungnahme zp.der neuen Läge eingenommenwurde.- Die oppositio nelle, Presse, neigt dfrÄnnähme Sst, daß das. Aus». bleiben einer offiziellen Auslassung,',zu. den,"letz ten Ereignissen.,auf.öie Desorientierung^ der" Lei tung der polnischen Außenpolitik,-bzw. sogest auf, die Ueberrufnpelung! durch die plötzliche Wendung, " in der Politik des Dritten Reiches, zürückzufvh- ren.sei. Das Mißtrauen"lli" die Absichten des Drit- tein.Reiches.gegenüber.Üesterreich/Hält" sowohl ist Ich kann sie nicht alle nennen. Es handelt sich Vor allem, um ganze Le g io n e n unbekannter "Und treuerBürger d i e.s e SSta a» t e S, die einen Stein zum Ausbau deS Schutzes- unserer Republik gelegt habest." Zum. Schlüsse seiner Rede- unterstrich Finänzminister" den Umstand,-„daß mit Zeichnung"das Werk nicht abgeschlossen-ist. eigentliche Arbeit steht ugS erst betzor. Die gierung wird alles veranlassen? um die - ystpertrauten Geldsummen, in wirklich ökono- Mischer Weise| zu verwenden» uni möglichst -. ausgiebig die S.taatSverteidigung zu stärken -." und-dabei die,Arbeitslosigkeit zu bekämpfen." , Ich. sprech« den Wunsch aus, die. Solidari- tät,und Zusammenarbeit, die bei-dieser Anleihe Achshrisck erhalten. haben! möge, der Regierung -eine"Stütze auch bei" den weiteten Schritten-unserer, wirtschaftlichen,.und Finanzpolitik-.bleiben. Mrd.dies der Fäll" sein,-dann zweifte-lich'nicht > dttran/ daß es uns gelingen wird,""die"'Wir t- s.ch.a ft S k r i'f-e!N-t"ed",erzuri"U'g"en.und die.Grundlagen. dieses Staates verläßlich zu fundieren, l Der 14. Juli % Millionen demonstrieren P a r i S.(Tsch. Pr.»B.) Der französische Nationalfeiertag wurde Heuer nicht nur in Paris, sondern in alle» Proviuzstädten und auf dem Lande durch gemeinsam« Umzüge und Manifesta- tionSversammlnngen der Volksfront festlich begangen. In PariS formierten sich gleich nach Mittag zwei Umzüge, welche durch die mit StavtSfahNen und roten Flaggen übersäten Strasse» zöge». An der Spitze der Züge schritten die Möglichkeit der ZentralauSschüsse der koalierte» Parteien und der VolkSfrontorgänisationen und zahlreiche Minister. Ihnen folgten tmter wechselweiser Absingung der Marseillaise und der Internationale, mit erhobener Franst grüssend" und"unter AuSrnfen wie „Nie wieder Krieg" die Mitglieder der einzelnen Organisationen niit ihre» Fahnen. Die erste» Polizeinachrichten schätzen die Zahl der Umzüg- ler auf dreiviertel Millionen. Gegen 17 Uhr vereinigten mch die leiden Züge auf der Place de la Nation. Bor dem Republikdenkmal sprachen hier die Vertreter der einzelnen Parteien" und Organisationen der Volksfront. 1 Zum Schlüsse sprach L t o n B l u m, welcher des SchwnrcS der Volksfront an einem Jahre gedachte und Schwur Ist«ingehalten worden und wird auch in Zukunft vom Volke wie von der Regierung, welche" durch" dessen" Willen gesiegt hat,, gehalten werden. Dieser Schwur derlangte nach der EIn- heit der Linksparteien und die vereinigte LinkS- , front wird«»erschüttert bleiben." Lton Blum ' besprach- dann das bisher von der BolkSfront- Regierung geleistete Werk und stellte das weitere Programm auf, daS die Regierung verwirklichen will. Der Mat-Wahlsieg, sagte er abschliessend, muss zu wetteren Siegen führen. Die Volksfrontregierung ist die wirkliche Regierung deS französische» republikanische» Volkes. Sie will die Republik festigen und stärken, sie wieder auf die Höhe ihrer ruhmreichen Vergangenheit und zu neuen günstigen Geschicken führen. Um 18 Uhr begann der Abmarsch. Der Umzug trug einen, absolut diszipl«nierten Charakter. Ausschreitungen haben sich nicht ereignet; nnr am Abend kam eS zu einigen ganz unwesentlichen Zwischenfällen. den Beträchtungen der regierungsfreundlichen, als auch der oppositionellen Presseorgane an. Diese wiederholen hie bereits. geäußerten Befürchtungen, daß Polen,w,ixtschqstlich und politisch die,Kosten- der Annäherung. zwischen, Deutschland und Oesterreich werde tragen müssen.-- Popen nach London Wien.(Tsch. P.-B.) Im.Nahmen der Normalisierung der österreichisch- deutschen Beziehungen werden in den nächsten Tagen einstweilen fünf große deutsche. Blätter, in Oesterreich zuge- lasscn werden. Desgleichen sollen fünf österreichische Blätter in Deutschland" zugelasscn werden. Iroerteldigungsarileihe 3*5 Milliarden Der Finanzminister Uber den glänzenden Erfolg der Wehranleihe Finänzminister Dr. K alfus sprach gestern abends im Rundfunk über den Erfolg der Zeichnnngen auf die StaätsverteidigungSanleih e. DaS Ergebnis beträgt b i S h« r 3.2 Milliarden KL, und dürfte sich nach Aufarbeitung der letzten Anmeldungen auf mindestens 3 hi Milliarden erhöhen. Der Finanzminister faßte-sein Urteil.in die Worte zusammen:- „Die Anleihe war ein g län z ender Erfolg. Es ist dies für alle tschechoslo- wakische» Bürger um so erfreulicher, daß der Er folg.auf-dem n o t m a l e n Kreditwege erzielt wurde. Nirgends gab es einenDr-uck o d e r- Z w.a.n g; die Zeichnungen sind freiwil lig,. ja, man kann■ sagen, daß die, Mehrheit der Bürger diese, Gelegenheit-"begrüßte, um dem, Staate gegenüber ihre Bereitschaft apSzudriicken, alles, für, seine- Verteidigung, herzugeben. Dar tiber gibt es meiner Meinung nach keinen Zwei fel-,und mM muß- diesen Umstand besonders her- vorheb.en, In der Nationalversammlung habe-ich. tzei Verhandlung des Gesetzes Wer.di« Staats«- Verteidigungsanleihe gesagt, daß die Anteihezeich- nüng"">,-",- " eine Probe der Staatlichkeit fsir uns alle-fei» . wird?'"«Ine, Probe-der-pplitischen Reife und-eine Probe der, wirtschaftlichen! Tüchtigkeit.- ES ist eine Freude, feststellestzu"können, hass wir diese ".Probe" mit" Vollkür Erfolg bestanden habest."'" Ich koiiime deshalb, um auf diesem" Wege assen.den Dan k giiSzilsprechen, die. sich ist» das" . Gelingen der-Anleihe- bhrdient. gemacht.haben, ver neue Kurs an der Donau Rätselraten um die Folgen Nazistische Drohungen gegen die CSR Unsere Porzellanindustrie Dio Arbeiter in der westböhmischen Kecam- Jndustcie sind von großer Unruhe erfaßt, denn einige Porzellan fabriken sollen nach dem Willen ihrer Besitzer stillgelegt wer» d o n. Gegenwärtig wird über die StillcgungS- anträge in den zuständigen Ministerien verhandelt. Die Ocsfcnttichkcit aber fragt nach den" Ursache n dieser neuerlichen Bedrohung Hunderter Existenzen; sie ist daran um so stärker iitter- essiert, als die Kcram-Jndustrie neben dem Heuer entscheidend verschlechterten Bäderbetrieb der wichtigste Wirtschaftszweig WcstböhmcnS ist; sie ist übrigens auch für den Außenhandel und die Bewirtschaftung der Devisen von der allergrößten Wichtigkeit. lieber die Bedeutung der Exportsch wirrig k e i t c n für die Porzellanindnstrie sind sich Arbeiter und Industrielle einig. Einige Ziffern mögen das Sinken des Auslandskonsums tscheckw- slowakischer Porzcllanwaren veranschaulichen: Im Jahre 1828 wurden noch für 318 Millionen K6 Porzellanprodukte exportiert. Diese Exportzifser ist allerdings abnormal hoch gewefcn. Sie sank 1831 ans 183 Millionen XL und erreichte 1333 mit 88.8 Millionen XC den Tiefstand. Da sie in den ersten vier Monaten 1838 nur 27.8 Millionen XC beträgt, dürft: sie sich für daS ganze heurige Jahr auf etwa 88 Millionen XL,belaufen, also nur um weniges höher sein als in der Zeit des ärgstens Tiefstandes. ES ist verständlich. daß diese Tatsache auf die allgemeine Lage der Kcramindustrie fühlbar wirft. Die Exportschwierigkciten sind auf mancherlei Ursachen zurückzuführcn. Da ist zunächst o i e Schmutzkonlurrenz durch Deutschland zu registrieren, daS durch seine Manipulationen mit der Mark und durch eine Exportpränüe mit Hilfe von SkribS auf 38 Prozent des Fakturenwertes ein Dumping betreibt. Fast dec ganze Balkan markt wurde auf diese Weise von Deutschland erobert, auch der Markt in den Ländern der Kleinen Entente. Die wirtschaftliche Verwegenheit Deutschlands hat zudem die Balkanstaaten in eine gewisse Zwangslage gebracht: Deutschland hat aus diesen Ländern Waren Uber Waren bezogen, ohne zu bezahlen. Nunmehr hat sich Schacht persönlich hinunter bemüht, um den Verantwortliche» zu eröffnen, daß Deutschland nicht zahlen könne und wolle. Um nicht illcS zu verlieren, müssen die Balkanländer deu-sche Wären abnehmen. Wir haben z. B. mit Ru- m ä n i e n ein.""Porzellankontingent vereinbart. Ein bisheriger Bezieher tschechoslowakischer Äcram- waren hat vor kurzem von der rumänischen Regierung die Einfuhrbewilligung erhalten; auf der Bewilligung war die Tschechoslowakei als Liefe- rungSland durchzestrichen und durch Deutschland ersetzt. Dies ist für die Situation kennzeichnend; für unser rumänisches Porzellankontingcnt'wurde noch keine einzige Krone bewilligtl Nach U n gar n wurden in den Jahren 1826 bis 1828 durchschnittlich für 18 Millionen XL Waren geliefert; das Kontingent für 1838, für das ebenfalls noch keine Krone bewilligt wurde, beträgt 818.088 XL. Aus den Ländern, in, denen wir eine Clearingspihe haben, schöpft die Rüstungsindustrie die Zahlungen ab.— Neben der deutschen Konkurrenz macht sich, besonders in Uebersee, die ja panische bemerkbar.' Die Hungetlöhne der japanischen Ar« beiter betragen nur den vierten Teil der Durchschnittslöhne in der tschechoflowakischen Porzellanindustrie; außerdem wurde der Jen in der lehren Zeit"um die Hälfte devalviert." Schließlich haben auch die Sanktionen gegen Jtal'en einen großen Export-Ausfall bewirft. So wirken politische Ursachen mit Zoll- und"Devisenschwierigkeiten zusammen. Bemerkenswert'ist die"Senkung des JnlandSkonsumS- ast' Porzellanwaren. Dieser war auch in„normalen","Jahren viel niedriger. als in anderen Jndustrieländem. Er sank von 6 XL pro Kopf und Jahr auf 1.60 KCl Der Umsatz von Keramwaren war schon.immer,ein Wirtschaftsbarometer; intcreffaNterweise wirkt sich die augenblickliche Wirtschäftsbesserung" auf dem Jnlands-Porzellänmärkt nicht ans. Allerdings ist daran die"-J n-du st r i e m-i-t s ch u I d i g: von einer entsprechenden Propaganda unserer Ware» kann keine Rede" sein. Die" einzelnen Unternch» tzn'ingcn glaubest vielmehr, sich durch Preisunterbietungen ünt Lohndruck retten zu können. In der Seite 2 Mittwoch, 15. Juli 1036 Gehaltsreselung in den Banken Die Verhandlungen, die in den letzten Monaten in den Banken Wer die Gehaltsregelung geführt wurden, sind, wie der„Bankbeamte" schreibt, abgeschlossen. Bei den Verhandlungen ergaben sich scharfe Gegensätze zwischen den Forderungen der Angestellten und den Auffassungen der Bankleitungen. Der Beweiskraft der vom Verband der Bank« und Sparkassenbeamten vorgebrachten Argument«, durch welche die Notlage der Angestellten dokumentiert wurde, konnten sich die Bankdirektionen freilich nicht entziehen. Aber sie trachteten, die Erfüllung der Forderungen durch individuelle oder einmalige Zulagen zu Hintertreiben. Die Gewerkschaft konnte dennoch generelle und kollektive Vereinbarungen durchsetzen, die in einem allgemeinen Avancement und in der, Verbesserung der Lage der jüngeren Angestellten bestehen. Der Abschluß der Verhandlungen bildet so einen Erfolg des Verbandes. Stillegung sehen sie einen Ausweg aus den Schivierigkciien, der lein Ausweg ist; er wird im Gegenteil dazu führen, daß die stillgelegten Fir« inen um ihren Markt und die in ihnen beschäftig- ren Arveiter zum dauernden Verlust des Arbeitsplatzes kommen. In einer Eingabe,.die vom . Dezember 1985 datiert ist, sagt der Wirtschafts« verband der Porzellanindustriellen u. a.:«... die Versuche einer planmäßigen Regelung der Produktion und eine Einschränkung unproduktiver Ausgaben ist durch sozialpolitische Maßnahmen an falscher Seite gehemmt." Die Unternehmer, die sich scheuen, die notwendigsten produktiven Ausgabe» zu tätigen, sehen in hervorragender Beschränktheit Ihr Heil in einer weiteren Berschlech« terung der sogenannten„unproduktiven", nämlich ■ der sozialen, Ausgaben. Dabei sind sich die Vernünftigen unter ihnen klar, daß das jetzige L o h n n i v i a u In der Parze llanindustrie die schlimmsten Folgen auf dem Gebiete der Leistungsfähigkeit und Leistungsfreude der Arbeiterschaft Hervorrufen muß. Miau muß wissen, wie niedrig die Löhne in der Por- zellanindiistrie sind. 80 Prozent aller Beschäftigten verdienen bis zu 18 XL täglich; ini ganzen verdienen nur 24 Prozent aller Beschäftigte» mehr als 24 XL im Tagei Viele Arbeiter müssen lange aussctzen, so daß die Durchschnittslohne noch niedriger sind. Dabei aber werden vor allem in den rationalisierten Betrieben unglaublich hohe Anforderungen an die qualitative uird quantitative Leistungsfähigkeit der Arbeiter gestellt. Die Porzellanindustrie hat für die Devife n w i r t s ch a f t des Landes große Bedeutung. 97 Prozent des Wertes der Porzellanprodukte, bestehend aus den Werten der Rohmaterialien und der Arbeitslöhne, werden im Inland aufgebracht. Die Exportware bringt also 97 Prozent Devisen ins Land. Der Devisenwert der reichsdeutschen Porzcllanprodukte ist 180 Prozent. Das weih Herr Schacht, weshalb er auf die Eroberung deS Porzcllanmarktcs besonderen Wert legte. Auch für uns ist die Exportförderung für die Porzellanindustrie von höchster Zweckmäßigkeit. Diese Forderung ist Arbeitern und Unternehmern gemeinsam; allerdings fordern die Arbeiter mit Recht, daß als Gegenleistung für eine solche Exportförderung die Kollektivvertragslöhne zum Zwecke der Kaufkraft-Sicherung garantiert werden müßten. Und cS ist ebenso selbstverständlich, daß die geplanten Betriebsstillegungen verhindert werden müßten. Die Regierung müßte einen Beitrag für die Porzellan-Propaganda im Inland unter der Bedingung leisten, daß auch die in dieser Hinsicht sehr verzopften Unternehmungen einen entsprechenden Anteil hergeben. Schließlich müßte auch beim Abschluß von Handelsverträgen auf die Bedürfnisse der Porzellanindustrie Rücksicht genommen und durch wirkungsvolle Maßnahmen auf steuertechyi- schem Gebiet diese reine Devisen-Industrie entlastet und im Ausland im Preise wieder konkurrenzfähig gemacht werden. Denn in qualitativer Hinsicht und in bezug auf die Mannigfaltigkeit des Dekorals bleiben unsere Porzcllanprodukte unerreicht. X. X. Neuer Borslhender-Stellvertreter der Zentral» sozlalverflcherunoSanstalt. Durch Dekret der Präsidenten der Republik wurde zum Vorsitzenden« Stellvertreter der Zentralsozialversicherungranstalt sür die Bersicherten-Gruppe auf die durch die Resignation des Ministers für Post und Telegraphen A. Tuöny freigewordene Stille der Direktor der tschechoslowakischen Zentrale der Krankenverstche- rungSanstalten Jng. I. Etulik ernannt. Wie schaut es in Deutschland aus? Bericht eines britischen Gewerkschaftlers Der„Daily Herold" veröffentlichte soeben dies«» Reisebericht, den wir in getreuer lleber- setzung wiedergebtn. „Ich bin. Mitglied einer Gewerkschaft, aber nicht ein„hochgelohnter" Arbeiter. Seit mehr als einem Lahr wünschte ich, selbst zu sehen, was In Hitlerdeutschland vorgeht, denn ich hatte da» Gefühl, daß die Beschreibungen des Lebens der deutschen Arbeiter etwas„Wertrieben" seien, Daß ich deutsch spreche, erleichterte mir den Entschluß, industrielle Zentren und, Städte des Reiches zu besuchen. Ich bin soeben zurückgekehrt. In Kölst traf ich einen Monn, der fünfzehn Jahre lang in England gearbeitet hat und der iim Kriege) drei Jahre auf der Insel Man interniert gewesen ist. Wie er sagte, ist eS der Traum seines Lebens, London noch einmal wiederzusehen. „Regent-Street, Hyde Park, Piccadilly, Herr, ist das fein 1" rief er aus. Ich fragte:„So ziehen Sie London Köln vor?" Er machte eine Geberde, um anzuzeigcn, was das für eine alberne Frage sei. Denn hier, in Deutschland, ist es schlecht, sehr schlecht. Er hatte monatlich 88 RM Unterstützung und davon mußt« er 16 RM Miete für eine klägliche Dachkammer zahlen. Jeden Monat muh er, bevor er sein« Unterstützung erhält, sein Mietbuch vorzeigen, daß er mit dem Zins nicht rückständig ist! In Deutschland, sagte er, sei kein Platz mehr für„alte" Leute wie ihm, Hitler möchte gern die Leute über 60 Jahre los sein. „Aber sicher", wandte ich ein,„erhalten Sie Unterstützung von der Winterhilfe".„Die Armen bekommen sie nicht, Herr!" war die Antwort. „Feine Amtseinrichtungen für die Partei, ja, Autos, Flugzeuge—. dafür geht dieses Geld draufi" Wir standen dicht bei einer Buchhandlung und vier oder fünf Kinder waren ins Haustor hineingelaufen, um dort zu spielen. Wir gingen weiter.„Man kann nicht vorsichtig genug sein", erklärte er,„ieb habe keine Sehnsucht, abgeführt zu werden."* Ich ging mit ihm dorthin, wo er sein Mittagessen einnahm/ wenn die Suppenküchen geschlossen sind. Ich bezahlte je 80 Pfennig für zwei Teller dicken Reispuddings, das Volksküchenessen. Ich konnte meine Portion nicht-ausessen, er vertauschte die Teller und nichts blieb übrig. Fünfzehn Gäste saßen in dem kleinen Raum, manche tranken ein Glas Milch und aßen«ine kleine Semmel ohne Butter dazu. Das kostete 12 Psg,(1.15 XL). In Köln wie in den anderen von mir besuchten Städten, fand ich überall eine beträchtliche Anzahl- leerstehender Gebäude.- Ein- großes Cafö in einem Park liegt still, obgleich«S mietefrei für die ersten sechs Monate zu haben ist. Seit zwei Jahren bat sich kein Mieter gefunden. Ebenso lange schon liegt das Prachtcafe„Bastei" am Rheinufer verlassen da, seitdem eS geschlossen hat. Das Cafe auf dem Dach des Ausstellungsgebäudes stand am mittleren Abend leer. Vbn halb 8 bis halb 10 saßen wir in einem Biergarten nahe am Zoo in glänzender Einsamkeit, obgleich es ein herrlicher Sommerabend war. Außer uns beiden war kein Gast da, sür 500 war Platz. Der Kellner sagte uns, daß das Lokal Ende der Woche schließen werde. Einige Tage später besuchte ich eine ärmere Stadtgegend. Ein Gastwirt saß mit seinem Sohn und dem Kellner beim„Rummy"spiel,, außer ihnen war niemand da. Das Gespräch kam aus die Arbeitslosen. Auf meine Bemerkung, er gebe wohl viele Arbeitslose in Deutschland, antwortete der Wirt„Gar keine".„Vor vier Jahren hattet Ihr sieben Millionen Arbeitslose und heute keine? Das ist schwer zu glauben," sagte ich.„Hier in dieser Zeitung steht, es gibt leine Notwendigkeit für einen deutschen Mann, arbeitslos zu fein", war sein« Antwort.„Jawohl" nahm der Sohn das Gespräch auf,„es ist Arbeit für alle in Deutschland". Alle drei lächelten.„Aber nicht gegen Lohn" fügte der Kellner hinzu. Der Sohn warf einen Blick dem Kellner zu, stand- auf und schloß die Außentür.„ES ist>wch für jeden Platz im Konzentrationslager" erläuterte der Wirt. Danach ging die Unterhaltung viel freier fort. Die 99 Prozent Jastimmen bei der„Volksabstimmung" im März d. I. wurde als ein Hauptjux behandelt.„Ja, alle Katholiken, Sozialisten, Kommunisten, alle lieben Adolf!" Man besprach die hohen Preise.„Es gibt keine Redefreiheit hier in Deutschland" sagten sie.„Aber was tun wir denn anderes als frei sprechen?" fragte ich.„Oh, Sie sind ein Ausländer" antworteten sie,„so könnten wir nicht zu anderen Deutschen sprechen". Ich fand eine ähnliche Haltung Werall, wo ich hinkmn. Manchmal erfolgte auf meine Frage nach den hohen Preisen ein Achselzucken,«ine Grimasse, wenn die Arbeitslosigkeit angeschnitten wurde oder gelegentlich auch Aeußerungen, wie: „Es gibt nur«ine einzige Partei, was kann man da tun?" Es Ist keineswegs Jeder für Hitler— das wird einem bald klar. Der Gruß„Heil Hitler" wird nur von SA-Leuten, Polizisten und Bankleitern betont gesprochen, aber sonst wird er in sehr verschiedener Art geboten. Je geringer der Lohn, desto leiser das„Heil". Ich hörte z. B.„Litler" oder „Lila", auch bei gewöhnlichen Grüßen wird oft das„Heil" vorangestellt. Viele sagten mir, daß die Begeisterung der ersten Zeit längst nicht mehr da sei und manche wagten die Aeußerung, daß in zwei Jahren Verschiedenes anders sein werde. Das wäre auch wahrhaft nötig. Die belebtesten Gebäude in den Industriestädten sind die Arbeitsämter, wo sich die Arbeitslosen melden müssen. 120 RM monatlich ist schon«in glänzendes Einkommen, 90 RM ein gutes. Ein Ge- sckiäftSangestellter in verantwortlicher Stellung sagte mir, daß er 85 RM monatlich erhalte. Eine Zweiraumwohnung kostet 25 bis 80 RM im Monat. Der Verfasser gibt dann eine Reihe von Preisen der Lebensmittel und wichtigsten Ge- brauchswaren an, die sämtlich in Deutschland bedeutend teurer sind als in England. In Essen sah er das Publikum sich in einem Laden drangen, wo gelber ranziger Speck das Pfund(% kg) für 7.50 XL verkauft wurde. Die Löhne der Arbeiter, die gezwungen sind, öffentlich„dem Führer" zu danken, daß sie arbeiten können, sind nur ein Geringes höher als die Arbeitslosenunterstützung. Dann schließt der britische Gewerkschafter seinen Bericht so:„Wie lange noch die deutschen Arbeiter dieses Leben ertragen wollen, kann selbst der Führer nicht sagen— sicher aber hat auch er schon etwas von dem Grollen des Aufstandes vernommen." Aussicht auf Einigung in Montreux Montreux.(Reuter.) In den Kreisen der InternationalenMeere.ngenkonferenz 'Mrwicgb der^EIndrÜik,-'Mß die die regioüälen Pakte betreffenden Schwierigkeiten- durch-den Vorschlag überwunden wurden, daß die Türkei ein Teil der Vertragssysteme werde, wie es der französisch-russische Hilfeleistungspakt ist. Dann wird die Türkei als Vertragspartei selbstverständlich die Meerengen den anderen Vertrag»- Parteien öffnen können, ohne eint Verpflichtung auf sich zu nehmen. Auch der Völkerbund werde dadurch nicht gebunden sein, wie eS es wäre, wenn der russische Ergänzungsantrag in seiner ursprünglichen Form angenommen worden wäre. Die Frage der Durchfahrt in Friedenszeiten gilt bereits als geregelt, ebenso soll England jetzt mit der Auflösung der Meerengen kommission einverstanden sein, lieber den Artikel 28 deS englischen Entwurfes bewegen sich die Verhandlungen in- der Linie, daß- sie Meerengen im Kriegsfall geschloffen ssein sollen, es sei denn, daß der Völkerbundsrat etwas anderes beschließt. Eine allgemein befriedigende Formulierung dieser Bestimmung gestaltet sich-jedoch schwierig, da die französischen Vertreter nach wie vor auf einer unzweideutigen Berücksichtigung der Rcgionalgbkommen bestehen, die gerade- dann anwendbar sein sollen, wenn der VolkerbundSrat zu keinem einstimmigen Beschluß gelangt. Paul- Boncour und Litwinow hatten über diese Frage ein« neue Unterredung, während das technische Kvmitt die textliche Ausarbeitung der grundsätzlich bereits genehmigten Bestimmungen fortsetzte. Die nächste Vollsitzung soll auf Wunsch des Präsidenten erst Mittwoch vormittags stattfinden, um bereits endgültige Ergebniffe feststellen zu können. 86 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava. „Eva, habe ich Ihnen schon die Geschichte erzählt von meinem ehemaligen Kollegen, dem Sechziger, der eine Fünfundzwanzigjährige heiratete? Nein, noch nicht?" Und er berichtet eine bittere Mär: jung Ivar sie und er grau. Mit Kameradschaft und seelischer Harmonie fing's an. Treueschwüre in Serien. Ein kurzes Glück. Sie erblühte wie eine Rose, er aber muhte beim Spaziergang nach einigen Jahren um gemäßigtes Tempo bitten. Das Ende: Enttäuschung, bittere Trennung. Lächerlich und zerschunden blieb er auf der Strecke. Das Gesetz der Natur war stärker gewesen. Eva hatte sich halb aufgerichtet, zernagte einen Halm.„Muß es immer so. sein? Und kommt es darauf an, ob das Glück ein Jahr oder fünf Jahr oder fünfzig währt?" Sie nagte weiter. „Und wieso blieb er lächerlich zurück? Weil sie mit einem andern davonging?" „Nein, weil er sich, eingebildet hatte, fünf« unddreißig Jahre auf die Dauer mit Aphorismen und sonstiger geistiger Akrobatik überspringen zu können." Sie entsann sich, daß er ihr einmal gesagt hatte, auch Wunden und Schmerzen gehörten zum Menschfein und seien da, um durchlitten zu werden. Aber sie schwieg. Sie hatte- ihren stillsten Traum entblößt— jetzt konnte sie nicht mehr reden. „Ich hab mal gelesen, wie komisch eS ist, wenn im Frühling auf den Robbenbänken die alten Seehunde mit ihrem abgeschabten Fell und dicken Genick um die jungen Schönen buhlen, sehr komisch..." Er brach ab. Ist ja doch ein feige« Feuilleton, was ich da zusammenrede„.. Sie hat den Mut zu ihrer Liebe, den Mut der Jugend — ich nicht. Das ist die Lage. Feigheit? Run gut, jeder Ist irgendwo feig, der Sechziger ist's auf dem Kampfplatz der Geschlechter. Schweigen. Holztauben gurrten dumpf in den Kronen der Bäume.„Dort kommt Ignaz", sagte Eva und. wandte das Gesicht zur Straße. - Den Strohhut mit der gewellten Krempe In der Hand, schlenderte Ignaz die Straße daher. Auf schmalen Schmugglerpfaden hatte er die Kuriere zur Grenze gebracht. Der Rucksack auf dem Rücken war leer... Als er Eva und Justus zwischen den Baumstämmen kommen sah, machte Ignaz Halt und pfiff erfreut. Unterwegs blieb Eva einmal zurück; ein Steinchen war ihr in den Schuh geraten. „Nichts von Herkner?" fragte Justus halblaut. „Nix", sagte Ignaz.„Darüber schwiegen die Ztoec wies Grab. Also iS ihm noch nix passiert, sonst wüßten ses, verstehst«? Seine Frau iS noch krank... er wird bei Freunden im Versteck hocken..." Er schob den Strohhut Wer das kurze Haar ünd die Krempe lief bekümmert um den Kopf. Zu Dritt gingen sie in den Taftgarten zurück. Die Schar der Gäste hatte sich gelichtet. Kleine Trupps zogen der Grenze zu. Müd«, zerzaust, mit emgeriffenen Blättern lagen die Zeitungen auf.einigen Tischen. Nachrichten, die heute früh noch daS Neueste schienen, waren schon Vergangenheit geworden, wanderten mit den abgehenden-Trupps hinüber ins andere Land, wurden weitergeflüsterk Justus packte,«ine Zeitung. Blätter hinge» heraus,-andere waren zerknittert, an- einigen Stellen klagten Löcher, Nachrichten tvaren heraus- geschnitten worden. Die Kellnerin trug die Blessierten Im-Arme davon: ein Bündel Zerrissener, Verbrauchter. Justus sah sei» Gesicht, wie eS beim"Rasteren aus dem Spiegel schaute: durchfurchte Stirn, tiefe Falten um Mund und Augen, das Haar gelichtet, wie ein entblätterter Baum. Zerfranst, zerlesen, geplündert— und dann rennt uns die Menschheit davon... Draußen quietschte ein Auto, Kaufmann Wenzel kam in den Garten. Er hatte über der Grenze drüben einen Geschäftsfreund besucht und wußte auf der Heimfahrt allerhand zu erzählen. Bestaubt, die Wände von der Sonn« erhitzt, rollte der Wagen wieder-ins Flachland hinab. JustuS hielt Evas Hand in der seinen, spielte etwaS verlegen mit ihren Fingern, sprach von seiner Arbeit. 2n einem Monat sollte das Manuskript druckfertig sein. Der Verleger wartete schon... Eva freute sich auf daS Buch. Die Freude klopfte in ihren Adern. Die Takte des Motors und des Blutes flössen zu raschem Rhythmus zusammen. Eie erwiderte den Druck seiner schlanken, festen Finger; sie waren ihr so vertraut, als hätte sie diese Hand gekannt, seit- sie denken konnte. Plötzlich wurde diese Hand unruhig, suchte an dem zarten Mittelfinger herum.„Wo ist denn Ihr Ring, Eva?" „In der Tasche,.. er drückte mich ein wenig..." „Mädchen, was sind das für Sitten und Gebräuche?" fragte er verdutzt und rückt« an der Brille.„Die Kette wird Ihnen zu warm, der Ring zu eng? Was ist mit Ihnen? Bereiten Sie sich auf die Wildnis vor?" „Vielleicht bin ich rascher dort, al» Sie denken." Es sollte scherzhaft klingen,- aber es schwang Trauer mit und Entschlossenheit.. ' Die ersten Häuser von Litosch tauchten-im Lampenlicht auf. Der Marktplatz mit seinem stei, nernen ZiSka. Ein Stück Hang empor. Der Wagen hielt. Halbdunkle Gärte» an der Straße. Eva war daheim.„Auf morgen, in der Spinne", sagte sie zu Justus, ihre Stimme klang wieder ruhig und ausgeglichen,„ich möchte mir Ihre große Balkankarte noch einmal anschaun.-' Aus geöffneten Fenstern hüpfte Radiomusik. Tanzschlager. Herr Wendisch kam in straffer Haltung durch den Garten und geleitete Eva ins Haus. Noch im Abfahren sah es JustuS. DaS Bild gaukelte eine Weile vor seinen Augen und nahm ihm die Ruhe. Ja, so würde eS kommen: immer eifersüchtig wie ein alte» AsfenmäNuchen und nie mehr arbeiten können wie bisher, konzentriert und in den Stoff verbohrt... Eva saß bereits unter der rötlichen Ampel ihres Mansardenzimmers., Sie sollte„Toilette machen", wünschte Thekla. Aber Eva kniete auf dem Stuhle, der Atlas lag offen auf dem Tische und Ihre Augen starrten auf ein gebirgiges Kartenblatt, maßen die Entfernungen. Dann ging sie zu dem alten Nuhbaumvertiko, schloß auf, zog ein Sparkassenbuch heraus. Der Rest Ihres Erbteils. Mit der Ferne ist's wie mit, abgründigen Tiefen: beugt man sich darüber"und starrt eine Weile hinein, so lockt die Tief« mit magischer Gewalt. Der Sprung in die Lockung erscheint wie eine Erlösung. So erging es Eva. Immer wieder hatte sie in die Tief« der Ferne gestarrt, immer wieder, nun blieb" wohl nur noch der Sprung, Am nächsten Tage schon beugte sie sich mit JustuS im großen Zimmer der Spinne Wer ein« Landkarte und ihre Augen liefen zwischen den schwarzen Bergen Montenegros, um den Skutarisee und in der nordalbanischen Wildnis umher. Mit dem- Bleistift in der Hand zeichnet« Justus, wie er gewandert war, monatelang. Hier in die Berge der-Malisoren hinein, hier am Drin entlang, hier über diese Bergkette hinweg...„Hier brach unser Esel mit- vollem Gepäck-durch eine Brücke"..." Eva sah einen Flußlauf," einen kleinen, braun gestrichelten Kreis, die Kuppe eine» langen Hanges., (Fortsetzung folgt.) Nr. 163 Mittwoch, 18. Juli 1936 Seit» 8 fudetendeutscfter Zeitspiegel Zeit stehendes Hotel- und Gastwirtegesetz zu schaffen, entsprechende Höchstpreise anzusetzen, für eine gründliche Schulung des private« und öffentlichen Personals zu sorgen, das mit den Fremden in Berührung lammt. Was Oesterreich, Ungarn und jetzt auch Schiveden konnten, das werden auch wir zustande- bringen, wenn es uns wirklich darum zu tun ist. Tschechoslowakischer Fremdenverkehr— ein düsteres Kapitel (R. F.) In den letzten Tagen find zwei Zahlenreihen veröffentlicht worden, 4ie so deutlich für sich selber sprechen, dah jedes weitere Wort fast überflüssig ist: Während das Aktivum des tschechoslowakischen Fremdenverkehrs von 1984 bis 1935 um 128 Millionen KC auf 39 Millionen KL gesunken ist, wird aus Schweden gemeldet, dah aus dem FremdenverkehrSpassivum von" 8 Millionen schivedischen Kronen im Jahre 1933 binnen zwei Jahren ein Aktivum von 11 Millionen schwedischen Kronen wurde. Wenn eS uns nur darum ginge, die Unfähigkeit unserer mit der Pflege des Fremdenverkehrs betrauten Bürokraten festzunageln, dann brauchten wir den oben angeführten Zahlen nichts mehr hinzuzufügen. Ein Land, das Kurorte von Weltruf besitzt, in punkto Fremdenverkehr derart herunterzuwirtschaften, scheint eine besondere Begabung vorauSzusetzen. Und wenn wir noch' dazu nehmen, wie dies«„Begabung" gerade jetzt von Herrn Schacht in der Frage des Bäderkontos zu einem geradezu unverschämten Erpressungsversuch benützt wird, dann wird wohl jeder wissen, woran er' mit unseren Fremdenverkehrsspezialisten ist. Aber eS geht bei diesen Dingen um ausser- ordentlich wichtige wirtschaftliche und kulturelle, ja auch um politische Interessen. Der Fremdenverkehr hat für unsere Wirtschaft auch noch im letzten Jahre 449 Millionen KL Einnahmen aus dem Ausland bedeutet. Es gibt Zehntausende von Menschen, deren Existenz direkt oder indirekt mit ihm verbunden ist. Der Weltruf von Karlsbad, Marienbad, Franzensbäd, Joachimsthal, Pieäkany, Sliai, Bilin, Podibrady, Teplitz-Schönau, Trenk. Teplice, Luhakovice usw. könnte auch dann nicht zerstört werden, wenn unsere FremdenverkchrSbürokraten nichts anderes im Sinne hätten. Wenn aber ein Land, das mit keinem einzigen Namen auftreten kann, welcher einem der vorgenannten ebenbürtig wäre, das fast abseits des Weltverkehrs liegt, das als hoch- valutarischeS Land wesentlich höhere Preise hat als wir, heute fast das Dreifache dessen an Fremdenverkehr verdient, was es vor zwei Jahren dafür ausgegeben hat, dann zeigt das, was für Möglichkeiten uns osfenstehen, aber nicht ausgenützt werden. Gewiss'ü— es wird Diel' Bort elUer R k o t» ganisierung unseres Fremdenverkehrs ge- sprachen. Das Handelsministerium hat einen Entwurf auSgearbeitet, der aber nach dem allgemeinen Urteil nur eine weitere Bürokratisierung, verbmden mit etwa einem Dutzend neuer Sinekuren bringen würde. Der„Cedodieses Institut für amtlich konzessionierten. Fremdenexport, soll aufgelöst werden. Und weiter— weiss man nichts. Kein Wunder, wenn Herr Schacht sich stark fühlt. Er weiss ganz genau, wie wichtig der Fremdenverkehr für uns ist, und wie wenig man bei uns für ihn tut. Und darum, nur darum, glaubt er, die Tschechoslowakei zwingen zu können, die Aufhebung der deutschen Devisensperre gegen unser Bäderdreieck mit Konzessionen gegenüber der deutschen Medikamenteneinfuhr zu erkaufen. Entweder soll Martenbad zugrundegehen, oder es sollen in den Werken der Aussiger Chemischen einige hundert Arbeiter entlassen werden. Das ist die Alternative, vor die Herr Schacht uns stellen will— weil er sieht, wie hilflos wir dank der Unfähigkeit unserer Fremdenverkehrsbeamten sind. Wenn wenigstens diese Warnung„zuständigen Orts" verstanden wird, dann hat uns Herr Schacht vielleicht sogar einen sehr wichtigen Dienst geleistet. Denn was hätten wir daraus zu lernen? Erstens, dah es nicht mehr möglich ist, Unseren Fremdenverkehr von dem- Besuch aus Deutschland,'d. h. praktisch von der Gnade des deutschen Devisendiktators, abhängig sein zu lassen. Im Falle Deutschlands wird es notwendig seist!«in besonderes Devisenregime für den Frem- denverkchr vpn und nach Deutschland einzuführen, wobei es, als feststehendes Prinzip zu gelten hätte, dass nur mit den Mitteln dieses Kontos kompensiert wird, so dass jede handelspolitische Erpressung Von vornherein' aussichtslos ist! Dann, aber erst oästst, wird Herr Schacht' mit sich reden lassen. Ilm so Wehrs als erdanndie KL der Olympiadepilgerin Gefahr sehen wird L.?. ! Und darüber hinaus muh dafür gesorgt werden, dah wir in anderen Ländern neue Freunde werben. Dabei darf es Uns nicht nur um Gäste für unsere Luxushotels zu tun sein! sondern' vor allemum Mitleistandstou« r ist en aus den hochvalutprischen Ländern, die zwar nicht mehr als höchstens 49 bis 50 KL täglich auögeben, die über nicht bloh einige Tage lang Auf der Durchreise bei uns bleiben! und die ihrer Zahl'nach mehr für uns bedeutest! als sämtliche MrhäradschähS und Hemdenknopfkünige im Pupp. Wenn wir dabei nur einigermassen geschult vor« gehen— dazu gehört vor allem das Abstellen des lächerlichen-UnstnnS upstzrer Sprachen? ch i- k a n e n— dann können wir sehr viel gewinnen! CS wird nottvendtg sein,!ein"auf der Höhe der Mordanschlag auf offener Straße Letsche«. Dienstag nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr wurde in Letschen in der Nord- bahnstrasse ein aufsehenerregender Mordanschlag verübt. Der 51jährige frühere Gasmeister der Stadt Letschen, Anton Mottl, der mit dem Chaufseur Kunert, 28 Jahre alt, schon seit längerer Zeit Zwistigkeiten hatte, zog nach einer heftigen Auseinandersetzung«inen Revolver und streckt« Kunert durch drei Schüsse in die listke Schulter und Brustseite nieder. Die Waffe ist älteren Systems. Kunert wurde in sch w« r verletztem Zustande ins Krankenhaus in Letschen etngeliefert. Mottl wurde in Haft genommen. Er gibt an» daß er die Tat aus Furcht vor Kunert, den er als gewalttätigen Menschen schilderte, begangen habe. Die Schreckenstat hat in Letschen begreifliches Aufsehen hervorgerufen. SdP-Funktlon&re Uber die Cliquenwirtschaft Wie SkomorowskyJ„rehabilitiert“ wird Die am Bortage des Bundesfestes in Mähr.- Schönberg anwesenden Hauptleitungsmitglieder der SdP haben beschlossen,— so berichtet di« „Rumburger Zeitung"—, den abgesetzten Kreisleiter Skomorowskyj unter allen Umständen wieder zu rehabilitieren. Skomorowskyj ist bekanntlich in Arbeiterkreisen der SdP derart verhaht, dass er sogar Gendarmeriehilfe zum Schutze seiner Person in einer Sternberger Mitgliederversammlung holen muhte. Mit Einwilligung Konrad Henleins ist nun Skomorowskyj beim Bundesfest nicht nur im Festzug unmittelbar hinter Konrad Henlein mitmarschiert, sondern er hat auch voller Stolz gemeinsam mit Brand und Henlein die Parade der vorbeimarschierenden FestzugSteil- nehmer abgenommen. Kein Wunder, dah ganze Gruppen der Vorbeimarschierenden, sobald sie Dr. Brand und vor allem Skomorowskyj erkannten, schweigsam an Henlein vorbei- z o g c n. In ganz Nokdmähren, wird dieses Vorfall eifrig kommentiert...!. Da zitierte Blatt veröffentlicht weiter folgenden bemerkenswerten Bericht des ausgeschlossenen M.-Schönberger Bezirksvcrtreters Karl M a t i S: Trotz der unsachlichen Angriffswcise einiger Amtswalter der SdP gegen mich vermied ich bisher jede öffentliche Stellungnahme zu den bisherigen Borkommnissen in dieser Partei. Es dürste bisher unbekannt sein, dass meine sachliche Kritik am Benehmen des ehemaligen KreiSleiterS Skomorowskyj den unmittelbaren Anstoss zum Borgehen der Parteileitung gegen Rudolf Kasper gab. Meine Anschuldigungen gegen genannten Herrn hatten nach langer passiver Resistenz der Hauptleitung endlich die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Folge, dessen Borsitzender Abg. Dr. Köllner eine durch Zeugen jederzeit beweisbare, sichtliche BerteidigungShaltung für Sto- morowskyj einnahm: Dies« Tatsache und mein Ausschluß aus der Partei, der auf Betreiben des Angeklagten Skomorowskyj ausgesprochen wurde, muhte mir und jedem Eingeweihten die Ueberzeu« gung beibringen, dah die mahgebenden Faktoren der Hauptleitung zwingendes Jn- teresseaneinerBerteidigungSko- morowskyjs hatten. Damit erschien mir der Beweis für daS Bestehen einer„Cliquenwirtschaft" gegeben. ES ist mir nebensächlich, welchen Namen diese unsichtbare Ligq trägt, die Bezeichnung„Kameradschaftsbund" stammt nicht von mir, sondern von den Gründern selbst. Als ausschlaggebend muh ich feststellen, dah meine Beurteilung SkomoroWskyjS die volle Billigung des Bezirksleiters Mäuler und Abg. Axmänn fand. „Moralbegrlff mit doppeltem Boden“ Das genannte Blatt bezeichnet die Haltung Henleins im Falle Brand als»völlig nn- berständlich. Wenn er dem Dr. Brand gegen den Spruch des Ehrengerichtes weiter sein volles Ber- trauen bescheinigt, wenn er und die Hauptleitung sich mit Dr. Brand und seinen Verfehlungen einig erklären, so lenken er und die Hauptleitungsmitglieder das Urteil des Ehrengerichtes auf sich selbst; wenn er die Verfehlungen Dr. Brands als politische Handlungen bezeichnet und sie deshalb billigt, so sagt er, dah das, was privat unehrenhaft ist, in der Politik rechtens sei/ er stellt damit«inen Moralbcgriff mit doppeltem Boden auf:.die zwei Gesichter des KB sind nun von ihm zugegeben; wenn er schliesslich"ben Spruch der von ihm selbst eingesetzten Ehrenrichter«itt seinem eigenen Gegenspruch unter de« Tisch fehrt, so bringt er zumindest den Obmann des TUrnverbandeS, dessen Ehrenobmnnn er ist, und den Senator und ArbeiterstandeSvertre« ter seiner Partei in eine Lüge, deren Folgen noch gar nicht abzusehen sind, Das hat mit verantwortungsbewusster Politik nichts zu tun und wird der SdP und den Sudetendeutschen schweren Schaden bringen." Aus der Partei der Ausschlüsse Die Partei der sudetendeutschen Totalität verzeichnet allein am gestrigen Tage in ihrer Verlustliste folgende Ausschlüsse: Die Amtswal» t e r Hans B a l d e r i ch, August Pars ch, beide in Mährisch-Neustadt; Heinrich Dane! in Sternberg; Louis Gröger, Wilhelm Jahn, I. Gratschka in Olmütz; D o s o u d i l in Gießhübel. Der Bezirksvertreter des Arbeiterstandes von Niemes, Buchner, wurde ebenfalls seines Amtes enthoben und aus der Partei ausgeschlossen. Die mittwöchige„Zeit" veröffentlicht eine Mitteilung, laut welcher Abg. Frank nach wie vor Vorsitzender des gemeinsamen Klubs der SdP-Abgeordncten und-Senatoren ist, während Abg. K u n d t„gegenwärtig mit der Leitung der parlamentarischen Arbeiter betraut ist".— Dagegen bestätigt daS Blatt nunmehr die Meldung vom Mandatsverzicht des SdP-SenatorS Greger. Und das ISSt man sieh gefallen? Karlsbad(E.-B.) Vor kurzem hat die LandeSbehärde einen gewissen Meinl aus Bärringen aus der Tschechoslowakei auSgewie- s e n. In dem Bescheid hiess es, dah Meinl die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit des Staates gefährde, in der Tendenz der aufgelösten nationalsoziali- st i s ch e n Partei schreibt und nach Rechtskraft dieses Bescheids das Gebiet der Republik sofort zu verlassen hat. Das war wohl deutlich genug und die Bevölkerung des Erzgebirges wunderte sich nur, dah diese Massnahme so lange auf sich hatte warten lassen. Nun aber stellt sich heraus, dass diese behördliche Ausweisung sozusagen für die Katz ist. Denn Meinl hat zwar das Gebiet der Republik verlassen und sich im Grenzort Johanngeorgenstadt angemeldet, kommt aber nahezu täglich in das NeudekerGe biet, mm.sich nach.wie chor durch Schnyrrereien zu erhalten, und macht sich samt seinem Anhang über unseren Staat noch lustig. Darf das so bleiben, so bedeutet es eine Blamage. Wird nicht etwas geschehen, um das Ansehen der Behörden und des Staates in diesem Fäll wieder herzustellen? Wut und Rache Karlsbad(E.-B.) An der Feier auf dem Schafsberg— die für Henlein und die Seinen so schmählich endete— hatten auch Mitglieder des BdL aus dem Petschauer Gebiet teilgenommen. AIS am Abend— die Nachricht von der saftigen Abfuhr des„Führers" hatte sich rasch verbreitet— einige Landwirte aus Tischau dürch Landeck fuhren, wurden sie von Henleinleuten ü b e r f a l l e n, mit Steinen beworfen, von den Rädern heruntergeholt und mit Füßen getreten, so dah einer der Landbündler sich in ärztliche Behandlung begeben muhte. Ein Sonderheft des„Naturfreund". Eine prächtige Stadtansicht von Brünn und ein selten schönes Bild einer der herrlichsten Tropssteingruppen im mährischen Karst« schmücken die vordere und hintere Umschlagseite des neuesten Heftes der international verbreiteten Zeitschrift„Der eNaturfreund". Aus Anlass der demnächst stattftndenden internationalen Tagung des Touristenvereines„Raturfteunde" in Brünn erscheint das vorliegende Heft als tschecho- flowakische Sondernummer. Ein Artikel befasst sich mit der Geschichte des Spielberges, ein anderer schildert uns die Bedeutung Brünns in der Naturforschung. In dem Aufsatz„Blüten wie aus Wachs geformt" wird der Reichtum und die Schönheit unserer heimischen Flora besprochen, während im Artikil „Die Harbechdoline im Mährischen Karste" von der mühsamen Entdeckerarbeit der unterirdischen Höhlenwelt die Rede ist. Andere Beiträge erzählen von „Land und Bolk im Erzgebirge", von„Znaim und dar Thayatal", vom„Gablgrat in der Hohen Tatra", von einer„Jserfahrt im Faltboot" und von einer Urlaubsreise in die Slowakei. Wer die schön illustrierte und sehr lehrreiche Zeitschrift regelmässig kostenlos erhalte» will, der meldet sich am besten beim Touristenverein'„Die Raturfteunde" als Mitglied gn, der an allen grösseren Orten Ortsgruppen hat. Ein Gegenstück zum„Kgl. holländ. Genoralkonsul John van der Made“ In den„Mitteilungen der Csl. Liga gegen den Antisemitismus" lesen»wir: Methoden der antisemitischen AuSlandSpropaganda. Die reichsdeutschen Zeitungen machten in letzter Zeit grosse Propaganda mit dem Aufsatz eines „hervorragenden belgischen Gelehrten Prof, Dr. E. Vie Festschrift Uder das III. Bundesturnfest ist fertig. 22 Bildseiten auf Kunstdruckpapier geben eine herrliche liebersicht über den Verlauf des III. BundeSturnfcsteS. Die Festschrift, die für alle, die Komotau miterlebt haben, eine prächtige Erinnerung sein wird, aber auch jenen, die keine Gelegenheit hatten, das 111. Bundesturnfest mitzuerleben, zeigen wird, welche Massen in Komotau ausmarschierten, ist durch die Leitungen der AtuS-Bereine sofort zu bestellen. Die Herausgabe der Bilderfestschrift wird am 1. August erfolgen. Nachdrucke sind keine möglich. Bestellt deshalb sofort! Voraussichtlicher Preis zirka 4 KL. Photoaufnahmen in Kollektionen zu je 20 Stück werden an die Vereine, je nach Bestellung zugeschickt. Die Bestellungen sind zu richten an: Franz Johne, Aussig, Siedlerzeile 16. Oer Bundesfestfilm ist fertig. SamStag, den 11. Juli, wurde der Bun- desfestfilm das erstemal vorgcfllhrt. Schnitt und Textierung dürfen noch im Laufe odioses Monates fertig werden, so dass die Uraufführung Anfang August vorgenommen werden kann. Der Film (Schmalfilm), der eine Spieldauer von zirka zweieinhalb Stunden hat, lässt uns die herrlichen Tage von Komotau ncchmals erleben und wird unter den Zuschauern viel Begeisterung anSlöscn. lieber den Verleih werden die Kreise, Bezirke und Vereine noch verständigt werden. Richtigstellung und Nachtrag In der Siegerlifte des Fussballer-DrcikampfcS sind alle Sieger, welche unter den Namen Aussig-Ost starteten, Mitglieder des Vereines Aussig-Nord (Lerchenfeld).— Dio Siegerinnen in der Frauen- Oberstufe über 28 Jahre: 1. Marie Richter(Altrohlau) 817.78 Punkte, 2. Anni Bernt(Teplitz) 801.84, 8. Hanni Ziwisch(Bodenbach) 286 25, 4. Anni Mach(Dux) 285.08, 5. Marie R-tsch (Eger) 278.94, 6. Muz Kasper(Teplitz) 265.16, 7. Else Feigl(Brüx) 262.56, 8. Elsa Seidl(Graslitz) 262.38 Punkte. P. Seyler aus Brüssel", der überall in Deutschland abgcdruckt wnrde. Der Aufsatz wurde zuerst in der der antisemitischen Auslandspropaganda dienenden deutschen Zeitschrift„Der Wettkampf", München, No. 148, April. 1986, gebracht. Diese übernahm Ihn aus der deutschen hakenkrcuzlerischen Zeitung „Czernowitzer Tagespost"(Rumänien). DaS geschah in der bekannten Weise, dass dieser Artikel von reichsdeutscher Stelle in diese im Ausland erscheinende Zeitung lanciert wurde, um dann in der reichsdeutschen Presse zitiert zu werden, von wo aus er wieder den Mess in die Auslandspreise nimmt. Der Artikel, der angeblich aus Belgien kommt, ist im Stile der bösartigsten anttsemitischen innerdeutschen Schmähschriften geschrieben. Als man in Belgien den Aufsatz zu lesen bekam, erschien es unverständlich, dah ein belgischer UniversitätSprofeffor etwas derart Unwissenschaftliches und Unsachliches schreiben könnte. Man ging der Angelegenheit nach und stellte fest, dass eS in ganz Belgien keinen„hervorragenden" Gelehrten namens E. P. Seyler gibt, der Professor und Doktor ist. Die„ausländische Zustimmung" für die antisemitische Polittk macht man sich also in Deutschland selber, wenn man Bedarf dafür hat. P. K. Und die„ausländische Zustimmung" für SdP-Hetzcn gegen die Sozialisten machte matt sich in den Kreisen um die SdP und um die „Bohemia", wie der Fall der in Franzensbad gezeugten und von der„Bohemia" scheingeborenen van der Made hinlänglich bewies. Meder blutige läge In Madrid Madrid. Dienstag nachmittags fand auf dem Madrider Friedhof Almudena, auf dem die Mörder Calvo Sotellos den Leichnam nach der Tat niedergelegt hatten, die Beerdigung des monarchistischen Abgeordneten statt. Eine Abordnung des spanischen Landtages musste sich auf die Drohungen der Menschenmenge, die die Be- härdenverfteter als Abgeordnete der Mörder Calvo Sotellos bezeichnete, wieder umkehren. Am Bormijtag wurde der am Sonntag abend erschossene Polizeioffizier beigesetzt, dessen Leiche in eine Fahne gehüllt war und dessen Trauergefolge sich in der Hauptsache aus Kommunisten zusammensetzte. Als die Menschenmenge von der Beerdigung des monarchistischen Abgeordneten Sotellos zurückkehrte, entstand zwi- scheu politischen Gegnern eine Schiesserei, in deren Verlauf eine Person getötet und drei lebensgefährlich verletzt wurden. I» Kurie Madrid. In Barcelona sind die Transportarbeiter in den Streik gifteten, wodurch vor allem der Verkehr ins Ausland vollständig' unterbunden wurde. Moskau.(Tass.) Die innere Anleihe In der Höhe von 4 Milliarden Rubel ist innerhalb zehn Tagen um 4227 Millionen Rubel überzeichnet worden. Madrid, DI« katholische und grösste Madrider Zeitung„Na" ist wegen der Herausgabe einer Sondernummer über die Erntordung Calvo SöteloS vom Innenminister bis auf weiteres verboten worden« (Seite 4 Mittwoch, 18. Juli ISS« Nr. ISS Stündlich 50 Hitze-Opfer AAesneuigLelten- Das Gesicht Europas .„In der westlichen Vorstadt von Nom, unweit St. Peter, des kirchlichen Mittel- Punktes und Pilgerzieles der Welt, wird vom italienischen Staat mit eineni Aufwand von 1.3 Millionen Lire ein großes Gefängnis erbaut werden, das das modernste in Europa sein wird." „Agentur Stefan!", Rom. .„Das Reichspropagandaininistorium hat den Film, der den Boxkampf Schmcling-Louis darstellt, mit dein Prädikat„st a a t s P o l i. tisch wertvoll" ausgezeichnet." „Deutscher Nachrichten-Büro", Berlin. 1.. „Auffallend lebhaft wurden bei der Heidelberger Feier die Prager Grüße ausgenommen. Vermutlich war das nicht nur der auffallenden Farbe der Rektorstracht zu danken, die bei allen internationalen Universitätsfeiern stark hervorsticht." Rektor Hilgenreiner in der„Bohemia", Prag. „Der Stabschef des Führers der SA hat den Rektor der Universität Heidelberg, SA- Obertruppführer Groh, zmn S A- Sturmführer befördert." „Deutsches Nachrichten-Büro", Berlin. „Das Gesetz bedroht nur deutschblütige Personen deutscher Staatsangehörigkeit... Unbeachtlich bleibt die Frage, ob eö sich bei der Frau um eine P r o st i t u i e rt e handelt." LanveSgerichtSrat Dr. Kuhn in„Deutsche Justiz", Berlin. * „Der tschechische Komiker Ferencz Futurista erlitt, nachdem er 4 0 8 m a l hintereinander in'der Operette„Auf der grünen Wiese" auf- getreten war, einen N e r v e n z u s a m m e n- b r u ch und begab sich zur Heilung in ein Sanatorium." „Prager Tagblatt". „Vorgestern wurde in London Miß Lncic Sylvia Clayton getraut. Miß Clayton hat nunmehr ihre 80v. Trauung mitgemacht. Sie war nämlich vorher Mannequin in einem berühmten Londoner Spezialgeschäft für Brautausstattungen und hat in dieser Funktion 299- mal:n vollem Brautornat Generalproben für fremde Trauungen veranstaltet. Sie wird nun eine Schule für Mannequins eröffnen." „Der Wiener Tag". „InNyniwegen(Holland) wurde der Lei- ter der dortigen Polizei wegen umfangreicher betrügerischer Handlungen in Haft genommen. Seine„Spezialität" war, Emigranten aus Deutschland um hohe Beträge zu prellen, indem er ihnen vorspiegelte, daß es ihm möglich sei, ihnen Auf- enthaltsaenehinigungen zu erwirken." „Pester Lloyd", Budapest. Bom Schlachtfeld der Arbeit. Ain Neubau des Gerichts- und Finanzgebäudes in P a r d n- t i tz stürzte gestern vormittags ein Aufzug ab»ud siel IN Meter tief..Er riß de»den Aufzug bedieneudeu Arbeiter Franz Kush aus Pardubitz mit sich. Der Arbeiter, der verheiratet und Vater eines Kindes ist, starb noch vor der Ueberführunq ins Krankenhaus. Todesernte des Blihes. Bei den Geivittern in der vergangeiien Woche tvurden in K ä r n- t e n an verschiedenen Stellen insgesamt 20 Personen durch Blitzschläge getötet. Am Brenner, nahe der österreichisch-italienischen Grenze schlug der Blitz in einen hundertjährigen Baum, wo- dnrch zwei Arbeiter getötet und elf schwer verletzt wurden.— Verschiedene Gegenden der Türkei ivurden von schtveren Ilntvettern heimgesucht. In Taseekepru fielen Schlossen von E i- grüße, die die Ernte auf den Feldern vernichteten und Minaretts beschädigten. Ein Bauer wurde vom Blitz getütet. Auch in Emelu verursachte das lintvetter große Schäden. Zahlreiche Häuser standen unter Wasser, die Weingärten wurden vernichtet und sieben Personen durch Blitzschlag getötet. Dorftragödie. Zwischen den Gemeinden Horsany und Dravee unweit von Ujjhorod wurde der 20 Jahre alte Josef Gadaö aus der Gemeinde Koueovo mit eingeschlagener Schädeldecke soivie Verwundungen am ganzen Körper aufge- fundeu. Die Gendarmerie hat festgestellt, daß der junge Miami bei einer Tanzunterhaltung in Horjanv einem dortigen Mädchen den Hof gemacht hatte, worauf die Horjaner Burschen nach Beendigung der Unterhaltung den Gadaö auf dem Heimweg auflauerten, über ihn herfielen und ihn derart schwer verletzten, daß er nunmehr im Krankenhaus von Ujshorod mit dem Tode ringt. Au die Haft des Kreisgerichtes wurden fünf sunge Leute eingeliefert, welche verdächtig find, die Tat begangen zu haben. UeberfUllte Totenkammern In N e w N» r k. Die Hitzekatastrophe nimmt stündlich einen größeren Umfang an. Die Zahl der Todesopfer betrug bis Dienstag morgens bereits 1780. Sie wächst durchschnittlich«m 80 Personen in der Stunde. Die Leichenschauhäufpr in Chicago, Minneapolis und Detroit find mit langen Reihen von unbekannten Toten überfüllt. Daö Dürregebiet erstreikt sich jetzt über zwölf Staaten der Union. Die Regenfälle der letzten Tage sind anscheinend für den anSgedörrten Bode» zu spät gekommen.(Wie verlautet, beabsichtigt Roosevelt, in der nächsten Tagung deS KongresteS ein grosszügiges Programm für die Wiedergewinnung unfruchtbar gewordener Land- Ei»e Stadt in Flamme». Das Städtchen Banska in Bulgarisch-Mazedonien wurde gestern nachmittags von einem" katastrophale» Feuer heimgesucht, dessen Ursache bisher noch nicht festgestellt werdenkonnte. Gegen 180 Häuser, meistens kleinere, brannte» nieder, und auch zahlreiches Vieh kam bei dem Brande um. Der Gesamtschaden wird auf 10 Millionen Leiva geschäht. Gegen Abend gelang eS den vereinten Bemühungen der Einwohner, der Schuljugend, der Fenerivehr und des Militärs, den Brand zu lokalisieren. Aus Sofia ist ein Sonderzug mit Militär nbgcgangen, das sich an den Ret- tungSarbeiten beteiligte. Die Panik in der Stadt Ivar unbeschreiblich, lieber 600 Personen sind obdachlos.' Ein schweres Erdbeben, das eine Flustvelle im Gefolge hatte, hat in einer Breite von 600 Kilometern Montag das n o r d ch i l e n i s ch e K ü st e n g e b i e t heimgesncht. Der Mittelpunkt des Bebens lag in der Hafenstadt Taltal, wo fast sämtliche Häuser mehr oder minder schiver beschädigt wurden. Schwer betroffen ivurde auch die Stadt Copaieo. Ob auch das Hinterland in Mitleidenschaft gezogen wurde, konnte noch nicht sestgestellt iverden, da säniiliche Drahtverbindungen zerstört sind und auch die Eisenbahnen den Verkehr einstellen mußten, lieber die Zahl der Menschenopfer, die das Erdbeben gefordert hat, liegen noch keine genauen Angaben vor. Betrunkener entfesselt Eholerabazillen. Ein angetrunkener englischer Matrose ist ani Sonntag in das Bakteriologische Laboratorium der Hasenverwaltung in Alexandria eingedrungen und hat einen Teil der Einrichtung zerstört. Wie sich erst jetzt herausstellte, sind auch einige Behälter mit Cholera-Bazillen zerschlagen worden." Die englische Admiralität und das Gesundheitsministerium haben Maßnahmen getroffen, um. eine Ausbreitung der Bazillen zu vermeiden. Der Matrose ist der englischen Polizei übergeben worden. Der arische Wanzenjäger.(mb) In einer Konstanzer Zeitung tvar kürzlich folgendes zu lesen:„E r k l ä r u n g. Ich mache die Eintvoh- nerschast von Konstanz und Umgebung darauf aufmerksam, daß ich als Kammerjäger gelverbe- polizeilich angemeldet bin. Es dürfte daher nicht angehen, daß sich Heinrich Kolb als einziger Kammerjäger am Platze empfiehlt. Da ich ebenfalls für hundertprozentige Vertilgung des Ungeziefers bei streng reellen Preisen garantiere, bitte ich die Einwohnerschaft, mein Unternehmen zu unterstützen. Kamnierjäger Fritz Hoffmann. Einziges rein- arisch es Unternehmen am Platze."— Der in der Erklärung genannte feindliche Kammerjäger Kolb ist zwar auch Arier; aber seine Tante hat einen Juden geheiratet. Wie man hört, soll ihm künftig nNr noch die Jagd auf jüdische und halbjüdische Wanzen behördlich freigegeben sein; die rein-arischen stehen Hoss- mann zu. Vie ticistertlotte Verschollene Schiffe wandern durch die Arktis Ans Kanada wird berichtet, daß der seit 1031 verschollene Dampfer„Bachymov" unweit der kanadischen Küste gesichtet wurde. Pelzjäger, die auf ihren Schlitten an den Rand des Meeres gelangten, erblickten das Schiff. Es tvar in Packeis eingeschlossen und tvurde, die Masten dicht mit Eiszapfen beseht, eine zersetzte Flagge am Heck, von den. wandernden Eismassen nordwärts weitergeschoben. Die„Bachymo", die nun zum siebenten Mal seit ihrer.letzten Ausfahrt aufgetaucht, gehört zu jener geisterhaften Flotte, die, vom Eise der Arktis getrieben, durch die nördlichen Meere tvandert und die alte Legende, vom Fliegenden Holländer förtleben läßt. Seltsame Schicksale verknüpfen sich mit diesen Schissen, die häufig bis in das Gebiet transatlantischer Schissahrtsliuien verschlagen werde» und nicht selten eine ernste Gefahr für den Schifssverlehr bilden. Der 1300 Tonnen-Dampspr„Bachynw" ist wohl das jüngste.Schiff dieser.vom.Aberglauben der Seeleute umsponnenen Geisterflotte des Nordens. Im Juli" 1981 verließ es den Hasen von Vancouver"zu seiner regelmäßigen. Reise nach der kanadischen Arktis. Im Nördlichen Eis- ineer ivurde der Wassertank leck. Captain Cornwall fahr deshalb nach Point Barroiv zurück, um frisches Trinkwasser an Bord'zu nehmen. > Dann nahm das Schiff in den" Pelzjägerstatio- USA striche vorzulegon, dos sich über viele Jahre erstrecken soll.).Der an,."der Ernte verursachte Schaden überschreitet beträchtlich die. Summe von 300 Millionen D» klar. Der Leiter deS GesundhritSdirnsteS, Rian, erklärte, er habe in de» letzten 16 Jahren keine solche Sterblichkeit gesehen; er habe in den letzten drei Tagen mit seinen Gehilfen 180 Obduktionen vornehmen müssen.,' Im mittleren Westen der Bereinigten Staaten wurden am Montag n e n e H ö ch st t e m- veraturen von 30 bis 44 Grad Celsius beobachtet. In Henderson(Kentuckv) wurden sogar 45 Grad Celsius gemessen. An einem Bahnübergang in der Nähe von Besancon(Frankreich) wurde ein Autobus, in dem 17 junge Leute Platz genommen hatten, vom Zuge erfaßt und vollständig zertrümmert. Drei Insassen wurden getötet und acht, schiver verletzt. — Ein Auto, daS Soldaten beförderte, ist in der Nähe Mailands in einen Abgrund gestürzt. Dabei wurden drei Personen getütet, zwei Personen, verletzt. Bei Chartres(Frankreich) ist Montag nachmittags ein Zivilflugzeug abgestürzt und nach dem Aufprall auf den Boden verbrannt, .Die drei Insassen fanden in den Flammen den Tod. Desertion auS der braunen Reichswehr. Polnische Zeitungen geben bekannt, daß zahlreiche Deserteure aus Ost-Preußen die polnische Grenze überschreiten. Die polnischen Behörden, sollen sich mit" der Ansicht tragen, für diese"Deserteure An- haltelager zu errichten. Gestapo am Werk,(mb) Der Züricher Kaufmann Ernst ElsenhanS wurde von einem Deutsche», der ihn aus Konstanz anrief, gebeten, zu einer geschäftlichen Besprechung zum deutschen Grenzposten zwischen Krcuzlingen und Konstanz zu kommen. Obwohl ElsenhanS zunächst mißtrauisch war und der deutsche!,Geschäftsfreund" eine Verabredung, ElsenhanS ans schweizerischem Boden zu sehen, auf die er schließlich eingegangen ivar, nicht einhielt, ließ er sich nach einem neuen Telephongespräch verführen, die Grenze zu überschreiten. Kaum war cs geschehen, so traten zwei Gestapoagenten auf ihn zu, fesselten ihn und schleppten ihn ins Gefängnis nach Konstanz. Seither tveiß man nichts von-ihm; die deutschen Behörden verweigern die Auskunft. ElsenhanS Ist weder politisch organisiert noch sonst wie politisch tätig gewesen. i" Reue'Wafferslugzevgstrecke. Nach dem'Mtiittäg früh in London erfolgten" Eintreffen bet“„Q'u'e e n M a r y" in Cherbourg wurde die neue Wasserflugzeug-Strecke für Mitteleuropa eröffnet und einige mit dem Cunard Dampfer auS Amerika eingetroffene Passagiere flogen sofort nach" Budapest weiter. Die„Queen Mary" legte die Streck« New Nock — Cherbourg in vier Tagen, 14 Stunden und 15 Minuten zurück. Der Bampyr von Rustschuk. Der alte Aberglaube vom Vampyr findet in einer grauenvollen Geschichte neu« Nahrung, die sich in Rustschuk zuge- tragen hat. Dort trieb ein verbrecherisches Jno!- viduum sein Unwesen, das als Vampyr eine unheimliche Berühmtheit erlangt hatte. ES handelt sich Um einen lbtann, der Dutzende von Ueberfällen auf Frauen und Ntädchen verübt hat; feine Spezialität war cS, das Blut seiner Opfer zu trinken. Nach einem solchen Ucberfall wurde er von einer Frau heimlich verfolgt, der Polizei gemeldet und so unschädlich gemacht. Allem Anschein nach handelt:S sich um einen gefährlichen Geisteskranken. nen an der Hudsonbai Pelze an Bord und trat die Rückfahrt an. Infolge der Verzögerung durch die Umkehr nach Kap Narrow aber schnitt das Polareis der„Bachynw" den Rückweg ab. DaS Schiff wurde vom Eis eingeschlossen. Der Kapitän Und dreizehn Matrosen errichteten ein"Zeltlager auf dem EiS, In der Nacht riß der Blizzard die" Zelte fort. Der Dampfer aber war mit drei darauf zurückgelassenen Matrosen verschwunden. Captain Cornwall und. seine Mannschaft stießen nach längerer Wanderung über, das EiS auf eine Eslimopatrouille, auf deren Schlitten sie nach zwei Monaten das Schiff wieperfanden. Die drei Seeleute waren nicht mehr aufzusinden. Der Kapitän und seine Leute retteten die größte Zahl der Pelze aus der„Bachymo". Eines Nachts aber wurde, das Schiff wiederum fortgetrieben. Eine Rettungsexpedition erreichte, die auf dem Eis zurückbleibende Besatzung, und brachte sie und ihre Pelzlast glücklich Heini. DaS Schiff aber kreuzt seitdem durch die Arktis und trotzt allen Stürmen und dem Druck des Eises. An der Westküste Kanadas ist es"mehrfach gesichtet tvorden, und die Seeleute haben ihm den Namen„Schiff"der verlorenen Seelen" gegeben,, — Zahlreiche Schjffe teilen seit Jahrzehnten das Schicksal der„Bachymo". Hin und wieder tauchen sie, vom Treibeis mitgesührt, im Nördlichen Eismeer und in» Nordatlantik auf, um dann, wieder für Viole Jahr« zu verschwinden. Einige dieser „Geisterschiffe" sind bekannt,.aikdere werden neu entdeckt. Selten gelingt eS, an Bord eines solchen voin EiS eingeschlossenon, Schiffes zu gelangen und das Schicksal seiner Besatzung zu erfahren. Eine olle technische Zunft. Es ist wenig bekannt,, daß es di« Müller Böhmens waren, die vor ÖÖOf Jahren sozusagen„behördlich autorisiert" wurden, ,jn allen wassertechnischen Fragen der damalige» Zeit Gutachten'abzugeben, Wehre zu eichen, Flußläufe zu betreuen usw. Johann von Luxemburgs dürfte, durch seine vielen" Kriegsgefahren im vorgeschrittenen Europa diese Notwendigkeit erkannt und mangels besonders vorgebildeter Fachseuttz die Müller Prags Mit den genannten Aufgaben betraüf haben. Der Schlängensabtst von Los Angeles. Ganz Amerika verfolgt voll, Erregung den Mordprozeß Robert James, der zur Zeit in Lor Angeles verhandelt wird. Man wird sich an den Fall noch erinnern, der vor einigen Monaten zu der Verhaftung, von Robert James geführt hatte, und der in- feinen Begleiterscheinungen so grauenhaft war, daß er allgemeines Aufsehen erregt hat. James hatte seine fünfte Frau zu ermorden versucht, indem" er sie zwang, die bloßen Füße in«ine Kiste mit Gift» schlangen zu setzen. Zufälligerweise bissen die Tier« nicht, so daß James dann sein Opfer ertränktes Vor Gericht berichtete nun. die zweite Frau von James furchtbare Einzelheiten über den Mörder. Sie hatte ihn mit 16 Jahren geheiratet, ist heute 27, steht aber wie eine alte Frau aus. Die kurze Ehe hatte! genügt, ihr Leben völlig zu zerstören. Sie erzähüe, wie James plötzlich anfing, Giftschlagen und-Spinnen nach Hause zu bringen. Er, der von Beruf Friseur war, erklärte, zoologische Swdien treiben zu wollen. Ein Zimmer wurde als.Laboratorium" eingerichtet, und JmneS zwang sie, darin in Gesellschaft der Schlangen^ Spinnen und Skorpion« zwei Stunden zu verbringen. Wie durch ein Wunder entging sie dem Tode, aber ergraute von den, Schrek» kcn. James heiratete dann noch dreimal; vermutlich hat er auch seine dritte Frau ermordet. Bei der fünften hatte er vor der Schlangentortur einige hochgiftige Spinnen in» Bett gelegt, die aber auch nicht bissen. Man fragt sich, ob James zurechnungsfähig ist, und es werden bereits Wetten abgeschlossen, ob er auf den elektrischen Stuhl oder ins Irrenhaus'kommt. Dir Wetterlage gestaltet sich etwas günstiger, da der Wind sich nach Südwest drehen und leicht« Erwärmung bringen dürste. Eine längerdauernd« Besserung ist jedoch vorläufig noch nicht zu erwarten. Wahrscheinliches Wetter heute: Westteil der Staate»: Wechselnd bewöllt, keine" oder nur gering« Niederschläge, untertag» etwas wärmer, abflauender Südwestwind. Karpathengebiet: Wechselnd bewölkt, vereinzelt noch Schauer oder Gewitter, nur mäßig warm, Westwind. Wetteraussichten für Donnerstag: Wind aus südwestlichen Richtungen, 'Nuchim- Osten der" Republik'etwas wärmtr; allge« meine" Wetterlage jedoch unsicher,' Vom Rundfunk iMwtahlanswartas aus d«n ProarMMMMl Donnerstag: Prag, Sender Lr 7: Konzert, 12.10: Sängervereinigung mährischer Lehrer, 12.85: Mujsiks Salonquartett 11.05: Salonorchesterkonzert, 12.10: Operettenmusik, 14: Schallplattenkonzert, 16.50: Geigenkonzert, 18.08: Deutsche Sendung: Sportübersicht— Landwirtschaft, 18.45: Deutsche Presse, 20.80: Triumph der Bescheidenheit„Drama von Romain Rolland. Sender S: 7.80: Populäre» Konzert, 14.80: Smetana-Kompositionen, 15.15: Deutsche Sendung: Operngesänge, 15.50.: Deutsche Presse.— Brünn 12.85: Russische Motiv« in der Musik,. 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiters«»!: Sozialinformattonen,— Dr. Lampl: Der Arzt in der Gesellschaft, 18.20: Geigenkonzert.— Prest- bnrg 16.10: Nachmittagskonzert.— Mährisch- Oftran 18.10: Deutsche Sendung: Sedlmaher erzählt seinem Söhnchen über den Wald und di« Bor einigen Jahren sichteten Eskimos das treibende Wrack des russischen Dampfers„Polo- towski", der im Dezember 1015 bei St. Michael vom Packeis eingeschlossen wurde und im Frühjahr 1016 nach einem furchtbaren Sturm spurlos verschwunden war, 1845 reiste eine englische Forschungsexpedition mit de» Schiffen„Terror" und„Erebus" mach der Arktis. Die Schiffe blieben mit ihren 120 Mann Besatzung verschollene Vergeblich suchte eine ganze Flotte von Schiffen nach ihnen. Erst 1807 trieb der Sturm acht vereist« Ruderboote, an den Strand Kän'adaS an, die den Namen" der beiden Schiffe trugen. Und.zehn Jahre später begegnete ein Dampfer im" Nor- atläntik einem ganz eisbedeckten Wrack, da» wahrscheinlich— die„Terror" war.— Durch wandernde Treibeisfelder wurden vor mehr als neunzig" Jahren' die großen.Passagierdampfer „President" und„City of Glasgow" mit Hunderten von Passagieren festgehalten. Auch sie find verschollen— und gehören" vielleicht zu. jener ruhelos wandernden Flotte, Der„President" ift bisher nur einmal von einem Segelschiff im. Eisi gesichtet worden. Vor mehreren Jahren würde«in lange verschollenes Segelschiff, die„Marie Celeste", an dse Küste, von Labrador getrieben. Es war fast', gänzlich unbeschädigt, in den Jogpü«' chern sand sich keine Eintragung Wer irgend-, «inen Unfall dennoch war die Besatzung verschwunden. und hatte das?.Schiff dem Spiel des Eises überlassen. Ebenso" rätselhaft ist", däö" Schicksal des japanischen Dampfers„Aula Marn",',der mit. acht Leichen" an Deck im Ozean treibend äüf- gesunden, wurde. Jand. Nr. IBS Mittwoch, 15. Juli 1938 Seite 5 „Schafschur" (oi.) Unter diesem Titel berichten zwei Untoren, Ellison und Broack in der Zeitschrift„Readers Digest", wie in den USA. die Not der Arbeitslosen auSgenüht und diese Arbeitslosen um die letzten Ersparnisse geprellt werden. Den beiden Verfassern ist er aufgefallen, daß die amerikanischen Blätter ständig Anzeigen bringen, in denen dem Arbeitslosen und dem wenig Verdienenden da» Angebot gemacht wird, ihm für ein ganz geringe» Entgelt zu Brot oder zu beflerem Verdienst zu verhelfen.'Da gibt e» „Fremdsprachschulen", in denen man die fremden Sprachen— durch Fernkurse sogar— in einer erstaunlich kurzen Zeit erlernen kann, da gibt e» „Kommissionärsschulen",„Handelskurse" und wer Weib, wa» für Kurse und Schulen noch. Tin Beglücker der Menschheit annonciert:.Diesen Sie unsere Broschüre, sie kostet nur wenige Cent», und Sie werden lernen, Karriere zu machen!" Als ErfolgSnach- weir werden Briese.einiger Glückspilze. abgedruckt„ die jene geheimnisvolle Methode de» Karriere» machens glücklich angewandt haben sollten. Auch da» Photo einer„Schriftstellerin" taucht ab und zu nn Anzeigenteil der amerikanischen Blätter auf, d>e „Schriftstellerin geworden und mindesten» 190 Dollar wöchentlich verdient". Und noch mehr und mehr derartiger Dinge. Ellison und Brock machten sich nun die Mühe, diesen Anzeigen nachzuspüren. Und hier sind einige besonder» interessante unter den von ihnen auf diese Weise gesammelten Fällen. • In New Nork brachte ein geschickter Geschäft»- mann Arbeitrlustigen schon für 19 Dollar die Kunst der Autopflege bei. Er„garantierte" dabei den Schülern nach Abschluß der Lehre Arbeit/ Zur selben Zett aber hatte er einen Vertrag mit dem Besitzer einer groben Garage abgeschloffen, von dem er. für jede» im Laufe de»„Unterricht»" von seinen gutgläubigen Schülern gereinigte und geputzte Auto» 78 Een!» bekam. Al» die Reporter hinter seine Schliche kamen, verschwand er. ■ In Denver gab e» eine„Agentur für Unterbringung von Lehrern". Eine Spezialvermittlungsstelle also. Sie nahm von jedem arbeitsuchende» Lehrer■ 19 Dollar Einschreibegebühr und verdiente so 188.999 Dollar, ohne daß sie auch nur einen einzigen Lehrer untergebracht hätte. Besonder» stark auSgebeutet werden von den Schwindlern Bürokräfte— Angestellte und Steno« ^Npistinnen. In einem Falle haben nicht weniger al» »6 Dausen» junger Männer und Frauen von ihrem Letzten für einen phantastischen Kursu» gezahlt, nach dessen Beendigung ihnen AÄeit zugesichert war. 8» versteht sich von selbst, dab sie keine Arbeit bekommen haben. Immer neue und neue Trick» erfinden die Schwindler. Und der sübe Köder der Arbeitsmöglich« kett ist zu verlockend, al» dab unter seiner Einwirkung auch die letzten Dollar» und Tent» in der Lasche de» Arbeitslosen nicht gelockert werden, könnten. . Neue» von ter Wünschelrute. Auf einem ver« fuchsseld Lei Kladno, dessen geologischer Ausbau durch die Tätigkeit der Prager Eisenindustrie ge» nanest bekannt ist, will der„Wünschelrutenverband für die Tschechoslowakische Republik", an deffeN Spitze Prof. Dr. Jng. Birk und der Zivilingenieur Denk stehen, mit Unterstützung der Kanzel Prof. Niethammer» für Elektrotechnik die Leistungen der Wünschelrute streng wissenschaftlich nachprüfen. 8» ist unzweifelhaft, daß die Wünschelrute Störungen in der Beschaffenheit de» Boden», also Wasserläufe und. Erzvorkommen, aber auch Verwerfungen feststellen kann. Da» Zustandekommen de» Au»schlage» der Wünschelrute und seine Auswertung bedürfen aber der. genauesten wissenschaftlichen Ueberprüfung, um Fehlerquellen und Irrtümer auSzuschließen, denn solche Irrtümer können zu grotzen Verlusten führen. Da» österreichische Kabinett wurde über Auftrag Mussolini» und Wunsch Hitler» durch die Ernennung de» Käblnetüches».im Bundeskanzleramt Guido Schmidt(links) zum. Staat»- sekreiär, und deSPräsideyten de» KriegSarchw; Staatsrat Glatse-Hotstenau zum Minister ohne Portefeuille erweitert. llusian-cl i»» i« >- Warnung auszuweisen und ohne daß der Flüchtling sich geweigert hätte, die nötwendigen Schritte zur Auswanderung in ein ändere» Land zu tun oder von den für diesen Zweck für ihn getroffenen Vorkehrungen Gebrauch zu machen. Bezüglich der Rechtslage des Flüchtlings wird bestimmt, datz die seiner Ur- sprungSstaatSangehörigkeit gelten soll. Der Konventionsentwurf ist bisher von sechs Staaten— Belgien, England, Frankreich, Dänemark, Holland und der Schweiz— unterzeichnet worden. Damit tritt da» Abkommen in diesen Ländern binnen drei- tzig Tagen in Kraft. In weiteren dem Abkommen beitretenden Staaten werden die Bestimmungen dreißig Tage nach Hinterlegung der Unterschriften beim Völkerbundssekretariat wirksam. Die wirtschaftlichen und sozialen Fragen der deutschen Flüchtlinge sollen in der Septembertagung behandelt werden. .„Neutralisierte" Tschechoslowakei? Bon einem Redner der Sudetendeutschen Partei Konrad Henlein» wurde kürzlich im tschechoslowakischen Parlament der famose Vorschlag gebracht, die Tschechoslowakei gleich der Schweiz zu neutralisieren. E» ist diesem Harmlosen von sozialistischer Seite ganz richtig gesagt worden, daß zum Neutralisieren eines Staates nicht nur der Neutralisierte, sondern auch die gehören, die diese Neutralität garantieren. Dieser an sich richtige Einwand trifft aber noch nicht die ganze.Kindlichkeit dieses Vorschlages. Wodurch unterscheidet sich denn ein neutralisier- tes Land, wie etwa die Schweiz, von irgendeinem beliebigen anderen. Es unterscheidet sich dadurch, daß es einen„Fetzen Papier" mehr besitzt, wo ihm das garantiert wird, war sich alle anderen gegetiseitig auf vielen anderen Papieren auch schon garantiert haben, nämlich die Unverletzlichkeit des Gebiete». Wa» zum Beispiel die Schweiz von diesem Vertrag hält, da» zeigt ihr AufrUstungSprogramm und ihre Wehrdebatten. Nach der neuen Schweizer Truppenordnung besteht die Luftwaffe aus drei Fliegerregimentern mit einundzwanzig Fliegerkompagnien und dreihundert Flugmaschinen. Da» wäre für hie Tschecho- slowakei auf den Kops der Bevölkerung oder auf den Quadratmeter des zu beschützenden Gebiete» umgerechnet ein Flugpart von über eintausend Kriegsmaschinen. Da jedoch die Luftwaffe für die langgestreckte Tschechoslowakei gegenüber der gebirgig gedrängten Schweiz im Vergleich zu den anderen Waffengattungen viel bedeutsamer ist, wäre ein der Schweiz gleichender aktiver Luftschutz erst etwa bei Verdoppelung de» Flugparke» erreicht. Wenn die Tschechoslowakei aber, will sie sich ebenso sichern wie die Schweiz, trotz NeutraliMan wird in Paris natürlich wieder einmal ausschließlich Laval für diesen schweren französischen diplomatischen Mißerfolg verantwortlich machen. In Gens dagegen wird man nicht die Tatsache aus dem Auge verlieren, daß Hitler, Mussolini und Schuschnigg da» Ende der Völkerbundsversammlung abgewartet haben,, in deren: Verlaufe sich die außenpolitische Unsicherheit der Bolksfrontregierung deutlich zeigte. Der einzige neue politische Gedanke, den die französische Delegation geboren hatte und auf den sie sehr stolz war, dieEinladung a n S ch u sch n i g g, nach Genf zu kommen, hat mit der österreichisch-deutsch-italienisch en V e r b,r üderungSrede des Kanzlers am Samstagabend geendet. Senker klllcMIInssIronferens Vom 2. bi» 4. Juli tagte im neuen Gebäude de» Völkerbünde» in Genf auf Einladung des Hochkommissar» für deutsche Flüchtlinge, Sir Neill Malcolm, eine Staatenkonserenz, an der sich Belgien, England, Dänemark, Ecuador, Frankreich, Irland, Lettland, Norwegen, Niederlande, Polen, Rumänien, Schweden, Schweiz, Tschechosiowakei und Uruguay beteiligten. Der Konferenz lag ein Entwurf für ein Flücht» lingSstatut vor, da» sich im wesentlichen an da» Nansen-Statut vom 28. Oktober 1988 für die russischen und armenischen Flüchtlinge anlehnte. Da» Ziel der Konferenz war: vorläufige Bestimmungen bezüglich der Rechtslage der deutschen Flüchtlinge .zu. schaffen.„„Flüchtling,ist,derjenige,, der..frijh er. in Deutschland ansässig war, deutscher Nationalität, ist. und erwiesenermaßen rechtlich und tatsächlich.sicht unter dem Schutze der deutschen Regierung steht. Für diese Flüchtlinge, die erlaubtermaßen ihren ständigen Wohnsitz in einem dem Abkommen beitretenden Lande haben, soll ein Jdentität»au»wei» oder ein, denselben Zweck erfüllende» Dokument ausgestellt werden. Vorgesehen ist, daß provisorisch ein solcher Auiwei» auch denjenigen Flüchtlingen ausgestellt werden kann, die sich innerhalb einer, von der be- treffenden Regierung festzusetzenden, Frist gemeldet haben. Die Gültigkeitsdauer diese» Dokument» beträgt ein Jahr und kann verlängert werden. Der Inhaber de» Dokument» ist zu Reisen auf dem Gebiete de» Au»stellung»lande» berechtigt, vorbehaltlich der Regelung über Aufenthaltsrecht innerhalb diese» Staate». Während der Dauer der Gültigkeit diese» Dokumente» kann der Flüchtling sein Aufenthaltsland verlassen und wieder dorthin^urückkehren. Transitvisa sollen für diese» Dokument erleichtert werden. In der Frage der Aufenthaltsverweigerung und Ausweisungen wurde grundsätzlich beschlossen, daß kein Flüchtling Objett derartiger Maßnahmen sein dürfe, e» sei denn, daß er sich gegen die öffentliche Sicherheit, die öffentliche Ordnung vergangen habe. Fall» ein Flüchtling aurgewiesen wird, verpflichtet sich die Regierung nach dem Abkommen, diesen Flüchtling nicht nach Deutschland ohne entsprechende rantie, die Berlin der Wiener Regierung gibt, als eine Garantie, die Berlin den römischen Machthabern zubilligt und die es natürlich nicht umsonst gegeben hat. Und hier ist nach der Auffassung der Genfer Diplomatie die Tragweite der Vereinbarung zu erblicken. So sehr man geneigt wäre, eine Regelung zwischen Berlin und Wien als Gewinn für den Frieden zu begrüßen, so schwierig erscheint es doch, in den besonderen Voraussetzungen, unter denen sich die Annäherung der feindlichen Brüder vollzieht, eine FriedenSgetvähr zu sehen. Sie wirkt in der Tat nicht als eine lokale Einigung, sondern trägt zu sichtbar den Stempel einer weltpolitischen fascht st isch-national- sozialisttschen Aktion. Im Augenblick, da man in Paris, Moskau und auch Prag durch die Auslieferung Abessiniens an Italien, durch die Zerstörung des VölkerbundSpakteS, durch die Aufhebung der Sanktionen Mussolini für eine gemeinsame Sicherungsaktion gegen das Dritte Reich gewonnen zu haben glaubte, vollzieht. dieser die heiß ersehnte und teuer erkaufte„Rückkehr seines Landes in die europäische Polstik" offen und erfolgreich... auf der anderen Settel Das einzige starke Band, da» zwischen dem französischen- System, das von Paris Uber die Kleine Entente nach Moskau geht, und der italienischen Politik bestehen konnte, nämlich die Anschlußgefahr, ist zunächst beseitigt und das neue deutschitalienisch moralische Kondominat über Oesterreich — und die gemeinsame Einflußpolitik auf dem Balkan— schafft ein starkes Ba n d zwischen Rom und Berlin. Frank-- reich, wo man es immer annehmen mußte, ist in seiyen Hoffnungen betrogen und in einem der wichtigsten diplomatischen-Kampffelder Europas ausgeschaltet worden. Gleichzeitig läßt sich Hitler von Schuschnigg ein Zeugnis der Friedfertigkeit ausstellen, das Mussolini in Brüssel präsentieren kann- feuer vom Pariser Ehrenmal fUr die Feier in Verdun Zu dem großen Frontkämpfertreffen, das am Sonntag am Beinhaus des Forts Douaumont durchgeführt wurde, brachten die französischen Frontkämpfer eine Fackel, die an der Ewigen Flamme am Grabmal des Unbekannten Soldaten in Paris entzündet wurde. Hier ziehen die Frontkämpfer mit der Fackel am Triumphbogen in Pari» vorbei.. sierung zweitausend startbereite Kriegsmaschinen, braucht, dann ist nicht einzusehen, wozu dieser sonderbare Neutralitätsvertrag gut sein soll. Der einzige Schluß, den man aus diesen Uebcrlegun- gen ziehen kann, ist der: Wenn schon Lei'Neutralisierung zweitausend Flugzeuge— wieviel dann ohne?(K. D.) Braune„Kultur" nach Afrika? Der Verteidigungsminister der Südafrikanischen Union Pirow erklärte in einer Unterredung mit dem Reuter-Berichterstatter nach seiner Rückkehr aus London, einflußreiche britische Kreise seien durchwegs der Ueberzeugung, daß keine dauernde Grundlage für ein friedliches Einvernehmen mit Deutschland werde erzielt werden können, außer wenn Deutschland entsprechende territoriale Kompensationen in Afrika für seine Kolonien gegeben werden. Pirow fügte hinzu, in London habe seine Ansicht großen Widerhall gefunden, daß die Mitarbeit Deutschlands in Afrika eine wesentliche Bedingung für die Aufrechterhaltung der Zivilisation der Weißen auf diesem Kontinent sei. Die deutsche Expansion. In Belgrad traf eine neue deutsche Wirtschaftskommission ein, die Verhandlungen über de» Ankauf der Bauxit-, Kupfer« und Zinkproduktion führen will. Die Kommission brachte auch Pläne für eine Eröffnung der bisher unausgebeutet gebliebenen Minen mit. Deutschland will die Maschinen auf Kredit liefern und fordert als Gegenleistung„nur" die gewonnen Erze. Wenn man bedenkt, daß man gleichzeitig den südosteuropäischen Staaten„nneigcn- nützigerweise" anrät, eine Umorientierung ihrer Lmidwirtschaft auf Oelsamen und Flachs vorzunehmen, da Deutschland diese Artikel in unbegrenzten Mengen aufnehmen könne, so kann mau ermessen, daß Deutschland im Begriffe steht, die wirtschaftlich schwache» Länder zu reine» Vasallenstaaten zu degradieren. Slowenen und Serben. Von 1919 bis 1935 hat Slowenien 25 Milliarden Dinar an Steuern entrichtet. Davon gab die Negierung für die Bedürfnisse in Slowenien nicht einmal zehn Milliarden zurück. Die Steuern sind in Slowenien um 85 Prozent höher als in Serbien, und die Stcuereintreibung geschieht so scharf, daß 1935 ganz Slowenien nur 50 Millionen Steuerschulden aufwies, während allein die Stadt Belgrad an HauSzinSsteuer 300 Millionen schuldete. An billigen Krediten erhielt Slowenien vier Anleihen im Betrage von wenigen tausend Dinar, dagegen der Belgrader Bezirk 8808 Anleihen im Gesamtbeträge von 340,000.000 Dinar. Wie Genf es sieht .. Die Basler„National-Zeitung" laßt sich aus Genfer Kreisen über den Eindruck des Wiener Paktes u. a. berichten: In den Kommentaren, die man hier hört, wird begreislicheriveise weniger Gewicht auf die Anerkennung der österreichischen Unabhängigkeit durch daS Dritte Reich gelegt, als auf die inter nationale diplomatische Situation, die durch die Vereinbarung enthüllt wird.' In der Tat fragt man sich, ob die ö st e r r e i ch i s ch e Unabhängigkeit für die Zukunft nicht gefähr deter ist als bisher.' Der einzige wirkliche Schutzwall des kleinen Landes war die Absperrung gegen die aus dem nationalsozialisti schen Reich kommenden Einflüsse. Eine Politik der Verbrüderung, wenn sie auch juristisch die Gleich berechtigung beider Staaten festlegt, könne, so meint man, dazu führen, daß Oesterreich— da kulturell das italienische Gegengewicht fehlt— durch die deutsche Ideenwelt und durch die Wer ber des Dritten Reiches überschwemmt wird, so daß die Selbständigkeit des österreichischen Staa te» vielleicht praktisch bald der Autonomie Dan zigs, ähneln dürfte. Die österreichisch-deutsche Einigung schaltet ferner, so betont man. hier, die für die österreichische Unabhängigkeit bisher wirkenden E i n f l ü s s e Frank- reichs, Englands und de r Kl ei neu ^Entente aus. Sie sei weniger eine Ga« Seite 6 Mittwoch, 15. Juli ISS« Nr. IS« TmgerZMmg Das Spanien der Dauern Dörfer der Estramadure Von Denise Moran Eine Kommune in Estramadure zählt etwa 20.060 Einwohner. Im Zentrum, ein großer Ort, wo 5000 bis 8000 Kaufleute wohnen. Im Umkreis, zerstreut auf einer weiten Fläche, liegen kleine Hütten. So sieht Merida, aus, das wir jetzt verlassen, und auch San Servan, wohin wir uns begebe». Sie liegen voneinander 30 bis 40 Kilometer entfernt. Ganz junge, zartgrüne Aehrcn und hell» rosa Furchen. Eine wellenartige Steppe, Wie ei» Garten angelegt. Gereihte Oliven- und Feigenbäume, alles vom Blau der umliegenden .Hügel umkreist. Zarte, gut gepflegte Landschaft, feine Farben und Licht. Der fruchtbarste Boden der Welt: Korn, Oliven, Wein— alljährlich auf demselben Feld und kein Dünger nötigl Diejenigen aber, die diesen Boden bestellen, sterben vor Hunger. Die Geschichte ihres Leidens führt jn weit entfernte Zeiten zurück. Einst lagen viele kleine Besitztümer um die herrschaftlichen Domänen herum. Die Kommunen besaßen Boden. Allmählich bereicherten sich einige Bauern, indem sie wucherisch, gegen hundert Prozent, Saatkorn verborgten und ihre Nachbarn mit einer unerträglichen Schuld belasteten und dann sich ihres Besitzes bemächtigten. Auf diese Weise wuchs der„Cazique" wie einst im zaristischen Rußland der Kulak heran. Der Reichtum gibt Einfluß und ermutige zum Wagnis. Eines Tages verschwanden die Grenzpfeile der Gemeinden, und diese Felder gingen in die Hände der Reichen über. Die Millionen, die die Wohltätigkeit spendete, gingen denselben Weg. Eine Gemeinde zum Beispiel, die vor vier Jahrhunderten eine Domäne erbte, die den Kraulen gewidmet werden sollte, hat niemals ein Krankenbett gesehen. Die von den Notabel» verwalteten Besitze wurden von diesen gestohlen. Bon den 75.000 Pesetas, die das Pradomuseum für ein Bild bezahlte, blieb leine Spur.— Allmählich dehnten sich die großen Besitze aus und die kleinen verschwanden. Nur wenigen Familie» gehört heute der ganze Boden und sie beziehen aus ihm ein Einkommen, das 10 bis 12 Millionen beträgt. Mancher dieser Reichen, die in Madrid und in Biarritz leben, hat das Land nie gesehen, von dem sein Luxus stammt. Ein Verwalter regiert cs, und er ist für den Einheimischen ein Dieb mehr. Er frißt wie ein Schwein, säuft, jagt und vergewaltigt Mädchen. Für diese wenigen Herren arbeitet die gesamte Dorfbevölkerung, die Farmer, die Landarbeiter. Bor 1031 schützte sie kein Gesetz. Der Farmer hatte nur mündliche Kontakte, der Arbeiter schuftete trotz dem Achtstünden-Gosctz von„Sonne bis Sonnet und das Gesetz über Betriebsunfälle bezog sich nicht auf ihn. Bis 1014 war dieses Regime trotz alledem noch erträglich. Der Bauer lebte miserabel, aber er lebte doch. Die Preissteigerung bereicherte die Besitzer. Sie begannen zu reisen, mit dem Reichtum wuchsen auch ihr« Bedürfnisse. Immer wieder erhöhten sie die Pachipreisc, sie liehe» aus dem Norden Schnitter lommen, die, nachdem ihre Saisonarbeit zu Ende tvar, joden Lohn als Gottesgnade ent- gegennahmen. Estramadure lernte in der Zeit voller Blüte die Arbeitslosigkeit kennen. Die Krise verschärfte sic. Die Besitzer, die ihre Produkte nicht los werden konnten, schränkten die Saat ein. Tausende von Hektar blieben unbestellt. Der schon sehr niedrige Taglohn rutschie »och tiefer hinab. Im Jahre 1031 war ein Landarbeiter glücklich, tvcnn er für 12 bis 15 Stunden Arbeit 1 bis l 3 Zs Pesetas bekam. Die Konstituante tat ihr Bestes, um diesem Leiden zu helfen. Den Landarboiteril bewilligte sie Arbeitskontrakte, gemischte Gerichte, die den Lohn fcstsetzen sollten, und den Genuß des Gesetzes über Betriebsunfälle. Das sogenannte„Munizipalitätstermin"-Gesetz verpflichtete die Besitzer, keine fremden Arbeiter einznführen, solange cs in der betreffenden Gemeinde einen Arbeitslosen gab. Ein zum Gesetz gewordenes Dekret verbot, die Farmer auS- zuweisen, außer für rückständige Miete. Die Mieten wurden revidiert und sehr oft um 20 bis 50 Prozent herabgesetzt. Diese Gesetzgebung ist hauptsächlich dem Sozialistenfllhrer Largo Caballero zu verdanken. Die Föderation der Landarbeiter-Syndikate hatte ihrerseits eine breite Propaganda unternommen. Fast überall fand sie vorbereitete Geister: Die spanischen Bauern sind seit langem Revolutionäre. Schon während der Monarchie gab cs viele Dörfer, die ihr Syndikat, ihr Volkshaus besaßen. Die rote Fahne, die man uns entgegentrug, war 35 Jahre alt. Seit dieser Zeit kandidierten Sozialisten bei den Gemeindewahlen: Die Guardia Civil wachte darüber, daß sie nicht gewählt wurden. Margarita Nelken hatte gerade bei solchen Wählern im Jahre 1031 63.000 Stimmen gegenüber den 21.000 des einzigen Gegners, den alle reaktionären Parteien, ihr ent- gegcngestellt hatten, bekommen. Die Grundbesitzer blieben aber mächtig. Hatten sie denn nicht zu ihren Diensten die Zivilgarde, die sie in ihren Küchen bewirteten, und bewaffnete Hausangestellte, die sie nicht bezahlten und die barfuß herumliefen und, weil sie ihr Brot aßen, ihnen verpflichtet zu sein dachten? Man zwang die Grundbesitzer 5 Pesetas für acht Stunden Der Roboter Auf dem Wenzelsplatz, Schaufenster neben Schaufenster, weibliche Puppen, zierlich und lolett in duftigen Sommerkleidern, ein wenig ftelzfüßige männliche Puppen in Sommeranzügen, Tennisdreß, immer der gleiche lächelnde Typ junger Männer, Inventar der Konfektionsgeschäfte. Bor einer Auslage steht eine Schar schaulustiger Menschen. Eine Puppe stelzt herein, wie von rückwärts gestoßen, scheint daS Gleichgewicht zu verlieren, wackelt mit den Armen, die Hände zittern ein wenig nach. Jetzt rollt die Puppe die Augen, starr, ein stereotyper Lächeln um den Mund, zuckt mit den Beinen, krampfhaft wie ein Epileptiker. Ein M e n s ch spielt eine Puppe. DaS Gesicht mit Puder verklebt, die Augen ummalt, die Hände in-Gummihandschuhen, vollführt er seine Hebung, Maschine zu sein. Keine leichte körperliche Uebung, Arbeit zu zahlen.' Gut. Bei 55 Grad Hitze schlossen sie die Brunnen, die ihnen gehörten. DaS Gesetz hatte vorgesehen, daß'man essen muß, aber nicht an das Trinken güdacht. 1033 neue Wahl. Die Grundbesitzer sind entschlossen, dir Macht an sich zu reißen. Was sie dabei wagten, zeigt folgendes Beispiel. Der Marquis de la Encomienda stellte vor dem Wahllokal einen Tisch auf: Große Brote, Stücke„Cl)orizo"-Wukst, Gläser und Flaschen Wein. Wer den Marquis- Zettel nahm, bekam Brot, Wurst und ein Glas Wein. In anderen Orten leisteten denselben Dienst einige Pesetas.' Mehr brauchte man nichts um Menschen zu verführe», die nichts zu essen hatten. Man beschuldigte die spanischen Frauen, daß sie„rechts" wählten. Aber: Männer und Frauen wählten rechts, weil ihre Kinder Hunger, litten I Margarita wurde trotzdem In BadajoS gewählt. Mer im Lande herrschte die Reaktion. Die Rechte der Bauern sanken. In ganz Spanien wurden über 10.000 Bauern ohne Entschädigung fristlos vertrieben. Die Zivilgarde kam, warf die Möbel, die Ziegen, die Kinder und die Schweine auf die Straße hinaus. Zum Teufel I Familien, die den Boden seit mehr als 60 Jahre bestellten, die dort jeden Baum gepflanzt hatten, blieben ohne Mittel, ohne Obdach. Die Landarbeiter muhten mit gekreuzten Arnien den 50.000 Portugiesen zuschauen, die in Estramadura zu ganz niedrigem Lohn die Erntearbeiten verrichteten. Der Taglohn ist auf 1,50 Peseta gesunken, abex mcht ppp Kopf, sondern pbö Fäiüllie. Von MöNat zu Monat nahm das Elcnd zu. Der Lohn wurde nicht mehr in Geld bezahlt, sondern in Bohnen und Brot, das man in Oel tunkte. Die Arbeiter hatten nur ein Mahl täglich. Seit Juni 1034 steht da« ganze Baucrw- Spanicn im Streik. In, Badajos hatte die Bewegung enorme Ausdehnung angenommen. Die Hausmädchen und die Wasserträger hielten mit. Die Besitzer boten bis 20 Pesetas pro Tag, niemand wollte annehmcn. Der Streik aber, der in legalen Verhältnissen erklärt war, wurde von Lcrcoux als illegal betrachtet:„Landarbeit", sagte er,„ist öffentlicher Dienst". Grausame Blltzllditauinaluncn von Paris Die Stadt Paris bleibt die Dtetropole der Welt. Mit unwiderstehlichem Zwang nimmt die Stadt den Besucher gefangen. Erschüttert steht man vor der ewig leuchtenden Flamme des soldat inconnu, blickt hinunter über die Champr ElysöeS über die Nadel, dir ägyptische Säule, die Napoleon nach dem ägyptischen Feldzug heimbrachte, hinüber in dieTullerien, wo sich Paris anschickt, das Fest des Weine» zu begehen. Einhundert Stände sind errichtet und verkünden die Produkte deSLandeS, den milden Sect nature, den herben Bordeaux oder Bin rouge, daS Nationalgetränt der Franzosen. Vor der leuchtendenFontäne dieBühne, auf der mit glanzvollem Lichteffekt auSgestattet da? Ballett erscheint— aber cS ist nicht das, was diese Stadt einen lieb macht, cs ist da» Fluidum der Menschen, aus dem allein heraus verstanden werden kann, warum Paris durch die Erkenntnis von der Wirkung des Raumes das Prädikat der schönsten Stadt der Welt mit Recht trägt. Ob Notre Dame, ob Made- laine, ob Pantheon, alles wirkt doppelt, dreifach schön durch seine Raumeinteilung. „Nieder mit Blum" An dem strckhlend heißen Sommertag sitzen die Pariser vor den CafL», die ihr« Stühle und Tische je nach Bedarf auf die Straße stellen, auf die Champs ClysöcS. Jn den Bezirken der Rechten flattern die Fahnen als Protest gegen die AuflöfungSordre der Ligen. Die Pariserinnen, mit blau-tveiß-roten Blumen geschmückt, zeigen sich auf der Avenue de Wagram. Plötzlich zieht aus dieser Straße ein etwa 200 Mann starker- Demonstrationszug die EhampS ElysteS herunter, die blau-weiß-rote Fahne, vor sich zu erstarren, sich zuckend zu bewegen wie eine aufgezogene Puppe. Der Mensch in der Auslage— als Mensch wäre er nicht interessant, aber da er eine Maschine mimt, erregt er sportliche» Interesse. -Ein wunderbare» Symbol unserer Zeit. Der Mensch selbst spielt die Maschine, sie ist sein Vorbild, er selbst sucht Maschine zu werden.' Jetzt dreht sich die Puppe um, wackelnd wieder, krampfhaft. Auf dem Rücken ist eine Tafel angebracht: Wer über unseren Roboter nicht lacht, bekommt einen Anzug gratis I Ich schwöre, ich habe nicht gelacht. Ich kann nicht lachen, wenn der Mensch zur Puppe werden nylß, die Maschine mimen. Denn eigentlich wurden Maschinen erfunden, daß sie den Menschen zum Menschen werden lassen. Ich habe nicht gelacht. Ich werde mir morgen den GratiSanzug abholen. I. K. Unterdrückung begann. Es wurde verboten, gefallene Oliven zu sammeln oder andere Früchte zu pflücken, wie«S Gewohnheit war. Wer diesem Beckot nicht Folge leistete, auf den schossen die Wächter. ES gab Tote. Gras wurde gegessen, auch Eicheln. Okwber 1084: Die Revolution. Selbstverständlich wäre BadajoS mit vollem Herzen dabei Besuchet die FelsenstHdte Wekelsdorf und Adersbach Weltberühmt als einzig dastehende Sandsteingebilde Die Naturdenkmäler zähl en zu den beliebtes ten Reise zielen tausender Touristen. Sommerfrischen»Herrlich angelegte Bäder»Hotels: Felsenstadt Adersbach» Eisenhammer! Wekelsdorf. Prospekte durch die Felsenverwaltungen. 3496 gewesen. Badajos wußte aber nichts von der Revolution. Das Land war noch-immer grausam behandelt: Die BolkShäuser geschloffen. Verbot, nach Sonnenuntergang auf die Straßen zu gehen. Alle Jagdgewehre beschlagnahmt..Die sozialistischen Führer, die Gemeinderäte, verhaftet und durch Reaktionäre ersetzt. In den Ge- fängniffcn— Folterungen und Hinrichtungen. Was sie gelitten hatten, wird uns" das gemarterte Dorf, Arroyau de San Servan, berichten — acht zum Tode Verurteilte! Wenn sie Margarita ansehen, drängt sich ihr ganzes Leiden auf die Lippen, Wie Kinder klagen sie ihrer Mutter das Leid, das man ihnen angetan hatte. Im großen Saal des Rathauses in den Ecken in Menschenhöhe zwei Blutflecke: Der Gefangene lehsste dort seinen Kopf an; die Knüppel schlugen auf seinen nackten Rücken. Mit jedem Schlag stieß her Kopf an die Wand und die wunde Stirn bedeckte die Mauer mit Blutflecken. Wer waren dies« Gefolterten? Diese wackeren Menschen, die niemals das Gesetz verletzt hätten! Sie sind Sozialisten. Zivei von ihnen sind noch heute im Krankenhaus, fünfzehn Monate nachher. Einige von ihnen werden Krüppel bleiben. Hier ist ein Mensch, der mit dreißig anderen auf den Lastwagen-gestellt und. mit den anderen am Halse einen Riemen zusammengefeffclt wurde, 00 Kilometer fuhren sie auf diese Weise, von Mörida bis Badajos. Jeder Stoß warf sie aus dem Gleichgewicht, der pticmen würgte sie. hin tragend. Keine Polizei ist zu sehen. Die Marseillaise ertönt. Sprechchöre rufen„Nieder mit Blum", und so zieht der Trupp, geführt von halbstarken Jünglingen auf und ab. Zuerst ist da» Publikum in den Cafös teilnahmslos. Dann aber, al» die Marseillaise ertönt, erhebt sich ein Teil klatscht laut.Beifall. Der andere bleibt teilnahmslos. So geht er'eine Stunde, bis die Garde de mobile erscheint. Dann setzt wilde Flucht ein, die aber sofort aufhürt, wenn die Polizei sich zurückzieht. Neue Demonstration'... Als um di« siebente Stunde ein Auto mit drei jungen Mädchen, die die Hand zum kommunistischen Gruß erheben, langsam die EhampS ElyfteS durchfährt,'stürzt sich nicht die Menge auf sie, sondern ich höre mehrer« Demonstranten:„Donnerwetter, die sind aber tapfer." Bor dem CafL Georg V. ertönen Protestrufe gegen die Demonstranten. Obwohl diese in starker Mehrheit sind spielt sich, folgende Szene ab. Etwa 40 Demonstranten gehen auf das Caft zu, man glaubt im. nächsten Augenblick schon eine Schlägerei zu sehen, aber plötzlich bleiben sie an der ersten Tischreihe stehen, und von hier aus beginnt eine leidenschaftliche Diskussion mit dem Gegner im Cast. Nachdem der Argumente-genug gewechselt sind; ziehen die jungen Leute ab. Da» weibliche Element ist bei den Demonstrationen stark ver- tretcn. Ich sehe viele weißhaarige, heftig ßestikulie- rende Frauen, Kinderhilfe ft» Park» Im 20. Arrandiffement hängen nicht die Fahnen auf Weisung de» Lberst.de laRocce.Hier wohnen die Arbeiter, die Sieger des Wahlkampfe»,- hier wohnt die Front populair. Jn eiyer der engen Straßen, Victor Lctalle, arbeitet eine Frau, deren Name in der Geschichte sicher nicht' so oft genannt werden wird; wie der von Generalen, aber.deren Werk«in Markstein in der gegenwärtigen-schnell« lebigen Zeit bleiben wird,. die Über Technik, und T«np» oft die Menschen vergißt. Hanna Eisfelder, Bezugsbedingungen: Bet Zustellung tn» Hau» oder bet Bezug durch di. Post monatlich XL 16/—, vierteljährig Xi 43.—. hall-jährig XL 06.— Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten.erfolgt',nur bei Einsendung der. Retourmarken.— Di« graphendirektiou mit Erlaß Nr. 1S.S0.0/VHj1S3ü bewillig,-- Druckerei: jDtBÜT,- Druck-, Verlag»« und Zetwftx Kranke und Greise wurden von ihren Lagern .gerissen, um im Gefängnis zu sterben. Der Bürgermeister, von Arroyau, ein angesehener Apotheker, wurde beschuldigt, die Schlächterei angezündet zu haben. Er wurde festgenommen und geschlagen. Die Kinder selbst waren empört: Ein Junge lief nachts von zu Hause und kletterte bis zum GefängNiSfenster hoch:„Sind Sie es, Francisko Garacia? Ist es wahr, daß Sie geschlagen wurden"? Auf die bejahende Antwort, sagte er: „Ich hasse alles in dieser Welt." Frauen, trauerndeLstütter umringen uns. Sie weinen in den Armen derjenigen, die sie liebt und versteht, die gekommen war, um.an ihrer Seite zu kämpfey.—„Meine zwei Sühne z>im Tode verurteilt, Margarita!"—„Meiner hingerichtet, Margarita!"—„Ich habe in diesen achtzehn Monaten mehr als mein ganzes Lebe» geweint."—„Genossin, ein Zum-Tode-Berur- teilter grüßt Dich..."— Und dies ist vielleicht die ärgste Klage:„Mein Mann ist im Gefängnis, weil er zwei Eichäpfel gestohlen hatte, um'sie, zu effen"—.(Deutsch von I. Ules.) Filme In Prager Lichtspielhäusern Adria:„Das letzte Hindernis". Jugendliche zugänglich.— Alfa:„Dar Lied der Liebe". Kiepura. A.— Avion:„Jänoöik". Palü Bielik. T.— FLnixr „Wie Frauen lieben". Sidney. A.— Flora:.Katharina, die Letzte". F. Gall. D.— Gaumont:„Das Geheimnis im Nachtexpreß". A.— Hollywood:..Back Street"(Seitengasse). A.— Hvizda:„Die Adler der Lüfte.— Julio:„Eine Nacht im Grandhotel". D.— Kinema, B.-Th.: Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna, Aktualttäten-Thcater: Journale, Grotesken.— Lncerna:„Wie Frauen lieben". A,— Metro:„Drei Männer im Schnee". A.— Passage:„MärvSa". T.— Praha:„Sturm über dem Gran llhaeo". A.— Alma:„Die selige Exzellenz".— Beseda:„Schön ist die Liebe". D. Carlton:„Spionagebüro Nr. 2." A.— Illusion: „Leichtsinnige Jugend". F.— Lid» II:„Die Festung der Verfluchten". Ännabella. A.— Louvre: „Liebeserwachen."— MaLeskä:„Leichtsinnige Jugend". F.— Olympie:„Solang du eine Mutter -hast."— Roxy:„VarietL." Ännabella, L. Alber», D.'— U Vejvodü:„Schatten in der Tür." A. Viktor Staal-und-Hansi Knoteck in dem- Film„Waldwinter".. eine Fürsorgerin aus Berlin, hat in Paris die Sorge für 050 Emigrantenkinder.übernommen. Jn dem Warteraum sitzen die Mütter mit den Kleinen. Da» Büro-Hanna Eisfelder» ist nur«in Verschlag. Dort empfängt sie und erzählt mir von ihrer Arbeit, wie sie'eines Tages von dem schrecklichen Elend der Emigrantenkinder gehört hat, und allein, in einem kleinen Bezirk 50 kranke hilfsbedürftige deutsche Kinder-fand.' Damals entstand der Gedanke der Affistance Medical«, die heute-mit Schweizer und amerikanischer Hilfe ausgestattet 050 Kinder betreut, davon 240 täglich ausspeist, den andern Verpflegungszulagen gibt. Jn der Sprechstunde des Aerzte» lerne ich, daß die Astistance Medicale«ine G genaue Kontrolle des Gesundheitszustände» der Kinder durchführt und Maßnahmen ergreift, um das Gedeihen der Kinder zu garantieren. Eine Krankengeschichte gibt über das Schicksal jeder Kinde» und meistens auch über die Erfolge de» Eingreifens KenntSnir. Da» Büro arbeitet zur selben-Zeit eifrig an- einer Zusammenstellung«ine» Erholungstransportes der Kinder, die auf fünf bis sechs Wochen nach der Schweiz sollen. Da» geschieht alle»-in-ruhiger und sachgemäßer-.Pflichtexfüllung und in einem..In«, nigen Kontakt von. Fürsorger und Befürsorgten. Hanna Eisfelder hat sich-nicht nur die Herzen von tausend Kindern erobert,, auch die Elter» dieser Kinder.verehren, sie als die. Frau, die au» eigener Kraft Licht in da» Dunkel vieler Verzweifelter gebracht hat. Hier sehe ich'«inen-einjährigen strahlend lachen" den-Jungen, von dem, mir Hanna Eisfelder sagt, dah er gar nicht-existiere.- Die Geschichte ist; wert, hier- erzählt zu werden. Die Mutter der Kindes floh vor über zweiJahrcnnachPariS, ihr Vater; Nationalsozialist,' war gesonnen) die Tochter zurückzuholen. Di« Tochter aber war in Paris verschollen. Sie lebte illegal, weil- sie den Vater fürchtete,-und.-in diese»' »fvei Jahren kam das Kind, das keinen Taufschein besitzt.daS nach den Gesetzen nicht, existiert.-> Kurt Randlöff,' -, ganzjährig XL 182.—.— Inserate werden laut"- ZeiwngSsrankatur wurde von per Post» und Tele« lS-A.-G.Pxag,