Donnerstag, 16. Juli 1936 Nr. 164 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,fochova a. telefon nm. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Die römische Sphinx Hilft Feierliche Bekräftigung der Politik Tltulescus dnrch den rumMnisehen Ministerrat Bukarest. Das amtliche Nachrichtenbüro Nadvr hat folgendes Kommunique ausgcgeben: Außenminister TitulcScu hat Mittwoch im Ministerrat eine ausführliche Darlegung über die Entwicklung und über die Ereignisse der internationalen Lage abgegeben. Der Ministerrat genehmigte sein Exposö"einmütig und erklärte sich... mit der Äützenpolltik Ministers TitulcScu völlig solidarisch. Der Ministerrat beschloß, alle notwendigen Vorkehrungen zur wetteren Geltendmachung dieser Politik des Außenministers" TitUleScuS zu'treffey, von der der Ministerrat konstatierte, datzHe W? Politik d e r. g e s a ißt e N.R e.g i e- tun g und des g a n z e n Lau d e s sei. Dpr Ministerrat sprach Minister Titulescu den tjofon Dank für besten bisherige Arbeit und das "unböfchrünkte Vertrauen hinsichtlich der weiteren ^pfüllung seiner Ausgaben äüs; Wien.(Tsch. P.-B.) Die illegale nationalsozialistische Korrespondenz ,|Jllkor" ist nach mehrmonatiger Pause wieder erschiene». Wi e».(Tsch. P.-B.) Mittwoch nachts verstreute» Natioualsozialiste», welche den: linken Flügel der Partei angchören, Blätter, in denen dem Ncichskanzler vorgeworfe» wird, daß er durch das Abkommen" vom 11. Juli die österreichischen Nationalsozialisten verraten habe. England wünscht Verschiebung der Konferenz Paris.(Tsch. P. B.) Der britische Bot- schafter Sir George Clerk wurde Mittwoch nachmittags vom französische» Aussenminister D e l b o s empfangen, dem er die Ansicht der britischen Regierung iekanntgab, daß es bei dem gegeiuvärtigen Stand der. Dinge vielleicht besser wäre, die Brüsseler Konferenz zu verschieben, daß aber die britische Regjeruitg in vollen! Einverneb- men mit der französischen Regierung handeln wolle. Die Antwort des französischen Außenministers ist nicht bekannt. Vorläufig beharren, wie eS scheint, Frankreich und Großbritannien auf ihren Ansichten, das heißt Frankreich wünscht noch immer, daß die Locarnokonferenz an irgendeinem Tag der nach- „Und nun-unsere Glanznummer: die faschistische Pyramide" KC-Kredite an Rumänien Bukarest. Die rumänische Presse verzeichnet mit großer Befriedigung den Abschluß des rumänisch-tschechoslowakischen Finanz-Abkommens,Ivel- ches Dienstag in Prag vollzogen wurde. ES umfaßt einen fünfprozentigen Kredit von 200 Millionen XL zur Bezahlung der tschechoslowakischen Waffenlieferungen an Rumänien sowie einen zweiprozentigen Kredit von öl) Millionen XL zur Errichtung von strategischen Eisenbahnlinien auf rumänischem Territorium mit Anschluß an das tschechoslowakische Eisenbahnnetz. Beide Kredite haben eine zwölfjährige Laufzeit und sind durch anderthalb Jahre unverzinslich. v. Papen— Botschafter oder Vizekanzler? Paris. Der Berliner Korrespondent . deS> tzüvas-BUros erfährt,"-daß Herr von Papen an Stelle ndes durch den kürzlich"erfolgten Tod des Botschafters. bim Hoesch freigcwordenen Posten des deutschen Botschafters in!London ernannt" werden soll.• j■.•• - Demgegenüber-erklärt■ der Berliner Korrespondent deSPariS" Midi"h daß von Papen angesichts der. erfolgreichen Beendigung seiner Mission in Hesterreichh neuerlich in Gnaden äuf- gtiommen. und^wieder zünk V i ze k an z l er er-, nannt werden soll.: l den drei Woche» stattsinde, während sich Großbritannien für die Verschiebung der Brüsseler Konferenz auf eine spätere Zeit ansspricht, um, wenn dies möglich sei» wird, eine Fünf- Mächtekonferenz zwischen Großbritannien, Frankreich, Italien, Belgien Deutschland vorznbereiten. klnlgung In Montreux England macht Konzessionen Montreux. I» der Nachmittagsfltzung der Meerengenkonferenz ist am Mittwoch über die entscheidende Frage der Durchfahrt der Kriegsschiffe kriegführender Mächte eine Einigung z w i s ch en England und Rußland erzielt worden. Die Türkei erhält domach das Recht, in KriegSzeitrn den Schiffen derjenigen kriegführenden Staaten die Durchfahrt, mid zwar in beiden Richtungen zu gestatten, dip auf S der B ö II erbuN d s ätz u n g eine Aktion unternehmen oder die einem Staate Hilfe leisten, mit dem die Türkei durch einen Pakt oder durch ein Knterstützungsabkommen verbündet ist. Auf die ausdrückliche Wahrmig der Rechte der Kriegführenden in dem neuen Abkommen» die die letzten Schwierigkeiten bildete, haben die englischen Vertreter verzichtet. Pllsudskls Diktatorenmacht auf Rydz-Smlgly Übertragen Warschau. Ministerpräsident Skladkowski richtete an alle Minister und Wojwoden ein Schreiben folgenden Inhaltes: „Gemäß dem Willen deS Präsidenten der Republik ordne Ich folgendes an: General R tz d z S m i g l h, der von Marschall Pilsud- ski als erster Berteidiger des Staates und als erster Mitarbeiter deS Präsidenten der Republik in der Leitung der Geschicke des Staates bestimmt wurde, soll als«rste Person in Polen nach dem Präsidenten der Republik betrachtet und geachtet werden. Alle staatlichen Funktionäre mit dem.Ministerpräsidenten an der Spitze sind verpflichtet, ihm E h r e u n d G e h o r s a in zu bezeigen." Die halbamtliche Nachrichtenagentur„JS- k r a" versieht die Nachricht von dieser Anordnung deS Ministerpräsidenten mit einem Kommentar, in dem es u. a. heißt: Die besonderen geopolitischen Verhältniffe Polens sowie die historischen Erfahrungen(I) machen der Nation erhöhte Wachsamkeit und Vorsicht auf dem Gebiete der Landesverteidigung sowie die psychische und materielle Kampfbereitschaft ihrer Bürger zum Gebot. Aus diesem Grunde nimmt der Mann, dem die Obhut und die Macht über den gesamten Komplex der Kräfte und Mittel zur Sicherung der Unantastbarkeit der Landesgrenzen anvertraut"wurde, in den Auge»' der ganzen Nation eine AüsnabmesteUung ein. Diese Tradition, welche ihren Anfang in dem ersten und siegreichen" obersten Führer der Nation in"dem• wiederaufgerichteten Staate, Marschall P i l s ud.sk i, nahm, soll im Sinne des Wunsches des verstorbenen Marschalls fortgesetzt, wer-" den.". Die politischen Kreise'Pölens betrachten die-! !seip'neuefl-,S"cheitt'.desHrasihÄueii"'der" Rcpiiblik^ lind des-Ministerpräsidenten als die Einführung" eiiicö DriumvirateS in..Polen.. Ungünstiges ^uskUhrergednls Irn Juni Nach den Erhebungen des Statistischen Stäatsamtes weist unser Außenhandel im Monat Juni 168g folgende Daten aus: cs betrug die Einfuhr 529,245.000 XL(im Vorjahre 478,701.000), die Ausfuhr Heuer 534,959.000 XL(im Vorjahre 543,459.000 XL). Wie man"sieht," ist also zwar die E i n f u h r gestiegen, die Ausfuhr dagegen etwas geringer, geworden. Bemerkenswert ist,' daß die Verminderung"der Ausfuhr nicht" diejenige der Fertigwaren trifft. Während die Ausfuhr der Fertigwaren im Juni 1935 877,737.000 XL betrug, ist sie im Juni 1935 um eine Kleinigkeit gestiegen, nämlich 328,512.000 XL. Die Ausfuhrverminderung trifft die Post Lebensmittel und Getränke. ' Betrachtet man den Außenhandel im erste n HäIbj a h r dieses Jahres, über das nun die Ziffern vorliegen, so betrug die Einfuhr im ersten Halbjahr 1985 2.883,085.000 XL, im ersten Halbjahr 1936 8484,620.000 XL, die Ausfuhr im ersten Halbjahr des vorigen Jahres 8277,516.000'XL, in der ersten Hälfte heuer 8488,580.000 XL. Es sind also sowohl^Einfuhr als auch Ausfuhr höher als im Vorjahre, wobei das Steigen der Einfuhr jenes der Ausfuhr weit übertrifft. Was die A l t i v i t ä t unserer Handelsbilanz betrifft, so war diese in der ersten Hälfte des vorigen Jahres mit 893,851.000 XL aktiv, in der ersten Hälfte des heurigen Jahres mit 3,954.000 XL aktiv. Die Aktivität unserer Handelsbilanz ist also im heurigen Jahr b e- tr äch tli ch z u r ü ckgegange n. " Die vom Statistischen Staatsamt veröffentlichten Ziffern zeigen: also die großen Schwierigkeiten, die dem Aufschwung unseres Außenhandels und daher dem durchgreifenden Aufstieg der Konjunktur bei«ns entgegenstehen. Was plant Mussolini? Pari s. Die letzte» Meldungen der Londoner sowie der römischen Korrespondenten der Pariser Presse spreche» neuerlich von einer Absicht Mussolinis, die Anregung znr Einberufung einer Konferenz der s e ch s e v e n t n e l l d e r a ch t G r o ß m ä ch t e für den Monat September z» geben. Im letzten Falle würde» auch die Kleine Entente und Spanien eingeladen werden. Das Konferenzprogramm würde 1. ein allgemein europäisches Abkommen, 2. die R ü ck- kehrDeutschlands in denBöllerbund noch vor der Herbstsession und 3. die Völkerbundsreform umfassen. Nachrichten dieser Art werden an französischen amtlichen Stellen als private Meinungen, eventuell als Versuchsballons bezeichnet. vss tägliche Brot Nach wochenlangcn Verhandlungen ist die Form unserer Getreidewirtschaft für die nächsten drei Jahre bestimmt worden. Im letzten Jahre hat cs sich immer mehr gezeigt, daß die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen geändert tverdcn müssen — soll nicht der Monopolgesellschaft und dem Staat ein Millionendcfizit erwachsen. Die bisherigen Mängel des Monopols haben darin bestanden, daß man mehr an den Getroide- preis als an die Planmäßigkeit der Getreidewirtschaft gedacht hat. Das Getreidemonopol sollte nach sozialistischer Auffassung die Spekulation mit Brotfrüchten und Futtermitteln verhindern, den Bauern einen angemessenen und festen Preis sicher», hingegen die Konsumenten vor Verteuerung schützen. Die Agrarparteien habe» aber diesen Gedanken verfälscht. Die Aufgabe einer Planivirtschaft, als deren Bestandteil ein Gctrcidcmonopol anzusehen ist, muß in erster Linie in der Verhinderung einer planlosen, lediglich auf Spekulation gerichteten Erzeugung bestehen und nicht nur in der Preisrcgclung. ,'l eberhohe Preise bei Weizen und die viel zu spät erfolgte gesetzliche Beschränkung der Produktionsflä- ch e», die infolge jeglicher Kontrolle überhaupt nicht durchgcsiihrt wurde,— sind diewesentlichen Fehler unserer Getreidewirtschaft. Sie haben es mit sich gebracht, daß wir, Ivie der Präsident des Getreidemouopols, Dr. Feierabend, vor einigen Tagen den Pressevertretern erklärt hat, ungefähr 70.000. Wnggpu. Weizen Vorrätig haben. Die verantwortlichen Agrarpolitikcr entrüsten sich jetzt darüber, daß die'Landwirte ihre Weizcnanbau- slächcn in den letzten Jahren inuner»zehr erweitert haben und an eine Einschränkung nicht denken, nachdem durch einen hohen Weizenpreis der Anreiz für die Erweiterung des Weizenanbaues gegeben tvurde. Wenn die Grundpreise für Weizen XL 164.—, für Roggen und Gerste XL 125.— und für Hafer XL 112.— betragen, dann kann man sich nicht wundern, wenn die Landwirte mehr Weizen anbaucn. Selbstverständlich hatte der hoho Weizen- PreiS einen K o n s u m r ü ck g a u g zur Folge. Auch darüber beklagt sich der Präsident der Getreidegosellschaft, als ob er erwartet hätte, daß bei diesen Preisen die Buchteln- und Kucheucsscr ihre Ration verdoppeln würden. Nach seiner Auffassung seien aber am Kousumrückgang nicht die hohen Weizen- bcztv. Mohlpreisc schuld, sondern — die niedrigen Preise der übrigen Lebensmittel. Bei Fortsetzung dieses Godankcnganges müßten also auch dsc übrigen Lebensmittel noch verteuert werden, damit ein Ausgleich mit den Mehlpreiseu und dadurch eine Erhöhung des Msatzes und die Erhaltung des Monopols erreicht werden. Die Herren kommen, nachdem sie nun in der Sackgasse stecken, wahrhaftig schon auf die verwunderlichsten Gcdankengänge. Wie will nun die Novellierung all den Ucbcl- ständen abhelfen? Zuerst wird bestimmt, daß das Monopol um drei Jahre verlängert wird.(Die Agrarier verlangten eine zehnjährige Frist.) Dann werden die Monatszuschläge bei allen Getreidearten bis Ende 1986 je 50 Heller, jedoch ab Jänner bis Juni 1937 bei Weizen Xi 2.—, bei Roggen(nur bis Ende Mai) ebenfalls XL 2.—, bei Gerste mit XL 1.50(nur für Jänner und Feber) und bei. Hafer für November und Dezember mit XL 1.— und für Jänner LIS Juni mit XL 1.50 pro Meterzentner festgesetzt. Die wichtigste Bestimmung jedoch sieht Prei 8 he r- a b s e h u n g e n b e i d e n L a n d w i r t en vor: und zwar bei Weizen XL 18.—, Bei.Roggen XL 8.—, bei Gerste XL 12.— und bei Hafer XL 7.— je Meterzentner. Der Ertrag dieser Abschläge soll zum Ausgleich des Defizit e s des Monopols dieüe.n. Außerdem trägt der Staat zum besonderen Reservefonds solange bei, bis ein Betrag von»60 Millionen erreicht ist. Das dürfte den Staat noch annähernd 20 Millionen XL kosten. Ferner muß:,er noch den Aufwand, von etwa 90 Millionen. XL für' die Aufrechterhaltung der Reservovörräte für 1986/37 übernehmen. Zn dem sollftn einer neuen Verordnung noch" eine Neugestaltung und Verschärfung der Bestimmungen über die Einschränkung des Weizenänbaues ausgesprochen werden. Man glaubt dadurch die Äeizenanbaufläche auf den Stand des Jahres 1930 zurUckschrauben zu Seite 2 Donnerstag, IS. Juli 1086 Nr. 164, können. Damals betrug sie 760.000 Hektar, demnach muhte die Einschränkung weit über 100.000 Hektar betragen. Hierzu ist zu sagen, bah man daS Monopol mit diesen Bestimmungen kaum aus den Schwierigkeiten herausbrinaen wird. Die vorgesehenen Preisabschläge, die Übrigen» nach diesem Schema ungerecht sind, werden zivar dem Monopol zugute kommen, doch dürften sie zusammen mit noch strengeren Einschränkungsbestimmungen keines- IvegS zueiner erheblichen Restriktion führen. Der noch immer gegenüber den anderen Getreidearten hohe Weizenpreis, lvird die Landwirte dazu verleiten, die Einfchtän- knngspflicht z» umgehen und den Weizenanbau ivomöglich in vollem flmfange aufrecht zu erhalten. Die MonatSzufchlägS sind zivar er- mäßigt und verschiedentlich abgestuft worden, ob sie aver den gewünschten Erfolg bringen, Ist zu bezweifeln. Sie. waren in der früheren Staffelung die Ursache, daß die meisten großen Besitzer ihre Getreidevorräte bis Ende des Wirtschaftsjahres zurüikgehalten haben, nm den höheren Preis zu erzielen. Dadurch kam es a>n Schlüsse des Wirtschaftsjahres zu verstärkten Anlieferungen und Ansammlung riesiger Vorrät e, die Heuer allein 7 0.0 0 0 Waggon Weizen ausmachen sollen. Nicht unberücksichtigt darf ferner die u n- gleich artige Behandlung von Groh» und Kleinbauer» bleiben. Die sogenannten Monatszuschlüge bilden auch nach der nenen Fassung eine schtvere Benachteiligung der K l e i n I a n d w i r t e. Diese sind ge- zivungen, sofort nach der Ernte zu verkaufen, erhalten also entweder gar keinen Zuschlag, oder höchstens für zwei oder drei Monate 60 Heller pro Zentner, während die gröberen Besitzer die Getreidevorräte zurüühalten können und beispielsweise im Juni(nach den neuen Bestimmungen) um 16 KL pro Meterzentner mehr gezahlt bekommen. Das größte Unrecht aber besteht darin, dah man zivar den Landwirten in diesem Jahre für das Getreide weniger zahlen wird, hingegen der Preis des Mehles im Konsum gleich bleibt, so dah also die Konsumenten und die Bauern den fehlenden Betrag zur Sanierung des Monopols leisten oder besser gesagt, die Fehler unserer Agrarpolitik bezahlen müffen. All das wäre nicht notwendig gewesen, wenn man die Forderungen nach einer Staffelung der Getreidepreise unter Zugrundelegung der Regiekosten berücksichtigt hätte. Zusammenfassend kann nian sagen, dah durch da» Getreidenwnopol in seiner nunmehrigen Forin wohl die kapitalistische Spekulation unmöglich gemacht, Bauern und.Konsumenten ein fester Preis gesichert wird— der Bauer wird vor dem Fallen, der Konsument vor dem Steigen der Weltmarktpreise geschützt— daß aber eine im Interesse der Gesamtbevölkerung gelegene Getreidewirtschaft nur durch eine Beschränkung des Anbaues, d. h. durch Planmähigkeit In der Produktion möglich wäre. So ist das Getreidemonopol eine Halbheit, es spiegelt die J>>teressengegensätze innerhalb der Regierungskoalition deutlich wieder. Hätte die Sozialdemokratie ihre Forderungen durchsetzen können, hätte die Bevölkerung die groben Borteile eines öffentlichen Monopols anschaulich zu spüren bekommen. Ta. Erprobung der zivilen Fliegerabwehr Große Flugmanöver In Böhmen und Mähren In einer breiten Zone, die von Bakov bis nach Mähren reicht, haben Dienstag nachts mehrtägige Flugabwehrübungen. begonnen,.die die bei einem Fliegeralarm unerlähliche Zusammenarbeit zwischen den militärischen Abwehrstellen und der erst kürzlich auf eine gesetzliche Basis gestellten zivilen Luftabwehr(ZFA) erstmalig im gröberen Maßstab erproben sollen. Noch weniger als die normalen Manöver sind diese Luftschutzübungen'dazu bestimmt, den. zahlreichen Zuschauern ein kriegerisches Theater vorzumachen. Fast niemand von den Tausenden, die in der ersten Nacht in den Städten das Herannahen der feindlichen Geschtvader erwarteten oder draußen auf den Feldern in gebührender Entfernung die Abwehrbaiierien und die Scheinwerfer umstanden, ist, fall» er prickelnde Sensationen erwartete, auf seine Rechnung gekommen. Zu diesen Enttäuschten gehören in erster Reihe die Vertreter der Presse, die im Raum von Künig- grätz um Mitternacht stundenlang vergebens darauf warteten, eine Abwehrbatterie oder einen Scheinwerfer aus nächster Nähe in Tätigkeit zu sehen. Nur in weiter Ferne zuckten gelegentlich Scheinwerferkegel auf und hatten dann auch schon ein Flugzeug ersaht, das, silberglänzend wie ein Nachtfalter dahinschwebend, vergebens dem Lichtkreis zu entkommen trachtete. Und immer waren es nur weit entfernte Abwehrbatterien, die zum Schuß kamen. Ein verfinsterter Bahnhof war die größte Sensation, mit der die Militärverwaltung der Presse aus der Nähe aufwarten konnte. Erst als man am nächsten Tag Gelegenheit hatte, mit den militärischen und zivilen Kommandostellen Fühlung zu nehmen, die in dieser Nacht in fieberhafter Tätigkeit waren, wich der kleine Rest von Enttäuschung und von Aerger über die verbummelte Nacht der Hochachtung vor dieser geleisteten Arbeit. Weit vorgeschoben an der Grenze des zu verteidigenden Raumes beobachten im nächtlichen Dunkel Dutzende von Meldestellen das Herannahen der feindlichen Geschwader. Hinter dieser ersten Linie zieht sich in entsprechender Entfernung noch eine zweite Linie hin; alle die Horchposten sind untereinander und mit gewissen zentralen Meldestellen durch Feldtelephon verbunden. Schon beim Passieren der ersten Kette sind die Flieger wenige Sekunden, nachdem das erste Motorengeräusch hörbar ist, annähernd nach Richtung, Entfernung und Stärke der Alarm zentrale gemeldet, und dort mit ebenso einfachen iuie sinnreichen Hilfsmitteln auf einer Karte eingetragen. Die Meldungen aus der zweiten, Linie der Horchpoften draußen, im. Gelände dienen zur Kontrolle; sie bringen bereits Ordnung in das Chaos der ersten Meldungen und lassen die einzelnen Gruppen der feindlichen Flieger und die ungefähre Richtung des Anfluges erkennen. In der Kommandostelle des Zentralalarmdienstes muh man allerdings eiserne Nerven haben, um die Flut von Telephonmeldungen in, Bruchteil von Minuten graphisch zu bearbeiten, daraus das vermeintliche Ziel der Angrisser festzustellen, die aktive Flugabwehr auf den Plan zu rufen und die Bedrohten, größere Städte, Industriebetriebe, militärische Objekte und vor allem auch die Eisenbahn noch rechtzeitig zu warnen. Können doch bei den heutigen Geschwindigkeiten schon in maximal 16 Minuten die Geschtvader am Ziel sein. Das Telephon mobilisiert im Augenblick die aktive Abwehr, das heißt die Abwehrbaiierien, die schweren Maschinengewehre, die'Scheinwerferzüge, die den Himmel ableuchten, und nicht zuletzt die Jagdflugzeuge, die sich vom nächsten Flugplatz aus dem Gegner entgegenwerfen. Bon diesen militärischen Vorbereitungen lvird die zivile Abwehr, auf deren Erprobung eS diesmal in erster Linie ankommt, grundsätzlich völlig getrennt. Zivilisten haben als Kommandanten der zivilen Luftabwehr(ZFA) die passiven Abtvehrmahnahmen auszulösen. Der zivile ZFA-Kommandant des bedrohten Abschnittes sitzt neben der militärischen Meldezentrale und geht vom ersten Moment an ganz seldständlg vor. Die erste Sorge gilt der völligen Verfinsterung des bedrohten Gebietes, mn den Fliegern die Orientierung zu erschlveren. Beim ersten Versuch wählte man das radikale Mittel, um 1 Uhr nachts einfach den Strom in der Ueber- landzenirale abzuschalten. Im Ernstfall kann 'man aber nicht gut der Kriegsindustrie des ganzen Gebietes, die sicher in Nachtschichten arbeiten wird, den Strom für die Maschinen.nehmen, abgesehen davon, daß auch Spitäler, Kommandosiel- len usw. nicht längere Zeit ohne Licht bleiben können. Darum soll schon in der zweiten Nacht nur die Straßenbeleuchtung abgeschaltet werden, lväh- rend man sich hinsichtlich der Verdunkelung der Privathäuser auf die Selbstdisziplin der Bevölkerung verlassen will. Der Straßenverkehr läßt sich gleichfalls nicht völlig abstopen; verfinsterte Straßen wären aber illusorisch, wenn die Scheinwerfer der Auto» den Fliegern ausreichende Leuchtspuren hinterlassen würden. Die versuchte Verdunkelung des Scheinwerferlichtes durch vorgeschaltetes Blaupapier, durch bläuen Anstrich der Scheiben usw. scheint nicht zu genügen; wahrscheinlich werden die Autos überhaupt ohne Scheinwerfer fahren müssen und nur gerade durch eine schtvache Notbeleuchtung der nächsten Umgebung miüeilen dürfen, daß sich etwas auf der dunklen Straße bewegt. In Königgrätz hat man innerhalb der Stadt grundsätzlich jede Straße in eine Einbahnstraße ver- tvandelt, um Zusammenstöße von begegnenden Auws zu vermeiden; an den Kreuzungsstellen lvaren Verkehrspatrouillen aufgestellt und die Randsteine weiß angestrichen. Die Verdunkelung der Stadt und selbst der Dörfer der weitesten Umgebung war in der ersten Nacht einwandfrei; der Verkehr konnte sich in engen Grenzen störungsfrei abwickeln. Ein eigenes Kapitel bildet die Eisenbahn, die selbst die Siznallichter abschalten .mußte,, um keine.Orientierungspunkte.zu. bietew. 'Trotzdem könnte' der Verkehr aufrecht erhalten werden. Freilich darf die ZFA in dieses kömpli- zierte Räderwerk nicht selbst eingreifen, sondern mutz hier die Leitung eigenen Beamten der Bahn überlassen. Die Bevölkerung wurde auf die drohende Gefahr in der Hauptsache durch a k u st i s ch e Signale(Sirenen) aufmerksam gemacht. Gleichzeitig traten die freiwilligen Helfer der ZFA auf den Plan. Am Dienstag war die gesamte Bevölkerung durch Kundmachungen der Bezirksbehörde und durch die Presse schon vorher informiert und neben den staatlichen Sicherheitsorganen waren die Samariter, Feuerwehrleute, die Nationalgarde eir. schon vor Beginn des Alarms zur Stelle. Allerdings hat gerade in Königgrätz schon seit Jahren-eine freiwillige Organ!. sation der Luftabwehr wertvolle Vorarbeit geleistet und bereits einen großen Stab von freiwilligen Mitarbeitern'herangebildet; wo anders wird es auf den ersten Anhieb wahrscheinlich nicht so klappen. Für Mittwoch, 11 Uhr vormittags, war in Königgrätz eine weitere Uebung festgesetzt, die dem Publikum auf dem Ulrich-Platz eine bessere Augenweide bot. Ein Holzstoß harrte der Entzündung durch eine Thermitboinbe, Brandbomben wurden von der Erde aus übereifrig zur Explosion gebracht, bevor noch die ersten der 27 Bomber von Prag aus über der Stadt waren. In wiederholten Anflügen markierten die Bomber u. a. einen Gasangriff. Die beteiligten ZFA-Organe waren mit Gasmasken ausgerüstet, die Zuschauer, die dorher alle gütlichen Aufforderungen zur Räumung des Platzes überhört hatten, nahmen bald vor dem Tränengas Reißaus, das von der Erde aus verspritzt wurde. Die Verseuchung des Platzes durch das furchtbare Uperit, das den Krieg In Abessinien entschieden hat, wurde durch das Ablassen von Melasse aus den Flugzeugen und durch Verspritzen einer übelriechenden Senfessenz von der Erde aus markiert. Während die Feuerwehr die Brände mit Wasser und Sand bekämpft hatte, mußte sie vor den Kampfstoffen kapitulieren. Eigene AffanierungSabteilungen, die mit entsprechender Schutzkleidung versehen waren, gingen ans Werk. Der für solche Zwecke unvermeidliche Chlorkalk wurde durch Sägespäne markiert, die dann durch Feuerspritzen und Sprengwagen in die Kanäle abgeschwemmt wurden. Die Sache verlief etwas zu kinomäßig; im Ernstfall würde der schöne Platz natürlich ein ganz anderes Bikd bieten. Der Verlauf der Hebungen wird von einer eigenen Studienkommission verfolgt, in der nehen den Militärs Vertreter der beteiligten Ministerien(Inneres, Post, öffentliche Arbeiten, Eisenbahn.) sitzen. DaS Ergebnis wird für die weitere Entwicklung der zivilen Flugabwehr von Wichtigkeit sein. Welche Bedeutung den Hebungen zukommt, geht u. a. schon aus der Teilnahme des Generalinspektors General S y r o v h, des Generalstabchefs General K r e j Li, des Chefs des Flugwesens General F a j f r etc. hervor. Außer dem Raum von Königgrätz war in der ersten Nacht auch Pardubitz das Ziel feindlicher Flieger. Mehr Selbständigkeit und mehr 'Verantwortung Dezentralisierung der Eisenbahnverwaltung Wie„Veiiernik Prävo Lidu" meldet, beschäftigt sich das Eisenbahnministerium unter Leitung -des Genossen Bechyni'eifrig mit der Durchführung der Reform der Vertvaltung der Eisenbahnen. Die Eisenbahnverwaltung soll vor allem dezentralisiert und auf neue der heutigen Zeit und dem heutigen Verkehr entsprechende Grundlagen gestellt werden. Bor allem wird die Kompetenz der einzelnen Direktionen, und zwar sowohl nach der finanziellen als auch nach der rechtlichen Seite hin geregelt werden. Dar wird seinen wohltätigen Einfluß auf die Wirtschait der Eisenbahnen, auf die Vereinfachung des Verkehrs- und administrativen Dienstes übe». Die vorbereitenden Arbeiten dazu sind soweit gediehen, daß mit der Verwirklichung bald gerechnet werden kann, Minister Bechyni ist mit Entschiedenheit dahinter. Mehr Selbständigkeit und mehr Verantwortung— nach diesem Grundsatz wird die Reform unserer Eisen- bahnverlvaltung durchgeführt werden. 87 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grätzsch Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava. lind das Mädchen läßt die Augen mit Justus' Bleistift um diesen Berg herum laufen, nichts in ihr zuckte, nichts ahnte sie, daß in diesem verlorenen Tale schon jemand ihrer hartte... Denn dort, am Fuße dieses Berges, saß Laska, der Hirt Satz dort,, hütete eine bunte Herde, spielte auf seiner hölzernen Flöte und wartete, wie seit Jahren. Wartete auf die verheißene weiße Frau. Sie wird einmal kommen, die Ora hat es ihm prophezeit... Auch er ahnt nicht, daß sich ihr Schatten schon über seine Heimat beugt, daß sie aus Himmelshöhe auf den Globus herabschaut und daß einer neben ihr sagt:„Dieses Wildwasser hier bin ich entlang gestiegen; unser Esel konnte kaum noch..." Nichts von. alledem ahnte Lasko, aber fest wie die Felsen ringsum blieb sein Glaube, daß die blonde Iveiße Frau bald kommen mußte. Am Hange oben, hinter Laskas Hütte, stand die Eibe, unter der es ihm die Ora nächtlicherweile prophezeit hatte. Jungfräulich sollte die Weiße sein und rein und nur für Laska bestimmt. Und er hätte sich auch nicht denken können, daß sie jetzt mit einem Manne über die Wiesen ihrer Heimat zum Strome schritt und entblößt, im Badetrikot, neben dem nackten Körper des Mannes saß und neben ihm schwamm. Und daß sie abends mit Männern und jungen Burschen an einem Tische weilte und mit ihnen spaßte, obwohl ihr manchmal zum Weinen war. Als sie aber Abschied nahm, drückte sie allen so herzlich die Hände, wie nie vorher und außer dem Mädchen wußte niemand, daß es ein großer, ein langer Abschied war, vielleicht für immer. Am nächsten Tag packte sie die Koffer. Ihre Schtvester Thekla schalt und weinte, aber das Mädchen hatte zu lange in die Ferne gestarrt, die Abende mit Herrn Wendisch standen ihr bis zum Halse, mit Justus konnte sie nicht mehr unbefangen nebeneinander sein, Europa wurde finsterer und muffiger— und da in der Ferne, in Karst- und Kalkgebirge, da lagen wohl auch die Funde für eine Doktorarbeit, redete sie sich ein. Denn am raffiniertesten geht der Mensch vor, wenn er sich felbst überreden will. XIV. Kapitel Dies alles geschah zur selben Stunde: daß Herkner im Autobus gen Litosch preschte und Redakteur Meller, geflüchtet und heimatlos, am böhmischen Strande desselben Stromes sah, der die Flaschenpost gegen Mellers Kanu gespült hatte und Justus in der Badehose weiter oben lag, wo der Strom noch jung ist— indes Ernst, genannt der Kleine, im mazedonischen Süden hockte, verstaubt und die zerrissenen Knickerbocker flickend. Zweimal war er über die griechische Grenze hinüber gelangt, zweimal mußte er zurück. Unbarmherzig forderten die griechifchen Gendarmen da» Visum ihres Landes. Nach Palästina wollte er? Wo haben Sie die Einreiseerlaubnis, wo? Schwer ist es, mit Grenzern zu reden, wenn man ihre Sprache nicht beherrscht. Moses bot sein ganzes Französisch ans, ließ Zigaretten spielen, klapperte lockend mit einigen Münzen in der Hand, die Gendarmen schüttelten mit den Köpfen: der da muß'mit zur Wache. Mose» hockte in einer Schenke, trank einen Mastix um den anderen, wartete und wartete, ging nach zwei Stunden wieder zur.Wache:„Wo Ist mein Kamerad Ernst? Wo er sitzt, da will ich auch sitzens" Aber die gebräunten Kerle lachten nur. Der Kleine? Handbewegung nach dem Gebirge. Ist schon auf dem Schub zur Grenze... Bei Nacht stieß der, Kleine aus schmalem Bergpfad wieder ins Griechische hinein. Wo mochte nun Moses warten? Parole war: Saloniki; jüdisches Komitee...Mitten im Finstern sing ihn die Grenzwache abermals ab. Eine Stunde später stand der Kleine wieder auf maze- donischem Boden... Seine Schuhe machten nicht mehr'mit, die Sohlen gingen hinüber ins Nichts, die Füße schmerzten. So faß er unter dem grüngrauen Dach einer breitästigen Platane, im Hemd, die Hose überm Knie, die nackten Beine auf dürrem Gras. Bor ihm loeite Ebene, hinter ihm die graue» Wälle der. Grenzberge. Wespengetier spielte in großen blauen Distelbüschen, schwirrte um den offenen Rucksack. Eine kleine Biene lief an seinem Handrücken herauf und herunter, ließ die Fühler staunend spielen. Wie groß ist der Mensch! Ein Flugzeug sauste unter dem Himmel dahin. Der Kleine senkte die Nadel und blickte sehnsüchtig hinter dem Riesenvogel drein. Täglich surrten sie über ihn hinweg, weiter draußen in der Ebene donnerte der Orientexpreß täglich zweimal vorüber, Auws rasten durch die Gefilde, ihr Staub wehte über Europa, aber er, der Kleine, mußte an den Fersen schmerzende Wasserblasen aufstechen, wußte nicht mehr, wie er weiterlom« men sollte. Fern, fern lag der'Traum von Palästina.... Die Biene war über den Hals hinweg ins weißblonde filzig-dichte Haar' gekrochen. Aufgeregt trillerten ihre Fühler. Groß unii gewaltig ist der Mensch... Er kann Tjere einfangen, er ist der Herr unzähliger Honigstöcke. Der Kleine stieg in seine Hose, setzte sich und starrte in. die Ebene hinaus. Ein bläülichweißer Schimmer lag dgrüber und verschmolz am Horizont mit dem Hünniel.-Was mochten sie jetzt in der.Spinne treiben?— Er fühlteein Krabbeln, wischte rasch übers Haar, die Biene fiel zu Boden, bewegte erregt die Flügel und trillerte mit Fühlern: Groß und gewaltig ist der Mensch, Herr der Erde, fegt mit einer Bewegung anderes Getier zu schänden... Sie pumpte sich voll Luft und nagte an den Schuhe», die ausgetreten zwischen dürrem Laub lagen, die Schäfte melancholisch zur Erde geneigt, die Absätze unmöglich schief, Halme in den Lächern der Sohlen... Groß Ist der Mensch und geivaltig sein Tritt.., Ernst legte sich lang in den Schatten und träumte... Gusti..-. die Spinne... der kühle breite Fluß... Oh, jetzt mit einem Sprung in dies Ziehende tauchen dürfen und sich von seiner breiten Wasserflut tragen lassen... Aber dieses Wasser floh nicht mehr breit einher, dünner wurde es und dünner, ein regenarmer Sommer hatte die Adern des Flusses zer- dörrt. Siech wand er sich durch das böhmische Land, zwischen Weinbergen dahin und grünen Hopfenfeldern. Am Rande eines solchen, Hopfenfeldes saß Redakteur Meller, schaute Über einen Wiesenrand hinweg in das steinige Flußbett und-sagte zu seinem böhmischen Kameraden:„Siehst, du dort den Hellen schimmernden Punkt im Wasser? So kam die Flasche angeschwommen, so kommt manch-, mal das Schicksal." Der Freund, dem er damals abends die Flafchenpost'gab und mit dem er Wein trank:„Prosit/ heute ist ein Tag der Flaschen" der hatte ihn verraten. War er neidisch auf Mellers Posten, wollte er sich.eine Belohnung verdienen?— Denunziation stand ja hoch im Kurs drüben— wollte er Karriere machen? Meller wußte-nur: mit, geradem blauen Blick kann einer ebenso lügen, wie ändere mit schiefen Mienen. Kollegen gaben ihm einen Wink: Verdufte! Du wirst beobachtet! Du bist längst verdächtig. Andere. Kameraden verschwänden. Erschossen und- verfcharrt. Da ging Meller bet Nacht und Nebel über die Grenze. .1Sortletzunafolgt.il Nr. 164 Donnerstag 16. Juki 1936 Seite 8 fudetendcutscfier Zeitspielen WMWWM»^»WMW»MW»MMWWMM»WWWWWWWWM»»»ffW^»WWMWWMWMMWWMMWWWMWMW»»MMMWWWWM»WMWWMWM»WW«WWW»W»WW> tn einer eigenen Sitzung nach einem Referat i verantwortet werden können. itdon, i'ch e ige« Zajftek gegen die SdP Minister Erwin Zajiöek sprach am Mittwoch, den 16. Juki um 18.05 Uhr im Rundsunk über Len Eintritt der deutschen christlich- sozialen Volkspartei in die Regierung.' Der Minister führte u. a. aus: Die deutsche christlichsoziale Volkspartei hat sich nicht in die Regierung„hineingedrängt", sondern sie ist zum Eintritt in die Regierungsmehrheit eingeladen worden. In unserem Grenzgebiet ist die Nok vielfach sehr groß. Sie zu mildern, unseren deutschen Volksgenossen Arbeit und Brot zu geben, soll eine unserer wichtigsten Arbeiten in der Regierung sein. Wir sind eine deutsche Partei. Daß wir Deutschen viele Wünsche haben, das zu sagen ist unser Recht, ist unsere Pflicht. Schiver lastet auf uns die Sorge um Schule und Arbeitsplatz. Kein ruhig deutender Tscheche kann sich gegen unsere gerechten nationalen Forderungen stellen. Daß das nationale Problem nicht in einem Jahre und nicht in zehn Jahren zur Zufriedenheit aller entwirrt werden kann, ist selbstverständlich. Wenn wir mit unseren Wünschen nicht durch- dringe», dann sind auch jene Deutschen mitschuldig, die da glauben, mit der Faust auf denTisch schlagenzumüssen. Eine solche Politik hat uns schon einmal von Niederlage zu Niederlage geführt. Innerhalb dieses unseres Staates wollen wir an der Stznthese zwischen Voll und Staat arbeiten. Wer Volk und Staat einander entfremdet, schädigt beide. Deutsch-tschechischer Sprachkurs für Lehrer. Die beiden großen Lehrerorganisationen, der Deutsche Lehrerbund und der Verband der tschechoslowakischen Lehrer,' veranstalten Heuer zum zweiten Male einen deutsch-tschechischen Sprachkurs für Volks- und Bürgerschullehrer. Die Eigenart dieses Kurses besteht darin, daß deutsche und tschechische Lehrpersonen bei getrenntem Unterricht gemeinsame gesellschaftliche Veranstaltungen und pädagogische Aussprachen halten, die täglich wechselnd in einer anderen Sprache durchgeführt werden. Der Kurs hat den Zweck, einesteils für die Prüfungen aus der Fremdsprache vorzubereiten und die Konversation zu pflegen, andererseits durch die gegenseitigen Aussprachen die Verständigung zwischen deutschen und tschechischen. Lehrern zu fördern. Der Kurs, der vom Ministerium für Schulwesen.und Volkskultur als Studienkurs genehmigt worden ist, findet in der Zeit vom 6. bis, 26. August inGroh- Mese- ritsch statt. Der Kursbeitrag beträgt 80 Kö. Anmeldungen sind noch möglich und sind zu richten an den Deutschen Lehrerbund in Reichenberg, Schützenstrabe 7. Die Tagung des Deutschen Lehrerbundes in Krumau, über die wir bereits berichtet haben, beschloß in Angelegenheiten der Schule und Schulverwaltung folgende Forderungen aufzustellen: 1, Erweiterung der Schulpflicht auf neun Jahre. L. Die berufliche Ausbildung der Lehrer soll an Lehrerakademien erfolgen.' 8. Weiterbestand der Einrichtung der Lehrerpräktikanten. 4. Neuzusammensetzung der Bezirksschulausschüsse. 6. Ausbau des Heilfonds der öffentlichen Angestelltem Die Enttäuschung würde Ins Riesige wachsen.. I Scharfer Angriff des Brünner „Tagesbote“ gegen Henlein Der Brünner„Tagesbot e", der bisher — was er selber zugibt— kritiklos SdP-Politik machte, sieht sich in seinem mittwöchigen Leitartikel gezwungen, aus Anlaß des Falles Dr. Brand veranlaßt, an Henlein einige rhetorische Fragen zu richten, die schwerste Angriffe gegen Henlein beinhalten. Es heißt dort nämlich unter anderem: Warum— die Frage kann nicht erspart werden— hat Henlein in dem einen Fall so große Strenge, in dem anderen so große Milde walten kaffen? Warum hat er den Versuch gemacht, Dr. Brand gegen den Schuldspruch des Ehrengerichtes z» halten? Warum versuchte er vorher, die Begründung der EhrengerichtSnrteiles zu unterdrük- ken? Warum bekundete er trotz des verurteilenden Spruches Dr. Brand auch fiir weiterhin sein Vertrauen? Sah er nicht ein, daß er damit die von ihm selbst gewählten Ehrenrichter tief kränkte, so daß sich Prof. Greger begreiflicherweise veranlaßt sah, sein Senatsmandat der SdP zur Verfügung zu stellen? Gilt für Konrad Henlein nicht, was in seiner Rundschau Rudolf Kasper vorgeworfen wurde, daß er„Bindungen eingegangen sei, die höher und verpflichtender waren, als seine Bindung an den alten Freundeskreis?" Sieht Konrad Henlein nicht ein, taff er flch selbst um die moralische Berechtigung bringt, anderen Mangel an Ehrenhaftigkeit vorzuwerfen, wenn er einem Mann, dessen Handlungen als unehrenhaft bezeichnet wurden, weiterhin sein«ngeschmü- lertrS Vertrauen schenkt? Sieht er nicht ein, welch un g e h eur et Schaden dadurch seiner ganzen Partei zugefügt werden kann? Der riesige Wahlerfolg der SdP. beruhte auf dem gpten Glauben der durch Not und Leid zum einheitlichen politischen Abwehrkampf zusammengeschweißten Massen. Sollen all diese vielen, die.eS so ehrlich und gut gemeint haben, und die doch auch, so opferbereit sind, i n ihremGIauben irre werden, weil sie für persönliche Rücksichten solcher Art.kein Verständnis haben können und wollen? Konrad Henlein ist dem sudetendeutschen Volk denn doch mehr Rücksicht schuldig als Hstrn Dr. Brand, dem eßen ein so wenig erfreuliches Zeugnis ausgestellt, würde! Die Enttäuschung^der sutetendrutschrn BevSlkerung würde ins Riissge wachsen, wenn sie sich wieder einmal von firen Politikern durch allzu Persönlicher In. der Seche, die so vielen am Herzen liegt, um. den Eifolg gebracht sehen müßte. Das, was der„Tagesbote"„einheitlichen politischen Massenkampf" nennt und wovon such er, die SdP nach Kräften-fördernd, sich enen großen Erfolg versprach, hält also jetzt nicht tin« mal mehr der Unterwürfigkeit dieses Schriflei- tertums stand. Der von Henlein genährte Bmnd. scheint nnläschbar geworden zu sein und Harrst Henletn selber, dem vergotteten Führer, tqel Nun schon von seinen Partisanen m o r a l i Berechtig Ü st gen abgesprochen! Weit, bracht, Herr Turnlehrers SandnerS nach abgeführter Debatte übereinst i m m e n d zu der Meinung kam,„daß das Verlangen nach Wiederaufnahme des Verfahrens angesichts der erdrückenden Fülle des Materials voll begründet sei." Herrn Henlein wurde auch noch der vertrauensvolle Dank„ausgesprochen, daß er dem in Wahrung der formelle n(I)" Verpflichtungen scheidenden Dr. Brand durch ein VertrauenSvotnm eine„Genugtuung gegenüber dem Spruch des Ehrengerichtes" gewährt habe. Dieser neue Druck half aber nichts mehr, da inzwischen das Ehrengericht die Wiederaufnahme schon abgelehnt hatte.„Die Zeit" stellt fest, daß Pfarrer Wehrenfennig, der Bundesführer des Bundes der Deutschen, an der neuen Sitzung des Ehrengerichtes nicht teilgenommen habe. Neue Beschwörungsformeln Die Hauptleitung der SdP. beschloß dann, jenen„Kameraden" die für die Wiederaufnahme eingetreten waren, Vollmacht zur Veröffentlichung des Materials zu geben, um angeblich„der Oeffentlichkeit Klarheit zu verschaffen." In Wirklichkeit wird es sich wohl um einen neuen Vernebelungsversuch handeln. Daß die Geschichte wirklich brenzlig wird, geht schon daraus hervor, daß sowohl die Hauptleitung als auch Konrad Henlein noch extra wieder Aufrufe zur Einigkeit an die Sudetendeutschen erlaffen. Henlein wiederholt daran noch die Feststellung, daß die als unehrenhaft bezeichneten Handlungen Dr. Brands Dinge betreffen, die nicht von Dr. Brand, sondern von ihm(Henlein) und dec gesamten Hauptleitung„zu verantworten wären und auch Am Mittwoch trat neuerdings das von Konrad Henlein eingesetzte Ehrengericht zusammen, nm über die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Dr. Waller Brand zu entscheiden. Wie die„N. Morgenpost" erfährt, wurde eine Wiederaufnahme einstimmig abgelehnt«nd die Ablehnung folgendermaßen begründet: Die angegebenen Zeugenaussagen für die Wiederanfnahme des Verfahrens beziehe» sich auf die Punlle 1 bis 4 der Entscheidung des Ehrengerichtes, die ausschließlich die persönliche Verantwortung Dr. Brands beinhalten. Im UntersnchungSverfahren wurden Doktor Brand die diesbezüglichen Frage« gestellt und er konnte sich vollkommen frei äußern. Hatte er sich für einen dieser Punlle nicht verantwortlich gefühlt, so konnte er für den Tat- bestaud Zeugen beantrage«. Dr. W. Brand hat d a s P r o t o k o l l so wie alle anderen Zengen vor dem Ehrengericht«nterfer- t i g t. Dies sowie die Zeugenaussagen und Anzeige» rechtfertigen die erflossene Entscheidung desEhrengerichtS. * Im sudetendeutschen Bürgertum— nicht nur etwa in den Kreisen der Christlichsozialen und der deutschen Agrarier— wächst die Empörung gegen Henlein. Während auch bürgerliche Nichtparteigänger Henleins noch bis vor kurzem in ihm irgendwie den Mann mit der Gloriole deS sudetendeutschen„Stammesführers" respektierten, hat der.sch w e r e Krach innerhalb der SdP-Reihen nunmehr so stark auch nach außen gewirkt, daß diese Achtung innerhalb weniger Wochen einfach zum Teufel gegangen ist. Geradezu mit jeder Stunde sinkt das Gesamtansehen, das der Turnlehrer Konrad durch seinen politischen Bauchaufschwung auch bei Nicht» hakingecs sich zu verschaffen verstanden hatte. Beispielsweise putzt die„D e u t s ch e L a n d» p o st" aus Anlaß der Schafber.g- Geschichte den„Führer".derart bis zum,letzten Gn° maschcnknopf hinunter, wie das kaum-jemals einem tieutsch-bürgerltchen Parteiführer durch ein Bürgerblatt anderer Richtung geschah. Die Hen- leinpresse muß sich da ihr„heuchlerisches Gezeter" und ihre„faustdicken Lügen" vorwerfen lassen, der von Henlein geführte Trupp, der sich am Schafberg so unvergeßlich blamierte, wird mit «heuchlerischen Wallfahrern" verglichen und zum Schluß wird das Auftreten Henleins kurzerhand als„Frechheit" bezeichnet. Man hat also auch bet den Deutschariern nun vollends die Sprache und den Verstand wiedergefunden, die beide eine Zeitlang ausgesetzt hatten, wenn vom sudetendeutschen Hitlerabklatsch die Rede war. Und so wie die Landbündler freuen sich jetzt auch die Christlichsozialen, daß Henlein seit neuestem eine Dummheit nach der anderen macht. Ja selbst die„B o h e m i a", deren-vorläufig letzte Extratour für Henlein— die Erfindung des königlichen holländischen GenerallonsulS— unvergessen bleibt, scheint Lunte zu riechen und deshalb— natürlich auf ihre Art— vom sudetendeutschen Herrgott allmählich abzufallen. Denn wie anders wäre es zu verstehen, daß die „Bohemia" plötzlich einem Akademiker Raum gibt, um die Oeffentlichkeit über die„Befugnisse ei,nes Ehrengerichts" aufzuklären, d. h. den Fall B r a nd, freilich ohne ihn zu nennen, als eine derartige Sache so zu behandeln, daß jeder, der jetzt dr» Brand noch decken will, selber infam wird! Wir hallen uns selber durchaus nicht für zuständig in solchen akademischen Verschißsra- gen; dafür aber haben wir in diesem Punkte zur Sachkenntnis der„Bohemia", die ja etliche alte Burschenherrlichkeit auf dem Buckel hat, Vertrauen. Und in der„Bohemia" wird auseinandergesetzt, daß ein durch ein Ehrengericht für unehrenhaft Erkannter nicht mehr satiSfaktionSfä« hig. ist, weiter daß Kritik an einem Ehrengericht eine„ehrenrührige Handlung" ist und eigentlich ein. Ehrengerichtsverfahren gegen den Kritiker herbeiführen müßte. Eine Wiederaufnahme im Ehrengerichtsverfahren fei allgemein ausgeschlossen. Ein als unehrenhaft Erklärter habe aus allen Gemeinschaften und Vereinigungen auszuscheiden und . hier„endet auch der Begriff der Freundschaft und Kameradschaf t". Wer den Gemaßregelten nicht auS seinen Reihest streicht, ü der t r ä g t d i e U n e h re uh a stig leit auf st ch? Na, das läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Man. weiß jetzt haargenau,-wie alle vom akademischen Ehrenrecht Durchdrungenen über H e n i e i n zu denken habegj - Aber am gleichen Tage, dä^dem Herrn Henlein also durch, die, Blume gesagt wird,-!wie das sogenannte beffere oder vornehme Bürgertum über den Fall Brand-Henlein denkt, veröffentlicht die„Deutsche Landpost" eine Mitteilung aus SdP-Kreisen, laut der Henket« de« durch ein völkisches Ehrengericht gebrandmarkten Doktor Walter Brand zu seinem Privatsekretär bestellt hat. Dadurch behält Dr. Brand weiterhin die Fäden der Partei in der Hand «nd er wird, da Henlein ihm seit jeher sämtliche Entscheidungen und die Ausarbeitung der„grundsätzlichen“ Rede« überlassen hat, weiterhin die Politik der SdP ausschlaggebend beeinflussen. Wenn das wahr ist, dann seht sich also Henlein mit einem Kopfsprung über die Rebellion in der Partei und über den Schiedsspruch gegen Brand hinweg. Daß das für die SdP die schwer st en Folgen haben muß, steht außer jedem Zweifel. Hauptleitung kommt zu spät Welcher Druck neuerdings auf das Ehrengericht ausgeübt werden sollte, geht daraus hervor, daß die Hauptleitung der SdP am Mittwoch Deutlchbürgerliche Empörung Ehrengericht Uber Brand iikop ManIain lehnt Wiederaufnahme UDCl nCillCfill des Verfahrens ab— Henlein macht Ihn zu seinem Privatsekretär I Die SdP hilft den Arbeitslosen... Brot'haben wir schon zwei Jahre keines, jetzt haben wir auch noch die Ehre des Dr. Brand verloren! Plötzlicher Wechsel Im Finanzressort der USSR Moskau.(Tsch. P.-B.) Der Rat der Bolks- kommissare und der HauptvollzugsauSschuß der Sowjetunion veröffentlichen ein Dekret, durch das die gesamte oberste Leitung der Staatsbank der Sowjetunion abgesetzt wird. Der Vorsitzende der Staatsbankverwaltung Marjasin und seine zwei Stellvertreter Arkus und Fatjanow werden ihrer Aemter entsetzt und an ihrer Stelle wurden Kruglikow zum Leiter der Staatsbank sowie Beresin und Swanidse zu Stellvertretern ernannt. Gleichzeitig tritt Marjasin vom Posten des stellvertretenden Finanzkommiffars zurück und an seine Stelle tritt der neue Staatsbankpräsident'. Diese Aenderungen in der Leitung der Staatsbank stehen offenbar mit der geplanten. Verschärstmg der Finanzkontrolle und der Reorganisation des Finanzkommissariats im Zusammenhang, dessen Tätigkeit in den letzten Wochen in der Sowjetpresse scharf kritisiert und dem die planlos« Verwaltung der Staatsgelder durch verschiedene Finanzbehörden und Wirtschaftsverbände zum Vorwürf gemacht wurde. Deutschland rüstet Griechenland aufl Athen.(Tsch. P.-B.) Die großen Aufträge zur Lieferung von Kriegsmaterial, welche Griechenland mit Deutschland abzuschließen gedenkt» rufen Unruhe und bedeutenden Widerstand in der Oeffentlichkeit, namentlich in Arbeiterkreisen hervor. Die kommunistischen Abgeordneten brachten eine Interpellation im Parlament ein. Die Regierung wird scharf angegriffen, weil die griechische Staatskasse infolge der übertriebenen Preise des deutschen Kriegsmaterials stark geschädigt wird. Einige Athener Zeitungen, welche Einzelheiten über die Bestellungen von' Kriegsmaterial aus Deutschland brachten, verfielen der Konfiskation. Der oberste Fliegerrat hält unter Vorsitz deS Generals Repas eine Sitzung ab und berät über die großen Pläne zur Reorganisierung des griechischen Flugwesens, das durch die Bestellung von 106 der modernsten Bombenflugzeuge aus Deutschland ergänzt tverden soll. Der Internationale Bergarbeiterkongreß nach Prag einberufen Der 82. internationale Bergarbeiterkongreß wird in den Tagen vom 3. bis 6. August 1986 auf der Slawischen Insel in Prag' staktfindon. Die Tagesordnung des Kongresses enthält die folgenden Gegenstände: 1. Begrüßungsrede des Präsidenten. 2. Wahl der Stimmzähler und folgender Kommissionen: a) Mandatsprüfungskommiffion; b) Geschäftsordnungskommission; e) Redaktionskommission. 8. Allgemeiner finanzieller Bericht des SekrttärS (E. Edwards). 4. Internationale Vereinbarungen. Berichterstatter E. E d w a r d s, Großbritannien. 6. Das Problem der Arbeitszeit(Arbeitsstunden). Berichterstatter K, L e g a y, Frankreich. 6. Rationalisierung und Sicherheit, Berichterstatter N. N e t h i e r, Belgien. 7. Probleme des Eisenerzbaues. Berichterstatter E. Matt so n, Schweden. 8. Bericht der amerikanischen Delegierten 0. Wahl des internationalen Bergarbeiterkömitees. 10. Festsetzung des Ortes und des Datums des nächsten Kongrsffes, 11. Schlußansprachen. An dem Internationalen Bergarbeiterkon- greß wird eine-stattliche Anzahl von Bergarbeitervertretern aus allen dem Internationalen Berg« arbeiterkongreß angeschloffenen Ländern teilnehmen. Sette£ Donnerstag, 16. OfuH 1936 Nr. 161 Der gefährlichste Beruf der Welt Der„Test Flyer" (MTP) Bevor ein neuer Flugzeugtyp in den öffentlichen Verkehr kommt oder vom Heeres» und Marincininiftcrimn erivorben wird, muh er gcpriift ivcrden. Man nennt das in Amerika„Test Flying", auf deutsch Versuchsflüge. Versuchsflieger zu sein, ist der bei Iveitem gefährlichste Sportberuf, den cs heute auf der Welt gibt. Selbst in Amerika,>vo an beherzten jungen Männern kein Mangel ist und Ivo vor allem jede Art von Rekord als erstrebenswerte Heldentat gilt, existieren nicht mehr als fünf Männer, die gegenwärtig diesen Beruf auSiiben. ES muh freilich betont werden, daß die Lebenszeit eines Versuchsfliegers äußerst begrenzt ist. Seitdem cs diesen Beruf gibt— man hat erst vor etwa zehn Jahren damit begonnen, Flugzeiige vor dem Gebrauch auSzuprobicren— hat keiner dieser Piloten länger als zweieinhalb Jahre gelebt. Alle sind abgestürzt. ES ist also selbstverständlich, daß sich trotz hoher Bezahlung wenige Leute bereit finden, einen Berns z» erwähle», der einem Selbstmord glcichkommt. Heute bekommt ein Versuchsflieger im Durchschnitt für einen Flug 19 bis 14.960 Dollar. Aber er ist nicht oft in der Lage, seine Arbeit auszuführen— nach jedem Versuchsflug braucht er eine Ruhezeit von inindestens drei bis vier Wochen, um seine Gesundheit einigermaßen wieder herzustcllcn. Wie sicht so ein Versuchsslug aus? Es handelt sich darum, fcstzustcllen, ob ein neuer Apparat auch den schwersten Anforderungen gewachsen ist Das Hauptcxamen besteht in einer besonderen Art von S t u r z f l u g. Der Sturzflng wird nicht mit abgedrosseltein Motor dnrchgesllhrt— das wäre noch lein Belvcis für die Sicherheit eines Apparates. Vielmehr ist der Versuchspilot verpflichtet, den Motor auf höchste Tourenzahl zu bringen und auf diese Weise aus 8 bis 19.090 Meter Höhe hcrunterzustürzen. Freilich werden besondere Vorkehrungen und Schutzmaßnahmen für ihn getrossen. Der Pilot trägt den Fallschirm während des ganzen Fluges auf dem Rücken, und hat jederzeit das Recht, falls der Sturz mißglückt, abzuspringeu und den Apparat seinem Schicksal zu überlassen. Er trägt außerdem eine besondere Ausrüstung, nämlich eine Art von Korsett» aus fcstem Leder, datz Brust, Leib und Rücken cinschniirt und hauptsächlich dazu dient, die Eingeweide, die bei dem Sturz die Bauchwand zu sprengen drohen, zu- sammcnzuhalten. Von der Getvalt des Sturzes macht sich ein, gewöhnlicher Sterblicher keinen Begriff. Das amerikanische Marine- und Lufifahriministerium verlangt, daß der Apparat beim Bcrsuchsflug mit angestelltem Motor»mit neunfach gesteigerter Schwerkraft durch die Luft stürzt. Das bedeutet, daß ein Pilot, sage» wir, 170 Pfund wiegt, während des Sturzes mit einem Gewicht von neunmal 175 Pfund, also 1575 Pfund auf seinen Sitz niedergedrückt wird. Dieser furchtbaren Belastung — abgesehen davon, daß es ihm nicht möglich ist. in diesen Sekunden zu atmen— kann überhaupt nur ein Mann getvachsen sei», dessen Herz, Lunge und Magen völlig intakt sind. Del» Blutandrang ist so phantastisch stark, daß der Pilot während des Sturzes meistens f a st blind ist: das Blut saust ihm in den Kops und droht, die Adern des Gehirns zu sprengen.(Vor zwei Jahren versuchte ein Marinepilot, mit 14fachec Schwerkraft-Geschwindigkeit einen Sturzflug auSzusühren. Es gelang ihm ztvar, sicher z» landen, aber kurz darnach fiel er in Ohnmacht, er befindet sich noch heute in einem Nervcnsanatorium, unheilbar geisteskrank). Der Druck aus Lunge und Magen ist nicht weniaer stark, und manche Vcrsuchspilotcn bemühen sich während des Sturzes mit letzter Kraft ganz laut zu schreien. Dieses Schreien erzeugt einen Gegendruck und ist ein gutes Hilfsmittel, um die Bauchmuskeln vor dem Zerspringen zu be- Ivahren. Der wagemutigste unter den fünf amerikanischen Versuchsfliegern ist zur Zeit LeeGehl- b a ch. Er liebt seine» Beruf und hat jüngstens in einem Interview erklärt:„Es ist besser, daß beim VcrsuchSslng das Flugzeug und der Pilot kaputt gehen, als daß Hunderte von falsch konstruierten Apparaten in den Verkehr gebracht werden, die dann den Tod voii Hunderten von Menschen verursachen." Vor kurzem absolvierte er sein kühnstes Unternehmen. Einer feiner Kollegen und persönliche» Freunde, der Versuchsflieger Jimmy CollinS, war mit einer neuen Maschine der Grumman-Gesellschast bei einem VersuchSslug abgestürzt. Die Grumman-Gesellschast behauptete, daß die Maschine fehlerlos gewesen sei, aber viele Experten versicherten, daß ein'schwerer Konstruktionsfehler Vorgelegen habe. Gchlbach erklärte»sich bereit, noch einmal eine der neuen Grununan- Masckünen auSzuprobicren, unabhängig dnvon/ob sie einen Konstruktionsfehler hätte oder nicht. Hunderte von auSerwähltcn Zuschauern, Ingenieure, Techniker, Pilote», Vertreter der Behörden, sahen dem gefährliche» Experiment Gchl- . bachs zu. Der Pilot stieg 6000 Meter hoch ünd begann dann mit den, Stnrzflug. Es wqr» vorher verabredet, daß Gchlbach den Motor in 700 Meter Höhe wieder abdrossele, um im Glcitflng zu landen. Aber die Zuschauer, mit Ferngläsern bewaffnet, sähen und hörte», zu Ihrem Schrecken, daß der Apparat viel tiefer stürzte als verabredet war, und daß auch.das Surren des Motors nicht aüfhürte. 700 Meter, 600, 500— es waren nur Bruchteile von. Sekunden— aber den. Zuschauern blieb das Herz stehen. Bei 400 Metern sprang Gehlbach aus den» Apparat, es war Heller Wahn- Was ist Nationalökonomie? Manche kluge Leute glauben Grund zu haben, dcn wissenschaftlichen Wert der Nationalökonomie bestreiten zu dürfen. Sie sind der Meinung, Nationalökonomie sei die Altwendung eines Jargons, der zu diesem Zweck erfunden wurde. Nun aber wird»man eines Besseren belehrt, und zwar durch Prof.»O t h m a r Spann. Der Herr Professor ist nicht nur Ordinärius an der Wiener Universität, sondern auch, und vor allem, Monopolliefcrant nationalökonoinischcr Universitätsprosessorcn an das Dritte Reich. Er erzeugt sic sozusagen am laufenden Couleur- band. Eine künftige Kulturgeschichte wird die weitreichende Wirkung des Dr. Spann zwar ebensowenig verstehen wie unsereiner; objektiv wird sic aber feststellen inüssen: Das deutsche Wesen, ay dem die Welt erkrankte, war ein in Brünn geborener, in Wien dozierender und auch sonst recht' durchschnittlicher UnivcrsitätSProfcssor. Immerhin gelang ihm,,in einer seiner letzten Publikationen, eine bedeutungsvolle Entdeckung: „Die Nachgeordneten und namentlich die ausführenden Arbeiter eigenen sich mn so mehr schöpferische Leistungen unbezahlt(der deutscher fühlende als schreibende Gelehrte nieint„unverdient"; i. in.) an, je tiefer sic in der Stufenleiter stehen. Die Ausbeutung der schöpferischen Lci- stnngcn, namentlich des Organisators des ursprünglichen Kapitals höherer Ordnung und höherer Stufe, ferner auch des Erfinders, ist daher die Folge." Seitdem das unartige Gesellschaftsspiel „Nationalökonomie" von ausgeruhten Köpfen betrieben wird, ist eine so überzeugende Ehrenrettung dieser Wissenschaftiioch nicht' gegluckt: Endlich stellt sich heraus, daß es sich dabei nicht um„die Anwendung eines Jargons, der zu diesem Zweck erfunden wurde" handelt, sondern um seriöse Propagandatätigkeit und Interessen- schütz für„das Kapital höherer»Ordnung". Sogar die„Amtliche Wiener Zeitung", die dem Bolschewismus wahrhaftig fernsteht, hat das bc- griffen und, ohne jedes Mitleid für die von dcn Arbeitern ausgcbcutetcn Kapitalisten, geradezu festgcstellt, „daß sich dcn Gipfelpunkt solcher pscudo-wiffen- schaftlicher Ableitungen t m D i e n st e eines bestimmten Unternehmertums, das diese Dienste übrigens zu.bezahle» pflegt, Othmar Spann, Professor an der Wiener Universität, leistet." Er läßt aber auch anderen etwas zukommen »nid hat also, wie erwähnt, mehrere Generationen von Adepten seiner Wissenschaft geworfen. Die haben sich auf den Lehrstühlen aller deutschsprachigen Universitäten niedergelassene und sie sprechen dort manchmal noch direkter als ihr Er- zcugcr. So verkündet Herr Dr. Westphalen, sinn,» aber der» Fallschirm öffnete sich 80. Meter 'über dem Erdboden, 50 Meter von der Stelle entfernt, wo der Apparat ein paar Sekunden vorher auf den Boden geknallt war und sich viele Meter tief» in die Erde eingegraben hatte. Es»war das tollste Stück, das sich jemals ein Pilot wohl geleistet hat. Es stellte sich nachher heraus, daß der Motor tatsächlich einen schweren Konstruktionsfehler hatte, da die Hebel bei großem Luftwiderstand nicht ordnungSgeinäß funktionierten. Gchlbach war jedenfalls nicht ünstande, dcn Motor rechtzeitig abzudrossclni Dozent an der Wiener Universität und Lektor an der Wiener Hochschule für Bodenkultur, in einer „wissenschaftlichen"' Studie: „Die Verteilung des gesellschaftlichen. Ertrages muß nach den wirtschaftlichen Erfordernissen der Gesellschaft erfolgen und nicht nach dcir .Bedürfnissen des einzelnen oder nach dem wirtschaftlichen Wert der Leistung des einzelnen oder nach anderen, innerlich unmöglichen Axiomen sozialer Gerechtigkeit." Und Herr Professor H e r 0 e g e n, einer von Spanns rcichsdcutschcn Platzvertrctcrn, findet „diese Theorie deshalb stir so wertvoll, well sie die Notwendigkeit der heutigen, ver- . hältniSinäßig ho h.e n Unternehmer- a»teile und hoher Bankzinsen bec niedrigen Arbeitslöhnen erklärt und rechtfertigt." Und darin bestehen nun schon einmal Wert, Sinn und Aufgabe der„akademischen" Nationalökonomie:„hohe Untcrnchmcranteile und hohe Bankzinsen bei niedrigen Arbeiterlöhnen zu er- klären und zu rechtfertigen". Dort, wo man das am laistesten und ganz offiziell besorgt, herrscht „Nationalsozialismus". Woniit die sprachliche Herkunft dieses so wirkungsvollen Firmentitels wohl endgültig abgeleitet wäre. i. in. General AlkSniS In Prag. Der Kommandant des sotvjctrnssischen Flugwesens, Armccgencral Jakub Jvanovii Allsnis ist mit seiner Begleitung Mittwoch aus einem großen viermotorigen Flugzeug, in Prag eingetrosfen. Das Flugzeug landete in Kbely um 14.19 Uhr. Prager Herbstmesse vom 4. bis 13. September. Die kommende Prager Herbstmesse wird dicS- mal vom 4. bis 18. September stattfindcn, wobei der bei den letzen Messen eingeführtc frühere Beginn für dcn Meffepalast beibehaltcn wurde. Die übrigen Abteilungen eröffnen wieder Sonntag, d. ». am 6. September.. Jugoslawisches Flugzeug abgestürzt. Das Bcrkehrsftugzeug..L a.i b ach—, BcIgrad stürzte Mittwoch früh kurz nach dem Start in Laibach ab. Sämtliche sieben Insassen des Flug- zcuges, fünf Passagiere, der Pilot und der Funker, waren tot. Das Unglück ist darauf zurück- zusühren, daß das Flugzeug infolge des starken Nebels und hügeligen Geländes der Umgebung von Laibach gegen einen Hügel anstieß. Von den Reisenden des abgestürzicn Flugzeuges sind drei aus Jugoslawien, zwei staminei» aus Berlin. Die anhaltende Hitze, die seit Tagen über den. Vereinigten Staaten ruht, hat die Zahl der Toten auf 2800 anftcigen lassen. Die durchschnittliche Temperatur liegt um 88 Grad Celsius. Die Bevölkerung leidet unsagbar unter der Treibhauswärmo und die Erkrankungen nnd Todesfälle nehmen fast stündlich zu.' In Michigan..starben in den letzten Tagen.466. Personen, in Visconsin 284. Nach Angaben der CHIkagoer Wetterwarte.sind stir Mittwoch in den von der Hitzewelle betroffenen/Gebieten Rege»fälle zu er- warten. Nach einem/Bcricht der Associated Preß Ivcrden die Erntcschäoen nach sehr sorgfältiger Berechnung auf über eine Milliarde Dollar geschätzt. Der 14. Juli In Tanz vor der Börse. Ein Bild aus Paris, das ebensi Pari». wie gynz Franfreich seiiien.Nationalfeiertag, den 14. Äili, beging Hitlers geriebenster Handlanger Anläßlich eines GodenkgottcSdicnstcS stir die verstorbene Gattin des Bundeskanzlers Schuschnigg begrüßt P a p e n vor der Dominikanerkirche in Wien dcn neuen Minister des österreichischen Kabinetts, G l a i s e-H o r st e»au Ei» grosser Brand, der Dienstag nachmittags hie bulgarisch-mazedonische Stadt Bansko heimsuchte und bis.in die späten Nachtstunden an- dauertis, hat sechs Tote gefordert, darunter drei Kinder und zwei Frauen. Da noch einige Kinder vermißt werden, nimmt man an, daß sich die Zahl der Todesopfer noch erhöhen wird. Insgesamt sind 188 Häuser, sowie zahlreiche Holzschuppen nnd Hütten eingeäschcrt worden. Neber 790 Personen sind obdachlos. Noch während der Nacht wurde aus Anordnung der Negierung ein Hilfszng nach Bansko entsandt,»in für die Obdachlosen Unterkunft zu schaffen. Der Sachschaden wird auf 15 Millionen Lewa geschätzt.— Das Dorf Goktschcdag.bei Balikesir in Westana- tolle n sicht seit zwei Tagen in Flammen. Bisher sind 200 Häuser verbrannt. Mehrere Personen wurden verwundet und mehrere hundert Stück Vieh sind umgckommen. Der Wassermangel erschwert stark die Löscharbeiten. Militär ist zwecks Hilfeleistung eingesetzt. BerfäfsungSfeicr mit Jazzmusik/ Die '„I sw e st i j a" klagen bitter, daß die Diskussionen über die neue Verfassung offenbar nicht genügend Anziehungskraft besitzen und daß man aus recht merkwürdige Methoden verfällt, uin das Interesse an diisen Veranstaltungen z»» steigern. Das Blatt zitiert einen Vorfall aus der Stadt Samara, Ivo folgendes BersammlungSprogramm durch Anschlag bekanntgegcben wurde: 1. Die große Konstitution, Vortrag von Dolinko. 2. Konzert unter Teilnahme der bekanntesten Künstler. 3. Tanz und Spiele.— Jazzorchester»— kaltes Büfett." Russischer Gelehrter gestorben. Mittwoch nachts ist der Präsident der sowjetrussischen Akademie der Wissenschaften Professor Alexander Karpinski im Alter von,90 Jahren a» Herzschwäche gestorben.(Elf gehörte der Akademie 59 Jahre lang an und war bereits vor der Revolution ihr Präsident. Eine neue Eisenbahnstreck» in» Jugostawien. Dieser Tage, wurde in feierlicher Weise die neue 89 Kilometer, lange, wirtschaftlich und strategisch piich- tige Bahnstrecke Kosove Pole—Pei dem Verkehr übergeben. Die Strecke wurde mit einem Aufwand von 170 Millionen Dinar erbaut. ES wird wärmer. Bei auffrischendein Südwestwind hat cs sich überall erwärmt. In den böhmischen Ländern haben die Niederschläge nunmehr aufgchört. Im Karpathengebiet ist cs halbheiter. Wahrscheinliches Wetter hcnte: Veränderlich, strichweise Schauer, mäßig warm, im Westen des Staates nach vorübergehender Erwärmung neuerlich kühler, frischer Westwind.— Wetteranssichten für Freitag: Albnähliche Beruhigung der Wetterlage, im allgemeinen jedoch noch unbeständig, bei WcsNvind nur niiißig warn». . Vorn Rundfunk IwhtiliniOTilfi aus«ckam ProaraaisMai Freitag ' Prag: Tender L.: 10.05 Deutsche Presse. 10.10 Musikeinlage. 14.00 Smetana: Geigenquartett. 18.05 Deutsche Sendung: Funkhörkasten. 18,10 Stimmen der Heimat: Dr. Schneider: Das Riesengebirge und»sein Vorland. 18.25 Urzidil: Unbekannter Böhmerwald. 18.85 Arbeiterfunk: Aktuelle zehn Minuten. ,18.45, Deutsche Presse. 19.55 Orchesterkonzert der Tschechischen Philharmonie: Dvorak- Kompositionen. 22.20 Liederkonzert.— Sender St.: 7.80 Salonorchesterkonzert/ 14.30 Schallplattenkonzert. 15.15: Deutsche Sendung:,Hartwig!. Spul bei »Mayer, ,heiteres Hörspiel. 15.45 Schallplatte»,»—■ Brünn: ,17.05 Böccyccio-Bänd. 17,40 Deutsche,Sest- dupg:»Dr. Kreisler:. Präg ist der modernen Literatur/ 18:20. Auh» Liedern» von Richard Strauß.» 21110" Bunte Stunde.— Pressbnrg: 12.05 MjttägSkonzert. 22.80 Tanznyisif.-r-,Mähr.-Ostrnur. 18.10 Deutsche» Sendung, Dr. Nassau: Ehensssche Experimente; Klavierkonzert, Nr. 184 Donnerstag, 16. Juli 1936 Sri«« 5 üusiaml kür die Befreiung der Hitler-Opfer Dir Prager„Union für Recht und Freiheit" veranstaltete am Dienstag eine Pressekonferenz über die in Brüssel abgehaltene Europäische Amnestie-Konferenz, an der als tschechoslowakischer Delegierter der Brünner Bürgermeister» Stellvertreter Genosse Dr. Bohumil Eiter teilgenommen hat. Genosse Dr. Eier zitierte die Worte, mit denen Romain Rolland die Brüsseler Konferenz begrüßt hat:„In Hitlers Händen ist der Friede wie in einem. Kerker.: Befreien wir ihnl" An dieser Ueberzeugung, daß der Kamp» für die Opfer des Hitler-Terrors ein Kampf für den-Frieden ist, sei in"Brüssel- die(auch von Thomas Mann begrüßte) Forderung auf Amne- stierung der politischen Gefangenen im Dritten Reich erhoben und eine internationale"Aktion zur Verstärkung dieser Forderung"eingeleitet worden.. Genosse Dr. ELer wies noch einmal auf die jeder menschliche» Rechtsauffassung hohnsprechenden Grundsätze der Hitler-Justiz hin, besonders"auf die Worte Görings:„Ich habe nicht Gerechtigkeit zu üben, sondern zu vernichten" und auf den Grundsatz„DaS Recht und der Wille des Führers sind eins". Er wies weiter auf die unmenschliche Härte des deutschen Strafvollzuges im Dritten Reich hin, der schon bei der Bernehniling beginnt und nach Abbüßung der vom Gericht verhängten Strafe meist im Konzentrationslager fortgesetzt wird. Die Folterungen und Mißhandlungen, die an den politischen Gefangenen begangen werden, ließen sich durch kein Dementi aus der Welt schassen, denn es gebe zu viele Zeugen dafür, und einer davon sei Hitler selbst der zur Rechtfertigung der Morde am 8V. Juni 1984 von„schändlichen Mißhandlungen an Schutzhäftlingen" gesprochen habe. Das Ausmaß des Terrors wird erkennbar aus den Zahlen, die Dr. ELer"anführte: in Konzentrationslagern befinden sich gegenwärtig 40.600 Häftlinge, seit Hitlers Machtergreifung sind 220.000 politische Verurteilungen und etwa eine Million Verhaftungen erfolgt. Ueber 10.000 politische Gegner find ermordet oder in den Selbstmord getrieben worden. Daß unwr den Gefolterten und Ermordeten auch Frauen und Kinder find, daß die Geiselhaft zum Rechtsbrauch im Dritten Reich geworden ist und daß in die deutsche Strafprozeßordnung der bezeichnende Paragraph ausgenommen wurde:„BeweiSanträge zugunsten des Angeklagten können abgelehnt werden", vervollständigt das Bild von dem terroristischen Charakter der Justiz..im Dritten Reich, die, wie Genosse Dr. ELer darlegte, das Ziel habe, die Gegner deS Er-. eberungskriegeS auszurotten, den Hitler schon in dem Buche„Mein Kampf" vorgezeichnet habe. So wenig man von Hitler Gnade oder Gerechtigkeit erwarten könne, so sehr müsse man von den europäischen Politikern verlangen, daß sie ihre, Aufmerksamkeit dem Terror im Dritten Reiche zu- wenden. Es gehe nicht an, den Grundsatz der Nichteinmischung auf Staaten anzuwenden, in denen Menschenrecht und Zivilisation mißachtet und vernichtet werden. Und die Illusion, den italienischen oder deutschen Faschismus als konstrul- tives Element der europäischen Politik verwenden zu können, sei durch die Ereignisse der letzten Zeit la ohnehin endgültig zerstört. Es sei ein gutes Zeichen für die erwachende Erkenntnis daß sich an der Brüsseler Konferenz auch zwei amtierende französische Minister(Vincent Auriol und Pierre Cot) beteiligt haben. Nach der Verlesung von Zustimmungserklärungen Professor Oskar Kokoschkas und Dr. Hubert RipkaS, sprach JUDr. Konrad EiSner Über das Hamburger Todesurteil gegen Etkar Andri, dessen Begründung er als unhaltbar und in wesentlichen Punkten als tatsachenwidrig kritisierte. Er teilte mit," daß acht Prager Advokaten an Andris Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Griesebach. 'Ne Aufforderung gerichtet haben, Revision ein» zuleg/n..'"-'L Dritte intprnatiostale Konferenz für soziale Arbeit in London. Die Konferenz findet vom 12. bis« 18. Juli unter Beteiligung von Vertretern' der Regierungen und sozialen Institutionen aus der'ganzen Welt statt. AuS der Tschechoslowakei sind" 86 Delegierte gemeldet, darunter unsere hervorragendsten Funktionäre auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge, so u. a. Dr. Alice Masarykovck, Dr". P. Zenkl, Dr, A. Sum, Dr. F. Smakal, Prof." Dr." I. Kozäk, Prof. Dr.. H. Pelc," Dr. Gru s ch k a aus Aussig, Dr: Z. Kubiäta, Prof. Dr. Weiß," R. Pelantovä, B. Krupiikovä, Dr. Sulc, Remeyovfkä, Dr. I. Krake», Dr. Noväk, Dr. Prokett, Dr. Bieskh, welche^ die Tschechoslowakei auf sozialem und hygienischem Gebiet unter den Fachleuten der übrigen Nationen" vertreten. Forderungen der Araber Nordafrika».(AP.) Die Forderungen der Syrier.habe», auch die arabi- fchen Organisationen von Algier und Tunis auf den, Plein gerufen) die nunmehr der'französischen volk»- srontrcgierung ihre Wünsche präsentieren. Sie verlang«»' u. a. eine.,Amnestie ftix alle politischen Gefangenen, unabhängig von Nationalität, politischer Ueberzeugung und religiösem Glaubensbekenntnis, demokratische'Freiheiten, d. h. Pressefreiheit, allgemeine». Wahlrecht, lokale Selbstverwaltungsorgane, Organisation-rechte für Gewerkschaften, Vereine, Flug über den Wolken Eine schöne Aufnahme von dem Manöver der amerikanischen Luftflotte über Longebeach. Parteien und kulturell« Verband«, Gleichberechtigung mit den französischen Einwohnern in politischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht, schließlich die Abberufung des Oberkommissars Peyrouton von Tunis(er verbot die nationale Deftur-Partei und verbannte ihre Führer in die Wüste Sahara) sowie der Oberkommissar» Lebon von Algier, der die arabische Freiheitsbewegung bekämpft«, dagegen di« militärischen Paraden de la Rocques duldete und den Unterricht in der arabischen Muttersprache beschränkte. Insbesondere fordern die Araber Algiers die Abschaffung de» nach dem Kabylenausstand von 1874 erlassenen Eingeborenengesetze» und des 1986 erlassenen Regnier-Dekrets, Unterrichtsfreiheit in der arabische» Sprache, Nichteinmischung in die religiösen Angelegenheiten der Mohammedaner, Einstellung der Beschlagnahme von Ländereien der Fellachen, gleichen Militärdienst und gleiche Löhne für Araber und Franzosen. Die Araber von Tunis verlangen außerdem die Revision des Vertrages von 1882 zugunsten de» tunesischen Volkes, die Reform de» Obersten Rats, Aufhebung de» Verbot» der Deftur-Partei und Aufhebung des Dekrets über die obligatorische Kenntnis des Französischen für arabische Beamte. Die Ernährung Großbritanniens im Kriege war sbeb'en Gegenständ einer Debätt« im Oberhaus."Lordkanzler Hailsham, bis"vor kurzem Kriegsminister, antwortete auf die entsprechenden Fragen, der normale Vorrat von einer Million Tonnen Weizen und Mehl in den Speichern der Lande» reiche unter normalen Verhältnissen drei Monate. Es ließe sich wohl ermöglichen, Vorräte für ein Jahr zu haben, aver England müsse stet» die Herrschaft über die See und in der Luft haben, welche selbst in einem Kriege höchstens auf kurze Zeit gefährdet werden könnten, und dann werde e» nach wie vor billige Lebensmitte.' au» dem Empire und vom Ausland beziehen können, während eingelagerte Waren immer teurer werden würden. Nötig fei aber die Aufstapelung genügender Oelvorräte. Da» Reichsverteidigungikomitee studiere eingehend die Probleme der Sicherheit der Häfen, der Unverwundbarkeit der Kornspeicheranlagen gegen GaS sowie andere Krieg-Probleme, über di« nichts gesagt werden könne. In der Debatte stellte ber Arbeiterlord Strabolgi fest, daß die immerzu von Verteidigung redende unb ungeheuer aufrüstende Tory-Regierung noch immer nicht dem Land volle Sicherheit verbürgen könne. Gegen Preiswucher im Kriege verwies Strabolgi auf die neuen französischen Gesetze auf Verstaatlichung der Rü- swngSindustrie und de» Ernährungswesens im Kriegsfälle. Und da Hailsham Förderung der inländischen Produktion von Nahrungsmitteln zugesagt hatte, hielt Strabolgi ihm entgegen, wie die„nationale" Negierung durch Entziehung von Beihilfen und Nichtherabsehung der Pachtzinse die britische Kleinlandwirtschast selbst ruiniere.(bn) Nazifillal« Bukarest. Ein Sonderkorrespondent de»„Daily Herald" berichtet, jetzt durch Augenschein seine früheren Meldungen über die Taten der notorisch von Deutschland finanzierten rumänischen Nazi erhalten zu haben: Vor einer Bukarester Polizeiwache wurde eine hochschwangere jüdische Frau von Nazi- angehalten. Die Polizisten sahen untätig zu, als die Wegelagerer von ber Frau Legitimationspapiere verlangten und sie fragten, ob sie im Begriffe fei, die Zahl der Jude»! oder den Nationalreichtum zu vermehren! Erst ein vorüberkommender Armeeoffizier rettete die Frau vor weiterer Gleichschaltung. Aus dem sozialdemokratischen Haupiquatier in Bukarest verschleppten Nazi durch lleberfall mehrere Genossen. Der Berichterstatter erklärt, Photographien unbeschreiblich gefolterter Opfer aus dem„Blauen Hause" in der Hauptstadt erhalten zu haben, darunter des Kellners Tanase FilipeScu, dem die Strolche die Haare abgeschoren und ein Hakenkreuz in die Kopfhaut eingebrannt haben. Gegen die Untätigkeit der Behörden gegenüber diesen Vorgängen hat Maniu, der Führer der Bauernpartei, öffentlich den König zum Einschreiten aufgefordert,(bn). Wo stationiert die (MTP) Die jüngsten Vorgänge im Mittel-! meer zeigen, wie wichtig, ja ausschlaggebend die Verteilung der Seestreitkräste gerade in der augenblicklichen Zeit ist. Von jeher braucht England, um seine Kolonien, Dominions und andere Interessengebiete zu schützen, ein dichtes Netz von Stützpunkten. Dieses Itetz ist sehr sorgsam gespannt. Zur Zeit besitzt England z.wei große Flott e n: zunächst die Home Fleet für die Nordsee»und den gesamten Atlantischen Ozean; zweitens die Mediterranean Fleet, die heute zahlenmäßig stärker ist als die Home Fleet. Ferner aber besitzt England zwölf weitere große Floitenbasen in O st i n d i e n, A f.r i la, China- Malaka, W«st indi en und Neuseeland. Schließlich haben Australien' und Kanada, die" Hauptdöminions des britischen. Imperiums, ihre.eigenen Flotten, die im Kriegsfälle" unter dem Kommando der britischen Admi- ralität stehest: Das. Berteilungssystem ist. äußerst raffiniert: ausgearbeitet... Es existiert kaum ein wichtiger. Hafenplatz Huf, der Welt, der, nicht.zugleich briii- i scher Flötteystuhpunkt ist.. DaS" Netz reicht von; Portsmouth.über die Bermuda-Insel» bis nach" "dem Kap der Gptest Hoffnung, und von Gibraltar über, Malta, Aden, Ceylon, Singapore bis' Hongkong.' Stützpunkte sind genug., vorhanden, aber" reicht dje Flotte aus, uln all» diese Stützpunkte, bei einem neuen Weltbrande, verteidigen zu können? Um dieser Frage willen brennen die Lichter, In den^Zinnyern der.britischen.Admiralität auch nachts,-nm.djeser.Frage willen gibt es Budget-." kämpfe und immer, neue Forderungen der ßldmt« ralität und des Comitis, um dieser Frage willem schwankt die englische ReglerungSPolltik von einem Extrem in» andere, um dieser Frage willen kam. britische Flotte? I es in Montreux zu hitzigen Debatten. Es ist die | Kardinalsrage der englischen Weltpolitik. Aber die Frage ist bereits gelöst. Die englische S e e a u f r ü st u n g, Hand in Hand mit der Lustausrüstung, ist eine Tatsache, und es bedurfte nicht erst der furchtbaren Explosion im Seekriegshafen Woolwich, um der Oefsentlichkeit zu beweisen, wie fieberhaft die Experten und Chemiker an der Erfindung neuer Explosivstoffe nunmehr" auch in. England arbeiten. Das vorläufige britische Aufrüstungsprogramm läuft bis 1089. Es zeigt sich aber jetzt", schon, däß dieser Termin, den man sich ursprünglich gesetzt hatte, erheblich unterschritten werden wird. Man will schon 1987 so weit sein,.daß man für alle Eventualitäten gerüstet, ist. Das Programm für 1986 sieht den Bau bön zwei neuen Kreuzern vor,« außerdem acht «Torpedobooten, vier Unterseebooten, einem Flugzeugmutterschiff und einigen Hilfseinheiten. Die Gesamtsumme der Ausgaben für dieses Jahr be- trägt rund 80. Millionen Pfund. '', Das scheint, aufden ersten Blick nicht übermäßig viel," vor(allem, wenn- man. in Rechnung 'stellt- daß Großbritannien, seit Ende des Welt- 'kridgeS seine.Flottenmacht in einer geradezu undopstellbaren Weise vermindert.hat.■ Bei Kriegsende betrug die Zahl der großen Kriegsschiff« über .60;"1986 waren es nur noch' knapp 20. 1918 «besah England 108 Kreuzer, 62?.Zerstörer-und «187 U-Boote. 1986 gab eS nur. 56 Kreuzer,'180 !Ae"rstärer' und 60 Unterseeboote-.. Das war ein "Mostltiger Abbau ustd.. ein ungeheurer. Beitrag Großbritanniens-zur... jahrelang geforderten Weltabrüstung.. Viele sonderbare Schwankungen " mlder" englischen Politik dep letzten"Zeit erklären ) sich, wie man sieht,.-aus,der Tatsache, daß die ,/stärkste Flotte der Welt" in so bemerkenswertem Maße, abgerüsteti ist. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die Wirtschaftskrise gut überstanden I „Die Konsumgenossenschaft" macht darauf aufmerksam, wie gut die Nahrungsinittelindnstrie beziehungsweise deren Besitzer die Krise überstanden haben. Das zeigt sich an den Dividenden, die in dieser Branche zur Ausschüttung gelangten. Als Beispiel dafür sei aus dein Artikel des genannten Blattes auf die Zuckeriudustrie hingewiesen. Das Aktienkapital der Dividende auS- schüttendvn Zuckerfabriken erhöhte sich von 302 Millionen Kronen im Jahre 1030 auf 340 Millionen Kronen im Jahre 1034; die Zahl der Gesellschaften nur von 24 auf 26. Diese beträchtliche Erhöhung des Kapitals— um mehr als 40 Prozent— erfolgte nicht durch Neuausgabe von Aktien und Neueinzahlnng von Kapital, sondern durch die Ausstempelung der alten Aktien. Ihr Nennwert wurde einfach durch Aufdruck erhöht; riicht selten um die Hälfte, in einzelnen Fällen wurde er sogar verdoppelt. Die in die Millionen gehenden Beträge wurden den aus der Arbeit her- ausgewirtschasteten Gewinnen entnommen, die vorsorglich in verschiedenen Fonds zurückgelegr worden waren. Die Gesamtsumme der an die Aktionäre der Zuckerfabriken gezahlten Dividenvo betrug 1980 27 Millionen Kronen, 1031 13.6, 1932 18.5, 1983 18.8, 1984 26.8 Millionen Kronen. Es war demnach im Jahre 1081 die Gesamtsumme der ausgezahlten Dividende am niedrigsten. Obwohl In den Jahren nach 1031 der Zuckerverbrauch im Inland und die Zuckerausfuhr weiter zurückgegange» ist, obwohl auch die Zuckerproduktion noch fortgesetzte Einschränkungen erfahren hat, haben sich die Gewinne der Zuckerfabriken doch wieder gesteigert. Außer durch di« Aktiennufstempelung haben die Zuckeraktionäre auch ans Sonderaiiöfchüttun- geu erhöhte Gewinne gehabt. Sinkende Weltvorräte an Getreide Die Weltwirtschaftskrise, deren Druck sich jetzt in den meisten Ländern mehr und mehr zu mildern beginnt, trat deslvegen so heftig in Erscheinung, weil sie Industrie- und Agrarländer in gleicher Weise erfaßte. Die Agrarländer waren ebenso wenig imstande, ihre Erzeugnisse abzusehen, wie die Industriestaaten. Es tvar ein besonderes Kennzeichen der Krise, daß die Vorräte an Getreide und agrarischen Rohstoffen sich überall häuften und vorher nicht gekannte Rekordhöhen erreichten. . In dieser Entwicklung ist eine Wendling zu verzeichnen.Die Vorräte nehmen; wenn auch nicht gleichmäßig, so doch gegenüber den Vorjahren mehr und mehr ab. Nach„Wirtschaft und Statistik", dem vom Deutschen NeichSamt für Statistik heranSgegebenen Organ, betrugen die Weltvorräte jeweils Ende März der letzten drei Jahre: 1984 1935 1936 in! Millionen Tonnen Weizen 16.2 14.2 11.9 Roggen 1.6 2.0 1.4 Gerste 1.0 0.8 0.7 Hafer 1.0 0.6 0.9 Mais 2.5 1.4 1.4 Die Vorräte an Zucker sind von 8.960. Tonnen im April 1934 auf 7,060.000 im April 1986 zurückgegangen. Diese fortschreitende Verringerung der Weltvorräte an Getreide und au Zucker bedeutet eine beträchtliche Erleichterung a>l den Warenmärkten. Sie verbessert die Position der Agrarländer in der Welttvirtschaft und eröffnet günstige Aussichten für ihre weitere Ent- wicklung. Bdmbcli-geraunlsolie Liebelei 1936 Seite S Donnerstag, IS. Juli 1930 Nr. 164 Der Union Jack mH dem Hakenkreuz? Von Hugh Jones(London) Im Gedränge der Oxford Street, wenn sich der Strom der Londoner aus Geschäften und Warenhäusern heimwärts ergießt, sieht man seit kurzem eine junge Frau stehen, die kleine Union- Jack-Fähnchen mit Hakcnkreuzchen in allen vier Ecken feilbictet, und dazu Broschüren»Der Jude regiert die Welt",.„Unsere verjudcte Aristokratie", „Der jüdische Bolschewismus" und so fort. Man ist in den Londoner Straßen an allerhand exotische Erscheinungen gewöhnt,, indische Astrologen mit Turban und langen Bärten stehen stumm da und tvarten geduldig auf Kunden, in einer Sackgasse produzieren sich Eutfesselungs- künstler, in fließenden Seidengctvändern schiebt sich ein asiatischer Grande durch das Gewühl«. Niemand dreht sich um, ohne Stauung fließt der Mcuschcustrom weiter. Auch die Frau mit den ha- kenkrcuzverzicrte» Union Jacks findet nicht mehr Beachtung. Dennoch ist ihr Auftauchcn in mancher Hinsicht symptomatisch. An jener berühmten Ecke des Hydcparks, wo die»Corner-Redner", auf ihren Seifcnkisten stehend, aus Leibeskräften für Himmel und Hülle Propaganda machen, trifft man ihre Helfer. Hier hat zivischcn dem leidenschaftlichen Neger, der religiöse Hytnnen singt, um die Gottlosen zu bekehren, dem grauhaarigen Alten, der seit einem Menschenalter vergeblich für ein grauhaariges Stenographie-System wirbt, dem feurigen Anarchisten, der ebenso lange und" mit ebenso wenig Erfolg an den Grundfesten des. Britischen Weltreichs rüttelt, neuerdings ein Hakenkreuz-Mann seinen Stand. Der Kreis um ihn ist keincSivegS größer als die benachbarten Kreise und die Stimmgewalt, mit der er gegen die Juden wettert, produziert nicht weniger lustige Zwischenrufe und nicht weniger verwundertes Kopfschüt- teln als der Fanatismus des Gesundbeters daneben und dcS vegetarischen Apostels gegenüber. Aber seit einiger Zeit findet man immer häufiger kleine Nachrichten von kleinen antisemitischen Zwischenfällen in den Zeitungen. Sie ereignen sich gewöhnlich in den östlichen Bezirken Londons, jüdische Händler werden belästigt, antisemitische Flugblätter verteilt, Drohbriefe ausgesendet. Meist folgt gleich ein Nachspiel vor dem Polizeigericht. Dieser Tage Ivar ein junger Mann beschuldigt, Klebezettel mit der traulichen Aufschrift „Juda verrecke" an Häusecwäuden angebracht zu haben. Der Mann,«in Ex-Boxer, der jetzt bei den Faschisten als Instruktor beschäftigt ist, entschuldigte sich damit, daß er nicht lesen und schreiben könne und die Zettel, ohne ihren Inhalt zu kennen, vom Boden aufgelesen habe. Der Richter nahm d?n Fall nicht tragisch; er bbtutteilie den ahnungSlösen Jüngling zu einer kleinen Geldstrafe und sprach dann z» ihm väterlich:„Wenn Sie meinen Rat annehmen, so geben Sie diese Sachen auf. Die Juden haben das gleiche Recht hier zu leben und ein gesetzliches Gewerbe auszuübcn wie Sie und we- dcr Sie noch sonst wer hat das Recht, sie zu belästigen." Die antisemitischen Zwischenfälle werden von den Gerichten wie von der öffentlichen Meinung als Unfug angesehen und verurteilt— nicht mehr. Immerhin hat sich vor nicht langer Zeit der Innenminister veranlaßt gesehen, in: Parlament strenge Maßregeln für den Fall an- znkündigen, daß dieser Unfug um sich greift. Eine antisemitische Bcivegung hat es in England eigentlich nie gegeben. Außer im Londoner Eastend wohnen nirgends im ganzen Lande Juden in größerer Zahl beisammen. Die Eastend- Juden sind zum größten Teil gegen Ende des vorigen Jahrhunderts auf der Flucht vor den Pogromen der Zarenzeit eingewandert. Da’ sie nicht nur religiös, sondern auch sprachlich und kulturell ein völlig fremdes Element bildeten, gerieten sie begreiflicherweise in starken Gegensatz zu ihrer Umgebung. Sie siedelten sich in Whitechapel an und das benachbarte Dock-Arbeiterviertel Wapping blieb streng für die„Gentiles", die Nicht-Juden, reserviert.„No jews allowed to Wapping"(Kein Jude darf.nach Wapping), war eines der ungeschriebenen Gesetze des Eastcnds um die Jahrhundertwende. Aber der Rassengegensatz war hier kein Klassengegensatz, Juden und Gentiles kamen bald in den Betrieben und Gewerkschaften zusammen und in der Nachkriegszeit, in der in so vielen kontinentalen Ländern der Antisemitismus so üppig gedieh, schwanden auch im Londoner Eastend die geringen Spuren eines englischen Antisemitismus. Auf dem anderen Ende der sozialen Stufenleiter, in der aristokratischen Gesellschaft von Mayfair und in den Klubs von St. James, mag cs wohl gefühlsmäßig eine gewisse Reserve gegen die Juden.geben.' John Galsworthy hat in seinen „Loyaltics"(Gesellschaft) mit bewundernswerter psychologischer Treue die nuancierte Haltung dieser Kreise gegen Juden ihrer Gesellschaftsschichte porträtiert: sie nehmen sie grundsätzlich durchaus als Gleiche auf, aber uneingestanden und unbewußt widerstrebt cs ihnen doch, sie als völlig Gleiche zu behandeln; werden sie sich dieser Regungen bewußt, so schämen sie sich ihrer. Weit über diese Kreise hinaus gilt für den gebildeten Engländer Antisemitismus einfach als unfair. Politisch und sozial gibt es daher keine Schranken für die englischen Juden. Noch vor der völligen Emanzipation der Angehörigen jüdischen Glaubens Ivar ein Mann jüdischer Rasse Führer der konservativen Partei, Schatzkanzler und Premier: Disraeli, der große Gegenspieler des großen Gladstone. Und schon 1868 war der gläubige Jude Sir David Salomons Lord Mayor von London, 1886 wurde Rothschild als erster jüdischer Peer Mitglied des Hauses der Lovds, 1900 wurde Sir Herbert Samuel Kabinettsminister und der kürzlich verstorbene Lord Reading ist als Vize- könig von Indien, Außenminister und vielfacher Würdenträger des Britischen Reiches aller Ehren teilhaftig geworden, die dieses Land zu vergeben hat. Die öffentliche Meinung hat all dies als völlig selbstverständlich hingenommen. Wenn cs nun heute zum erstenmal in England zwar keine antisemitische'Bewegung, aber doch sicherlich eine organisierte antisemitische Kampagne gibt, so ist das unzweifelhaft eine Wirkung der Ereignisse, in Deutschland. Und zwar nicht nur mittelbar, indem diese Ereignisse die psychologische Voraussetzung für eine Neuaufrollung der Judensrage bilden, sondern auch in dem Sinn, daß diese Kampagne von den Kreisen, die im heutigen Deutschland den „Weltkampf gegen Alljudq" propagieren, ganz unmittelbar organisiert wird. Hier in England haben sie eine wesensverwandtc politische Organisation als Exckutivorgan gefunden: die Britische Union der Faschisten. Ihr Führer, der junge Sir Oswald Mosley, einer der reichsten Aristokraten des Landes, ein brillanter Redner und ebenso ambitionierter wie wandlungsfähiger Po- lititer, hat sich allerdings erst in der letzten Zeit zum Antisemitismus bekehrt. Er konnte das nicht gut, solange Lady Cynthia Mosley, seine Frau, lebte; ihr Vater war der Marquis Curzon, der britische Außenminister der ersten Nachkriegsjahre, und ihr Großvater mütterlicherseits Levi Zeigler Professor Sterzinger berichtet in der„Umschau" über interessante neue Versuche, die dazu beitragen sollen, den Sitz des ZeitfinneS ausfindig zu machen. Es ist lange bekannt, dätz gewiffe Jn- stkteN Wit Bsenen, Wespen, Ameisen ein sehr sicheres Zeitgefühl besitzen. Es Sklingt,leicht, sie an bestimmte Fütterungszeiten zu gewöhnen, sie zu„dresiiercn", pünktlich zur gewohnten Stunde sich am Futterplatz einzufinden. Sie zeigten sich darin weitgehend unabhängig von den Außenbedingungen wie etwa dem Sonnenstand. Nicht in der Umwelt, sondern im Organismus selbst muhte man also die Ursache für die Sicherheit und Exaktheit ihrer Zeitbestimmungen suchen. Dachte man zunächst an das Nervensystem, so erwies sich die Vermutung, über diesen Weg einen Einfluß nehmen zu können, als irrig. Der Zeitsinn sitzt vielmehr in den Lebensvorgängen des Protoplasmas, im Zell-Stoffwechsel. Durch Mittel, welche diesen in seiner Geschwindigkeit beeinflussen, läßt sich nämlich.. auch die Zeitschätzung willkürlich abändern. Als ein den Ablauf der Lebensvorgänge verzögerndes Mittel verwendete man Chinin, als ein anregendes und beschleunigendes dagegen das Hormon der Schilddrüse. Erhielten die vorher auf bestimmte Fütterungsstunden dressierten Tiere Chinin, dann kamen sie zu spät, gab man ihnen aber Schilddrüsenhormon, das den Stoffwechsel steigert, dann überschätzten sie die abgelaufene Zeit und erschienen zu früh am Futterplatz. Für weitere Versuche wurde Arsen gewählt. In größeren Mengen ein schweres Gift, wirkt Arsen in kleinsten Dosen bekanntlich anregend und aufbausördernd und wird aus diesem.Grunde vielfach als Medikament gegeben, wo es sich darum handelt, eine rasche Zunahme zu erzielen. ES ließ sich nun eine Dosis ausfindig machen, die auf die Versuchstiere weder fördernd noch schädigend wirkt. Gab man den Ameisen eine nur um weniges schwächere Dosis, dann kamen sie zu spät zur Fütterung, im umgekehrten Falle aber, wenn die Menge schon eine, wenn auch nur ganz geringfügige Schädigung hervorrief, kamen die Tiere verfrüht zum Futterplatz. Dieses Versuchsergebnis ist von besonderem Interesse, weil es neue Einblicke gewährt. Die Schädigung durch Arsen beruht beruht nämlich auf einer. Förderung der Zerfallsvörgänge im Zellstosfwechsel. Man schloß nun aus diesem Versuchsergebnis, daß speziell der Zerfallstoffwechsel von Einfluß auf die Zeitschätzung, ist. Wird dieser abbauende Stoffwechsel der Zelle durch chemische Einflüsse gehemmt; dann kommt es zu einer Unterschätzung der Zeit und die Tiere verspäten sich, bei rascherem Abbau wird die Zeit überschätzt und die Tiere kommen zu früh. Daß solche Erfahrungen'im Tierexperiment, noch dazu an so vollkommen anders organisierten Tieren,, nicht ohne weiteres aüf den Menschen anwendbar sind, ist selbstverständlich. Dennoch hat Leiter, der reiche amerikanische Finanzier... Nun aber, führt Sir Oswald seine Getreuen ohne Hemmung in den Kreuzzeug gegen die Juden. Man. muß freilich zugeben» daß dem englischen Faschismus nicht viel anderes übrig bleibt, als antisemitisch zu werden. Das Soldatenspiel und die Führer-Mystik finden wenig Widerhall Im britischen Volkscharakter. Seine außenpolitische Konzeption aber ist notgedrungen, der Ncga- tivabdruck der außenpolitischen Ambitionen seiner deutschen und italienischen Stammväter: er muß Versöhnung und Freundschaft mit jenen predigen, deren Expansions- und Hcgemoniegelüste daS Britische Weltreich bedrohen. Psychologisch wie politisch ist er daher in einer hoffnungslosen Situation, eine Winkelbewegung ohne alle Chancen, so lange nicht das Gefüge dieser alten Demokratie in den Grundfesten erschüttert wird. Ma darf es den englischen Faschisten also nicht allzu übel Nehmen, wenn sie sich anf den AnttsemitiSmuS verlegen, um doch wenigstens ein halbwegs zugkräftiges Schaustück In der Auslage zu habe». Eine organisierte antisemitische Kampagne wird mit der Zeit natürlich auch in England gewisse Wirkungen zeitigen. Warum sollte eS gerade hier nicht auch verschreckte Kleinbürger geben, denen man die Weisen von Zion einreden kann» warum nicht auch hier verärgerte Geschäftsleute, deren Konkurrenzsorgen sich antisemitisch auSbeu- tcn lassen? Aber über diese billigen Erfolge hinaus, die dem konsequent arbeitenden Antisemitismus all überall gewiß sind, sind seine Aussichten in Großbritannien nicht eben glänzend. Zu tief verwurzelt ist in diesem Land die kulturelle und religiöse Tradition des Liberalismus; zu lebendig der humanitäre Idealismus der Toleranz und der Achtung vor aller Menschenwürde; zu weit vor allem auch der Blick, der historisch die ungebrochene Geschichte eines Jahrtausends und geographisch ein über alle Kontinente erstrecktes Weltreich umfaßt, um alles aus dem Judenpunkt begreifen und kurieren zu wollen. So lange der Union Jack auf allen Weltmeeren, flattert, wird er sich nicht mit dem Hakenkreuz vermählen. Erst ein zusammengebrochenes, gedemütigteS, verstümmeltes England könnte möglicherweise das Hakenkreuzbanner auf den Ruinen seiner alten Größe aufpflanzen. man feststellen können, daß auch hier Chinin und Schilddrüsenhormon im entgegengesetzten Sinne auf die Zeitschätzung einwirken. UeberdieS gelingt es beim Menschen, was bei den Insekten nicht möglich war, auf dem Weg über das Nervensystem Einfluß auf das Zeitgefühl zu nehmen, So sind Alkohol und Tee zwei Substanzen, die in entgegengesetztem Sinne wirken. Alkohol verzögert, Tee dagegen beschleunigt einen eingeübten Rhythmus, weil im ersten Falle die«belaufene Zeit unter- im letzteren Falle überschätzt wird. Kampf dem Rheumatismus! In der Nähe von Ulm gibt es seit einigen Jahren eine große Bienenzuchtanstalt mit Raum für etwa 1260 Bienenvölker. In der Haupttrachtzeit fliegen dort etwa 60 Millionen Bienen aus und ein. Aber nicht um der Honig- und WachS- auSbeute willen werden diese Tiere gehalten, sondern lediglich zum Zwecke der Herstellung eines neuartigen Medikamentes, das der Bekämpfung von Rheuma, Ischias, Hexenschuß und Nervenentzündungen dient. ES wurden in den letzten Jahren verschiedene Verfahren zur Herstellung solcher Heilmittel auSgearbeitct. Ein deutscher Forscher sand eine Methode zur Herstellung einer Salbe zum Einreiben, ein Schweizer Gelehrter brachte ein Präparat heraus, das den Patienten eingespritzt wird. Man gewinnt das Bienengift, das übrigens in seiner Zusammensetzung dem Schlangengift verwandt ist, indem man die Bienen in ein eigens dazu präpariertes Papier stechen läßt. Das Gift kann dann dem Papier entzogen und weiter verarbeitet werden. In der Ulmer Zuchtanstalt ist eine Anzahl von Mädchen den ganzen Tag über damit beschäftigt, die Bienen an den Bienenstöcken einzelweise äbzufangen, mit einer Pinzette zu fassen und in ein solches Papier stechen zu lassen. Bei großer Uebung gelingt es einer Arbeiterin auf diese Weise im Tage das Gift von etwa 0000 Bienen zu gewinnen.' Töne, die wir nicht hören Seit einigen Jahren beginnen jene nicht hörbaren Schallwellen, die jenseits"dessen liegt», was. unser Ohr wahrzunehmen imstande' ist, wegen ihrer Merkwürdigen chemischen und physiologischen Wirkungen sehr an Interesse zu gewinnen. Wie es Licht gibt, das für uns nicht mehr wahrnehmbar ist, weil die Zahl seiner Schwingungen in der Sekunde so groß oder so klein ist,, daß unser Auge es nicht mehr empfindet, das ultraviolette und das infrarote Licht, so gibt eS auch Schall, auf den unser Ohr nicht mehr anspricht. DaS normale menschliche Ohr ist imstande, Schwingungen als Tönf zu empfinden, deren SchwinguNgszahl 16 bis etwa 20,000 in der Sekunde beträgt. Töne, deren Schwingungszahl' kleiner als 16 ist», kann man Wohl, erzeugen, Mr nicht hören. Wie von dem unsichtbaren H. A. v. Schlettow und Vera Engels In„Stenka Razin". Infrarot spricht man hier von Infraschall. Schallwellen mit mehr als 20.000 Schwingungen pro Sekunde dagegen werden, entsprechend dem nicht mehr wahrnehmbaren Ultraviolett als Ultraschallwellen bezeichnet. H ö r- sch all ist also alles, was zwischen diesen Grenzen liegt. Ultraschallwellcn werden dadurch erzeugt, daß ein Körper sich in rhythmischer Bewegung, also in Schwingungen befindet, die außerordentlich klein und schnell sind. Diese mechanischen Schwingungen pflanzen sich durch die Lust oder auch durch flüssige oder feste Stoffe hindurch fmck, ebenso Wie die gewöhnlichen Schallwellen. Sie gt- langen an unser Ohr wie jene. Aber unser Ohr nimmt sie nicht wahr, wir erfahren nichts von ihrem Vorhandensein. Daß sie jedoch nicht wirkungslos sind, vielmehr ebenso wie das'unsichtbare ultraviolette Licht außerordentlich starke Wirkungen entfalten, das lehren Erfahrungen der letzten Zeit. Schon durch sehr hohe, schrille, hörbare Töne sind unter Umständen chemische Wirkungen zu erzielen. So gibt es z. B. eine sehr explosMe Verbindung, die schon beim Erklingen hoher Töne eines Streichinstrumentes zur Explosion gebracht werden kann. Je fester das Molekülgefüge eines Stoffes, desto höher muß der Ton sein, der dieses Gefüge sprengen kann. Vorläufig gelingen solchtz chemische Veränderungen erst bei einzelnen Substanzen» Ultraschwingungen' sind imstande, die Struktur eines Stoffes vollkommen zu verändern und zu zerstören. Zum Beispiel ist Eiweiß durch solche unerhört hohe Töne zum Gerinnen zu bringen. Bakterien werden getötet, weil das Gefüge ihres Protoplasmas bis zu schwerster Schädigung verändert wird. Es gelingt heute sogar schon, Milch auf diesem Wege nahezu keimfrei zu machen. Veränderungen am lebenden Protoplasma verschiedener Lebewesen», unter Wirkung von Ultraschall, lassen sich yrilroskopisch beobachten. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, weichen Schädigungen unser Organismus ständig ausgesetzt ist: im Lärm der Großstadt, im Getös« der Fabrikbetriebe und Werkstätten. Lärm,„geht auf di? Nerven". Aber neben diesem ohrenbetäubende^ Lärm, dem wir ständig ausgesetzt sind» gehen noch unzählige, Uns nicht wahrnehmbare, aber in ihrer physiologischen Wirkung nicht weniger schädliche Schallwellen in unseren Organismus ein. Schädigungen des Gehörorganes jener, die ständig in Lärmbetrieben beschäfttgt sind,' dürften nicht die einzigen Beeinträchtigungen der Gesundheit sein. Denn wo Lärm gemacht wird, besonders da, wo sehr hohe, schrille Töne ausklingen, da entsteht wohl unvermeidlich auch immer Ultraschall und dieser unhörbare Lärm ist viel-' leichtder schlimmste. Und so steht in der letzten Zeit immer energischer die Forderung auf, mit der Lärmbekämpfung endlich einmal Ernst zu machen und uns vor unnötigem Lärm zu schützen, nicht nur unsere armen, mißhandelten Ohren, sondern unseren ganzen Organismus, Wie kann man Ultraschallwellen für sich allein erzeugen, um sie in ihren Wirkungen zu studieren? Dazu war die Entdeckung der Druckelektrizität von größter Bedeutung. Be-' stimmte Kristalle, besonders in Plattenform zugeschnittene Quarttristalle lassen sich dprch'Druck etwas zusammenpressen. Diese ganz geringfiigige Bolumsveränderung führt zur Entstehung entgegengesetzter elektrischer Ladungen auf der Oherund Unterseite der Platte. Druckentlastung erzeugt abermals eine Spannung, wobei Ober- Und Unterseite diesmal umgekehrt geladen sind. Diese Erscheinung, daß. mechanische Zusammendrückung und Ausdehnung die Entstehung elektrischer Spannungen zur Folge hat, ist umkehrbar: wird die Quarzplatte einer hochfrequenten Wechselspannung ausgesetzt, so treten sehr.rasch aufeinander folgende Zusammenziehungen und Ausdehnungen des Kristalls ein» Das Kristall wird also in Schwingungen verseht, die außerordentlich Nein und unhörbar sind, physiologisch aber stärkste Wirkungen entfalten. So bedeutet dsts« Entdeckung«inen neuen Vorstoß ttn die Wett des Uebcrsinnlichen, das heißt des mit: unseren Sifl« nen nicht mehr wahrnehmbaren, geheimnisvollen Natürgeschehensi Verlanget überall Volkszünder "L?bedtn gun a en: BeiZustellung intzSauSoder bei B-Mg durch di. Post njonatlich XS 16.^.. vitrt-Iiährig irr 48.-. halksSSriq liö 06.-, ganzsäh'rig XL 1»L—.- Inserate werden l«M»' Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen^Preisnachlaß.-RW-Nung vm Manuskripten«folgt nur bei Einsendung der Rewurmarken.— Die ZeiwngSkankawr wurde von der«ost. und«tlw'v graphendirution mit Erlatz Nr, 13.800/VII/lvöl).bewilligt.* Druckerei: ,^vrbiS". Druck-.. Verlags- und L«ttuögS-A.-G. Prag.. vt Naturwissenschaftliche Kurzberichte Von E. Aldt Wo sitzt der Zeitsinn 7 1