16. Jahrgang Frettag, 17. Juli 1936 Nr. 163 Einzelpreis 70 Heller (einschließlich S Heller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSI0WAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH* Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova a. Telefon motz. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Mir Ruhe und Besonnenheit Außenminister Krofta über das österreichisch-deutsche Abkommen Die außenpolitischen Journalisten Prag? gaben zu Ehren deS Außenministers Dr. Krofta, ' der heute 60 Jahre alt wird, am Mittwoch einen Abend, bei welchem namens der tschechischen Teilnehmer Redakteur Dr. Rypka und namens der deutschen Genosse Dr..Strauß Ansprachen hielten. Der Außenminister dankte den Journali« • stcn herzlichst für die Glückwünsche, wobei er auch anknüpfend an die Worte des deutschen Redners sich über die nationale Frage im Sinne seiner letzten Kundgebung, bei welcher er die Deutschen als die zweite Staatsnation bezeichnete, äußerte. ■ Besonders bemerkenswert ist aber, was der Leiter . unserer Außenpolitik zu der durch den österreichisch-deutschen Akkord entstandenen internationalen Situation sagte. Er ging dabei von der Diszipliniertheit unserer Preffe in außenpolitischen Fragen aus, die sich wieder bewährt hat angesichts der Gerüchte, die über die Stellung der Tschechoslowakei zu den aufgeworfenen Problemen im Ausland entstanden sind. Er sagte: Es geschieht nichts Geheim- nisvoiles. Die Tschechoslowakei unternimmt nichts Geheimnisvolles. Wenn sie irgend etwas unternehmen oder nur beabsichtigen würde, wird sie dies vor ihren Verbündeten: der Kleinen Patente. Frankreich, der Anion, der sozialistischen Sowjetrepubliken, nicht v e r b e r g e n. Wie immer, werden wir auch diesmal im vollen E i n v r r n d H Md n m it ihjie ü böt- gehcn... ES besteht kein Zweifel, daß das unter der Beteiligung. Italiens verwirklichte und von einer gewissen Annäherung Italiens an Deutschland begleitete österreichisch-deutsche Abkommen ein Ereignis von außerordentlicher Bedeutung darstellt, dessen Auswirkungen auf die internationalen^ Beziehungen der europäischen Staaten ziemlich durchgreifend sein können.. Heute lassen sich allerdings ihre Bedeutung nicht richtig würdigen und ihre Auswirkungen nicht verläßlich ab sch ätz e n. Es ist aber überflüssig, sich irgendwie dadurch zu beunruhige n. Ja, man kann boll mit denjenigen übereinstimmen, welche der Ansicht lind, daß. das öster- reichlsch-deutsch-italtenjsche Abkommen wenigstens zeitweise besonders Mitteleuropa eine gewisse B e'ruhig.ung bringen kann, wenn die zwei Hauptquellen der Unruhe—die Anschluß- und die Restaurationsbestrebungen— auf einige Zeit verschüttet sind. Diese Berrchigung ist auch für uns ein Gewinn, weil sie uns die Möglichkeit gibt, einerseits die Arbeit zur Steigerung der politische», wirt- schaftlichen und militärischen Kraft unseres Staates und zur Festigung unserer bewährte» Bündnisiande fortzusetzen, andererseits sich auf eventuelle weitere europäische Verhandlungen vorzubereiten. .Ich denke nämlich, daß es nicht richtig.wäre, anzunehmen, daß die entfernteren Auswirkungen, des Lsterrelchisch-deutsch-italicNischcn Abkommens für. uns nur ungünstig sein können. Man braucht, vielleicht' nicht: einmal die Befürchtungen- widerlegen, die da und dort mehr denn je bei uns laut ivcrddn, daß die Staaten, welche sich, durch dieses .Abkomme» angenähert haben oder der eine öder, der ander« von ihnen ihre Entlastung auf der ein en Sei t e zu diesem oder jenen Angriff auf unseren Staat, oder auf irgend einen der uns befreundeten Staaten benützen könnten oder wollten. Ebenso könne»; die verbreiteten Gerüchte mit bielfach durchsichtiger Tendenz abgelehnt werden, daß bereits vor unseren. Augen ein mächtiger und «Weltlicher, uns und den uns nahen Staaken grundsätzlich'feindlicher Staateiiblock.entstanden ist und daß dadurch-die"Gefahr öineS vollkommenen Umsturzes der mitteleuropäischen Verhältnisse, drohend würde.' Das'. Törichte derartiger-Ver- mutungeirM jedem offenbar,'deil-Weihss tvie . tief, und vielfach unüberbrückbare Grgensätze in ■ einigen Angelegenheiten zwischen den Dtaaten bestehen, aus denenskchiein solcher Etnheitsblock .üWochszspWk^-'t!'/--^-^.-^ und welch Mhtige, sozusagen vstale. Interessen verbinden die einzelnen Staaten dieses angeb-. lichen Blockes mit' einigen derjenigen Staaten, gegen die er sich wende» sollte.| Aus den gleichen Gründen kann man sich sicherlich nicht vorstellen, daß das Verhältnis der Staaten, zwischen denen eben eine Annäherung eingetreten ist, zu den übrigen Staaten feindselig sein und daß es in absehbarer Zeit zu Konflikten führen müßte. Im Gegenteil kann man vielleicht der Hoffnung Ausdruck geben, daß die zwischen Deutschland und Italien eingetretene Annäherung den Ausbau der wirtschaftlichen Organisation Mitteleuropas erleichtern könnte, dem bisher die Rivalität zwischen Deutschland und Italien im Wege stand. Und heute nach dem Kriege in Abessinien, liegt eben Italien an der Erhaltung der Friedens in Europa. Die Tschechoslowakei, die weder mit Deutschland noch mit Italien oder mit Oesterreich ernste Konflikte hatte und hat, würde jede» ernsten und aufrichtigen Versuch zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Mitteleuropa mit Befriedigung begrüßen,- soferne er im Einklang mit der gesamten politischen Linie aller ihrer Verbündeten und unter ihrer Beteiligung erfolgen würde. Aber auch wenn sich diese vielleicht allzu kühne Hoffnung nicht erfüllen würde, brauchen wir die künftige Entwicklung der Dinge in Europa keineswegs allzu schwarz auszumalen. Die unüberwindliche Lebenskraft unseres Volkes, die sich so oft in unverhältnismäßig ärgeren Zeiten bewährt hat, die innere Gesundheit unseres Staates, unsere festen Bündnisbande und schließlich die tiefe moralische Berechtigung miserer freien staatlichen Existenz erlauben uns, in der Gegenwart Ruhe und Besonnenheit zu wahren und mit vollem Vertrauen in die Zukunft zu blicken. Ich würde wünschen, daß wir diese Ueber- zeugung durch gemeinsame Arbeit unserer Oessentlichkeit einimpfcn und so mit vollem Erfolg das gemeinschaftliche Zusammenwirken fortsctzcn, das wir bisher so glücklich gepflegt haben. Surietendeutsche Groteske Wer die politische Geschichte des Sudetendeutschtums seit den achtziger Jahren, da der nationale Radikalismus des Kleinbürgertums den Liberalismus der Großbourgeoisie ablöste., kennt, wird nicht überrascht jein von dem tollen Fastnachtsspiel, das die größte sudctendeutsche Partei und ihr Führer zmn besten geben. Das sudetcndeutschc Bürgertum, die von ihm geführten kleinbürgerlichen Massen und jene Arbeiter, welche keine selbständige Politik machen, sondern nur die Nachhut und die Flankendeckung der bürgerlichen Parteien bilden, sind bisher jedem. Demagogen hincingefallen, der durch das Schlagen auf die nationale Trommel die Aufmerksamkeit des Volkes von den sozialen Problemen lind den sozialen Lösungen der nationalen Frage ab- leitken wollte. Sie haben Georg Schönerer und Karl Hermann Wolf zngejubelt, die heute— Wolf lebt noch— im Grabe der Vergangenheit ruhen. Sn. lange cs nicht gefährlich Ivar, hat Wolf den deutsche» Recken gemimt— als 1018 die Sndclcndentschcn im Kampfe um ihr Recht standen, blieb Wqjf in Wien. Ebenso sind die Herren Rudolf Jung und Hans Krebs Jahre laug als die Helden im-Bärenfell umhorgezogen— bis es' Ernst wurde. Sie sind über die Grenze gegangen und haben dem Volke die Sorge überlasse», wie es sich in der Krise der Wirtschaft behaupten könne. Vor zwei Jahren ist nun ein neuer Messias anfgestanden. Der Tnrnwart des bürgerlichen TuriiverbandeS ist als politischer Führer,- ohne Lehrzeit, ohne eine einzige Probe seines politischen Talents abgelegt zu haben, in die Arena gestiegen— wieder wurde daS sudctendeutsche' Bürgertum von einem Taumel ergriffen— man glaubte durch Versammlungen, Feste, das Schlagwort von der„Volksgemeinschaft" und vor allem durch den Kampf gegen die Arbeiterbewegung werde sich alles wenden, das öffentliche Leben des sudetendcutschen Bürgertums verwandelte sich in ein Varictö, wo alles atemlos und mit offenem Münde deil politischen Akrobatonkunststiicken eines unentdcckten Stars zuschaute. Rach zwei Jahren Bestandes der Sudetendeutschen Partei kann man die Kampfarcna überblicken und man muß sagen, daß Konrad Henlein und die Seinen in der sudetendeutschen Politik verheerend gewirkt haben. Nichts, gar nichts wurd e erreicht! Der hoffnungsvoll begonnene Prozeß der Einflußnahme deutscher Parteien auf Gesetzgebung und Verwaltung wurde unterbrochen und die politische Macht des Sudc- tendeutschtums durch die Wahlverluste der aktivistischen Parteien geschwächt. Je stärker die Sudetendeutsche Partei wurde, desto schwächer wurde das Sudeten d e u t s ch t u m als politischer Faktor— 1 gäbe es nicht die aktivistischen Parteien, die Sudo- tendeutschcn wären lediglich ein Objekt der Politik, so wie es'die Deutschen in Italien oder in Polen sind, wo die Gesinnungsverwandten der SdP regieren. Was sich aber in der sudetendeutschen Politik in den letzten Tagen abspielt, setzt dem verspäteten Karncvalstrciben der grüßten deutschen Partei dieses Landes die Krone auf. In einer Zeit, da das Sudetendeutschtum‘ um seine Existenz schwer ringt, da wir uns.alle bemühen, damit die Tschechoslowakei den Anschluß an die Weltkonjunktur erreicht, daß unsere seit Jahren von Krise, Hunger und. Not gepeinigten Volksgenossen Arbeit und Brot bekommen und. ein wenig des Lebens sich freuen können, widerhallt- unsere deutsche politische Oessentlichkeit vons dem Streit.um ein Ehrengericht, al? ob sich däs politische Leben-des Volkes-in einer Stiidentiinbüde mit Mensuren-und Bierkomment abspielen würde, alb ob idie Massen der deutschen Bevölkerung»ach den Regeln der Satisfaktionsfähigkeit üon'k. ü. k. Reservopffizle- ren leben und sterben müßten. Ist eine solche Erscheinung an und für sich beschämend und grotesk, ist-s.für jeden treue» Sohn seineS'VolkeS schmerzlich, daß sich'seine>,Führer" beiiehmen als wären sie in einer Kinderstube, so schlägt dem Faß-den Boden aus, däßdiejcnigen, welche die studentischen Ehrbegriffe, lächerliche Kopie,-einer feudale» Rittcrromautik für die Regeln eines nationalen Gesetzbuches hasten, die Anschauungen von Ehre und Ritterlichkeit i» die Jauchengrube wcrfcii, wen»-sie ihnen-nichi passen.. Sie umgeben sichmis „Legen Hitler und Mussolini I“ Ein Aufruf der österreichischen Sozialisten Wien.(Jntropreß.) Das Zentralkomitee der Sozialisten Oesterreich» verbreitete Mittwoch in hunderttausenden-Exemplaren' einrn'Aufruf an die Bevölkerung, in welchem u. a. ausgeführt wird: Im Auftrage Mussolinis hat Schuschnigg- mit den Nazi Fritden gemacht und Oesterreich der kriegerischen Außenpolitik Hitlers gleichgeschaltet. Das Uebereinkommen-mit- Deutschland bedeute: dieV o r b e r e i t.ung der inne rp al i- s ch e u G I e i ch sch a l tun g Oesterreichs mit Nazi-Deutschland. Gegen dieses verbrecherische Spiel der Gewaltpolitiker rufen wir das ganze Väkk zum Kampfe auf. Die Massen, die bisher für Hitler und gegen Schuschnigg die Schädel hingehalten haben, müßen erkennen, daß sie nicht für Brot und Freiheit und nicht gegen den verhaßten italienischen Faschismus gekämpft haben. Sie wurden mißbraucht, für die gemeinsamen Kriegspläne Hitlers und Mussolinis und ihrer Verbündeten in Oesterreich. Die Anhänger einer wahren Unabhängigkeit Oesterreichs, die. bisher an den Ständeschwindel und an Schuschniggs Politik der„Unabhängigkeit" geglaubt haben, alle, die die Nazi Haffen und Gehelmklauseln In Abrede Bestellt W i e n. Bei der donnerstägigen Konferenz dementiert« Minister Ludw i g die Meldungen, daß' das österreichisch-deutsche. Abkommen g e- h eime Klauseln enthalte und daß eS die Schak- fung irgend eine» Mächteblockes, verfolge. Weiter erklärt« der Minister; daß dir Frage der Zuziehung Deutschlands zum Römischen Pakt nicht aktuell sei, Minister Ludwig fügte Hinz«, daß die Mitarbeit Deutschlands in Mitteleuropa zwar n o t- w e n d i g, aber nicht, entscheiden- sei,- Weiter dementiert« Minister Ludwig die Gerüchte über «ine Umbildung, bzw. eine Erweiterung der österreichischen Negierung sinZusammenhang mit dem österrrichisch-deütfchp». Abkommen. Als ebenso «nrichtig bereichnetk er-die-Gerüchte über«Ine Umgruppierung deS Beamtenapparates» insbesondere im Bundeskanzleramt.- Neue Protestaktionen der unzufriedenen Nazi Wien..(Tsch. P.B.) Auchin.dcr. österreichischen Provinz demonstrieren di« Nationalsozialisten gegen das österreichisch-deutsche Abkommens In P o-r-s-e,n.b e>n,g unchN-e u m a r k'ist ÖberLsterreich. sowie auf der. Straße wpn WbS nach Ennsbach wnrden Dienstag und Mittwoch Häkeükreüze^berstrsur.oder. d.Ie.Hälisermit Hakenkreuzen'bensält und' nationalsozialistsche-Flugzettel verbreitet, worin'gegen das Abkommen und gegen die HabSburger^prowstiert wird. Znsbeso»- Oesterreich vor der braunen Pest bewahre» wollen — sie alle müffen nun erkennen, wohin die poli- ,tiscbe Entrechtung der Arbeiterklasse Oesterreichs geführt hat. Di« Gefahr der Aufrichtung der Naziherrschast in Oesterreich und die Gefahr eines drohenden Krieges zwingen alle Bevölkerungs- lreise, den letzten und einzigen Ausweg zu. beschreiten: Sie müssen gemeinsam mit der'Arbeiterschaft- einen unerbittlichen Kampf führen g p g e n. H i t I er und Mussolini, eigen Kampf, für den die Parole lauten muß: Nieder mit Schuschnigg, dem Wegbereiter der Nazi und Werkzeug der faschistischen Kriegspolitik I Wir proklamieren dieses Parole und rufen alle Männer und Frauen und die Jugend auf, die verbrecherischen Absichten der internationalen Faschisten in.Oesterreich zu vereiteln. Wir reichen jedem die Hand, der bereit ist, mit uns unter dieser Parole zu kämpfen. Wir wollen eine Regierung gegen Krieg und Faschismus, eine Regierung gegen Arbeitslosigkeit und. Elend, eine Regierung aller Schichten des arbeitenden Volkes in Stadt und Land. Schuschnigg und seine, faschistischen Hintermänner müssen gestürzt werden, um dem Volke Freiheit und.Brot und Europa den Frieden zu sichern I dere in N b b s wurden zahlreiche Häuser bemalt, -in denen die Organisation der Heimatsront amtiert oder deren Funktionäre wohnen. Helmwehr begrüßt das Abkommen „Freie Bahn zur Bekämpfung des Bolschewismus“ Wien. Der Führerrat der österreichischen Heimwehren hat unter den: Vorsitz StarhembergS in eingehender'Aussprache zu dein Abkommen mit Deutschland Stellung genommen. In der betreffenden Erklärung b e.g r ü ß t es der Führerrat, daß das Uebereinkommen(„einem vom österreichischen Heimatschutz stets bedauerten unnatürlichen und- ungesunden Zustand ein Ende bereitet"-' und. der Heimatschutz dadurch in die Lage versetzt werde,„im-Sinne seiner ursprünglichen- Sendung-wiederum- alle Kräfte uneinge- , schränkt der Bekämpfung der bolschewistischen ^Bestrebungen-widmen-zu- können." ES zeige sich .imerschreckender Klarheit-däS-planmäßige Vordringendes B o l s ch e w i s m u s und die«in» Ideutige Absicht, ganz.Europa zu bolschewisieren. Die energische Bekämpfung dieser Weltgefahr'sei iein'GebM. der Stünde.'•••-- Der Heimatschutz hofft, daß daSUeber- - einkommen'.«ine enge Zusammenarbeit jener -Staaten und Mächtegruppen in Europa ermög. ! iltchenwird, die gewillt\ sind, kompromißlos ! den Bolschewismus zu bekämpfen; dir Durch- ■ setzung des faschistischen Gedankens in.der Welt . sei daS einzige dauernd geeignete Bollwerk gegen die Gefahr der Bolschewisierung, Gelte 2 Freitag, 17. Juli 1036 Nr. 1«» dein mittelalterlichen Mantel ritterlicher, Moral und Sitte und verlaufen diesen Mantel für einen Pappenstiel dem Trödler— um sich, wenn daS Bolt vergessen sollte, wieder einen neuen Mantel zu laufen. So offenbart sich in der Krise der SdP die ganze Brüchigkeit nationalistischer Moral und die hilflose Unfähigkeit des Mannes, für den man als Außenminister Krofta ein Sechziger Ausjeuminister Dr. Kamil Krofta feiert heute seinen 60. Geburtstag. Krofta ist ein gebürtiger Pilsner u»d hat schon im Vaterhause— sein Vater war Bürgermeister und Abgeordneter— politische Eindrücke-empfangen. Seiner Ausbildung nach Historiker hat«r viel in ausländischen Archiven studiert, wurde Dozent und Professor der Geschichte an der tschechischen Universität in Prag und hat eine große Fülle historischer Schriften verfaßt. 1020 wurde Krofta Gesandter beim Vatikan, 1021 bis 1028 war er in der gleichen Eigenschaft in Wien, sodann bis 1027 in Berlin. Von da bis vor kurzer Zeit war er Stellvertreter des Außenministers Dr. Benes, am 20. Feber 1036 wurde er Minister des Acußcrn. In diesem Amt seht er die Tradition und Politik des ersten Außenministers der Republik fort und ähnelt ihm "'auch in der wissenschaftlichen Erfassung der außenpolitischen Probleme solvie in der Bedachtsamkeit, mit der er zu allen internationalen Fragen Stellung nimmt. Krofta gehört zu jenen tschechoslowakischen Staatsmännern, die ein außerordentliches Verständnis für die Deutschen dieses Landes haben. In seinen historischen Schriften hat er dargetan, daß die Deutschen seit Jahrhunderten einen hervorragenden Anteil an der materiellen und geistigen Kultur dieses Landes haben und er bat in seiner letzten politischen Kundgebung das Wort von den Deutschen als der„zweiten Staatsnation" geprägt. Gerade in den jetzigen schwie- rigon Zeiten ist es zu begrüßen, daß das Steuer der tschechoslowakischen Außenpolitik von einer festen Hand geführt wird. den Erlöser de» Sudetendeutschtum» seit zwei Jahren die Reklametrommel schlägt. In Wahrheit will Konrad Henlein seinen bisherigen ersten'Mitarbeiter nicht fallen lasten, weil er politisch unselbständig und geistig von Dr, Brand abhängig ist.. Nn seiner Hilflosigkeit bietet Herr Henlein einen Anblick für Götter— auch für di« der Walhalla. LV Waggons Italienische Haubitzen In Oesterreich eingetroffen Wien. Wie Jntropreß erfährt, beschäftigt diplomatische Kreise seit einigen Tagen folgender Vorfall: Dienstag, den 80. Juni, um 8 Uhr nacht», traf aus Tarvisio ein Lastzug, der aus 80 Waggons bestand, in Groh-Schwechat bei Wien ein. Als Inhalt der 80 Waggon» waren landwirtschaftliche Maschinen angegeben. Bevor noch der bereits avisierte Transport in di« Station Groß- Schwechat einfuhr, wurde der Bahnhof im weiten Umkreis von allen Eisenbahnangestellten(Be- dienstcwn) und bahnfremden Personen gesäubert und von der Schwechater Gendarmerie, die verstärkt worden war, beseht. Die Waggons wurden hierauf ausgcladen. Sie enthielten funkelnagelneue schwere Haubitzen, deren Besitz Oesterreich und Ungarn nach den noch geltenden FriedenSverträgen verboten ist. Die Geschütze, die so schwer waren, daß zu ihrer Ausladung ein großer Kran vom Wiener Ostbahnhof herbeigeschafft werden mußte, wurden von Militärmannschaften in die Artilleriekaserne nach Kaiser-Ebersdorf gebracht und dort von einer OsfizierSkommiffion, welcher unter anderen der namentlich bekannte Oberleutnant Dörr angehörte, übernommen. ES handelt sich um schwere Haubitzen italienischer Provenienz, mit denen die österreichische Armee ausgerüstet wird. Vas Privileg der 200 aufgehoben Paris. Die Kammer nahm nach viereinhalbstündiger Debatte Donnerstag nachmittag» mit 480 gegen 111 Stimmen den Regierung»- gesehentwurf über die Reform de» Statu» der Bank von Frankreich an. Der Hauptberichterstatter des FinanzauS- schuffeS B r u n e t und nach ihm Finanzminister Vincent A u r i o l betonten, daß durch die Reform die Leitung der Bank von Frankreich von dem Privilegium einiger weniger Familien befreit werde. Sie führten au», daß diese Reform den ausdrücklichen Wunsch der Wähler der gegenwärtigen Kammermehrheit darstelle, welche wünschen, daß die wichtigsten aktiven Elemente des wirtschaftlichen Unternehmertums im Staate Anteil an der Leimig der Bank von Frankreich haben sollen. Der Finanzminister erklärte, daß in der Leitung der Bank von Frankreich u. a. die Vertreter der Industrien des Handels und der Landwirtschaft vertreten sein werden. Propaganda-Kurte für Autlünder Goebbels neueste Erfindung Berlin. Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet: Die deutsche Hochschule für Politik eröffnete Donnerstag einen 14tägigen Ferienkurs für Ausländer, in dem den Teilnehmern durch Vorträge, Besichtigungen und Führungen einUeberblick über das politische Gesicht des Dritten Reiches vermittelt werden soll. An dem Kurs nehmen etwa 80 Ausländer aus 28 Nationen teil. Vertreten find außer den europäischen Nationen auch die Bereinigten Staaten, Australien, China, Japan und die Mandschurei. Die meisten Hörer werden Im Anschluß an den Kurs noch zu den Olympi- I scheu Spielen in Berlin bleiben. bereits 3439 Millionen Wehranleihe Noch! nicht das endgültige Resultat Prag. Bi» Donnerstag beträgt die Summe der Zeichnungen auf dir StaatSverteidigungS- anleihr 3.439,813.000 KL. Davon entfallen auf die 4pLprozentigcn Titre» 2.174,821.000 KG oder 63,2 Prozent des gezeichneten Gesämtbe- trageS und auf die dreiprozentigen Titre» AL 1,264,994.000 oder 36,8 Prozent. Di» Summierung der Zeichnungen ist noch nicht abgr- schloffen. Konstituierung der Zentralgewerk* schaftskommlsslon Die konstituierende Sitzung der auf dem letzten ordentlichen Gewerkschaftskongreß des Deutschen Gewerkschaftsbundes gewählten Zen- tralgewerkfchaftskommision hat am 26. Juni l. I. in Reichenberg stattgefunden. Die gewählten Mitglieder waren bis auf die Genosten Kaufmann und Neumann, die sich bei Tagungen im. Ausland befanden, vollzählig erschienen. Gemäß den OrgänlsationSbestimmungen des Deutschen GewerkschaftSbundeS wurden bon der Sitzung einstimmig gewählt: al» l. Vorsitzender Genosse Anton R o s ch e r, als I. Stellvertreter' Genosse Franz Kaufmann und al» II.Stellvertreter Genosse Franz M a c o u n. Die Exekutive wurde gebildet au» den Genoffen: Kaufmann Franz, Kirchhof Franz, M.a c o u n Franz,' Roscher Anton, Schäfer Anton. Die vom Gewerkschaftskongreß' angenommenen Anträge wurden einer Sichtung und Prüfung unterzogen und hiebei die Beschlüff« organisatorischer Natur der Exekutive zur Vorbehandlung übertragen. Die vom Gewerkschaftskongreß zu Punkt III der Tagesordnung„Wirtschaft und Sozialpolitik" gefaßten Beschlüsse werden den noch zu bildenden Fachausschüssen zur Behandlung und.Berichterstattung zugewiesen werden. Das vom Genossen Macoun zu Punkt IV der Tagesordnung auf< dem Kongreß erstattete Referat„Gewerkschaften und Demokratie" wird als für die Massenverbreitung gedachte Werbeschrift im Verlag der Zentralgewerkschafts- kommtssion herausgegeben werden. Die Sitzung befaßte sich ferner mit der Wahl der Delegierten zum Kongreß des Internationalen Gewerkschaftsbundes in London, der in Aussicht stehenden dringlichen Neuregelung der Arbeitsvermittlung und nahm zu einigen anderen organisatorischen Fragen Stellung. , Der Präsident der Republik empfing Donnerstag den Minister de» Aeußcrn Dr. Krofta, den Abgeordneten und Journalisten Henry de Kerillt» aus Paris, den französischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister de L a c r o I x und ferner den Sekretär der deutschen Gesandtschaft in Prag von Bibra. Schließlich empfing der Präsident den tschechoslowakischen Gesandten in Berlin Dr. M a st n y. Schon 4000 Todesopfer der Hitze In USA RewNork. Die Zahl der durch die Hitzewelle um» Leben gekommenen Personen ist Donnerstag morgen» auf über 4000 gestiegen. Mehrere tausend Personen haben schwere Erkrankungen erlitten. i.ondon hofft immer noch auf ein Wunder Keine Beteiligung an einem Gegenblock London. DaS britische Kabinett befaßte sich am Donnerstag erneut mit der beabsichtigten Konferenz der Locarno-Mächte und kam, wie verlautet, nach etwa einstündigcn Beratungen zu dem Ergebnis, diese Frage auf diplomatischem Weg« mit den Regierungen Frankreichs und Belgiens weiter zu besprechen. ' Der diplomatische Korrespondent des Reu» ter-BüroS faßt die Probleme wie folgt zusammen: Die geplante Konferenz soll ausschließlich dem Ziele gelten, die europäische Regelung herbeizuführeu. In britischen Augen kann dies am besten durch eine Fünfmächtekonferenz zu einem späteren Zeitpunkte, vielleicht anfangs September geschehen. Falls jedoch Frankreich der Meinung ist, daß eine Drei- mächte-Konferenz wesentlich wäre, um den Weg für die größere Konferenz zu einem späteren Zeitpunkt zu bahnen, dann wird England mit sich reden lassen. England ist jedoch nicht bereit,. an einer Dreimächte-Konferenz teilzunehmen, die einzig und allein dem Zweck dient, das Scheitern der In dem Weißbuch erwähnten Bersöhnungsbe- mühungen zu verzeichnen und keine Hoffnung auf eine Verwirklichung einer europäischen Regelung zu lassen. In London wird nachdrücklich die Meinung vertreten, daß die Befestigung eine» westeuropäischen, auS Frankreich, Belgien und England bestehenden Blocks, dem rin mitteleuropäischer Block äu» Deutschland und Italien gegenüberfiehen würde, der Sache de» Friedens keine Dienste leisten würde. vardanellenpaltt wird Montag unterzeichnet Montreux. Donnerstag nachmittags wurden auf der Meerengen-Konferenz die Bestimmungen über die Luftfahrt genehmigt. Nach diesen Bestimmungen wird lediglich da» Ueberfliegen der befestigten Meerengenzone und des Marmara- MeereS verboten sein. Am Abend hat die Konferenz ihre Beratungen beendet. Die feierliche Unterzeichn:ng des Vertrages findet Montag nachmittags statt. 38 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grötzsch Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava. Er legte dem böhmischen Kameraden die Hand auf die Schulter.„Seit zehn Jahren habe ich für diese Bewegung gearbeitet. Mein Leben hätt ich dafür gegeben. Von Erneuerung träumten wir, von einem Land der großen moralischen Renaissance. Wir Narren I Wir glaubten an Wunder. Geh hinüber— jeder Lump hat jetzt drüben besser« Chancen als du oder ich, als irgend ein Mensch von geradem Charakter. Eine Luft der Angst und des Mißtrauens— zum Ersticken." Der Kamerad tvar noch jung, Flaum um die Lippen. Er klammerte sich an den Traum, seine Augen flackerten hilflos. Das große herrliche Deutschland aller Deutschen, Mutter neuen schönen Lebens jetzt saß wieder einer neben ihm, der von drüben kam, Entsetzen, Trauer, Enttäuschung und Müdigkeit auf der Stirn. Meller aber schaute starr ins Leere. DaS Bild in seinem NedaktionSzimmer, der reine Mensch im Strohkranz, gepeitscht und verhöhnt— jetzt verstand Meller das Bild besser denn je. Wo mochte der sein, dem es gehörte und der früher dort saß? Auch einer, der für die Freiheit kämpfte und dafür ins Exil gejagt wurde... Weit stromauf, einen Tagesmarsch höher, lag' Justus mit den Burschen der Spinne. Niemand hatte Lust zum Schwimmen, trüb und lau tvar das Wasser. Justus wandte seinen breiten Rücken zur scheidenden Sonne und dachte an Eva. Dieser feste Druck der kleinen Finger— das war der Abschied gewesen. Nichts sonst hatte sie gesagt. Gut so. Sie war stärker, als sie wußte. Und er — er war nicht der, den sie suchte. Er kannte seine schwachen Stunden, bemooste Häupter entblößen sich nur nicht so leicht wie jüngere. Sie zehrte noch von seiner Vergangenheit und davon, daß er für seine Sache in Ketten gelegen. Ach, wie rasch verliert solche Vergangenheit die Farbe, di« Burschen der Spinne hielten sich dabei nicht lange auf. Lorbeer an der Wand welkt schnell. Nun ist man nur noch Dünger der Geschichte oder Fun- kenträger seiner Sache, von Land zu Land... In einigen Wochen würde EvaS Bild blassen wie das Marias: eine letzte Liebe, di« nicht angenommen werden konnte. Mit zweiundsechzig gehört man seiner Arbeit, nur seiner Arbeit, seinem Kampfe. So hatte sein Leben begonnen, so sollte cs enden, keine Sentimentalitäten jetzt, Gustl wartete— und heute Abend gab's Plinzen. Als sie in die Spinne kamen: wartete draußen im Garten die große Überraschung: Herkner. Alle stürzten auf ihn zu, umringten ihn, Justus schloß ihn in die Arme. Herkner lächelte ruhig. Nichts an ihm hatte sich verändert, nur in den Augen leuchtete eS. Fester erschien er denn erst. Ja, krank hatte seine Frau gelegen. Wie er nach Hause kam, schrak sie auf— dann wurde eS besser. Er lebte in Verstecken. Bald daheim, bald bei Freunden, einmal hier, einmal da, niemand kannte ihn in dem anderen Viertel, in das feine Frau gezogen war. Bald fand er nicht mehr, fort; eS schien ein heimliches, gefährliches Glück ohne Ende. Bis seine Brüder warnten und dis Freunde in Gefahr gerieten, Da mußte er Abschied nehmen. Und nun— nun war seine Frau wieder wohlauf: Die Menschen drüben? Die' Freund« blieben dieselben, scheuer nur, immer mit dem Blick nach hinten. Die Menschen verlernten geradeaus zu sehen. Verräter? Ja, die gab» auch. Wenige allerdings, wenige, trotzdem für Verrat drüben jetzt erhöhte Preis« gezahlt wurden.„Ja, Genossen, ihr habt noch Aussichten im Dritten Reichl" Er lachte, fröhlich und sicher in dem starken Gefühl: Unter uns ist keiner; wo ich bin, gibt's keinen Verrat! Sein Blick glitt über Frosch's breit« Stirn hinweg. Der starrte geradewegs zur Wand und ihm dünkte für einig« Sekunden, als schaukelte sein Stuhl-— Na und Moses und der Klein«? Noch keine Nachricht da? Waren wackere Burschen! Man hatte den Kleinen vielleicht manchmal zu kurz gehalten... Fabelhaft die kupferne Schale, die er für Gustl gehämmert, mich? Und das Mädchen war auch fort, das blonde Mädchen mit der blauen Badekappe. Toll schleudert dies« Zeit unsere Kinder umher, toll und unbarmherzig, verdammt noch eins... Peter und Paul hockten mit aufgestemmten Armen am Tisch, warteten auf Geschichten mit falschem Bart, abenteuerliche Fahrten kreuz und quer durch Deutschland...Nicht» davon kam. Wie eine Großaufnahme war Herkner» Bild in all diesen Geschichten erschienen, die heimlich von Mund zu Mund gegangen, man wußte nicht, woher sie kamen— und nun verlautete nicht», von alledem... Nüchtern, karg war sein Bericht. Einfach, um die Schläfen etwa» grauer, da» kräftige' Kinn leicht' gehoben, so saß er wieder unter seiner Kolonne, als wäre er Nur einmal ein Stück weiter unten beim Barbier gewesen... An diesem Abend gab e» Bier. Einmal hob Justus sein ÄlaS gen Süden. Dorthin würde Eva jetzt vom Schiff getragen werden. Oder wanderte sie bereit», allein, im Unbekannten.fremden Land? Er trank in hastigen Zügen und hörte wie durch einen Nebel, was Herkner erzählte. XV. Kapitel.- Eva dampfte auf einem weißen Schiff durch di« blaue, tiefblaue Adria. Karadjordje hieß da» Schiff und war da» stolzeste der JadranSka- Plovidba und wo«s anlegte,7 winkten die Menschen freudig mit Tüchern. Dies« Gestade wqren Eva nicht fremd: al» Backfisch lag sie«tust mit der Mutter hier in Sand und Sonne. Beharrlich stampfte der Dampfer gen Süden. Gischt sprühte hoch um seinen Bug und bestreute di« Fluten mit unzähligen Weißen Blüten. Delphine sprangen im Meer, schossen in runden Bogen übers Wasser. Karstwälle türmten sich wie Riesentiere an den Ufern entlang. Nach zwei Tagen stiller, wünschloser Fahrt ragten die dunklen Mauern der Czernagora himmelan, die Küste wurde menschenleerer und verlassener. Ein kleiner Küstendampser nahm Eva auf. Helle südliche Nacht lag über Schiff und Meer, da sie an Land gebcotet wurde. Und dann durch den Bo- janafluß aufwärts nach Skodra, dem großen Handelsplatz Nordalbantens. Und als man in der Spinne frug:„Eva, wo mag Eva jetzt sein? Warum hört man nicht» von ihr?"— als Gusti dabei ihren ruhigen forschenden Blick über Justus hingehen lieh, der sich achselzuckend lchwandte, da wanderte Eva schon durch eine weite Steppe, da lag Skodra schon Wieder, hinter ihr. Im Osten ragten die grauen Wälle der nordalbanischen Bergwildnis, und unergründlich dünkten ihr die drei Malisorinnen, die mit ihr schritten: schwarzhaarig und zäh, die Gesichter indianerhaft profiliert,-in weiten schwarzen Röcken über das. verdorrte Gras gleitend, knorrig und unermüdlich, wie das Dutzend Ziegen, das sie vor sich her in. die Heimat trieben. Die zwei jüngeren Frquen schleppten Eva» Gepäck: Rucksgck und. Koffer. Hinter einer spitzbogigen, verfallenen Drinbrücke macht« der Trupp einmal Halt. Die Tiere ittirzte» zum Wasser. Eine Frau ging mit der Trinkkanne hinunter,- Die Sonne de» Spätsommers-hatte den Fluhlauf nahezu ausaetröck« Net. Kein Wölkchen am azurnen Himmel. Eva lüstete di« blaue Bluse, wischte den Schweißund starrte wieder in dte drohende Bergwelt der Pro- kletija hinein- Am Horizont schimmerten hohe weiße Kuppen und Eva spürte leise» Herzklopfen. .(Fortsetzung folgt.) Nr. ISS Freitag, 17. SuN 1030 Seite 8 Die von Henlein eingesetzten Ehrenrichter Weitere Austritte bekannter Münner verlassen die SdP! Dor Wirbel um den Brand, um das Ehren» geeicht und um Henlein wird immer toller. Bor wenigen Tagen hat bekanntlich einer der von Hen» lein eingesetzten Ehrenrichter, der Senator Greger, sein Mandat niedergelegt und die Partei verlas» sen. Gestern sind ihm die zwei anderen SdP» Mitglieder aus dem Ehrengericht gefolgt: Fer» dinand Alter, der Kreisstandesvertreter der Ar» beiterschaft im Wahlkreis Laun, einer der Grjin» der der SdP, und Franz Eduard S a s u m, der Vorsitzende des allstudentischen Ehrengerichts. Nun sind also alle drei SdP-Mitglieder, die Henlein in das Ehrengericht entsendet hatte, aus der Partei ausgetreten; der Austritt der beiden anderen ist nicht möglich, weil sie(wie man inter» essanieriveise jetzt erst erfährt) gar nicht der SdP angehören: nämlich der Obmann des BdD, Wehrenfennig, und der Obmann des Deutschen Turnverbandes, Bernhard. ErichUttertes Vertrauen der Arbeiterschaft zur FUhruns Bemerkenswert ist aber'auch, wie Alter, von Beruf Mechaniker(in den Mannesmannwerken in Komotau), in einem Brief an Henlein seinen Parteiaustritt begründet. Er schreibt, er sei über di« Art, wie Henlein und die Hauptleitung da- Ehrengericht und dessen Spruch behandelt haben, erschüttert. Als Arbeiter sei ihm die-« n v e r st ü n d l i ch, da eS für ihn nichts Höheres als die Ehre eines Menschen gedr. Dio öffentliche Stellungnahme Henleins zum Spruch des Ehrengerichts stehe tnGrgen- satzzuseinerZusage, die er den Ehrenrichtern vorher gegeben habe. Dadurch, dass Henlein in weiteren Preffeveröffentllchungen Brand seines Vertrauens versichert habe, hab» er sich nicht nur im Gegensatz zu sich selbst, sondern auch zur allgemeinen, Ausfassung über Ehrengericht« gebracht. Die Arbeiterschaft erwarte von Henlein, dass er durch Anerkennung des Schiedsspruchs das besonders beider Arbeiterschaft erschüttert« Vertrauen zur Führung wlederherstelle. ,,.Der aber,Herr. Henlein nicht, daran, denkt, den Schiedsspruch anznerkennen,.^ ist. von einer Wiederherstellung des Vertrauens der Arbeiter zu Henlein keine Rede. Und diese E r s ch ü t» terung des Vertrauens ist allgemein. Auch das Ehrengericht selber erklärte am Mittwoch, nach nochmaliger Sitzung. in einer Kundgebung,- es habe mit tiefer Erschütterung sehen müssen, wie das Verfahren und der Urteilspruch zum Gegenstand von-Erläuterungen, Barsammlungen und von Pressekommentaren gemacht wurde. Wehrenfennig rettete sich In den Urlaub Während sich die„Zeit" bemüht, der Ablehnung eines Wiederaufnahmeverfahrens durch das Ehrengericht so beizükommen, daß sie daraus hin» weist, Wehrenfennig habe an dieser entscheiden» den Sitzung nicht teilgenommen, wodurch der Be» ' schlutz ungenügend geworden sei, stellt der Ehren» gerichtsvorsitzende S a s u m fest, daß Wehrenfennig in der vorletzten Sitzung die anderen Ehrenrichter ermächtigte, die. Prüfung etwaiger neuer Anträge auch in seinem Namen vorzunehmen, und den Vorsitzenden beauftragte, auch im Namen Wehöeyfennigs zu stimmen. Unmittelbar nach jener vorletzten Sitzung sei dann Wehrenfennig auf Urlaub nach Oesterreich gefahren. Das Theater nimmt kein Ende Die»Zeit" veröffentlichte gestern ellenlang die„Gegenbeweise" gegen das, Urteil des Ehrengerichts. Darin wird des Langen und Breiten ausgesührt, daß der Herr Frmiz kor« rekterweise von der„Neuen Morgenpost" zur „Zeit" gekommen sei, daß der Herr Doktgr Brand auch gegen die„Rumburger Zeitung" und deren Chefredakteur korrekt gehandelt hätte, daß der Vorwurf der. Denunziation nicht den Doktor Brand, sondern höchstens einen Herrn Hönig treffen könne, der aber jetzt selber das oberste Ehrengericht der SdP gegen sich angerufen habe, daß Brand sich gegen die Anstellung seiner Brüder gewehrt habe—- kurzum, daß eben Herr Brand,in allem und jedem ein Kavalier sei)' woraus Wohl zu folgern sei, datz die Ehrenrichter, die Henlein eingesetzt hatte,- nach dessen Meinung Unrecht haben müssen. '• Im sudetendeutschen Gebiet hat. man Noch bis vor kurzem diese ganzen Geschichten"um Kasper Nnd Brand, mit eigein,gewissen.,Interesse,.ja.mit, Spannung verfolgt." Nun aber beginnt man bereits darüber zu lachen.. Zu lachen aber, auch über Herrn H e n l e i n, der auS einer scheinheroischen allmählich eine tragikomische Figur wird.'.Die SdP-Anhänger selber,und insbesondere die Arbeiter, die sich in das Henleitt« -lager locken liehen, beginnen die Zeitimgen, die ihnen täglich ganze Spalten über das Nibelungenlied von Henlein und Brand vorsetzen, um,die Erde zu hauen, da sie ganzandere Sorgen haben und weil sie zu erkennen beginnen, daß diese ganze.Kameradschaft" nur an die eigene Cliquenwirtschaft und an ihre persönlichen Händel denkt, worüber sie das geliebte sudetendoutsche Volk und insonderheit die sudetendeutschen Arbeiter ruhig zugrundegeheu lieben. Große Flucht aus der SdP Der gestrige Tag brachte der sudetcndeut- scheu Totalitätspartri, der es total schlecht geht, nebst denAuStritten zweter weitererEhrengerichtS. Mitglieder mich sonst noch«In paar sehr beachtliche Verzichte auf die totalitären MitgliedSbüchel. So hat der Professor Weizsäcker von der juristischen Fakultät der Prager Deutschen Universität gestern seinen Austritt auS der SdP gemeldet, desgleichen sein Kollege von der anderen Falkultät, G e o g r a p h B r a n d t, der im Vorjahr die Dekanwürde bekleidete. Nicht genug damit, hat auch Herr S ch ö n f e l d,«in Bankbeamter und Gauobmann der SdP in Prag, auf die Ehre, der SdP weiter anzugehören, mit gestrigem Tage verzichtet. Dagegen hat der andere Brandt den man mit dem Geographen gewiß nicht verlvechseln Ivird, zwar nicht die SdP, aber Prag verlassen und seinen Urlaich angetreten. Daß er als Henleins Privatsekretär ansersehen ist, wird in Abrede gestellt, das heißt, man läßt parteiamtlich verlauten, daß Uber seine künftige Parteistellung s päte r entschieden werden soll. Henlein In l-ondon Wie„Die Zeit" meldet, ist Henlein am Donnerstag mittags mit dem fahrplanmäßigen Flugzeug nach London abgereist, und zwar auf Einladung seiner englischen Freunde, die schon vor Wochen den Wunsch zn einer Zusammenkunft geäußert hätten. Der Londoner Aufenthalt Henleins soll nur von kurzer Dauer sein. Zum politischen Erfolg aber braucht es vor allem Sinn für konstruktive Gestaltung... Wie es heißt, wird Henlein um jeden Preis an Dr. Brand festhalten. So kann es geschehe», daß eine Bewegung, die einmal mit großem Schwung von unten her begann, nunnichr von oben her zerstört wird.... Der Führer, der die Idee verriet, risliert alles. Der Mythus Henlein ist dahin..." Wir hätten eS jetzt leicht, festzustellen, wie viel Vertrauen auch die Christlichsozialen lange genug dem„völlig unpolitischen" Henlein ent- gegenbrachtenl Mer wir wollen es mit der Anerkennung später Einsicht bewenden lassen. Sie fügen sich schon Im voraus I . In der Partei der„Reinheit" und der --Einigkeit" geht es drunter und drüber. Täglich liest man von Streitigkeiten, Ehrengerichten und Parteiausschlüssen. Um die Anhänger zu beruhigen, hat auch die Znäi- m.er Hcnleinpartei eine außerordentliche Sitzung dcü Kreis rates.einberufcn. Diese Sitzung fand am letzte» Sonntag in Klein-Teßwitz statt. Sie befaßte sich eingehend mit dem berüchtigten Ehre n g e r i ch t gegen Dr. Brand und bekannte sich u n e i n g e s ch r ä n l t zu dieser Ehrengerichtsposse! Ja,»och mehr! Der männerstolze Kreisrat erklärte,„sich auch in Zukunft allen wie immer gearteten personellen und anderen Entscheidungen zu fügen..."! Fügsame Herren, die Mitglieder des Znaimer Kreisratesl Sie decken nicht nur die jetzigen unverständlichen Entscheidungen des Herrn Henlein, sondern geben ihm auch noch einen Fr e i b r i e f für die Z u k u» f tl Mag Herr Henlein recht oder unrecht tu», richtig oder falsch handeln— die Mitglieder des Znaimer KreisrateS erklären im voraus, dass sie sich allen wie immer gearteten Entscheidungen fügen werden! Für sie ist Henlein der unsehlbare P a p st, dessen Tun und Lassen sie ungeprüft und im voraus anerkennen! Kommunistische Fäden zu Henlein... Unser Karlsbader„Volkswille" macht auf einen ganz einzigartigen Tatbestand aufnierksam. Die Gebietsleitung Westböhmen des„B u n d e S der Freunde der Sowjetunion" hat in einem Rundschreiben jene ihrer Mitglieder, die unter Mißachtung unserer Parteibeschlüsse immer noch getarnt in der Partei u n d in jenem Bund sitzen, aufgefordert, die bevorstehende sozialdemokratische Kreiskonfercnz Karlsbad im Sinne des Bundes zu einem kommunistischen Vorstoß innevhalb unserer Partei zu benutzen. Nicht genug damit,' hat einer der Empfänger dieses Rundschreibens cs in die H e n l e i n p r e s s e getragen, die es mich prompt abdruckte. Die „Sozialdemokraten", an die sich dieser kommunistische Bund wendet, sehen also so aus, daß lie die extrem sowjetfeindliche Henleinpresse zur Hetze gegen die Sozialdemokratie benützen! Das Urteil aller anständigen Arbeiter, ohne Unterschied der Parteirichtung, über diese Handlungsweise wie überhaupt über das Auftreten des „Bundes der Freunde der Sowjetunion" dürfte Ivohl einstimmig sein. Verhaftung»ach dem Schutzgesetz. Die Gendarmerie nahm vor einigen Tagen im Arbeiterheim in Bergstadt den aus Heinrichstal bei Mähr.» Schönberg stammenden Johann Heinz in Haft, der sich nach dem Schulgesetz vergangen hatte. Heinz kehrte im Axbeiterheim in Bergstadt ein, Ivo er einigemale„H e i l H i t l e r!" gerufen hatte. Er wurde in die Haft des Bezirksgerichtes eingeliefert. Der Präsident der Republik wird bei seiner geplanten Reise nach Nordböhmen laut einer Information des„Freigeist" am 18. August in Reichenberg sein und bei dieser Gelegenheit auch die Messe besuchen. Für diesen Besuch ist ein umfangreiches Programm vorgesehen, welches demnächst bekanntgegeben wird. Die Kreiskmrferen» Karlsbad findet Samstag, den 1. August, im Bergarbeiterheim in Falkenau im Nahmen des Festprogramms des Westböhmischen Arbeitertages mit folgender Tagesordnung statt: Begrüßung unb Konstituierung. Bericht über Stand und Tätigkeit: der Organisation, der Presse, der Unternehmungen. Die außen- und innerpolitische Situation und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Neuwahl der Kreisvertretung und deren BeratungSkörperschas- ten. Anträge und Eventuelles. Selbstmord auf dem Friedhof. Bei! der Mauer des zwischen Bokau und Gartih liegenden Friedhofes erschoß sich ein etwa övjähriger Mann. Die sofort heröcigerufene Gendarmerie und der Arzt konnten nur noch den Tod des Mannes feststellen, der sich durch einen Revolverschuß in die rechte Schläfe getötet hatte. Die bei dem Toten vorgenommene Untersuchung förderte zwei Briefe zutage, aus denen zu schließen ist, dah es sich um Adolf H u d e h k a aus Schwaden handelt, der seinem Leben an der Stelle des Friedhofes ei» Ende bereitete, an der seine Elt e r n ruh em n r'/i,..., Riesiger Arbeltsreditsprozeft in Winterberg 110 Arbeitslose aus Außergelild verlangen nadilrtiglKlie Lohnauszahlung - 110 Arbeiter aus Autzergefild überreichten gegen die Straßenbausirma Robert R a n k l in Winterberg die Klage auf Nachzahlung einer Gesamtlohnsumme von XL 80.000. Es handelt sich ussi eine Nachtragsforderung aus dem Straßenbau Franzenstal— Außergefild, welcher in den Jahren 1938 und 1984 durchgeführt wurde. Am 13. Juli fand vor dem Bezirksgericht in W in te rb e r g die erste Verhandlung statt, zu welcher alle 110 Kläger trotz deS fünfstündigen Fussmarsches erschienen waren. Ihre Vertretung hatten der Sekretär des Fabrikarbeiterverbandes Genosse Di n n e b I e r und der Aussiger Advokat Genosse Dr. Mahler inne, welche sich bemühten, einen Ausgleich zu erzielen, um einen jahrelangen Prozeß zu vermeiden. Die Forderung der Arbeitslosen wurde im Lause der Verhandlungen Die Arbeitslosigkeit in Nordböhmen Juni 1935:118.055, Juni 1936:112.947 Arbeitslose , Ende Juni waren in lI.Bczirlöanstalten für Arbeitsverinittlnng in Nordböhmen 112.947 Ar- beitslose angemeldet, ivaS einen Rückgang nicht nur gegenüber Anfang Juni d. I. sondern auch gegenüber Ende Juni der Jahre 1932—1935 bedeutet, wo 122.158, bezw. 120.103, 114.758, 115.858 und 118.055 Arbeitslose gezählt wurden. Wenn der Rückgang der Arbeitslosigkeit im heurigen Jahre um 1.3 Prozent hinter dem durchschnittlichen Rückgang im Lande Böhmen zurückbleibt, so ist es dein geringen Umfang der landwirtschaftlichen Arbeiten und der verhältnismäßig schwächeren Baubewegung zuzuschreiben. Zur Linderung der Folgen der Arbeitslosigkeit hat auch im Juni die gewerkschaftliche Ar beitslosenunterstützung mit dem Staatszuschuß beigetragen, welche. 25.866 gänzlich und 12.038 zeitweise Arbeitslose erhielten, sowie die staatliche ErnährungSaktionl Zur Besserung der Lage haben hauptsächlich Saisonarbeiten beigetragen, von denen besonders Arbeiten in der Landwirtschaft(auch Heuernte) und Bauarbeiten mit einer mäßigen Belebung in einer Reihe von Berufen, die für diese Arbeiten zu erwähnen wären. Beim Gewerbe machte sich eine schwache Belebung im Bekleid dungsfache und am Lande vor allem bei den für die Landwirtschaft arbeitenden Handwerken bemerkbar. In den Hauptindustriebetrieben blieb auch im Juni die. teilweise bessere Beschäftigung auS der letzten Zeit. Wie alljährlich steigt auch heuer die Anzahl der Bewerber und Bewerbepinnen um Lehrstellen und die Arbeitsvermittlungsanstalten bitten daher wiederholt alle Lehrherren, die Lehrstellen bei der zuständigen nächsten Bezirksanstalt für allgemeine unentgeltliche ArbeitS- und Dienstvermittlung zu melden. Den Haupt- anteil an der Besserung haben jedoch auch diesmal die öffentlichen Arbeiten gehabt. Für 150 Notstandsarbeiten wurden 4070 Personen zugewiesen, für 40 JpvestitionSarbeiten 709 Personen. Durchschnittlich arbeiteten bei 170 Not» standSarbeiten 5234 Personen, bei 63 Jnvesti« tionsarbeiten 1715 Personen. Eine teilweise Uebersicht der Entwicklung der Lage geben die Zahlen über die Arbeitslosigkeit in den HauptberusSklassen vom End« Juni 1935 und 1986: BerufSgruppe 1985 Landwirtschaft.. 2.874 Bergbau..'... 8.566 Glasindustrie...... 14.177 Metall»ünd Maschinenindustrie 11.087 Holzbearbeitung L..",. 5.292 TextMnpustrle 4;,,... 21.852 Bekleidungsindustrie>’»' 3.670 Bauarbeitei:!., MM-, /10.999 Hilfsarbeiter-j äs» 19,350 Handels- und Jndustrieangest,■ 4.107 Tagarbeiter... 7..., 8.915 HaushältungSpersonal.'.- 8.051 Lehrlinge und Lehrmädchen, 944 1936 3.153 8.686 18.047 10.128 4.796 18.587* 8.605 10.668 18.592 4.541 9,164 8.016 98Q sogar schon bis auf Kö 85.000.— ermäßigt, doch war kein Ilebcreinlommen zu erzielen, da die beklagte Firma lediglich Kö 15.000 zu geben bereit war. Nach Durchführung des Beweisverfahrens wird daher im Oktober eine weitere Verhandlung stattsinden. Der Einmarsch der 110 Kläger, denen die Not auS den Augen sah und von denen einige infolge Unterernährung und der Strapazen deS langen Fussmarsches wahrhaftig nur mehr so wankten, erregte in den Strassen der Stadt begreiflicherweise grosses Aufsehen. Die Bevölkerung brachte ohne Unterschied der Parteieinstellung spontan ihre Sympathien mit den um ihr Recht kämpfenden Arbeitslosen zum Ausdruck. ble Provokateure am Schafbers überführt Unter diesem Titel erbringt die„Deutsche Landpost" überzeugend den Beweis, daß es sich bei dem so elend gescheiterten Besuch Henleins und der Seinen am Schasbcrg„um eine,bewußt«, iiüersallsartigc Störung der deutschen Landvolks» kundgebung handelte". Denn während der„Zeit"» Berichtcrstätter in seiner„Verlogenheit" einerseits behauptete, daß die SdP-Abordnung die Kranzniederlegung erst nach Wschluß der Feier beabsichtigt hatte, verrät er an anderer Stell«, daß die Herren um Henlein„unter Erlegung des Eintrittsgeldes" in die Feier eingedrungen waren. Und hier unterbricht die„Deutsche Landpost" den„Zeit"-Bericht mit folgender Anklage: Halt! Herr Henlein, jetzt eine Frage persönlich an Sie. Sie behaupten, beabsichtigt zu haben, erst nach Mschluß des Landvolksfestes, vor dem Sie und ihre Presse überdies warnten, auf den Schafberg zu kommen., Nun wird hier mit Ihrem Wissen angeführt, daß Sie mit Ihrem Stabe Eintrittskarten lösten. Zu welchem Zwecke, wenn im Zeit"»Berichte mit heuchlerischer Unschuldsmiene betont wird, Herr Henlein wollte erst nach Beendigung des Festes kommen? Wolle»Sie, Herr Henlein, danochleugnen, daßessichum eine bewußte Provokation Ihrerseits handelt«? ber Mythus Henlein Ist dahin Darauf ist nun auch die„D e u t s ch e Press e" endlich gekommen. In ihrem donnerstägige» Leitartikel finden wir folgende Stellen: Die SdP hat ihren Mythus eingebüßt. Dieser Mythus hieß— Konrad Henlein. Etwas anderes hatte die Partei nicht. Eine gerade politische Linie wird man bei Ihr vergeblich suchen. Zwischen Wellenbergen der Loyalität und Wellentälern einer plötzlichen Opposition schwankte ihre Politik hin uyd her. So hatte die Partei nur eines: Den Zauber, den man der Führerpersönlichkeit Henleins züschrieb. Dieser Zauber ist nun dahin. Er hat sich als geschickter Produkt einer noch geschickteren Propaganda'erwieset,. Nun ist die Illusion an der Wirklichkeit zerbrochen. Indem Henlein das Ehrengericht beiseite schob, hat er sich an Grundsatz und Idee der Ehre vergriffen. Er hat sich selbst über di« Idee gestellt. Das ist nicht der, Heroismus eines Führers, hier gingen einfach gewisse menschliche Bindungen vor. Die persönliche Freundschaft hat über . die Idee des Führers gesiegt. Henlein ist klein, sehr klein geworden. Der Mythus .ist dahin. Eingeweihte, behaupten,, daß Henlein -persönliche Gründe habe, um an-Dr. Brand festzuhalten. Henlein, ist km Grunde«in völlig unp ol it i sch« r- Men sch. Das Erzieherische liegt ihm mehr als di« Beurteilung und Durchdringung der A politischen Situation. Deshalb war er auch in dey Tnrnbewegung voll am Platze. Hier ^ konnte er-wirken, wie es ihm da» Herz eingab., Seife 4 Freitag, 17. Sufi 1936 Nr. 165 Litwinow 60 Jahre - Es Ist ein-Zufall, daß an demselben Tage, da der tschechoslowakische Außenminister. Krosta als Sohn eines Bankdicners in Bialystol geboren worden, trat 1901 der russischen sozialdemokratische» Partei bei, arbeitete illegal in Rußland, lebte lange als Emigrant iin Ausland(er lvar auch Vertreter seiner Partei in der Internationale) und wurde nach der Oktoberrevolution 1917 Gesandter in London. 1921 wurde er der Stellvertreter des jüngst verstorbenen Tschitscherin und 1980 selbst Volkskommissar des Aeußern. Seine größten Erfolge waren der Eintritt der Sowiet-llnion in den Völkerbund und der Ab- schluh der Pakte mit Frankreich und der Tschecho- slowakei. Er ist der Vertreter einer undogmatischen, realistischen Außenpolitik und bezeichnet seine Richtung als sozialistischen Realismus. General Alksnls bei Flachnlk Prag. Der Chef der Delegation des russische» Militärflugwesens, Armeegeneral AI k s- n i S, wurde Donnerstag vormittags vom Minister' für Nationalverteidigung Machnit empsan- grn. Dann besuchte er den Generalinspektoc- der tschechoslowakischen Wehrmacht Armeegeneral S y r o v h und den Generalstabschef Armeegeneral KrejH. Mittags veranstaltete der Minister für Nationalverteidigung für die Gäste ein Dejeuner am Barrandov. Der Nachmittag lvar der Besichtigung Prags gelvidmet. General AlkSniS ist heute einer der bedeutendste» Männer der Sowietunion. Er wurde im Jahre 1897 in Lettland als Sohn eines landwirtschaftlichen Arbeiters geboren, absolvierte eine Mittelschule und wurde-Lehrer. Im Jahre 1917 rückte er ein und absolvierte in Odessa eine Schule für Infanterieoffiziere.. Während der Oktober-Revolution und in den Kämpfen an der russischen Westfront zeichnete er sich aus und wurde bald auf höhere Kommandostellen befördert. Er steht schon seit Jahren an der Spitze des Flugressorts, das heute in Rußland zu de» wichtigsten Ressorts zählt. Ihm hat das Flugwesen der Sowjetunion zum großen.Teil seine heutige Entwicklung zu verdanken. Uli dem Flugzeug Ins Meer gestürzt Polnischer General tödlich verunglückt Warschau. Der Luftabwehr-Inspektor Polens, Divisionsgeneral O r l i c z- D r e s z e r, fand Donnerstag nachmittags bei einer. Flugzeug- Katastrophe an der polnischen Meeresküste in der Nähe von Gdingen den Tod. Der Apparat, in welchem der. General in Begleitung des Piloten Hauptmann Lagieswski und des Obersten Loth aus Warschau einen Flug nach Gdingen unter- nonnneN hatte, stürzte in der Nähe von Orloivo wahrscheinlich infolge Motordefektes insMeer ab. Alle Flugzeug-Insasse» fanden hiebei den Tod. General Orliez-Dreszer hatte die Absicht, auf einem Flugplatz in der Nähe von Gdingen zu landen, um seine von einer Amerikareise in die Heimat zurückkehrcnde Gattin im Gdingener Hafen zu begrüßen. Die Leichen der Verunglückten konnten erst nach angestrengtem Suchen ans dem Meere geborgen iverden. Fememord In Bukarest Bukarest. Der ehemalige Abgeordnete Michael S t e I c S c» wurde am Donnerstag im Krankenhaus ermordet. Etwa 12 Personen dränge» in das Krankenhaus, in dem sich Stelescu zur Behandlung befunden hatte, ein, und töteten ihn durch mehrere Revolverschüsse, Die Täter wurden verhaftet. Stelescu trat bereits vor längerer Zeit aus der Opilanisatson der„Eisernen Garde", die inzwische» aufgelöst worden ist, aus und führte dann eine heftige Pressekampagne gegen sie, wobei er insbesondere den Führer dieser Organisation, Cornelius Codreanu, heftig angrijk, Mysteriöser Anschlag<- auf den englischen König London.(Reuter.) Bei der feierlichen Fahnenübergabe an einige Militärabteilungen dec. Londoner Garnison im Hydepark ereignete sich am Donnerstag ein aufregender Vorfall. Ein Mann drängte sich rasch durch die Menge in der Richtung zum König. Drei Polizisten ergriffen ihn sofort und führten ihn auf das nächste Kommissariat, wo der Mann. in Hast genommen wurde. Auf dem Weg wurde ein R e v o l der gefunden. Es wurde bisher noch nicht ganz einwandfrei festgestellt, ob der Unbekannte in der Tat dfe Waffe gegen den König richtete, als er sich durch die Menge hindurchdrängte. Mehrere Augenzeugen erklären, daß er den Revolver i n einem Lappen versteckt hielt und ihn derart umhüllt gegen den König schleuder t Andere'sagen aus, daß das so entstandene Bündel das Pferd traf. Al? die Polizeibeainten den Verhafteten abführten, unternahm ein anderer Mann den Versuch, den ersteren den Beamten zu entreißen; auch der zlveite Mann wurde, verhaftet. Der König hatte diese ganze Szene mit angesehen, doch ritt er ruhig weiter, als ob nichts passiert wäre. Der amtliche Bericht besagt, daß der Mann nicht geschossen habe, daß jedoch der" bei ihm gefundene Revolver mit vier oder fünf schärfen Patronen geladen war. Ansonsten ist der ganz" Vorfall noch immer überaus mysteriös. Das Blatt „Cvening Standard" behauptet, der Mann habe den Revolver abgedrück i, doch hätte die Waffe versagt. Der Verhaftete ist britischer Staatsangehöriger.• Der vermeintliche Angreifer auf den König erklärte bei der vorläufigen Einvernahme, daß er Georg M a h o n heiße, und Journalist sei. Er erzählte den Journalisten, daß an allem. Sir John Simon schuld sei, dem er Mittwoch abends geschrieben und Donnerstag früh telephoniert habe. Er behauptet, daß er dem König kein Leid zufügen wollte und daß er seine heutige Tat zum ZeichendesProtestes-verübt habe. Mahon ist ein Krüppel; er hat ein verunstaltetes Bein. Es wurde gegen ihn die Klage wegen unbcftigten Waffentragens mit der Absicht, Leben zu^gefährden, erhoben.. Den Detektiven zeigte der Verhaftete einen fünfschüssigen Revolver, der mit 4 Patronen geladen war. Er wiederholte immer wieder, daß er den König nicht ermorden wollte. Soziale Bilanz von„Kraft durch Freude** Eine» naiv-ronommistischen Beitrag zum Wesen des als Gcwerkschaftsersatz dienenden Amüsierbetriebes von„Äraft durch Freude" im Rahinen der„Deutschen Arbeitsfront" liefert jetzt die„Gauwartung"(dieses arische Wort stammt nicht von uns!) des GaueS Essen der D. A. F. Sie setzt nämlich in der letzten Nummer der Ley-amtlichen„Deutschen Arbciterkorrespondenz" auseinander und rechnet nach, wer alles im letzten Jahr den Vorzug hatte, mit,Alraft durch Freude", bestritten von den Beitragspsennigen von Millionen schwer ar- beitender deutscher Menschen, die zum Zahlen einfach gezwungen sind, durch bic halbe Welt zu juxen. Und dabei kommt cs an den Tag. daß „fast" die Hälfte der Fahrtcntcilnehiyer Arbeiter, aber rund 40 ProzcntAngestelltc gewesen sindl Nun gibt es in Deutschland ettva siebenmal so viel Arbeiter, als solche Berufstätige, die sich im Angestclltenvcrhältnis befin-. den. Danach kann nian sich ausrechncn,>vas die Arbeiter in ihrer Gesamtheit zulegcn müssen, um sogenannten„Bcsscrsituierten" ohne oder mit Stehkragen zu einer wcinfrohcn Fahrt nach Madeira zu verhelfen! Noch drastischer kommt dieser eminent„soziale" Charakter der Lcy'schen Hauserrungenschaft in den folgenden Zahlen seiner so schlicht-naiven„Ganwartung" Essen zum Ausdruck: Nämlich: Fährtteilnehmer mit einem Monatseinkommen bis zu 100 Mark waren es nur 22 Prozent, Fährtteilnehmer mit einem solchen bis zu 250 Mark aber waren es 28 Prozent! Welcher Arbeiter verdient heute in Deutschland noch 250 Mark? Man müßte ihn mit der Laterne suchen... Auch das beweist klar,, daß sich Buchhalter, Kassierer und Pro- kuristen ihren Jux von den Zwangsbeiträgen der Aormsten der Hitler'schen„Volksgemeinschaft" seelenruhig bezahlen lassen. „Ich werbe mich bemühen!" Am Dienstag weilten tschechische Kinder aus Bulgarien, die zu einem Ferienaufenthalt in der Tschechoslowakei eingetroffen sind, in Lany als Gäste des Roten .Kreuzes zu Besuch. Im Schloßpark begegneten sie den P-räsidcnten-Befreier Masaryk, an den der Führer der Exkursion den Wunsch richtete, er möge in voller Gesundheit noch recht lange leben. Masaryk antwortete darauf scherzhaft:„Ich werde mich bemühen!" Autounglück auf der St. Gotthard-Straße. Der französische Automobilist Abbö Courtois, der aus Paris in der Schweiz eingetroffen war, um hier seine Ferien zu verbringen, nahm in seinem Wagen eine Schweizer Familie,- bestehend aus einer Frau und drei Kindern auf, um mit ihnen nach Schwyz zu fahren. Auf der St. Gotthardtstraße stürzte das Auwmobil zwischen Luzern und Schwyz in den Lowerzsee. Alle Insassen kamen ums Leben. AutobuSunglück. In Plowdiw, der größten Stadt Südbulgariens, stürzte auf der Straße ein großer Autobus um, der mit 35 Personen, größtenteils einheimischen Armeniern, die einen Aus- slüg Üntc'rnahineti, besetzt' wär. Es' gelang nur mit Mühe, die Passagiere zu befreien, von denen' viele, darunter einige schwer, verletzt wurden. ' Beseitigte Choleragefahr. Die Gefahr des Ausbruches der Cholera in-Alexandrien, die infolge der Unvorsichtigkeit eines betrunkenen- Matrosen, der in ein chemisches Laboratorium- eingedrungen war, bestand, scheint abgewendet zu sein. Die Behörden haben erklärt, daß keine der Personen, die in erster Reihe betroffen sein konnten, unter Anzeichen von Cholera erkrankt ist. Der Vorfall hat auch in Kairo große Aufregung hervorgerufen und viele Leute, die nach Alexandrien reisen wollten, haben ihre Absicht aufgegeben. Die Gefangenen der Bastille. Wie alljährlich, feierte auch diesmal gapz Frankreich den Nationalfeiertag der Erstürmung der Bastille durch Tanz und Volksfeste. Im Jahre 1789 wurde auf dem Place de la Bastille nicht getanzt, sondern die Menge eroberte' das Staatsgefängnis der Bourbonen, um angeblich die dort fcstgehalfenen Freiheitskämpfer zu befreien.. Die wenigsten wissen, daß man nach der Erstürmung der Bastille im ganzen sieben Gefangene lebend vorsand. Darunter ein Fälscher, Jean Bachade, und seine drei Komplizen Laroche, Pujade und Lacau- Am französischen Nationalfeiertag fand in Paris eine Militärparade statt, bei d er auch dir modernen Kricgsmittel vorgefiihrt wurden. Eine Windhose wütet Am Vergangenen Mittwoch, den 15. Juli, zog über die Gegend von Einsiedel-Neudörfel im Bezirke Schluckenau trotz des verhältnismäßig kühlen Tages ein schweres Gewitter auf, das sich hauptsächlich über Neudörfel entlud. Nachdem die Megemnassen schon verlaufen waren, setzte plötzlich eine Windhose mit ungeheurer Wucht ein. Die Windhose nahm ihren Weg über den Friedhof von Neudörfel gegen die Objekte Meusel und Werner und von dort ivelier gegen das Dorf. Am schwersten betroffen'ivurden die Landwirte Werner, Meusel und Hentschel. Bei den drei Gebäuden, den Scheunen Werners und Meusels und dem Gasthaus Lehngericht fand die Windhose den ersten Ansatzpunkt. Das Ergebnis ist furchtbar. Die beiden Scheunen wurden vollkommen demoliert und stürzten zusammen. Dezimeter st arle Balken wurden 200 bis 300 Meter weit fortgetragen. Auf der dänebenliegenden Wiese spießten sich Bretter und Balken mctertief in den Erdboden. Beim Gasthaus Erb- und Lehngericht wurde der Giebel eingedrückt und vollständig demoliert. Der Rauchsang liegt unten aus der Wiese, während der rückwärtige obere Teil des Hauses eingestürzt ist. Eigenartiger Weise ging das Univetter dann über das in der Mulde liegende Dorf hinweg. Dort wurden vor allem Obstbäume, allerdings in großer Zahl, in Mitleidenschaft gezogen. Außerdem wurden lediglich einige Zäune und zwei oder drei Schupfen umgelegt. Erst am unteren Ende des Dorfes richtete die Windhose wieder größeren Schaden an. Die dort stehende Scheuer des Landwirtes Hentschel wurde derart mitgenommen, daß sie vollständig abgetragen werden muß. Der Schaden, der hier binnen wenigen Minuten an Gebäuden, Obstbäumen etc. angerichtet wurde, ist heute noch nicht zu übersehen. rege. Außer ihnen befand, sich ein Ire de Whyte und ein gewisser Tavernier in der Bastille, die beide von der jahrzehntelangen Haft irrsinnig geworden waren, und von den Revolutionären ins Irrenhaus gebracht wurden. Ein einziger von den Häftlingen konnte als politisch gelten, cs war der Graf de SolageS, der wegen Aufwiegelung der Jugend sieben Jahre in der Bafttlle faß. Diese geringe Zahl der Gefangenen der Bastille hat zu unzähligen Gerüchicn Anlaß gegeben. Man hat namentlich angenommen, daß die Gc- sängnisleitung beim Sturm alle Gefangenen in den Kellern ermordet habe, aber man hat keine Leichen und nicht einmal Skelette gefunden. Dagegen hat man allerdings im Lazarett der Bastille eine Menge von Präparaten entdeckt, die man aber nienigls pekogiwszirren konnte,-, Au»flug»züge der Staatsbahnen. Vom 18. bis 26. Juli quer durch den Böhmerwald 420 Ke, am 19. Juli Motorsonderzug nach Eisenbrod 75 Xö, vom 25. Juli bis 2. August kreuz und quer durch die Slowakei 595 Xi, vom 14. bis 28. August kreuz und quer durch die Slowakei 600 Xi. Anmeldungen mit Shtga&e im Basar neben dem Wilsonbahnhof in Prag,, Telephon 88385. Tropische Hitz« in Bulgarien. Ganz Bulgari«» wurde in den letzten Tagen von einer geradezu tropischen Hitze bctrosfen.- An vielen Stellen, insbesondere um Rur an der Donau, um Plowdiw und anderwäris stieg die Temperatur auf 40 Grad Celsius im Schatten. Es wurden viele Fälle von Hitz« schlag festgestellt, Todesfälle wurden aber bisher nicht gemeldet. In Sofia sind die Straßen wegen der unerträglichen Hitze von Mittag bis in die ersten Abendstunden menschenleer. In der Umgebung von Plewna in Südbulgarien ging ein so starker Hagelschlag nieder, daß die Schloßen in vielen Dörfern alle Fensterscheiben und auch die Fenster des von Sofia nach Varna fahrenden Zuges einschlugen. In der Nähe der Station Svoge an der gleichen Strecke schlug der Blitz in eine Schafherde, wobei 112 Schafe getötet wurden. Bessere» Wetter in Sicht. Unter dem Einflüsse eines DruckhochS, welche» sich aus Frankreich gegen unsere Gebiete aulbreitet, erfährt die Wetterlage eine fortschreitende Besserung.- In Mitteleuropa wehte Donnerstag noch ein frischer Westwind, der wiederum eine leichte Abkühlung gebracht hatte. Verschiedentlich traten am Nachmittag Regenschauer auf, die vereinzelt von Gewittern begleitet waren. In Südosteuropa«inschließlich Karpathorußland ist e» jedoch schön geblieben und die Temperatur ist dort noch angestiegen.'— Wahrscheinliche» Wetter von h e.u t e: Von Südwesten her fortschreitend» Wetterbesserung, nächt» etwa» stärkere Abkühlung, untertags jedoch meist wiederum wärmer. Abflauender Wind,— Wetteraussichten fürSam»tag: Im ganzen schön und ziemlich warm. Vom Rundfunk SamSta» Prag: Sender L.: 7.00 Morgenmusik. 10.05 Deutsche Presse. 12.10 Bakule-Sänger. 14.00 Musik von Grieg. 16.05 Kompositionen von Strauß. 17.55 -Deutsche Sendung: Da» grüne Licht, Hörspiel von Faktor. 18.45 Deutsche Presse. 19.50 Musikstunde. 22.80 Bläserkonzert.— Sender St.: 7.80 Populäre» Konzert. 14.80 Mozart: Klavierkonzert. 15.15 Deutsche Sendung: Mädchenlieder. 15.40Kultur- reltef. 15.50 Deutsche Nachrichten.— Brünn: 12.85 Mittagskonzert. 17.40- Deutsche Sendung: Unterarundbahn, Rundfunkspiel. 18.15 Chansons.— Kn- schau: 12.05 Gesang auf Schallplatten. 18.00 Ge« sangSkonzert. Nr. ISS Freitag, 17. Juli ISS« .Leite 6 Zu Friedrich des GroBen■ Von Knut Vor einhundertund fünfzig Jahren, am 17. Juli 1786, hat sich die Gruft über den sterblichen Resten von FriderieuS Rex, dem sagenumwobenen Souverän aus dem Sause Hohenzollern geschloffen. „ES war totenstill," schreibt ein Chronist aus jener Zeit,„aber niemand war traurig." Einhundertfünfzig Jahre später bekennen sich die Führer der„erwachten deutschen Nation" um so geräuschvoller zu ihm. Als einen jungen Mann mit knabenhaften Zügen und zarten Gliedern, die mit rundlichen Fettpolstern überzogen sind, drallen Bäckchen und zwei ausdrucksvollen blauen Augen, so überliefern den Kronprinzen Friedrich zeitgenöffische Chroniken und Bildnisse. Eine„schwere Jugend" attestieren ihm die Geschichtsschreiber, dem scheinbar sensiblen, zivilen, zu ausschweifenden Festen neigenden Sohn eines strengen, militärischen und puritanischen BaterS. Der„Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. verlangt von dem Sohn denselben blinden Gehorsam, dieselbe bedingungslose Unterordnung, die er seinen«Langen KerlS" angeprügelt hat. Und, da der Kronprinz sie ihm verweigert, so verfolgt die erboste Majestät, nachdem sie den leider unvermeidlichen Nachfolger aus dynastischen Rücksichten nicht vernichten kann, deffen Freunde mit drakonischen Maßnahmen. Der liebste Kamerad des jungen Friedrich, der Leutnant Kalte,, wird von den Henkern des Königs um einen Kops kürzer gemacht, die Geliebte des Kronprinzen, eine Potsdamer Kantorentochter, öffentlich auSgepeitscht und„auf ewig" ins EpinnhauS gesteckt. Aber nichts hilft: der scheinbar ungeratene Sohn frönt mit bereitwilligen Kumpanen weiter seinen- sinnenfreudigen Vergnügungen; Prunk, sexuelle Ausschweifung und Liebäugeln mit französischer Geistigkeit bestimmen sein Leben. Der nachmalige König, den di« patriotische Legende— ausnahmsweise zu Recht— als allem Weiblichen abgewandt schildert, ist als Kronprinz ein paffio- nierter Liebhaber. Sein erotischer Appetit ist so unersättlich, daß er Gegenstand internationaler Unterhaltungen wird. In dem Augenblick erst, als ein galantes„malheur" eine unglücklich verlaufene Operation zur Folge hat, schlägt das starke Jntereffe des jungen Friedrich für das weibliche Geschlecht in Ablehnung und Verachtung um, jenen Haß gegen alles Weibliche, von dem die offizielle Legende berichtet. Die erst« große Ueberraschung bereitet der junge Friedrich seiner Umwelt nach dem Ableben seines Baiers, als er König von, Preußen wird. Unangetastet läßter daöväterkiche Erbe, nicht er-' höht werdenbie niedrigen Gchälterder Beamten, nicht erniedrigt die hohen Zölle, das drückende Finanzsystem bleibt ebenso, wie deffen skrupellose Funktionäre. Friedrich geht sogar über das Vermächtnis Friedrich Wilhelm l. hinaus, indem er die kostspielige Liebhaberei des verstorbenen Vaters, die Armee, zur„Macht des Staates" proklamiert und den Heeresstand auf 90.000 „Schnurrbärte" erhöht. Nur die allerersten Regierungsakte des neuen Souveräns erinnern an den Versaffer des.humanen„Antimacchiavell", an den Kronprinzen Friedrich. Der König Friedrich dekretiert das Verbot der Folter, erklärt, daß Gazetten, wenn sie amüsant sind, nicht behindert werden sollen, verkündet religiöse Toleranz und hebt die Zensur auf. Was von diesen humanen RegierungSmaßnähmen, die praktisch kaum durchgeführt wurden, zu halten' ist, illustriert eine KabinettSordre vom 17. Mai 1748, die die zwar ungesetzmähigerweise, aber dennoch stets ausgeübte Zensur von neuem legalisiert:„Alle und jede in unseren Landen herauskommenden Bücher und Schriften, sie mögen Namen haben, wie sie wollen, sollen der Zensur unterworfen bleiben." Der Tod Kaiser Karls VI. ist ihm ein willkommener Anlaß, unvermittelt und ohne jede innere Berechtigung, seine Expansionsgelüste zu realisieren. Als die von allen Seiten bedrohte Maria Theresia sich dennoch weigert, völlig unmotivierte- Ansprüche auf die nahrhafte österreichische Provinz Schlesien anzuerkennen, nüht der preuische König in einer nicht gerade ritterlichen Aufwallung die schwierige Situation der jungen Königin aus. Maria Theresia, im Konflikt mit dem bayrischen König, der, gestützt durch Frankreich, nach der Kaiserkrone verlangt, braucht Frieden mit Preußen. Ober« und Unterschlesien wie di« Grafschaft Glah fallen dem richtig spekulierenden Friedrich fast kampflos als reiche Beute zu. Zwei Jahre später hat er diesen Besitz gegen Maria Theresia, die den Verlust noch nicht verschmerzt hat, zu verteidigen... Als Frieden geschloffen wird, stehen 186.000 Solönten In Friedrichs Sold. Eine unverhältnismäßig hohe Zahl, unverhältnismäßig hoch im Vergleich mit den anderen europäischen Armeen, hoch-vor allem aber auch'gegenüber der Bevöl« kerungSzahl und der ökonomischen Situation Preußens. Hat schon Friedrich Wilhelm l-, der Vater Friedrich II.; die zur Erhaltung des Heeres nötigen Steuern fast ausschließlich auf die bäuerlichen und, bürgerlichen Klaffen abgewälzt, so werden diese selben Klaffen jetzt erst recht- vov Friedrich II..,—r und dies in verstärktem Maße — herangezogen, verstärkt durch den mit der Vergrößerung' der Armee. erhöhten Finanzbedarf, verstärkt^vor allem auch durch die prinzipielle Einstellung des neuesi'Königs zu seinen Untertanen. Im Gegensatz zu seinem Vater, Vir'„König ifer Hitlers 10. Todestag(17. Juli 1936) UOrnitad und Herr" auch gegenüber seinen Junkern sein, sie zu Abgaben an den Staat zwingen wollte, protegiert nämlich der jung« Friedrich nachdrücklichst die boruffische Junkerherrlichkeit. In dem Matze, wie Friedrichs Verhalten zu seiner näheren Umgebung, zu seinen Untertanen immer seltsamer, immer rätselhafter wird, in dem Maße, wie niemand mehr sein Vertrauen genießt und er allen mißtraut, wächst auch die Mauer des Unverstehens ihm gegenüber außerhalb der preußischen Landesgrenzen. In Furcht versetzt durch seine militärischen-Unternehmungen, die unaufhörliche Vergrößerung seiner Armee, seinen Arbeitsfanatismus und seine beunruhigenden Proklamationen, abgestoßen durch seine ungewöhnliche, unnahbare Einsamkeit, erzeugt die europäische Diplomatie eine keineswegs schmeichelhafte Legende um diesen Souverän. Friedrich ist über die Welle des Haffes, die sich vorläufig noch an den preußischen Grenzen bricht, gut informiert. Fieberhaft werden seine Anstrengungen zur Ertüchtigung seines Heeres. Durch neue Manövrier» und neue Kriegstaktik, noch nie dagewefene militärische Ausbildung, strengste Disziplin und Drill, soll eine Schlagkraft erzeugt werden, die ein paar Jahre später einer Welt von Feinden widerstehen soll. Ein Zeit« genösse, Moores, schildert 1779 in„Leben und Sitten In Deutschland" die Offiziere der preußischen Soldateska folgendermaßen: „Stets ist der Offizier bereit, mit seinem spanischen Rohr loszuschlagen. Der einzige Zeitvertreib der Offiziere ist ein Spaziergang auf dem Paradeplatz, und ihre Gespräche untereinander, ihr Gedankenkreis ist sehr eng, sie haben weder Gelegenheit,. große Gesellschaften zu besuchen, noch Zeit zu Studien. Der König wünscht nicht, daß sie ihren Gedankenkreis erweitern, sie sollen nicht davon abgehalten werden, Soldaten abzurichten, Knöpfe an ihren Röcken zu zählen, Gamaschen und Hosen zu untersuchen." Thiöbaults Memoiren bestätigen diese Angaben. Er schreibt weiter:„Ein großer Teil des Heeres bestand aus Fremden, die zur Hefe ihrer Völker gehörten und meist Deserteure, Vagabunden waren. Die Soldaten verstanden oft nicht einmal die deutsche Sprache." Die Atmosphäre des Haffes und Mißtrauens gegenüber dem preußischen König mußte sich entladen. 1786 bricht der„Siebenjährige Krieg" auS, den Preußen— theoretisch im Bunde mit England, praktisch allein— gegen Oesterreich, Frankreich, Rußland, Sachsen,,Polen, Schweden und ein ,!ReichSheer"' zü fÜHM.Hät.JN diesem für Friedrich beinahe selbstmörderischen Kampf verdankt der preußische König einem Glücksfall seine Rettung: Im Augenblick der größten Gefahr für das preußische Heer stirbt die erbitterte Feindin Friedrichs, Elisabeth von Rußland. Ihr Nachfolger, der schwächliche Zar Peter, ein schwärmerischer Verehrer der preußischen Majestät, schließt mit Friedrich sofort Frieden. Ein Jahr später folgen die anderen Feinde Preußens diesem Beispiel und bestätigen 1768 im Frieden von Hubertusburg die preußischen Grenzen. „Zu Ende des Krieges", fchreibt Schmoller, „waren die preußischen Provinzen in einem entsetzlichen Zu st and. Die Menschen-, Vieh- und Kapitalverluste waren übermäßig, ein Drittel der Berliner lebte von Armenunterstühung. In der Neumark gab es notorisch fast kein Vieh mehr. Tausende von Häusern und' Hütten waren niedergebrannt. Eine volkswirtschaftliche Krise der schlimmsten Art folgte dem Frieden und dauerte noch mehrere Jahre." Gichtisch, grauhaarig und stark gealtert, bösartiger und einsamer denn je, so macht sich Friedrich an den Wiederaufbau seines Landes. Die Not seines Volkes bekümmert ihn nicht übermäßig— als viel dringender erscheint ihm die Vergrößerung seines Heeres. Zwei Millionen Taler fallen ihm feine auS- geblutetcn Untertanen an neuen Steuern für diese Zwecke liefern. Und als selbst das Generaldirektorium, die oberste Verwaltungsbehörde des friderizianischen Staats, diese neue Abgabe für untragbar erklärt, importiert der Heros des gegenwärtigen„nationalen Deutschland" kurz- entschloffen«ine Bande abgebrühter, rücksichtsloser Steuer- und Zollbeamter.aus Frankreich. Der Gesandte Mitchell berichtet, die Direktoren der neuen Behörde seien„Franzosen geringer Herkunft- und- völlig unwissend in Sprache, Giften und Gebräuchen des Landes.... drei von'ihnen Bankrotteure."' „Nehmen Sie von denen, die bezahlen können",- erklärt- diesen. Herren der. preußische König,-«ich gebe Sie Ihnen preis.".In der den Beamten-erteilten Vollmacht fügt er überdies hinzu, Zweck ihrer Berufung fei. eine derartige Verteilung-der Steuerlast? daß„die Reichen mit ihrem Ueberfluß in gewiss» Weise zur Entlastung' der Armen beitragen und.daß zwischen beiden ein. gerechtes>ünd-verständiges Verhältnis besteht."/ ' Aber als die französischen Beamten dieses königliche Wort wabr, machen und die.Begüterten tatsächlich zu. Abgabe», heranziehen wollen/verbietet, es. ihnen der König brüsk. WaS bleibt den neuen Beamten nun anderes übrig, als sich wieder an jene zu hätten, die nicht dem steuerfreien/ Adel oder den fönst bevorrechtigten Klaffen angehören:. an-Bauern und Bürger. Einführung des -Tabakmonöpols,' Erhöhung der Branntweinsteuer/ Verdoppelung der Biersteuer,. Verteuerung des LebenSbedarfeS der Massen— so sieht praktisch deS„sozialen" Friedrich„Entlastung der Armen" auSi Um gegen die„noch immer andauernden Klagen derer Fabrikanten und Kaufleute", die sich über zu hohe Arbeitslöhne beschweren, ein UebrigeS zu tun, ordnet Friedrich 1777 an, daß „derArbeiter so wohlfeil als möglich leben muß, alsdann braucht der Entrepreneur den Arbeitslohn nicht so teuer zu bezahlen, und er kann seine Waren viel wohlfeiler ver». kaufen..." Um den Arbeiter, der in dem menschenarmen Land selten und sehr gesucht ist, am Streik zu hindern, hat Friedrich in der„HandwcrkS- Ordnung" schon 1774 wohlweislich verfügt: „Wenn die Gesellen unter irgendeinem Vorwand einen'Aufstand machen, so sollen dergleichen Frevler und boshafte' Verächter unserer Handwerks-Ordnung' nicht allein mit Gefängnis-, Zuchthaus- und Festungsbaustrafe belegt, sondern auch am Leben gestraft werden." Wer streikt, ist also vogelfrei. Mit mindestens einem Drittel, in manchen Landesteilen mit der Hälfte seiner Erträgnisse wird der Bauer, von unzähligen anderen Abgaben an Gutsherren, Priester nstv. abgesehen, zu der neuen Steuer,.der„Kontribution", hcr- angczogen. Dafür beschert ihm der fridcrizianische Staat mit dem„Allgemeinen Landrecht", 0aS die unbeschränkte Gctvalt der adeligen„Gutsherrschaft" gegenüber dem nichtadcligen„Untertan" legalisiert. ' Die aufstrebende Bourgeoisie, die Handwerker und Arbeitsleutc werden durch die sogenannte „Akziese", eine-Grund-, Gewerbe- und Kopfsteuer, verbunden- mit indirekten Abgaben auf Getränke; Fleisch und andere Lebensmittel geschröpft.'„Unter den Bürgern herrscht große Armut",'berichtet 1788 der berühmte zeitgenöffische Dichter Wieland in seinem„Deutschen Merkur",„und niemand ist mit der Regierung Friedrichs zufrieden, alle kritteln, murren, beschweren sich."' ' Leidet der fridcrizianische Unterton schon als vollwertiger Arbeiter große Not, um so größer muß seine Bedrängnis werden, wenn er alt, gebrechlich und für die Arbeit unbrauchbar ist. Für diese Unglücklichen sorgt der große König in Form von„milden Stiftungen". Wie sich diese in der Praxis ausnehmen, beschreibt 1784 die„Stimme eines Kosmopoliten in der Wüste":„Ich besuchte eine Armenanstatt vor dem Königstor, wo arme, bedürftige Menschen zum Wollspinnen und anderen Handarbeiten angchalten werden und dafür ihren Unterhalt empfangen, aber bei den wildesten Kaffern hätte man mehr Spuren der Menschlichkeit angetrosfen, als hier; der Arme, der Kranke wird hier mißhandelt, jener Bissen Brot wird" Ihni" mit'Flüchen verabreicht, halbnackte Menschen, auf deren Stirne das Elend tiefe Furchen gezogen, schlichen matt und saftlos gebückt einher, und ein liebloser Bursche schlug auf sie -ein, wenn sie ihre bestimmte Arbeit nicht verrichteten. Hager tvar ihre Kost, unbereitet ihr Lager, um sie herum lagerte Gesindel. Die Aufseher einer solchen Anstalt schwelgen in den milden Gaben und entziehen den Armen, die sie als Sklaven behandeln, ihren Unterhalt. Die Armenvögte greifen die Bettler auf und bringen sic in Handel um Danzig Warschau.(HavaS.) Wie verlautet, hatte der swlnische Außenminister Beck bei seiner Rückkehr auS Genf in Berlin eine Unterredung mit Göring. Wie es scheint, ist Deutschland ent» schloffen, sich in der Danziger Frage Reserve aufzuerlegen, um die polnisch-deutschen Beziehungen nicht zu gefährden. Der podiische Kommissar in Danzig erklärt« kürzlich, dass Polen eine einseitige Aendvrung nicht zulassen würde. DaS kann jedoch bedeuten, daß eS gewisse Aendenmgen annehmen würde, die auf der anderen Seite durch Zugeständnisse aufgewogen würden. AIS Mindestforderungen Polens werden genannt: Absolut« Kontrolle über die Post und Verwaltung des Danziger HafenS, polnische Polizei In der Stadt, Vetorecht bei der Wahl d«S SenatSpräsidenten und Aufsicht über dir Tätigkeit der Danziger Zetteliank. Die Konferenz von Montreux *’'? D|cse Konferenz, von der sich Italien noch schmollend zurückhält, obwohl seine Handelsschiff- fahxt im Schwarzen Meer an erster Stolle steht, tagt'nun feit drei. Wochen in Montreux und zeigt das gleiche trostlose Bild auseinandergehender Interessen der Großstaaten,.an das wir nachgerade gewöhnt sind. Die Türkei will Herr im eigenen Häufe sein, das heißt, sie will die Meerengen be» festigen und die internationale Meere'ngenkömmif- ston beseitigt wissen. Alles andere ist ihr' ziemlich gleichgültig. Denn sinddieMeerengen fzs ihrer» Besitz, dann kommt keiner d u'r'ch.den hie! Türkei.nicht freiwillig durch- kährey. läßt. Dieser Grundgedawft scheint aber W Ländern Mächten nichh so gqnh klar zu sein, deitn,soM würden sie dH Befestigung deck Türken nicht widerspruchslos genehmigen und-sich über Dingeftreiten, die post faktüm dieser Befestigung fast bedeutungslos sind. Die Russen Ivollen mit ihrer Flotte- aus dem Schwarzen Meer ausfahrcn dürfen und die iFranzosen unterstützen diesen das große Armenhaus; ich war Zeuge, wie sich die Unglücklichen unter den Händen ihrer Henker gewunden haben, auf die Knie fielen und um Barmherzigkeit flehten, sie nicht in dies Haus zu schleppen; sie schätzten ein Leben unter dem freien Himmel höher ein, als das Dasein in einem solchen Spital." Eine Sonderbchandlung genießen die Veteranen und Invaliden des ruhmreichen Heeres. Ihnen ist der„Dank des Vaterlande»" gewiß: R. W. v. Kaltenborn liefert-1700 in seinen„Briefen eines alten preußischen Offiziers" zu diesem Kapitel ein aufschlußreiches Dokument.„Wenn Friedrich", schreibt er,„nach dem Krieg von Sanssouci nach Potsdam ritt, begleiteten ihn fast jedesmal zehn bis zwölf alte Soldaten mit Holzbcinen,. einem Arm oder anderen Verstümmelungen, in alten unbrauchbaren Uniformen. War er guter Laune, befahl er seinem Leibpagen:„Gib ihnen was", und dann warf der Page einen Taler unter die armen, alten Invaliden hin, wie man einem vor Hunger bellenden Hunde etwa einen Knochen hinwirft. Mehr als einmal gab er in der Woche nicht. War er schlechter Laune, befahl er:„Zum Teufe:— jagt doch die Kanaillen weg." Dann machten sich die.jungen angehenden Helden den Spaß, einige Male auf die„Sieger" de- Königs mit der Peitsche loszuhauen." So wenig es Friedrich um die Gesundung „seines" Volkes— in dem er nur Pack und kin« dcrzcugendcs Gesindel sieht—, zu tun ist, so uninteressiert ist er auch an einem„nationalen" Preußen, mag auch die Legende das Gegenteil behaupten. Gute fridcrizianische Provinzen sind ihm lieber als schlechte preußische. Mit Freuden gäbe er seine rheinischen Besitzungen den Franzosen und die Provinz Ostpreußen den Russen, wenn sie ihm dafür Sachsen einstreichcn ließen;, wie er auch aus aller Herren Länder„brauchbares Mcnschenmatcrial" ansiedclt. Inzwischen ist der König immer eigensinniger und despotischer, immer Iveltabgewandter und sonderlicher geworden. Nicht einmal den Philosophen und Literaten gelingt eS, ihn zu ergötzen. Er hat eine Unterhaltung durch sie Wohl nie übermäßig geschätzt. So schreibt er über Voltaire: „Er war sechs Tage bei mir: daS macht täglich 180 Taler. Das heißt seinen Hanswurst teuer bezahlen; niemals hat ein Hofnarr solchen Lohn erhalten." Aber nun jagt er alle zum Teufel. Richtig zu verdauen, erscheint ihm wichtiger, als sich um Erkenntnis des Wesens der Dinge zu bemühen. Von körperlichen Beschwerden geplagt, von Haß gegen das menschliche Geschlecht erfüllt, verbringt er seine letzten Lebensjahre in völliger Vereinsamung. Seinem Volke frcind und verhaßt, König, eines.morschen Staates, dessen ökonomisch«, Umschichtung er nicht mehr begreift, verlöscht, seim Leben. Daß er den Fortschritt knebelte und den Kastengeist festigte, daß er den Besitzenden nur gab, den Besitzlosen nur nahm, verschafft ihm im Deutschland des Dritten Reiches die Glorie des nationalen Heroen. Deshalb donnern Salutschüsse, deshalb kreuzen Flugzeuggeschwader über seiner Gruft. Die Junker des zwaipsigsten Jahrhunderts huldigen ihrem großen Lehrmeister. Wunsch ihres Verbündeten aus eigenstem Interesse. Wenn sie mit der Türkei sich gut stehen, geht das ohnehin, wenn sie sich schlecht stehen, niemals. Die Engländer wollen mit ihrer Flotte durch die Meerengen fahren, damit das Marmarameer und das Schwarze Meer nicht zu einem Refugium einer im Mittelmcer von ihnen geschlagenen feindlichenFIotte wird(wie es 1914 für die fliehende deutsche„Göben" der Fall war). Auch diese Frage löst sich von selbst, wenn die Meerengen befestigt sind. Denn auch dann wird England durchfahren können, wenn es.mit der Türkei entsprechende Abmachungen trifft, und wird nicht durchfahren können, wenn die Türkei nicht will. Man streitet sich also wieder einmal um Formulierungen, die juristisch sehr interessant sein mögen, aber politisch im letzten Grunde ganz gleichgültig sind. Die Türkei tritt bewußt a«S der Möglichkeit einer Neutralität in einem kommenden Kriege heraus, denn eS ist klar, daß ihre Weigerung, an irgend eine Flotte die Durchfahrt zu gestatten, ihr die Kriegserklärung des betreffenden Staates bringen wird. Aber das scheint ihr immer noch weniger gefährlich, als die ausschließliche Sicherung der Meerengen durch den Bötterbund. Es besteht auch gar kein Zweifel mehr darüber, daß entweder eine zerflatternde Konferenz von Montreux das Zugeständnis der Wiederbefcstigung der Türkei als einzig positives Resultat geben wird, oder, wenn auch dieses, was unbestritten ist, nicht erfolgt, daß die Türkei die Befestigungen ohne weitere Rücksichtauf die Gespräche Europas beginnen wird. Denn auch sie weiß genau, daß wegen dieser Befestigungen kein"Krieg ausbricht. Sie hat dann ihre diplomatisch-politische Pflicht getan und das Problem einer Konferenz vorge- legt; sie hat gesehen, daß sie selbst in den Streitpunkten der Großmächte gar keine Rolle' spielte, baß England sich gegen die Wiederbefestigung nicht wenden wird, und'damit ist für sie die Angelegenheit ja erledigt. Auch die Metrengenkommission würden Frankreich und England gerne aufgeben- wenn sie nicht befürchten müßten, daß sich hieraus ein Präzedenzfall für sonstige international« SchiffahrtskoiNmissionen(Donau und Rhein) ergeben könnte/ /(„Rat. Zig."), Seite 6 Freitag, 17. Jul! 1936 Ne. 165 Bride aus einem Jugendheim Psychologen und Menschen mit guten Herzen befassen sich ost mit der Frage, was wohl im Innern jener jungen Menschen vorgehen mag, die eine unsinnige Wirtschaftsordnung dazu verurteilt hat, der großen„industriellen Reservearmee" anzugehören, die als Sechzehn-, Achtzehn» oder Zwanzigjährige noch nie einen Schlag Arbeit getan, noch nie eine Krone Arbeitslohn erhalten, nie das beglückende Bewußtsein hatten, für diese Welt wertvolle und brauchbare Menschen zu sein, die eine bestimmte steine, aber notwendige Ausgabe in ihr zu erfüllen haben. Ich lasse einige BriefauSzvge folgen, in denen angedeutet wird, unter welchen Verhältnissen ein Großteil der heutigen Jugend zu leben gezwungen ist, Briefe aus einem Jugendheim an die Eltern oder an den Freund, die manchmal nur aus einem Zettel bestehen mit zwei oder drei hingeworsenen Sähen. Wir spüren hinter ihnen die schtvere seelische und körperliche Not einer jungen Generation, die nicht in Untätigkeit und Elend verkommen will. Die Gesellschaft muß dieser Jugend helfen oder sie wird an ihrer Not zugrunde gehen. W. E.— 16 Jahrei„Liebe Eltern, wir haben eS sehr schön hier. Als wir gestern ankamen, haben wir gleich zu essen bekommen: Suppe und Brot. Wir konnten uns einigemal Brot holen und wer heute früh mit drei Semmeln nicht genug hatte, konnte sich wieder Brot hole». Wir sind froh wie die Vögel in der Luft und es sind schon über hundert Jungen hier aus allen Teilen Böhmens. Liebe Eltern, ich mußte heute immer wieder daran denken, wie Ihr doch so schlecht lebt..." F. M.— 17 Jahre.' hier ist ein rich tiges Soldatenleben. Aufstehen, waschen, turnen, essen,— alles in der Zeit von sieben bis acht Uhr. Wir haben gutes Essen, aber einige folgen nicht und deswegen ist die Sehnsucht trotzdem sehr groß. Heute, beim Essen, hätte ich gern etwas für Euch aufgehoben.. F. B.— 16 Jahre:. Es geht uns sehr gut, besser als zu Hause. Unsere Äopfpolster sind niit Stroh gefüllt, aber jeder Bursche hat ein eigenes Bett bekomnien, sogar die steinen Kerle schlafen in einem Bett allein. Das sind viele nicht gelvöhnt..." W. K.— 14 Jahre:„Mir geht es jetzt sehr gut, aber ich muß leider schreiben, daß ich hier auch keine Arbeit bekommen habe. Die Bauern glauben auch, daß ich zu schwach bin, weil ich doch so krank war. Wo soll ich den» aber hingehen, wenn ich ohne Arbeit nicht nach Hause kommen darf, wo Du doch selber schreibst, daß sie bei Sch. auch vierhundert Mann entlassen haben? Da kann ich ja" auch keine Arbeit mehr bekommen. Wenn e- hier aus ist, weiß ich nicht, wo ich hingehen soll.. ," H. S.— 17 Jahre:„Jetzt haben wir noch zwei Wochen, bann geht das Hungern wieder an. Heute hat uns der Leiter gefragt, was wir nach der Aktion machen werden, ich habe auf den Zettel geschrieben: ,,Weiterhungern, genau wie vorher!" Vielleicht werden wir auch einmal Arbeit bekommen. Aber das wird erst dann sein, wenn alle Arbeiter einig sind und in einer Revolution gesiegt haben."— Ich habe auch drauf geschrieben, daß ich an den Sozialismus glaube und darunter habe ich meinen Namen geschrieben.— Ihr braucht Euch nicht viel um mich zu sorgen, wenn Ihr kein Geld schicken könnt, ich werde mich schon durchschlagen..." Nicht alle sind so tatkräftig wie der Schreiber des letzten Briefes, aber alle sind sie gewillt, ihren Teil zur Umformung der jetzigen Verhält- uisfe beizutragen, in welchem politischen Lager sie zur Zeit auch stehen niögen. Martin Grill. Parteigenossin! Parteigenosse! Bist Du schon Mitglied der Kindeefrevnder wenn nicht, dann tritt bei. „SrenndfGaftr" Ausfuhrentwickhing seit dem Krisentief Seit dem Rekordhochstand, den die Aus- f u h r der Tschechoslowakischen Republik im Jahre 1928 mit 19.866 Millionen K£ erreichte, ist die .Ausfuhrentwicklung in den folgenden Jahren eine rückgängige gewesen. Den niedrigsten Stand erreichte sie im Jahre 1988 mit 8888 Millionen KC Umsatz im reinen Warenverkehr. Bon 1984 ist wieder eine Zunahme der Ausfuhr zu verzeichnen. Nach der HalbjahreSbilanz der einzelnen Jahre entwickelte sich die Ausfuhr In den Warengruppen so: Lebende Tiere........ Lebensmittel und Getränke».,, Rohstoffe Fertige Waren 1936 1936 1934 1988 in Millionen xe "1.2 1.1 1.1 0.8 "148.4 190.9 169.4 284.8 781.4 718.7 784.2 571.7 2581.4 2888.4 2216.8 ,1822.9 Die Ausfuhr von Lebensmitteln und Getränken ist demnach im ersten Halbjahr 1986 .nicht nur bedeutend niedriger als vor einem Jahr, sondern sie bleibt noch um ein erhebliches mehr hinter der gleichen Periode des ungünstigsten Jahres 1988 zurück. Dagegen hat die Ausfuhr von Rohstoffen und von Fertigwaren den Stand vom ersten Halbjahr 1988 weit überholt. Bei Rohstoffen beträgt die wertmässige Zunahme 31 Prozent, bei den Fertigwaren annähernd 42 Prozent. Vergleichen wir einige der wichtigsten Posten unserer Spezialausfuhr dem Werte nach, so ergibt sich folgendes Bild. Es betrug die Ausfuhr jeweils im ersten Halbjahr: Eisen- und Cisentvaren. Glas- und Glaswaren. ••••• 1936 "429.2 254,7 1936• in Milli 879.7 247.2 1934 onen K£ 870.9 256.9 1933 219.2 221.1 Baumwolle, Garne und Waren daraus 327.0 801.8 261.4 814.8 Wolle und Wollengarne a a a 240.0 228.7 244.5 162.4 Kohlen ■ M a a M 189.4 192.3 211.1 176.5 Konsektionswaren.■ 9■ M ■ • 153.8 122.8 99.9 58.7 Leder und Lederwaren. »» ■ • 230.5 160.3 159.7 151.0 Seide und Seidenwaren 161.2 136.4 183.9 124.3 Papier und Rapierwaren • • 105.0 93.3 101.6 86.9 Flachs, Hanf, Jute-Garne und -Waren 107.2 143.8 189.2 99.6 Maschinen und Apparate •, a • 102.1 95.3 74.8 54.7 77.2 80.8 77.8 70.0 62.8 55.2 50.4 41.8 Aus dieser Tabelle Ist die besonders starke wertmähige Steigerung der Ausfuhr einzelner Industrien klar zu ersehen. Im ersten Halbjahr 1936 hat sich km Vergleich zu 1933 die Ausfuhr von KonfektionSwaren nahezu verdreifacht- die von Eise,: und Eisenwaren und von Maschinen und Apparate» fast verdoppelt. Bei Leder und Lederwaren und Wollgarnen und Waren daraus ergibt sich eine Zunahme von rund 50 Prozent. In anderen Zweigen unserer verarbeitenden Industrie ist sie dagegen bedeutend geringer Bei einer Betrachtung der Entwicklung unserer Ausfwhr darf man die im Feber 1984 erfolgte Kronenabwertung nicht unberücksichtigt lassen. Gemessen an dem Kronenwert von 1933 ist demnach die Ausfuhrerhöhung gegenüber dem Tiefstand geringer, als es die obenstehenden Ziffern zum AuSdruck bringen. Daß Eisen und Eisenwaren kn der Steigerung die Spitze halben, das sei noch kurz durch die Wiedergabe der mengenmäßigen Ausfuhr unterstrichen. In Tonnen Nettogewicht wurden jeweils im ersten Halbjahr ausgefühct: 1986 1983 Eisenwaren ,,,,, 60.405 40.437 Stabeisen,,,». 88.012 5.466 Eiserne Bleche und Platten 21.703 10.299 , Rechtfertigt die Entfernung der Ausfuhr vom Krisentief auch eine zuversichtlichere Beurteilung der weiteren Entwicklung als in den. früheren Jahren, so unterstreicht der Vergleich die Notwendigkeit einer kräftigen Ausfuhrförderung, die durch handelspolitisch« Entschlüsse und durch Steigerung der AufnahmSfähigkeit des JnlandSab- satzmarkteS zu erreichen ist. Die Nationalisierung der Rüstungsindustrie In Frankreich Nach offiziellen-Mitteilungen enthält der Regierungsentwurf über die Nationalisierung der Rüstungsindustrien folgende Einzelheiten: Der Staat erhält das Recht, alle privaten Unternehmungen, die ganz oder teilweise der Erzeugung von Kriegsmaterial dienen, zu nationalisieren. Unter Kriegsmaterial werden dabei ausschließlich Kampfmittel verstanden, wie Feuerwaffen und Munition mit den dazugehörigen Transportmitteln, also auch Kriegsschiffe usw. Im Motivenbericht wird ausgeführt, daß.die Waffen- und Munitionserzeugung vällig spezialisiert sei und eine Sache der Militäringenieure darstelle; die Nationalisierung wird hier einen sehr wetten Umfang annehmen können. Bei den dafür bestimmten Transportmitteln sei die Situation weniger klar, da ihre Herstellung mit derjenigen verwandter Zivilverkehrsmitteln eng verbunden sei(Handelsschiffe, Zivilflugzeuge, Automobile). Bei der Flugzeugfabrikation überwiegt indeffen die Herstellung von Kriegsflugzeugen so stark, daß hier weitgehende Nationalisierung erfolgen werde,. Bei den Unternehmungen, die nicht unmittelbar nationalisiert werden, behält sich der Staat eine äußerst, strenges Kontrollrecht vor, namentlich durch Lizenzzwang, Bewilligungsverfahren für alle Aufträge, Kontrolle im Betrieb und fallweise Einführung gemischter Verwaltungsräte. Im ganzen wird sich die Nationalisierung auf etwa ein Dutzend von Unternehmungen erstrecken. Der Form nach wird der Staat die Aktien ganz oder teilweise ankaufen, eventuell" gegen Staatspapiere. Nach der Nationalisierung dürfen die Rüstungsbetriebe aus ihren Lieferungen keine Gewinne mehr abwerfen. In Fällen, in denen sich die Eigentümer weigern sollten, die Aktien zu verkaufen, wird eine aus Vertretern der intereffierten Ministerien zusammengesetzte Schiedskommission entscheiden.' Erdbeben-Seen Die Seismographen der Natur Fische, Mäuse, Hunde und angeblich auch manche Geisteskranke besitzen die Fähigkeit, Erdbeben anzuzeigen. Bei allen deutet eine auffallend gesteigerte Unruhe und sichtbare Bewegung darauf hin, daß etwas nicht in Ordnung ist. Während die Menschen von der bevorstehenden Katastrophe noch nichts ahnen, reagieren sie schon vorher und registrieren auch die Nähe oder die Stärke des Erdbebens. Bon den natürlichen Erdbeben-Meldern sind aber die Seen die zuverlässigsten. Es gibt auf der ganzen Welt nur drei See n, von denen man weiß, daß sie ein Erdbeben melden. Der eine ist der berühmte Stechlin- See in der Provinz Brandenburg in Deutschland; der zweite liegt in den südamerikanischen Hochanden, ziemlich genau auf der Grenze zwischen Peru und Bolivien; der dritte, bedeutend kleiner, aber womöglich noch„nervöser", liegt im jugoslawischen Schar-Gebirge. Am meisten ist der Stechlin-See untersucht worden. Schon vor 189 Jahren wurde man auf ihn aufmerksam, als der See am 1. November 1788 begann,, ohne sichtbaren Anlaß, bei heiterem windstillen Wetter, haushohe Wellen zu werfen. Wochen später traf die Nachricht ein, daß die Stadt Lissabon durch ein Erdbeben vollkommen verwüstet worden lvar; es war nicht schwer, den Zusammenhang zwischen Unruhe der Erde und Unruhe des Sees festzustellen. Die zweite Groß-Katastrophe wurde nachweisbar 1928 vom Stechlin-See vorhergesagt: diesmal war es das fürchterliche japanische Erdbeben, das auf.dem Stechlin-See-46 Minuten früher Weflen warf, bevor es Tokio vernichtete. Und seitdem beobachtet man den See Tag und Nacht; bei jeder" kleinsten Unruhe auf dem Waffer, die nicht vom Winde verursacht wird, meldet man das bevorstehende Erdbeben telephonisch dein Seismologischen Institut, und regelmäßig verzeichnen die Seismographen 89 bis 80 Minuten später. einen Erdstoß, der Süddeutschland, auch Afghanistan oder die Philipps- nen getroffen haben kann. Trotz aller Anstren- gen ist man bis heute noch.nicht hinter dciS Geheimnis des deutschen Erdbebensees gekommen. Man hat nur festgestellt, daß der Seegrund dauernd seine Gestalt ändert; daß manchmal Höhen unterschiede bis zu zehn Metern austreten— das ist aber auch alles. In S ü d a m e r i k a, das den zweiten „Erdbeben-See" besitzt, haben die umwohnenden Indianer einen regelrechten Wachtdienst eingerichtet. Ständig.ist^ein Indianer damit beschäftigt, über die Wasseroberfläche zu spähen. Beim leisesten unmotivierten Kräuseln des Wasserspiegels gibt er einen Alarmruf weiter; die anderen Indianer stürzen aus ihren Hütten an das See- Ufer und starren auf^daS seltsame Schauspiel, das jetzt zu sehen ist. Immer höher werden bei vöfliger Windstille die Weflen; plötzlich steigen an verschiedenen Stellen des Sees bis zu 89 Meter hohe schäumende Gischt- und Wasserfon- tänen auf, die an Geysire erinnern. Wieder "dauert es 89 bis 89 Minuten,— dann spielt sich irgendwo draußen ük der Welt eine Erdbebentragödie ab.■ Inzwischen haben sich die Wasser schon beruhigt; sie haben, trotz der Geysire, ihre eisige Gebirgssee-Temperatur behalten.. ■ Der dritte See im Sch a r- Gebirge in I u g o s l a w i"e n jst wesentlich1leiner,"aber noch zuverlässiger. Er registriert als NaturseiS- mograph die Erdstöße, die sich besonders auf der Balkanhalbinsel ereignest. Auch er„arbeitet", be- BezugSbedtngungen:B«i Zustellung in» Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich stä 16.—. vierteljährig Ki 48.. halbjährig Ki 96.— Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt'stur bei Einsendung der Retourmarken.— Die graphendirektwu mit Erlaß Ar, lfi.800/V.II/198Q bewilligt--- Druckerei: ,F)rbis", Druck-, Perlags« und 8-'^ Zur Finanzierung von Weekendfahrten. In Smichow hatten unbekannte Täter am" 8. Juli-die Kanzlei des Jng. Domansky erbrochen und eine Schreib- sowie eine Rechenmaschine im Werte von 7900 tti erbeutet. Nun wurde festgestellt, daß der Einbruch von vier Bäckergehilfen durchgeführt worden ist, die daS Geld zu ihren Weekendsahrten benötigten. Der 22jährige Johann Breinl aus Smichow und seine drei Helfershelfer haben in der Polizeihaft bereits ein Geständnis abgelegt. Die Schreibmaschine hatten sie bereits verkauft, die Rechenmaschine wurde bei ihnen gefunden. Ban-Unglück. Im Keller eines Neubaues in der Jiilinska in den Weinbergen arbeitete am Mittwoch der 40jährige Arbeiter Franz Rujjikka aus Psary. Dabei siel er aus der Höhe von einem Meter auf einen Schubkarren und brach sich das Hüftgelenk. Er mußte ins Allgemeine Krankenhaus geschafft werden. Die neue Stesanik-Brücke. Das Bauamt der Stadt Prag veranstaltet vom 19. Juli bis 2. August eine Ausstellung der Entwürfe für den'Bau der neuen Stefanik-Brücke, die zu dem kürzlich ausgeschriebenen Preisausschreiben eingereicht wurden. Die Ausstellung wird im Pavillon der Tischler auf der Hehinsel stattfinden. Falscher Mädchenhändler-Alarm. Dor einigen Tagen wurde die Prager Polizei durch die Meldung alarmiert, daß die siebzehnjährige Helene No Vak aus Zijkow von Unbekannten entführt worden sei. Die Novak hatte einen Brief an ihr« Mutter hinter« lassen, worin sie ersucht, man möge auf sie nicht warten; sie werde nicht nach Hause zurückkehren, sondern mit einem Herrn und einigen Mädchen nach England und Amerika fahreck. Man glaubte, daß das Mädchen ein Opfer von Mädchenhändlern geworden sei, doch fand der ganze Vorfall«ine einfache Aufklärung. Ein Verwandter der Novak kam auf die Pressemeldungen hin zur Polizei und gab an, daß die Vermißte schon einige Tage in seiner Wohnung in Vrioviee bei seiner Tochter wohne. Sie hatte erNärt, daß sie Urlaub habe. Inzwischen war die Novak jedoch schon wieder aus der Wohnung verschwunden und wird jetzt neuerdings gesucht. Xun&t und Wfeaea „Literatur am Naschmarkt." Im Rahmen der Sommerspielzeit der Klein en Bühne gastiert ab Montag, den 20. Juli, di« Wiener Kleinkunstbühne .^Literatur am Naschmarkt" mit den zwei Revuen „Prater 1986" und„Große Reise". Lteratuc F. Knbka: Menschen der Sowleiunlon. 1986, OrbiS-Verlag, Prag.— Das Büchlein saßt einig« Eindrücke zusammen, die der Verfasser auf einer Reise durch die Sowjetunion empfangen hat. Er schildert vor allem die Menschen, mit denen er zu- sammengekbmmen ist: Staatsmänner, Journalisten, Schriftsteller, Wissenschaftlers" Militärs. Mit wenigen Strichen zeichnet er dar Porträt«iiniger markanter Persönlichkeiten der heutigen Sowjetstaates, wobei das Wesentliche stark und plastisch hervortritt. Die Kürze des Buches und der flüssige Stil werden bewirken, daß es viele Leser finden wird. E.St. Bücher, die man lesen muss Friedrich Stampfer: Die 14 Jahre der ersten deutschen Republik 640 Seiten kart. K£ 80.—, gebd. Kä 105;—. AlexanderStein: Adolf Hitler, Schüler der„Weisen von Zion" 120 Seiten kart. Kä 18.—. Gregor Bienstock: Europa und di« Weltpolitik 84 Seiten kart. KC 15—. Zu beziehen durch di« Zentralstelle für daS Bildungswesen, Prag XH.» Slezskä 18. vor das Erdbeben verspürt wird, und auch er ist der eigentlichen Katastrophe um gut eine halbe Stunde voraus. Seine typische Eigenheit ist das „Kochen": während die Weflen immer Höher werden, steigt überafl Schaum und Wasserdampf wie in einem Kochtopf auf. Messungen ergeben, daß die Temperaturen sich dennoch nicht im allergeringsten geändert haben. Die Empfindlichkeit dieses Sees ist erheblich. Auch di« kleinsten, sticht einmal auf den bedeutenden europäischen seismologischen Stationen wahrgenommenen Erdstöße auf der Halbinsel Chalkidike und in den albanischen Bergen werden gewissenhaft vorausgemeldet, ebenso die größeren-Beben in allen Teilen der Welt.* ‘ Ebensowenig wie man weiß, warum die Erdbeben-Seen die Katastrophe anzeigen können, kann, man bis heute Nutze» aus der Erfahrung ziehen. Wenn Lei jedem Weflenschlag des Stech- lin-Sees, bei jedem Geysir in den Hoch-Anden "und bei jedem Kochen des jugoslawischen Schar- Sees Warnungen an afle bekannten Erdbebenherde der Welt abgehest würden, würde mgn /mancher Katastrophe vielleicht zuvorkommest können. So aber bleibt man auf ungewisse geophysikalische Vorausberechnungen angewiesen.. ganzjährig Xi 192.—.— Inserate werden laut Zeitungsfrankatur wurde vost der Bost- und Tele- is-A.-G, Prag,