Einzelpreis 70 Heller (•InichlleBllch 5 Haller Portol ER5CHIINT MIT AUSNAHMI DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 5X77. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUS*, PRÄS. AMAMMyt IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 16. Jahrgang Samstag, 18. Juli 1936 Nr. 166 Beide»Führer' Im Ausland Brand bei Spann In Wien Henlein in London— . auf Postensuche für Brand? Die„Neue Morgenpost", die sich Wer die Vorgänge in der SdP dauernd sehr gut informiert zeigt, erfährt, daß Dr. Walter Brand seinen Urlaub angetreten und sich nach Wien begeben hat, wo er seinem Lehrmeister, dem Papst der Ständestaat!«, Prof. Othmar Spann, einen Besuch abstatten wird. Spann soll sich durch die Entscheidung des Ehrengerichts gegen Brand persönlich verletzt fühlen und eine Erwiderung vorbereiten, die Sonntag in der„gelt" erscheinen dürste. Die Reise Brands zu Spann ist sehr bezeichnend. Spann ist der Vater der Theorie vom Ständestaat, insbesondere von der Minderwertig« Kauft tose dar Arbetturfürsorgal Ziehung am 27. Oktober 1936 feit der Handarbeiter(für welche, schäbige, von den Kapitalisten bestellte Theorie wir kürzlich in -Unserem- Blatte interessante Belege.' anführten) und von-der Berufung des„Staatsstandes", dir Führerschichte, zum Herrschen. S p an n hat sich durch.seine a rb e i t e rf e in d Ii ch e, hochmütige T h e o r i c, die sich als Handlangerdienst für Ausbeuter und Lohndrücker darstellr, derart kompromittiert, daß sogar die offiziellen reichsdeutschen und noch mehr die offiziellen öfter» reichischen Kreise von ihm abgerückt sind. Die letzte Heimstatt seiner Theorie war die SdP, wo di« Kameradschaftsbündler, lauter Spannianer vom reinsten Wasser— Brand war einst Assistent bei Spann— die Zügel in der Hand hielten. Daß sich in ernster Stunde Brand wieder mit dem Meister berät, beweist nur, daß der KB den Kampf noch nicht aufgibt und auf'seinen volkssremden und arbeiterfeindlichen Theorien beharrt... Noch interessanter ist, was die„N. Morgenpost" über den Zweck der Henlein-Reise nach London zu berichten-weiß. Angeblich wird Henlein, der-nach anderweitig bekannt gewordener eigener Aussage Walter Brand„wie einen Sohn liebt", für den bedrohten Liebling eine neueExi- st e n z s ch a f f e n. In Aussicht genommen soll ein Posten bei der„Interparlamentarischen Union der Bölkerbundligen" sein. Eine Organisation dieses Namens gibt es nicht. Die Interparlamentarische Union und die Internationale Union der Völkerbundligen kommen beide kaum in Frage, -wohl aber der Europäische Nationalitätenkongreß, dessen Sekretär Ewald A m m e n d e, ein Deutschkalte,.kürzlich verstorben, ist. Die offizielle Pressestelle der SdP gibt'bekannt, daß- Henlein, nach Er«, ledlgüngj gewisser Verhandlungen sogleich aus. London zurückkehrenwsrde. Die Mitglieder der SdP sind gewißg^spqnnt,.waS er ihnen mitbrin- genwird und hoffest, daß eS'für stä m t l't ch.e, Brüder Brand in dieser harten Zett noch einpqär hinlänglich'besoldete Stellen in Europa, gihtl ,.-'• 133 Tote In Palästina Jerusalem. Offiziell wird mitgeteilt, daß bei den Unruhe» in Palästina vom IS. April bis zum. 15. Juli dß. 3. 86 Mohammedaner, vier Christen und SS Juden, säintlich.ZivUisten/ getötet wurden. Ebenso wurde ein» drtilischer Polizist, zwei mohammedanische Polizisten und' vier Soldaten briw. Flieger'getötet..' ' Die Ueberfälle in Palästina dauern inSbe- - sondere in der Nachtzeit an. Die jüdische Bevöl- .keptzng, scheint sich bereits an den, Dauerzustand, den Injichecheit gewöhnt zu haben. Kleine Locarno-Konferenz am 2L Juli In London Paris.(HavaS.) Die sogenannte Kleine Konferenz der Locarnostaaten, unter welcher die Beratungen Englands, Frankreichs und B e l g i e n S verstanden werden, tritt am Donnerstag, den 28. Juli, in L o n d o it und nicht in Brüssel zusammen, um sür Anfang September eine größere Locarno-Kon» fercnz unter Beteiligung Deutschlands und Italiens vorzubereiten. Nach den bisherigen Dispositionen sollen sich sowohl Aussenminister D«l i o S, als auch Ministerpräsident Blum nach London begeben. ES scheint, dass sich die Londoner Besprech«»- gen nicht nur auf den engen Rahmen der Konse- renz beschränken werden, sondern das, in London der gesamte Komplex der aktuellen außenpolitischen Fragen betreffend die friedliche Organisierung Europas besprochen werden wird. Die z w e i t e, größere Konferenz würde den letzten Nachrichten zufolge um den 15. August in Brüssel zusammentrcten. England spielt weiter Vermittlung Der- diplomatische Reuter-Berichterstatter meldet: Ein vorläuf.igerMe.inungS- auStausch über die Fragen,- welche offenbar auf der späteren-Fünfer-Konferenz werden behandelt werden, sei alles, was man in London von dieser Dreier-Konfecenz-rrwartet. Die britisckM informierten Kreise- hoffen noch immer auf ein europäisches G e s a m.t a b k o mmen. ' Wenn die geplante Fünfer-Konferenz einen befriedigenden Verlauf habe» wird,«nd wenn bei ihr auch Fragen werden aufgerollt . werden, welche alleitr von diesen fünf Mächte» nicht entschieden werden können, dann würde sich nach Londoner Ansicht diese Fünfer-Konferenz in eine viel weitere Kon ferenz verwandeln, zu der andere europäische Staaten«ingeladen würden. In RegierungSkreisen zweifle man nicht daran, daß es unbedingt notwendig ist, alle Anstrengungen zu machen.und leine Gelegenheit zu versäumen, um die Wolken zu zerstreuen, welche gegenwärtig Europa verdüstern und die Drohung zu beseitigen, daß Aenderungen in Europa durch die Methode fertiger Tatsachen durchgeführt werden. DaS große Ziel der allgemeinen Beruhigung in Europa könne allerdings nur allmählich erreicht werden. Die britische Regierung wünsche aber vor allem die Austeilung Europas in Blocks und GegenblockS, wie dies vor dem Weltkrieg« der Fall war, abzuwenden. Leere Gesten... Berlin. In diplomatischen Kreisen verlautet, daß die Reichsregierung die Absicht habe, eine G e st e zu machen, die als allgemeine Antwort auf den britischen Fragebogen angesehen werden könnte. Es handle sich um eine zusammenfassende Erklärung über die außenpolitische Lage, wobei die Regierung ihren Friedenswillen zum Ausdruck brächte, den sie durch den Abschluß des österpeichisch-deutschen Abkommens bewiesen habe. Hitler, würde gleichzeitig formell die italienische Oberherrschaft in Abessinien anerkennen. Paris. Der römisch« Korrespondent der„Information Financiere" erklärt, daß Mussolini für den September dieses JahreS eine Konferenz von sieben"Staaten einzuberufen beabsichtigt, welche Uber die Rekonstruktion Europas verhandeln soll. Außer Italien, Frankreich, England, Deutschland, Polen und Rußland, die, wie es heißt, zu der Konferenz elngcladen werden sollen» wird in diesem Zusammenhang auch von Belgien gesprochen. kezierunsslmse als Dauerzustand Bulgarien von Cankows Nazismus bedrängt Sofia.(Tsch. P. B.) Unter den Mitgliedern der neuen bulgarischen Regierung, die am 4, Juli eingesetzt wurde, sind dieser Tage ernstere Meinungsverschiedenheiten aufgetreten. Es zeigte sich, daß der neue Innenminister KraSnovski wieder Erwarten nicht die Absicht hat, den Forderungen EankowS und seiner zwei Exponenten in der Re- gierung, des Ministers für Volkskultur. Prof. Mischajkow und insbesondere des EisenbahnMini- sterS Kojucharows, zu entsprechen. Letzterer hatte Im Einvernehmen mit Cankow verlangt, daß Innenminister KraSnovski di« Stellen einiger Provinzgouverneure und Gauvorsteher mit Can- kow-Anhängern besetze, was KraSnowsti auf das Entschiedenste ablehnte, wobei ex betonte, daß eS sich ihm.um freie Wahlen handle. Es kam auch zu Differenzen. zwischen dem' Ministerpräsidenten. Kjosejwauow und Cänkow- selbst wegen dessen selbstbetpußten-Kundgebungen, die überall den Eindruck hinterließen, daß es Ausgabe der gegen» wärttgen Regierung sei, einer. Regierung Eankow den Weg zu bereiten. Zwischen Kjosejwauow und Minister KraSnowsti'besteht völlige Solidarität: Diese Wendung hat bei den Tankow-Leuten große Erregung hervorgerufen. Einige Führer dieser Bewegung fordern bereits, daß die beiden Tankow-Minister Kojucharow und Mischajkow ihre Demission geben und so eine neue Regierungskrise Hervorrufen. , Für den kommenden Sonntag hat Cankow eine Konferenz des erweiterten Vollzugsausschusses. feiner nationalsozialistischen Bewegung nach Sofia-einberufen, was den Bestimmungen über die Auflösung der politischen Parteien widerspricht. '.Der dritte politische Minister in der neuen Regierung, LandwirtschastSminister. Wasilew, drängt, wie verlautet, auf eine bedingungslose Erneuerung der alten suspendierten Verfassung. In Sofia gehen, schließlich Gerüchte um, denen zufolge eS im Hinblicke auf diese Meinungsverschiedenheiten nicht ausgeschlossen sei, daß die Wahle», die laut Regierungserklärung in der zweiten Hälft« des Oktober stattfinden sollten, auf einen-späteren Zeitpunkt verschoben, werden. Ein Streik Im Hltler-Relch!- Mainz. In Rüsselsheim traten 300 Ar befttr der Opel-Automobilwerke als Protest gegen die Einschränkung der Arbeitszett, die d«rch die unzulängliche Bersorgnug mit Kautschuk verursachtwordsnist,ineiue»Proteststre ik,'Drr Führer der Arbeitsfront hat Auftrag gegeben, die Arbeiter zu entlassen. Und Protestanten, die endlich protestieren - Verl i n.(HavaS.) Die Führer derpr otesta«tifch e n Kirche sandte», dem Reichskanzler Httler rin langes R emo ran d um,‘ in dim ssesegen die Bedrückung des Christentum« im deutsche« Volke und gegen d ie Zerstörung der Kirche fofüie gegen die Vergewaltigungen des christlichen Gewissens prote stieren, die im Nameu der totalitären-staatlichen Gnwdsiltze'vyübt werde«.' Der^Protest,richtet'sich auch, gegen den Verfall des Rsichtes nu» der Mo-r-al im Dritte«Wiche. Dieses Memorandum, da« bisher geheimgehalten w»rde, hat H>tler.dem Kultusmiuister Kerrl übergchcu. Biege« Erkrankung Kerrls ist da«. Memorandum bisher«üdeiMwtirtet-gkbKeb«^ j Stärkung der Friedensfront Der neue Dardanellenvertras Das Ergebnis der Mcerengen-Konfercnz von Montreux, das jetzt so gut lvie gesichert ist, muß als außenpolitisches Ereignis von hoher Bedeutung gewertet iverdcn— und ausnahmsweise sogar als ein außenpolitisches Ereignis, das hoffnungsvoll ist, wofiir schon das aufgeregte Echo, das eS in der Presse des Dritten Reiches gefunden hat, ein hinreichender BclvciS ist. Nach dem Versagen der Völkerbundmächte gegenüber Mussolini und Hitler ist die in Montreux dicht vor dem Abschluß stehende Dardanellen-Konvention daS erste sichtbare Zeichen einer Stärkung der Front, von deren Einigkeit und Festigkeit eS abhängen wird, ob der Faschismus an seinem weiteren Vordringen und an seiüen kriegslüsternen Plänen noch gehindert werden kann. Die Konvention von Montreux wurd zunächst den« Verlangen der Türkei auf Wicderbefestigung der Dardanellen stattgebeu und weiterhin die Frage der Dndchsahrt durch die Dardanellen, regel», die bisher vollkonnnen frei war und unter Aufsicht einer Pölkcrbnndlonnnis- sion stand, die von der Türkei nach den Ereignissen der letzten Zeit als nicht mehr genügend aktionsfähig angesehen wurde. In Zukunft wird die Türkei selbst die Aufsicht üb er-die Dardanellen übernehmen und daS Recht haben, sie für Kriegsschiffe zu sperren, aber auch daS Recht, Kriegsschiffe passieren zu lassen, die im Dienste einer VöÜerbunSaktion stehen oder Mächten angehören, die mit der Türkei durch einen regionalen Pakt verbunden sind. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die Türkei dabei daran denkt, sich dem französisch-russischen Pakt als Partner anzuschrießcn, und es ist sehr bedeutungsvoll, daß England, indem es zu der Konvention seine Zustimmung gibt, zum ersten Male den französisch-russischen Pakt sanktioniert, den es bisher mit einer auffälligen Reserve behandelt hat. Eine Inkonsequenz der englischen Außenpolitik ist daS nicht; denn da die englische Negierung mit der Aufhebung der Völkerbundsanktionen gegen Italien selbst die Auflösung des Völkerbundes in regionale Gruppen gefördert hat, handelt cs folgerichtig, wenn es jetzt die Stärkung einer regionale n Gruppe unterstützt, mit deren einem Partner, Frankreich, eS selbst in Westeuropa enge Bindungen eingehen will und mit deren'neuestes Mitglied, der Türkei, es das gemeinsame Interesse an der Aufrechterhaltung des Friedens im Mittelmeer, der von Italien bedroht ist, verbindet. Die Türkei ihrerseits, die zu dem benachbarten Rußland in engen Beziehungen steht(woran ihre vielerörterten geschäftlichen Beziehungen zu Deutschland nichts ändern, die sich ja auch bei anderen Verbündeten Rußlands und bei der Sowjetunion selbst feststellen lassen) hat die Gelegenheit benützt, um sich als wichtiges Glied zwischen England und Rußland einzuschalten: als möglicher Helfer Englands gegen Italien und als unentbehrliches Verbindungsglied zwischen den russischen Häfen am Schwarzen Meer und den französischen Häfen am Mittelmeer. Bedeutet diese in Montreux erfolgreich gewesene Vermittlerrolle der Türkei an sich schon eine F estigungder antifaschistischen europäischen Friedensfront, so hat sie eine besondere Bedeutung noch dadurch gewonnen, daß sie die außenpolitische Stellung Rumäniens eindeutig festgelegt hat. Denn Rumänien ist als Anrainer des Schwarzen Meeres auf die Durchfahrt durch die Dardanellen angewiesen, und wenn die Türkei die Kontrolle der Dardanellen in die Hand nimmt und sie im Sinne des französisch-russischen Bündnisses regelt, dann wird.damit-auch Rumänien noch fester als bisher an diese Allianz gebunden, und es ist kein Zufalli daß gerade jetzt,der rumänisch eAuhenminister TituleÄu mit entschiedenen Kundgebungen für dieses BüstdniS aufgetreten ist. . Die' L e i dtr-a g end en der.-Beschlüsse vonMontreux sind die beiden europäischen Großmächte,. die; bei der Konferenz- nicht vertreten waren: Italien undDeutschland, die hier, die-erste. Antwort auf ihre neu« EinigungS» Politik-erfahren haben,«nd auch dementsprechend aufgeregt-— uyd ehrlich überrascht reagieren, weil sie aüßenpölitifche Mißerfolge schon seit langem, nicht mehr gewöhnt sind, Die Presse des D.rÜten Reiches stellt die.Einigung in Montreux Seite S Samstag, 18.«ulk 1936 Nr. 166 nT« eine» mit List und Tücke, errungenen Erfolg Litwinows dar, und stellt die Dinge so. hin, als ob der ciiiziqc Gctvinncr der Verhandlungen die Sowjetunion Wäre, die nun für den Kriegsfall den freien Zugang zum Mittelmeer gesichert erhalten habe. Tatsächlich aber kann die neue Regelung der Dardancllenfrnge im Ernstfälle. auch England, Frankreich.und der Kleinen Entente von Nutzen sein, und vor allem ist sie ein großer Erfolg der von Kemal Atatürk, dem. türkischen Präsidenten, seit siebzehn Jahren vertilgten Politik, deren Ziel es immer war, die Türkei wieder zu -einem europäischen Faktor zu machen. Dieselben Mächte, die 1919 im FriedenSvertrage von SävrcS die Türkei ohnmächtig und asiatisch machen wollten, billigen ihr nun eine bedeutungsvolle Stellung im europäischen B ü n d- n i S s y st e m zu,— in diesem Ereignis drückt sich die ganze Träge des Erfolges aus, den Kemal Atatürk für'sein Land errungen hat. ES ist lehrreich, gerade in einer Zeit, in der geivisse europäische Diktatoren durch Kriegsdrohungen und Verhöhnungen dcS europäischen Geistes die Macht ihrer Länder vermehren zu können trach- - ten, auf die Methoden des türkischen Diktators hinzuweisen, der genau den entgegengesetzten Weg wie Mussolini und Hitler gegangen ist. Er hat—: damals ein verbannter General deS Sultans— im Jahre 1919 zum Widerstand gegen deU Vertrag von SövreS ausgernsen, der die Türkei durch Schaffung einer griechischen und einer italienischen Zone am Mittelmeer und einer Meerengen- Zone am Bosporus und den Dardanellen völlig von Europa abschneiden wollte. Aber er hat zugleich den ewigen Verzicht der Türkei auf Arabien, Mesopotamien, Syrien und Palästina verkündet, und er hat bewußt mit der Vergangenheit gebrochen, die bis ins achtzehnte Jahrhundert die Türkei zu einer Bedrohung Europas gcinacht hatte und im Weltkriege dann die Katastrophe über das Reich des Sultans heraufbeschwor. Der siegreiche Kampf, den der damalige General Kemal Pascha gegen die Griechen in den Jahren 1921 und 1922 führte, war kein Kampf gegen Europa, sondern ein Kampf um die Rückkehr nach Europa, der schließlich im Juli 1923 mit den Frieden von Lausanne beendet wurde, in dem die Türkei alle Küsten'Kleinasiens und auch das europäische Gebiet um Istanbul und Adria- nopel wieder erhielt. Schon vorher, im November 1922, hatte die von Kemal Pascha geführte „Republikanische Partei" die Abschaffung des Sultanats beschlossen, und sofort nach dem. Frieden von Lausanne setzte die große Europäisierung der Türkei ein, im Jahre 1924 die Unterdrückung des Islam als politische Macht, die Aushebung des Kalifats und der religiösen Gerichte, die .Ausarbeitung einer Verfassung, die Gründung einer Staatsbank, gnd Staatseisenbahn, und. die Errichtung einer Universität in der neu^n Hauptstadt Ankara. Ein Jahr später folgte dke Annahme des europäischen Kalenders und die Annahme des europäischen Rechts(wobei das bürgerliche Recht nach dem Muster der Schweiz: das Strafrecht nach italienischem und das Handelsrecht nach deutschem Vorbild übernommen wurde). Mit der Annahme des lateinischen Alphabetes im Jahre 1928, des Dezimalsystems im. Jahre 1931, mit der Errichtung von Volksbildungshäusern und der Reinigung der türkischen Sprache von arabischen Elementen seit dem Jahre 1982, der dann noch die Reform der Universitäten folgte, wurde der Europäisierungsprozeh systematisch fortgesetzt, und wenn jetzt die Türkei— nicht durch einseitiges Vorgehen, sondern auf dem Verhandlungs- 39 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grötzsch Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava. Dort, in dieser Einöde aus Stein und Felsen, dort hausten die Primitwsten der Skipetaren, die Malisoren-Stämme. Dort war Justus gewesen,' darüber hatte er in Zeitungen geschrieben. Eva lächelte. Wenn Thekla in ihrem böhmischen Städtchen wüßte, Ivie weit die Schwester gen Süden verschlagen wurde! Was Ivar es, das sie in diese verrufene Einöde zog? Fragt den Justus — er weiß es; er versteht alles. Ihr zivilisiertes Europa— wo lag es jetzt?! .Dieses Wirrsal von Blut und Technik und nein, nein, jetzt nichts von Politik, nicht daran denken I Noch sah sie im Westen das orientalisch träumende Skutapi, das Skodra. der Albanier, n>It seinen Moscheen, deren Minaretts wie Finger Allahs zum heißen Himmel wiesen. Dort gab's noch geschriebene Gesetze.... Noch war es Zeit, zum Umkehren... Langsam fuhr ihr blonder Kopf herum. Die drej Malisorinnen halten den gleichen lächclndbesorgien, schwesterlichen Ausdruck in den harten,, gefurchten Gesichtern. Da erhob sie sich mit einem Ruck.„Avanti". Einige italienische Brocken kannte man überall in diesem Lande.—Der Trupp marschierte in die breite Taläsfnung hinein. Die WildniS! der Prokletija öffnete. ihre Arme. Bebuschte Hänge stiegen empor. Gerölliger, schmäler wurde der Pfad. Unten rauschte der Drin. Drüben, im dunklen Grün des Felsen», erhob sich ein Bursch in der engen, wcAenen Skipe- tarenhose, schob die halbkugelige Kappe zur Seiten äugte scharf zu den wandernden Frauen, legte die Hände an den Mund und brüllte talaufwärts: Wege—. ihre Aufnahme als- gleichberechtigtes Glieb in die europäische Politik erreicht haf- daW hat sie, diese» Erfolg nicht nur auf Grustd einer besonderen Mächtekönstellatton errungen, sondern auf Grund einer jahrelangen, zietbe« -wußten und.friedlichen Aufbau- und Erziehungspolitik. „Eiija, ooh eiija, barle zoonjaal" Die Mali- sorinnen lächelten;-sie kannten das: in zwei Stunden würde die Nachricht in ihrer Heimat sein, drei Tagereisen weiter oben in den Bergen, Weit draußen verklang die Kunde von der Weißen Frau, zitterte in die Seitentäler, lief von Hirt zu Hirt, über Bergrücken und Wälder, schallte von Siedlung zu Siedlung, sprang die Wasserläufe hinaus, über Rücken von zweitausend Meter Höhe hinweg. Und, gelangt« so am Nachmittag auch zu Laska, ins Tal des grünen Flusses. LaSkaS junges schmales Gesicht war hart vor Erregung. Seine Ohren sogen den Ruf auf, stillten Kopf, und Glieder damit, als hätte er ein Lebe» lang darauf gewartet. Er war aufgesprungen, beugte sich dem Schall entgegen. Wieder zitterte es durch den Sonnendunst, brach sich an den Felswänden:„Eiija, oooh eiija, barle zoonjaal" Eiija, eine weiße Frau, eine weiße Frau, bei der Flußgabelung unten I— Laska sah den Rufer nicht, aber er kannte die Stimme: das war MuSli. Einen. .Büchsenschuß weiter drüben am andern Hang hockte er neben seiner Schwester Prestni bei der Herde! hatte die Hände trichterförmig am Mund«„und brüllt«.' V L ,-Ä, Ä Ä-h Noch immer stand LaSka in regungsloser Erstarrung. Eine Weiße Frau kam das Tal herauf? Zwei Tagereisen talabwärts? Kani'.sie.-endlich) endlich, die Goldhaarig«, die ihm seine Ora ge- wcissagt? Er vergaß-den Ruf weiterzugebcn. Eine tveitze Frau... Sechs Sommer hindurch hatte er daraus gewartet... Da schrie es. über ihm schon in den Felsen:„Eiija, ooöh eiija, barle' zoonjaal".• Schräg hinüber, im Zickzack flußauf, echote der Ruf von dannen, von Sippe zu Sippe, von Stamm' zu Stamm, von den Schala zu den Mai, von den Merturi zu den Krasnici, von den Skreli zu-den Host. Laska schob die helle runde Klippe' auf di« unke Kopfseite. Unruhe zitterte in seinen Händen. Er setzte sich und schaute zum'Oheim hinüber/dir Abbau Im Mltt'lineer*^.>. London. Drei.chrittsche Kriegsschiffe sind am Freitag aus dem Mittelmetr zurückgekehrt. Zahlreiche weitere'Schiffe) Hd auS' dem Mittel« isteer, wohin sie mit besondiiren Aufträgen entsandt werden waren, zurückberufen worden-und werden Montag zurückkehren. neben dem langgestreckten kleinen Hause hockte und Mais im Mörser stampfte. Seine erblindeten Augen schienen halb geschlossen. Der Kopf war geschoren, nur eine lange Skalplocke lugte unter der Kappe hervor. Das Gesicht steinern und verdorrt, wie die Bergwand, die weiter hinten steil zum blauen Himmel empor lief. „Hast du gehört, Oheim?" fragte Laska wie nebenbei.„Was brüllte der MuSli?" Stumm mahlte der Blinde weiter, nickte.nicht einmal. Da wußte Laska, daß in seiner Frage mehr geklungen hatte, als er wollte, machte sein Gesicht starr und sah über das Maisfeld hinweg, das zum Flusse hinünterlief. Dort unten weideten die Schweine, Ziegen und Lämmer'seines Hauses und standen schon wieder im Mais. Er raffte einige Steine vom. Boden, warf sie hinab, schrie 'dazu:„Aaah, za za, luck luckl" und trieb die Tiere mit raschen Würfen auf die Wiese. Dann hockte er sich zu Boden, kreuzte die Beine, zog die Kaval, die hölzerne Flöte, aus dem Gürtel und ließ das Instrument leicht phantasieren. Die tremolierende Melodie, eine» Liedes au»der Türkenzeit zitterte durch-die Sonne, ÜberschlUg sicht Laskas bebende Unruhe klang, durch die Melodie. Er brach-ab, setzte wieder an, brach abermals ab/ schaute gen Westen. Bon dort also kam'sie herauf, die Frau au» Europa. Mit zwei Trägerinnen, so.hatte MuSli gebrüllt.' LaSka wollte hinüber rufen, fragen, fuhr mit den Händen zum Munde, bezwang sich wieder. MuSli hätte höchsten» ge«' lacht. Was ging einem Albaner dke fremde Flau an? Kein echter Skipetar sicug deshalb von Berg zu Berg. Bom Flüsse Unten keuchte di« Mutter mit frischem Wasser, herauf. Klatschend schlug e» Wer die Ränder der hölzernen Simer.„Habt Ihr gehört? Eine Fremde kommt tälaufl- Eine qps ^Europas Hierher, wo sticht? wächst al» Swine und Maisbroti" Stumm mahlte-' der Oheim, Last« aber, hielt, die'Kaval wieder, an dest Muno. Die Mutter ging in'die Hütte, leicht zitterte die Ein traurige». Kapitel bildet jenes Wer.- , die LohNverhältniss« der Arbeiter.’, Auf fünf Seiten zählt der Bericht die Lohnrednk- tionen auf, die in den einzelnen Industriezweigen und in den einzelnen Gebieten der Republik durchgeführt wurden. In. der S t e i n i n d u st r i e sankest die Löhne und Verdienste um 8—40 Prozent) in der Z e m e n t i n d u st r i e um 7 bis 15 Prozent, än den Ziegeleien um 5—22 Prozent, in der K a o l-i n t n d u st r i e um 2 bis 9 Prozent, in der Porzellanlndustrie um 5 bis 8 Prozent, in den T a f e I- u n d H o h l- glaSfabriken um 5—10 Prozent und in den G l a S s ch l e i f e r e i e n im Reichenber- ger Gebiet sogar bis um 50 Prozent. Auch in der M e t a I l i n d u st r i e kam eS zu erheblichen Lohn« und Akkordherabsetzungen. So in einzelnen Eisenwerken uni 5—15 Prozent, in den Gießereien um durchschnittlich 10 Prozent, in der Blechwarenindustrte um 8—25 Prozent, in den Kupferwerken um.durchschnittlich 8 Prozent, in den Emailwerken um 7—20 Prozent, i» den Maschinenfabriken um 5—16 Prozent,-in Siner Fahrradsabrik um 10 Prozent usw. Daneben wurden auch die früher ausbezahlten Remunerationen, bzw. Teuerungsaushilfen stark herabgesetzt oder überhaupt beseitigt, wodurch die Einkommen der Arbeiter ebenfalls wesentlich reduziert wurden. j In den Sägen erfolgten Lohnreduktionen von 5—30 Prozent, in den Möbelfabriken um 5—10 Prozent, in den Gummi- f a b r i k e n um 5—10 Prozent, in den T e r- tilfabriken um 8—80 Prozent, in den Strumpffabriken um 20 Prozent, in den W ä s ch e f a b r i k e n um 10—20 Prozent, in den Schuhfabriken um 5—15 Prozen:, in den Kleiderfabriken um 10 Prozent. In den Brauereien wurden die Löhne um 7—15 Prozent herabgesetzt, in den W e i n» kellereienum? Prozent, in den B ä k- k.e r e i e n um 8 Prozent, in den T e i g- Warenfabriken um 10 Prozent und in verschiedenen Betrieben der L e b e n s m i t e I- 1 n d u st r i e um 2—12 Prozent, in den Kunstdüngerfabriken wurden die Lohnherabsetzungen von 8—15.Prozent festgestellt. Ein besonderes Kapitel widmet der Bericht den Lohnverhältniffen im Baugewerbe und verweist darauf, daß vielfach bei den Not- stnndsarbeitcii, für welche die 40»Stundenwoche vorgeschrieben ist, das Lohnniveau so niedrig war, daß es weit unter dem Existenzminimum lag. Diese Verhältnisse verschuldeten eine große Anzahl von Streiks und Lohnbewegungen, die größtenteils erfolgreich verliefen. Der Bericht konstatiert, daß in einzelnen Fällen Lohnerhöhungen bis zu 45 Prozent gewährt werden mußten, wa» die^Berechtigung der Forderungen"der Arbeiter 'Meise.' Die Löhne dÄ Bauarbeiter selbst wurden um 5-—12 Prozent reduziert und wie niedrig die absolute Lohnhöhe ist, beweist am besten der, Umstand, daß z. B. in den Bezirken Neuhaus, Wit- tingau u. a. der Stundenlohn für Hilfsarbeiter 2 Äi und für Maurer 3 Kö beträgt. Die- Unternehmer merkten eS allmählich selbst, daß der Lohndruck zu einer schweren Gefährdung. der Konkurrenzfähigkeit- führte, u. ziv. besonders dort, wo einzelne Unternehmer nicht au die geltenden Bertragölöhne-gebunden waren. Demzufolge forderten die Unternehmer in verschiedenen Berufszweigen selbst die Bcrbindlich- keitSerklärung der Kollektivverträge, so insbesondere in der Textil- und Glasindustrie. Flöte Wer Laskas Lippen und seine Augen wanderten gen Westen, wo die Hellen Streifen leichter Sonnenbrände aus dem Knieholz dunkler Hänge qualmten. Bon dorther also wanderte die' weiße! Frau herauf, die Hellhäutige von Skodra, die mit den'Haaren, so gelb wie reifer Mais. 2. Sie kam, um Laffa wiederzusehen. Die Ora hatte es prophezeit, und wenn er seinen Schuhgeist nicht verstimmen wollte, so durste er nicht zweifeln, mußte hier fitzen bleiben wie.immer. Kein Skipetar ging Frauen entgegen- wie ein Bubi— Seine Rechte griff in die Tasche, zog ein Messer zutage. Wenn sie es sehen wollt«,.hier war es, blank und scharf. Der Blinde drWen am Hause hob den Kopf. Seine lange, gerade Nase stach in die Lust. Laska schob da» Messer in die Tasche, griff zur Kaval. Leise zirpte ein-Lied, stieg an, fiel kauernd wieder ab. Die Melodie kannten viele am'grünest Fluß, die Mär dazu wußte nur Laska. Das war in seinem Kopfe gewachsen. Manchmal, wen» er 'allein in die Berge wanderte, sang er da» Lied- ES war die Sage von der weißen Jungstau) die ihm einst da» Messer schenkte,, in der großen Stadt, damals t im Jahre des trockenen Frühling»... Damals, vor sechs Jichren, im heißesten Mai, den das Tal des grünen Flusses kannte, hatte Laska schon fünfzehn Sommer gesehen, al» ihn der Oheim'endlich mitnahm auf den Marsch nach Skodra. Wenn im Frühling, der Schnee schmolz, wanderten einige.'Männer, der'Familie Sokoli mit Ziegen und Lämmern zu Tale, in die große. Stadt histein, die so viele Herden ver- schlang und die Männer nist Sicheln und Geräte» und Mit Münzen, für die man in der Stadt. Seltsames kaufen könnt«, zurückschickte,- (Fortsetzung folgt.) Der Bericht der Gewerbe-Inspektoren I.. Dos Zentralgewerbeinspektorat hat soeben den Bericht über die Tätigkeit der einzelne» Ge- werbcinspektorate für das Jahr 1934 heraysgege- ben und der Bericht enthält, wie eS seit der Tätigkeit des Genossen Dr. C z e ch im Fürsorgeministerium bereits Tradition geworden ist, außerordentlich reichhaltiges"Material über die Entwicklung der ArbeitSverhältniffe sowie über die technischen Fortschritte und ihre Auswirkungen auf die Arbeiterschaft. Der Bericht verweist zunächst aüf die wohltätigen Wirkungen der Regierungsverordnung Zl. 78 vom 20. April 1984 Wer die Betriebseinstellungen und Massenentlassnngen der Arbeiter. 141 Betriebe suchten bei den Gewerbeinspektoraten und Bezirksämtern um di« Genehmigung zur Entlassung von 15.241 Arbeitern an und durch die amtlichen Eingriffe gelang es, 38 FabrilSleitungen dazu zu bewegen, daß sie von ihrer Absicht, der Entlassung von Arbeitern überhaupt Abstand nahmen, während in zahlreichen anderen Fällen die Zahl der zu entlassenden Arbeiter wesentlich reduziert wurde. Auf diese Weise gelang es, 6744 Arbeiter vor der Entlassung zu bewahren. 203 Unternehmungen mit 19.956 Arbeitern hatten die Wsicht, den Betrieb für 14 Tage bis 8 Monate einzustellen. Auch hier gelang es bei den Verhandlungen 5487 Arbeiter vor der beabsichtigten Entlassung zu bewahren. Schließlich ersuchten 188 Fabrilunternehmungen mit 16.648 Beschäftigten um die Genehmigung zur Einstellung des Betriebes für mehr als drei Monate und es gelang in 40 Fällen, die geplante Einstellung hintanzuhalten, wobei 7800 Arbeitern der Arbeitsplatz gesichert werden konnte. Insgesamt sind also im Jahre 1984 auf Grund der amtlichen Verhandlungen 20.031 Arbeiter vor dem Schicksal der Arbeitslosigkeit bewahrt geblieben. Daneben wurde seitens der Aemter auch in zahlreichen Fällen interveniert, um den bedrohten Betrieben die notwendigen Betriebskredite zu sichern und der Bericht hebt hervor, daß die Unternehmer in vielen Fällen selbst erkannten, wie wohltätig die'Wirkungen der Regierungsverordnung gegen, die Betriebseinstellungen und die Massenentlafsün- 'gen von Arbeitern waren," nachdem dadurch zweifellos di« Ruhe in den Betrieben austechterhaüen werden konnte. Freilich gab es auch Unternehmer, welche den Wortlaut der Vorschriften mißbrauchten und dadurch mehrere Monate hindurch jeweils 10 bzw. 15 Prozent der Belegschaft entließen! um ohne amtliche Genehmigung eine Reduktion oder eine Einstellung des Betriebes durchzusetzen. Die Gcivcrbeinspektorate wandten sich, tvo immer es möglich, war, gegen diese Art der Umgehung der geschlichen Vorschriften. Ueber die Arbeitslosenfürsorge berichten die Gcwerbeinspektoren, daß im Jahre 1934 für Unterstützungen nach dem Genter System 809,964.961 ausgegeben wurden, die staatliche Ernährungsaktion sowie die Milchaltion für die Kinder der Arbeitslosen erforderteii 261:005.005 Uc und für die produktive Arbeits- losenfllrforge wurden 25,748.400 ,K6 aiifgewen- det. Die staatliche Arbeitslosenfürsorge wurde noch durch wettere Aktionen der Gemeinden und Bezirke sowie einzelner industrieller Betriebe und verschiedener Korporationen ergänzt. Der Bericht hebt die Notwendigkeit der gesetzlichen Regelung der Arbeitsvermittlung hervor und verweist darauf, daß im Interesse eines geregelten ArbcitsmarkteS die Pflichtmähige Meldung aller freien Arbeitsstellen eingeführt werden müsse, Ter Umfang der Arbeitslosigkeit zeigt sich am bissen darin, daß bei den öffentlichen Arbeitsvermittlungsanstalten iy Böhmen im Jahre 1934 insgesamt 1,700.686 Arbeitsbewerber angcmeldet waren, anderseits jedoch nur 460.873 freie Stellen. Dabei handelte eS sich sehr ost um Spczialarbeiter, welche die Unternehmer nicht selbst beschaffen konnten, so daß nur 488.046 Vermittlungen zustande kamen. Allmählich zeigten sich auch die ungünstigen Auswirkungen der langandauernden Arbeitslosigkeit in bezug auf die Leistungsfähigkeit der Arbeiter. So berichtete die Betriebsleitung einer größeren Maschinenfabrik im Jnspektoratsbezirk Täbor, daß eS dreier Monate bedurfte, bis jene Arbeiter, die zwei oder mehr Jahr« arbeitslos waren» sich wieder einarbeiten konnten.'' Ebenso zeigten sich die üblen Auswirkungen der niedrigen Löhne, welche zur Unterernährung führten und Hamit die Leistungsfähigkeit insbesondere der Hilfsarbeiter stark herabsetzte. Die Unternehmer mißbrauchten in zahlreichen Fällen die Wirtschaftskrise zu einer Intensivierung deS Arbeitsprozesse», indem sie die Akkordsätze reduzierten und damit die Arbeiter zwangen, mehr als bisher zu leisten, wenn sie dieselben Verdienste erreichen wollten. Dabei'stiegen in einzelnen Fällen di« Durch- fchnittsvcrdicnste, so z. B. bei den' Witkowitzer Eisenwerken von KC 4.45 auf KS 4.57 pro Stüstde, wobei jedoch die Arbeitsleistung in wesentlich höherem Ausmaße gesteigert werden mußte. Eine große flowakische Papierfabrik erhöhte die Produktton des Betriebes um 15 Prozent durch Einführung" des sogenannten Bedeaux- SystcmS. Ebenso versuchten einige Textilfabriken dieses neue Akkordsystem einzuführen, stießen dabei jedoch auf den Widerstand, insbesondere der älteren Arbeiter, welche mit Recht eine Ausschaltung aus dem Arbeitsprozeß befürchteten. ES kam aus diesem Anlaß auch zu verschiedenen Streiks, so daß wahrscheinlich das Bedeäux-System kam» in größerem Umfang eingeführt werden"dürfte. Nr. 166 SamStag, 18. Suli 1936 Seifr 3 fudeiendeulstftei Zeitspiegel „Sandner raus I Tumultuöse Kundgebungen gegen die SdP*FQhrung In einer Görkauer Versammlung Görkau.(E.-B.) Donnerstag abends fand im Hotel„Weines Rotz" in Görkau eine Mitgliederversammlung der SdP statt, an der etwa 690 Personen, teils aus Görkau und teils aus der nähere» Umgebung, teilnahmcn. Bon der Be- zirksbchördc war— wohl in Vorahnung der Dinge, die sich da abspiclcn sollten— das Gen- darmeric-Uebkrfallskommando dahin beordert worden, Für die Hauptleitung der SdP- nahm der„LäuternngSkommissär" Abg. Sandner und der Kreisleiter Dr. Zippelius aus Tep- litz teil. Als Sandner zu sprechen versuchte, setzte«In ' ungeheurer Entrüstungsstnrn; ein und die Ber- samnilung verlangte stürmisch, daß Abg. Liebl zuerst daS Wort erteilt werden möge. Gegen Sandner tönten Rufe, wie:»Sandner'rauSl" »Der Schweinehund will uns verraten!" und viele solche Liebenswürdigkeiten mehr. Sandner griff dann zum Mittel der Demagogie und erklärte, datz Liebl, wenn er als erster Redner spreche, z» scharf gegen die Regierung Stellung nehmen könnte und datz dann die Versammlung. aufgelöst würde. Sandner erreichte ' damit sein Ziel und begann die Rede mit einigen allgemeinen Phrasen, aber die Versammlung zwang Sandner, zum Ausschlutz Liebis Stellung zu nehmen. Auch da versuchte Sandner, einer eingehenden Erörterung durch einige allgemeine Phrasen auszuweichen, dach begann di« Versammlung einen salchm Tumult, daß rr in ganz Görkau zu hören war, denn man hatte vergessen, die Saalfenster zu schließen. Herrn Sandner wurden Dinge entgegengerufen, die man sonst einem verantwortlichen Parteifunktionär sehr selten sagt, und es blieb ihm schlietzlich nichts anderes übrig,, als seine Rede so rasch wie möglich zu beenden, weil ihm sonst die Versammlungsteilnehmer davongelauscn tvären. Als zweiter Redner sprach Abg. L i e b l, der mit ungeheurem Beifall und lauten Heil-Rusen empfangen wurde. Er rechtfertigte seine Weigerung, das Mandat niederzulegen, damit, datz sein Ausschlutz aus der SdP zu Unrecht erfolgt sei. Er wurde sehr ost von tosendem Beifall unterbrochen und durch den Saal schallten bis auf die Stratze hörbar. . Schmäh, und Pfni-Rnfe gegen Henlein, Sand- - ner und di« gesamte Hauptleitung. Die inzwischen vor dem Versammlungslokal erschienenen Ä r b e i t e r srcntc» sich über den Wir bel ungemein und- ergötzten sich an dem Schauspiel der sudetendeutschen»Einigkeit". Obwohl von informierter Seite Herrn Sandner der Ratschlag gegeben wurde, nicht mehr zu sprechen, versuchte er doch, sich durchzuschen, aber schon seine ersten Worte gingen in einem fürchterlichen Lärm unter, in dem sich überhaupt niemand mehr verständlich machen konnte, und die Versammlung wurde schlietzlich vom RegicruugSver- trcter a u f g c l ö st. Zn Sandner stand ein kleines Häuflein allzeit getreuer»teutschcr Recken"; sic hätten lvohl alle zusammen' eine anständige Tracht Prügel erhalten, wenn nicht inzwischen Gendarmerie de» Saal geräumt hätte. Ein Renegat schützt den andern In Görkau hat also Herr Sandner samt seiner löblichen Hauptleitung eine anständige Lektion bekommen, und erfahren, wie die Arbeiterschaft in der SdP über die Herren vom Kameradschaftsbund denkt und wie tzie ost gerühmte»Volksgemeinschaft" in der Praxis aussieht. Unter denen, die den persönlichen Schutz deß „LäuterungSkommiffärS" besorgten, befand sich auch der stühere Kommunist Sterzl. Als dieser versuchte, sich bemerlbar zu machen, wurden ihm Kosenamen, wie:»Renegat, Arbeiterverräter, Postenjäger, GesinnungSluniP" usw., entgegengerufen. Auch einige andere stramme deutsche Turner schlugen sich auf Seite Sandncrs, doch blieb es trotzdem eine hilflose Minderheit. Die Arbeiterschaft des Bezirkes Görkau steht, soweit sie in der SdP organisiert war, trotz aller gegenteiligen Behauptungen, gegen die Hauptleitung. Dieser Zustand dürfte, wenn nicht durch weitgehende Zugeständnisse Ruhe geschaffen wird, zu einer vollkommenen Zertrümmerung dieser Partei im hiesigen Arbeitergebiet führen. Wir wiffen Wohl, datz diese genarrten Elemente, deren Zorn sich jetzt spontan entlädt, noch lange nicht cjne politische Reife, besitzen,, die.sie befähigen, würde,'die letzten Konsequenzen zu.ziehen, aber diese Versammlung war ein bezeichnendes Beispiel dafür, welchen Weg die»Volksgemeinschaft" geht! Die Dämmerung im deuttch- bllrgerlichen Presselager Zu jenen deutschbürgerlichen Provinzzeitungen, die sofort nach der Gründung der S.HF ihre Gleichschaltung mit dem Ascher„Führer" vollzogen haben und nun seit nahezu drei Jahren der Henleinbewegung in hündischer Ergebenheit dienen, gehören der„Te plitz- Schönauer Anzeiger" und die„B riixe r Z e t t un g". Diese beiden Blätter gelten als Sprachrohr« der sogenannten„Volksgemeinschaft" und sind kaum zu unterscheiden von den offiziellen Organen der SdP. Um so bemerkenswerter sind die Stimmen, welche nun aus diesem Lager hörbar werden. Der„T e p l,i tz- S ch ä n a u er Anzeige r", von dem wir schon einmal berichten konnten, datz er den„Geist" und die„Kameradschaftlichkeit" seiner SdP-Führung anzwcifelt, schreibt in seinem gestrigen Leitartikel: ,Hunderttausend« S u d e t ende utsche stehen erschüttert den Ereignissen gegenüber, die seit Tagen in de» Kreisen spielen, die in den vordersten Reihen der SdP stehen... Jetzt aber stehen die Massen des Volkes f.as- . s u n g s l o s vor einem Konflikt... der die Partei der Volksgemeinschaft von dort her bedroht, wo man da» nie und nimmer hätte erwarten können, aus den Reihen der Führung der Partei." '. Das Blatt erinnert sich nun des„Mannes au» dem Volke", der diese Zustände einfach nicht wehr begreife.,.' Noch vjel schärfer nimmt die„B r ü x e r Zeitun g" zu diesen Geschehnissen Stellung:' ..»Di« alten Ausregungen sind nicht überwun den, unausgesetzt aber solgen neue, schlimmer« und aus ihrem Zusammrnfließm entsteht neue Unruhr, verschärfte Spannung und eine Atmosphäre, in ' der der.nationale Sudetendeutsche sich alles andere denn wohl fühlt... Der normal« Mensch weiß in der Tat. nicht, was er von dies«« ungeheuerlichen - Widersprächen, halten^soll Diese Shmptome «streb beängstigenden Mangel» an Zielrichtung und ' innerer Festigkeit der Parteiführung erfüllt die Muffe der SdP-Anhänger mit ertister Besorgnis. . Der' Bevölkenmg scheint der an sie gerichtete Appell, di« Einheit deS/Sudetenteutschtum» gegen Störungsversuche zu verteidigen, nicht am Platz« zu sein....-aber im Kreis'der Führung sind Krankheitsstoffe vorhanden. Die-Wähler de.r SdP sind durch die Vorgänge der letzten Zeit verstimmt. Sie find auch enttäuscht." Die Herren haben also spät, aber doch einsehen gelernt, wie das Volk betrogen wird. Das Blatt wendet sich auch gegen die„Personalbal- gereien", Nagt über die unfairen und unanständigen Burschen, die da ihr unsauberes Spiel mit den hunderttausenden deutschen Wählern treibe» und sagt: „Sie(die Wähler der SdP) vermissen jedoch «inen befriedigenden Fortschritt und verstehen nicht, datz sich die Partei durch Streitigkeiten von der Erfüllung jener viel wichtigeren Aufgaben abhal- tcn lätzt... Die Wählerschaft der SdP ist nicht davon überzeugt, datz die Persönlichkeit Dr. Walter Brands von so einzigartiger Bedeutung für die Sache des Sudetendeutschtums ist, datz um feinet« * willen der Ausbruch schwerer innerer Kämpfe her- aufbeschworen und die Einigkeit der SdP auf das Spiel gesetzt werden mutz.. Dr. Brand ist zwar augenblicklich zum Gespött unserer politischen Umgebung der Nabel der sudetendeutschcn Politik, aber dem Sudetendeutschtum und der SdP zur Ehre möchte man doch annehmen, datz er nicht auch ihr einzige» Gehirn ist." Y „Dar Austritt von 50.000 bis 100.000 Mitgliedern aus der SdP...“ Wie viel'» bei den Henleins geschlagen hat, geht unter anderem auch aus einest,; vielfach abgedruckten Zeitungsbericht der Olmiitzer OppofitionSgrnppc der SdP hervor. I» einer 8- 2- B e r f a m m I u n g referierte dort der bekannte Smagön über den Krach und wies darauf hin, datz durch den Spruch des Ehrengerichts die a u s g.ef ch l o s s en en Am t S- Walter und Mitglieder vollkommen re h ab Mitte r t sind und stellte Dr. Brand als den Zerstörer der deutschenVolksgemcinschaft hin/ Durch Zitate ans verschiedenen tschechischen. Blättern beiiliihte.sich Smagpn darzulegen, datz der Artikel»Wir'schlagen zu I" als Versuch gedeutet würde,.einzelne Mitglieder der Opposition an die Behörden auSzu- liefe r m Er forderte, datz di« mit der Hauptleitung/ unzufriedenen Mitglieder in der Partei verbleiben- und- dort ihre. Ideen zur Geltung bringen sollten.- Der Austritt von 60.000 bis 100.000 Mitgliedermaus der SdP wützte die Opposition in die Zwangslage versehen, eine neue Partei zu gründen, wodurch der Bolksgemeinschaft schwerer Abbruch getan iviirde. Die Ausführungen des Redners, seien mit grosser Zustimmung ausgenommen und cs sei beschlossen worden, Telegramme an Senator Greger -(Prag), Abg. Liebl(Görkau)-und LandcSvcr- treter Heliel(Obergrund) abzusendcn. In diesen Telegrammen dankt die OlmÜher Opposition den Genannten für ihre Haltung und bittet sie. ihre Mandate nicht nicdcrzulegen. Eine Abordnung aus Sternberg war in der Versammlung anwesend und erklärte, datz die Sternberger SdP schlossen hinter Smagon stehe. Kurorte-Elend In Ziffern Wie es um die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in den Kurorten bestellt ist, die heute tatsächlich um ihren Bestand zu ringen haben, geht deutlich aus nachstehenden Ziffern, dieMarien- b a d betreffen, hervor: In der Gemeinde Marien- bad gibt cs 1370 Gewerbetreibende einschlictzlich der Hoteliers und Eafetiers. Dagegen sind beim Bezirksgericht in Maricnbad derzeit 3200 Exekutionen im Gange und 98 Zwangsvcrwaltungen anhängig. Maricnbad besitzt 230 Kurwohnhäuscr und 293 Wohnhäuser für Jahrespartcien. Derzeit sind beim Bezirksgericht 108 Zwangsversteigerungen von Liegenschaften noch im Lauf. Bis zuni 20. Juni wurden beim Bezirksgericht 61 Versteigerungen von Häusern durchgesührt, von denen 40 ergebnislos verliefen. Im Mauthner-Betrleb in Grünwald verhindern Arbeiter den Warenabtransport Am gestrigen Freitag sollten vom bestreikten Mautner-Betrieb in Gründwald Waren nach Nachod abtransportiert werden. Die Streikenden erlangten davon Kenntnis, sammelten sich vor dem Fabriksgebäude an, um den Abtransport zu verhindern. Die Betriebsleitung rief angesichts der ungeheuren Menschenansammlung Polizei und Gendarmerie herbei, welche die Fabrik besetzte. Bei Einlangen dieses Berichtes wagte man noch nicht die Waren abtransportieren zu lasse». Die Erregung der Arbeiterschaft steigt innner mehr..- Stille„Zeit“ Di« gestrig« Nummer der Henlein-,.Zeit" zeichnete sich durch beredtes Schweigen über die SdP-Katastrophe aus. Henleins Reise nach London figuriert« da als einzige Personalnachricht, zchzwar«S doch in diesem Personale drunter und drüber geht. Aber die Leser der„Zeit" dürfen nicht erfahren, datz noch zweiEhrenrichter und datz unter anderem auch zwei Universitätsprofessoren auf die SdP-Mit- gliedschast verzichtet haben! Vielleicht wird eines Tages Herr Henlein selber in der SdP nichts mehr zu reden haben, und die„Zeit"-Leser werden es erst später merken.. Reichsdeutscher in Asch verhaftet Aus Asch wird un» gemeldet: Die Ascher städtische Polizei verhaftete den reichsdeutschen ehemaligen HandelSangesteUten Rudolf Schiff wegen breitung hochverräterischer Flugzettel im deutschen Gebiete Westböhmens. Dem Festgenommenen wurde autzerdem P a tz f Lisch u n g nachgewiesen. Er wurde, da er krank ist, ins Krankenhaus des. Egerer Kreisgerichte» eingeliefert. . Staatspolizei verhaftet Kass«nknack«r. Mittwoch nachmittag wurde in den Feldern bei T u r n der als Kassenknacker bekannte Ludwig K o p- Pera verhaftet. Patroullierende Staatspolizei stellte den Verbrecher und nahm ihn fest. Widerstandslos lieh sich der 33jährige hünenhafte Einbrecherkönig fesseln. Mit ihm wurde such sein Komplice, der 49jährige Anton P r us a ans S t r i s o w i tz bei Aussig verhaftet. Beide wurden dem KreiSgericht Leitmeritz zugeführt. Bon der Elbeschiffahrt. Durch die erheblichen Niederschläge der letzten Zeit besserte sich der Wafferstand der Elbe. Der- höchste Stand wurde in Aussig mit plus 110 Zentimeter verzeichnet. Der Fluss war bis zu drei Vierteln der normalen Ladefähigkeit der Kähne schiffbar. In den tschechoflowakischen Umschlagplätzen und Häsen wär ein Warenumschlag von 23.000 Tonnen zu verzeichnen und es wurden 53 einlaufende und 60 auslaufendc Fahrzeuge registriert. Der Wareneinlaüf für die Talfahrt ist etwas zurückgegangen, die Bergfracht hat sich etwas gebessert. Die Prager Deutsche Arbeitersendung bringt in dieser Woche: - Sonntag, 19. Juli, 14:80 bi» 14.46: Die uarhböhmische Wirkwareninduftiie(Heinrich B ö h m» Rumburg); .. Mittwoch, 22. Juli, 18.40 bis 18.60: Ar. bettsmarkt,— 18.20 bi»-18.40: Durch Erportföe» dcrung zur Ueierwindimg der Krise(Franz Reh- wäld-Reichenberg)-r 18.40 bis 18.45: Soziale Informationen; Freistag, 24. Juli, 18.36 bi» 18.46: Aktuelle zehn Minuten; ... Sonntag, 26. Juli, 14.80 bis 14.46: 150 Jahr« mechanischer Webstuhl(F. T e j e s s H-Aussig). 484 gegen 85 kür die Verstaatlichung der Rüstungsindustrie Paris. Der Gesetzentwurf über die Ber« stantlichung der französischen Rüstungsindustrie ist in seiner Gesamtheit von der Kammer mit 484 gegen 85 Stimmen angenommen worden. Der Berichterstatter hatte st; der Kammer vorher lediglich noch angekiindigt, daß die Regierung auf der Annahme des Gesetzes bestehe, da sie sich desselben st; Genf bei dar Bölkerbundsiyung in; September bedienen wolle. RriegSmstftster Daladier wicS darauf hin, daß das neue Gesetz ausländischen Firmen untersagen werde, KriegS- nmterial in Frankreich herzustellen; dcS weiteren dürfen keine ausländische» Aufträge Mehr zugelaffen werde» ohne die ausdrückliche Genehmigung dcS französischen Staates. NationalvcrtcidigungSminister Daladier erklärte vor der Abstimmung, er lviirdc einer Einschränkung der Mittel der Nationalvertcidi- gung nur dann zustinnucn, wenn diese Herabsetzung Folge einer internationalen Konvention aus breiter Grundlage lväre. Autzer der vollständigen bczw. teilweisen Enteignung und Bcrstaatlichnng der Wasfcnsabcikcn werde die französische Negierung alle übrige» einschlägigen Werke, sowie den gesamten Waffenhandel einer"wirksamen Kontrolle unterwerfen. ♦ Der GeselMtwurf über das neu« Bank- statut wurde mit 444 gegen 77 Stimmen angenommen. Arbeitsbeschaffung Die vom Finanzausschuß der Kammer au- genonnnenc Vorlage über öffentliche Arbeiten, die sich auf drei Jahre erstrecken sollen, fleht einen Kostenbcitrag von etwa 20 Milliarden Franken vor. Bis Ende deS Jahres sollen bereits vier Milliarden investiert werden. Bei den Arbeiten soll die L a n d e s v e r t e i d i g u n g besonders berücksichtigt werden. 8er Attentäter ein Wlrrkopf? London. Die Person deS Attentäters auf den König ist innner noch in eingcheimnisvolles Dunkel gehüllt. Der Name Andrew Mahoi;, den er bei der Polizei angab, ist nicht richtig. Er soll richtig Jerome Bannigan heissen. Die Gründe, welche ihn zu dem Tat veranlaht haben, sind noch immer unklar. Allgemein glaubt man, datz der Täter auf sich aufmerksam machen wollte. Bannigan lvar vor einer Zeit Redakteur einer„Gazette Human" genannten Revue. Seine Nachbarn in Paddington stimmen in der Ansicht überein, datz er ein lvunderlicher Patron sei. Er pflegte von sich zu sagen, er sei Literat mit politischen Ambitionen. Rach anderen Meldungen bezeichnete er sich als Sozialreformer nnd soll sich an dem Propagandafeldzug der Multimillionärin van der Elst gegen die Todesstrafe beteiligt haben. Reform sagt man, Revision meint man Titulescu warnt vor Experimenten Bukarest. Aussenminister Titulescu veröffentlicht im„U n i v e r s u l" eine längere Erklärung, in der er u. a. auf die R e f o r m des Völkerbundes zusprechen kam. Zu diesen Plänen nstisse er sagen: Nehmt euch in acht, man will die RevisionSprozednr erleichtern. Nicht der Völkerbundpakt hat- versagt, sondern die Menschen. Wenn die von den Großmächten beschlossenen Maßnahmen gegenüber Italien nicht die gewünschten Ergebnisse gezeitigt haben, so liege noch immer kein Grund vor, daß dies die sogenannten kleinen Mächte mit einer Erleichterung der Nevistonsprozcdnr bezahlen müßten. Im Herbst werde in Genf ein harter Kampf beginnen. Ein« amerikanische Regierungskommission studiert die europäische Konsumgenossenschaftsbewegung. Der Präsident der Vereinigten Staaten Roosevelt hat zum Studiun; des europäischen Genossenschaftswesens eine dreigliedrige Kommission eingesetzt, die sich gegenwärtig in Schweden aufhält, um die vorbildlichen konsum- genossenschastlichen Einrichtungen dieses Landes zu studieren. Hurch den Handelsattache der Prager Gesandtschaft der Vereinigten Staaten Herrn Samuel Edison Woods ist das Eintreffen der Regierungskommission beim Verba»bedeut- scherWirtschaftSg en ossenschaf- t e n als der matzgebenden Vereinigung- der deutschen Konsumgenossenschaften der Tschechoslowakei bereits für nächste Woche angekündigt worden. Das Interesse der Vereinigten Staaten um das europäische Konsumgenossenschaftswesen diixfte zweifellos auf die von der Privatwirtschaft zlv rr andauernd geleugneten, in der breiten Oefsent- lichkeit aber sich immer kräftiger durchsetzende Tatsache des wirkungsvollen Schuhes der Lebenshaltung durch die Selbsthilfeorganisationen der Verbraucher zurückzuführen sein; dazu kommt noch, datz das europäische Konsumgenoffenschaftswesen der Wirtschaftskrise nicht nur standgehalten hat, sondern in den letzten zwei Jahren sich in einen; sehr. beachtenswerten wirtschaftlichen Auf» s ch w u n g e befindet. Seite 4 SamStag, 18. Juli 1088 «r. 168 Nazikultur(Iber Rumänien Fememörder und Lelchenschönder ÄAesnmiAkeitew Die ständisch gestufte Ehre Fn einem Flugblatt, das ein gewisser B c* zee» y, anscheinend ein Funktionär der SdP (Bezirksleiter in Friedberg) zeichnet, wird gegen .Henlein die Anschuldigung erhoben, daß er durch die Behauptung, Brand sei ja die Satisfaktionsfähigkeit nicht aberkannt worden, also könne er als ehrenhaft trotz des anderslautenden Urteils des Ehrengerichts gelten, die nicht fatisfaktions- fähigen Kameraden schwer gekränkt habe. Bezeeny, der seine Kameraden auffordert, Le» sofortigen Rücktritt der Hauptleitung und — Henleins zu verlangen, sagt von diesem mit Recht, er unterscheide„zwischen duellfähi- geuKamerädenhöherer Bildung und zwischen duellunfähigenKamera- den minderer Bildung". DaS Flugblatt, das von der Protektionswirtschaft des Kamerad- schaftsbundes spricht, welche die Bevölkerung ein Millionenvermögen koste, das Henlein und die Hauptleitung„Salonkameraden" nennt, die den Arbeitern und Bauern„ihr Wohlleben verdanken"-, rührt an eines der kompliziertesten Probleme der ständisch gegliederten Volks- gemeinschaft In der gibt es anscheinend wirklich nicht nur verschiedene Einkommen, verschiedene Stände, verschiedene Rangstufen, verschiedenes Recht, sondern auch eine merkwürdige abgestufte Ehre. Zuoberst steht die E h r e H e u l e i u S— von dem wir nicht wissen, ob er„satissaktionS- fähig" ist, es soll mindestens neuerdings infolge seiner Stellungnahme zum Ehrengericht bestrit- ten sein— und die über allen anderen steht, so daß Henlein-Ehrengerichte ein- und absetzen, sie nach Belieben verbindlich oder unverbindlich erkläre», die Ehre anderer austilgen oder wieder- Herstellen kann. Dann kommt wohl im Range d i e E h r e d e s D r. B r a n d, die von keinem Ehrengericht verletzt werden kann. Dann kommt die Ehre jener, die dem Ehrengericht unterliegen, aber selbst satiSfaktionSsähig sind. Dann kommt die mindere Ehre der nicht mehr satiSfaktioiisfähigen Kameraden und dann wahrscheinlich noch die ganzbilligeParia- Ehre derer, die durch einen Ratschluß des aller- höchsten Konrad, sozusagen durch einen Konrad- schluß, als„außerhalb der Volksgemeinschaft stehend" erklärt wurden. Wir wissen nicht, ob daS ganz stimmt und sind unS nicht recht im klaren, wer vor Henlein als voll satiSfaktionSsähig gilt, ob etwa nur Akademiker oder Akademiker und Reserve-Ossi- ziere, ob von diesen nur die alten k. u. k. Offt- ziere oder auch die Reserve-Offiziere der repnbli- konischen Armee usw. usw. Aber daß die E h r e in der Henleinschen Volksgemeinschaft wie alle anderen Güter ständisch g e st u f t u n d verschiedenartig ist, daS haben wir schon herausbekommen und auch das eine scheint uns erwiesen, daß mindestens zwischen den nicht satissaktionsfähigen„gewöhnlichen" Menschen, den satisfaktionsfähigen höheren Wesen und den zwar satisfaktionsfähigen, aber von dem Recht zum Ztveikamps keinen Gebrauch machenden, vielmehr an das Kreisgericht appellierenden Kameraden ä la B r a n d ein Unterschied besteht. Aber wenn die sudetendeutsche Not noch ein paar Jahre andauert, werden sicher auch wir, die>vir unaufgeklärt und in KB-Ehrensachen noch unge- . bildet sind, begreifen, was bei Henlein— um mit Ludwig ThomaS' Filser zu sprechen: eine Ehre ist und ivos keine Ehre nicht ist! Blitzschlag in die Wiege. Bei den Gewittern der letzten Tage in Karpathoruhland erschlug der Blitz in der Gemeinde Brbovce im Bezirk Sevl- jus den Bauern Hrihorevsky. Sein Hof fing Feuer. I» Belth Boölov im Bezirk Rahovo wurde der süns Monate alte Sohn des Bauern Peter Liöäk in der Wiege vom Blitz getötet, außerdem erschlug der Blitz noch einige Stück Vieh. Die Hitzewelle in den USA greift nunmehr auch auf den mittlere» Westen über. Auf dem gesamten Gebiete der Vereinigten Staaten hat die Hitze bisher 4187 Todesopfer gefordert. Bei einem heftigen Sturm, der an der Südküste Schwedens tobte, ging auf der Höhe von Karlskron» ein Dreimaster, vermutlich estländi- scher Nationalität, unter. Man befürchtet, daß die auö sieben bis neun Mann bestehende Besatzung den Tod-gefunden hat. Besorgnisse nm die schwedischen Samariter. Das Ausbleiben von Iiachrichten über die schwedische Rot-Kreuzmission in Abessinien erregt in Stockholm lebhafte Unruhe. Nach den letzten bereits vor einigen Monaten eingegangenen Meldungen war die schwedische Rot-Kreuz-Mord« nung 000 Kilometer von Addis Abeba entfernt. Der Außenminister teilte mit, daß die Regierung außerordentliche Maßnahmen zu ergreifen beabsichtige, um das Schicksal der Rot-Kreuzabord- mmg zu klären und nötigenfalls Hilfsmaßnahmen zu treffen. Bukarest. Die Ermordung des früheren rechtsradikalen Mgeovdneten Mihail Sierlescu, die sich als ein Racheakt der Eisernen Garde darstellt, welcher Sterleseu ursprünglich angehörte und die er dann verlassen und bekämpft hat, geschah in folgender Weife: Zehn rechtsradikale Studenten drangen gewaltsam in das Zimmer ein, in welchem sich Sterleseu als Privatpatient befand, um au einer Furunkulose, operiert zu werden. Einer der zehn Studenten betrat das Zimmer SterleSeuS und gab mit den Worten:„So werden Verräter bestraft" I sechs Schüsse ab, die den sofortigen Tod Sterleseu» zur Folge hatten. Das war für die draußen befindliche» Studenten das Zeichen, ebenfalls in das Zimmer- einzudringen und auf de» bereits entseelte» Leichnam zu schießen, welcher von etwa 4ö Kugel» geradezu durchlöchert wurde. Außerdem versetzte» sie ihm»och Ä x t h i e b e auf de» Kopf. ' Kinderlähmung,(mb) In den nordamerikanische» Staate» Alabama uyd Tennessee ist die Kinderlähmung epidemisch ausgetreten. Innerhalb einer Woche erkrankten 150 Kinder, acht starben. Die betroffenen Orte sind unter Quarantäne gestellt chorden, ebenso ei» Jugendlager bei Athens(Tenn.) in dem sich 200 Jugendliche befinden, von denen einer«krankt ist. Kirchen, Kimtz und Theater sind geschlossen oder bleiben fast leer. Künstlicher Krater statt eines Schachtes. In Korkin bei Tscheljabinsk wurden 1800 Tonnen Explosivstoffe zur Explosion gebracht, um den Zutritt zu den Kohlenlagern freizümachen. Durch die Explosion wurden etwa eine Million Kubikmetor Steine herausgeriffen. Es entstand ein Graben von 1 Kilometer Länge und 20 Meter Tiefe. Am oberen Rand ist er 88 und am Boden 20 Meter breit. Bei gewöhnlicher Arbeitsweise würden zwei Jahre zur Beseitigung einer ähnlichen GesteinSmenge notwendig sein. Eine von der Akademie der Wissenschaften entsandte Sonderkommission beobachtete die Erderschütterungen, die durch die Explosion verursacht wurden. DaS Schulwesen im heutigen Leningrad. (S) Nach der„Leningradstaja Pravda" vom 6. Juli lernten in den Volks-, in den unvollständigen Mittelschulen und in den Mittelschulen des alten Petrograd im Jahre 1013—14 insgesamt 185.000 Kinder. Heute gibt es in der Stadt Lenins 854.700 Schüler. Wenn im Jahre 1018 bis 14 auf das Tausend-der Bevölkerung in den Volks- und Mittelschulen 80 Kinder kamen, sind es im Jahre 1038 bereits 180 Kinder. Außerdem lernen heute in Leningrad in fiinf Nationalschulen— in einer englischen, jüdischen, polnischen, tartarischen und finnischen— 880 Kinder. An neun russischen Schulen wurden nationale Abteilungen eröffnet/— livländische, deutsche, jüdische, assyrische und andere—, in den 1530 Kinder lernen. Es wird weiter berichtet, daß es in Leningrad keine schnlpflichtige Jugend gibt, die nicht lernt. Die allgemeine Volksschulbildung ist obligatorisch und für alle unentgeltlich. Nordische Grüsse. Als der deutsche Touristendampfer„Milwaukee" die Hauptstadt Islands, Rehkjavik, mit 850 Passagieren, fast durchwegs Mitgliedern der Nordischen Gesellschaft und der NS-.ilnltnrgemeinde, anlief, erblickten die Nationalsozialisten im Hasen in meterhohen Buchstaben die Inschrift:»Nieder mit den Nazil" Ais die Touristen an Land gingen, erhielten sie eine Drucksache in deutscher Sprache, die wie eine Fremdenverkehrsreklame aussah, deren Inhalt jedoch die Meinung der Isländer über das Hitler- regime zum Ausdruck brachte und Freiheit für die politischen Gefangenen forderte: Bon den zehn Studenten haben sich acht freiwillig der Staatsanwaltschaft gestellt, zwei sind vorläufig flüchtig und werden gesucht. Bei der Durchsuchung fand man bei den verhafteten Studenten nur drei Revolver, die übrigen Revolver haben die Täter nach ihrer Behauptung unterwegs weggeworfen. Die verhafteten Studenten haben sich bisher geweigert, die Nmnen der geflüchteten Mittäter anzugeben. Als Grund für die Tat führen die Täter ein Manifest an, welches die von dem Ermordeten geführte Dissi- deniengruppe in den Straßen von Bukarest afsichierte und in welchem die Tätigkeit der Eisernen Garde kritisiert wurde. Ein erheblicher Teil der Täter ist vor wenigen Tagen aus der Provinz nach Bukarest gekommen, Donnerstag Abend fand eine Beratung der Organe der Sicherheitsbehörden statt. In den Wohnungen der Verhafteten und in verschiedenen Studentenheimen wurden Haussuchungen vorgenommen. Der Hai kommt freiwillig,(mb) Saul White, ein sechzigjähriger Fischer aus New Jersey, zog gerade einen zehn Pfund schiveren Blaufisch ins Boot, als ein Blauhai, der, wie sich später herausstellte, fünfhundert Pfund wog, nach dem Fisch schnappte, hochschnellte und ins Boot sprang. White und sein Kamerad Dillione warteten ab, bis der heftig um sich schlagende Fisch sich abgekämpft hatte. Er hatte im Hinteren Teil des Bootes allerhand Sachen zusammengeschlagen. White, der beinahe von den Zähnen des Hais erwischt worden wäre, erzählte später: „Ich wollte schon über Bord springen, um mein Leben in Sicherheit zu bringen; aber da sah ich, daß im Wasser jemand wartete, der aussah, als wär er das Weibchen des Hais." Menfchenjagd in«SA.(mb) Am 14. Juli waren in drei verschiedenen Staaten der USA große Menschenjagden im Gang. In Anniston (Alamba) suchte eine Armee, bestehend aus zwei Kompanien Nationalgarde und fünfhmüert Farmern, die Sumpsgebiete nach einem Neger ab, der eine weihe Frau attackiert und später einen ihn verfolgenden Polizisten erschossen hatte. Die Farmer waren mit Gewehren, Sensen, Hallen und allen möglichen anderen Waffen ausgerüstet. In Toccopola(Mississippi) suchte gleichfalls eine aus Hunderten von Bewaffneten bestehende Menge einen Neger einzufchließe», der angeblich eine Weiße angegriffen hatte. Bluthunde wurden eingesetzt; die Absicht, den Mann zu lynchen, wurde offen ausgesprochen. In der Nähe von Plymouth(Massachusetts) suchten zweihundert Männer nach einem Flüchtling— einem Weißen vermutlich— der eine junge Frau mit Gewalt entführt hatte. In allen drei Fällen sind die Behörden in Besorgnis, daß es zu Lynchungen kommt, und bereit, die Männer, wenn möglich vor diesem Schicksal zu bewahren. Sonvenir an die große Zeit.(nt6) In der Nähe von Nova Scotia(Kanada) wurde von dem Fischerboot„Andrava" eine treibende Mine aus dem Wellkrieg, Gewicht eine Tonne, aufgefischt. Nur eine halbe Meile entfernt von der Fundstelle zog gerade ein Passagierdampfer der Cu- nard White Star vorüber. Die Mine war also in gefährlicher Nähe einer der wichtigsten Damv« ferlinien, die unter anderem auch von Englands neuem Paradeschiff„Queen Mary" benutzt wird. Auf die Gefahr hin, sein Schiff in die Luft zu sprengen, ließ Kapitän Knickte von der„Andrava" die Mine an Bord holen. Dort gelang es dann, die Zündung zu zerstören. Sorge in der Zelt...1 Wie„Adeverul" berichtet» erhält Außenminister Titulcscu schon jetzt ein Denkmal, dar in dem Dorf Krasha, nicht weit von der ungarischen Grenze, errichtet wird. TiiuleScu reiht sich so in die nicht allzu große Zahl der Staatsmänner, die noch bei Lebzeiten durch ein Denkmal geehrt werden. Eine Marmorplaite, die auf dem Spckel angebracht wird, soll die Inschrift tragen:,»Die gegenwärtigen Grenzen Rumäniens sind der Sieg de» Gerechtigkeitsgedankens nach einem Kämpfe von-vieün Jahrhunderten. Men, die.stch dem Lauf der Gerechtigkeit widersetzen'und das Rad der Geschichte zririickdrehen wollen, sagen wir: Nein, nein, niemals l" DIdsen Satz hat TituleScuin Gens ausgesprochen. DaS Denkmal soll also ein sichtbares Wahrzeichen gegenüber dem ungarischen Revisionismus darstellen. Nachspiel der sibirischen'Eisenbahnkataftrophe. Bor dem Strafgericht in Tschita haben stch derzeit 18 Eisenbahner, darunter auch der Stationsvorstand, zu verantworten, welchen die Anklage zur Last legt, das Eisenbahnunglück verschuldet zu haben, das sich am 22. Juni in der ostsibirischen'Station Karpinskaja ereignete und bei welchem 51 Reisende umS Leben kamen. Das Unglück ist nach der Behauptung der Anllage auf die Unachtsamkeit der Angeklagten znrückzuführen, welche es unterließen, dem eintreffenden Zuge das entsprechende Signal zu geben. Der maßvolle Pfarrherr, lmb) Ein Pfarrer auf der JSle of Wight hatte Streit mit seiner Frau. In der Auseinandersetzung gebrauchte,-'er eine nicht alltägliche Waffe: er warf sie mit einem Foxterrier. Bor Gericht gezogen, wies er den Borwurf grausamer Behandlung'(der Frau) weit von stch. Indem er erklärte, eS seien noch drei größere Hunde dagewesen, die er auch hätte werfen können; er habe sich aber mit dem kleinsten begnügt. — Man muß dem wackeren Mann zugcken, Hätz er seine Frau unter diesen Umständen geradezu schonend behandelt hat. Shylock in Amerika. Ein merkwürdiger Prozeß wurde vor einigen Tagen in Bufialo verhandelt. Es ging um die Zähne der Regers Ashby, da» heißt, eigentlich nicht um die Zähne, sondern um die Brillanten, die der Neger sich in zwei seiner Zähne hat einfügen lassen, und die nun sein Gläubiger, ein moderner Shylock, forderte. Ashby hatte sich-bei einem Wucherer 500 Dollar geborgt und ihm dafür sein ganze» Hab und Gut verpfändet. Als er feine Schulden nicht zahlen konnte, legte der Pfandleiher Beschlag auf aller, was Ashby besaß. Er war nicht viel, und so llagte der Gläubiger auf Herausgabe der Brillanten. Da» Gericht lehnte, ohne Pörtia, die Klage ab. Kein Mench, stellte da» Urteil fest, brauche sich einer Operation zu unterziehen, um seine Schulden zu zahlen. Die Bevölkerung-von Pari». Pari» besteht aus der eigentlichen Stadt Paris' und- dem Kranz von Vororten, die im Gegensatz zu anderen Weltstädten nicht eingemeindet sind. Nach den letzten Zählungen hat Paris 2,800.188, die Bororte 2,110.084 Einwohner, so daß die Gesamtbevölkerung der französischen Hauptstadt nunmehr die Fünf-Millionen- G'renze fast erreicht hat. Da» Ende der Banditen in Mexiko? Die mexikanischen Banditen sind weltberühmt und auch außerhalb von Mexiko au» Filmen bekannt. Sie gehörten zum mexikanischen Leben, wie etwa die korsischen zu Korsika. ES war absolut keine Schande, Bandit gewesen zu sein, und manche, wie zum Bei- piel Panso Billa, sind später sogar Generäle und Präsidenten geworden. Erst die heuttge Regierung hat den Beschluß gefaßt, dem Banditenunwesen ein Ende zu machen. Im letzten Jahre meldeten Berichte von regelrechten Schlachten, die das Militär den Banden lieferte, lieber 60.000 Mann, Flugzeuge und Artillerie wurden eingesetzt,.und fast alle bedeutenden Bande» sind im Laufe der- letzten Monate vernichtet worden. Nur Lauro Roca,-, der erst vor kurzem einen Autobus überfalle» und 18 Personen getötet hat, ist noch in Freiheit. So schwindet wieder ein Teil alter, wenn auch gefährlicher Römanttk. Wa» eß alle» gibt. Aus Amerika, dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten, wird un» berichtet, daß Herr Temple, der Baier der kleinen weltberühmten Filmkünftlerin Shirley, täglich eine Unzahl von Briefen erhall, und zwar von grauen, deren sehnlichster Wunsch es ist, ebenfalls fo- ein kleine» Wunderkind in die Welt zu fetzen... wobei ihnen Herr Temple behilflich sein soll. Schlechtere» Wetter droht. Ein längeres Andauern des schönen Sommerwetter.» ist bei ün» nicht wahrscheinlich, da einerseits da» Tiefdruckgebiet über Finnland noch wirksam ist, andererseits stch auch vom Ozean her gegen das Festland neue kühlere Lust aui- breitet.— Wahrscheinliche» Wetter heute: Vorwiegend heiter, trocken und warm, im. Westen später Auftreten von Gewittern nicht ausgeschlossen.— Wetteraussichten für Sonntag: Wechselnd be- wölkt, in den böhmischen Ländern zunehmende Ge'- witterneigung, ziemlich warm. Vom RundfuiilK IlWMlMtMrlN Mts«M«NStaMII. Sonntag: Prag, Senket 2: 7: Konzert au» Karlsbad, 8.80: Orgevonzert aus Brünn, 0.50: Mujjiks Salonquartett, 18.45: Kammermusik^'17.85: Deutsche Sendung: Klassische Zeugen,— Funkwochenschau,— Ernte: Bunte Hörfolge, 18.50: Deutsthe Presse, 10.05; Populäre» Konzert,. 10.50: Konzert, 21: amerikanische Musik, 22.85: Tanzmusik. Sender S: 14.80: Deutsche Sendung: Arletterfuuk: Heinrich Böhm-Rumburg: Rordböhmische Wirkwarenindustrie, 14.45: Freunde, laßt un» beiter seint volkstümliche Sendung,— Brünn 8.80:-Orgelkonzert, 12.25:' Bekannte Opernmelodien, ,17.85: Deutsche Sendung: Dr. Hadina: Sehnsucht nach der Ewigkeit.—Preßburg 22.85: Chanson».— Mährisch-Ostrau 0.18: Klavierkonzert. 1936: Hunde mit Gasmasken '' Eine Parade der Meldehunde des japanischen Heeres/die mit-Gasmasken ausgerüstet sind« Nr. ISS iSamSkag> IS. Juli ISS« Seite k» Lee na» wUSt« sich Io« vr» legen, dem Rauschen der Bäume lauschen und den Wolkqn nachblicken.., Sie:-Warum tust Du es nicht?. Er: Meiner engen Hosen wegen H, 2243 Millionen RM. Die Handelsbilanz schlicht also, mit einem Ausfuhrüberschuss von 132 Mil« lionen RM. ab. -- Der Kölner RegierunsSpröstdent Diehl», der ehemalige Gestapochef, wurde als Regierungspräsident nach Hannoder, versetzt. Sein Nachfolger in Köln wurde der Aachener Regierungspräsident Reeder. Diehls ist damit an einen unwichtigen Platz abgeschobcn worden. Sein politischer Absturz setzt sich also-fort. Er galt nicht mehr als zuverlässig. In Köln will man jetzt ein noch strengeres Regime errichten. Von Diehls heisst es, daß er nur deshalb überhaupt noch einen Posten erhalten habe, weil er Mitwisset kompromittierender Vorgänge, vor allem der. Hintergründe der Reichstagsbrandes, sei. Die Spionage-Affäre in der ilSA-Flotte. Zu der Spionage-Angelegenheit des Marineoffiziers Farnsworth teilt das amerikanische Justizministerium mit, dah man noch mit einer Reihe weiterer Berhafiungen zu rechnen habe. Farnsworth soll ein Geheimdokument mit Plänen Uber Kampsformationen und taktische Fragen einem japanischen Attachö verkauft haben. Das Geheimdokument war auf Grund der Erfahrungen der Flottenmanöver ausgestellt und ledig« lich für die Höch st en Marineoffiziere bestimmt. Die Verhaftung Farnsworth' erfolgte, als er vertrauliche Dokumente im Hause eine» hohen Offiziers der Marinckadettenanstalt Annapolis einer Durchsicht unterzog.■ Das älteste Lehrbuch des Verstaue». Daß Böhmen in alten Zeiten Bergbau betrieb, ist wohl bekannt. Hingegen weih.man meist nicht, daß das älteste Lehrbuch Uber den Bergbau auf Böhmens Boden entstanden ist. Der berühtnie Arzt-und Forscher Georg Bauer, bekannt unter dem Namen Aari» eola(1484—1665), lernte in JoachimSthal den Bergbau kennen und fchrieb_daS Werk„De r? metallic«", das vor nunmehr 388 Iahte» erschienen ist. Dieser und auch andere wenig gekannte Ruhmesblätter,, auf die unser engere» Vaterland stolz sein kann, hat in. seiner jüngst erschienenen Schrift „Böhmen in'der Geschichte der Technik" der bekannte- technische Schriftsteller Zivilingenieur Ludwig Karpe in Teplitz-Schönaü gesammelt und im Selbstverlag herauSgegcben. ES sind darin viele bedeutende Leistungen unserer Technik und Industrie verzeichnet, die zumindest ebenso^genannt zu werden verdienen, wie die Leistungen Böhmens auf anderen Gebieten. Japan ist würdig der hitlerdeutschen Freundschaft. Schon durch seine Gefangenenbehandlung. Nachdem bereit- zahlreiche chinesische Angestellte britischer Firmen in Mandschukuo von den Japanern wegen»Kommunismus"' verhaftet worden waren, einer von ihnen daran gestorben, ein zweiter wahn- . sinnig geworden ist, hat jetzt der Inder Huffein, brl» -tischer Staatsbürger, erfahren müffen, wie die Ja- ' paffer Gefangene behandeln. Er und seine Frau wurden wegen»Betruges" verhaftet, furchtbar geschlagen und der„Wafferfolter" unterworfen: Man hält dem Gefangenen den Mund offen und schüttet Unmengen Wasser hinein. Schwere innere Verletzungen, wenn nicht Wahnsinn oder Tod, sind die Folgen. Einem Protest de- britischen Botschafter- Sir Elive hatten die Hussein» ihre Freilässung zu verdanken. Nqch den Verträgen dürften sie nur vor dem Konsulargericht angeklagt werden, wovor sich die Japaner natürlich hüten,(bn) Die Bärte der Aeomen. Die Bart Verordnung der Hellebardisten des Königs, der Aeomen, die König Eduard VIII. erlassen hat, führt zu neuen Unzu- träglichkeiten.. Zunächst waren die- Frauen der Aeomen keineswegs damit einverstanden, daß diese ihren stolzen Männerschmuck nunmehr abnehmen dürfen..Jetzt, nachdem die gute Hälfte der Aromen von der Erlaubnis der Königs Gebrauch gemacht haben, stellt es sich heraus, dah die Uniformen, die für bärtige Männer gedacht waren, nicht fitzen. Der Kragenausschnitt, der Ktnnriemen patzt nicht mehr, und der König mutzte selbst bei einer Parade zugeben, dah seine Aeomen„einfach bejammernswert" auS- schen. Selbstverständlich kann nun eine königliche Verordnung nicht mehr rückgängig gemacht werden. Aberwamit in Zukunft die Aromen alle wieder gleich aursehen, erwägt man in allem Ernst, denen, die sich die Bärte geschnitten haben, bei Paraden falsche Bärte umzuhängen. Ja, England hat Sorgen I Ein Grabmal aus der Steinzeit. Auf der Renntierinsel im Onega-See wurde bei Steinbrnchardeiten ein altes Grabmal aus der Steinzeit entdeckt. Im Grabmal wurden Skelette gefunden, die mit einer dicken Schichte roten Ockers bedeckt waren, ferner Waffen aus Stein und Knochen sowie Halsschmuck au» Hauern wilder Tiere und andere Gegenstände, die für die Archäologie von grobem Jfftereffe sind. Dar aufgefundene Grabmal ist dar älteste von allen bisher im südwestlichen Teile der-Sowjetunion bekannten Grabmälern. Aus Leningrad wird eine besondere wissenschaftliche Expedition nach dem Fundort abreisen. Zigeunerromantik. Nicht alle Zigeuner betätigen sich als Primas. Er gibt noch immer echte Zigeunerromantik, wie die Geschichte de- Räubers Marko Drelinrki lehrt, der au» Liebe hu feiner schönen Freundin Luna MareScu Dutzende von schweren Verbrechen verübte. Noch als Knabe erstach er einen Landwirt, um Luna dessen Harmonika zu schenken. Er erschotz die drei Gendarmen, die- ihn verfolgten. Er führte dann'ein echtes Räuberleben, zahllose Ueberfälle, Diebstähle und Einbrüche kommen auf sein Konto. Die Beute brachte' er immer zu Luna. Er wurde auch bei ihr entdeckt, verteidigte sich wild und erschoss noch zwei' Gendarmen, bevor er überwältigt werden konnte. Die Geschworenen von Arad verurteilten ihn zum Tode durch den Strang, die schöne Luna MareScu verübte in der Gefängniszelle-Selbstmord. Amerlkanlscha Konflikte (?lP.) Die Entwicklung in Amerika hat zur Folge gehabt, daß in manchen Dingen die Rollen zwischen Republikanern und Demokraten geradezu vertauscht erscheinen. Bisher waren die Republikaner stets für die Ausdehnung der Bundesgewalt auf Kosten der Einzelstaatcn gewesen. Umgekehrt hatten die Demokraten die Rechte der Bundesstaaten gegenüber der Zentralgewalt verteidigt. Ware» sie doch immer die. energischsten Verfechter des söderaliftifchen Prinzips, wie sich schon im Sezessionskrieg gezeigt hatte. Die Debatte über die Verfassungsänderung, insbesondere über die Rolle deS Obersten Gerichtshofs, der bis jetzt allen Reformen auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet Widerstand entgegengesetzt hat, führte nun zu merkwürdigen Verschiebungen. Der demokratische Parteikonvent^n Philadelphia trat dafür ein, dass den Bundesbehörden bestimmte Vollmachten eingeräumt werden, dah also die Bundesgewalt eine Stärkung erfährt. Umgekehrt sind die Republikaner jetzt dafür, dah di« erweiterten Kompeten» zen nicht der Bundesregierung, sondern den Ein- zelstäaten übertragen.werden, die das Recht haben sollen, soziale und wirtschaftliche Reformen.durchzuführen. Der Kongress von Philadelphia brachte aber noch ein weiteres Novum.. In der demokratischen Partei gaben bisher die 16 Südstaaten den Ausschlag. Sie waren föderalistisch, bildeten das konservative Element und stemmten ssch gegen alle Reformen. Da seit 164 Jahren für die Nominierung des Präsidentschaftskandidaten eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich ist, konnte der Süden jede ihm nicht genehme Kckndidatur verhindern. Blieb der Süden. wirklich in der Minderheit, so vermochte er doch mit HIlse einiger anderer Staaten seinen Willen durchzusetzen, ganz im Gegensatz zu den Republikanern, bei denen die. esnfache Mehrheit genügte und die daher von den inneren Kämpfen verschont blieben. Auf dem diesjährigen Kongress ist nun di« Bestimmung über die Zwei- drittel-Mshrheit beseitigt worden, und zwar gegen den wütenden Widerstand des.Südens, dessen Uebergkwicht dadurch gebrochen wurde.-Erst diese Haltung ermöglichte die oben geschilderte Schwenkung IN dir Frage des Föderalismus. Zur.Zeit beschäftigt-ein Streit innerhalb der Gewerkschaften die amerikanische Oeffemlichkeit.- Jm Gegensatz zu den' von William Green geführten, horizontal organisierten Gewerkschaften weisen die von John Lewis gegründeten zwölf In du-' strieverbände einen Vertikalen Aufbau auf. Sie. sind ärnstärksten in der Stahl-, Kohlen-, Textil- und Gummi-Industrie. Dahinter verbergen sich. tveit/mehv al» organisatorische Gegensätze'. Die i Vereinigten Gewerkschaften wenden sich gegen das Prinzip von Lewis, weil dadurch Gelernte und Ungelernt« auf' eine Stufe gestelltwürden,! Ausserdem legte ssch Green nie aufeine Partei fest, während Lelvi» hinter Roosevelt steht» die Illegalität trieb)', ganz zu schweigen von der italienischen Halbkolonie Albanien. England erntet jetzt, was es gesät hat. Um des Grundsatzes des„Balance of Power", um der Schwächung Frankreichs in Südosteuropa. willen, trug es zur Zeit seiner Freundschaft mit Italien zu dieser Einkreisung BetgradS bei, die es heute gerne ungeschehen machen möchte. Dazu kommt aber noch ein innenpolitisches Moment. Das wichtigste Erfordernis ist und bleibt die Demokratisierung Jugoslawiens und die immer dringlicher werdende Üeberbrückung des Gegensatzes Belgrad—Zagreb. Jugoslawiens Besorgnisse um die Kroaten, die so gross sind, dass sie immer wieder einzelne zu dem Gedanken verleitet haben, der Anschluss sei daS kleinere Uebel gegen der Restauration, wären grundlos,. wsn» endlich durch ein wahrhaft demokratisches Regime die innere Befriedigung erreicht wäre. Gewiss hat Ministerpräsident Stojadinowiä dieser Tage scharfe Worte gegen die Faschisten um Jeftik gebraucht, die er als destruktive Elemente bezeichnete, sich gegen die frühere Regierungspartei, die -INS, gewandt, die den General Zivkoviö zu ihrem Führer erwählte und den Anhängern Jcftiä ei» politisches Obdach gewähren will: und das frühere Regime in der Weise charakterisiert, dass schon zwei Leute auf der Strasse einen Lauscher neben zich hatten, drei. Personen bereits von der Polizei aus- einandcrgcjagt wurden, die Gefängnisse überfüllt gewesen seien, täglich Kroaten unter die Emigranten und Terroristen gingen und die grössten Korruptionsaffären auf,.her Tagesordnung waren. Gewiss, so ist es heute nicht-mehr. Aber man ist noch weit entfernt'von einer Normalisierung. Gerade in diesen Tage» würde die Polizei von.Zagreb verstärkt, modersti» siert und motorisiert. Die Mittel dazu werdest'»! einer Zeit bereitgestellt, in der aus Sparsamkeitsgründen die Zuschüsse für das kroatische Theater -und die kroatische Akademie der Wissenschaften er- heblich reduziert wurden. Vox kurzem wurden für dje slowenischen Gebiete einige recht aufschlussreiche Zahlen bekannt. Slowenien brachte, in 13 Jähren 26 Milliarden Dinar.an Steuern und Abgaben auf. Davon gab die Regierung für die Bedürfnisse in Slowenien nicht einmal zehn Milliarden Dinar zurück. Die Steuern sind um 85 Prozenh höher als in Serbien. Die Sreuerein- treibüng erfolgt mit solcher Härte, dass 1935 das ganze slowenische Lund nur' 56 Millionen Steuerschulden aüfwieS: wahrend die Stadt Belgrad allein ast Hauszinssteuer 863 Millionen schuldete. An billigen.Krediten erhielt Slowenien vier Anleihen'mit einem'winzigen Betrage, ein Belgrader Bezitk 388 Anleihen-Im Beträge von 804 Millionen Dinar. Wenn e» so bei den noch relativ zufriedenen Slöwenen sthht', kann man erst die Lage der/Krpatest.ermessen- (AP.) In Belgrad löst eine deutsche Wirt« schaftskommission die andere ab. Augenblicklich sind wieder Industrielle dort, die über den Ankaus -der gesamten Produktion der Bauxit«, Kupser- und Zinkproduktion verhandeln und auch die bischer unauSgebeuteten Minon'in Betrieb setzen wollen-'. Deutschland ist bereit, die nötigen Maschinen ustd Anlagen auf Kredit zu liefern, undverlangt .als Gegenleistung„nur" dje-gewonnenen Erze. 'Das zur Charakterisierung von Hugo Stinnes seinerzeit geprägte Wort„Was kostet Deutschland?" -kommt einem wieder ins Gedächtnis,, wenn man sieht, wie das Dritte Reich mit grosszügiger Geste alles im Ramsch an. sich zu reihen sucht. Den B a l k a n st a ä t e-n ist eine Vasallen rolle zugedacht, gegen die das AbhängigkeitSverhältnlS vor dem Kriege, als Wilhelm II. den Balkan als .Deutschlands Domäne betrachtete und die Deutsche Bank den Südosten als ihr Kolonialgebiet ansah, noch geradezu als Freiheit erschien..Geht man -doch so weit, der jugoslawisch.en Landwirtschaft' eine Umorientierung auf Oelsamen und Flachs anzuraten, da Deutschland diese Produkte in unbegrenzten Mengen ausnehmen könne.- Nun soll maü. solch« wirtschaftlichen Anhängigkeiten beileibe nicht. überschätzen. Trotz des. Gegensatzes Rom—Belgrad war Italien vor den Sanktionen der beste Kunde Jugoslawiens, und vor Hitler waren die deutsch- jugoslawischen Handelsbeziehungen auch schon gut, ohne dah dies der Bündnistreue Jugoslawien zu Frankreich Abbruch tat.-- Man soll aber die Gefahren, die sich aus der 'neuen Situation ergeben, auch nicht ignorieren. Das Dritte-Reich,-das aus. propagandistischen Gründen absichtlich seine Wünsche mit deren Erfüllung verwechselt, macht verzweifelte Anstrengungen, um Jugoslawien fest ins Schlepptau zu nehmen, wenngleich dipse auch- durch die Freundschaft mit Ungarn und dqs. Werben um Italien -etwas-gestört werden. Die weiter«-Entwicklung ist-aber von zahlreichen Faktoren abhängig. Lhon Blum hat jüngst gesagt, dass die. Freundschaft Mit Jugoslawien vertieft werden müsse-und dass-es vor allem darauf ankomme,- di«.wirtschaftliches Beziehungen zu erweitern. Er hat also offenbar jven, Ernst des Problem» erkannt. Paris hat an Polen ein warnendes-Beispiel, wie wixtschastliche -Gleichgültigkeit freundschaftliche Bande zu.lockern vermag,-Die.französische- Volksfrontregierung Mrd.sich darüber klar.sein müssen; dass män.auch 'etwas tun. tnüss, um.ein Bündniösystem zu erhalten.''' ; Bei der Beurteilung heh jugoslawischen Fpage gilt es auch! zu berücksichtPen, dass sich Jugoslawien für eingekreist hält.- ES ist.umschlossen von »Italien.- Ungqrn und Bülgärien'(das zwar ftän- W.feiste' Freundschaft!-zu,'Jugosläwien beteuert, aber nicht die-Tatsache verdunkeln kann, dass es 'dtp- kätkrästigsten Verfechter-einer Annäherung.in Deutsche Außenhandelsziffern Berlin. Die Einfuhr betrug im Juni 360 Millionen RM. Gegenüber dem Bormonat hat sw um'26 Millionen RM. zugenommen. An dec. Steigerung haben vorwiegend europäische Länder teilgenommen. Die Äusfsthr. betrug im Juni 871 Millionen(im Vormonat'872.. Millionen)'. Gegenüber dem gleichen- Monät' deS Vorjahres' war.die GesamtäüSfuhr'im Juni dies«- Jahres um 58 Millionen RM. Höher. Die Handelsbilanz schliesst im Juni'mit einem Ausfühpüberschuss von, 11 Millionen MM- gegenüber 35 Millionen'ick Vormonat, ab. Ins.' ersten-Halbjahr" 1836-betrug' die' Einfuhr Üll) Millionen RW„ die'Ausfuhr DI« bulgarische Wahlreform.(AP.) Ministerpräsident Kjosaiwänow hat Erklärungen über die VerfaffungSreform abgegeben. Danach soll das Wahlalter von 21 auf 25 Jahre heranfgesctzt werden. Die Zahl der Abgeordneten des Sobranjc wird vermindert. Das Parlament soll nicht nichr auf, GruNd. der politischen Parteien, die durch Dekret vom-21. April 1885 abgeschafft, wurden, sondern aus vorgeschlagcnen Persönlichkeiten zusammengesetzt sein. Neben den direkt vom Volk vorgeschlagenen Vertretern(wie diese Vorschlag« ohne Parteien erfolgen sollen, lvurdc nicht bc- känntgegeben) soll eS Vertreter ter Berussorga- nrsationcn geben, die seinerzeit durch ein Sonocr- gesetz vom 18.'September 1834 geschaffen wurden. Ausserdem werden die Vertreter der Hochschulen, der Akademie der Wissenschaften usw. der Kammer angehören. Das Parlament wird also in gewissem Sinne Korporativ-Eharakter tragen. In politischen Kreisen erklärt man, dass die Vorbereitungen im' einzelnen so sein werden, dass die Zankow- Bewegung,' die zwar auch verboien ist, deren illegale Tätigkeit aber mehr und mehr toleriert wird, einen massgebenden Einfluss, erlangen wird. — Zankow äusserte sich vor Pressevertretern sehr befriedigt über die politische Entwicklung in Bulgarien.. Da er offenbar schon Gelvisshcit darüber hat, dass seine national-soziale Bewegung der Nutzniesser der nächsten Wahlen sein ivird, begrüsstc er,- der Anhänger des Diktaturgedankens, die „Rückkehr zum Parlamentarismus"..Er sprach sich jedoch für Abschaffung der politischen Parteien aus und trat für die Abstimmung nach Listen mit „auSgewählten Personen" ein. Er wird tvissen, warum. Waghalsiges wissenschaftliches Experiment Der spanische Oberstleutnant H e r r e r a hat einen Stratosphärcnaufstieg geplant, der nicht un« gefährlich ist. Der Aufstieg soll, in einem Ballon mit offener. Gondel erfolgen. Hierzu hat sich der Flieger einen besonderen Anzug konstruiert. Es ist ein luftdicht abschliessender Gummianzug, der oben-mit einer Taucherhaube-abschlicsst(liüks). Darüber kommt ein durch ein Stahlgerüst versteifter Fliegeranzug(rechts),> CLuzfatul (Seife 6 EamStng, 18. Juli 1036 Nr. ISS Ich denke, das Meer rauscht und nun seid Ihr es! G HOTELRATHAUS Neuern Im Böhmerwald. ausdrücklich Untersaat ist, eine ESlimofrau au heiraten, kommt eine solche Ehebei den dänische» Beamten und Angestellten in Grönland sehr häufln vor; zumindest haben sie durchwegs eine einheimische Geliebte. Sexuelle Zurückhaltung Ist den Grönländern.unbekannt und unverständlich. Das uneheliche Kind belastet die Mutter in moralischer Hinsicht keineswegs, sondern gilt, sofern eS einen europäischen Bater hat, sogar als eine Ehre. Das Zeichen dieser Ehre ist ein istrüneS Band um den Haärknoten, das ein Mädchen mii Kind bezeichnet., Naturgemäß sind eS fast immer die schönsten, saubersten und intelligentesten Mädchen, die von Europäern Kinder haben, und die Mischlinge sind infolgedessen den reinrassigen Grönländern an körperlicher Ausdauer und gei- reicht das Akiivum die Höhe von 65,4 Millionen KC. Diese für die Tschechoslowakei ins Geivicht fallende Ausdehnung der Ausfuhr nach Rußland konnte erzielt iverden, obwohl der Sowjetstaat seine Einfuhr weiter außerordentlich gedrosselt hält. Bor wenigen Tagen hat der Volkskommissär für den Außenhandel, Rosengolz, auf einer Konferenz aller im russischen Außenhandel tätigen Stellen betont, daß Rußland an seiner in den letzten Jahren eingeschlagenen Außenhandelspolitik festhalten Iverde. Gleichzeitig unterstrich er die Bereitschaft zn zusätzlicher Einfuhr, wenn Rußland langfristige Lieferkredite gewährt würden und wenn die Waren den letzten Errungenschaften der modernen Technik entsprächen. Es eröffnen sich demach für die Tschechoslowakei auch für die Zukunft die Möglichkeiten einer stärkeren Ausfuhr nach Rußland. Es scheint auch, daß die Sowjetregierung bereit ist, der Tschechoslowakei be- stinnnte handelspolitische Erleichterungen zu gewähren. Wenn sich die Getvähruug des Kredites nicht wieder so lange hinauSzögert wie im Borjähre, so kann gehofft werden, daw die günstige AuSfuhr- enttvicklung nach Rußland keine Unterbrechung erfährt. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Ein neuer Rußlandkredit? Zwischen der Sowjetvertretung»and der Tschechoslotvakei Iverden gegenwärtig Verhandlungen geführt, die die Gewährung eines neuen Warenkredites an Rußland zum Ziele haben. Der im vorigen Jahre von der Tschechoslowakei zugesagte Warcttkredit ist von Rußland so gut wie erschöpft worden. Für die tschechoslowakische Wirtschaft hat sich der Ausbau der gegenwärtigen Handelsbeziehungen als außerordentlich fruchtbar erwir» fen. Während die tschechoslowakische Ausfuhr nach Rußland in den ersten fünf Monaten deü Jahres 1035 26,9 Millionen Ui betrug, ist ste in der gleichet» Zeit deS laufenden JahreS auf 95,8 Millionen Ui emporgeschnellt. Im vorigen Jahre ergab sich in der Vergleichsperiode zugunsten der Tschechoslowakei ein Akti- bum von 6,7 Millionen Ui,.in diesem Jahre er- Besuchet die Felsenstldte Wekelsdorf und Adersbach Weltberühmt als einzig dastehende Sandsteingebilde Die Naturdenkmäler zähl en zu den* beliebtesten Reise zielen tausender Touristen. Sommerfrischen— Herrlich angelegte Bäder— Hotels: Felsenstadt Adenbach— Eisenhammer» Wekelsdorf. Prospekte durch die Felsenverwaltungen. 3496 Wlrtschaftsprosramm der belgischen Gewerkschaften Bei der Neubildung der Negierung Ban- Zecland haben die belgischen Gewerkschaften dem Ministerpräsidenten ein umfassendes sozial- und wirtschaftspolitisches Programm vorgelegt. Unter de» sozialpolitische» Forderungen findet sich ein „Recht auf Arbeit" für alle Bürger zwischen 16 und 6V Jahren durch Einführung der 40-Stun- dentvochc(wobei die Festsetzung der Löhne Verhandlungen zwischen Unternehmer- und Arbeitervertretern überlassen wird), Verlängerung des Schulalters auf 16 Jahre, AltcsSpcnsionen ab 60 Jahren; Ratifizierung aller Konventionen, die von den internationalen Arbeitskonferenzen beschlossen wurden; Ausbau der Arbeitslosen-, Jn- validen-, Kranken- und Altersversicherung; Bau von billigen Arbcitcrwohnungen gemäß dem Regierungsprogramm von 1929 um.2 Milliarden Francs; Preispolitik, die die.Kaufkraft erhält. An wirtschaftspolitischen Forderungen. Iverden angeführt: Eine Arbeitsbeschasfungspplitik, hi? sich der Konjunktur anpatzt; Strukturresormen 7 durch Ausdehnung der öffentliche» Kontrolle Mir Kredit, Verkehr, Energie- und. Nohstosferzeugüng; Umbau der Industrien» der Richtung einer stärke-, reu Verwendung qualifizierter Arbeitskräfte und. Anpassung an'die Bedürfnisse des. Binnenmarktes.. stigen Fähigkeiten mindestens gleichwertig, wenn nicht überlegen. Auch die Mutter des verstorbenen Forschers Rasmussen war ja bekanntlich eine Eskimofrau. Ein weiteres Mittel der Europäisierung ist der Schulunterricht, der bis zum 14. Lebensjahre Pflicht ist. Die Lehrer sind Grönländer, die ihre Ausbildung im Seminar zu Goodthaab erhalten haben. In Goodthaab gibt cs auch eine Druckerei, eine grönländische Zeitung, die freilich nur vierteljährlich erscheint,, und einen bescheidenen Buchverlag. Die Bücher sind meist Werke der Lehrer des Seminars. Uebersetzungen europäischer Bücher gibt es nicht, da die. Grönländer eine' Menge und geläufiger und zum Verständnis unserer Literatur unentbehrlicher Begriffe, wir z. B. Automobil, Eisenbahn, Fabrik, Fahrrad usw. überhaupt nicht kennen. Auch die hervorragende Einrichtung des Gesundheitswesens, das von neun Aerzten geleitet wird, fördert die' Europäisierung. Im Krankenhaus lernt der eingeborene Patient Pünktlichkeit, Sauberkeit, einen europäischen Haushalt und europäische Küche kennen und schätzen. Die Wirkung dieser Europäisierung zeigt sich überall. Allmählich verändern sich, auch die körperlichen Merkmale, Schädelform und Gesichtszüge. In der Kleidung wird das Fell durch Stoffe verdrängt. Die reine Fleischkost wird durch Mehl- und Hülsen fruchte ergänzt, und Tabak und Tee sind unentbehrlich geworden. Las Kajak, das Jagdboot, besteht nicht mehr aus Seehundsfell, sondern aus Segeltuch. Das Umijak s.Fraucn- boot) nicht mehr aus Leder, sondern aus Holz. Zur Jagd dient nicht mehr der Speer,, sondern das Gewehr. Lesen und Schreiben ist Allgemeingut geworden, und die Grönländer (schreiben oft und viel, da Jnlandsbriefe portofrei befördert werden. ' Nur ein Merkmal der Europäisierung ist den Grönländern erspart geblieben: sie haben kein Gefängnis und brauchen es auch nicht, da Straftaten, selbst Affekthandlungen, überhaupt- nicht Vorkommen. Der harte> Kampf uips Dasein und die absolute Gleichberechtigung aller haben die Grönländer hilfsbereit und menschenfreundlich gemacht wie kaum ein anderes Volk der. Erde. Sven Arcknffo.n. Wir empfehlen das HOTEL DAX BRATISLAVA'• STEFANIKSTRASSE 31 8 Minuten vom Bahnhof. BUrgl. Haus. Menüs K6 6'—. Fremdenzimmer von K8 12*— an. »ad Kunnersdorf, das Moordad der unvergleichlichen Heilerfolge. So wie In den früheren Jahren ist auch unter dem neuen Besitzer das Moorbad Kunnersdorf für den privaten Kurgebrauch eingerichtet und, bestens zu empfehlen. Bad Kunnersdorf liegt in waldreicher Gegend und verfügt über einen unerschöpflichen Reichtum»n vorzüglicher Heilmoorerde, demzufolge hochqualifizierte Moorbäder, bestbekannt durch ihre Dichtigkeit und Stärke, verabreicht werden können. 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Di« Verpflegung der Privatpatienten wurde dem langjährigen bewährten Pächter, Herrn Rudolf Essenberger, übertragen. Täglich vier Konzerte der eigenen starken Kurkapelle, TanzreunionS, Kegelbahn zur freien Benützung, sportgerechter Tennisplatz. Bahnstation Kriesdorf A. T. E., Autobusse bei jedem Zuge zur Verfügung. 60% Fahrpreisermäßigung für die Rückfahrt. Prospekte und Auskünfte bereitwilligst durch die Kurverwaltung Bad Kunnersdorf, Post Oschitz, Nordbähmen.. MTP Kopenhagen, im Juli. ES wird nicht mehr lange dauern, bis die letzten reinrassigen Eskimos auf Grönland ausgestorben sein werden. Die ersten, die den Versuch unternahmen, sie zu verdrängen,, waren nach der Ueberlieferung und den Ergebnissen der auf Veranlassung des Nationalmuseums zu Kopenhagen durchgeführten Ausgrabungen die Wikin« gcr. Sie führten die Viehzucht ein,:importierten Rinder, Schafe, Ziegen und. Schweine, wären aber auf die Dauer den Verhältnissen des Landes nicht gewachsen.. Mangel an Anpassungsfähigkeit, Mangel an Eisen für die notwendigsten Geräte.und nicht zuletzt Inzucht richteten sie allmählich zugrunde. Den Rest besorgten die Kämpfe zwischen Wikingern— die übrigens auf Grönland Nordboer genannt werden— und Eskimos, aus denen die Eskimos, die sich der Natur des Landes restlos anzupaffen verstanden,, als Sieger hervorgingen. Der zweite Versuch der Europäisierung fällt in die Zeit der großen Walfischflotten, also in den Anfang des 17. Jahrhunderts. Wir wiffen von ihm aber nicht mehr, als daß damals ein lebhafter Tauschverkehr entstand. Heute stehen wir im Zeitalter der dritten und stärksten Europäisierungswelle, durch die fast alles rein„Eskimoische" allmählich, aber sicher verdrängt wird. Sic setzte im Jahre 1721 ein, dauert noch an und ist heute dabei, den„Eskimo" endgültig zu verdrängen und den neuen ThpuS „Grönländer" zu schaffen. Der Miffionseinfiuß, durch die Konkurrenz zwischen dänischer und Herrnhuter Mission unter einem nicht besonders glücklichen Stern stehend, verdrängte. einen Hauptberuf des Eskimos, den A n g a k o k. Er ist das Ebenbild des indianischen Medizinmannes. Sein Schicksal ist eigenartig. Di« Grönländer von heute sind erstaunlich fleißige Kirchenbesucher,, haben aber allerlei alte heidnische Getvohnheiten beibehalten. Der Zauberer ist darum zwar geblicbem stellt aber doch keine allzu auskömmliche Existenz mehr dar, und die Angakoks sind darum heute meist Fänger, d. h. Scchundsjäger geworden. Aber während früher der Fänger eben nur Jäger, auf Rohben, Vögel und Renntiere war, hat der Mangel än Seehunden in Südwestgrönland dazu geführt, daß der Fischfang von einem Notbehelf immer mehr zum Haupterwerb wird. Sämtliche Fische müssen an die„Grönland Styrelse", die dänische Verwaltung, ahgeliefert werden, die für ein Kilo Dorsch 7 Oere bezahlt. Von Grönländern— jede Familie mutz ein Mitglied zur Arbeitshilfe stellen,—. wird der Fisch ausgenommen, eingesalzen und in 5ü-Kg.-KoüiS verpackt. Der. Salzfisch dient häufig genug zur Neberwindnng von Hungersnöten und harten Wintern. Die Fangzeit dauert von Juni bis Oktober. Ein Ichthyologe fährt mit einem Motorboote— von den Grönländers„Umarissok", d. h. Schnelläufer, genannt.— die Küste ab und stellt genaue Untersuchungen über Fischzug uud Vermehrung an. Dann gibt die Verwaliung den Fischern ihre Anweisungen. Fischfang am laufenden Band. Wal- und Robbenspeck sind heute selten geworden/ Die Verwaltung mutzte auf ergänzende Lebensmittelbeschaffüng bedacht sein. So entstanden die„BudiicN", in denen die Grönländer aus dem Erlös ihres Fischfanges, dem Verkauf ihrer Fuchssclle, Eiderdaunen und Dorschlebep — das sind Monopolwaren, die nur andic dänische Verwaltung abgesetzt werden dürfen— ihren Bedarf eindecken können. Die Preise für sämtlich«. Ware» sind amtlich festgesetzt uNd oft unter dem Einkaufspreis gehalten, was freilich nichts auSmacht, da durch das Monopol ja ohnehin genügend verdient wird. Die Budiken verkaufen Mehl, Zucker, Kaffee, Tee, Reis, Bohnen, Zwieback, Schwarzbrot, Dörrobst, Gewehre und Munition(alte deutsche Mausergewehre, das Stück für 16 Kronen), Glas- und Steingutwaren, Eisenwaren, Wollstoffe, Gummistiefel, Segeltuchschuhe, Mützen, Fausthandschuhe, Flanellhemden und die für einen echten Grönländer unentbehrlichen Perlen für Glasperlenarbeiten.. "Bringen, schon, diese"Handelsbeziehungen eine starke Europäisierung, mit sich, so wird diese noch verstärkt durch die.Blutms.schu»'n mjt "Gurö p.ä e rn.'Während eS''den Herrsthutern Grönland europäisiert sich Die Eskimos sterben aus— Eine grönländische Nation entsteht Wald*Sanatorlum Dr. Schweinburg Zuckniantel, Schlesien. Erstklassige, physikalisch-diätetische Heilanstalt fUr innere, Nerven- u. Stoffwechsel-Krankhelten Mäßige Pauschalkuren. 3468 ' Wanderung, Sonntag, Zusam- ' menkunft 8 Uhr früh, Endstation i.det 14er in Kakerov,— Mttt- | w o ch, den 22. Juli, um 20 Uhr: Gruppenabend im Ligaheim der Zentruntgruppe. ' Sonntag, den 10. Juli, Zusammen« Krää&A kunft um Ai 7 Uhr am Smichovir (WEjSSaj Bahnhof. WNnderlmg. öder> Baden in «ÄggSV der Beraum Fahrpreis zirka, 8' KC. Führung:. Winternitz.-— Außerdem jeden.SamStag, Sonntag Wanderung zur Hütte. Anmildnyg iedön Freitag von 6 bis%8 Uhr?in,* der. Geschäftsstelle.'»»"Prag II.',:Närodn1 ti. 4/II. St. Es werden jetzt schön Anmeldüngeiusur Fahrt.nach Brünn.entgegengenommen..", föiltige Muren an den heißen, hochrad. Thermen BadTeplitz-Scbinau bei flicht, Rheuma, Ischias«. Auskunft: StHdtlsche Kurdirektion oder Clarysche Kurdirektion. 847« Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ms Haus oder des Bezug durch di. Post monatlich US 16.—. vierteliäbfig KJ 48.—. halliäbriq Ui 96.—. ganziährig Ut 102.—.— Inserate werden laut , Tarif billigst berechnet. Bei öftere». Einschaltungen PrsiSnachlaß.-7-'RückstellungvonManuskrivten. erfolgt.nur bei Einsendung.der Retourmarken.'^. Die Zeitungsfrankatur wurde von der Bost» und Tele« graphendirektum.mit Erlaß Nr. lS.8üv/Vtl/103ü bewilligt.— Druckerei: ,KrbiS", Druck-. Verlags- und ZettuugS-A.-G. Prag.■■ 1(1 WM