16. Jahrgang Dienstag, 21. Juli 1936 Nr. 168 Einzelpreis 70 Hellar (einichließllch 5 Heller Porto) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg XII., fochova«. Telefon 5X77. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR! DR. EMIL STRAUSS, PRAG. LENTEALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Die spanische Regierung im Kampf Die Arbeiter bewaffnet Die Regierens In Ren Industriellen Provinzen erfolgreich Soweit sich aus de» einander meist widersprechenden und oft den Stempel der scnsatio« nellen Erfindung tragenden Meldungen au« Spanien in den Abendstunden des Montag ein Bild der Lage ergibt, kann man feststellen, daß die gut vorbereitete und auf da« marokkanische KolanialgebietbasierteMilitärrrvolte im Süden der Halbinsel augenscheinlich nach immer gefährlichen Umfang hat. Wahrend General Franca die Regierung anffardert, da« Blutvergießen einznstellen und keine offenen Städte zu bombardieren, nehmen seine Kriegsschiffe die südspanischen Häfen— so Cadix— unter schwerste« Feuer, auch zu Laude wird Artillerie eingesetzt und Malaga soll in Flammen stehen, lieber Sevilla haben Luftkämpfe stattgefnndcn. Während im Süden die Revolte gewisse Erfolge zu verzeichnen hat, scheint sic in Madrid nnd in Aragonien(Catalonien) rasch znsammcngrbrachen zu sein, da sich dort nicht nur» verblendeten indifferenten Arbeitsmenschen und der der nazistischen AbenteuLerideologie verfallenen Jugend die Augen zu öffnen und ihnen allen klarzumachen, daß sic, indem sie den HenleiniS- mus die Wege, ebneten und in sein Lager überliefen, nicht, nur ihre eigenen Interessen Preisgabe», sondern auch die Sache der Arbeiterschaft verrieten, und unermeßliche Not und Elend über uns brachten. Gestossen, der Henleinismus befindet sich augenblicklich in s ch w erst er K ri s e. Nicht morgen schon oder übermorgen, aber in nicht allzuweiter Ferne wird sich sein natürliches Schicksal vollziehen. Er hat jetzt schon das tödliche Gift, er hat den Brand im Leibe und wird ihn nicht mehr los. Da nützen alle großen Sprachen, alle Führerbesprechungen, alle Führerautoritäten nichts, die gerade in den letzten Tagen von Herrn Konrad Henlein, von- dem-Führer.in höchst eigener Person, kaputt gemacht würden. D:r ZeesehungSprozeß der Henleinbewegung, den w'r seit der ersten Stunde borauSgesägt haben, hat begonnen, der Nimbus und der^Glorienschein ist weg. Zwangsläufig Wirtz! sich tzar Untergang dieser Bewegung vollziehen.- Die Entlarvung. des grandiosen BolksbetrugeS, dessen' Opfer leider zum großen Teile ArbeitSmenschen gewesen sind, ist. im- Gange. g i b t d a s ü'r K o n r a tz Henle in.' kein-Entrinnen. I» dieser Stunde ist es die Hauptsache, daß die sozialdemokratische Arbeiterklasse festbleibt, nicht locker läßt, Schlag auf Schlag-folgen läßt und' in jedem Augenblick kampfbereit Ist und auf der Höhe ihrer großen. und verantwortlichen Aufgaben bleibt. Genossen!. Indem wir dies doppelt und dreifach unterstreichen, wollen-wir. der großen und sehr schmerzvollenSorgen derArbcitSmenschen dieses Gebietes/-und besonders- der Arbeitslose» Sette 2 DlenStag, 21. Juli 1930 Nr. 168 gedenken. In sehr harter Weise wurde gerade Ihr Gebiet vom Krisen not st and betroffen, zu dessen Verschärfung eine ganze Reihe von Momenten beitrug. Wir kennen Ihr Leid und stehen treu zu Ihnen. Wir wollen Ihr bitteres Schicksal keinen Augenblick aus den Augen lassen. Gerade in Ihrem Gebiete mit seinen so komplizierten Verhältnissen, mit seiner so exponierten Lage, mit seinen so schwierigen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Nöten, wirken sich die Krisenfolgen besonders arg aus. Sic abzubürden, sie nach Möglichkeit zu bannen ist unsere ständige Aufgabe und Sorge. Die Hauptsache dabei Ist, dah ivir alles daran sehen, um über die schlimmste Zeit hinwcgzukommen. Nach wie vor sehen wir alle unsere Hoffnung auf eine endliche Wandlung, auf eine» baldigen Umschwung in der Wirtschaft. Nach dieser Richtung dürfen wir nicht in Po s s i m i S m u S verfallen, auch wenn eS uns ganz fern liegt, irgendivelche unerfüllbare Jllusstonen zu erwecken und uns über die wahre Sachlage hinwegzutäuschcn. Worte Freunde I Blicken Sie um sichl In iinserer Bewegung wenden sich— wie ich Ihnen einleitend aufzcigte— d! e Dingo zum" Guten. Eino ganze Reihe von Anzeichen spricht dafür, daß wir vorwärts kommen und uns, wenw auch langsam, aber sicher, zur alten Höhe' empörarbeiten. Blicken Sie über unser Land hinaus, so sehen Sie— so traurig auch die Entwicklung in den faschistischen Ländern nach wie vor sein mag— das; die Ideen des Sozialismus in einer ganzen Reihe großer Staaten auf der ganzen Linie sieghaft ist. In Spanien und Frankreich, in Belgien und den skandinavischen Ländern, in der Schweiz und in Finnland,' bei den letzten Wahlgängen in England. Ucberall geht es vorwärts! Der ton unseren Feinden zum Leichnam ausgerufene Sozialismus lebt und kämpft und gedeiht und bringt seine Gegner zur Strecke. Stolz erheben sich die Arbeitermassen zu tapferem Streite mit ihren Gegnern und recken ihr Panier empor und lasten es im vollen Glanze erstrahlen als das ewig«Licht für unsere in den anderen Ländern unter dem Faschismus schmach- tenden Brüder und als leuchtendes Signal für unsere Arbeiterschaft, die, wenn unsere Stunde gekommen sein wird, in seinem Zeichen vorstürmen wird, um auch dem sudetendeutschen Proletariate eine neue und bessere Welt zu erobern und die Ideen des Sozialismus im Triumphe ans Ziel zu bringen. . Als letzter Redner gibt Genosse K r e j i i der Gewißheit Ausdruck, daß die Sozialdemokratt« aufs Neue ihre organisatorische und politische. Stärke zurückgewinnt, Er ruft, allo auf, die Reihen zu schließen und zur Auseinandersetzung mit dem Faschismus anzutreten. Es geht darum, die Rationalisierung und den ganzen Produktionsprozeß unter die Kontrolle der Gesellschaft zu stellen, um mit der Krise- das- kapitalistische Wirtschaftssystems überhaupt zu überwinden: Stürmisch brausen die Freiheitsrufe und die Beifallsbezeugungen über den dicht gefüllten Platz. Die„Internationale", begeistert mitgesungen, schließt die Kundgebung ab. Den Rest de» Tage» füllen turnerische Vorführungen aus, vom Genossen Dolensky geleitet. An der Funktionärkonferenz In Braunau am Abend des 18. Juli, über die wir bereits kurz berichteten und die Zeugnis ablegte von dem herrlichen Kampfgeist unserer Bewegung im Braunauer Ländchen, nahmen etwa 800 Vertrauensmänner teil. Genosse Czech, stürmisch begrüßt, empfing von einem Falkenmädchen einen Blumenstrauß. Nach der Eröffnung der Konferenz durch Genossen Iust erstattete der KreiSver- trauenSmann Genosse RambauSke das Referat: dem wir folgendes entnehmen: ES erfüllt un» mit Genugtuung, daß wir den Parteivorsitzenden für unsere Konferenz gewinnen konnten. Vor ihm, als dem Vertrauensmann der Ge«' samtpartel, können wir in aller Offenheit sprechen. Ihr wißt alle, wie e» in unserem Bezirk aussieht. Unser Hauptindustriezweig, die Textilindustrie, macht eine schwere Erschütterung durch, alte Firmen, die Hunderte von Arbeitern beschäftigten, sind zu kleinen Betrieben zusammengeschrumpft, wenn nicht überhaupt eingegangen. In Märzdors z. B. sind von 520 Beschäftigten heute noch sechs Weber in Arbeit, bei der Firma Schroll am Oelberg statt 1800 knapp 600, einschließlich der Kurzarbeiter. Die FlachSbrechereien des Weckelsdorfer Bezirke» zählen jetzt statt 1200 kaum 200 Arbeiter. Die Zahl der Versicherten bei der Krankenversicherungsanstalt in Braunau ist von 12.000 auf 7000 gesunken. Die Zustände in der Ernährung»- aktion verschlimmern sich von Monat zu Monat. Furchtbar leiden unsere Menschen unter dem Betriebst«rror— die Fabrikanten stellen nur Henlein-Leute ein. Di« Gemeinde, aller Mittel entblößt, können keine Not- st andarbeiten leisten. Darum verlangen wir, daß die staatlichen Arbeiten endlich durchgeführt werden. Wir verlangen für unsere Menschen Arbeit und Verdienst. Unser Ruf lautet: Gebt Arbeit und Verdienst den Menschen im Grenzgebiet, die stündlich bereit sind, im Kampfe gegen die faschistische Barbarei ihr Letzte» rinzusetzen, den Staat und damit ihr« Freiheit schützen.(Stürmischer Beifall.) """'JN'der Debatte sprächen die Mnossest'K o- blischke-Märzdorf und Kober-Halbstadt. Dana kam, wieder von stürmischen Zurufen begrüßt, Genosse Czech zu Wort': Mit herzlichen Worten gedachte Dr. Ezech zunächst des achtzigjährigen Genossen Joachim H e i n z e I, eine» der Pioniere der Braunauer Arbeiterbewegung.(Die Versammlung bereitet dem alten Vorkämpfer eine stürmische Ovation.) Dünn sagt Dr. Czech u. a.r„ES fällt mir nicht ein, die Ausführungen der Vorredner abschwächen zu wollen, denn ich stehe mit Ihnen auf derselben Seite der Barrikade.(Großer Beifall). Ach will vielmehr da», wa» ich hier gehört habe, an die entscheidenden Faktoren im Staat« heranbringen und ihnen da» Leid unserer Menschen vor Augen führen. Aber wir Wissen,.,daß da» Leid'der Arbeiterklasse vor allem»er« schuldet ist durch den Kapitalismus,(stürmische. Zustimmung). Unsere Unternehmer haben durch Mangel an Initiative manche Unternehmungen zu Grunde gehen lassen und so viel zu dem Elend beigetragen. Dagegen vermochte auch die Betriebsstillegungs-Verordnung kein« Wunder zu wirken. Ich kenn« die Mängel der Ernährungsaktton, aber vergessen wir nicht: Diejenigen, die am meisten über die„Czech-Karten" schimpfen, haben am gierigsten nach ihnen gegriffen.(Stürmischer Beifall.) Und .diese Einrichtung hat in den Krisenjahren den Arbeitslosen doch Milliardenbeträge zugeführt. Ach will gar nicht» versprechen, aber doch da» eine, daß wir vus Fest in Jungbuch weiterhin alle Plöglichkeiten aurschöpfen wollen, um den notleidenden Menschen zu helfen.". Dr. Czech beschäftigt sich dann mit dem Faschismus in Europa und mit dem im eigenen Lande: „Wir müssen den Augenblick, da die Henlein- Bewegung wankt, für unser« Bewegung nutzbar machen und ihr vernichtende'Schläge versetzen.(Stürmischer Beifall.) Immer wieder bricht begeisterter Beifall aus, da Genosse Iu st im Schlußworte dem Parteivorsitzenden dankt und ihn des Vertrauens der Bewegung versichert. Mächtig braust zum Abschluß die Internationale durch den Saal. Bezirksarbeitertag In Graslltz Samstag und Sonntag fand in Grastitz ein Bezirksarbeitertag statt, der mit dem 40jährigen Gründungsfest der Metallarbeiter und dem 28jährigen der Ftzaüenörgänisatidn verbunden spar. Das Fest wurde mit einem Ehrenabend am Samstag zu Ehren der Gründer eingeleitet. Sonntag früh wurde am Konsumgebäude eine Gedenktafel für Ö t t o G l ö ck l, den ehemaligen Abgeordneten des Grasliher Bezirkes, enthüllt. Am Nachmittage bewegte sich ein überaus großer Festzug durch die Stadt. Es nahmen, daran etwa 8500 Arbeiter und Arbeiterinnen teil. Der Zug bewegte sich durch ein starkes Spalier. Die Teilnehmerzahl auf dem Festplatz wird auf über 4000 Personen geschätzt. Das Referat erstattet« Genosse- d e W i t t e. Beendet wurde das Fest mit einem Schluhappell der adjustierten Gruppen(der RW, der Jugendlichen, Sportler usw.) bei dem Genosse Wondrak über die Bedeutung des westbohmischen Arbeitertages in Falkenau sprach. Roter Arbeitertag in Junsbucn Prächtige Funktionärkonferenz In Braunau Trantenliu.(Eig. Bericht.) Zur Feier des vierzigjährigen Bestandes ihrer. Organisationen und zum Zeichen ihrer ungebrochenen Kraft veranstalteten die Genossen von Jungbuch zum verflossenen Wochenende einen Bezirksarbei- tertag, der durch seine Massenbeteiligung wie durch seinen Inhalt zu einem unvergleichlichen Erlebnis wurde. Am Abend des 18. Juli vereinigte in dem festlich geschmückten Orte ein prächtiger F a ck e l z u g an die 2000 Menschen. Auf dem Fcstplah sprachen die Genossen Hoffmann namens der Kulturorganisatiouen und Kirchner für die Lokalorganisation. Am Sonntag hielt Genosse Krejkian 700 Funktionäre einen begeisterten Appell. Inzwischen war, vom Gemeindevorstehrer Genossen Erben begrüßt, der Parteivorsitzende Minister Genosse Dr. Czech eingetroffen, den ein AtuS-Kind mit einem Blumenstrauß und herzlichen Worten begrüßte. Dr. Czech dankte sichtlich ergriffen. Dann sprach Genosse Diveckh für die tschechischen Arbeiterorganisationen. Nach ihm, stürmisch begrüßt, Dr. Czech. Er gedenkt des unvergeßlichen Vorkämpfers Kiesewetter, beglückwünscht den KonsumvereinJungbuch zu seinem dreißigjährigen Jubiläum und gibt dein Stolz der Gesamtpartei an der Arbeiterschaft des Träutenäüir Gebietes Ausdruck. Nach einer Ansprache des Genossen Hoffmann namens der Kulturorganisationen spricht noch einmal Genosse K r e j i i, dann singen begeistert alle Teilnehmer die Internationale und Genosse Dolensky kann die prachtvoll verlaufene Versammlung schließen. Genosse Czech stattet hierauf dem Falkenlager, in dem 80 Kinder aus dem KreiS- gsbiete ein paar schöne Wochen verbringen, einen Besuch ab. Zwischen den Kindern und dem Genossen Czech werden überaus herzliche Worte gewechselt. An dem darauf folgenden F e st z u g beteilige» sich etwa 2000 Menschen. An seiner Spitze marschierte die Kreisleitung, dann folgien die Radfahrer, unsere Jugend, unsere Turner und die Jungbucher Feuerwehr in Uniform. Ihnen schließen sich die Falken an, dann der lange Zug der Genossinnen und Genossen. Begebung des Gen'. Dr. Czech'. 1 Der Zustrom-zum Fcstplah ist kolossal. Da die.Kundgebung mit der StaatShymNe eröffnet wird, füllen 4000 bis 5000 Menschen den Platz. Als erster Redner spricht, oftmals von Beifallsstürmen unterbrochen, Genosse Czech(dessen Rede wir an leitender Stelle des Blattes brin- gen). Dann gedenkt Genosse I ü p t n e r der vierzigjährigen Kämpfe der Jungbucher Arbeiterschaft, Professor Genosse Haupt spricht namens der tschechischen Genossen und versichert die deutschen Freunde unter stürmischem Beifall unerschütterlicher Kampfgenoffenschaft. 41 Wir suchen ein Land Bnmnn einer Emigration Von Robert Grätzsch Copyright by Eugen Pragor-VerlaB, Bratislava. Stundenlanges Wandern, ehe man auf eine der erquickenden rieselnden Holzrinnen stieß. Kam wanderndes Malisorenvolk des Wegs, so grüßte das„Tunja tjeta"— und sah die Weihe erstaunt an. Manche der Männer trugen Gewehre auf dem Rücken oder große Revolver im Gürtel. Das waren die Bevorzugten, denen König Zogus' Negierung, das Waffentragen erlaubte— in jedem Stamme einige, anm Schutze ihres Tales gegen Komitas, Gesetzlose, die in die Berge flüchteten, oder gegen Grenzstörer von drüben, wo die andere Sprache gesprochen wurde. Schweigsam, unermüdet, Säcke auf dem Rücken, Evas Gepäck in den Händen, kletterten die beiden Albanerinnen in dicken Röcken, breite metallene Schmuckringe wie Panzer um die Taillen, lederne Opanken an den Füßen, die dicken, schivarzen, in die Stirn hängenden Haare mit einem Tuch bedeckt, lächelnd in gleißender Sonne wartend, wenn Eva nicht hinterdrein kam. Ihr breiter Strohhut legte das Gesicht in Schatten, die Pulse klopften wild, das Herz hämmerte; wo Ivar die nächste Quelle? Nein, heute hielt sie nicht mit durch, heute mußte bald Quartier gefunden worden. Der Pfad führte über einen Bergrücken. Zackige Grate zerfurchten riygsum die Weite. Unerobertcs Land. Selbst die Türken hatten diesen BergstämMest nie den Fuß auf den Nacken setzen können. Buchenwald träumte auf. Schatten. Der Weg ging zu Tal. Unten schimmerten bie: weißkalkigen Wände einiger Häuser. Eine, verirrte Ziege meckerte über den'Weg. Die beiden Schwarzhaarigen singen sie, melkten das Tier. Eva trank in langen, langen Zügen. Rings um sie her schien, alles seine Linien zu verlieren: die Felsen, die Zeit, der Tag, die Vergangenheit. Ruhen, schlafen, irgendwo am Wasser. So taumelte sie hinter den Führerinnen wieder bergab, über einen schmalen Grat hinweg, im Blick immer die Häuser da unten.' Dort rauschte der grüne Fluß. Dort unten, auf der jäh vorspringenden grasigen Bergmatte, die den Sokoli gehörte, so lange man denken konnte, dort unten hockte Laska. An zwei Stunden mußte die weihe Frau hier sein. Müslis Ruf von drüben hätte sie schon am Morgen wieder gekündet. Laska wollte bergauf schlendern, kehrte aber wieder um. Welcher Skipetar geht den Weibern entgegen? Unruhig bastelte er an der runden Flecht- werkhütte herum, die abseits auf der Matte, hinter einem breiten Feigenbaum« schlief, band seinen roten Gürtel neu, dah er wie. eine breite Schärpe über der Hellen, mit dunklen Schnüren besetzten Wollhose saß. Stieg zum Fluß hinunter, jagte die Ziegen, Lämmer und Schweine an die richtigen Grasplätze, kam mit vollem Wassereimer wieder herauf, die Augen immer nach dem Pfad gewandt, der oben im Zickzack am Hang herünterlief... Jetzt—- jetzt sah er die Drei,.. Eine mit Hellem Hut. Das war sie... Dann verschloanden die Drei hinter Hasolnußsträuchern. Er setzte den Eimer am Hause ab. Die Mutter kam heraus, in der Hand eine Spindel.„Dort oben kommen sie", seine Stimme klirrte etwas, „lade-sie zur Rast".. Der Oheim saß mit gekreuzten Beinen im Hause und körnte Mais. Er hob bie: Nase, runzelte die Stirn, wollte etwas sagen, senkte den Kopf wieder. Was konnte.man wohl reden, wenn Fremden die Gastlichkeit geboten werden-sollte?! Die Mutter wär schon in den Büschen verschwunden, über denen der schmale Pfad- dahinstrich, Aus einer Holzrinne plätscherte Wasser in einen Trog. Hier ließ sich die Mutter nieder, strich daS Haar glatt, hier mußte sie vorüber... Sie hatte noch nie eine weihe Frau gesprochen. Und alles kam, wie die Ora prophezeit hatte. Läfla zog die roten Opanken an, reinigte den' Weg zum Hause vom Dung der Tier«, warf einige Steine zur Herde hinunter— da sah er die Mutterlieben der Weißen, hinter ihr, beladen und wiegend, die zwei Albanerinnen. Der Bursche stieg steifbeinig ins Haus und drehte sich umständlich eine Zigarette. Draußen aber warf sich Eva mit einem Seufzer ins trockene Gras, umfaßte das Tal, das Wasser unten, das Rotbraun der Berge ringsum mit einem trunkenen Blick und sagte:-.Hier bleibe ich." Mit einem Ruck legten die Zwei das Gepäck ab. Ein kleiner Sack fiel klappernd zu Boden: Steine, die Eva unterwegs gesammelt hatte.- Die Mutter verschwand im Hause,-: kam mit-einer kleinen Holzmulde und Blechkanne wieder, übergoß Evas Hände mit Wasser. Die Waschung beganfl,, der erste Dienst der Gast« frcundschaft. Die Frauen zogen der Weißen die bes^übsen Schuhe und. Strümpfe herunter,' wuschen ihre Füße, brachen hinten im Buschen kühle Farnblätter, bereiteten damit ein Lager, das-der Feigenbaum mit breitem Schatten segnete/ Lang streckte sich Eva über die kühlen Fächer. War das Wirklichkeit, war das Traum?. Tiefblauer Himmel, weiße Kleckse auf fernen, rotbraunen Kuppen,.eine Hitze,. sie alles Denkest auslöste, rauschender Wisdbach unterhalb der Matte, grün«) reise Feigen überm Kopfe, Frauen um sie herum, fremd und schwärz anzusehen.Dann kam der. türkische Kaffee im kleinen Täßchen. Eva wollte einiges sagen, aber die anderen lächelten; verständen nur wenig. Die Mutter erhob- sich; um Laska zu holen: Wozu hätte ihm denn der Kaplan imuiPfarrort, eine' halbe Tagereise weiter,, die freMoe Sprach«.gelehrt,- für ein kleines Ferkel undrzwei.iKörbe Feisten I' '. Laska zögerte, er hätte gern erst die zstwi Malisorinnen weiterziehen lassen, aber nun- gingS nicht anders und man würde sehen und die Erregung brannte ihm zu lange schon in den Augen. Er legte den Kopf leicht in den Nacken, wie er vor der Mutter her über die Matte schritt, sah die Weiße mit scharfem Blick: das war siel Genau so blond, so licht im Auge, so rotlippig. Die Stimme war rauh vor Unruhe, als er grüßend die Arme übet die Brust legte:„TuNja tjeta i" Langes LebenI Eva reichte ihm von unten hex die klein«, schmale Hand. Ihr Blick lief rasch über sein Gesicht: ein prächtiger Bursch, langes schmales Gesicht mit scharfer Nase, klare braune Augen, lticht berträumt, dunkles. Bärtchen... Er ließ sich, nieder, drehte eine Zigarette, brachte die übliche Frage nach dem Wege, ein Gemisch von Albanisch mid Italienisch.„Po, kadäl, kadäl", lächelte Eva, ja, langsam, langsam war es gegangen.„Kann nicht mehr weiter," Sie zeigte auf die Füße. Sein Italienisch lief spärlich, aber mit Stocken und Zeichen und Gesten und ein wenig Serbisch ging cs soso, und er dächte froh; Sie hat ein«.leise iSttmistet so zart wie damals in Skodra, . Die beiden Trägerinnen erhoben sich; sie wollten noch vor Abend daheim.sein,' Eva verschluckte di« Frag« nach hem Lohne; es war wider di« Sitte. Es gab nur ein Geschenk. Sie drückten die. Lippen apf Evas Hände, küßten.LaftqS Mutter... Dann-Maren sie mit'ihren Lämmern davon. Die Mutter.lief ins Haus. Der Mittag sengte hernieder», der Gast sollte-effeni Merkwürdig, eine weiße Frau so allein in dem armseligen !Gestein der Maltsoren— und daheim im richtigen Europa,-DräyKdaS. Licht aus den-, Wchidest, und Musik aus Trichtern',, üßd Piel Heichtum ivar überall aufgehäuft Tva' aber mußte' immer wieder auf den schneeigen Fleck der fernin Bergkuppe stärren. Breiteten sich-dort Kalksteinflächen mitten unter Schtesergestein? Und'ob JüstuS durch dieses Tal gezogen wär?(Fortsetzung folgt,), - Jh. 168 Dienstag, 21. Suti 1936 Seite 8 fudctendeuhdier Zeitspiegct Kauft Lose der Arbeiterfürsorge! Ziehung am 27. Oktober 1936 Ferien I . Eine der ersten Forderungen der Arbeiter im Kampfe um ihre Besserstellung war diejenige nach bezahlten Ferien für alle Schaffenden. ES war ein mühsamer und zäher Ringen um die Verwirklichung dieser Zieler. Für breite Schichten der Werktätigen Boller sind heute bte bezahlten Ferien gesetzlich geregelt. Die kürzlich stattgefundene Internationale Arbeitikonserenz in Genf nahm mit 90 gegen 15 Stimmen die internationale Uebereinkunft betreffend dit bezahlten Ferien an. Die moderne Arbeitsweise läßt es.für den Ar- beiter als geboten erscheinen, daß er feinen Urlaub zur llurspannuiig und Erholung benützt. Und wo könnte er diese besser finden alS in der freien Natur, im Wald des Mittellandes, an den Flüssen und Seen und im Hochgebirge? Fern vom Einerlei des Alltags Und der Hast und dem Gejage der Fabrik und Werk- statt. Der.Touristenverein„Die Natur- f r e u n d e" besitzt in vielen Ländern eine grosse Anzahl Unterfunftr- und Ferienhäuser, die sich vor- . trefflich für Ferienwanderungen und zur UrlaubS- verbringuns eignen. In den Naturfreundehäusern herrscht Ordnung, Sauberkeit und Ruhe. Gelegent- lich chört man die irrige Meinung äußern, diese Naturfreundehäuser seien nurf für die Mitglieder der Vereines geschaffen. Dem ist'durchaus nicht s», Wenn auch die Mitglieder de» Vereine» in erster Linie. Anspruch auf Unterkunft haben und besondere Ber- günstigungen geniessen,'so stehen doch die Naturfreundehäuser dir gesamten Arbeiterschaft- zur Be- „Hunderttausendea Ein Beitrag zum Porträt Henleins Anknüpsend an die genug sonderbare Art, in der man nach dem Saazer Turnf-it„auf Konrar Henlein verfiel", schreibt ein intimst Eingeweihter in der„Rumburger Zeitung" unter anderem über den„Führer": Wenn er fast 1U Jahre später, während der Wahlkampfe» in 70 Versammlungen zu je 15 Minuten 70mal erklärte:„Ich habe in den trüben Oktobertagcn der Jahre» 198g die Fahne hochgerissen", so ist da» n u r bedingt richtig. Denn er bedurfte langen und eindringlichen Zureden», den Mann, der noch Im Jahre 1988 erklärt hatte, Politik wäre ein schmutzige» Geschäft und er wolle niemalr etwa» damit zu tun haben, zu bestimmen, vorerst einmal denSchaft der Fahne in die Hände zu nehmen. Und beim„Hochreiben" wurde er von vielen gestützt, nicht zuletzt voni Herrn Minister Prof. Dr. Spina, dem er e» l ib Jahre später sehr schlecht vergolten Hat. Sein erste» Auftreten auf dem glatten Parkett der Politik, seine Ausführungen vor den Prager Journalisten und seine Versammlung in Reichenberg bestätigten die Bedenken jener Männer,-die sie Konrad Henlein entgegenbrachten:„Politik" war ihm ein Buch mit siebe« Siegeln und ist e» für ihn geilleben bi» aus den heutigen Tag.... Der zitierte Schreiber schildert dann weiter, wie nicht die Fähigkeiten Henlein», sondern innen- und aussenpolitische Umstände am 19. Mai 1035 der SdP an 70 Prozent aller Stimmen brachten, und fährt fort: Aber einen gewaltigen BertrL- Leute. Weiters wurde beschlossen, wieder mit Gustav Hacker, dem Obmann des BdL, Fühlung zu nehmen. Verlegung der Karlsbader Kr-lSkonferenz. Das Uber alle» Erwarten grosse Interesse am W e stb ö h in t s ch e n Arbeitertag in Falkenau half dazu yeführk, dass grosse Massen' Teilnehmer auch schon für den Vortag, also für den 1. August, gemeldet wurden. Unter diesen Umstättden,wäre keine Garantie mehr dafür zu. bieten, dah für die zum 1. August einberufene Kreiskonferenz die notwendige Zeit freigemacht, und die vollständige Abwicklung der Tagesordnung gewährleistet werden, könnte. Die Kreisvertretung beschloss deshalb, die Kreiskonferenz auf den Monat Oktober zu verlegen und die beiden Tage des 1- und 2, August restlos der Abwicklung des Westböhmischen AÄeitertage» zu widmen. Et» Grenzzwischenfall. Au». Breitenbach Im Erzgebirge wird un» gemeldet: Au» dem sächsischen Orte Jugel war dieser.Tage ein Mann namen» Ernst U l l m a n'n über die Grenze nach Breitenbach gekommen,'wo,er einige kleine Einkäufe besorgte. Al» er auf dem Heimweg die Grenzbrücke überschritt, wurde er ben einem reichsdeutschen Fi- 1 nanzbeamten angehälten,-worauf er sich loSrib und auf tschechoflowattscheS Gebiet zurückfloh. Der reichsdeutsche Beamte nahm die Verfolgung Ullmann» auf und begab sich gleichfalls auf tschechoflowakischer Gebiet, wo er den verfolgten erreichte, festnahm und ihn gewaltsam auf deutsche» Gebiet ziehen wollte. Der Festgehaltene setzte sich vorerst zur Wehr, dann folgte er dem Beamten über die Grenzlinie, wo seine endgülttge Festnahme erfolgte. 4000 Erdenbürgern zum Leben verhelfen. In Bärringen im Erzgebirge feierte, wie un» berichtet wird, die Hebamme Magdalena Röckert am 19. d». ihren 70. Geburtstag. Die Jubilarin, die sich einer ausgezeichneten Gesundheit erfteut, hat im Laufe ihrer Tätigkeit nicht Weniger al» 4000 Erdenbürgern zum Leben verhalfen... Selbstmord vor deck Augen ter Kinder. In W i l d.st e i n verübte die 56jährige TaglöhnerSfrau Magdalena Biedermann auf ungewöhnliche Weise Selbstmord: sie befestigte, nachdem sie die Tür zur Wohnstube abgesperrt hatte, an der Decke de» Raume» einen Haken, knüpfte daran einen Strick und ging nun bei offenen Fenstern, während vor dem Hause ihre Kinder spielten, sich aufzuhängen. Die Kinder konnten durch da» Fenster da» Vorhaben der Mutter beobachten und versuchten, sie von ihrem Vorsatz abzuhalten, allerdings vergeblich. Al» die erschrockenen und weinenden Kinder die Tür zur Stube verschlossen fanden, holten sie Hilfe herbei, doch fand man die unglückliche Frau, al» man sie vom Strick abgeschnitten hatte, bereit» tot. Etnirecherbande verhaftet. Die Gendarmerie hat vor kurzem in T e p l eine weitverzweigte Einbrecherbande ausgehoben, die zahlreiche Diebstähle im Gebiete Tepl—Marienbad verübt hat; die verhafteten wurden dem Egerer KreiSgerichte eingeliefert. Im Zusammenhang mit den Nachforschungen in dieser Angelegenheit ist e» jetzt abermals zur Verhaftung von elf Personen aus der Tepler Gegend gekommen; die Festgenommenen wurden vorerst dem Bezirksgericht Tepl eingeliefert und werden nach Abschluß der Erhebungen dem Egerer KreiSgerichte überstellt werden. Schadenfeuer in Westiöhmen. Im AurzugSgebäude de» Landwirtes Wenzel Plomer in Bohentsch bei Luditz, brach, wie uns au» Karlsbad berichtet wird, in den Wendstunden ein Feuer au», da» sich mit außerordentlicher Schnelligkeit verbreitete und binnen kurzem sowohl da» Anwesen Plomer», al» auch die Wirtschaftsgebäude der Anrainer Josef Frank, Marie Kunz und Aloi» Tutschnh einäscherte. Dem raschen Eingreifen der Feuerwehren gelangte», weitere angrenzende Anwesen davor zu bewahren, daß sie gleichfallsein Raub der.Flammen wurden. Mit den niedergessrännten Gebäuden wurden'große Getreidevorräte und zahlreiche landwirtschaftliche Geräte und Maschinen ein Raub der Flammen. In Ebmeth bei Kirchenbirk im Fallenauer Bezirke brannten zwei Wirtschaftsgebäude de» Wirte» Vogel mitsamt der Heuernte und den landwirtschaftlichen Maschinen nieder; auch der Hofhund und zahlreiche» Geflügel fielen den Flammen zum Opfer. Da» Feuer dürfte gelegt worden sein. Unterhausanfrage Uber die deutschen Rüstungen London. Im Uutcrhause richtete ain Montag Churchill an den Schntzkanzlrr die Frage, ob ihm bekannt sei, daß die dentsckw» Ausgaben für die Zwecke» welche direkt oder indirekt mit militärischen Vorbereitungen einschließlich des Stra- sjenbaueS zusammenhiingen im Jahre 1936 auf insgesamt 800 Millionen Pfund Sterling ge- stiegou seien mid auch in: laufenden Jahre in den: gleichen AnSmaße fortgesetzt werden. Schatzkanzler Ileville Chamberlain erwiderte, der britischen Negierung seien diese Ziffern osfi- ziell nicht bekannt, doch bestehe kein Grnnd zu der Annahme, das« die von Churchill angeführten Ziffern allzu hoch gegriffen wäre». Rlntelen taucht auf Krank oder auf dem Wege zur Macht? Wien. Der ehemalige österreichische Minister »nd Gesandte in Nom, Anton Nintelen, der nach dem nationalsozialistischen Putsch un Jahre 1934 zu lebenslänglichem Kerker(Sanatorium) verurteilt wurde, ist schtver erkrankt und Ivurde in die Wiener Klinik eingeliefert. Dank vom«süss Schickisruber Berlin.(Tsch. P. B.) Dem vernehmen nach sind in Berlin 800 österreichische Nationalsozialisten, die seinerzeit aus Oesterreich nach Deutschland emigriert waren und hier eingereiht worden sind, aus der Partei ausgeschlossen wor- den. Der Grund dieser Massregelung ist darin zu suchen, dass die Betreffenden die Einigung zwischen: dem Deutschen Reich und Oesterreich abfällig kritisiert hatten. VI« 6er Aufstand besann Oran.(Havas.) ZumAufstande in dem Orte Larache toerden folgende Einzelheiten gemeldet: Am Freitag um 23 Nhr hielt vor dem Postgebäude ein kleiner Lastwagen, in dem sich Offiziere«nd Mannschaftspersonen befanden, die in das Gebäude einzudringen versuchten. Nach einer Weile erschien ein weiterer mit Soldaten besetzter Lastwagen. Mehrere Soldaten widersetzten sich jedoch den Befehlen der Offiziere. Es wurden einige Schüsse gewechselt, durch die zwei Offiziere und drei Soldaten getötet wurden. Die Aufständischen drangen dann in das Gebäude ein. Samstag früh besetzte das Militär bereits alle öffentlichen Gebäude in allen Städten von Spanisch-Marokko. Alls Offiziere dlenstenthoben London. Nach Meldungen aus Gibraltar hat die neue spanische Regierung soeben sämtliche Offiziere des Landheeres vom Leutnant aufwärts ihrer Kommandogewalt enthoben. Die Truppenteile stehen bis auf weiteres unter dem Kommando von Sergeanten und Unteroffizieren. Generalstreik proklamiert Madrid. Die Arbeiterschaft hat zur Abwehr gegen den faschistischen Militärausstand in g a n z Spanien den Generalstreik au»- gerufen. Dieser soll auch eine Antwort auf den von hohen Kommandostellen in vielen Städten ohne Erlaubnis der Regierung erklärten Au»- nahmszustand sein. Massenhlnrlchtunsen von Republikanern Tanger.(United Press.) In T e t u a n wurde nach einem Augenzeugenbericht eine» angesehenen Bürgers dieser Stadt eine Massenhinrichtung regierungstreuer Persönlichkeiten und Truppen, darunter hoher Offiziere, durchgeführt. Die Hingerichteten hatten sich geweigert, den Aufstand mitzumachen. nützung offen. Die Hüttentaxen sind sehr bescheiden. Jahr für Jahr werden die Naturfreundehäuser von zehntausenden Erholungssuchenden aufgesucht. Wer nähere Auskunft wünscht, wendet sich am besten an eine der zahlreichen Ortsgruppen de» Vereine», wo er sie bereitwilligst bekommen wird. Eine» möchten wir vor allem der denkenden Arbeiterschaft nahe legen: verbringt eure Ferien auf keinen Fall in einem Diktaturlande, Wer eine Ferienreise machen will, der wählt sich dazu nur solche Länder aus, in denen Menschenwürde noch was gilt, i» denen demokratische Gesinnung geachtet wird und allgemein gültige Rechtsverhältnisse herrschen. Alle fteiheitlich Gesinnten und gerecht empfindenden Menschen erinnern sich anläßlich ihrer Ferienreise an die schmachvolle Behandlung, die in den Diktaturländern Personen zuteil wird, deren einzige» verbrechen darin besteht, für den allgemeinen Wohlstand und für den Kulturaufstieg der arbeitsnden Menschheit mannhaft und tapfer eingestanden' zu sein. Wa» in jahrzehntelanger mühevoller Arbeit an Volkskultur in diesen Ländern geschaffen wurdet fiel der Vernichtung anheim. E» ist daher nur eine elementare Pflicht der Salidarität und der Selbstachtung, wenn der Arbeiter und Angestellte seine Ferien im eigenen Lande verbringt oder nur in solchen Ländern, wo die Arbeiterbewegung nach eine Existenzmöglichkeit hat und zum Wohle der Allgemeinheit wirken kann. In allen diesen Ländern ist der Touristenbereln„Naturfreunde" überall vorhanden, und besitzt zahlreiche Unterkunftshäuser für'Ferienwanderungen und Naturgenuss- Seite 4 Dienstag, 21. Juli 193« Nr. 168 TlAeÄMÜgkelkw Es ist Zett Von Kurt Doberer Wenn wir beten könnten, wir würden beten fftr dich RoteS Spanien. Unser Herz ist bei dir, unser Hirn denkt an dich Tag und Nacht. Wenn du siegen wirst, siegst du für uns, Rotes Spqnien. Heute noch? Morgen Nacht? Es ist Zeit, Rote» Spanien. Wenn du siegen willst, schlage aut Heilte noch! Morgen Nacht! Wenn wir beten könnten, wir würden beim für dich Rote» Spanien. Unser Herz ist bei dir, Unser Hirn denkt an dich Tag und»lacht. Au» dem Gcdichtband„Prolet da» bist du". Die Urheber des Brünner RaubüberfalleS verhaftet. Wir haben berichtet, daß in der Nacht auf Samstag in Brünn drei ilnbekannte den bulgarischen Gärtner Jljii Ataneschewoff überfielen und ihn schwer verlebten. Die Brünner Polizei nahm sofort die Nachforschungen nach den Tätern auf. Sie wußte, das; die Täter die bulgarischen Gärtner gekannt haben und wissen mußten, daß sie Ersparnisse haben. Der Polizei war auch bekannt, das; vor einer Woche der Ivjährige Gärtnerarbeiter Adalbert Dundä- l e t aus Kralih bei Proßnitz nach Brünn gekommen Ivar und sich seither hier beschäftigungslos herumtrieb. Es handelte sich also darum, seinen Aufenthalt in Brünn auszuforschen. Dies gelang recht bald. Dundälek wurde in einem Gast-' Haus in der inneren Stadt erlannt und verhaftet. Bald stellte es sich heraus, das; der Polizei der Rädelsführer des lieberfalls auf den Gärtner in die Hände gefallen war. Bald darauf wurden auch die beiden Mithelfer Dundäleks ausgeforscht und in der Nähe von Brünn verhaftet. Es handelt sich um den 21jährigen Bäckergehilfen A. Pospisil aus Proßnitz und den 21jährigen Ziegelarbeiter Richard Brabant aus Priese- nih. Pospisil und Brabant hatten in Brün» Dundälek kennengelernt und da sie alle ohne Geld waren, schlug'Dundälek vor,'" den bulgarischen Gärtner, den er kannte und von dem er wußte, daß er Ersparnisse hatte, zu überfallen und zu berauben. Der Plan wurde auch tatsächlich ausgeführt, doch siel den Tätern bekanntlich kein-Geld in die Hände, da der Ueberfallene dieses in einer alten Hose, die er unter dem Kopf hatte, versteckt hielt. Die drei Strolche befinden sich in der Haft der Brünner Polizeidirektion. Der Zustand des schwerverletzten Bulgaren hat sich soweit gebessert, daß er, falls leine Komplikationen eintreten, genesen dürfte. Maschinist und Heizer in Flammen. Auf der elektrischen Lokomotive eines nach Bozen fahrenden Personenzuges fing infolge einer Störung des elektrischen Stromes unweit der Station Sierzing der Oclbehälter Feuer und der Lokomotivsührer sowie sein Gehilfe gerieten in Flammen. Trotzdem glückte es ihnen, mit Anspannung der letzten Kräfte den Zug zum Stehen zu bringen und auf die Strecke zu springen.^Hiebei fiel der Lokomotivführer Angelus Listuzzi so«»glücklich auf den Kops, daß er auf der Stelle tot war, während sein Gehilfe schwere Bruudwundeu und Verletzungen erlitt und im Krankenhaus mit dem Tode ringt. — In der Station Bilnoh im ehemalige» Südtirol wurde die Bäuerin Noriiuger und ihre zwölfjährige Nichte, die auf der falschen Seite auSgestiegen waren, von eine», einfahrenden Schnellzug überfahren und getötet. Wildwaffer. In der Gemeinde Kleinthal bei Deutsch-Feistritz in S t e i e r m a r k wurden vom Hochwasser einige Häuser überschwemmt, darunter auch das Gasthaus des Franz Eisenberger. Als der Inhaber einige wertvollere Gegenstände aus dem unter Wasser stehende» Hause retten wollte, wprde er von der Strömung fortgerissen und ertrank. Die ganze dortige Umgebung wurde durch ein Gewitter, das sich Sonntag entladen hat, in einen riesigen See verwandelt. Insbesondere die Gemeinden Deutsch-Feistritz, Uebelbach und Waldstein sind zum großen Teil überschwemmt. In der Gemeinde Stanza im MUrztal wurde be» dem sonntägigen Gewitter der Tischler Baar von den« angeschwollenen Bach forigerissen; er ertrank. Ein Unglückssonntag. Während des Sonntags sind in Wien und Umgebung beim Baden zwei Personen ertrunken. Zwei weitere Personen, und zlvar ein Eisenbahner und ein Polizist, kamen bei anderen Unfällen umS Leben.— An Oberhölz in Obersteiermak flüchtete die Oberlehrerin K. Haffner mit ihrem vierjährigen Töchterchen vor dem Unwetter in eine Hütte, die am einem reißenden Fluß angeschwollene Wildbach einem reißenden Fluß angfchwollene-Wildbach riß.die Hütte fort, lvobei die Lehrerin samt ihrer Tochter den Tod sanden.— Von der Ziickhals- wand bei Schladming stürzt« die 20jährige Japans Kampf aeaen Palolo-Würmer Die Pest der SUdsee, Die japanische Verwaltung- des Völkerbund»: Mandats Näujo-Thoo, zu dem die früher deutschen Karolinen-, Marianen-,Jaluit- undPalao-Jnsel», gehören, hat ein Preisausschreiben veröffentlicht, in dem praktische Möglichkeiten zur Bekämpfung der Palolo-Würmer gesucht werden. Die Palolo-Würmer leben im Meer. Sie kommen insbesondere im westlichen Teil der Südsee in Herden von Hunderttausenden vor. Sie sehen aus wie riesige Regenwürmer und werden bis z u öl) Zentimeter l a n g. In feuchtwarmen Nächten kommen sie in ungeheuren Scharen an Land und stürzen sich, auf alles, was stur irgendwie freßbar ist, ganz gleich ob Tier oder Pflanze. Der Eingeborene, der— gemäß der Landessitte— am Strande unter freiem Himmel schläft oder, nichts ahnend in ein Lager der gefräßigen Würmer hineintriit, ist rettungslos verloren. Er gleitet aus auf der schleimigen Masse, zu der er selber die Würnier zerquetscht hat, kommt zu Fall, wird von den Würmern regelrecht eingesponnen und dann in aller Ruhe aufgefreffen, so daß am nächsten Morgen nur noch Knochen und Haütreste von seinem schrecklichen Tode erzählen. Mehrere hundert Eingeborene fallen auf diese Weise alljährlich den Palolo-Würmern zum Opfer. Aber auch Haustiere werden von ihnen verzehrt und der gesamte Pflanzenwuchs inner- Büroangestellte Friedericke Lindner aus Salzburg ab; sie konnte nur mehr als Leiche geborgen werden. Sich selbst gerichtet? Der 48jährige Händler Gustav Bauer in Wien, der vor einigen Jahren Hauptangeklagter im Prozeß wegen der Ermordung der Katharina Fellner war und seinerzeit freigesprochen wurde, verübte in seiner Wohnung Selbstmord durch Erhängen. Irrsinnig vor Hihe.(mb) Samuel E. Weed in Erie(Pennspivania), Buchhalter der General Electric, wurde am 18. Juli plötzlich wahnsinnig, uich zlvar infolge der andauernden Hitze, Er schlug seine Frau und seinen einen Sohn mit einem Hammer tot, verletzte de» anderen Sohn so schwer, daß die Aerzte wenig Hoffnung haben, ihn am Leben zu erhalten, und rannte auf die Straße, um sich unter ein Lastauto zu werfen. Ter Fahrer bog au»; Weed wurde nur leicht verletzt. Bevor er sich erheben konnte, nahm ihn die Polizei fest und brachte ihn in» Spital. Weed war Leites einer SonniagSschule. Die Schweiz hat eine»»Seehafen". Der Baseler Rheinhafen wurde dieser Tage feierlich alS^rfüw Schweizer Seehafen! eröffnet, und zwar anläßlich der Ankunft des englischen 800-Ton- nen-HandelsschiffeS„Bernina", das von London aus via Nordsee und Rhein in Basel vor Anker ging. Mit dem Schwesterschiff„Alpina" wird von jetzt ab ein regelrechter Seeverkehrsdienst zwischen Basel, London und Gotenburg eingerichtet. In Zukunft wird also Basel ein bedeutsamer Binnenhafen Mitteleuropas sein.- UebrigenS plant die Schweizer Regierung die Einrichtung eines ähnlichen Hafens mit direkter Verbindung zum offenen Meer in Genf. Die tlrgentina gestorben. Die berühmte Tänzerin Argentina ist in Bayonne an einer Herzkrankheit gestorben. Die verstorbene Tänzerin stammte aus Südamerika und war in der ganzen Welt als Interpretin spanischer und südamerikanischer Tänze bekannt. Rechenschaftsbericht an die Ahnen. Das Ministerium des kaiserlichen Hauses in Tokio gibt bekannt, daß der Kaiser von Japan am Mittwoch in einer feierlichen Zeremonie vor den Gräbern seiner Vorfahren über den Militärputsch vom 20. Juni Bericht erstatten wird. In der Bekanntmachung heißt es, daß an der Zeremonie alle Prinzen und Prinzessinnen des Kaiserhauses sowie alle obersten staatlichen Funktionäre teilnehme» werden. Der Kaiser wird, bekleidet mit dem historischen Zeremonienmantel, zu den„Geistern seiner Ahnen" sprechen. Auch zu den Mau- solen in Momojama, Uuexi und Tama werden besondere kaiserliche Boten entsandt werden, um den Geistern der dort Beerdigten die gleiche Bot- schast zu überbringen. Aufdeckung von Tbc-Gefahr durch Röntgrn- Nntersuchung. Wir lesen in„La Presse Mediclnale 1988": Eine Masseninfektion von Schülern in einer holländischen Schule durch einen scheinbar gesunden, Tuberkelbazillen aushustenden Lehrer hat zu einer Gesetzesnovelle in Holland geführt, die für die Einstellung der Lehrer die Röntgenuntersuchung und-Kontrolle vorschreibt. Bei der Firma Radio Philipps in Eindhoven ist die' Röntgenuntersuchung der elnzustellenden Arbeiter bereits durchgeführt. Es werden in der Stunde 25 bis 80 Mann untersucht. Unter 10.000 Prüfungen wurde bei 27 offene Tuberkulose, bei 03 geschlossene, aktive und bei 100 zlveifelhafte Erkrankung gefunden.— Eine ähnliche Untersuchung wurde in Aussig bei den Arbeitslosen durchgeflihrt, die ein Prozent aktive Tuberkolosefälle ausdeckte. llhampagner— wirklich für die Arbeiter? M i k o j a n, Per Sowjetvolkskominissär für Ernährung, sprach eben zu den Leitern der Nahrungsmittelindustrien der USSN. Dabei erklärte er wörtlich:„Champagner ist durchaus nicht zu gut für die, Gaumen der Söwjctarbeiter.", Deshalb soll die Schaumlvcinerzcngnng von 100.000,auf 10,000:000 Flaschen jährlich gesteigert und auch verbessert wer- halb des vonihnenbesuchtenLandbereicheSrestlos kühlgefressen.'•- Irgendein BerteidigungSMittel gegen die Würmer gibt es nicht. Waffen nützen nichts, denn für- jeden getöteten Wurm-find'.sofort zehn neue da. Die Japaner haben bereits alles'nur Erdenkliche versucht,-um dieser Pest Herr zu werden, -da die Palolo-Würmer jede KolonisatiouSarbeit durch ihr Zerstörungswerk' wieder illusorisch machen. Sie haben versucht, in der Brunstzeit, in der die Würmer tagelang das Festland nicht ver- lassen, gegen sie vorzugehen. Sie begannen damit, um die von den Palolo-Würmern befallenen Strandslächen feuchtes Holz aufzuschichten, um so die Würmer'in dem bei der Verbrennung des Holzes entstehenden'Qualm zu ersticken. Sie sind dann sogar dazu übergegangen, aus Flugzeugen in die WUrmerherden Dynamit- und Ekrasitbom- ben hineinzuwerfen.' Der Erfolg—-oder bester Mißerfolg— war in beiden Fällen der gleiche: die verendeten Würmer.wurden von ihren überlebenden Artgenoffen unverzüglich aufgefreffen und erhielten sofort wieder neuen Zuzug. Ein ganzes Heer japanischer Wiffenschastler arbeitet jetzt an dem Studium der Kampfmittel, die den Japanern den Sieg-über diese Gegner ermöglichen sollen, die bedeutend furchtbarer und unbezwinglicher erscheinen als harmlose Chinesen oder Mongolen. den. Die Flasche kostet heute 22. Rubel, soll aber wesentlich verbilligt werde». Das gleiche kündigte Mikojan auch für die Zigaretten an. Und dann sagte er voraus, da nu» die Zeit der Röt und Knappheit vorbei sei, werde der Speisezettel des Sowjetbürgers bald um manche Dinge bereichert werden, die er nie gekannt habe.(bnh Deutsche Juden nach Kuba? Aus Havanna wird-gemeldet, daß das Kongreßmitglied der Vereinigten Staaten für. New Dork, Sirovich, dem Präsidenten von Kuba, Gomez, einen Plan zur Unterbringung von 100.000 deutschen Jude» auf Kuba unterbreitet hat. Präsident Gomez soll diesen Plan günstig ausgenommen haben. Sirovich schlägt vor, daß die deutschen Juden auf ganz Kuba angesiedelt werden sollen und weist auf ihr Versprechen hin, daß sie das notwendige Kapital mitbriugen werden. Da» Grab Tristan» und Isolde». Die archäologische Gesellschaft von Cornwall hat vor kurzem .begonnen, ernsthafte wlffenschaftliche Nachforschungen nach der Grabstätte Tristan» und Isolde» unternommen, die sich angeblich.in der Nähe von poswj», -thiel befinden'soll.. Die Ausgrabungsarbeiten stehen' -unter Leitung von Professor Ralegh-Narford, einem- der bekanntesten Archäologen Englands. Es heißt, daß man bereits uralte Ruinen entdeckt habe, die -voraussichtlich Reste des Schlaffes von König Marke darstellen, der der Vater Tristan» war. Schlaraffenland in Meztko. Aus Mexiko kommt eine höchst merkwürdige Meldung: e» hat dort, und zwar im Orte?lgua» Caliente» Fische vom Himmel geregnet. In diesem Distrikt herrschte seit Wochen Dürre.' Endlich gab es einen wolkenbruchartigen Regen, und als die Einwohner von AguaS Caliente» danach wieder auf die Straße traten, war diese voll von Fischen. Wenn es sich nicht um eine neue Ver». sion her in jedem Sommer auftretenden Seeschlange handelt, die diese» Jahr noch ausgeblieben ist, so wäre die einzig mögliche Erklärung für'diese» noch nicht dagewesene Naturschauspiel, daß auf dem Ozcan ein Tornado geherrscht haben muß, wobei die Windhose die Fische mit dem Master hochgewirbelt hat, um dann AguaS Caliente» in ein Schlaraffenland zu verwandelt. Der Ehevertrag. In einem Scheidungsprozeß In England, den die 28jährige Diana Mary' Cumming gegen ihren Gatten wegen Grausamkeit angestrengt hatte, kam ein seltsamer Ehevertrag an den Tag. Vier Tage vor der Hochzeit zwang Cumming seine Fran ihm schriftlich zu bestätigen, daß Ziehung der Klassenlotterie Unverbind l ich. Prag. Bei der Montag« Ziehung dm Klaffe der' 80. tschechoslowakischen.Klaffenlotter-» wurden nachstehende Gewinste gezogen: 180.000 KC- 88.101. 60.000 KS: 37.740. 20.000 KO; 2648, 41.241, 90:406. 10.000 Kö: 6820, 27.881, 42.096, 87.614, 65.928, 81.057. 5000 KS: 1514, 6661, 25.576, 28.806, 40.781, 50.625, 51.659, 53.042, 55.887, 58.751, 60.095, 61.109, 73.109, 75:445, 88.585, 106.455. 2000 K«: 3396, 4899, 18.082, 19.865, 20.838; 21.839, 21.847, 22.640, 28.748, 24.824, 25.030, 25.462, 28.143, 32.249, 34.097, 47.989, 48.049, 51.929, 52.836, 54.625, 54.582, 57.148,-57.696, 60.894, 68.435, 68.288, 71.500, 78.262, 80.009, 85.510, 87.591, 91.452, 91.898, 95.161, 95.229, 99.168, 101.284, 105.018, 106.037, 22.388 usw.. sie ihm nie widersprechen, sich nie mit ihm zanken würde. Sie verpflichtete sich, alle» zu glauben, wa» er.ihr sagte, niemals Lippenrot zu benutzen, sich nicht die Augenbrauen auSzuzupsen, nicht mehr al» vier Zigaretten täglich. zu rauchen,. und' alle genqu spezifizierten Pflichten einer treusorgenden Hausfrau, zu erfüllen. Vor allem verpflichtete sie sich, sich nie scheiden zu lasten, und wenn ihr Mann'e» wolle, inline Scheidung ohne jeden Anspruch ein« zuwilligen.. Aber sie hielt e» nicht lange in diesen raffinierten Ehefeffeln au» und reichte trotzdem die Scheidungsklage ein. And da» Gericht annullierte den. Ehevertrag wegen Unsittlichkeit, befreite' sie-vön ihrem Mann'und billigte ihr eine hohe Rente zu. Ein weiblicher Scharfrichterl Der Sheriff und Scharfrichter des Ortes Owenshore,(Kentucky) ist vor kurzem verstorben! Seine Witwe, Mrs. Thompson, die ihm schon während seiner Amtszeit(allerdings noch nicht bei Hinrichtungen!) geholfen hatte, bewarb sich nach feinem Tode um feinen Posten'und erhielt ihn auch. Die 48jährige Frau ist Mütter von vier Kindern, was sie aber nicht verhindert, außerordentlich resolut zu sein. Die Bewohner von Owenshore.sagen, daß sie der gefürchtetste Sheriff in ganz Amerika ist.' Nun aber wird sie auch als Scharfrichter walten. Denn am 31. Juli sieht die Hinrichtung eines Negers wegen Mordes an einem loeitzen Mädchen bevor. Die liebliche Hyäne hat öffentlich erklärt, 1 daß sie es sich unter gar keinen Umständen nehmen lasten würde, den Mörder, eigenhändig ins Jenseits zu befördern. . Die kühlere Luft breitet sich langsam gegen da» Binnenland au». Wahrscheinlicher Wetter heute: Wechselnd bewölkt, mit Neigung zu Gewittern oder Schauern, im ganzen nuißig warm,-, im Osten jedoch'wärmer als in Böbmen,. SüdwesUvind. -Wetterau»sichten-für Miitwoch: Roch unbeständig, lokale Gewitter oder Schauer, etwa» kühler, Wind aus westlichen Richtungen.. Vom Rundfunk 1—rsMsnimrt*! aus du Oroamaui Mittwoch: Prag, Sender L: 7 Morgenmusik; 10.03 Deutsche Presse, 12.10 Gesang auf Schallplatte», 12.85 Populäre» Konzert: 14:00 Bunte Folge, 17.40 Salo» phonsolo, 18:05 Deutsche' Sendung: Salzburg 1926, Dialog,- gesprochen von Dozenten, Nettl und Otto Pick, 18.20 A r b e i ter funk: Franz R eh» Wald: Der Initiativantrag der deutschen.So z i-a ldemokrate n, 18.40 Sozial informativ» e n, 18.43 Deutsche Presse, 21.00 Kammermusik: Beethoven, 22:20 Tanzmusik. Sender S: 7.80 Salonorchestetkonzert, 14.80 Moderne Musik, 15:15 Deutsche Sendung: Winternitz: Unsere Jugend, unsere Zukunft, 15.80 Schallplatten, 15.40 Was soll man am Urlaub photographieren? Brünnr. 16.10 RachmittagSkonzert, 17.40 Deutsche Sendung:.Smuthik: Dichtung und Dichter der Berge, 18.15 Opernarien.—- Pretzburgr 14.10 Geigenkonzert, 19.50 Unterhaltungsmusik,— Kascha».18.15 Chanson» auf Schallplattem— Mähr. Ostrau: 18.00 Unterhaltungsmüsik. • Wie eine Seeschlacht vor 70 Jahren aussah. Nach einer.zeitgenössischen Darstellung: der Schlacht bei Lissa(heute: Bis)/.deren Dimensionen^ und- Formen, angesichts., der moderyen. Riefenschlächtereien, auch zur. See-zwergenhaft-anmuten«' DicnStng, 21. Juli 1036 Seite 5 Nr. 168 Der Schutz deS englischen Königs. Der Atten« tatsversuch auf König Eduard VIII. hat die zuständigen Behörden In Alarmzustand verseht, weil es sich wieder htrauSgestellt hat, daß der Schutz des Monarchen im entscheidenden Faste nicht sicher genug ist. Die Aufgabe, für die Sicherheit des Königs zu sorgen, hat eine besondere Sektion, von Scotland Pard, die noch zur Zeit der Queen Victoria gebildet wurde,, welche ebenfalls drei Attentaten ausgesetzt.war. Diese Sektion besteht au» ausgewählten Leuten, die eine besondere Ausbildung durchmachen müssen. Bei jeden: Erscheinen de» König» in der Oeffcntlichkeit tritt sie in Tätigkeit und bildet vor allem di» Poli« zistcnkette, die das Publikum fernhält. Jeder zehnte MaUn dieser Kette ist überlebensgroß; er steht mit den; Rücken zur Fahrstraße, so daß er jede Bewegung de» Publikum». überschauen kann. Besondere Aufmerksamkeit ist dem Schutz der König» im Buk- kingham-Palast gewidmet. Wie die alten Renaissance-Paläste hat auch der Bückingham-Palast seine. Geheimnisse. Zunächst wird der genaue.Plan deS Palastes.geheimgehalten, der ein Labyrinth bildet., Ein Unbefugter, der in den Palast Eindringen würde, würde sich schwerlich wieder herauSfinden. Auch aus den« Arbeitszimmer des König» kann man nicht so schnell wieder heran»; die große Flügeltür kann vom König durch einen Druck auf einen Kontakt vom Schreibtisch aus geschloffen werden. ES gibt Doppelwänd«, von denen die vordere nur eine Kulisse'darstellt, die elektrisch zur Seite geschoben werden kann und hinter der sich die Wachmannschaften verborgen halten. In den Wänden stnd Gucklöcher, zum Teil hinter Gemälden, so daß man notfalls auch alles- übersehen kann, was sich in den Sälen abspielt. ikat-Nopper und Dog-Nopper. In Amerika werden nicht nur Kinder entführt, sondern auch andere Lebewesen, die reichen Leuten ans Herz gewachsen sind. So gibt e» neben den Kidnappern aych Kahen-Cntführer(Cat-Rapper) und Hunde- Entführer,(Dog-Rapper). Die Fälle der Entführung der vierfüßigen Lieblinge find so. häufig, daß man. jeden Tag Anzeigen in der Zeitüng findet, n> denen diesen Gangstern hohe Belohnung für die Rückgabe der Tier« zugesichert wird. Zuweilen berichten die Zeitungen auch über besonder» merkwürdige Fälle von Cat- und Dog-Rapping. So wurde die preisgekrönte Angorakatze von Mrs. Donaldson in Atlanta gerapbt.. Es gelang MrS. Donaldson, mit den Gangstern'in Verbindung zu kommen, aber diese forderten ein seltsame» Lösegeld:, sie wollten die Katze decken lassen und den Wurf für sich behalten, um dann die Jungen zu verkaufen. Mr». Donaldson wird also noch einige Wochen auf die. Rückgabe ihres Liebling» warten müssen. In Detroit ist ein anderer Fall passiert, bei dem die Gangster sich auch al» Fälscher betätigten.' Sie entführten zwei ebenfalls preisgekrönte, blendend weiße Barsois, meldeten sie auf einer Hundeausstellung an, wobei sie sie schwarz färbten. Rur der besonders sorgfältigen. Untersuchllilg"HUrchchSn^Tierarzt der Ausstellung ist- cs zu danken'gewesen, daß'man ihre Identität-fest» stellen konnte.' Englisch-amerikanisches Lexikon. I» kurzer Zeit wird ein Lexikon auf den Büchermarkt kommen, dessen Erscheinen ein» Folg» der Sprachkampagn» ist, di» viel«.pädagogische, Gesellschaften gegen da» in. Amerika, gesprochene Englisch führen, und die nebenbei'auch den Kämpf gegen bett' amerikanischen Tonfilm erfolgreich durchführen. Mr Herausgeber fungiert Sir William Craig. lieber seine Absichten bei-der Redaktion dieses. Lexikon» hat er sich sehr scharf siber das amerikanische Englisch ausgesprochen. E» hätte einet jahrelangen Arbeit bedurft, um alle „Amerikanismen" aufzuklären, und dar sei- schwieriger gewesen,- wie da» Dechrisfieren von Hieroglyphen. Gewiß spräche man in den Bereinigten .Staaten auch Englisch. Wer für gewöhnlich wär» die Sprache Shakespeares mit Worten französischer, spanischer oder sonstiger(auch indischer) Herkunft untermischt. Er selbst habe dar Lexikon nur darum schassen können, well er zehn Jahre in Chicago verbracht habe,- wo ein wahrer Sprachenbabel herrsche. Im übrigen aber diene dar Lexikon dem edlen Zweck, die durch nicht zu leugnende, Sprachgemeinschaft verbundenen Völker diesseits und jenseits des Ozeans einander näher, zu bringen.-, Die Enterbten der Weltstadt Statistik des Elendsviertels von London— Zweieinhalb Millionen Menschen In 12.000 Häusern.— 25.000 Obdachlose M. London, im Juli. Es ist der Traum jedes Menschenfreundes in Cnland, den Armen des Londoner-East End zu helfen. IN-keiner Stadt ist ja das Elend düsterer,' unerbittlicher als dort/ wo es«ine Hartnäckigkeit wie Krebs oder Lepra-zeigt. Freilich ist''London trotzdem nicht die'einzige Stadt Eng- Md»,list der die Rot di« schlimmsten äußeren Formen angenommen hat. Sir N«bille Chamberlain hat! einmal da» Untethau» in einer sei« n«r.wirkungsvollen Reden durch,die«Schilderung der,/, übervölkertenWohstviertelvo» B I r- m'i n g h a m erschüttert, wo da» Wasser von den Wgispeis ,de«i-!Vahnung«n^ abrieselt, die Fuhbö« dest yerfaülen und'pesttlenzartiaer Gestank nur. noch pon.' völlig abgestlimpften. Nerven. ertragen, tyerden kann. Durch seinen schonungslosen Berichs-au» den Elendsvierteln seiner Vaterstadt hat, er-Latz Parlament,, dämgl» bewogen,, di« notigen, Kvedtf« kür den Bau von jährlich 12.000 nellen Häusern bereitzustellen, i., Schon lange vorher, kurz vor der Aahr« hunderttvende, hatte* Sir Charles Booth,«in Reeder, der sich für soziologische. Fragen Inter« Merkwürdiges Gefährt Das Modell eines Kleinflugzeuges, mit dem sein Erfinder in San Francisco Versuche anstellt. Seine Konstruktion gestattet den senkrechten Ausstieg. Wenn eine genügende Höhe erreicht ist, werden die Flügel an den Seiten ab gestellt und der Propeller der Maschine setzt zum VorwärtSslug ein. rung der Einfuhr russischer Waren zu kommen, um diese günstige Entwicklung nicht zu unterbrechen. Das Getreidemonopol In Frankreich Das Gesetz über die Einrichtung eines Ge- treidemonopols ist nunmehr von der Kammer nach einer langen Debatte trotz heftigen Widerstandes der Opposition mit 387 gegen 215 Stimmen angenommen worden. Das Monopol liegt in den Händen des Nationalen Getreldekomitees, für dessen Tätigkeit derLandivirtschafts- und derFinanz, Minister dem Parlament verantwortlich sind. Seine tägliche Arbeit wird von einem Beirat überwacht, dem Vertreter der Produzenten, Verbraucher, Händler, ibiüller und Bäcker angehören. Die beiden Hauptaufgaben des Komitees sind eine Organisierung der französischen Getreidcpro- duktion auf rationeller Grundlage und die Garantie lohnender Preise für die Landwirte. Das Komitee hat die Befugnis; die Preise für Getreide, Mehl und Brot festzusehen. Es findet also keine Preisnotierung an den Börsen mehr statt. Das Gesetz trifft besondere Bestimmungen für die großen Produzenten, deren Ernte 100 Doppelzentner überschreitet. Während die kleinen Landwirte die Möglichkeit haben, ihre ganze Erzeugung gleich zu Beginn der Ernte den Genossenschaften zum Verkauf anzubicten, Iverdcn den großen Produzenten die Termine vorgcschrieben, an denen sie ihre über 100 Tvppclzentner hinausgehenden Mengen anbieten dürfen. flualanrt Abschluß in Montreux. Am Montag um 22 Uhr endete die Meerengenkonferenz mit der Unterzeichnung der neuen Konvention, welche einige Bestimmungen des Lausanner FriedeuSvertrageS erseht. Der Vertrag wird auch von Japan unterzeichnet werden, das beschlossen hat, die Unterzeichnung mit bestimmten Vorbehalten vorzunehmen. Mussolini» Hand? In dem Lusthafen Wit- ney(England) sind am SamStag, den 18. d. M., mehrere Flugzeuge von unbekannter Hand beschädigt worden. Rach den bisherigen Feststellungen wurden die Flügel und die Verstrebungen von drei Maschinen zerschnitten. Man vermutet, daß es sich um einen Sabotageakt handelt. Politischer Mord in China. Der japanische MMdW.MhtanM.wurde^n seiner Wohnung-,in Fgjsisg iu^tt.Provinz'WMuisi; o'owLnbemnn-' ten Tätern ermordet. An den Tätort würde'japä- nische Konsular-Polizei entsandt. Man befürchtet, daß dieser politische Mord, der dritte seit November, sehr ernste Folgen in Nordchina haben könnte. Der erst« jüdisch« Weltkongreß wird vom 8. bis 14. August in Genf tagen. An demselben werden 800 Delegiert« au» allen europäischen und überseeischen Ländern teilnehmen. Di« Delegierten werden auf Grund' de» demokratischen Wahlgrundsatze» gewählt werden. Gemäß den Kongreßstaiuten werden sie ohne Unterschied der Partei und der Gesinnung di« in allen Ländern geborenen oder ansässigen Juden vertreten, welche entschlossen sind, sich zum Schutze der internationalen und Humanitären Recht« zusammenzuschließen. Da» Programm de» Kongresses umfaßt: Schutz, der bürgerlichen und Minderheitsrechte der Juden, Kampf gegen den AnsisemittSmuS, Rationalisierung und Demokratisierung de» jüdischen Hilfswerkes und Festlegung der Grundlagen der jüdischen AuSwanderungS« und Kolonisationspolitik. Der Kongreß will sich jedweder Einmischung in di» inneren politischen Fragen der jüdischen Gemeinden enthalten, über welche ihnen selbst dar Entscheidungsrecht zysteht. Die Tschechoslowakei wird auf dem Kongreß durch acht Delegierte vertreten sein. WAMEWWWWWWWMMWWWWWWWWWWWWW Volkswirtschaft und Sozialpolitik Russische Wünsche Wir haben vor einigen Tagen gemeldet, daß zwischen Vertretern der Sowjethandelsvertretung und maßgebenden tschechoslowakischen Finanzbehörden eine Fühlungnahme zur Gewährung eines neuen Kredites an Sowjetruhland stattge- funden hat. Jetzt veröffentlicht die offizielle russische Telegraphenagentur eine Entschließung, die der Rat beim Volkskommissär für den Außenhandel angenommen hat. Sie beschäftigt sich auch mit den russisch-tschechoslowakischen Handelsbeziehungen. Nachdem der Ansicht Ausdruck gegeben ist, daß Rußland nicht verpflichtet gewesen sei, den im Vorjahre von der Tschechoslowakei gewährten Warenkredit restlos auszunützen, daß es ihm aber trotzdem boll in Anspruch genommen habe, heißt eS: „Der Rat stellt fest, daß die Entwicklung de» Sowjetcxportes nach der.Tschechoslowakei merklich, hinter dem Sowjctimport auS der Tschechoslowakei zurückbleibt. Die rnssisch-tschechosiowalische Handelsbilanz ist nach wie vor für die Sowjetunion passiv. Die Handelsvertretung in der Tschechoslowakei müsse eine allseitige Entwicklung deS Dow- jetcxportes nach der Tschechosiowakei anstrebe». Beim Auftauchen der Frag« neuer Kreditabkommen müsse die Handelsvertretung von der Notwendigkeit einer Verbesserung der Kreditbedingungen, insbesondere hinsichrlich der Kreditfrist und der Kreditkosten, auSgehen und ganz aui die Ausnutzung von Firmenkrediten verzichten." Die Russen haben also den Wunsch, daß die Tschechoslowakei künftig in größerem Umfang als Käufer russischer Waren in Erscheinung tritt als bisher. Da nach der tschechoslowakischen Außeu- handelsstatistik die Handelsbilanz im Verkehr mit Rußland im ersten Halbjahr 1088 mit einem Aktivum' von 71 Millionen KC zugunsten der Tschechoslowakei abschloß, gegen um 8 Millionen Kc im ersten Halbjahr 1085, kann man diese» Wunsch nicht einfach als unbegründet zurückwei- sen. Um so weniger, als sich der Handel mit Rußland wirklich gut angelassen hat. ES sollte versucht werden, in einem gewissen Rahmen zur Steige« DaS Komitee übt ein Außenhandelsmonopol für Getreide und Mehl aus. Um einen Preisdruck der Einkäufer zu verhindern, wurde festgelegt, daß ausschließlich anerkannte Genossenschaften befugt sind, Getreide von den Produzenten zu kaufen. Diese Genossenschaften werden in Verbindung mit der landwirtschaftlichen Kreditstelle und zuletzt der Bank von Frankreich gegebenfallS den Landwirten die Ernten bevorschussen. Die Unkosten der Genossenschaft werden von den Landwirten selbst in Form eines kleinen Abzugs von den Getreidepreisen bestritten werden, wobei die kleinsten Erzeuger davon ausgenommen sind. Der Landwirtschaftsminister Monnet hob in der Debatte hervor, daß es unmöglich sei, in Hinkunft die Landwirtschaft den Zufällen deS Wetters und des Marktes zu überlassen. Einer der wichtigsten Zweige der französischen BolkS- wirtschast untersteht nunmehr einer planmäßigen Regelung durch den Staat. Nationalisierung der Kriegsindustrie Unter diesem Titel bringt der„Oeffentliche Dienste,/Zürich/ einen Leitartikel, der davon ausgeht, daß auch nach Ansicht liberaler Wirtschaftsfachleute wie Lloyd-George der nächste Krieg auf Grundlage eines rein privatwirtschaftlichen Systems nicht mehr geführt werden kann. Da aber nun der KriegSauSgang vor allem von einer leistungsfähigen Industrie abhängig wird, treten heute in vielen Ländern gerade die Generalstäbe für eine Nationalisierung der Kriegsindustrien ein. Dazu bemerkt der Verfasser, daß es im kommenden Krieg überhaupt nur Kriegsindustrien geben werde und daher die spezifischen Rüstungszweige keine besondere Ausnahmestellung mehr einnehmen werden. Ferner ist genau zu unterscheiden, was in diesem Fall unter Nationalisierung verstanden werde; Staatskontrolle und Staatseigentum sei entweder auf bürokratischer Weise, oder aber unter starker Mitbestimmung der Arbeitnehmer möglich. GEDENKET bei allen Anflnen der Arbeiterfürsorge/ essiertc, im übrigen aber nicht mit seinem Namensvetter, dem Gründer der Heilsarmee, verwechselt werden darf, sein Alarmwerk über das East End Londons geschrieben. Sein Buch erregte damals ungeheures Auflehen und wirkt noch heute nach. Auf der von ihm geschaffenen. Grund- läge hat Sir Hubert Lleweflyn Smith das vierbändige Werk„Neue Untersuchung über Lehen und Arbeiten Londons ausgebaut, das er auf Anregung der Schule für politische Wissenschaften schrieb; Die Hauptaufgabe diese» Buche» bestand darin,'.zuverlässige Angaben über den Anteil.der Arwüt am Leben der Weltstadt zu gewinnet' Dje Untersuchung erstreckte sich hauptsächlich. auf Eäst End, jenen-Leib Londons,- der eines'zweiten Gova bedürfen würde,-um wahrheitsgetreu geschildert zu werden.' Auf dem untersuchten Stadtgebiet— sechs Bezirk«' nördlich der Themse und fünf«im Südosten—- wohnt«in« Bevölkerung von insgesamt 2,5 Mitlipnest Menschen in etwa» über 12.000. Häusern. Gegenüber der'Zeit Booth»;' also in den letzten 40'Jahren, hat-sich die Zahl der Lon»i doner.' die'ustter dir Grenze der Atmut leben, immerhin uin ein Drittel vermindert. Wenn di« Bedingungen, di« Booth al»' gegeben ansehen muht«, noch heute fortbeständen, würden in London heute, übet'800,000 Menschen im äußer«' ste'n Elend'lebest niÜss«n,'-'k h.«In' Zehntel der gesamten Bevölkerung. E» stnd aber„nur" 284.000, wobei.'allerdings zu bedenken ist, daß diese Ziffer nicht mehr ganz neu ist, sondern für da» Jahr 1084 gilt. Eine Verbesserung ist seither aber wohl kaum eingetreten. ' Was ist A r m u t? Es ist schwer, diesen Begriff eindeutig und allgemein verbindlich festzulegen. Armut wird von den Menschen ganz verschieden empfunden, je nach ihren Ansprüchen und nach den. klimatischen Verhältnissen. Sie ist nicht dasselbe für«inen Neapolitaner oder Algerier, der in der Sonne lebt, und für einen Londoner, der ewig kalten Nebel atmen muß.- Seine Nahrungsbedürfnisse sind von den« jenigen des Südländers grundverschieden. Er braucht viel Fleisch, und wenn er.nichts zu hei« zen hüt, kann er neun Monate- vor Kälte zittern, Die Industrialisierung hat seine Bedürfnisse ge« weckt und gesteigert; er hat gewisse Begriffe von Komfort; auf der anderen Seite stürzt ihn dieselbe Industrialisierung in das Elend der Arbeitslosigkeit und läßt ihn so die Not um so schlimmer empfinden. Au» dem Bericht von Smith geht eindeutig hervor, daß drei Achtel der. Bewohner von.East End durch die EriverbSlosigkeit auf die tiefste Stufe der Existenz herabgedrücki worden sind. Furchtbar« Zustände herrschen auch in den überfüllten Wohnungen. London hält hier allerdings nicht den Rekord; dieser fragwürdige Vorzug gebührt der Stadt Shereditch, in der. ein Fünftel der Arbeiterbevölkerung auf den Kein« sten Raum zusammengedrang't ist; drei Personen^und Mehr in einem Zimmer stellen dort di« Regel dar. In London rechnet man mit ungefähr 25.000 Obdachlosen, die ständig in den Straßen umherirren und irgendwo Unterkunft suchen. Unter ihnen befindet sich natürlich ein starker Prozentsatz Verbrecher und Anormale, aber auch eine Menge Leute, die sich ehrlich durchs Leben schlagen. Zeitungsverkäuser,. Straßenhändler, Sandwichmänner, Musikanten haben kein Dach über dem Kopf und verkriechen sich nachts in irgend einem Asyl, auf einem Dachboden oder unter einer Brücke. Diese Berufstätigen ohne Wohnung beziffert Smith auf ungefähr 80.000. Am traurigsten sind diejenigen daran, die aUein leben müssen. Die geringe Unterstützung oder eine fleine Pension erlauben ihnen nicht, sich wieder aus dem Elend heraus«, zuarbeiten. Ihr Los bleibt, die Entbehrung, wenn auch viele unter diesen alten Leuten die Kunst verstehen, ihre Behausung sauber zu halten und so die Illusion eines heimischen Herdes mit einer bescheidenen Behaglichkeit zu genießen. Einmal im Jahr, wenn die. Hopfenernte naht, verschwinden 50.000 aus dieser Elendsarmee für einige Zeit aufs Land. Sie kommen nicht viel reicher zurück, als sie gegangen sind, denn ihre Arbeit wird miserabel bezahlt, aber der Landaufenthalt gilt diesen Sklaven des Nebels und der Steinwüste wie ein Himmelsfest, und besonders die Kinder genießen in vollen Zügen Luft und Sonne. Es ist der einzige Lichtblick in diesem'düstersten Bild menschlicher Zivilisation— ein Elendsbild^us einem Land, da» als eines der r e i ch st e»gilt! (Seite 6 .Sozialdemokrat" Dienstag, 21. Anli 1936. Nr. fCS Die richtiggestellten Wählerverzeichnisse der Hauptstadt Prag werden vom 2t. bis zum 81. Juli von 8 bis 14 und von 16 bis 18 Ubr zur öffentlichen Einsichtnahme aufgelegt werden, und zwar für Prag I bis VII Im zentralen Wählerkatafter. in den Übrigen Stadtteilen bei den zuständigen Magi« ftratSanitSstesscu. Jeder hat da» Recht, in die Verzeichnisse Einsicht zu nehmen und Abschriften und Auszüge zu machen, soweit er dadurch nicht andere .Personen von der Ausübung desselben Rechtes aus» schliesst. Jümst und Mssnl, Symphoniekonzert der Prager Deutschen Sendung. Am 26. Juli dirigiert Generalmusikdirektor Robert M a n z e r(Karlsbad) in der Prager Deutschen Sendung ein Konzert der Tschechischen Philharmonie. Folgende Werke werden dargeboten: Euryanihe-Ouverture von Weber, 2 Arien aus der Schöpfung von Hahdn, Romanze und Scherzo von Manzer und Variationen über ein ungarisches Thema von Zador. Von der Musikschule Pctschau.(Staatlich genehmigte Lehranstalt.) Die Einschreibungen und Aufnahmsprüfungen für Schüler beiderlei Geschlechtes finden am 1. und 2. September statt. Der Besuch der Musikschule und der Bürgerschule ist für Schüler(innen) gleichzeitig möglich. Gründliche Ausbildung zu tüchtigen Berufsmusikern in sämtlichen Orchesterinstrumenten, Klavier, Orgel, Chorgesang und assen theoretischen Fächern. Praktische Hebungen im Zusammenspiel: Streichorchester(64 Schüler), Harmoniemusik(86 Schüler), Kammermusik für Streich- und Blasinstrumente und Kirchenmusik. EL finden Symphonie-, Kammer- nmsik-, Harmoniemusik-Konzerte, Schülerabende und grosse Choraufsührungen statt. Die Schule umfasst 6 Jahrgänge. Das Schulgeld beträgt halbjährig 178 Ke. Die Absolventen der Petschauer Musikschule findet man als Mitglieder der erstklassigen Kur- noch mit kräftigen Schwimmstötzen gesteigert, und rasch gleiten die Ufer vorbei. Auch mancher Nichtschwimmer wagt sich hinein ins Wasser. Vorsichtig freilich zumeist und nur im ganz Seichten. Im Krei» der Kameraden wird ein ftöhliche» Spiel riskiert. Mancher legt sich auch mal an! den Bauch und lässt sich so von den Wellen tragen. Plötzlich ein Schrei!— Eine Hand iaucht auf und verschwint:t wieder. Ein Schwimmer, den die Strömung überwältigt hat? Oder ein unvorsichtiger Nichtschwimmer, der, durch die reissend« Flut des Bodens beraubt, rasch von den Wellen fortgetragen wird?— Noch steht die Menge in eisigem Entsetzen. In der Ferne gellt Todesangst:»Hilf«!" In beiden Fällen ist e» selbstverständlich erforderlich, dass der Retter so schnell wie möglich eingreift. Sein OperationSplan hängt von den gegebenen Verhältnissen ab. Wenn er die Ufer ge- stattcn, eilt er dem Davontreibenden, dem es in der Regel auch bei seichtem Wasserstand nicht mehr möglich ist, Fuss zu fassen und sich aus der Strömung herauszuarbeiten, nach und springt erst ins Wasser, wem» er sich mit ihm auf gleicher Höhe befindet. Dadurch erreicht er, dass er den Gefährdeten vor sich hat, wenn er die Strömung erreicht hat, und die Entfernung ist ziemlich gering, so dass das Herankommen keinen grossen Kraftaustvand erkor« dert. Sind die Ufer ungangbar, dann bleibt nur rascheste» Nachschwimmen übrig. Grösste Vorsicht ist geboten, wenn niedriger Wasserstand' ist. denn cS kann dem Retter leicht passieren, dass er sich an einem Stein so verletzt, dass er bei Ausführung des RettungSwcrkeS stark behindert ist, ja, dass ihm vielleicht die eigene Rettung unmöglich wird. Aus dem Verhalten des zu Rettenden lässt sich in den meisten Fällen ersehen, ob man eS mit einem Schwimmer oder einem Nichtschwimmer zu tun hat. Ist er bei unserem Eintreffen schon erschöpft oder bewusstlos, dann dreht man ihn auf den Rücken quer zur Stromrichtung, fasst ihn am Oberarm und trachtet dann, brust- oder seiteschwimmcnd, aus der Strömung herauszukommen. So können wir fast unsere ganze Kraft zum Schwimmen verwenden, denn die Strömung trägt den Körper vor uns her und ei gnügt ein geringer Druck nach oben, um die Atmungsorgane über Wasser zu halten- Kämpft der Ertrinkende noch mit den Wellen, dann ist, wie in allen ähnlichen Fällen. Vorsicht geboten. Man bleibt auf leben Fall hinter ihm und wartet einen günstigen Augenblick ab, um ohne Gefahr«inen unserer Fesselgriffe anzuwendcn. Hier ist er aber auch von besonderem Vorteil, wenn wir Brust« und Seitenlage einnehmen, damit wir eventuelle Hindernisse erkennen und vermeiden können. Ist erst einmal die Strömung überwunden, dann ist die grösste Arbeit getan. Dann ist auch der reissende, ungebärdige Wildfluh still wie ein Mühlbach. H. W. Der Kampf um den Mitropacup brachte Sonntag in den Semifinalspielen zwei überraschende Ergebnisse. In'Mailand verlor auf eigenem Platz Ambrosiana gegen Sparta Prag 8:8 (8:8) und in Budapest siegte Austria(Wien) gegen Ujpest 2:1(0:1), wobei«r zu verschiedenen Skandalen im Zuschauerraum, sowie unter den Spielern kam. Im Finale kann man somit Sparta und Austria erwarten, da wohl beide den bereits erzielten Vorsprung daheim sicher verteidigen können. DaS QualisikotionSturnier für den Aufstieg in die Staats-Liga brachte folgende Ergebnisse: K ö- n i g g r ä tz: SK. Hradec Krälovö— Viktoria Z i jf- kov 0:2(0:2). In Zlin: Baka Zlin gegen SK. Mähr.-Schönberg 6:2(2:2). ES führt Viktoria Zijkov und an.zweiter Stelle steht vorläufig Baka Zlin. Sonstige Futziallergeinisser Karlsbad: Sparta Karlsbad gegen DFK. Komotau 6:01(0:0. — Teplitz: VFB. Teplitz gegen DFK. Aussig 2:8 (1:2).— Gablonz: BSK. gegen SK. Dvür Krälovt 8:8(2:2).— Trautenau: DSB. Trautenau gegen SK. Nachod 2:2(1:1).— Kopist: DSV. Saaz gegen Kopisty 8:2(2:1).. Der Lelchtathletik-Länderkampf Tschechoslowakei—Oesterreich, welcher in Prag stattfand, endete mit dem Siege der Oesterreicher von 67 zu 66 Punkten. Neuer Frauen-Weltrekord. In Warschau verbesserte StellaWalsh den Weltrekord für Frauen im 80-Meter-Laufen auf 9.6 Sekunden. Im DavISeup-Semifinale Australien—Deutschland in Wimbledon siegten heute im Doppel die Australier Crawford—Mac Grath gegen Cramm— Henkel 6:4,4:6, 6:4, 6:4. Stand 2:1 für Australien. orchcstcr Karlsbad, Teplitz, Marienbad, Franzensbad und der hervorragendsten Theater- und Konzertorchester des In» und Auslandes. Ebenso befinden sie sich in Stellungen als Kapellmeister, al» Professoren an Konservatorien und als Lehrer an Musikschulen. Ausführlicher im Prospekte, welcher kostenlos durch die Direktion zugcsandt wird. 8p^-8M-MrpMskegtz ketten Im reisenden Wasser Jeder Wasser hat für den Schwimmer seinen besonderen Reiz, aber anch seine besonderen Tücken. Die tanzende» Sonnenstrahlen auf dem ruhigen See verraten nicht die Sumpfstcllen und die gefährlichen Schlingpflanzen, die Wellen der rauschenden Flusses verdecken Steine und Untiefe. Die Gebirgswasser, wild imd ungezähmt, müssen einen weiten Wen zurücklegen, bis sie als brave Kinder im Meere enden. Welch eine Lust für jeden Schwimmer, sich in die reissende Flut zu stürzen und sich schnell von den Wogen forttraqen zu lassen. Das Tempo wird Pension Miuwsas ist dar neueste Filmwerk jener Kollektivs, das durch den Film„Die klugen Frauen von Bloom" internationalen Ruf erworben hat und dem die Schauspieler Alerme und Jla Meery (ans obigem Bilde) sowie Francoise Rosay und der Regisseur Jacques Fcyder angchören.‘ Die Maulhelden Von J. Förster Ja, das ist also richtig in Venezuela geschehen, das heisst gllnz richtig ist es doch nicht geschehen, es ist halt nur ein Traum gewesen, aber schön wär es schon, wenn es Wahrheit sein könnte. ES tvird so viel Unwichtiges geschrieben, tvarum soll das nicht auch geschrieben sein? „Ja," hat der dicke Josj gesagt,„was so ein richtiger Held ist, der stürzt sich in den heissesten Kampf und schon rennen die Feinde. Ja." Sein fettes Gesicht strahlte den reinen Heldenmut ivicder. Der dürre Pedro wiegte sein hageres, zerfaltetes Gesicht:„Ja, ja, du bist eben ein richtiger Draufgänger. Wie du die zehn Maschinengewehre erobert hast!"—„Ja," räusperte sich der kleine Pinto,„und wie du allein die Fahne erobert hast!"— Der dicke Josö lehnte sich behaglich zurück, nahm sein Weinglas und leerte es. Er fuhr sich mit der fleischigen Hand über den Mund: „Ja, das sind, alles so Sachen, gewiss. Aber das Schönste habe ich noch aufgehoben. Ja. Also da war die Schlacht so' richtig im Gange.„Ein paar Junge schoben ihre Sessel heran und hörten aufmerksam zu. Man bemerkte gar nicht den Fremden, der sich unter sie mischte, still und ernst. „Habe ich schon gesagt, dass die Schlacht richtig im Gange war? Nun, ich stand an der heissesten Stelle. Links Granaten, rechts Granaten. Maschinengewehre, der Teufel war los. Na, ich denke: So geht das poch nicht, hier muss doch etwas geschehen. Stecke also die Nase raus aus dem Graben. Kommt doch gerade eine Handgranate geflogen, direkt auf mich zu. Ich fange sie, so, aus der Lust, und zurück und hinterher, ja. Na, und'die haben gemeint, ein ganzes Regiment kommt. Wie die anderen kamen, waren ein General und etliche Soldaten meige Gefangenen." Da tat der Fremde den Mund auf und sprach:„Wo war das?"— Und seine Stimme klang fremd ruid hohl. Josö zwinkerte unmutig mit den Augen: „Wo das war! Bei dem Nest, bei dem Dingsda. Ja, kann man sich denn alle fremden Namen behalten?" „Du tust gerade so, als wenn das ein Spaziergang wäre, so eine Schlacht sagte der Fremde.— Josä lachte, dass sein dickes Bäuchlein auf und niederwippte:„Spaziergang! Guter Witz! Ja, wenn man Mut hat, nicht wahr und,—" „Und wenn man gar nicht dabei war, nicht wahr?" Der Fremde sah ihn durchdringend an. Josö war rot geworden vor Wut:„Solche Frechheit! So ein Dahergelaufener! So ein Herumtreiber, der nichts ist und nichts hat und will jetzt' hier über Dinge reden, die er nicht versteht." Die Tafelmnde stimmte ihm beifällig zu. „Ja," sprach der Fremde,„wie kann ich diese Dinge verstehen, da ich dabei war." Da wurde es still und Josö sah entsetzt auf den Fremden, aber der sah durch ihn hindurch: „Ihr kennt mich nicht. Und ich war dabei. Und ich habe geschwiegen, bis zu diesem Tage. Man redet nicht gern von dem, was war, wenn es so aussieht, wie das, was wir erlebt haben. Ein Junger sprang auf und schrie mit gellender Stimme:„So ein Miesmacher, so ein elender!"— Der Fremde nickte mit dem Kopf: „Ja, ich erinnere mich, als das alles war, da lägest du in den Windeln, und deine Mutter musste dich trocken legen. Ja, ganz genau erinnere ich mich."„Wir geben unser Herzblut hin —" schrie ein anderer.„Ja, antwortete• der Fremde,„du warfst damals Fensterscheiben ein, und dein Vater zog dir die Hosen stramm. Ja. Und ich? Ich habe mein Herzblut hingegeben." Der Ftemde hatte, ganz leise gesprochen. Kein Laut war zü hören. Alle sahen ihn betroffen an. Micael, der bis jetzt abseits gesessen hatte, stand auf und trat vor den Fremden:»Mer bist du?"— Der lächelte wehmütig:„Wer ich bin? Ich weiss es nicht. Ich bin der unbekannte Soldat, der draussen auf dem Marktplatz unter euerem Denkmal ruht, den ihr feiert, den ihr lobt und den ihr vergessen habt."' ,„Wie denn hätten wir dich vergessen?" forschte Micael. '„Feige habt ihr mich genannt, einen elenden Hemmstreicher. Der da", er wies auf Jose, „schlemmte und prasste irgendwo, wohin keine Kugel kommen konnte und jetzt lügt er euch die Rücken voll von seinen Heldentaten. Und ihr sitzt und hört ihm zu, als wenn das alles gar nichts gewesen wäre. Als wenn der andere, der„Feind" nicht auch ein Mensch gewesen wäre! Ein Mensch, der nach dem Leben schrie, und es floss von ihm, ohne dass er es halten konnte. Wir haben gekämpft, weil wir Freie, sein wollten, wie wir eS waren. Mer dann sind wir in die Hölle geraten! Wo ist denn der Angelo, dem man ein Bein abgeschossen hatte?"— Da war die Frage des Fremden und keine Antwort: Aber der dicke Josö rappelte sich jetzt aüf und schrie'mit böser Stimme:„Den hat man festgesetzt, weil er ein Vollsverräter ist, wie' du eS bist!"—„Angelo? Ein Vollsverräter? Wo ist Colombo?"—„Auch einer von dieser Gesellschaft sitzt auch in gutem Gewahrsam." Josö hatte seine-frühere,Sicherheit wiedergewonnen.'„Er wiegelte das Boll auf, er sprach von den wohlerworbenen Rechten'des Bolles. Wir können solche Minderwertige nicht gebrauchen."'' Da senkte der/Fremde den Kopf: „So wage ich nicht mach den anderen zu, fragen. Ich wage nicht zu fragen, warum das Volkshaus gisch zu sein:.„DaS hast du auch gar nicht zu fragen:-wo euere.Gerechtigkeit, ist:".--.... -. Josä plusterte sich aufwieein Spatz' und BezugSbediugungen:Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich XL 16.—. vierteljährig KJ 48.—. halbjährig KS 96.— Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass,— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die graphcndireküon mit-Erlass Nr. 18.800/VIM9S0 bewilligt,— Druckerei:.KcbiS". Dmck-, Verlags- und Zeitung Du hilfst mit scheinbar Kleinstem am Großen bauen, wenn Du Immer und überall nur Volkszünder verlangst! Clus* der TakkL SJ,Krei«Prag. GemeinsamerGrup« penabend aller Gmppen Mittwoch, den 22, Juli, um 20 Uhr im Ligahelm(Skautsky domov). Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria: Max Schmeling siegt über Joe Louis.— Alfa:„Das Litt» der Liebe." Kiepura.— Avion» Max Schmeling siegt über Joe Louis.—' Unirr „Stzenka Rasin."— Flora:„Die Schatten von Sing-Sing."— Gaumont:„Es geschah in einer Nacht." Gable, Golbert.— Hollywood:„Kleines Mädel—grosses Glück."— Julio:„Waldwinter."— Kinema, B.-Th.: Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna, Aktualitäten-Theater: Journale, Grotesken.— Luccrna:„Wie Frauen lieben." S. Sidney.— Metro:„Drei Männer im Schnee." — Passage:„Stjenka Rasin."— Praha:„Drei« Groschen-Oper."— Svitozor;„Waldwinter."— Alma:„Musik der Herzen."— Besedar „Viktoria."—Carlton:„Die unmögliche Frau."—< Illusion:„Pygmalion."— Lido II:„U-Boot A. L« 14."— Louvre:„Nord gegüti Süd." Regt! K. Bidor. — Maeoika:„Melodie der Welt 1986."— Olym- pir:„Mazurka." Pola Negri.— Rory:„Donauwellen."— U Bejvodu:„Die Frau im Feuer:" Parteigenossin! Parteigenosse! Bist Du schon Mtglied der ßinfierfreunBtl wenn nicht, danti tritt bei, »SreMbWaftF seine pfiffigen Augen versuchten forsch und energisch zu sein: ,DaS hast du auch garnicht zu fra- gen. Für ünS hist ein Niemand,-ohne Vaterland,, genau der gleiche Vollsverräter wie alle anderen. Man wird dich verhaften,. wie allen deinesgleichen geschehen ist." „Ich bin der unbekannte Soldat," sagte leise der Fremde.- „Darauf können wir keine Rücksicht nehmen!" schrie Josö. „So ist eS Zelt." Der Fremde erhob sich: „So müssen wir zwölf Millionen noch einmäl antteten, noch einmal werden wir', marschieren und dann wehe euch! Uns trifft keine Kugel, sie traf uns schon.-Uns schiert kein Gas, eS frass uns schon: Wir-marschieren wieder und die Erde wird unter unsereisl Schritt, erdröhnen. Da werden, die Grünschnäbel und die Maulhelden sich verkriechen ivollen, aber da gibt eS keine Etappe. Wir werden schreien: Frieden und euere Ohren werden euch dröhnen. Dir aber will ich. gleich eine Antwort gehen./! Damit war er vor. den dicken, fetten Josö getreten und.schlug-ihm ins.Gesicht» und der schrie nicht, und, der wehrte..-sich nicht. Und die GÄnschnäbel hatten, sich hinter- die.Gardinen und unter die Tische verkrochen,i;weil. sie meinten, jetzt-kämen sie auch an die isteshe. Aber der Fremde ging still hinaus und, wär verschwänden. Ja, das war-in Venezuela,- ja. Und. der-dicke Jost war nach diesem Traum einfach verrückt. Er schrie immer, daß. sie jetzt kommen, die zwöf Millionen Toten:. Wieso ich weiß', ivaS er träumte. wenn eg verrückt wurde,?- 'Ihr könyt einen in die grösste'.Berlegetihelt bringen! Ich habe doch gleich gesagt, dass alles eine Geschichte istund absolut, nicht wahr ist. Da .habt ihr es, einen so btossssustellen! Euch'werde ich noch"eiNrnal elsse^Geschichte erzählen! >, ganzjährig KJ 192—,— Inserate werden laut ZeitungSftankatur wurde vonder Vost» und. Tele«. S-A.-G. Prag..