c 16. Jahrgang Nr. 16S Mittwoch, 22. IM 1936 Einzelpreis 70 Heller (•InichlieOlich 5 Heller Porto) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHER ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiufochova telefon am, HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, FRAG Morgen Locarno-Konferenz London. Sn London, Paris und Brüssel wurde Dienstag gleichzeitig ein Kommuniquö über die Einberufung'der Dreimächte-Konferenz nach London auf Donnerstag dieser Woche VW dem Entscheidungskampf Weitere Fortschritte der Regierungstruppen/ Regierungstreue Flotte greift ein? Zur Dollfußfeier— die Dollfußmörder in Freiheit? Oesterreich In freundschaftlicher Umklammerung Wie die„Pr. Presse" aus Wien erfährt, sind die Vorbereitungen für die große Amnestie in Oesterreich in vollem Gänge. Es sollen schon in. den nächsten Tagen nicht weniger als 4800 Nazi, auch die nach.dem Juliputsch 1984 verurteilten, in Freiheit gesetzt werden. Zugleich soll die Amnestie angeblich auch Sozialdemokraten und Kommunisten umfassen. Man kennt das ja: die werden ein paar Tage später auf administra- tivem.Wege von den Nazi-Polizisten wieder eingesperrt I Da auch zahlreiche Flüchtlinge aus Deutschland zurückkehren dürften, wird Oesterreich’ben. 26. Juli, den großen Trauertag für Dollfuß, unter Teilnahme der Anstifter und Mittäter An dem Mord und dem Putsch begehen können.■' Wirklich ein großartiger Erfolg des Herrn. Schuschnigg I : In Berlin arbeitet man unterdessen an der Aufhebung der 1000-Mark-Sperre. ES'ist bezeichnend, daß Berlin,' obwohl eS am meisten an der Aufhebung interessiert ist, die ja Tausende Reichsdeutsche als Propagatoren nach Oesterreich führen soll! aus dem Handel möglichst viel heraus-' zuholen sucht und, wie' es scheint,'> im m er neue B«ding ung em.stellt.. Langsam wird in Oesterreich auch Oppo- sition ge/gen den Vertrag vom 11. Juli laut. An der Zeitschrift„D e r chr ist li ch e Ständestaat"— deren Verbot die Berliner Blätter gleich Nach, der Anerkennung'der„Souveränität"" Oesterreichs'gefordert, haben wendet sich Kä r'.l/E'r n st W i'nt,e»'dagegen,, daß! man die"„österreichische Tradition"' auf die Pflege: der Militgynärsche beschränke? Oesterreich aber der' Gefahr. aussehe,' ein B a s a l l e n» staat Deutschlands und, in.dessen Katastrophe hingezogen zu werden. Winter proklamiert alseinzig. mögliche- Garantie de»"Unabhängigkeit Oesterreichs die„f o z i a I e M o n a r ch i e". Der Legitimistenführer W i e s n e r Hai erklärt, daß sich die Ehrlichkeit der deutschen Erklärung an der Haltung zur Restaurationsfrage erweisen werde. Wenn Deutschland wirklich die Souveränität Oesterreichs anerkenne, so müsse es auch'zugeben, daß die Frage der Staatsform eine innere Angelegenheit Oesterreichs sei, die keine fremde Macht etwas angehe. Demgegenüber haben die Hitlerblätter ja den Passus in der Erklärung Schuschniggs, daß' Oesterreich ein„deutscher Staat" sei, sofort dahin, ausgelegt, daß eS demnach eine Einsetzung der„nichtdeutschen Dynastie Habsburg-Bourbon- Parma" nicht erwägen dürfe.' } Wie wir erfahren, hat Schuschnigg, in den Geh»im klau fr ln des Abkommens Hitler nicht nur z'ugesagt, daß die„Rationalen" die. gleiche A-ttattonSfreiheit genießen sollen? wie dir Monarchisten? sondern auch, daß die Wieder- ei«führ««- der Monar chie nur auf Gr««dein er 8»l k S ab ft i m- mung stättfinden würde. Darin sehen di«. Legitimisten einen Verrat Schuschniggs, denn eS liegt auf der Hand,, daß'bei einer BolkS- abstimmnng Httler alle Minen springen, ließe, um sie zu einem Plebiszit für den Anschluß zu machen (wie denn für'diesen, Autokraten„Volksabstimmungen" nachgerade das täglich«-Brot werden). Außerdem lehnt Otto Habsburg aus le- gitlmistischen' Bedenken die B o l k s a i st i m- mung,''.sozusagen' einen."öffentlichen Wettlauf zwischen dem Häufe Habsburg und der Dynastie Schückelgruber anS Braunau, en t s chied en ab. Man ist sich aber in den^antifaschistischen Kreisen OesterreichSi darüber klar, daß di« Entscheidung über den endgültigen Anschluß' binnen Monaten fallen' wird, da dir braune Propagandawelle bis zum nächsten Frühjahr alle Widerstünde weggeschwemmt haben wird. San Sebastian In den H8nden der Putschisten London.(Reuter.) Die aus Spanien elntreffenden Meldungen deuten darauf hin, daß die Entscheidungsschlacht deS Bürgerkrieges knapp"bevorsteht, denn es steht eine Schlacht zwischen den auS Madrid gegen die Aufständischen entsandten RegierungStruppen und de» Anfständischeu- abteilungen, di« gegen die Hauptstadt vorrücken, zu erwarten. Eine Armee der Aufständischen hält bereit- bei S e g o v i n ä, ungefähr 60 Kilometer, von Madrid. Di« Madrider Rote Miliz in der Stärke von 10.000 Mann wird von zwei Offizieren befehligt, die der iikgierung treu geblieben sind. 5000 bewaffnete Bauern und Arbeiter wurden nach Saragossa gesandt und zu diesem Zweck« wurden Autos aller Art requiriert. Ein« ander« Madrider Nachricht meldet, daß eS DienStag imwcit von Bladrid zu zwei Gefechten gekommen fei, in denen die Aufständischen von RegierungStruppen, welch« auS Polizei, Gendarmerie, Zivilgarde und roter Miliz bestanden, geschlagen wurden. In Rordspanirn konnten die Aufständischen DienStag nachmittags die Stadt San Sein* stkan besetzen^ Sie ziehen nmimehr gegen di« Stabt Bilbao. Die Stadt I r«'n befindet sich noch in den Händen der RegierungStruppen. auSgegeben. Der Zweck dieser Zusammenarbeit bestehe darin,„daß die Lage geprüft und erwogen werden soll, wie der Wunsch der drei Mächte, den Frieden durch daS Mittel einer allgemeinen Regelung zu konsolidieren, am besten gefördert werden kann." heue englische Rüstungskredite .. London. DaS Unterhaus hat die Rach- IragSkredite für die Aufrüstung genehmigt. Sie betragen für die Armee 6,6 und für das Luft- fahrtSwefen' 11,7 Millionen Pfund Sterling (zusammen etwa zwei Milliarden KC). Türkisches Militär besetzt die Dardanellen Istanbul. Nachdem um Mitternacht das Geheul der Sirenen, im Hasen und. in der Stadt die Unterzeichnung der neuen Meerengen-Konvention angekündigt hatte, begannen in den ersten Morgenstunden: des Dienstag die'ersten Truppenbewegungen. Infanterie, Artillerie und motorisierte Truppen wurden auf beiden. Ufern des Bosporus in Marsch gesetzt und erreichten, gegen. Morgen, die Orte des oberen Bosporus. Die-alten auf Grund des Vertrages von Lausanne unbrauchbar gemachten Befestigungen, die-die Einfahrt sichern, wurden militärisch beseht. In zahlreichen Ortschaften, die die Straßen längs der Ufer säumen, bereiten die Menschen den heranziehenden Truppen einen begeisterten Empfang. Auch der größte Teil der türkischen Flotte ist bereits unterwegs nach den Dardanellen, um sich an der Besetzung der Mcerengesi zu beteiligen. Die Sonderberichterstatter der Pariser Abendblätter melden auS dem spanischen Grenzgebiet und auS Marokko, daß die Kämpfe zwischen den beiden Parteien in Spanien, der Regierung und den Aufständischen, auf Gnad« und Ungnade geführt werden. Die Regierung und die Aufständischen geben ihre Erfolge bekannt, schicken einander Ultimaten und verkünden die allgemeine Mobilisierung. Die Regierung.verkündet dir Bildung von. fünf HeereSsinlen regierungstreuer Truppen-a«-- der Bolksfrontmiliz, Polizei, Guardia etvis' und Guardia Salto»'' um'sä die Aufständischen in Valladolid, BurgeS und Sarragossa niederzuwerfen. Einige tausend Mann bewaffnetr Arbeitermiliz haben Madrid verlasse«,' unr den Aufstand m Andalusien, in Saragossa und in Valladolid zu unterdrücken. Die-aufständischen Abteilungen, die unter dem Kommando des Generals.Molla vom Norden nach Madrid zogen, wurden, wie die Regierung mitteilt, unweit Aranda von Regie- rungSflugzeugen vernichtet. Di« Rundfunkstation von. Barcelona hat Montag abends ein Manifest der sozialistischen Partei verbreitet, in-welchem die Arbeiter aufgefordert werden» mit der Regierung zusammenzu- arbeiten und die Arbeit wieder aufzunrhmen. An (tenoral Franco dir Arbeiter wird ferner der Appell gerichtet, gemeinsam mit dri, RegierungStruppen an die Verteidigung der Republik und den Schutz der öffentlichen Gebäude gegen die faschistischen Angriffe zu schreiten. In dem Manifest werden die Arbeiter aufgefordert, sich nur nach den Weisungen des Vollzugsausschusses d« sozialistischen Partei zu richten. In einer Rundfunkmitteilmrg der Sender Madrid«nd Barrelona hat die Madrider Regierung di« Zivilbevölkerung und di« Sturmscharen aufgefordert, den Marsch der Aufständischen auf Madrid zu verhindern. Die RegierungStruppen haben mit Unterstützung der Artillerie und der Flieger die Stadt Alcalq de Henares besetzt. Die Aufständischen, welche große Verluste erlitten,- verbarrikadierten sich im Rathaus, in der Kathedrale und in anderen Kirchen. Die RegierungStruppen. haben zahlreiche Gewehre und Maschinengewehre erbeutet. '■ Der Kommandant der in Almeria liegenden Zerstörerflotte hat dem" Marineminister mitgeteilt, daß di« Aufständischen sich ergeben und dem Zivilgouverneur zur Verfügung gestellt haben.' Auch in G i j o n, so heißt eS welker, laufen, zahlreiche Aufständische zu' den RegierungStruppen über. .' Der Kommandant des- englischen Torpedobootzerstörers„Shamrock", der Montag in Mal'äga. eingetroffen{{t,: 1 meldete, nach Gibraltar, daß.hje> Stadt- unter-der'Kontrolle der Volks» frdnt-stM.'^','s ! ifjj/ffilrie, amtliche, Depesche^ besagt, daß sich!am Montag d^erHekretär'! der^soziälistisch'en Partei gemäß«inesn vom. Präsidenten' der Republik .(Fortsetzung auf- Seite 2.), Wenn nicht überraschende Ereignisse eintre- ten, dürfte die spanische Regierung der Armeeoder besser Ofsiziersrcvolte in einigen Tagen Herr werden. Die Krise scheint bereits überschritten, die Kräfte der Republik wachsen, während sich die ihrer Gegner langsam erschöpfen. Wie bei den meisten Ausständen lag auch diesmal die größte Chance der Rebellen in der Möglichkeit, einen plötzlichen Ueberraschungs- erfolg davonzutragen. Da aber die Basis der Rebellion weit von der Hauptstadt entfernt war, so genügte die anscheinend gelungen- Ueberrum- pelung nicht, um mehr, als die südlichen Provinzen zu überrennen. So darf man hoffen, daß die spanische Demokratie aus dem Aufstand der Offiziere ge st ärkther vorgehen und,' um eine Erfahrung reicher, die dringend nötige Armeereform durchführen wird. Die Emeute der reaktionären Offiziere bedeutet nicht nur für-Spanien, sondern für ganz Europa eine e r n st e G e f a h r. Noch sind die Kräfte, die hinter dem Unternehmen der Militärs stehen, nur undeutlich und nebelhaft zu sehen. Aber eS läßt sich leicht abschätzen, wer die Nutznießer eines Sieges der militärischen Konterrevolution geworden wären und man mag daraus Schlüffe auf die Urheber und Förderer des Unternehmens ziüjen. Daß es sich um einen regelrechten Versuch zur Wiedereinsetzung der Monarchie handelt, erscheint wenig wahrscheinlich. Der Exkönig hält sich fern vom Schauplatz, in Bad Königswart in Böhmen, auf und hat erklärt, er sei an dem Unternehmen weder beteiligt, noch interessiert. Der in Amerika lebende Ex-Thronfolger hat eine Erklärung gleichen Inhalts abgegeben. So naheliegend die Annahme ist, daß beide die Unwahrheit sagen, so befremdend wäre ihr weites räumliches Abrücken von einem Unternehmen, an dem sie unmittelbar beteiligt wären. Es scheint doch eher, daß z u n ä ch st e i n e Militärdiktatur geplant und die Rückberufung Don Alfonsos in das mit Kanonen gesicherte Nest erst für eine spätere Etappe vorgesehen war. Da auch G i I R o b l e s, der Führer der katholischen Volksaktion nicht im Aufstandszentrum weilte, sondern sichtlich überrascht nach Frankreich geflohen ist, darf man mit einigen Vorbehalten schließen, daß die Generale und Stabsoffiziere weder unmittelbar von den monarchistischen Cliquen, noch von der klerikalen Reaktion beauftragt sind. Andererseits ist die Revolte doch zu gut fundiert, als daß man'annehmen könnte, cs handle sich um einen der beliebten Vorstöße einer Offiziersjunta.' Die Rebellen müssen über beträchtliche Mengen Munition und über einen gewissen finanziellen'Rückhalt verfügen. Erinnert man sich einmal an den letzten Aufftand der Beniselisten in Griechenland, der ähnlich verlaufen ist und." dessen'Hintergründe niemals ganz aufgeklärt wurden, so daß man nur vermuten konnte, es handle sich um eine größere Mittelmeer-Schiebung, deren Urheber nicht in Griechenland sitzen, so wird man auch gegenüber der spanischen Revolte' auf. die Vermutung geführt, sie könnte mitPIänenzüsammen- h an g« n, die außerhalb Spaniens entstanden sind und in. denen Spanien nur eine begrenzte Rolle zu einem, bestimmten Zweck spielen würde. Der Sturz der spanischen Bolksfrontregic» rung wäre' vor allem'ein empfindlicher moralischer Schlag für die französische Volksfront gewesen. Ohne di«.Stellung des Kabinetts Blum etwa unmittelbar zu gefährden, hätte er sie doch erschwert, weil" die Volksfrontbewegung in Frankreich! im Frühjahr dieses Jahres ihren.stärksten moralischen Antrieb durch den großen Erfolg der spanischen Volksfront erhalten hat und umgekehrt nun ein ' Meg'Francos und Sanjurjos die französische Rechte um''de la Roque und Pötain ermuntern und gestädtthätte. Am Sturz oder an der ' Schwächung der' französischen Volksfront ist aber zur Zeit. vom Comitö des forgeS und den„200 FamiliöN"'abgesehen, am stärksten Signor M u s- ^sw'lini'interessiert. Seite 2 Mittwoch, 22. Juli 1036 Nr. 16« Eine Rechtsregierung in Spanien, eine halbfaschistische Militärdiktatur, wäre aber auch eine schwere Belastung für England. Die spanische Rechte wär immer italophil. Sie hat heftig gegen die Sanktionspolitik angekänipst und eine spanische-Rechtsregierung hätte niemals das Mittelmeerabkommen unterzeichnet. Nun-ist aber für Englands Mittclineerstellung die Haltung Spaniens von größter Bedeutung. Gibral ar ist bei der heutigen Entwicklung der Flugwaffe .und der Artillerie stark entwertet, wenn sein Hinterland und das auf zehn Kilometer Distanz gegenüberliegende Algeciras nicht in der Hand einer befreundeten Macht, sind. Das spanische Marokko mit dem Hafen Ceuta, aber auch Tarifs auf dem europäischen User sind für die Beherrschung der Meerenge heute ebenso wichtig Ivie Gibraltar selbst. 2m westlichen Mit- tclmeerbecken stellen die Inseln derBalearen- Gruppe eine ausgezeichnete maritime und aeronautische Basis dar, die für die Linie Toulon- Bizerta, also die Straße zwischen Frankreich und seinen nordafrikanischen Kolonien, sehr gefährlich werden oder sie in hohem Grade sichern kann, je nachdem, wer eben die Balearen beherrscht. Bor Jahren schon hat Mussolini sich für diese paradiesischen Inseln interessiert und sie den Spaniern abhandeln wollen. Daß sich im Mittelmeer eine große machtpslitische Auseinandersetzung vorbereitet, kann man nach dem Ausgang des abessinischen Feldzuges nicht mehr bezweifeln. Unklar ist nur, ob England sich mit Italien verständigen oder ob es mit ihm Krieg führen wird. Für beide Fälle versucht jede der beiden Mächte so stark wie möglich zu sein, um bei dem friedlichen oder blutigen Handel die Oberhand zu gewinnen. Vorläufig ist England, mit der Rüstung im Mutterland beschäftigt, im Mittelmeer noch immer auf dem Rückzug. Mussolini sucht beizeiten die würdigen Hände, die Italiens Lebensadern abschneidcn könnten: die englische Herrschaft an den beiden Zufahrtsstraßen zum Mittelmeer, im Suezkanal und bei Gibraltar, abzuschütteln. Daher die Jntrigüen jn. Aeghpten^' daher die ST raber- A u f st ä'ndeitt P a l 8 st i n a, daher vielleicht auch der Militäraufstand in Spanisch-Marokko. Sein Sieg würde Spanien in ein Vorgelände des neuen Imperium Romanum umwandeln, dem Block der faschistischen Mächte ein neues wichtiges Glied einverleiben und außerdem Frankreichs Position zwischen Rhein, Alpen und Pyrenäen verschlechtern, den faschistischen Druck auf das französische Volk verstärken. So wenig sich diese Annahme heute beweise» läßt, so. stark drängt sie sich auf. Wenn S p a- n i e n s Arbeiter den frechen Angriff der Konterrevolution abschlagcn, so werden sie auf jeden Fall der cu r o p ä i s ch e n D e m o k r a- t i e, dem europäischen Frieden einen wich- tigcnDienstgeleistet haben!. Vor 6er Entscheidung: (Fortsetzung von Seite 1.) unterzeichneten Dekret im Namen der Regierung der Räume des monarchistischen Blattes„ABC" bemächtigt und Volksmiliz das Gebäude besetzt habe. Auf Grund eines Regierungserlasse», der durch Rundfunk bekanntgegeben wurde, sind zur Vermeidung einer Panik der Bevölkerung für die Dauer von 48 Stunden in ganz Spanien sämtliche Bank- und Börsengeschäft« verboten worden. Gleichzeitig wurde für sämtliche Zahlungen ein Moratorium erlassen. . In der Madrider Kaserne„La Montana", wo am Montag ein Aufstand gegen die Regierung ausbrach, der aber bald unterdrückt wurde, wurden von" Angehörigen der Regierung in einem Zimmer, di« Leichen von 17 Offizieren aufgefunden. Man ist der.Ansicht,. daß" die Offiziere Selbstmord verübten, als sie zu.der Ueber- zengung kamen, daß der Aufstandsversuch, gescheitert ist..: Meldungen der Aufständischen: Die Aufständischen meldete» Dienstag vormittags, daß sie noch immer Herren von Südspanien sind und daß sie den Marsch n a ch M a d r id antreten. Der Sender in Sevilla hat bekanntgegeben, daß das Hauptquartier der Aufständische« eine allgemeine Mobilmachung sowie die Einsetzung aller Wehrdlenstfähigen in den von den Aufständischen besetzten Provinzen angeordnet hat. Madrid ist noch immer vom Norden und vom Süden bedroht. General Moll» ist bestreit, alle Aufständischeil-Abteilungen im Norden zu konzentrieren und dann gemeinsam nach Madrid zu ziehen. Wie auS Bauonne berichtet wird, haben die Aufständischen am DienStag um 17 Uhr die Stadt San Sebastian(an der französischen Grenze im Golf von BiSeaya) besetzt. Die Aufständischen rücken weiterhin einerseits gegen Bilbao, andererseits gegen die in der Nähe der französischen Grenze gelegene Stadt Neun, welche etwa 20.000 Einwohner zählt, die überwiegend der Bolksfront angehören, vor. Der Zivtlgouverneur der Stadt San Sebastian hat dem Militärgouverneur, einem bekannten Anhänger der Bewegung der Rechten, die Macht übergeben. Er selbst hat sich nach Frankreich begeben. DaS gleiche taten die Zivilgouverneure zweier weiterer nordspanischer Provinzen. Bombardement von Algeciras?, Regierungsschisfe hab« unter dem Kam»! mäudo von Unteroffizieren, die mit der Maust schäft der Regierung treu geblieben sind, Tast»! gerverl assen und fahren nach Spanien» um der Regierung zu helfen. Nach einer Meldung aus Marokko haben die Aufständischen' in Algeciras an der Küste Geschütze und Maschinengewehre postiert. Die Aufständischen erwarten, daß jeden Augenblick die Beschießung seitens der der Regierung treu gebliebenen Kriegsschiffe erfolgen wird. Nach einer Meldung auS Gibraltar hat die Mannschaft deS spanischen Kreuzers„Jaime I" gegen die Offiziere, die sich dem Aufstand an- schlietzen wollten, gemeutert Bei den Kämpfe» wurden der Kapitän, ein weiterer Offizier und siebe» Matrosen getötet und inö Meer geworfen. Das Fahrzeug befindet sich auf dem Wege nach AlgeeiraS. Die„Jaime I" ist ein Kreuzer von 15.000 Tonnen, der 8 zwölfzöllige und 20 vter- zöllige Geschütz^ führte, General Sanjurjo abgestilrxt Wie aus Lissabon gemeldet wird, ist der spanische Generäl S a st j u r jo, der dort jn der Ber« bannung'lebte, auf'dem Rückflug nach Spanten tödlich abgestürzt. Sanjurjo, ein Monarchist, hatte bereits im zweiten Jahr, der Republik einen monarchistischen Militärputsch inszeniert, der aber bald liquidiert werden konnte>' Lebenslänglich für journalistische Indiskretionen Berlin. Der Volksgerichtshof hat durch Urteil vom 21. Juli den 86jährigen Redakteur Walter Schwerdtfeger aus Berlin wegen Landesverrat zu lebenslänglichem Zuchthaus und zu dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt Schwerdtfeger war Redakteur der„Berliner Börsenzeitung". Er hatte, angeblich gegen Entgelt, ausländischen Journalisten einiges weiter- erzählt, was von. den nationalsozialistischen Regierungsstellen in den täglich abgehaltenen Pressekonferenzen den deutschen Redakteuren vertraulich mitgeteilt und. an Weisungen und Ver- böten"bekanntgegeben wurde. Schon.vor Jahresfrist, war durch die ausländische Prelle das Ge- rücht verbreitet worden, daß, Schwerdtfeger. zum Tode verurteilt worden sei. Seine nunmehr erfolgte Verurteilung zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe erregt, durch die'Schärfe des Urtejls viel Aufsehen." Schwerdtfeger ist der Sohn eines Generals. Er war bereits im Juni 1986 verhaftet worden. Haute RUckflug der Sowjetflleger Prag. Dienstag vormittags besuchten die Sowjetflieger den Prager Militärflugplatz. Dort, wurden den Gästen Proben, der Ausbildung, unserer Flieger vorgeführt, hauptsächlich Gruppenflüge leichter BombardierungS-ESkadrillen, worauf Kunstflüge des Leutnants N o v ä k folgten, den General AlkSniS nach Rußland e i n l u d. General AlkSniS ist mit dem Ergebnisse seines Besuches sehr zufrieden und hob' einige Male die große Bedeutung der Freundschaft der Sowjetflieger, und der tschechoslowakischen. Flieger hervor, welche eine große Stütze des Friedens fei. Die Sowjetslieger beabsichtigen,. Mittwoch ihre Rückreise anzutreten. Ole westbShmlschen Porzellanarbeiter fordern MaOnahmen zur Rottung Ihrer Existenz Die katastrophale Entwicklung in der Porzel- lanlndustrie hat die Arbeiter, die diese Situation zu erkennen vermögen, zu einer Kundgebung aus den Plan gerufen. Spontan aus dem Kreise diese: Arbeiter heraus kam der Drang, a u!f. die Straße zu g eh e n, um damit ihrer Forderung an die Regierung stärksten Nachdruck zu Verleihen. Die sozialdemokratische Bezirksorganisation Elbogen trug dem Verlangen dieser Arbeiter Rechnung, indem sie zu einer geordneten D.>- monstrationsversammlung am Elbogener Marktplatz aufrief. Im strömenden Regen zogen am DienStag ihrer mehr als 8000 aus den näheren und weiteren Orten des Bezirkes auf den Marktplatz von Ellbogen. Es wurde eine Kundgebung, die ihren Eindruck auch auf die maßgebenden Stellen nicht verfehlen kann. Unerhört war das Verhalten der Henlein« leute, die in Plakaten die ihnen noch nachlaufenden Arbeiter aufgefordert hatten, der Demonstration.für die Rettung der Porzellanindustrie fernzubleibeu, da sie von den deutschen Sozialdemokraten veranstaltet wurhe. Das Verhällük-der"Firma'H La n h E z i ß e k,. Schlaggenwald und Thodau. die während der Kundgebung für die Porzellanindustrie ihre-Betriebe weitergehen ließ, konnte nur. allgemeine Verwunderung erregen. Unter der Arbeiterschaft herrscht Erbitterung über die Vorgänge gerade in einem Betrieb dieser Firma Und sie machte daraus in der Demonstrationsversammlung auch durchaus keinen Hehl.- Der Wille der Versammlung, in der unter Beifallsstürmen Abgeordneter Genosse d e W i tte und der Vorsitzende des Glas- und Kerämarbeiter- verbandes Genosse Neumann sprachen, würde in einer Entschließung zusammengefaßt, in der vor allem die Verlangen ausgezählt wurden, die an die Regierung zu stellen sind. Am Mittwoch wird sich eine Bertrauensmännerversammlung der frei gewerkschaftlich organisierten Porzellanarbeitec außerdem noch mit Detailsragen hinsichtlich der notwendigen Maßnahmen für die Erhaltung der Porzellanindustrie und damit für die Rettung der Existenz tausender sudetendeutscher Familien- beschäftigen. Einmütig wurde eine Resolutio n angenommen, die folgenden Wortlaut hat: „Die Arbeiter der von der Schließung bedrohten Porzellan-Fabriken deö Bezirkes appellieren an die Regierung, alle zweckdienlichen Mittel in An- Wendung zu bringen, um eine neue Katastrophe von unsere», ohnedies wirtschaftlich schon so furchtbar heimgesuchten Gebiet abzuwenden. Sie nehmen mit Genugtuung die Bemühungen de- BerbandeS der GlaS- und Kerämarbeiier, de« Allgemeinen Ange- stelltenverbandr» und de« Klubs der deutschen so- zialdemokratischen Abgeordneten um die Abwendung dieser neuen Gefahr zur Kenntnis und sie erwarten, daß sich dieser für daS Lebe» vieler tausender Menschen im Bezirke so unerhört wichtige».Angelegenheit-unverzüglich die gesamte Regierung annehme. Bor allem erwarten sie Gegenmaßnahmen-gegen daß Dumping der ausländischen Porzellanindustrie am Balfanmarkt uyd die Ermöglichung,.von Kompensationsgeschäften,'' die-unserer" Porzellanindustrie wiederum einen Absatz in den Agrarstaäten sichern könnte. Ebenso ersuchen sie die Regierung dringend, Maßnahmen gegen eine weitere Jnduftrieverschlep- pung-zu ergreifen. Die stelle» ferner fest, daß es eine unabweisbare Aufgabe de» Staates ist, auch daraus zu sehen, daß von den BetriebSsührungen in einige» Porzel- lanfabriken die außerordentliche wirtschaftliche Situation nicht auch noch zu einem Gewissenszwang gegenüber de» Arbeitern auSgenützt wird. Die ganze sozialistisch organisierte Arbeiterschaft de» Bezirkes Elbogen, die seit viele» Jahren unter dem stärksten Druck der Rot seelisch standgehalten und ollen Lok. (unge» faschistisch organisierter Agitatoren getrotzt hat, die dem demokratischen Staat treu geblieben ist und ihm auch ferner, treu bleiben will—sie erwar. tet auch vom. Staat, daß er. sie in ihrer schweren heutigen Läge' verteidige." .»2... Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grötzsch Copyright by Buffen Prager-Verlaß’, Bratislava« Schweigend süß Laska neben ihr, rauchte, blieb mit den Blicken immer wieder in ihrem Haar hängen, griff in die Tasche, zog ein. Meffer-zutage, hielt es. ihr stumm hin. Nach einer Weile: „ES glänzt so neu wie damals!" Und als sie die Klingen untersuchte, lächelte er und, sagte: „Kennst du es noch?" Sie verstand nicht ganz, gab es zurück:„Ein schönes Messer,..." Er sah sich um, reichte ihr eine Zigarette, gab. Feuer und feine Augen liefen überall herum, denn es war unerhört,. daß der. Mann also das Weib bediente... Er blickte ihr voll ins Gesicht:„Sechs Sommer habe ich auf dich gewartet!" Eva zuckte zum Sitzen enipor, ließ sich die Worte.noch einmal sagen.„Auf mich— geivartet?" Er nickte und sog lange an der Zigarette.„Sechs Sommer, seit ich dich in Skydra sah."- Wieder frug Eva und hcrchte mit staunendem Gesicht in dieses Wortgemisch,»Ich? Jn Skodra?" Sie sah ihn lange an; was war das für ein merkwürdiger Irrtum!»In Skodra? War ich vor fünf Tagen das erstemal... sonst nie!" Leichte Röte'lies ihr die Schläfen empor. Er hielt ihren Blick aus,, bis sie lvegsah. In seinem Gesicht leuchtete unerschütterliche Freude und Gewißheit. Das. war sie; so hatte er sich das blonde Mädchen gedacht. Keine Frau gibt zu, daß sie dem Manne nachläuft. So mutzte. es sein, Wenn Prenni, seine Versprochene,-mit ihrer Mutter einmal vorüberkam, dann immer wegen Klais oder Schafen, oder einem Weg nach.Skodra -— nie seinetwegen. Ganz so nebenbei sprachen dann auch Prenni und Lafka miteinander, weil man gerade vockeiging. Po, das muhte wohl so sein, und man durfte es der Frau nicht merken lassen, was man glaubte, sonst muhte sie den Blick senken. Aber diese Weiße, für die Laska kein Alter und keine Vergleiche hatte, weil er weiße Gesichter nicht kannte, und die ihm wie ein Kind erschien, mit ihrem Hellen, leicht gebräunten Gesicht, den schmalen Händen und kleinen Ohren, kaum zu sehen im leichten Haargelock— dieses weiße Mädchen senkte den Blick nicht, sondern heftete ihn auf Laska und wiederholte langsam: „Nie sonst war ich in Skodra... Wegen dem kam ich ✓.." Bog sich zur Seite, griff zum Leinensack, zog ihn glücklich an ihre Seite, lieh einige .Steine herausrollen.„Wegen dem!" Er nickte mit unbewegtem Gesicht: Schon gut, schon gut-.Ratlos schaute Eva geradeaus. Niemand in diesen Bergen wollte verstehen,, daß eine Europäerin bunter Steine wegen bi» zur Erschöpfung durch, die. heiße Prokletija. marschierte. Vom Hause her zog der Geruch von gedünstetem Paprikareis. Die'Mutter kam über die Matte; und Cva ging in leichten Strohschuhen mit hinüber in die Erdstube. Gern, gar zu gern hätte sie. einige Konserven auSgepäckt, aber das durste, heute noch nicht sein, heute mußte sie dem Brauch gehorchen, ' Halbdunkel war der Raum, ohne Dielen, kleines Fenster in einer Wand, frisch gefegt der blanke Erdboden. Kleine Ferkel rannten quiekend davon. Ueber der Feuerstelle glommen noch einige Holzscheite. Darüber, an der Wand, einiges Geschirr. In einer Ecke,, den kühlen Boden genietzend, lag Tyr, ein halbgroßer, dunkelhaariger Hund. Auf niedrigen Hockern saßen Laska, der Oheim, Eva und die Mutter, saßen um einen niedrigen.Tisch, an. den Kanten gekerbt, darauf der landesübliche, mit Wasser' verdünnte Aoghurt, in dem-die Käsekliimpchen schwammen! gedünsteter Reis mit Rührei, scharfe Meze als Nachgericht.- Fliegen schwirrten.. um die Speisen, dumpfe Wärme drückte daS Halbdunkel des Rau mes. Laska schaut viel zur. Tür hin, weil fick seine Augen sonst immer wieder im Gesicht der weißen Frau verfingen, scheuchte die Hühner, die um den Tisch herumpickten. Die drei Sckoli aßen au» einer Schüssel, nur Eva hatte ihren Teller für sich— Kato, die Mutter, wußte etwas, von den Sitten im Lande der zarten Frauen. Schweigsam, mit gesenkten Lidern, löffelte der Oheim seinen Aoghurt. Er aß nur wenig, griff zum Maiskolben, körnte weiter, sagte leise zu Laska:„Musli hat gerufen. Bor- Sonnenuntergang ist sein Vater hier"— und wandte sich ab. Laska stutzte, leicht, dann kaute er weiter. Was gab's da. zu reden? Die Hochzeit sollte gerichtet werden, nach der Maisernte. Er schob die Kappe trotzig vornüber. Hatte er die Sache seit dem Frühjahr verschoben, konnte«S.auch noch einmal sein! Mochte Prenni» Vater kommest,.-’,>- Den türkischen Kaffee trank Eva im Schatten de» Feigenbaumes; hier säuselte hin und wieder ein. bescheidener.Windhauch...Dann legte-sie sich lang auf-die Farremdie Lider sanken- ihr' über die Augen.. Schlafen; schlafen, einige Tage, Wochen.-.. Mochte-die Welt inzwischen weiterlaufen, wie sie wollte«.. War, ja-schon.gleiche-wohin diese wahnsinnige Kugel'rollte..... Hier.wußte man wenig davon. Hier war Europa zu Ende, Gott sei Dank.... Wohlig-spürte sie, wie ihr die leisen Hände der Mutter ein Kissen unter den Kopf schoben.. Und saß dort am Wiesenrand nicht Last»?-— Dunkel sank, um sie.'.-: . Die Sonne zog über zackige Grate, wurde matter. Dämmerung legte Schleier um die.Bexge, als Eva einmal erwachte^ Sie hörte Stimmest hinter sich, murmelnd und wie durch TraumstÄdli Maltsoren und ihre,Frauen,- die-von der Weißen Fraü gehört, hattest. Beim-Hause.« standen- die Männer in buntarmer Tracht und. schauten von dort nach dem merkwürdigen WesöNi. da» sich hierher verirrte.,Sie, richtete sichyhqlb auf-ustd hätte, die Mutter. Ins Haus sollte fie kommest,» Nacht Würde bald sein, im Hause schlafest. Frauen hock ten ring» im Kreise. Eva schüttelte- den Kopf. Nein, nein, nicht im Hause. Sie deutete zu der luftigen Hütte neben dem Feigenbaum, der Hütte aus. Flechtwerk. Man trug Decken dort- hinein. Taumelnd, ging Eva in den runden Raum. Äpn oben her strich frische Luft durch die Luken..-. Dann sank, sie, hintenüber...- ' Laska stand bei den Mästnern. Einer ragte hoch über alle hinweg: Boli Mihai,-das Gewehr auf dem Rücken; bei anderen hingen Revolverknaufe aus den Gürteln. Man war gerade vorbeigegangen, da wollte mast, so im Vorbeigehen, guten Tag sagen..-.In LaskaS junger'Stirn stand eine Falte.- Was soll ich Mihal sagen?— dachte er. Man wird das Haus erst aufstocken,' wenn der Winter vorbei war, eine kleine' Kula sollte es werden, ein Trutzhaus, in das nicht jeder hineistschietzen konnte, wenn er wollte; vorher §gab'S keine Hochzeit... Jawohl, das würde--nm» sagen. Die Männer stapften wieder davon. Eh. war nicht güt, im Abend herumzulaufen. Feinde hatten in diesen Mondnächten eist gutes Ziel*... Nur einer blieb: Boli Mihal. Der Oheim lud thst in die Stube. Boli hing daS Gewehr an die. Waich. Tür und Fenster wurden geschlossen. Am Herd flammte ein Span und warf' einen schwachen Schein. Die Drei hockten um den niedrigen Mch. Laska reichte dem Gast die Mastixflasche. Zweimal ging sie. herum. Boli wiegte seinen, mächtigen Oberkörper eistigemäle hist und her,' dsth feiste länge Halskette klapperte. Die offene Mhli» sorenjacke ließ den Kettenschmuck ästf der Brüst sehest. Über der roten Leibbinde saß ein Pätro» nengürtel. Laska hatte, die Jettnka, die gestickte Weste, übergeworfen.- Bolt öffnete seinen' Tabaksbeutel für alle drei. Der. gute-goldste' Tabak des albanischem Flachlandes schimmerte- hörpor, nicht der billige grtine der Prokletijm Man sah schon daran-,-da» BolisHaus und Herden'güt iststand waren.; wä'Trvjjjl? ^Fortsetzung folgt.),' Mittwoch, 22. Juli 1036 Str. ldO Seit«» fudetcndeu Mer Xeitspiegcf Genosse Taub spricht Die Zersetzung der SdP Parteivorsitzenden Genossen Dr. Czech und an den Altpräsidentc» M a s a r y k. Nach der Kundgebung formierte sich ein D e m o n st r a t i o n s- z u g mit etwa 2500 Teilnehmer» zum?(tu3» Platz, wo an einer künstlerischen Feier an 8000 Menschen teilnahmen. Mordversuch an einem Finanz* wach-Aufeeher Dienstag früh wurden vier Männer in daS Bezirksgericht von Hohenfyrth eingeliefert, bic' «vvginvuniuji vun.vvijviquuij VHlH«ivj c n, JUL OlUlfUl. UJIU HUK lUlUCl.lt. lll VIVJCL'»UU/L unter dem Verdachte des Vers achte»Mor-^.Gemaßregelten stattgefunden. ES wurde ein Auf- ^'7.'..7^'!! 7. ES handelt sich\ ruf erlassen, in dem festgestellt wird, daß eS h e i- die Frau des Genossen Reimer mit leichteren Verletzungen davon kam. Die Vorletzten wurden in das Spital in Savona gebracht und der Leichnam des Genossen Dr. Reimer ins Krematorium von Savona überführt. Nach Abschluß seiner Studien war Genosse Dr. Reimer einige Jahre hindurch als Aczt)im Karlsbader Krankenhaus tätig. Im Bahre 1026 trat er in den Dienst der Karlsbader Bezirks» krankenversicherungsanstalt, den er dieses Jahrzehnt hindurch in vorbildlicher Weise versah. Der sozialistischen Bewegung hing er mit heißer Liebe an. Längere Feit hindurch war" er Mitglied der Gemeindevertretung sn Drahowitz. Immer-und überall war er am Platze, wo die Partei Männer brauchte, wie ep einer war. Der Tod des Genossen Dr, Reimer bedeutet für die Krankenversicherungsanstalt In Karlsbad und für unsere Partei einen außerordentlich schweren Verlust. Auch Trautenau gegen Henlein Auch In Trautenau, der Heimat Rudolf Kaspers, hat am Samstag«Ine Bertrauenskund- gebung für Kasper und alle andern in dieser Sache lupgen zu liquidieren. Jeder sehe klar und deutlich den Fehler, den Henlein beging. Die Massen wollen ihm trotzdem die Gefolgschaft nicht auskündigen, wenn er diesen Fehler durch die oben erwähnten Maßnahmen toieder gutmacht. Sollte bis Ende Juli in dieser Richtung nichts geschehen,_so wird die Parole ausgegeben, daß sich > zusammenschließen und die^MtgliedSbeiträge d e's verhaftet worden waren. DWWgWWWWWWWDWWWWWWWWMW|W um die Arbeiter der Kienberger Papierfabrik Kari i ligc PfIich t K o n'r a d H e n l e i n S P o I s e r, Franz Brejtscho f, Karl Ortner gewesen wäre, aus dem klaren und eindeutigen und,Anton Fischer. Sie gestanden, am Mo»» Spruch des EhrcnschiedSgerichteS. die Konsequen- tag früh in der Grenzzone den FInanzwach-Auf- zen zu ziehen, Rudolf Kasper wieder in die seher Johann Bilh aus Vorder-Heuraffl, der sie Hauptleitung zurückzurufen und alle Maßrege- perlustrieren wollte, Werfällen, entwaffnet, zu Boden gestoßen und mit einem Gewehrkolben Mißhandelt zu haben. Auch versetzten sie ihm einen Messerstich in den Rücken. Eine Patrouille der Finanzwache konnte Bilh befreien und einen der Angreifer festnehmen; dann wurden auch die übrigen Tater festgenommen. Die Tat wollen sie t aus Rache wegen des strengen Vorgehens der Fi- in allen Ortsgruppen die oppositionellen Kreise nanzwache an der Grenze verübt haben, i i' Oie Mutterschulung der Deutschen Jugendfürsorge Die Mutterschulung der Deutschen Jugendfürsorge beginnt im Herbst dieses Jahres. Es werden folgende Stoffgebiete behandelt Iverdcn: Mutter und Kind— die Grundlagen unserer Volkscrhaltung, Bevölkerungspolitik, Erbsragcn, Pflege und Wartung der Säuglings und des Kleinlindes, Ernährnngsfragen, Erziehung, Winke für die Schwangere, Krankheiten und Krankenpflege bei Kindern und Erwachsenen, Haushaltungsfragen, Gemeinschaft und Jugendfürsorge, praktische Unterweisungen in der Selbstanserti- gung billiger Spielsachen, Anleitungen zur Selbstherstellung von Kinderkleidern und-Wäsche. Es ist ein umfassendes Wissensgebiet, das allen lcrnfrohen und kinderlieben Frauen und Mädchen vermittelt werden soll. Es vergrößert sich noch dadurch, daß die leitende Fürsorge- schlvcstcr stets einige Tage im Vortragsortc verbleibt, so daß jeder Frau die Möglichkeit gegeben ist, persönliche Fühlung zu nehmen und Auskunft über jede besondere Frage, die sie beschäftigt, zu erhalten. In den prakiischcn Hebungen.außerdem ergibt sich noch Vielsache Anregung, hier Ivird alles das im Einzelnen und Praktischen behandelt, was in den Vorträgen besprochen wurde. Urlaubsfahrt In den Tod Genosse Dr. Reimer bei einem Autounfall tödlich verunglückt Direktor Ricker schwer verletzt - Der Direktor der Karlsbader Bezirkskran kenversicherungsanstalt, Genosse Ricker, befand sich seit etwa 14 Tagen mit dem Chefarzt der Anstalt, Genossen Dr. Reimer, auf einer Ur- laubsreise mit ihren Gattinnen. Auf der Rück reise wollte Genosse Reimer seinen Bruder be suche«, der in Genua in Stellung ist. Auf der Fahrt dahin ereignete sich bei Savona. Pas Un glück. Aus einem noch nicht festgestellton Anlaß geriet das Auto, in dem sich Genpsse Ricker, Ge nösse Dr. Reimer und die beiden Frauen befan den, ins Schleudern und. stürzt« Uber eine Bö schung hinab. Die Folgen'waren furchtbar! Rei mer erlitt'Kopfverletzungen', die sofort seinen Tod herbeiführten. Ricker wurde ebenfalls schwer ver- letzt. Es wurden ihm mehrere Rippen gebrochen und außerdem trug er eine Verletzung im Auge (oder an beiden Augen) davon.' Die Frau des Genossen Ricker' erlitt einen Beinbruch, während Ein« Betriebsrinstellung— ein« Wiederaufnahme. In Mähr.-Sternberg hat die Tcxtilflrma Gröger& Mikiilaschek ihren Betrieb auf die Dauer von sechs Wochen eingestellt. 10 Arbeiter werden mit ihren Familien der Erwerbs- losigkcit Kralik& seinerzeit einstellen nommen. Deutsch-tschechischer Sprachkurs für Lehrer. Der Deutsche Lehrerbund und der Verband der tschechoslowakischen Lehrer veranstalten vom 8. bis 2ft. August einen deutsch-tschechischen Sprachkurs für Lehrpersonen inGroß-Meseritsch. Der Kurs bereitet für die Lehrbefähigungsprüfung vor lind ermöglicht neben gesellschaftlichen Veranstaltungen pädagogische Aussprachen in tschechischer und deutscher Sprache. Anmeldungen sind noch möglich u>id zu richten an den Deutschen Lchrerbund, Reichcnbcrg, i Schützenstraße 7. Sechs SdP-Funktlonäre In Neudek verhaftet Wegen Teilnahme an einem Menschenraub in der Rächt von Montag aus Dienstag nahm die Gendarmerie in Reudeb Hausdurchsuchungen und Verhaftungen vor, die großes Aufsehen erregten, da eS sich durchwegs um maßgebende Funktionäre der SdP Konrad Henleins handelte,^estgenom» men wurde der Dezirksleiter und Ab- geordneten-Kandidat Franz Renner, ferner die BezirkSleitungs- oder Orts. leitungSmitglieder Franz Poppen, b e r g e r, dessen Gattin Sieglinde Poppenberger, Alois Eckert, Karl Meinl und Otto Schwager. Die Verhaftung erfolgte auf Grund des Paragraphen il, des republikanischen SchuhgeseheS. Vor einiger Feit kam ein Angehöriger der österreichischen Legion in Deutschland nach Neu- dek nnd erkundigte sich nach der Kanzlei der SdP. Er wurde dann dort um eine Unterstützung chorsteilig, die er auch bekam. Die Nendcker SdP-Funktionäre fuhren mit dem Ocstcrreichcr an die sächsische Grenze und sollen ihn dort der G e st a p o übergeben haben. Einzelheiten wird man jedoch erst erfahren können, bis die Erhebungen abgeschlossen sind. Vermutlich dürste diese Begebenheit etwas mit den Rcudcker Verhaftungen zu tun haben. Im Zusammenhang mit dieser Monschenschmuggler-Asfäre soll auch in M a r i c n b a d eine Verhaftung erfolgt sein, doch konnten wir darüber bis zur Stunde nichts Näheres erfahren. Die sechs Verhafteten wurden gestern nachmittags dem KrciS- gericht in Eger überstellt. „Konrad Henlein Ist fertig“ Die„Bräzda", die Zeitschrift der tschechischen Jüngagrarier, schreibt In ihrer letzten Nummer: ■„Konrad Henlein Ist fertig und er hat kein« Hoffnung mehr, auf Selten der jungen Ischecho- fkowakislhen Generation ein» zu irgendeiner Zusammenarbeit' bereite Hand zu finden, weil diese junge tschechosiowakische Generation keinen Respekt vor einem politischen Führer mit einer doppelten Moral haben kann Dieser Weg führt nicht z» einer besseren Zukunft des Volkes. Dieser Weg ist schlechter als der, den d'e alte politische Generation gegangen Ist, gegen die der Turner Henlein mit dem Wahlspruch der sittlichen Reinigung in den Kampf zog" Also eine Absage, deren Rundheit und entschieden endgültiger Ton nichts zu tvünschen übrig lassen I Tetschener Amtswalter , drohen mit Rücktritt Für Greger, gegen Henlein In einer Bodenbacher Sitzung des Bezirks» StändcrateS der SdP-Arbeitcr im Bezirk Tctschen kritisierten alle anwesenden Arbeitervertretcr scharf daS Verhalten der Hauptleitung sowie Konrad HenleinS zur Entscheidung des von diesem selbst angesehten Ehrengerichtes. Alle Anwesend>n brachten spontan zum Ausdruck, daß solche Leute, welche nur störend In der Volksgemeinschaft auftreten, abtreten sollen. Und wenn Konrad Henlein noch weiter diesem volkszersetzenden und der Wählerschaft widersprechenden Treiben deS KB. tatenlos zuschaut, ja sogar mit seinem Namen deckt, wird eS nicht mehr lange dauern, nnd daS Vertrauen zum Führer wird auf daS schwerste erschüt. tert sein. Dio versammelten Bezirksstandesvertr-- ter faßten den einstimmigen Beschluß, dem Senator Prof. Greger daS Vertrauen in einem Schreiben zum Ausdruck zu bringen, in dem cs u. a. heißt: Die Arbeiterschaft der Bezirkes Tetsche» spricht Ihnen für Ihr mannhafter Verhalten im Falle Kasper-Brand dar vollste Vertrauen aus und, ersucht Sie, dar Mandat als Senator bei- .znbehalten, denn solche aufrechte und ehrenhafte Männer wird da» sudetcndcutsche Volk im Kanipfe um sein Recht noch brauchen. Dann brachte Bezirksstandesvertreter Klein zum Ausdruck, daß die eventuelle Massregelung eines Kameraden den sofortigen Rücktrit sämtlicher AmtSwalter der Arbeiterschaft im Bezirke Tetschen zur Folge hätte. Auch steht die Arbeiterschaft geschlossen hinter ihrer Bezirksleitung. Musik die„Internationale" und er folgte der packendste Teil der auf künstlerischer Höhe stehenden sozialistischen Abendfeier. DaS von Trotz und Wucht getragene Sprechchorwerk„Greift an, Genossen"! ein Szenenbild, dargestellt von SJ, Atus, DTJ und Parteigenossen, in wesöhejn kämpfende Arbeiter und Arbeite« . rinnen'an..den.. Ketten des Unrechts, welches aus• der kapttälistifchen Gesellschaftsordnung entsteht, rütteln. Zum symbolischen Zeichen der internationalen Verbrüderung tritt ein DTJ-Genosse zum Hauptsprccher hin, reicht ihm die Hand und sagt: Genossel Ich bin Prolet— du bist Prolet— Der Kampf der klassenbewußten, sudetendeutschen Arbeiter ist ein wichtiger Teil deS Kampfes deS ganzen Proletariats in unserer Republik! Also— euer Kampf ist unser Kampf! Millionen tschechischer Arbeiter bewundern euren Kampf für Freiheit und Demokratie in unserer Republik! Ich bringe brüderliche Grüße und unseren Schwur: Treue um Treue! ' Der Kampf geht weiter, Schulter an Schulter! Und wir werden siegen, weil wir siegen Wollen!' Am Schluß wurde das schöne Lied„Brüder zur Sonne, zur Freiheit" gesungen und mit neuer Begeisterung erfüllt formierten sich alle und zogen bei Musik und Gesang zum BolkShauS zurück. Am Sonntag vormittags erfolgte der Aufmarsch zur . politischen Kundgebung, an welcher über 8000 Menschen, teilnahmen. Nach der Einleitung durch Arbeitersänger und durch die Staatshhmne sprach Kreissekretär Genosse Franz Treml, der diesen Aufmarsch als die erste geschlossene Kundgebung des Kreis- gebietes feit vielen Jahren, bezeichnete. Als nach oben nicht abführcn sollen. Desgleichen sollen dann opposiiioncllc Bezirks- und Kreisräte gebildet werden. Die es satt haben .Der Notariatskandidat Dr. S ü ß hat dies:« Tage als Bezirksvertreter des Bezirkes Warnsdorf der Sudctendeuischen Partei sein M a n- dat niedergelegt und dem Vernehme» nach auch seinen Austritt aus der SdP vollzogen. Spann macht SpSne Wie die„Bohcmia" meldet, hat Prof. Dr. .G.Vgep,,«inen Pries, des Wiener Stgatsrechtlers -Pyasi^Othmar-Spann,.erhalten,- worin dieser..sei, »er E n t r ü st u n g Uber das Urteil d.S Ehrengerichtes Ausdruck gibt und mit- tellt, daß er einen Offenen Brief gegen den Spruch veröffentlichen wolle. Den gleichlautenden Brief soll Othmar Spann auch ai andere Mitglieder des Ehrengerichtes gesandt haben. Prof. Spann soll von den Ehrenrichtern ersucht worden sein, ihnen eilte Abschrift des Offenen Briefes einzusenden, damit sie dazu Stellung nehmen können. überantlvoriet. Die Glasfabrik W. Sohn in E l e o n o r en h a i n, die ihren Betrieb wegen Auftragsmangels mußte, hat die Arbeit wieder ausge- Eln Blatt der Opposition Friedrich K o p a t s ch e k, der sich schon seit langem um eine Zusammenfassung der oppositionellen SdP-Arbeiter bemüht, gibt jetzt bereits als Organ eitler„Sudetendeutschcn Arbeiterpartei" in Böhm.-Leipa eine Wochenschrift„D i e Opposition" heraus. Als Herausgeber zeichnet Kopatschek selbst, als verantwortlicher Kreistag der Arbeit in Landskron Eine machtvolle Kundgebung der Sozialdemokratie Treml dann den Genossen Taub begrüßte, setzte kangandauernder Applaus ein. Ebenso lvurde der tschechische sozialdemokratische Abgeordnete Genosse L a u S in a n n aus Pardubitz und unser Genosse Abgeordneter Genosse M a c o u n von den Massen lebhaft begrüßt. Als erster Redner sprach sodann, stürmisch begrüßt und immer wieder von großem Beifall unterbrochen, Genosse Taub, der die Grüße der Gesamtpartei überbrachte und den Landskroncrn für ihre vorbildlickie Parteitreue dankte. Genosse Taub richtete auch einige Worte in tschechischer Sprache an die tschechischen Genossen und widmete dann seine Rede dem faschistischen Kciegstrcibcn. Zum Schluß erklärte Taub, daß unsere unverbrüchliche Treue le:n Lippenbekenntnis ist,.sondern.jederzeit des Beweises fähig ist. Es. spräche» daün noch, gleichfalls stürmisch begrüßt, Abgeordneter Genosse M a c o u n und der tschechische Senator Genosse EaSny aus Olmütz. Tic Kundgebung beschloß einstimmig und unter großer Zustimmung Telegramme an den Präsidenten Dr. Benes, an Minister Di« Organisation unserer Partei im Gebiete' von LandSkron-Grullch rief die Arbeiterschaft auf, am 18. und 19. Juli nach Landskron zu kommen, um für die soziale Demokratie, für die Republik, für die Erhaltung deS Friedens und gegen den Faschismus zu demonstrieren. Der„Kreistag der Arbeit" war von herr lichem Wetter begünstigt. Schon Samstag nach mittag strömten viele auStvärtige Gäste herbei. Cingcleitet wurde der SamSlag-Abcnd mit einem Denionstratlonszug. An der Spitze mar schierte Republikanische Wehr, hieraus die Gruli- cher Arbeiterkapelle, die sozialistische Jugend, die tschechischen Genossen und G«nossinncn von der DTJ, die Falke» und eine große Zahl von Partei genossen und Genossinnen. Dec Zug faßte"nicht viel weniger als 1000 Menschen. Auf dem durch 1 den Schein von Restektoren hell erleuchteten Stadtplatz fand eine Abendseier statt. Zu- . nächst lvurde die Staatshymne intoniert und die' Staatsflagge aufgezogen. Dann begrüßte Kreis vertrauensmann Genosse Adolf S ch m i e d' die Versammelten— 1800 Mensche»— und erklärte unter großem Beifall,, daß diese Kundgebung der beste' Zeuge dafür sei, daß das Gerede von der ster benden Sozialdemokratie nur Phrase ist. Al» er seine beherzte Ansprache mit der erhobenen Faust i und dem Freiheitsgruß beendigte, widerhallte ein Orkan von Freiheitsrusen die Versammlung. Hier auf hieß Landesvertreter und Vizebürgermeister Genosse I l I n e r die auswärtigen Gäste seitens der Siadtvertretung und des Stadtrates In den Mauern Landskrons willkommen. Weiter bestieg noch der Leiter der Bezirksbehörde Rat Dr. Brodsky die Tribüne, der zunächst in tschechischer und dann in deutscher Sprache den sozialdemokratischen Organisationen Anerkennung zollte. Die Landskroner Arbeitersänger sangen die '„Hymne an die Freiheit". ES folgte wieder Mu sik, SJ aus Landskron uüd Mähr-Trübau sühr- ten schöne Volkstänze auf. Nun intonierte die\ Schriftleiter Otto Kr! esch e. Gedruckt wird da» ............ Blatt in Haida. Die Absicht geht aus dem Elnlei- tungsanssatz KopatschekS hervor:„I e tz t s ch l a- gen wir zu, Herr Henlein!" ,.... Leite 4 Mittwoch, 22. Juli 1936 Nr. ISS.. Das Gesicht Europas „Im römischen Kabinett ist in diesen Tagen beschlossen worden, Gasmasken für die gesamte Zivilbevölkerung Italiens anzuschaffen. Die Geldmittel dafür sind bereits bewilligt worden." „Eorricre della Terra", Mailand. * „Aus Dunkerque(Dünkirchen) wird gemeldet, daß zwischen IS und 21 Uhr die Polizisten der Stadtpolizei das Stadthaus von Dunkerque besetzt hielten. Sie wurden vom stellvertretenden Bürgermeister empfangen und teilten ihm ihre Forderungen mit, die sich auf die strenge Einhaltung der Dienstzeit und auf die Sicherung eines Avancements beziehen. Die Polizisten drohten, daß sie zurückkchrcn würden, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden sollten." Agentur„HavaS", Paris. „A propos„apart": Es gibt schon wieder russisches.— echt russisches— Parfüm hier in Karlsbad. Gaston Bidie, der Pariser Parfünieur, hat sein Werk in der USSR wieder ausgenommen und bei Dittrich habe ich sogar die Zoll- bolettcn mit dem Sowjetstern gesehen.. Dieser Kommunismus wird mir immer sympathischer." „Prager Montagsblatt", » .„Plötzlich stürzte Schmcling noch einmal in sein brennendes Landhaus. Bange Minuten vergingen. Dann erscheint er wieder, im Arm eine Büste des Führers und Reichskanzlers, die ihm dieser geschenkt Hatto und die er aus den Flammen unter Lebensgefahr gerettet hat." „8-IIHr-Abendblatt", Berlin. „In dem vor dem Frankfurter Sondergericht durchgesührtcn Prozeß gegen Reisende einer Berliner Firma, die Hitlcr-Büsten vor- treibt, erhielt einer der Angeklagten wegen fortgesetzten Betruges und Verstoßes gegen das Heimtückcgcsetz zwei Jahre und eine Woche Zuchthaus, ein anderer anderthalb Jahre Gefängnis." „Deutscher Nachrichten-Büro", Berlin. „Die Direktion der österreichischen Bundes- bahnen hat vor einiger Zeit den untergeordneten Stellen den Auftrag erteilt, bei der Erneuerung von Bahnhofousschriften nur die(deutsche) Frakturschrist zu verwenden." „Prager Presse". Wallfahrer im Autobus verunglückt. Montag in der siebenten Morgenstunde ereignete sich un- weit von L u d i tz bei der Ortschaft Lindles ein schworer AutobnSunfall. Ein aus Schönhof"bei Podersam stammender Autobus mit 15 Wallfahrern, größtenteils Frauen, befand sich auf der Fahrt zur Wallfahrtskirche Mariastock, in welcher anläßlich der 200jährigen Gründungsfeier Abt Helmer von» Stift« Tepl einen Festgottesdienst hielt. Der Autobus kam aus einer Höhe zum Stehen und setzte sich plötzlich bergabwärts in Bewegung. Das Gefährt überschlug sich und stürzte eine Böschung von zwei Meter Tiefe hinab. Der Wagen Ivurdc zertrümmert. Bon den Insassen wurden 11 Personen, zumeist Frauen, verletzt. Die Verletzungen sind jedoch nicht lebensgefährlicher Art. Die Harrachbaude ein Raub der Flammen. AnS bisher unbekannter Ursache brach Dienstag nachts in der Harrachbaude des Klubs tschecho- slotvakischer Touristen auf dein Heidelberg im Rie- sengebirgc ein Brand aus, der die Baude fast vollkommen einäschertc.'Der erhebliche Schaden Ist nur zu einem geringen Teil durch Versicherung gedeckt. Die Brandursache wird untersucht. I» einer Reisighütte verbrannt. In der Nacht auf Sonntag schliefen in einer primitiven, "aus Reisig verfertigten Hütte unweit der Gemeinde Vrchovina Bysträ im Bezirke Velkh Be- reznh drei Männer, die sämtlich aus dieser Gemeinde stanunen und auf beit Höhenwiesen Heu schnitten. Ein vor der Hütte entfachtes Feuer griff auf das trockene Reisig der Hütte über. Von den drei Männern wurde der 30jährige Fodor Spläk durch Brandwunden leicht, sein 27jäh- riger Bruder Jura so schwer verletzt, daß er bald darauf seinen Brandwunden erlag. Der dritte, Ivan Vojnar, verbrannte in der Rcisighiitte. Die beiden Verunglückten waren verheiratet und hinterließen einige Kinder. Sechsundsechzig Gehöfte verbrannt. Eine Ortschaft unweit Lublins wurde durch ein Groß- seuer vollständig in Asche gelegt. Insgesamt sind 66 Bauerngehöfte mit dem gesamten toten und lebenden Inventar verbrannt. Abgestürzte Flugzeuge. Bei Reims ist. ein französisches Militärflugzeug abgestürzt, wobei die beiden Piloten getötet wurden.— In der Gegend von Mailand stürzte ein Flugzeug vom Flugplatz , Bresson ah. Zwei Piloten kamen hiebei ums Leben. Fortschritt der Mordtechnik Boi den diesjährigen Sommermanövern in de n italienischen Alpen wurde auch dieser neue Bombeniverser erprobt, der kleine Bomben 800 Meter weit schleudert. Theater, Kino, eiüe Bibliothek, selbstverständlich Sckiwimmbad, Turnsäle und ähnlicher. Das grundsätzlich neu« bei diesem Hospital ist, daß es Medikamente, Verbandszeug und ähnlicher■ im Selbstbetrieb herstellt. Die Anlage beherbergt auch eine pharmazeutische Fabrik. Die Medikamente werden den zahlungsunfähigen Kranken angeblich kostenlos zur Verfügung gestellt. Der standhafte Bräutigam. Ein gewisser John Schiffer stand vor dem Gericht In Edinburgh. Sein« frühere Braut hatte Klage gegen ihn erhoben. Schon vor fünf Jahren hatte sie die Verlobung aufgelöst, aber Helt damals verfolgte sie John Schiffer auf Schritt und Tritt. Ec mietete sich«in Zimmer im gleichen Hause, lauert« ihr auf der Straße auf und wich nicht von ihrem Schatten. Als die Eltern des Mädchen? auszogen, folgte auch Schiffer und alles blieb beim alten. Nie richtete er ein Wort an sie, und keine Bitten konnten fein Benehmen ändern. Schiffer ist sonst völlig normal, aber ein gerichtsärztliches Urteil erklärt, daß er unter der Zwangsidee leide, fein« frühere Braut verfolgen zu müssest. Das Gericht beschloß, ihn auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Mörderischer Hitzekoller. In dem Orte Verbäsz bei Baja(Ungarn) kam es infolge der großen Hitze zu einer Tragödie. Der reiche Bauer CiricS wurde vor Hitze wahnsinnig, zertrümmerte sämtliches Mobilar seiner Wohnung, ergriff sodann ein großes Küchenmesser und tötete damit acht Stück seines Viehs. Sodann stürzte er sich auf seine Frau und seinen Nachbarn, die er beide tödlich verletzte. Schließlich rannte er mit dem Messer durch das ganze Dorf und stach jeden, dem er begegnete, Ivobei er einige Personen schlver und andere leicht verwundete. Erst dann gelang cs hcrbcigceilten Gendarmen, den Wahnsinnigen zu bezwingen. Noch immer Kinderehen in Indien. Trotz energischer Propagande gegen die Unsitte der Kinderchen finden diese in ganz Indien noch immer statt. Eben erst hat ein Fall, der berechtigtes Aufsehen erregt hat, dies wieder bewiesen. Dieser Fall ist allerdings glimpflich abgcgangen. Ein 15jähriges Mädchen tvurdc von ihrem Vater zur Ehe mit einem angeblich 40jährigen Mann gezwungen,.den das Mädchen noch nie gesehen hatte. Am Tage der Hochzeit stellt sich als Bräutigam ein LOjährigec zahnloser Greis vor. Es ereignete sich der für indische Verhältnisse unerhörte Fall, daß das Mädchen den Mut besaß, sich während der Trauzeremonie zu weigern. Die Familie war sehr angesehen und wollte unter allen Umständen den Skandal vermeiden. Man sagte also deni Greis ab. Aber nun fordert cs die Sitte, daß das Mädchen noch am gleichen Tage und In der gleichen Zeremonie einem anderen Mann angetraut wird. Eine Reihe von Gästen begab sich nun auf die Suche Nach einem Ersatzbräutigäm, Man brachte Landstreicher und Bettler herbei, aber keinen von ihnen wollte das Mädchen zum Mann nehmen. Endlich fand man einen 14jährigen Schüler, der auf dem Nachhause» Wege aus der Landstraße eingeschlasen war. Er gefiel dem Mädchen auf Anhieb und sagte auch seinerseits schlaftrunken und offenbar ohne viel zu wissen, worum cS sich handelt, zu. Und die Hochzeit wurde mit allem Prunk gefeiert. Die Ehre der Dörfer Djerekar und Nabof. Ein für europäische Vcrhälinisse ungewöhnlicher, für Südserbien aber fast typischer Prozeß ist dar dem Krcisgericht von Kos.-Mitrovica zur Entscheidung gelangt. 45 Bauern tvaren dort des Mordes angeklagt, und die Vorgeschichte dazu bildete, wie stets, ein Mädchenraub. Da Ivar nämlich ein Mädchen, die schöne Devtvischa Hadzic aus dem Dorfe Naboj, die sollte einen gctvissen Hamdija Mujovic aus dem Dorfe Djerekar heiraten; so hatten ihre Brüder bestimmt. Sie selbst wurde nach ihren Ehe- lvünschcn nicht gefragt. Während der VerlobungS- feier floh sie mitten im Winter 10 Kilometer wett zu ihrem Geliebten Bajram Demirovic aus dem Dorfe Potrcb, und dort blieb sie. Erst nach Mitternacht merkte man, daß die Braut fehlte. 40 Bauern marschierten ab, um sie zuriickzuholen. In Potrcb stießen sie auf bewaffneten Widerstand. Mit Gewalt crkämpsten sie das feindliche Terrain, schossen, hieben, stachen und wurden erschossen un: gestochen. Am Morgen lagen auf dem Kampfplatz 8 Leichen, 14 Schiver- und 4 Leichtverwundete. Die schöne Derwischs wurde zurück entführt— sie Ivar unverletzt, auch ihr Geliebter hatte nur eine Schramme erhalten— und die Ehre der Dörfer D. und N. ist wieder hergestellt worden. Am nächsten Tage wollte das ganze Dorf Potreb loszichcn nnd Dertvischa zum dritten Mal entführen. Da intervenierten die Behörden und alle Beteiligten kamen vors Gericht. Die Uobersallenen ivurden freigesprochen. Die Angreifer erhielten Strafen von 8 Monaten bis zu 8 Jahren. Auf der Anklagebank noch wurde zivischcn den Angeklagten ein Ehrenvergleich geschlossen, wonach die Ehre keines der drei Dörfer verletzt sei. lind Derwischs darf ihren Bajram Demirovic heiraten. Der Liebestrank. Es gibt zwei Käthe von Nagy, ersten» di« berühmte Filmschauspielerin, zweiten» aber ein junge» Mädchen in der jugoslawischen Stadt Petrovgrad. Diese zweite Käthe von Nagy hatte Liebeskummer, und eine Zigeunerin, an die sie sich wandte, gab ihr«in Fläschchen, das einen Liebestrank enthielt. Sie trank das Fläschchen in einem Zuge au» und ging dann in ein Kino, denn sie liebte den Film wie die richtige Käthe von Nagy. Alsbald begann der Trank zu wirken: Käthe wurde sehr lustig kletterte über die Bänke, sang Lieder, umarmte d'e Leute, fing plötzlich tvild zu tanzen an, brach dann l zusammen und wurde vor Schmerzen ohnmächtig. Sie wurde in» Krankenhaus gebracht, wo man ihr den Magen auspumpte, und die Aerztc eine akut« Geistesstörung feststcllten. Di« Zigeunerin wurde verhaftet. Sturzflut wirft einen Zug um. Starker Nordsturm richtete im Hafen und in der Stadt Valparaiso beträchtlichen Schaden an. Die Eisenbahnlinie Vinna—Valparaiso ist unterbrochen, da eine Lokomotive und zehn Eisenbahnwagen von den vom Sturm aufgcpeitschten Wogen de» großen Ozean» umgcworfen wurden. Die Tclephonleitungen sind vielfach zerstört. Bisher sind ein Todesopfer und mehrere Verletzte zu verzeichnen. Der Sturm hält in unverminderter Stärke an- Ein«„Aentleman-Einbrecherschul«". Nach langen Beobachtungen ist cs der Kriminalpolizei in Grenoble gelungen, hinter da» Geheimnis einer Ein- brccherbande zu kommen, die seit mehreren Monaten ihr Unwesen trieb nnd die bisher unentdeckbar geblieben war. Ter Grund lag darin, daß man versucht hatte, die Verbrecher in dem Üblichen Milieu zu ermitteln. ES hat sich nun überraschend herauS- gcstellt, daß es sich um zehn junge Leute im Alter von 18 bis 16 Jahren handelt, die zu den besten Familien der Stadt gehören und deren Abenteuerlust sich nach dcrKrise der Pubertät offen nach der kriminellen Seite hin enttvickelt hat. Mit einer sonst in solchen Fällen nicht üblichen Rücksicht verschweig: die Presse die Namen der jungen Einbrecher und Diebe; und man ist bemüht, den Skandal, da er sich schon nicht vertuschen läßt, in möglichst diskreter Weise zu behandeln. ES ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß die Irrealität und konstruktive Verlogenheit vieler Kriminalfilme einen..aisspotyM- den Einfluß nach der Richtung des Kriminellen äus- üben kann. Auch im Grenobler Fall glaubt man, annehmen zu können, daß derartige Einflüsse maßgebend oder zumindest fördernd tvaren. Es wird daher Im Anschluß an diesen Fall erwogen, ob man in Frankreich nicht, wie in manchen anderen Ländern, ein generelles Verbot des Kinobesuches für Jugendliche erlassen soll. Das größte Hospital der Welt. In Los Angele» geht der Bau des größten Hospitals der Welt seiner Vollendung entgegen. Die Anlage umfaßt einen Komplex von Gebäuden, die mit verschwenderischem Luxns und selbstverständlich nach dem letzten Stand der medizinischen Technik aufgcfiihrt worden sind. Das Hospital, dessen Bau bisher über 5 Millionen Dollar gekostet hat, hat 10.000 Betten, 12 Operationssäle, einen eigenen Konzertsaal, Einer der seltsamsten Prozesse, die cs in den letzicn Jahrzehnten in Frankreich gegeben haben mag, spielt sich zur Zeit vor dem Gericht von Lyon ab. Eigentlich ist es das vorläufig letzte Glied einer Serie von Prozessen, die bereits im Jahre 1021 begannen. Sie alle lverden geführt von einem Mann namens Jean Thtvenet, der, als sein„Fall" begann, 22 Jahre alt und ein hoffnungsvoller Jüngling war, der Jnra studierte und kurz vor seinem Doktorexamen stand. Aber aus dieser Karriere wurde nichts, ebensowenig aus seiner Liebe zu Mlle. Therese Humbert, der Tochter eines Polizeidirektors des Polizeipräsidiums in Lyon, während Thövenets Vater der Untcrdirektor desselben Büros, bei dieser Behörde war. Die Verlobung ging in die Brüche und ebenso der bis dahin innige Verkehr der beiden Familien Thövenet und Humbert. Stattdessen erhielt"plötzlich die Familie Humbert sonderbare Briefe beschimpfenden und ironischen Tharakiers, auch Plakate in' nicht minder drastischem Stil wurden nachts heimlich an'die Wohnungstür geheftet. Der Verdacht lag nahe, daß der junge Jean Thkvenct aus Rache über die Treulosigkeit-von Therese Huinhcrt— sic hatte sich, nämlich in einen anderen verliebt— diese Streiche vollsührt habe. Auf einem der mysteriösen und häßlichen Briefe fand sich deutlich sichtbar der Daumenabdruck des unbekannten Briefschreibers. Was lag also näher als Jean Thlvenet aufzufordern, sich auf dem Polizeipräsidium eines Fingerabdruckverfahrens zu Unterziehen. Thivenet aber Ivar empört über diese Zumutung, er erklärte, völlig unschuldig zu sein und es nicht nötig'zu haben,.sich wie ein Verbrecher behandel» zu lassen.^ Nun versuchte man 8327 Kinder weniger. Im Jahr« 1985 sind in unserem Staate insgesamt 46.441 Kinder deutscher Volkszugehörigkeit zur Welt gekommen. Da die Anzahl der Lebendgeburten noch 1984 insgesamt 49.768 betrug, ergibt sich allein für 1935«in Abgang von wenigsten» 66 deutschen Schulklassen. Die StaatSbahndtrektlon ln Prag teilt mitr Der AuSflugSzug„Ouer durch die Slowakei" vom 25. Jul! bis 2. August ist gesichert. Weitere Anmeldungen werden nicht mehr entgegengenommen.— Vom 1. bis 0. August werden Ausflüge InS Riesengebirge(Kä 390.—) und durch den Böhmerwald(Ke 420.—) vom 8. bis 16- August eine Rundfahrt durch Mähren iflö 560.—) und vom 14. bi» 23. August Fahrten durch die Slowakei stattsinden. Anmeldungen und Informationen im Basar-neben dem Wilsonbahnhof. Telephon 88335. Kühlere» Wetter. Da di« allgemeine Luftdruckverteilung in Europa noch andauernd die Zufuhr von kühlen maritimen Lustmassen gegen das Festland bedingt, bleibt die weitere EnNvicklung de» Wetters in Mitteleuropa unsicher. In den nächsten Tagen kann daher bei uns kühles, ziemlich wolkiges und zeitweise regnerisches Wetter erwartet werden--— Wahrscheinliches Wetter Mittwoch: Veränderlich, zeitweise Regen, mäßig kühl, Westwind..— Wetteraussichten für Donnerstag: Ohne wesentliche Aenderung. Vom Rundfunk IWWdtMWtrlM hi 4m PreifMMM Donnerstag: Prag, Sender L: 10.05 Deutsche Presse, 12.10 Gesang auf Schallplatten, 12.35 Mujjiks Salon- quartett, 16,10 Populäre» Konzert, 18.05 Deutsche Sendung: Heitere Melodramen von Satie und Ull« mann, 18.20 Landwirtschaft, 18.45 Deutsche Presse, 22.20 Salonorchesterkonzert. Sender S: 7.80 Populäre» Konzert, 14.80 Aus Mozart-Kompositionen, 15.15 Deutsche Sendung: Fuhr: Aktuelle Gewerbefragen, 15.35 Dr. Franzi»: Sinn und Bedeutung einer zeitgemäßen PensionatSerzichung.— Brünn: 13.80 Schallplattenkonzert, 17.40 Deutsche Sen: buitg: Arbeiters unk: S ch m e r d a: JackLondon— der Sohn der Freiheit, 18.20 Tanzmusik.— Kascha» 12.05 Don- kosakenchor auf Schallplattcn.— Mähr. Ostrau: 18.10 Deutsche Sendung: Liefl Heisig rezitiert üe- dichte im Dialekt. mit allen möglichen Mitteln, ihn doch dazu zu bekommen: man lud ihn unter falschen Vorspiegelungen auf die Polizei, Thövenot kam auch in Begleitung seines Anwalts, den er sich inzwischen zugelegt hatte, aber seine Hände waren mst schönen neuen Handschuhen bekleidet. Als man ihn freundlich bat, sie doch auszüziehen, lehnte er entrüstet ab. Es blieb also nur die Möglichkeit, auf Grund eines Handschristenvergleichs einen Indizienbeweis zu führen. Die Sachverständigen waren der Ansicht, daß nur Thivenet die Briefe und Plakate geschrieben haben könne. Im Sommer 1921 wurde, er zu zlvei Monaten Gefängnis verurteilt mit seiner Karriere war es vorbei. Kaum sreigelassen, widmete Thtvenet sein weiteres Leben bis zum heutigen Tage lediglich dem Versuch, sich zu rehabilitieren." Der erste Re- visionsprozeß begann- 1928, er wurde verworfen, dasselbe geschah 1926, 1929- 1980, 1935. Alles blieb erfolglos. Die Hauptzeugen sind inzwischen längst verstorben, Mlle Therese Humbert ist in Amerika, ein großer Teil der Akten aus dem Jahre 1921 ist nicht mehr aufsindbar— aber- Thövenet klagt unermüdlich weiter. Jetzt steht er wieder vor Gericht—diesmal freilich als Angeklagter. Man wirft ühm vor, sich bei seinem letzten Revisionsprozeß im vorigen Jahre gefälschter Papiere: bedient zu haben,, aus denen hervorgehen sollte, daß nicht er, sondern die Polizei von Lyon im Jahre 1921, um ihn einen Streich zu spielen, die anonymen Briefe und Plakqte versaht habe, Natürlich bestreitet Thivenet jede Schuld und schwört, er sei ein Opfer der Justiz u»d er werde weiter kämpfen, auch wenn es, noch 50 Jahre dauere,, bis nian ihn, endlich rehabilitiere.. Die Prozesse des Jean TMvenet Der verhängnisvolle Fingerabdruck Nr. 169 Mittwoch, 2S. SuH 1936 Seite 5 Ruche, kalt genossen In Bodenbach lebt ein Mann, Krieg»« invalide ohne Rente, 70 3al)te alt, kümmerlich, in ärgster Armut, SV Kä monatlich verdient er an dem Verkauf von. Zeitschriften, 12V XL gibt ihm .monatlich die Stadtgemeind« al» Armentunter- stützung. Davon leben er, seine 7Sjährige Frau und ein ISjährige» Mädchen, sein Enkelkind. Bon diesen 20V Xi gehen monatlich 48 Kä on Miete ab, und man, kann sich Vorstelen, wie sich da» Leben dieser drei Menschen abspielt. Da» war nicht immer so. Auch der alte Mann sah einst bessere Lage, wenn sie auch nicht rosig waren. Er ist von Beruf Bäcker und 25 Jahre lang schlug er sich in verschiedenen Orten al» selbständiger Gewerbetreibender recht und schlecht durch. Daß er Sozialdemokrat war, wurde ihm zum Verhängnis. Da» Bürgertum boykottierte ihn und heute -ist er arm und hilflos. Nun gibt e» eine Stelle, die an verarmte Gewerbetreibende Stiftungen, bezw. lsnterstützungen gewährt, da» ist die Handel»- und Mewerbekammer in Reichenberg, bezw. da» Gewerbeförderungsinstitut in Prag. Die Voraussetzung zur Erlangung einer solchen Unterstützung ist der Rachwei», daß der Gesuchsteller eine bestimmte Reihe von Jahren ein Handwerk selbständig auSgeübt und seine Steuern bezahlt hat. Der alte Mann wandte sich mit einem Ansuchen an die Handel»- und Tewerbekammer, überreichte e» bei der Fachgenosienschaft der Bäcker für den Ge- richtrbezirk Letschen und erhielt darauf eine Antwort, die e» verdient, der Oefsentlichkeit mitgeieilt zu werden. Da» Schreiben lautet: Ihr Gesuch um Gewährung einer Unterstützung-würde vom GenoffenschästSauSschüß be- dlngungSlo»«»gewiesen mit der Begründung, daß Sie al» Gründer der Arbeitertäckerei in Auffig sich gegen die Bäckermeister getätigt hüten, und deshalb einer Unterstützung unwürdig sind. Für die Fachgenosienschaft der Bäcker im Gcrichtsbezirk Letschen: Alsred Mar, Barst,her. E» ist nicht wichtig, zu untersuchen, ob die Bäckergenossenschaft legitimiert ist,«in an eine andere Stelle gerichtete» Ansuchen abzuweisen oder zu gewähren. Dafür ist ti wert, die Gesittung, die Menschlichkeit, die au» diesem Dokument spricht, al» .einen Beitrag zur deutschen Bürgermoral festzuhalten: Die Gründung der Aussiger Arbeiterbäckerei erfolgte um die Jahrhundertwende. 88 Jahre sind, seither verflossen. 85 Jahre haben die Herren ihren Haß und ihre Rache sorgsam aufbewahrt und lasten sie nun mit wahrer Wohllust einem alten gebrechlichen Mann, einer alten Frau und einem armen Hinde.fühlen, Nach 88'Jähren' verjähr!»" nach"drk"Rtcht- sprechung In vielen Staaten schwere kriminelle Verbrechen. Bei den ehrenwerten Bäckermeistern verjährt das Verbrechen, da» darin bestand, daß sich ein Mann zur Arbeiterklasse bekannt-hat, nicht. 85 Jahre konnten sie ihm nicht beikommen. Aber nun haben sie ihn, nun ist er wehrlos, nun lassen sie ihm ihre Macht fühlen:„Du bist unwürdig, du warst Mitgründer der Arbeiterbäckerei und deshalb wert, daß du Hungers stirbst!" Die Herren Bäcker bekennen sich samt- und sonder» zur Idee der„Volksgemeinschaft", Marke: Konrad Henlein. Sie lehnen Klassenkampf und Klas» senhatz„grundsätzlich" ab. Au» dem zitierten Dokument spricht nicht nur Klasienhaß, sondern gemeiner, blindwütigerHaß und niedrig« Rache. Und die Gesinnung. die sich darin widerspiegelt, die soll und muß den Arbeitern ernsthaft und viel zu denken geben.- D-Zug 1243 Von Johannes Foerster Zwei Männer keuchten in der Nacht durch dar Gestrüpp. Der erste, dessen Atem kurz ging, blieb stehen und fragt» leise zurück: ,iUnd wann werden wir an der Brücke sein?"— Der Gefragte knurrte unwillig zurück:„Heb dir deine Gespräche auf, bis wir im Gasthaus sitzen. Uebpi- genS müssen wir gleich da sein.„Die beiden schlichen weiter. Jetzt flüsterte der zweite scharf: „Rechts! Siehst du? Dort ist die Brücke, Die Ladung muß genau unter dem Mittelhoge« angebracht werden."— Der erste blieb stehen: ,>,ftnd wollen wir c» nicht lieber doch, lassen? Ich «nutz immer' an die Menschen denken, die dabei umkommen sollen."—„Ich habe es mir gedacht, daß du schlapp machen würdest. Meinst dü- das geht so nutz? Lauf du weg, ich werde dich schon anzeigen! Versuchter Anschlag! Das genügt, für ein paar Jahr»."-— Der erst« stöhnte. Sein Kumpan stieß ihn in den Rücken:.«Los! Mach -keinen Quatsch! Tempo! In einer Stynöe kommt der D-Zug, bis dahin muß alle» fertig sein/ —7 Seufzend schlich der erste weiter. Der zweite folgte ihm, indem er weidstch fluchte.— D-Zug 1248 raste durch die Nscht.Bgrry- more, der Heizer, hatte gerade dgs Feueploch vir- schlossen, jetzt lehnte er an der Rückwand:„In einer Stunde und ettva» W tvir zu HWi."— Hearth, der Üpkomotivführer,. anttvortete von seinem Ständ:’„Erst kommt die Brücke, dann denke ich darein, daß wir näch Hause loinnien." — Barrymore lacht: ,„Du sprichst heute sort- Ivährend von dir Brücke. Hundert Mal führen wir drüber und du sschweigst, vorher und ützchher. Heute: Erst kommt die Brücke! Wann sind wir an der Brücke! So geht e» in eintm sort."— Gleichschaltung mit Deutschland — in Wollersdorf Die„Arbeiter-Zeitung" beschäftigt sich in ihrer letzten Folge mit den Zuständen im Anhaltelager Wollersdorf in Niederösterreich. Wir entnehmen de» Ausführungen folgende Stellen: Während bi» vor etwa einem Jahr im Wöl- lerSdorfer Konzentrationslager halbivegs erträgliche Zustände herrschten und die Auhaltchäftlinge durchaus menschlich behandelt wurden, hat sich die Situation unser dem neuen Lagerkommandanten Major Stillfried, rapid verschlechtert. Die Häftlinge müssen Zwangsarbeit verrichten, obwohl das gegen das Gesetz über das Konzentrationslager verstößt. Die Häftlinge müssen Vielfach Arbeiten verrichten, denen sie physisch nicht gewachsen sind oder die ekelerregend sind. Am 20. Juni 1936 führte das provokante Benehmen des Lagenkommandanten Stillfried zu einem ernsten Zwischenfall. Stillfried inspiziert jeden Samstag nachmittags das Konzentrationslager. Bei dieser Gelegenheit müssen alle Häftlinge bei ihren Betten„habt Acht" stehen. Der Häftling Otto KuSka aus Neunkirchen stand angeblich nicht vorschriftsmäßig. Der Major herrschte ihn an:„Für ein derart blödes Stehen würden Sie in jedem Lande entsprechend seinem Külturniveau bestraft werden." Nach der Besichtigung des Lagers wurde Kuska zum Rapport befohlen und erhielt Im Auftrag des Lagerkommandanten, weil er nicht stramm genug gestanden war, Spazierverbot für eine Woche. Diese Strafe ist im Hochsommer um so empfindlicher, als in einem Saal 150 Häftlinge untergebrächt sind. In diesem Saal herrscht Treibhaubatmosphäre, weil kein« LüftungSmög- keit vorhanden ist. Kuska Ivurde in einem separaten Zimmer vom Major einem besonderen Verhör unterzogen. Der Major machte ihm wegen einer Beschwerde an das Bundeskanzleramt Vorwürfe und forderte ihn auf, die Beschwerde zurückzuzlehcn. Als er das ablehnte, gab der Major Kuska zwei Ohrfeigen. Der im Zimmer antvesende Gendarm stürzte sich nun auf KuSka und schlug Ihn mit dem Gummiknvttel blutig. Die in einem anderen Zimmer auf das Verhör wartenden Häftlinge hörten laute Hilferufe Kus- kas. Räch den Prügeln erhielt Kuska noch acht Tage Korrektionshast. In der Nacht nach der Mißhandlung verübte Kuska in der Korrektionszelle, einem finsteren, abgeschlossenen Loch, einen Selbstmordversuch, indem er sich die Pulsadern öffnete. Wie schlvcr die Verletzung ist, ist nicht bekannt, da KuSka von den anderen Häftlingen streng isoliert wird. Bald darauf verfügte der Lagerarzt, Doktor Kovac, ein Heimwehrler, daß den Häftlingen daS Trinkwaffer abgesperrt werde. Das Kommando selbst verfügte Postsperre für eine Woche. Die Absperrung deS Trinkwassers ist bei der Sommerhitze eine geradezu u n- glaubliche Brutalität, die nur in den ärgsten sadistischen Exzessen in Oranicnbnrg ihresgleichen finden dürfte. Infolge der Postsperre wurden den Häftlingen auch Lebensmittelpakete, die für sic angckommen waren, nicht auSgcfolgt, so daß die Lebensmittel, die die Angehörigen der Häftlinge oft unter den schiverstcn Opfern gekauft hatten, verdarben, denn die Lagerlcitnng schickte die Pakete, deren AuSfolgung an die Häftlinge sie verboten hatte, nicht einmal zurück. Unter den WöllerSdorfcrn Häftlingen herrscht ungeheuere Erregung. Sie sind schutzlos der Willkür des Lagerkommandanten prciSgcgcbcn. Es wäre dringend notwendig, daß eine i n t e r nationale Untersuch ungSkom Mission in WöllerSdorf an Ort und Stelle die Verhältnisse prüft. tlustaml Da» englisch-ägyptische Abkomme«.'(AP.) Mit dem englisch-ägyptischen Militärabkommen ist der erste Schritt zur Verständigung zwischen London und Kairo getan. 1. Ein wesentlicher Punkt ist die Ersetzung der britischen Armee durch die Luftstrcitlräfte. Mit dieser Regelung wurde den Interessenten beider Länder Genüge getan. Denn einmal wird dadurch dem Schuh de» Suczkanals und der Flottenbasis in Alexandria Rechnung getragen und außerdem wird das nationale Gefühl der Aegypter auf diese Weise stärker geschont und berücksichtigt. Die englischen PanzcrautoS und die schottischen Regimenter verschwinden aus den Straßen der ägyptischen Großstädte. Der ägyptische Ministerpräsident Nahas Pascha ist mit diesem Prestigegewinn, der der Wafd-Partet zugute kommt, wohl zufrieden. 2. Zur Sicherung der Känqlzone sind weitgehende Maßnahmen getroffen worden. Es wird ein Ring von Flugstationen geschaffen werden. Am Kanal werden motorisierte Truppen konzentriert, die schnell an die bedrohten Punkte geschafft werde» können. Nur in Alexandria bleibt eine kleine militärische Garnison. 3. Gleichzeitig sollen die militärischen Stellungen von ägyptischen Trust» „Ich wollte, wir wären erst därüber." Hearth schweigt wieder.— Der Zug raste durch die Nacht. In einem Abteil zweiter Kläffe lehnte sich Mister Wörter selbstbewußt zurück:„Ja, jetzt kommt die große Brücke, dort verlangsamt der Zug sein Tenivo auf die Geschwindigkeit eines gewöhnlichen Personenzuges, bis er auf der anderen Seite ist. Dann sind wir gleich zu Hause." Fred Allison, sein Nachbar, wandte sich sehr höflich zu ihm!„Mister Wyrkcr, mir scheint, Sie wissen einmal alles?"— Wörter machte eine abwehrende Bewegung:«Mein lieber Allison, man tut, was man kann für seine Bildung. Es gibt schon einige», was auch ich nicht weiß." Sein Nachbar lächelte sehr fein:„Dann sind Sie wahrscheinlich auch über die Quadratur des Kreises genauestens informiert?"—„Oh," Mister Worker war Feuer und Flamme,„die Quadratur deS Kreise» I Schon in der Schule war das mein« Spezialität. Ich hgbe mich mein ferneres Leben nur damit beschäftigt: Ich habe auch, einiges zu"seiner Vervollkommnung erfunden." -77-„So?" wipst Allison äußerst belustigt ein,- „N»n, so tönyen Sie un» sicher einiges zum Besten geben. Henn Sie uns nur nicht zum Besten halten, mein Lieber;"Sie wissen sehr gut, daß es pä» überhaupt nicht gibt!''— Worker ist verblüfft:„Ruht gibt? Das gibt es auch nicht mehr? Ja, ja, da» waren noch Zeiten, als ich»och in di«. Bchssle ging." Allison klopfte ihm freundschaftliche aus die Hchülter:„Sie sind ein Spaßvogel."— „Ein, was bin ich? Natürlich, ich mache immer solche-Äih«! Das gsbt e» Nicht,"die Quadratur: des KicetstS? Ja, natürlich, ich wollte nur einmal sthen,— daß es dqS.nicht gebest soll!"—„Ja, ja, beruhigest.Sie sich stür, cs gibt e» wirklich nicht. Sehen Sie einmal hinaus, wie der Zug tast. Die große Brücke.muß doch gleich kommen!" —„Also Pas stinuütl" ereiferte sich Worker^ pen übernommen werden. Die ägyptische Armee ist zwar noch schwach, man hat ihre Organisation nicht forciert. England hatte kein Interesse daran. ES wird daher noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, bis sie auf die erforderliche Höhe gebracht ist, um ihren Aufgaben gewachsen zu sein. Daher wird noch eine gewisse Zeit vergehen, bis die einzelnen Abmachungen in die Tat umgcsctzt werden können. Am Suezkanal müssen Kasernen und Baraken errichtet werden, ehe die britischen Truppen Kairo verlassen können. Außerdem ist der Bau neuer Straßen durch die Wüste.erforderlich. Schließlich gilt es, die Kanalzone mit Wasser zu versorgen. Nach der Regelung der militärischen Fragen sieht man auch dem weiteren Verlauf der Verhandlungen mit Zuversicht entgegen. Man denkt, daß sich auch über die anderen schwebenden Fragen nunmehr eine Einigung leichter erzielen lassen wird. Es wird davon gesprochen, daß man Aegypten die Stationierung eines ägyptischen Bataillons im Sudan bewilligen werde. Damit wate das anglo-ägyptische militärische Kondominium über den Sudan wiederhergestellt, das 1924 nach der Ermordung des Gencralgouverneurs des Sudan, Sixdar Sir Lee Stack, aufgehoben worden war. Dann bliebe nur noch bie Angelegenheit der„Kapitulationen", der AuSlandSgerichtSbarkcit, zu regeln, wozu auch die anderen Mächte hingezogcn werden müßten. „Jedesmal, wenn ich hier gefahren bin, ist der Zug ganz langsam gefahren."—„Am Ende ist der ZugSführer verrückt geworden!"—«Verrückt geworden? Sie könnten einen Appetit zum Zugfahren machen!"— In diesem Augenblick trat der Zugschaffner in das Abteil. Allison wendete sich an ihn:„Herr, Warum fahren wir denn in diesem Höllentempo?" Der Schaffner, ein -biederer Mann, rückte an seiner Mütze:„Beunruhigen sich die Herrschaften nur nicht."—„Ist denn etwas- passiert?"—»Nein, meine Herrschaften, ich werde mal feststellen, was es gibt." — Er tritt auf den Gang und dachte sich: Ist Hearth verrückt geworden? Jetzt kommt doch die Brücke I— „Hearth! Wir fahren mit hundert Kilometer!"— „Ja, ich muß, dort vor» steht mein Kind und winkt mir."— Barrymore starrte auf den Kollegen:„Du bist verrückt geworden!" „Ich bin nicht verrückt, hab keine Angst. Dort steht mein Kind und winkt," ich soll schnell kommen!"— „Wir fahren doch jetzt gleich über die Brücke, wir stürzen in den Abgrund!"— „Ich bin nicht verrückt! Wir stürzen nicht ab! Dort ist mein Kind!"— „Hearth! Die Brücke!" Barrymore schreit fassungslos. Da donnert der Zug schon über die Brücke. Der Heizer war am ganzen Körper gelähmt. Jetzt mußte das Schreckliche passieren. Jetzt! Da war der Zug wieder auf dem Damm. Hintör ihm zerriß ein Knall die nächtliche Still«. Barrymore starrte zurück und sah da» Feuer der Explpsion: »Pie Brück« ist gesprengt!" Hearth drückte den Hebel. Der Zug fuhr mit normaler Geschwindigkeit weiter. Hearth murmelte:„Jetzt kommen wir nach Haus." — Gib doch acht! Du hast ein Paket fallen lassen! — Das stelle Ich schon eine Viertelstunde mit dem Fuß weiter.-.- Revirement in der Italienischen Verwaltung. Die italienische Negierung hat zahlreiche Umbesetzungen in der Vcrtvaltiing vorgcnonnnen.. Von den Leitern der 94 italienische» Provinzialverwaltuiigen tvurdc» 81 ersetzt, nenn zur Verfügung gestellt uito neun in den Ruhestand verseht. Tie Umbesetzung ivurde damit begründet, daß es nötig sei, die Jugend stärker heranziiziehcn. Wie verlautet, soll der bisherige Parteisekretär Starare nach seiner Rückkehr ans Afrika daS Ministerium der öffentlichen Arbeiten übernehmen. Für das Parteisckretariat nennt man als Anwärter auch den früheren Korporationsminister Bottai. Nazismus In Bulgarien. Di« nationalsozialistische Eankow-Partei entfaltet wieder eine rege Tätigkeit. Tie gab jetzt Richtlinien heraus, in denen 'sie sich grundsätzlich zum Prinzip des Führergedan- kens bekennt und erklärt, daß sie Mchrhcitsentfchei» düngen und damit auch demokratischen Massengedan- kcn ablehn:. An dessen Stelle habe die unbcdingie Disziplin und Ergebenheit gegenüber dem Führer Eankow und den von ihm ernannten Unterführern zu trete». Cankotv setzte einen„Hohcii Rat der Bewegung" ein. Es wurden ein politisches, ein soziales, ein Propaganda- und ein Jugendamt der Partei gegründet. Brauner Gewerbeschntz. Im letzten Jahr sind in Berlin 4000 Handwerksbetriebe zusanimengebrochen. Am meisten haben unter dem mlttelskändSfeindlichen Kurs dec Nationalsozialisten die B ä ck e r zu leiden, die auch heute zu den Unzufriedenste» gehören. Sie sind durch die Umsatzsteuer und besonders durch die F e t t st e u c r hart betroffen. Außerdem haben sich die Margarinepreise verdoppelt, und die Fettknappheit zwingt zur Verwendung teurer Ersatzstosfc. Zahlreiche Rohstoffe, wie Rosinen und Nüsse, haben eine Preissteigerung von 200 Prozent erfahren. Die Aushebung des Mieterschutzes brachte durch die Erhöhung der Mieten eine erhebliche Mehrbelastung. Dazu kommen die unzähligen Beiträge für Hand- Werker-Jnnuiig, Arbeitsfront, Reichsnährstand, Luftschutz, Volkswohlfahrt, Winterhilfe nsw. Schließlich können die Bäckereien nicht gegen die Konkurrenz der Brotfabriken aufkommen, die das Mehl en gros weit billiger beziehen. Die zwei Gestalten hatten ihr Werk getan. Der Resolutere zog den anderen mit sich:„Jetzt kommt der Zug. Die Brücke fliegt in die Luft. Und wir? Wir können dann sammeln."— Plötzlich riß sich der Wankclinütige los und hetzte zurück zu der Höllenmaschine.„Was tust du?" schrie der Resolute. Der andere hemmte seinen Lauf nicht um das Geringste:„Kinder sind in dem Zug, Menschen. Ich will nicht, daß die Menschen sterben! Ich will nicht!"—„So wirst du in die Luft fliegen!"— Der aber ließ sich von seinem Vorhaben nicht abbringcn. Jetzt war er bei der Maschine. Der andere bei ihm.„Der Zug!" schrie er. Da war ec vorbei. Da krachte es, und die beiden wurden das Opfer ihrer Untat.— „Na, jetzt fährt der Zug ja endlich ein vernünftiges Tempo. Haben Sie den Knall gehört?" sprach Allison. Worker hatte sich gesammelt:„Ja, ja, das ist nämlich ein merkwürdiges Zusammentreffen: Durch irgendeine seltsame Konstruktion hat man dieses explosionsartige Echo hervorge- rufen."—„So?" fragte gedehnt Allison. Worker beachtete den Zweifel in-diesem so gar nicht: „§la, ja, jetzt sind wir gleich zu Hause. Aber diesem Zugführer werde ich das anstreichen I So leichtsinnig Menschenleben anfs Spiel zu sehen!" Als der Zug im Morgengrauen im Bahnhof einlief, wurden, die neuesten Extrablätter ausgr- rufen: D-Zug entrinnt Anschlag. Die große Brücke bei X. in die Luft gesprengt. Als- Mister Worker dos las, wußte er gar nichts zu sagen, und es war vielleicht daS erste Mal in seinem Leben.— Der Heizer Barrymore zupfte Hearth am Aermel:„Du! Da hast du uns ja das Leben gerettet."—„Ich habe immer mein Kind gesehen. ES hät gerufen, ich, soll kommen, und da konnte ich nicht anders, und- du hast gemeint, ich sei verrückt."—- Und er lächelte und dachte an sein Mädel und pfiff vor sich hin.— Seite 6 -„Sozialdemokrat Mittwoch, 22.«itN 1936. Nr. 169 &wr ZMmg «MM M MM , Vie wlchtlssten Lünder unserer Ausfuhr Bei einem Vergleich der Statistik über den tschechoslowakischen Außenhandel nach Ländern im ersten Halbjahr 1938 mit der gleichen BorjahrS- zeit ergeben sich ganz bedeutende Aenderungen. Zunächst hat die E i n.f u h r und die A u s f u h r nach derMehrzahl dieser Staaten zu genommen. Nach dem Gesamt-Handels» Umsatz nehmen die folgenden Länder die ersten zwanzig Stellen in der Außenhandelsstatistik ein. ES betrug im ersten Halbjahr die Einfuhr aus Ausfuhr nach ■■’ 1936 1985 1986 1985 in Millionen Kronen .. Deutschland.,, 614.5 514.4 576.2 588.7 Großbritannien., 268.2 166.5 865.7 286.6 Ber. Staaten von Nordamerika., 268.5 164.8 866.2 266.6 .Oesterreich«,, 159.9 148.8. 886.0 846.8 Frankreich,.. 220.6 162.8 140.2 146.6 Schweiz.,,. 161.2 82.7 184.7 185.7 Jugoslawien.., 148.6 158.6 190.8 180.1 Rumänien-,» 156.6 86.2 188.0 164.9 Niederlande.«,« 147.7 112.0 184.5 180.5 Polen....,, 107.8 167.0 71.0 78.4 Belgien-,, 106.1 67.4 73.4 67.6 Bpitisch-Jndien-.., 186.9 181.1 84.7 42.6 Schweden.,, 62.9 50,0 90.2 78.6 Sowjetrußlnnd,, 87.4 24.8 108.3 80.7 Ungarn 58.7 51.8 66.0 56.9 Argentinien t■■ 71.8 69.6 88.9 51.7 Aegypten a■•■ 76.8 61.2 24.7 20.5 Türkei,,,, 82.6 89.6 48.9 45.6 Spanien a■■■ 47.4 89.4 26.8 80.2 Norwegen■■ a 27.0 17.9 42.8 88.8 Die Ausfuhrsteigerung ist demnach besonders stark' nach Großbritannien, den Bereinigten Staaten, nach, der Schweiz,, Jugoslawien, Rumänien und nach Sowjetrußland. Es ist bemerkenswert, daß die Handelsbilanz der Tschechoslowakei im ersten Halbjahr 1986 mit den sogenannten freien Ländern aktiv ist. So ergibt sich im Handelsverkehr, mit der Schweiz ein Aktivum von 23 Mil- liynen XC, mit Norwegen ien solches von 28 Millionen, mit den Bereinigten Staaten von 92 Mil- lionen und beiin Handel mit Großbritannien sogar ein solches von 102 Millionen K£. Auch aus dieser Statistik ist die wachsende Bedeutung So- wjetrußlands im tschechoslowakischen Außenhandel ersichtlich. WMhninssfriede zwischen England. Frankreich und Amerika An die Reise des Gouverneurs der Bank von England, Montag» Norman», nach New Aörk, knüpft der Londoner„Daily Herald" weitreichende Hoffnungen auf eine Stabilisierung der englischen und amerikanischen Währung, der sich möglicherweise auch die französische anschließen soll. „Mr. Norman", so schreibt Franeis Williams im„Daily Herald",„wird den Präsidenten Rosoevelt und prominente Bankiers und Finanzleute aussuchen. Eine unmittelbare Einigung über die Währungsstabilisierung ist zlvar nicht wahrscheinlich, aber Mr. Norman soll bemüht sein, zu ermitteln, ob sich die amerikanische Haltung zu dieser Frage nicht geändert hat und ob die Bereinigten Staaten nicht bereit sein würden, an einem■ englisch-französischen Währungsabkommen teilzunehmen. Auch wenn die französische Regierung gegen eine Devalvation des Frank ist, so kann sie sich doch als notwendig erweisen, und der Schritt zu dieser Devalvation würde erleichtert i werden,.Wenn er im Rahmen eines internationalen Stabilisierungsablommens erfolgen könnte.-England wünscht aber kein solches Abkommen mitFrankreich, wenn nicht auch die Bereinigten Staaten, beitreten. Denn die Stabilität zwischen Dollar und Pfund ist für England wichtiger als die zwischen Pfund und Frank. Und solange eine weitere.Dallarabwertung möglich ist, werden die englischen Stellen nicht zu einem Stabilisierungsabkommen bereit sein." Die Redaktion des„Daily Herald'". bemerkt dazu:»Wenn es zu einer Einigung käme, dann tväre der Weg auch für die Wegräumung all der anderen Hindernisse stei, die noch, immer der Wiederbelebung des Welthandels im.Wege stehen". Bücher, die man lesen muss Friedrich Stampfer: Die 14 Jahre der ersten deutschen Republik 640 Seiten kart. XL 80.—, gebd. XL 105.—: Ale xanderStein: Adolf Hitler, Schüler der„Welsen do» Zion" 120 Seiten kart. XL 18.—. Gregor Bienstock:, Europa und die Weltpolitik. 84 Seiten kart. Xi 15.—. Zu' beziehen.durch die Zentralstelle für das Bildungsviesen, Prag XU., SlezskL 18. Die richtiggestellten Wählerverzeichnisse- der Hauptstadt Prag werden vom 24. bis zum 81. Jul! von 8 bis 11 und von 16 bis 18 Uhr zur öfftnt- lichen Einsichtnahme aufgelegt werden, und zwar für Prag k bis VII im zentralen Wählerkataster, in den" übrigen Stadtteilen bei den zuständigen Magi« stratSamtSstellen. Jeder hat das Recht, in die Verzeichnisse Einsicht zu nehmen und Abschriften und Auszüge zu machen, soweit er dadurch nicht andere Personen von der Ausübung desselben Rechtes ausschließt. Nmsi und WUm Sommerspielzeit Kleine Bühne.„Literatur am Naschmarkt". Heute Erstaufführung der satirisch-literarischen Revue„D.ie große Reise"! Beginn der Borstellungen: 8 Uhr. Preise XL 5.— bis XL 25;—. Vorverkauf: Deutsches Haus, N. D. Theater, Truhläk. ÜUL der TaeleL Bezirksarbeitertag In Saaz Am Sonntag beging die Partei in Saaz ihren Bezirksarbeitertag. Der Festzug, an dem etwa 1000 Personen toilnahmen, erregte in der alten Hopsenstadt, berechtigtes Aussehen. Besonders fiel eine Gruppe von Schweizer Arbeitern auf, die von ihrer fernen Heimat gekommen waren und mitdemonstrierten. Auf dem prächtig geschmückten Festplatz gab es dann eine außerordentlich schöne-Feier. Im Rahmen eines Festspieles würdigten die Genossen Reichl und Kern den Sinn des Tages in anseuernden Ansprachen. Bei dieser Kundgebung ivurden jene L o k a l o r g a n i s a t i o n e n, die bei der letzten Werbeaktion die besten Erfolge aufzu« viele, der Retter 'Kameraden beglückwünschen den Polizeibeamten Anthony Gordon Dick, der geistesgegenwärtig dem Attentäter die Waffe aus' der Hand schlug und dadurch den Anschlag auf König Eduard VIXI., verhinderte. Der„Alemannen- schlichter 1* Neuer Dolchstoß aus dem 8. Jahrhundert enthüllt Wenn sich die lieben Nazis in die Historie stürzen, so ist dies zwar meist weniger bedeutend als eben nur einfach albern. Man wird sich noch mit einigem Lächeln an den kolossalen Tamtam erinnern, als das Dritte Reich vor ein paar Jahren, kaum daß es grade auf bett Beinen stand, die unbedingt wichtigste Korrektur der deutschen Geschichtsauffassung darin erblickte, Karl' dem Großen gewissermaßen rückwirkend die Staatsbürgerschaft äbzuerkennen,' indem man ihn wegen seines Konfliktes mit einem gewissen Wittekind als- sogenannten„Sachsenschlächter" verfemte. Die neuen'Herren schienen es nicht recht vertragen zu können, daß immerhin auch schon vor ihnen einmal jemandem eine„Reichsgründung" gelungen war. Die Sache ließ sich übrigens auch „aktuell" auswerten, denn man konnte damit die Katholiken ärgern, doch verlief dann auf einmal alles wieder im Sande, weil offenbar irgendjemand Höherenorts die Lächerlichkeit des ganzen Theaters eingesehen hatte.'. Plötzlich wurde nicht nur die entstandene heftige Diskussion um den „Sachsenschlächter" verboten,' sondern darüber hinaus obendrein die Anwendung dieses häßlichen Titels selbst. Nun war der Gründer des„Ersten Reiches" damit persönlich allerdings tabu, aber das hielt natürlich den'echten deutschen Fotscherfleiß nicht weisen hatten,- durch die Ueberreichung. einer Fahne ausgezeichnet. Den ersten. Preis erhielt die Losasorganisation Dobritschan, den zweiten Preis Saaz und den dritten Tuch o r s ch i tz. Am Nachmittag gab es‘ frohe sportliche Wettkämpfe und Vorträge der Arbeitersänger..• SJ, Kreis Prag. Gemeinsamer Gruppenabend aller Gruppen Mittwoch, den 22. Juli, um 20 Uhr im Ligaheim(Skautfly domov). BerkoreneS PartelmitgliedSbitch. Dem Genossen Franz Koukal, Typograph, Prag, ist sein Parteimitgliedsbuch in Verlust geraten. Der Finder wird gebeten, dieser an die im Mitgliedsbuch angegebene Adresse zurückzustellen. Gleichzeitig wird vor Mißbrauch gewarnt. Im Davisrup- Semifinale siegte A u ft r a l I e n über Deutschland im Gesamtergebnis 4:1. Mae Grath schlug im ersten Spiel Henkel 6:8, 5:7, 6:4, 6:4, womit bereits der Sieg Australiens feststand. Im folgenden Spiele ll r a m« ford— Gramm trat Gramm wegen einer angeblichen Verletzung nicht mehr an, so daß dieser Punkt kampflos an Australien fiel. Die Endrunde bestreiten somit derGup-Verteidiger England und Australien. Nene Bacher Der neueste Traven „Die Rebpllion der Gehenkten“ Vor wenigen Monaten hatten wir erst Gelegenheit, an dieser Stelle ein neues Buch von Traven zu besprechen:„Die Troza", die dar Leben und Sterben der Arbeiter in den„Monteriar", den Mahagonigewinnungsstätten in Amerika mit der dem Autor eigenen aufwühlenden Plastik schilderte. Aber Traven kommt von diesem Thema, das ihn seit Jahren beschäftigt, nicht los. Schon wieder legt er uns ein Buch vor, das im gleichen'Milieu spielt, in dem zum Teil auch dieselben Personen auftreten und das die Frage des Schicksals der buch- Beraehet die FelienitBdte Wekelsdorf und Adersbach Weltberühmt als einzig dastehende Sandatelngebllde Die Naturdenkmäler zählen zu den beliebtesten Kelso ' zielen tausender Touristen. Sommerfrischen- Herrlich angelegte Bäder— Hotels: Felsenstadt Adenbach— Eisenhammer, Wekelsdorf. Prospekte durch die Felsenverwaltungen. 3496 stäblich bis aufs Blut ausgebeuteten Indianer neuerlich aufrollt. Trotzdem wiederholt sich Traven nicht, trotzdem bietet er uns wieder ettvaS Neues und schlägt uns wieder in den Bann seiner Er- zählungSkunst. Hat er im vorletzten Buch dar Hauptaugenmerk der Tätigkeit der Ochsentreiber zugewendet, die die Troza, die mühselig geschlagenen Stämme des Mahagonibaumes, abzutrans» portieren haben, entwirft er uns jetzt ein Bild von' dem Martyrium der Holzfäller selbst, die sich, um irgendeine lächerliche Schuld abzuarbeiten, eine Schuld, die vielfach nicht sie betrifft, sondern ihre Eltern, in die Monterias verdingt haben, aus deren Bereich feiten ein Sterblicher ohne den Willen der Unternehmer heimkehrt. Erstaunlich ist wieder, wie Traven uns ganz fernliegende Dinge unserem Interesse uäherzubringen vermag, erstaunlich wie- ab, jetzt wenigstens in der Verwandtschaft des alten Herrn ein bißchen herumzustochern. Geschichte ist bekanntlich, was das deutsche Herz zum Schwellen bringt. Doch scheint da ein geheimnisvolles Grundgesetz zu walten: keine deutsche beschichte ohne„Verrat"! Und da schließlich den Alemannen recht ist, was den Sachsen billig war, erfuhren wir plötzlich dieser Tage, daß heuer, anno 1936, im deutschen Lande Württemberg ganz unvermittelt der gerechte Volkszorn aufgeflammt ist anläßlich des„schmachvollen Verrats der Franken gegenüber den unbewaffneten alemannischen Führern, bei dem Tausende von Alemannen durch die bewaffneten Franken erschlagen wurden". Der künstlichen Aufregung möchte man dabet kaum anmerken, daß der betreffende Stammesbrüderverrat schon fast an die 1200 Jährchen zurückliegt. UebrigenS ließe sich dazu noch Melkern/ daß wohl die schwächlichen Alemannen esgentlich selber die Schuld trugen, wenn sie unbewaffnet blieben, statt aufzurüsten. Heutige Deutsche handeln doch da ganz anders. Auch machen andererseits heutige Deutsche keine unbewaffneten Gegner im Innern nieder, nicht wahrmein Führer? Doch zurück zur Historiel Die „Entdeckung" der alemannischen Forscher war nämlich noch insofern vom Glück begünstigt, als der„verräterische" Frankenführer» der jenen Dolchstoß gegen ihre teuren alemannischen Ahnen führte! just ein gewisser Karlmann war, das heißt also: kein Geringerer als der Brüder des doch eigentlich schon wieder rehabilitierten„Sach- senschlächterS" I Das muß eine schreckliche Familie gewesen sein. Immerhin.haben, auf. diese Weise wenigstens auch die Dchwlwen ihren„Wittekind" der, wie es ihm gelingt, den Kern des Konflikte» herauSzuarbciteu nutz immer wieder darauf hin» züweisen, daß es sich in den unmenschlichen Formen der Ausbeutung, die im Dschungel an der Tagesordnung sind, um nichts anderes handelt, als um den in der ganzen Welt bestehenden— hier vielleicht auf die Spitze getriebenen— Gegensatz zwischen Unternehmer und Arbeitssklaven, zwischen Kapital und Arbeit. Die Oualen, denen die armen indianischen PeonS apsgeliefert sind, schildert uns Traven mit erschütternder Eindringlichkeit und besonders genau beschreibt er uns die Strafe des Henkens, ein ganz raffiniert ausgeklügeltes Eystein der■ Antreiberei. Wenn die Arbeitsleistung den Erwartungen der Antreiber nicht entspricht,' wird der Arbeiter fiir einige Stunden an Händen und Füßen zusammengebunden und einfach auf einem Baum aufgehängt. Die Mosttto» und die Schmeißfliegen sorgen schon im Verein mit der glühenden Sonne— gegen all' die» gibt es keinen Schutz— dafür, daß die Indianer alles daransetzen, um diese grausame Strafe nicht noch einmal erleiden zu müssen. Aber jeder Druck entfesselt einen Gegendruck. Auch das unaufgeklärte, ungebildete und unorganisierte Proletariat de» Dschungels reift langsam zur Erkenntnis seiner Klassenlose, langsam lernt es den Begriff der Solidarität aller Arbeitenden gegen ihre Unterdrücker. Eine Gärung geht durch den Dschungel, das Wetterleuchten der sozialen Revolution erhellt das Dasein der geknechteten Proleten. Eine niederträchtige Gewalttat bringt da» Faß zum Ueberlaufen. Unter Führung de» früheren Lehrers Martin Trinidad, durch dessen Mund uns Traven seine politischen Anschauungen übermittelt, erhebe» sich die Arbeiter der Monieria und erschlagen zunächst ihre Peiniger. Dabei geht es gerade nicht human zu und Travens Buch enthält nicht wenig Gewalttaten von Seite der Arbeiter, die aber angesichts des berghoch aufgehäuften Hasses nur zu verständlich sind. Aber Martin Trinidad hat es die indianischen Arbeiter gelchrt: Es geht nicht nur darum, ihr? eigenen Peiniger zu vernichten und zu töten, sie müssen mit allen Proletariern vereint den Kampf gegen den Kapitalismus, den Kampf gegen dw Diktatur, die Mexiko unterjocht hat und für eine bessere Welt de» Sozialismus aufnehmen. Uttd so zieht seine Truppe, die Kleingeister, die nur an der Befriedigung des eigenen Jchs denken, beiseite lassend, vom Dschungel durch'» ganze Land, daS Evangelium der sozialen Revolution verkündend, und ihren Schlachtruf verbreitend.Land und Freiheit"! Aus der Fülle der Gestalten, die uns Traven vorführt, ragt daS Jndianermädchen Modest» hervor, das zum Anführer des RachefeldzugeS wird. ES ist ein eigenartiger Genuß, Travens Schilderungen auf sich einwirlen zu lassen, die wieder von einem revolutionären Fener durchweht sind. Travens Bücher, die Geist von unserem Geist sind, soll jeder kennen, der sich zur Seele der arbeitenden Menschen bekennt. I. W. B. Ulme In Prager Lichtspielhäusern Adria: Max Schmeling siegt über Joe Louis.— Alfa:„Das Lied der Liebe." Kiepura.— Avion: Max Schmeling siegt über Joe Louis.— Unix: „Stjenka Rasin."— Flora:„Die Schatten von Sing-Sing."— Gaumont:„Es geschah in einer Nacht." Gable, Golbert.— Hollywood:„Kleines Mädel—.großes Glück."-— Julis:„Waldwinter."— Kinema, B.-Th.: Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna, Aktualiläten-Thealer: Journale, Grotesken.— Lueerim:„Wie Frauen lieben." S. Sidney.— Metro:„Drei Männer im Schnee." — Passage:„Stjenka Rasin."— Praha:„Drei« Groschen-Oper."— Svitozor:„Waldwinter."— Alma:„Musik der Herzen."— Beseda: „Viktoria."— Carlton;„Die unmögliche Frau."— Illusion:„Pygmalion."— Lido II:„U-Boot A. L. 14."— Louvre:„Nord gegen Süd." Regie K. Bidor. — MaceSka:„Melodie der Welt 1936."— Olym- pic:„Mazurka." Pola Negri.— Rory:„Donauwellen."— U Bejvodu:„Die Frau im Feuer." bekommen,, der Theuibald heißt, und es widerfährt diesem, trefflichen Vorfahren jetzo unter anderm die Ehre, daß gleich irgendwelche neue Straße„in Erinnerung an den schmachvollen Verrat ete." den Namen Theutbald-Allee bekommt. So weit, so gut,— aber immer, wie das im Dritten Reich so geht bei Dingen von derart fundamentaler Wichtigkeit: gleich entspinnt sich auch eine gewaltige Pressediskussion. Und demgemäß hat es sich auch die in solchen Fällen immer sehr besorgte„Frankfurter Zeitung"' nicht verdrießen lassen, allsogleich die„einzigen für den Fall in Betracht kommenden historischen Quellen" aus jenem Jahrhundert zu wälzen, um alsdann hinterhältig' zu folgern, die Begeb'enheit habe sich wohl„etwas anders abgespielt" und sie habe nur «im. Laufe der Zeiten einige Ausschmückung erfahren". ES scheine somit, daß„die Taten des „Alemannenschlächters" nicht in den Bereich der historischen Fakten, sondern eher in das Reickeiner Verbindung von Legende und.Geschichtsdeutung gehören". Nun soll das also alles wieder ganz anders gewesen sein. DaS kommt davon, wenn sich wissenschaftliche Rauschebärte in deutsche Belange mischen, bloß um mit ihrer Belesenheit zu prunken, oder vielleicht.bloß, weil sie dem Theutbald seine schwerverdiente Allee nicht gönnen! Welch ein heimtückischer Angriff mit groben journalistischen Waffen gegen das unbewaffnete, aber seiner Geschichte dafür mit dem Herzen verbundene württembergische Bolk! So ärgerlich endet selbst eine ausnahmsweise mal mehr besinnliche Episode aus dem Dritten Reich: H. I. Lieben. B e z u g S b esi> t n g u n g e N: Bet Zustellung tu» Haus oder bei Bezug durch- dt. Poft monatlich Xö 16.—.. vierteljährig Xi 48.—. halbjährig Xi 96—, ganzjährig Xi 192.—.— Inserate werden' laut Tarif- billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt, nur bei Einsendung, der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft- und Tele- graphendirektwu mit Erlaß Nr. lg.8llü/VIM930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck«, Verlag»« und ZeituagS-A.-G, Prag,