Nr. 170 Donnerstag, 23. Juli 1936 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (elnichltaSlich ä Heller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH PRUH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova a. Telefon sxn. HERAUSGEBER* SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Erbittertes Ringen in Spanien Republikaner rUcken langsam vor Die noch immer wirren und einander widersprechende» Nachrichten aus Spanien lasse» erkennen, dasi allein Anschein nach die Regierungs- truppen infolge deS Rückhalts, den sie an den Arbeitermilizen und der Bevölkerung haben, im Borteil gegen die Aufständischen sind. Diese halten zwar einzelne wichtige Punkte besetzt und scheinen stellenweise die bessere Bewaffnung, uor allem über viel Artillerie zu verfügen, aber die Regierung hat die Massen für sich und beherrscht vorläufig auch die entscheidenden industriellen Zentren und militärischen Schlüffelpnnkte deS Landes. Das Militär leistet den rebellierenden Offizieren, wie es scheint, nur widerwillig Gefolgschaft und beginnt zu meutern und zu desertieren. Daß di« Offiziere mit äusserster Brutalität und Entschlossenheit kämpfen,.ergibt sich aus der Situation. Die Rebellen wissen sehr gut, dass eS diesmal um die Entscheidung, nm eine ganze Lösung geht. Dieser Eindruck ist auch in.der Weltpresse vorherrschend. Für unsere gestern ausgesprochene Vermutung, dass eS sich um ein faschistisches, von I ta l i e n aus ferngelenktes Unternehmen gegen Englands Meerengen-Position handelt, spricht die Tatsache, daß England aufsässig viele K t i egSschiffe in den südspanischen Gewässern konzentriert und«in« Nervosität zeigt, die durch daS Interesse an den innerspanischen.Ange- legenheiten nicht begründet, wäre.. Toledo besetzt Nach einer Meldung der Nachrichten-Agentur „Radio" aus Madrid solle» sich etwa 150.000 Mann der fünf Kolonnen regierungstreuer Truppen, Zivilgarde und Miliz, verstärkt durch die sozialistische» und kommunistische» Jugendbünde, von Madrid auS gegen Norde» bewegen. Flugzeuge begleit«» diese Kolonnen. DaS Innenministerium hat Mittwoch früh mitgeteilt, daß Gijon, Almeria und Aleala de HenareS endgültig aus den Händen der Aufständischen befreit wurden., Mittwoch um 13 Uhr wurde durch den Rundfunk bekanntgegeten, dass sich die Stadt Toledo(60 Kilometer südwestlich von Madrid) in den Händen der Regierungsabteilungen Sesinde. Die Stadt Alcazar leistete bis zum letzten Augenblick Widerstand, wurde aber schließlich von der Zivilgarde und Sturnmbteilun- gen erobert. Auch Guadalajara(55 Kilo- iuctcr nordöstlich von Madrid) befindet sich in den Hände» der.Regierungstruppen. Es ist auch gemeldet, daß San S a b a- stian wieder von Regierungsabteilungen ein- ge»oinmen, wurde.- RegieruugSflugzenge haben den Flugplatz in Sevilla bombardiert und die dort befindlichen Flugzeuge vernichtet. Di« regierungstreuen Bergarbeiter ans Jaen stehen in der Umgebung von Cordoba mit Aufständischen im Kampfe. Die Stadt Almanea in der Provinz Albacete wurde.unter Begeisterung der Bevölkerung von Regierungstruppen im Angriff genommen. Die bei L a g r a n g o konzentrierten■ Aufständischen wurden von Regierungstruppe» zerstreut'und ließen zahlreiche Tote und verletzte am Platz.' Auch in; der Provinz Carthagena erzielte» die- Regierungstruppen Erfolg« und fetzen mit Hilfe der Bürgermili» den Marsch auf Alicante fort. Die.aufständischen Offiziere in der Stadt HueSca haben sich.noch einem Bombardement der Stadt und der Kaserne durch Regierungsflug- zeuge ergeben. Auch auf den Balearen ist die Regierung,Herrin der Lage.' Mittwoch vormittags forderte Oberstleut-, nant Diez Saudino, der Kommandant der Flieger. in Barcelona, den General CananellaS, der die Aufständischen in Sa rag» ssa befehljgt, auf, innerhalbkürzester Zeit die Macht denrepu- blikanischcn'Zivilbehörden zu übergebm, aisdern- falls ein' repuhlikänifchrS Fluggsschwädtr die Kaserne» von Saragossa bombardiere» würde. Ein Brief des SdP-Senators Tschakert enthüllt Intimitäten SdP-Parlamentarier alt„Verräter“/ Korruptlontrlecherel/ Drill Im Geiste des 30.3unl „... der erste, der zusammengeknallt wird“ DaS täglich angeschwcmmte Material über die haarsträubenden Zustände in der SdP wird für die Partei Henleins und besonders für ihn selbst nachgerade erdrückend. Bon Tag zu Tag häuft sich die Zahl derer, die aus den Reihen der SdP mit diffamierenden oder blamablen Anklagen in die Ocffentlichkeit gehen. Diese Schreiber offener Briefe legen sich fast schon keine Reserve mehr aus. Trotzdem ist anzunehmen, dass auch sie doch noch vor letzten Enthüllungen zurückschrecken. Zudem ist in Betracht zu ziehen, das; diese Briesschrcibcr ja eben größtenteils schon a u ß c r h a l-b der Partei stehen, also über di« j ü n g st e n'B o r g än g e in' diesem Hexenkessel doch nicht mehr ganz im Bilde sein dürften. Um so wertvoller für das Erkennen des völligen Chaos und der überhaudnehincndcn Morallosig- keit innerhalb der heute noch„feststehenden" Reihen ist darum der Einblick in einen Brief, der nicht für die Ocsfcntlichkeit bestimmt war und den nur ein Zufall uns in die Hände spielte. Wir übergeben im nachstehenden der Allgemeinheit die p h o t o g r a p h i s ch bewirkte Reproduktion eines Schreibens, das der Bodenbacher SdP-Senator Robert Tschakert an die Bodenbacher SdP-Kreislcitung und an die SdP-Hauptleitung richtete. Mehr als alle bisher veröffentlichten„Brand"-Briefe zeigt dieses Dokument das' wahre Gesicht der Partei der „Reinheit und Einheit", der„Inneren»nd äußeren Sauberkeit" und der„echten Kameradschaft".: ROBERT TSCHAKERT ., AKCBITUT, BAUANWALT MX «TADTOAU- HOOOAU___ HAXUNC, OMUHWC MWTMMU. MDUINC. MIDaNBACU S-. Bh-■r.T.WW sssatuho. kmatzunc BanHi, Beschwerde BODENBACH.*-->»11 1036 T71,,_ »ort« stemorsdender Ss.p-Kr,i,,r«ll, In B. I i| p•, 'Obzwar eu«b mein-letztes Schreibon vom 27.Juni 1036 ml« gewöhnlich unbeantwortet bllob,kann lob Ihnen nloht helfen, eine weitere Beschwerde»ur Kenntnis nehmen iu atü aa en. Kamerad Bauernberatei' Ban ko ber Bet lrkeetollo In Tetachen möge darüber einvernommen werden,«le«loh der boool- dete Beilrkeeekrotar Hunsberger über seine eigen« Hauptleitung und dl« Parlamentarier der SdP«ulart. Vor dar. faerer Tagung bezlqhtlate Milniberger dl« Parlamentarier die. Verretee am Volke.die durch Bealerungeeintrltt des Vofc verkeu- XSA.A Dl« Abstimmungen über einig« O«««ts« passt« ihm aber auch gerniaht. Und nach der Egerer Tagung,ala«r gefragt Wurde,eas er.Jetzt aage,nachdem ihm die Bode des Führers bekanntwar,da hatte dieser Herr«loder einen Schlager bereit. Per Führer hueoto 5 Minuten vor 12 eo enrech«n.well er eonst äeinaTShea« «er verloren hatte." Und so etwas Ist. In slnsr Bezirkekanzlei möglich,deren Leiter' sus Partolmltteln garnlcht so, sohl seht besohlt wird. Es* durfte In der SdP nicht so bald wieder ein dermalen"nobler* Bezirk anzutreffen sein,der seine Opposition,auch Feinde genannt, dermaBen gut bezahlt. Ion habe dazu geschwiegen,als gegen mich von gewisser Seite die>dümmsten und gehässigsten Gerüchte in Umlauf goaetst wurden,dass loh von anderen Parteien gekauft bin.nur unter der Tuobend telefoniere,(damit niemand zuhöron kannI)und da'ea loh der erste bin,der sueammon geknallt wird. Dio verbötetoa Jungem Leute saugen sich diese Ungereimtheiten nicht aus den Pfoten, •le werde»' planmäßig gedrillt. Ein Durchschlag dieses Schreibens geht an die Hanptlel- tung.Mit dem Angriffe auf die Parlamentarier muss'elbb auoh .defr Klub befassen.Es geht nicht an,dass ein besohlter Amtswalter eloh alle« herauanehmen darf,was der Bewegung schadet. Also der Tetschner SdP-Bezirkssekreiär, der Briefe des zuständigen Senators„gewöhnlich" nicht beantwortet(welche Disziplin!), bezichtigt die Parlamentarier seiner Partei in Bausch end Bogen des Volksverrats I So urteilt ein qualifizierter Amtsleiter, der. das besondere Vertrauen Henleins'' genießt,..über die Deutschesten- d.er Deutschen, die fünf Viertelmillionen Sudetendeutscher" mit! ihrer-bodeutendstöw'Ve rtretung' betraut.haben iUnd.' derselbe. Bezirkssekretär setzt ' den GottSöbersieg^Ahnti d?n/,rFUHrcrs',i respektlos I,im Misehezi-bei dpr,.eigenen Psirtes herab',, lpdein s ier Henleins bekannte EgeM Rede als einen Aus» Kit deutschern 0ruO«: sslsttz der /(berechtigten) Angst vor der M a s s e n.f l u.cht ans dem SdP-Lager charak- terisierte. Der Senator hält denn auch mit dem Ausdruck seiner Empörung" über, den Bezirks- ssekretär. Münzberger nicht.zurück und nob el, !tvi«,tzie istämeraden schon einmal sind, gibt er der Kreis- und der Hauptleitung' zubedenken, dass Herr Münzderger ja schon deswegen, zur' Raison sü bringen wäre,'weil-er doch„gar nicht, so schlecht bezahlt" ist.'''''''. ,' !"'.DaS.' dicke' Ende aber kommt ersh'Der Herr Senator'ünuß sich därjiber-beschweren,' dass er unter tden«qMtraden als von-andere»-Parteien gekauft hingestellt wird, daß mau gewissermaßen am liebsten jedes seiner Telephon- g e s p r ä ch e m i t a b h o r ch e n möchte und dass— dies der Höhepunkt der Illustration des äusseren und inneren Parteizustandes— ihm zu Ohren gekommen sei, er werde der erst« sein, der z u s a m m e n g e k n a l l t w i r d. Woraus hervorgeht, dass die„verhetzten jungen Leute" für ein bevor st ehendes Zu- s a m m e u k n a l l e n etlicher K ami e« r a d e n„p l a n m ä ss i g g e d r i l l t" werden, dass man es also mit der Vorbereitung einer Art 30. Junis für das glückliche sudetendeutsche Gebiet zu tun hatl Es' wird von keiner Seite bestritten werde» können, daß es solche Zustände, wie sie der Senator Tschakert da enthüllt, noch niemals in irgend welcher sudetendeutschen Partei gab. In der SdP hält einer den andern für korrupt, niemand in dieser Partei — in der„autoritären" Parteil— hat Achtung vor den Führern und Unterführern, geschweige denn vor den„Kameraden", es wimmelt von Intrigen,. Verdächtigungen und V e r n a d e r u n gen— es ist ein Kampf aller gegen alle, in dem bereits feder den Nebenmann für einen Bolksverrätor hält, der bei der erstbesten Gelegenheit erschossen werden müsste. Nun, das Knallen hat, wenn zunächst auch noch unblutig, bereits seinen Anfang genommen.. Und da alles darauf hindeutet, dass es so w e i« t e r gehen wird, kann' man sich vorstellen, was über kurz oder lang von der SdP und insbesondere von Herrn Henlein übrigbleiben wirdl blutige Verhöhnung Sandners Der genannte Friedrich Brehm und dec Olmützer S m a g o n schreiben an Sandner: „Wir scheine» im Bereich des H e« l e i»• Spanns ch en-Ständestaates als die Staatöfeiude Rr. 1 zu gelten. Sie baten in Haida festgestellt, wir wärm die Zerstörer der sudetendeutschen Einigkeit und hätten bereits«Ine neue Partei gegründet. Wir dürften uns daher in keiner Versammlung mehr sehen lassen, weil wir imS tlutigeSchädel holen würden. UnS interessiert am meiste« dir Sache mit den blutigen Schädeln. Wir ersuche» Sie, uns dies« Attraktion einmal vorzuführen. Sie müssen unS für Ihr» Borführung eine öffentliche B« r s a m m l« n.g zur Verfügung stellen. Ort, Zeit«nd Umfang überlassen wir Ihnen. Sie dürfen soga»Ihren Führer m i t n e h m e n. Da Sie der berühmteste Rhetoriker der SdP. sind, so werden Sie sicherlich die Gelegenheit wahrnehmen, mit uns abzurechnen. Wir erwarten Ihren Bescheid bis zum 31. Juli." Dr. KrelBI klagt die„Rundschau* Der zu Beginn der Rebellion»us der SdP ausgeschlossene Bodenbacher Rechtsanwalt Dr. Anton Kreiß! erklärt in der Presse, dass man ihn ohne U'n t er,smich um g S ü.e t.f a h r,e n ausgeschlossen und nachher zugegeben habe, dass man ihm„m ö g I i ch e r w e i s e. u» r e ch i" tat. Da es aber trotzdem' bei der Maßregelung hlieb,.habe er wegen der beiden„Rundschau"- Artikel mit ihren haltlosen und. ungeheuerlichen Unterstellungen, und Verdächtigungen die Psr ess s e k.I a g.'e.überreicht, chieser'^nür zurückziehen würde, wenn seine. Aujjelegenheit. einem Forum unbefangener, ehrenhafter Männer, wie im Falle Dr. Brand, unterbreitet wird. Seift 2 DomierStas, 23. Juli 1338 Rr. 170 Krieg! gericht konstituiert Nach eiltet Madrider Meldung sind mehr als 1000 Offiziere, darunter viele in höheren Stellungen, verhaftet worden. Spätesten« am Donnerstag wird ein Kriegsgericht konstituiert werden, welches die Führer der Aufstandsbewegung itt contumaciam verurteilen wird. Der Ministerrat hat u. a. den Beschluß gefaßt, daß sämtliche Staatsbeamte, Beamte dec Monovole und der Staatsdienststellen, die an der AusstandSbewegung teilgenommen haben, als Staatsfeinde aus ihren Aemtern entlassen werden. DienStag, kurz vor 22 Uhr, sandte die Radiostation in Barcelona einen Aufruf deS spanischen LandwirtschastsministeriumS aus, in welchem die spanischen Landwirte aufgefordert wer den, sich zu bewaffnen und sich den regierimgS- treuen Truppen nnzuschliehen. Durch ein Dekret deS Finanzministeriums wird der Negierung eine beliebige Summe zur Verfügung gestellt, die eventuell notwendig sein könnte, um die öffentliche Ordnung aufrecht za erhalten. - Ole Aufständischen melden: Die Nundfunkstation in Sevilla, die sich noch Immerhin dm Hände» der Aufständischen befindet, bestätigt dagegen den Vormarsch der Aufständischen auf Madrid, und zwar sowohl von Süden wie auch von Norde» her. Die Nordnrmee habe ihrm Generalstab in Pampalmta unter dem Kommando des Generals Moll». Auch Neuter meldet, daß die Aufständischen im Norde n anscheinend an Boden gewinnen. Die Lage im Süden bleibt unsicher. Von den 48 Provinzen befinden sich zehn mehr oder weniger in den Händen der Aufständischen. General liolla gefallen? In Perpignan sind Meldungen eingelangt, dah General M o l l a, der Kommandant der Ausständifchen in Nordspanien, unweit San Sebastian' im Kampfe gefallen ist. Schwere Verluste Zeitungsmeldungen zufolge betrug in Barce l o n a die Zahl der Aufständischen 5000. Die Zahl der Todesopfer der dortigen Kämpfe wird mit zirka 800 angegeben, die der Verletzten mit 3000. Die Kämpfe spielten'sich hauptsächlich um das Hauptfernsprechamt, die Kasernen und daS Hotel Colon ab. Der Bürgermeister der in der Nähe der Hauptstadt gelegenen Stadt Colmenar V i d j o teilte dem Madrider Polizeipräsidenten mit, daß in den Bergen bei Santtllana die Leiche» „..pon vierzehn aufständischen Offizieren'üni> Svl- •/“■"lioleii gefunden worden seien. Hier hatten Regie- rungsflugzeuge eine Truppe Aufständischer unter Maschinengelvehrfeuer genommen und mit Bomben belegt. In Malaga wurden bei den Kämpfen zwischen den Regierungstruppen und den Aufständischen 200 Persogen getötet und einige tausend verletzt. Einige Stadtviertel stehen in Flammen. Wie verlautet, wüteten in den Morgenstunden des Mittlvoch heftige Kämpfe in den Straßen der Stadt S a n S e b a st i a n, wo der Zivilgouverneur neuerlich bestrebt sein soll, seine Macht zurückzugewinnen. Nach den letzten Nachrichten ist die Radiosendestation San Sebastian immer noch in der Die aufständischen Soldaten, haben sich darauf beschränkt,, die Station zu umzingeln und wärten geduldig, daß sich die Besatzung ergibt. Der Fall der von den Aufständischen besetzten südspanischen Stadt Almeria nahm folgenden Verlauf: Der spanische Kreuzer„Le- p a n t e" wollte vor der Ausfahrt nach Tanger in Gibraltar Brennstoffe laden. Die englischen Hand des der Regierung ergebenen Militär«. I Behörden erteilten jedoch nicht die Bewilligung —•--—-f hiezu. Dar Schiff fuhr daher nach Almeria, da« von den Aufständischen besetzt gehalten wird.■ Die Anwesenheit des Kreuzers gab den der Regierung treügebliebenen Abteilungen neuen Mut. Sie unternehmen, unterstützt durch ein Geschützfeuer der..Lepante", einen Ausfall gegen die Aufständischen.und nötigten sie nach lebhastent Kampfe zur Kapitulation, Ueberslchtskarte zu den Ereignissen in Spanien Der Aufstand, der in Spanisch-Marolko ausgebrochen ist, hat dann auf die südlichen Provinzen (vor allem Andalusien) übergegriffen. Die stärksten Positionen der Republil sind Asturien, Galicien und Katalonien. Die Flotte greift ein Wie am Mittwoch Abend aus Gibraltar gemeldet wird, eröffneten am Nachmittage die in der Nähe der englischen Festung liegenden Kriegsschiffe der spanischen Regierung das Feuer aus die Flugzeuge der Aufständischen, die den Felsen von Gibraltar überflogen, um so vor den Granaten Schutz zu suchen. Ein Schrapnell fiel in unmittelbarer Nähe des Rock-Hotels, ein anderes in dem Dorf„Katalanische Bucht" nieder. Vier spanische Regierungsschisse haben Ceuta beschoßen. Zwischen den Batterien der Stadt und den Schiften kam es zu einem heftigen*- Feuerwechsel. v Kirchenvermögen In Barcelona beschlagnahmt In Barcelona hat die Negierung der katalanischen Generalidad den kirchlichen Besitz, die Kathedralen etc., die künstlerischen Wert besitzen, beschlagnahmt. An den beschlagnahmten Kirchen wurden Aufschriften.Beschlagnahmt von der. Regierung der katalanischen Generalidad zugunsten des Volkes"'angebracht. Die Regierung verwendet die. Kirchen als Spitäler. «unser unter den Flüchtlingen In Gibraltar Gibraltar. Das Reuterbureau meldet, daß infolge des gewaltigen Zustroms von Flüchtlingen aus den nahen spanischen Städten Gibraltar fast am Ende seiner Versorgung mit Lebensmitteln steht. Auch die neutrale Zone zwischen Gibraltar und der Stadt La Linea ist von Flüchtlingen überfüllt. Es handelt sich der Mehrzahl nach um Frauen, Kinder und Kranke. Sie sind von Panik erfüllt und ausgehungert. Die Umgebung von Gibraltar wurde vom Militär auf Anordnung des Kommandos mit einem Drahtverhau geschützt, um den Zustrom weiterer Flüchtlinge von Gibraltar abzmvehren. Volksolympiade gestört Barcelona. Der französische Dampfer„Ched- dadh Djenne" hat 2000 französische Sportler und Touristen an Bord genommen, die nach Barcelona gekommen waren, uni der dortigen Arbeiterolympiade betzuwohnen. Der französische Konsul erklärte, daß fünf bis sechs Franzosen bei der Schießerei in den Straßen von Barcelona verwundet wurden, davon einer schwer. , Englische Flottendispositionen PoliflsdK Amnestie in OcstcrrcKh Angcblidi ohne RtlcItsKM aul Parteizugehörigkeit Wien. Die angckündlgte politische Amnestie ist Mittlvoch.spät nachts bekanntgegeben worden. Di« Amnestie erfolgt ohne Unterschied der politischen Richtung und ohne Ansehung der Person des Täters und erstreckt sich auf vier Teil- aktione», und zwar: 1. Eine umfangreiche bedingte Nachsicht der Sträfreste, 2. Niederschlagung' schwebender Strafverfahren, 3. Einstellung ruhender Verfahren gegen Minderbeteiligte am Juli-Putsch mit Ausnahme von 48 Verfahren gegen öffentliche Angestellte und 4. Hemmung des Strafvollzuges. Strafe» bis zu zehn Jahren schweren. Kerkers werden generell nachgesehen, bei zehn bis zwanzig Jahren erfolgt Nachsicht der Strafe, soweit nicht Blutschuld oder besonders erschwerende Umstände(Verletzung der Amtspflichten»der des Soldateneides) vorliegen. Bon den 46 lebenslänglichen Kerkerstrafen wurden 13 nachgesehen. Rach der Durchführung der Amnestie werden sich nur mehr 224 Personen wegen politischer Straftaten in GrrichtShaft befinden. In Borbereitung befindet sich angeblich auch eine verwaltungsrechtliche Amnestie, die sich auf Polizeistrafen and Konzentrationslager erstrecken und Ende Juli bekannt gegeben werden soll. London. An britischen kompetenten Stellen wird die Situation in Spanien alS ernst bezeichnet. Auf Befehl der Admiralität hat die britische Flotte wichtige Positionsänderungen an der spanischen Küste durchgesührt. Einige britische Schiffe in den Gewässern von Gibraltar wurden von Bombensplittern getroffen. Dir Bomben waren von spanischen Flugzeugen abgeworfen worden, von denen man bisher nicht feststellen konnte, ob sie zu den Aufständischen. oder den RegierungStruppen gehören. Die englische Admiralität hat Mittwoch vormittags zum Schutze des englischen Lebens und Eigentums in Spanien eine Reihe weiterer Kriegsschiffe nach den spanischen Häfen beordert. Der Kreuzer„Devonshire" wird sich zu diesem Zweck in Palma bereit halten, während der Kreuzer„London" nach Barcelona geht. Anr Donnerstag wird ein Flaggenschiff und drei Zerstörer ebenfalls in Barcelona eintreffen. Ein weiteres Flotillenführerschiff hat in Barcelona Anker geworfen und je ein Zerstörer stehen in Alicante und in Almeria in Bereitschaft. 48 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grö tzsch Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava. Boli räusperte sich und ließ erst einigen Tabaksqualm-um die scharfe Hakennase anfsteigen. Dann begann er nnvermittelt:„Also tpann soll es nun sein, Laska?" Breit auSzuholen Ivar hier nicht mehr geboten.„Die Mihais denken"— er nannte mit Absicht die ganze Sippe —„wenn der Mond kleiner wird, ist die Ernte vorüber und Zeit, die Hochzeit zu bestellen!"— Der Oheim nickte; er vertrat Vaterstelle für Laska.„Warum noch länger warten?" fragte Boli und faßte den Jungen scharf ins Auge.„Prenni wird nicht jünger dabei. Achtzehn Sommer hat sie jetzt gesehn— mit sechzehn sind die Jung- franen hier am besten!" LaskaS Gedanken aber gingen zu der Weißen. Prenni heiraten? Die Ora tvollie es anders. Sollte er der Sippe Prennis alles sagen? Daß er seit fünf Jahren immer nur an eine weiße Frau gedacht hatte? Daß ihm Prenni zu nahe war, seit Kindesbeinen, nahe wie Base und Schwester? Voll hätte gelacht, jeder Skipetar nannte so etwas kindlichen Schwatz. Da eine unschickliche Pause entstand, hob der Oheim die lange schmale Nase. Der jüngste Sokoli wollte ja wohl, daß die Aelteren entscheiden. Drum sagte der Oheim:„Recht, po, nach der Eritte wär's schon recht." Bolis Brust weitete sich, seine Stimme klang dunkel:„Und du,Laska, was sagst du?" Erst soll im Frühjahr eine Heine Kula werden, wollte er sprechen, aber die falsche Rede blieb im Halse stecken. Er holte Lust und sah dem. Vater.Prennis setz ins Auge:„Recht hast du, Boli — und so habt ihr den Versprach festgemacht, du und mein Vater, vor zehn Jahren, gut. Aber was zehn Jahre dauert, kann auch elf währen. Wer eilt, der übereilt. Ihr müßt mir noch einmal Zeit lassen— warum, das brennt nur mich." Er atmete auf: nun war's heraus. Der Oheiin saß auf dem Schemel, starr wie ein steinerner Zacken. Mit solchen Worten hatte oft schon großes Unglück begonnen. Boli aber beugte sich in den Lichtschein und schitalzte so beleidigend mit der Zunge, daß Laska die Kappe erregt zur Seite schob.'. „Das brennt nur dich, Laska? Die Jüngste der Mihais ist mit dem jüngsten Sokoli zu oft beisantmen gesehen tvorden— und es brennt nur dich?!" Wieder das zornige Lachen. 8m Halbdunkel schwammen die Blicke der Beiden ineinander/ Der Kienspan leuchtete plötzlich auf und Laska konnte in der grimmigen Miene des anderen alles lesen, was etwa noch zu sagen war: Du bist ein Skipetar, Laska, und du weißt, solcher Wortbruch kostet Blut. Dein Vater ist gefallen gegen die-Nika), zivei deiner Brüder auch. Und wer syll dich rächen, wenn wir schießen? Der blinde Oheim oder der flüchtige Bruder in Mazedonien, oder gar die Vettern in Südalbanien? Du lieber Himmel, bis die hier herauf kommen! Du weiht, daß zwischen den Sokoli und den Mi- hal schon einmal Blut, stand, daß es drei Männer kostete. Zwei Bajraktare, zwei Stammführer, wären nötig, um Frieden zu schaffen. Damals wurdet ihr zwei einander versprochen, damit die.beiden benachbarten Sippen immer Freunde bleiben... Willst du jetzt wieder Blut über euer Haus bringen? Gebrochenes Brot wird nicht mehr zusammengesügt...», Das alles las Laska in dem strengen Blick, dem verfinsterten bärtigen Gesicht des Aelteren, griff zum Tabak, drehte hastiger denn sonst und antwortete:„Jin Recht bist du, Boli, daran will ich nicht rütteln, aber hast du ru>Ä nie gchört, dah auch die Ora'einmal sagen kann: Noch nicht, noch ist die Zeit nicht erfüllt!" .„Dann muß es eine schwarze Ora sein, Laska!" Und Boli erhob sich schwer und mächtig. „Wenn sie zu Wortbruch und Unehre rät, ist es eine schwarze Oral Wer Wort hält, der hat keine böse Oral" Er hing das Gewehr über, reichte dem Oheim die Hand, drückte die Wange an die des Blinden. Laska gab dem Gaste das Geleit. Am Feigenbäume saßen die Frauen im Dunkel, flüsterten und ließen sich von der Mutter erzählen, welche wundersamen Dinge die weiße Frau aus der Tasche gezogen hatte. Auf dem Wege zum Maisfeld hinab bljeb Boli stehen. Der Junge wollte ihn bis über den Fluh begleiten. In halber Hohe drüben stand das Haus der Mihals.„Es ist gut, Laska", meinte Boli und schlug ans Gewehr,„man hat ja das... Dir bleiben drei Tage. In drei Tagen wollen die Mihals klare Antwort." Griff LaskaS Hand, drückte dje Wange an die seine, und verschwand im fahlen Mondlicht.- Laska stieg wieder hinauf zur Matte. Tyr, der schivarze Hund, schlug leicht an. Die Mutter hatte ihn an den Feigenbaum gebunden. Laska blieb stehen und horchte. Dann ging er ins HauS, schob den Holzriegel vor. Die Mutter lag schon auf der Pritsche. Im kleinen Raume nebenan war dar Männerlager. Der Oheim schnarchte'auf seinen Ziegenfellen. In dieser Nacht schlief Eva traumlos und tief. Gegen Morgen stahl sich Lärm In ihren Schlaf.„Za, za, za, luck, lud, luck, aah I" Sie stützte sich leicht auf die Ellenbogen und übersah durch die offene Tür den ganzen Plan. Schafe, Schweine und Ziegen mit großen Hörnern wurden zur Weide ins Tal getrieben, stürzten an der Mutier vorüber, rasten die Wiese hinab. Am Rande der Matte stand Last«, hoch aufgerichtet, und dirigierte die Herde mit einigen Steinwürfen, damit sie sich am Maisfeld nicht solange aushielt. »Za, za, za, luck, luck, luck, aah!" Eva streckte sich lang, schlummerte wieder davon. Die Sonne kroch über den Bergrücken drüben, legte sich voll auf die Matte, lies in die geflochtene Hütte. Als Eva die Augen wieder öffnete, kündete ihre Armbanduhr den hellen Vormittag. Laska hockte an der Stelle, da er die Tiere talab getrieben und blies leise die Kaval. Und dann fiel der Schatten der Mutter in die Hütte. Sie brachte Wasser, aber Eva sprang auf, wurde auf die Wange geküßt, trat hinaus.in das blendende'Licht, deutete zum Wildbach hinab, kramt- in ihrem Koffer. Merkwürdige, herrliche Dinge sahen Laska und die Mutter von draußen. Eva griff Waschzeug, Handtuch und Seife, die nach Teerschwefel roch; damit hielt man sich das landesübliche Ungeziefer gut vom Leibe. In die Schuhe konnten» ihre Füße noch nicht, die aufgelaufenen Stellen schmerzten noch zu sehr. In leichten Badeschlüpfern eilte sie zum Wasser hinunter, das schäumend und zornig über gewaltige Blöcke dpn- nerte. Zwischen großen' Ufersteinen lockten metertiefe, glasklare Tümpel. Sie nahm ein kurzes Bad, wusch sich, trocknete sich in der Sonne. Die Bergwände strahlten rotbraun, die Kuppen schimmerten wie frisch bestäubt vom Morgen— und Europa lag weit, weit weg... Oben trug die Mutter frisches Maisbrot und Meze in Evas Hütte, und als das Mädchen hinauf kam, im Handtuch rund' geschliffene, vom Wasser polierte Steine, stand der türkische Kaffee itt der kleinen Tasse. Sie/gab der Mutter und Laska von ihren Keks; beide kauten in leichter Verwunderung. Ja, mit, solchen zarten Dingen erhält Man wohl die Haut so zart und ohne Runzeln, instand waren.''"c• (Fortsetzung folgt.) Nr. 170 Donnerstag, 23. Juli 1936 Seite 8 fudetendcutsdier Zcitspiegef Ein Beamter der SdP-Hauptleituns diffamiert Henlein! „Es wäre besser gewesen, wenn Sie weiter geturnt hätten** Wichtige Parteiberatung Prag. Der Parteivorstand der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hielt am Mitt«, wach«ine Sitzung ab, in der er ein Referat deS .Parteivorsitzenden Genossen Dr. Czech über die außenpolitische und innerpolitifche Lage entgegen» nahm. Der Parteivorsitzende beschäftigte sich ein. gehend mit de» wirtschaftlichen Verhältnissen und der Parteivorstand traf die notwendigen Vorbereitungen für die bei Wiederaufnahme der parla- mentarischen Arbeiten zu stellenden Anträge zur Verbesserung der Lage in den Notstandsgebieten. In der an das Referat anschließenden Debatte .sprachen die Genossen Ta uv, KrejLk, Reitz, »er, Wellau, Strauß, Paul, Falsch, B l a t n» und Möckl. Der Parteivorstand beschloß ferner, den kämpfenden, spanischen Arbeitern seine Sym- pathie zum Ausdruck zu bringen. Die Sitzung erledigte sodann noch«ine Reihe organisatorischer Angelegenheiten. Wehränleihe: 3550 Millionen Prag. Amtlich wird gemeldet: Nach den bisher verarbeiteten Ergebnissen wurden für dleStaatsverteidigungSanleihe insgesamt 3.549,829.000 AL g c z c ich- net. Hievon entfallen änf^die 4Z^prozöntigest TitrcS 2.283,252.000 AL und auf die Zprozen- tigcn TitreS 1.266,617.000 AL. Gegenüber dem letzten Ausweis, in welchem der Gesamtstand der Zeichnungen mit dem Betrage von 3440 Millionen AL angegeben wurde,.ist daS heutig« Ergebnis um 110 Millionen AL Häher. Abflug der Sowletdelegatlon Prag. Nach einwöchigem Aufenthalt in der Tschechoslowakei setzte der Führer der, sowjetrussischen Militärfliegerdelegation Armeegeneral A I k S n i s den Zeitpunkt des Abfluges für Mittwoch 5 Ilhr früh fest. General AlkSniS erschien auf dem Flugplätze in Begleitung des hiesigen Sowjet-MilitärattachsS Obersten Schmitmann und des Oberstleutnants Hartmann. Er wurde vom Chef des Militärflugwesens General F a j f r, ferner vom General Fiala und vielen Offizieren der Prager Garnison und der Prager Fliegerformationen erwartet. Nach herzlicher Verab- fchiedung von den Versammelten begaben sich die sowjetrussischen Militärflieger an Bord des Flugzeuges und um 5 Uhr erhob sich der Apparat in die Lüfte. Gemeinsam mit ihm startete noch eine Jagdstaffel, die ihm das Ehrengeleite gab. Ein neuer Olympia-Zwischenfall Kaum ist der Zwischenfall mit dem offiziellen Olympiade-Plakat, auf dem die deutschen Randgebiete der Tschechoslowakei als zu Deutschland gehörig eingezcichnet waren, dadurch beigelegt, daß der Berliner Olympische Ausschuß sich.verpflichtete, diese Plakate durch neue, mit richtig eingezeichneten Grenzen zu ersetzen, so wird eine neue Provokation der Tschechoslowakei seitens der Veranstalter der Olympiade bekannt. In dem olympischen Dorf bei Berlin, das zur Unterbringung der Wettkämpfer dient— später soll eS bekanntlich für OsfizierSlurse der Reichswehr Verwendung finden— tragen die Häuser, in der die einzelnen Delegationen, untergebracht sind, den Namen größerer Städte des betreffenden Staates. Nun wurde bekannt, daß in dem deutschen Olympiadorf einzelne Häuser den Namen von deutschen Städten aus der Tschechoslowakei(Aussig etc.) tragen. Der Prager Olympische Ausschuß hat zwar gedroht, daraus die äußersten Konsequenzen zu ziehen, doch wird er anscheinend auch diese neue Provokation schließlich hinnehmen, um ja nicht die Teilnahme der Tschechoslowakei an der Olympiade zu gefährden. Zum Teil läßt sich diese Haltung vielleicht auch daraus erklären, daß neben 148. aktiven Wettkämpfern nicht weniger als 48 Funktionäre der verschiedenen Sportverbände als Begleiter der olympischen Delegation der Tschechoslowakei angehören werden. Abessinische Truppen vor Addis Abeba? Kairo. Das Außenministerium erhielt vom ägyptische» Konsul in Addis,Abeba«Iw Telegramm,. in welchem dieser melde^daßm»! Dienstag Angriffe^slarkci-abessiiiischer^Smktkräfte auf Addis-Abeba ersolgb seien:,■ Es fei zu blutigen Äämpfen mit den italienischen Truppen gekommen. Auf beiden Seiten habe eS Hunderte von Verletzten gegeben.' Man glaubt, daß eS sich um frühere Truppe» deS ÄegnS handelt, di« sich unter dem-Komuiando eines DedjaSmatfch reorganisiert hätten. Reuter meldet außerdem, daß weitere starke abessinische Abteilungen unter Ausnutzung der sommerlichen Regenfälle/ die ei» Vorwärtskom- men der motorisierte» Abteilungen und eine« AufklärungSdienst durch Flugzeuge nahezu unmöglich machten,«vn zwei verschiedenen Richtnn- gen auS aus dir Hauptstadt im Anmarsch seien. Ein Gegenstück zu dem Schreiben deS Senators Tschakert ist ein langer offener Brief des rebellierenden und ausgeschlossenen Beamten der SdP-Hauptleitung, des Herrn Friedrich Böhm. Es stellt die Schuld Henleins an dem Chaos in der SdP fest und schreit ihm inS Gesicht: Als Führer aber tragen Sie die volle Verantwortung vor dem gesamten Deutschtum für.die Zustände, die heute im Sudetendeutschtum herrschen. Weiter wirft Böhm dem Henlein vor, daß er Dr. Kreißel, Sinagon und Böhm selbst ohne Beweis wegen„Treulosigkeit" hinauswarf und so deren Ehre von seinen„Kreaturen i n d e n K o t z ich e n" ließ, während er die „Ehre" eines Menschen(Dr. Brand) verteidigte, „dem fünf ehrenwerte Männer seine Unehrenhaftigkeit bescheinigt haben". Und mit diabolischer Freude gesteht diefer von Henlein eingesetzte Parteibeamte: Es ist r i ch t i g, daß ich einem Ihrer Saazer Anhänger sagte, es wäre besser. für dal Sudetendcutschtum, wenn Sie weiter geturnt hätten und nicht in die Politik gekommen wären. Sie mögen diese Behauptung gehässig finden, aber sie ist w a h r und kann schon deshalb nicht treulos fein. Diese Erkenntnis haben, nebenbei bemerkt, heute viele Zehntausende von Sudetendeutschen. Herr Böhm ist aber noch nicht fertig. Er stellt fest, daß ihn die Partei gerufen und angestellt habe, obzwar er nicht Parteimit- g I i e d war. Und er ist es auch nie stiewxsen. Und dann fährt er fort: DaS besagt aber noch lange nicht, daß ich geneigt war und bin,' mir da» sonderbare Treiben politischer Dilettanten unter der Devise„Volksgemeinschaft" stumm und kritiklos anzusehen. ES war Ihnen an dem Tage, an dem ich von der Hauptleitung der Partei angestellt wurde,— oder schon früher— sehr genau bekannt, wie ich zu einer Reihe Ihrer engsten Mitarbeiter eingestellt bin und über sie denk«; denn an jenem Tag« lag der Hauptleitungssitzung ein von mir verfaßter Brief vor, den der KameradschaftS- bündler K. aus der Kanzlei der Rechtsanwaltes Dr. S. entwendet und der Leitung der SdP zur Verfügung gestellt hatte. In diesem Briefe heißt e» unter anderem: „...daher kann auch z. B. Minister Dr. Spina von mir kein devotes Gesuch oder Denkschreiben in seiner Schublade aufbewahren. Dadurch unterscheide ich mich vorteilhaft von jenem Intellektuellen-Klü ng el, dem der liebe Gott und die tschechosiowakische Regierung im Oktober 1988 da» politische Schicksal des SudetendeutschwmS in die Hände legten und dessen Prominente man zur Erhöhung ihre» Ansehens beim Volke auf sechs bis acht Wochen nach Pankraz nahm. Diese Kur hat die Herren so weich gemacht, daß sie sich devotest bei Herrn Dr. Spina für Ihre„Befreiung" bedankten; heute kommen sie ihin allerdings kaum noch auf den Namen..." Und zum Schluß schleudert der Böhm dem Henlein folgende Anklage entgegen: Wahres Fllhrerwm verpflichtet vor allem zu charakterlicher Haltung. Ihre Feststel lung, zweierlei Ehre nicht zu kennen und Ihr Kampf um. die Ehre Dr. Brand» zwingt Sie also als Mann von Charakter, den Borwurf der Treulosigkeit gegen meine Freunde und mich zurückzunehmen. Eine solche Erklärung wäre für Sie wahrlich weniger diffamierend, als wenn Sie sie unterließen. Wir haben Herrn Böhm, den«ehemaligen Kreisleiter der aufgelösten DNSAP", ausführlich zitiert und ersparen uns so einen Kommentar. Denn es gibt wohl niemanden, der sich ihn I nicht selber machen könnte. Vries an den Zeitspiegel „Zwei frohe Stunden— als Dienst am Kunden** unter diesem Motto— so schreibt uns eine Arbeiterin aus Wigstadtl— gab es kürzlich eine reichsdeutsche Rundfunksendung, bei der unter anderem ein„Possenreißer” behauptete, die streikenden französischen Arbeiter hätten folgende Forderungen auf gestellt. Die Arbeitszeit darf nicht früher als um 9 Uhr, spätestens 10 Uhr beginnen und muß um 11 Uhr enden mit einer einstündigen Pause. In der Pause darf nicht ausgetreten werden. Und wenn jemand während der Arbeitszeit einschläft, so darf er 'bei Strafe nicht geweckt werden. Wahrscheinlich hat sich dieser Herr ein Beispiel an seinen Führern genommen. Der Arbeiter aber ist noch viel zu bescheiden und zu wenig von seiner Macht durchdrungen, um nur das zu fordern, was ihm gebührt. Würde er endlich sein Recht fordern, so wäre es um das heutige Deutschland sohlecht bestellt! In Frankreich können die Arbeiter um ihre Forderungen kämpfen. In Deutschland aber droht dem Arbeiter, der seine Unzufriedenheit äußert, Konzentrationslager oder noch Schlimmeres. Das ist ein gewaltiger Unterschied, den klassenbewußte Arbeiter wohl zu würdigen wissen. Von dem Herrn natürlich der für die Vernebelung der Gehirne vom Rundfunk bezahlt wird, kann man das nicht verlangen. Uebrigens hat er mit folgendem„Witz” eine grausame Wahrheit gesagt: Ein Bürger der U.S.A. beschwert sich, daß der Kommunismus in seinem Lande überhandnehme; da gibt ihm der Deutsche folgenden Rat: Streicht von U.8.A. das U weg, so bleibt S.A. übrig und die wird mit den Kommunisten schon fertig... Wie traurig muß es in Deutschland aussehen, wenn dort solche Witze beklatscht werden und wenn zum Schluß einer solchen Vorstellung„Freut euch des Lebens” gesungen wird! Gewiß wird es dort genug Arbeiter geben, die insgeheim die Fäuste ballen. Wie gut haben wir; es da doch in der Demokratie. Da könnet gewisse Herren in Eger sprechen, was umgekehrt in Deutschland den Kopf kosten würde! Ist unsere Demokratie da nicht„demokratischer■” als sie sein sollt Aber die klassenbewußten Arbeiter wissen jedenfalls, was sie an der Demokratie haben: Freien Kampfboden für die Forderungen der Arbeiter. Wegen Schutzgesetzvergehen» verhaftet. In einem Gasthaus« in Eger ließ sich der Sohn der Kaufmannes Nosti in Eger in angeheitertem Zustande zu Aeußerungen hinreißen, die ein Vergehen nach dem Schutzgesetz beinhalten, weshalb Nosti verhaftet wurde. Der Mann, der täglich 2000 Ai verdient. Zweitausend Kronen Tagesverdienst— das ist, wie man zugeben wird, in diesen schweren Zeitläuften allerhand; und wenn dieser Verdienst noch dazu auf ein« so leicht« Weise erzielt werden kann, daß weder besondere Intelligenz, noch ein großes Betriebskapital erforderlich erscheinen, dann muh man sich angesichts dieses Umstandes fragen, ob es nötig ist, daß soviele Menschen heute noch ohne Verdienstmöglichkeit herumlaufeu müssen. Der Mann, der täglich 2000 Ai Reingewinn bei seinem„Unternehmen" verzeichnen kann, ist ein einfacher Marktfierant. Er handelt mit„Abessiniern", schwarzen Sofapuppen, also einem sozusagen aktuellen Artikel. Weil er aber weiß, daß ein Massenabsatz dieser Puppen nur bei Anwendung eines besonderen Tricks möglich ist, veranstaltet er auf den Märkten, die er besucht, ein« Art Lotterie, die der Orginalität nicht entbehrt: er hat auf einem Podium eine Art hölzerner Landkarte aufgebaut, auf welcher bei den Städtennamen elektrische Glühbirnen aufleuchten, wenn auf einen Knopf, ähnlich einer Klingelleitung, gedrückt wird. Drücken darf da» Publikum, einer von den Leuten, di« pro Nase 1 Ai für die Spielteilnahme einsetzen müssen. Unter dreißig Personen kann keine Parti« gestartet werden. Jemand seht also beispielweise seine Krone auf Prag. Bleibt das Lämpchen neben der Bezeichnung„Prag" länger al» die aderen leuchtend, dann gebührt dem Gewinner eine Abessinierpuppe— Wert S Ai und da die" anderen Spielteilnehmer durchfallen, bleibt dem Fieranten bet jedem einzelnen Spiel ein Gewinn von 28 Ai. Man muh gesehen haben, wie stark der Andrang de» Publikum» bei der Abessinierbude ist, wie häufig der Mann an gewöhnlichen Wochentagen an„Abessiniern" völlig ausverkauft ist, während er an Sonntagen mit noch stärkerem Zuzug den Teilnehmer- prei» pro Nase auf Ai 1.80 heraufsetzt, und man braucht kein ,mathematische» Genie zu sein, um auS- rechnen zu können, daß der seine Pappenheimer kennende Fierant«inen durchschnittlichen Tagesverdienst von 2000 Ak hat... Der nordische Papst Alfred Bosenberg - jüdlsch-mongoflsch-lettlsclier übstammwig? Sensationelle Mitteilungen eines litauischen Journalisten Der Journalist Franz Szill aus Kaunas versendet an die Presse und, wie er mitteilt, auch in eingeschriebenen Briefen an die Reichsminister Göring, Goebbels, Neurath, G ü r t n e r, sowie an die Redaktionen des„Berliner Tageblatt" und der„Frankfurter Zeitung" ein Schreiben, in dem er behauptet: „Herr Alfred Rosenberg, Reichsleiter, Chefredakteur de»„Völkischen Beobachter" usw., hat seine deutsche Staatszugehörigkeit unter Porspiegelung falscher Tatsachen erschlichen. Sein Großvater, Martin Rosenberg, geboren 1887 in Riga, war L e t te; seine Mutter Caroline Sire, geboren 1867 In Petersburg, war französischer Abstammung. Daß die Großmutter seine» väterlichen Großvater» Jüdin war und der Vater seiner Großmutter väterlicherseits Mongole und Leibeigener, beeinflußt im Geiste der Nürnberger Gesetze seine Charaktereigenschaften nicht, nachdem beide vor dem Jahre 1800 gelebt hatten. Trotzdem steht di« Tatsache fest: Alfred Rosenberg ist ein vierfacher Mischling, in dessen Adern kein Tropfen deutschen Blutes fließt. Sein» Fra« ist Estin, seine Nachkommen würden daher jüdisch.mongolisch-lettisch» französisch-estnische Blutmischung haben. Daß dies« Blutmischung die reine« Quellen des deutschen Wesen» ergibt, ist nicht gewiß nach der von Herr« Nelchsinnenminister am 21. Juni d. I. in Lübeck aufgestellten These, die lautet:„Wir wollen das Volk von dem Wahn Internatwnoler kreuz- und Quer- rasflgkelt befreien und eS zurückführ«« zu den reinen Quelle» seines Wesens". Diese reine Quelle ist in demiWesen Alfred Rosenberg» schon seit seiner Geburt durch zwei Erbkrankheiten. getrübt. Seine Mutter starb neunzig Tage nach seiner Geburt, 28jährig, an Tuberkulose und an einer Blutkrankheit. An diesen Krankheiten starben ferner: sein Vater Waldemar' Wilhelm Rosenberg im 42. Lebensjahre,—(Alfred Rosenberg war damals 11 Jahre alt),— zwei Brüder de» Vater», Arnold Dagobert'Rosenberg, 28jährig, sowie Alexander August Rosenberg, 84 Jahre alt, und der Bruder Alfred Rosenbergs, Eugen, 1929 am Starn» berger See, im 42. Lebensjahre. Für jeden Erbkranken, der heiratet, hat Alfred. Rosenberg die. Todesstrafe gefordert,«ährend er, ter feit seiner Kindheit in ärztlicher Behandlung steht, «In gesundes(und wohlhabende») Mädchen geheiratet und kur» nach der Eh««»gesteckt hat. ES mußt« zur Heilung nach der Schweiz gebracht werden. Alfred Rosenberg fuchs seit je sein'„Germanentum" durch Wortgeklingel zu beweisen, sicherlich um den Verrat, den er an Deutschland begangen hat, zu verdecken. In seinen Schriften behauptet er, daß er 1918 au» Riga nach Deutschland geflüchtet ist, um dort Wer die russischen Zustände zu„berichten". Diese Behauptung ist unwahr. Wahr ist, daß er 1917 au» Reval zu seiner Frau nach der Schweiz geflüchtet ist. Damal» kämpfte Graf von der Goltz und seine Armee, um die Baltischen Staaten an Deutschland zu binden. Blut ist reichlich geflossen. So hatte Alfred Rosenberg Gelegenheit, seine Kampfbereitschaft und seine Liebe für da» Deutschtum zu beweisen. Er hat sie bewiesen, indem«r di« deutsche» Kämpfer feige in Stich gelassen und sich In Sicherheit gebracht hat. Sein Bruder Eugen handelte ebenso tapfer. 1914, einig« Tag« bevor die deutsche Armee in Brüssel einzteht, flüchtet er von dort,— statt sich den Deutschen anzuschließen,— nach Frankreich. Er hielt sich in Pari» während und nach dem Weltkrieg auf. Fra« Alfred Rosenberg ist au» der Schweiz öfter zu ihm nach Pari» gereist. Uui die Verdienst», di« sich Engen Rosenberg um Frankreich er«orb-n hat(die Alfred Rosenberg nicht unbekannt sei» können) voll zu würdigen, wäre eS nützlich, daß Sie die französisch e Regierung um Auskunft ersuchen. Szöll zitiert weiter einen angeblichen Ausspruch Görings über Rosenberg:„Dieses Subjekt muß doch mal sagen, was es während des Krieges getan hat". SM, der sich als Gegner des Dritten Reiches erklärt, begründet sein Auftreten gegen Rosenberg dansit, daß dieser der gefährlichste und tückischeste'Kriegshetzer und daß seine Beseitigung im Interesse dm 31. Lebensjahr. Bei der Gemeinde Chlouniek im Gerichtsbezirk Hokice am Fuße des Riesengebirges havarierte Mittivoch um 8 Uhr 20 Minuten ein reichs« deutsches Verkehrsflugzeug. Es gehört der Deutschen Lufthansa und befand sich nuf dem Wege von Prag, wo es um 7 Uhr 40 Minuten gestartet war, nach Breslau. An Bord befand sich nur die zweigliedrige Besatzung. Wie wir weiter erfahren, handelte es sich um ein Ersahflugzeug, welches sich auf dem Fluge nach Breslau befand. um von dort aus in den normalen Verkehr eingereiht zu werden. Straßen, klopften überall an die Fenster, und Türen und kletterten schließlich auf das Dach eines von Zigeunern bewohnten Hauses, von wo sir sich schließlich durch den Rauchfang in das Inner« herunterliehen. Die Bewohner deS Hauses waren zunächst zu Tode erschrocken und als sie sich besannen, kam es im Finstern zu einer heftigen Prügelei, der erst durch die herbeieilende Polizei ein Ende gemacht lvurde,. die einen der Häftling« durch Schüsse verletzte und die übrigen verhaftete« Mathilde di« Große,(mb) In der am 20« Juni erschienenen Nummer seiner Zeitschrift„Am heiligen Ouell" schreibt der General Ludendorffk „... daß zu den ganz Großen meines Volkes meine Frau gehört, die als größter deutscher Philosoph, der das Raffeerwacheik durch Deutsches Gotterkennen krönte, das Recht hat, vor Schmähungen geschützt zu werden."—< Vielleicht hat er nicht mal so sehr unrecht: beim heutigen Zustand der deutschen Philosophie.., Der Nestor der Gangster»,(mb) Am 19. Juli hat Präsident Roosevelt eine Verfügung unterzeichnet, durch die der öS Jahr« alte Jgnazio Saietta wieder zum Sträfling wivd. Saietta, von dem man behauptet, er habe in seinem Heimatort in der Näh« von Palermo auf Sizilien drei Millionen Dollar» in" Gold aüfgespeichert, ist ein Vorläufer und Vorbild Al Tapone» und anderer Bandensührer gewesen« Er war unter dem Spitznamen„Lupo der Wolf* einer der ersten»Racketeer»" der Bereinigten Staaten. Er kam um die Jahrhundertwende nach" Amerika und begründete bald nach seinem Eintresten ein „Racket", d. h.«in Verbrechersyndikat. Seine Bande beging Raub- und Mordtaten in einem Au»maß, das in jenen Vorkriegszeiten selbst in USA riesig erschien. Im Jahre 1910 stand Saiette an der Spitze einer Fälscherbande, di««»»gehoben wurde. Er wurde zu 89 Jahren verurteilt. Im Zuchthau» verstand, er e», den Behörden glaubhaft zu machen, daß er sich gebessert habe, so daß er durch eine Verfügung de» Präsidenten Harding im Jahre 1920 in Freiheit gesetzt wurde, allerdings unter der Bedingung de» Wohlverhaltens. Aber— mochte er im Gefängnis die Besserung nur gemimt haben oder macht« er e» damals ernst gemeint haben— Saiette konnte der Versuchung nicht widerstehen,"eine Täfigkeit wiederaufzunehmen, in der er nun einmal Fachmann war. Bald hatte er sich al» Chef eines Racket», das kleine Kaufleute durch Terror, zu Abgaben zwäng, wieder ein Vermögen gemacht. Dafür muh er nun in» Gefängnis zurück. Da» Wetter in Mitteleuropa wird noch andauernd von Resten verschiedener Störungen, die in den vergangenen Tagen vom Ozean her gegen das Festland fortgeschritten waren.beeinflußt.JmGebiete der Mebuplik sind zwar die Temperaturen im ganzen gleichmäßig' verteilt, aber der Himmel ist- noch größtenteils bedeckt und stellenweise regnet e». Die allgemeine Wetterlage dürft« sich in den nächsten Tagen wenigstens vorübergehend bessern, da.die -Hauptzufuhr kühler ozeanischer Luft-gegen da» Festland vorläufig aufhört,— Wahrscheinliche» Wetter von heute: Wechselnd bewölkt, Abnahme der Neigung zu Regenfällen, leichte Erwärmung, Westwind.— Wette rau» sichten für Freitag: Noch unbeständig,-stellenweise Schauer, mäßig-warm, Westwind. Vom Rundfunk ■WMItMMltM MM MB hagHMMI Freitag Prag, Sender L.r 7: Moraenmusik,-11.08: Smetana-Kompositionen. 12.10.: ,. OperngesKnge, 12.86: Salonorchesterkonzert, 14: Schallplatte«, 18.05: Deutsche Sendung: Univ.-Prof. PringShelm: Die Farbe der Blumen. 18.26: Dr. Eisner: Wirkender deutscher Geist, 18.88; Arbeiterfunk: Aktuelle zehn Minuten, 22.20: Tembflllo« k-nzert.— Sendrr S.: 7.80: Lrchesterkonzert, 18.18: Deutsche Sendung: Für die Frau, 18.80: Deutsche Presse.—. Brünn: 17.40: Deutsche Sendung: Rzehäk: Insel der Schönheit— Korsika.—* Bücher für- die Jugend, 18.20: Harmonikasolo, 19-20: Äeigenkonzert.■—Preftbnrg: 10.10: Nachmittagskonzert, 22.80: Tanzmusik.— Mährisch». Ostraur' 18.10: Dentsche^Sendüng: Aerztlicher Vortrag, 21: Der verlorene Knopf iSchallvlatten- revue, Nr. 170 Donnerstag, 23. Sutl 1988 Sette 5 Der Fall Sanchez Rublo i So groß die Erbitterung der? Flüchtlinge gegen di« aufständischen Generäle und das Wüten der marokkanischen farbigen Truppen auch ist, am meisten Haffen sie den Kommandanten Neu« terio Sanchez Rubto. Dieser Mann war der führende Kopf der Gegenrevolution von La Linea. Er soll, wie die Flüchtlinge erklären, den B e« fehl zum Bombardement der Stadt gegeben haben, er persönlich soll für die Terror« Maßnahmen gegen die wehrlose Bevölkerung verantwortlich sein. Wer ist dieser Sanchez Rubio? Er war Leutnant eines Regimentes in Malaga, der, als die spanische Republik im April 1931 ausgerufen wurde, zusammen mit einigen anderen Offizieren versuchte, einen antircpublika- nischen Putsch zu unternehmen. Er sollte erschossen werden, eS gelang ihm jedoch, nach Gibraltar zu entfliehen, wo er anscheinend sein bisheriges Leben völlig vergab und als Angestellter einer Autoreparaturwerkstatt tätig war. In Wirklichkeit war er, wie sich erst jetzt herauSstellte, unermüdlich konspirativ tätig, er organisierte mit ein paar Freunden zusammen zahlreiche faschistische Gruppen in ganz Südspanien, die auf sein Geheiß Konskriptionslisten ansertigen muhten. Frühzeitig trat er auch in Verbindung mit dem General Franco und lieferte diesem mit Hilfe eines Geheimsenders, der erst jetzt entdeckt wurde, wichtige Nachrichten über das Fortschreiten der anti- republikgnischen Bewegung im Lande. Nach außen hin aber blieb er bis zum letzten Tage der bescheidene freundliche Angestellte, der sich für Politik überhaupt nicht mehr zu interessieren schien. Am Donnerstag voriger Woche war er plötzlich verschwunden. Am Sonnabend aber tauchte er wieder auf, freilich nicht mehr in Gibraltar selbst, sondern in Algeciras, wo er, rasch zum Hauptmann ernannt, den Befehl über einen großen Teil der aufständischen Truppen- übernahm und in Eilmärschen nach La Linea zog. Es heißt, daß er im Verlauf der Kämpfe getötet worden sei, jedoch ist diese Nachricht bisher nicht bestätigt. Looyttavt by MltronreB. Die Sdircckcnsnachtc von Gibraltar stischeS Einheitskomitee die Macht aus. Alle öffentlichen Gebäude sind rot beflaggt, die Arbeiterschaft hat am Montag die Waffenarsenale gestürmt, und Tausende von ihnen sind unterwegs nach Sevilla.und Cordoba, um ihren schwerbedrängten Kameraden zu helfen. lieber die Stimmung dieser Leute gaben mir zwei Flüchtlinge aus Malaga eine charakteristische Auskunft. Ihnen war es gelungen, noch zu einer Zeit zu entkommen, als die aufständischen Truppen die Stadt besetzt hielten, das war am Sonntag.„Wenn der Putsch niedergeschlagen ist", so meinten sie beide übereinstimmend,„so gibt es kein Zurück mehr zu den parlamentarischen Zuständen, wie wir sie bisher gehabt haben. Die Regierung in Madrid ist an allem schuld. Sie hat, obwohl Sozialisten und Kommunisten es immer stürniischer forderten, unterlassen, das Offizierkorps rechtzeitig zu säubern. Das hat sich jetzt gerächt. Es genügt nicht, die Reaktion durch Wahlen zu schlagen, man muß sie völlig vernichten. Gil Nobles hat monatelang hindurch ungestört hetzen dürfen, und der Sohn Primo de Riveras hat vom Gefängnis aus, ohne daß man eingriff, seine faschistische Bewegung weiterleiten können, er durste Besuche empfangen, soviel er wollte und bediente sich seiner Gefängniswärter als Botengänger. Daß Franco eines Tages putschen werde, wußte jedes Kind in Spanien, aber die Regierung hat ihn nicht einmal degradiert, geschweige denn abgesetzt, sondern ihm Zeit gelassen, sämtliche marokkanischen Garnisonen um sich zu sammeln, sich von den Offizieren den Treueid leisten zu lassen und mit den Faschisten, Monarchisten und Separatisten in Lissabon, San Sebastian, Barcelona und Madrid in Verbindung zu treten. Was jetzt kommen muß, wenn Spanien nicht untergehen soll, ist eine rein sozialistische Regierung, die mit den Feinden der Republik endgültig und erbarmungslos aufräumt." DMsuurtsckmft und Sogiolpofttife Dreijabrplan der Konsumgenossenschaften MTP. Gibraltar, 21. Juli. Der Wirrwarr, der seit drei Tagen in Gibraltar herrscht, ist unbeschreiblich. Tausende von spanischen Flüchtlingen, Männer, Frauen, Kinder, bepackt mit den letzten Habseligkeiten, weinend, fluchend, halb irrsinnig vor Angst und Wut, kampieren hier unter dem Schuh der britischen Bajonette und Kanonen, teils unter freiem Himmel, weil der zur Verfügung gestellte Raum nicht auSrcicht, teils in Kasernenhüfen oder in den öffentlichen Parkanlagen der Stadt. ■ Durch die Straßen patrouillieren unablässig die Tommics mit geschultertem Gewehr. Das hat seinen guten Grund: Die Flüchtlinge der letzten drei Tage und Nächte sind zwar alle Parteigänger der Regierung, kleine Beamte, Angestellte, Handwerker, Arbeiter und Bauern aus La Linea, Algeciras, Estepona und Tarifa, aber andererseits leben seit einigen Jahren ein paar hundert antirepublikanische und monarchistische Spanier innerhalb der. politischen Oberhoheit von Gibraltar. So kam es schon am Sonntag zu Plänkeleien, Zusammenstößen und Prügeleien zwischen spanischen Antircpublikanern und Antifaschisten, und die englische Polizei ist gezwungen, seit Montag eine Reihe von Häusern zu beschützen, in denen Parteigänger des Generals Franco und der anderen aufständischen Offiziere sitzen. „8le heizen Farbige aus unel" Die Empörung der geflüchteten spanischen Familien ist grenzenlos. Ich sprach mit ein paar Leuten, denen es gelang, in letzter Sekunde aus La Linea zu fliehen, das heute nur noch ein Trümmerhaufen ist.(In der Nacht vom Sonntag zum Montag konnte man den Schein der brennenden Häuser von Gibraltar aus deutlich erkennen). Die Leute erzählten mir, daß die m a r,o k konisch e n. T r u p p e n der spanischen Fremdenlegion, die von Ceuta herkamen, in Tarif« landeten und in Eilmärschen nach La Linea kamen, wie die Vandalen in der Stadt gehaust hätten. Ledes Haus sei durchsucht, Dutzende, von Menschen seien hingeschlachtet worden, die Häuser derjenigen, von denen man vermutete, daß sie Anhänger der Regierung seien, hätte man in Brand gesteckt, die Männer sofort erschossen und Frauen und Kinder aufs Furchtbarste behandelt und als Geiseln mitgeführt. „Schwärze Kerle", schrie mir eine Frau zu,„die kaum ein Wort spanisch verstanden, haben uns mit Bajonetten bedroht, uns angespuckt, auf die Erde geworfen. Man sah ihnen an, daß es ihnen eine, satanische Freude machte, und wir werden es dem. Ge^erasAriMco.nie,vergessen,. daß„er, der sich,äls ein,'sü,' ssroßeö'Paftim aüMhrt, mii- schwarzen Trustpen LaS'. Land' überfiel. Dää ist ein Verbrechen und eine Schande. Ein Glück nur, daß unsere Leute auf dem Posten sind^E» wird ein bitteres Ende für Franco und seine Truppen nehmen." Rote Fahnen Uber Malaga In der Tat ist bereits am Montag, wenigstens im östlichen Teil Südspaniens,, ein Umschwung erfolgt. Die Berichte der letzten Flüchtlinge, die in der Nacht vom Montag zum Dienstag in Gibraltar ankamen'und von denen ich einen Teil sprach, sind, was die Einzelheiten der Kämpfe betrifsti nicht ganz klar, doch bestätigt sich, daß sowohl La Linea, obwohl nur noch eine Ruinenstadt, sich wiederum in den Händen der' Regierung befindet, während in Malaga bereits die Dinge noch'weiter vortvärtS getrieben sind. Hier übt, nachdem es zu erbitterten Kämpfen gekommen war, nunmehr ein sozialistisch-kommuni- Der Ende März abgehaltene BerbandStaz des Verbandes der Deutschen Wirtschaftsgenossenschaften hat den Verbandsvorstand beauftragt, für die Werbearbeit unserer Genossenschaften in den 'nachsköü'! drei^BerichtSjahr/ss eist' erreichbareS'ZM aufzustellett. Der Verbandsvorfland ist dieser Förderung nachgekommen. ES här für den Entwurf, des„DreijahrplaneS" die Zustimmung der Kreisleitungen eingeholt' und zugleich die Errichtung einer Werbe- und Bildungsstelle beim Verbandssekretariat in Prag beschlossen, deren Ausgabe eS sein wird, die Erreichung des Planes mit allen geeigneten Mitteln in allen jOrten zu fördern. Das Ziel des DreijahrplaneS geht von den Ergebnissen des Berichtsjahres 1985/86 aus und baut sich auf den Ziffern dieser Geschäftsperiode auf, die in einigen Wochen schon statistssch zusam- mengefaßt vorliegen werden. Er gliedert sich in die Gewinnung, neuer Mitglieder, die Erhöhung des Umsatzes der VerbandSgenössenschaften, des Umsatzes des GEC-Berbande». und seiner Eigenproduktion. 1. Der Mitgliederstand, den die VerbandSge- nossenschaften am 80. Juli 1986 aufweisen, ist in drei Jahren um 20.000 neu einkau« sende Mitglieder zu heben. 2. Der Gesamtumsatz aller Berbandsgenossen- schafte ist um 80 Millionen KL zu steigern. r; 3...S)« Umsatz des GEC-Verbandes ist um 20 , MillionenKe zu erhöhens hievon in der Eigenproduktion um 10 Millionen KL. 4, Die Auflage des„FamilienblatteS" ist von 158.000 auf 180.000 zu steigern, der Umgang des Blattes ist zu vergrößern und das Blatt drucktechnisch besser auszugestalten. 5. Die Auflage der„Konsumgenoffenschaft", die für die VerbandSgenössenschaften zurzeit 3178 beträgt, ist auf 4200 Stück zu erhöhen. Das Blatt sollen alle Funktionär« und leitenden Beamten erhalten, für jede Bertei- lungSstelle ist ein Exemplar zu beziehen. Zur Erreichung des vorangeführten Zieles soll eine umfassende Schulung der Funktionäre und'Angestellten und der genossenschaftlichen Werber, sowie«in« stärkere Bildungsarbeit unter den Mitgliedern in Angrisf genommen werden. Diesem Zweck soll di« Veranstaltung von Lehrkursen dienen. Drei Minuten Detektiv General Mc Pherson war ein rüstiger Sechziger, und niemand hätte gedacht, daß es so schnell mit ihm zu Ende gehen würde. Er war auch bei bester Gesundheit, als der Tod seinem ersolgrei- chen Leben ein Ende machte. Er hätte den Abend in seinem Klub in Gesellschaft von drei Freunden verbracht, man hatte Billard gespielt, Whisky getrunken und schwere Zigarren geraucht. Plötzlich fühlte sich der General unwohl. Mit Mühe erreichte er feinen Wagen, als er nach Hause kam, war er bereits tot. Die Aerzte stellten Nikotinvergiftung fest, obschon man zuerst einen Herzfehler angenommen hatte. Aber.im. Magen sanden sich Neste von Nikotin, und so mußte sich der General wohl ßu Tode geraucht haben.' ' Inspektor Johnson schüttelte bedenklich den Kopf.' Er hatte den Besuch- von Colonel Elthworth erhalten. Der Colonel war der intimste Freund des Generals und hafte-auch den letzten Abend im Klub mit' ihm zu'gevracht. Er war gekommen, weil ihm der. angeblich natürliche Tod des Generals nicht in den Kopf wollte. Nein, es mühte ein Rätsel dahinter'verborgen sein—ein Riese wie der General stirbt nicht an Zigarren. „Es ist zweifellos irgend etwas daran,-Colonel", sagte der Inspektor.«Ich habe in fünfundzwanzig Fahren genug Leute sterben sehen. ES war niemand darunter, der an dem bißchen Rauch eingegangen wäre. Man wird krank Von Nikotinvergiftung— so leicht stirbt man nicht daran.' Ja, wennman freilich reineSNikotin, vorgesetzt bekommt, und das Zeug hinunterschluckt, dann ist es«ine-andere Sache. Aber so— solche tödliche Zigarren gibt es ja gar nicht." „ReineS Nikotin I" sagt« der Colonel.„Ist daS auch so schmierig schwarzbraunes Zeug, wie man«S aus der Pfeife holt?" „Nein. Reines Nikotin, chemisch destilliert, ist«ine, wasserklare Flüssigkeit, ohne Geruch und ohne viel Geschmack. Konzentriert genossen, ist es ein Gift, das sofort tvirkt, und noch stärkere Männer ins Jenfeits befördert, wie den armen Genetal." „Inspektor— ich bin ganz sicher:' mein Freund ist ermordet worden I" „Sachte, sacht«. Vorerst haben wir nicht den Schatten eines Beweises dafür. Aber di« Sache ist natürlich.unklar. Jedenfalls wird es wohl gui sein, Sie erzählen mir ganz genau, was sich im Klub abgespielt hat." „Mer da ist doch nichts zu erzählen, Inspektor. ES.ist nichts außergewöhnliche» vorgegangen. So'einen Abend haben wir schon hundertmal"miteinander verlebt. Wir haben Billard gespielt," „Zu zweit?" „Nein. Mit Tolman und Rogers, sie wissen, Major Tolman und dem Vermögensverwalter Rogers, der auch der Berater der Generals war. Der General und ich-spielten zusammen, die beiden gegen uns. Die Partie stand schlecht für uns, bis der General alles mit einem Schlage aufholte. 50 Punkte hat er auf einmal gemacht— es war ja auch seine letzte Leistung auf dieser Welt." .„Wurde viel geraucht?" „Wie gewöhnlich— zwei, drei Zigarren jedex am Wend." „Und getrunken?" „Nicht der Rede wert—. ein Glas Whisky jeder." „Wer hat den Whitzktz elngegossen?" „Der General. Er stellt« die vier Gläser auf den Kaminsims.". „Konnten Sie die Gläser' während des Spiels sehen?" Aber Inspektor— wer kümmert sich denn bei einer Partie um Whiskygläser I Sie standen hinter unserem Rücken. Bevor man am Zug war, ging jeder von uns hin und nahm einen Schluck." „Erinnern Sie sich vielleicht, in welcher Reihenfolge das geschah?" „Tolman eröffnete die Partie und trank unmittelbar, nachdem der General eingeschenkt hatte. Dann kam ich an die Reihe. Dann Rogers. Ich- hatte eine besonders verzwickte' Ballstellung hinterlassen: und wir sprachen noch darüber, wie Rogers damit ferftg würde, während er seinen Whisky nahm und die Queue ankreidete. Die kkeide lag auch auf. dem Kamin." '.„Ich danke Ihnen, Colonel. Ihr Freund soll gerächt werden. Ich werde Roger» wegen Morde» und' vermutlich Unterschlagung von Vermögen vethäften lassen." ,- Woher wußte der Inspektor, daß RoeerS der Täter war? Jeder der drei Freunde de» Generals war bei der Annahme, daß das NIkottn in. den Whisky geschüttet wurde gleichermaßen verdächtig,^.doch mußte der Täter wissen, welche» Glas der General trinken würde. Es konnte also nur der dritte sein. Zwei Gläser waren angetrunken, eins trank er selbst. E» blieb nur da» des General»,Übrig, Roger» schüttete da» Gift hinein, während die anderen, diskutierten und er sich den Anschein gab, die Queue änzukreiden./Das Motiv war, daß er Mit' dem Vermögen de» Generals spekuliert hatte, und, vermeiden.wollte, Abrechnung zu geben.... La Argentina Die bekannte argentinische Tänzerin La Argen- ftna ist, wie bereits gemeldet, in Bayonne einem Herzschlag erlegen. Umgruppierung in Bulgarien. Die bulga-, rischen Parteien versuchen sich zu den bevorstehenden Verfassungs- und Wahlkämpfen neu zu ordnen. C a n k o w hat dieser Tage ein großes Diner abgehalten, an dem auch seine beiden Minister teilnahmen und bei dem er in einer großen Rede sein weiteres Programm, das vor allem den Kampf gegen die Volksfront und die Parteien— außer seiner eigenen nationalsozialistischen— enthält, der Oeffentlichkeit mitgeteilt hat. Auf der andern Seite schließen sich die demokratischen und sozialisftschen Gruppen enger aneinander mit dem Ziel, zu einer V o I k s f r o n t zu gelangen. Die Presse diskutiert unterdessen die Frage, ob es nicht nöftg sein werde, die für Oktober geplanten Wahlen zu verschieben. Diese Forderung geht eben- fallS von Cankow aus, der vor der Durchführung der Wahlen den Staatsapparat völlig in die Hand bekommen will. Er motiviert das in seiner Rede mit der Behauptung, die Beamten seien zu drei Vierteln.„Staatsfeinde" und müßten ausgewechselt werden. Es ist das beliebte faschistische 1 Rezept. Tschechoslowakei liefert Touristen, Deutschland Auto». Die„Lidovk Noviny" schreiben: Die Ge- meindeverftetung von Maribor beschloß, eine größere Lieferung von Autobussen einer reich-deutschen llutosabrik zu vergeben. Diesen Beschluß kritisiert scharf das sozialistische Blatt„Volksstimme", das dabei auf das Beispiel der englischen Bleiförde« rungsgesellschaft in Mejic hinweist, die eine größere Anzahl schwerer Lastauto» in der Tschechoslowakei bestellte. Die„Bolksstünme" schreibt:„Man sollte erwarten, daß die Gemeinde von Maribor ihre Autobusse in der Tschechoslowakei, bei der tschechoslowa«- kischen Autoindustrie bestellen wird, die schon seit langem Weltruf genießt und zumindest so leistungsfähig wie, die Industrie des Dritten Reiche» ist. Wer woher I ES sieht so au», al» ob uns mehr an. den Wirtschaftsbeziehungen zur braunen Diktatur gelegen wäre als zur demokratischen Tschechoslowakei, die überdies unser Verbündeter ist. Die Schnellzüge au» dem Norden bringen täglich hunderte tschecho- flowakischer Sommergäste an die jugoslawische Riviera, durch unsere Grenzstadt sftömen tschechoslowakische Devisen ins Land und sind ein Segen für unsere Handelsbilanz. Wir aber treiben mit dem Dritten Reich Handel, das»nS unsere Waren schuldig bleibt. Wirklich— eine gesegnete Wirtschaft! Wenigstens die Gemeindevertrewng, die ganz in- Händen der slowenischen Patrioten ist, sollte bei der Lösung von Wirtschaftsfragen nach dem Programm der Kleinen Entente Vorgehen." Wie im„freien Amerika" Streik» bekämpft werde»,(bn.) Seit einem Monat streiken die Arbeiter der Orangenpflanzungen von Santa Anna, Kalifornien, um bessere Arbeitsbedingungen zu erlangen. Es, sind zumeist Mexikaner oder malayische Filipino». Sie hungern für ihre Sache und haben obendrein die Angriffe- der Ausbeutergarden und Streikbrecher zu ertragen, die mit Keulen, Spitzhacken und Revolvern vorgehen. Hunderte Mittelschüler- sind in die Listen der Streikbrecher eingetragen worden! 175 Streik« und mit ihnen Sympathisierende sitzen im Gefängnis und haben Aufruhrprozesse zu«rfvarten. In New gork ist die Sozialarbeiterin Miß Willie Sue Blagden eingetroffen, die am 15. Juni zusammen mit dem' Geistlichen Claude William» in Santa Ayna von,„Vigilanten" aus Arkansas ausgepeitscht worden ist. Sie berichtete, daß Frank W e a m», ein Neger und Mitglied de» Pächter»«« bande» Süden seit Wochen verschwunden und entweder ermordet oder in Gefangenschaft der Polizei «der der Aysbeutergarden ist, Seite 6 Sozialdemokrat" D crStag, 83. Juki 1936. Nr. 170 Hundert Jahre Arc de Triomphe ffNIDP Paris, im Juli.) Ende Juli, genau gesagt, am 29. Juli, tvird Paris ein eigenartiges Jubiläum feiern: an jenem Tage find es genau bundert Jahre her, daß dec damalige französische Ministerpräsident Thiers den berühmten Arc de Triomphe auf der Place d'Etoile eintveihte. Der Arc de Triomphe ist neben dem Eiffelturm und der Notre Dame-Kathedrale zum Wahrzeichen von Paris geworden, wie etwa das Brandenburger Tor für Berlin oder das Nelson-Monument auf dem Trafalgar Square für London. Der Arc de Triomphe nun ist nicht nur eine Sehenswürdigkeit, nicht nur ein Kunstwerk, sondern hat auch eine sehr inter- ■ essante Geschichte.• Die Idee, auf der Place de l'Etoile einen großen Triumphbogen zu errichten, und zwar nach dein Muster der römischen Triunlphbögen. stammt von Napoleon I. Nachdem ihm zu Ehren bereits auf der Place Vcndsme eine Nachbildung der römischen TrajanSsäule als Siegesdenkmal errichtet wat, waren feine Freunde und Verehrer nach der siegreichen Schlacht bei Austerlitz der Meinung, man möge nunmehr«in noch viel prächtigeres Denkmal schaffen. Napoleon, ebenso eitel wie darauf bedacht, die Hauptstadt seines Reiches zu vergrößern und zu verschönern, griff die Idee mit Begeisterung auf und begann sofort, persönlich"Skizzen zu entwerfen. Die Idee, auf der Place l'Etoile ein Monument zu errichten, war lvirklich großartig. Die Champs Elysöcs, die den Platz überkreuzten und geradlinig in die Avenue de la Grande Armte einmündeten, waren bereits von, Ludwig XV. und Ludwig XVI. geschaffen worden, und zwar in der Hauptsache deshalb, um einen breiten und direkten Weg nach dem Schlöffe St. Germain zu haben. Ludwig XVI. hatte bereits die Absicht, auf der Place de l'Etoile ein Schloß zu bauen, das dann von seiner Höhe aus ganz Paris beherrscht hätte. Auch Napoleon griff zunächst diesen Plan auf und war der Meinung, daß ein Triumphbogen nichr genüge, sondern daß der ganze Platz zu einer riesigen Schloßanlage umgebaut werden müsse. Dieser Plan wurde jedoch dann falle» gelassen. Aber der Triunlphbögen sollte dennoch nicht isoliert im Raume stehen, sondern mit dem Stadtbild zu einem einheitlichen Ganzen verschmolzen werden. ES war Napoleon, der zugleich mit dem Entwurf des Triumphbogens für die Ausgestaltung jener beiden sich kreuzenden Achsen sorgte, durch die Paris zur architektonisch schönsten Stadt der Welt wurde. Diese beiden Achsen sind die Linie Louvre-Etoile und die Linie Madeleine—Deputiertenkammer. Beide Linien überschneiden sich auf der Place de la Concorde, der Napoleon die endgültige Form gab. Der Triumphbogen sollte sehr schnell erbaut werden, andererseits sollte er ein Kunstwerk ersten Ranges werden, Napoleon sammelte die besten Architekten der Zeit um sich. Nach mühseligen Berechnungen wurde festgestellt, daß die Bauzeit mindestens fünfzehn Jahre in Anspruch nehmen würde. Napoleon war wütend:„Und wenn ihr Tag und Nacht arbeiten müßt", schrie er,„der Triumphbogen hat in spätestens zehn Jahren fertig zu seinl" Damals, 1896, als er diese Worte sprach, konnte er nicht ahnen, daß auch die Frist von zehn Jahren viel zu lang war: im Jahre 1816 saß er schon auf St. Helena, der Bau aber, für den nach der Schlacht von Waterloo kein Architekt und kein Arbeiter mehr einen Finger rührte, stand als halbfcrlig auf dem Platz, und die Nachfolger Napoleons hätten ihn am Brigitte Hornctz und Willi Eichberger in dem Liebesdrama aus dem südslawischen Milieu „Sklaven der Leidenschaft"(Bosniaken), liebsten wieder niedergeriffen: die RestaurationS- zeit war Napoleon und seinem Ruhme nicht sehr gewogen. Erst LouiS-Philippe, der 1880 den Thron bestieg, begann sich wieder für tön Torso zu interessieren, und wiederum wurde ein Architekten-Comiti gebildet, das sich die alten Pläne verschaffte, sie teilweise abänderte und schließlich den Bau niit Hilfe einer Reihe von Bildhauern, die die Reliefs Und Briese fertigstcllten, 1886 zu Ende führte. ES war nicht mehr der Arc de Triomphe Napoleons, obwohl ein Teil der Reliefs die napoleonischen Siege verherrlicht. Aber andere Reliefs stellen, entgegen dem ursprünglichen Plan Napoleon»,Szenen aus der großen Revolution dar. Diese Szenen sind übrigens die künstlerisch gelungensten. Der Arc de Triomphe hat vor allem in den ersten Jahrzehnten Zehntausend«: von Besuchern aus allen Teilen der Erde herbeigelockt. Er war vor allem eine Hauptattraktion für die Amerikaner. Im Jahre 1864 ließ sich eine junge Amerikanerin im Hotel de Bille beim Pariser Bürgermeister dnmelden und fragte den Verdutzten, wieviel Dollar der Erwerb des Arc de Triomphe kosten würde. Der Bürgermeister meinte, nachdem er sich von seinem Schrecken erholt hatte, daß das Monument unverkäuflich sei, woraufhin die unerschrockene Miß anfragte, wieviel Dollar es kosten würde, wenn sie den Triumphbogen mitsamt dem Platze für eine Nacht mietete. Der Bürgermeister erkundigte sich, zu welchem Zwecke das geschehen solle.„Ich. will meine Verlobung dort feiern, möchte meinen Berlobtcn überraschen und ihm den Arc de Triomphe in der VerlobungSnacht illuminieren lassen. Ich. bin bereit, jede Summe zu bezahlen." Der Bürgermeister sah sich zu seinem Bedauern gezwungen, das Anerbieten abzulehnen. Seit 1019 befindet sich dar Grabmal des Unbekannten Soldaten unter den hohen Bögen des Arc de Triomphe. ES gab keinen würdigeren Platz für diese Grabstätte. Jeder" Monarch oder offizielle Vertreter seines Landes, der Paris besucht, begibt sich zu allererst zum Arc de Triomphe ans Grab des Unbekannten Soldaten. Alle offiziellen Paraden führen anl Arc de Triomphe vorüber. Hier ist geheiligter französischer Bode», und der Bogen selbst das würdige Mahn« und ErinnerungSmal der großcn Geschichte des französischen Volkes. Die■ richtiggestellten Wählerverzeichnisse der Hauptstadt Prag werde» vom 24. bi» zum 81. Juli von 8 bi» 14 und von 16 bis 18 Uhr zur öffentlichen Einsichtnahme aufgelegt werden, und zwar für Prag l bis VII im zentralen Wählerkataster, in den übrigen Stadtteilen bei den zuständigen Magi- stratSamtSstellen. Jeder hat das Recht, in die Verzeichnisse Einsicht zu nehmen und Abschriften und Auszüge zu machen, soweit er dadurch"nicht andere Personen von der Ausübung desselben Rechtes ausschließt. Nmst und Mss-en, Sommerfpielzcit Kleine Bühne.„Literatur am Naschmarkt". Die für Mittwoch, den LS. Juli, an- gesetzte Premiere„Die große Reise" mußte infolge der plötzlichen Erkrankung eines Mitgliedes auf zwei bis drei Tage verschoben werden. llus- der Partei Todesfall in Brünn. In Brünn ist der I» Par- tcikreisen auch außerhalb Brünus bekannte Genosse Ignaz Engel im 62. Lebensjahre gestorben. Genosse Engel ist Funktionär der Partei gewesen und OrtSgruppcnobmaim de» Verbandes der Eisenbahner. Das Begräbnis findet Freitag um 11 Uhr vormittags auf dem israelitischen Friedhof in Brünn statt. VerünsnachnMen A Sonntag, de» 26. Juli 1036, vormittags 10 Uhr. findet in Nera- tovic der Meisterschaftskampf des Prager AtuS gegen den Favorit der II. Klaffe, DTJ.-N erato- PRAG v i c statt. Informationen über die Abfahrt werden Samstag auf der H e tz I n s e l erteilt, weshalb dortselbst alle Sportler erscheinen müffen. filme in Prager Lichtspielhäusern Adria: Max Schmeling siegt über Joe Louis.— Alfa:„Das Lied der Liebe." Kiepura.— Avionr Max Schmeling siegt über Joe Louis.— Flnix: „Stjenka Rastn."— Flora:„Die Schatten von Sing-Sing."— Gaumont:„Es geschah in einer Nacht." Gable, Golbert.— Hollhwood:„Kleines Mädel— großes Glück."— Julti:„Waldwinter."— Klnema, B.-Th.r Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna, Aktualitäten-Theatcr: Journale, Grotesken.— Lucerna:„Wie Frauen lieben." S. Sidney.— Metro:„Drei Männer im Schnee." — Passage:„Stjenka Nasi»."— Praha:„Drei- Groschen-Oper."— Svitozör:„Waldwinter."— Alma:„Musik der Herzen."— Besedar „Viktoria."— Carlton:„Die unmögliche Frau."— Illusion:„Pygmalion."— Lid» II:„U-Boot A. L. 14."— Louvre:„Nord gegen Süd." Regie K. Vidor. — MaceSka:„Melodie der Welt 1086."— Olym- Plc:„Mazurka." Pola Negri.—Rory:„Donauwellen."— 1t Bcjvodu:„Die Frau im Feuer." veine Marke: Dolksziinder Die Unterfertigten geben Hiemlt bekannt, daß ihr Gatte, bzw. Vater und Bruder Zignaz Cngel Oberoffizial i. P. am Mittwoch, den 22. Juli, um 7 Uhr früh gestorben ist. Das Begräbnis findet am Freitag, den 24. Juli, um 11 Uhr vormittag» von der Zeremonienhalle des israelitischen Friedhofes aus statt, Karoline Engel, Gattin. Theodor Otto Engel, Bruder. Ernst und Steffi Engel, Ludwig und Alma Engel, Willi und SIdonie Feith, Fritz und Rosa Engel, Biki Engel, Kinder. Trost im Postmuseum Montag früh brachte der Postbote eine Expreßkarte, auf der mir mitgeteilt wurde, daß ich am Sonntag entgegen einer Verabredung nicht am vereinbarten Orte zu sein brauche. Die Karte war am Samstag in Holleschowih aüfgegeben worden. Am Sonntag wartete ich natürlich vergeblich an der verabredeten Stelle. Montag früh traf die Karte in Weinberge ein. Daraufhin bin ich nach Smichow ins Post- niusenm gegangen, um den Verdruß mit der Einsicht zu beschwichtigen, daß es früher auch nicht schneller gegangen ist. Da stehen die allen Postkutschen, schaukelnd auf hohen Federungen, gepolstert, mit Vorhängen an den Fenstern und mit Schlaufen, in die der Fahrgast den Arm einhängen konnte, damit er nicht gar so arg dnrcheinandergeschüttelt wurde; es sicht schummrig und gemütlich darin aus, als ob der Postillon zum reisenden Fräulein Liliencronr Verse hätte sprechen können:„Setz in des Wagens Finsternis getrost den AtlaSschuh..." Der Postillon trug einen roten Frack. An schtvarzgelb gedrehter Schnur blitzte das Posthorn, und wenn cs der Postillon blies, klang cs wohl melodischer als da» Boschhorn heutzutage. Und alles war so gemütlich und romantisch, wie cs Lenau in seinem schönen Gedicht besungen hat: „Lieblich war die"Maiennacht, Silberwölklein flogen..." Manchmal war eS auch die Kutsche, die flog— in den Straßengraben; auch das kann man auf vielen Bildern betrachten. Dennoch: viel länger als jetzt hat wahrscheinlich eine Expreßpost Yon Hol« leschowitz nach Weinberge auch nicht gebraucht. Im Museum kann matt nämlich in einem gedruckten Postbcricht von 1792 über eine Fahrt von Jessenitz nach Prag lesen:„Die ganze Strecke bis an das wischehrader Thor legten sie in Zeit von 82 Minuten zurück, welches umsomehr zu bewundern ist, da eS auf unzugcrittenen Pferden und auf einer bergigen Strasse geschah." Freilich ist das eine Reise Kaiser Leopolds II. nach Prag gewesen, auf der die kaiser liche Kutsche mit Postpferden bespannt war und von einem berittenen Troß prächtig uniformierter kaiser- lcher Postmeister begleitet wurde; wegen einer Ex- pretzkarte hätten sich die Herren vielleicht nicht so angestrengt. Immerhin: für die 12.2 Kilometer lange Strecke von NuSle nach Jeffcnih braucht heutzutage sogar der staatliche Autobus 87 Minuten; für die Postpferde von 1792 ist dar also eine ganz tüchtige Leistung gewesen. Ucberhaupt— die alte Zeit scheint gar nicht so altmodisch gewesen zu sein, wie wir immer glauben. Sogar eine Devisenverordnung aus dem Jahre 1677, erlassen von Kaiser Rudolf II., kann man studieren. ES wird darin die Ausführung von Münzen und ungemünztem Silber auf Postreisen ins Ausland beschränkt. Nur schrieb damals ein kaiserlicher Schreiber ein solches Dekret mit schwungvollen Schnörkeln und verzierten Initialen auf Pergament, während es heute einem ondulierten Fräulein in die Schreibmaschine diktiert wird und«8. dann im Verordnungsblatt gedruckt erscheint. Die Wirkung aber war die gleiche: umständliche Scherereien für den Reisenden und knisfliche Geschichten an der Grenze. Auch die Postbüchel, di« der Briefträger als Weihnacht»- und Neujahrspräsent überreicht, während er die andre Hand fürs Trinkgeld bereit hält— auch die sind schon eine recht alte Einrichtung. Die alten Büchel sehen so hübsch aus, daß man gern darin blättern möchte. Manche haben gereimte Titel:„Ein. kleiner Futtersack langt mit der Post hier an," und- weil-die Neuigkeit zum Lachen dienen kann...»', und so weiter eine Seite lang... Fünf Säle hat da» Postmuseum, und e»"gibt so vielerlei zu betrachten, daß man mit einem Besuch gar nicht fertig wird. Auch dem ersten. tschechoslowakischen. Postslugzeug, daS bis 1928 di« Strecke Prag—Preßburg beflogen und sich einigemal« sogar bis nach Kopenhagen gewagt hat, ist ein Ehrenplatz» eingeräumt worden. ES sieht beinah« schon so" altmodisch'und tvacklig au» wie die ehrwürdigen Post-^ kutschen.. Und auch die ersten Radioapparat« machen. den Eindruck, al» hätten sich schon unsere Urgroßmütter damit abgegeben, und e» ist doch noch gar nicht so lange her, daß der erste Prager Rundfunkansager an diesem sonderbaren Tisch gesessen"und sich bei seinen Hörern beliebt gemacht hat. Rührend trotz ihrer Sträflichkeit sind die monströsen Dinger, die sich die ersten Schwarzhörer gebastelt haben und die ihnen die Poswerwaltung konfisziert hat. Ein solcher Detektor in rohem Holzgehäuse ähnelt eher einer Mausefalle als einem technischen Wunder, das der Apparat trotzdem doch tatsächlich war. Ein Schwarzhörer glaubte ganz. schlau zu sein, als er seinen Detektor in eine Buchattrappe«inbaute und diesem„Buche"«in gedrucktes, Titelblatt vorsetzte: „Svatopluk Kubikei. Krystalovh ptijimak. 1929. Moravskä Ostrava." So als Roman„Der Kristallempfänger" getarnt, stand das Ding unschuldig auf dem Bücherbrett. Und wenn Kubikek das inter- essante„Buch" aufschlug, sprachen und sangen und musizierten die Aetherstimmen au» dem Kopfhörer in sein Ohr— bi» diese wunderbare Lektüre entdeckt und beschlagnahmt und der schlaue Kubikek als Schwarzhörer' bestraft wurde. Ein Raum der Andacht für Sammler und Kenner ist der Saal, in- dem die tschechoflowakischen Briefmarken zur Schau gestellt sind. Da liegen unter Glas auch die ältesten Briese, auf denen einfach noch handschriftlich vermerkt ist, woher der Brief kommt, bis dann ein Dekret 1782 bestimmt, daß der Aufgabeort durch eine Stampiglie aufzustempeln sei. Der älteste, dermaßen abgestempelte Brief, den da» Museum besitzt, stammt au» dem Jahre 1784 und trägt den Stempel„Aus Prag". Erst durch ein« Verordnung vom 1..Juni 1860 wurden im allen Oesterreich die Briefmarken eingeführt, die es In anderen Ländern schon gab; merkwürdigerweise wurde diese Einrichtung vom Publikum anfangs sabotiert, obwohl«S doch gewiß umständlicher war, das Bestell- gcld bei der Aufgabe oder beim Empfang der Briefes bar zu bezahlen. Ehrfürchtig stehen die Sammler vor diesen verblichenen Wertstücken. Aber auch-unter den tschechoslowakischen Marken gibt eS schon Raritäten. Da liegen im Schaukasten die Marken, die die! tschechische Legion in Sibirien verwendet hat; für die russische 10-Kopekcn-Marke. mit-dem Aufdruck „Ceöskja pokta" aus-em Jahre 1916 verzeichnet der Eckstein-Katalog für 1086 den ansehnlichen.Wert von 2800 Kt. Und die tschechoslowakische Aufbruchs- auSgabe der österreichischen 8-Kronenmarke mit dem Aufdruck„Poöta Ceskoslovenskä 1019" steht— auf Faserpapier als besondere Seltenheit— gar niit 20.000 XJ verzeichnet.. Aber auch unter den. amtlich herausgcgebenen tschechoflowakischen Briefmarken-gibt eS schon Kostbarkeiten. Die hellvioletfe, geschnittene Hradschin-Marke der IV. Type zu 80 Heller vom Jahre 1920 hat jetzt einen Katalogwert von 180 Xfi; die beiden 600- und 1000-Hellermarken mit dem Bilde des Präsidenten Masaryk und dem Ausdruck „S O 1920" stehen mit 100 und 160 XL bewertet. Natürlich reicht das an die phantastischen Werte andererBriefmarkenraritäten bei weitem nicht heran, aber für ein erst 16jähriges Alter ist daS schon ganz respektabel. Im Postmuseum hängen unter GlaS diese Marken bogenweise; die Sammler stehen, andächtig davor und das blanke Glas spiegelt ihre neidischen Gesichter wider. In einem Londoner Briefkasten ist kürzlich, wie die Zeitungen berichteten, ein Brief gesunden-und den Adressaten zugestellt worden, der 26 Jahre lang in diesem Kasten sestgeklemmt gesteckt hat. Wenn ein so verspäteter Brief bei mir einträfe, nur einer aus dem Jahre 1926 mit dem Reliefaufdruck„ConcreS Olymp. Internat. Praha 1926" auf der 200-Heller- marke, so würde ich in diesem Falle über die verspätete Zustellung gar nicht verärgert sein," denn diese" Briefmarke hätte heute, nach erst elf Jahren, immerhin schon einen Wert von 90 XL, Schon der Gedanke an ein« solch« Möglichkeit hat mich über" di« verbummelte Zustellung. der Expreßkarte aus Holle«- schowitz getröstet. Und so" ist also auch in dieser Hinsicht der Besuch im Smjchower Postmuseum nicht vergeblich gewesen." E. H. Bezugsbedingungen: BeiZustellung ins Haus.oder"bei Bezug durch di, Post monatlich Xi<16.—. vlertelsährig Xi 48.—. halbjährig Xi 96.—. ganzjährig Xi 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfplgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Bost« und Telr« graphendirektwn mit". Erlaß Nr. 13.80Ü/VII/1980 bewilligte—- Druckerei:.Krbis", Druck«,' Verlag»- und Zeitmigs-A.-G. Prag.