16. Jahrgang Dienstag, 28. Juli 1936 TENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Nr. 174 Einzelpreis 70 Heller (elnichlleSllch 5 Heller Porto) ■RSCHIINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TXGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung prao xii., fochova a. Telefon sm. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS. PRAG. Die Rebellion im Ersticken? Die Meuterer überall lit der Defensive gedrängt Dio nach Wie vor verwirrenden und zu eigenwillige» Interpretationen leicht tauglichen Nachrichten auS Spanien lassen, wenn man sie auf ihre wahre Substanz zurvckgefiihrt, doch erkennen, dass sich die Waage auf die Seite der Volksbewegung neigt und dass die meuternde Generalsclique das Spiel verloren hat. Wenn nicht neue überraschende Ereignisse eintreten,— also etwa aus dem weiteren faschistischen„Hinterland der Emcuge, aus dem Dritten Reich und aus Italien grössere Nachschübe an Waffen, Geld und Munition«inlangen— so wird die Revolte vermutlich an dem Mangel an Reserven, materiellen wie menschlichen, zugrundegehen, ehe sie noch in jeder /einzelnen Provinz niedergekämpst ist. Die Stärke der Regierung ist ja ihr Rückhalt in denVolkö massen, der ihr auch.die dauernde Bergrösserung ihrer Strei.kräfte ermöglicht, während sich bei den Rebellen anscheinend die OffizierSverlnste fühlbar mache», die bei der Art ihrer Truppe ein AuSein- anderlaufen der Armee nach sich ziehen. Die Sierra de Guadarrama scheint fest in der Hand der Regierung zu sein und General Mola ist sichtlich nicht mehr imstande, sie anzugreifen, muss sich vielmehr gegen die anmarschierenden Kräfte der Regierung wehren, di« auf B n r g o S, de» Sitz der Junta zielen. Auch gegen Saragossa ist eine republikanische Offensive bemerkbar und die Seevrrbindungen der Regierung bessern sich stündlich, seit die Flotte wieder eingreift und Cartagena unter Feuer genommen hat. Die Häfen selbst scheinen zwischen Malaga und Barcelona sämtlich in den Händen der Regierung z« sein, so daß die besten Aussichten dafür bestehn, dass Madrid nach der Reinigung einiger zwischen Hauptstadt und Küste ligenden Landstrich« wieder eine reguläre Versorgung erhält. An den Industriegebieten am Atlantischen Ozean— Bilbao, Santandtr, San Sebastian— ist der Aufstand so gut. wie erstickt. Die lteberlegenheit dcr Flugwaffc der Regierung steigt anscheinend von Tag zu Tag. Die Flieger melden, daß auch in Spanisch- Marokko zahlreiche Brände zu sehen sind» rin Zeichen, dass im Rücken der aufständischen Südgruppe Unruhen auSgebrochen sind. Die internationale an die Sozialistische Partei Spaniens Die Sozialistische Arbeiter-Internationale hat an die Sozialistische Arbeiterpartei Spaniens folgendes Telegramm gerichtetr Berück» Soclalista Obrer» 20, Calle Carranza Madrid Die Arbeiter aller Länder verfolgen leiden» fchaftlich den heldenmütigen Kampf der fpanifchen Arbeiterklasse,, di«'zum zweitenmale dle Republik und dir Freiheit ihres Volkes gegen den Ansturm dis Faschismus und der Reaktion' verteidigt.’ Niemals ist der ganzen Welt klarer gezeigt .itzorden,-dass die sogenannten Schützer der Ord- tflmgt leidenschaftliche Gegner der Demokratie» sichgetzen die gesetzmässige Regierung auflehnen, die durch daS allgemeine Stimmrecht und'die Bolksmehrheit eingesetzt würde, und daß sie vor keiner. Grausamkeit zurückschrecken, wenn eS sich darum handelt, eine Bolksregierung zu bekäin» pfen, di« mit den Rechte« und dem Wohlbefiitden der Massen.verknüpft ist.. Der F a s ch i S m u S ist der Schrittmacher teS Bürgerkrieges und der Feind deS Bölkerfrie- dens. Man muß ihn Niederschlagen, man mutz ihn üb e r a ll v ernichten. »»'diesem für Euer Land und für die Freiheit jüderWelt entscheidenden Kampf«-sind wir vvmgan»«»^erzeumit.Euch.St0lz auf Eure Opferwilligkeit für di« ewig siegreiche Sache der Befreiung der Menschheit Müssen wir bewegt bie- HickdeN und di« Opfer Eure-Kampfes und hoffe», in Spanien bald das Regime der Freiheit,.fest geeründet und die Befreiung der Arbeiter tah- »Ötd,-tri»mphirr«n zu sehen. Für die Sozialistische Arbeiter-Internationale: LoutS. deBro ückär e, Präsident Friedrich Adler, Sekretär. '-■ B r-ü.s/e l. Für Dienstag sind nach Brüssel dfh Pollzugsausschiisse der Zweite». Arbeiter- internationale und der Allgewerkschaftlichem International« auf telegraphisch«« Wege einberufen worden.-Beide.Internationalen werden getrennte Hitzungen abhalten und. hieraus in einer gemeinsamen Sitzung die laufendm Fragen und namentlich auch die Situation in Spanien behandeln. London. Aussenminister Anthony Eden schilderte.bei Eröffnung der' außenpolitischen Aussprache im Unterhaus, die nach der deutschen Remilitarisierung deS RheinlandeS von der englischen Regierung aufgewendeten Bemühungen usld verwies auf,den britischen Frage- Sa g e«, von dem er erklärte-er sei nicht im Gpiste einer. allzugrossen Wissbegierde konzipiert Wörden, wenn dieser Fragebogen schnell.und konstruktiv beantwortet worden wäre, dann hätte man viel. Zeit erspart. . Schliesslich erklärte Eden,«S liege absolut nicht die Notwendigkeit vor, daß die G a r a n- tien im Mit lei mitt weiter aufrecht erhalten«erden... Auf eine Zwischenfrag« von Lloyd Georg« ««klärt« Eden,«S sei nicht richtig, dass er vor- stellüngtn kei der französischen Regierung wegen Waffenlieferungen an die. spanische Regierung gemacht" hat«.. Bezüglich.. der' BülkertundSreform, erklärt« Ed«n,> ck e i n e detaillierte- ösfentliche Erklärung abgeben zu: können..-i ,' Mandatsfrage aktuell? Uebergans zur Offensive Madrid. Der amtliche Bericht brr Regi«- rung vom Montag.Bormittag besagt» dass dir Regierung in vrordspättltil'j^ft'v'ff e n'sl üt übergegangcn ist. Saragossa wird von Soldaten und. Miliz der Provinz Katalonien belagert. Man erwartet, dass die Stadt sich bald ergibt.' Bon Barcelona wurden Verstärkungen nach. Saragossa entsandt. Die katalanischen Flieger unterstützen unter dem Kommanda des Obtrst- Leutnants Sandino den Angriff der Regierungs- ,truppen. - Rach einer..Meldung ayS Barcelona soll-der Stadtkommandant von Saragossa, General Caba» nellaS, in Verhandlungen mit der Regierung wegen Uebrrgal« der. Stadt stehen. Eine Bestätigung dieser Meldung will man auch darin sehen, dass die standrechtliche. Erschiessung deS aufständischen General- Goded, di, Sonntag stattfinde» sollte, von session im. September herangetreten werden. Soweit die britische Regierung in Frage kommt, würde die Frage einer Uebertragung(Transfer) eines Mandatsgebiete- unvermeidlich grosse S ch w i e r i gleiten Hervorrufen, moralische, politische und rechtliche, von denen die Regierung offen sagen muß, daß', sie n i ch t in der Lage war,, irgendeine Lösung für sie zu finden.. Nirgendwo besteht zur Zeit der Wunsch, schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten zwischen die Völker zu tragen. Zein Desinteressement am übrigen Europa Eden verteidigte dann noch einmal den Entschlüßler Regierung zur Beendigung der Sanktionspolitik und erklärte, die.Tatsache, daß England in einig«» Teilen Europa- gewiffe Berpflich- tungen habe, beding« k«^ ne S weg S,'dass sich di« Regierung für de» Rest deS übrigen Europa, nicht interessiere. Geb'« eS'fn Europa überhaupt' «ine». Konflikt, der lokalisiert.'werden könnc? Der Fried«» i» gayz Europa, gehöre, daher auch ganz Europa an.!ES fei jedoch die Frage, ob j e d e S Land'in Euröpa auch.f ü r j e d e S a n d e re der Regierung aufgefchoien worden ist. Ferner sollen nach einer Meldung aus Barcelona 50 spanisch«. RegierungKslugzeuge in der katalanischen .Hauptstadt eingetroffen sein, um dir.Truppen Seim'Vormarsch auf Saragossa zu unterstützen.' Cordoba ist.« den Händen bewaffneter Landwirtgruppen. Auch di« Stellung der Aufständischen an der portugiesischen Grenze soll verzweifelt sei». Die Städte. Jaca und HneSra sind, trotzdem sie von Regierungstruppen und Miliz umzingelt sind und von diesen bombardiert, werden, immer noch in den Hsinden der Aufständischen. Die Regierung teilt, mit, dass Santander, Gijon, San Sebastian und Bilbao völlig in ihrer Hand sind. Motril, Chinchilla und Villa- robledo sind von sozialistischer Miliz. eingenommen worden. Wasserflugzeuge der Madrider Regierung haben Palma Mallorda bombardiert. Die Eisenbahnverbindungen im Innern Spaniens sind zum grossen Teil wirderhergestellt, doch sind die Grenzen überall immer noch geschlossen. Die Madrider Regierung erklärt, dass die telephonische» und telegraphische» Verbindungen mit Alicante, Valencia, Barcelona,'Cartagena und Murcia infolge der Eroberung von Albacete wieder hergestellt seien und dass in die. sen Provinzen die Ruhe wieder einkehrr. An O v i e d o wurde Oberst Aranda, der Kommandant der Aufständischen, aufgefordert, sich zu ergeben. Die Aufständischen sind von zwei Abteilungen'der Regierungstruppen und Arbei- termiliz umzingelt.' .. Di« Regierungsabteilungen fallen die Führer deS Aufstandes in M a l a g a, General Patzet, den' Kömmandanten Delgado und den Kapitän Hernando verhaftet haben. Als sie an Bord deS Dampfers„Delfin" gebracht wurden, durchbrach eine. Volksmenge den» Kordon und versuchte, die. Verhafteten zu lynchen. Kapitän Hernando wurde, getötet, General Petzot. ernstlich verletzt. '!. Bei der Bombardierung der Stadt Me- l'i l l a entstanden mehrer« Brände. Die spanische S^gierung gab hekannt, dass ihr« Abteilungen die Stadt Billa Rueva.in der Provinz Bajadoz belagern. Cartagena soll nach heftigem Kampfe di die Hände der Regierung gefallen sein. I« Hafen ankern spanisch« Regierungsschiffe. . Wie Reuter aus. Tpnger berichtet». ist durch ha'S Bonchardentent'der,,Stadt.Ceuta, schwerer Hchadön. in der Stadt angerichtet worden- EN-vHitz' Augenzeuge belichtete dem Reuter-Kor-. .tMpntzen.ten,. dsiß.sich in M a l q g«'fürchterliche Schreckensszenen abgespielt hätten. Die' gesamte Hauptstraße von Malaga Jet niedergebrannt und zerstört. worden. Mchr'alS 250 Gebäude,liegen in LrufgMyn,'mehrere chunde'xt Personen', scheu' getötet und über tausend verwundet worden,.'. ^..Amtlich wird gemeldeti.daß beiden letzten Kämpfen in Barcelona 310 Personen UMS Leben, gekommen.sind» Hie Volk- hie Reaktion I Spanien als Prüfstein der Geister Je länger das Ringen des spanischen Volkes mit der Meute der eidbrüchigen Generale dauert, desto leidenschaftlicheren Anteil nimmt die Welt an dem Kampfe, in dem eS.ja wirklich um mehr geht, als um eine innerpolitische Angelegenheit eines europäischen Randstaates. Und Spanien erweist sich als guter Prüfstein. Nur zu deutlich zeigt sich nun, wer eS in Politik und Presse mit dem Volke, mit der Demokratie, mit der soziale» Idee, wer es mit Konterrevolution, Kapitalismus und übelstem Feudalismus hält. Die Faschisten und Auch-Demokraten in allen Ländern weiden sich in einer— hoffentlich verfrühten— Vorfreude des Generals-Sieges und können die Stunde nicht erivarten, da die Standgerichte von de» Pyrenäen bis Gibraltar ihre Arbeit beginnen. Dabei ist eS der Presse dieser Sorte, die sich im übrigen nur selbst schadet, wenn sie sich Siege der Reaktion vorlügki anscheinend' bereits gelungen, ihren Lesern und Nachbetern ein völlig v e r- fälschteSBild desTatbestandes des spanischen Bürgerkrieges zu geben. Liest man die hitlerdeutschen Blätter und ihre henleindeutschen Ableger, aber auch gewisse. tschechische Rechtsblätter oder die französische Rechtspresse, so müßte man glauben, in Spanien handle cs sich um di« Niederwerfung einer tückischen bolschewistischen Revolte durch eine verfassungstreue und die Ordnung schützende Armee. Daß genau das Gegenteil richtig ist, da eine, höchstens im Namen einer verschwindenden Minderheit des Volkes sprechend« Clique von Generale» sich gegen di« rechtmäßige Regierung aufgelchnt hat, daß die eidbrüchigen Burschen ihr Vaterland und ihre Mitbürger mit Krieg überziehen, die Staatskassen plündern, die Arsenale ausrauben, spanische Städte in Brand schießen, spanische Bürger niedermehcln und daß die Arbeiter Spaniens sich zur Verteidigung der Republik gegen die verbrecherische Soldateska der Regierung zur Verfügung gestellt haben, das haben die reaktionären Blätter mindestens. vor ihren Stammlesern in wenigen Tagen glücklich wegeskamotiert. Daß man sich an den Fingern abzählen kann, daß die Ausrührer im Solde ausländischer Mächte stehen, wird taktvoll übergangen, aber daß der Moskauer Sender cs wagt, durchaus in Uebereinstimmung mit den Interessen Spaniens und seiner gesetzmäßigen Regierüng, dem spanischen Volk Mut zuzusprechen und. es zum Kampfe aufzusordern, das erregt gewisse Leute bis aufs Blut. Deutsche, italienische-und andere faschistische Zeitungen Hetzen schamlos gegen die Regierung des Landes, die ihre Gesandten in diesen Ländern hat, beschimpfen das demokratischeSpanien, weil es sich zur Wehr setzt, aber zugleich wagen dieselben Organe es, jeden Akt demokratischer Solidarität, ja jede Sympathie-Erklärung für die rechtmäßige spanische Regierung als„unzulässige Einmischung" hinzustellen. Besonders deutlich hat sich die Trennung der Geister und in. einem die Frechheit der faschistischenAournaille an der Beurteilung der angeblichen französischen Waffenlieferungen gezeigt. Die französische Regierung hat diese Waffenlieferungen iy Abrede gestellt. Mer selbst wenn sie erfolgt lvärenj so wäre alles andere, am Plätze, als die scheinheilige Aufregung jener Kreise, die den Waffenhandel, Waffenschmuggel, und das Waffenerzeugen im Großen betreiben, und zwar stets gegen die legalen, gegen die vom Volke berufenen.Regie» rungen, im Interesse Putschistischer Minderheiten, Warum sollte die französische Regierung yicht die Ausfuhr von Waffen, nach. Spanien. freigeben,' wenn, die rechtmäßige spanische' Regierung diese. Massest kauft? Die konterrevolutionäre Presse ist natürlich anderer.Meinung., Sie hat n-chts/dagegen' einzuwenden,- wenn' der Brigant Franco italienische und deutsche. Waffen'bezieht, aber sie findet eS empörend, wenn-die legale Regierüng Gfral im Ausland Waffen zu kaufen, sucht. Dieser Presse erscheint es ja. auch als„bolschewistischer Terror",'wenn die Regtsrung rdbellierende Offiziere' vor das Standgericht'stellt,' aber sie findet es-in-Ordnung, daß die'Rebellen-sich-zu Richtern' über ihre Mitbürger'aufwerfen." . Äls 1S3-H' die spanischen Arbeiter' im Kampf gegen'eine'Regierung.stgnd'en.ldie, mit-der Ver- saffüngfin gefährliches Weise MHrangf'uHd.igr- Mittelmeerpakte erloschen ' Neue Konzession Edens an Italien Die mit Spannung erwartete Erklärung der Regierung über die Maud a t S f rag« bildete hierauf»den, nächste» Punkt der Ausführungen Eben-. Edm.eWrte, die,Rech«ruüg,sei.tereU,',di« Mandat-frage auf einer etwaigen in'lern.»-. t io st al e n S v!n,f,r',r!e'n'z'unter depAüfpi- zien deS Völkerbundes zu erörtern. An diese Frag« könnte sehr wohl'auf verkommenden Bölkerbunv-' kämpfen, würde, Wenn. jeoeRation in Europa bereit sei,. dem.Opfer. eines Angriffes nicht nur «irtschaftljchi sonder» auch M ick.i t S risch zu Hilfe''-«' eilen,'wtirdeidte Frage zu lösen sein. Die Schwierigkeit bestünde jedoch darin, daß die- nicht der Fall M Seife 2 DienStag, 28. JuN 1036 Nr. 174 Ferngespräch Hitler-Mussolini? London.„Sundoy Chroniclc"«fährt, baß Ende der vergangenen Woche Retchlkanzl« Hitler u»d der italienische Ministerpräsident Mussolini eine telephonische Unterredung haften, die die Einladung aus die Konferenz d« fünf Locarno-Mächte betraf. gen das unblutige Mittel des Streiks sofort Ma- schinengewehr» einsetzte, Ivlltete die realtionäre Presse der ganzen Well gegen die, spanischen Sozialisten. Damals hatte sie die Ausrede, sie stehe eben auf Seiten der legalen Gewalt. Diesmal aber bekennt sie sich zweifelsfrei zu der illegalen Rebellion und es stört sie nicht, daß die legale Regierung selbst eine bürgerliche Regierung ist. Jener Geist bürgerlicher Demokratie, den die spanische Regierung heute vertritt, ist eben in Mitteleuropa längst auSge» stürben(wodurch sich auch die allzu schematische Theorie von der notwendigen Nachahmung der BollSfront in unseren Verhältnissen widerlegt!) Daß die faschistischen Regierungen offen mit den Rebellen sympathisieren, während zugleich von den demokratischen Regierungen eine selbstmörderische Neutralität verlangt wird, ist beinahe selbstverständlich in einer Zeit, in der die heftigsten theoretischen Gegner deS Internationalismus sich als die gewandtesten Praktiker inter- Kampf um den Frieden— würdig und ernst Achtung auf kommunistische Quertreibereien Das höchste Gut, welches die europäischen Völker zu verteidigen haben, ist der Friede. Alle ernsten Menschen, denen Kultur und sozialer Fortschritt ein hohes Gut sind, müssen der Bewahrung des Friedens und der Verhütung einer KriegSkatastrophe Ihre besten Kräfte weihen. Die stärksten Stützen deS Friedens in Europa sind heute die demokratischen und s ozia» listischen Parteien, welche die stärksten politischen Kräfte der FriedenSerhallung sind und die Staaten vor den destruktiven faschistischen Elementen, welche die größte Kriegsgefahr sind, schützen. Dessen sind sich alle Persönlichkeiten, die etwa außerhalb der Parteien stehen und das Grauen eines europäischen Krieges als der Uebel größtes ansehen, bewußt. Auch jene Friedensfreunde, welche am SamStag abend» in Prag, die Kundgebung auf der Slawischen Insel veranstal- tet'haben, suchen Verbindung mit Demokraten und Sozialisten, wie schon die Namen der Referenten zeigen. Einer solchen ernsten FriedenSbe« "wegung bringen wir Sozialdemokraten Sympathie entgegen, jeder, der ernstlich den Krieg um de» Friedens willen bekämpfen will, kann auf uns zählen. Anders verhalten wir uns allerdings jenen Elementen gegenüber, welche diese edle und schöne Belvegung für sich auSnühen wollen. Wie uns gemeldet wird, wollen die Kommunisten einzelner Gebiete— wie sie dies auch bei anderen Gelegenheiten tun— die Friedenssehnsucht der Sozialdemokratie auSnühen und versuchen unsere Genossen dazu zu veranlassen, ihnen bet irgendwelchen Friedenskundgebungen Staffage zu machen. Selbst sind die Kommunisten nicht imstande, ein.' größere und würdige Kundgebung zu veranstalten, sie brauchen die sozialdemokratischen Massen, um nationaler Politik, nämlich der international ver- sipptan, verkuppelten und Verbündeten Konterrevolution erweisen. So kann der Rebell Fran« e» wagen, gegen die Verletzung del Tangerstatut» zu' .-«testieren", ass wäre er der Vertreter einer völlerrechtlich anerkannten Macht. Was hätte man wohl den Wiener oder den asturischen Arbettem geantwortet, wenn sie 1084 als klagende Parteien vor internationalen Tribünen erschienen wären! Daß unsere sudetendeutsche Bürgerpresse, in diesem wie in so vielen Fällen ein Herz und eine Seele mit den tschechisch-nationalistischen Hetzblättern des Herrn Stktbr n h, für den spanischen Großgruiwbefltz, für die jesuitische Kulturreaktion, für Don Alfonso und die eidbrüchigen Generale kämpft, versteht sich von selbst. Besonders lehrreich ist es dabei, jene Blätter zu beobachten, die sich in anderen Fällen, wo e» zur Tarnung notwendig war oder dem Hiller'« scheu Befehl entsprach, al» glühende„Republika- ner" gebärdeten. Die„Rumburger Zeitung" etwa, die, um Hitler Oesterreich zu verschaffen, die kühnsten„republikanischen" Bekenntnisse ablegte, scheint für Spanien die Lotterherrschaft der Bourbonen, Jesuiten, Granden und Generale durchaus für die richtige.nationale Negierungsform zu hallen. So scheid« sich hier die Geister und jedem, dem daran liegt, daß unserer Republik und unserer Demokratte die spanische Mode erspart bleibe, mag seine Lehre daraus ziehen I- sich der Well als die eigentlichen KciegSbekämpfer hinzustellen. Unseren Genossen aber fallt eS nicht im geringsten ein, den kommunistischen Machern die Steigbügel zu halten, damit sich die Herren in den Sattel sehen und uns dann niederreiten. Den Konununtsten handelt es sich gar nicht darum, ernste Friedenskundgebungen zu veranstalten, sondern eine Aktion zu machen, zu der sie mit der g«ßen Trommel kommen wollen, um alle» zu Überschreien. Wir brauchen heute nicht Worte, sondern Taten. Wir müssen die politische Macht etnsetzen, um den Krieg zu verhindern, und' die Sozialdemokratie kann mit Stolz darauf Hinweisen, daß die Friedenspolitik der Tschechoflowakei s h r Werk sei. Unseren Genossen ist e» also zu sehr ernst um die Sache des Friedens, um den Kampf dafür in einen. Klamauk ausarten zu lassen. Wir beteiligen uns daher nicht an kommunistischen Veranstaltungen, die unter der heuchlerischen MaSke eines gemeinsamen Kampfes um den Frieden inszeniert werden— weder als Veranstalter noch als Zuhörer. Wir werden für den Frieden wetterkämpfen ernst, tapfer, ohne Geschrei— und gerade deshalb umso wirkungsvoller. *- u Die gemeinsame Landeszentrale hat am 2k!,' >Juli eine Sitzung abgehaüen, worin sie sich auch mit ihrer Stellungnahme zu den. in der letzten Zeit entstandenen Organisationen zur Erhaltung de» Frieden» beschäftigt hat. Die gemeinsame Lande-zentrale hat immer den Gedanken de» Frieden» al» die selbstverständliche Voraussetzung de» wirtschaftlichen und sozialen Fortschritte» und der Sicherung der Kulturgüter unterstützt. Sie beteiligt sich auch und unterstützt die Aktion von Organisattonen, welche ständig und systematisch den Frieden anstreben. Sie betrachtet aber al» eine unzweckmäßige Kräftezersplitterung. wenn nüen den bisherigen Organisationen, welche für den Frieden arbeiten, neue, besondere Organisationen geschaffen würden. Dia Aushungerung mißlingt In Madrid sind im Lauf» de» Montag au» Valencia, Alicante und Mauricia so Leben». mittelzüge zu je elf Waggon» eingetroffen. Blättermeldungm zufolge soll di» Leven», mittelvtrforgung von Madrid für 14 Tage sichergestellt sei». Pie Aufständischen melden: Bon Seite der Aufständischen wurde am. Sonntag das Gerücht in die Well gesetzt, daß die spanische Regierung Unterhandlungen mit den Aufständischen anknüpfen wolle und daß namentlich Außenminister Barrie im Namen des Präsidenten Annaäa dem General Mola, der die Nordarmee der Aufständischen befehligt, den Posten des Kriegsminister» in einem zu bildenden Rechtskabinett angeboien habe. General Mola und andere benützten diese Gelegenheit, um stolz zu versichern,.daß sie es unter dem vollen Sieg de» Aufstandes und der Ausrufung der Militärs diktatur nicht tun. Damit scheint'es noch gute Weile zu haben. Die Propaganda der Putschisten arbeitet mit den wüstesten Greuelmärchen über Schandtaten der Roten gegen Priester, reiche Bauern und Frauen, über die kommunistische Schreckensherrschaft in einzelnen Städten etc. Ausgesprochene Falschmeldungen setzt auch da» Deutsche Nachrichtenbüro in die Well, das am Sonntag die Besetzung sämtlicher Pässe in der Gebirgskette nördlich von Madrid durch die Aufständischen meldete, obwohl da» Gegenteil der Fall ist. Etwa» wahrscheinlicher sind vielleicht noch die Meldungen, daß in der Gegend von A l g e- ciras etwa 800 Putschisten, darunter 200 Fremdenlegionäre, gewisse Erfolge errungen hätten and erneut gegen Malaga vorrücken. Diplomatische Schritte Madrid. Verschiedene diplomatische Vertretungen, die bei der Madrider Regierung akkreditiert sind, haben gemeinsam bei der Regierung eine Demarche unternommen und fordern den Schutz der Botschaften, der Gesandtschaften und der Konsulate, absolute Freiheit im Verkehr mit ihren Regierungen und die Garantie einer entsprechenden Leben»mittelmenge. Die spanische Regierung hat auf die Demarche der diplomatischen Vertreter bekanntgegeben, daß sie ihnen jeden nur möglichen Schutz angedeihen lassen werde. Deutschland verlangt Schadenersatz Berlin. Die deutsche Botschaft in Madrid hat bei der spanischen Regierung gegen die Zerstörung. de». Heilste»...der^deutschen Arbeitsfront. sowie der deutschen. Schule in Barcelona energisch protestiert und die spanische Regierung für diese Plünderungen im vollsten Ausmaß verantwortlich gemacht und die entsprechenden Schadenersatzforderungen angemeldet. Da» deutsche Panzerschiff„Deutschland" ist am 26. Juli morgen» 6 Uhr vor San Sebastian eingetroffen. ' Laut Zeitungsmeldungen au» Madrid hat sich da» Kanonenboot„X amt n“, welche» angtb. sich da» einzige im Dienst der Aufständischen befindliche Schiff gewesen ist, wieder zur Verfügung der Madrider Regierung gestellt, nachdem die Besatzung die aufständischen Offiziere in ihre Gewalt gebracht hatte. Massaua In Flammen? Ade n.(Reuter.) Reisende, di» aus Mass«» eintreffcii, erzählen, daß die Stadt in Wammen steh». Die erst vor kurz« Zett»«ich. teten Raphthäbehält« hätte» Feuer gefangen und der Brand breite sich in der Richtung zu den Munitionslagern auS. Auf dem Flugplätze wurde« angeblich mindestens öll Flugzeuge durch das Feuer vernichtet. R o m. Zu den englischen Nachrichten über einen Hafenbrand in Massava verlautet von zuständig« italienischer Seite, daß durch. die Explosion eine» Petroleumschiffes im H a f e n ein Brand entstanden sei, der sich trotz energischer Abwehr auSbreitcn konnte. Die Angaben einer englischen Nachrichtenagentur über den Schaden seien jedoch üb«» trieben. Konkurrenz für IHN Die Riefenstahl„entdeckt“ einen Athleten! Das Belgrader Blatt„Breme" meldet aus Athen: Die bekannte deutsche Filmschauspielerin Lent Riefenstahl hielt sich dieser Tage au» Anlaß des. Beginnes de» Olympia-Stafettenlaufes in Athen aus. Hiebei ereignete sich ein Zwischenfall, der erst jetzt an die Oefsentlichleit gelangte. Als die Fackel mit dem olympischen Feuer aus den Olymp gebracht werden sollte, bemerkte die Künstlerin einen! jungen Athleten von ungewöhnlicher Schönheit mit einem Körper„wie ein junger Gott". Geblendet von der Schönheit de» jungen Manne» und in der Ueberzeugung, daß er in der deutschen Filmkunst eine große Rolle spielen könnte, lud ihn die Schauspielerin ein, mit ihr nach Berlin zu fahren, wobei sie ihm eine glänzende künstlerische Ka«iere versprach. Der Athlet nahm dieses Angebot'an und verließ mit einem Sonderflugzeug Athen. Leni Riefenstahl erklärt, daß es sich in diesem Falle um eine rein künstlerische Angelegenheit handle und nicht um eine sentimentale Affäre. Streik der Landarbeiter beigelegt Paris. Das Landwirtschaftsministerium teilt mit, daß die Streiks der landwirtschaftlichen Arbeiterschaft überall beigelegt wurden und daß Montag früh die landwirtschaftlichen Arbeiter überall ihre Arbeit angetreten haben, so daß die Ernteavbetten in Frankreich gesichert erscheinen. In Kürze i - Wien. Der römische Berichterstatter der „Rcichspost" erfährt aus vatikanischen Kreisen, daß der deutsche Botschafter beim Vatikan, von Bergen, in. neue Verhandlungen mit dem Vatikan Uber ein Abkommen mit dem Berliner Kabinett, speziell über die Durchs ührungdeSKon- kordateS, eingetreten ist. Jerusalem. Da die arabischen Blätter die Nachricht brachten, daß die Juden am Dienstag, d. i. dem Jahrestag der Niederreißung de» Jerusalemer Salomon-Tempel», Manifestationen veranstalten wollen, hat der jüdische Nationalrat die traditionelle Wallfahrt der Juden zur Klagemauer unter Hinweis auf die unsichere Lage untersagt. Jerusalem. Bei einem Gefecht zwischen britt« scheu Truppen und Arabern auf den Hügeln von Judäa sind zehn Araber getötet worden. 47 Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Von Robert Grfitzsch Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava. Laska stieg wieder zu Tale. Die Sonne war verschwunden. Da» Tal lag schon im Halbdunkel. Als Laska in den Haselnußbusch einbog, pfiff eö scharf an seinem Ohr vorbei und das Echo eines Schusses peitschte am Hang hin. Rasch wandte sich Last« der grauen Wand zu. Nicht» sah er, behielt seinen Schritt, Eile durfte man jetzt nicht zeigen, stieg in die Schlucht hinab. Zu den MihalS wollte er. Wenn bei denen drüben ein Mann fehlte, dann wußte man, aus welchem Gewehr die Kugel kam... Aber am Fluße machte er Hall. Was sollte er da drüben? Man würde ihn fragen, welche Botschaft er endlich zu bringen gedachte... Er ging zurück, trieb daS Vieh hinauf, stieg langsam hinterdrein. Oben kam ihm Eva entgegen.„WaS war das mit dem Schuß, Laska?" Er zuckte die Achseln, heuchelte ein argloses Lächeln:„Man wird ein Wild.geschossen haben!" Die Mutter stand daneben und sah den Sohn mit langem Blick an;' sie konnte in seinem Gesicht lesen. Sie hatte ost Schüsse gehört, einige waren abends durch die Fenster geschickt worden. Nie war es um Wild gegangen— immer um die Männer ihres Hauses. Als sie den Hund an den Feigenbaum band und Eva ihr die Hand reichte, merkte das Mädchen, daß die harten, braunen Finger der anderen leicht zitterten. Noch■ lange härte Eva den Hund murren. Er wittert Gefahr, dachte sie und spürte, daß sich, etwa» Dunkles um Laska».Haus zufammen- zog. Die Muiterwär in den letzten Tagen weniger bei ihr gewesen; daS faltige Gesicht unter dem schwarzen Tuche blickte ernster, ihr Gang schien schwerer. DaS Antlitz de» Blinden aber verwitterte noch mehr; Und da au» dem Duster gespensterte der Steinhaufens bekam irit Mondlicht glitzernde» Leben, Glimmer und Kristalle funkelten eine stumme Mahnung:„Hast du die Mienen der Männer und Frauen beobachtet, die gen Abend bet den Haselnußsträuchern sitzen blieben und dir zuschauten? Hüte dich! Du sprächst nicht die Wahrheit, sagen siel Du wolltest sie um den Schah bringen! Du wüßtest geheime Dinge und sagtest sie nichtI Hüte dich!"— Eva seufzte. Nichts sah sie in den bunten Brocken al» dünne Spuren von Kupfer, Eisen, Blei... Bis in die Nacht hinein vernahm sie den tropfenden Ruf de» Nachtvogels. Gewesenes furchte durch ihren Halbschlaf: die Spinne, GustiS volles besorgte» Gesicht, Mose» und der Kleine, Peter und Paul, die Hände wie angewachsen in den Taschen. Am großen Tisch würden die Emigranten jetzt sitzen und Skat spielen oder poltti« fieren... Merkwürdig, wie nebelhaft das schon zurücklag, wie rasch da» in diesem bunten Märchen verblaßte. Nur Justu»' Gesicht tauchte immer wieder scharf und deutlich hervor, Justus, in dessen verwunschenem Land sie jetzt Steine sammelte und der um diese Abendstunde wohl in seiner Kammer hockte und die Feder über» Papier laufen ließ, gepeitscht von seinen Gedanken, wäh- rend an den Grenzen Hunderte Tapfere auf die Männer warteten, die illegale Literatur brachten... Warum bist du nicht mit nach Süden gegangen, Justus? Wir hätten uns gut unterhalten, ich wäre ein guter Kamerad gewesen... Aber ich weiß ja, dein graue» Haar fürchtet sich vor meiner Jugend. Ich könnte dir wieder entgleiten und du kämst dir vor,'wie die alten Robben mit dem»erschundenen Fell und den närrischen Liebesschwerzen. Ich verstehe dich, Justu», du hast vielleicht zuviel Sinn für Komische». Aber ich bin ja älter als du denkst, viel älter... Lange noch hörte sie den tropfenden Ruf des Nachtvogels. Am andern Tag war die Matte still, viele Ziegen und Lämmer fehlten. Aus etlichen Häusern langhin am Hang waren die Männer mit Tieren nach Skodra gewandert. Ehe'Laska ging, früh im ersten Strahl der Sonne, saß er noch einmal an Evas Hütte, hatte die Klinge des silbrigen Messers aufgerissen, in den Boden gepflanzt, EvaS Hand gepackt, ihre Handfläche mit der seinen auf den Messergriff gedrückt und dazu albanische Worte gemurmelt. Die hießen: Wo du hingehst, da will ich auch ich hingehen... Dann ließ er ihre Hand lo». Sein Gesicht entspannte sich... Am Hause drüben packte die Mutter den Proviantbeutel: MaiSbrot und Ziegenkäse. Eine Viertelstunde später schon verschwand Laska mit zwanzig Tieren oben über den Hang hin. ES war ein Tempo, als ginge es bergab. Eva sah zur Seite: da hatte da» Messer gesteckt. WaS sollte da» alle» bedeuten? Die albanische Beffä— der Eid, mit dem er mich unter den Schutz seines HauseS stellt? Aber dieser Schwur, so hatte ihr Justu» erzählt, wird doch nur Männern geleistet! Frauen stehen außerhalb jede« Gewalttat..-. ' Nein, hier sprach etwas anderes: er wollte sie»um Weibe,' hatte von ihr geträumt fett Jahren schon..... Sie schloß die Augen... Auf dieser Matte bleiben, Tiere hegen, Kinder, kräftige braune Kinder haben?— Gerat» gewachsen, groß und sehnig war er, aber wovon soMe sie mit chm«den, ein Leben lang? Biel Unerweckte» glomm in feinen Augen, al» Keiner Poet wohl galt er unter den Seinen. Wpnn sie seine Spräche lernte, sein Denken lernte, und er das ihre.— war das möglich? War da» alle» denkbar? Vom Busche her trippelte die alte Frau mit den kranken Augen, ließ sich neben der Weißen' nieder, küßte ihre Wänge, deutete nach den Augen. Da sah Eva, daß die Lider nicht mehr so verquollen'aufeinander hingen. Ein befreiter Blick drang hindurch. Langsam sprach die Alte in rauher, fremder Sprache auf die Junge ein, machte eine Handbewegung nach dem Dorfe:„Man spricht schlecht von dir, aber du bist gut. Du hast mir geholfen. Du bist eine Gesegnete. Du kannst Steine deuten. Nimm dein Glas und schau durch unser Geröll, Schätze liegen in-der Malcija, wir sind arm, wir hungern, banne unsere Not," Sprach e» noch einmal langsam auf den Mund der Jungen; sie mußte eS doch verstehen, wenn man so langsam die Worte setzte... Eva lächelte, nur wenige Brocken nahm sie auf, schüttelte den Kopf und fühlte wie gestern abend nahe Gefahren, ein dunkles Unbekannte». Eine Weile, blieb die Alte sitzen, dann schlug sie da» Kreuz über EvaS Stirn und humpelte davon. Bald darauf saß Eva oben an der. Quelle, ließ das Wasser kühlend über den heißen PUlS rieseln. Männer schritten vorüber, sahen an ihr vorbei, grüßten nicht,'rasteten nicht wie sonst. Eva ging hinunter, der Mittag glutete über den Bergen. Die Mutter brachte frisches Mais« brot, Mieze, Aoghurt,„Kato", sagte Eva. griff nach der Hand der Mutter, zog sie neben sich ins Gras,„Kato, warum lachst du nicht mehrmit mir?" Stumm forschte die Mutter in EvaS Gesicht. Ihr Blick wurde weicher, sie strich über daS helle Haar der anderen, zog die schmale Hand auf ihren Schoß,' beugte sich darüber, äl» wollte sie in den Linien lesen,, fuhr ihr um die Schulter, wieder und wieder. Von de« Brombeerhecke hinter der Hütte kam der Düst vertrockneter schwarzer Beeren. Eva lehnte ihren Kopf an da» wollene Wans der Aefteren, fühlte ihre schwarzen, vollen Strähnen an der Wange, hörte langsame Worte und sah Gesten, von denen sie nur einige, erfaßte: La»ka Und Prenni drüben.' Verlobte';;. seit zehn Sommern... der Junge will nicht mehr.§,» Blut steht darauf... Feindschaft.,; (Fortsetzung folgt.). 9lr. 17« Dienstag, 28. SuN 1930 &dte 8 fudetendeutscftcr Zcitspie^el Brief an den Zeitspiegel „Bolschewistische Bande“— „marxistische Horden“! Belm Lehrer Steiner in Maischen Nach länger als einem Jahre waren wir wieder einmal in dem kleinen Dorfe Maischen(hinter der Wostcey, es Ist von Auffig ein gute» Stück zu lausen). Mit sanften Vorwürfen über unser lange» Ausbleiben und vielen Entschuldigungen, daß die Frau mitten im Einkochen sei, führt un» Lehrer Steiner hinauf in seine kleine Wohnung. Unten im Schulgebäude ist«in mittelgroße» Schulzimmer,«in Lehrmittelkabinett und ein Vorraum, wo unzählige ««»gestopfte Tiere, alle in der Umgegend erlegt, den Besucher interessieren. Die Genossin Steiner finden, wir bei einer »rührenden" Beschäftigung: sie kocht Stachelbeer- marmelade, assistiert vom»Küchenchef", einem aufgeweckten, blonden Jungen, dem besten Maler der Schul«. Die zwei Achter de» Hause» tauchen erst später auf. Die Dreizehnjährige, da» Abbild der freundlichen Mutter, die Tag für Tag nach Aussig zur Mittelschule läuft, und die Kleine, die diese» Jahr zur Schul« kommt. Da» hier ist die praktische Stell« der Obstver« wertung. In der freundlichen Stube nebenan stehen die geWten, fettigen Gläser Und Flaschen, höchst appetttltch, und harren de» Einschlichten» in die Vorratskammer. ", Genosse Steiner ist gerade daran, seine Bücher und Zeitschriften zu ordnen— noch liegen Stöße vor dem Bücherschrank.»Bi» setzt habe ich von den drei Wochen Ferien noch keinen Tag Ruhe gehabt," sagt er.'"„aber Gartenarbeit ist auch Entspannung." Im nächsten Jähr will er nach dem Norden, dem roten .Dänemark und Schweden, Wißt Ihr, daß in dem kleinen Maischen ein« vorbildliche VersuchSschüle besteht? Ueber BÖO Be sucher au» allen Tellen der Republik, jung und alt, waren im vergangenen Schuljahr« an dieser Stelle, um zu sehen und zu lernen. Dem Namen nach ist e- allerdings eine zweillassige Volksschule, und leicht kann e» geschehen, daß die Anzahl der Kinder nur zu einer. Klasse berechtigt. Die führt dann der tüch« tige Pädagoge selbst und allein. Auf die erstaunte Frage, wie er da» fertigbringe, meint er lächelnd, da» wäre sogar sehr schön, alle Jahrgänge der Kind« beisammen,, und er garantiere, daß alle Kinder da» Nötige, ja, sogar da» Borgeschriebene lernten. Bon einem starren Lehrplane kann dann natürlich leine Rede sein. Aber hat diese Anstalt nicht schon Kinder nach fünfjährigem Schulbesuch direkt in den zweiten Jahrgang der Bürgerschule überführt? Jawohl, sie haben diese Prüfung bestanden, haben«in Jahr übersprungen; da» sagt genug. Freundlich setzt un» der Lehr« seine Methode au»«inander, legt un» voll Stolz die'Hefte der Kinder vor. Da hättet ihr Freude! Da» sind ja Bilderbücher, bunte Künstlermappen mit wisten- schastlichen und dichterischen Beiträgen I Wa» den Kindern einfällt, da» dürfen sie darstellen, und ihnen fällt viele»«in. Einen großen Raum im Lehrplan nimmt naturgemäß da» Thema»Obstbau" ein, liegt doch Maischen mitten im böhmischen Obftparadie». Ihr müßt im Herbste hingehen; wenn die. Kinder mit ihrem Lehrer-Freunde di« alljährliche" Obstaulstellung aufgebaut haben. Die Aepfel, Birnen, Kürbisse usw. schlagen alle kalifornischen Früchte. Dann werdet ihr die Statistiken und mapnigfalttgen Bilder sehen, von den Kindern hergeftellt, und ihr« Hefte werden auSsiegen,• Zeugnis ablegend von der Arbeit der Schul«. Geht hin und überzeugt euch selbst, ihr werdet reicher und froher heimkchrenl Der große Schulgärten mit seinen Obstbäuwen, Beerensträuchern, Gemüsen und.Blumen wird ver« der im Festzug und 7000 auf dem Festplah angibt. Der Wahrheit am nächsten kommt noch die von dem Blatt für B u ch a u mit„fast 2000" angegebene Zahl der Teilnehmer, die sich nach unseren Informationen auf 1800 reduziert. Binzenz Fischer in Neu-Langendorf, Mitgliedsnummer 314.848.— Josef Sperl, Bäcker in Alt-Langendorf, Mitgliedsnummer 230.130. — Die Mitgliedsbücher, welche die Genannten nicht abgeien, werden für ungültig erklärt. Zu all dem können wir nur sagen: Die Partei der Ausschlüsse und Ehrenaffären ist am besten Wege, dem Sudetendeutschtum den einzigen Dienst zu erweisen, der wertvoll wäre: die Selbstauslösung der Totalitätsparteil Henlein akzeptiert die Budweiser Forderungen? Die,,N« u« M o r g e n P o st" meldet, daß die Hauptleitung der SdP den Forderungen des oppositionellen Kreises Böhmerwald-Süd auf Anerkennung de» Spruche» des Ehrengerichtes, Einstellung der Preffepolemiken und Neuwahl der Amtsleiter von den OrtSleitungen bis zur Hauptleitung hinauf Rechnung getragen habe. Die Abgeordneten Jobst und Wagner, die vor wenigen Tagen ihre Mandate zur Verfügung gestellt haben, um ihrer Unzufriedenheit mit der Hauptleitung Ausdruck zu verleihen, sind nach dem genannten Blatt inzwischen von Konrad Hünlein in Asch empfangen worden und konnten mit ihren Forderungen durchdringen. Wie sich nun herauSstellt, hat in dem Konflikt zwischen Henlein und Kasper nicht nur die SdP-OrtSgruppe in B.-K r u m a u, sondern der ganze Kreis IX(Wahlkreis B.-Budwei») die Partei Kasper» ergriffen. Der Kreisrat hat am Sonntag, den 19. Juli, eine Sitzung abgehalten und beschlosien, daß die Abgeordneten Ludwig W agner und Adolf Job st ihr« Mandate niederlegen sollen. Dieser Beschluß wurde aber geheim gehalten. An Konrad Henlein.jedoch . ging folgendes Schreiben ab: »Konrad Henlein wie auch die Hauptlei- tungSniitglieder haben dm Beschluß de» Ehrengericht» im Falle Dr. Brand» bedingungslos anzuerkmnm und die hiedurch«otwmdigen Beränderungen»u treffm. Jede Zeitungspolemik im Falle Dr. Brand und Ehrengericht hat in Hinkunft ganz zu unterbleiben. In dm Par- tcigliedcrungen ist überall die Neuwahl der Funktionäre vorzunehmm, und zwar vom OrtS- leitcrangefangm bis zur Hauptleitung. Die Wahl hat von unten auf zu erfolgen. Bl» zu jenem Zeitpunkt, wo die Forderungen der KreiSratStagung erftillt werden,"ist jede Verbindung mit der Hauptleitung zu unterbrech en.« Daraufhin war im Laufe der vergangmm Woche der Kameradschaftibllndler Suchy in Südbühmen, um di« revoltierenden Bezirke zur Raison zu bringen. So fand am letzten Freitag auch in B.-Krumau eine Sitzung statt, in welcher der KreiSttiter Wagner abgesetzt und an seine Stelle der„KreiSbauernführer" Matscht kommen sollt«. ES kam zu sehr scharfen Auseinandersetzungen und schließlich mußte Matschi noch einmal weichen, weil der Mieter der SdP.«Kanzleim, der OctSleiter Kauber, dem»Kreisbauemsührer" einfach den Zutritt in diese verwehrte. DI« neuerliche Sitzung des Kreisrates am Sonntag kam noch immer zu keinen endgültigen Beschlüssen, doch steht fest, daß die H a u p t l«i» .tung..Nli.chti d/u.rchd.run.gen. ist. Der KreiSrat des Kreise» IX steht nach wie vor"auf Seite KasperS und hält seine Forderungm aufrecht. Bei der sonntägigen Beratung spielte auch die Drohung eine Rolle, daß der Kr«is Böhmer- wald-Süd«inen OpposittonSkrei» organisieren würde, fall» seinen Forderungen nicht entsprochen wird. Bezeichnend ist auch, daß der KreiSrat die von der Hauptleitung auS- geschlosienm Abgesandten der Ortsgruppe Böhm.- Krumau"(Tschunlo, Demel, Neubauer und Hübner), welche in Eger die Sympathien für Kasper zum Ausdruck zu bringen hatten, gegen den Willen der Hauptleitung wieder in Amt und" Würden eingesetzt hat. Ob Wagner und Jobst ihr« Mandate taffächlich schon niedergelegt haben, ist augenblicklich Nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Sie wollen eS sich offensichtlich weder mit der Hauptleitung noch mit der Opposition verderben. Allerdings, wmn sie sich auf zwei Stühle sehm, werdm sie bestimmt „Prager Montagsblatt“ als faschistische Stimmungskanone Wir haben bereits auf die ganz üble Art hingewiesen, in der ein Großteil der sudctendeutschen Bürgerpresse durch Inhalt und Ausmachung ihrer Spanien-Berichte den Trieben faschistisch gesinnter Leser entgegcnzukommen trachtet. Der»Brief an den Zeitspiegcl" von heute zeigt, daß die Empörung unserer Arbeiter über diese Preffe wächst. „Bohemia> und„Rumburger Zeitung"„kämpfen" da in den ersten Reihen der Rebellenfreunde. Als Vorkämpfer aber erweist sich das»Prager Montagsblatt". Diese Zeitung, die sich neuerdings durch die Pflege bedenklichster lokaler Familienflandal-Ehroniken um mühsam^,erlangte Aufbesserung>». bringt, fragt gestern mit vievspaltigem Titel auf der erstenSeite scheinheilig»Spanien» Regierung erledigt?" und sucht dann im Text, ein 2 a aus diese selbstgestellte Frage herau»zukristallisieren. Mit derselben Liebe,, die das»Prager Montagsblatt" den spanischen Faschisten zuwendct, scheint es auch dem verkrachenden Henlein zu Hilfe eilen zu wollen; großartig ruft es in die Welt»Henlein erklärt: Schluß der Debatte" und hofft wohl ernstlich, daß solcher von Henlein und Fischer gemeinsam hinausge- schmetterte kategorische Imperativ das Debacle aufhatten konnte. Im Innern des Blattes wird Alfons, der wartende König von KönigSwart, liebevoll ausgefratschelt und Stimmung für Alfons' Rückkehr nach Spanien gemacht. Und daneben prangt eine fesche Reklame-Notiz über Doriot, den das„Montagsblatt" möglichst rasch zum französischenHitler arriviert sehen Henlein als ElertSnzer Je mehr man über Henlein ernsthaft zu re den aufhört, desto mehr bemüht er sich, durch R c» d e n seinen völligen Mangel an Taten und das Mißglücken seiner wenigen Handlungen wettzu machen. Aber was er beispielsweise allein am ver gangenen Sonntag in vier Versammlungen zwi schen Asch und Reichenberg von sich gab, erhärtet nur unsere Anschauung, daß er nicht mehr ein und au» weiß. Immer komischer wirkt diese Hen lein- Mischung von scheinradikal und betont loyal. »Wir wollen den Staat nicht sprengen", sagte Sonntag der»Führer" in Asch,»die SdP gehe nicht daraus aus, dem Staate Schwierigkeiten zu bereiten". Und in Graslitz sprach er sogar von der »EinordnungSwillizkeit" des Sudetendeutschtums — als ob dieses jene erst beweisen könnt«, seit dem Henlein im Abstiege ist. Möglich, daß noch vor«in paar Monaten solches Kikeriki manchem Tschechinohr sympathisch geklungen hätte. Heute lächelt man auf allen Seiten über diesen Bo gel,. derausdauernd aus Furcht.vor der,.eigenen. Sippschaft in«in Nest beim,»Erbfeind" flüchten möchte... Es ist schon so, wie Herr Brehm(obwohl nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Ver- fasier des»Tierlebens") sagte, der den Vogel doch kennen muß:«s wäre bester gewesen, wenn er beim Turnen geblieben wäre; denn in" Politik kann er nicht einmal schwimmen! Oer Führer zieht nicht mehr Daß die Begeisterung für den Führer stark im Abflauen begriffen ist, zeigt die schwache Betei ligung an dem Bezirksfest der SdP in Asch. Trotzdem Henlein am BegrühungSabend eine große politische Rede vom Stapel ließ(wahr scheinlich die erste, die nicht von Dr. Brand konzi piert wurde), gab es beim Festzug in der Hoch burg der SdP gezähll« 1410 Teilnehmer. In.. GraSlitz sind nach verläßlichen Zählungen 2800 I möchte. Da er eS immerhin noch nicht ist, wird der Leut« erschienen/während»Die Zeit" ruhig 4800 s ungeduldige Leser mit einer anschaulichen und ins SdP-Kreis Böhmerwald-Süd fordert Parteidemokratie Neuwahl der Funktionäre von unten bis oben gefordert Drohung mit Schaffung eines Oppositionskreises durchfallen. Bezeichnend ist jedenfalls, daß sie noch auf der Egerer Tagung dem„Führer" unverbrüchlich« Treue geschworen haben. Es kriselt auch Im mittleren Böhmerwald Nach parteiamtlichen Meldungen der SdP wurden im mittleren Böhmerwald folgende AuS- schlüsse durchgeführt: Wegen parteischädigenden verhalten» und Disziplinwidrigkeit werden auS unserer Bewegung ausgcschloffcn: Bergreichen st ein: August Kasperl, Mitgliednummer 471.478, von Beruf Sattler, lei getreten zur Ortsgruppe Trautenau. Duschowitz. Rupert Geiger, Tischlergehilfe in Dornhof, Mitgliedsnummer 463.437. Langendorf. Luka» Wasil in Alt-i Langendorf, Mitgliedsnummer 800.282.—I gnügt von uns besichttgt. Aber da» Schönst« sind doch die Bienen I Genoste Steiner zeigt un» seine Lieblinge bei der Arbeit, erklärt alle», öffnet die Stöcke. Jede» einzelne Bienchen nimmt er mif zarten Händen hinweg,«he er die Kästen wieder zudeckt, daß keiner ein Leid geschehe! Nehmet Euch die Bienen zum Beispiel! Wer diese» Ideal werden wir„vernünfttgen" Menschenkinder wohl nie erreichen, zu stark sind Egoismus,, Habsucht und alle diese üblen menschlichen Eigenschaften in un» verwurzelt, als daß wir jenen Opfermut im großen aufbrächten, den die Keinen Tierchen selbstverständlich betätigen. Sie wissen nicht, wa» sie tun? Ungelöst« Rätsel der Natur! So idyllisch wie da» Ganze auSsieht, ist«S natürlich nicht. Auch in Maischen sind polittsche Gegensätze vorhanden: fast alle» SdP, di« sogar den BdL aufgesaugt hat, Jetzt allerdings, nachdem die Fäulnis der Henlein-Partei offenbar wird, beginnt da» Vettrauen der Bauern zu wanken—-■ aber wieweit ist«» noch bis zur richtigen Erkenntnis! Vergessen wir nicht, daß der.schollengebundene Dorfbewohner stark religiös ist und die Kirche ihm In dieser Beziehung(leider I) di« einzige Stelle ist, die seinen Gefühlen«ntgegenkommt trotz alledem. Neue Probleme rollen sich auf. So sitzen wir und di»kutteren, und der, einsame .Genoste schüttet sein Herz au». Auf dem Heimwege, da er uns durchs Dorf ein Stück begleitet, grüßt ihn jung und alt: Die Kleines mir lachendem, kirschsaftverziertem Gesichtchen, die Schulkinder, die älteren, Väter ustd Mütter, alle sieben ihn, den Lehr« und Freund"und Sozialisten, Sie alle sind bereit zu einem SozialSmu», denn" alle haben schwer za kämpfen." Nur haben sie noch nicht erkannt, wo der richtige Weg geht, noch suchen sie. Wo, ist unsere Ausgabe?.> jm Unter diesem Titel schreibt uns ein Genosse aus Bohluokenau: „Seit dem Beginn der Kämpfe in Spanien sind die bürgerlichen Blätter und der reiche- deutsche Rundfunk wieder einmal in ihrem wirklichen Element gegen den„Marxismus?'. Wenn man seit einigen Tagen die reichsdeutschen Nachrichten hört, kann man deutlich die nur schwer unterdrückte Freude über den Auf stand der Militärgruppen bemerken. Es ist geradezu eine Wollust für die reiche- deutsohe Nachrichtenzentrale, wenn sie über Erfolge der Aufständischen beriohten kann. Anders spricht sie, wenn sie von der Linksregierung in Spanien redet. Da gibt es sehr oft„bolschewistische Banden" und ähnliche Ausdrücke mehr. Es ist ihnen eben sehr unangenehm, daß dieser„Marxismusf sich nicht wegfegen läßt, sondern sich energisch zur Wehr setzt. In die gleiche Kerbe, wie der reichsdeutsche Rundfunk, hauen unsere bürgerlichen Blätter. Vor mir liegt eine der letzten Nummern der„Rumburger Zeitung“, eines der übelsten antimarxistischen Hetzblätter, das vollkommen auf Deutschland und seine Außenpolitik gleichgeschaltet ist. Gar zu gerne würde dieses Blatt den Sieg der Militärs melden. Auch hier wieder die aus dem Sprachschatz der Nazis entlehnten„marxistischen Horden“,„Banden",„Terror“ und was sie sonst an Kosenamen für den„Marxismus“ übrig haben. Die Arbeiter, die sich gegen einen faschistischen Klüngel zur Wehr setzen, werden beschimpft, die Reaktionäre, die farbiges Militär und Fremdenlegionäre gegen das Volk ein- setzen, werden auf den Schild gehoben. Das ist die Moral unserer Bürgerpresse. Schaut sie euch gut an und sorgt dafür, daß sie aus den Arbeiterwohnungen verschwinde! Detail gehenden Schilderung einer„Nachtin Londons vornehm st em Nacktklub" getröstet... Wir brauchen dem nicht viel hinzuzusügen — das„Montagsblatt" ist durch sein Verhalten gekennzeichnet und gezeichnet. PartelgrUndung der Henlein- Opposition In der Slowakei? Am Sonntag hielt die SdP in Preßburg .eine Versammlung ab,,,in der— laut„Prager Mittag"—- 5ie Anwesenden bereits in zwei Lager zerfallen waren. Di« mit der Zentralleitung Unzufriedenen beabsichtigen eine neue Partei der Deutschen in der Slowakei zu gründen. Man hat Henlein vorgeworfen, kein einziges seiner Versprechen gehalten und in letzter Zeit auch organisatorisch die slowakische SdP vernachlässigt zu haben..Die Mehrheit der Unzufriedenen bilden die evangelischen Deutschen, die auf Grund von Henleins Versprechungen ihnen einen Bischof durchzusetzen, in die Partei eingetreten waren. Die neue Partei soll neben kulturellen Belangen der Deutschen in der Slowakei auch die wirtschaftlichen Belange vertreten. Ihr Sitz dürfte Spiska Novä BeS sein. Drohende Einstellung. DaS Kreisgericht in Eger hat dem in Marienbad erscheinenden Blatt« der SdP„H e i m a t r u f" die Mitteilung gemacht, daß da» Blatt eingestellt werden kann. Das Parlament Im Herbst In einer politischen Uebersicht beschäftigt sich das„Prävo lidu" mit den Aufgaben des Parlamentes im Herbst. Die beiden Häuser dürften früher zusammentreten als cs die Vorlage des Budgets notwendig machen wird, weil im Voranschlag bereits einige Umstände berücksichtigt werden müssen, die.die Annahme verschiedener Gesetzentwürfe im Parlament zur Voraussetzung haben. Daneben soll daS Parlament ein neues Eisenbahngesetz und den Entwurf des neuen bürgerlichen Gesetzbuches .erledigen. Das Budget dürste erst gegen Ende Oktober auf den Tisch des Hauses kommen und wie gewöhnlich in einer großen Debatte behandel werden. Vorher dürfte das Abgeordnetenhaus noch eine Aussprache über die internationale Situation haben, die durch eine Rede de» Außenministers und eventuell des Ministerpräsidenten eingeleiter und gleich bei Zusammentritt des Parlamentes abgeführt werden dürste. Das große Atus-Bundes-Schwlmmfest am 15. und 16. August in der prachtvollen Anlage des Teplitzer Schloß» garten-Bades muß zu einer großen sportlichen und kulturellen Deran- staltung werden! Schwimmer und Schwimmerinnen! Turner und Turnerinnen! Rüstet zu einer Fahrt nach Teplitz- Schönau! Seite’t Dienstag, 88. SuN 193g Sfe. 171 Sonntag der Autobutkatartrophen 20 SA-Leute bei Stuttgart ums leben gekommen ZMsnmlgLeikn- Das Gesicht Europas „Exkönig MfonS von Spanien, der in der Tschechoslowakei, im Metternichschloß in Bad Königswart weilt, kam am 22. Juli nachmittags in einem Auto nach Franzensbad. Er besuchte einen Tanztee im Hotel„Königsvilla"." „Prager Tagblatt". „Franzensbads Luxushotel„Königsvilla" hatte eine Sensation, als König AlfonS von Spanien am 22. Juli beim Fünfuhrtee erschien und sich als vorzüglicher und ausdauernder Tänzer erwies". „Bäderplauderei" des Presseamtes der Kurkommission Franzensbad. „Alain Gerbault, ehemaliger Tennis- chämpion von Frankreich und Umfahrer der Welt in einem kleinen Segelboot, hat seine Freunde in Europa wissen lassen, daß er sie niemals Wiedersehen wird. Er habe, schreibt er, am Strand von Tahiti eine kleines Holzhaus erbaut und werde seine Tage in Ruhe am Strand dersSüd» see verbringen." „Pester Lloyd", Budapest. „Die beiden Reichsarbeitsdienstabteilungen in Bad Schmiedeberg und Doberschütz(Regierungsbezirk Merseburg) haben vom Reichs- arbeitsführer die Namen„Erwin Kern" und „Hermann Fischer" verliehen erhalten. Kern und Fischer waren die Führer des Attentats auf Walter Rathenau." „Deutsches Nachrichten-Büro", Berlin, „In London rechnet man mit ungefähr 25.000 Obdachlosen, die ständig in den Straßen herumirren und irgendwo Unterkunft suchen. In einein Land, das als eines der reichsten der Welt gilt."• „Sozialdemokrat", Prag. „Das Tragen mehrteiliger Badetrikots für Frauen ist untersagt. Weiter ist das Verlassen der Badeanstalten in Schwimmkleidung, auch mit Bademantel, ausnahmslos verboten. End- lich ist der Unfug des Herumgehens und Liegens ist nacktem oder dürftig bekleidetem Zustand wo und wann immer an öffentlich zugänglichen Orten sowie auf Ballonen, in HauSgäüen ode^, sonstwie eingesehcnen Orten untersagt.". Erlaß der Tiroler Landesregierung. „Der preußische Ministerpräsident General, oberst Göring hat Frau Käthe Dorsch zur Staatsschauspielerin und Emil Jannings zum Staatsschauspieler ernannt." „Deutsches Nachrichten-Büro", Berlin, Bon der Grenzwache erschossen. Der Budapester Fußballspieler Karl Kutik wollte gemeinsam mit einigen Sportlern illegal die ungarische Grenze überschreiten, wurde aber von einem rumänischen Grenzwächter überrascht und, als er flüchtete, erschossen. Fünf Menschen im Plattensee ertrunken. Auf dem Plattensee wurden zwei VergnügungS- boote von einem SturnNvind überrascht. Das größere Boot mit 25 Ausflügler» konnte sich rechtzeitig bei der nächsten Küstengemeinde in Szigliget in Sicherheit bringen,'während das kleinere Boot mit fünf Reisenden unterging, wobei alle ertranken. Bei Dunaföldvar ging ein Sportboot mit drei Personen unter, von denen zlvci gerettet wurden, während die dritte ertrank. Zwei Brüder ertrunken. Der zwölfjährige Sohn des Landwirtes Zozner aus Ratterbach (Steiermark) badete in der Mölln und begann zu sinken. Sein dreizehnjähriger Bruder Kristian ivollte ihm Hilfe bringen, doch wurden beide von der Strömung fortgerissen und ertranken. Postraub. Auf den Postautobus, der den Verkehr zwischen den Stationen Straldscha und dem Städtchen Kotel im östlichen Teil des Balkangebirges besorgt, wurde ein rätselhaftes Attentat verübt. Maskierte Räuber zivangen zwei Pferdehändler, die mit ihren Pferden die Straße passierten, mit den Rössern die Straße zu verbarrikadieren, worauf sich die Räuber im Dickicht verbargen. Der Autobus, der zirka acht Millionen Lewa und sechs Reisende beförderte, mußte anhalten. In diesem Moment sprangen aus dem Dickicht die maskierteil Räuber und metzelten die den Geldtransport begleitenden Polizisten nieder. Bevor aber die Räuber den Postautobus berauben konnten, kam eine Polizeistreife zuhilse, die sofort die Verfolgung aufnahm, zwei der Räuber verletzte, aber nicht verhindern konnte, daß die Bande das Weite suchte. Eine Ungarin von den spanischen Rebellen erschossen! Die Budapester Tänzerin Kornelia S z o m l a i wurde in Spanien wegen Spionage verhaftet und in T e t u a n zum Tode verupteilt, wo sie auch hingerichtet wurde. DaS Deutsche Reich bürgert Kinder auS. Zum erstenmal in der Ausbürgerungspraxis des Hitlersystems sind gleichzeitig»lit. den von der Ausbürgerung Betroffenen Familienangehörige Stuttgart. Ein schweres Automobilunglück, von dem ein SA-Sturm aus Mannheim am Sonntag gegen Abend in der Nähe von Freudenstadt betroffen wurde, hat insgesamt 20 Todesopfer gefordert. Der SA-Sturm hatte in einem Lastkraftwagen mit Anhänger, die von inSgesanN 08 Personen beseht waren, einen Ausflug in den. Schwarzwald unternommen. Auf der Rückfahrt fuhr der Lenker des ersten Wagens die als gefährlich bekannte sogenannte Besenfelder Steige mit großer Schnelligkeit herab. Er verlor die Herrschaft über die Wagen und bei einer Kurve koNnte er sie nicht mehr auf der Straße halten. Sie gerieten über den Straßenrand und stürzten eine beinahe senkrecht abfallende Böschung etwa acht Meter hinab. Bei dem Sturze wurde die Besatzung der beiden Wagen zum Teil herausgeschleudert, zum Teil geriet sie unter die Wagen. und Kinder auSgcbürgert worden. Die am 22. Juli veröffentlichte Liste der Ausbürgerungen enthält die Namen von zwei Kindern. Die j ü n g st e Ausgebürgerte ist die neun Jahre alte Tochter Lily des BorwärtSredakteurS Dr. Curt Geyer. Sie hat„durch ein Verhalten, das gegen die Pflicht zur Treue gegen Reich und Volk verstößt, die deutschen Belange geschädigt". Grubeneinsturz bei Troppau. In der Nacht auf Sonntag stürzte in den Gipsgruben in Ka- t h a r e i n der Förderturm mit einem Teil der Obertagsbauten ein und siel unter ungeheuerem Getöse in den Schacht. In einer Tiefe von acht Metern blieb die Konstruktion des Turmes mit dem Förderkorb im Gebälk, welche? den Hauptschacht sichert, hängen. Gleichzeitig stürzte in einem Umkreis von einigen Metern das Erdreich ab. Nach den Berichten von Augenzeugen schlug auS den einstürzcnden Bauten eine Stichflamme empor, worauf ein großes Getöse und unterirdisches Dröhnen folgte. Die Katastrophe verursachten wahrscheinlich die oberen aufzcwcichten Kalkschichten, die in den Hauptschacht abstürzten, wobei sie di« Hauptstützkonstruktionen durchbrachen und in die Tiefe fielen. Zum Glück befand sich zu dieser Zeit niemand auf der Grube, auf der gewöhnlich 29 Arbeiter beschäftigt sind. Vernarb Shaw bekennt sich zu Irland. Zu seinem achtzigsten Geburtstag am 26. Juli hatte sich Bernard Shaw etwas ausgedacht, was ein echter GBS-Witz mit tieferer Bedeutung ist: er hat nämlich vor einigen Tagen die Staatsangehörigkeit des Freistaates Irland erworben. Das stellt natürlich einen Affront gegen England undjnshespuderc,gegen London har, Denn. Shaw ist,zwar, wie man weiß, Ira. von Geburt, aber er wohnt seit 1876 in London, und hat sejne engere Heimat nie verleugnet, sich aber auch nicht um die Auseinandersetzungen zwischen England und Irland gekümmert. Di« Brisantenbraut. In der preußisch- schlesischen Stadt Frankenstein wurde kürzlich die 14jährige Marie Schiminowski von ihren Eltern als vermißt gemeldet. Sie war spurlos verschwunden und nach einiger Zeit erhielten die Eltern ohne weitere Mitteilung in einem Postpaket die Kleider des Mädchens zugeschickt, so daß die Annahme nahelag, daß das Mädchen ermordet worden sei. Jetzt hat di« Angelegenheit, eine andere überraschende Aufklärung gefunden.' Bei der Suche nach Schwerverbrechern stieß die Polizei im Walde bei Wartha auf zwei schwerbewaffnete Verbrecher mit Revolvern und Tränengasbomben. Der eine von ihnen war der langgesuchte Zuchthäusler Smolka, sein Begleiter aber war niemand anderer als das verschwundene Mädchen, das sich in Männerkleidung befand und von Smolka zu gemeinschaftlichen Verbrecherfahrten gewonnen worden war. „Frankreich muß Kinder kaufen!..." Die Diskussion in der französischen Oefsentlichkeit über bevölkerungspolitische Sorgen geht lebhaft weiter, und von den verschiedensten Seiten werden Vorschläge gemacht, wie dem'drohenden AuSsterben der Nation begegnet, und wie der immer mehr fortschreitende Geburtenrückgang aufgehalten werden kann. Jetzt meldet sich auch der berühmte Pariser Arzt, der Chirurg Jean LouiS Faure zum Wort. Sein Artikel im„Jntransigeant" trägt den sensationellen Titel:„Frankreich muß Kinder kaufen!" Professor Faure verlangt eine sofortig.» gesetzliche Regelung der Unterstützung kinderreicher Familien, Aussetzung von Gevurtenprämien und eine ganze Reihe von Maßnahmen, die den Eltern ökonomisch ermöglichen, Kinderzuwachs zu begrüßen. Der Staat soll, we ein Unternehmen, das Arbeit„kauft", indem es Akkordlöhne fest- fctzt, Kinder„ankaufen". Professor Faure errechnet, daß die Gesamtheit der von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen jährlich acht Milliarden Franken kosten würde. Aber wenn man annimmt, daß dadurch die Gebürten sich jährlich um 500.000 vermehren, so würde feder neue französische Bürger dem Staat nur 16.000 Franken kosten, ein« Summe, die in gar keinem Verhältnis zu dem Wert seiner Lebensarbeit steht. Streit um des Bla« Band. Der Kapitän dei englischen Ozeanriesen„Queen Mary" erklärte, daß sein Schiss die Route Cherbourg—New Nork in vier Tagen, acht Stunden upd 87 Minuten, also in.einer um drei Stunden und fünf Minuten kürzeren Zeit als der von dem französischen Ozeanriesen„Nor- manhie" gehaltene Rekord, zurllckgelcgt habe, Die Der Fahrer, ist fast der Einzige der Verunglückten, der mit leichteren Verletzungen davonkam. Er wurde verhaftet. « Ühemnitz. Ein Autobus, der sich auf der Fahrt nach Leipzig befand, kam kurz vor Plauen ins Rutschen und stürzte eine sechs Meter hohe Böschung hinunter. Der Wagen, der sich zweimal überschlug, wurde'zertrümmert Von den 81 Insassen wurden 29 verletzt, darunter acht schwer. Warschau.(Pat) Bei der Gemeinde Piotr- kow geriet ein Autobus, in welchem sich 21 Personen befanden, ins Schleudern und stürzte die Böschlmg hinab. Hiebei wurden vier Personen tödlich verletzt alle übrigen Reisenden erlitten leichtere oder schivcrere Verletzungen.' „Queen Mary" habe das„Blaue Band der Ozeans" ärrungen.— Der Direktor der französischen Dampf- schiffahrtSgesellschaft, welcher der Dampfer„Normandie" gehört, erklärte, die„Normandie" halte noch immer dar Blaue Bänd des Ozeans, da der britische Dampfer„Queen Mary" zwar den Ozean in einer kürzeren Zeit als die„Normandie" überquert hat, feine Durchschnittsgeschwindigkeit jedoch geringer war. Die„Normandie" startete nämlich in Southamptons, fo daß sie eine längere Strecke zurücklegte als die„Queen Mary", welche von Cherbourg startete. Die mittlere Geschwindigkeit der„Queen Mary" betrug' 29.61 Knoten in der Swnde, die Schnelligkeit der„Normandie" 29.94 Knoten. Den internationalen Abkommen gemäß wurde also der Rekord der„Normandie" nicht gebrochen. Opfer der Sensationsgier. Dem großen englischen Dampfer„Queen Mary" flog ein Wasserflugzeug, das mit neun Personen besetzt war, entgegen, von denen vier Personen Pressephotographen waren, die photographische Ausnahmen von dem. Schiff machen wollten. Hierbei kam der eine Flügel des Apparates mit der Wasserfläche in Berührung, das Flugzeug kippte um und begann zu sinken. Der Besatzung des DanipferS gelang eS, die Insassen des Aeroplaner zu retten. Einer der Pressephotographen ist den bei dem Unfall des Aeroplans erlittenen Verletzungen erlegen. Registrierballon in der Höhe von 47.500 Meter. Am 16. Juli ließ das Observatorium in der Tikse» Bucht lllDM) einen Registrierballon aufsteigen, der eine Höhe von 47.500 Metern erreichte und damit einen Rekord aufstellte. Die Aufzeichnungen des Apparates dauerten 59 Minuten. In der Höhe von Wetzen verzeichneten die Apparate, des,Ballons 62, Grad Kälte..und einen Druck.-von-162 Millibar. Beim weiteren Aufstieg stieg die Temperatur gleichmäßig an; fie beziffert'sich in einer Höhe von 48.090 Metern auf 42,7 Grad' Kälte, um dann neuerlich in einer Höhe von 47.000 Meter auf 46,8 Grad unter Null abzusinken. Istanbul«nd Umgebung wurden von einem heftigen Orkan heimgesucht. Einige Stadwiertel wurden überschwemmt und«ine Anzahl von Häusern kam zum Einsturz. ES werden viele Tote und Verwundete gemeldet. Die Telephonkabel sind unterbrochen und an zahlreichen Stellen wurden die Eisenbahnstrecken beschädigt, so daß die Züge bedeutende Verspätungen erlitten. Die Alpen fordern nene Opfer. Der 16jährige Prakttkant Karl Baliöek und der 19jährige Schlos- sergehilfe Karl Praniner, beide aus Wien, unternahmen dieser Tage von der Ramsau einen Ausflug auf den Dachstein, von dem sie nicht mehr wiederkehrten. Eine RettungSexpedition fand die beiden nach längeren Bemühungen tot-am Grunde einer Schlucht. Die Leichen konnten bisher, nicht geborgen werden. Ein Häftling erschossen. Die Gendarmerie in Landeck(Tirol) verhaftete Mittwoch den Ungarn Hummel wegen Landstreicherei und lieferte ihn In das Gefängnis ein.' Als Donnerstag der Aufseher dem Landstreicher das Frühstück brachte, begrüßte ihn Hummel mit Beschimpfungen und bedrohte ihn. In dem-entstandenen Handgemenge griff der Aufsehex zur Waffe. Er gab einen Schuß gegen Hünnnql ab,, der tödlich getroffen zu Boden sank,. Der bekannte englische Schrifssteller Bernard S h a w'könnte am 26. Juli in voller Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag feiern.. „Made In Germany** Berkin.(Tsch. P.-B.) Oberst L i n d- b e r g h besichtigte Montag vormittags die Hein» kelflugzeugwerke in Warnemünde. Räch einem Gang durch die verschiedenen Werkstätten wurde ein'neues Flugzeugmüstcr von dem Ches des technischen Amtes der Luftwaffe im Reichsluft- fahrtministerium Oberst U de t vorgeflogen. Hierbei g i i't g' d a s F l u'g z e u g aus bisher noch nicht geklärter Ursache in der Luft z u B r uch. Oberst Udet' sprang geistesgegenwärtig mit dem Fallschirm ab und erlitt bei dem Unfall lediglich einige Schnittwunden sowie eine Beinverstauchung. Sibirien-Expreß verunglückt? Nach Meldungen aus Charbin verunglückte der transsibirische Expreßzug. Die genaue Zahl der Opfer unter den Fahrgästen ist.noch nicht bekannt,'aber' man fürchtet/ daß sie sehr hoch ist. Traiische Duplizität. Der 21jährige Franz Wagner aus Kuliiov,. der die Handelsakademie>n Prostijov mit Auszeichnung absolviert hatte und vor Antritt einer Stelle zur Erholung nach Hause gefahren war, erlag am Samstag früh einem'Herzschlage-,^-.Am gleichen Tage,verübte ein Freund Wagner», der 20jährige Frank. Prochazka in der Nachbargemeinde Studnice, der die Lehrerbildungsanstalt in Kremsier frequentiert, Selbstmord...Er schnitt sich-mit-einem Küchenmesser die Kehle durch und verblutete. Der Grund des Selbstmordes ist nicht, bekannt. Auch Prochazka war Vorzugsschüler und weilte bei seinen Eltern zu Besuch. Wahrscheinliche» Wetter heute. Im Westteil des Staates etwas unsicheres Wetter, zeitweise stärkere Bewölkung, verschiedentlich Gewitter oder Schauer und tagsüber ein wenig kühler. Sonst noch schön und warm.— WetterauSsichte» für Mittwoch: Neigung zu Gewittern; Im Osten der'Republik wärmer als in den böhmischen Ländern. Vom Rundfunk SM*tahl«MwartM aus«tau PrtiriMMi Mittwoch ' Prag, Sender L; 7.00: Morgenmusik,/10.05:. Deutsche Presse, 12.10: Schallplatte», 18.40: Deutscher Arbeitsmarkt. 14: Buntes Schallplattenkonzert, 17.05: Mozart-Kompositionen, 18.05: Deutsche Sendung: Dr. Moucha: neue Bücher, 18.20 A rb e iter- f u n k K a r.l S ch m i d t: S a n i e r u n g der B e r g a r b e i t er v e r sich e r u ng, 18.40 S o z i o l e Info r m a t'i o n e n. 18.45: Deutsche Presse, 21.15: Geigenquartett von Beethoven. Sender S: 7.80: Salonorchesterkonzert,. 14,80: Tschäikowsky-Kömposittonen, 15.15: Deutsche Sendung: Kinderstunde, 15.50: Deutsche Presse.— Brünn:' 12.85: Mittagskonzert, 18.80: Deutscher ArbeitSmarki, 17.40: Deutsche Sendung: Dämon, Rundfunsspiel; 18.15: Klavierkonzert.—- Mährisch- Oftra«: 11.00: Blechmusik, 18.00: Tanzlieder.•• Die spanische Regierungsflotte im Häfen von Tanger Der Hafen von Tanger, aufgeiwmmen am 21. Juli, mit den Schiffen der spanischen Regie- 1'tWß8ffatte v ,. Nr. 174 Dienstag, 28. Null 1836 Sette 5 Spanien In Hammen Die Blutchronik von Barcelona llchen. Für die Erreichung dieser Zieles ist die breiteste Entfaltung und Zusammenfassung aller Kräfte entscheidend. Um 63.000 Mllchlübe wmiger.DieZahl der Milchlühe in der' Tschechoslowakei hat gegenüber demBorjahr um 68.012 Stück abgenommen. Da» bedeutet eine Verminderung der Milchproduktion um 126 Millionen Liter und eine Verminderung der Buttererzeugung um 486 Waggons. Eiri; rumänischer Rüstungskredit Zur Finanzierung von Rüstungsaufträgen, die die rumänische Regierung an die tschechoslowakische Rüstungsindustrie vergibt, ist von der Tschechoslowakei anRuinänIeneinFinanzierungS» lredit von 266 Millionen Kronen gewährt!wor". den. Dieser Kredit wird von der Schwerindustrie unter der Führung der Skoda-Werk«, die auch den größten Teil der. Aufträge erhalten dürsten, eingeräumt. Allerdings hat ihn der Staat, voll, garantieren müssen. Die- Laufzeit beträgt zehn Jahre.Zu den- vorgesehenen: Lieferungen gehört in«ist« Linie Etseiwahnbrückh><' und Schiffsbaumaterial und- auch direkter Armeebtdarf. Die Lieferung von Kanonen würde schön' in. einem früheren Vertrag geregelt- so daß sie'in dem neuen Abkommen nicht enthalten ist... Eröffnung der neuen slowakischen Bahn Sonntag wurde in feierlicher Weise durch den Eisenbahnminister die neue Bahnstrecke Cer« venä Skäla— Margecany eröffnet. Der auch im Rundfunk gesendete Eröffnungsakt fand in der Station Margecany statt. Sektionschef Konerza gab namens der Bauverwaltung Erläuterungen über die Kosten und die technische Durchführung des schwierigen Baues und gedachte auch der sechs beim Bahnbau verunglückten Mitarbeiter. Bisen« bahnminister BechynL hob die Bedeutung der öffentlichen Investitionstätigkeit bei der'Bekämpfung der Wirtschaftskrise hervor. Di« Staatsbahnen wenden im heurigen Jahre 721 Millionen AL für diese Zwecke auf, wovon 177 Millionen auf neue Bahnstrecken entfallen. Die nach dem Umsturz mit einem Aufwand von nahezu einer. Milliarde Ai erbauten neuen Bahnen liegen fast alle in der Slowakei. In dem Eebiet der neuen Bahn standen, bereits im 12. Jahrhundert blühende Bergstädte; im flowakischen Erzgebirge liegen nochmanch« Schätz« begraben, zu deren Hebung, und Nutzbarmachung die neue Bahn wesentlich beitragen wird. Den Touristen erschließen sich die sprichwörtlichen Naturschönheiten der Kleinen Tatra, der Eishöhlen und de» slowakischen Paradiese», der Bottswirtschaft ein zwetter sehr wichtiger Verkehrsweg nach dem Osten. Zum Schluß wies der Minister noch daraus hin, daß eine Reform der Frachtrarife vorbereitet wird, die dem Wirtschaftsleben der Slowakei große Vorteile bringen wird. Der Sonderzüg der offiziellen Gäste und ein zweiter Zug mit Publikum, beide reich geschmückt, eröffneten hierauf den durchgehenden Verkehr auf der ganzen Strecke, die zum Teil durch altes deutsches Gebiet geht. Bei den Begrüßungen in den einzelnen Stationen kamen auch deutsche Be« wohner zu Worte. Bei einem Festesten in der Station Eishöhle(Ladovä Jeskhnk) gab Ju» stizminister Dr. D L r e r, der ebenfalls der Er« öffnung beiwohnte, seiner Freude über die aufrichtigen Kundgebungen der Vertreter der deutschen Bevölkerung in der Slowakei Ausdruck, welche sich dessen bewußt werde, daß es der tsche« choflowakische Staat war, welcher ihnen ein« freie nationale Entwicklung ermöglicht hat. Von deutscher Seite erwiderte Abg. Kunz sBdL), daß bei der heutigen Feier Slowaken und Deutsche ge« meinsam die Staatshymne gesungen und gemeinsam versprochen haben, den Staat zu verteidigen. Bleiben wir beisammen, erklärte er, wie wir es tausend Jahre hindurch waren! Abg. B e L k o(tsch. Sozialdemokrat) kündigte an, daß bereit» eine Aktiengesellschaft„Montania" in Gründung begriffen sei, um die Mineralschätze des Gebietes, durch die die neue Bahn führt, auszubeuten. Flüchtlinge wirksam verteidigen wollen und fordert st« auf, eine.schnelle und machtvolle Aktion zu entfalten. Er fordert st« auf, gemeinsam alle Kräfte dafür einzusetzen, daß da» Asylrecht in den verschiedenen 'Ländern Europa» Und der Welt verwirklicht werde. Da» Sekretariat rechnet hierbei sowohl auf d'e demokratischen Regierungen, die au» dem Botte hervorgegangen.find, al» auf die Böller bundversammlung vom September 1286, um dem Seist der von der Internationalen Pariser Konferenz gefaßten Beschlüsse und seines juristischen Statuier zum Durchbruch»u verhelfen.. Dar Sekretariat begrüßt«», daß die h o l l ä n« bische Regierung, die kurz vor der Pariser Konferenz den politischen FIüchtllng Schwittay ausgeliefert hatte, die Auslieferung der deutschen Flüchtling» Schmalenbeck abgelehnt hat und steht die» al» Ermutigung zur Fortsetzung weiterer erfolgreicher Aktionen an. Da» Sekretariat wendet. fich ferner an alle Organisationen und Persönlichkeiten, die fich für die Arbeiten'der Jnternatiopälen Pariser Konferenz interessieren, wenn ste auch noch nicht dem Jnternatto« nalen Büro angehören. E» lädt sie feierltchst ein, ihren Anschluß baü> zu vollziehen, um durch gemeinsamen-Einsatz aller Kräfte da» von. den politischen Flüchtlingen mit Recht ungeduldig erhoffte Asylrecht und^bie materielle und moralische Hilft zu verwirk« kür die Verwirklichung des Asylrechts Da» Sekretariat de»„Internationalen Büro»- für Asyl und Hilft für polittsche Flüchtlinge", hervorgegangen au» der Internationalen Pariser Konferenz für Asylrecht,.ist am 17. Juli 1286 zu einer- ersten Sitzung in Pari» züsammengetreten. - Nach Prüfung., de»„Vorläufigen üebtreinkom«. men» betreff» der deutschen Flüchtlinge'',' da» von der Regierungskonferenz vom 2. Utls 1986 in Eenfi beschlössen wurde, gelangt da» Sekretariat de». Inter«' nationalen Büro» u., a. zu folgenden Feststellungensi S» ist bedauerlich,. daß trotz der von einigen: hervorragenden Regierungidertketern in lobeniwer« ter Weise- gemachten Anstrengungen,'.die"auf die: Negierungskonferenz gesetzten Hoffnungen-nur in' ! schwachem Maße«rfültt wurden. : Mmerhin ist«ine der brennenden Fragen der .. au» Deutschland.kommenden:!p»ltttschea Flüchtlingz,- die Frage ber AuSweiSpäpiere teilweise in dieser'- Internationalen Konvention. geregelt. Da» Sekretariat wendet.- sich an alle Massenorganisationen und Persönlichkeiten, die die durch gäschi»mu» oder Reaktion verfolgten politischen Wiener Pessimismus. In den„Lidovt No« viny" veröffentlicht ein österreichischer Industrieller unter dem Titel„Wiener Pessimismus" einen Artikel, der deswegen interessant ist, weil hier ein Industrieller Gedankengänge ausspricht, die auch schon von sozialdemokratischer Seite geäußert worden sind.„Die österreichische Szene", so schreibt er,„hat sich über Nacht vollkommen geändert. Was gestern schwarz war, ist heute weiß und es wird nicht lange dauern, wird das Weiße wieder schwarz werden." Schuschniggs Vertragspartner Papen könnte manches aus seinem eigenen Schicksal erzählen. Der österreichische Kanzler und Mussolini unterschätzen den großen Einfluß, den der Nazismus auf das Bürgertum stets ausgeübt hat. Auf der anderen Seite unterschätzen sie es, daß nach Ausschaltung der politisch gebildeten Arbeiter nur ein kleiner Teil der österreichischen Bevölkerung besondere politische Interessen hat. Die nationalgesinnte Beamtenschaft sieht in Schuschnigg nur ein vorübergehendes Regime. Schuschnigg selbst stellt sich wohl nicht ein. nazistisches Oesterreich als Ergebnis seiner Politik dar, aber er wird es nicht verhindern und er beschreitet einen Weg, auf dem die wirklichen oder politischen Leichname Kahrs, Helds, Schleichers, Brünings und PapenS liegen. Die häufige Betonung des Dollfuß-Kurses in den letzten Tagen kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß dieser Kurs verlassen wurde. Ein Teil der Bevölkerung bat das Gefühl, daß es von Schuschnigg verraten wurde. Die Legitimisten sind ver-. ärgert, weil sie sich betrogen fühlen, die Heimweh- ren sind in zwei Flügel gespalten, von denen der eine national ist, der andere Starhemberg nahesteht, welch letzterer das Gefühl hat, beiseite gestellt worden zu sein. Die Katholiken haben ein schlechtes Gelvissen vor den reichs- beutschen katholischen Kreisen, die durch die österreichische Kapitulation demoralisiert find. Ablehnend ist auch der Stand der christlichsozialen Arbeiter, die sich von ihren sozialdemokratischen Kollegen, mit denen sie immer noch in Verbindung 'sind,-den Vorwurf gcsallElasseN. Müssen, daß sic„, Hitler den Weg'geebnet haben. Gestiegen ist bei!"' Kampfelan der Sozialdemokraten, während die ehrlichen Nationalsozialisten, die nicht nur den Nationalsozialismus, sondern auch den Sozialismus wollen, nun zuOttoStrasser neigen.' Der. Verfasser stellt es nicht als unmöglich hin, daß sich alle Gegner Schuschniggs und Hitlers in Oesterreich zu gemeinsamem Vorgehen einigen werden. Tankow bildet Sturmabteilungen. Tankow» bulgarische nationalsozialistische Bewegung hat allen Vertrauensleuten des Landes besondere Direktiven zur Organisierung der Jugend zugehen lassen. In Sofia wird eine Schule zur Heranbildung von Jugend-Propagatoren geschaffen. ES wird auch ein- besonderes Presseorgan erscheinen, dessen Aufgabe in der Gewinnung der Jugend für den Cankow-Gedanken bestehen wird. An der Spitze der Jugendbewegung steht ein Exekutivausschuß, der sich in eine politische, eine Propaganda- und eine Sozialsektion gliedert. In Artikel 12 des Organisationsstatuts heißt es wörtlich:„Bet jeder Jugend-OrtSgruppe werden aus einer beschränkten Zahl mutiger und opferwilliger Leute Sturmabteilungen geschaffen, die mit den verant- wortungSvottsten Aufgaben betraut werden. Di« Namen der Sturmleute kennt nur der Führer der politischen Sektion in der Zentrale, dem die Sturmleute direkt unterstehen." Cankow gab auch ein« kleine Schrift unter dem Titel„Die nationalsozialistische Bewegung und, der politische Augenblick" heraus, in der als das Hauptziel der Tankow-Bewegung die Konzentrierung und Vereinheitlichung der bulgarischen Nation bezeichnet wird. Die Flugschrift macht kein Hehl aus der Br- wunderung für den H i t l e r i s m u s und den Faschismus und kündigt neuerlich den unerbitt» lichen Kampf gegm die Volksfront an. Die Anhänger Tankows in der Regierung.haben die Hoffnung nicht aufgegeben, daß sie schließlich de» - Innenminister KrasnowSli zwingen werden, ihnen eine größer« Einflußnahme auf die StaatSver« . waltung durch Besetzung wichttger Posten mit Tan« kow-Anhängern eiuzuräumen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß König Boris im Hisiblick auf die innerpolitische Situation ehestens aus dem Aus« lande nach Bulgarien zurückkehren wird. In Sofia wird die in den'letzten Tagen einberufene Sitzung des Obersten Militärrates lebhaft kommentiert, in der auch hie durch di« Tankow-Agitation geschaffene Lage besprochen wurde. Die Zensur ist den Kundgebungen Tankow? gegenüber sehr nachsich» tig, während sie mit den übrigen politischen Führern sehr streng verfährt. Andererseits verzeichnet auch die BollSfrontbewezung in Bulgarien ständig wachsende Fortschritte. Nach Schätzungen Eingeweihter könnte Tankow bei einer freien Wahl auf dem Lande 70—15 Prozent, in den Städten 26 Prozent der Stimmen gewinnen. Parteigenossin! Parteigenosse! Bist Du schon Mitglied der ftin&erfrettti&e? wenn nicht, dann tritt bei. »rennOfdkoft!" Barcelona, 26. Juli Die tote Stadt In Barcelona herrscht Ruhe, doch ab und zu' knattert noch hier und da Gewehrfeuer. Vor meinem Fenster zieht ein« dünne, gelblichweiß« Rauchfahne vorbei, die sich au» der Brandstätte einer wenige Häuser entfernten Kirche erhebt. Au» dem Hof brüllt ein Lautsprecher die Erlässe der Madrider und der katalanischen Regierung. Man hört auf der Straße in rasendem Tempo, die requirierten eleganten Privatkraftwagen vorbeifahren; es sitzen darin, dichtgedrängt, Polizeibeamte und verwegen ausfthende, unrasierte Arbeiter; einige liegen, da» Gewehr im Anschlag, auf den Kotflügeln der Wagen, ander« stehen, di« Pistole schußbereit, auf den Trittbrettern. In den Straßen hängen noch die von den Kugeln zerrissenen Straßenbahndrähte herab; den Asphalt bedeckt Katt, Mauerstücke, Scherben von Fenstern und Laternen; da und dort liegt noch ein blusiger Uniformrock,«in Stahlhelm. Noch zeugen kaum eingetrocknete Blutlachen von Kampf und Qual, und die toten Pferde, mit aufgeschwemmten Leibern, die ihr« dünnen, starren Fesseln in die heiße Sommerlust recken, werden in den Straßen verbrannt. In Barcelona ist der Kampf entschieden: die aufständischen Truppen sind geschlagen, zerrieben worden; ihr Anführer, der General G o d e t, ist gefangen. Der Präsident der katalanischen Regierung, Tompany», ist bereit» gestern früh barhäuptig, von seinen Getreuen umringt, im offenen Kraftwagen durch die Straßen gefahren. Di« von dem tagelangen Gewehr- und Mäschinengewehrgeknatter«ingeschüchterten Bürger hatten sich vor die Haustüren gewagt und applaudierten dem Präsidenten; mit ihnen die bewaffneten Arbeiter, die einzeln und in Gruppen, zusammen mit Polizisten der„Guardia de Asalto", durch die Straßen ziehen. Kampftage . I» Barcelona drängten sich in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli dichte Gruppen um die Radioapparate in den Tafts, Parteilokalen, Klubs und Redaktionsstuben, um die spärlichen offiziellen Nachrichten au» Madrid abzuhören. Wenige Stunden vorher hatte die dem Madrider Kabinett Tesare» Quiroga und dem Staatspräsidenten Azana durch Gestnnung und persönliche Freundschaft verbundene katalanische Regierung die Polizeitruppen in Alarmbereitschaft versetzt, und di« in einem im Bareeloneser- Hafen verankerten Schiff liegeüdesi Waffen beschlagnahmt und an die Arbeiterbevölkerung verteilen lassem Spanien» in Strahenkämpfen erfahrenste, verwegenste Aktionsgruppen der FAJ— der Iberischen Anarchistischen Füderatton— und deren Gewerkschaftsorganisation TNT(Tonfederacion Nacional del Trabajo) hatten sich, ebenso wie die VottSfront- parteien, der Regierung zur Verfügung gestellt. Gegen fünf Uhr morgens schreckten die ersten Schüsse di« politisch uninteressierten Bürger (aber wer ist da» noch?) au» dem Schlaf; au» dem Vorort Pedralbe» rückten da» dort stationierte Infanterieregiment 18 und da» Kavalle- rieregiment 10 auf der eleganten Valmenallee Diagonal nach dem Stadtinnerm Gruppen der „Guardia» de Asalto",„MozoS de Escuadra"— die malerische, blau und rot uniformierte Sonder- truppe der katalontschen Regierung— und bewaffnete Arbeiter stellten sich den Soldaten entgegen. Biele Soldaten, denen die Offiziere erflärt hatten, daß sie„zur Verteidigung der Republik" ausgeschickt seien, ließen sich von den Arbeitern -entwaffnen, und diese schickten fich mit den erbeu- teten Militärgewehren und Stahlhelmen an, diejenigen Truppen, die bi» ins Stadtinnere vorgedrungen waren, sowie die Regimenter, die inzwischen ihre im Stadtzentrum gelegenen Kasernen verlassen hatten, anzugreifen. UiMwM Die 36-Stundenwoche Im Dezember 1980 hatte die Kellog-Gesellschaft, ein große» Unternehmen für Getreidenahrungsmittel in Battle Treek(Michigan U. S. A.) zur Verminderung der Acheitslosigkeit den Sechsstundentag(vier Schichten) eingeführt. Diese Maßnahme war so erfolgreich, daß nunmehr nach fünfjährigen Erfahrungen der Sechsstundentag (86-Stunden-Woche) ständig«ingeführt worden ist. Gleichzeitig wurden die durchschnittlichen Lohnsätze um 12.5 Prozent erhöht, wodurch die Löhne tpieder auf den Stand vor dem 1. Dezember 1980 für die 8sttindige Arbeitszeit gebracht worden sind. Herr Kellogg erklärte, daß nach den Erfahrungen seiner Gesellschaft und dem Mißerfolg anderer Lösungen die Ueberwindung der Arbeitslosigkeit nur durch kürzere Arbeitszeit mit Lohnausgleich erreicht werden könne. Nach seiner Schätzung'würde dadurch der Beschäftigungsstand um wenigstens 20 Prozent verbessert werden köimen. Herr Kellogg fügte hinzu:„Unser Vorgehen beruht nicht auf theoretischen Erwägungen. Nach unseren Erfahrungen wird bet einem kürzeren Arbeitstage die Leistungsfähigkeit und die seelische Haltung der Arbeiter verbessert, die Unfall« und Krankhettsztffern gehen zurück, und di« Gestehungskosten'werden so gesenkt, daß wir für die sechlstündige Arbeitszeit einen ebenso hohen Lohn zahlen können wie vorher für die Sftündige Arbeitszeit. Die Gesellschaft ist mit- den erzielten Ergebnissen außerordentlich zufrieden". Um di«„Plaza de Tataluna" tobte bis Mittag ein erbitterter Kampf, bi» sich die au» allen Seitengassen beschossenen und im Nahkampf bedrängten Truppen ergeben mußten. Auf den Blumenbeeten, an den Baumstämmen, lehnten zahlreiche Verwundete; dazwischen lagen die Leichen verwundeter Soldaten, zweier katalanischer Polizeibeamter und zweier Anhänger der FAJ, die sich tollkühn dem Militär entgegengestürzt hatten, um es im Nahkampf zu überwältigen. In den übrigen Stadtteilen wurde bis Mittwoch weitcrgekämpft. Die Aufständischen hatten vier Geschütze vor dem Tivilgouvernement angefahren: VolkSmiliz und Polizeitruppen eroberten sie im Nahkampf und richteten sie gegen die Kasernen, in die sich die in offenen Gefechten geschlagenen Truppenteile zurückgezogen hatten. Regierungstreue Flieger beschossen die Aufständischen mit Maschinengewehren und warfen einige Bomben ab. Die Milizkommandantur wurde erstürmt und der General Godet festgenommen. Zuletzt leisteten di« Truppen nur noch in der am Hafen gelegenen Artilleriekaserne„Atarazanas" Widerstand. Von den in den engen Gaffen der Altstadt aus Straßenpslaster, Matratzen und Möbelstücken errichteten Barrikaden knatterte ununterbrochen Maschinengewehr- und Gewehrfeuer. Die Offiziere hißten auf„Atarazanas" die weihe Fahne: Polizei und bewaffnete Arbeiter verließen ihre gedeckten Stellungen; da knatterte wieder ein Maschinengewehr, und zwanzig Menschen fielen, unter ihnen der Anarchistenführer Ascaso und der katalanische Abgeordnete TolldefornS. Der Kampf wurde weitergeführt, bis sich, wenige Stunden später, die wenigen überlebenden Offiziere und Soldaten ergeben mußten. Seitdem herrscht in Barcelona relative Ruhe. Hie und da vernahm man noch vereinzelte Dachschützen: die mit BottSmiliz und Polizei besetzten, requirierten Privatkraftwagen, die ununteichro- chen durch die Straßen fahren, halten scharf an, und es beginnt ein wildes Gewehrfeuer gegen dm meist unsichtbaren Gegner. . Der Alltag beginnt wieder - Die katalanische Regierung ist nun bemüht, die Zivilkämpfer im Zaum zu halten und die Arbeiter zu veranlassen, an ihre Arbeitsstätten zurückzukehren. Zwei Tage lang lagen dichte Rauchwollen über Barcelona: fast alle Kirchen, Klöster und Klosterschulen wurden in Brand gesteckt. Allerdings wird behauptet, daß in einigen Kirchen sich Tmppen festgesetzt hatten und von hier aus di» Volksmiliz beschossen. Die katalanische Regierung hat inzwischen die wenigeü n'öch unversehrten kirchlichen-Institute, sowie die Gebäude der rechtsstehenden Zeitungen staatlich beschlagnahmt,um sie vor der Zerstörung zu retten. DI« Lebensmittelversorgung Barcelona» stockt: in den LebenSmittelläden werden Eßwaren für die Kämpfer requiriert. Einige der Clement«, di« aus dem Staatsgefängnis befreit wurden, unternahmen Plünderungen.' Polizei und die Gruppen der FAJ gehen gegen die Plünderer mit größter Schärfe vor, und zwar erklären die Anarchisten, daß die unerbittlichsten Maß- nahmenzurReinhaltungihrerre- volutionärenBewegung statthaft seien: zwei Männer, die einen Juwelierladen auSrau- ben wollten, wurden auf offener Straße erschossen. Da» Privateigentum ist im allgemeinen respektiert worden, i Keinerlei Hebelgriffe sind Ausländern gegenüber vorgekommm, und in zahlreichen Fällen begleiteten Milizionäre der Anarchisten die Nichtspanier zu ihrem Schutz auf ihren Gangen durch die Stadt. Trotzdem beginnt das Leben in Barcelona allmählich wieder sich zu normalisieren. Auf den Ramblas sind die umgeworfenen Stühle bereit» wieder aufgestellt, Gruppen von Neugierigen diSkutteren das Vorgefallene, und überall wird mit dem Aufbau des Zerstörten begonnen. Copyright by Mttropress. Seite 0 .Sozialdemokrat Dienstag, 28. Juli 1936. Nr. 174 Der Kampiwcrt der spanischen Armee (MTP. Paris.) Die Unruhen In Spanien geigen den ausgesprochenen Charakter einer Konterrevolution zum Zwecke der Errichtung einer Art autoritären Staates, der unter der Leitung jener Generale stehen soll, die die Bewegung ausgelöst haben. Es ist ein Militärausstand im wahrsten Sinne des Wortes, und ein Blick auf die Karte Spaniens genügt, um festzustellen, daß da» gleichzeitige Aufflackern der Bewegung im Süden, Norden, Osten und Slldwesten die Folge einer strategisch umsichtig borbereiteten und genau durchdachten Operation ist. Der militärische MobilmächungSplan, auf den wir noch näher eingehen werden, wurde von vorzüglichen Militärtheoretikern ausgearbeitet. Die politische Vorbereitung ruhte in den Händen der Führer der spanischen Faschisten und war in erster Linie das Werk der Sohnes von Primo de Rivera. Primo de Rivera war übrigens ein tüchtiger Offizier mit erheblichem Fachwissen und hat sich bei den Kämpfen in Marokko Lorbeeren geholt, aber als Diktator und Staatsmann versagte er vollkommen. So umsichtig alle Vorbereitungen zur Mobilmachung der Truppen getroffen worden waren, so haperte cs jedoch vom ersten Tage des Umsturzversuches an sowohl mit dem Transportwesen wie auch mit der psychologischen Fundierung der ganzen Aktion. Das Schicksal eine» Pronunciamcnto hängt von der Schnelligkeit der Ausführung ab. Die spanischen Generale hatten die Wahl zwischen der Zu- rcchtstcllung einer genügend groben Anzahl von Transportautos und der Besetzung wichtiger Eisen- banhlinien. Beider wurde— erfreulicherweise für die Sache der Volkes— versäumt. Dagegen lieb man sich auf Spielereien mit Rundfunkbluff ein. Das Pronunciamcnto wurde statisch vorbereitet. Man be- schlob zwar, wer losschlagen solle, aber man arbeitete die Aufmarschbcfchle nicht aus. Der Kriegsplan Die kampftüchtigste Kolonialtrnppe— den JnlandSabteilungcn hoch überlegen und über eine Frontpraxis verfügend, von der sich manche Generäle nichts träumen lieben— wurde der Kern der Bewegung. Man versprach sich von der Landung der afrikanischen Truppen im Mutterlande ungefähr denselben moralischen Erfolg, den Napoleon» Landung in Frankreich, nach seiner Rückkehr von der Insel Elba, in der Bevölkerung auSgelöst hatte. Dieser„moralische Sieg" sollte durch die gleichzeitigen Erhebungen in Katalonien(Barcelona), in Andalusien(Sevilla) und in Asturien(Oviedo) noch verstärkt werden. Jeder der Generale sollte nach Ueber- Windung des Gegners in den einzelnen Provinzen sofort auf Madrid, bzw. auf Barcelona marschieren. Strategie und Taktik des Sfraßenkampfes Die Kämpfe spielten und spielen sich vorwiegend in Städten und Ortschaften ab. Hierzu sind verschiedene militärische Verbände ihrer ganzen Zusammensetzung nach durchaus ungeeignet. Ein eklatantes Beispiel, wie man unnütz Menschen opfert, bildeten die Neiterattackcn inBarcelona, die natürlich vom Maschinengewehrfeuer sogleich im Keim erstickt wurden, wobei es nach den bisherigen Meldungen einige hundert Tote auf Seiten der Angreifer gab. Man kann sagen, dab eigentlich nur die nordafrikanischen Kampftruppen— an fortwährende Araber-Angriffe gewähnt— und auf der Gegenseite da» Gendarmerie-Korps der Guardia Civil über Ofsiziere und Mannschaften verfügen, die moderne» Straßenkämpfcn gewachsen sind. Selbswerständlich besitzen auch die von der Regierung zuhilfe gerufenen Arbeiterorganisationen eine„Barrika- dcn-PraxiS", die der der regulären Armee w e i t ü berleg en ist. Ole Gliederung der spanischen Armee Die Halbinsel ist aufgeteilt in a ch t D i v I• sion»bezirke mit ebenso viel Infanteriedivisionen und einer selbständigen Kavallcriedivision. Die Balearen und Kanarischen Inseln bilden zwei Sonderbezirke. Spanische-Marokko ist in zwei Kreise geteilt und die dortigen Streitkräfte einem Oberbefehlshaber im Protektorat unterstellt. Die Gesamt« f r i c d e n L st ar k e der Armee beträgt rund 10.000 Offiziere und 17 0.0 0 0 M a n n, davon stehen allein in Marokko etwa 88.000 Weibe und 12.000 farbige Truppen. Ungewöhnlich hoch ist die Zahl der pensionierten Offiziere— und da» ist eine der Ursachen de» jetzigen Aufstandes, dem sich Tausende von ehemaligen Offizieren angeschlossen haben. Die hohe Ziffer der beurlaubten Ofsiziere— e» handelt sich um über 10.000— war eine Folge der groben Umformung der spanischen Armee, die unter Leitung Zamora», als dieser Kriegsminister war, in Angriff genommen wurde. Der Armeeausbau war vöUig veraltet, da» Offizierskorps im Vergleich zur Mannschaftsstärke aufgebläht. Zamora pensionierte Hunderte von Generalen und Stabsoffizieren, die nicht» wert waren, aber er schuf damit Gruppen erbitterter Staatsfeinde, die c» nicht ertragen konnten,„a. D." zu fein. Die Guardia Civil, die, wie e» scheint, zum größtenTeil regierungstreu ist, ist eigentlich eine. Landjägertruppe, etwa nach der Art der italienischen Carabinieri. Sie ist rund 80.000 Mann stark und untersteht sowohl dem Innen- wie dem KriegSminister. Da es sich bei der Guardia, Civil größtenteils um altgediente- Unteroffiziere handelt, bedeutet«ine solche Truppe in einem militärschwachen Lande besonders viel. Früher war sie eine königstreue Truppe und zur Unterdrückung republikanischer Umsturzversuche gedrillt, aber sie ist im Laufe der letzten fünf Jahre VöUig umgewandelt worden und setzt sich heute au» republikanischen, ja zum"Teil sozialistischen Elementen zusammen. Die spanische Flotte, die ja auch. in die Kämpfe aktiv eingegriffen hat, ist vom technischen Standpunkt au» in keinem guten Zustand. Die größe- Der beste Bäcker... * Eine» der Merkmale der Planlosigkeit in der kapitalistischen Wirtschaft»„ordnung" ist die durch nicht» geregelte Zersplitterung de» Kleinhandel» in tausend und abertausend Läden und Lädchen in jeder Stadt, Er ist aber nicht die Zahl der Läden allein, die einen bestehenden Zustand sichtbar macht, sondern die Menge der Geschäfte, die dicht beieinander mit den si l e i ch e n Waren handeln. So eng sitzen sie aufeinander, dab beinahe ein Selcher dem andern die Ware abkaufen möchte, die dieser nicht los wird. Das läßt sich in jeder Straße Prag» so gut seststellen wie in jeder Stadt der Welt; man achtet nur für gewöhnlich nicht weiter darauf. Zufällig wird man dessen- einmal inne, wenn neue Läden entstehen und neue Firmenschilder Dinge anpreisen, die man zehn Schritte entfernt auch schon kaufen konnte. Da sind an der Fochova zwischen der alten Flora und dem Lobkowihplatz in den letzten zwei Jahren soviele neue Häuser gebaut worden, daß dieser Straßenabschnitt bi» auf«ine Lücke geschlossen bebaut ist. In diesen Häusern gibt es allein an der Fochova ohne die Geschäfte in den Neben» stratzen 45 Läden; zwei große Häuser, in denen noch mindestens acht Läden sein werden, sind noch im Bau. Er werden dann also über 50 Geschäfte sein auf einer Straßenstrccke, die man in ruhigem Schritt in vier Minuten zurücklegt. Gegenüber liegen die Olschaner Friedhöfe; dort ruhen die Toten, die nicht» mehr brauchen, und von den Fried- hofrbesuchern leben nur die Grabmalgeschäfte und Blumenhandlungen, die e» dort gibt. Auf dieser Vierminutenstrecke zählt man vier Geschäfte, di« mit Kolonialwaren aller Art, Obst und Gemüse handeln, vier Fleischhauer und Selchwarengeschäfte, drei Zuckerwarengeschäfte, drei Friseure, drei Drogerien und außerdem eine Parfümerie«. drei Milch- und Molkereiproduktenhandlungen, drei Blumengeschäfte außer den Blumenhändlern auf der Friedhofsseite, zwei Schuhmacher und zwei Schneidergeschäst»; zwei Modenwarenbandlungen werden demnächst zu gleicher Zeit eröffnet. Die übrigen Läden verteilen sich auf Grabmäler, Motorräder, Spielwaren, Pelzwaren, BeleuchtungSgigenstände, Papierwaren; eine Bügelanstalt macht den Schneidern Konkurrenz. Einige Läden stehen noch leer; wenn auch diese und die Läden in den Neubauten bezogen sein werden, wird da» Bild noch drastischer sein. Die Käufer können sich die Geschäfte aursuchen— wenn sie nicht an ihnen vorbei der größeren Auswahl zuliebe in die innere Stadt fahren. Die Geschäftsleute aber müssen geduldig warten, bi» die Käufer zu ihnen kommen, und man s i e h t sie in ihren Läden warten.' Welche Zuversicht gehört dazu, um sich als Friseur fünfzig Schritte vom andern und hundert Schritte vom dritten Friseur entfernt zu etablieren I Wa» mag der-eine Fleischhauer gedacht haben, al» der andere, nur um ein»Hau» von ihm getrennt, sein„isteznictvi" auf da» Firmenschild malen ließ? Wa» sich hinter den Schaufenstern und leerbleibcnden Tageskassen abspielen mag, kann man nur ahnen. E» ist ein geräuschloser Konkurrenzkampf um Leben und Sterben, der nicht immer so Naturwissenschaftliche Kurzberichte Von E. Aldt Eine neue Methode der Holz* gewinnung In Deutschland geht man jetzt daran, die Einfuhr von Harz und Harzprodukten, wie Terpentinöl und Kolophonium, die heute noch etwa 15 Millionen Mark jährlich beträgt, einzuschränken und neue Wege zur Gewinnung von Kiefern- und Fichtenharz zu beschreiten. Man hatte mangel» geeigneter Gewinnungsmethoden die heimische Harzproduktion im Großen längst als unrentabel aufgegeben, stellte sich doch das einheimische Harz fünfmal so teuer wie da» ausländische. Bon Harzprodukten sisielen besonder» Terpentinöl und Kolophonium eine wichtige Rolle, ersten» z. B. zur Herstellung von künstlichem Kampfer und von Answichmassen, letzterer ist in der Papierfabrikation zum Keimen" de» Papiers unentbehrlich, cs dient ferner zur Herstellung von Lacken aller.Art, der Gewinnung von Harzölen und verschiedenen anderen Zwecken. Nun hat Pr. Hessenland in Königsberg eine Gc- winnungSmethode ausfindig gemacht, welche die Produktion bedeutend steigert und rentabel macht. Wie er in der„Umschau" berichtet, beruht sein Verfahren darauf, den Harzsluß durch chemische Reizmittel anzuregen. Er verwendete verschiedene Säuren, Basen und Salze und fand, daß einige dieser Reizmittel die Ausbeute über 100 Prozent erhöhten. ren Einheiten sind meist alteSchiffe, und so weit sie modernisiert wurden, sind diese Arbeiten schlecht auSgeftihrt worden, vor allem sind die Räume für die Manschasten ungenügend und falsch konstruiert/und dieser Zustand ist wohl auch einer der Gründe, weshalb eS zu erbitterten Kämpfen auf den Schiffen selbst kam. und die Matrosen teilweise ihre Offiziere gefangennahmen oder über Bord warfen. Die spanische Kriegsflotte besteht aus zwei Linienschiffen, zwei großen Kreuzern, zehn steinen Kreuzern, zehn Zerstörern, 25 Torpedobooten, ferner einer Reihe von U-Booten, Kanonenbooten, Küstenwachschiffen und Spczialeinheiten. Oberstleutnant Dumont. humoristtsch auSgefochten wird wie in jener Anek- tode von den drei Pariser Bäckermeistern: In einer Straße, in der e» schon zwei Bäcker gab, ließ sich ein dritter nieder. Konkurrenzlusttg schrieb er auf sein Firmenschild:„Der. beste Bäcker von Montmartre". Der zweite Bäcker ärgerte sich. Zornig sann er nach, wie er den Konkurrenten übertrumpfen könnte. Schließlich schrieb er an seinen Laden: „Der beste Bäcker von Pari»". Der dritte Bäcker la» die prahlerischen Aufschriften, ärgerte sich aber gar nicht. Er überbot beide, indem er aus sein Firmenschild schrieb:„Der beste Bäcker in dieser Straße".' Di« StaatSbahndlreküon veranstaltet folgende Sonderzüge. Vom 1. bi» 8. August in» Riesengebirge für AL 890.— und quer durch den Böhmerwald für Ai 420.—; in den Tagen vom 8. bi» 16.. August eine Rundfahrt durch Mähren für UL 560.—; vom 22. bis 81. August in die Hohe Tatra für UL 560.—; in den Tagen vom. 14. bis 28. August ins Ricscngebirge für UL 890.—. Informationen und Anmeldungen im AuSflugSzugr- referat neben dem Wilsonbahnhof, im Basar, Tel. Nr. 888-85. Vudttenacfiächten Ä Am Sonntag, 2. August 1936, finden die Meisterschaftskämpfe der DTJ am Strahover Sta- dion statt. Der Atu» wird- nach Möglichkeit diesmal nicht nur an den PRAG Männerkonkurrenzen teilnehmen, sondern wird auch die Atu»-S Port» lerinnen mit zu den Meisterschaften entsenden. — Am Mittwoch, den 5. August 1936, findet der letzte Meisterschaftskampf zwischen DTJ. Prag I.—V. und dem Prager Atu» auf der H e tz i n s« l statt. Die Atus-Anhänger werden bestimmt einen harten, gleichwertigen Kampf zu sehen bekommen. Spwt- Spiel- Körperpflege Sparta und Austria im Finale des: Mitropacups Die Retourspiele im Mitropacup endeten formgemäß mit den Siegen der Favoriten. In P r a g schlug Sparta nach hartem Kampf Ambro- siana, Mailand, 8:2(!/:!) und in Wien serttgte Austria die ungarische Hoffnung U j p e st 5:2(1:1) ab. Sonstige Fussballergebnisser Teplitz: Auswahlmannschaft Nordwestgau gegen SeveroLeska Zupa 5:1(2:0).— Komotau: Sparta Karlsbad schlug DFK. Komotau 8:2(2:2).— Asch: DFC. Prag gegen DDL. Asch 5:0(5:0).— Aussig: DFK. Aussig gegen VfB. Teplitz 4:1(2:1).— Gablonz: BSK. gegenSB.Bodenbach 8:2(8:2). Zeisig im Frühjahr beginnt die Arbeit. Die Borke des Stammes wird mit einem scharfen Instrument sehr vorsichtig, ohne die darunter liegenden Gewebe zu verletzen, auf einem breiten Streifen zu etwa zwei Drittel des Stammumsanges entfernt. Dann werden die ersten Anrisse schräg nach aufwärts so geführt, daß-sie unter rechtem.Winkel zusammenstoßen. Vom Berührungspunkt ber beiden Rsffe wird «ine Rinne nach abwärts zum- Sammelgesäß geschnitten. Unmittelbar nach dem Anrsß erfolgt, da» Reizen durch Bestäuben mit verschiedenen Flüssigkeiten. Am besten bewährte sich Löprozensige Salzsäure, die den Baum nicht schädigt. Sofort nach dem Reizen verstärkt sich der Harzflutz, der um«in bi» zwei Tage anhält. Der zweite Anriß erfolgt etwa neun Tage darauf und wird einen halben Zentimeter unter dem ersten angelegt u. s. f. 8500 Bäume lieferten während. eines Sommers 18.000 Kilogramm Harz, die Ausbeute' beträgt also etwa zwei Kilogramm pro Stamm und sie läßt sich noch steigern. Der Harzflutz der Fichte, der normaler Weise sehr träge, und langsam ist,.wird, durch da» Reizverfahren so beschleunigt, daß da» Harz, flüssig bleibt und da» Terpentinöl nicht schon, wie bisher, während, des Abfließens zum Großteil verdunstet. Die Zahl der Anrisse,- di« nach dem alten Verfahren 24 im Jähre betrug, kann nun auf, die Hälft« beschränkt werden. Dab Anreißen ist ein« mühsame Arbeit, die viel Geschicklichkeit und Zeit erfordert. Durch diese Arbeitsersparnis wird die Harzgewinnung erst rentabel und da» Inländische Harz stellt sich niedriger im Preis als das eingefllhrte., Vera Engels, die Partnerin Paul Hartmanns in dem Film „Revoluttonshochzeit" — DSK-Gablonz gegen Relchcnberger. FK 2:8 (1:1).— Oderberg: SK-Nachod gegen DSW- Oderberg 8:1(1:1).— Warnsdorf: WarnS- dorfcr FK. gegen SK. Grottau 8:1.(4:1). Im OnalistkationSturnier um den Auflsieg in die Staats-Liga verlor auch diesmal SK. M.» Schönberg daheim gegen SK-Rusj-Uji» h-rod 2:6 I(2:8). Damit steht Rusj Uzhorod hinter Viktoria Zijkov an zweiter Stelle und hat die besten Aussichten; in die Liga zu kommen.•; Norwegen schlug Schweden in Stockholm über« laschend 4:8(8:1). Im DavIScup-FInale gelangte Montag. bas Doppel nur Austragung, welches die Au st r ä- I.i e r Cramford—Quist gegen Tucken—Hughes6:4, 2:6, 7:5, 10:8 gewannen. England führt-somit 2:1. Heute gelangen die restlichen zwei Einzelspiele zur Austragung. Filme In Prager Llchtsplelhttitseni BIS einschliesslich Donnerstag, den 30. Julir--i Urania-Kino r Ferien.— Adria:„Der erst» Kuß".(Tsch.)— Alfa:„Die Sklaven del Leidest- jchast".(D.— Horney, Hörbiger).— Avion: ,,Mg- zurka".(Dr.— Pola Negrt.) Schmiling—Louis-— Füitrr„Stenkä Rastn".(D.—Schl-ttow.)— Flora:„Wie Frauen lieben".(A.— Sylvia Sidney.)— Gaumont:„Die sündigen Frauen von Boom".(Fr.).— Hollywood:„Kleine Mutti".(D. Fr. Gaal.)—JuliS:„Waldwinter".(D.— Knolek, Staal.)— Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen.-(2 bis 10 Uhr:)— Koruna: AktuitlUSteitl Journale, Grotesken.(2 bis 10 Uhr.)— Metro r „Drei Männer im Schnee".(Tsch,)— Passage« „Stenka Rastn".(D.— George.)— Praha:„Der rote Sultan".(Englisch.— Fritz, Kortner.) ,— Sviwzor:„Friederike".(D.)— Alma:„Die goldene Katharina".(Tsch.—Nedoiinskä.)— Besedar „Bosambo".(A.— P. Robeson.)— Illusion:„Die Komödiantenprinzessin".(D.— L. Baar.) Lido H:„Charlie Chan in Aegypten".(A.— Warner Öland.)— Louvre:„Wie Frauen lieben".(A. — Sylvia Sidney.)—MaLeSka:,,Zigeunerbaron". (D.— Adolf Wohlbrvck.)— Olympier„Studentenmutter".(Tsch.— Nedoiinskä.)— Rory: ,,Die lustige Scheidung".(A.— Astaire, Roger».)— U Bejvodü:„Back Street".(A.— Jr. Dünn.— Beletrhy:„Wien, du Stadt meiner Träume".(D. Auch unser Staat ist reich an ausgedehnten Kiefern» und Fichtenbeständen. Auch bei uns wär« cs möglich, die neue Methode zur Anwendung zu bringen. Hunderte, vielleicht Taufende von Arbeitslosen könnten einen Erwerb finden und beträchtliche Sstm- men, die heute noch ins Ausland wandern, würden im Lande bleiben. . Schizophrenie und Insulin, Zur Heilung der Schizophrenie oder, des Spal- tungsirresein, eine der"häufigsten lGeisteskrankheiten^ an der fast-drei Viertel aller Jnsaffender-Jrren». anstalten-leiden, gab e» bisher kein sicher wirkendpS. BehandlungSveifährcn. Nun- hat der. Wiener Psy», chia ter Dr.- Säckel- eine vielversprechende- Heilmethode! ausfindig gemacht.'Er behandelt-die Patienten Mit; Insulin, das bekanntlich den'Zuckergehalt, dei Blutes heradfetzt und heute:nicht, allein bei Diabetes, son»/ der» auch schon in verschiedenen anderen Fällen Äst'« Wendung, findet,. Die-Jnsnlinmengen,, die. hier-eingespritzt werden, sind ungewöhnlich'groß, so Leträcht» lich, daß sie den Zuckergehalt de» Blutes weit! unter die Norm herabsetzen.-.Damit wird- ein schwerer' Schock- auSgelöst, der die: merkwürdige Wistkungihgt, daß es zu einer vollständigen körperlichen.und iseett«' scheu Umstimmung kommt, die gerade.im Falle der schizophrenen Geistesstörungen- wünschenswert ist und: die besten' Resultate ergibt. Bei! frischen«Erkrankungen:. tritt meist rasche Besserung«In, aber.äuchMüere Fälle! werden- günstig: beeinflußt, ja selbst bet.schweren Fäl«, len und bet solchen, die sich im Stadium:fortschreifen-- her Verschlimmerung befinden,' ist das. Ergebnis der: Behandlung ein sehr günstiger.?'. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung in» Sau» oder bei Bezug durch di. Post monatlich AL 16.—. vierteljährig AL 4».—. halliäbrig AL 96.—. ganslsthrig AL 192.—.-Inserate wprdenilaüt:/ Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten«folgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Bost- Und Leie»- ,' graphendtzeksion.mttiErlaß Nr. lS.S00/VIItl83ü bewilligt..—>Druckerei: ,F)rbiS", Druck«, VerlaaS» und 8«ituog»-A.-G. Prag.'.-;': !&wr jeltoq — L. Haid.)