Freitag, 7. August 1936 16, Jahrgang Nr. 183 lENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG FRAG XII..FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR! DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Einzelpreis 70 Holler (•lnichlleBllch S Hellar Fort«) „Im Prinzip" alle— neutral! Moskau fordert faktische Neutralität Moskau.(Tast.) Der französische Ge- schiiftsträger PaNart besuchte Mittwoch daS Rustenkommiffariat und teilte im Auftrage des französischen AustenministeriuinS mit, dast die französische Regierung es alS überaus wünfchenS- tvert krachtet, daß die Sowjetunion daS Prinzip der Nichteinmischung In die inneren Angelegen- beitcn Spanien- annimmt sowie sich an dem Abkommen Frankreichs, Großbritannien-, Deutsch- kandS und Italiens über eine derartige Nichteln- mischim» beteiligt. Am gleichen Tage wurde dem französischen Geschäftsträger Payart folgende Antwort der Sowjetregierung überreicht: Die Regierung der Sowjetunion teilt das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Spanien- und ist bereit, sich an dem vorgeschlagenen Abkommen betreffend' die Nichteinmischung zu beteiligen. Die Regierung der Sowjetunion wünscht, dast sich dem Abkommen austcr de» erwähnten Staaten n u ch P o r t u- g al anschlieste,' zweitens, daß u n v er z ii g- l i ch die Unterstützung eingestellt werde, die seitens einiger Staate» den Meuterern gegen die gesetzliche spanisch« Regierung erwiesen wird. Frivole Antwort 4er Krlegslleferanten Rom. Die am Donnerstag dem französi, scheu Botschafter. Ehambrun vom italienischen Austenmiitistek lkiauo mündlich mitgeteilte Antwort auf den Vorschlag Frankreichs, gegenseitig die Neutralität im'spanischen Bürgerkrieg zu garantieren, enthält nach einer amtliche» Mitteilung folgende vier Punkte: 1. Italien stimmt im Grundsatz dem Ge- dankrn der Richt-Einmischung in de» spanische» Bürgerkrieg.zu.. 2. Italien erhebt die Frage, ob die mora- li sch«Solidarität mit einer der im Kon- flikt stehenden Partei, eine Solidarität, wie sie durch öffentliche Kundgebungen, Preffrnachrichten, Zeichnung von Geldspenden, Anwerbung von Freiwilligen usw. zum Ausdruck kommt, dicht bereits.eine bedenkliche Form der Einmischung darstellt. 8. Italien wünscht zu erfahren, ob die Ber- Lffentlichimg zur Nicht-Einmischung nmsaffenden Eharakter haben soll«der nicht, ob sie nur dir Negierung oder a u ch pri v a t e Kre i se b in- d e n soll.•' 4. Italien wünscht darüber Kenntnis zu erhalte», ob die französische Regierung auch Modalitäten für die K o n t r o l l e über die Einhaltung der Verpflichtung zur Nicht-Einmischung im Auge habe«der nicht. Bisher sind zustimmende Antworten»der ihre Ankündigungen in den verschiedensten Schat- tiernngen von England, Deutschland, der Sowjetunion, Italien, Belgien,. Holland und der Tsch e ch»sl« w a kei eingegangen. Ain Quai d' Orsatz wird soeben der Legt redigiert, der zwar nur Spanien betrifft, welcher aber auch, wie' man glaubt, alS Grundlage eine- internationalen Abkommen- über die Neutralität und Richtintervention im Falle eineS Bürgerkriege-' in irgendeinem anderen Staate bienen könnte. Die fianzöstsche Regierung denkt daran) daß jedwede Geschäftsabschlüsse und Waffen- sowie MuutionSlieferungen jedweder Art, weiter di« Lieferung von Schiffen«nd Flugzeugen sowohl a»die Madrider Regierung alS auch Nach Spanisch-Marokko verboten werden sollen. Französische Linkspresse gegen faschistische Durchstechereien „Pe tttIourna l"' stellt fest, Aufgabe Frankreichs sei es, das.Festhalten an folgenden drei Gedanken, und zwar keineswegs leise, zu verkünden:. i■ Keine Aenderung des Gleichgewichtes, der Kräfte' im Mittelmeer, keine Aenderung in der Gleichheit der Rechte in den Beziehungen Frankreichs,. Spaniens uni» Marokkos und schließlich die Rotlvendigkeit des Sch utzcS d e r d c»i olra- tischen Ordnung Spaniens und der internationalen Ordnung. Es sind nicht die Demokratien, die auf einen „ideologischen Kreuzzug" hinaus« laufen. Existiert das Projekt eines solchen Kreuzzuges, dann ist es eher imLagerderDik» t a t u r c n zu finden. Nach der juristischen Seite hin vertritt das Lager der Demokratie das Recht, und zwar das gute Recht. Im„L O e u v r e" schreibt Frau Ta- b o u i ö: Berlin und Rom verteidigen ihre politischen Absichten unter dem Deckmantel eines großen antikommunistischen Kreuzzuges. Berlin möchte bei der Fünfer-Konferenz gerne auf Frankreich nicht nur als den Verbündeten Moskaus, sondern auch auf den Sendboten der Moskauer Politik verweisen. Berlin glaubt jetzt, nach längerem Suchen nach einem Borwand zu einem antifranzösischen Angriff offensichtlich den Boden zu einem Angriff auf die französische Politik gesunden zu haben, und will, wie es scheint,.von diesem Borivand nicht ablasfen. Diesen Standpunkt werde Berlin um so eher beibehalten, als dieser Boden auch den Interessen der Politik Italiens günstig, ist. Die Italiener wollen Zeit gewinnen, damit bis zu diesem Zeitpunkt die Beförderung der Abteilungen Francos nach Spanien beendet werden. Mit den 16 italienischen Bombardierungsflugzeugen, welche sich gegenwärtig in den Positionen der Ausständischen in Marokko befinden, können täglich über 500 Mann befördert werden. Sobald Franco 15.000 bis 20.000 Mann konzentriert haben wird, wird er, wie italienische Stellen behaupten, die große Offensive gegen Madrid ausnehmen. Delegierte 6er Internationale in Madrid Paris. Die Agentur Havas meldet, daß in Madrid der Vorsitzende der Sozialistisch«: Arbeiter-International« de Broucktr« einge- troffen ist, der gleichzeitig auch die Gewerkschafts- internatioimle vertritt. Brouck-re erklärte, er habe die Aufgabe, die konkrete Hilfe für das spanisch« Volk zu organisieren. Mit ihm sind der Delegierte des cnglischcn HilfSausschuffeS für Spanien Walter E i t r i n e und der Direktor dcS antifaschistischen Blatte-„Avanti", N e n n i, eingetrosfe», welch letzterer von den italienischen Antifaschisten in Frankreich eine Sendung von einigen tausend Ampullen Heilserum mitbrachte. Heue Rationalisierungswelle? Es ist bekannt, daß der ungeheure Umsang der Arbeitslosigkeit in den Industrieländern nicht nur auf den geringen Absatz der industriellen Erzeugnisse znrllckzuführen ist, sondern auch auf die Nationalisierung, die Verdrängung der menschlichen Arbeitskraft durch die Maschine, welche in den Konjunkturjahren 1025 bis 1020 in raschem Tempo vor sich gegangen ist. Deswegen spricht man nicht nur von einer konjunkturellen, sondern auch von einer technologischen Arbeitslosigkeit. Man kann nun in letzter Zeit die bemerkenswerte Beobachtung machen, daß die Rationalisierung^ kaum daß>vir den Tiefpunkt der Krise überwunden haben, erneut einscht. Ein Beispiel dafür liefert der Kampf der Arbeiter des Mauth- ner-Konzcrns in Grünwald, dessen eine Ursache die Rationalisierung in der Textilindustrie ist. Die Arbeitsweise, welche In den Tcxiilb-trie- ben der Tschechoslowakei zur Anwendung gelangt, ist das sogenannte Bedauxsystem, daS nichts anderes ist als eine Neuauflage des Tatzlor-SustemS, welches In den letzten Jahren vor dem Kriege dis Runde um die Welt gemacht hat. So wie inan beim Tahlorfystem nachgewiefcn hat, daß eS sich hier nicht so sehr um einen technischen Fortschritt, sondern um eine Intensivierung der Arbeit, d. h. erhöhte Ausbeutung der Arbeiter, erhöhten Verbrauch von Muskeln- und Nervensubstanz gehandelt hat, so ist eS auch bei dem genannten Bedaux- stzstem. Worin besteht dieses System? Genau so wie b.'i Taylor wird auf Grund von Beobachtungen, wie lange der einzelne Arbeitsprozeß dauert, eine bestimmte Arbeitseinheit berechnet, die B genannt wird, und der Arbeiter wird verpflichtet. In einer Arbeitsstunde eine gewisse Anzahl Arbeitseinheiten zu leisten. Eine solche Arbeitsleistung nennt man beispielsweise 00 B-Stunden. Von dieser Arbeitsleistung hängt nun auch der Lohn ab, das heißt, es werden dem Arbeiter gewisse Prämien zugesagt, wenn er diese 60 B-Stunden erreicht oder sie gar überschreitet. Die Erfahrung lehrt nun, daß die Arbeiter dadurch zu immer größerer Intensität der Arbeit angespornt werden und eine außerordentlich große Leistung wird dann von den Betriebsleitern als Arbeitsmin i m n m bezeichnet. Wer dieses wahnsinnig; Tempo nicht durchhält, was Insbesondere bei älteren Arbeitern der Fall Ist, fliegt hinaus. Die Folgen des neuen Systems sind also erhöhte Ausbeutung des Arbeiters und diese bildet ein« große Gefahr für die'arbeitenden Menschen. In einem Betrieb, wo das Bedaux-System eingeführt worden ist,.gab eS nicht weniger als 10 Prozent' Erkrankte, d. h.' e i n Sechstel d e r A rb e i t er. h a t. d i e. gesti egene Intensität einfach nicht aus» gehalten.-, Die Arbeiter. in' Grünwald, welche durch zwei Monat« streiken,, siyd also' die, Vorkämpfer der gesamten Textilqrbeitetschaft, ja-der gesamten Arbeiterschaft überhaupt,, und verdienen eS, von dipsev und von.allen sozial empfindenden Menschen, unterstützt zu'.werdend- Die Gewerk« schafter und Sozialpolitiker' müssen aber den Versuchen, der.'Unternehmer, die'Intensität, der Arbeit,, auf. Kosten'der. Gesundheit und des Lebender Arbeiter- zu steigern, die größte-Aufmerksam« leit-zuwendem,.' Seegefecht bei Gibraltar Putschisten erzwingen Ueberfahrt für Transportschiffe Da nig'e r.(HavaS.) Mittwoch' gegen 14 Uhr vereinigten sich die Marine- und Luftstreit- kräfte Francos, um auf drei Schiffe» den Transport von. 2000 Soldaten Uber die Meerenge durchzuführcn. Bor den Schiffen flogen zwölf Flugzeuge, welche die Meerenge mit der Aufgabe bewachten, die Kriegsschiffe.und Unterseeboote der- Regierung äbzuhalten. Diese wurden wahrscheinlich durch die Schlacht aufgehalten, welche sich zwischen den Flugzeugen Franco- md den Unterseebooten, Torpedobootzerstörern und Kanonenbooten der Negierung entspann. Die Re- gierungSflott« war sehr schlecht für den Kampf mit den Flugzeugen ausgerüstet, dazu warfen die sehr modern ausgerüsteten Lnft- streitkräft« Francos die Bomben sehr genau ad, Ihr Feuer war sehr wirksam. Die Schlacht dauerte ten der Sowjetunion hin organisiert wurde, ergab 12,145.000 Rubel. Der erste Sekretär des Zentralrates der Gewerkschaften Schwernik hinterlegte diesen Betrag bei der Staatsbank«nd forderte sie auf, hievon 30,435.000 Franken dem spanischen Ministerpräsidenten Giral zur Berfügung der spanische» Regierung zu überweisen. Sevilla. Das Generalstabsguartier der Aufständischen erhielt von verschiedenen Geschäftsfirmen mehr als 350.000 Peseten für den Ankauf von Flugzeugen aus dem Ausland. «arte Kämpfe an der Nordfront Pari-. Meldungen von feiten der Madrider Regierung sprechen von neuen Erfolgen der Regierungstrnppen' im Guadarrama» g e t i r g e bei Madrid. Es heißt, die Aufständischen hätten die Absicht, die Offensive nördlich von Madrid aufzugeben, weil die Verbindung mit den aufständischen Truppen in Südspanien durch Re- girrüngStruppen abgeschnitten wurde. In der Nacht auf Donnerstag besetzten die Aufständische» einige Positionen bei Madrid die jedoch von den Regierungstruppen am Bormittag wieder zurück» erobert wurden. ...., Meldungen von feiten der Aufständischen hingegen besagen, dast es sich nördlich von Madrid n'pp upi'G« er! l l akitmpfe und Angriffe der 'Vorposten handelt, Di«. Aufständischen hätten bauernd die strategischen Punkte deS Guadar- .ratNggebirgcS in Händen.■ K,'Die Agentur Havas meldet aus B a y on.ne, haß die Situation der Aufständischen in' Asturien kritisch sei. Die Aufständischen-Abteilung deS vbersten Arada sei umzingelt.. Ditz' Stadt S.v,i,e d o halte man für ve^lore».^'./ Schärfster Protest Wegen der ErsdiieDung von vier Deutschen Berlin. DaS Deutsche Nachrichtenbüro meldet: Wie der Auslandsorganisation der NSDAP jetzt endgültig bestätigt wird, wurden am 24. Juli in Spanien vier Deutsche bei dem Versuch, mit einem Kraftwagen von Barcelona aüö die französische Grenze zu erreichen, erschossen. Wenige Kilometer von Barcelona entfernt, in dem Borort San Martin, wurden die vier Deutschen von Komnmnisten angehalten«nd nach einem kurzen Berhör von einem RevolutionS- tribunal»um Tode verurteilt, obwohl sie sich im Besitze'von gültigen Passierscheinen befanden. Rach einem Telegramm««--Barcelona hat der deutsche Generalkonsul Köcher am Mittwoch wegen der Tötung her vier Deutschen bei der Regierung in Barcelona schärfsten Protest erhoben und ein« sofortig« Untersuchung gefordert. Auch dir bereits, gemeldete Beschießung deS vor Larache zu Anker liegenden deutsche» Dampfers'„S«Villa" durch den spanischen, Regierungszerstörer„Alnürante Bälde-" hat ditz deutsche Reichsregierung schärfsten Protest ringe-, legt. Außerdem, werde der Befehlshaber der Linienschiffe, Konteräbmlral Carls, bei dem Chef der spanische» Regierung-flotte nachdrücklichst Verwahrung riylegen und. verlangen, daß sofort Maßnahmen gehen die'Wiederholung, derartiger Ausschreitungen-eikoffen. werden. Zwölf Millionen Rubel flir Spanten . M o S k a u.(Tast) Die Geldsammlung für den FoydS zur Unterstützung.der spanischen Kämpfer für die Freiheit deS Volkes, die. auf de».Ausruf des Zcntralratcs der. Grwerkschaf- etwa biS 17 Ahr, ohne dast die Ausschiffung der Mannschaften aus den Schiffen Francos, welche durch di« Küstenbatterien unterstützt wurde, verhindert werden konnte. Bor Gibraltar traf ein havariertes Unterseeboot ein. Die britischen Behörden haben es aber ausgewiesen. DaS Kanonenboot„Pint o" ist während deS Kampfes gesunken. Zn Beginn deS Kampfe? sandte die britische Admiralität in Gibraltar an alle. Schiffe eine Radiodepesche und machte sie auf die mit der Durchfahrt durch die Meerenge verbundene Gefahr aufmerksam. DaS Hauptquartier in Tetuan teilt mit, daß in der Rächt die Urierfahrt eines zweite» Transporte- vorgenommen wnrde. Teile 2 Freitag, 7. August 1038 Rr. 183 Die SchluOtagung des Bergarbeiterkoegresses Am Donnerstag wurde der 32. Internationale Bergarbeiterkongreß In Prag beendet, gerade zur selben Zeit, als die Nachricht von dem furchtbaren Grubenunglück in England eintraf. Undmuf der Tagesordnung dieser letzten Kongrehsitzung stand eine"Resolution, die an das Internationale Arbeitsamt in Genf appelliert, Schritte zu unternehmen, um im internationalen Rahmen für eine erhöhte Sicherung der Bergarbeiter gegen Unsülle und für besseren Gesundheitsschutz In den Berg» baubetriebe» zu sorgen. Begründet wurde die Resolution von unserem Genossen Haas e, der darauf hinwies, datz die Zahl der Crlranlungen im Bergbau äußerst groß ist, groß aber auch die Zahl der JnvaliditätS» und Todesfälle iiisolge von Unglücksfällen. Das Leid, das dadurch in den Bergarbclterfamilien" hervorgerufen ivird, ist so erschütternd, daß cs vor allem eine menschliche Pflicht ist, hier Borsorge zu trcfscn. Im übrigen darf daran erinnert werden, daß den Gefahren im Bergbau nicht nur Gesundheit und Menschenleben, sondern auch volkswirtschaftliche Werte dauernd zum Opfer fallen. In den Statistiken weist zwar die Zahl der Unfälle eine sinkende Tendenz auf, aber wenn inan den Rückgang der Beschäftigtenzahl in Betracht zieht, wenn man die Zahl der Unfälle zu der Zahl der gearbeiteten Tage in Beziehung setzt, dann ergibt sich, daß die Zahl der UnsäUe nicht sinkt, sondern steigt. Nicht anders ist es mit den Erkrankungen im Bergbau, die vielfach noch gar nicht als Berufskrankheiten erkannt und anerkannt sind, so" daß cS Aufgabe des Internationalen Arbeitsamtes wäre, hier Forschungen anzustellen. Genosse Haase erwähnte alS die häufigsten Erkrankungen der Bergleute die durch Bohrhämmer und andere Abbaumaschinen hervorgerufene Erkrankung der Muskeln, Knochen und Gelenke und des Gehörs, de» Rheumatismus infolge der Arbeit an nassen Orten, das Augenzittern, die Wurmkrankheit, die Verstaubung der Lungen durch Quarz sim Erzbergbau) und durch Kohlenstaub. AlS wichtigste Vorbeugungsmaßnahmen empfahl er die Herabsetzung der täglichen Arbeitszeit an Orten mit hoher Temperatur oder Feuchtigkeit, den Ausbau der bernpolizeilichen Vorschriften zur Erhöhung der Sicherheit in den Gruben, die Ueberwachung der Anwendung bestehender Vorschriften im internationalen Rahmen und unter Teilnahme der Bergarbeiter selbst. Genosse Haase wieS schließlich auf die beiden Fortschritte hin, die in der Nachkriegszeit. zugunsten; der Bergarbeiter in.der .Tschechoslowakei geschehen sind:"die Einführung der Betriebsräte, die alle 14 Tage die Grubeneinrichtungen inspizieren und das imch der Nelson-Katastrophe erlassene JnspektionSgesetz, auf Grund dessen Inspektions-Assistenten aus der Arbeiterschaft niit amtlichen Vollmachten bestellt worden sind. Auch die von der Unfallversicherung bei der Prager Herbstmesse regelmäßig veranstalteten Ausstellungen über Unfälle und Ihre Verhütung verdienen Anerkennung. Auch Genosse Bayliß.dem. spanischen Festland befinden, die aus.F r e m d e n I e g n i o» na re n zusammengesetzt seien. 10.808 Aufständische bereiten einen Angriff auf Malago vor. Die Aufständischen sollen Über 200 Feldgeschütze und Maschinengetvebre, Munition und zahlreiche Lastautomobile vcrsügen. „Daily Telegraph" erfährt au» zuverlässiger Quelle aus Gibraltar, daß der Bormarsch der Nationalisten von Sevilla nach Madrid am Mittwoch früh begonnen habe. Eine Streitkraft von etwa 600 Mann habe die Stadt in den frühen Morgenstunden auf Lastwagen und In Privatautobuffen in der Richtung Badajoz al» erste» Ziel«erlassen. Eine zweite Kolonne schlage zy» nächst den Weg nach dem Norden ein. um einige, in kommunistischen Händen befindliche Ortschaften I zy nehmen. Das Regime Metaxas Kommunismus als Schreckgespenst und SUndenbodc—„Soziale Diktatur“— Bonapartlstlsche Tonart Der Sdirei des Pferdes Erzählung non lach London Jetzt war die Reihe an die Banderillos gekommen. Dreimal versuchte einer von ihnen, die Wurspfeile anzubringen. Dreimal mißglückte e» ihm. Er verwundete den Stier nur und machte ihn rasend. Sie wissen, diese Banderillos müssen in die Schulter eindringen, je zwei aus einmal zu jeder Seite des Rückgrats, dicht daneben. Wird nur eine angebracht, so ist es mißglückt. Das Ptiblikum pfiff und ries nach Ordo- nez. Und da machte Ordonez etwas Fabelhaftes. Viermal trat er vor, und viermal brachte er gleich beim ersten Versuch seine Banderillos an, so daß acht Stück schön geordnet aus dem Rücken des Stiers auf einmal herausragten. Das Publikum war ganz verrückt, und ein Regen von Hütet; und Geldstücken fiel in den Sand der Arena. Aber in eben diesem Augenblick griff der Stier unerwartet einen Capadore an. Der Mann glitt aus und verlor seine Geistesgegenwart. Der Stier kriegte ihn— glücklicherweise zwischen den weit auseinanderstehcnden Hörnern. Und während das Publikum in" atemlosem Schlveigen wartete, spang John Harned auf und schrie vor Freude. In dem tiefen Schweigen von"allen andern schrie Lohn Harned. Und er schrie vor Freude über den Stier.'Sie sehen selbst: John Harned wünschte, daß der Mann getütet tvürde. Er war ein brutaler Mensch. Dies unpassende Benehmen empörte die Leute, die in der Loge des Generals Salazars saßen, und sie begannen, John Harned zu beschimpfen. Und Ureisino Castillo sagte ihm ins Gesicht, daß er ein Hund von einem Gringo wäre und dergleichen mehr. Aber er sagte es at;f Spanisch, und, John Harned verstand es nicht. Er stand da und schrie, vielleicht zehn Sekunden lang, bis der Stier zu einem Angriff auf die andern Capadore verlockt wurde und der erste sich unverletzt erhob. „Der Stier hat keine Chance", sagte John Harned traurig, indem er sich setzte.„Der Mann ist unbeschädigt. Sie haben den Stier angeführt." Dann wandte er sich zn Maria Valen- zuela und sagte:„Ich bitte Sie um Verzeihung, ich war aufgeregt." Sie"lächelte und gab ihm einen Verweis, indem sie ihm mit dem Fächer auf den Arm schlug. „Es ist Ihr erster Stierkampf", sagte sie. „Wenn Sie erst mehrere gesehen haben, werden Sie nicht schreien nnd wünschen, daß der Diann getötet wird. Ihr Amerikaner seid brutaler als wir," wie Sie sehen. DaS kommt von Euren Boxkämpfen. Wir kommen nur, um zu sehen, wie der Stier getötet wird." „Aber ich will nur, daß der" Stier eine Chance hat", anttvortete er.„Zweifellos werde ich mich allmählich nicht mehst über die Menschen ärgern, die den Stier anführen." Die Hörner gaben das Totensignäl. Ordonez trat mit dem Schwert und dem scharlachroten Tnch vor, aber der Stier hatte sich besonnen und wollte nicht kämpfen. Ordonez stampfte mit dein Fuß auf den Sand, schrie und rief und schwang das scharlachrote Tuch. Das griff der Stier an, aber ohne Beherztheit. Es war keine Kraft in dem Angriff. Der Stoß war schlecht, Da» Schwert stieß gegen einen Knochen und bog sich. Ordonez.nahm eine neue Kling«. Der Stier, den die Verwundung aufreizte, griff noch einmal an"' Fünfmal versuchte Ordonez den Stoß, aber jedesmal ging die Klinge entweder nur halb hinein oder stieß gegen einen Knochen. Beim sechsten Male fraß sich die Klinge bis zum Griff hinein Aher es war ein schlechter Stoß, das Schwert traf nicht da» Herz, es fnhr zwischen den Rippen hinein und auf der anderen Seite wieder heraus. Das Publikum pfiff den Matador aus. Ich warf einen Blick auf John Harned. Er saß schweigend da, ohne sich zu rühren, aber ich konnte sehen, daß er die Zähne zusammenbiß und, daß seine Hände krampfhaft die Logenbrüstung gepackt hatten. Es war keine Kraft mehr in dem Stier, und obwohl der Stoß nicht tödlich war, trottete er doch nur mit Mühe herum, wegen der Klinge, die quer durch ihn hindurchging. Er lief den Matadoren und den Capadore» fort, trabte aa der Balustrade entlang und sah zu den vielen Gesichtern auf. „Er sägt: Um Gottes willen, laßt mich doch fort von hier, ich will nicht'kämpfen", meinte John Hamed. Das war aller, mehr sagte er nicht. Aber er saß da und paßte auf, warf nur hin und wieder einen Blick auf Maria Baien« zuela, um zu sehen, wie sie sich benahm. Sie war böse auf den Matador./ Er war ungeschickt, und sie hatte Geschicklichkeit und Gewandtheit sehta wollen. Der Stier war jetzt sehr müde und schwäch wegen de» Blutverlustes, wenn er auch noch nicht daran dachte, zu sterben. Er ging langsam um die Arena herum und suchte einen AuSiveg. Er wollte" nicht angreifen. Er Hatje genug davon. Aber er sollte ja getötet werden. ES gibt«ine Stelle auf dem Hals de» Stiers, hinter den Hörnern, wo das Rückenmark ungeschützt ist, und ein rascher, kleiner Stich augenblicklich tötet. Ordonez trat vor den Stier und senkte das scharlachrote Tuch. Der Stier wollte nicht angreifen. Er"blieb stehen, schnüffelte an. dem Tuch und senkte din Kopf, um richtig schnuppern zu können. Ordonez stach ihn in die erwähnte Stelle am Hal». Der Stier, warf den Kopf. hoch,. Der Stoß hatte nicht richtig getroffen. Jetzt achtete der Stier auf-die Klinge. Als Ordonez wieder das Tuch senkte, vergab der Stier die Klinge und senkte den Kopf, nm" das Tuch beschnuppere zu können. Ordonez stach noch einmal zu, traf"aber wieder nicht.- Er versuchte es viele Male. Es war dumm. Aber John Harned sagte nichts. Schließlich traf eit; Stoß, und der Stier brach zusaipmeu. Er war sofort tot, und die Maultiere wurden vorgespannt und schleppten ihn hinaus. „Die Gringos sagen, iS sei ein grausamer Sport—. nicht wahr?" meinte Lui» Cervallos. „Es ist unmenschlich, es ist schade um den Stier, nicht wahr?" „Nein",, sagte John Hamed.„Um dtn Stier handelt es sich nicht. Es ist entwürdigend für die, welche znseheiti Der SinN des Stier» kompse» ist, sich Über die Leiden eines Tieres zu freuen. Es ist feige, wenn fünf Männer mit einem dummen Stier kämpfen. Dadurch werden auch die, welche zusehen, feige/Der Stier stirb;, aber die, welche zusehen, leben, und da», was sie sehen, beeinflußt sie, Mannesmut und Männerherzen fördert es Nicht, wenn sie einSchauspiel der Feigheit sehen." Maria Balenzuela sagte nichts. Sie sah ihn auch nicht an, aber sie hörte jedes. Wort, und Ihre Wangen waren heiß vor Zorn. Sie blickte In die Arena und fächelte sich, aber, ich sah, daß ihre Hgnd zitterte, und John Harned sah sie nicht an. Er erzählte, al» wäre sie gar nicht zugegen. Auch er war Von Zorn, von kaltem Zorn erfüllt.. „Ach", sagte Lui« Cervallo» leise,„Sir glauben, UN» zu verstehen." .,„Jetzt verstehe ich. di« spanische Inquisition," sagte John Harned.-„Die" war sicher noch herrlicher al» Stierkämpse." Lut» Cervallo» lächelte, sagte aber nicht». Er sah Maria Balenzuela und wußte, daß das Stiergefecht in der Loge gewonnen war. Sie würde nie mehr etwas mit dem Gringo zu tun haben wollen, der solche Worte sprach. Aber weder Lui» Cervallo» Noch ich waren darauf vorbereitet, daß der Tag so enden würde. Ich fürcht«, wir verstrhtn diese Gringo» nicht.- (Fortsetzung folgt.) Nr. 183 Freitag. 7. August 1036 Seite 3 fudetendeufedter Zeitspie&el Die Bergarbeiter antworten Henlein In einer abschließenden Betrachtung über den internationalen Bergarbeiterkongreß in Prag schreibt da»„Prävo Lidu": Der Kongreß hat sich... auch mit dem Henloin-FaschiSmus, beschäftigt. Insbesondere ^unseren deutschen Genossen muß man Anerkennung zollen, daß sie'die Vertreter der Bergarbeiter der ganzen Welt über den tatsächlichen Charakter der Henleinbewegung, über ihre Gefahr für die Demokratie, für die innere Konsolidierung der demokratischen Tschechoslowakischen Republik und über ihre Bestrebungen eine aktive Rolle in den internationalen Schwierigkeiten und Konflikten zu spielen, ausführlich informierten..Der „Führer" der SdP ist soeben von einer seiner demonstrativen internationalen Reisen, die er England widmete, zurückgekehrt. Nun, die Delegierten der englischen Bergarbeiter kehren aus Prag in ihr britisches Vaterland mit ganz anderen Auffassungen zurück, als sie in London dauernd Konrad Henlein persönlich importiert. Und die britische Bergarbeitersöderation bedeutet in England politisch etwas I Sie ist das stärkste Element innerhalb der britischen Trade-Union, welche das Rückgrat der Labourparty und ihres Tagblattes, das eine Auslage von mehr als zwei Millionen hat, sind. Die britischen Bergarbeiter liefern der Arbeiterpartei sehr einflußreiche Führer rind Politiker. Die bOgliedrige Delegation der britischen Bergarbeiter auf dem Prager internationalen Kongreß ist eine sehr wichtige unwuchtige Antwort an Henlein und auf seine politischen Londoner Reisen. Kein Separatabkommen mit Deutschland Der außenpolitische Mitarbeiter der„Lidovä Noviny" und der„Ptttomnost", Dr. Rudolf Pro- chäzka, beschäftigt sich in der letzteren Zeitschrift mit der Möglichkeit von Verhandlungen zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland und sagt dazu, daß die Tschechoslowakei allen Grund hat, „einem so ungleichen Bunde, wie es ein Separatabkommen mit Deutschland vorstellen würde, auszuweichen. Pich ohne die anderen und ohne Rücksicht auf sie mit Deutschland zu einigen, ohne .Rücksicht auf alles, was borhergegangen ist und besteht, bedeutet, sich Deutschland auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Deswegen konnte von Separatverhandlungen bei uns niemals die Rede sein und ist es auch heute nicht... Deutschland hat. uns kein besonderes Angebot gemacht und wird uns vermutlich auch kein» machen, weil Hitler Frieden allen Nachbarn angeboten hat und mit den Locarnomächten verhandelt. Unsere Verhandlungen können sich nur im Rahmen der allgemeinen Verhandlungen bewegen und werden gelingen, je nach dem/ob die anderen gelingen." Der Präsident der Republik empfing am 6. August den Minister für öffentliches Gesundheitswesen und Körpererziehung Dr. Ludwig Cze ch. 8LNL wLNL Ei" e. so?ial einsichtige und eine wechen sprechen der'Bürgermeister der Stadtge-i mero Sicher im KreiSgericht Böhm.-Leipa. meinde Schreckenstein, Re p ka, und ein Vertre-1 Der Umbau deS Liblitzer Senders a Hörde Dr. Wolf begründete Genosse Sekretär Walter die Forderungen der Arbeiterschaft, worauf Jng. Giebisch erklärte, er könne den von den Arbeitern verlangten Lohn nicht zahlen. Dagegen führten Stadtrat Kulhanek von Staab und das Mitglied des Bezirksausschusses Genosse Kühnl- Mies aus, daß die von den Arbeitern verlangten Lohnsätze gezahlt werden können, da diese ortsüblich seien. Durch Vermittlung des Vertreters der BezirkSbehörde, der die Verhandlung sehr klug führte, gelang es dann, zu einer Vereinbarung zu kommen, wonach die Lohnsätze für Hilfsarbeiter pro Stunde mit KC 2.65, für Maurer mit Kö 8.65 festgesetzt wurden. Diese Löhne werden rückwirkend auch für die bereits durchgesührten Arbeiten bezahlt. Ganz anders verhält sich die Bezirksbehörde in Plan. Dort wurde der Bau der Bezirksstraße Weseritz—Rössin—Harlosee ebenfalls an die Firma Giebisch vergeben. Am 7. Juli begann der Bau der Straße, wobei den Arbeitern ein Revers vorgelegt wurde, in welchem der Stundenlohn mit Kö 2.25 festgesetzt wurde. Die Arbeiter weigerten sich, das zu unterschreiben und der Sekretär Genosse Walter ersuchte um eine Verhandlung hierüber bei der Bezirksbehörde in Plan, die auch am 14. Juli stattfand. Nach langen Auseinandersetzungen bei dieser Beratung erklärte der Vorsitzende, Oberkommissär Laad, daß für den in Rede stehenden Straßenbau der Kollektivvertrag der Bauarbeiter nicht gelte. Der Vorsitzende verkündete nun, daß die Bezirksbehörde in Plan die Lohnsätze festsetzen und beiden Parteien zustellen werde. Da die Bauarbeiter lange leinen Bescheid erhielten, urgiorte Genosse Walter die Angelegenheit, worauf man ihm den Bescheid gab, daß über die Lohnsätze in der Be- zirksausschußsitzung entschieden werden wird. Diese Sitzung fand nun am 25. Juli statt und dort stimmten die bürgerlichen Vertreter, darunter auch die der sudetendeutschen Partei angehörenden, anstatt für den vertraglich festgesetzten Stundenlohn von KL 2.70, für einen Stundenlohn von nur KL 2.50. Die Vertreter des Verbandes der Arbeiter in der Bau-, Stein- uno Keramindnstrie haben gegen das kollcktivvertrags- widrige Vorgehen der BezirkSbehörde Plan beim Ministerium für soziale Fürsorge Beschwerde cingebracht. Politisch von Interesse ist, daß die Vertreter der SdP für die Kürzung der Arbeiterlöhne gestimmt haben. Diese Partei hat dadurch wieder ihr arbeiterfeindliches Gesicht enthüllt, das sie hinter der Maske einer eindeutig fozialen Partei zu verbergen sucht. ter des A r b e i t S m i n i ft e Brückenvorplatz statt. Für die Ehrengäste, die Vertreter der Staats- und Lan- dcsbehörden, des Bezirkes, der beiden Ekbestädte Aussig und Schreckynstein und, der umliegenden Gemeinden wirh eine Tribüne errichtet tverden, Eingeleitet wird die Feier mit der Staatshymne durch einen Bläserchor des Aussiger Stadttheaterorchesters. Die Hauptansprache wird Bür- gerineister Genosse Pölz! halten. Außerdem Die Gebrauchsglasindustrie des Jsergebirges hat seit'Jahren eine schwer« Krise durchzumachen. Die Arbeitslosigkeit, das Vorhanden«, sein so vieler Kleinbetriebe und Freiörtelwerk- ftätten haben sich sehr nachteilig auf die Lohn-| gestaltung in den Glasschleifereien auSgewirkt. Die. Gewerkschaften haben es an Vorschlägen zur Besserung der Lage nicht fehlen lassen, doch die Unternehmer und deren Organisationen haben, /diese Vorschläge in den Wind geschlagen. Ihre Kunst bestanddarin, die bestehenden' Löhne immer 'wieder zu kürzen. Die Lohneinbuße be trägt teilweise 40 Prozent. Seit 1982 besteht überdies ein vertragsloser Zustand. Daß die Gewerkschaften nicht Müßig waren,,._ und namentlich unser VerbandderGIaS-. Auseinandersetzung. Am 8. August fand beim undKeramarbeiterder Abbauwalze im-! Bürgermeisteramt in Staab eine Verhandlung mer wieder entgegenzutreten suchte, versteht sich. statt, an der Vertreter der BezirkSbehörde, des von selbst. Im Lahr« 1984 gelang es, eine Bei» Bezirksausschusses, der Stadt und.des Gewerbe- einbarung über einen Durch- inspektorateS teilnahmen. Nach Eröffnung der fchnittSlohnvonKL 8.20 mit den Unter»| Verhandlung durch den Vertreter der BezirkSbe- nehmem abzuschließcn. Diese Vereinbarung ist"egWMWWM....- immer wieder durchbrochen»worden. Nun wurde vor Monaten den beiden Unternehmerorganisatio- nen der Kristallerle- und Flakoneriegenossen- schaft und dem Verband der fabrikmäßigen Be triebe der Entwürfe in esLohnv ertra ge S überreicht. Die Genossenschaft ist be reit,, diesen Vertrag anzunehmen, wenn auch der Verband der fabrikmäßigen Betriebe zustimmt. ES gelang aber nicht, mit der letztgenannten Orga nisation ein« Vereinbarung zu erzielen.' Daß angesichts dessen der Arbeiterschaft der Glasschleifereien des JsergaueS die Geduld lang sam zu reißen droht, dürfte erklärlich sein. Im mer wieder wurde die Gewerkschaft gedrängt, schärfere Maßnahmen zu ergrei fe n. Eine Versammlung hat letzthin folgenden Beschluß gefaßt: „Falls nicht bis zum 8. August Verhand lungen üb« den Abschluß des Vertragsentwur fes stattfinden, ist die Arbeit in den Schleife reien am 17. August nirdrrzulegen." Somit" ist das wirtschaftliche Schicksal dieser Industrie für die nächste Zett iss Frage gestellt. In Betracht kom men 700 Arbeiter, die in den Flakonschleifereien beschäftigt'sind. Die Arbeiterschaft der Kristalle- rieschkrsfereienil-'an Zahl gleich stark: skeht^Un- falls in einer Bewegung zur Regelung der Lohn- - und Arbeitsbedingungen, so daß der Konflikt auch ' auf diese Uberzugreifen droht/ Somit sind die nächsten Tage für ein« der wichtigsten Branchen des Jsergebirges von großer Bedeutung. Die Ge werkschaften und die Arbeiterschaft dürfte keine Schuld treffen, daß es zu der Zuspitzung der Lage kam. Sie haben eine unendliche Geduld be wiesen. ES ist schwer verständlich, daß eS den Un ternehmern nicht einmal darum zu tun ist, zu gültigen Lohnabschlüffen und damit zu einer festen Kalkulationsbasis zu kommen. arbeiterfeindliche Bezirksbehörde Und das wahre Gesicht der SdP Deutsche und Tschechen Nationale Verständigung— eine strategische Notwendigkeit In der letzten Nummer der„Pkitonmost" beschäftigt sich Dr. I. Frydrych-Bu« dy nskh mit dem nationalen Problem in der Tschechoslowakei in bemerkenswerter Weise: Die Idee, für welche ein VerteidigungS- odcr ein Angriffskrieg geführt tvird, muß von einer möglichst großen Zahl der Bevölkerung getragen werden, wenn der Staat die Prüfung bestehen soll. Das russische Großrcich hat im Weltkrieg schwer darauf gezahlt, daß es einen Krieg mit Deutschland geführt hat, der beim Großteil der Bevölkerung unpopulär gewesen ist. Dieser Grundsatz.gilt um so mehr für kleine Staate», also auch»für unfere Republik, welche nicht nur an der äußerst ungünstigen geographischen Lage, sondern auch an deni Mangel toichtigcr Rohstoffe in der Kricgszeit leidet. Unsere Hauptsorgc ist das Nationalitätenproblem, besonders das Verhältnis unserer Deutschen zur Republik. Gesamtstaatliche und strategische Rücksichten erheischen es, daß so rasch wie möglich wenigstens die Pazifizierung dieser starken, sowie wirtschaftlich und moralisch tüchtigen Minderheit durchgesührt wird. Unvergänglich wird daS Verdienst jener Politiker und politischen Gruppen sein, denen es gelingt, die Einstellung unserer Deutschen so zu andern, daß sie sich in diesem Staate zu Hause fühlen und nicht ständig über die Grenze schicleu. Vergessen wir nicht, daß die Deutschen die strategisch wichtigsten Gebiete der Republik bewohnen, daß fie in den für die Wehrhaftigkeit des Staates bedeutungsvollen Industriezweigen dominieren und daß sich ihre Fabriken zum überwiegenden Teil in der Grenzzone der Republik befinden. So lange die Soldaten deutscher Nationalität mit antistaatlichen Parolen und Gedanken infiziert sind, droht ständig die Gefahr, daß einmal unsere Waffen und unsere militärischen Methoden sich gegen uns kehren werden, und daß die Militärspionage stets bcrettlvillige Helfer in den Reihen der Staatsbürger deutscher Nationalität finden wird. . Die Abstimmung über das StaatSverteidi« gungögesetz zeigt, daß wir entschlossen sind, uns ernstlich auf die Möglichkeit deS Krieges vorzubereiten, welche auf unserer Seite unter allen Umständen ein Verteidigungs- also ein gerechter Krieg sein tvird. Unsere Vorbereitungen zur Staatsverteidigung werden nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn wir dabei nicht die Strategie der Innenpolitik vergessen, die, wenn schon nicht bis zur Gleichberechtigung der Böller, so mindestens bis zur Beruhigung aller unserer Minderheiten auszubauen ist, falls wir nicht in der Schicksalsstunde eine klägliche Enttäuschung erleben wollen:'Durch die Pazifizierung der nationalen Minderheiten'wird sich die'strategische Lage der Republik um gute hundert Prozent bessern und in gleicher Weise wird auch ihr Wert für die Verbündeten steigen, die nicht nur mit jedem Maschinengewehr oder Tank, sondern hauptsächlich auch mit jedem verläßlichen und gut ausgerüsteten Soldaten rechnen. Die Pazifizierung unserer Minderheiten! st eine Unerläßlich- keit, auf der unser' General st ab b e st e h t. Sie ist und bleibt Hauptproblem des Staates und eine große staatsmännische Probe des tschechoslowakischen Volkes, das von militärisch tüchtigen, bis an die Zähne bewaffneten Völkern umgeben ist. Triumphale Heimkehr der tschechoslowakischen Olympia* Flieger Am Donnerstag nachmittags traftn auf dem Prager Flugplatz die tschechoslowakischen Flieger ein, die bei den Flugveranstaltungen im Rahmen der Berliner Olympiade den ersten und zweiten Preis im internationalen Sternslug(Kapitän Fuksa und Oblt. P o l m a) und den zweiten und dritten Preis in der Flugakrobatik(Leutnant N o v a k und Fhr. S i r o k y) errungen hatten. Den Fliegern flog eine Jagdstaffel bis Kralup entgegen. Bei der Landung wurden sie vom Ge- neralstabschof, den Prager Fliegerregimentern und von einer großen Menschenmenge herzlich begrüßt. Die Flieger formierten sich nach dem Verlassen der Flugzeuge und der Führer der Expedition, Major Heß, erstattete dem GeneralstabS- chef K r e j L t, der In Vertretung des Verteidigungsministers erschienen war, die Meldung. General KcejLk hielt an die siegreichen Flieger eine kurze Ansprache, in der er der Freude über ihre Erfolge Ausdruck gab. Ihre Leistungen seien von Weltbedeutung, weil es nicht der Sieg eines Einzelnen, sondern ein Gesamtsieg sei, der daS Niveau des tschechoslowakischen Militärflugwesens zeigte. Auch die übrigeniGliederüngen der tschechoslowakischen Wehrmacht würden im Ringen mit den übrigen Völkern gewiß ehrenvoll bestehen.» Mit Anerkennung und Dankbarkeit müsse man auch der glänzenden Arbeit unserer Ingenieur« gedenken, di« die siegreichen Mafchinen geschaffen haben. Ueborhaupt mühten wir in unserem/ Staate di« geringereZahl durch die Qualität ausgleichen, und dies möge, erklärte KrejLt, ein Memento für diejenigen sein/ die es mit unserem Volke nicht gut meinen. Der General schloß mit Worten des Dankes an dis Flieger dafür, daß sie den Namen, der Tschechoz flowakei.mit Rubm bedeckt hätten., (Seite 4 Frei«««, 7. August 1936 M.18» kntsetrlickes Lrubenunglüclc 57 Bergarbeiterleben verloren London. Zn der Grub« Wharneliffe bei Barnslev, in welcher sich mehr als SV Bergarbeiter befanden, ereignete sich ein« Explosion. Die sofort aufgenommenen Rettungsarbeiten sind sehr erschwert, da durch die Explosion der Zugang zum Stollen versperrt wurde. DiS mittags 12 Ahr wurde nur ein einziger Mann geborgen. Etwa SS Bergleute sind noch im Schacht. Die Verbindungen sind zerstört. Bon den eingefchloffenen Bergarbeiter« wurde noch kein Lebenszeichen vernommen. Die Rettungsarbeiten sind durch nachbrechendes Gestein beträchtlich erschwert. Nachmittags erwies sich, daß von den Verschütteten bäum einer lebend zu bergen sein wird.' Laut einer amtliche» Meldung ietriigt die Zahl der von der Bergwerkskatastrophe ans der Wharnrliffe-Kohlenzrche bei BarnSley betroffenen Bergleute 57. 21 Tote wurden geborgen. ES wurden ater noch nicht alle Stollen durchsucht. Es tvnrde auch kein Brand Infolge' der Katastrophe festgestellt. Der einzige Bergarbeiter, der lebend geborgen wurde, ist den erlittenen Ber- lrljunge» erlegen. Bon der Heftigkeit der Explosion zeugt, daß der Kopf eines Opfers 40 Meter vom Rumpf entfernt aufgrfnnden wurde. Die Ursache der Katastrophe ist noch unbekannt. Ein verletzter Arbeiter, der 1000 Meter von der ExplosionSstelle gefunden wurde, vermocht« keine Aufklärung Uber den Hergang des Unglückes zu geben. Ein Arzt,' der mit den RettungSkolonnen in die eingestürzte» Schächte abgestiegen war, erklärte nach seiner Rückkehr, daß die Expedition inmitten der Einsturzmassen zahlreiche stark v« r st ü m m e l t e L«iche« liegen sah. Andere Leichenfunde liehen wiederum darauf schließen, daß zahlreiche Bergleute durch Gas vergiftet wurden. An der GrnbenanSfahrt hatten stch über 2000 Personen versammelt, die mit Bgngen auf Nachrichten warteten. Am Abend war bereits jede Hoffnung auf Rettung der noch vermißten Bergleute geschwunden, da cS auf Grund des festgestellten- Umfanges der Explosion feststand» daß die von der Explosion verschonten Bergleute wahrscheinlich den Gasen zum Opfer fiele», die nach der Eplosion in alle Schächte und BerbindungSstollen eingedrungen sind. Man muß daher tatsächlich mit 57 Todesopfern rechnen. Bergleute und Bergsteiger Drciundsechzig britische Bergarbeiter hat der mörderische Schacht begrabe». Hunderte von Kindern, Eltern, Frauen, Geschwistern trauern um ihre Lieben, ihre Ernährer. Der vor welligen Stunden noch ahnungslos zur Zeche ging, de» langgcwohntcn Gang, kehrt nicht wieder. Verbrannt, zerschmettert, erstickt liegt er in dec Grube, in die morgen und übermorgen andere an seiner Statt eiilsteigen werden, den gleichen gefährlichen Weg, der täglich und stündlich den Tod bringen kann. Bor kurzem sind vier Bergsteiger an der Eigcrlvand zugrundcgcgangen. Auch die hat, der Berg gemordet, aber der Berg in einem anderen Sinne. Sie waren ehrgeizige, tollkühne Rekordjägcr, die uin einer goldenen Medaille, um des Ruhmes willen einen Allfstieg unternahmen, der ihnen kanm gelingen konnte, der sie mit dem Tode bedrohte. Niemand zwang sie, den todbringenden Berg zu ersteigen, niemandem wäre damit gedient gewesen, wenn sie ihn bezwungen hätten. Nur ihr eigener Ruhm wäre befriedigt lvordcn. Die, Bergleute, die gestern in England, die vor Jahr und Tag iin„Nelson", die tagtäglich fast an dem einen oder andern Ende der Welt ihr Leben opfern, tun es nicht aus Ruhmsucht Ehrgeiz und Rekordwahn. Sie beanspruchen nicht, Helden zu sein und in den Zeitungen genannt zu werden. Auch wenn sie gefalle» sind, bleiben sie für die Millioncnmassc der Mitmen- schell unbekannte Soldaten der Arbeit. Sie fronen, damit sie leben können, damit ihre Frauen und Kinder zu essen haben. Aber sie leisten dabei doch eine unerhört wichtige gesellschaftliche Arbeit, ohne die es unsere ganze Zivilisation nicht gäbe.' Wie nun reagiert die Welt auf ein Uuglück auf den Höhen, lvie reagiert sie aus eines in de» Tiefen der Berge? Jenes hält die sogenannte Knlturlvelt in Atem, erweckt wie ein grostes Drama ihr Mitleid, begeistert sic, erregt sie, nötigt ihr Geld und Opfer für Hilfsexpedi- tione» ab, die aus weiter Ferne anrücken, um die Menschen zu retten, die sich selbst leichtsinniger- und unnötigerweise in Gefahr gebracht haben. Das Unglück der größeren Zahl in den Einge- weiden der Erde, die Katastrophe der Männer, die nicht eigenen'Ucbermut Und Ehrgeiz büßcn, sondern in den meisten Fällen den bodenlosen' Leichtsinn und die verbrecherische, Fahrlässigkeit der Unternehmer, dieses Unglück interessiert, rührt und bewegt die sogenannte„Kulturwelt" weit weniger. Sie nimmt wohl Kenntnis da- von, findet ein paar Worte des Bedauerns, opfert vielleicht auch, wenn man sic angcht, einen Groschen, aber mehr hat sie dafür nicht übrig. Das sind ja keine„Helden", hier gilt eS keinen „Rekord" zu feiern, hier sind einfach Leute beim Brotvecdicncn verunglückt. Und winkt den Bergsteigern, wenn sic das Wagestück überleben, die Goldene Medaille, winken ihnen Preise, Ehren und Bet- sorgung, so können die Bergleute und ihre Hinterbliebenen froh sein, wenn sic, umlauert vau schäbigem Neid und kleinlichem Klasscnhaß der Bürger einen Bettelpfennig an Rente verzehren dürfen— wenn sie eS erleben I Nach zwölf Jahren anfgedeckteS Verbrechen. Am 3. Juli 1924 wurde der Geiidarmerielvacht- meister Wenzel Chmnan, der damals den« Gen- darinerieposten.in Buchau bei Karlsbad zugeteilt war,»in 10 Uhr abends auf der Straße bei Herschedip im Bezirk Luditz von drei unbekannten Tätern überfallen und durch einen Bauchschuß so schwer verlebt, daß er wegen Dienstunfähigleit pensioniert werden mußte. Die Fahn- dimgsstelle Pilsen ermittelte nunmehr als die Täter dieses Verbrechens die drei Zigeuner Mathias Vintr, Josef Serhnek und Robert Ja- neöek. Die beiden letzteren sind der. Tat geständig. Vintr und Serhnek befinden sich in der Haft des Kreisgerichtes in Pilsen, JaneLeek verbüßt in der Strafanstalt in Karthaps eine Freiheitsstrafe. Die Beteiligung von Tschechoslowaken an der Olympiade ist weit niedriger, als ursprünglich angenommen wurde. Soweit dies, statistisch feststellbar ist, hat die Nationalbank für Olympia- Reisen bisher' nur 1.5 Millionen Marl frei- gegeben, ein Betrag in der gleichen.Höhe wird noch zur Verfügung gehalten. Außer dem genannten' Betrag wurden allerdings auch Registermark freigegeben, über die keine liebersicht besteht, Zur Berliner Olympiade reisten aus der Tschechoslowakei außer den offiziellen Delegationen vorwiegend Schaulustige aus dem Grenzgebiet mit ge- .ringen Beträgen, Paffagierflugzeug abgcstürzt. In der Nähe des Flughafens von'Saint Louis(USA.) stürzte wenige Minuten nach dem Start ein zweimotoriges Grobpassagierflugzeug der Linie St. Louis— Chicago aus unbekannter Ursache in 300 Meter Höhe ab und ging in Flammen aus. Die acht Fn- saffen(sechs Pastagicre und zwei Piloten) sanden den Tod. Die Ursache des Absturzes ist rätselhaft, denn das Wetter war klar und ruhig. Die Maschine war modernster Konstruktion. Die Beamte» zahlen di« Zeche. Der neue Kollcltivvcrtrag der ö st c r r e i ch i s ch e n Versicherungsange st eilten— dec frühere wurde bekanntlich durch das„Phönix"- Gesetz ausgehoben— hat nun die behördliche Genehmigung erhalten. Die neuen Vereinbarungen legen in lohnrechtlicher Beziehung den Angestellten und Beamten schwere finanzielle Opfer auf. Das Gehaltsschema erfährt in allen Versicherungsanstalten eine gestaffelte Kürzung von 7% bis 11% Prozent. Hingegen werden künftighin Entlassungen der Beamten nur durch eine von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammengesetzt: Kommission vorgenommen werden können, in der auch ein Vertreter der„Einheitsgewerkschaft" Stimme JU. ial V;>i 3.j- t, J.„, Neuer russischer Fliegerrekyrd. Der. Sportausschuß des zentralen Aeroklubs der Sowjetunion bestätigte, daß der Flieger Kolkinaki ani 3. d. M. auf einem Transportflugzeug mit zwei Motoren von je 800 PS und einer Nutzlast von 500 Kg. eine Höhe von 13.110 Metern erreicht hat, somit seinen am 17. Jul!'', aufgestellten Rekord der Klasse C überholt hat. Die Ergebniffe des Fluges iverden der internationalen Luftfahrtföderation zur Registrierung als neuer Weltrekord niitgeteilt werden. „DeS MerreS und der Liebe Wellen." Im Stettiner Haff ereignete sich ein tragischer Unfall. Ein Brautpaar wollte auf einem Boote von Leb- bin nach Stettin segeln. Das Boot schlug um und die jungen Leute retteten sich zunächst auf'eine Boje. Als nach drei Stunden noch kein rettendes Fahrzeug zu sehen war, beschloß der Bräutigam, der 26jährige Student der Philosophie Streich, nach dem benachbarten Orte Karzig zu schwimmen, um von dort Hilfe zu holen. Streich vermochte sein Ziel nicht zu erreichen und fand den Tod, während seine Braut nach weiteren drei Stunden von Fischern gerettet wnrde. Der Schöpfer der Pariser Untergrundbahn gestorben. Der„Vater der Metro", der Schöpfer der Pariser Untergrundbahn, Fulgence Bien v e n ü e, ist soeben im Alter von 84 Jahren gestorben.. Als er im Jahre 1886 in die Dienste der Stadt Paris trat, begann er soforr, die neuesten technischen Errungenschaften auszubauen, unter anderem eine Drahtseilbahn. Er hat zehn Jahre lang erbittert um sein Projeki einer Untergrundbahn für die Weltstadt kämpfen müssen, hat sich aber schließlich durchgeseht, und mit der.Jahrhundertwende, im Jahre 1900, wurde die erste Linie der später so oft kopierten und für die damalige Zeit einzigartigen Anlage eröffnet. Während seines Wirkens hat Bien- vcnüe nicht weniger als 150 Kilometer Unter- grundbahnstrecke gebaut; sein Name ist auf einer der Untergrundbahnstationen, die nach ihm benannt wurde, fiir alle Zeiten verewigt. Imam und Mufti. Der politische Mord an dem Großmufji.Ben Dali Mahmud lenkt die Aufmerksamkeit auf die Hierarchie der mohanunedani- schen Religion..Der Ermordete trug den Titel „Mufti" und war zugleich der„Groß-Imam" vo» Algier. Der Titel„Mufti" Ist ein wissenschaftlicher Ehrentitel; so tverden die Würdenträger des Mohannnedanismus genannt, die das Recht, haben, in- dogmatischer Hinsicht Entscheidungen zu treffen» das heißt, die Gesetzesvorschriften des Koran auszulegenund dein Wandel der.Jahrhunderte' äNzupassen.' Das Wort„Mufti" Hai. die- Bedeutung„derjenige, der- eine entscheidende (gültige) Antwort, gibt".„Imam" dagegen hieß ursprünglich der Führer einer Karawane; das Wort ist aus dem arabischen„Amma" entstanden. Später nannte man so den Kalifen und auch den Propheten selbst, in der übertragenen Bedeutung„Führer der Rechtgläubigen".- Heute heißt es„derjenige, der das Gebet führt", das ist der Vorbeter, und bezeichnet damit ein kirchliches Amt. An jeder Moschee wirken ein oder mehrere „Imams". Die Würde wird als„Jmamat" oder „Jmanot" bezeichnet.» Französische Sparsamkeit. Die Franzosen sind ihrer Sparsamkeit wegen berühmt, und tatsächlich befinden sich in den Sparkaffen Frankreichs nicht weniger als rund 62 Milliarden Franken— eine eindrucksvolle Zahl für die Fnndicrtheit, die Frankreich trotz aller Krisenerscheinungen in seinem Volksvermögen hat. Rund 20,500.000 Sparkassenbücher sind im Besitz der einzelnen Sparer, das heißt: über 50 Prozent aller Franzosen besitzen Ersparniffc— eine Tatsache, die kaum noch irgendwo anders auf der Welt in einem solcheü Prozentsatz zu verzeichnen ist. An etstev Stelle"'-der'.'französlfchen Spareffistehön-di^ Arbeiter mit 35 Prozent und die Angestellten mit 29 Prozent. Dann folgen die Bauern. Die Zahl der freien Berufe ist sehr viel niedriger. Eine sehr große Menge umfaßt die Kategorie„ohne Beruf". Es handelt sich dabei vornehmlich um Hausfrauen, die ihre Wirtschaftsgelder zum Teil ersparen, und anlegen. Daß Ende von Gretna Green. Das Hei- ratsparadics von Gretna Green hat nunmehr auch seine Pforten geschloffen. Das Recht, jung« Paare ohne weitere Dokumente zu trauen, das der Schmied von Gretna Green besaß, wurde diesem schon vor einiger Zeit cntzogey, da sich immer mehr Fälle häuften, in denen cs zu schweren Unzuträglichkeiten kam; entweder waren die Mädchen entflohen, oder sie waren minderjährig, so daß die Heirat illegitim blieb, andererseits lvaren auch die Angaben der Männer nicht immer der Wahrheit entsprechend, so daß es sich-um offenbaren Betrug handelte. Aber trotz dieser Erschwerungen blieb der Nimbus von Gretna Green erhalten, und das Standesamt von Gretna Green war von Heiratslustigen so überlaufen, daß cs sogar seinen Beamtcnstab vergrößern mußte. Jetzt hat die englische Regierung auch diesem Zustand ein Ende gemacht, indem grundsätzlich in Gretna Green nur die Bewohner des Städtchens getraut werden dürfen. Die Katzen des Millionärs. In einem Hotel in London verstarb der Millionär Henry Wel- comb, der ein seltsamer Mensch war. Er besaß eine herrliche Villa in RegentS Park, die er jedoch nie bewohnte. Er erschien nur täglich dort, um nach dem Rechten zu sehen und sich vor allen Dingen nach dem Befinden der eigentlichen Betvohner der Villa zu erkundigen. ES waren dies drei Kätzen, und die Dienerschaft hatte nichts- weiter zu tun, als um daS Wohlergehen dieser Katzen sich zu bekümmern. Die Möbel der Villa wurden von den Tiere» allerdings nicht benützt; sie blieben immer in braunes Packpapier eingehüllt, das mit dem Siegel von Henry Welcomb versehen war. Die Dienerschaft hat manche dieser Möbel nie' gesehen, denn sie wurden bereits eingepacktge- sjefert und sind nie ausgepackt wordem-' Der republikanische Papagei. Auf'.Anordnung der Polizeibehörden von Athen soll ein. Papagei wegen Hochverrates hingerichtet werden. DaS ist so gekommen:! Vor einigen Wochen hörten-Polizeibeamte, die durch die Straßen gingen; die Stimme eines Mannes, der immer wieder schrie: ,„Es lebe die Republikl" Die Polizisten drangen in die Wohnung-«In— und fanden einen Papagei; Dessen Besitzer.erklärte, daß er den,Papagei vorzweiWochen von einem Matrosen gekauft habe, ohne- zu wissen, daß'der Vogel darauf dressiert sei,, die. republikani- sche Staatsform aus voller Kehle zu pxeisen. Vergebens protestierte der Besitzer des Papageis-da- Vira Berbasovä und Karel- LamaL in der Filmoperette„Auf der grünen Wiesel',. gegen,-daß die Polzei ihm das Tier wegnahm. Die Polizei hat sogar beschlossen, den Papagei.umzubringen. Der Vogclbesitzcr hat.sich an die Oeffent- lichkcit gewandt und mm tobt ein Kampf. zwischen den beiden Lagern, die teils für Hinrichlnng, teils für Begnadigung des republikanischen Vogels sind. Immerhin hat sich die'Polizei noch nicht dazu entschließen können, die. Todesstrafe auch wirklich zu vollziehe», und obwohl das Todesurteil noch immer zu Recht besteht, ist inzwischen ei» kleiner. Kredit für Ankauf. von Vogelfutter genehmigt worden. Di« Situation wird auch dadurch nicht einfacher, daß da!' republikanische Geschrei jetzt aus einer. monarchistischen Polizeistube anstatt" aus einem harmlosen PrivathaüShalte ertönt. Ein Mann, der den Koran auswendig kennt. Einer der größten Gelehrten des Jstam hat.feinen Wohnsitz nicht in den arabischen Ländern, sondern'in Johamiisbnrg in Südafrika. ES, ist-der Großmufii der südafrikanischen Union, Ibrahim Sonjalvi^ und er ist vielleicht der einzige Mensch auf der Welt, der den Koran von der ersten bis zur letzten Zeile ans« wendig kennt, so sicher daß er.ihn von eiper beliebigen Sur? an, mitte» aus dem Schlaf geweckt, herfagcn kann. Seit seinem nennten-Lebensjahre hat er nichts anderes gelesen, als das heilige Buch der Rechtglänbigen, und obwohl seit'dieser Zeit' 55 Jahre vergangen sind, findet er immer neue Schönheiten, und wird nicht müde,' den-Koran zu'deklamieren. Dies jedenfalls hat er. Reportern erzähle, die ihn interviewen. konnten. Ein seltenes Hoteljubiläum. Eines der ältesten Hotolsiin. Europa, der.Kolobari-Häu"-in Sarajevo,. hat.dieser. Tage die Feier des 475.' Bestehens begehen.können. Wie schon der Name des Hotels sagt, handelt es sich um eine Karawanserei auS-der Türkenzeit, die jedoch auch heute noch von zahlreichen Gäste» frequentiert wird. Zwar pflegen Maharadschas, die durch Sarajevo kommen, nicht; im Kofo- bari-Han abzusteigen;, dafür sind die Preise.in diesem Hotel konkurrenzlos billig, für 6 Dinar, d. h. etwa 8.30 Kö, erwirbt man ein Anrecht'aus Ucbcrnachtnng, wenn auch nicht unbedingt--ans Nachtruhe, denn die einzelnen Zimmer dienen immer zur Unterbringung von 8 bis 12 Gästen, auf einmal. Dafür hat das. alte Hotel«inen anderen Vorzug: cs besitzt einen Baderaum mit fließendem Wasser, und dies-ist nn^so ckstaunlicher,' als auch derBäderam» schon feit'475 Jahren besteht,' Möbelfabriken In Brand. In einer der größten Möbelfabriken.' in Paris brach Mittwoch abends Feuer, aus. Der Sachschaden beläuft sich auf meh-- rere Millionen Franken. Fast zur gleichen Zeit brach auch in einer minderen, hiesigen Möbelfabrik. Feuer aus, daS. die ganze Fabriksnnlage- in Asche legte. Auch hier beläuft sich der-Sachschaden auf mehr als eine Million Franke».'.... DaS Wetter steht heute in unseren Gegenden bereits vorwiegend, unter dem Einfluß einer umfangreichen Druck Hochs, welches sich über. de»-Westteil des Binnenlandes erstreckt. Obwohl- sich der Himmel ziemlich aufgeheitert hat, macht-die. Erwärmung nur langsam Fortschritte. Die Aussichten auf die weitere. Entwicklung des Wetters sind günstig^ die Nächte werden, jedoch zunächst sehr'kühl bleiben. Wahrscheinliches Wetter, heut«: Vöm. Südwesten her weitere. Wetterbefferyng und tagsüber- allmähliche Erwärmung: Auch- im Karpathengcbiet bereits vorwiegend' trocken, nach erfolgter Aufheiterung jedoch nachts verstärkte Abkühlung. Wetteraussichten für Samstag: Im ganzen schön;, weiter« allmähliche Erwärmung.'•. '- Vom Rundfunk ta*tahl«MW«rl(iwi«■ InanMM ;.•■>*-:-./ Samstag. Prag, Sender S.r 6.00: Morgengymnastik, Konzert. 4.0,11:.Schallplatte»;> 11.05: Konzert« 12.0.0: Zeitzeichen,: Nachrichten; Mittagskonzert, 14.00r Konzert,. 16,05: Konzert.. 17,05: IwjW« liung ans Salzburg—Richard Wagistr'„Pie-Mei-, stersinger v,on Nürnberg-",.18.25: Deutsche'Nächrich- ien, Wetterbericht,-18.55:,Ilebertragung'auS! Salzburg- der'-„Meistersinger vdn Nürnberg", 22.15: Schallplatte».— Sende« L.::7r80t Konzert, 14.30: Schallplatte», 15.-15: Deutsche Sendung;— Brünn: 6.00: Morgennymngstik,.'Konzert; 20.10.:..-Bon: Ohr. zu. Ohr:— Preßhnrg: 6,00:.Morgengymnastik, Kon«, zert, 12.85: MittagSIxnzert, 14.15: Schallplätten,— Käschäy: 6.00: Möraenghmyastik,,Konzert!"'12.05:' Schallplatte», 21,20: Konzert.— Möhrisch-Oftra«: 6.00':'Morgengymnastik,"Konzert;' 21.20;-'Geigen«. kompositionell.^-. Nr. 183 Freitag, 7. August 1030 Sctfe 5 Spaniens Wirtschaftslage ES 1088 1084 1085 186.84 248.88 204.85 ralstreik» war die Tätigkeit der Arbeiterpartei von allerhöchster Bedeutung. Müttern, Frauen von Arbeitslosen, wurde die gesetzlich vorgesehene ko- stenlose Milch verweigert. Damals zwang die mutige Haltung einiger Stadträtc unseres Bezirks die Mehrheit der Bürgerlichen dazu, der Forderung der Frauendcputation, die mit ihren Kindern Im Kinderwagen erschienen war, nachzu- geben; auch ich gehörte dieser Deputation an. Damals wurde mir llar, was für uneigennützige Dienste die Vertreter der Arbeiterpartei der Arbeiterklasse nicht nur in Krisenzeiten, sondern in jedem Augenblick leisten. Während langer Zeit hatte ich ein Vorurteil dagegen gehabt, mich irgend einer Partei an- zuschliehen. Ich war der Ansicht, dah die Parteien, ebenso wie die Menschen nicht vollkommen sind, und dah ich dadurch, daß ich an ihrer Tätigkeit teilnehme, die Verantwortung ebenso für ihre Fehler wie für daS, was sie gut moscht, über-" nehme. Bemühungen, bleich allein während"langer Zeit unternahm, waren zwar nützlicher, als toenn ich gar nichts getan hätte, aber sie führten zu keinem rechten Erfolg. Ich fühlte wohl, was zu tun Ivar, aber ich muhte erst lernen, wie man wirlsam handelt. Es wurde mir immer klarer, dah cS dazu einer Anleitung und einer gesunden Führung bedürfe, die nur in der für das gleiche Ideal kämpfenden sozialistischen Partei gefunden werden kann. Die Ungerechtigleit und die Leiden, die ich persönlich ertragen muhte, sind gering im Verhältnis zu der Unsumme der bestehenden gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten. Und eS wurde mir klar, daß ich selber eingreifen und mein Teil Verantwortung übernehmen müsse, um mir ein freieres und weicheres Leben zu erkämpfen. Meine nun schon jahrelange Zugehörigkeit zur Partei hat mir inzwischen einen weiteren Uebcrblick verschafft, hat mich gelehrt, auch den Standpunkt anderer zu verstehen, und ihren Schwächen gegenüber ebenso duldsam zu sein, wie Nachstehend bringen wir eine Arbeit, die bei einem Wettbewerb unter den Mitgliedera der ProvinzsekUonen Ostengland» mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden ist. Sie —lieferte ihrer Verfasserin ein Studienstipendium für die Sommerschule von Greät-Ehestersord. Wenn man jemanden auffordert, die Beweggründe anzugeben, aus denen er sich der Arbeiterpartei angeschlossen hat, und wenn der Betreffende sich diese Frage vielleicht zum ersten. Male überlegt, so ist es sogar für ihn selbst überraschend, was für eine grohe Anzahl von Umständen und Ereignissen ihn schliehlich zum Eintritt in die Partei geführt haben. Wenn man persönlich zwei Jahre lang als Frau eines arbeitslosen. Eisenbahners einen Haushalt mit einem kleinen Kind führen muh, nur 21 Schilling Arbeitslosen-Unterstützung pro Woche bezieht und darüber hinaus in einer Pe- rivde vonuj» acht Wochew-dr« Wochen lang leine Unterstützung erhält;'< wenn. man sich während einer Periode von Streiks mit nur zehn Schilling wöchentlicher GewerkschaftSunterstühung behelfen muh— dann wird man unfehlbar zum Nachdenken gezwungen und macht sich nicht nur über sein individuelles Schicksal Gedanken, sondern denkt auch über die Lage derer nach, deren Leben ähnlich oder noch schlimmer verläuft. So gibt cS Hunderte von Männern, Männern mit Fähigkeiten und gutem Willen, denen jede Arbeitsmöglichkeit verweigert wird, und die in dem Gefühl,, in dieser Gesellschaft keinerlei nützliche Rolle mehr zu spielen, in schreckliche Verzweiflung getrieben werden; so gibt es Frauen, die in der Furcht vor einem tragischen Ende ihres Lebens dahinvegetieren. Die erste Arbeiterregierung beseitigte die oben erwähnte Karenzfrist in der Arbeitslosenunterstützung; nur die, die unter der Ungerechtigkeit der Karenzfrist gelitten haben, können diese Wohltat richtig einschätzen. Während des Gene- I n.d ü-st r i e n und Fabriken in den Hauptstädten. . Die Nationalisierung der Industrie würde also der spanischen Regierung, wenn sie wirklich grohzügig« Reformen durchführen will, wenig nützen. ES kommt vielmehr darauf an, die L a n d- wirtschaft zu entwickeln und dort die Betriebe zu modernisieren. Aber immer noch befindet sich fast die Hälfte deS landwirtschaftlichen Bodens im Besitze von rund 12.000 Grossgrundbesitzern, wenn auch die Regierung bereits begonnen hat, einigen tausend Bauern Länd zu geben, indem sic ein paar grohe Güter beschlagnahmte und deren Aecker aufteilte. Aber auch damit ist eS nicht getan: es handelt sich bet der Aufteilung des Bodens darum, den Bauern so viel Land zu geben, dah eine wirklich sachgemäße Bewirtschaftung möglich ist. Man mühte den Bauern ferner Kredite«inräumcn, damit sic in der Lage sind, ihre Betriebe technisch zu vervollkommnen und sich Maschinen und Geräte anzuschaffcn. Nur auf diese Weise ist eine Intensivierung der Landwirtschaft möglich, deren Ziel«S ja sein soll, mehr aber billiger zu produzieren, um so auf dem internationalen Markt konkurrenzfähiger zu fein. DaS Schicksal Spaniens, sowohl das politische wie das wirtschaftliche, hängt von der Lösung des Agrarproblem» ab. Die Nationalisierung oder Sozialisierung der Industrie dagegen bleibt von verhältnismäßig untergeordneter Bedeutung. 668.57 610.00 588.45 ist also verständlich, dah alle Bemühungen der Regierung darauf gerichtet sind, die Ausfuhrquote erheblich zu steigern, um zum mindestens die Bilanz auszugleichen. DI» Aufteilung des Großgrundbesitzes Die Industrialisierung des Landes ist quantitativ sehr zurückgeblieben,, jedoch qualitativaufderHühe: moderne Maschinen, grohe zweckentsprechende Anlagen. Spanien befindet sich wirtschaftlich in einer ähnlichen Situation wie das Ruhland der Vorkriegszeit: ein grohes Agrarland mit einigen wenigen, aber" sehr leistungsfähigen Madrid, 4. August. DaS Dekret der spanische^'Regierung Über die Nationalisierung aller kriegswichtigen Betriebe trägt zwar in seiner augenblicklichen Form nur vorläufigen Charakter, jedpch hat die Regierung keinen Zweifel darüber gelrlsieni dah inan damit erst am Anfang eine» ganz grohen UmwändluUgsprozesses stehe, durch den.die Gesamtwirtschaft Spaniens— vorausgesetzt/ dah das Land in absehbarer Zeit zur Ruhe.kommt und in den Händen der jetzigen Re- gierung bleibt— auf eine organisatorisch völlig neue Grundlage gestellt werde. In der Welt ist allgemein die Ansicht verbreitet, dah die Finanz- und Wirtschaftslage Spaniens infolge der nicht abreihendcn Serie der Bürgerkriege imd" sozialen Unruhen geradezu verzweifelt sei. Diesen Behauptungen steht die Tat- sachc gegenüber, dah Spanienim Grunde e i n'r e i ch« S L a n d ist, mit grohen Reserven, die keineswegs verbraucht sind. Freilich kann auch das Vorhandensein wirtschaftlicher Schwierigkeiten nicht geleugnet werden, doch sind diese zu einem grohen Teil die Folge der allgemeinen Weltkrise. Spaniens Finanzen Der P es o hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Stabilität gezeigt, wenn es auch mitunter notwendig war, ihn künstlich zu stützen. DaS. Gesetz der DeviscnzwangSbewirtschaftung wird streng durchgeführt, ist jedoch viel milder als in vielen anderen europäischen Ländern." Anfang Juli, also unmittelbar vor Beginn deS Bürgerkrieges, hatte daS Land einen Notenumlauf von 5.51 Milliarden, während in den Tresoren der Bank von Spanien für 2.42 Milliarden Gold und für 0.66 Milliarden Silber lagen. Die Metalldeckung betrug also rund 60 Prozent gegenüber etwa 67 Prozent im Herbst 1085. Das ist im ganzen eine recht günstige Situation, und es existieren zur Zeit nicht viele Währungen in Europa, die eine ähnlich hohe Metalldeckung aufweisen können. Im Augenblick hat sich das Bild freilich erheblich verschoben, da die spanische Regierung seit den ersten Tagen des Bürgerkrieges bemüht ist, den gröhten Teil des Goldes ins Ausland zu schaffen, und zwar per Flugzeug nach Frankreich. Fast jeden Tag kommen jetzt Goldtransporte aus Madrid nach dem Pariser Flughafen Le Bourget. Ein ganz anderes Problem ist die B a l a n- c i er u n g des spanischen Budgets. Trotz der grohen Sparprogramme der letzten Jahr« ist es niemals gelungen, den Etat restlos auszubalan- eieren. Der Hauhalt von 1085 wies einen Fehlbetrag von rund 400 Millionen Peseten auf, von denen 80v Millionen durch Regierungsanleihen, gedeckt wurden. Dagegen ist die kurzfristige Verschuldung auherordentlich gering, sie beträgt nicht einmal zwei Milliarden. Diese Tatsache vor allein hat eS bisher verhindert, dah das Land.in gröbere finanzielle Schwierigkeiten geriet, üstd die au» den letzten Wahlen hecvorgegangene linksbürgerliche Regierung hat sich bemüht, die Fehlbeträge des vorjährigen Budgets durch Herausgabe kurzfristiger Schahscheine zu decken/ Abhängigkeit vom Außenhandel Erheblich weniger günstig ist die Auhen- handelslage des Landes. Die Wirtschaft lebt in' starker Abhängigkeit von den übrigen europäischen Märkten.—Spanien ist Agrarland. Mehr als der vierte Teil der 26-Millionen-BebMerung ist in der Landwirtschaft unmittelbar tätig, nicht gerechnet die Arbeiter und Angestellten der landwirtschaftlichen Grohvetriebe in den Städten. Spanien lebt also von seiner Ausfuhr an Lebensmitteln, die über zwei Drittel der gesamten Aus fuhr beträgt. Die wichtigsten Aufnahmeländer der spanischen Landwirtschaftsprodukte sind England, Frankreich, Deutschland und die Vereinigt ten Staaten.’ Infolge der herrschenden Agrarkrise in der Welt ist,die Ausfuhr Spaniens von Jahr zu Jahr gesunken. Die Außenhandelsbilanz der letzten drei Jahre sieht fülgendermahen auS: Ausfuhr Einfuhr Einfuhrüberschuh (in Millionen Peseten) ...gm 88541 854.82 878.80 Warum Ich der Arbeiterpartei beigetreten bin Von Mrs. J. Hamomnd Erinnerung an Fechenbach Am 7. August 1088 wurde Felix Fechenbach gemeuchelt. Auf der Fahrt von der Detmolder Schutzhaft zum bayrischen Konzentrationslager erschossen ihn Hitler» Henkersknechte. In den nächsten Tagen erscheint ein Fechenbach-Buch(Eichenverlag Arbou, Schweiz), da» eine Auswahl de» literarischen GesamUverle» diese» sozialistischen Kämpfer» und Märtyrer» bringt. Nachstehend "geben wir ein Stück au» dem Vorwort de» Buche»." Der Krieg schlug die FechenbachS grausam. Diese" arme jüdische Familie erlebte eS, dah ihr ältester Sohn-schon im ersten,Kriegsjahr schwer verwundet nach Hause gebracht wurde. Ein ande- rcr, Sohn.geriet, ebenfalls. verwundet, in französische Gefangenschaft! in der ihm ein Vein atn>< putiert werden muhte. Die Söhne hätten die alten Eltern unterstützen sollen, denn das Geschäft war 1014 zusammengebrochen, an.Verdienst kaum zu denken. Der vierte aber war taubstumm, der dritte lag im Lazarett/kam später unschuldig ins Zuchthaus und wurde zuletzt„auf der Flucht" erschosien— das war der Beitrag von- Menschen an.ihr Vaterland, die arbeitsam und von strengem Bürgersinn erfüllt waren, tu Ehren alt und grau geworden sind, im Gram" doch um eine Welt, d>e sie-nicht verstanden, und deren letzter Wahnsinn, die Raffenverfolgung, ihnen als Abschiedsgeschenk da- Greisenalter vergiftet Hat.,. Wie Felix Fechenbach über Politik und Poll> tiker dachte, steht man aus den Aphorismen, die er darüber niederschrieb. Er selbst hat allen Widerständen zum Trotz an der sittlichen Idee de» Sozialismus festgehalten, wie sie ihm stets den entscheidenden Halt gab. So konnte er nach der EiSner-Zeit die Zuchthausjahre gefestigt Überdauern, so all di« schlimmen. Erfahrungen, die er nach seiner Entlastung 1024 machen muhte, ohne Wanken bestehen. Er wollte und ging nach Berlin. Aber'erst 1020 sand der Mann, der nach seiner- Begabung als Schriftsteller und Journalist, nach der Kraft seiner Ueberzeugung und den sichtbaren Opfern, die er dafür gebracht hatte, eine befriedigende Wirkungsmöglichkeit gewih verdient hätte,, eine kleine Anstellung... Dabei schätzte man ihn durchaus als gelegentlichen Redner und Mitarbeiter, druckte gern die zahllosen politischen Artikel und Reportagen, di« er al» freier Schriftsteller verbreitete, denn nicht nur hatte sein Name einen Klang, sondern man wuhte auch, dah er etwa» zu sagen hatte. Nachdem er einmal in der Sozialdemokratie den besten politischen Ausdruck für sein Wollen gefunden hatte, hielt er die Partei hoch über alles. Als ein guter Freund, der Kommunist.geworden wa», bei einem Besuche die SPD. beleidigte und beschimpfte, erhob sich Felix Fechenbach und Wiel ihn aus seinem Haus. Er sah sehr gut die Schwächen der Bewegung und kritisierte sie, aber er trar restlos für seine Partei ein."1020 ging er nach Detmold. G Unendlich vielseitig waren feine Interessen. Der Sozialpolitik hatte er''sich frühzeitig zugewandt. Vergilbt liegen di« umfangreichen-, Dutzende von Schreibmaschinenseiten umfassenden, noch heute aufschlußreichen„Erhebungen über die Lage der weiblichen Dienstboten", mit denen er-sich als einem sozialpolitischen Lieb« lingSthema immer wieder beschäftigt hat. Zahllos die Artikel, die er zum Thema„Wehrmacht und Sozialdemokratie" versaht, überall Aufsehenerregend die konstruktiven Vorschläge, die er zur Justizreform gemacht hat. Der Sachverständige Dr. Friedrich Thimme erklärte in seinem Prozeh, dah„Fechenbach da» Zeug zu einem hervorragenden Historiker habe". Thimme, der ursprünglich von der Gegenseite geladene Geschichtssachverständige, übertrieb nicht. Eine grohe Anzahl ausgezeichneter historischer Arbeiten Felix Fechenbach» zeugt dafür, di« Darstellungen, die er al» Korrespondent der Basler Nationalzeitung vom deutschen Geschehen 1019 gab, sind lebendige Geschichtsschreibung, das Manuskript einer Artikelserie„Fürsten, die mit Menschen handeln", ein Stück kritischer Kulturgeschichte, könnte heute noch jederzeit al» lehrreiche Broschüre erscheinen. In seinem Prozeh spielte ein Brief eine Rolle, den Fechenbach an einen ihm damals nahestehenden Menschen gerichtet hat. Er befand sich, al» er ihn schrieb, in der Schweiz, wo er im Auftrage der bayrischen Regierung 5000 notleidende Kinder unterbracht«.„Die lieben Kinderchen", so heiht eö da,„die jetzt nach der Schweiz können und nicht mehr hungern müssen, sich dort freuen können an all dem Schönen, wä» es da zu schauen gibt, freuen mich mehr als di« ganze Revolution!" Felix Fechenbach» Prozeh ist berühmt geworden. Mehrere Bücher sind über ihn erschienen. Aber diese eine Briefstelle sagt mehr aus über sein: Menschlichkeit, als alle noch so beweiskräftigen Schriften. Detin die LebenSbejahung war da» tiefst.- Wesen seines Handelns. Lebensbejahung be- ich wünschen würde, dah sie nachsichtig gegen mich sind. Ich habe nicht nur die Rechte de» Staais- bürgcr», sondern, was vielleicht noch wichtiger ist, die Pflichten deS Staatsbürgers kennen gelernt. Ich bin dazu gekommen, die menschliche Natur und das gesellschaftliche Recht zu erforschen und diese Arbeit war für mich von unschätzbarem Nutzen, denn sie hat mir einen weiteren und richtigeren Blick gegeben. Und ich bin stolz darauf, dah meine bescheidene Arbeit an den verschiedenen Lokalstellen dazu gedient hat, die schweren Leiden der anderen zu mildern. llusian-cl Französische Parlaments* Delegation nach RuBland Paris. In den nächsten Tagen begibt sich «ine zehugliedrige Parlamentsdelegation aus Frankreich nach Solvjetrutzland, um di« Organisation des sowjetrussischen Flugwesen» zu studieren. An der Spitze der Delegation, die sich auS sieben Deputierten der Regierungsmehrheit und drei Deputierten der oppositionellen Parteien zu- sammensetzt, steht der Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für da» Flugwesen, der be» lannte französische Flieger B o» s s o u t r ö t, ein radikaler Deputierter. Kompliziert« BcflaggungSvorschriften. Nach dem österreichisch-deutschen Abkommen vom l l.Juli können Hausbesitzer in Oesterreich, sofern sie reichsdeutsch«Staatsangehörige sind, die reichsdeutsche Flagge an den Tagen auS« hängen, an denen sie auch in Deutschland gehißt wird. Die Häuser und Hotels ö st e r r e i ch i- scher Staatsbürger können die reichsdeutsche Flagge auShängen. wenn neben ihr die österreichische und mindestens drei Fahnen anderer Länder gehißt werden. I» Kurzes Jerusalem. Die in Aman(TranSsordanicn)' unter dem Vorsitz de» Emirs Abdullah geführten Verhandlungen zur Beilegung des Generalstreiks in Palästina sind ergebnislos verlaufen. Jerusalem. Ain Dienstag haben britische Flugzeuge neuerlich Flugzettel über vielen Städten und Dörfern Palästinas abgeivorfen. Die arabi». sche Bevölkerung wird darin zur Wiederaufnahme der Arbeit ausgefordcrt und es ivird darauf hingewiesen. dah der lange Streik sie nur noch ärmer. -’r H 1 Istanbul. Der türkische HandrlSminister und der Vertreter der deutschen Schiffswerften haben einen Vertrag unterfertigt, nach welchem Deutschland der Türkei im Mai 1987 sechs Dampfer mit einer Gcsamttonnage von 12.000 Tonnen liefern wird. Budapest. Wie„Ujsäg" mitteilt, wird in Ungarn eine innere Anleihe in der Höhe von 200 bis 250 Millionen Pengö aufgelegt werden. Pari». Beginnend mit dem 1. August wurden die ZcitungSpreise in Frankreich um 20 bis 25 Prozent erhöht. Im Detailverkauf kosten sie nunmehr 80 bi» 60 Centime» pro Stück. Dragnignan.(Hava».) In St. Nazaire kam e» Sonntag abend» zu einem Zusammenstoß zwischen einer recht»« und einer linksgerichteten Ju« gendgruppe, wobei auch Revolverschüsse gewechselt, wurden. Drei Personen wurden verletzt. Zwei Exzedenten wurden verhaftet. stimmte seine Politik," die auf Frieden, Völkerversöhnung, Recht und Glauben an da» Gute im Menschen begründet war, auf eigen Glauben, der ihn noch beseelte, al»" sein Tod schon beschlossene Sache war, LebenSbejahung war eS auch, die ihm die Liebe eingab zur Jugend, zu den Kleinsten der Kleinen, den Knospen der Menschheit. Felix Fechenbach liebte die Kinder. Darum zog es diesen Mann so stark zu der Bewegung, die unter dem Namen der„K i n d e r f r e u n d e" nach dem Kriege auch in Deutschland aufkam. Er wurde «in Prophet und ein Pionier dieser Bewegung, ec half ihre Zeltlager au-bauen, er zog mit den jungen Burschen und M.'ideln ins Freie, und toenn er sich genugsam mit den politischen Gegnern hcr- umgeschlanen, wenn er seiiien neuesten Artikel zur Post gebracht hatte, wenn der"Ekel ihm bis zum Hals stand vor dem Spiehergoist und Pharisäer» getu gichtbrUchiger Beamter der Revolution, dann ging er dorthin, wo recht derb und marktschreierisch ein bunte» Plakat den'Berliner Vorort mobil gemacht hatte:„Die fstipder, die Mutter und der Vater, sie kommen alle znm Kasperletheater. Am Sonntag hält der' Kinderfreund-- Kasperle seinen Einzug in NowaweS. Er wird sich nachmittags 8 Uhr auf dem Sportplatzgelände zeigen und freut sich schon darauf, alle Nowawesrr Kinder mit ihren Eltern zu begrüben I" Und wenn Felix Fechenbach dann hinter den pappenen Ku» liffen auf seine Frage:„Seid Ihr alle da?" das tausendfache„Ja" jubeln hörte, dann lachte sein goldene» Knabenherz und vergaß alle Miseren des Alltag». Und Fechenbach begann von einer Welt" zu erzählen, in der alle Menschen in" Frieden miteinander leben und jeden Tag satt zu esse» Huben", würden. Selle 6 Sozialdemokrat Freitag, 7. August 1V36. Nr. ISS Robert Äsung, Wallace Beerb und Lewis Stone in dem amerikanischen Fliegerfilm„Der Nachtangriff". &wr ZMmg Auf dein Prager Flugplatz in Kbrly wird Freitag, de» 7. August um 17 Uhr der neue Segel- flngzeug-TyP PPI vorgeführt werden. Dar Segelflugzeug trägt den Namen„Tuläk" und wurde van I. Pitcrmau und F. ,Pc»ta konstruiert. ES wiegt 170 Kilogramm und hat eine Flügelshannweite von 13 Metern. dtscksple! einer kurcktdsren VerlrsKrslrstsstropKe Prag.ikora ihr gerichtliches Nachspiel fand. Ain 11. August v. I. veranstaltete die Ortsgruppe der Legionärsorgani- satio» in W r a n ein KamcradschaftSsest. nach deffen Beendigung die Teilnehmer in geschwffenen Zügen heimkehrten. Eine dieser Kolonnen überquerte in der neunten Abendstunde beim Dorf Str» adv die Königsadler Landstrasse, als der Siöchovitzer Autobus gegen Prag hcrangerait kam und mit einer Gc- schlvindigkeit von fünfzig Stundenkilometern in den Menschenzug fuhr. Die Folgen waren schrecklich. Der AntobnS pflügte buchstäblich eine blutige Rinne durch die Mcnschenmaffe. Bier Leute blieben zermalmt auf der Strasse liegen? bei dcycn jede ärztliche Hilfe bereits zu spät kam. Zwei weitere lvnrden schwer ver lebt und neun Personen kamen mit leichteren Bcr- Ictzungen davon.. Der Chauffeur des Ilnglückswagcns, der 85jäh- rige Emil Pejdl, wurde wegen des Vergehens der mehrfachen fahrlässige nschwerenKör per Verletzung mit tcil- ibeise tödlichem Ausgang uiitcr Anklage ittftdllt. Best» Zeugenverhör ergab sich, dast sich' die Katastrophe mit solcher Geschwindigkeit abgespielt hat, dast die Einzelheiten nicht mehr sestzustcÜcn sind. Die Sachverständigen leiten aus der Länge der Brcnisftrccke die Mutmassung ab, dast der angcklagtc Chauffeur nicht rechtzeitig gebremst habe und mit unzulässiger Geschwindigkeit gcsahrcn sei. Der Chauffeur verteidigte sich damit, er sei durch den anstrengende» Tagesdienst übermüdet gewesen und ausserdem habe er an der betreffenden Kreuzung nach seiner zweimonatigen Erfahrung nicht erwartet, auf einen solchen Menschenzug zu stosten. Ferner habe ein vor ihm fahrendes unbekanntes Privatauto soviel Staub aufgewir- bclt, dast der die Straste überschreitende Menschentrupp von'Staub verdeckt und die Aussicht völlig verschleiert gewesen seir Die vorgcbrachte Verteidigung vermochte allerdings, die Anklage nicht zu entkräften.und der Strafsenat, verurteilte, den ängeklagtcn Chauffeur zu acht Monaten- strengen Arrest es,. und zwar un bedingt. Verlanget überall Volkszünder In den Schatzkammern des Films Für jeden Theaterfreund hat cs einen besonderen Reiz, einen Blick hinter die Kulissen zu tun. Aber noch viel interessanter ist ein Gang durch die dem„llnbesugteii" verschlossene» Räume, die die Requisiten und Garderoben bergen, mit denen die Welt des Scheins aufgebaut und ausstaffiert wird. In der Thcatcrsprachc bezeichnet man alle diese Schätze mit deni lateinischen Wort„F u n d u S", lvaS eigentlich soviel wie Grundstück bedeutet, aber ein Grundstück mit HauS und allen Einrichtungsgegenständen— woraus der übertragene Sinn des Wortes wohl entstanden sein ntntff Freilich ist die Thcatcrbühne viel mehr auf dem Schein der Wirklichkeit aufgebaut als der Film. Dort kann man sich mit Attrappe» behelfen, wie man ja auch meist nur von„Dekorationen" spricht. Der Film erfordert dagegen mehr Wirklichkeit. Die Türen, wenn sie schon einmal erbrochen oder cingcschlagen werden, niüsscn von solidem Holz sei», damit auch wirklich Späne fliegen und der Tonmeister den richtigeü soliden Krach aufnehmen kann. Ein markierter Kamin wirfi nicht richtige Schlagschatten, und ein prasselndes, flackerndes Feuer lästt sich auch nicht darin entzünden. Geschirr, Vasen, Statuen aus Pa» picrinachö lassen sich im Eifer des Gefechts nicht in Stücke schlagen, und die bewegliche Handlung, die- nicht an das einseitige Bühnenbild gebunden ist, verlangt, dast die Dinge auch eine solide Kehrseite haben. Kein Wunder, ivcnn also die Reqnisitcn des Films meist reichhaltiger und stabiler sind als die des Theaters. Tritt man nun In die geheimnisvoll dämmerigen Requisitenkammern des grosten Ateliers, so glaubt man zunächst in einem grosten Antiquitätenlager zu sein. Da stehen Schränke aller Kunstperio- dcn und Qualitäten. Geschnitzte Barockmöbcl, buntes Rokoko, Enipire, Biedermeier, kleinbürgerlicher HauSgrencl mit Säulchen und Muschelvcrzicrung, RestaurationS- und Hotclcinrichtungen, von der eleganten Bar bis zur Kaschemme und dem Nachtasyl, Truhen, Kästen, Bcttgcstclle aller Grösten und Arten vom AuSmah des BctteS, der Pompadour bis zum spartanischen Kasernenbctt des Soldaten. Und so geht das weiter mit Stuhl und Tisch, mit Teppich und Gardinen, mit Vase und Blumentopf. Luxus und Pracht neben Armut und Elend. Selbst sür alle Arten von Oefe» und Kaminen ist Vorsorge getroffen, neben umfangreichen Rokoko- und Bauernüfen steht das klapprige Kanonenöfchen aus einer Dachstube oder Kellerspclunke. Dabei ist meist alles gebrauchsfertig, um ein solides Feuerchen darin aiizuzündcn, an dem man Liebesbriefe oder Spionagcakten oder verräterische Kleidungsstücke richtiggehend verbrennen kann. Dann kommen wieder ganz eigentümliche Dinge, wie Litfast-Säulen, beklebt niit englischen, französischen oder italienischen Plakaten. Wäre ja auch gar nicht aüszudenken, wenn da eine Pariser Litfasssäule a» einer New-Norker Strassen» ecke stünde. Auch Laterncnpfählc, Verkchrssignalc, Wegweiser sind sn allen möglichen Typen vorhanden. Da hat cS die Bühne viel leichter, da kann die gleiche Laterne in BohSmc, Carmen, Mignon und noch in ein paar anderen Opern leuchten. Wer pastt da schon beim hohen„C" auf eine hlüde Laterne aus. Aber wenn ctlvn in einem Grinzinger Hcurigcngarten bei einer Bicdcrmcierszcne im Filni auch nur eine Laterne nicht stimmt und echt spitz- Ivcgisch gelblich trübe funsclt, dann gibt cS Krach. Dar wirst die ganze Szene um. Auch Kassenschalter für Banken, Theater, Bahnhöfe und Postämter sind aufgebaut und gleich daneben moderne Büroeinrichtnngen für das Zimmer des Herrn Minister oder Direktor, für den Buchhalter, für das Schreibfränlein, nicht zu vergessen aber auch für Polizei und Militär, und in geheimnisvoller Mischung beider Siilarleti für den Herrn Spionagcchef eines fabelhaften Gcneralsta- bcs oder für das geheime Verschlvörcrkabinctt einer Regierungen-stürzenden Terroristcngruppe. Natürlich gehören dazu alle Arten von Tresors, Geldschränken mit Geheimfächern, und nicht zuletzt eine ganze Batterie der verschiedenartigsten T e l e» p h o n e und Mikrophone. Jeden Postnii-- nistcr würde der blasse Neid packen, wenn er dieses Arsenal sähe. Alle Modelle sind vertreten, elegante weisse und pastcllfarbcn lackierte für das Boudoir der schönen Frau, schwarze mit 1—15 Schalt« knöpfe» für das Chcfhüro, und dann ganz unheimliche Ungetüme mit Klappen, Schalldosen und Gott weist tvaS für Tcuselskram für den alles überwachenden Herrscher der geheimen Staatspolizei. Ja, es muh alles seine Nichtigkeit haben bis aufs GlaS, das Porzellan und die Bestecke. Die bei Barfzcncn, Kafchemmenaiifnahmen und für den Hausstand junger, streitsüchtiger Eheleute he- nutztcn Gläser und Teller müssen wegen Bruchs dcS öfteren aufgcfüllt werden. UcbrigenS hat man für besonders turbulente Szenen schon eine Sammlung „Altware" in Vorrat, damit, wenn schon einmal nach dem Drehbuch alles kurz und klein geschlagen werden mutz, nicht zu viel gutes Material in Trümmer geht,—■ Auch eine Art SchreckenSkammer gibt es. Da ragen> hinten aus einer finsteren Ecke die gespenstischen Schatten einer Guillotine und einer Nichtblockes, während eine Wand mit Sträf- lingskettcn dekoriert ist. Zum Schlutz werfen wir" noch einen kurzen Blick auf die„Bildergalerie", wo uns zwischen futuristischen Akten, Landschaften und alte» Stichen und Porträts auch die kopierten Bilderschätze aus den grösttcn Museen der Welt grützcn. Und unerschöpflich, unaufhaltsam wandern die Dinge wie die Menschen von Aufnahme zu Aufnahme. Nur dah meist den Menschen nicht die beschauliche Ruhe in den dämmrige» Räumen der „Schatzkammern" zum AuSruhen bleibt. Neue Daten über unteren Fremdenverkehr ES ist allerdings zu berücksichtigen, dast sich unter diesen 1,688.500 Ausländern viele befinden, die entweder nur auf der Durchrcise^varen, oder die sich nur zu Geschäftszivccken bei uns anfgehalte» haben. Dies vermindert bis zu einem gewissen Grade das enorme Ucbergewicht der Einreisen'aus unseren Nachbarländern über die Zahl der Gäste aus den entfernter liegenden Staaten. Trotzdem bestätigen die obigen Zahlen, datz es unserer FremdenverkehrSpro- (N. F.) Nach statistischen Erhebungen teilen sich die Ausländer, die im Jahre 1985 in die Tschccho« slowakei kamen, der StaatSzu geh orig- leit nach folgendermassen auf: Reichsdeutsche 780.000 (45.0%)' Oesterreicher 451.000 (27.0%) Ungarn. a a 168.000 (10.0%) Polen< 110.000 ( 7.0%) Rumänen- a a 80.000 ( 1.8%) 'Amerikaner a 22.000 ( 1.5%) Engländer. a 20,000 ( 1.8%) Jugoslawen a- a 16.500 c i.o%) Franzosen. a a 18.000 '( 0.7%) Andere • • 78.000 ( 4.7%) 1,688.500 ( 100%) paganda nicht gelungen ist, das Reisepublikum der west- und nürdcuropäischcn Staaten in dem Matze für die. Tschechoslowakei zu interessieren, wie es bei einer besseren Befolgung auswärtiger Beispiele möglich gewesen wäre. Im Laufe des heurigen Jahres scheint allerdings dank des Vertrages mit der W a g- g o n L i t S Co. lCook) eine Besserung eingetreten zu sein. Wie der-Vorstand-der Abteilung für Fremdenverkehr im Handelsministerium, Ministerialrat Dr. Pärtel, in-einem Interview mitgeteilt hat, bestehen jetzt tschechoslowakische Informativ n s» b ü r o s in Budapest,' Bukarest, Warschau, Lodz, Berlin, Kopenhagen, Stockholm, Haag, Brüssel, London, Paris, New Kork, Zürich, Stambul und Kairo. Ferner wurde heuer ein Informationsbüro in Karlsbad errichtet. AnPropagandamaterial wurden heuer 600.000 Prospekte herausgegeben. Die Mehrzahl von ihnen ist d r e i s p r a ch i g, andere sind sogar z w ö l f s p r a ch i g. Dazu kommen eine viersprachige T o u r i st e n k a r t e der Tschechoslowakei,«ine Broschüre über den tschechoslo- wakischen Wintersport in drei Sprachen, eine Broschüre über unseren S o m m erspart, ebenfalls in drei Sprachen, ferner sechssprachig« Flugschriften über die Tatra, Karpathorutzland und daSRie.sengebirge.' Als weitere Propagandamatznahmen zählt Dr. Pärtel die Heuer veranstalteten Ausstellungen in Bukarest, Mailand,. Posen und. Tel Aviv auf; vorbereitet werden'Broschüren über die christlichen .und über die jüdischen Baudenkmäler in der Tschechoslowakei, ein Plakat über die Touristik in den Staaten der Kleinen Entente,.sowie auch-eine Broschüre über dieses Thema.. ,.' ■ Die? alles ist sicher anerkennenswert..Man wird auch damit übereinstimmen müssen, datz die Ordnung unserer Hotelverhältnisse dringend notwendig ist. Dies wird, zusammen mit weiteren Matznahmen, die Ministerialrat-Dr.'Pärtel in Aussicht 'gestellt, wohl einiges dazu Beitragen, damit Bas bisher Versäumte wieder nachgeholt wird. Datz noch vieles nachzuholen bleibt, ergiht sich— um nur das zu erwähnen— aus der Tatsache, datz die AuS- flugszüge unserer Staatsbahnen lwenigstenS in Prag) auSschlietzlich in irschechi» scher Sprache an gekündigt werde n. Prag ist bekanntlich einer der Mittelpunkte unseres Fremdenverkehrs. Viele Touristen, die nur hlerhergekommen sind, um Prag zu sehen, würden sich auch für diese AuSflugSzüge interessieren— wenn sie die entsprechenden Ankündigungen lesen könnten. ES ist bedauerlich, datz unsere FremdcnverkehrSbehör« den die fremdsprachigen Prospekte offenbar fast nur als Exportware betrachten, und es nicht über sich bringen können, den bü st o k r a t i s ch en Unsinn der Sprachenverordnungen wenigstens hier, auf diesem Gebiete, abzubauen. M-tteUimgen aus dem Publikum., Man steht, daß sich jemand um«nS kümmert. Wie anders wäre es uns eingefallen, sich für. den Sommer noch ein Paar Schuhe anzuschaffen I Und da kommt Data mit seiner Aktion und bringt für den Rest der warmen Jahreszeit, wo es bekanntlich am heißesten Ist, eine Reihe, schöner, luftiger, leichter und bequemer Sommerschuhe und Sandalen. Die reichversorgten Lager unserer Filialen sorgen bis in den Spätsommer für das Wohlergehen unserer Fütze und für unsere gute Stickmung. 5377« Der Dim Da» Biennale in Venedig. Das diesjährige Biennale von Venedig, das wieder im August stattfindet, unterscheidet sich von den früheren Veranstaltungen in einer sehr wesentlichen Beziehung. Früher wurden in Venedig die besten Filme der vergangenen Saison vorgeführt und preisgekrönt. Diesmal werden cs Filme fein, die erst in der nächste» Saison auf die Bildfläche der Kino» kommen-sollcn. Da» Biennale wird damit z» einer Vorschau, und sozusagen zu einer> Weltpremiere der neuen Filme. Amerika wird dieses Jahr die„M ariaStuart" mit Catherine Hephurn und FredcricMarch zeigen, ebenso wie den Pasteur-Film mit Paul Muni. England stellt an die Spitze seiner neuen Filme den„Rembrandt!' von Alexander Cor da mit Charles Laughton in der Hauptrolle. © Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 0. August, Zusammenlunst um J 48 Uhr am Vysokaner Bahnhof. Fahrt nach Mköice. Baden in' der Elbe oder Wanderung. Führer; Schaffer.— Jeden Samstag Führung zur Hütte im Brdy-Wald. Information jeden Freitag von 6 bis halb 8 Uhr in der Geschäftsstelle in- Prag II. Närodni tr. 4. 2. Stock, Telephon 48869. Mitglieder, die ihren Urlaub in der Hütte verbringen wollen, müsien sich den Schlüssel in der Geschäftsstelle besorgen, der nur gegen Vorweisung der Legitimation ausgefolgt wird. filme in Prager Lichtspielhäusern Bis einschliesslich Donnerstag, de« 13. Augnstr. Urania-Kino:„Konfetti".(Moser, Slczak, Ro- manovsky).— Adria:„Nachtangriff".(St. Wallace Berry).— Alfa:„Der Wildfang".(Dsch. Nedo- oinskä, R. Wanka).— Avion:„Nachtangriff".(A. .Wallace Berry).—- Vermiet:„Charlie Chan in Shäiisshai".(A. Warner Olastd).— Festix: Auf der grünen Wiese".(Tsch. Jara Benes).— Flora: „Frauen am Scheidewege".(A. Claudette Colbert). — Gaumont:„Boccaccio".(D. W. Fritsch, P. Kemp).— Hollywood:„Rendezvous in Wien".(D. Schneider, Netth).— Hvizda:„Sieben Polarhelden".(Russisch).— Julis: Boccaccio".(D. W. Fritsch, H. Finkcnzellcr).— Ktnema: Journale, Grotesken, Reportagen).— Koruna: Aktualitäten, Journale, Grotesken.— Lucerna:„Auf der grünen Wiese".(Tsch.).— Metro:„Ein lustiger Betrug". (D. Fr. Lederer).— Passage:„Savoy-Hotel 217" ( Gregor B i en st o ick:' Europa und die Weltpolitik 84 Seiten kart. KL 15.—. Zu beziehen durch die Zentralstelle für da» Bildungswesen, Pta, XII., Slezskä i»..-i” B e z u g S b ed t n g u n g e n: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Poft monatlich KL 16^-. vierteljährig KL 4R.—. halbiShrta KL 96.—.. ganzjährig KL 192.—.—Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bel öfteren.Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der'Retourmarken.— Di« Zeitungsfrankatur wurde von der Post- ustd Tele- - graphendirektion mit Erlass Nr. 13.800/VII/1980 bewilligt.— Druckerei:.pvrbiS", Druck-, Verlag!» und Zeitungs-A.-G. Prag.