/ Mittwoch, 12. August 1936 Nr. 187 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IH DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG FRAG XII..FOCHOVA*2. TELEFON 53077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR! DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Die Erhebung der Massen Ein Bericht unseres Madrider Korrespondenten Ribbentrop— Botschafter in London hat den außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter im besonderer Mission Joachim von .Ribbentrop zum außerordentlichen und bevollmächtigten Botschaft« de» Deutschen-Sitiche» in London ernannt.(Fränzchea P a p e n ist also durchgefallen!) I.ehrer für vemokratle und HumenNSt Genf.-Ist Genf wurde die mehrtägige Tagung dcS' Kongresses des Internationalen Lehrerverbandes, auf welchem 31 Staaten, darunter auch dir- Tschechoslowakei vertreten waren, beendet..Der Vertband: vereinigt 600.000 Lehrer dieser Staaten. Der'Lehrerlongreß nahm eine Resolution un, in welcher ü.'a. die Nottbendigleit der loyale» Zusammenarbeit der Lehrerschaft mit dem Staate hervorgehobcn wird. Eine soche Zusammenarbeit ist-nur unter einem Regime der freien Meinungsäußerung und der Respektierung des menschlichen Gelviffens möglich. Die Lehrer sollen beweisen/ daß Nation und Humanität einander nicht widersprechen, haß sie im Gegenteil voneinander'nicht zu trennen sind. Araber-Aufstand . flammt«(leder auf Die Terrorwelle in Palästina ist wieder in die Höhe geschnellt. So wurden bei Rosptna und Tel, Aviv durch Schüsse' und" Bombenanschläge mehrere Personen /verwundet, darunter auch Frauen. Der Bürgernieiste^des jüdischen Dorfes Mitzpah. an Genezgrethsec wurde bei' einem Bvinbenanschlag getötet. Bei Raselain ereignete sich eln Zugsunglück, hem ein Lokomotivheizer und ein ZugSbegleitcr zum Opfer fielen.— Einer Meldung aus Jerusalem zufolge wurde in der Jerusalemer Altstadt xin Geheimpolizist' durch, SchÜsse auS dim Histterhglt schwer verlebt. Ein britischer Offizier kchrteim Krafttvagcn in Begleitung eines Feldwebels und zweier Soldaten VVN einem Scharmützel gegen Araber nach NäbluS zurück, als. her-Wagen plötzlich' auf'«ine Landmine»der andere Explosivstoffe stieß, die auf der Landstraße aufgehänft waren. Infolge der Explosion stürzte das Automobil isv-eiste.Bergschlucht, wodurch der.Offizier sein' Lrbcneinbüßte. Am Abend des-gleichen Tages wurde i iw-den Straßen- Jerusalems, ein englischer Fliegersoldat von einem unbekannten Araber erschossen und sein Kamerad', schwer: verlobt.. ?WlidM* Straßenbahn In Madrid-1 ■ Madrid.. Die' städtische Vei;kehrskommission forderte dieMigestsllt'en der Straßenbahnen auf, von Dienstag' ab den. Verkehr wieder äufzuyeh- min.'Der Hrlehr/tvär'.svkt'Ausbruch, des Aüf- stNNdeS'.unterbrochen-und' nur' den.amtliches! Fährzeugentvorbohalteiuw-n- i' Am 17. Juli schrieb El Socialista:„Sie konspirieren.wieder. Sic mobilisieren aufs neue ihre Truppen. Was kann geschehen nach all den Lehren, die der Bolkswille ihnen gegeben hat? Nur eines: Daß die nächste Lektion endgültig sein wird. Endgültiger, wirksamer und härter als die des 14. April, da sich Spanien die Republik eroberte. Endgültiger, wirksamer und härter als die des 13. Februar, da der Volkswille diese Republik befestigte"..— Am selben Abend brach der Militärausstand los. Sie hatten nüt allem gerechnet, die faschistischen Generale: Mit dem Offizierskorps, das wie ein Mann zu ihnen stehen würde;' mit dem blinden Kadavergehorsam der Truppe; mit der Polizei und der Guardia Civil, mit der Sympathie dos Mittelstandes und mit dem Bruderkampf im Proletariat:„Der Aufstand Ist nicht bloßes Recht, sondern heilige Pflicht", so ließen sie durch den Klerikofaschistcnführer Gil Nobles verkünden:.„Wir müssen diese Karte spielen und sie gewinnen." Ohne Zweifel: Diese Karte Militär war ein großer Trumpf. Die. fähigsten'.Offiziere standen im Sold des Faschismus: Franc o, der Stolz der spanischen Generalität, Mola, der Held des Marokkokrieges, Q u e i p o de I ll a n o, der kühne Draufgänger, und ein Dutzend anderer ausgezeichneter Generalstäbler. Sie haben, als Gil Nobles noch Äriegsminister war, unter seinen Auspizien Manöver vor den Toren der„roten" Hauptstadt abgchalten, mit keinem anderen Ziel als der Vorbereitung einer eventuellen Aktion gegen Madrid. Sie haben die„sicheren" Garnisonen mit den besten Waffen ausgerüstet.' Auf den der Hauptstadt vorgelagerten HLhonzü- gen wurden betonierte Unterstände geschaffen. Geld wurde gesammelt und der Klerus mobilisiert. Historische Reminiszenzen: die Äarlistcn- bowegung gegen die liberale Zentralvcrwaltung in den abgelegenen Bergprovinzen zum neuen Leben entfacht. Wer mit allem war der spanische Faschismus doch nicht zur Massenbcivegung geworden, und daran sollte der Militärausstand scheitern. Denn Spaniens Massen sind von wildem Freiheitsdurst, beseelt und. Freiheit ist mehr wert als eine gute Armee. Ja, wie sich zeigte, weißsich dicFreih eit sogar ohne W a f f e n z u v e r t e'.i d i-g c n:.Und das ist '•bte große, die herrliche Lehre, die Spanien in diesen bewegten Tagen Europa bietet. Gebannt starrt der Kontinent auf die kriegerische Rüstung und Organisation der faschistischen Staaten, diese große Kriegsmaschine, von der mancher glaubt, sie müsse, einmal losgelassen, die demokratischen. Länder überrennen. Zweimal, dreimal schon hat die Geschichte den Gegenbeweis geliefert, daß Technik und Robustheit von der fortgeschrittenen Ideologie aufs Haupt geschlagen werden können. Aber das liegt zu tveit zurück, als daß der bange Kontinent das noch gelten lassen könnte. Es mußte aufgcsrischt werden: Das ist die historische, weltumspannende Mission der spanischen Freiheitsbewegung. Ihr Schlachtruf: „No Pasaran"—„Sie kommen nicht durch!" Ivird zum Schlachtruf des frciheilSliebcnden Europa. Wie war es hier? Ei» Land, ein ganzes Land, besetzt und in Schach gehalten von einem glänzend geführten, glänzend ausgerüsteten Militär. Alle Garnisonen, alle ohne Ausnahme, int Ausstand. Am 18. Juli, um fünf Uhr früh, begannen im Madrider Kricgsministerium die Meldungen einzulaufcn: Die Truppen in Spanisch-Marokko haben sich erhoben. Ein Teil der Fremdcnlcgionäre und Eingeborenen-Soldaten nach' dem Festland überführt. Sevilla, die Hauptstadt des Südens, in der Hand der Aufständischen. Mit ihnen sind alle großen Garnisonen Andalusiens: Cordoba, Granada, der Kriegshafen Caragena, und ein Dutzend anderer wichtiger Städte. Der ganze Norden ein Auf- standsherd: Von La CorUlta, dem befestigten Hasenplatz biß Segovia, dicht vor den Toren Madrids, und Zaragossa, dem beherrschenden Knotenpunkt im Osten der Halbinsel. Die Garnison von Barcelona im Begriff sich zu erheben. Die von Toledo, 60 Kilometer südlich von Madrid, gewillt, auf die Hauptstadt loszumarschieren. Die Kasernen Madrids auf dem Sprung, loszuschlagen: Worüber verfügen tvir eigentlich? fragte der Kriegsminister. Die Ant- wort war so niederschmetternd, daß die Regierung zurücktrat, einer anderen Platz zu machen, die mit den offensichtlich siegreichen Aufständischen zu einem unblutigen Kompromiß kommen könnte. Die Fenster der öffentliche» Gebäude wurden mit Sandsäcken verbarrikadiert. Auf den Dächern des Kriegs- und MarinoministeriumS bezogen Sturmpolizei und Guardia Civil mit Maschinengewehren Aufstellung. Die Masten durchzogen die Straßen und schrieen nach Waffen: Was können wir ihnen geben? fragte der Kricgsmini- fter. 400 Gewehre, wurde ihm geantwortet. Die übrigen befanden sich in den Kasernen in dem sicheren Gotvahrsam der rebellischen Offiziere. ES begannen die Meldungen von den ersten Füsilierungen von Arbeitern und linken Politikern aus der Provinz einzulausen. Madrid Ivar eingekreist und aus dem Innern bedroht. Barcelona schien fast verloren. Und sonst gab es keinen, keinen festen Punkt. Verhandeln und kapitulieren — der 14. April, da die Republik heraufzog,: ■ und der 16.. Februar> dieses Jahres, da die' Volksfront die Herrschaft in Spanien übernahm,' verloren, aus dem Buche der- Geschichte gestri-' cheni' DaS Heldenlied der spanischen Freiheitsbewegung hat nun schon viele erhebende, herzer-: frischende Strophen: aber keine-so gewaltige mehr wie die Kühnheit des AnfangSgesangeS.' In' dieser verzweifelten, völlig- hoffnungslosen: Situation, die keinen anderen Ausweg wies als . den der bedingungslosen Nebergabe: fand sich;eine' Handvoll entschlossener Männer,:daS Ruder her-' ! umzureißen. Rechte und. linke Sozialisten, Kom- muuisten und Anarchisten.—. Totzsöindc gestern: noch— traten eins und entschlossen, der Kapitu- l lation entgegen.■'<'" 1*", Prieto vor allem, gestern noch als re-. f o r m i st i. s ch e r Sw.'zli/a büst:geschmäht,'' wies den Weg: Die 400 Gewehre in die'Hände s von vierhundert Arbeitern,'und-rasch-gehandelt. Rasch ist- nicht das richtige. Wort:«. Blitzschnell' 1 muß cs heißen: Die Kompromißlösung'hatte nicht. ' einmal.Zeit,.Gestalt iniden Köpfen, anzunchmen,- da war sie'schon abgetan, und die- Regierung, ' die-sie durchführen.sollte,, war cs gar nicht erst vergönnt, in den Ministerien Platz zu nehmen:: Minuten, nachdem sie gebildet, war sie auch schon durch:die^ Regietung. der-Abwchr. ersetzt hinter; Erfolge vor Saragossa Eroberte Schlüsselstellungen/ Aufständische auf der Flucht Pari s. Die spanische Regierung teilt' mit, daß an der Guadarramafront nördlich von Madrid die Erfolge der R»gi«ungStruppen sich bestätigen und daß sich im Süden die Abteilungen der Regierung Cordoba nähern. Die Regie- rungSkriegsschiff« setzen die Beschießung des südspanischen HafenS Algeciras fort, utn einen weiteren Transport' marokkanischer Aufständi- schen-Abteilnngen nach Spanien zu verhindern. Im Norden hat NegierungSmiliz den Ort Lugonez in Asturien in der Umgebung von Oviedo erobert. Katalanische Miliz hat stch Saragossa bIS auf 20 Kilometer genähert. ,»> Die Sozialisten und Kommunisten haben eine neue Miliz gebildet, die bereits auf Saragossa der portugiesischen Grenze. Sie bezeichnen diese Stadt als den Schlüssel zum Wege nach Madrid. Bajonne.(HavaS.) Die Nachricht, daß San Sebastian.seit Montag vollkommen ohne Trinkwasser ist, wird bestätigt. ES sei den Aufständischen gelungen, sich sämtlicher Quellen in dem' sogenannten Abschnitt' der„Drei Kronen" zu bemächtigen. Senerale vor dem Volksgericht Barcelona. Das Militärgericht begann Dienstag den Prozeß gegen die' zwei AusstäNdi- sthen-Generale Goded und Buriel. Die., beiden Angeklagten erklärten, daß die Aufständischen» Bewegung nicht gegen die Republik,.sondern gegen die Anarchie in Spanien und gegen die rote Dik- tatur gerichtet sei. Beide bestreiten, daß sie Führer des Aufstandes gewesen, wären und erklären, daß sie, sich erst über wiederholtes Ersuchen, zahlreicher' Offiziere an die Spitze der Bewegung in Barcelona gestellt hätten.- Demgegenüber führten zahlreiche Zeugen in. ihren Aussagen an, daß di- beiden Generäle seit dem Beginn der. Bewegung a n d e r S p i tz e. de S A u fst a n- d e s gestanden hätten. Der Staatsanwalt forderte für die beiden Angeklagten die TydeSstrafe.. Die Verteidiger-führte» qn,-daß.die Angeklagten vom:ju- rsstMen Standpunkte ans,zu-,höchstens 12 Jahren ,Gefängnis, verurteilt' werden' könnpn/.; -■-. Man nimmt an, daß das Militärgericht beide Generale z»m Tode--.verurteilt,--daß jedoch-das .Uxteiperst>'Ü» letzte»'-Augenblickegefällt-.werden wird, wenn die Bestätigung seitens der Madrider Regierung erfolgt ist. Dan» wird das Urteil'den Berfeldigern mitgeteilt werden. D^ Verurteilten werden- ivqhrscheinlich Mittw.öch: früh erschossen lverdc»,..... Reuter gegen die Gräuelhetze Madrid.(Reuter.) Dir RegierungS» pressr teilt mit, daß die Aufständischen überall Niederlagen erleiden. Nach den Rundfunkkund- gebungen der Regierungsfaktoren entwickeln stch di« Ereignisse für di« Republik günstig. Soweit bekannt ist, fügt der Reuterkorrespondrnt hinzu, werden in Madrid nicht-jene Greueltaten verübt, livie vielfach die Blätter schreiben!. Oer welBe Terror wütet Madrid. Der sozialistische Abgeordnete Bidarte bestätigte daS Gerücht, daß der sozial!-' stische Abgeordnete Jost Andres von den Aufständischen in Salamanca auf der Plaza br ToroS gehängt wurde. Erfolgsmeldungen der Rebellen Hendaye.(HavaS:) HaS Ziel'des DicnS- tast morgens von.den Aufständischen eingesetzten Angriffs ist,, wie es heißt,die' Eroberung der strategischen"Punkte,' welche- die RegierungS- truppen im Nörden-besetzt halten. Es heißt, daß di« Regierungstruppen die Stadt T-olo s-a^ geräumt haben/: Sie. wollen damit das, Eindringen- der’■ Aufständischen in die Stadt: erleichtern, um sie dann besser iauftteiben zu können.'' Der.Ausständischen-General M o lia hat den- Auslandsjournalisten den Zutritt zu der Guadar- ramafröstt'-vervvtcn.-' was- dafür ,z»t'sprechen scheint, daß-hier-eine neue Osfensiüe vorbereitet wird. Die Aufständischen versprechen sich/biel von der. baldigen^.Einnahme.der...Stadt' Pedajaz. an marschiert. In der Zone zwischen Saragossa und Hueöca haben RegiernngStruvpen nach sieben» stündigem Kampf« den MonteAragon erobert. Di« Aufständischen hatte» hierbei große Verluste zu verzeichnen Die RegierungStruppen haben.nach hartnäckigen Kämpfen die Gemeinden C e l-f a, P i n a und O s e r a an der Saragossa-Front erobert. Oberstleutnant Sandln» teilt mit, daß Bombardierungsgeschwader erfolgreich an dec aragonlschen Front eingegriffen haben. Zahlreich« Aufständische flüchten in der Richtung auf Saragossa und sprengen auf der Flucht alle Brücken. Seife 2 Mittwoch, 12. August 1030 Nr. 187 der P rieto als Organisator und leitender Kops steht. Und in derselben Minute begann der Alarm in den Arbeitervierteln der Städte und den Bauernorgantsationen des flachen Landes. Die, UGT, die sozialistsiche Gewerkschaft, rief zum Generalstreik überall da auf, wo die Aufständt» scheu bereits die Macht übernommen hatten. Bor den Volkshäusern- Madrids und der wenigen freien Städte strömten die Massen zusammen, die Massen zu empfangen. Bo>n Ackerbauministerium wurde ins Land gerufen:— und dieses Dolnment gehört zu den ergreifendsten Kulturproklamationen der Menschheit—: „Spanische Bauern: In: Name» des ehrenwerten Herrn Ackerbauministers sage ich Euch: Die Republik ist in drohender Gefahr gewesen. Sie ist es nicht mehr, denn das Bolt mit seinem uiiübertvindbaren Geist hat sie gerettet. Aber noch bleibt viel aufzuräumen, und bei dieser Arbeit sollt Ahr dabei sein, Bauern. Denn in dieser Tragödie, die die schändlichsten Gelüste der privilegierten und antidemokratischen Klaffen entfachten, geht es nicht allein um die Freiheit und die bürgerliche Würde iedes Spaniers, sondern auch um fei» Brot und das seiner Kinder, um die Erde, das Land, das die Republik Euch zu geben Im Begriffe ist niit der Zärtlichkeit und dem Eifer, mit dem ein Vater um die Zukunft seiner Kinder sorgt. Dieses Land wird Euch bestritten, Bauern von den Auen von Guadiana, Bauern von den Fluren von Eordoba und Jerez, von den Ebenen von Calatrava und Montiel, Bauer» von der Erde von Campos und Barros, Bauern alle, gleich ob Ihr in den Tälern wohnt ober auf den Gipfeln, in den Fruchtgärten ober in den Hürden: Alle, alle seid Ihr in Gefahr. Deshalb rnfe ich Euch auf: Ihr sollt wie ein einziger Mann, mit guten oder schlechten Waffen, wie Ihr sie gerade habt, in einer einzigen gewaltigen Masse wie ein Fels über sie herfallen— so wie . in dem Drama von Lope be Bega die von Fuen» teovesuna losgegangen sind gegen den elenden Eomendador, der heute Lebe» und Gestalt angenommen hat in diesem skrupel- und gewissenlosen Militarismus. Erhebt Euch, Bauern; eilt zu Tausenden aus allen Dörfern, Weilern und Gehöften genen die Stadt, die noch in der Macht der Aufständischen ist. Eure Gegenwart, die bie Gegenwart der Opfer des Feudalismus ist, wirb jene Gesellen erzittern laffen, fo das; ihre Finger nicht die Kraft finden, den Hahn am Gewehr abzudrücken. Schon ist die Republik gerettet, Bauern, aber Im Namen der Herrn Ackerbauministers wünsche ich, das; auch Ihr am letzten Stoff mithelft, daff er Euch gedankt wirb. Organisiert Euch ein wenig; seht Euch ins Einvernehmen mit den Zonen rings um die rebellische Stadt, und dann auf über siel Und dann wird man sagen ■ können, daff die Republik ihre Rettung nicht allein . in de» legalen Truppen schuldet, für die unsere Dankbarkeit ewig ist, sondern vor allen» dem glorreichen antifaschistischen Geist der Arbeiter und Bauern Spaniens. Wenn,,sie, überhaupt Massen haften, so wü° ren es mehr schlechte als gute: Mit Sicheln und Sensen, langen Stöcken, oben mit einer metallenen Hacke belvehrt, wie die Hirten sie brauchen, und alten Säbeln und Degen aus her Zeit der fahrenden Ritter, so käme»» die B a u e r n a u S der Levante in Madrid an. Und was außer den erlvähnten 400 Gewehren, über die die Regierung verfügte, und den Vorräten in den sofort requisierten Waffengeschästen am ersten und zweiten Aufstandstag in Madrid an Waffen zur Schau getragen lourde, das konnte mehr Ehrfurcht als Furcht einslößen, und die Generale hatten auch keine Furcht: Ihre Kräfte waren gezählt, die räumliche Verbreitung ihrer Bewegung gemessen— ein Spaziergang schien der Weg nach Madrid zu werben. Sie erlvarteten die vollständige Kapitulation^ Priet o gab ihpen die Antwort und der Abwehrbewegung ihre große, feierliche: Losung: „Kapitulation erwartet nicht.' Leichen könnt Ihr finden. Aber Gefangene werdet Ihr keine machen," (Ru) Was die heutige europäische Situativ»» von jener vor etwa einem Jahre unterscheidet, ist die Tatsache, daß heute nicht nur Deutschland, sondern auch alle anderen europäischen Staaten in raschem Tempo aufrüsten. Worin aber alle fachmännischen Beurteiler a»»SnahinSloS übereinstimmen, sind die riesigen Ausmaße, in denen die britische Aufrüstung lvährend des letzten Halbjahres betrieben wird: Englands Aufrüstung erreicht schon heute ungefähr das Tempo" von 1014/15. Die britische Flotte wird nicht nur quantitativ bedeutend vergrößert, sondern sie wird auch von oben bis unten umgebaut. Die Luftflotte besttzt schon jetzt 1750 Flugzeuge erster Linie mit allen nötigen Reserven. DaS bedeutet, baß jedes Flugzeug erster Linie mindestens drei Ersatzflugzeuge in der Reservelinie hat. Automobilfabriken sind in Flugzeugwerke Verivandelt worden, so daß inan heute die jährliche Produktion Englands auf mindestens 3000 Flugzeuge schätzt. Die englische Kriegsproduktion steht mengenmäßig heute noch hinter der deutschen, aber sie niinmt ständig zu und wird bestimmt bie deutsche bald einholen. Man erwägt in England Pläne zur Einführung der a l l g e» meinen Wehrpflicht in irgendeiner Form. Alle Männer bis zu 50 Jahren sind inzwischen für die Luftabwehr registriert, und alle gedienten Soldaten bis zu SO Jahren werden auch in Evidenz gehalten. 52 neue Munitionsfabriken arbeiten Tag unb Nacht an der Verfertigung von Kriegsmaterial. Nach langen und kostspieligen Versuchen hat man endlich ein neues GasmaSken-Modell erfunden, das angeblich allen Anforderungen gewachsen ist und heute in Millionen Exemplaren verfertigt wird. Die englische Kriegsindustrie wird allmählich vom Süden nach Italien natürlich neutral... Kommentar: die 18 Bomber für Franco! P a r i s. Dienstag nachmittags traf a»n Quai d' Orsatz die Antwort der italienischen Regierung ein, die, wie verlautet, weit günstiger ist, alS erwartet wurde und sowohl auf daS Reutra- lifätopriuzip,. als auch auf.die,Details deS, s>- pla Ilten Abkommens positiv erwidert. Italien denkt nicht daran, den französischen Tert zu. korrigieren, sondern will ihn vornehmlich bezüglich der verstärkten Kontrolle der Neutralität und Nichtintervention vervollständigen. Bestrafung der Italienischen Flieger Ndjda, Franz.-Marokko. sHavas.f DaS Strafgericht verurteilte die italienischen Piloten, die am 80. Juli in Saidia gelandet sind, zu einem Monat Gefängnis und zu 200 Francs Buße. Sie. wurden schuldig erkannt, Waffen und Kriegsmaterial befördert zu haben und außerdem hatten sie zum Ueberfliegen Französisch-Marok- Und die Volksfront wurde zur wirklichen Front, an der der Ansturm des feindlichen Militärs zerschellen Mutzte. Die Union der städtischen und.dörflichen Freiheitstruppen, jene echte Union facti, war wieder aufgestanden, die im Ernstfall immer wieder die bestgeschulte, bestgeführte, bestgerüstete Reaktton vernichtet. Norden und nach Schottla»»d verlegt. Riesige Vorräte der wesentlichsten Rohstoffe und Lebensmittel werden in speziell gebauten Lagern aufgestapelt. Es ist ein umfassender Plan für die Verlegung des gesamten aus- und einlaufenden Seeverkehrs nach den besser geschützten Häfen des Westens ausgearbeitet. Es ist klar, daß alle diese Vorbereitungen der Aufmerksamkeit Deutschlands nicht entgangen sind. Aber man will anscheinend in London die britischen Kriegsvorbereitungen gar nicht verbergen. Man stellt sie, im Gegenteil, zur Schau: inauwill nämlich Hitlerdeutschland sehr eindringlich beweisen, daß ein neuer Krieg mit großem Risiko verbunden sein wird. Allerdings, verschließt man sich in London auch nicht der Möglichkeit, daß die britischen Kriegsvorbereitungen den Kriegsausbruch beschleunigen können, in dem Falle nämlich, wenn Berlin sich bereits unbedingt zum Krieg entschloffen haben sollte und England zuvorkoininen will. London.(DNB) Wie der Marinekorre- spondent des„Dailtz Telegraph" berichtet, wird die Neuordnung und Verstärkung der britischen Flotte angesichts der beschleunigt«» Durchführung der Bauarbeiten auf sämtlichen Werften zu einem erheblich früheren Zeitpunkte durchgeführt sein, als ursprünglich angenommen wurde. Schon in naher Zukunft wird die britische Heimatflotte durch ueun Zerstörer deö Bauprogramms 1035 und fünf neue Kreuzer mit einer Wasserverdrängung von je 0000 Tonnen und einer Geschwindigkeit von 32 Knoten verstärkt werden. Die veranschlagte Bauzeit wird bei den Kreuzern um niift weniger als sechs Monate verkürzt werden. Diese Schiffe sollen au die Stelle von veralteten Fahrzeugen treten. kos keine Bewilligung. Das Gericht verfügte, daß die Waffen und die Flugzeuge konfisziert werden. Barcelona. In Paris sind zwei Flugzeuge aus Madrid cingetroffen, die weitere Goldsendungen im Gewichte von 2558 Kilogramm an Bord haben. Das Gold wurde in der Bank von Frankreich hinterlegt.>->ui:v.»in»; Ole fremden Kriegsschiffe an Spaniens Küste Nach- Eintreffen der beiden deutschen Torpedoboote„Möve" und„Kondor" in den spanischen Küstengewäffern befinden sich dort an deutschen Kriegsschiffen zwei Panzerschiffe, ein Kreuzer und sechs Torpedobote. Die langen spanischen Küsten haben die Staaten zur Entsendung möglichst zahlreicher Kriegsschiffe veranlaßt. So haben in die spanischen Gewässer entsandt: England zwei Schlachtschiffe, einen schweren Kreuzer init20,8-Zentimeter-Geschützen, zwei leichte Kreuzer mit 15-Zentimeter-Geschützen, vier Flotil- len-Fllhrerboote und sechzehn Zerstörer, ftcanb Englands gigantische Aufrüstung Der Mexikaner Felipe Rivera Von Jack London Dennoch war es Vera, der die andern überredete, Rivera die erste, Vertrauen erheischende Ausgabe zu stellen. Die Verbindung zwischen Los Angelos und Niederkalifornien war unterbrochen. Drei von den Kameraden hatten ihre eigenen Gräber graben müssen und Ware»» dann erschoßen worden. Zivei weitere saßen als Gefangene der Bereinigten Staaten in Los Angeles. Juan Alvarado, der Bundesgeneral, durchkreuzte all ihre Pkäne. Sie konnten nicht mehr mit den aktiven Revolutionären und mit den erwachenden Kameraden in Niederkalifornien in Verbindung kom- men. Der junge Rivera erhielt seine Anweispn- gen und wurde nach dein Süden geschickt. Als er widerkam, war die Verbindung wiederhergestellt und Juan Alvarado tot. Er war mit einem Dolch in der Brust in seinem Bett gefunden worden. Das ging über die Rivera erteilten Anweisungen hinaus, aber man fragte ihn nicht, und er sagte nichts. Azer sie sahen sich an und dachten sich ihr Teil. „Ich habe es euch gesagt", meinte Vera. „DIaz hat von diesem jungen Mann mehr zu fürchten als von irgendeinem sonst. Er ist unversöhnlich."- DaS gefährliche Temperament, von dem Mah Sethby gesprochen, und das jeder von ihnen bemerkt hatte; offenbarte sich auch in anderer Beziehung. Bald erschien er mit zerrißener Lippe, bald mit einer blau und braun geschlagenen Backe, bald mit einem geschwollenen Ohr. Es war klar, daß er iraendivo in der Welt, wo er aß und schlief, und sich Geld verschaffte und ein Leben führte, von dem sie nichts wußten, daß er in jener Welt ost Streit hatte. Rach einiger Zeit wurde er Seher an dein revolutionären Wochenblättchen, das sie Herausgaben. Gelegentlich war es ihm Nicht möglich, zu setzen, weil seine Knöchel abge- schürst und zerschlagen, seine Daumen zerquetscht und hilflos waren, oder weil seine Arme schlaff herabhingen, während sein Gesicht sich in stummem Schmerz verzerrte. „Eii» Straßenjunge", sagte Arrellano. „Ein Säufer und Raufbold", sagte RamoS. „Aber wo kriegt er das Geld her?" fragte Vera.„Ich habe gerade eben erfahren, daß er die Papierrechnung bezahlt hat— hundertundvierzig Dollar." „Er Ist ja ost weg", sagte May Sethby, „und gibt nie eine Erklärung dafür." „Wir sollten ihn beobachten",, schlug Ramos vor. „Der Spion möchte ich nicht fein", sagte Vera.„Ich fürchte, ihr würdet mich nie Wiedersehen, außer bei meiner Beerdigung." „Ich komme mir ihm gegenüber immer wie ein Kind vor", gestand RamoS. „Für mich ist er eine Macht— der wilde Wolf— die zustoßende Klapperschlange", sagte Arrellano. „Er kennt niemand", sagte May Sethby. „Er haßt alle. Er ist allein... einsam." Riveras Tun und Treiben war wirlltch ein Geheimnis. Es gab Zeiten, in denen sie ihn eine ganze Woche lang nicht sahen. Einmal blieb er einen ganzen Monat perschwunden. DaS war um so rätselhafter, als er bet seiner. Heimkehr stets still und ohne ein Wort zu sagen/ Goldstücke auf Ma») Sethbys Pult legte. Tann verbrachte er wieder Tage und Wochen seine ganze Zeit bei der Junta. Und dann konnte et wieder aus ungewiße Zeit vom frühen Morgen bis zum Abends verschwinden. In solchen Zeiten kam er spät und) blieb lange. Arrellano hatte ihn um Mitternacht gesehen, wie er.mit geschwollenen Knöcheln und einer zerrissenen, noch blutenden Lippe" am Setzkasten stand. n. ■ Die Entscheidung näherte sich. Ob eS zum Aufstand kommen sollte oder nicht, hing von der Junta ab, aber die Junta befand sich in großer Verlegenheit. Der Geldbedarf war größer als je, und dabei wurde es iininer schwerer, Geld zu beschaffen. Die Patrioten hatten ihren letzten Cent hergegeben und besaßen nichts mehr. Die in der Verbannung lebenden Arbeiter gaben die Hälfte ihres kargen Lohnes ab, Aber man brauchte mehr. Die jahrelange anstrengende Arbeit der Revolutionäre sollte bald Früchte tragen. Die Zelt war gekommen. Noch ein Stoß, noch eine letzte, heldenmütige Anstrengung, und der Sieg. war sicher. Sie kannten ihr Mexiko. Einmal in Gang gebracht, nahin die Revolution von selber ihren Lauf. Die Grenzgebiete waren zum Aufstand bereit. Ein Amerikaner wartete mit hundert Mann auf ein Wort, uni die Grenze zu überschreiten. Aber er brauchte Gewehre. Im ganzen Lande bis zum Atlantischen Ozean unterhielt. die Junta Verbindungen, und alle brauchten sie Gewehre, Abenteurer, Glücksritter, Banditen, enttäuschte amerikanische Unionisten, mexikanische Berbannte, der Sklaverei entflohene Personen, Minenarbeiter, die in den Gefängnissen von Coeur d'Alene und Colorado ausgepeitscht und deshalb besonders rachgierig und kampflustig waren— Wracks und Strandgut wirrer Geister aus der tollgewordenen .Welt.. Gewehre und Munition! Gewehre und Munition! Danach riefen sie alle unaufhörlich.' Wurde diese bankerotte; rachgierige Bande' über die Grenze geworfen, war die Revolution sofort im Gange. Die Zollämter, die nördlichen Einfuhrhäfen wurden erobert. Diaz mußte die Hauptmacht seines Heeres im Süden des Landes halten, denn auch im Süden würde der Aufruhr beginnen. Stadt auf Stadt mußte sich ergeben. Staat auf Staat wanken unb zusammenstürzen. Und zuletzt kam der Marsch der siegreichen Revolution nach der Hauptstadt Mexiko: Aber das Geld I Die Männer hatten sie, und kür die spanische Demokratie Beratungen der Gewerkschaften Paris. Der Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes S ch e v en e IS, der Generalsekretär des Allgewerkschaftlichen Arbeitsverbandes in. Frankreich I o u h a u x, der Vorsitzende der Liga für Menschenrechte Profeßor B a s ch, und die Führer der Linken sowie französische und ausländische Schriftsteller haben für Donnerstag nach Paris eine„Europäische Konferenz zum Schutze des Friedens" einbecufen, zu der sie Vertreter der LinkSorganlsationen aus zahlreichen Staaten eingeladen haben, um über die(Situation in Spanien zu beraten und über „wirksame Maßnahmen zur Verteidigung der Demokratie und des'Friedens" zu debattierest. reich: einen Flugzeugträger, zwei schwere Kreuzer, drei Flotillenführer und fünf Zerstörer. Italien einen schweren Kreuzer, zwei leichte Kreuzer und vier Zerstörer. Deutsches Flugzeug in Spanien gelandet? Madrid.(HavaS.) Meldungen aus privater Quelle zufolge landete am 0. ds. ein deutsches dreimotoriges Flugzeug des.Typs„Junkers" in der Gemeinde Barajas de Madrid in der, Nähe von Madrid, flog jedoch sofort weiter. Wegen Benzinmangels war aber das Flugzeug genötigt, bei Azuaga in der Provinz Badajoz zu landen. Seine aus drei Deutschen und einem Spanier bestehende Besatzung wurde von spanischen Regie- rungssliegern angehalten. Die Beschlagnahme der deutschen Flugzeuge in Madrid ist später aufgehoben worden. Dan Chirurg und seine Vorbilder Lissabon.(Havas.) Der Oberkommandant der aufständischen nationalistischen Armee General Franco erklärte gegenüber dem Reuterkorre- spondenten in Liffabon:„Wenn wir zum Siege gelangen, fiihren wir in Spanien ein Regime auf Grundlage des KorporativiSmuS ein, ähnlich'wie es in Portugal, Deutschland und Jt a- l i e n besteht. Die Armee spielt heute die Ausgabe des Chirurgen, der sich das Ziel gesetzt hat, Spanien vor dein sicheren Tode zu retten. Und diese Operation in der Form der Militärdiktatur wird solange dauern, solange das notwendig sein wird, " Kammer ohne Ferien Paris. DaS französische Parlament arbeitet beschleunigt an wichtigen Borlagen, die am Donnerstag definitiv erledigt sein sollen. ES handelt sich hauptsächlich u»n die Verstaatlichung der, Erzeugung von Kriegsmaterial, die Errichtung einer StaatSgetreideverkehrsanstalt, eine Kredithilfe für Kleinlandwirte, Gewerbetreibende und Kleinindustrielle, die Neuregelung der vorzeitigen Pensioiliettmg von Staatsangestellten und uin außerordentliche Staatsbudgetausgaben. Die.Kammer nahm in ihrer dienstägigen Bormittagssitzung den Gesetzentwurf betreffend Verstaatlichung der Kriegsmaterialproduktion'fy» der vom Staat genehmigten Fassung ohne Debatte in dritter Lesung an. die warteten ungeduldig auf die Gewehre. Sie kannten die Händler, die ihnen die Gewehre verkaufen und liefern sollten. Aber die Junta hatte ihre Kräfte erschöpft. Der letzte Dollar war ausgegeben, die letzte Hilfsquelle, der letzte hungernde Patriot ausgesogen, und die große Sache schwebte immer noch zitternd auf der Waagschale der Entscheidung. Gewehre und Munition i Die zerlumpten Bataillone mußten bewaffnet werden. Aber wie? Ramos' wehklagte über fein konfisziertes Eigentum.. Arrellano bejaMnierte die Verschwendung, die er, in seiner Jugend betrieben hatte. May Sethby grübelte, ob nicht alles besser gegangen wäre, wenn die Mitglieder der Junta früher sparsamer gewesen wären. „Der Gedanke macht mich wahnsinnig, daß die Freiheit Mexikos mit ein paar tausend elenden Dollars stehen und fallen soll!" sagte Paulino Vera. Die Gesichter aller drückten Verzweiflung aus. Josö Amarillo, ihre letzte Hoffnung, ein erst jüngst Belehrter, der ihnen Geld- versprochen hatte, war auf. seiner Hacienda in Chihuahua ergriffen und an seiner eigenen Stallmauer erschossen worden. Die Nachricht war gerade. gekommen.' Rivera, der auf den Knien lag und den Fußboden, scheuerte, blickte auf, den Scheuerlappen in der Hand und die bloßen, Yon schmutzigem Seifest« wasser bespritzten Arme auSgestreckt. .„Würden fünftausend genügen?" fragte er. Sie starrten ihn an. Vera nickte untz schluckte. Er konnte kein Wort hervorbringen, aber eine neue Hoffnung belebte, ihn, „Bestellen Sie. die Gewehre", sagte Rivera, und dann leistete er sich die längste Rede;'die sie je von ihm gehört hatten.„Es ist nicht, viel Zeit. In drei Wochen bringe ich euch die fünftausend. Das ist früh genüg. Dann ist es wärmer für die,, welche kämpfen sollen. Und schneller käNn ich es auch nicht machen." ''Daraus geht nun hervor, daß ' die Auswanderung«in Problem bleibt» dessen organisatorische Lösung eine erheblich« Erlrich- terung unserer durch di« Krise heraufbeschwo- ' reuen sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten bringen würde. Welche Folgen die andauernde Hartnäckigkeit der Arbeitslosigkeit mit sich bringt, wurde vor einiger Zeit, im.„Sozialdemokrat" besprochen.. Dort würde nachgewiesen, daß jene, die bei den Sommersaisonarbeiten. Beschäftigung. fanden, einem erheblichen Lohndruck ausgesetzt sind: 65.1 Prozent aller Beschäftigten, also etwa 1,298.000 Personen, verdienen bis höchstens 18 KL täglich Kein Wunder, wenn vor den Arbeitsplätzen noch iisimer über 500.000 Personen auf Arbeit warten».von denen tausende bereite sind, auch um den kärglichsten Lohn zu schuften und so auf den Lohn drücken...., Zu den zweifellos großen und teilweise erfolgreichen Bemühungen unserer Regierung im Jnlande. Arbeit zu schaffen, muß daher«ine großzügige Organisation der AuSwanderungSfärde- rung treten. Unser AuSwandtrungSgesetz,. das bisher die Auswanderung stark'gehemmt.hat, ist vor einiger Zeit novelliert worden. Die Novellierung sieht Erleichterungen hinsichtlich der Genehmigung durch daS.zuständige Ministerium vor bet der Anwerbung von Ansiedlern^ für das. Ausland und. bei der Bildung von Gesellschaften, die sich mit der Anwerbung befassen/ Diese, wenn auch etivaS kargen Erleichterungen dürsten einigermäßen belebend auf-die Auswanderung wirken. . Dabei kann e? aber nicht bleiben. Wir haben xinExptzrt.institut,. dessen Ausgabe es ist, Absatz- märkteftür unsere Jndustrieprodukte ausfindig zu Mächen». Gerade diese? Institut eignet sich vorzüglich zur 5 Auskundschaftung von Arbeitsplätze» und KplonisterungSmöglichkeiten im Auslandes vor allem in den überseeischen Staaten: ES sollt- ihin daher von stäatSwegen diese?' Arbeitsgebiet pflichtgemäß übertragen werden.' Die Folgen des Aufstandes für die spanische Wirtschaft ,(AP) Angesichts der Länge des spanischen Bürgerkrieges machen sich schon erhebliche Ivirt- schaftliche Folgen bemerkbar. Was die Land-- wirtschaft anbelangt/ so äst allerdings tvesentlich, daß die- für den/Export, wichtigsten: landwirtschaftlichen- Gebiete im Osten, am Mittelmeer--äm wenigsten von den Unruhen berührt worden, sind.' Die Südfrüchtekultur hat bisher kaum gelitten, UNd das gleiche kann auch vom Weinbau-gesagt werden. Schwierig ist dagegen bereits die Lage der Viehzucht-auf der spanischen Meseta, da gerade dort, nördlich, der Guadarrama- die^eigentlichen Kämpfe- stattgesunden haben. Wie tveft die Schafherden gelitten haben,' steht mach nicht'fest. Groß dürften die Schäden in dem landwirtschaftlich reichen Andalusien'sein, so daß hier die Folgen fsip den' spanischen Export empfindlich sein' löntten? 1 Nicht unbedenklich sind die Rückwirkungen auf dey Bergbau. Am eigentlichen Bergbaugebiet haben zwar keine Kämpfe stattgefunden, doch sind- in Asturien zahlreiche Arbeiter- in die Milizen eingctreten, und außerdem kam es zu umfangreichen',Streiks. Am schwersten ist jedoch die spanische Industrie betroffen, insbesondere die junge Textilindustrie von Katalonien, die im Rohstoffbczug ganz vom Ausland abhängig und im Absatz stark auf den Export angewiesen ist. Sie konnte'die Sanktionen benutzen,' um einen Teil der italienischen Märkte für sich zu erobern. Nach Aufhebung der Sanktionen trat ein verschärfter Wettbewerb mit Italien ein, dm Spanien unter den gegenwärtigen Umständen naturgemäß nicht durchhalten kann. Die Ereignisse haben auf den Pesetakurs bis jetzt keinen großen Einfluß ausgeübt. Dem stehen zunächst einmal di« Devisenbestimmungen entgegen. Außerdem würden die Goldvorräte noch mehrere Jahre hindurch das Passivum der Handelsbilanz decken. Dazu kommen in normalen Zeiten.auch die Eingänge aus dem Ausland, insbesondere von Saisonarbeitern, ein Posten, der auch für Italien stets ziemlich viel ausgemacht hat. Nur eine verstärkte Kapitalflucht könnte einen Zusaminenbruch der Peseta herbeiführen. Gefährlich ist jedoch das rasch anlvachsende Defizit deS Staatshaushaltes, das in den letzten Wochen außerordentlich gestiegen Ist. Dies Moment ist jedenfalls viel bedrohlicher als die Devisenknappheit. Alles hängt davon ab, wie lange der Kampf noch andauern wird und ivie er auSgeht, wie sich die Verhältnisse anschließend gestalten ivcrden. Daß der Bürgerkrieg dem Lande tiefe Wunden schlägt, ist nicht zu bezweifeln. Die kroatische Frage. In Kürze wird ein Prozeß gegen 20 kroatische Bauern aus der Umgegend von Sombor stattfindcn, die angeklagt sind, an der Vernichtung einer Abteilung der terroristischen Cetnici, die in der letzten Zeit nach längerer Pause wieder zahlreiche Aktionen unternahmen, mitgcwirkt zu haben. Die Verteidigung liegt in den Händen des Führers der Vereinigten Opposition, Dr. M a L c k, sowie des ehemaligen Außenministers und Kroatcnsührcrs T r u m b i L. Dem Prozeß, der mehrere Wochen dauern wird, wird in der Ocssentlichkeit großes Interesse cntgegcngcbracht. Nach berühmten Mustern. Der griechische Diktator General Metaxas hat eine Sonderkommission mit der Ausarbeitung des Dekrets über die Auflösung der kommunistischen Partei betraut, deren Abgeordnete und Führer verhaftet lvordcn sind. Alle Abgeordneten, die am 1. August ihre Diäten behoben haben, wurden aufgefordert, sie unverzüglich der Staatskasse zu retournieren. Diese Gelder werden zur Errichtung von Volksküchen benützt ivcrden. Es wurden alle Maß- nabmcn getroffen, um jegliche Tätigkeit sämtlicher politischer Parteien unmöglich zu machen« Den Ministern wurde aufgetragen, Pläne„tiefgreifender wirtschaftlicher, finanzieller und administrativer Reformen" auSzuarbeiton. Metaxas erklärte, daß er m i n d e st e n s vier Jahre (wie Adolf!) für die Verwirklichung brauchen werde, woraus man allgemein schließt, daß während dieser Zeit die Diktatur andauern wird. Ein tiefer Denker! Der ehemalige Präsident von Spanien, Z a m o r a, der vorübergehend in Paris weilte, erklärte in einem den Vertretern der Presse gewährten Interview, daß cs das grüßte Unglück bei der Schaffung der spanischen republikanischen Verfassung war, daß nur eine Kammer gebildet wurde. Wenn auch ein Senat geschaffen worden wäre, wäre es möglich gewesen, dem Bürgerkriege auSzuwei- chen.— Sozusagen das Ei des Zamora I Mexiko und die Kirche. Die mexikanische Regierung genehmigte das Gesetz Uber die Verst a a t l i ch u n g des Vermögens der Frauenklöster. Konfisziert wird lediglich das im« int..|> i y,I i er Peryzögen. ,, ,... Gestapo wütet in Köln. In,den.letzten Wochenhat der Terror der Gestapo in Köln wieder ungeheure Formen angenommen. Am Appellhofplatz, mitten in der Neustadt, wurde von der Gestapo ein neuer HauS eingerichtet, das in wenigen Tagen einen SchreckenSruf erlangte. In der letzten Zeit kam es zu Massenverhaftungcn. Festgenommen wurde u. a. der frühere Sekretär des Holzarbeiterverbandes,' Thristian K e r st e n, der seitdem verschollen ist. Auch der frühere sozialdemokratische Abgeordnete Riedmiller und der sozialdemokratische ehemalige Parteisekretär Specht wurden verhaftet. Der Kommunist Miever wurde in das neue Gestapo» HauS gebracht, und kurz danach wurde seiner Frau mitgeteilt, daß er an— Herzschlag gestorben sei. Ein sozialpolitischer Fortschritt in USA In den Vereinigten Staaten von Amerika wurde bekanntlich die dem Präsidenten durch das Gesetz über den wirtschaftlichen Wiederaufbauübertragene Befugnis, Wettbewerbsordnungen zu erlassen, die u. a. auch die Arbeitsbedingungen regel», vom Oberste» Gerichtshof für verfassungswidrig erklärt. Am 30. Juni 1936 ist nunmehr ein Gesetz in Kraft getreten, durch das für einen begrenzten Kreis von Arbeitern und im Rahmen der Verfassung die durch die Wettbewerbsordnungen eingcsührten Arbeitsbedingungen erneut in Kraft gesetzt werden können. Es handelt sich in diesem Gesetz um Verträge über die Vergebung von Staatsaufträgen. DaS Gesetz schreibt vor, daß alle Verträge über öffentliche Aufträge, die den Betrag von 10.000 Dollar übersteigen, die folgenden Bestimmungen enthalten müssen: 1. Die Arbeitnehmer müssen zu den tarifmäßigen Löhnen einge- siellt werden 2, der Acht-Stundentag und die 40- Stundenwoche sind einzuhalten. 8. männliche Jugendliche unter 16 Jahren und'weiblich^ Jugendliche unter 18 Jahren dürfen nicht, eingestellt werden. 4. Die Arbeiten dürfen nicht in Betrieben oder unter Umständen ausgeführt werden, die ungesund oder zu gefährlich sind. - Umsatz steigern»- bei den westböhmische» Konsumgenossenschaften. Die Umsätze der sechs großen Konsumgenossenschaften in Westböhmen sind von 119,0 Millionen KL im Geschäftsjahr 1984/3.5 auf 125,7 Millionen KL im Geschäftsjahr 1985/86 gestiegen. Das ist eine Zunahme von 5,57'Prozent. Die größte- Steigerung hat die Saazer Konsumgenvfsenschaft mit 9,75 Prozent zu verzeichnen. Ihr folgt Komotau mit 7,91 und KarlSbi d mit 5,16 Prozent. Seite 6 Sozialdemokrat Mittwoch, 12. August 1836. Nr. 187 Teaqer fettiuw §encfitesagg Vereinen adwufUea UeucLileKec 8port 8piet-Xorperpskege bc- «m ein London, Paris, Straßburg, Lille, Ll>on, Nizza, Bordeaux, Marseille und Toulouse, sowie Berlin, BreSlau, München. Frankfurt und Kölnzu senden. Die ll e b e r t r a gun g Sd au er nach Paris beträgt 12 Minuten. Die UcberirägungS» preise sind nach London Xi 442.5V, nach Paris Xi 655.— und nach Berlin Xi 187.80. Der Bclino- graf ist auch für Radiotclcgramme verwendbar. Praktisch wird der Bildübertragungsdienst, außer für Zeitungen und Zeitschriften, nur für dir oriainalgetreue Ucbermittluiig besonders wichtiger Dokumente in Frage kommen. Lärank steigert die Leistung. Wie„V. C. El." meldet, werden eben ini Prager Wasserwerk in Kärani RekonstruktionSarbciten beendet, die eine bedeutende Leistungssteigerung zur Folge baben werden. Im Maschinenraum werden nunmebr drei Pnmvanlagcn arbeiten können, von welchen eine einzige genügt, um Prag hunderttausend Kubikmeter Wasser täglich zuzuführen. Selbst, im Falle einer M i.t.t.to o ch, den 12. August, um 2V Uhr g e m e infamer Gruppenabend aller Gruppen im Parteiheim(Närodnl 4). Kommt alle, wichtigeTageSordnuiig. Llda Baarovä und Gustav Fröhlich in dem Film„Zwischenakt" >„DaS deutsche Bolk klagt an." HiilerS Krieg lenen, die, Friedenskämpfer in Deutschland.— seine beiden Disziplinen in leichter und sicherer Manier gewann; aber auchldie übrigen Amerikaner enttäuschten, nicht. Die E rgebnisse sind:' 10 0 Mete r: 1. Owen»(USA) 10.7 Sek.. 2. Dr. Voigt(ASG Brünn) 11.2 Sek.— 8 00 Meter: 1. Cun- ningbam(NSA) 1:58.4 Min.. 2. Salle(Mor. Slavia,Brünn) 2:VV.2 Min.— 1500 Meter: 1. Cunningham 4:02.8 Min., 2. Hoöeek(Slavia, Prag) 4:04.4 Min.— 3 0 0 0 M e t e r: 1. Huöck(Smichov) 0:07.8 Min. An diesem Laus nahm kein Amerikaner teil.— S i a b h o ch: 1. Sefton(USA) 4 Meter, 2. Svoboda(Sparta Prag) 8.40 Meter.— Hochsvrung: 1. Thurber(USA) 1.05 Meter, 2. Palischek(ASG Brünn) 1.85 Meter.— W e i t s p r u n g: 1. Owen» 7.29 Meter, 2. Bosolsobö(Slavia Prag) 0.78 Meter.— K u g e l: 1. Francis(USA) 16.16 Meter! 2. Dünn(USA) 15.42 Meter, 8. Douda(Slavia Prag) 15.86 Meter.— Hammer: 1. Rowe (NSA) 52.78 Meter, 2. Knotek(Slavia Prag) 50 Meter.—'Dis kn s: 1. Dünn 48.57 Meter. 2. Rowe 48.04 Meter, 8. Bitek(Znaim) 42.98 Meter. Amerikaner-Meeting in Prag Dienstag fand auf dem Slaviäplatze vor gutem Besuch ein lechtathletisches Meeting statt, an welchem ein Teil der amerikanischen Olympia-Mannschaft an den Start ging. Großes Interesse erweckte der mehrfache Olympiade-Sieger, der Neger Owens, welcher vornahmen, sind aus dem klassischen' Altertum unter dem Namen Bacchanalien bekannt. Da damit die bürgerliche Ordnung mehr verletzt Ivar, als einem bloßen Sektierer gestattet werden konnte,. berichteten die Polizeibeamten ihren Vorgesetzten, und die Grundlage zu einem Haftbefehl gegen TheodokliS war gegeben. Unter Wahrung größter Vorsichtsmaßnahmen begaben sich mehrere Beamte nachts in die Wohnung des Oberpriesters, und es gelang ihnen, TheodokliS in Gesellschaft einiger zweifelhaster Priesterinnen zu verhaften/ Ein Verfahren gegelt ihn kam, "jedoch nicht zur Durchführung, da sich alsbald herausstellte, daß der Autoschlosser und" Oberpriester der alten Götter gemeingefährlich, g e t- steskrank war. Dementsprechend wurde er in einer geschlossenen Anstalt untergebracht., I Seine zahlreichen Anhänger waren yunmeßr ihres Führers beraubt, und es stellte/sich heraus, daß sie, sowie seine suggestive Persönlichkeit fqrt- gefallen war, keine Lust mehr hatten,.für sich. Mein Zeus und Hera zu. verehren. Polizeiliche Schritte gegen sie waren nicht. mehr notwendig. Nur einige wenige beklagten sich darüber, wie man den alten Göttern mitgespielt habe». Als Zeus aber»nicht daran dachte, seinen Blitz auf die Ungläubigen zu schmettern, um sie zu bestrafen, da verstummten auch die letzten, die an ihn glaubten; In wirren Zeiten, wie den unseren, ist kein Unsinn unsinnig gestug, als daß"sich-nicht Menschen^ fänden, die an ihn glaübten/,. ffl; Eine neue tschechoslowakische Bestleistung erzielte Soöck(Slavia Prag) bei einem am Montag in Dresden stättgefundenen Meeting über 15 0 0 Meter in 4:00.6 Min. Der Amerikaner Cunningham lief dieselbe Strecke in 8:59.1 Min. Zwei Rekorde. Der erreichte Rekord konnte sicher nur nach gründlicher Vorbereitung und äußerster Energieanspannung jedes Einzelnen erzielt werden. Ebenso ging beim Dreirohrgerät, System T e I e< unken Rekord Trial ein gründliches wissenschaftliches Studium des Tones, der akustischen Form des Gehäuse» und sämtlicher Bedingungen für eine natürliche Wiedergabe voran. Es wurden weder Mühe noch Spesen gescheut, damit Rekord Trial den Rekord in vollendeter Wiedergabe erreicht. Sie müllen ihn hören. Sie werden staunen, was für eine Leistung der heutige 8-Lampen-Radio« .apparat vollbringt. RekordTrial bedeutet den Höhepunkt der Radiotechnik in dieser Kategorie und kostet bloß Xi 1820.—. Er ist in jedem Radiogeschäft erhältlich. dem bloßen Glauben nicht getan war, begann man, Zeus zu verehren und den Göttern Altäre zu errichten, draußen in der Natur;'wo die Ver-" kehrspolizei nicht den Einwand machen konnte, daß die Ansammlungen von Menschen Ruhe und Ordnung gefährdeten. Uebrigens Ivar man in der Natur auch vor unberufenen Neugierigen ziemlich sicher. TheodokliS nahm alsbald für sich die Rolle des Oberpriesters in Anspruch; er nahm Schlachtopfer vor, verbrannte Räucherwerk auf den Altären und deutete die Zeichen des Vogelfluges, wie es seine antiken Vorgänger getan hatten. Da das Schauspiel die Menge anzog, wuchs seine Gemeinde der-„Altgläubigdn" in kurzer Zeit; sie dürfte zuletzt mehrmals taufend Anhänger gezählt haben, die, in" klassische Gewänder gehüllt, die klassischen Götter verehrten und ihnen Opfer darbrachten. Zu dieser Zeit begannen die Behörden von Korinth sich für das Treiben des ehemaligen Autoschloffers zu interessieren, der^die Mythologie neu belebte. Obwohl die" Anhänger des/ alten Heidenglaubens sorgfältig ausgesucht worden waren, wär es doch einigen-Polizeibeamten gelungen, Aufnahme in den Bund zu finden. Sie wurden Zeugen’ davon, wie Lämmer geschlachtet wurden, aber sie erlebten auch, daß TheodokliS die Rolle"eines Oberpriesters mit einer anderen zu. vertauschen begann. Männer und- Frauen/ zögen in die Berge, und die Kulthastdlungen, die sie dort A t h e n, im August. In aller Welt leben die Religionen wieder auf, die vor ein oder zwei Jahrtausenden geherrscht haben. In Ungar n gibt es wieder Sekten, die zu den asiatischen Göttern der Magyaren beten! Der Wotankult hat in Deutschland wieder viele Anhänger gefunden, und. in Griechenland ist die GLtterfamilie, an deren Spitze Zeus steht, wieder zu vorübergehenden Ehren gelangt. Es war inKorinth, daß sich ein Mann namens TheodokliS fand, der die Zeit für gekommen hielt, die alten olympischen Götter wieder zu verehren, unter deren Herrschaft es weder ein Arbeiislosenproblem noch eine WltwirtschaftSkrise gegeben hatte. Also gründete TheodokliS eine religiöse Gemeinde derer, die an Zeus, an Hera, Pallas Athene, Ares und alle die" anderen olympischen Gottheiten glaubten. Zunächst sammelte TheodokliS, der seinem modernen Berufe— er war Autoschlosser gewesen — entsagte, eine kleine Gemeinde von Unzufriedenen um sich, aus denen er Gläubige machte. ES. ist heute nicht sehr schwer, unter den Verzweifelten Anhänger zu finden; bald w^ren es mehr als hundert, die daran glaubten, daß es noch einen Zeus auf dem Olymp gäbe. Da es aber mit Reichstagung der Müller aufgelöst Auf der Slawischen Insel fand gestern unter großer Beteiligung aus allen Teilen der Republik eine Tagung der kleinen und mittleren Mühlen statt, auf welcher die Auswirkungen der Monopolvorschriften behandelt werden sollten. Nachdem einige Redner, darunter auch ein deutscher, gesprochen hatten, gelangte der Abgeordnete des Närodnl ssednoceni, Jng. Schwarz, zu Wort, der die erregte Stimmung auSzunühen und alle mög- lichen politischen Fragen, u. a. die spanischen Ereignisse, in die Diskussion zu bringen versuchte. Während seiner Rede löste der RcgicrnngSkom- missär die Versammlung auf. Gdtterschwlndel In Griechenland Besuchet die FelaenatKdte Wekelsdorf und Adersbach Weltberühmt als einzig dastehende Sandsteingebilde Die Naturdenkmäler zählen zu den beliebtesten Reisezielen tausender Touristen. Sommerfrischen— Herrlich angelegte Bäder— Hotels: Fcisenstadt Adersbach— Eisenhammer. Wekelsdorf. Prospekte durch die Felsenverwaltungen. 8496 Maschincnftörung wird dar Werk also in der Lage sein, die Wasterzusuhr ohne Unterbrechung zu besorgen. Tragischer Tod eine» Kinde». Montag nachmittag» stieß ein Lastauto, welches Josef Epik an» Prag XIX lenkte, in der Okrujni in Prag VII auf einen Stapel schwerer Balken, auf welche» eben der fünf» jährige Fr. Polen») saß. Die Balken gerieten in» Nollen und begruben da» Kind unter sich, welche» trotz sofortiger Ueberführung in das Kinderspital nicht mehr am Leben erhallen werden konnte. Der Wagcnlcnker wurde verhaftet. „Intourist" auSgeraubt. In der Nacht auf gestern drangen durch den Garten de» Franziskanerkloster» unbekannte Einbrecher in die Kanzlei des Reisebüros„Intourist" in der Jungmanngaffe in Prag II ein. Sie bohrten die Kaste an, in welcher sie ungefähr 20.000 Xö in tschechoslowakischer und fremder Währung fanden. Die Täter konnten unbeachtet mit ihrer Beute entfliehen. Reu« Fund« auf dem Altstädte« Ring. Die Wie- derherftellungrarbciten an den Häusern der Südseite de» Altstädter Rings haben in der letzten Zelt schon Mehrfache UrberräschUngiä gebracht, wie z. B. die gotischen Festster- und Türumrahmüngen"am Kienzl- Hau». Nun ist ein" neuer, für die Geschichte der Spätgotik in Prag wichtiger Fund am Hause NC 548. dem Eckhause zur Zelcznä gemacht worden. Bisher waren nur die prachtvollen, von 1496 datierten Gewölbe sowie eine kleine Pforte im Torgang bekannt. Nunmehr wurde ein bisher vermauertes großes Portal, das leider zum Teil beschädigt ist, aufgedcckt. EL ist ein großer, reich profilierter Torbogen au» Sandstein, dessen Volte mit Klceblaitbogen dekoriert ist. Im Stein ist eine alte Kette eingelassen. die ebenfalls vermauert war. Tas Tor dürfte gleichzeitig mit den Gewölbe» entstanden sein.— Weiter» wurden aus dem Alistädtcr Ring neue Reste romanischer Häuser in den Kellern der Häuser auf der Südseite gesunden. Auf diese Weise ist die Zahl der zustande- gcbrachtcn romanischen Häuser auf der Altstadt' reit» auf 27 angewachsen. Phowtelegrannndienst In Prag.(C.R.F.) 1. August wurde in der Prager Hauptpost Bell nograf, ein Instrument für Bildtcle» graphie, in Betrieb gesetzt. Vorläufig ist es möglich. Bilder in der Größe von 18X18 Zentimeter(größere Originale müssen zerschnitten und die einzelnen Teile nacheinander übertragen werden) nach und dabei bemerkt, daß e» heute nicht-mehr um da» Schicksal eine» einzelnen, sondern um da» Schicksal von HunderttaUsenden, um da» Schicksal" eine» großen Volkes und um Frieden und Sicherheit der Welt geht.(Umfang 820 Seiten. Mit- vielen Bildern und Dokumenten, einer Uebersichiskarte Uber die Gc» fängnifsc, Zuchthäuser und Konzentrationslager in Deutschland und einem Faksimile der Lagerordnung des Konzentrationslagers Ersterwegen. Verlag: Edi« tions du Carrefour.)' F. Kuikar„Menschender Sowjetunion." 1988. Orbis-Verlag, Prag.— Der Verfasser, Redakteur der„Prager Presse", behandelt in diesem Buche die Eindrücke, di« er auf der Reise der tschechoslowakischen" Journalisten in der USSR empfangen hat. Da» Büchlein will nicht in systematischer Weise etwa diese Reise beschreiben, daraus Lehren ziehen und«in Urteil Uber die Verhältnisse abgeben; es gibt Bilder' und Eindrücke skizzeyjaft wieder, was im Leser den frischen Eindruck Unmittelbaren Erlebens wachrüft, Eine Reihe von Personen, die im Vordergründe de» Sowjetlebens stehen, Politiker, Militärs, Schriftsteller und Journalisten sind skizzenhaft, aber aut und treffend gezeichnet. Die Schrift Kubka» wird deshalb lebendiges Interesse wecken,: E. St." '„Der tapfer« Lenz." Iosef Blau, der. liebenswürdig schriftstellernde Sohn des Böhmerwalde», ist jetzt in Paul Sollors Reichenberger Verlagsbuchhandlung mit einem" neuen Büchlein auf den Plan getreten. Die Erzählung„Der tapfere Lenß" führt un» heimatgeschichtlich.,n den Böhmcrtvaldbauern de» sicbzdhnten Jahrhundert», jü den„KiiistWn Frei- bauern": und schstdert un» deren tapferen Kampf gegen die Unterdrückung durch die Feudalherren. Josef Blau hat ganz denselben Stoff bereits auch dramatisch behandelt. Die epische Form glückt ihin noch besser, ihr gliedert sich auch das landschaftliche Biid und Blaus Wissen um Geschichte, Brauchtum und Dialekt, um den ganzen böhmerwäldlerischen Menschen natürlich ein. Dem liebevoll geschriebenen Büchlein ist sowohl um seine» Stoffe» willen, als auch wegen der geschichtlichen Kenntnisse, die es vermittelt, Verbreitung auch außerhalb der Waldheimat der Verfasser» zu wünschen. l. g. Probleme unserer Zeit. In der Augustnummer der Zeitschrift„BüchergiIde" findet sich eine Uebersicht über die jüngste Produktion dieses Berlages, die beweist,-daß die freie Büchergilde da» Ziel,- dar sie bei ihrer Gründung vor drei Jahren vor sich sah, erreicht hat:.'Sie ist dem freien literarischen Schaffen, dem wachgewordenen sozialen Gewissen," der von keiner Zwangsjacke eingeengten Kunst, dem)Bl«. kerverbundenen Wissen eine Heimstatt geworden, von der aus die Köpfe und Herzen im Kampfe für-"eine bessere soziale Ordnung gestärkt und befruchtetlycr» den. Die von der Büchergilde herausgegebenen Werke nehmen den Weg zu allen jenen, die empfänglich sind für offene Worte über die Probleme unserer Zeit" und die"das mite und wahre Buch al» wichtige» Ayf- klärungs- und Bildungsmittel" anerkennen. B ez u g S b e d t n g u n g'en: Bei Zustellung inSHauS.oder bei Bezug durch,di. Post monatlich Xi 16'—, vierteljährig XL 48.—, halbjährig XL VS—, ganzjährig XL 192.—.—;zmera:e weroen tgm-, Tarif billigst berechnet. Bei öfteren.Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfölgt'Nur bei Einsendung der Retourmärken.— Die ZeitungSfrankätur ,wurde von derPost-"- und.Teie»- graphendirektwn mit'Erlaß Nr." 13.80ll)VII/1930 bewilligt.— Druckerei;„OrbiS". Druck-, Verlag», und Z«tttNg»-A.-G;'Ptag.'"- „Zergle-Mergle" Eine Gerichtssaalkomödie Prag,(rb.)„... Treiben Sie Ihre Zergle- Mergle und lasse» Sie Ihre Mitmenschen in Frie- deni" Diesen Satz' rief am 17. Juli auf der Paw- laische eine» Zi.skowcr Mietshauses eine Nachbarin der anderen zu. Gestern hatte nun dar Bezirksgericht darüber zu entscheiden, ob durch diese Aeußerung die 47jährige Pauline S., eine korpulente und energische Frau, wirklich herabgesetzt und dem Spott preisgegebcn worden sei, wie ihre Ehrenbelei- digungSklage behauptet. Was bedeutet„Zergle- Mergle"? DaS wissen die Götter allein und Frau Pauline behauptet, cs zu wisse». Sie könne zwar, nicht genau ausdrücken, was dieses Doppclwort bedeute, aber sie cnwsinde cS. Da alle Verglcichsver« suche scheiterten, mußte der geplagte Richter die Verhandlung darüber eröffnen, ob„Zergle-Mergle" einen herabsetzenden Sinn habe oder nicht." Dio Wahrheit ist, daß diese Worte in keiner Sprache der Welt irgend etivas bedeuten. Da nun aber auch durch unverfänglich scheinende, aber für Eingeweihte verständliche Anspielungen„jemand der- Lächerlichkeit preiSgegeben" und ergo beleidigt werden kann, oblag es dem armen Richter, die fünf" Zeuginnen darüber zu vernehmen, wie sic jenes„Zergle-Mergle" auf- gefaßt hätte». Aber auch die Zeuginnen zuckten die Achseln und versicherten, keinerlei verfängliche Anspielung in dem unverständlichen Doppelwort zu finden. Die geklagte Nachbarin erklärte, sie habe da» „Zergle-Mergle" so hcrauSgesprudclt, weil eS ihr gerade auf die Zunge gekommen sei. Sie habe etwa sagest wollen:„Kümmern Sie sich um Ihren Kram" oder dergleichen, aber ohne jede, beleidigende Absicht. Nachdem eine sprachwissenschaftliche Zergliederung der ominösen Wortschöpfung vergeblich geblichen war(der Verteidiger beantragte ernsten Antlitzes die Hörung eines Sprachsachverständigen), führte die Klägerin schließlich an.«S seien häßliche Gerüchii übtt- ihre ehelich): Treiie ist) Uüiläiif still! das rätselhafte Zergle-Mergle könne von böswilligen Leuten als Anspielung"in dieser Richtung aufgefaßt werden, zumal die Geklagte eine zweideutig« Geste dabei gemacht hahc. Aber für diese Behauptung erbrachte daS Beweisverfahren nicht den mindesten Anhaltspunkt, wie denn auch beim besten Willen dem Zergle-Mergle kein erotischer Hintersinn zu unterlegen ist. Nach fast anderthalbstündiger Verhandlung fällte der Richter aufatmcnd einen Freispruch und verurteilte die Klägerin zur Tragung der gesamten Kosten. Die Klägerin aber meldete, sichtlich erzürnt. Berufung an. Nlm» In Prager Lichtspielhäusern ' BiS einschließlich Donnerstag, den 18. August: Urania-Kino:„Konfetti".(Moser. Slezak, Ro. l manovsky).— Adria:„Nachtangriff".(A.-Wallace Berry).— Alsa:„Der Wildfang".(Tsch.Nedo- ölnskä, R. Wanka).— Avion:„Nachtangriff.".^(A. Wallace Berry).— Bera,nek:„Charlie- Chan in Shanghai"."(A. Warner Oland).—Fenir:..Auf-' der" grünen.Wiese".>(Tsch. Jara" Benes);— Flora: „Frauen am Scheidewege?.- HA. Claudetie Colbert)/ —. Gaumont:„Boccaccio".,(D..Fritsch',. P. Kemp).— SollyWood:.„RendezVouS in Wien"."(D. Schneider, Retty),— Hvczda:..„Stäben Polarhel-" pen'V(Russisch).—. Juli»:"' ,',B°ccacH'o"L'7(D.' W.-Ftitsch,"L. Finkenzeller)."".— Kinejnär'Mu'rnäl»,; Grotesken, Reportagen),— Kbruna: Aktualitäten, Journale, Grotesken.— Lucerna:„Auf der grünen Wiese".(Tsch.)"."— Metro:„Ein lustiger«Betrug". "(D.-- Fr, Lederer).— Passage:„Savoy-Hoicl 217" (D.-Hans Albers,"B. Horney).— Praha:..Schloß Hubertus".(D.)— Radio:„LicbeSerwachen",-(D. Karin Hardt).— Skmtt:„CharlietEhyn-.ist,, Shanghai".(A. Warner Oland).- Svktozor; „Savoy-Hotcl 217".(D. Hans Albers, B. Hör« n«y).—Alma: ,Dantes Inferno".(A;^Spencer' Tracy).— Bajkalr;,Charlie Chan iwShgnghai". (A.- Warner Oland).— Besetz«:„Regina".(D. veletrhtz:.„Dar Mädel aus. der, Ziegelei"-(Tsch. Baar).,"> /„--uz, J'z Inserate,W«rdenAplt.,..o Große Worts stjch heuizstjage billig ststst äb'gkgtif- sen wie Trodlerwäre, und doch muß man hon diesem jüngsten Bruder der Braunbücher sagen, baß es ein Erlebnis ist. Was da geschildert wird— „objektiv, wie es ein Tatsachenbericht erfordert und unerbittlich, wie c» die Wahrheit gebietet"— greift einem an die Kehle und" ans Herz. Der Atem stockt auch dem durch die Lektüre von unzähligen Berichten aus Konzentrattonslagern und Gestavokcllern bereits„Abgehärteten", wenn er die Kapitel über,die Methoden der braunen Unterdrückung und die Siaii- stik dcr Erschießungen, Marterungen, Verhaftungen liest. Auf dreihundert Seiten wird hier eine Geschichte des Dritten Reiche» gegeben,— ganz einzigartig in ihrer Art, gewissermaßen da» Beweismaterial zur Anklageschrift der Menschheit gegen ihren Auswurf." Von stärkster Wirkung die dreißig schwarz eingerahm- ten Seiten der Totenliste. Von nicht geringerer der letzte Brief des Hingerichteten Kricgsverletzten Rudolf Claus oder der Bericht der Tschechen Rudolf Ondra- cek über seine Mißhandlung durch die Geheime Staatspolizei.— Von der Uebersicht ausgewiesener .Ausländskorrespondenten bis zur Liste der Ermordeten ist hier jedes Gebiet nationalsozialistischer Bar- barisicrung vorhanden.— Im Vorwort wird" die Erinnerung an Emile Zola»„J'accuse" wachgerufen