Donnerstag, 20. August 1936 16. Jahrgang Nr. 193 Elnzewroi* 70 Heller (einichliaflllch 5 Hellar Porto) IENTRALORGAN PER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON SMTP. .' HERAUSGEBER, SIEGFRIED.TAUB. VERANTWORTLICHER-REDAKTEUR' DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Der Präsident bei den Deutschen Ueberaus herzlicher Empfang— Eine bedeutende politische Rede . Die Begrüßung In Reichenberg. t Reiche n b e r«. Die.Bteölketung und die gonze Stadt Helten große Vorbereitungen netroffen für den würdigen Enipfeng des verehrten.Gastes, des Staatsprüfidenten. Käst-all«-Luser der-Straße«, die der PrLstdent postierte, trugen.): t.i chenF e fi schm u ck. Neberall wehten Fahnen in den Fakten der Republik und der.Stadt. Z« Zehntaüsenden«arpn die Angehürigen beiher Rationen, aus fern, und nah erschienen.mm,dem.Staatsoberhaupt,.als demVerkürperer des demalratjfchen. Staatsgedankens, In Vertrauen UndLIelie"ju" huldigen. Die Stadt wgr.von FesttagSstimmufig erfüllt. Dcr ausrichtigen Frrude über die Ehre.dieder Siadt-ünd der ganzen nordböhmischen Bevölkerung durch den Besuch, des Staatsoberhauptes zuteil«urde, konnte auch die Tatsache nicht Abbruch tun, daß sich rin. Teil der In der SdP organisierten„Völkischen!', betönt.reserviert verhielt und dtp Stimmung durch"«isrig- kolportierte Flüster- Parolen zu'beeiNtrLchtigen dersUchte..'.--".- In besonders"großer Zahl nahm die Art eit t r s ch a f t an der Huldigung teil. Als der Präfi- dent im offenen tlmnengeschmückten Wagen durch die Wiener Straße fuhr, jubelten ihm viele hu«, der tt bla u,g« k l e i d e t e Ar bei t erki nd er u n d e r w a ch s en e M i t g l I«der der sa g i a l i ft Ische n A r b e i te r b e-we gun g zu. Ein R r g e n rot e r R el k e n ging auf das Auta nieder, tief bewegt dankten der PrLstdent«nd seine Gemahlin für die herzlichenF re und. schäft.» Ruf,«...-," Auf dem Platz hatten-dl««niformltrten Verein», darunier eine Hundertschaft RW, Auf» stell««» genommen. Bor dem. RathanS waren die Vertreter«nd Abordnungen verschiedener Vereine versammelt, auch, waren hier dfe B ertreter der s og i a l Ist i s ch e n A r t« i t er bewe- gun» anwesmd. Den stllatz Umgatm viele hundert« froh bewegter. Menschen, die dem kurz nach halb"elf' Uhr eintreffenden PrLfidrnten stürmisch zusubelten. Unter den KkSngen de» Fanfarenchors a«S„Libuöa" fuhr der PrLstdent. auf dem Platz ein: Dann ertönten die Staatshhmnen, worauf- der-'PrLstdent die ithrenkomPagNIe atschriit. Schließlich wandte er stch zum Rathaus, wo ihn der B ü r g e rmr.l st e r Sen a t» r Kostka,willkommen stieß- Dieser nahm dann da» Wortzu'einer Ansprache, die wir an anderer-Stell«'wiedetgetem Für die tschechische Minderheit sprach Stadtrat Kögler, der insbesondere di« Notwendigkeit der-Zusammenarbeit leider Rationen letönte und die Friedensarbeit de» Prüstdenten und sein WirkeNsüri die Demokratie entsprechend würdigte!" Für di« deutsch«« Mitglieddr der vrzirks- Vertretung sprach dann>d er deutsch« S» z i a l d e W o krw" t D'r bohl a"v.An seine Ausführün- gen schloß" sich" di« Ansprache des Vertreters der tsche chischen Mitglieder des Bezirksastsschnffes, Doktor H anz a l. Zw ei Kinde rentboten dann'in de u t s ch e r und! s ch e ch I s ch e r S p r a ch e. die W i l l k» m m e n ö g r ü ß e der Sch«ljngend. " Die Rrd-e"d.es Staats»rLsidente.n wurde mit großer Aufmerksamkeit" anßehöit und zum Dchluß öfter^durch Beifallsrundgebungen. unterbrochen,' insbesondere an den- Stellen,"in' denen er Verträum für stch!«ndMn« Arbeit/forderte." Rach seKier Rede^begab'stch der-PrSfident zu den Deputationen und dann zu dm Kindern, die auf dem Theaterplatz Äufsiellm,.genommen hatten. Auch hier- wurden ihm stürmischeOvqtivnen bereitet. Auf-seiner Fahrt/zum Meffegelünde.wurde der PrSfident wiedermnvon den in dichtem Spalier stehmden Menschen' begeistert begrüßt. De» öfteren.durchbrach- die Meng, dm Polizeikordmi, um dm. durchfahrenden-Prüstdenten'bester srhen und legrüßrn zu können. In' der- großm' Mestehall«- hielt PrLsident Liestie» eine Ansprache. Auch stier»ar«»:viele Arbefter versammelt,'-«iudtz» Staats' olerhaupt: zu lfgrüßm,- D^r-Prüsident besuchte dann einen Teil der Messe. Beim Miftageffen em»-, sing er.eine.Reihe von Abordnungen ststd.vielr einzelne-Bürgers die idas Vedvrsiii».haften, ihm die Hand'zu-strüikm......'.•\’■ An da» Mittagessen-schloß stch di« Beflchtigung der neuen tschechischen Schule und der Teztllschule an, dann gin, dt, Fghrtiin daS Liebieg-Biertcl. Zuerst. fang- ein Kinderchor die StaatShtzmüm in- deutscher-Sprache tsttd-die-Arbeiter de» Likbieg-Betxiebe» bildeten Ist Arbeitskleidung Spalier. In der LKblfg-Siedlstn» wurde dem Prüstdenten von den Arbeitern eiste Reihe von Geschenken überrelcht, welch»- alle Erzeugnisse des Liebieg-Betrieies stnd. Tief bewegt dafiktc, der Präsident den Arb,item und»er J«gend. Dann^vIträbschi«dti, rr^fich vönst'est,Mitgliedern de'r, Stadtv«rtretstng.,und,der Arbeiterschaft." Jm Auto ftehend-erwidertk ir ununtertrpchen die begfifterten Grüß, der. Menge. Pie Fahrt hin» dann:: nach Gablonz, wo ihm eiii ebenso herzlicher.-Empfang zuteil wurde'w.iein Reichenberg...- i . Nach dem überall anerkannten Völkerrechte.sind die nationalen Fragen für alle Staaten ohne Ausnahme eine innerpolitische Angelegenheit. Ans diesem Grundsätze beharrt unbedingt auch die Tschechoslowakei. Es hat sohin kein europäischer Staat das Recht, sich in diese" Fragen cinzumcngcn, und die Tschechoslowakei wird dies auch als souderöncr Staat in keinem Falle zulaffe». Der einzige Einflug vom Auslande her ist die Kontrolle des Völkerbundes. Wir lassen keinen anderen Druck, keinen anderen Eingriff In rechtlicher wie politischer Hinsicht zu und können folglich mit niemand anderem über unsere nationalen Fragen verhandeln. Wenn sich die tschechoslowakische Negierung in der Vergangenheit manchmal entschlossen hat, über diese Frage mit einem anderen Staate zu verhandeln, so geschah" dies stets nur auf der Grundlage volle Reziprozität. Das ist der rein rechtliche Stand des nationalen Problems und der Minderheitenpolitik in Europa und auchbei uns.- Dieser Nftchtszustanb sichert bst li'nS" tth Mltlvnen iW^nMoiial^und kulturelle ExisteüJ. Ich betoüö,.bäh die Tschechoslowakei ein Staat ist, in- welchem keine Nation in ihrer Exi-stenz und kulturellbedrohtist, dass der Kampf der Minderheitsnationen bei uns kßin Existenzkampf, sondern lediglich ein Kampf nm die politische Macht und um die Mitregierung im Staate Ist. DaS bringen Tschechoslowaken und Deutsche dadurch zum Ausdruck, dass bei uns- von den Deutschen wie von Gleichen unter Gleichen gesprochen wird. Ich halte"es für notwendig, daß in dieser Hinsicht weder im Inland noch nach aussen hin durch irgendeine Auslandspropaganda oder irgend eine andere politische Aktion-irgendjemand in Irrtum geführt wird. Die heutige Rechtslage— bloß Ausganspunkt für die Innenpolitik 8. Damit gelangen wir z u r i n n e r p o l i- tische«Seite unseres nationalen Problems. Ich war stets der Ansicht, daß die Tschechoslowakei" ihre nationalen Probleme auf ihrem eigenen Weg» nndmach ihrer eigenen Methode lösen'wird, daß die R e ch.t s g r u il d l a g e, von welcher ich eben gesprochen habe, immer nur ein gewisses rechtliches Minim u w sein wird, eine Grundlage, welche stets de» Minderheiten bei uns ihre nationale Existenz garantiert, daß unsere Konstitution«nd unsere praktische Innenpolitik weitergehen und diese Angelegenheiten nach unseren inneren staatlichen Bedürfnisse» regel» wird. DaS " sind ausschließlich»nsere inneren Angelegenheiten,. in welche-wir«nS von niemandem hiaeinreden lassen und welche ausschließlich von unserem wechselseitigen Einvernehmen «nd der Zusammenarbeit»wischen. Tschechen «nd Deutschen, von unserer direkten, offenen, aufrichtigen und.. loyalen.DiSkstssion^ab- hängen, oh ne Druck, ohneD.r o h u n gen, ohne Ner v o s.i tu t uudMä^ d i k.aUs m u s,. ohne"stärke Wopte und Uebcrtreibuugen«nd ohne tendenziöse Schilt derung der Dinge, wie sie nicht sind. ' Ich"selbst- habe mich über diese-Fragen- im Vorjahre und Heuer mehrmals in Bbüx,-in Aussig, in Teplitz,'■ in Prag, gegenüber V e r t'r e t e r n "d e S" D e-u-t s ch e» G e w s r'k f ch a-f tS« b u n-d e S und)einer Delegation des„Bundes der Deutschen" klar und aufrichtig ausgesprochen/ Ich füge ausdrücklich'bei, dass ich auch mit dem, was in der letzte» Zeit-Herr Ministerpräsident-Hodza, der Herr-Minister, für auswärtige.Angelegcnhei- G Die Rede, mit der Präsident Dr. Benes auf die herzliche Begrüssung durch die Wortführer der Reichcnberger Bevölkerung antwortete, ist in vielfacher Beziehung von grosser Bedeutung. Der Staatspräsident sprach als"Staatsbürger zn Staatsbürgern, als ein die Schwierigkeiten unserer nationalen und-wirtschaftlichen Probleme genau kennender,- aber auch um ihre Lösung bemühter Führer beider Völker, der Tschechen gnd der Deutschen. Die Rede ist von so grosser Bedeutung, dass sie noch eingehend gewürdigt werden muss. ... Der Präsident, der seine Rede mit einigen tschechischen Sätzen begann, daun aber bis auf die Schlusssätze deutsch sprach, führte aus:. Ich danke Ihnen und der gesamten Bevölkerung" für Ihren freundlichen Empfang. Ich bin gern zu Ihnen gekommen.- Der freundliche Empfang,"welchen"mir Ihre schöne Stadt bereitet hat, hat auf mich einen tiefen Eindruck gemacht und ich dank« Ihnen, Herr Bürgermeister, allen Anwesenden und der gesamten Bevölkerung der Stadt und der Gegend., „.. Sie hoben in Ihrer Ansprache die Ldtzalität»nd. -Treue-unftttst-deutschen Bevölkerung aegenuber der Republik betont, haben die Arbeit des Vväfibrnten Rasgryk und meine eigene sowie unseren Sinn für National« und soziale Gerechtigkeit rühmend.erwähnt. Für dar aller danke ich Ihnen vom Herzen. Aufrichtig haben Sie die Wünsche der hiesigen Bevölkerung in den beiden wichtigsten Belangen zum Ausdruck"gebracht:- In der Frage des 8 u f a m m e n l e b e n s der Tschechoslowaken und Deutschen und in der Angelegenheit der W i ttsch a ft S kr.ise. Sie haben mib Gefühl gesprochen, zum Herzen und zum Ber- stande. Ich-will Ihnen mit gleicher Aufrichtigkeit und gleichem Vertrauen antworten.- Deutsche und Tschechen -1. In diesem" Lande leben Tschechen und Deutsche seit Jahrhunderten nebeneinander. Das neunzehnte Jahrhundert brachte mit der Entwicklung der nationalen Idee den nationalen Kampf im modernen Sinne dieses Wortes. Neben ideellen,- politischen Fehden-war es vor allem ein Stellungskampfum die Seelen der Einzelnen. Es wäre interessant, festzustellen, welches Ergebnis dieser Kampf in den einzelnen Perioden hatte." Ich dürfte mich kaum irren, wenn ich behaupt«, dass in den letzten Jahrzehnten die Anzahl der wirklich Tschechisietten und der Ger- manisterten keine derartige-war, dass aus ihr irgendwelche weitreichenden Schlüsse auf die Gesamtposition der beiden Völker bei uns gezogen werden.könnten. Die amtliche" Statistik liefert in dieser'Hinsicht kein ganz verlässliches Bild, weil bei /ihr'-, mit administrativen Begriffen operiert werden mutz, welche das wirkliche Leben nicht im- mtr genau erfassen können. Die"nationalen Streitigkeiten an allen, ethnischen-Grenzen sind natur«, gemäss und- unausweichlich, aber- unsereBölker sind heute beide so reif, 1>aß sie . sich nicht entnationstlisieren lasse».. DaS- ist , meine erste Kqustqtierung und der Schluß daraus: arbeiten wir in politischer und wirtschaftlicher-Hinsicht' zusammen, übertreiben wir die nationalen Kampfe und Differenzen nicht,.halte», wir sie in vernünftigen Grenze» und veraünftigenFörmen! - Dis nationale Frage ' eine, Innerpblltlsche Angelegenheit 2. Die Fragen unserer. nationalen Politik sifth iu der- letzten Feit-im Jisl»icheiund,auch, jenseits- der Grenzen Gegenstand? der.Aufmerksambest: iBagönspir- gerade heraus,"' dpitz. die Ursachen ihavtzstiin"-den,zerfahren«»-, internationalen Ver« hältniffen, in der Hochspannung des nationawn HmtzfighenS in D e u t s ch l a n diund in einer ge. wsffen-Radikalisierung bei den nationalen Minderheiten in" a l l e n< Staaten, zu suchen sind: Dies hat auch auf tschechoslowakischer Seite eine-grötzere Aufmerksamkeit gegenüber diesen Fakten zur Folge gehabt., Seite 2 Donnerst«», 20. August 1938 Sir. 193 tcn Dr. Kraft« und die Herren Minister Doktor Czech, Dr. Spina und Z a j i L e I über die Zusammenarbeit der Nationalitäten in diesem Staate in de» Häusern des Parlaments und bei" anderweitigen Kundgebungen gesagt haben, voll» kommen übereinstimme. Nationale Streitfragen werden gelöst werden Der Präsident zitierte nun seine bekannten nationalpolitischen Ausführungen aus der letzten Zeit und fuhr dann fort: Ich fürchte die nationalen Konflikte in unserem Staate nicht. Ich bin sicher, daß wir sie lösen werden;, wir haben dazu auch die erforderliche Befähigung, die notwendige Energie, den guten Willen. Sie zu überwinden, war der Wunsch des Präsidenten M a s a r Y k nnd die Anfgabe, die er sich gestellt hat. Ich habe diese Anfgabe von ihm übernommen, ich will der Regierung und allen Menschen gute» Willens überall hingebungsvoll, aufrichtig nnd energisch bei dieser Arbeit beistehen, llnd ich bin sicher, daßich diese Anfgabe erfolgreich beenden werde. Allerdings mache ich mir keine Illusionen über die Schwierigkeiten» die damit verbunden.sind. Es ist— häufig auf beiden Seiten— mehr Mut notwendig, diese Schwierigkeiten zu sehen und zu begreife«. Kölns Formeln— praktische Arbeit, Dezentralisation 4. Die tschechoslowakischen Länder sind in den beiden letzten Jahrhunderten die klassischen Länder der nationalen S t r e i t i g k e i t e n. Ich halte es nicht für richtig, auf unsere Verhältnisse diese oder jene fertige Formel anwenden zu wollen. Ich will wederdasOpfer nochderGe- fangene irgendeiner Formel sein, das führt in der Politik niemals zu etwas Gutem. Darum akzeptiere ich auch nicht das Schlag- wort von der Autonomie, noch die Tendenzen, welche aus der Geltendmachung fascht st ischer Grundsätze, von Total i t ä t S- oder kommuni st ischen Grundsätzen hervorgingen. Ich möchte alle unfruchtbaren Theorien, Doktrinen nnd Formeln beiseite lassen und, suchen, was eine richtige, dem Leben angepaßte Praxis, eine richtige, wirksame und schnelle Administration und die moderne Technik erfordern. ..Unsere politische..Philosophie mnd.Moral, ist die ^Demokratie; welche üyS'den Schlüssel zur. Lösung aller unserer Probleme gibt. Wenn bei uns als Entwicklungstendenz eine allgemeine Formel gilt, ist es die, welche ich bereits früher mehrmals betont habe: Wir find für den Grundsatz einer vernünftigen, mit zweckmäßigem, wirtschaftlichem und administrativem RegionaliSmuS verbundenen Dezentralisation. Ich weiß, daß heute von einigen politischen Faktoren andere Grundsätze gesucht werden, welche auf Totalitätsvorstellungen von Nation und Staat beruhen. Ich bleibe ruhig. ES genügt mir, daß die dargelegten Anschauungen tatsächlich menschlich sind und daß sie darum dauern wirken. Auf ihnen beruht übrigens unser ganzer Staat. Der Mexikaner Felipe Rivera Von Sack London Aber Rivera überstand den Angriff, und der Schwindel verzog sich aus seinem Hirn. Sie Iparen alle gleich. Sie waren die verhaßten GringoS, und sie waren alle unehrlich, Aber selbst in den schlimmsten Augenblicken leuchteten nnd funkelten die Visionen in seinem Hirn— lange Eisenbahnzüge, die durch die Wüste ratterten, Gefängnisse und Kerker, Vagabunden an Wasserstellen— das ganze qualvolle, schmutzige Panorania, das er auf seinem Umherirren nach den Tagen von Rio Bianco und dem Streik gesehen hatte. Und in einer herrlichen, strahlenden Bssion sah er die große Revolution über daS Land hinbrausen. Die Gewehre waren da, gerade vor ihm. Jedes einzelne- der verhaßten Gesichter lvar ein Gewehr. Für die Gewehre kämpfte er. Er und die Gewehre waren eins. Er und die Revolution ivaren eins. Er kämpfte hier für ganz Mexiko. DaS Publikum begann ärgerlich auf Rivera zu werden. Warum steckte er die Prügel nicht ein, die ihm zugedacht waren? Natürlich wurde er besiegt, aber warum machte er da soviele Geschichten? Nur sehr wenige interessierten sich für ihn, und das war der bestimmte, begrenzte Prozentsatz von Spielern, die ein hohes Spiel spielten, Obwohl sie an Dannys Sieg glaubten, hatten sie doch vier zu zehn oder eins zu drei auf den Mexikaner gesetzt. Ziemlich erheblich waren die Wetten, toieviele Runden'Rivera durchhalten würde. Manche hatten sogar leichtsinnigerweise daraus gesetzt, daß er keine sieben, ja keine sechs Runden durchhalten würde. Die, welche dagegen gehalten, also gewonnen und die.Frage bezüglich jzes gewagten Geldes glücklich gelöst hatten. Mit ihnen stützt er und mit ihnen fällt er. Darum wird er von ihnen nicht ablaffeß, mag geschehen, war da will.-> 6. Ich weiß, daß unsere Deutschen praktische Beschwerden, Wünsche oder Forderungen haben. In den sprachliche nun d S.ch u l» SachenstnddaSDinge, nichtgrund» sätzlicherNatur, welche sich durch eine vernünftige Praxis leicht erledigen lassen. In den wirtschaftlichen Angelegenheiten handelt es sich im Wesen ebenfalls um eine Frage der vernünftige«Praxis. Benachteiligungen deutscher Arbeiter sollen abgestellt werden Ich trage keine Bedenken, zu sagen, daß in diese» Angelegenheiten Fehler geschehen find, die sich nicht mehr wiederholen sollten, zum Beispiel dadurch, daß ans tschechische» Gegenden Arbeiter nnd Unternehmer in arbeitslose deutsche oder gemischtsprachige Gegendm gebracht wurden. Die deutschen Regierungsparteien haben alles schon diskutiert und bei der vorbereiteten neuen Aktion, wir sie Herr Ministerpräsident Hodsa eben, angekündigt hat, wird gewiß richtig vorgegange» werden. Die größten Schwierigkeiten ergeben sich beiden Angelegenheiten der Beamten und StaatSange st eilten. Eine Reihe von Wünschen ist da gerechtfertigt. Allein, gerade hier ist eS notwendig, zwei Dinge in Erwägung' zu ziehen. Vor allem handelt es sich um die Frage des B e r t r a u e n s. Es ist begreiflich, daß ein demokratischer Staat seine Administration nicht Beamten mit faschistischen, Totalität-- oder kommunistischen Grundsätzen anvertrauen will. DaS gilt nach allen Seiten hin, für das tschechoslowakische wie für das deutsche Lager. Im deut- schen Lageri st— wie die Situation heute aussieht— diese Gefahr größer. Stellen wir uns weiter ganz offen und freundschaftlich die Frage, ob nicht vielleicht gerade in der letzten Zeit allerhand geschehen ist, was die Befürchtungen auf tschechischer Seite betreffend die Entwicklung des Staates und im Staate notwendigerweise und mit Recht wieder gesteigert hat. Staatsbeamte und Angestellte— eine Frage des Vertrauens Ich konstatiere gern, daß die deutschen Beamten und Angestellten und die deutschen Soldaten im allgemeinen ihre Pflichten gegenüber der Republik sehr gut erfüllen, daß der größte Teil der deutschen Bevölkerung ihr als seinem. Vaterlande treu ergeben, ist, daß< die-deutschen Regierungskreise ihre Pflicht gegenüber dem Staate mit Selbstaufopferung tun. Es genügt jedoch ein Bruchteil der Bevölkerung, um mit lockenden, wenn auch«nreailisierbaren Schlagworten zu bewirken, daß auf der andere» Seite Besorgniffe entstehen, welche dann schwer durch Vertrauen zu ersetzen sind, durch das Vertrauen, das eine notwendige Voraussetzung dort bildet, wo ein wertvolles Gut zu gemeinsamer Verwaltung den Hände» eines anderen anvertraut werden soll. Darum betone ich das Faktum des vertrauens, darum betone ich das Faktum der Geduld und der Zeit, und ich würde wünschen, daß auf deutscher Seite weder bei öffentlichen Dellaschlossen sich jetzt den anderen an und jubelten dem Mexikaner zu. Rivera wollte sich nicht schlagen lasten. In der achten Runde versuchte sei« Gegner vergebens den Uppereut zu wiederholen. Die neunte Runde verblüffte wieder das Publikum. Mitten in einem Clinch machte sich Rivera mit einer schnellen, geschmeidigen Bewegung frei, und in dem engen Zwischenraum zwischen ihren Leibern fuhr seine Rechte von unten hoch. Danny ging auf den Boden und nutzte das Zählen aus. Die Zuschauer waren erschrocken. Er war auf seinem eigenen Gebiet geschlagen. Sein berühmter rechter Uppercut war gegen ihn selbst angewandt worden. Als er bei„neun" aufstand, versuchte Rivera nicht, ihn zu iressen. Der Schiedsrichter hätte es ja doch verhindert, obwohl er im umgekehrten Falle, wenn es Rivera war, der aufstehen sollte, beiseite trat. In der zehnten Runde führte Rivera den rechten Uppercut, vom Gürtel gegen da» Kinn seines Gegners aus. Danny geriet vor Wut außer sich. Das Lächeln verließ zwar nicht einen Augenblick sein Gesicht, aber er ging wieder zu seinen mörderischen Angriffen über. Aber so sehr er auch herumtanzte, konnte er Rivera doch nichts tun, Rivera aber schlug ihn in der Verwirrung und dem Tumult dreimal hintereinander nieder. Danny gewann seine Kräfte., nicht mehr, so schnell wieder, und in der elften Runde sah es ernst für ihn aus. Aber von jetzt an bis zur vierzehnten Runde leistete er das Beste, was er je in seiner Laufbahn gezeigt hatte. Er stand und placierte die Schläge, schonte" seine Kräfte im Kampf und versuchte die, welche er schön zugesetzt hatte, zurUckzugewInnen! Dazu kämpfte er so regelwidrig, wie es nur ein erfolgreicher Boxer kann. Jeden Kniff und jeden Trick wandt«, er an, ging in Clinch, tat aber, als wäre es zufällig, preßte Riveras Handschuhe zwischen Arm und Leib und legte seinen- eigenen Handschuh Rivera auf den Mund, um ihm den Atem zu . nehmen. Wenn sie einander dicht auf dem Leibe rationen, noch bei öffentlichen Manifestationen, noch im privaten Handel« und bei der täglichen politischen Agitation etwas geschieht, was geeignet wäre, das vertrauen auf tschechischer Seite mit Recht zu schmälern oder was al» berechtigter Grund dazu dienen könnte, da» Zustandekommen vernünftiger Vereinbarungen zwischen Tschechen und Deutschen hinaurzuschieben. Guter Wille auf beiden Selten notwendig 6. Ich schließe meine Antwort damit, daß ich au f b e i d e n S e i t e n güten Willen, gegenseitiges vertrauen und allmähliche gegenseitige Annäherung verlange. Ich verlange aber auch, daß wir alle uns ein Urteil darüber bilden, wie diese Probleme anderwärts gelöst werden. Ein ehrlicher Mensch muß konstatieren, daß die Tschechoslowakei gcmeinsani mit der Schweiz und Belgierin diesen Belangen in.Europa am weitesten ist. Ein objektiver, unvoreingenommener Politiker, welcher nicht die Wahrheit vergewaltigen will, muß anerkennen, daß während der 17 Jahre in einem Lande, welches Jahrhunderte hindurch das klastische Gebiet der nationalen Kämpfe war, einerseits nicht alles sich lösen ließ, andererseits daß die Tschechoslowakei in diesen Fragen, inS- besondere in der Slowakei— dort namentlich auch zu günstenderDeutschen— eine derartige Arbeit geleistet und einen derartigen Fortschritt erzielt hat, daß sich in Europa und auf der Welt niemand in dieser Hinsicht mit ihr vergleichen kann. Ich muß verlangen, daß auch die Aktiven ' nnd die gesamte günstige Bilanz der 17- jahrigen Politik konstatiert werden. Besonder» Maßnahmen für die Notgeblete 7. Weiter» haben Sie. über die Wirtschaftskrise gesprochen und die Notwendigkeit staatlicher Hilfe für Wre Gegend betont. Die Gegenden Nordböhmens leiden verhältnismäßig mehr, weil von der internationalen Krise gerade zwei Industriezweige am meisten betroffen sind, die Textilwaren und da» Gla», welche, hauptsächlich bei Ihnen zu Hause sind. E» leides darunter die Bevölkerung beider Nationalitäten. Ich habe mir ein Verzeichnis der Arbeiten vorlegen lasten, welche hier in der letzten Zeit ausgeführt wurden und welche für die nächste Zeit in Aussicht genommen sind. Ich habe daraus ersehen, daß hier zahlreiche staatliche Arbeiten durchgeführt wurden, daß bezüglich einiger weiterer bereits die Entscheidung getroffen ist und daß. hinsichtlich-anderer,z.'B. der St ra ß em^ .'arbeitend die feste Absicht besteht, sie in An- griff zu nehmen, sobald die» der Stand de» Straßenfonds gestatten wird. Auch eine gewisse Anzahl von Lieferungen wird die Gegend hier erhalten. Unsere Negierung hat die Absicht, im Herbst mit besonderer Energie den Kamps gegen die Arbeitslosigkeit aufzunehmen und Mittel zu einer rascheren und organischeren Liquidation der Krise bei uns ausfindig zu machen. .Dabei gedenkt sie, de» besonder» betroffenen Gegenden spezielle Aufmerksamkeit zuzuwenden. Ein««längst erschienene» Kom» muniqut de» Ministerratspräsidium» hat in diesem Sinne bereft» die erste« Vorbereitungen und dir Schaffung eines speziellen Hilfsorgans angekündigt. Wunder kann niemand waren, zischte er zwischen den aufgeschlagenen, aber lächelnden Lippen Rivera abscheuliche, unaussprechliche Schimpfworte ins Ohr. Alle, vom Schiedsrichter bis zum Publikum, hielten zu Danny und halfen Danny. Und sie wußten, was er im Sinne hatte. Ueberwältigt durch diesen überraschenden Unbekannten, setzte er all seine Hoffnung in einen einzigen entscheidenden Schlag. Er gab sich Blößen und steckte die Schläge ein, reizte seinen Gegner, machte Scheinangriffe und versuchte Rivera dahin zu bringen, daß er sich die Blöße gab, die es ihm erlaubte, aus aller Kraft zuzuschlagen und zu siegen,. Wie ein anderer, größerer Boxer vor ihm getan, konnte er seinen Gegner vielleicht mit einem Rechten und einem Linken auf den Solar- plexus und über das Kinn treffen. Er konnte es, denn er war bekannt für die Stoßkraft, die in seinen Armen war, solange er sich nur auf den Beinen halten konnte., Riveras Sekundanten sorgten in den Pausen zwischen den Runden nur wenig für ihn. Sie trockneten ihn ein bißchen Mit den Handtüchern ab, verschafften aber seiner keuchenden Lunge nicht viel Luft. Spider Hagerthy gab ihm Ratschläge, aber er wußte, daß es schlechte Ratschläge waren. Alle waren gegen ihn. Gr war von Verrätern umgeben, In der vierzehnten Runde brachte er Danny wieder auf den BR>en und ruhte sich aus, während der Schiedsrichter die Sekunden zählte. Aus der andern Ecke hatte Rivera ein verdächtige» Mistern gehört. Er. sah, wie Michael Kelly zu Robert» ging, sich über ihn heügte und ihm etwa» züflÜsttrte. Rivera» Ohren waren wie die einer Katze, in der Wüste geübt, und" er hörte Bruchstücke von dem; wa» Michael sagfie; Er wollte gern mehr hören, und öl» kein Gegner sich erhob/' glückte e» ihm, sozuma« növrieren, daß er Gelegenheit zu einem Clinch an" den Seilen bekam. '„Er muß", hörte er Michael sagen, und Roberts nickte.„Danny muP gewinnen— ich erwarten, aber wir werden a« die Arbeft gehe»«ad tu«, was in unseren Kräften steht. Wir blelbsn demokratisch! 8. Wir sind der einzige mitteleuropäische und einer der wenigen europäischen Staaten überhaupt, welche seit dem Jahre 1918 feste Kontinuität aufrechterhalten. Alle unser« Nachbarn sind durch schwere Erschütterungen, Revolutionen, Putsche hindurchgcgcmgen, nur wir sind unberührt geblieben. Auch wirtschaftlich und finanziell sind wir trotz der schweren internationalen Krise gesund, fest, widerstandsfähig geblieben und behaupten un», wa» da» wichtigste ist, ohne jegliche Hilfe au» dem Auslande und werden uns so behaupten. Auch unsere sehr schwerwiegenden Militärauslagen tragen wir allein, wir decken sie erfolgreich und helfen noch unseren Freunden. Wir sind mit einem Worte ein gesunder, fester Staat. Wa» ich sage, sind nicht bloß Worte; ich führe lediglich unwiderlegliche Fakten an.' 9. Wir haben in den Jahren 1929 bi» 1922 unseren Kampf gegen den Kommunismus erfolgreich durchgeführt.' Wir haben alle Vorstöße faschistischer Tendenzen abgewehrt. Wir find eine Demokratie geblieben und werden es bleiben, welche gewalttätige Methoden in der inneren Polftik, die Unterdrückung der persönlichen Freiheiten nnd der freien öffentlichen Meinung ablrhnt, welche die Probleme der inneren Politik mit"Hilfe des wechselseitigen Einvernehmen» aller konstrnk- tiven Bestandteile von Nation und Staat löst. Und daran wird sich auch in Hiukuust nichts Luder«, mag«m un» her«ud in Europa geschehen was da will.. Zusammenarbeit bleibt erhalten! 10. Da» heutige Europa ist in sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Umwälzungsgärung begriffen, welche alle Staaten ohne Ausnahme berührt. Unser Staat hat das Glück, in einem Milieu zu leben, in welchem das, was anderwärts Gegenstand von Kämpfen ist, größtenteils bereits überwunden ist. Gleich nach dem Kriege, hat er eine Bodenreform durchgeführt, hat er Sozialpolitik zu treiben begonnen. Er hat er verstanden, die Hauptfragen der Landwirt- schastskrife zu lösen und jetzt erübrigt e» ihm, Anstalten zu einer entscheidenden Aktion zur Liquidierung, der Arbeitslosigkeit zu treffen. Die Klassenunterschiede sind bei un» bei weitem nicht derartige wie in anderen Staaten. Deshalb haben wir chöi ün» eWr-fo’.'--.iw n-.n-ift h-> ä.v langjährige Zusammenarbeit der Linken mit der Rechte« i« der Regierung, und diese Zusammenarbeit wird sicherlich so lange dauern, al» nicht in Europa normalere allgemeine Verhältnisse eiutretrn werden nnd die heutige Gefahr internationaler Konflikte«nd innerer Umstürze schwinden wird. Di« Tschechoslowakei ist ein fester, unzerstörbarer Leuchtturm der Demokratie und der ruhigen, fortschrittlichen Entwicklung zu einer immer höheren Stufe sozialer, wirtschaftlicher und nationaler Gerechtigkeit in Mitteleuropa; sie. ist ein Land, welches in den heuiigen Umsturzzeiten zwi- scheu der äußersten Linken und der äußersten verliere ein vermögen— ich habe eine Unsumme gewettet— mein eigenes Geld— wenn er die fünfzehnte Runde durchhält, bin ich ruiniert — der Junge wird sich danach'richten, wa» du sagst. Steck eS ihm." Und jetzt hatte Rivera keine Visionen mehr. Sie versuchten, ihn zu narren. Noch einmal schlug er Danny zu Boden und ruhte sich, die Hände in die Seiten gestützt, aus. Robert» stand auf. „Jetzt ist er fertig", sagte er.„Geh in deine Ecke." Er sprach gebieterisch, wie er oft beim Training mit Rivera gesprochen hatte. Aber Rivera sah ihn erbittert an und wartete, daß•' Danny aufstehen sollte. Als er in der- minutenlangen Paus« wieder in seiner Ecke saß, kam Kelly, der Unternehmer, zu Rivera und sprach mit ihm. „Gib auf, verdammter Kerl!" fauchte er leise.„Du. müßt dich schmeißen, lasten, Rivera. Tu,'wie ich dir sage, und ich sichere'dir deine Zukunft. Nächstes Mal laste ich pich über Danny siegen. Aber diesmal' mußt' du dich besiegen lasten." ., Rivera ließ ihn durch einen Blick, verstehen, daß er. seine Worte gehört'hatte, gab aber durch kein Zeichen zu erkennen. ob er einwilligte oder nicht. '„Warum sagst du nichts?'fragte^ Kelly, zornig. j,, „Du vertierst unter allen Umständen", fügte Spider Hagerthy hinzu.„Der Schiedsrichter'läßt dlchmchtsiegen.Höre auf Kelly und tatz dich schmeißen I"' „Ja'. laß dich schmeißen; mein Jungel" dr.ang Kelly i« ihn.„Dann verhelfe ich dir. zur Meisterschaft." Rivera antwortete niöht. (Schluß folgt.). Nr. 11)3 Domwrstag, 26. August 1636 Sette S Rechten unnachgiebig die mittlere Linke der Ent» tvicklung einhalten wird. ost' Krieg kann verhindert werden Und noch ein Wort über die internationale Situation: Glauben Sie"nicht, dah sich irgendjemand anschickt, die Tschechoslowakei morgen zu überfallen. Glauben Sie nicht, dah wir dem Kriege entgegengehen und daß bei uns und um uns her irgendwelche Aenderungen eintreten werden. Wer so redet, ist entweder ein Panikmacher oder er verfolgt unlautere persönliche und politische Ziele.'• Ich schließe zwar nicht für alle Zeit die Müglichkeit von Konflikte» aus, allein die find fürs erste weder eine Fatalität und Notwendigkeit noch aktuell oder uahe, und zweitens stad sowohl wir als anch unsere Freunde bereit, den Staat bis zum letzten Atemzuge so zu verteidige«, daß ei» derartiger Konflikt keinem Angreifer etwas einbrächte. Und gerade darum lasten sich Konflikte verhindern. Ich bin heute überzeugt, daß wir den Frieden in Europa schon retten werden. Ich hoffe, daß sich die Locarnomächte im Herbst über die Zusammenarbeit in Europa einigen werden und daß es dann auch zu einem gutnachbarlichen Bertragseinverne hm e n zwischen uns und Deutschland kommen wird. . Die Sdilcksalegemelnsdiaft . der Nationen DaS Zusammenleben der Tschechen und Deutschen in unseren Ländern ist tatsächlich rin«„Schicksalsgemeinschaft". Und eS ist als» nur die Frage, ob wir unS diese Schick- salSgemeinschaft gegenseitig erleichtern oder verbittern wollen. Di« Verantwortung dafür, wie wir miteinander auSkommen wer den, tragen beide Völker. Ich weiß, daß«in jäher Wandel nicht möglich ist, daß zähe Arbeit und Geduld notwendig sein wird. Ich will als Staatsoberhaupt«in Mittler zwischen beiden Teilen und ein Helfer beider sein, wie daS mein« Pflicht dem Staate gegenüber ist. Ich habe dazu genug festen Willen und» wie ich annehme, auch genug Objektivität. Ich fühle mich alS Oberhaupt des ganzen Staates, ich fühle mich uuter Ihnen, so zu Hause, als ob ich in Prag wäre, und eS ist mein Verlangen, auch in Ihnen daS Verlangen hervorzurufen, daß ich der Ihr« Sin. Ich wünsch« Ihnen, - daß«S Ihnen hi«r gut geht, daß Sie ruhig und fest sind und sich sicher und stark fühlen. Niemandem wird etwas geschehen, wen» wir alle im Dienste deS Staates zusammengehen werden. Und ich weiß, daß wir zusammen- | gehen werden. Auf Wiedersehen i Die Begrüßung In Reichenberg Der Reichenberger Bürgermeister Senator Karl Kostka hob in seiner Begrüßungsansprache hervor, daß die Reichenberger Bevölkerung es besonders hoch einschätze, daß der Präsident der Republik im ersten Jahr seiner Präsidentschaft die Stadt für seinen Besuch auierwählt hat. Wir gedenken hiebei Ihrer Worte, daß es Ihnen besonders daran liegt, dl« Wünsch« und Forderungen diese» Gebiete» und die Leiden und Sorgen der Bevölkerung zu erfahren. Sie wissen e» auch, hochverehrter Herr Präsident, daß diese Stadt und der grösste Teil ihrer Umgebung dem sudetendeutschen Staatsgebiete angehören, jene Randgebiet« im Norden unserer Republik, in dem die deutschen Männer und Frauen von jeher gewirkt haben. Sie arbeiten und sorgen auch heute für ihre Heimat und sie wissen, wa» diese Arbeit für ihr.Volk und für den Staat bedeutet, dem sie heute und für alle Zukunft in loyaler Treue und Ergebenheit angehören wollen. Gerade darau» ergeben sich aber auch für den Staat und seine Organe sowie für die tschechische und deutsche Bevöllerung der Republik die grössten und bedeutungsvollsten, vielleicht aber auch die schwierig st e n u n d verantwortungSvoll- sten Aufgaben. Nur die Verbundenheit von "Liebd zum eigenen Volkstum und wahrhafter Staatsgesinnung könne den Frieden im Staat« festigen und damit auch da» friedliche Zusammenleben der Völler und. Nationen in Europa begründen. Seien Sie un» gleich wie Ihr Vorgänger, der Präsident-Befreier Äasaryk, aus dem Wege zu. diesem erhabenen Ziels Kauft los« der Arbelterffilrforgal Mit 3 KC kannst Du Beträchtliche» gewinnen und dabei unterstützt Du Hilfsbedürftige! Ziehung am 27. Oktober 1936 Vorbild und Weiser, und alle Bürger diese» Staate» werden Ihnen gerne und willig folgen. Bürgermeister Dr. Kostka verwies sodann auf die industrielleund gewerbliche Bedeutung v o n R e i ch enb e r g und Um- gebung, wo heute Tausende von fleissigen Menschen >urch die ungeheure wirtschaftliche Krise gerade unsere» Gebiete» zur bittersten Not verurteilt erscheinen. Dauernde Som« um die eigene Existenzund um da» Leben seiner Angehörigen mache den Menschen nicht nur kleinmütig, sie wirft ihn auch dem Anar- chirmu» l?) und der verantwortungslosen Demagogie in die Arme. Staatliche Aufträge unter Beachtung der notwendigen ortsüblichen Lohnverhältnisse und eine grosszügige Fortführung der überall anerkannten staatlichen produktiven Arbeitslosenfürsorge unter besonderer Berücksichtigung der Jugendlichen und de» Gewerbestande» könnte hier noch viele Verzweifelte aufrichten.„Wir vertrauen darauf, dass e» Ihnen, Herr Präsident, gelingen wird, die Hoffnungen, welche au» den bestehenden Erleichterungen und Besterungen in einzelnen Industriezweigen heute geschöpft werden können, zu verstärken, damit wir alle den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit siegreich bestehen." Im Namen der Bezirksausschusses Reichenberg begrüßte den Präsidenten BezirkSauS- fchussinitglied Genosse Drbohlav, der ein Bild der gegenwärtigen Lage in der Rei- chenberger Textilindustrie entwickelte. Heute stünden viel« B-triebc gänzlich still, die anderen arbeiten nur unter den größten Schwierigkeiten mit stark verminderter Kapazität. Seit dem Jahre 1929 haben 48 Betriebe ihre Produktion gänzlich eingestellt, wobei 7888 Personen erwerbslos wurden; bei der Stillegung zu Ende des Jahre» 1988 wurden 8989 Personen brotlos. So ähnlich Verhalte es sich auch mit der Eisenindustrie und anderen Industriezweigen. Wie groß die Arbeitslosigkeit in der Textilindustrie ist, beweisen die beiden BergleichSziffern. Im Jahre 1929 wurden im Bezirk Reichenberg 181 und im Jahre 1988 7888 Erwerbslose gezählt. Drbohlav kam sodann auf die Lage der Selbstverwaltung zu sprechen, deren Verschuldung ständig zunehme. Die Gemeinden führen berechtigte Klagen über die zu geringe Zuteilung der Ernährungskarten. Der Bezirk Reichenberg-Land ist einer der ärmsten und besitzt keine gewinnbringenden Unternehmungen. Dafür habe er aber verhältnismässig den grössten Teil der sozialen Lasten der hier beschäftigten braven und fleißigen Menschen zu tragen. Wir stehen auf dem Boden unseres Staates und bekennen un» zu ihm. Viele Bewohner des Bezirkes sind Demokraten, stehen treu zu unserem demokratischen und freien Stadt, zu unserem Präsident- Befreier Masaryk und zu Ihnen, Herr Präsident. Im Namen des Präsidiums der Reichenberger Messe begrüßte Präsident Liebieg den Präsidenten .der Republik. Seit der Gründung der Messe haben die wirtschaftlichen Verhältnisse einen grossen Wandel erfahren und auch die Resse hat diesen Wandel mitgemacht. Keine unserer Messen gleicht ihrer Vorgängerin und der allgemeinen Warenschau, haben, stlr immer wieder Sondermessen, mannigfachster Art angegliedert. So haben wir eine Einrichtung geschaffen, die nicht nur ihre alten Freunde sich erhält, sondern stets auch neue hinzuzugewinnen versteht. Dr. Liebieg verwies sodann auf seine Denkschrift, die er dem Präsidenten der Republik»och vor seinem Eintreften übermittelt hat und die die schweren wirtschaftlichen Sorgen und die wirtschaftspolitischen Wünsche zusammensaht. Für die sudetendeutschen Lehrerverbände sprach Prof. Dr. Gottfried P reiss- l e r, der als Ziel der Erziehung aller Schulen aller Völker unseres Staates bezeichnete, tüchttge und ausgeschlossene Menschen zu erziehen, die ihrem Volle und ihrem Staate ergeben sind, die den Mitmenschen anderen Stander, anderer Religion und anderer Sprache achten, die die kulturellen Leistungen aller Böller Europa», besonder» aber unseres Staate» schätzen und bereit sind, einer wahrhaften De« mokratic zu dienen, sie zu schützen und sie weiter auSzubauen.— Der Redner bat, dafür einzutteten. dass keine deutsche Schule al» Gesamtanstalt mehr aufgelassen wird.»Wir bitten Sie, dafür einzutce- tcn. dgß die Jugend, di« unsere Schulen verläßt, entsprechend der Kopfzahl unserer Volker im Staatsdienste Arbeitsplätze findet. Und wir gestatten uns, Sie daran zu erinnern, dass e» ein gemeinsames Anliegen aller deutscher Parteien und kulturellen Gruppen ist, dass die Verwaltung de» deutschen Schulwesen» Im Rahmen der staatlichen Gesetzgebung den deutschen Ktilturfaktoren übergeben werde Wenn die deutsche Oeffentlichkeit ihr Schulwesen selbst verwalten könnte wie die ReligionSgemetn« schäften ihre Kirchen selbst verwalten, so würde manche Reibungsfläche de» politischen TageSkampfeS verschwinden. Der Präsident In Gablonz und Elsenbrod Gablonz. In Gablonz traf der Präsident der Republik mit seinem Gefolge mit., beträchtlicher. Verspätung ein. An der Grenze des Bezirkes Gablonz meldeten sich beim Präsidenten die offiziellen Persönlichkeiten. mit dem Bezirkshauptmann Dr. Sörf an der Spitze. Auf dem Marktplatz in Gablonz begrüsste den Präsidenten der Gablonzer Bürgexmelster Gustav Petrovslh. Nach seiner Rede begrüsste da» Publikum, welches den ganzdif Marit bis zum letzten Platz füllte, den Präsidenten Mit.,einem dreifachen„Heil!". Für" die" tschechische Bevölkerung von Gablonz begrüsste Stadtvatjsmitglted Koses Floriän den Präsidenten, Sodann sprach das Mitglied deS Bezirksausschusses, Josef Bit, namens der deutschen Bevölkerung des Bezirkes begrüsste den Präsidenten der Republik das BezirkSaüSschussmitglied Dechant Dr, Schöler. Wie anderwärts meldet« sich auch in'. Gablonz die Schuljugend mit diner herzlichen Ansprache zu" Wort. Sodann ergriff der Präsident der Republik das Wort, um für die Begrüssung»« kundgebungen zu danken. 1 Gleich herzlich wie in Gablonz war" der Empfang in Eisenbrod." Wer gefährdet den Frieden? Das könnte sich schon herumgesprochen haben, dass seit der Aufrüstung des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland, dah seit den gewaltigen Rüstungen deS„Dritten Reiches", seit dem Austritte Deutschlands aus dem Völkerbund und dec Sprengung der Abrüstungskonferenz durch Hitler die grosse Unruhe über Europa gekommen ist, dass seither alle Staaten bis zur wirtschaftlichen Erschöpfung rüsten. Man sollte also meinen, daß Deutschland der europäische Störenfried ist. Die „Deutsche Presse" weih es besscrl Am Schlüsse eines Leitaussatzes, der die sowjetrussischen Rüstungen schildert, sagt sie: „Alle Bemühungen für eine Verständigung drohen die fortgesetzten KriegSriistungen zu durchkreuzen, wie sie gegenwärtig Sowjetrussland in einem beispiellosen Tempo durchführt. Je grösser und drohender die Armee, der Wcltrevolution anf- tritt, umso mehr müssen jene Hoffnungen verschüttet werden, die man für die Wiederherstellung einer friedlichen und vertrauensvollen Atmosphär- in Europa hegt." So bedroht also Sotvjetrussland den europäischen Frieden? Weil es eine grosse, und, nach den übereinstimmenden Urteilen der Fachleute, auch gute Armee hat? Ja, aber Sowjetrussland hat doch die Abrüstungskonferenz nicht verlassen, sondern war bereit zur Mitarbeit I Und Sowjetruhlands Zukunft hängt, auch das wissen alle, die sich ein wenig mit den russischen PrMemen befasst haben, doch vor allem davon ab, dah es zu keinem Kriege gezwungen wird, dah sein innerer Aufbau nicht durch.aussenpolitische Verwicklungen gestört wird! Und diese Störung dvoht von zwei Seiten. Im Fernen Osten und von Mitteleuropa auS. Nicht Sowjetrussland, sondern Hitler erklärt in seinem Buche, daß ausserhalb des Reiches Siedlungsland gesucht werden müsse— Hitler weist dabei nach Ruhlandl Und im Fernen Osten hat doch nicht Russland die Mandschurei erobert, sondern Japan, dringt Japan beharrlich auf dem Kontinent vor. In solcher Situation sollte Sow- jetrussland nicht zur Abwehr rüsten? Rüsten denn die europäischen Staaten unter Berufung auf die Stärke der Roten Armee? Od-r sucht nicht England seine Luftflotte zu erneuern und gewaltig zu stärken, weil Hitlers Luftflotte so überaus stark geworden ist? Rüstet die Tsche- choslolvakei, weil sie sich durch Russland bedroht fühlt? Verstärken die Schweiz, Belgien, Holland >ihrrn Grenzschutz aus Furcht vvr'gftthländ?- Die Abneigung der llhristlichsozittlen gegen Sowjetrussland ist verständlich. Aber wenn sie so- weit führt, die Tatsachen auf den Kopf zu stellen, die Tanks und Flugzeuge in unserer Nachbar-- schäft nicht zu sehen und nur die in Russland, dann wird das zu selbstmörderischer Politik. Denn die bolschewistische„Gefahr" ist ein Phantom, die Bedrohung durch den Faschismus, die Zerstörung des europäischen Friedens durch den kriegerischen Nationalismus ist eine Realität. eine neue„Feste" In zweifacher Hinsicht für unsere wirtschaftlichen aber auch politischen Verhältnisse charakteristisch ist ein Bericht der„Närodni Politika" über die Umwandlung einer Fabrik inHohenelbe in eine Sokolhalle. Die grosse Goldschmied-Fabrik sei, so berichtet das Blatt, vom Sokol ersteigert worden(wie„der tschechischen Oeffentlichkeit mit Freude mttgeteilt werden kann") und schon jetzt werden Vorbereitungen getroffen, die ehemalige deutsche Hochburg ihrem neuen Zwecke zuzuführen.„Sobald die vorhandenen Maschinen verkauft und abtransportiert sein werden, wird der Sokol mit dem Umbau in eine Turnhalle beginnen und den Fabrikhof mit dem anschliessenden Garten in einen Turn- und Spielplatz verwandeln. Und" so entsteht auf den Trümmern eines deutschen Industrieunternehmens in absehbarer Zeit ein Mittelpunkt für die tschechischen Grenzler— eine neue Feste im Gebirge." Es ist auch von einem tschechisch-nationali- stischen Standpunkte aus sehr kurzsichtig, darüber zu jubeln, dass auf den Trümmern eines deutschen Industrieunternehmens ein Sokol-Haus ersteht. Der Zusammenbruch deutscher Fabriken schädigt ja nicht nur die deutsche Bevöllerung, er schädigt auch die Wirtschaft des Staates. Wenige Tage vor,dem, Reichenberger Besuche unseres Staatspräsidenten, der so ernste Erwägungen über die Behebung der Wirtschastsnot in den deutschen Randgebieten anstellte, vermag sich die „Närodnj Politika" einer„nationalen Eroberung zu freuen, die darin besteht, dass der Sokol ein« zugrundegegangene deutsche Fabrik ersteigern konntel Als 06 nicht jede Fabriksstillegung, jene Vermehrung der Arbeitslosigkeit den Staat träfe I Seltsame Wege geht der Nationalismus! Er geht auch bedenkliche Wege, wenn er in jedem Bau einer Sokol-Turnhalle die Aufrichtung einer Feste sieht. sEine Feste wird doch nur gegen Feinde aufgerichtet. Wer aber sind die Feindes Braucht man es erst zu sagen? Aus dieser Begrüssung des Baues eines SokolhauseS spricht jener tschechische Chauvinis- m u S, der"in den Deutschen schlechthin Feinde sieht." /. Dieser Nationalismus, der-jeden Tschechen ins deutschen Gebiet zu einem kämpferischen Grenzler, jedes tschechische Vereinshans zu einer „Feste" machen will, der sich ein anderes Verhältnis zu den Deutschen dieses Staates als das des dauernden Kampfes nicht vorstellen kann, stört immer Iviedcr die VerständigungSarbeit des Staatspräsidenten und anderer ffchechischer Politiker, die weiter sehen als bis zur Sprachgrenze und der tschechoslowakischen Politik höhere Ziele weisen wollen als die Verschiebung dieser Grenze, dieser kurzsichtige Nationalismus dient nicht dem Staate; sondern dem deutschen Nationalismus und schädigt lveit, lveit mehr, als er je wird ahnen können, den Staat I Der Staatspräsident für notleidende deutsche Kinder. Der Staatspräsident Dr. Edvard Benes hat der Deuffchen Landeskommission für Kinderschuh und Jugendfürsorge in Böhmen im Wege des Tschechoslowakischen Roten Kreuzes den Betrag von XL 50.909.— für notleidende Kinder der Notstandsgebiete gelvidmct.— Es wird allgemein mit herzlichem Dank anerkannt werden, dass der Staatspräsident der deutschen hungernden Kinder gedacht hat. Die nationalen Verschiebungen im sudetendeutschen Siedlungsgebiete werden in folgenden, die Umwandlung in einigen deutschen Städten zeigenden Zahlen sichtbar: Böhmisch-Lcipa hatte im Jahre 1889 erst 219 tschechische Einwohner, im Jahre 1939 4231, in Dauba stieg die Zahl der Tschechen von 248 auf 1288, in Deutsch-Gabel von 8 aus 628, in Gablonz von 243 auf 19.987.— Die Zuwanderung der Tschechen in die sudetendeutschen Gebiete hat nicht mit dec Gründung der Tschechoslowakischen Republik begonnen. Sie hat eingesetzt mit der starken industriellen Entwicklung unserer deutschen Randgebiete; die soziale Wanderung aus den Agrarge- bieten in die industriellen, in jenem Lande zu beobachten, war bei uns, musste bei uns zugleich eine nationale Wanderung sein. Zweifellos aber ist dieser tschechische Zuzug in die deutschen Randgebiete nach der Staatsgründung viel stärker geworden, ist die natürliche soziale Wanderung verschärft worden durch den staatlichen Protektionismus. Die Zunahme der tschechischen Bevölkerung in den deutschen Randgebieten lässt die in der Zeit der Wirtschaftskrise besonders lebendigen nationalen Ressentiments verständlicher erscheinen— als Begleiterscheinung dieser Verschiebungen— und diese Ressentiments wurden dann geschickt ausgcnützt. - Bezeichnende Denwnstration. Kürzlich haßen auf der Strasse, die sich bei Weipert entlang"der Grenze hinzieht, auf der sächsischen Seite einen ganzen Tag lang Autokolonnen mit SA-Besatzung, Indem sie einen ganzen Tag an der Grenze auf- und abfuhren,»auffällig demonstriert. In einer als Kantine eingerichteten Kolonialwarenhandlung stiessen die bereits angeheiterten Helden Drohungen gegen die Tschechoslowakei aus, das Land,„das man auch noch erobern müsse". Schwerer Unfall. In der Nähe der Staatsgrenze zwischen GraSlitz und Schönbach- Stadt, aus tschechoslowaksschem Boden, stiessen zwei Motorräder zusammen. Dor von der Olympiade Heimkohrende Franz Fuchs aus Schöiwach, In dessen Begleitung der Schönbacher Bürgermeister Otto Schuster war, stiess gegen das entgegenfahrende Mowrrad des Otto Nadenik aus Schönbach, auf dem auch der Bruder des Nadenik fass. Die vier wurden auf die Strasse geschleudert, wo der Bruder Nadeniks tot liegen blieb. Fuchs und Otto Nadenik wurden schwer verletzt ins Graslitzer Krankenhaus eingeliefert, Bürgermeister Schuster mit einer Kopfverletzung in häusliche Pflege entlassen. Die Karlsbader Bankbetrüger konnten von der Wiener Polizei verhaftet und ein Teil der Beute konnte bei ihnen sichergestellt werden. Die Verhaftung erfolgte mif Grund eines Steckbriefes, den man ausgeben konnte, weil der Bankinhaber auf einer der vielen in Karlsbad geknipsten Promenadenphotographien die beiden Besucher erkannt hgtte. Es sind zwei Reichsdeutsche, Bang und Schiefer. Dio bürgerliche Presse hatte sie als„Emigranten" bezeichnet. Erkundigungen bei den Behörden und den Emigrantenkomitees haben einwandfrei bewiesen, dass die beiden keine Emigranten sind. Spiel mit Zahlen. Die SdP hat am 2. August in Weipert ein Bezirksfest veranstaltet, an dem, ihren Presseberichten zufolge, 8999 bis 4099 Menschen teilgenommen haben. Bei der Abgabenverrechnung wurden aber nur 1990 Besucher gemeldet. Die deutsche> Stadt Weipert sollte"also von den Patentdeutschen um die Abgaben geprellt werden. Als die Stadt sich dies nicht gefallen liess, zahlte man schliesslich für die tatsächliche Teilnehmerzahl von 1809 die Gebühren. Die Aufschneiderei der SdP wird ebenso wie ihre Tendenz, BolkSgenossen übers Ohr zu hauen, aus diesem Spiel mit Zahlen deutlich erkennbar.' Zum Präsidenten der LimdeSfinanzdirektion wurde vom Präsidenten der Republik Ministerialrat Dr. Fr. Binar ernannt. Am 81. August-treten der bisherige Präsident der. Landesfinanzdirektion Dr. Brachtl und Vizepräsident Dr. Streiks in den Ruhestand, .Sette 4 Donnerstag, 20. August 1936 -K. 19S, Rumänische Politik Bukarest, Mitte August 1986. Die Außenpolitik Rumäniens— die einen auSläudischen Journalisten bei einem Besuch des Landes im Augenblick am meisten interessiert— Hängt davon ab, in IvelcheS Gleichgewicht sich die gegeneinander wirkenden innerpolitischen Kräfte bringen werde». Die Entscheidung wird, wie man glaubt, nicht lange auf sich warten lassen. Die größte Partei Rumäniens sind die Ratio n a I z a r a» i st e n, eine bäuerliche Partei etwa des linken Zentrums. Sie steht innerpolitisch auf dem Boden der parlamentarischen Demokratie, außenpolitisch unterstützt sie den Außen- minister TituIcScu, der mit zäher Energie an den Äitndnisscn mit Frankreich, der Tschcchoslo- Ivakei und Jugoslawien scsthält. Die Partei ist auch fiir eine gute Behandlung der Minderheiten und nicht antisemitisch. Ihre Führer sind Manin, Lupu und Mihalache, von denen der erste bereits dreimal Ministerpräsident, der zweite Innenminister war. Die Nationalzaranistcn sind augenblicklich staaiserhaltende Opposition und mit dem König, der in die Politik aktiv eingreist, ein biß- chcn zerstritten. Für die kommenden Wahlen, die im Oktober 1987 stattfinden sollen, sagt man ihnen(die Nachwahlen zeigen cS) gute Chancen voraus. Ob die agrarische Demokratie tatsächlich zur Negierung gelangen wird, hängt freilich von der Entwicklung der Rechte n ab. Diese wird gebildet von den Christlich-Nationalen, deren Führer Cuza und Gopa sind. Beide sind Reaktionäre, Faschisten, Antisemiten, ihr Ziel ist die Diktatur — welche Stelle sie in ihren Plänen dem König zuwciscn, ist unklar. Sie scheuen, gleich den Faschisten anderer Länder, auch vor Mord und Terror nicht zurück, außenpolitisch streben sic, als Bewunderer Muffolinis und Hitlers, eine An« nähruug an Italien und Deutschland an. Eine Mittelstellung zwischen den beiden großen Gruppen der Linken und der Rechten istiumt die l i b c r a l e P a r t e i an, welche Rumänien jahrzehntelang unumschränkt regiert hat. Ihr gehört auch der jetzige Ministerpräsident T a t a r c s c u an, der jedoch mit dem legitimen Führer der Partei, dem Prof. Georg Brattanu, dem Neffen des gleichnamigen Begründers des modernen Rumänien, in vielem nicht übercinstimmt. Die Liberalen sind die Partei der Industrie und der Banken, eine klassische liberalkapitalistische Partei. Die Sozialdemokratie ist gegenwärtig' im rumänischen Parlament unvertreten, sie hat die Gewerkschaften hinter sich, innerhalb der Arbeiterschaft wird ihr der Einslust von den lillegal arbeitenden) Kommunisten streitig gemacht, deren Wühlarbeit die rumänische Arbeiterschaft aus dem politischen Krästcspiel auSgeschal- tet hat. Was ist's mity mit der rumänischen Regie- r u ii g? Der Ministerpräsident ist ztvar ein Liberaler, aber ein Außenseiter, der Innenminister steht der faschistischen Rechten nahe, der im Lande und bei Hofe cinflnstrciche Außenminister kommt von den Demokraten her, war also früher ein LinkSliberalcr und kann heute als konservativer Demokrat bezeichnet werden. So schwebt di; Regierung in der Luft: Jbic Linke steht in Opposition, ebenso die Rechte, obzwar sie im Innenminister und In der Polizei eine starke Stütze hat. Ob sie zur Macht komnit, hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung Rumänicus ab, aber auch davon, wo- hin sich im entscheidenden Augenblick der König neigt— man denke nur an die Rolle Hindenburgs bei der Berufung PapcuS 1932 und Hitlers 1933. Wirtschaftlich steht die Sache für die Faschisten nicht zum besten. Eine gute Ernte, verbunden mit einer gcwisien Getreidcpreiögarantie für die Bauern, macht die landwirtschaftliche Bevölkerung Epperimeuten abhold, eine aufsteigende Industrie schafft ArbeitSmöglichkettcn sür Mittelstand und Proletariat. Eine soziale Zersetzung der Streicher: Das olympische Feuer ist erloschen, jetzt möchte ich endlich wieder meine Scheiterhaufen entzünden1 Bevölkerung durch die Krise.wie in Deutschland, Oesterreich oder den sudetendeutschen Gebieten ist in Rumänien nicht«ingetreten. Den stärlsten Anhang haben die Faschisten unter den Intellektuellen, zwei Drittel der rumänischen Studentenschaft stehen in Ihrem. Lager. Unter dieser Schichte ist auch die Arbeitslosigkeit am gröhten. Ein ausgesprochen demokratisch gesinnter Politiker sagte mir, dah die Liberalen zu viel hohe Schulen geschaffen hätten, jetzt habe man für'die Tausenden, welche diese Schulen absolviert haben, keine Beschäftigung. Die arbeitslosen Akademiker sind die Kampf- und Werbetruppc der Faschisten und verstehen eS, mit tönenden Worten, aber auch mit Taten die Ocfscntlichkeit in Spannung zu erhalten'und zu beeinflussen. Deutschland unterstützt naturgemäß die faschistischen Gruppen, sein wirtschaftlicher Einfluß tut das übrige. Sollte, Ivie gesagt, der König, der nach der rumänischen Verfassung eine starke Stellung hat,'sich den Elementen der Rechten zuwenden, dann würde eine Umkehr in der Innenpolitik sich vollziehen, die nicht Die Meldungen aus Spanien— einander widersprechend wie an allen Tagen des Bürgerkrieges— lassen immer deutlicher das eine erkennen, daß die Fronten wie einst im Weltkrieg im Stellungskampf zu erstar- r e n d r o h e n. Die starken offensiven Kampfmittel, mit denen allein ein gut eingegrabener Gegner aus seiner Stellung geworfen werden kann, fehlen vorläufig beiden Gruppen. So geht der Kampf darum, in dem noch freien Felde strategische Schlüsiclpunkte In die Hand zu bekommen und dem Gegner irgendwo die Flanke abzubc- komnien, oder aber um den Besitz der industriellen Zentren, auf die sich«ine wirkliche Kriegsproduktion, Erzeugung von Flugzeugen, Tanks und Munition stützen könnte. Die Aufständischen wollen vor allem A st u r i e n erdrücke», um den Rücken frei zu haben und sich in den Besitz der asturischen Bergwerke zu setzen, der Regierung aber den Weg zum Atlantischen Ozcan zu verlegen. Die Regierung versucht, durch den Druck auf die Guadarrama« front und auf Saragossa die Hauptstsllung MolaS cinzudrückcn, die Verbindung mit Asturien zu schassen und dann, uns Katalanien und Asturien gestützt, sich gegen Süden zu wenden. Heftige Kämpfe sind an der S t r a ß e b e i I r u n im Gange, wo die Miliz sich verschanzt ohne Einfluß auf die Beziehungen Rumäniens zum Auslande bliebe. Vorläufig beherrscht allerdings Ti tu« l e s c u noch das Feld. und. cs würde sehr schwer sein, diesen bedeutendsten Staatsmann Rumäniens zu stürzen. Aber es gibt rumänische Politiker nicht nur auf der Rechten, sdndern auch unter den Liberalen, welche TituleScuS Außenpolitik bekämpfen. Dabei spielt die Frage des Durchmarsches der Russen durch Rumänien— welche die Tschechoslowakei in hohem Maße interessiert— eine bedeutsame Rolle.' So stehen wir in der rumänischen Politik einer Labilität gegenüber, die sich verschieden auSlvirken kann. Rumänien ist ein NcbenkriegSschauplatz des großen Kampfes zwischen, Faschismus und Demokratie in Europa. Wer Sieger bleibt in dem alten. Erdteil, darüber wird in den großen Ländern entschieden. Vom Ausgang dieses Kampfes hängt die Zukunft in Ru- niänien ab— und nicht nur dies. Emil Strauß. hat und die Rebellen nicht weiter vorwärts kamen. Der aufständische Kreuzer„Almirante Cervera"/ soll einen Treffer einer Küstcnbattcrie erhalten haben und schtver beschädigt sein. Franco stößt gegen Malage vor, das seine rechte Flanke bedroht und ihn an der Offensive nach Norden hindert. B e so rg n i 8 e r r c gen d sind die Nachrichten aus Carthagena, dem wichtigen Kriegshafen, der in der Hand der Rebellen oder mindestens umstritten zu sein scheint. Jouhaux berichtet Paris. Der auS Spanien nach Paris zurückgekehrte Generalsekretär der französischen Gewerkschaften I o u h a u r erklärt, die Madrider Regierung Hai« sich um die Zusammenfassung der verschiedenen Faktoren des Landes zu einem heftigen Kampf bemüht. Die Aufständischen, welche zahlenmästig und auch in der Ausrüstung stärker sind als die BolkSfrontmiliz, könnten sich vielleicht strategisch wichtiger Puntte bemächtigen, aber man müsse ihre SiegeSnreldungen immer nur als Meldungen über Teilerfolg« werten. Dir Madrider Regierung habe die Waffenproduktion vervollkommnet und daS RcgierungSarsenal produziere täglich drei vollkommen ausgerüstet« Wngzruge, Auf Wiedersehen I Als sich der Präsident Dr. Bcnc8 auf dem Rathausplave in Rcichenberg von der freudig gestimmte» Bevölkerung verabschiedete, rief er ihr zu:„Auf Miedcrschen!" lind„Auf Wiedersehen!" antwortete die Masse. In diesem Gruße, im beiderseitigen gleichen Gruße, ofscn- barte sich die wir kl ick) menschliche Beziehung, die durch den Rcichcnbcrgcr Besuch Dr. Beneö' zwischen ihm.und der nordböhmischen deutschen Bevölkerung angcbahnt wurde— eine Beziehung des gegenseiftgen Vertrauens, des Verstehens und— das darf man wohl sagen, auck) der Zuneigung. Gerade nach seiner klugen und bedeutungsvollen Rede ist das Vertrauen der Deutschen Nordböhmens zu ihm groß geworden, stark und zuversichtliche Man darf annehmen, daß der Präsident gleiches Vertrauen zu unserer Bevölkerung gewonnen hat,, zu diesen einfachen, geraden, arbeitenden Menschen. Dieses gegenseitige Vertrauen. ist unge- mein viel und es wird dem Präsidenten die. schwierige Arbeit, die er mit dem Antritte seines Amtes übernommen hat, das Werk der Verständigung zwischen den Nationen, sehr erleichtern.„Auf Wiedersehen!" Aufrichtig, aus dem Herzen kommend war das Abschiedswort deS Präsidenten.„Auf Wiedersehen!" Aufrichtig, aus dein Herzen der Masse kommend war der Abschiedsruf der Bevölkerung! Sie weiß, daß der Präsident an die Arbeit geht. Sie weiß, daß er eines Tages wiederkchrcn wird und daß sie ihm dann fiir die Ergebnisse seiner Arbett wird danken können. Eine Werbeaktion für die Tschechoslowakei. (R. F.) Soeben ist eine Gescllschast fiir die Propagierung der Tschechoslowakei im Ausland gegründet worden, die den Namen„Srdce Evroph" („Das Herz Europas") trägt. Es handelt sich dabei um eine Aktion von Selbstverwaltungskörpern, deren Einnahmen durch den Rückgang des tschechoslowakischen Fremdenverkehrs empfindlich berührt worden sind. Als Hauptaufgabe stellt sich die Vereinigung die regelmäßige Herausgabe von Werbebroschüren in tschechischer, deutscher, englischer und französischer Sprache, die nach Ausstattung und Inhalt allen auch noch so strengen Ansprüchen gerecht werden sollen. Dis erste Nummer des„Srdce Evropy" ist soeben erschienen. Sie enthält, neben einem farbigen Porträt des Präsidentin Dr. Benes, Aufnahmen von Täbor, Münchengrätz und Saaz, praktische Wirke für Touristen, eine Karte' der Eisenbahn- und Lustverbindungen, ferner Bilder aus dem Film „Jizdni hlidka",.und schließlich Artikel von Karel Capck, vom Generaldirektor der Staatsforste, Dr. Siman und von anderen Persönlichkeiten. Wir verzeichnen diese Neuerscheinung als eine» Beweis dafür, daß das Interesse an de» Aufgabe» der tschechoslowakischen Frcmdenwerbung sichtlich im Steigen begriffen ist. Dies ist erfreulich, wenn auch bedauert werden mnß, daß fünf Lahre schwerster Krise vorübergehen. mußten, bis sich die Erkenntnisse Durchbruch verschafft haben, von denen sich die Leiter dieser Vereinigung bestimmen lassen. Blitzschläge. Heber dem Gebiet von Jglau ging Dienstag nachmittags ein Gewitter nieder, das zwar nur eine Viertelstunde dauerte, bei dem jedoch der Blitz in der Gemeinde Dlouhä Brtnice. zweimal einschlug. Ans einem Felde hinter der Gemeinde beaufsichtigte der 62jährige GutSbesit- zcr Franz Kunöttrr die Haferernte, wobei er in der Nähe eines Ochsenfuhrwerkes stand, Plötzlich schlug, der Blitz in die arbeitende Gruppe und warf alle zu Boden. KunStär wurde vom Blitz getötet. Auch einer der Ochsen wurde erschlagen Etwa eine Viertelstunde später setzte der Blitz In Dlouhä Brtnice«ine Scheune des Landwirtes Stancl in Brand. Menschen, die in der Scheune Zuflucht gesucht hatten, sowie ein Paar Pferde blieben unverletzt, während die Scheune selbst mit allen Vorräten vollständig niedevbrannte. Der Schaden ist erheblich. Schwachsinnige Kinder verbrennen ihr« Schwester. An der südungarischen Gemeinde Do- rozma errichteten die drei schwachsinnigen, Kinder des KriegSinvaliden Josef Gallet im Speicher des väterlichen Hauses einen Scheiterhaufen und schleppten hierauf ihre ebenfalls schwachsinnige 18jährige Schwester auf den Scheiterhaufen, den sie entzündete». Kurz darauf, befand sich der Speicher in Hellen Flammen. Als der Brand gelöscht war, fand man das Mädchen als verkohlte Leiche. Die Gangsterplage. Ein Bürger italienischer Herkunft namens Giovanni'Arena verließ in Begleitung seine» Freundes fein Haus in Philadelphia. Sie hatten kaum drei Schritte getan, al», auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Krafttvagen vorfuhr, dessen Insasse» au» zwei Maschinengewehren, das Feuer, eröffneten, durch welche» die beiden Fußgänger auf 1 der Stelle zu Boden gestreckt wurden. Das,Auto fuhr dann sogleich davon. Die beiden Neberfallenen waren von den Kugeln buchstäblich durchlöchert. Di« Polizei nimmtan,' daß cs sich um eine»' Racheakt', von .Gangster» handelt. Oer Moskauer„Schauprozeß“ Mit dem Henker gegen die Opposition— Unwahrscheinliche Geständnisse Moskau.(Taß.) Das Militärkollegium des Obersten Gerichtes der Sowjetunion schritt Mitt- tvoch in öffentlicher Sitzung unter dem Vorsitze Ulrichs zur Verhandlung in der Angelegenheit gegen Sinowjew, Kamenew, und 14 andere An- gcllagtc. Die öftcntliche Anklage vertritt, der Prokurator der Sowjetunion Vtzschipstij. Sämtliche Angeklagte haben auf Verteidiger verzichtet. Der Gerichtsvorsihcndc Ulrich erklärte, daß die. Angeklagten damit alle Rechte erlangt haben, die den Verteidigern zustehen. Hierauf folgte die Verlesung der Anklageschrift. Die Angeklagten be« kannten sich??) zu de» ihnen von der Anklage znr Last gelegten Handlungen mit AuSnahnie Smirnows und Goldnmns, welche zwar gestanden, an terroristischen Organisationen teilgenommen und von Trotzki Weisungen über die Durch- sührung des Terrors entgcgengenommcn zn haben, jedwede direkte Teilnahme an der praktischen Vorbereitung terroristischer Akte jedoch in Abrede stellten. , I» der Anklageschrift heißt es: Die Gerichtsbehörden hatten vor cineinh'alb Jahren bei der Untersuchung der Ermordung Kirows nicht alle Angaben' zur Verfügung, die die Ivahre Rolle der terroristischen und illegalen Tätigkeit der Anhänger der Sinowjcwgruppe, der Führer der sogenannten Moskauer Zentrale und der Führer der illegale» Unstriebe der Trotzki-Anhänger enthüllen. Auf Grund der Tatsachen, die in letzter Zeit im Zusammenhang mit der Aufdeckung einer Reihe terroristischer Gruppen von Trotzkisten und Von Hoesch zu Ribbentrop Ein englisches Urteil Der Ernennung deS Herrn v. Ribbentrop zum deutsche» Botschafter in London widmet die konservative Wochenschrift„O b s e r v e r" eine längere Betrachtung, di« folgende bemerkenswerte Sätze enthält: »Während der früheren Besuche deS Herrn v. Ribbentrop in London war Herr v. Hoesch der deutsche Botschafter, dessen letzte Tage durch da» Gefühl einer Entfremdung zwischen Deutschland und Großbritannien verdüstert wurden. Baron v. Hoesch gehört« schon 1914 zum State der Deutschen.Botschaft. Er tvurde nie durch die Wandlimgen der britischen öffentlichen Meinung überrascht und hatte einen tiefen Einblick in de» wahren Charakter der britischen Autzenpolitik. Mit de» Erinnerungen an 1914 im Herzen mahnt« er Httler immer wieder« vorsichtig zu fein und dir Sinowjetvanhängern bekannt wurden, wurde durch die Untersuchung fcstgestcllt, daß Sinowjew, Kamenetv, Jefdokimow und Bakajetv die direkten Urheber der Ermordung Kirows und die Anstifter und Organisatoren der vorbereiteten Attentat« gegen andere Führer der Kommunistischen Partei des Sowjetverbandes und gegen Mitglieder der Sowjetregierung waren, und daß die Anhänger SInoivjeivs ihre verbrecherische Tätigkeit in direkter Verbindung mit den Trotzkisten und mit Trotzki selbst ausübten. Ende 1982 ersolgte die Vereinigung der trotzkistischcn und der Sinowjcwgruppe, die das„Vereinigte Zentrum" organisierten. Hmiptbcdingung dieser Vereinigung war di« Anerkennung des individuellen Terrors gegen die Führer der Kommunistischen Partei in der Sowjetunion und der Sowjetregierung. Namentlich seit dieser Zeit konzentrierten Trotzkisten und Sinowjewanhänger auf direkte Weisungen Trotzkis hin ihre feindselige Tätigkeit gegen die Kommunistische Partei, gegen die Sowjetregie- rung und hauptsächlich konzentrierten sie sich auf die Organisierung des Terrors gegen deren angesehenste Führer. Diesen Zwecken toürden besondere terroristische Gruppen organisiert, die ein« Reihe praktischer Maßnahmen für die Ermordung Stalins, Woroschilows, Kaganowitsch', Kirows, Ordschonikidses, Schdanows, KossiorS, PosthcheivS und anderer vorbereiteten. Die Sowjetpreffe sowie die Anklage f o r-- dcrn die Todesstrafe für die Angeklagten. Bedeutung deS sehr natürlichen Verständnisses der britischen Oeffentlichkett für Deutschland» Anspruch auf volle Souveränitkit in der Rheinlandzone nicht zu überschätzen. Aber Baron v. Harsch kannte auf Hitler keinen Eindruck«lachen. E r starb tief bekümmert über die Zukunft seines Lande», die nach, seiner Ueberzeugung vom Erfalg oder Misserfalg de« deutschen Politik gegenüber Grostbritan- nienabhing. Für diese Palitik wird Herr». Ribbentrop weitgehend verantwortlich sei». Er k o m m t z u s p S t, u m daS ab»»wenden, was Herr Hitler um jeden Preis a r w e n d r n w o l l t e r di e enge Zu summe narb eit»wischen Großbritannien und Frank reich. Herr v. Ribbentrop ist der erste deutsche Diplomat, von dem man sagen kann, daß er nicht mir die deutsche Regierung, sondern auch das Dritte Reich repräsentiert." Erbitterter Stellungskrieg in Spanien Nr. 193 Donnerstag, 20. August 1936. Seite 5 schaffen, um der brutale» Politik des Militärs in Tokio und in der Mandschurei vollkonnnen freie Hand zu lassen. Chiang wird jedoch seine vorsichtige Politik der Sammlung der Kräfte weiter fortsehcn. Vielleicht wird nach einigen Jahrzehnten Europa eines schönen Morgens erwachen rind dabei erfahren, daß das geeinigte China zu cinein entscheidenden Faktor der Weltpolitik geworden ist. (tuafanU ...V-....L' /'.'..nur." sUi) ' Die jugoslawischen Genifindewahlen werden- nicht an einem Tage, sondern sukzessive stattfinden. Dies Verfahren ermöglicht die Konzentrier u n g starker Gendarmcrieab- t e i l u n g c n in den Banovinen, wo Wahlen sind. Am 27. September erfolgen die Wahlen in der Moravska Banovina(Alt-Serbien), am 11. Oktober in der Brbaska Banovina(Nord-BoS- nie»). In Kroatien werden ain 80. August P r o b e w a h l e n in 40 Gemeinden stattsinden, Für die übrigen Banovinen ist noch nichts festgelegt. Die Opposition behauptet, dies bedeute, daß die Negierung entschlossen sei, die weitere Durchführung der Gemcindewahlen einzustellen, tvenn sie in den genannte» Banovinen in der Minderheit bleiben sollte.— Nach der Gründung des Kroatischen Arbeitervcrbaudes, der schon über 30.000 Mitglieder zählt, geht die Maöek-Pnrtei jetzt auch zur Schaffung eines kroatischen Angestclltenver- bandes über. Die italienische Flotte. Bis zum Ende dieses Jahres wird Italien über sechs Schlachtschiffe, 19 schnelle Kreuzer, 104 Zerstörer und 77 U-Boote verfügen. Die russischen Emigranten im.tzltlcrreich.(AP.) In den letzten Monaten hat die Tätigkeit der russischen Emigranten in Deutschland eine intensive Verstärkung■ erfahren. Der„blond", die„Russische nationalsozialistische Bewegung", die unter unmittelbarer Aufsicht von Rosenberg steht, wird immer weiter auSgcbaut. Selbst im Saargebiet hat man jetzt diese Organisation aufgezogen, wo sie allein in Saarbrücken 147 Mitglieder zählt. Zu ihren hohen MItgliedcrzahlen kommt die Organisation nur dadurch, das; sie mit Hilfe der Staatsapparates einen enormen Druck auf die russischen Emigranten in Deutschland ausübt. So wurde z. B. auf dem Brevacher Hüttewverk.allen dort beschäftigten Emigranten von der Direktion mitgeteilt, daß sie sich sofort dem„Mond" anschließen müßten, widrigenfalls sie ihre Arbeitsstelle verlieren würden. Die nationalsozialistischen Kommissare.ziehen, den „Rond" als regelrechte militärisch eOrga n i- s a t i o n auf. Jedes Mitglied mutz eine Uniform haben, die übtigens der" Ausstattung der SS zum Verwechseln' ähnlich ist. Allwöchentlich werden'alle Mitglieder in einer zentralen Uebung zusammengefaßt, an der höhere russische Offiziere gemeinsam mit den nationalsozialistischen Kommistaren teilnch« men. Der„Rond" wird auch in der politischen Oef- fentlichkeit zur Verstärkung der Kampagne gegen die USSR eingesetzt, um eine Massenstimmung für den „Kreuzzug" Im Osten zu erzeugen. Die Versammlungen des„Rond" sind stets überfüllt, da sich die NSDAP offiziell an ihnen beteiligt und man" in den Kundgebungen stets die Spitzen der Gauleitung und des Negierungsapparates vorfindet. In einer solchen Bersaminlung wurde erklärt, daß die Gelder, die durch öffentliche Veranstaltungen aufgebracht werden, für die Organisierung des Kampfes innerhalb der Sowjetunion verwendet werden sollen,' Der Panzerturm des größten U-Bootes der Welt Der Unterwasser-Kreuzer„Surcouf", der größte der Welt, besitzt einen äußerst widerstandsfähigen Geschützturm mit zwei 20-Zentimeter-Kanonc». Der U-Krenzer ist leicht gepanzert, hat bei 110 Meter Länge ein Ueberwasser-Deplacement von 3000 Tonnen und verdrängt unter Wasser 4300 Tonnen.„Sucrouf" führt einen Hydroplan an Bord. Angesichts der wachsende» Spannung im Mittelmeer kommt der starken und gut gerüsteten französischen Tauchboot- wafse(etwa 110 Schiffe mit 100.000 Tonnen Deplacement) erhöhte Bedeutung zu. Chinas Einigung unter Marschall Chiang Ceuta— eine historishe Stadt. Der spa» nisch-marokkanische Kriegsh/fen Ceuta, der.Gibraltar unmittelbar gegenüber liegt, und in dem sich heute das Hauptquartier der Generals Franco befindet, ist, was vielleihr wenige wisten dürften, eine uralte Stadt, sie unter dem Namen S e p t a innerhalb des römischen Imperiums in den ersten beiden Jahrhunderten».■ CH. eine bedeutende wirtschaftliche Rolle spielte. Später wurde die Stadt von den Mauren erobert, die sie befestigten und einellnibersität gründeten. Im Jahre 1415 entrissen in einem blutigen Krieg die Portugiesen ihren mqürischen Feinden die Stadt. Diese blieb bis zur Trennung der beiden Königreiche Portugal un!> Spanien, Im Jahre 1040, portugiesischer Besitz. Nil-Ueberschwemmung. Der Nil ist aus den Ufern getreten, wodurch In der Gemeinde Kasra- bed bei Kairo 88 Häuser zerstört wurden. Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt, doch nimmt man an/ daß sie beträchtlich sein wird. Wied« ein neuer Rekord. Di« französische Luftfahrtgesellschaft Air France teilt mit, daß das Postflugzeug auf der Strecke Südamerika—Frankreich„Bille Montevideo" den südlichen Atlantischen Ozean in 14 Stunden 40 Minuten überflogen und damit einen neuen Rekord auf dieser Strecke aufgestellt hat. Das Flugzeug flog mit einer Siunden- DurchschnittSgeschwindigkeit von 206 Kilometer. Der Sohn des Prüstdrnten. Das argentinische Blatt„Globe" teilt mit, daß die Polizei des Staates Rio Grande do Sul den Sohn des Präsidenten der Republik Argentinien, Justo, verhaftet und an die Grenze der Staates abgeschoben hat. Die Polizei begründet ihr ungewöhnlicher Einschreiten damit, daß der Sohn der Präsidenten im Staate eifrige kommunistische Propaganda betrieben habe. Absage eines ärztlichen Fortbildungskurses. Der 16. Internationale ärztliche Fortbildungskurs mit besonderer Berücksichtigung der Balneologie und Balneotherapie findet in diesem Jahre nicht statt. TeuerungSerschelnungcn auf den russischen Märkten,(a). Nach der„Lcningradska Pravda" vom 8. August hat die JnnenhandelSabteilung den Verkauf von Jndustrieariikeln des breiten Verbrauches auf den Diärkten zu höheren als den von der Regierung festgesetzten Preisen verboten. Der Verkauf kann nur von Personen durchgeführt werden, die hiezu berechtigt sind. Die„L. P." hat ihre Notiz mit dem Titel:„Kampf mit der Spekulation auf den Märkten"-überschrieben. Ueber die Ursachen, die die erwähnte Spekusation bedingen, bzw. mit sich bringen, enthält die erwähnte Notiz keinerlei Hinweis. Das älteste Pferd der Welt. In dem Orte Borcham Wood staöb dieser Tage dar älteste Pferd der Welt, das Jumbo hieß. Er hat ein Alter von 41^ Jahren«reicht.. Sir Frederic Holtday, der Leitet der königlichen Veterinär-Hochschule' begab sich von London nach Borcham Wood, um den Schädel der toten Jumbo für sein Museum zu erwerben. Holiday erklärte, daß in der neueren Zeit, nämlich seit Anfang der Jahrhunderts nur ein einziger Fall vorgekommen sei, und zwar in Kanada, wo ein Pferd 46 Jahre alt geworden ist. Im allgemeinen gilt als höchster Alter für Pferde dreißig bis fünf- unddreißig Jahre. Jumbo war übrigens in feiner Jugend ein sehr bekannter Rennpferd, wurde dann für sechs Jahre das Reitpferd einer schottischen Lords, sank dann zum Droschkengaul herab und verbrachte die letzten zwölf Jahre in dem Stall einer Tierliebhabers von Borcham Wood. Bierausstoß im Juni. Das Statistische Staatsamt veröffentlicht die vorläufigen Ergebnisse der mo- iiatlichen Erhebung Uber die Zahl der Bierbrauereien und den Bieraurstoß für Juni 1986 und von Jänner bi» Ende Juni 1936. Die Ergebniste für da» Jahr 1985 sind zum Vergleich in Klammern an« geführt. Im Juni 1986 arbeiteten und stießen Bier au» 887(897) Brauereien. Im ganzen wurden 800.288(945.978) Hektoliter Bier auSgestohen. Gegenüber dem gleichen Monate im Jahre 1985 sank der Gesamtaurftoß um 15.4 Prozent und gegenüber dem Monate Mai des heurigen Jahre» stieg er um 16.2 Prozent. Vom GesmntauSstoß wurden für den JnlandSverbrauch 798.402(989,718) Hektoliter Bier abgegeben. Für die Ausfuhr Wer die Grenze wurde» 6686(6265) Hektoliter Bier auSge'toßen. Von Jänner bi» Ende Juni wurden insgesamt 8,629.114(8,584.265) Hektoliter Bier au»gestoßen, also um 1.8 Prozent mehr al» im gleichen Zeiträume de» Jahres 1985. Hievon wurden für den Inlandsverbrauch 8,589.668(8,548.449) Hektoliter au»- gestoßen. Die Wetterverschlechterung dürfte sich allmählich gegen Osten auSbreiten. Wahrscheinlicher Wetter heute: In der Westhälfte der Republik verstärkt« Bewölkung, stellenweise ein wenig Regen, tagsüber etwa» kühler..Im Karpathengebiet wechselnd bewölk: und warm, verschiedentlich Lokalgewitter. Wetter» auSstchten für Freitag: Ziemlich bewölkt, stellenweise Regenschauer oder Gewitter, auch im Osten der Republik etwa» kühler. Vom Rundfunk Mnpfehlnwroerte» au* den Programmen: Freitag: Prag, 7: Morgenmusik, 10,05: Deutsche Presse, 12.10: Schallplattenkonzert,„12.85: Mittagskonzert, 14: Populäre» Konzert, 15,50: Deutsche Presse, 18.05': Deutsch« Sendung: Eger-Zwitiau: Heinrich Lerch, der Dichter der Arbeit und! der Werkvolkes, 18.15: Universitäts-Professor Utitz: Seelenkunde:.im Sommerurlaub,'18:85: Arbeiterfvnk: Aktuelle zehn Minuten, 18.45: Deutsche Press«, 19.20: Tanzmusik, 20.40:.Skandal in der Oper.,— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Sportnachrichten, 18.20: Lieder. — Preßbur» 22,80: Schallplattenkonzert,— Mähr.» Oftrau 16.10: Rnndfunkorchesterkonzert, 18,10: Deutsche Sendung: Märchen der Nimcovä. (0. 23.) Der Aufstand der beiden südlichsten Provinzen, Kwangtung und Kiüan'gsi, der als letzter Ausläufer der großen nationalen Bewegung gegen die„fremden Teufel" betrachtet werden kann, hat zu einem auch für feine Urheber unerwarteten Ergebnis' geführt. Man pflanzte die Fahne des Aufstandes auf, um die Japaner zu bekämpfen und jedenfalls um den Chef von Nanking, Marschall Chiang, zu einem Krieg gegen Japan zu zwingen. Der Aufstand endete aber damit, daß die Regierung von Nanking ihre Herrschaft über den äußersten Süden aufrichtet. Die Provinzregierung von Canto» hat kapituliert, ihr militärischer Führer, General C h e n C h i a« taug, ist auf einem britischen Kanonenboot nach Hongkong geflohen, die Besetzung von Canton durch die siegreichen Nankinger Truppen steht unmittelbar bevor, die gesamte Armee von Canton hak sich dem Marschall Chiang Kai-shek zur Ver» fügung gestellt. Allerdings spricht man, davon, daß, die andere aufständische Ptovinz, Kwanasi, sich noch hält, aber es unterliegt keinem Zweifel, daß die Besetzung von Canton sehr rasch auch zur Kapitulation von Kwangsi führen muß: durch die Einnahme von Canton wird die Provinz Kivangsi von jeder Seeverbindnng vollkommen abgeschnitten und kann keine Munition und Lebensmittel bekommen. Die Unterwerfung des gesamten Südens unter die Zentralregierung von Nanking wird in den nächsten Wochen zur Tatsache werden. Diese Erweiterung des Bereiches seiner unmittelbaren Macht bedeutet für Chiang Kai-shek zunächst eine erhebliche Stärkung, seiner inneren und auch seiner außenpolitischen Position. Man »kann sagen, dah ganz China südlich des Gelben Flusses nunmehr unter der unmittelbaren Hoheit von Nanking geeinigt ist. Damit ist der alte «Streit zwischen Nanking und Canton um die Führung der nationalen Erneuerung für absehbare Zeit zugunsten Nankings entschieden. Man könnte sagen, vorbehaltlich der Besonderheiten der asiatischen Politik, es sei der Sieg des nüchternen Realismus über di« politische Romantik, der konsequenten Stetigkeit über sprunghafte Improvisationen. Groh ist die militärische Bedeutung des Sieges der Regierung von Nanking: die Cantonesen wurden in der ausgiebigsten Weise aus dem Auslande mit Kriegsmaterial beliefert. Bestimmte amerikanische Kreise suchten sich in der radikalen südlichen Ecke vermutlich ein Gegengewicht gegen den überhandnehmenden japanischen Einfluß im Norden. Chiang Kai-shek kann, laut den Kapitulationsbedingungen, die gesamte'Luftflotte von Kwantung, etwa 300 modernste Bomber, große Mengen schwerer und Feldartiflerie sowie von Maschinengewehren übernehmen. Außerdem wird die Armee von Nanking von den Kantonesen rund eine halbe Million Jnfanteriegewehre, Flakgeschütze, Tanks, zwei große Arsenale und eine moderne Flügzeugfabrik übernehmen. Zweihun- derttausend wohltrainierter Und gut bewaffneter Soldaten der Armee von Kwantung haben sich bereits unter die Fahnen des Marschalls Chiang gestellt. Dies alles wiegt nach den chinesischen Maßstäben schwer. Die kantonesische Armee galt als die beste Chinas, Chiang hat über sie nicht mit Waffen gesiegt, sondern mit„ideologischen" Mitteln: die Kantonesen haben sich geweigert, gegen den„Einiget des Reiches" zu kämpfen. In diesem blutlosen Sieg liegt: eine Konsequenz: Chiang glaubt, daß die Geschicke Ost- asicns schließlich nicht durch das Pulver entschieden sein werden, sondern durch jene! di« das Pulper erfunden haben. Also bester,-den Gegner zersetzen, als ihn. schlagen, besser verhandeln und sinassieren, als Geschütz« reden lasten. Bor.allem- aber auf länge Sicht arbeiten: Marschall Chiang Kai-shek hat Nordchina v o r l ä usigsallenge« laffen— das haben ihm die romantischen Großchinesen, die im Süden beheimatet sind, nie verzeihen können, dies hat auch den letzten Anlaß zu dem jetzt zusammengebrochenen Aufstand gegeben. Dafür hat aber Chiang zivei wichtige Ziele erreicht: die Niederringung des Kommunismus in Kernchina und die Einverieibung des Südens. Die Japaner, die in Nordchina genug zu tun hatten, haben das zugelasten, ja sogar Chiang bis zu einem bestimmten Grade unterstühi. Es steht heute fest, daß ohne indirekte japanische Hilfe die Siege Chiangs Wer die Konununisten wohl nicht so leicht gewonnen würden. Aber erst die entscheidende Niederlage der Konununisten hat der Regierung von Nanking den Weg nach Canton geöffnet. Ist man in Tokio mit dem'Gang der Ereignisse restlos zufrieden? *" Die Wege der asiatischen Politik sind sehr verschlungen und undurchsichtig. Man hat eine Wt lang in Tokio den Marschall Chiang ckks einen möglichen Bundesgenossen gegen Moskau öetrachtet. Die geschmeidige, stets im Ernstfall zum Nachgeben bereite Nankinger Diplomatie wurde als ein bequemer Partner für die Durchführung weitgehender japanischer Pläne in China ftewertet. Der Kleinchinese Chiang Kai-shek verlegte sich, nahm man in Tokio an, auf die Politik der kleinen Erfolge und schien für die Außenpolitik überhaupt keinen Sinn zu haben. Das könnte für Japan sehr vorteilhaft sein. Aber sehr bald hat man in Tokio auch die Kehrseite dieser Nankinger Strategie für Japan verstanden. Eine chinesische Provinz nach der anderen wurde in die Einflußsphäre von Nanking einbczogen: alle Mittel waren da recht. Geriet eine Provinz in finanzielle Schwierigkeiten, bot Chiang seine Hilfe an und erwarb so erst die wirtschaftliche, dann die politische Kontrolle. Erwies sich eine Provinzregierung keinem friedlichen Argumente zugänglich, so wurde ein Nachbargeneral auf sie gehetzt, Nanking bot seine Vermittlung an, aus der später die Oberhoheit erwuchs. Es handelte sich um den aus der Geschichte Ostasiens wohl bekannten Vorgang der„Sammlung", aus dem mehrere- mals in vergangenen Jahrhunderten große Reiche entstanden sind. Seit 1927 führt Chiang Kai-shek, die Formeln'und die Organisationsformen der Kuomintang ausnutzend, diese große Arbeit der nationalen Sammlung mit eiserner Konsequenz durch.-Man versucht nun in Ostasien, nach zehn Jahren dieser Politik und nach dem blutlosen Siege über Canton, eine Bilanz zu ziehen. Die Meinungen sind geteilt: die öffentliche Meinung in Nanking und Schanghai, diesen eigentliche» politischen Zentren des heutigen China, die de» Feldzug gegen die Patrioten von Canton mit sehr geteilten Gefühlen verfolgte, jauchzt jetzt Chiang, dem'„Einiger des Reiches", fast restlos zu. Man erwartet nun, daß Chiang, gestärkt durch den Sieg, von jetzt an Tokio gegenüber eine feste Politik durchführen! werde. Die Skeptiker meinen, cs sei zu spät. Ja, wenn dieser Sieg und die Einigung zwischen Nanking und Canton vor fünf Jahren erfolgt wäre, dann hätte Japan überhaupt nicht gewagt, die Mandschurei zu besetzen I Heute sei aber der Abstand zwischen der militärischen und politischen Machtfülle Japans und jener Nankings zu groß, als daß die letzten Ereignisse etwas daran ändern könnten. Eins ist aber fast mit vollkommener Sicherheit zu erwarten: Tokio wird die Erweiterung der Macht von Nanking nicht ruhig hinnehmen. Bis jetzt hat noch immer jeder Erfolg von Chiang Kai-shek auf dem Gebiete der nationalen Einigung-«inen Gegenstoß Tokios nach sich gezogen. China ist noch zu schwach, auch jeht-nach der Einigung-zwischen Canton und Nanking zu schwach, um aus eigenen Kräften die kommenden japanischen Vorstöße in Nordchina abznwehren. Und die e ü r o päischcSituation ist'Wie dazu ge- Unsere Falken In Luzern Nach zwei herrlichen Wandertagen durch das Gebiet des Vierwaldstättersees kamen wir am 11. August•nachmittags mit dem Schiff in Luzern an. Genosse Kunz, Redakteur der Zeitung„Freie InnenschweW, war uns bis nach Vitznau entgegengekommen und führte uns zu dem schönen Volkshaus der Luzerner Arbeiter. Rasch ging die Quartierverteilung vonstatten. Viel mehr Pflegeeltern hatten sich gemeldet als Kinder gekommen waren und mit traurigen Augen gingen viele heim, die kein„Tschechen-Kind“ erhalten konnten. Am Abend fanden wir uns im Volkshaus zu einem Freundschaftsabend zusammen. Genosse Kunz begrüßte unsere Falken und Genosse Lehnert dankte für den Empfang. Mit Begeisterung wurden die Darbietungen unserer Kinder aufgenommen und als wir zum Schluß den Roten Falken von Luzern einen Wimpel überreichten und alle zusammen die Internationale sangen, wollte der. Beifall kein Ende nehmen. So verlief dieser Abend herrlich und schön und noch lange wird er uns und wohl auch den Luzerner Arbeitern in Erinnerung bleiben. Am nächsten Tag gab es wieder einmal Regen. Genosse Kunz zeigte uns herrliche Alpenfilme. Aber schon am Nachmittag mußten wir wieder zurück nach Zürich. Trotz unseres so kurzen Aufenthaltes war der Abschied traurig und viele Pflegeeltern nahmen mit Tränen von unseren Jungen und Mädchen Abschied. Wir erlebten auf unserer Ferienfahrt, wie nun schon so oft, wieder einmal die wunderschöne Brüderlichkeit der Arbeiter. Seite 6 .Sozialdemokrat" Donnerstag, 21 August 1086. Nr. 193 Daaer jeltunq § 144 Ta» Kind, das nicht mehr zu ernäbren War Prag,(rb.) Die 88jährige Taglöhnersgaitin Franziska V. stand gestern vor dem Strafsenat Beck, um sich wegen des Verbrechens derFruchtabtreibuug zu verantworten. Es ist nicht wahrscheinlich, daß diese frühgcalterte, abgcrackerte und abgestumpfte sfrau einen klaren Begriff von den prozessualen Verhandlungen hatte, die sie über sich ergehen lassen mußte. Ja, ja, sie tvar geständig, voll geständig. Sie hat in legaler Ehe bereit» fünf Kinder zur Welt gcdracht und der Arbeitsverdienst dieser Taglöhnerleute reichte kaum dazu aus, die hunnrigc» Hälse sattzumache». Al» sie dann zum sechstenmal schwanger wurde, hätte sie lvohl gern das Kind zur Welt gebracht, aber sie mußie sich sage», das; ein solcher Familieuzuwachs einsach untragbar war. Dir Familie hatte bisher schon gehungert, das erwartete Kind Iväre einfach nicht zu ernähren gewesen. So ging sie denn zur„Helferin" und liest einen Eingriff vornehme», der ihr nahezu da» Lebe» gekostet hätte. So kam die Sache zur Kenntnis der Behörden und kaum aus dem Krankenhaus entlassen, mustte sic aus der Anklagebank Platz nehmen, unter der Anklage»ach 8 144. Mitangeklagt war die„helfende" Hebamme, der man wohl mit Recht mangelnde Sachkenntnis und unhpgicnisches Vorgehen vortverfen kann, keinesfalls aber niedrige Gewinnsucht. Sie hat den Eingriff nahezu umsonst vorgenommen. Ihre Bezahlung bestand in einigen Kilogramm Kartoffeln, Sie ist sicher ebenso fromm und gottesfürchtig wie ihre Klientin, denn beide bekreuzigten sich andächtig vor Betrete» des Gcrichissaalcs. Das Gericht verfuhr mit den Angeklagten, denen auch der öffentliche Ankläger weitgehende MilderungSgründe znerlannic, so milde, ass es das Gesetz zulästt. Die Hebamme wurde zu drei Monaten Kerker verurteilt, ihre Klientin z u zwei Monaten, beide bedingt auf drei Jahre. Sie iiahnien die Strafe a». AnsslugSzüge der ESD: 28. August bis 18. September Exkursion»ach Luhaiovice und Treniianski Teplice Xi 068.—, nach Pieikany Kc 1010.—, in den Tagen vom 20. August bis 6. September Strcifzüge durch die Slowakei 600 Xi, Streifzüge durch die Beskiden Xi 420.—, 2. bis 23. September Kurexkursion nach Sliai Xi 1120.— und in den Tagen vom 5. bis 18. September Streif- züae durch Karpathorustland Xi 600.—.— Anmeldungen mit Angabe nimmt der Basar' neben dem Wilsonbahnhof entgegen. Fernruf Nr. 88385, ' Die olympischen„Amateure** Viele bürgerliche Blätter— auch unsere sudetendeutschen— schwärmen noch in den höchsten Tönen von der Hitler-Olympiade. Aber er finden sich auch bürgerliche Blätter, welche den Mut besitzen, an all das Gesehene und Gehörte kritische Werte anzulegen. Die Frage„Amateur oder nicht" ist wiederum Gesprächsswf für jene, die nicht mit gcschlofsencn Augen an dieses traurig-berühmte Kapitel bürgerlichen Sports vorbeisehen wollen. Man erfährt jetzt allerlei erbauliche Dinge über den „AmateurismnS" der verschiedensten Sportler. So wird u. a. darauf verwiese», dast die„Nazi-Turner" Schlvarzmann und Miez gut besoldete Turnlehrer der Hceressporiorganisation sind. Die„Basler Nationalzeit un g", welche sich niit diesem höchst sonderbaren olympischen„Amaten- rismuS" besagt und Fälle auführt, kommt u. a. zu dem nicht nur für schweizerische Verhältnisse zutreffenden Schlnst: „Uns ärgert die entgangene Goldene nicht. Aber wir schämen uns für Leute, die einen Birger Ruud als Amateur an die Winterolympiade schicken und qualifizieren und einen No- verraz zum Profi stempeln. Wir fragen die Welt: Jstdieser Schweizer Steuernmnn und sind dir schweizerischen Skilehrer nicht ebenso gute oder ebensogut keine Amateure wie icne Athleten, die nun seit Monaten und Jahren(I) in ihren Trainingszentren stecken und kein anderes Lebensziel kennen durften als die Vorbereitung zur Olympiade? Von was leben die amerikanischen Studenten, die schwarzen und die weißen, die als Sportsamateure keine Zeit zum Studium haben? Wohl ihnen, dast sie alle so vermögende Eltern besitzenl Wie steht cs bei den Japanern? lind die anderen?... Wohl nur wenige Länder sind in Berlin vertrete», deren Sportsleute von ihrer Berufsarbeit lveg die Reise zu den Olyni- pischcn Kämpfen antraten. Aber die Schweiz gehört zu diesen I Weil wir noch Wert darauf legen, Sport als Körperkultur und nicht als LebcnS- u»d Bernfszivcck zu betrachtenl Wir pscifen auf alle Auszeichnungen der Welt, wenn sie durch Treubruch am Sportgedanken erkauft werden müssen! Wir lehnen es ab, den Sport zu verleugnen und zu Lügen zu greifen, weit es um Goldmedaillen geht'..." Die Moskauer Fussballmannschaft„Dynamo", welche am Dienstag im Prager Masaryk-Sta- dion bei künstlicher Beleuchtung ein Match mit dem „Team ehemaliger bürgerlicher Internationaler" auStrug, blieb mit 0:1 (2:0) erfolgreich. Die„Spielstarke" der„Internationalen"— bei denen u. a. Kada, Perner, Ko- lenaty, Janda mitwirktcn— war gegenüber den Leistungen der Russen recht blamabel; es waren „alte Herren", die Wohl einstmals„Kanonen" waren und derzeit»ur noch eine ruhmvolle Vergangenheit besitzen. Schade für die russischen Fußballer, die ein gefälliges Spiel vorführten und ihr wirkliches Können nicht unter Betveis stellen konnten. Die sowjetrufsischen Tennisspieler und-Spielerinnen, welche gleichzeitig mit. der Moskauer Fuß» ballmannschaft„Dynamo" in Prag angekommen sind, tragen zwei Begegnungen mit dem tschechischbürgerlichen Prager TenniSklub„CEC" im Laufe dieser Woche aus. ÜUL der Sattel MWMMWMWMWMMMMWWWE* Bezlrksorsanlsatlon. Prag " Dringende SitznngderBezirks- vertrctung nm F r e i t a g, den 21. d. M., um 8 Uhr abends im Parteiheim. Anwesenheit aller Bezirksvertrctungsmit- glicder unbedingt notwendig. * Die deutsche und die tschechische Parteiorgani- sation in Wegstädtl veranstalten am 28. August ein Arlniterfait zu dem unsere Prager Genossinnen und Genossen besonders eingeladen wurden. Abfahrtszeiten: SamStma 14.40, Sonn« ta g 5.00 und 7.27 Uhr vom Denirbahichof. Sonntagrückfahrkarte Xi 21.—, Festbeitrag Xi 2.50. NW und SA fahren bereits Samstag. Genossen, welche sich anschließen wollen,- müssen sich wegen Ouartierbeschaffung sofort beim Genossen Ullmann Max, Telephon 51.851, melden. 2« Mw Der Boxer und di« Dam». Die Boxe«! hat zahlreiche Enthusiasten und die werden sich für den Film interessieren, in dem man gleich drei bekannte Boxer, Baer, Carnera und DemPsey zu sehen bekommt. Man dars von einem Boxer billigerweise nicht verlangen, daß er auch ein guter Filmschauspieler sei und e» Max Baer, der es-in dem Film auch mit Frauen zu tun hat. nicht Übel nehmen, wenn er im Ring besser'ist als mit dem Ehering. Da es sich um einen echt amerikanischen Reister handelt, ist bei aller Naivität der Handlung für Spannung reichlich gesorgt und der Boxkampf, offenbar mit Benützung echter Aufnahmen gemacht, ist packend und die Zuschauer im Kino können sich als ein Teil der Menge fühlen, die auf der Leinwand tobend und lärmend an dem Matsch Anteil nimmt. Das ganze ist schmissig gemacht, manchmanl hart an der Grenze des guten Geschmacks, manches dilettantisch— und es sind ja Gelepenhcitsschanspieler, die sich hier umtun — aber Milieu und Besetzung werden au» Gründen, die nicht auf dem Gebiete der Filmkunst liegen, diesem Film zumindest materiellen Erfolg bringen. Und au» dieser Erwägung ist er ja wohl gedreht worden. Filme In Prager Lichtspielhäusern BIS einschließlich Donnerstag, den 20. August. Urania-Kino:„Vergiß mein nicht." B. Gigli, Magda Schneider.— Adria:„Boxer und Dame." (Ä.)— Alfa:„Der Wildfang."(Tsch.)— Avion: „Nachiängrisf."(91.)— Beranef:„Wäldwinter." lTsch.>— Fenix:„Auf der grünen Wiese."(Tsch.) — Flora:„Der Chef des Geheimdienstes."(Engl.) Gaumont:„Die Entführung an der Riviera."(D.), — Hollywood:„Rendezvous in Wien.".(D.)— Hvizda:„Boxer und Dame."(A.)— Juli»: „Zwischenakt."(D.)— Kincma: Journale, Grotesken, Reportagen l2—10 Uhr).— Koruna: Aktualitäten, Journale, Grotesken(2—10 Uhr).— Lucerna:„Auf der grünen Wiese."(Tsch.)— Metro:„Ein lustiger Betrug."(A.)— Passage:„Die Entführung an der Riviera."(D.)— Praha:„Der gestohlene Millionär."(Fr.)— Radio:„Stenka Rasin."(D.)— Skaut:„Rach Bureauschluß." (A.)— Svitozor:„Zwischenakt."(D.)— Alma: „Die lustige Witwe."(A.)— Baikal:„Melodie der Welt 1086;“(A.)— Beseda:„Waldwinter." (Tsch.)— Carlton:„Flucht vor der Unterwelt." (A.)—Illusion:„Nach Bureauschluß."(Ä.)— Kapitol:„Wir von Kronstadt."(Ruff.)— Lido II: „Maryöa."(Tsch.)— Louvre:„Stenka Rasin." (D.) Maceika:„Nach Bureauschluß."(A.)— Olympier„Waldwinter."(Tsch.)— Roxyr„Stenka Rasin."(D.)— ll Bejvodu:„Mata Hari."(A.)— Baldek:„Die Kameliendame."(Fr.)— Belctrhy: „Stenka Rasin."(D.) Mit Farbtopf und Pinsel hoch Ubsr London Ein Anstreicher in der luftigen Höhe von 70 Metern bei der Arbeit an einem Neubau in London. Wird Nordamerika zur Wüste T Während die amerikanischen Farmer in weiten Distrikten Fahr für Jahr in Gefahr schweben, durch vernichtende Trockcnheitspcrioden und Sandstürme ihre Existenz zu verlieren, reisen die amerikanischen Gelehrten in die Wüsten Sahara und Gobi und suchen nach Pflanzen, die für ihren Aufbau ein Minimum an Ansprüchen stellen und infolgedessen geeignet sind, in den Wüstliegenden Gebieten der Bereinigten Staaten die Unterschicht einer Humusdecke zu bilden und zugleich durch die Bindung des Sandes die Gefahr der Bildung der gefährlichen Sandstürme zu mindern. Man hat bereits Hunderte von Pflanzen gefunden, die man zu diesem Zwecke glaubt mit Erfolg einführen zu können. So versucht man auf kostspie- liegem, umständlichem und zeitraubendem Wege wieder gutzumachen, was man in vergangenen Generationen schlecht gemacht hat: man sieht sich gezivungen, das durch den Eingriff des Menschen gestörte Gleichgewicht in der Natur wieder herzustellen. Denn dah sich bestimmte Naturkatastrophen immer mehr häufen und immer verderblicher auftreten, ist die Schuld, des Menschen. Man hat das Land kultiviert, hat vor dem Wind schlitzende und ivasscraufspeichernde Wälder abgeholzt und der Erde die Grasnarbe geraubt. Der nackte Boden hielt einige Jahre oder Jahrzehnte aus und kvuute für den Getreidebau nutzbar gemacht wer» den. Aber die Humusdecke wurde geringer, die Erde versandete und magerte mehr und mehr; Trockenheitsperioden fanden keine ausreichende Wasseraufspeicherunge» im Boden vor, keine Wälder schützten mehr vor den Sandstürmen, die auö unbebauten Gegenden oder aus Gebieten mit sehr leichtem Boden den Sand über das an sich fruchtbare Land streuten: das Kulturland wurde schlechter und schlechter. Seit 1084 hat Nordamerika dreimal große Sandstürme erlebt. Jeder dieser Stürme hat dreihundert Millionen Tonnen fruchtbarer Erde aus den Getreidegebieten verschleppt und zerstreut. Der Mississippi schwemmt jährlich vierhundert Millionen Tonnen Erde in den Golf von Mexiko. Bis jetzt sind in den Vereinigten Staaten hundert Millionen Morgen Ackerlands jür Ackerbau unbrauchbar geworden, hundertfünfundzwan- zig Millionen Morgen sind ernstlich beschädigt und hundert Millionen-gefährdet. In fünfzig Jahren werden hundertfünfzig Millionen Morgen Land, das heute noch bebaut wird, brach liegen. Fünf Farmen von sjchs mühten aufgcgcben sein; nach hundert Fahren wären die Bereinigten Staaten zur. Hälfte Wüste. Man hat die Gefahr seit langem erkannt; man weih, dah der Colorado nicht nur Wasser führt, sondern fruchtbaren Baden mitschwemmt und das Becken des Boulder-Dammes allmählich ansüllt. Die riesigen Dammbauten in den ganzen: Bereinigten- Staaten sind das Mittel, mit I dem: man-hofft, genügend Wasser aufspeichern zu I können, um' in Notzeiten einzugreisen. Aber die Dämme schaffen's nicht; die Staubecken verschlammen und'werden in einigen Generationen versumpft sein. Der frühere Präsident des Komitees zur Regulierung des Mississippi-Tales, Morris L. Cook, glaubt, dah Amerika zur Rettung vor der Versandung und Wüstenbildunz höchstens zwanzig Jahre zur Verfügung habe. In diesem Zeitraum mühten jede» Jahr hundert Millionen Dollars für das Rettungswerk auSge- geben werden. Er schlägt vov, statt der wenigen grvhen Dämme»viele klein« zu bauen, Brunnen zu graben und Wasserreservoir» anzulegen, die daS Wasser schon in der Nähe-der Quell« auffangen, um zu verhindern, daß es von den-reihenden Strömen zur AuSnagung- de» Bodens benutzt wird, und es auf unschädliche und geregelt« Weise dem Ackerland zuzusühren. Aber es ist nicht allein die Schuld der Flüsse, wenn Amerikas fruchtbarer, Boden-verschwindet. Jede Trockenheit sorgt dafür, dah der Wind Sand vorfindet, den er verschleppen und inö Meer fegen kann. Es ist das gestörte Gleichgewicht der Natur! Die alhu extensive Bewirtschaftung des Lande» geschieh!' auf-Kosten der von der Natur selbst bereitgestellten Schutzeinrichtunyen. Vielleicht wird diese-Frage in einigen Generationen auch in den grohen Getreidegebieten der Sowjetunion aktuell wetden.' Es ist die alte Geschichte von Friedrich dem Grohen und den Spatzen. Er lieh die Spatzen abschiehen, die an seine Kirschen gingen; und der Erfolgwär, dah die'Würmer die Kirschen.fräßen. Die Ausrottung oder das Aussterben'einer bestimmten Bogelart kann für diese oder jene Nutzpflanze katastrophal werden, weil das auf sie spezialisierte Insekt keinen natürlichen Gegner mehr hat. In weiten Gebieten Deutschlands muhten die einheimischen Reben durch die Amerikanerrebe ersetzt werden— die einen schlechteren Wein gibt— weil in den deutschen Wäldern durch die rationelle Forstwirtschaft das Unterholz ausgerottet wird und weil die Weinberge,-ebenso rationell, glattgeleckt und von Gebüsch gereinigt sind. Die Singvögel, die im Unterholz des Walde» und im Gebüsch und Gesträuch-der^ügel und Ebenen Nisteten, finden keine Heimat mehr, und damit ist den Rebschädlingen unterden Insekten freier Spielraum; gegeben. Wo der Wald ausgerottet-wird und,- die Grasnarbe in gigantischem- Maß' verschwindet, wird das Kulturland dem Verderben preisgegeben. Mazedoniens ist nackt und steinig, weil die Römer die seine^eit vorhandenen riesigen Walder abgeholzt'hüben.' Der Wald,-speziell der Gebirgswald, ist-daS Kräftereservoir-für den'Kulturboden;-jeher Wald ist Windschutz'für das Ackerland. Es besteht ein tief verankertes,'lebenswichtiges Verhältnis zwischen Begetationsformen und Pflanzenarten; wo es entscheidend gestört wird, gibt es eine.'Katastrophe, und dann müssen die Menschen- mühsam,-auf dem Umweg,, über Sahara und Gobi züm Beispiel, versuchen, das gestörte Gleichgewicht.wiederherzustellen. Der Er« folg bleibt immer fraglich.'-'- r Max Barth;- BezugSbedingungernBei Zustellung tnS Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich Xi 16.—. vierteljährig Xi 4«.—. halljäbri,' Xi' 06.—. ganzjährig Xi 102.—.— Inserate werden läut' Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bet Einsendung der Retourmarken.— Di« Leitungsfrankatur wurde von der Post» und Tel«« graphendirektwn mit Erläh Nr. ILbüO/VII/lSSll bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck». BexlagS« und ZeiNptgS-A.-G. Prag..