Nr. 194 Freitag, 21. August 1936 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (•ImchlliBlich 5 Heller Porto) IENTRALORGAN k.... PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN PER 1SCHECHQSI0WAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME OES MONTAG TÄGLICH FRÜH. RRDaktiöN UNO Verwaltung frag xii„ fochova 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAU». VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Berlin droht mit Intervention in Spanien Der Staatspräsident als Mittler Wie Hitler die Nichteinmischung versieht (Überraschung Im Westen Ein an sich unbedeutsamer Zwischenfall auS den letzten Tagen hat die Politisch« Situation in überraschender Weise oerschärft. Ein spanisches Kriegsschiff hat den deutschen Dampfer „Kamerun", von dem es annahm— und nach allen Erfahrungen annehmen durfte— daß er Kriegsmaterial für die Rebellen führ«, angehalten und durchsucht. Das geschah in der Weise, daß einige Kanonenschüsse, nicht gegen den Dampfer, sondern vor seinen Bug, abgefenert wurden, wie das bei Blockaden üblich ist, wenn das an gehaltene Schiss ans Signale nicht reagiert. Daraus hat die deutsch« Regierung einen diplomatischenKonflikt gemacht, den sie durch entsprechende mili.türische Maßnahmen auf die Spitze zu treiben sucht, so daß man nun auch in dem gutgläubigen London und dem hoffnungsfreudigen Paris den Eindruck hat, daß Deutschland«ine» Konflikt provozieren will. Besonders verschärft wird der an sich schon ungewöhnliche To» der deutschen amtlichen Weisungen durch den Ton der nazistischen Presse gegenüber der spanischen Regierung. An Paris und London bringt man den Berliner Borstoß mit dem Ausbleiben der Italien is ch c n A n t w o r t und der deutlichen Sabotage der ganzen ReutralitätSpolitil durch Mussolini.in Zusammenhang. Auch die naiven Gemüter, die sich von der Neutralität der Westmächte«ine gleiche Haltung der faschistischen Großmächte erwartet hatten, beginnen«inzu- sehen, daß es beiden Kabinetten, dem römischen wie dem Berliner, nur daraus ankam, Zeit zn . gewinnen und entsprechende Anlässe für ein maritimes Eingreifen, daS bei der militärische» Lage ja das Blatt schnell zugunsten der Marokkaner wenden könnte.'. f Die Haltung auch der s« d e t e n d e«1 s ch e^n R a z i- u n d Mau r e-N p ress e, voran der„B o h e m i a" zu den deutschen Drohungen beweist, daß eS sich dabei um einen bedeutsamen Borstoß deS nazistischen Imperialismus handelt. In Berlin selbst dürfte dem Schritt wohl, ein Kampf der Richtungen vorangegangen sein, den« Reurath hat sich.bisher gegen daS Engage ment in.Spanien,. daS. Deuischlandmit-Englond- verfeinden kannum nicht zu sagen: mußheftig gewehrt. Berlin. Zum völkerrechtswidrigen Anhalte» der deutschen Dampfers„Kamerun" schreibt dec „Völkische Beobachter" u. a.: DaS Piraten» A t t e n t a t auf die„Kamerun" zeigt die völlige Entfesselung der bolschewistischen Chaos, in den: unter der Herrschaft der Marxisten befindlichen Spanien.’ Die„Berliner Börsenzcitung" sagt u. a.: Jener bolschewistischePiratenschiff hat einen flagranten RcchtSbruch begangen. Der bolschewistischen M o r d b a n d e, die jetzt dar unglückliche spanische Volk so unmenschlich leiden läßt, ist der Kamm offenbar so geschwollen, daß sie die Scheu vor der Flagge der Reicher fallen läßt. Wir sind Überzeugt, daß die deutsche Regierung zu denjenigen Maßnahmen schreitet, die geeignet erscheinen, dar internationale Recht und die Gesetze der Menschlichkeit li) zu wahren und die Tätigkeit der deutschen Schiffe zu sichern. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" meint u. a.:„Er liegt nicht nur ein Bruch der internationalen Rechter vor, sondern dar Nebel sie, was zur See überhaupt passieren kann, m e u t e r n d el!) Matrose« richten die Schiffsgeschütze auf einen Dampfer einer b e f r e u n d e t e n l?) Lander. Die Sachlage ist vollkommen klar. Alle deutschen Damp- l fer, welche die spanische Küste passieren, haben den Auftrag, spanische Hissen zur Rettung von Flüchtlingen anzulaufen. Er blieb einem rotenPira- . s^h^'s-. Porbehallen,.diese international«. Hilfr«> aktion zu stören." «Nit allen Mitteln" Berlin.(DRB.) Die deutsche Regierung hat ihren Geschäftsträger in Madrid, telegraphisch Weisungen gegeben,' unverzüglich in schärfster Form gegen das völkerrechtswidrige Verhalten der■ spanischen Kriegsschiffe Vorstellungen zu erheben und dabei zitm Ausdruck zu bringen, daß di« deutsche Regierung die spanische Regierung für' alle Folgen verantwortlich mache« wird,"die sich aus der Wiederholung ähnlicher Borfälle ergeben könnten. Der deutsche Geschäftsträger ist."zugleich angewiesen worden, die spanische Regierung davon in Kenntnis zu setzen, daß di« deutschen Kriegsschiffe Befehl erhalten haben, di« deutschen Schiffe vor ähnlichen völkerrechtswidrigen Ueber- griffen außerhalb der spanischen HoheitSzonr mi t« l l e n M i t t e l n zu schütze«. Berlin.(DRB.) Der Befehlshaber der Linienschiffe, dem die zur Hilfeleistung in die spanischen Gewässer entsandten deutsche».Seestreitkräfte unterstellt.sind, hat an den Ehef der' spanischen RegierungSflotte ein Telegramm gerichtet, in dem er Wittlich erklärt:„Ich bin nicht gewillt, solche Gewaltakte zu dulde». Ich habe meine Seestreitkräste angewiesen, jedem unbrrech- tigjenGewaltakt Ihrer Schiffe m itG«walt e»t g eg«»»»it et« n.". Ein Sieg im Guadarrama-Gebirge i'Yvon DelboB... dessen Außenpolitik in der spanischen Frage von.- den-SorioUotpi immer kritischer betrachtet ''■>'■■ wird 1 , Madrid.(Reuter.) Wie die Regierung meldet, hat einer ihrer besten Generale, Man« d a g a, auf den Höhen von Guadarrama einen Sieg errungen, wobei er zahlreiche Aufständische gefangennahm und fünf schwere Geschütze erbeutete. Die Verluste der Aufständischen beziffern sich,-wie es heißt, auf 500 Tote und Verletzte. Die Requisitionen in der. Hauptstadt und in den Provinzstädten haben— so wird erklärt— große Summen an Bargeld und Wertpapiere» eingcbracht. DaS von der Miliz konfiszierte Kapital wurde in-der Bank von Spanien und anderen sicheren Orten, hinterlegt. Nachrichten über die Operationen des Kapitäns Bayo auf Diallorca sind bisher nicht" eingelaufen. Wie cs schein^ Haden die. Regierungstruppen. dort, bisher keine Erfolge.erzielt," denn die Positionen'der Aufständischen sind sehr stark. Der Minister des Inner»-teilte im Rundfunk-mit:- „Die optimistischen Meldungen vom.Mitt-, woch werden durch die neuen Siege bestätigt, Nach beit Siegen in McdeUin in'Estremadura befestig-' ten die Regierungsabteilungen di« eroberten Po sitionen und bereiten neue Angriffe vor. Die Mangat-Abteilung gelangte bis Navalperal. Die in der Guadarrama-Front eroberten Positionen -sind von großer strategischer Bedeutung. Eine Regierungsabteilung steht vor den Toren Teruels. Die Truppenabteilungen in der Provinz Gui- puzcoa rücken erfolgreich vor. Die aufständischen .Generalebenützen als Helfer die Erbfeinde„Spaniens und der katholischen Religion". Paeis. Zu der Lage in Spanien teilen die heutige» Pariser Blätter mit, daß sich die Regierungstruppen in der Umgebung der nordspani- scheu Stadt Arun zähe gegen de» Ansturm der Aufständischen zur Wehr setzen. Die Blätter widmen auch der neuen außenpolitischen Lage, wie sie durch die Ereignisse in Spanien geschaffen wurde, ausführliche Artikel. Don äußern. Anlaß dazu bietet, der deutsche Protest in Madrid iii der Angelegenheit des Dampfers„Kamerun", der von einem spanischen Kriegsschiff angehalten wurde. Einige Pariser Blätter erblicken in diesem Protest .der deutschen Regierung das erste öffentliche Bekenntnis Deutschlands zu‘ den Grundsätzen des -Führers der spanischen Aufständischen General Franco, Jouhaux für Unterstützung Spanien) Pär t S.(Eig. Ber.) Lkon Jöuhaux veröffentlicht in„Le Peuple" eisten Artikel,sin deut er sich f ü rdi.e L t efer n n gib'a n Kriegs, m ä ter f a k an-die spanische' Regierung'einfetzt, Die Ausstandsbewegung deS Generals Franko,' schreibt Jouhastr, sei nur eine Episode deS allgemeinen Kampfes zwischen Faschismus und Rä- tioimlsozialismus apf. der einen Seite gegen di« demokratischen Regime ans der.andere» Seiten Den Beweis dafür liefert nicht-, nur die heraus« fordernde Haltung der beide» Länder: sStalien und Deutschland), gegenüber Spanien und dir unverschämte Antwort auf;bie französische» Reu- trälitSiSvorschläge, sondern'auch die Bersorgung de« Militärgruppe mit Waffen,- Munition, Flugs zeugen, Männer» und Geld. Di«„Neutralität" sei eine Uebertölpelung, de«».Auswirkungen- für die französische» Interessen; sehbxernst sein W: ne». Der Gewerkschaftsverband fordere. daS Recht sUrdiesPanikche Bolksfrontrcgicriing, In aller, Unabhängigkeit daS zu kanfe», wäs sie braucht. Bon alle» linksgerichtete» Berbäuden werden ist> zwischen di« Sammlmigen für dir spanische BolkSfront fortgesetzt. Tn den große» Metallindustrien,. wie Retznault, Hotchkiß, Citroen, Gnome et Rböne«sw. sinh besondere Ausschüsse eingesetzt worden, die diese Sammlungen zentralisieren. -! Audi Labour gegen. I die selbstmörderische Neutralität London. Die Führer der englischen Ar- telterbewegung sprachen Mittwhch' avendS bei Eden vor und teilten ihm ihre Ansichten zur gegenwärtigen Lagt! in Spanien mit. Wie-„Daily Herald" hörie, drückten die Labour-Berteeter ihr B e d a u er».darüber aus,.daß eine Unterstützung der spanischen- Regier»»» durch die.' von .England,. Frankreich und aydere Staaten befolgte H'.e.u.-t r'.a l„ i t ä t S p o l- i.t i k. Yerhinhert werd«. Eden habe, wie a«zu»ehme» sei, di« Stellungnahme der, britischen' Regiesting dahin gekennzeichnet, daß jede Anstrenßiing gemacht werden müsse, nsstdaS von Löotz Blum vörgeschlagene Nichteinmischnngsabkoinmen zustandezubringen. DaS ist die Funktion deS sreigewähliou Staatsoberhauptes einer demokratischen Republik: verstehender und tatentschlossener Mittler zn sein zwischen den verschiedenen, sozialen Schichten der Bevölkerung, in unserem Staate auch zwischen den Nationen, und Mittler auch zwischen dem Staate und seinen näheren und ferneren Nach- barn und damit Erhalter des Friedens. Das Prä- sidentenamt gibt seinem Inhaber keine uneingeschränkte Macht, aber es betraut ihn mit größerer wirklicher Verantwortung als einen absoluten Monarchen oder einen Diktator— denn die Mitt- lorfunktion, die Funktion dos Führens einer Gemeinschaft, in der so viele Interessen einander durchkreuzen, dem Staatsoberhaupte übertragen vom Vertrauen der Staatsbürger, entscheidet mit Uber den Weg des Staates— über seine Zukunft— und es bedarf keines besonderen Beweises, daß in dieser Zeit der Lähmung unserer Wirtschaft durch die Krise und der allgemeine» Politischen Unruhe in Europa eS größter Klugheit und Umsicht bedarf, de» rechten Weg zu gehen. Dr. Edvard Benes hat in Reichenberg und Gablonz und in einer stark außenpolitisch gefärbten Rede, die er beim Mschlusse seiner Reise in Eisenbrod hielt, nicht zum ersten Riale, aber mit besonderer Wärme sich zu seiner großen Aufgabe bekannt. Seine außenpolitischen Darlegungen bemühten sich, den Pessimismus, der mit dem Kriege »ls. unahwendbarem Geschick, rechnet, entschieden zurückzuweisen und daS für die Tschechoslowakei so wichtige Verhältnis zu Deutschland ruhig, ohne Nervosität, als nicht ohne Schwierigkeiten, aber doch lösungsmöglich darzustellen. Die europäisch orientierte Politik der Tschechoslowakei— der Präsident betonte die Notwendigkeit des Fcsthal- tens an dem jetzigen Bündnissystem unseres Staates— sei der definitiven Regelung unseres Verhältnisses zu Deutschland nicht hinderlich. Der Präsident sieht zwar den Ernst der Situation, aber er bewahrt sich doch den Optimismus, der ihm eigen ist— und ohne solchen Optimismus, ohne den festen Glauben an die Möglichkeit der Erfüllung seiner Aufgaben, vermöchte heute kein Staatsmann zu arbeiten. Nichts ist selbstverständlicher als der Wunsch, unseres Präsidenten Optimismus möge in jeder Beziehung durch die kommende Entwicklung gerechtfertigt werden, auf dem Gebiete der Außenpolitik ebenso wie auf dem der Innenpolitik. Dr. Benes, der erklärte, die Arbeit an der' Lösung der nationalen Probleme von Masaryk übernommen zu haben, fühlt sich sicher, diese Ausgabe erfolgreich beenden zu können. Allerdings macht er sich keine Illusionen über die damit verbundenen Schwierigkeiten: es sei— häufig aus beiden Seite»— mehr Mut notwendig, diese Schwierigkeiten zu sehen und zu begreifen. Dr. Benes hat durch seine Reichenberger Rede gezeigt, daß er diesen Mut hat— denn wenn die Behauptung gilt, daß auch das Wort'eine Tat sein kann, dann war die Erklärung, daß Fehler der Vergangenheit, wie jener, daß aus tschechischen Gegenden Arbeiter und Unternehmer In deutsche oder'gemischtsprachige Gegenden gebracht wurden, eine Tat! Dr. Benes wird damit, in anderer Zeit und unter anderen Verhältnissen, wie einst Thomas G. Masaryk zum Lehrer und wahren Führer seines Volkes. Und selbstverständlich auch zu dem jener Sudetendeutschen, die sich, nicht im vorhinein jedem von tschechischer Seite kommenden Mahnworte verschließen Dr. Benes.ist von. der' deutschen nordböhmischen Bevölkerung mit wirklicher Herzlichkeit empfangen worden. Er wird gewiß 1 von seiner Reise die Uebcrzeugung mit-nach Prag genommen haben, daß ihm großes-Vertrauen- cutgegengc- . bracht wird, und er wird dieses Vertrauen als größtes Geschenk seiner deutschen Mitbürger zu schätzen, wissen.-Und er wird auch.wissen, daß er ''.mit'seinen Worten a u ch H o f f n u n g e n e r- . w c ck t hat. Und diese Hoffnungen dürfen nicht enttäuscht werden I' -La, es Ist richtig, daß eS genügt, wenn ein Bruchteil der deutschen Bevölkerung lockenden, - Unrealisierbaren Schlagworten erliegt, um auf tschechischer Seite Besorgnisse entstehen zu lassen. Aber man darf wohl sage», daß ein sehr beträchtlicher Teil, daß die Mehrheit der sudetendeutschen Bevölkerung n i cht irredentistisch ist, daß sie gerne Seile 2 Frettag, 21. August 1988 Nr. 1SL in der Tschcchosloivakischen Republik Ihren Staat sieht— mib das gilt vor allein für die deutsche arbeitende Bevölkerung, worunter keineswegs die industrielle Arbeiterschaft allein verstanden werden soll. Aber sie darf nicht das Gefühl haben, aus dein Boden ihrer Heimat zu Grunde gehen zu müssen, nicht sich verzweifelt sagen müssen, dah der Staat, der doch auch ihr Staat ist, nicht genug Verständnis hat für ihre Leiden, und sie darf erst recht nicht befürchten müssen— cs darf ihr nicht iinmer wieder Grund zu dieser Befürchtung gegeben Iverdcn—, dah nicht wenige ihrer Nöte und Morgen auf ihre Benachteiligung als Deutsche zu- rückzuführen sind! Der Staatspräsident hat besondere Mahnahmen zur Bekämpfung der Krise in Nordböhmen, die bereits von der Regierung vorbereitet tverden, angekündigt. Niemand erwartet Wunder, aber so furchtbar ist die Not in Nordböhmen, dah schon eine Linderung der Krise erlösend wirken würde. dah das Sichtbarwerden ernster Bemühungen zu Ihrer lleberwindung neue Hoffnungen und neue Zuversicht ertvecken tvürde. Die Deutschen Nordböhmens schenken dem Präsidenten volles Vertrauen. Sie wissen, die Worte des Präsidenten haben sie neuerlich davon überzeugt, dah er tvirklich alles in seinen Kräften liegende tun wird, um ihnen bei der Wiederaufrichtung der Wirtschaft zu helfen, dah er, der Staatsmann von cnropäischein Format, der Freund und Mitarbeiter MasarhkS, auch besten Willens ist, an der lleberwindung der aus der Ilngelöstheit der nationalen Probleme sich immer wieder ergebenden Schtvierigkeitcn zu arbeiten. Und sie tvird, soweit sie nicht lockenden Schlagworten erlegen ist, für ihren Teil gerne alles tun, diese Arbeit zu unterstützen. Aber es darf wohl offen gesagt werden, dah die gröberen Schwierig- keiten auf tschechischer Seite liegen, und vor allem bei der im Staate leider so mächtigen Bürokratie. Wie viele gute Absichten der Regierung, wie viele gut gedachten Gesche werden durch die Kleinlichkeit, Engherzigkeit und Verständnislosigkeit der Bürokratie zu Quellen nie endender Schikanic« rungeni Neber die Entmachtung der Bürokratie zu einer wirklich lebendigen Demokratie zu gelangen— d a S i st d e r W e g, den die innenpolitische Entwicklung gehen muh, wenn das Ber- ständigungswerk des Präsidenten gelingen sollt Wir wissen gar wohl— und wir wurden nicht müde, eS immer wieder zu sagen— wie sehr der nach dem Hitler-Sieg auch bei uns neu erstarkte deutsche Nationalismus dem tschechischen neue Nahrung gibt, wie er auf tschechischer Seite nicht nur Mihtrauen weckt, sondern auch willlom» mener Vorwand wird zur Fortsetzung des Kampfes gegen die Deutschen., Aber solange«in Teil des tschechischen politischen Lagers diesen Kamps als seine eigentliche Aufgabe ansieht, solange jede Vermehrung der, Tschechen in irgend "einem deutschen Orte, jede Unterbringung tsche« "thischcr Arbeiter und Angestellter an Stelle deutscher, jeder tschechische Truhschulbau als nationale Eroberung freudig erlebt und gepriesen wird, solange es als tschechische nationale Pflicht gilt, auf allen Lebensgebieten die Deutschen zurückzudrängen— und dem tschechischen Nationalismus erscheint cs als nationale Pflicht— so lange wird in der sudetendeutschen Bevölkerung nicht nur das Gefühl des Unbehagens, sondern das der Verzweiflung an ihrer Zukunft ertveckt. Wir deutschen Sozialdemokraten, die wir seit dem Beginne unserer Bewegung den Kampf gegen den deutschen Nationalismus geführt haben, haben das Recht, das Zusagen. Und wir halten es für notwendig, es auszusprechen, weil wir zutiefst wünschen, dah eS dem Präsidenten gelingen möge, sein großes Werk, sein« erhaben« Aufgabe wirllich zu erfüllen,— weil wir nichts sehnlicher wünschen, als dah es nicht Immer wieder behindert werde durch einen kleinlichen Nationalismus, der die wirkliche Aufgabe der eigenen Nation, diese von Dr. Benell so oft als europäische Sendung charakterisiert« Aufgabe nicht zu erkennen vermag. Der Staatspräsident hat sich zu dieser groben Aufgabe bekannt und damit das. Vertrauen I Der Widerhall der Präsidentenreise In der Presse Die gesamte tschechische Presse berichtet über die Fahrt des Präsidenten nach Reichenberg, Gablonz und Eisenbrod in groher Aufmachung und gibt die Reden in Reichenberg und Eisenbrod ausführlich wieder. Wie nicht anders erwartet 'werden könnte, werden die außenpolitischen Ausführungen vorbehaltlos akzeptiert, während in der Aufnahme der Präsidentenivorte über die nationalen Fragen eine gewisse Differenzierung beobachtet werden kann. Soweit der Präsident seine Kritik an die Deutschen richtete, wird sie von den Blättern mit Zustimmung wiedergegeben. Seine Feststellung, dah von tschechischer Seite Fehler geschehen sind,»insbesondere durch die Zurücksetzung deutscher Arbeitsloser in den Notgebieten, wird jedoch nur von einem Teil der Presse unterstrichen, während der andere sich Mit der kommentarlosen Veröffentlichung begnügt oder sogar die betreffenden Stellen übergeht, durchaus nicht im Geiste des Wortes, dah zur Lösung der nationalen Konflikte mehrMut notwendig ist. der Deutschen, die in ihm wirllich genau so ihren Präsidenten sehen undiwerehren wie di« Tschechen, neu gefestigt. Ls liegt nicht so sehr an-dem schönen Willen und an der Mittlevbereitschaft des Präsidenten, dah es bestätigt wird durch di« nahe Zukunft, wie a n d e n B ö l k erndesStaa- tes, vor allem aber den politischen Kräften, die im Staate führe n d u n d«ntscheidendsind. Wir zitieren nachstehend einige der Pressekommentare: „Rtrodni Osvobozeni": Wir haben Verständnis für diese» Elend(in den Notstandsgebieten. D. Red.), es Ist auch unser Problem, und der Präsident wies mit Recht darauf hin, dah wir da mehr machen müssen. Wenn wir jedoch zur Abschaffung der tgt« sächlichen Mängel bereit sind, so wie der Präsident u. a. ausdrücklich die neue von Vodja vorbereitete RegionalhilfSaktio», die Unbilligkeit der Heranziehung tschechischer Arbeiter zu Arbeiten in den deut« ,scheu Gebieten.und denverstärkten Kampf gegeu-die Arbeitslosigkeit angeführt hat, haben wir das Recht und die Pflicht, im Namen der demokratischen Prinzips und der Menschlichkeit jede andere Lösung, die mit Totalität, Faschismus oder Kommunismus, mit Autonomie oder ähnlichen Sachen spielt, abzulehnen. Auf keinen Fall, sagt die Stimme der Berufensten, werden wir dar Eingreifen einer fremden Staates in unsere nationalen Fragen zulasten und«in solches Einschreiten wird er auch nicht geben... Wer seine Spekulationen jenseits der Grenze richtet, wer den Geist der faschistischen Totalität zu un» tragen will, kämpft gegen unsere Freiheit, gegen uni alle und am meisten gegen seine deutschen Menschen, dl« er so notwendig zu einer Niederlage in einem ungleichen Kampf führen würde. „Lidovt Novinn": In praktischer Hinsicht werden die gerechten Menschen aller Nationen mit Befriedigung die offene Feststellung der Präjidenien Vie Pardubitzer Manöver Mehr als 100.000 Mann eingesetzt s Präsident Benei In Ostböhmen Prag.(Tsch. P. B.) Donnerstag, den 20. Aiignst, begannen die grohen Schluhübungen der tschechoslowakischen Armee in Böhmen, welche die dritten in der Geschichte der Armee und die größten aller bisherigen Uebungen sind. Gleich am ersten Tage der Schluhübungen hat sich der Präsident der Republik Dr. Edvard Benes in das Manövergebiet begeben und mit ihm zugleich der Präsident des Abgeordnetenhauses, Jan Malypetr, der Präsident des Senats, Dr. Frant. Soukup, und der Vorsitzende der Regierung, Dr. Milan Hodja. Der Präsident derRepublik, der Donnerstag im Manöverraum erschien, wurde von den Behörden und Vertretern der Selbstverwaltungskörperschaften offiziell begrüßt. Er antwortete in einer Rede, in der er die Aufgaben und die Bedeutung der Armee umriß, aber von neuem auch seiner Ueberzeugung Ausdruck gab, daß eS unserer Politik gelingen werde, einen Krieg zu verhindern. Die Schluhübungen in Ostböhmen sind die dritten Heuer veranstalteten grohen militärischen Uebungen. Die Leitung der Wehrmacht verfolgt damit einige Ziele. Vor allem handelt«S sich um die praktische Einübung und Ueberprüsung der Ergeb- niste der AuSbildungSjahreS und um die Zusammenarbeit aller Armee-, Waffen- und Dienstsormationen. Hier ist nicht nur die Zusammenarbeit aller Elemente der Armee von Bedeutung, sondern auch die Zu sammenarbeit der zivilen und Sicherheitsfaktoren, der Behörden, der Eisenbahn, der Post, der Organisationen der öffentlichen Arbeiten und auch der Bevölkerung— eS liegt also da» Bestreben vor, dah di« Uebungen sich möglichst der Wirklichkeit annähern. Eine weitere Bedeutung der Schluhübungen liegt in der Entfaltung des Verbindung»- und VerpslegS- dienste», deren sich aus diesen Uebungen ergebende Praxi» sonst durch nichts andere» erseht werden kann. Für die Uebungen sind auf beiden Seiten Armeen organisiert, von denen«ine Armeegeneral Leo Prchala, Landesmilitärkommandant in Ka- schau, die zweite DivisionSgeneral Eduard Kodier, Landesmilitärkommandant in Brünn, befehligt. Die Armeen bestehen au» Einheiten au» den Bereichen des Landesmilitärkommandos Prag und Brünn. Die Gesamtzahl der beteiligten Truppen übersteigt 100.000 Mann. Die Schluhübungen der ersten Manövergrupp« leitet Generalstabichef Armeegeneral Ludvik Krejii. Der Stabschef de» Leiter» der Schluhübungen ist der Untergeneralstabschef Divisionsgeneral Karel Husärek, erster Stellvertreter Brigadegeneral Boh. F i a l a, zweiter Stellvertreter Brigadegeneral Blad. Kajdos. Mit der Leitung des Schiedsrichterdienstes Armeegeneral Sergej Vojcechovsky,.Landesmilitärkommandant in Böhmen, betraut. Die Hauptleitung-der Schluhübungen und der Sih der Leitung des Schiedsrichterdienste» sind in Ehrudim. Der Mexikaner Felipe Rivera Von Sack London „Ich tue eS, so wahr mir Gott Helse, mein Junge."- Als der Gong ertönte, hatte Rivera das Gefühl, daß irgendeine Gefahr ihm drohte. Das Publikum merkte nichts. Was es auch sein mochte — jedenfalls war es innerhalb des Ringes und ganz in seiner Nähe. Danny schien seine frühere Sicherheit wiedergewonnen zu haben. Die Zuversichtlichkeit, mit der er ankam, erschreckte Ni- . Vera. Offenbar waren sie im Begriff, ihm irgendeinen Streich zu spielen. Danny sprang auf"ihn los, aber Rivera wich ihm aus. Er brachte sich in Sicherheit, indem er einen Schritt zurücktrat. Der andere hatte erwartet, daß er in Clinch gehen tvürde. Das war zu einem gewissen Grade nöig, Ivenn der Streich gelingen sollte, Rivera zog sich zurück und umkreiste den Gegner, fühlte aber doch, daß bei dem Zusammenstoß, der früher oder später ersolgen mußte, der Kniff versucht werden wüide. Als Danny wieder vorstürmte, tat Rivera, als tvolle er in Clinch gehen. Aber im letzten Augenblick sprang er, gerade als ihre Leiber zusammenstoßen wollten, rasch zurück. Und im selbcii Augenblick ertönte aus Dannys Ecke der Ruf:„Foull" Rivera chatte sie angeführt. Der Schiedsrichter zögerte unentschlossen. Die Entscheidung, die ihm auf den Lippen lag, siel nie, denn eine Knabenstimme auf der Galerie schrillte:„Schiebung I" Danny schimpfte laut aus Rivera und stürmte aus ihn los, aber Rivera wich ihm tanzend aus. Rivera beschloß jetzt, nicht mehr nach dem Körper des andern zu zielen. Damit'setzte er seine halbe Chance, zu gewinnen, ausS Spiel, aber er wußte, daß er, wenn er überhaupt siegen wollte, den Nahkampf vermeiden mußte. Beim geringsten Anlaß würden sie ihn eines„Föuls" beschuldigen. Danny ließ alle Vorsicht beiseite. In zwei Runden stürmte er auf den Jungen los, der ihm nicht im Nahkampf zu begegnen wagte. Immer tvicder wurde Rivera getroffen; er steckte die Schläge zu Dutzenden ein, um dem gefährlichen Nahkampf zu entgehen. Bei dieser einzig dastehenden Schlußszene Dannys erhob das Publikum sich und wurde wahnsinnig. ES verstand nichts von dem, was vorging. Das einzige, was es sehen, konnte, war, daß sein Favorit doch siegte. „Warum kämpfst du nicht?" schrien sie Ribera zornig zu.„Jammerlappen I Jammerlappen I Los, du Hundl Schlag ihn tot. Danny I Du hast ihn ja schon! Hau ihnl" Won allen im ganzen Hause war Rivera der einzige, der seine Kaltblütigkeit bewahrte. Nach Temperament und Raffe war er der leidenschaftlichste von allen, aber er war so Iveit größeren Aufregungen ausgesetzt gewesen, daß diese gemeinsame, aus zehntausend Kehlen schreiende Leidenschaft, die sich Woge auf Woge erhob, ihm nicht mehr als die sammetartige Kühle eines Sommerabends bedeutete. In der siebzehnten Runde setzte Danny seine Angriffe fort. Unter einem., heftigen Schlag tvankte Rivera. Seine Hände sanken hilflos her», ab, während er widerstrebend zurücktaumelte. Jetzt dachte Danny, daß seine Chance gekommen tväre. Der Junge war jn seiner Gewalt. Durch diese Komödie überrumpelte Rivera ihn und traf ihn mit der geraden Rechten aus den Mund. Danny fiel. Als er aüfstand, fällte Rivera ihn durch einen rechten Haken aus Hals und Kinn. DaS wiederholte sich dreimal. Kein Schiedsrichter der Welt hätte von einem Foul sprechen können. „Oh Bill! Bill!" flehte Kelly den Schiedsrichter an., „Ich kann nichts dabei machen", sagte der Schiedsrichter bedauernd.„Er gibt mir keine Gelegenheit dazu." Danny stand immer wieder auf, zerschlügen, aber heldenmütig. Kelly und andere in der Nähe des Ringes begannen nach der Polizei zu rufen, dah sie einschreiten sollte, obwohl Dannys Ecke sich weigerte, das Handtuch hineinzuwersen. Rivera sah den dicken Wachtmeister einen ungeschickten Versuch machen, unter den Seilen her« einzuklcttern, und wußte nicht recht, was das bedeutete. Diese GringoS wußten auf so vielerlei Weise bei einem. Boxkampf zu betrügen. Danny, der wieder auf die Beine gekommen war, taumelte unsicher und hilflos vor ihm hin und her. Der Schiedsichter und der Polizist streckten beide dje Hände nach Riviera aus- als er den letzten Schlag führte. Es gab keinen Grund zum Einschreiten, denn DäNny blieb' liegen. „Zähl!" rief Rivera dem Schiedsrichter heiser zu.. Und als das Zählen beendet war, hoben die Sekundanten Danny auf und trugen ihn in seine Ecke.. ,,„Wer ist der Sieger" fragt« Rivera. . Widerwillig ergriff der Schiedsrichter seine behandschuhte Hand und hielt sie hoch. Rivera erhielt keine Glückwünsche. Ohne Begleitung ging er in seine Ecke, wo seine Sekundanten noch nicht den Feldstuhl für ihn Eingesetzt hatten. Er lehnte sich! gegen die Seile, sah sie erbittert-an,'lieh deü Blick auf ihnen ruhen und ließ ihn dayn über die Zehntausend« von' GringoS schweifen. Die Knie zitterten ihm, und er stöhnte vor Erschöpfung. Vor seinen Augen wogten die verhaßten'Gesichter hin und her in schwindelnder Uebelkeit,^-Dann aber entsann er sich, daß sie Gewehre bedeuteten. Die Getvehre waren sein: Die Revolution konnte beginnen. End« summe zur„Einheitsfront"' „Die sozialdemokratischen Arbeiter sollten mit diesen Gemeinheiten des„Sozialdemokrat" doch einmal aufräumen. Wie lange soll noch geduldet werden, daß der „Sozialdemokrat" den Faschisten in die Hände arbeitet f‘ („Rote Fahne" SO. August.) aufnehmen, daß in der Wirtschaftspolitik Fehler geschehen sind. Jeder menschlich Fühlende wird mit dem Grundsatz übereinstimmen, daß öffentliche Arbeiten in den deutschen Gibieten vor allem deutsche Unternehmer und Arbeiter durchführen sollen und daß es keinen Sinn hat, in Orte, die selbst schwer von der Arbeitslosigkeit betroffen sind, noch Arbeitslose von auswärt» zu führen. Wenn die Regierung in dieser Praxis eine Aendcrnng eintreten läßt, wird sie sich damit um da» anständige Verhältnis zwischen den Nationen verdient machen und so dem ganzen .Staate nützen. Die Garantie für dies« Aenderung ist übrigen» auch die Mitwirkung der drei deutschen Minister in der Regierung, deren Erklärungen und Bestrebungen der Präsident der Republik ausdrücklich züftimmi. „lleskö Slovo": Präsident Beneö lehrt uns alle, wie wir es. machen sollen, um mit dieser unserer größten nationalen Minderheit zu einem anständigen Zusammenleben zu gelangen. Er setzt die Fehler aus, welche die Tschechen machen, aber er sagt auch d«n Deutschen sehr offen, daß sie sich über unser Mißtrauen nicht wundern dürfen, wenn bestimnit« Erscheinungen im deutschen Lager allzu offenkundig sind. Er verspricht nichts, was er nicht erfüllen kann, aber auch die Deutschen könnten ihn schon so wie wir anderen kennen, um zu wissen, daß er nicht nur ein Mann de» Worte», sondern auch der Tat ist. „Lidovt Listh": Die Propaganda Henlein» ist da» größte Hindern!» eine» Einvernehmen» zwischen den beiden Völkern. Herr Henlein kann doch nicht die hUinorvolle Sache verlangen, daß wir die Administrative de» Staate» in die Hände der Feintze der Demokratie geben und etlva» Derartige» machen, wie die Demokraten in Deutschland. Wenn der Präsident der Republik all« diese Tendenzen abgelehnt hat, welche da» Vertrauen zwischen den beiden Völkern vernichten, anerkannt« er auf der anderen Seite, daß wirtschaftlich die Hilfe für die deutschen Industriegebiete, di« von der Krise am schwersten betroffen sind, verstärkt werden muß. „Prtvo Lidu":„Der Präsident hat freundschaftlich, offen und mit der ihm eigenen Klarheit und Logik gesprochen. Seine festen, an die Adresse aller subversiven Elemente in unserer deutschen Minderheit gerichteten Worte sind so Aar, daß sie denen, die sie betreffen, zur Warnung dienen müssen. Mit größter Energie sprach der Präsident über die demokratische Form der Republik als unveränderliche Regierungiform für alle Zeiten bei un». Wir begrüßen aufrichtig seine Worte und freuen un» dessen, daß sie gerade auf dem Boden de» deutschen Gebieter der Republik gesprochen wurden. Allerdings sind sie ,auch«ine Warnung für die faschistisierenden Gruppen im tschechoslowakischen Volke." Streik In der Äutofabrlk Walter Prag. Mittwoch traten 1200 Arbeitet der Autosabrik Walter in Jinonice bei Prag in hen Streik. Die Arbeiterschaft hatte die Forderung nach Lohnerhöhung gestellt, welche bisher jedoch nicht beantwortet wurde. Die Arbeit ruhte drei Stunden lang. Jn der Betriebsversammlung am Nachmittag setzte sich gegen eine Gruppe, welche die Fabrik nach französischem Muster bis zur Austragung des Konflikts beseht halten wollte, die Ansicht durch, daß die BertragSorganisationen mit der Firma verhandeln sollen. Ein Teil der Arbeiterschaft blieb in den Werksräumen über Nacht. Ministerbesnch im Kinderheim. Gesundheitsminister Dr. C z e ch besuchte am Mittwoch, den IS. August, das unter Leitung des Primarius Dr. R i'e d I stehende Kinderheim in Groß-UllerS- dorf und besichtigte auch dabei die dort vom Gesundheitsministerium untergebrachte Kinderkolonie. Das Befinden der Kinder und vor allem ihr Aussehen und ihr körperlicher Zustand sind außerordentlich zufriedenstellend. Illegale Flugblätter während der Olympiade An einem Olympiade-Tag gegen neun Uhr morgens regnete eS plötzlich von einem vornehmen Hochhaus des Berliner Westens Flugblätter „staatsfeindlichen" Inhalts. Die sofort vorgenommenen Absperrungen blieben erfolglos. Die Flugblätter waren aus sehr dünnem Papier hergestellt und mit kleiner Schrift bedruckt. Sie richteten sich.an„alle Friedensfreunde undOlympia-Besucher". Nach Entlarvung der Hetzereien gegen das demokratische Spanien und der Hintergründe der Verurteilung Edgar Andris wurde die Absetzung.des Oberpräsidenten Kube geschildert. Es hieß darüber: „Der nationalsozialistische Oberpräsident Kube war der Mann, der in jener denkwürdigen, von ihm selbst'präsidierten ReichStagSsttzung den Sozialisten zurief, sie hätten sich fortan zurückzuziehen, zu schweigen und sich zuschämen. Dieser selbe Mann aber steht jetzt,unter der Anklage der Bestechung, Unterschlagung und schwerer sittlicher Verfehlung an BdM-Mädchen." Die Feststellungen der Gestapo- ergaben folgende.Methode der Flugblattverbreitung: lieber den Dachrand des Hochhauses war ein Brett, geschoben worden, auf dessen Überstehendem Stück ein Pack Flugblätter lag, beschivert. mit einem Stein. Als Gtgengewlcht diente eine mit' Wasser .gefüllte Blechbüchse, aus. deren, kleiner Oeffnung langsam das Wasser ablief. So dauerte«s ziemlich lange, bis di« Flugblätter Uehergewicht'bekamen und bei ihrer Leichtigkeit in.langem Flug und weithin verstreut auf dis Erde gelangten. »r. 104 irtrntT- Frettag, 21. August 1930 Sette 3 fudetendeutscfter Xeiispiegct Vom Präsldentenbesuch in Belcbienberg; Während der historischen Rede Die Reichenberger Mustermesse Nach dem starken Andrang am Sonntag, der dor allem Massen der schau freudigen Bevölkerung brachte, mutzten die folgenden Messetage etwas ruhiger werden. Sie brachten aber zahlreiche Be- gröberer Auftrag in Damenhüten wird gemeldet, in der Möbelabteilung besteht gröhere Nachfrage nach Patentmöbeln und handgearbeiteten heimischen Möbeln, gut war der Klavierberkhuf, und erfreulich ist die Nachfrage nach Erzeugnissen der Heimindustrie: Spitzen, Keramik und Spielwaken. Marktgängige Artikel für Kleinhandel und Haushalt, und in der technischen Messe Waschmaschinen, Kühlanlagen,. Bäckereimaschinen, Küchengeräte und Herde wurden gekauft. Gefragt waren auch GlaSwaren, Bilderrahmen, Staubsauger. In der technischen Messe wird bisher dar Geschäft als mittel, in manchen Gruppen jedoch als schwach bezeichnet. Verkauft wurden: Maschinen, Oefen, Motorräder, Autozubehör, Waschmaschinen, Einkochapparate, auch Tonwaren, und bemerkenswert ist der Anklang, den kunstgewerbliche Gegenstände fanden. Jetzt, in der Mitte der Messe, läßt sich natürlich auch über ein vermutlicher Ergebnis noch nichts sagen. „Im Leiste Josef Patzels" Soeben ist in Reichenberg die erste Nummer der Zeitschrift„Deutsche Arbeit" erschienen. ES handelt sich um dar Organ der neugegründe« ten Deutschen Arbeiterpartei. Die Zeitschrift schreibt, daß sie im Geiste Josef Patzels wirken werde.(Josef Pahel war ein Führer der Deutschen nationalsozialistischen Arbeiterpartei, der vor einigen Jahren verstorben ist und eine gemätzigte Richtung vertrat.) Die neue Zeitung schreibt u. a.: „Es mutz nunmehr allen klar sein, datz innerhalb des Sudetendeutschtums und im Staate die totale politische Form undenkbar ist. Eine Einheitspartei hat bei uns mit der Volksgemein schaft ebensowenig zu tun, als es andererseits stets eine im Sinne des BolkSgemeinschaftSgcdankenS gelegene nottvendige Parteienverbindlichkeit geben wird, wenn die Parteien von aufrechten, geraden Männern geführt werden. Von der eigenen politischen Grundlage aus wird die„Deutsche Arbeiterpartei" mit den anderen befugten Parteien dafür arbeiten, datz im sudetendeutschen Volke eine verbindende nationale und soziale Schicksalsgemeinschaft ersteht und es fernzuhalten wissen, datz diese Gemeinschaft, dessen Vorkämpfer ihre besten Heimgegangenen Männer waren, aus Unduldsamkeit zerstört wird. Darüber hinaus wird eS ihre Ausgabe sein, wieder Versöhnung und Verständigung im eigenen Volke her- beizuführen und ihre Kräfte der Erstellung eines Ausgleiches zwischen den die Heimat nachbarlich besiedelnden Völkern zu leihen." Auf Hopfenpflücke! Vorübergehende Gelegenheitsarbeit bietet so vielen Arbeitslosen die Hopfenpflücke. Partiefiihrer verdingen sich dem Hopfenbauer, holen sich durch di« Vermittlungen die Papiere und dann gebt cS mit Kind und Kegel hinaus ins Hopfcndorf. Von aller« größter Wichttgkeit ist der Lohn. Für ein Matz, ein Viertel, wird heuer durchschnittlich Kä 1.80 bis 1.70 gezahlt. Die durchschnittliche Tagcslei- stnng sind zehn Viertel, so datz ein Pflücker, der dabei sehr fleißig sein muß, pro Tag nur 15 bis 17 XL verdient. Da ganze Familien auf Hopfenpflücke gehen und in den gegenivärtigen Ferien« tagen auch die Kinder mit angespannt werden, ist das Tageseinkommen scheinbar höher. Selbstverständlich wird diese Arbeitsmöglichkeit bei der ungeheuren Arbeitslosigkeit und Not unter den Menschen dazu benützt, um parteipolitischen Druck sucher aus dem Auslande, hauptsächlich aus Oesterreich, Ungarn und Rumänien und viele Einkäufer au» dem weiteren Jnlande, vor allem au» der Slowakei. Den Höhepunkt der Messe bildete selbstverständlich der Besuch des Staatspräsidenten, der mehr als eine Höflichkeitsgeste ist, der die Anteilnahme de» Staatsoberhauptes auch an der Wirtschaftsentwick- lung der sudetendeutschen Gebiete zeigt. Die Reichenberger 17. Mustermesse hat, wie jedeSmal, einige Sonderausstellungen: die „Gemeinschaftsausstellung de» Bekleidungsgewerbe»", bie Elektro-Sonderschau„Licht— Kraft— Wärme", die über die Wirtschaftlichkeit der Elektrizität auf allen Gebieten Ausschluß gibt und in der täglich frei zugängliche Filmvorführungen für bie stärkere Verwendung der Elektrizität werben, ferner die Sondetausstellung„Der durchsichtige Mensch", ein Meisterwerk der Modelltechnik, da», ergänzt durch die Mitteilungen der Sprechanlagen, den zahlreichen staunenden Besuchern werwollen Anschauungsunterricht über die Wunder de» menschlichen Organismus gibt. Wer der Zweck der Messe ist ja nicht, Schaulust zu befriedigen, sondern die Wirtschaft zu fördern. Also ist die wichtigste Frage, deren Beantwortung über ihren Wert Aufschluß gibt, die rach den Verkäufen. Hier nun berichtet die Messeleitung zwar nichts, was übermäßig optimistisch stimmen könnte, aber doch Erfreuliches. In ter Textilmesse wurden abgesetzt Winterwollstoffe und Vorhänge, auch die Nachfrage nach Weißwaren war rege; Spitzen und Stickereien gingen weniger gut.(Die Einkäufer vermissen eine größere Auswahl von Weißwaren und Reichenberger Tuchen!) Ein die Vorteile einer kleinen Plantage, die immer neue Pilze produziert. Der Amateur, der sich in unbekannten Revieren zum erstenmal« der Pilzsuche widmen will, hat es nicht leicht, denn der kundige Einheimische, der meist zur Klasse der Professionals zu zählen ist, verrät seine.„Stellen" höchst ungern und verschanzt sich hinter allgemeinen Redensarten. Wenn er nicht„den Blick", den„coup d'oeil", für ein qualifiziertes Pilzgebiet besitzt, wird er zwischen Schwämmen wandeln, ohne sie zu sehen. Wenn er hartnäckig ist, wird er vielleicht einmal zufällig auf ein Riesenexemplar fwhen und stolzgebläht, den Pilz in der Hand, nach Hause streben, um sich dessen vor Freunden und Bekannten zu rühmen und sich photographieren zu lassen. ES tut seiner Freud« keine Einbuße, wenn er dann hinterdrein feststellen muß, daß der Riesenkerl madig war. Immerhin hat der SchwaMmsucher-Cleve damit einen der niederen Grade der Pilzsucherei erreicht, sein Fund spornt ihn an, weiterem Suchen obzuliegen. Der Kenner schätzt im allgemeinen' die Funde von Riesenpilzen nicht sehr hoch, da die Exemplare meist madig, zumindest angestochen sind und ihr Fleisch nicht so schmackhaft ist; wie der kleineren und 1 mittleren Sorten. Er überläßt sie neidlos den.pilzsuchenden Laien, dix. familienweise und mit Freudengeschrei die Wälder durcheilen. Er läßt diese wilde Jagd an sich vorbeiziehn und beginnt mit seiner Ernte erst, bi» die Luft wieder rein ist., Der richtige Pilzsammler verrät sich, Wenn er an der Arbeit ist, weder durch Geschrei noch Gejohle, er demoliert auch nicht jene Schwämme, die er Nicht,kennt und gl» giftig ansieht, er. tvird. den, Wald niemals in einen Saustall umzuwändeln trachten. Wie Man zur Jagd nur weidgerechte Jäger zuläßt, so sollten sich auch die SchwämMesucher in unseren Wäldern»bemühen, Vie Justizkomödie in Moskau ' Zu plumpe„Geztlndnlsse“# Trommelfeuer auf Smirnow und Trotzki konzentriert z Stalin, der bedrohte Held Fundorte weiteren Nutzen ziehen will, Einig«! nur„pil,gerecht" zu arbeiten, derartige Fundorte garantieren dann dem Finder I———— SchwKmmesuchen Schwämmesuchen ist heute ein Sport geworden! Mit Recht! Denn er bietet alle Reize der Jagd, vom herrlichen Streifen durch das Dick und Dünn des Waldes an bis zu den schönsten Gelegenheiten, sich nach mehr oder minder gelungener Jagd im Jägerlatein zu vervollkommnen. Man kann die Illusion des Jagens beliebig aurdehnen, auf Hoch- und Niederjagd, je nachdem man dem Niederwild der Eier« und Butterpilze nachiagt oder dem Hochwild der Herrn« und Steinpilze. Welch' eine Lust, das Wild überlistet zu haben, wenn man unter den schützenden Zweigen niedriger Fichten oder tief im Moos verborgen eine Kolonie von Herrnptlzen aufgestöbert hat, di« sich hier dem Auge de» Jäger» entziehen wollten I Welche Freude, wenn man so«inen starken Burschen von Herrnpilz, dessen Kuppe da» herrliche Rotbraun de» Waldbodens als Schutzfarb« angenommen hat, versteckt hinter finem Baumstock, einer Wurzel oder einem Stamm au» seinem Pilzlager herausdrehen kann. Wir sagen„her« auSdrehen", nicht abschneiden, denn der kundige Schwämmesucher schneidet die Pilze nicht ab, son« dern dreht sie vorsichtig au» dem Pilzlager heraus.-'Ein Münchener Professor hat in einer überzeugenden Abhandlung nachgewiesen, daß die beim Schneiden zurückbleibenden Stümpfe mit Vorliebe von' den Insekten zur Eierablage benützt werden, «vorauf die ausschlüpfenden Maden nicht nur den Stumpf, sondern da» ganze Pilzlager mit der jungen.Brut' zerstören, Mährend der vorsichtig heraus« gedrehte Pilz da» Lager unbeschädigt läßt, wenn man die entständen« Lücke borsichtig wieder bedeckt. Der kundige Schwämmesucher wird sich an diese Regel halten, wenn er ausdem einmal entdeckten Der Angeklagte Jefdokimow gab bei dem Verhöre zu, daß er in Gemeinschaft mit anderen Mitgliedern des Vereinigten Zentrums die Ermordung Stalins, Woroschilows und Kaganano- witsch' organisiert und vorbereitet hatte. Es wurden di« Angeklagten Dreiser, Reingold, Bakajew und Pickel verhört. .., Dreiser,.leitete seine Aussage,,mit d.«v. Erklärung ein,, daß-die Trohkij-Sinowjew-Terro« ristenorganisation„eine zentralisierte gegenrevolutionäre Organisation mit auSgewähltcn Mitgliedern war, die durch ein gemeinsames Ziel zusammengeschloffen waren." Bei der eingehenden Schilderung seiner gegenrevoluttonären Tätigkeit. hebt Dreiser hervor, daß die führende Stolle in der Organisation Smirnow innehatte. Dreiser schildert, wie ex terroristische Personen„entschlossene und kampfgewohnte Männer" zur Ermordung Stalins und Woroschilows gemäß den vom terroristischen Zentrum erhaltenen Instruktionen auswählte. Bei dem Kreuzverhör, welches auf die ge- neue Feststellung der Rolle Smirnows bei der praktischen Leittmg terroristischer Handlungen abzielt, kommt es zu einem scharfen Wortgefecht zwischen den Angeklagten. Dreiser und Mratsch- kowskij erklären, daß Smirnow lüge, wenn er seine leitende Rolle bei dieser Tätigkeit in Abrede stelle. Die Mitglieder des Tribunals stellen an Sinowjew Fragen, betreffend die volle Aufdeckung der Rolle Smirnows. Sinowjew charakterisiert Smirnow als„den aktivsten und entschlossensten terroristischen Partisan, welcher seine Rolle mit Eifer und Ueberzeugung vertrat." Der Angeklagte Reingold sagt eingehend über die Geschichte des neuen Blocks der Anhänger Trotzkijs und Sinowjews aus, welcher sich von ihrem früheren Blocke durch die„einmütige Anerkennung der Notwendigkeit dcö Terrors" unterschied. Sinowjew sagte dem Angeklagten Reingold:„ES gibt keinen anderen Weg, zur Macht zu gelangen,, als die Ermordung Stalin s." Der Angeklagte Reingold entrollte weiters einen anderen Plan der Terroristen, demzufolge nach dor Erlangung der Macht alle diejenigen «physisch vernichtet" werden sollten, welche die verübten BeWrechen., hätten enthüllen können, insbesondere bie eigenen Agenten und Mittäter. Damit solle sich Bakajew beschäfigen, der an die Spitze der GPU gestellt werden sollte. Bakajew und Sinowjew bestätigten auf ein« Anfrage des Prokurator», daß«in solcher Plan tatsächlich bestanden hat. Der Angeklagte Pickel schildert seine aktive Teilnahme an der terroristischen Organisation und sagt aus, daß die Führer des terroristischen Klubs den Terroristen Bogdan zum Selbstmorde trieben, der von Sinowjew mit der Ermordung Stalins betraut worden war. Es geschah dies, deshalb, um die Spuren zu verwischen. Im Hinblick darauf, daß Bogdan sich zu lange Zeit ljeß, die terroristische Handlung zu begehen, wurde er aufgefordert, entweder sofort das Attentat gegen Stalin. auszusühren oder Selbstmord zu begehen. Moskau.(Taß) In der Verhandlung gegen Sinowjew, Kamenew und Genossen wurden zunächst die Angeklagten. Mratschkowslij und Jefdokimow vernommen. Mratschkowslij sagte detailliert aus, wie die Terrororganisation geschaffen wurde, als der Angeklagte Smirnow im Jahre 1081 aus Berlin die Direktiven Trotzkijs über terroristtsche Akte gegen die Führet der' Kommunistischen Partei Md gegen die Regierung, ick erster Riihe gegen Stalin, brachte. Auf die Frage des Prokurators bestätigt Sinowjew direkt diese Aussage und erklärt:„Wir haben Kirow ermordet." Mratschkowslij sagt« weiters aus, daß er im Jahr« 1034 während seines Aufenthaltes in Ka« sakstan durch Vermittlung deS Sonderboten Estermann ein' an Dreiser adressierte» Schreiben Trotzkijs erhielt, in welchem dieser zur beschleunigten Ermordung Stalins und Woroschilows auffordert«. Mratschkowslij hob die leitende Rolle hervor, welche der Angeklagte Smirnow in der Terrororganisation spielte. Der Versuch Smirnow», zu bestreiten, daß er die Terroristentätigkeit praktisch geleitet hat, wurde durch die Verlesung seiner eigenen Aussagen in der Voruntersuchung widerlegt. Vries an den Zeitsniegel Verpaßte Gelegenheitt Der Rundfunk hätte die große Rede des Präsidenten Benes und seinen Empfang in Rei- ehenberg übertragen sollen! Wie wäre so etwas„drüben" gemacht worden... Sieh Dir mal die Rundfunkprogramme vom 19. August an: lauter klägliches Zeug. Landwirtschaftliche Preise oder so ewas ähnliches oder Blasmusik oder Harfenkonzert. Das ist die Arbeit des Radiojournals für die Demokratie! auSzuüben, und die Partei der„Sauberen und Anständigen" ist dabei wiederum führend. In einzelnen Fällen aber ist es durch geschlossenes und entschiedenes Auftreten der Arbeiterschaft schon gelungen, diesen Terror zu brechen. Folgenschwerer Blitzschlag. Aus Bensen wird uns berichtet: Mittwoch, den 19. Augnst, nachmittags ging über unserer Gegend ein heftiges Geivitter mit starkem Regenfall nieder. In dem hochgelegenen, nahen Großwöhlen waren mehrere Blitzschläge zu verzeichnen. Ein solcher erfolgte auch in einen Eschebaum vor dein Hause des Besitzers Franz Nasche Nr. 22, sprang dann auf die Scheuer über, in der Nasche mit seiner Schwester, Marie L a d i s ch weilte. In dieser Scheuer hatte die Schicester iccgen Platzmangels im eigenen Stall eine Kuh vorübergehend untergebracht. Bon dem Blitz ivurden die Frau und die untergebrachte Kuh mif der Stelle getötet. Nasche, Mitglied der sozialdemokratischen Partei, kain mit dem Schrecken davon. Frau Marie Ladisch ist 83 Jahre alt und Mutter eines vierjährigen Mädchens. Raubüberfall. Auf der Straße zwischen Buchau und Dessau wurde der 1869 geborene und in Zuflucht im Erzgebirge icohnhafte Bettelmusikant Alfred Kerl von einem Landstreicher überfallen und niedergeschlagen. Dem Strauchritter ging e» wohl vor allem darum, dem armen Teufel die erbettelten Groschen abzunehmen. Glücklicherweise wurde er in seinem Vorhaben aber von Straßenpassanten gestört und er ergriff schließlich die Flucht. Die Zeit bringt traurige Erscheinungen mit sich. Ein armer, von Bettelei lebender Mensch wird auf der Straße überfallen, weil es ein anderer auf die paar armseligen Kreuzer abgesehen hat. Traurige Zeiten mit traurigen Geschehnissen! Der Blutzins Spaniens an den Faschismus Paris. Der Madrider Berichterstatter des „Excelsior," schreibt: Der amtlichen Statistik zufolge'beträgt die Zahl der'Opfer des Bürgerkrieges nach vierwöchiger Dauer 5 5.0 0 0 P e r s o- neu, von denen 30.000 auf die Aufständische» entfallen. In dieser Zahl sind die 2000 in Badajoz und di« 1000 in Merida am Ende der vergangenen Woche erschossenen Menschen enthalten. Nach der Darstellung eines Flüchtlings aus Teruela haben die Aufständischen in dieser Provinz mehr als 1000 der Regierung ergebene Menschen erschossen. — und wozu? Dafür: P a m p e l u n a.(Havas.) Die Behörden des hiesigen Bezirkes haben beschlossen, daß der Gesellschaft Jesu alle Güter, welche die republikanische Regierung konfisziert hat, zurück- er stattet werden. Den Jesuiten wurde weiter bewilligt, in ganz Navarra ihr« Tätigkeit aufzunehmen. Sensationeller Selbstmord Berlin.(Tsch. P. B.) Der bisherige Kommandant des olympischen Dorfes, Kapitän Fürstuer, hat S e l b st m o r d verübt. An amtlichen Stellen wird erklärt, die Ursache der Tat Fiirstners sei N e r v e n z u summe n b r u ch infolge von Ueberanstrengung. Bo» anderer Seite wird behauptet, paß Fürstuer infolge antisemitischer Angriffe Selbstmord verübt habe. Rings um das olympische Dorf hatte man nämlich häufig Aufschriften gefunden, deS Inhaltes:„Nieder mit den« Jude» Fiirstner". In Kurses Berlin. Unter Führung deS Befehlshabers der Aufklärungsstreitkräfte, Konteradmiral B o e h m, auf Kreuzer„Nürnberg" sind heute I auS Kiel und WilhelmShafen zur Ablösung der bisher in Spaniel« befindlichen Seestreitkräfte ausgelaufen: Panzerschiff„Admiral Graf S p e«", di« Kr«uzer„R ü r n b e r g",„L e i p- z i g", die vierte Torpedobootflotill« mit den Torpedobooten„Greif" und„Falke" und ton der dritte» Torpedobootflotille die Torpedoboot« '„Jaguar" und„Wolf". Lüttich. Die Streikbewegung im Kohlenrevier von Lüttich hat sich verschärft. Nichtsdestoweniger herrscht aber Ruhe. Patts. Das«Echo de Paris" meldet, daß der Innenminister Salengro über Ersuchen des spanischen Botschafters Albornoz Maßnahmen zur Ausweisung de« Obersten Antonio Barroso aus Frankreich getroffen habe. Antonio Barroso war der Militärattachee der spanischen Botschaft in Paris und hatte der Madrider Regierung seine I Demission gegeben. Nr. 194 «rekta», 21. August 1SSS" Seite 4 Tl-esnem-kelten- In der Nacht auf Donnerstag ereignete sich in Brünn ein Familiendrama, deffen Ursache in der durch die Arbeitsiosigleit eines Arbeiters her- vorgerufene Rot feiner Familie zu suchen ist. Die Vorgeschichte und der Hergang des Dramas, das in Brünn großes Aufsehen hervorrief und daS wieder einmal mit furchtbarer Deutlichkeit auf das Elend, das unter den Arbeitslosen herrscht und auf daS rücksichtslose Vorgehen mancher Kapitalisten gegenüber diesen Menschen hinweist, ist folgender: Der 40jährige Hilfsarbeiter Anton Tichh kam am 1. Jänner d. I. mit seiner'Gattin und seinen beiden Kindern aus Groft-Niemtschitz nach Brünn, tvo er Arbeit zu finden hoffte. Er zog in das HauS des Baumeisters Pavlik in Königsfeld und lebte mit seiner' Jfamilic nur von der Arbeitslosenunterstützung, da er keinerlei Arbeit finden konnte. Er bezahlte immer rechtzeitig die Miete und war bis 1. August nichts schuldig. Der Hausbesitzer wollte aber Tichh nicht in seinem Hanse haben und sandte Tichh eine Verständigung, daß er am 19. August gerichtlich auSge- mietet werde. Tichh erklärte, dah er dies nicht überleben werde. Am 19. d. M., dem Termin der gerichtlichen Kündigung, ging die Familie morgens in den Augarten und kehrte erst nachmittags nach Königsfeld zurück. In der Hoffnung, der Exekutor werde nicht in die versperrte Wohnung dringen, sah er sich jedoch betrogen, da er die Wohnung offen und leer vorfand. Tichh nahm diese Tatsache scheinbar ruhig auf und erklärte, er würde für die Familie schön ein Nachtlager finden. Sie gingen wieder in den Augarten und dann in die Schwarzen Felder. Als sie auf die Strafte gegen Hussolvitz kamen, blieb Tichh plötzlich stehen und schlug die Frau mit der Faust nieder, so daft sie ohnmächtig zusammenbrach. Was dann geschah, tvuftte sie nicht mehr. Als die Frau aus der Ohnmacht erwachte, Tragische Wallfahrten. Mittwoch nachmittags fuhr der UZhoroder Molkereibesitzer Jng. Janisevsky auf dem Lazsky Köper, unweit von ÜZHvrod, mit einem Personenauto in eine, von einer IlZhoroder Wallfahrt zurückkehrende Pilgerschar aus der Gemeinde Medvedovee. Ein lüjäh- riges Mädchen wurde schwer und ein Lüjähriger Mann leicht verletzt. Das Auto JaniSevskyS tvurde beschlagnahmt. Die verletzte Marie MaS- karineovä tvurde mit einer schweren Gehirnerschütterung und gebrochenen Gliedmaften in das Städtische Krankenhaus in HZHorod eingeliefert.— Am Sonntag ereignete sich, wie erst jetzt bekannt wird, in dein polnischen Wallfahrtsort K a Iw a r h a im Kreise Biala ein furchtbares Unglück. Anläftlich des Ablaftfestes warenTau- sende von Wallfahrer» nach Kaltvarha gekommen. Als die Wallfahrer dem religiösen Brauch entsprechend die Anhöhe zur Kirche knieend hinausrutschten, entstand ein grohes Gedränge. Im Mittelflügel des Kircheneinganges wurden die Betenden derart zusammengedrängt, daft viele Wallfahrer zu Boden stürzten und sich nicht mehr erheben konnten. Die nachströmenden Menschenmassen waren nicht mehr aufzuhalteu und beivegten sich, ohne es verhindern zu können, über die Unglücklichen hin- feur Kowatschew. Schließlich warf sich der junge Sofioter Tscheche Karl Bepkek ins Wässer, um die Ertrinkenden zu retten. Alle fünf Personen wurden von den Wellen abgetrieben und die Leichen Kowat- schews und Veptekr sind bisher nicht geborgen worden. Eine Welt aus reinem Wasserstoff. Im Juni 1988 wurde ein neuer Stern, Nova Larer- tae, entdeckt. Die spektralanalytische Untersuchung des von ihm ausgehenden Lichtes, die der Forscher David Belorizky aüsführte, hat die überraschende Tatsache ergeben, daft die Atmosphäre dieses Sterns ausschließlich ans Wasserstoff besteht. Wenigstens war das so, als das Licht von ihm ausging, das wir heute auffangen, d. h. vor. vielen hunderttausend Jahren. Ob' es heute noch‘ so. ist, kann niemand wissen. Diese völlig einheitliche Zusammensetzung, aus einem einzigen Grundstoff ist eine Seltenheit am Sternenhimmel und läßt, auf ein noch recht junges Weltlind schließen. Englands erster Sportmann gestorben. Dieser Tage starb,. 78 Jahre alt, auf seinem Schloß in der Grafschaft Norkshire» Sir Harry»Preston» der in England seit Jahrzehnten nur der„erste Sportsmann der Königreiches" genannt wurde. Sein, Lieblingssport war das Boxen. In seiner Jugend war er selbst ein ausgezeichneter Amateurboxer und fast alle Größen» des internationalen' Boxsports» der letzten, Jahrzehnte»wurden von,-Sir Harry persönlich empfangen und eingeladen, nicht immer zur Freude der übrigen, preist höchst aristokratischen Gäste..Vor etwa zehn» Jahren lud Sir Harry den Prinzen von Wales, mit dem er sehr befreundet» war, zu sich zum Essen ein. Der Prinre of Wales, der im»letzten Augen-» blick verhindert Ivar, seinen Wohnsitz, Schloß Windsor, zu verlassen, rief Sir Harry an und bat ihn, i Japanische Geisha« bei der Luftsdiubübung Vor küißemkönnteÄaiudiesG e i^sch'ä.s äiis dxm.'Noshichöbezirk'sn TokipÄ einer-ü,n'giiwöhn«» lichen' Rölle beobachten^Sie'hielten»eine Lüftschuhllbung ab. DaS Bild zeigt sis beim Löschen,‘» ’ eines'Brandes'' -»'»"»---^-»wiMgimrw- kc»ra-;:.... zu ihm zu kommen.„Gern", antwortete Sir Harry, ,„scher, ich habe,zwei Freunde bei.-mir." Der Prinre of Wales, bat ihn, sie mitzubringen. Und Sir Harry .'erschien iw Schloß Windsor mit zwei Boxern, der .eine war ein Neger, der andere ein junger amerikanischer. Holzfäller, der eben erst seine Laufbahn begonnen hatte. Aber der Prinee of Wales lächelte, und es wurde ein sehr fröhliches Diner im vornehmsten Schloß der Welt. Schweine als Eintrittsgeld. Ein Wanderzirkus, der alle kleineren Orte Rumäniens besticht, hat dem Bargeldmangel dadurch Rechnung ge-. tragen, daß. er zu bestimmten Sähen Naturalien als Eintrittsgeld annimt. Für einen»gewöhnlichen. Sitzplatz müssen acht Eier oder ein Huhn gezahlt werden; bessere Plätze kosten», bis zu dreißig Nern, bezw. drei bis vier Hühnern, und für einen Platz in der Loge beträgt das Eintrittsgeld ein Schwein. Falls mehrere Personen zusammen Plätze kaufen wollen, so steht ihnen frei, auch größere Tiere als Eintrittsgeld zu geben. Im Läufe weniger Monate hat der Zirkus schon ein Eiermagazin, den Inhalt einer Hühnerfarm und eine Menagerie aufzuweisen,' die aus Gänsen, Ziegen, Eseln und sogar Pferden und Kühen besteht. Weit haben wir ec-im 20. Jahrhundert gebracht! Gut-Hof niedergebrannt. In der Nacht auf' Donnerstag brach in der Scheune de» Großgrundbesitzers F. Zajie in Velkt-Biloviee bei Lundenhurg ein Feuer aus, das sich schnell auf die umliegenden Wirtschaftsgebäude verbreitete. Das Feuer vernichtete die Vorräte, landwirtschaftliche Maschinen und » Geflügel. Zur Bekämpfung der Brandes trafen sieben Feuerwehrkorps an der Brandstelle ein, deren Arbeit sich auf die Sicherung des Wohngebäudes beschränkte, weil Wassermangel herrschte. Der materielle Schäden ist beträchtlich, jedoch durch Versicherung gedeckt. Der Brand dauerte bi» in die Morgenstunden. Au» dem Spltal-fenster gesprungen. In Uj« horod sprang Donnerstag aus dem Fenster der zweiten Stockwerkes de» städtischen Krankenhauses ein unbekannter taubstummer Mann, der im Krayken- hause ärztlich behandelt wurde. Durch den Sturz auf das Steinpflaster wurde er schwer verletzt und erlag bald seinen Verletzungen. Nach seiner Identität wird geforscht. Richtiges Aufkleben von Poftmarke« auf Briefsendungen. Die Postverwaltung empfiehlt dem Publikum, die Frankomarken in die rechte obere Ecke der Adreßseite der Briefsendungen aufzuklebe» und den oberen Rand der Briefumschläge für den Abdruck der Poststempelmaschine fr ei zu« l a s s e n,' da die»Maschine den ganzen oberen Randstreifen der Briestendungen abftempelt und die dort ausgeschriebenen Angaben unleserlich macht.. Durch die Beachtung dieser Weisungen wird die Manipulation erleichtert und ihre Beförderung bedeutend beschleunigt» Wahrscheinliche»»Wetter heute: In der» Westhälfte der Republik: Unbeständig, vorwiegend biwechselndbewölkt, zeitweise Regenschauer, nur mäßig warm, Westwind. Im Karpathengebiet: Wetterverschlechterung, Regen,»vereinzelt noch»Gewitter, kühler.— Wetteraussichten für Samstag: Bom Westen her wieder allmähliche Wetterbesserung; im allgemeinen, jedoch noch unbeständig, namentlich im Osten des Staate». Vom Rundfunk Empfehlenowerte» au» den Programmeur' .Sam-tagr»» Prag 10.05: Deutsche Presse,'12.10: Volkslieder,»14: Populäres Konzert, 16.80: Geigenkonzert, 17.88:. Deutsche Sendung: Sportvorschau,»18:» Wunschkonzert, 18.48:' Deutsche Presse, 21: Orche« sterkonzert, 22.16: Tanzmusik.— Brünn 17.08:, Balalaikakonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Lieder von Franz Schubert:'— Prehiurg 11.05: Salonquintett, 1E08: Nachmittägskonzert.— Kascha« 12.08: Chanson» auf Schallplatten.-— Mährisch- Ostrau 18.80:'Schallplattenkonzert, fand sie den'jüngeren Knaben im» Straßengraben liegen, während»der ältere neben, ihr saß. und weipte. In der Dunkelheit sah sie noch dieGe- stalt. ihres»Gatten, der sich erhob und verschwand. Sie nahm»beide Knaben auf den Arm und spürke plötzlich. etwas Warmes über' den Axm fließen. Als sie zu.einer Laterne kam,.sah'sie,'.daß.',der jüngere Kngbe stark.'blutete., Tichh hatte ihn. mit einem Messer iü..die Brust gestochen. Die.unglückliche Frau rief.'um Hilfe, doch, als diese'kam, war der Knabe bereits' tot,..' Die Polizei nahm noch In der Nacht» die Nachforschungen nach Tichh auf. Um"6'Uhr früh wurde auS ReLköwitz',gemeldet,', daft auf der Bahnstrecke die'bis zur Unkenntlichkeit zerstückelte Leiche eines Mannes gefunden worden war. Die Polizei.» begab»sich nach Reikowitz und stellte fest, daß es sich um Tichh»handelt,» der.noch in» der Nacht vor einen Zug gesprungen»und überfahren worden war. Die unglückliche Mutter»erzählte von ihrem Manne, daft er sehr brav tvar und ost mit. den Kindern, die er sehr»gut behandelt hatte, spazieren gegangen» sei. Er. habe» die»gerichtliche,. AuS- mietung sehr schwer getragen und sie» fei' auch die Ursache der schrecklichen Tat gewesen. Mutter und Kind werden, jetzt wahrscheinlich in einer LandeS- Fürsorgeanstalt untergebracht werden. Man muh sich über die» Herzlosigkeit und» Abgebrühtheit derjenigen Menschen»wundern,» die imstande sind, die Not und das Elend der Arbeitslosen noch zu vergrößern und sie zur Verzweiflung zu treiben. Dieses schreckliche Drama ist ein neuer Beweis dafür, daft die kapitalistische Gesellschaftsordnung selbst die brutalsten Mittel nicht verabscheut imd daft eS Höch an der Zeit ist, daft diese Gesellschaftsordnung» abgelöst werde vom Sozialismus, der es nicht zuläftt, daft der größte Teil der Menschen in bitterer Not lebt und von brutalen Kapitalisten-in»Elend»-und Tod getrieben wird.' Das Drama eines Arbeitslosen Vater tötet sein Kind und wirft sich vor einen Zus Zeitgemäße Erinnerung i Zwar rundet sich erst im nächsten Jahre, am, 1. November, ein Jahrhundert seit einer mann-! hasten Tat deutscher Gelehrter, die—.man kann' jede Wette wagen— in Deutschland; nirgends' gefeiert werden wird, aber es ist verdienstvoll,' daß jetzt schon in einem langen Aufsatz im „Neuen Tagebuch" Kurt Kersten die G ö t.! tin ger Sieben' würdigt. Denn je sonder- barer es den Menschen unserer Zeit erscheint, daß Wissenschafter, deutsche Wissenschafter, eine politische Ueberzeugung hatten und zu ihr standen, je seltener in der deutschen bürgerlichen Welt, auch außerhalb Deutschlands und be- sonders atißerhalb, die Wertschätzung der Freiheit, der Menschenrechte wird, um so notwendiger wird es, an diese sieben Aufrechten zu .erinnern. Der neue König von Hannover, Ernst August, hob 1837 durch einen Staatsstreich die Verfassung auf. Am 1. November übergaben sieben Professoren der Universität Göttingen— Dahlma n n, Gervinus, Jakob und Wilhelm Grimm(die großen Germanisten), Weber, Etvald und Albrecht dem Universitätsrektor eine Erklärung, in der sie sagten, daß sie i h r G e w i s s e n n i ch t v e r- letzen wollten, es nicht still- schweigend geschehen lassen könnten, daß das Gesetz allein auf dem Wege z u r M a ch t z u g r u n d e g i n g e; man könne nicht mitEidenein leichtfertiges Spiel treiben.— Die Sieben wurden ihrer Aemter enthoben und Dahlmann, Ger- »vinuS und die Brüder Grimm, die im Staate Hannover Ausländer waren', wurden ausgewiesen. Sie gingen in die Emigration, sie mußten viele Jahre durstigen Lebens auf sich nehmen, und bereuten doch nicht ihre Tat. Freilich gab es damals noch viele aufrechte Menschen, die zu ihnen standen, die an ihrer Standhaftigkeit sich aufrichteten, und in jener Zest, da die„westleri- schen" Ideen der Freiheit und der Menschlichkest sich auch in Deutschland ausbreiteten, galten die Opfer'der Autorität nicht als„Volksfeinde", sondern sie waren der Sympathien weitester Kreise sicher. Als Jakob Grimm die Staats- grenze überschritten hatte, sagte eineBäuerinzu ihrem Enkel:-■<- „Gib dem Manne die Hand, er ist ein F lü ch t l in gl" Und heute?„Gib dem Manne einen Fuß. tritt, er ist ein Flüchtling!" Damals: Jakob Grimm, der wahrlich mehr konnte als Märchen sammeln, eine so bedeutende Leistung daS sorgsame Zusammentragen der deutschen Kinder- und Hausmärchen auch war, — Jakob Grimm sprach aus den Herzen aller gebildeten Deutschen und er sprach zu allen Deutsche», als er in seiner Schrift„Meine Ent- lassung" sagte: „Nur dir Wahrheit bewährt. Die Welt ist voll von Männern, die da» Rechte denken und lehren, sobald sic aber handeln sollen, von Zweifel und Kleinmut angefochten werden und zurückweichen." Denn damals, in der Zest des Vormärz, weckte die Anklage gegen Kleinmut und Feigheit Widerhall, stärkte sie das, was den»Deutschen seither lvieder säst ganz verloren ging, die Zivil- rourage. Heute ist die Welt nicht einmal mehr voll von Männern, die das Rechte denken, aber übervoll von solchen, die zurücktveichen. Und des- halb ist die Erinnerung an die Göttinger Sieben wohl zeitgemäß, aber die Hossnung, daß sie Scham erivecken wird in denen, die ihnen nicht gleichen, ist nur gering.. weg. S i e b e n M e n s ch e n f a n d e n auf diese furchtbare Weise den Tod. Sie wurden von der Menge buchstäblich zertreten. Ein slebe n j ä h r i g e s Mä d ch en erlitt so schwere Verletzungen, daft es in hoffnungslosem Zustände ins Krankenhaus geschafft werden mußte. Eisenbahner fordern Uniform nach. Mass. Die Eisenbahner haben an das Eisenbahnministerium die Forderung gerichtet, ihnen nach Maß genähte Uniformen zuzuweisen, da die konfektionierten nicht den Ansprüchen genügen, die namentlich an. das Personal der Personenzüge gestM werden.. Das Ministerium' lehnt diese Fordepssng'borlaüsig mit dem Hinweis auf die Kostenfrage ab. Der Preis eines konfektionierten Eisenbahnermantels stellt sich aus 18 KC, wogegen die nach Maß genähten Mäntel der Gendarmen 67 Ke kosten. Den Revolver liegen gelassen... Montag fanden drei Kinder beim Spielen in einer Baude untveit der Gemeinde Eseä im Bezirk Ujhorod einen Revolver, den der MelönenzUchter. Josef Orozs dort aufgehoben hatte. Die Kinder wußten nicht, daß der Revolver geladen war und beim Spielen löste sich plötzlich ein Schuß, der den neunjährigen Josef Juhäzs in die Brust traf und sofort tötete. Er wurde von dem Sohn des Bau» denbesitzers, dem gleichfalls neunjährigen Franz Juhäzs erschossen. Gegen seinen Vater wurde die Strafanzeige erstastet. Ein Kind gerädert. In der Gemeinde Tuki Pasela im Bezirke Pereöin lief das dreijährige -Kind des Kaufmannes Weißberger unter das Lastauto des Kaufmannes Gabor Mermelstein aus Tuii Bystry. Das Auto fuhr über die Brust des Kindes, welches sofort tot war. Bürgerkrieg und Diplomatie. Der Zwischenfall der spanischen Botschaft in Rym, bei. dem sich ein Teil des Personals in den' Gebäuden verbarrikadierte, um den von der spanischen Regierung neu ernannten Gesandten nicht amtieren zu lassen, wurde in. den Zeitungskommentaren allgemein als einzigartig in der Geschichte der,.Diplomatie bezeichnet. Tatsächlich gibt es eine Parallele, deren Schauplatz sonderbarerweise Spanien selbst ist. Kein geringerer als Oliver C r o m w e l l besetzte, nachdem er seine Diktatur errichtet hatte, alle Gesandtenposten durch seine Vertrauensleute, unter anderem schickte er seinen Freund A n t h o n y, A s h a m als neuen Botschafter nach Madrid. Kaum hatte dieser das. Gebäude betreten, so lvurde er von einem Teil des ehemaligen Personals überfallen und kurzerhand ermordet. Die Mörder entflohen in eine Kirche und stellten sich unter ihren Schütz. Cromwell verlangte ihre Auslieferung. Der König von Spanien, Philipp IV., nahm einen der Mörder, der ciii Katholik war, unter seinen persönlichen Schutz, den anderen jedoch ließ er ergreifen und enthaupten, denn er war ein Protestant. Die di- ’ plomatische» Beziehungen zwischen England und Spanien blieben nach diesem Vorfall jahrelang aufs äußerste gespannt. Fünf Opfer de» Schwarzen Meere». Im Schwarzen Meere unweit von Burgas badete».trotz bewegter See der 16jährige Sohn des Sofioter Eisenbahn« ! beamten Andrejew, der selbst in- Wasser ging, al» l er sah! Paß sein Sohn versank. Er könnte ihm aber > nicht helfen und begann" selbst zu sinken. Der Wach» i mann Nikolow wollte die beiden retten, verlor aber > selbst beim Ankämpfen gegen die Wogen das Bewußt- i sein. DaS gleiche Schicksal widerfuhr dem»Chauf- ■WK Nr. 104 Freitag, 21. August 1906 Seite 8 tt in Kauft tose der Ar beiter Fürsorge I Mit 3 KS kannst Du Beträchtliches gewinnen und dabei unterstützt Du Hilfsbedürftig« i Ziehung am 27. Oktober 1936 Herrliche Welt . Mit der Jazzmusik wurde drüben auch der Steptanz verboten.. Die Nazipresse wies nach, daß diese eckigen, zuckenden Bewegungen nur von minderwertigen Rassen, erfunden sein konnten. Ebenso wie, die, Jaz'zereimit ihrer zerrissenen Melodik. Auf Deutschlands Tanzböden drehte: man sich wieder nach Größväterart, langweilig für In« unh" Ausländer,• Dafür wurde der Sender, auf Loiidon oder Paris eingestellt.und imVer- borgenen nach uydeutschem Jazz gsstept.)^• Jetzt hat man endlich,' Wotan spi Dank, die arische Großmutter der Steperei' entdeckt.' Ein englischerFachMannwieS nach, daß die Foxtrottweise im vorigen Jahrhundert von e n g l i s ch t n W c b e r n erfunden wurde, indem die Weber mit ihren Holzschuheneinfach den Takt der Webstühle^ nachahrnten. Also ist"'der Jazz' geradezu Mutz»' NN,"Norden-Norden,'und die Farbigen haben' germanisches Brauchtum schändlich verniggert und wieder mal war es Essig Mit dem Erberinnern der Naziblätter."Jetzt darf wieder gestcpt Werden- Diele, Kino, Kabarett und Theater atmen aus. Aber: gehört zum Fox nicht auch Jazz? Und siehe, auch hier hat Wotan geholfen, man kann auch deutschen Jazz verfertigen, jawohl, eS muh nicht niggerisch sein, ein entsprechender Ausschuh bearbeitet die Frage bereits— und so wäre denn mit dem Step auch die undeutsche Jazzerei dusch die Hintertür wieder gerettet. DaS war' auch höchste Zeit, die Olympiade inahte' und den Gästen muhte' für ihre Devisen etwas Asphaltkunst geboten werden. Ha, das „verjudete Kabarett der Systemzeit" l ES hat ganz Deutschland vergiftet, konnte man oft in ,8tn Nqziblättern lesen. Jetzt ersieht man in iBerliner Blättern, dah die ,)Scala" eine Revue ",zeigt, in der eine„Unzahl von bildhübschen, schlanken Mädchen die Bühne in jedem Augenblick bevölkernSo gibtS einen amüsanten Rahmen !sür ein großartiges Olympia-Festprogramm, mit idem Berlin vor den Gästen der ganzen Welt wür« fdig besteht:.* Wie würdig das Ganze'verläuft, schildert der Bericht so, dah ,jedem Wüstling der Mund wässert..„Herrliche Welt" lautet der Titel nicht umsonst,„da- muh man gesehen haben", jubelt dtr Berichter. und wenn—— Auf dem internationalen Gewerkschaftskongreß im Jahre 1091 wurde am 21. August di« engste internationale Zusammenarbeit der freien Gewerkschaften beschlossen. ES traten sofort sieben Landeszentralen, die über einen Mitgliederbestand von rund 2,899.009 verfügten, der Ge- werkschastS-Jnternationale bei. Darunter befanden sich die freien Gelverkschaften Oesterreich- UngarnS, Deutschlands, Englands, Belgiens, Hollands, der Schweiz und andere. Die Geburt der Gewerkschafts-Internationale fällt in eine Zeit, in der die Arbeiterbewegung in den Ländern des europäischen Konti-\ nentS einen kräftigen Aufschwung nahm. Die Industrialisierung veränderte in de» meisten europäischen Ländern die wirtschaftliche und soziale Struktur. Sie vermehrte das Heer der.' Industriearbeiter sehr rasch. I» unseren Gebieten und in Deutschland strömten die Arbeiter in die gewerkschaftlichen Verbände hinein. Bis zum Jahre 1914 hat die Amsterdamer Gewerkschafts-Internationale eine stetige Erstarkung erfahre». Dem Aufstieg der Gewerkschaftsbewegung innerhalb der verschiedenen Länder entsprach die zahlcnmähige Zunahme und die innere Kräftigung im internationalen AuSmahe. Mit dem WcltkriegSausbruch wurde gleich der Sozialistischen Internationale auch die Amster- daincr Gewerkschafts-Internationale aktionSun- fghig. Noch entschiedener als die sozialistischen Parteien stellten sich in der Mehrzahl der kriegführenden Länder die Gelverkschaften an die Seite der Regierungen. Sie wurden wichtige Träger der Kriegswirtschaft. Sie errangen sich damit die jahrzenteläng erkämpfte Anerkennung durch die Behörden.' Aber wenn der Krieg auch die internationale Organisation zerstören und die Verbindungen zcrreihen konnte— die Erkenntnis von der ehernem Notwendigkeit des internationalen Zu-, sammenwirkens vermochte er in den Arbeitern nicht auszulöschen. Wenige Monate nach Kriegsende wurde im Jahre 1919 in Bern die Wiederherstellung der Amsterdamer Gewerkschafts-Internationale versucht. Wenn sich dabei zunächst noch erhebliche Gegensätze bemerkbar machten, so gelang es doch in verhältnismäßig kurzer Zeit, eine größere und kräftigere Gewerkschafts- Internationale als vorher erstehen zu lassen. Der Internationale Gewerkschafts-Bund— erst einige Jahre nach dem Krieg wurde dieser Titel angenommen— wurde wirklich zur größten, erdumspannendsten Arbeiterinternationalei Es gehörte ihr während einer kurzen Zeit auch der Gewerkschaftsbund der Bereinigten Staaten von Nordamerika an. Aber unter Führung des verstorbenen Gompers trennte er sich wieder von der Internationale, weil die Mehrzahl der amerikanischen GewerkschastSverbände den Klassenkampf, zu dem sich in Europa die Mehrheit der Gewerkschaftler bekannte, ablehnte. Der Sieg des Faschismus und anderer kapitalistischer Diktalursysteme hat zur Vernichtung der freien Gewerkschaften in mehreren europäischen Ländern geführt. Derzeit sind sie in Deutschland, in Oesterreich, in Italien und in einigen kleinen Staaten direkt verboten. In anderen erlaubt ihnen die Diktatur ein Scheindasein, verbietet ihnen aber, ihre Aufgaben zu erfüllen und die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen der Arbeiterschaft wahrzunehmen. Auf. dem vor einigen Wochen.in London, abgchaltenen Internationalen Gewerkschaftskongreß sonnte der Vorstand berichten, daß die Periode der Rückschläge überwundtn ist. Gewiß bleibt das erzwungene Ausscheiden der österreichischen, italienischen und deutschen Gewerkschaften ein bedauerlicher Verlust. Aber di« Ausdehnung, die der JGB durch den Eintritt der Ge- werkschaften Norwegens und Mexikos, durch die sich immer enger gestaltende Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Gewerkschaftsbund erfahren hat, darf nicht unterschätzt werden. Ebenso ist der mächtige Aufstieg der Gewerkschaften in Frankreich, die seit den Wahlen in ein. Paar Monaten von knapp einer Million.Mitgliedern auf über vier Millionen angewachsen sind, eine bedeutende Stärkung, der-GewerkschaftS-Jnter- nationale. Die Mitgliederzahl der ihr angeschlossenen.Verbände ist heute. insgesamt höher, als vor dem Ausfall der unterdrückten. Organs-: saiioncn. Sie beträgt zwischen 14undlä Millionen I...• , Noch ist der internationale Bund: nicht vollständig geschlossen, Auf dem. Londoner Kongreß ist eingehend, das Problem der internationalen Einheit diskutiert Hordeni Die. Hoffnung ist nicht unberechfjgt,' daß es zum Anschluß, weiterer. Organisationen kommt!,".die heute", abseits stehen, oder der Roten Gewerkschafts-Internationale an-: gehören'. Es wäre ein.Geloinn.'für, die Arbeiterklasse, wenn.die Rote Gewerkschäfts-Jnterna- tioiiale zu.bestehen äufhörfe und alle gewerkschaftlichen Kräfte"zum gemeinsamen Kampf.im. JGB zusammtngefaßt werden'könnten.-:''"' In 8b Jähren ist'der JGB Nus einer/ kleinen, nur ioenig über 2 Milliöntn" zählenden Oe«' ganisätion ein? wahrhaft tntdrnätionalee: Bund von nahezu'.18' Millionen Mitkämpfern geworden. Dis Enttvicklüng hat ihn zu einem Machtfaktor in den einzelnen Ländern und in der internationalen Sozialgesetzgebung'" werden: lassen! Möge er sich in' den kommenden Kämpfen als ein erfolgreiches Instrument der. Arbeiter aller fünf Kontinente zur Herstellung ihres Sieges, erweisen.'.-'•' „Jeder Spanier ist unser Feind GesprBch mit einem NaurenfUhrer g. ben Assar, der 1828 und 1828 die' Kümpfe gegen Abd ek Krim als Reporter auf feiten der RIfkabylen mitmachte und als ein besonders guter Kenner Marokkos und SvanienS gilt, gibt im folgenden den Inhalt einer Unter-. redung mit einem der marokkanischen Unterfüh rer General Francos wieder, die er bei seinem Aufenthalt in Sevilla hatte: Ich habe in diesen Wochen keinen Spanier dem von den Faschisten kontrollierten Gebiet gesprochen, der nicht, wen» von den„Moros", den eingeborenen Marokkanertruppen die Rede Ivar, still wurde. E l T e r c e r o, die Fremden legion, ist- gefürchtet genug und es wundert nie manden, daß diese heimatlosen Söldner unbarm herzig kämpsen und kein« Barmherzigkeit erwar ten. Aber die Furcht vor ihnen verblaßt vor der Angst vor den Farbigen, die Franco in immer' neuen Scharen auf das Land ausschüttet, das sich vor gut vierhundert Jahren ihrer mit allen Mit teln entledigt hatte. Immer wieder hörte ich ein Wort, daß der Kampf für die Mohammedaner das gleiche sei wie für die spanischen Bauern die „Matanza", das Schlachtesest in ihren Dör fern, eine Mischung aus altem Opferglauben und Blutrausch. Dann traf ich einen Bekannten aus den, Jahren 1928/28, einen der alten Rifkämpfer, der geholfen Hatto, den Aufstand Abd cl Krims zu er ledigen, nachdem er erst in Adschdir selbst für den Emir cingetreten war. Er führt gegenwärtig einen Zug Marokkaner— aber als ich ihn nahe der Nordfront der Rebellen traf, sah er eher aus wie ein Schlächter.. Er war mit seinen Leuten von einem„Ausflug" zurückgekommen, gleich ihnen barhäuptig, ohne Wafsenrock oder Jacke, mit offenem'und zersetztem Unterzeug, blutig und kot- bespritz: Er erkannte mich nicht eher, als bis ich ihn anrief: „Mahmud ben..., hast du mich vergeßen, Kasbah Seluan und—?" „Nein— ben Assar, Jnschallah— auch du hier—'hier bei der— Matänzä?!" Da war wieder das Wort, diese fatale Be zeichnung des Krieges. Mahmud war älter ge worden. 1925 hatte man es ihm noch angesehen, daß er einmal Student der Medrisseh in Kairo war, der größten Hochschule des Islam— nun war er nichts mehr als ein Kabyle,— was hatte ihn hierhergetrieben, wie sah er diesen Krieg an? Ich fragte ihn: „Weshalb bist du hier, Mahmud? Weißt du etwas von Marxismus, daß du ihn bekämpfst?" Er lachte und wurde ernst: ...„Nein ich bin nicht gegen bie.—t—*■ '’"; Er denket« nach Norden:'.. — oder für die—" Er wies nach Süden. Ich bin hier gegen Spanier, gegen die weißen Hunde, gegen die, mit denen wir uns immer her umgeschlagen haben I Ich hin hier, weil es bequem ist— verstehst du mich?" Francos Sold Ist hoch Ich glaubte ihn zu verstehen, aber ich wollte von ihm selbst mehr hören, alles hören, was dieser MaUn, dieser Afrikaner, der in Spanien wie ein Mörder kämpfte, zu sagen hätte, wußte, wollte. „Ihr habt euch von Franco werben lassen—• gute Bezahlung, wie?" Er grinste: „DaS Dreifache, gegen die Friedenslöhne— und wenn wir eine" rote Stadt nehmen—«in paar Stunden— ohne Aufsicht." Plündern oder Requirieren, man kann es nennen, wie man will, gehört zu jedem jkieg— aber das Loslasten von Farbigen in weißen Städten war bisher nicht üblich. Mahmud nickte: „Damit denken die Herren, daß sie uns ge kauft haben, Damit sollen wir bezahlt sein. Weil sie wissen, daß wir nicht die christliche Angst vor dem Tod haben wie sic, dürfen wir vorangehen und den Weg freimacheu— für sie— für sie? Sieh mich an, ben Affari Du kennst uns, du , bist kein Spanier, du— erinnerst du dich, wie sie . qnS ausgepreßt haben, verschachert haben, ber- . kaust'ünd„erobert"? Du bist.jünger als ich, aber ich.habe es.erlebt, wie Lyautey 1912 in Fez den Sultan absehte und Fusef einsehte. Ich habe noch die Kämpfe Raisuhlis im Rif erlebt, wenn ich sie auch noch nicht mitmachte. Wir haben eS ihnen nicht leicht gemacht, wahrhaftig I 1921 bei Annual■— damals hat Abd ed Krim sie zusammengehauen, damals war die erste Matanza gegen Spanien, die ich mitmachen durfte I Hätten 1928 die Franzosen unS nicht zurückgeschlagen, wär« Fez in unsere Hand gekommen — die spanischen Kavaliere hätten uns nicht aufhalten können; aber dann, als ich sah, daß auch Adschdir verloren war, damals sind viele von uns — nicht ohne daß Abd el Krim davon wußte— zu den Spaniern gegangen; besser, den Hofhund spielen und auf den Tag der Vergeltung zu warten, als sich abschlachten zu lassen l W i r h a b e n dieHofhundegespielt und jetztspie- len wir di« Bluthundei Wer uns zuerst mitnimmt, ist gleich; in westen Schatten wir die Brüder unserer Feinde töten, ist gleich— wenn wir nur gegen Spanier gehen können! Zehn Jochre lang haben wir gewartet, keiner von uns hat gehofft, den Tag der Rache zu erleben— diese Tage zu erleben. Jetzt sitzen wir in Spanien und d» kannst sicher sein, daß wir nicht freiwillig wieder hinausgehen werden I" „Und Franco hat keine Ahnung davon?" „Franco weiß, was jeder weiß. Geh hin und kläre ihn auf, keine dankbare Ausgabe, einen General aufzuklären. Vorläufig geht es ihm nicht eilig genug, er holt uns. sogar in Flugzeugen her." Spanien nur der Anfang? Ich erinnerte Mahmud an die Medriffch, an seine früheren Studien. Er betrachtete sich, blutig wie er war: „Da sind ander«, die wissen und warten können. Denkst du, der Islam schläft? Denkst du, sie betrachten das alles nur als ein Spiel? In Aegypten, bei Ibn Saud?, in allen Ländern bis in de» Osten von Asien? Kann sein, ben Affar, daß dies nichts als eine kleine Probe ist, eine der kleinen Proben, die immer und immer wieder gemacht werden— und von den Europäern bis jetzt nur einmal richtig erkannt wurden, vor einem halben Jahrhundert, als Mahmel Ali als El Mahdi auftrat. In Europa ist die Nation stärker als der Glauben,' aber der Jflam ist eine Bindung über den Nationen unserer Völker I Der Sultan ist heute eine Puppe der Franzosen— aber deswegen sind doch die Wachsen und Siba, die Stämme, die stets dem Sultanat unterstanden And d"ie anderen, wir, die diese Herrschaft ablehn- tcn, nun dabei, sich zu einigen." „Wirklich?" Ich erinnere mich, daß gerade diese Tatsache eS war, die Frankreich früher die Möglichkeit gab, ohne Antastung der Rechte des Sultans aufstän- dische Stämme, die sich zu den Siba zählten, zu „bestrafen". Wenn Mqhmüds Information richtig war... Er fuhr fort:! „Erst 1032 haben sie die Oase Tafilelt besehen können. Aber die Karawanen mit Salz und Mehl gehen weiter, und mit ihnen Nachrichten, von denen die Spanier und Franzosen und Italiener und Briten nichts wiffen. Und vorläufig, mein Freund, schlachten wir Spanier, heute die, für deren Tod man uns bezahlt, morgen— die Sonne versinkt auf der einen Seite und steigt auf der anderen wieder empor." Er breitete gleich den anderen langsam einen schmutzigen Lappen als Gebctsteppich vor sich aus und murmelte: „Gute neue Waffen, Flugzeuge, Autos— Allah ist groß, Allah ist sehr groß und wir sind seine Kinder— Allah il Allah I" veltor n-aobeen,«I« Wenn die Rekorde eo bisher... Cluslatul Erfreuliche Berichtigung. Ein in Prag lebender ehemaliger rcichsdcutschcr Parteircdak- teur schreibt unö: Vor einigen Tagen stand im „Sozialdemokrat", daß aus den Balearen eine Anzahl deutscher Emigranten von den spanischen Faschisten auf ein deutsches Kriegsschiff gebracht worden sei, darunter der gcwese Parteischriftsteller v. P u t t k a m e r. Nun habe ich von ihm eine am 17. d. M. abgestempelte Karte aus Genua erhalten. Puttkamer teilt mit, daß er vor der Bcsetzungg von Jbizza gegen seinen Willen auf ein deutsches Schiff gebracht wurde, aber als Inhaber eines mitteleuropäischen(nebenbei bemerkt, nicht tschechoslowakischen) Staatenlosenpaß anständig behandelt wurde' und in Genua das Schiff ungehindert verkästen konnte. Er ist also frei und weit genug vom Hitlerreich entfernt. Rätsel um Hirtenberg.(R. F.) Der Besitzer der Hirtenberger Patronenfabrik, Fritz Mandel, gehört bekanntlich zu den Hauptgeldgebern dec Starhembergschen Heimwehren. In den letzten Wochen wurden in den Kreisen der gewiß sehr gut informierten Londoner City Gerüchte darüber laut, daß Fritz Mandel die Aktienmehrheit des Hirtenberger Betriebes an Krupp verkaufen wolle. Es hieß aber, daß die Verhandlungen sich zerschlagen hätten, worauf wieder für einige Zeit Stille«intrat. Nun aber erfahren die Londoner Finanzblätter, daß Fritz Mandel seine Aktien- mehrhcit taisächlich veräußert habe, lind zwar ist' als nomineller Käufer der Schweizerische Bank-' verein in Zürich ausgetreten. ES scheint klar, daß die schweizerische Bank bei dieser Transaktion nur als Strohmann aufgetreten ist. Und nun herrscht ein großes Rätselraten darüber, wer nun als wirklicher Besitzer der Hirtenberger Werke anzusehen ist. Sollte tatsächlich ein anderes als ein reichsdeutsches Unternehmen der Käufer sein, so wäre dies eine ganz erhebliche Schwächung des deutschen Einflusses auf Oesterreich— also daS Gegenteil dcsten, was sich als Folge des 11. Juli vermuten ließe. An der Lösung dieses Rätsels ist, wie eS scheint, das englische Kapital ebenso Inter- estiert, wie das deutsche und Italienisch«, nicht minder aber ist sie für die politisckio Linie der Heimwehr und Starhcmbergs von Bedeutung. Die Militarisierung Japans wird fortgesetzt: Nach einer Beratung im japanischen Finanzministerium gab Ministerpräsident Hirota die Hauptrichtlinien der neuen japanischen NationalverteidigungS- politik bekannt: 1. Erhöhung des Budgets für die Nationalverteidigung. 2. Reform des Steuersystems. 8. Unterstützung der Industrie und der Handels durch eine neue Politik auf dem Gebiete der Rohstoffe und Treibstoffe und Einrichtung einer nationalen Kontrolle über die Elektroindustrie. 4. Entwicklung des ZivilflugwesenS. 6. Vervollkommnung der Sozialgesetzgebung und Verlängerung der Schulpflicht, Vervollkommnung des öftentlichcn Gesundheitsdienstes. ,, und wenn Trude Hesterberg, die Un verwüstliche, erklärt hat, daß di« b e st e L e i ch t« athletikdie— Liebe sei..., sind die Herren der Schöpfung für eine sechstel Stunde nicht mehr zu sprechen; die Merryfield tanzt, Amerikas schönste „Revueterin"— angeblich. Sie ist in eh r denn sparsam bekleidet, mit zwei großen Fächern eigentlich nur, die sie munter durch die Luft schwingt, ohne sich dabei eine Blöße zu geben. Aber wenn eS doch„soweit" zu sein scheint, wech- selt daS Licht und überströmt din schöne Eva(vor dem Sündenfalli) dunkel' violett...„Na, endlich—", ttösten sich die Damen, während die Männer nicht abgeneigt wären, einmal den Beleuchter zu bestechen... Der einzige Trost für die olympischen Gäste ist da, daß man ja zum Olympia ein sehr scharfes GlaS mitgebracht hat..." Na also, da wäre ja alles wieder beieinander; Jazz, Niggertanz, Tillergirls, Zoten, Nackttänzerinnen ohne Feigenblatt, und dazu der richtige„schlüpfrige Asphaltbericht". Macht Geld, Kinder, macht Geld, Devisen lausen im Lande umher und auch daS deutsche Volk will wieder unterhalten sein wie früher. ,. Herrliche Welt. Nur: die frühere war weniger verlogen und verhcuchelt. Seite 6 .Sozialdemokrat' streit»!,, 21. August 1836. Nr. 184 Bücher, die man lesen muD Friedrich Stampfer: Die 14 Jahre der ersten deutschen Republik 640 Seiten kart. KL 80.—, gebd. KL 108.—. AleranderStein: Adolf Hitler, Schüler der„Weisen von Zion" 120 Seiten kart. KL 18.—. Gregor Bicnstock: Europa und dir Weltpolitik 84 Seiten kart. KL 15—. Zu beziehen durch die Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XU., Slezskä 13. Volkswirtscliaft und Sozialpolitik Rückgängiger Fleischkonsum, erhöhter Fettverbrauch Nach der eben erfolgten Veröffentlichung der Statistischen Staatsamtes ergeben sich für den Fleisch- und Fcttverbrauch in den ersten sechs Monaten der Jahres bziu. im Juni folgende Ziffern: Jänner— pro Jänner— . pro Juni 1036 Kopf Juni 1035 Kopf g kg" g kg Rindfleisch 708.405 5.26 880.010 5.50 RindStalg 56.856 0.88 50.517 0.40 Schweine fleisch 081.288 6.48 1,088.447 6.85 Schweine fett u. Speck 378.085 2.51 815.840 2.09 Sonstiges Fleisch 244.101 1.61 262.608 1.78 Sonst. Fette 1.148 0.00 964 0.00 Fleisch zusammen 2,028.060 18.85 2,126.065 14.08 Fette zusammen 486.084 2.80 876.821 2.10 Davon im Juni allein: Juni pro Juni pro 1086 Kopf 1085 Kopf q kg q kg Rindfleisch 188.480 0.88 145.140 0.06 Rindstalg 0.884 0.06 10.048 0,00 Schweinefl. 118.768 0.78 114.805 0.76 Schweinefett und Speck 48.284 0.82 85.808 0.24 Sonst. Fleisch 87.548 0.25 48.010 0.28 Sonst. Fette 111 0.00 96 0.80 Fleisch zus. 280.800 1.01 802.464 2.00 Fette zus. . 57.720 0.88 46.087 0.80 . Steigerung des jugoslawischen Fremdenverkehrs. Nach soeben veröffentlichten Statistiken besuchten im ersten Halbjahr 1036 46.080(i.'S. 30.033) Ausländer Jugoslawien. Die Tschechoslowakei stand mit 7243(i. V. 6010) Besuchern nach Oesterreich und Deutschland an dritter Stelle. Die Zcnlskä banka(früher Landesbank der Königreiches Böhmen) wird vom 20. August 1036 angefangen an Werktagen die September- Coupons Nr. 80 ihrer 4% Eisenbahn-Schuldscheine in Kroncnwährnng, Nr. 6 ihrer 5% Kom- mnnal-SchuIdschcinc-Emission für die Slowakei nnd Karpathorußland mW Nr. 5 ihrer 5% Meliorations-Emission für die Slolvakei und Kar- pathorußland an ihren Kaffen in Prag und Preßburg einlösen. MgerMWg Schulbrand in tzolleschowitz. Gestern früh brach in der Masarykschule in tzolleschowitz ein Brand aus, welcher zwar beträchtlichen Sachschaden anrichtete, aber von der Feuerwehr rechtzeitig gelöscht werden konnte. Die Untersuchung hat bisher nur ergeben, daß ein Spiritusbrenner übergelaufen war und so die Einrichtung eines Klassenzimmers in Brand gesetzt hatte. Da in nächster Nähe das physikalische Laboratorium der Schule liegt, bestand die Gefahr, daß die dort befindlichen leicht entzündlichen Chemikalien Feuer fangen und der Schaden dadurch beträchtlich" größer werden könnte. Ob den Spiritusbrenner eine Lehrperson oder eine Bedienerin entzündet hat, ist nicht bekannt geworden. Grund-Regulierung In Prag I„ Altstadt, und Prag V., Josefftadt. Beginnend mit dem 22. August 1086 legt die staatliche RegulierungSkommission für die Dauer von vier Wochen, d. i. bis inklusive 18. September 1086, die Entwürfe der Regulierung, Aenderungen und Ergänzungen für das Gebiet von Prag I. und Prag V. zur öffentlichen Einsichtnahme auf. Die Entwürfe sind in der Kanzlei der Staatlichen Regulierungskommission in Prag l„ Neues Rathaus, 3. Stock, auSgelcgt. 8su>rd-8pLet-1Wrperpslege Kongreß der SASJ in Antwerpen Der Ende August in Antwerpen stattfindende Kongreß wird sich in erster Linie mit der Abhaltung und Durchführung der 3. Arbeiter-Olympiade 1037 in Antwerpen und der vorhergehenden SASJ-W intersportolhmpiade in Johannisbad beschäftigen.. Diese Aktionen sind die Hauptaufgaben der Verbände der" SASJ. für die nächste Zeit. Die durch die belgischen Genossen bisher gelei- stete Vorarbeit wird sicher, die Zustimmung des Kon-, greises erhalten und die weiteren notwendigen Be- schlüffe zur Sicherung und guten Durchführung der Olympiade werden gefaßt werden. Aber! auch die allgemeine Arbeit der SASJ-Verbände und der SASJ wird bedingt durch die politische Entwicklung in den einzelnen Ländern, einer. gründlichen und ernsthaften Beratung unterzogen werden. Es wird auf diesem Kongreß auch entschieden"werden, wo der Sitz der SASJ sein wird und eS dürfte voraussichtlich wieder P r a g in Vorschlag kommen. Eine e r n st e Frage ist das Verhältnis zur RSJ und der Sportverkehr mit Rußland. Zu diesem Zwecke wird vor-dem Kongreß eine u n v e r- bindliche Aussprache mit den Vertretern der RSJ stattfinden, welche die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit überprüfen wird. Die SASJ hat zwar durch die Abgänge von Deutschland, Lettland und Oesterreich und dem Ausscheide» Frankreichs infolge Schaffung des Einheits- verbandeS zahlenmäßig einen starken Rückgang zn verzeichnen, aber politisch hat sie gerade in der letzten Zeit gewaltig an Bedeutung gewonnen, weil sich in den Kaders der SASJ-Verbände jene Menschen befinden, die für Freiheit und Sozialismus begeistert kämpfen. Die Meisterschaften der ungarischen Arbeiterleichtathleten wurden in Miskolc vor 1000 Zuschauern ausgctragen. Die besten Ergebnisse: 100 Meter: Mezei 11.2 Sek.; 1000 Meter: Ladänv 2:80.8 Min.; 1500 Meter(Jugend): Knebel 4:48 Min.; Weitsprung: Mezei 6.88 Meter; Kugel: La« dänyi 10.88 Meter.— Frauen: 60 Meter: Liebe 8.8 Sek.; 100 Meter: Deäk 18.2 Sek.. Kugel: Lamo» 8.55 Meter; Hochsprung: Deäk 1.87 Meter (neue Bestleistung). Belgische Arbeiter-Ringkämpfer nach Budapest. Anfang Oktober wird in Budapest ein Länderkgmpf im griechisch-römischen und im Freistil-Ringkampf zwischei, Belgien und Ungarn vor sich gehen. Diese Begegnung steht im Dienst der Antwerpener Olympiade 1037. Japanische Olympia-Leichtathleten in Prag. Donnerstag abends fand- in,' Masaryk-Stadion bei künstlicher Beleuchtung— welche sich aber nicht vor- itcilhaft bewährte— der erste Start"japanischer «Leichtathleten statt. Der Besuch war schwach Und der gebotene Sport bi» auf das Weit-und Stabhoch- ypringen ansprechend. Die Ergebnisse: 100 Meter: .1. Voigt(Brünn) 11 Sek., 2. Marakami(I).— 200 Meter: Säzaki(I) 22.8 Sek., 2. HanL(VS) 28.2 Sek.— 1500 Meter: Hobel(Slavia) 4:04.0 Min., 2. Tanaka(I) 4:05 Min.— 10.000 Meter: 1." Suzuki(I) 88:10 Min., 2. Hoöefll 88:28.0 Min. Weitsprung: 1. Tajima(I) 7.11 Meter, Clark Gable mit seiner Partnerin, einem Kind" der Südsec, in dem historischen Aben- tcurer-Film„Meuterei, auf der Bounty". 6.-13. September 88'/, ll'akrpreloormtlülguug— Auskünfte'." und Messeausweise bei den Verkaufsstellen, und dem Messeamt, Prag vn 8611 Messepalast -MCyv^’i'ab.. 4. September 2. Marakami 6.85 Meter, 8. Hvfman(Sparta)' 6.58 Meter.—Stabhoch: Nishida(I) 4.20 Meter. — Kugel: 1. Tanaka 18.88 Meter. 2. Dvokak 18.80 Meter.— Speer: Ueno(I) 55.05 Meter. Clu& der Taktei, Bezirksorganisation Prag Dringende Sibnngd er Bezirks» Vertretung am F r e i t a s,- den 21. d. M., um 8 Uhr abends im Parteiheim. Anwesenheit aller BezirksvertretnngSmit- glicder unbedingt notwendig. » Die deutsche und die tschechische Parteiorganisation in Wegstädtl veranstalten am 28. August ein ArlraltarfMt zu dem unsere Prager Genossinnen und Genossen besonders eingeladen wurden. Abfahrtszeiten: Samstag 14.40, Sonn- ta g 5.00 und 7.27 Uhr vom DeniSbahnhof. Sonntagrückfährkarte KL 21.—, Frstbettrag KL 2.80. RW und SJ fahren bereits Samstag. Genossen, welche sich anschließen wollen, müssen sich, wegen Ouartierbeschaffnng sofort beim Genossen Ullmänn Max, Telephon 51.851, melden. VereumocforkMea © Ortsgruppe Prag. SamStag, den 22. August: Zusammenkunft um"halb 4 Uhr am Smichower Bahnhof. Baden in der Beraun, dann Wanderung zur Hütte. Am Sonntag Wanderung oder Badctonr. Führer: Pick. Fahrpreis zirka 8 KL. — Unsere Hütte im Brdy-Wald ist jeden SamStag- Sonntag geöffnet. Mitglieder, die'ihren Urlaub'in der Hütte verbringen wollen, müssen sich den Schlüssel.in der Geschäftsstelle besorgen.— Voranzeige: Am 27. und 28. September große 2-Tage- Wanderimg in den Brdy-Wald. Anmeldungen und Informationen in der Geschäftsstelle. Verlanget überall Voffiszfiader Urania-Kino, Klimenlska 4. Fernsprecher 61623, Königswalzer Paul Hörbiger, Willi Korst. Sportliche Leistungen im Tierreich Alle von Menschen durch jahrelanges Training zustandegbrachten Höchstleistungen lassen sich nicht mit dem vergleichen, Ivas wir an körperlicher Gewandtheit bei Tieren beobachten können. Was bedeutet der iveiteste Sprung eines Olympia-Siegers gegenüber dem eines Flohs, dessen Sprung- tveite das Zweihundertsache seiner Körperlänge erreicht I Wo bleibt der beste Turner im Wettstreit mit einem nur halb so großen Gibbon, der. in einem Schwung von Äst zu Ast fünfzehn Meter durchsausen kann,-und tvas will alle menschliche Schtvimmkunst besagen im Vergleich zu der täglichen Leistung eines Lachses, der in einer Stuiide 25-Kilometer zuri'icklegtl- Der Springsrosch, 6 bis 7 Zentimeter lang, springt ohne Anstrengung droiviertel Meter hoch und zwei Meier weit. Der größere amerikanische Ochsenfrosch läßt, wenn verfolgt, seine über zwei Meter langen Sprünge so schnell aufeinander folgen, daß ihn ein Mensch nicht einholen kann. Dabei ist der Ochsenfrosch imstande, Hecken von anderthalb Meter Höhe zu überspringen. Die Schlvinimkilnst der Frösche und der Menschen ist einander so. ähnlich,' daß man annimmt, die Kulturvölker hätten die Schwstnmbe- tvcgungen den Fröschen abgesehen. Die meisten Naturvölker wenigstens kennen. kein solches Schtvimmen wie" wir. Die modernen Schwimmsportler jvenden sich allerdings von unserem bis- herigen Froschschwimmverfahren ab und dem— wohl ursprünglicheren— Kraulen zu. Wenn man schließlich bedenkt, daß der männliche Frosch durch ein« besonders starke Enttvicklung der Armbeugemuskel solche Kräfte entwickelt, daß man einen Gegenstand, den er umklammert, nur unter großen Schwierigkeiten von ihm zu lösen vermag, so darf man den Frosch nach seinen Gesamtleistungen unter den tierischen Sportlern wohl in die vorderste Reihe stellen. Der Frösch ist übrigens in noch anderer Weise von der übrigen Tierwelt ausgezeichnet. Er ist das einzige Wirbeltier, das Waden besitzt. Wenn wir das-Heer der Springer im-Tier-■ reich betrachten, so können wir seststellen, daß die" Länge der Sprünge im Vergleich zur Körperlänge mit zunehmender Größe des springenden Tieres abyimmt, Der Floh springt, das Lüllfache seiner Körperlänge, die Heuschrecke das 80sache, die' Springmaus das löfache, das Känguruh das ösache und Löwe und Tiger etwa das dreifache. Löwen- und Tigersprünge Pflege» meist überschätzt zu werden; die Raubkatzcn springen"selten über,fünf.Meter hinaus.. Im allgemeinen beruht das Sprungvermögen der Tiere auf der" starken Entwicklung der Hinterbeine. Es sind., jedoch auch noch andere Faktoren, die hierbei eine Rolle spiele». Bei den Springschwänzen, sehr niedrig stehenden Insekten, liegt an der Bauchseite ein gegabelter Anhang, die Springgabel. Sie kann mit großer Kraft nach hinten und nach unten geschlagen werden, wobei das Tier auf- und vorwärts ge- I stoßen wird..-.., Eine neuseeländische Ameisengattung kann sich mit Hilfe ihrer Kiefer 30 bis 40 Zentimeter weit fortschnellen. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen die Schnellkäfer, von denen der Saatschnellkäfer wegen seiner gefräßigen Larve, des Drahtwurms, von der Landwirtschaft mit Recht gcfiirchtct wird. Legt man einen solchen schmalen Käser auf den Rücken, so härt man bald ein deutliches Knipsen, sieht, wie der Käfer in die Höhe schnellt und sich in der Luft so dreht, daß er allmählich die Bauchseite nach unten wendet. Er gelangt— wie angeblich die Katze— beim Fallen "stets auf die Füße und ist^dann imstande, seinem Verfolger durch Lotstellen oder schnelles Fortkriechen zu entkommen. Als ausgezeichnete Springer seien schließlich noch die Springböcke, eine Antilopenart Südafri- kas, erwähnt. Sie vermögen ohne Anlauf" über zwei" Meter hoch zu springen. Dabei schnellen sie, wie ein Beobachter schreibt, mit allen vier Läufen zugleich auf, scheinen für einen Augenblick gleichsam in der Lust zu schweben und kommen dann wieder mit allemvier Füßen zugleich herunter, fallen auf den Boden und steigen wieder in die Höhe,„als ob sie davonsliegen wolltest", " Rctordläufer sind zahlreich unter den Tieren. Besonders genannt zu werben verdienen zwei von ihnen, die ihre hervorragenden Fähigkeiten der aussonderndcn und züchtenden Hand des Menschen, verdanken, die Rennpferde, die es. auch bei längeren Strecken bis zu einer Geschwindig« keit von" zwanzig Sekundenmetern bringen, und die Windhunde. Die Windhunde stellen gewissermaßen die Krone dH: ZüchtungSkunst des Menschen unter den Hunden dar,-insofern, als es hier gelungen ist, den Hundecharakter ganz um» zngestaltcn. Hunde find bekanntlich Tiere, die sehr gut riechen und schlecht sehen, also„Nasentiere". Sie jagen mit der Nase und nicht mit den Augen. Die Windhunde sind„Augentiere"" geworden, die nur mit dem Äuge jagen. Diese Umstellung war die natürliche Bedingung, um einen pfeilschnell jagenden Hund zu züchten. Die vollendetste» Windhunde, die persischen und die inner-, afrikanischen, sind so schnell, daß sie" auch das flüchtigste Wild einholen und keine dahinjagende Antilope-ihnen zu entgehen vermag. Wie alt die Zucht dieser edlen Tiere ist, erkennt man daran, daß schon die alten Aegypter, 8000 Jahre und länger vor Christus, mit ihnen abgebildct sind. Beachtung verdienen endlich.auch die Schwimmer im Tierreich, die Fische, Wale und Vögel. Es ist eigentlich selbstverständlich, daß kein Mensch im Spasser auf die Dauer mit einem. Fisch konkurrieren kann. Noch schneller als..die Fische sind die Wale, die.sogar, unsere nwdernen Schnelldampfer" an Geschtvindigkeit übertreffen und damit den Rekord der Haifische schlagen,.die nicht ihre Ausdauer besitzen. Ganz hervorragend sind die.Leistungen, einiger, Waffervötzel.i Alfred Brehm, sah einmal^ einen Haubentaucher. im Schwimmen»unter' Wässer mit einem Dampfschiff gleichen, Schritt-haltest. Was das.-heißt,.- wird jeder eristessen'ckänsten,-der mir" einmal- versucht chat,»sich unter Wasser eine län^ göre Strecke hindurch fortzubewögeni" i-..V-,- ■'.V ,V. 1 i■ ," BezugSbedtngung em: Bel Zustellung MS HauS oder bei Bezug durch dt. Post monatlich" Ki 16.—; vierteljährig KL 4».—. hall-jährig KL 06.—, ganzjährig KL 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechn^,. Bei..öfteren Einschaltungen PreiSnächlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungssrankatur wurde von der Post- und-Tele- : graphendlÄtwn mit Erlaß Nr. lü,8.ü.0jVH/1980 bewilligt.'-—. Druckerei;^OrbiS", Druck«, Verlags« und ZeituagS-A.-G. Prag.