Westabessinien unter England? . Bemühungen /. der abessinischen Regierung..'• Land o n.„News Chroniele" meldet, daß 60 Häuptlinge des G a l a- Stammes, dir zwei Millionen Einwohner vertreten, an Groß- dritannien das Ersuchen sandten, daS Mandat über ein Gebiet von 50.600 Ouadratmeilen in West-Abeffinien zu übernehmen. Dieses Gebiet ist eines der ertragreichste» in Ost-Afrika/ DaS Blast erfährt, daß R a S I m r u, der Chef der abrffi» nischen Regierung ist Gvre: mit England zusam- menarbeite» würde,' wenn»S da- angebotene Mandat übernähme. Der britische Honsiil in Gore soll den Vorschlag dem zuständigen Stellen siber- mittelt.haben,' /... . In Londoner informierten Kreisen werden die ZeitunhSnachrichten über die Forderung- de» Häuptlings des Gala-Stammes, daß ihx Land älS britisches Mandat ützernomistm tyird, testä- tigt. Man/ bpnitzkt^daß diese Forderung zum.ersten Male schon im Lkuni gestelst tvurdes die! britische»iegierung darauf jedoch nicht reagiert habe, um nicht den Verdacht ihreS EigennnveS in den abessinischen Angelegeyhriten zu«rw ecken.. Mittwoch, 26. August 1936 16. Jahrgang Nr. 198 EliinltfBlt 70 Heller (•Imchll.Bllch 5 Heller fort») 1E NT D ALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHMB DIS MONTAO TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii„ pochova«. Telefon non. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Die deutsche Dlenstzeltveriangerung Sudctcndcutsdic Gegenmassnahme Frankreichs? oder prcuOlsdic Politik? Kabinettsrat In London/ Beck bricht seinen Urlaub ab Die Verlängerung der Militärdienstzrit in Deutschland auf zwei Jahre, die nntcr Berücksichtigung deS Arbeitsdienstes den Stand des deutsche« Reichsheeres auf ungefähr zwei Millionen Mann erhöht, wird vor allem in Paris und Warschau mit großer Unruhe und Besorgnis ausgenommen. Die Pariser Blätter weise« darauf hin, daß Deutschland nach dieser Erhöhung seiner HeereSstärke einen Krieg auch ohne vorhergehende Mobilisierung beginnen könne und diskutiere« insbesondere dir Begleitumstände, unter denen der Erlaß Hitlers zu- standekam. Die deutschen Blätter überboten sich in den letzte« Tagen in der Hetze gegen die Sowjetunion und gegen de« Kommunismus, den sie al» eine Deutschland unmittelbar bedrohende Gefahr darstellte«. In die Hetzarbcit war auch die Tschechoslowakei einbrzogen worden, vor der die trichDdttitschr« Blätter behaupteten, daß sie Flugplätze für die Sowjetarmee baue und Sowjetoffiziere zur Beaufsichtigung eines strategischen Bahnbaues herangrzogen habe. Diese Hetzkampagne war darauf gerichtet, den Erlaß im Innern psychologisch vorzuberciten. Auch die überraschende Zustimmung. Deutschlands zum Neutralitätsvorschlag in der spanischen Frage wird al» ein diplomatisches Manöver gewertet, das den Zweck verfolgte, die Welt in Sicherheit zu wiege« und den Friedenswillen Deutschlands glauben z» machen. Was Daris sagt Der Pariser Abgeordnete Fernand Lauren t, der Mitglied des Wchrausschusses der Ab- gcordnetenkannncr ist, teilt mit, er habe den Vorsitzenden dieses Ausschusses, den radikalsozialisti- schn Abgeordneten Guy, La Chambre ersucht, den Wehrausschüß zu einer/ dringenden Sitzung ein- zubcrufcn, die sich mit, der gegenwärtigen Lage zu beschäftigen hätte. Der Vorsitzende des Wehr- ausschusses G u y L a Chambre, der dem linken Flügel der radikalen Partei angchärt, sagt in seiner Erklärung, daß die gestrige Berliner Entscheidung ,einen absolut neuen Stand schaffe. Die, französische Regierung müsse versuchen, ein« Begrenzung der Rüstungen zu erzielen und, falls dies nicht möglich, wäre, müsse sie sich bemühen, das entsprechende Gleichgewicht herzustellen. Was wird Warschau tun? Warschau. Außenminister Beck unterbrach seinen Urlaub, den er an der polnischm Küste zubrachte und kehrte nach Warschau zurück. Der HavaSberichterstatter meldet aus Warschau, daß die Mehrheit der öffentlichen Meinung in Polen durch den deutschen Beschluß tiber die Verdoppelung der Militärdienstzeit überrascht und in Unruhe versetzt wurde. Unter diesen Umständen, sagt der Korrespondent, erhält die kürzliche Steife des Generals Game I in nach Polen und der Bestich R y d e>-'S m i g l y S in Paris für die Mehrheit, der polnischen Bevölkerung eine ganz neue Bedeutung.. London berät London.(Reuter.) Der Ministerausschuß für AuSlaitdsdienst ist Dienstag nachmittags neuerlich zu einer Sitzung züsammengctreten, die eineinhalb Stunden dauerte. Insgesamt hat dieser Ausschuß heute Mehr als vierÄuüden beratBstt Die Fragen, die er bearbeitete, werden, einem Reuter-Berichte zufolge, im Kabinettsrat vom 2. September geprüft werden. Der deutsche Wehr-Erlaß Berlin.(DNB.) Der Reichskriegsminifter hat Ausführungsbestimmungen zu dem Erlaß über die Dauer der aktiven Dienstpflicht erlassen. Danach tverden zum allgemeinen Entlassungstng Herbst 1838 nach einjährigem aktiven Wehrdienst entlassen: A) Die Frcitoilligen des Geburtsjahrganges 1813 und ältere Gcbnrtsjahrgänge. B) Di« in Ostpreußen zur Erfüllung der aktiven Dienstpflicht herangczogenen Wehrpflichtigen des Geburtsjahrganges 1918 soweit sie sich nicht freiwillig auf ein ztveitcs Jahr verpflichten trollen, oder schon für eine längere Dienstzeit verpflichtet sind. Es bleiben vom Herbst 1838 an zur Erfüllung ihrer aktiven Dienstpflicht ein zweites Jahr im aktiven Wehrdienst: Die im Herbst 1935 eingestellten Wehrpflichtigen des GebnrtsjahrgangcS 1814 und jüngerer Gcbnrtsjahrgänge, die zur Zeit' ihre aktive Dienstpflicht erfüllen, einschließlich der Freiwilligen dieser Geburisjahrgänge. Reichstag nach Worms? Parks. Ter„Jntransigcant" bringt die Meldung, daß der deutsche Reichstag nach MpTmS ein berufen werden wird. Reichskanzler Hitler»erde eine Erklärung abgeben, deren Grundton darauf abgestimmt.fein wird, daß daS Vaterland in Gefahr sei. Sechzehn Schüsse gegen den Kommunismus Sinowjew und Genossen hingerichtet Das Anfaßbare ist geschehe«: die sechzehn gewesenen Mitkämpfer Lenin-, die der VerschwSrung gegen Stalin angeklagt waren und zum Tode verurteilt wurden, find noch vor Ablauf der zwelundslebzisstfindigen Frist, nämlich am Dien-tag bei Morgengrauen e r sch assen worden. Sie hatten mit Ausnahme Sinowjews alle ein Gnadengesuch eingereicht und fest mit der Begnadigung gerechnet. Kalinin hat von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, sondern den Befehl Stalin- zur Hinrichtung der Stalin-Gegner vollzogen. Aeber die Hinrichtung selbst wird au- Moskau nicht- gemeldet, hingegen beellen fich die ruffischen Blätter und die Sender, zu verfichern, daß die Vollstreckung der Todesurteile„mit großer Begeisterung" ausgenommen worden fei. DaS„Prager Tagblatt" meldet, daß diesen Hinrichtungen Masse»verhaft ungen folgen, die bereits in die Tausende gehen und hohe Sowjetfunktionäre betreffen.— Kalinin, der die Begnadigung verweigerte, ist Vorsitzender deS Rates der Volkskommissäre, die Hingerichteten waren einmal. seine engsten Freunde und Mitkämpfer.. Die Erschießungen in der Sowjetunion erfolgen in der Regel nicht durch Exekutionspele- tons, sondern dadurch, daß die Verurteilten durch zinen engen Gang.geführt werden, in dem sie der Henker, erwartet. Er tötet die ihm Ausgelieferten durch einen Revolverschuß in den Racken. Bemerkenswert ist, daß die Leichen der Kommunistenführer'den Angehörigen nicht aus- 'geliefert wurden. Trotzkis Erklärung *•'. Oslo. Nach der Vollstreckung. deS Urieils im Moskauer' Prozeß erklärte Trotzki: ■■/.'/„Den Klägern blieb nur die Möglichkeit, die' Angeklagten hinzurichten. Falls dieser oder stnrr von/den Angeklagten begnadigt worden Wäre, wäre.erin der Lagc gewesen, die Rehe der GPU zn zerreißen. Deshalb wurden alle zum ewige» Schweigen verurteilt.. Ich aber, den sie alS deit Hauptschuldigen hinstellen wollten, bleibe am Le.bcmIfltine sogenannte terroristische Tätig- kejt soll hauptsächlich in Frankreich, Dänemark ,UNyRöMis«est'bettieieit> worden sein. Die Ber- ürechen,' deren ich angeklagt würde, sind in die- sen Länder» strafbar. Ich habe daher daS Recht '»« fotdern. daf! an stiir.die. Gerechtigkeit vollzo- gen wird. Ach habe abepgleithzeitigdie Pflicht, y'iiN.e s be^r'.gsr.ö ß t e/it.sV e. r b/r.ech e n d e r G e sch ich t e zn enthüllen und zu rjmchen."-"■- DaS Echo der hitlerdeutschen Presse auf die Reden des Präsidenten Dr. Benes zur tschecho- slowalischeu Nationalitätenfrage war in mannigfacher Weise interessant. Die These des Präsidenten, daß es sich bei dem Verhältnis des staatsgründenden Volkes zn den Deutschen nm eine innerpolitif ch c Angelegenheit handle, würde zwar von verschiedenen Heulein- uud Hitlerblättern angefochten, aber im Grunde doch nur mit sehr gewundenen und vorsichtigen Argumenten. Hitlerdcutschland verficht ja so leidenschaftlich die Ansicht, daß die Innenpolitik jedes Staates, ob er seine Untertanen auch rädere und pfähle, niemanden außerhalb der Grenzen etwas angehc, es reitet so hartnäckig das Steckenpferd der„zweiseitigen" Verträge und lehnt so entschieden jede„kollektive Bindung" ab, daß cs nicht gnt für die Tschechoslowakei. eine» Ausnahmefall konstruieren kann. Um so bedeutsamer waren die Einwände, die gegen die Reden des Präsidenten niit größerer Klarheit formnliert wurden. Dabei gilt es zu beachten, daß die Berichterstatter der meisten reichsdeutschen Blätter ja Mitglieder nnd führende Journalisten der SdP sind, so daß die S t i m m c n a u s M ii n ch e n undLeipzig, Dresden und Breslau, Königsberg und Köln c b e n f o g u t als die A e n ß e- rungen der SdP selbst gewertet werden können. Da begegnet man nun überraschenderweise immer wieder einem Einwand: die Sudetendeutschen könnten sich mit dem Staate, heißt es ziemlich übereinstimmend in den hitlerdeutschen Zeitungen, nur dann wirklich versöhnen, nur dann für ihn einstchen, wenn die T s ch e ch o s l o w a- kei ihre Außenpolitik ändere, wenn sie vor allem das B ü n d n i s m i t R u ß- l a n d löse. Es geht also der SdP und ihren Hintermännern offenbar nicht um irgendeine nationale s u d e t e n d e u t s ch e Frage, die zu lösen lväre, nicht nm Arbeitsplätze, Schulen, um den nationalen Schlüssel bei der Vergabe von Lieferungen, nicht um sprachenrochtliche, nicht nm soziale, nicht nm kulturelle Fragen und nicht um Fragen der staatspolitischen Geltung der Sude- tcndeutschcn. All das, was man seit-1818 als d i e sudetcndcutsche Frage schlechthin ansieht, erscheint in der Argnmcntation der Hcnleinlcutc und der Hitlerpresse— was eben ein und dasselbe ist— als recht nebensächlich. Wichtig ist allein die Außenpolitik. Eino merkwürdige Auffassung von sudetendeutscher Politik und sudetendeutschcn Volksinteressen l Denn was hätten wir Wohl davon, wenn die Tschechoslowakei ihr Bündnis mit der Sowjetunion löste? Auch der phantasievollste völkische Politiker wird uns das nicht verraten können. An der Not unserer Arbeitslosen, an unserer politischen Bedeutung, an unserem kulturellen Besitz würde sich nichts ändern, mindestens nichts zum Guten wenden. Die Arbeitslosigkeit könnte höchstens steigen, wenn die Rußlandaufträge ganz ausblieben. Gewinnen könnte bei dieser Politik nur die großpreußische Berliner Politik. Im Interesse des hitlerdeutschen Jm- ■ pcrialismus also fordert die SdP eine Wendung der Prager Außenpolitik und es ist eines der plumpsten politischen Manöver,'diese rein preußische Politik als sudetendeutsche auszugeben. Run werden freilich viele Henleinleute sagen, eine tschechoflowakisch-reichsdeutsche Freundschaft, ein Verhältnis zu Berlin, wie es Warschau bisher hatte, würde die Lage der Deutschen bsi uns von Grund auf ändern oder'jedenfalls bessern. Aber gerade gegen diese Auffassung sprechen alle Erfahrungen: die das polnische, das ungarische, das jugoslawische Deutschtum Niit den außenpolitisch' hitlerfreundlichen Regimes ihrer Länder gemacht haben. Reichsdeutsche. Zeitungen und deutsche— hitlerfreundliche•— Zeitungen im Baltikum drucken eben jetzt,'indem sie allgemein über den polnischen Te rrorgegendie Deutschen klagen/« folgende„a ch t G e- b o le" ab, die.von-der Zeitung.„Glos Wabrzew« ski".verbrestet werden: >'‘„1/ Nicht v' o n-Deutsch e n k a n- f e n. 2. Keinerlei Verbindung mit den Deutschen /..pflegen,.8..Ausmerksam'ihre Taten und Handlun«. . Seite 2 Mittwoch, 26. August 1036 Nr. 108 gen verfolgen. 4. Mit de» Deutschen(wenn eg überhaupt notwendig ist) sich polnisch unterhalten. 8. Keinem Deutschen irgendeine Arbeit geben. 6. Keinem Deutschen auch nur einen Fußbreit polnischer Erde abtreten. 7. Den deutschen lieber« mut durch Besuch deutscher Lokale nicht unter» stützen. 8, Deutscher Geschreibsel weder abonnie« ren noch lesen. 9. Keine deutfchenWa- ren kaufen. 19. Keinen deutschen Arbeiter beschäftige n." DaS sind also die Ergebnisse der deutsch-polnischen Zusammen- arbeit gegen Rußland I Die einzige innerpolitische Folge, die eine Abkehr der Tschechoslowakei von ihren Bündnissen und eine Wendung nach Berlin haben könnte, wäre ja wohl in tveiierer Sicht ein scharfer Rechtskurs in der Tschechoslowalei. Nun, die Herren Preiß, Stkibrin), Branh, Gäjda, würden uns nicht anders behandeln als die polnischen Obersten'ihre Minderheiten. Die„Närodni Politika" und die Stkibrnh-Blätter würden als Regierungsblätter nur noch gehässiger schreiben als heute und nicht anders, als auch die polnische Presse gegen die deutsche Minderheit schreibt. Die ganze große„Mobilmachung" der Sudetendeutschen durch den Trommler Konrad Henlein, der ganze Kraftaufwand der reaktionären Sammlung ist, vom sudetendeutschen Standpunkt— gar nicht etwa von einem reinen Parteistandpunlt. aus gesehen— eine beispiellose Krnftvergeu- d u u g. Er seht die politischen Energien eines Großteils unseres Volkes nicht für unsere sudetendeutschen Lebensinteressen, sondern für die Interessen des preußischen Imperialismus ein, die den sudetendeutschen gerade eutgegengeseht sind. Dieselben nationalistischen Politiker, die jetzt, dreißig Jahre nachher, darauf kommen, daß die Deutschradikalen im alten Oesterreich nicht für Volksinteressen, sondern vielsach für den volksfremden Imperialismus der magyarischen Gentry und der polnischen Schlacht« oder der Wiener Herrenschichte gekämpft haben, machen es jetzt noch dümmer, indem s i e das Volk sür einen auch noch staatsfremden, grohp r e u ß i s che n Imperialismus kämpfen lassen, statt für seine eigene Sache. Daß die sudetendeutsche Politik in Böhmen, in Mähren und Schlesien wurzeln muß und nicht in Preußen, daß sieunseren Interessen dienen muh und nicht der Berliner— übrigens sprunghaften und richtungslosen— Politik, das sagen >vir keineswegs nur, weil in Berlin Hitler regiert. Wir würden es sagen, welches Regime immer in Berlin an« Ruder ist, und>vir haben diese These von der nottvendigen politischen Selbst- b e st i m m u n g ja auch gegen die k o m m u- ,n i st i s ch» Filialpolitit jederzeit vertreten. Diese "unsere wirklich s u d e tend e u t s ch e Politik wird sich durchsetzen, aber das Volk wird eh bezahlen niüssen, wenn es dank der Führung durch die vorgeblich„Sudetendeutsche" Partei den U m» weg über Berlin und für p r e u ß i s ch e Interessen geht! in Kurie i Paris. Dienstag um 29 Uhr 85 traf mit dem Flugzeug der deutschen Lufthansa in Le Bourget Reichewirtschaftsminister und Reichibankpräsident Dr. S ch a ch t ein, Wien. Die Polizeidirektion in Wien hat den Verein der ungarischen Emigranten aufgelöst. 4 &ommy(Rarbox macftt(Revolution 'Roman von 9 rtt* ßondu Fulvia hatte mit der Hälfte eines ihrer rosigen Ohren das Gespräch angehört. „So laß ihn doch den Marnllo singen, wenn er es sich zutraut. Agostin ist der musikalischeste von der ganzen Truppe, er könnte jede Rolle singen." „Vor allem den Rigoletto", warf der Tenor Poretti ein, dem der liebe Gott zu den sprichwörtlichen Verstandeskrästen seiner Stimmlage auch noch ein gerütteltes Maß von Takt und Humor verliehen hatte. Agostin hörte dergleichen Reden kaum mehr an, er war daran gewöhnt; seine Augen waren groß und schtvarz auf Fulvia gerichtet. „Schämen Sie sich nicht, Poretti," fauchte sie den Tenor an, der sich nicht schämte, sondern nur die Augenbrauen hob, ganz erstaunt, daß sein Scherz so gar nicht belacht wurde. Aber Fulvia war die Frau des Direktors, und Poretti hatte in einer halben Stunde ganz Padua zu bezaubern, wozu also dem Direktor und sich die Laune verderben? Er zuckte die Achseln im weißen, goldverbrämten AtlaZrock des mantuanischen Herzogs und wendete sich ab. Caldelari Ivar im Grunde wohlwollend. Er zweifelte ja auch, daß Agostin in die Höflingstracht paßte. Aber gerade nach Porettis Bemerkung wollte er nichts mehr sagen. Und die Vorstellung reiten, ist erstes bis zehntes Gebot des Theaters. „Schön, Agostin, Sie singen den Marullo. Sehe» Sie nur zu mir hinunter,' ich werde Ihnen dhre Einsätze deutlich geben." „Aber Herr Direktor...1" Mir die Einsätze WWMWWßWWWW^WWWWW Der Ring um Saragossa schließt sich Au« Paris wird gemeldet, daß die Regicrungstrnppen bereits in die Stadt Cor- do v a eingedrnngen find. I« de» Vorstädten wird bereit» heftig gekämpft. Die Nachrichten, daß Rebellentruppen massenhaft in da» Regierungskager überlaufen, bestätigen sich. Mit der vollständigen Besetzung Cordobas ist für die nächsten Stunden zn rechnen. Die Regierungstruppen haben Artillerie gegen das Zentrum der Stadt eingesetzt. Amtliche Berichte aus Madrid besagen, daß auch der Fall Oviedo» nnmsttelbar bevorstehe. Reuter meldetr Kapitän A i y o, Kommandant der Regierungstruppen, die den Angriff auf Mallorea unternehmen, teilt« dem Präsidenten Company» mit, daß die Aktion«inen günstigen Fortgang nehme. Fünf Regierung»- slugzeug« haben gestern mit großem Erfolg die Stadt H n e»e n bombardiert. Der Kriegs» Minister teilte gestern nachmittag» durch den Madrider Rundfunk mit, daß die Regierungstruppen eine Sturmkolonn« der Aufständischen zurückgefchlagen haben, die auS Saragossa«wen Ausfall unternommen und versucht hatte, den sie umschließenden Kreis der roten Miliz zu durchbrechen. Di« RegierungStruppen haben vier Geschütze sowie zahlreiche Munition erbeutet und einige Gefangene gemacht. Nach einer Hnvas-Meldung hat die Bombardierung der Stadt Jrun durch Flugzeuge nur geringe Schäden verursacht. Franco meldet Sieg Die Siegesmeldungen des Senders In Sevilla werden um so eifriger wiederholt, je weniger sie die Bevölkerung glaubt. So behauptet General Franeo, daß die Regierungstruppen bei Cordoba zurückgeschlagen worden seien und daß sich die Nationalisten am rechten User des Ebro in Arragonien festgesetzt haben. Die Regierungsabteilungen vor HueSea und Saragossa sollen nach diesen Berichten dezimiert worden sein. Der Entsatz Toledos werde vorbereitet. El» Monarchist für die spanische Regierung Graf Nomanone s, der ehemalige spanische Ministerpräsident, der nach den Meldungen der bürgerliche» Hetzpresse von den Miliztruppen als Geisel erschossen worden sein soll, ist in Frankreich eingetrosfen. Er sagte einem Journalisten der Volksfront, daß er in der Gefangenschaft der Regierungstruppen gut behandelt worden sei. Er habe die bürgerlichen Parteien schon immer beschivoren, die in Spanien nottvendigen Reformen durchzuführen. Den Aufstand der Generale billige er nicht. Die jetzige spanische Re« gierung sei die legitime,'sie. allein repräsentiere das spanifche Volk. Graf RomanoneS ist überzeugter Monarchist. Widerlegte Greuelmeldung Rom.(Stefan!.) Gegenüber den Nachrichten aus Pariser Quelle, wonach der spanische Kardinalerzbischof von Tarragona V i d a l y Barraquesin Spanien ermordet wurde, wird bekannt, daß der Kardinal, der sich bei Ausbruch der Revolution in Bareelona befand, mit Hilfe des italienischen Konsuls nach Italien geflüchtet ist. ErweiltinJtalien. Auch die spanischen Bischöfe von Cartagena und Tortosa sind noch Italien geflüchtet. Standgerichtsurtelle Montag wurden im Gefängnis von Malaga zehn Marineoffiziere des Torpedobootzerstörers „Churruga" und de» Torpedobootes„Sanchez Bareaistegi", die vom Kriegsrat wegen Teilnahme an der Aufstandsbewegung zum Tode verurteilt waren, hingerichtet. Nach einer Blättermeldung hat das Oberste Kriegsgericht in Madrid nach Untersuchung über den Brand in einem Madrider Gefängnis mehrere Todesurteile gefällt. Unter den Verurteilten Während die äußerste Rechte in England Ivie in allen anderen Ländern ihre Sympathie mit den spanischen Rebellen offen bekundet und Rothermeres„Daily Mail" soweit geht, zu behaupten, daß die spanische Regierung das Christentum vernichte und den Pöbel bewaffne und damit ausgehört habe, eine legale Regierung zu sein, werden immer mehr Stimmen laut, die sich gegen Baldwins betonte Zurückhaltung und die Passivität' der englischen Außenpolitik wenden. Die schärfste Kritik übt der sozialistische „Daily Herald". Er erinnert an die Worte Baldwins„Es ist unsere Pflicht, der Welt zu zeigen, daß die Demokratie unseres alten Landes in ihrem Willen ebenso entschlossen sein kann wie irgendeine Diktatur". Und der„Daily Herald" fügt hinzu: „Das genügt, um Hitler und Mussolini zum Lachen zu bringen. Vom Führer der größten und ältesten europäischen Demokratie hört man nur schöne Reden. Und wenn eine junge europäische Demolratie um ihr Leben kämpft, hört man nicht einmal eine Rede. Nicht«in Wort der Sympathie oder Ermutigung für ein Volk, das heldenhaft sür die Freiheit kämpft. Aber von den faschistischen Regierungen kommen Aero- plane, um die maurischen Söldner des Faschismus ins Land zu bringen, Aeroplane,-die Bomben auf die Regierungsslotie werfen, Aeroplane, die Spaniens Städte und ihre Bevölkerung zerstören sollen. Und wenn die Massen der Mauren und Legionäre alle herübergekonnnen sein werden und Franeo und Mola mit modernen Luftwaffen versorgt sein werden, dann werden vielleicht die faschistische» Mächte gnädig geruhen, einen Nichteinmischungspalt anzunehmen, der die spanische Regierung aller Hilfe berauben und, wie sie hoffen, ihr Schicksal besiegeln wird. Di« britische „Führerschaft" ist damit sicherlich auf ihre tiefste Stufe gesunken." Für die Tatsache, daß sich auch imkonser- vativen Lager Kritik regt, ist ein Schrei- befindet sich auch der Sohn Prlmo d e R i- v.eras, HavaS meldet ferner, daß drei Stammeshäuptlinge auS der Rif-Gegend auf Befehl General FrancoS füsiliert worden feien, um auf di« Stämme Eindruck zu machen. Diese Woche find auch zwei Eingeborenenführer der Gegend von Djeb Allas füflliert worden. Pascha Remiki wurde vom Kriegsgericht von Tetna» zu lebenslänglicher Haft verurteilt, und der Führer der nationalistischen Partei in Tetuan, Mohamed Benani, ist an den Berlehungen, die er sich bei einer körperlichen Strafe-«zog, gestorben. Diese Borkommnisse riesen. in ganz Spanisch-Marokko bei der Eiyge- borenenbevölkcrung eine gewisse Erregung hervor. BI» jetzt find schon etwa 4VÜ Freiwillige au» Marokko nach Malaga zu den Regierungstruppen gereist. ben von Sir Abe Bailey Beweis, das dep„Daily Telegraph" veröffentlicht. ES heißt darin: „.Ein Erfolg des Generals Franco würde Mussolinis Traum, das Mittelmeer in einen italienischen See zu verwandeln, der Berwirllichung näher bringen und auch Deutschland jenen Stützpunkt in Marokko geben, um desfentwillen es 1011 die Welt beinahe In einen Krieg gestürzt hätte. Die Absichten des Duce sind völlig klar. Während er in Abessinien sestgefahren Ist und den britischen Widerstand fürchtet, hat er keine Zeit verloren, um eine schwarze Armee auszuheben, einen neuen Kampf im Westen des Mittelmeers zu entfachen und General Franco die Mittel zu geben, sich einen schnellen Erfolg zu sichern, mit dem die spanischen Rebellen zuversichtlich, aber, zum Glück für uns, irrtümlich gerechnet haben. Die Politik Hitlers Ist komplizierter und unklarer, aus dem einfachen Grunde, weil er'keinen Streit mit Großbritannien wünscht, bevor er sich nicht endgültig mit Rußland auseinandergesetzt hat. Das Deutschland der Hohenzollern ist von einem Weltbündnis besiegt worden. DaS Deutschland Hitlers will die besiegen, die ihm im Wege stehen, einen nach dem anderen, wobei es den gefährlichsten Gegner bis. zum-Ende gufspgrt.! Unsere Regierenden und Patrioten mögen bedenken, was die italienische Besetzung Abessiniens für die Luswerbindung zwischen Südafrika und Britannien bedeutet und was eine Bcsihänderung der Balearen und eine„Konzession" in Spanisch- Marokko für Gibraltar und unsere Handel-Wege bedeuten kann. Napoleon sagte, daß ein europäischer Krieg ein Bürgerkrieg ist. Heute hat das Flugzeug den Weltkrieg zum Bürgerkrieg gemacht. Das Britische Weltreich, Amerika und die anderen demokratischen Länder haben die Grenzen der Freiheit zu verteidigen. Vor allem aber handelt es sich um das Britische Reich, nicht um seiner selbst willen, sondern zum Besten der ganzen Welt." Kritik sn Baldwins Spanien-Politik Englische Blätter gegen die Preisgabe demokratischer und englischer Interessen geben...? Ich könnte jede Rolle singen, ohne hinunter zu schauen." Es war keine Zeit zu verlieren. Einige Minuten später trat Agostin in rotem Samt mit zierlichem Degen vor Caldelari. Man mußte ja zugeben, daß der Arme nicht geboren war, im Renaissancekostüm Triumphe zu feiern, doch der Direktor hatte es sich noch schlimmer vorgestellt, und schließlich war eS nicht die Sache des Höflings Marullo, Triumphe zu feiern. „Sehr schön sehen Sie aus, Agostin", erklärte Fulvia gutherzig und vor allem so laut, daß die neugierig umstehenden Kollegen und Kolleginnen nicht anders konnten, als es auch zu finden. Agostin hatte nur noch Zeit, ihr einen ersterbenden Blick zuzuwerfen, denn Caldelari war fchon zum Pult geklettert, und das rauschende Fest des Herzogs begann. Agostin war den ganzen Abend wie betrunken. Bisher war er ja nur der Türausmacher jener echten ersehnten Welt gewesen; jetzt taten sich ihre Türen zum erstenmal auch sür ihn auf. Das Rampenlicht, das bisher auf sein Zeichen andere bestrahlt hatte, bestrahlte nun auch ihn. Die Bal- lettmädchen, die mechanisch mit eingefrorenem Lächeln hundermal gesehene Schritte und Gesten erledigten, waren' sür ihn wirklich Pagen in diesem glänzenden Ballsaal, dessen blaugeäderter Marmor im Luftzug schwankte; die schlecht ver- schminkten Sorgensalten der armen Leute, die als Chor die Ereignisse teilnahmslos besangen, sah er nicht; sür ihn waren es Hosdamenund Hofherren— kaum, daß ein nicht ganz reiner Einsatz ihn den Bruchteil einer Sekunde lang entzauberte. Selbst de» boshaften Tenor Poretti erkannte er nicht, auch der war ein echter Herzog in Agostins Traum, und der arme Marullo fühlte sich hochbeglückt, als der Herzog lässig weiße Handschuhe über die Finger streifte, an deren jedem ein Dutzend gebrochener Mädchenherzen hing, und gleichzeitig ihm, Marullo, seinem Ber- trauten erzählte, wie, er freundlich auf diese und jene blicke I Selbst die Zwischenakte vermochten den Bann nichk ganz zu lösen, unter dem Agostin stand. Er hörte kaum hin, wenn ein Sänger oder sogar der Direktor ihm zuriefen: „Brav, Agostin I" Oder wenn Poretti im Grunde gutmütig und wohl auch um Fulvias Gunst besorgt, ihm auf die Schulter klopfte und scherzhaft erklärte, einen besseren Marullo habe er überhaupt noch nie gehört. Agostin lächelte nur verloren; nicht die wenigen Takte seiner kläglichen Rolle hatten daüber ihn vermocht. Aber er war auf. der Szene gestanden, das erste— und wie er dunkel fühlte — wohl auch das letzte Mal. Alles, was die Sehnsucht seiner Kinderjahre geivesen war, mußte sich fn die Erfüllung dieses einzigen Abends pressen. Einzige Abende gehen aber noch schneller vorbei, als folche, deren es hunderte gibt. Besonders schnell, wenn man im letzten Akt nicht mehr beschäftigt ist und nur noch zwischen den Kulissen Gewitter, Liebe, Mord, leichtsinnige Herzöge, rachsüchtige Narren, ehrliche Bravos, lockere und sittenstrenge Mädchen erleben darf. Da erwacht in der Seele des Höflings Marullo langsam wieder der Inspizient Agostin, der sich blinzelnd umsteht, verständnislos seinen roten Samtrock betastet und in einer Mischung von Scham und Glück in die Garderobe schleicht, um die Pracht des herzoglich mantuanischen HoseS mit dem schäbigen Schwarzgrau seines vielfach uisd schlecht geflickten ArbeiisanzugeS zu vertauschen. Für den Direktor'Caldelari und die Truppe war Agostins großes Erlebnis nur eines der taufend kleinen Intermezzi, die- das Theater täglich beschert. An den nächsten Tagen wurde wohl noch hin und wieder eine wohlwollende oder boshafte Bemerkung darüber gemacht, doch das hörte bald auf, Und es kam auch nicht mehr vor, daß man Agostin auf der Szene brauchte. Er war wieder der tüchtige, pslichteisrige Inspizient, der alle Opern auswendig kannte und jederzeit bereit war, sich zu erinnern, daß Tito Schipa im Jahre 1028 in Ntapel„Ecco ridente il cielo" hatte zweimal wiederholen müssen. Aber in seinem Innern brannte unverlösch- bar die Flamme: er war auf der Szene gestanden, er hatte vor dem vollen Haus gesungen. Und manchmal— natürlich nicht so,'daß er darüber seinen Jnspiezientendienst versäumt hätte— war er völlig abwesend. Dann erlebte er noch einmal, wie der dicke Bariton Croeibianchi alb Rigoletto vor ihm zusammensank, den roten Samtärmel faßte und„Marullo, signore" jammerte. DaS war die große Stunde, an die Fulvia ihn erinnern konnte, als er in der Kabinel des „Giulio Cesare" lag. Dann streichelte sie noch einmal seine blaffe Hand und in der nächsten Minute war sie mit einem Triller ihrer beweglichen Kehle und einem zweiten Triller ihrer ewig tanzenden Füße verschwunden. Und gar nicht viel später erschien Agostin, blaß aber mutig, auf dem Verdeck, von der ganzen Truppe stürmisch begrüßt und von Fulvia mit einem aufmunternden Blick ihrer lachenden Augen beglückt. IV. „Es hat nie etwas Gutes zu bedeuten, wenn der Konsul sich selbst zu uns bemüht." Der Präsident Rodriguez sah mißvergnügt aus dem großen Fenster seines Arbeitszimmer» auf die schöne breite Billenstrahe, die nur vereinzelten Auto» den Schein einer gewissen Lebendigkeit berdankte.' Sein Sekretär, ein blaffer, dunkelhaariger junger Mann, nickte nur. Er war noch nicht lange im Dienst der Republik Romanuela, aber auch er hatte in Europa studiert, besaß große' historische unh Politische Kenntnisse, und besonder», über die Beziehungen der Großmächte zu den kleinen Staaten hatte er eingehende Forschungen angeftellt, deren Ergebnis er jetzt in der Heimat bestätigt sah. (Fortsetzung folgt.), Nr. 188 Mittwoch, 26. August 1936 Sette S Mdetendeutscfier Zeitspielel Dr. Keibl: sieben Monate Leitmeritz.(Eigenbericht.) Nach ganztägiger Verhandlung wurde Dienstag in fortgesetzter Haupivcrhandlung gegen den ehemaligen Abgeordneten der Deutsche» Natlonalpar- tei Dr. K e i b. l, den Rechtsanwalt Dr. Fritz BUngener und den Beamten G. Gott st ein das Urteil gefällt. Dr. Keibl, der nach 8 2 des DchutzgefetzeS angellagt war, wurde wegen Vergehens nach 8 17 des TchutzgefetzeS zu steten Monaten schweren Kerkers, Dr. Büngener zu sechs Monaten schweren Kerkers, beide unbedingt, oernrtettt. Gottstein wurde freigesprochen. Die Verurteilte» nahmen die Strafe au. Interessant war die Zeugenaussage Dr. W. SebekowskiS, tvelcher sich zu der Behauptung des HauptbclastungSzeugen Divis zu äußern hatte, wonach sich Dr. Keibl auf dem Um« tvege Uber die Gestapo bei der SdP um ein Mandat beworben hat. Sebekotvski bestritt dies und erklärte, daß Dr. Keibl vor dem 1. April 1886 ohne vorherige Anmeldung in die Kanzlei der SdP gekommen sei. Dieser Besuch sei nicht auffällig gewesen, da damals die Wahlvorbereitungen im Gange waren und der Besuch jedenfalls im Zu- sammcnhang mit den Bestrebungen der Nationalpartei nach Zulassung zu den Wahlen stand. Keibl habe damal dein Zeugen erklärt, daß von frühere» Mitgliedern der Nationalpartei der Wunsch geäußert wurde, daß Dr. Keibl ein Mandat erhalte und daß er bereit wäre, einem solchen Wunsche zu entsprechen, aber kein persönliches Interesse daran habe, da er nicht als Mandatsjäger erscheinen wolle. Er tvürde kandidieren, ivenn der Wunsch dazu- ausgesprochen werden würde und Mangel an geeigneten Kandidaten wäre. Das Auftreten Dr. Keibls habe auf den Zeugen den Eindruck gemacht, daß er an einer Aufstellung kein besonderes Interesse hätte. Die Angelegenheit sei hinfällig geworden, da die Aufstellung der Kandidaten in den Kreisen erfolgt sei. Korrespondenz zwischen Keibl, dein Zeugen oder der SdP sei in diesen Fragen nicht geführt worden. Daß die Gestapo in dleseüt Fall mitgewirkt hätte oder daß sie in vier Fällen auf die Listenausstellung der SdP Einfluß ausgeübt hätte, sei bestimmt unwahr. Dummheit In Stein Auf der Schäserwand bei Bodenbach befindet sich einÄähndenktnak.das lange vor dem'Krieg errichtet wurde. Das war noch jene Zeit, da die Farben Schwarz-Rot-Gold das deutsche Bürgerideal verkörperten, dieselben Farben, die später, als sie zum Symbol der Weimarer Republik wurden, dem wütenden Haß des gleichen Bürgertums begegneten. Bor dem Jahndenkmal stehen drei große Sandsteine, die die Farben Schwarz, Rot und Gold darstellen sollen. Einstmals waren sie wohl in diesen Farben gestrichen, aber did Farben sind längst vom Wetter zerstört. So meißelte man denn in die drei Sandsteine je ein Wort ein, das die betreffende Farbe symbolisieren soll; der Name der Farbe steht über dem betreffenden Wort. Das ganze sah einmal so aus:„Schwarz: Eintracht— Rot: Freiheit— Gold: Vaterland". Nach dem Kriege, insbesondere aber nach dem Siege Hitlers, konnten die braven Bürger die Koppelung des Freihettsbegrisses mit der Worte Auf der Karlsbrücke Wochenlang war ich um die Karlsbrücke herumgestrichen, um einen Standpunkt zu finden, von dem aus man eine Ahnung von der Schönheit dieses Bauwerks geben kann. Das dunkle Gemäuer im gurgelnden Wasser, die starke Steigung von beiden Landseiten her, die Krümmung in ihrem Verlauf, die sie lvie zu einem lebendigen Organismus macht, als das in ein Bild hineinzubringen, erscheint nicht möglich. Um die ganze Schönheit dieses Meisterwerks meines schwäbischen Landsmannes Peter Parier zu erleben, muß man 'über die Brücke gehen. Langsam das stets wechselnde Bild in sich aufnehinen: die ganz verschie- « denen Tore zu beiden Seiten, das Hinaufgehen aus der Enge der alten Stadteile über den hier so besonders stattlichen Spiegel der Moldau, dieser einige Blick auf hie Kleinseite mit St. Niklas und Burg, die näher rückendem sich immer dichter häufenden dunklen Wanderzeichen der Brückenheiligen, das Hinaüsteigep in den dunklen Engpaß des Kleinscitner Doppeltores, etngerahmt von altväterischen Giebeln.undüppigen Baumkronen. Im Hinübergehen shürt inan all diese Schönheiten, sie werden lebendiger mih jedem Gang. Wie aber ist all das in-einem Bild darzustellen?. Von wo aus man die Brücke auch darstellen mgg, es muß etwas von der bewegten, historisch-gesättigten Landschaft der Brücke im Bild feint-; Vom Sockel des Judenkreuzes aus schien ein gutes Bill» möglich zu fein. Wenn man sich ganz auf dir Ecke setzte, mit den Beinen über der Mol« dau, den Rücken zum Kreuz, dann sah ma» außen ' an der Brücke entlang! sals ihre Strebepfeiler im Wasser'verschwinden, sah chen Kreuzherrenplatz, dieses Kleinod der Stadtebäulunst, mit der schön schwingenden, römischen Fassade der Salvator- lirche, dem stärk beipegten Komplex der Kreuzher» „Rot" nicht mehr ertragen, sie meißelten daher dieses Wort weg. Die Fläche Mer dem Wort „Freiheit" ist jetzt kahl: jeder völkische Bürger, dem diese Meißelarbeit sympathisch ist, denkt sich da? Hakenkreuz an die verunstaltete Stelle und Ist tief befriedigt. Segen den„wilden" Kohlenbergbau scheinen die Behörden jetzt wieder mit gesteigerter Energie vorgehen zu wollen. Man will, wie zum Beispiel in der Umgebung Karlsbads, diesem Notunternehmen Arbeitsloser dadurch ein Ende machen, daß man die Gendarmerie auf Razzia gegen diese unbefugten Kohlengräber aussendet und die festgenommenen Verbrecher mit strengen Strafen belegt. Die Methode ist nicht neu, denn die Gendarmen haben schon immer Jagd gemacht auf Arbeitslose, die aus aufgelassenen Schächten Kohle förderten. Einen Sinn bekommt das behördliche Einschreiten doch nur dann, wenn eS sich darum handelt, Unglücksfälle zu vermeiden. Das aber geschieht wirkungsvoller als durch Strafen, die doch nur erzielen können, daß ein paar Arbeitslose in den Arrest wandern(Geldstrafen können sie doch nicht aufbringen) und dadurch verbittert werden, durch Vorsorge. Es gibt genug arbeitslose Bergleute, die den„wilden" Kohlengrä- bcrn Rat und Hilfe zu gebet: bereit wären. Oder ist es den Behörden mehr um die Abstellung des „unbefugten" Tuns zu tun, um die Beseitigung des hiinmelschreienden Vorstoßes gegen das Bergrecht und etliche andere Gesetze, die die Ausübung von«Unternehmungen" regeln? Daß es widersinnig ist, gegen ein Symptom anzukämpfcn, wenn man die Krankheit der Gesellschaft nicht heilen kann, gegen eine Folgeerscheinung der Not loSzu- gehen, wenn man diese nicht zu tilgen vermag, dürste außerhalb der Bureaukratie eine allgemeine Auffassung sein. Der„faschistische Konsul" Zu dieser gestern erschienenen Notiz erhalten wir folgende Berichtigung:„ES ist unrichtig, daß es sich um den Prager Konsul der Republik Honduras handelt, von dem der Paß des zum Tode verurteilten Valentin Olberg stwnmt, den dieser auf gewissen Umwegen erhalten hat. Richtig ist vielmehr, daß nach den offiziellen Berichten Wer den Prozeß dec Paß des Valentin Olberg von dem Berliner Generalkonsul der Republik Honduras stammt.. Weiters ist richtig, daß.-er Prager Konsul nie einen Paß der Republik Honduras ausgestellt hat, also' auch nicht für Valentin Olberg. Der Prager Konsul hat aber auch nie einen Paß ausgestellt, damit derselbe auf Umwegen zu seinem Besitzer gelangt." Durch die Mitteilungen der Berichtigung werden die Behauptungen der Moskauer Prozeßführung nicht seriöser. Die„kultnrelle" Verbindung mit dem Dritten Reich zeigt sich auch darin, daß von der„Reichsschrifttumskammer" hiesigen Verlegern vorgeschrieben wird, welche Autoren sie zurückzuweisen haben. Ein Prager Verlag, der harmlose Un- terhalrungsromane herausbringt, bekam die Weisung— so darf man eine solche Mitteilung wohl nennen—, Bücher eines Autors, der als jüdischer Marxist bezeichnet wurde, und Bücher eines renkirche und der dunklen Wand des Altstädter Brückenturmes. Von hier aus war alles schön ausgewogen, Kuppel, Giebel und Tor. Der Turm nicht so erdrückend groß wie von ganz nahe und die Einzelheiten des Platzes doch noch spürbar. Durfte ich es aber wagen, mich auf den Sok- kel des Kreuzes zu setzen? Im Süden, in Italien oder Spanien, durfte man es unbedenklich tun. Die romanischen Völker nehmen die Dinge der Religion nicht unnötig feierlich. Kirchenbesuch und Andacht werden erledigt genau so selbstverständlich wie die allgemein menschlichen Dinge, wie Beruf und Geschäft. Es gehört alles zusammen, eines ist so natürlich wie das andere. Aber hier in Prag, tvo Hussitenkriege hausten, wo der Dreißigjährige Krieg seinen Anfang nahm I Schließlich setzte ich mich aber doch auf die Ecke des Sockels. Ich saß ja einen guten Meter ab von der— übrigens ganz unwesentlichen und auch viel später hinzugefügten— Nebenfigur des Kreuzes. Das mutzte ja jeder verstehenl Anfangs ging es ganz gut. Es war,in den frühen,Vormittagstunden, wo di« Brücke ohnehin nicht so sehr belebt war. Di« Vorübergehenden hatten es eilig, warfen nur einen schnellen Blick zu mir her und hasteten weiter. Ein in der Kleidung etwas Abgerisiener machte den ersten längeren Halt. Er sah mir eine ganze Weile zu.„3a, Sie sind a Kinstler, daß Sie das alles so mit der bloßen Hand mache kennen I' Sie, des wär nix fir Batal Die mech- ten glei mit Maschine kommen I Aber die kenne's hier net nmche mit ihre Maschincnl Da muß ma a Kinstler fei, des muß ma mit da Hand machenl" Na, alsol Darüber war nichts zu sagen. Wenü es nicht schlimmer kaM! Aber es kaiw schlimmer. Ein Wortschwall, erst tschechisch, dann deutsch, zeigte an, daß ich ernsten'Unwillen erregt hatte, Eine ältere Frau rückte anderen, dem bloß vorgeworfen wird, daß er Jude ist, nicht mehr zu verlegen. Der Verlag könnte sich weigern, diesem Befehl nachzukommen. Dann muh er befürchten, seine Unterhaltungsware überhaupt nicht mehr über die Grenzen exportieren zu dürfen. Also wird er sich fügen. Was tut man nicht alles, um diese Art von„kultureller" Verbindung aufrecht zu erhalten I Kommunisten nicht für Arbeitslosenhilfe. Di« unter sozialdemokratischer Leitung stehende Stadtgemeinde Aussig führt in jedem Jahre eine großzügige Arbeitslosen-Winterhilfe durch, die von dem denkenden Teil der Arbeitslosen durchaus anerkannt wird. Jetzt veröffentlicht der Ausiiger Stadtrat wieder einen Aufruf zur Sammlung von Geldern für die Winterhilfe im kommenden Winter. Für di« Veröffentlichung des Aufrufes in der Presse und die Aufbringung der dafür notwendigen Mittel stimmten alle Mitglieder des Stadtrates mit Ausnahme der beiden kommuni st ischen Vertreter. Zeltlager der Jugend. Am Donnerstag wurde bei Donawitz im Karlsbader Bezirk ein Zeltlager der sozialistischen Jugend eröffnet. Dieses Zeltlager dient der Schulung der jungen Sozialisten. Veranstaltet wird es von der Karlsbader Kreisorganisation des Sozialistischen Jugendverba»des. Dank der Nazis. In der TageS-Preffe lesen wir:„Die Olympiazeitung kam während der Olympischen Spiele täglich in einer Stärke von 68.080 bis 60.000 Stück nach Bodenbach, wo sie sortiert und verschickt wurde. Da die Ber- lagsprovision 40 Heller für di« Nummer brutto betrug, stellte dieser Versand ein großes Geschäft dar. Dieses Geschäft übertrug der Reichssport» Verlag der tschechischen BerlagSsirma „Mentor", obwohl mit deutschen Buchhändlern bereits Verträge darüber geschloffen worden waren. Daher sind nun drei Bodenbacher Bersandbuchhandlungen gegen den Reichssportverlag mit einer Klage wegen Vertragsverletzung aufgetreten. Sie fordern eine Entschädigung von 400.000 KC und haben auch bereits eine gerichtliche Verfügung erwirkt, nach welcher der eingcklagte Betrag aus dem„UeberweisungSkonto sichergestellt wurde". — Wozu wir bemerken, daß die sudetendeutschen Buchhandlungen in der Ausmachung der Auslagen mit nationalistischer Literatur das möglichste getan haben. Das ist nun der„Dank" der Nazis! Zwei Nelson-Opfer. Im Zuge der Gewäl» tigungSarbeiten am Nelsonschacht ist eS nunmehr gelungen, die restlichen Teile des Grubenreviers VI zu erreichen, so daß dieses Hauptrevier bis auf einige Nebenstrecken zur Gänze wiedergewonnen ist. Zwei Katastrophenovfer, die gefunden wurden, konnten geborgen uiü> identifiziert werden. ES handelt sich um'den 27jährigen ledigen Bergarbeiter Franz Kubik aus Offek und den 81jährigen verheirateten Bergarbeiter Wenzel B u r e i aus Dux, der Vater eines Kindes war. Die Beerdigung erfolgt heute. Parallelklaffen bewilligt. Heuer werden von den umliegenden Ortschaften besonders viele Kinder in di« Bürgerschule nach Z w i ck a u geschickt. Dadurch wurde es notwendig, um die Errichtung von vier Parallelllaffen anzusuchen. Diese wurden bewilligt. mir energisch auf den Leib.„Sie, des iS aber nich hibsch von Ihnen, daß Sie sich da vor das Kreiz auf die Bricke sehen, was unser scheensteS Kreiz auf der ganzen Bricke tsi Des iS nich hibsch von JhnenI Ein jeder mechte Ihnen gern einen Sessel bringen, daß Sie sitzen kennen, aber daß Sie sich vor das Kreiz sehen, was das scheenske Kreiz is auf der ganzen Bricke, des is nich hibsch von JhnenI" Vergeblich versuchte Ich ihr klar zu machen, daß mir der schönste Sessel nichts helfe, da ich nicht genug sähe, daß ich außerdem gar nicht auf dem Kreuz sähe, sondern ganz an der Seite. „Nein, des is nich hibsch von Ihnen", beharrte sie, „ja, wenn Sie sich wenigstens Herumdrehen mech- ten, aber so mit« dem Ricken zum Kreiz, was unser scheensteS Kreiz is auf der ganzen Bricke, deS iS nich hibsch von JhnenI"—„Wenn ich nach der Altstadt hin zeichnen will, kann ich mich doch nicht nach der Kleinseite herumdrehen,, das geht doch nicht!"—"Ja, des iS nich hibsch von Ihnen, ein jeder mechte Ihnen' einen Sessel bringen, damit Sie nicht vor' dem Kreiz zu sitzen brauchen, was unser scheensteS Kreiz is auf der ganzen Bricke!" Da war nichts zu machen. Ich ließ sie reden und zeichnete weiter. Eine Menschenmenge hatte sich eingefunden, sprach für und wider. ES schien mir, als ob man meist für mich Partei ergriffe. Die Frau kmn mit ihrem Wortschwall nicht mehr dagegen an. Sie kehrte sich wieder zu mir:„Ich gehe schon di« Polizei holen!" Damit stiefelt sie davon. Die Menschen verliefen sich, es trat wieder Ruhe«in, Ich beeilte mich,, um fertig zu werden. Als ich beinahe so weit tvar, kam sie auch schon an in Begleitung eines Schutzmannes. Er sprach gleich büw Anfang an unfreundlich auf mich ein. Ich führte meine Gründe ins Feld; half nichts, er verstand nicht Deutsch, Er wiederholte seine Auf» forderung in scharfem Ton und machte dann mit Ouolpo de Llano einer der Schlächter-Generale, die das spanische Volk mit Marokkanern und Fremdenlegionären zn Paaren treiben wollen und alle Gegner, auch Frauen und Kinder erbarmungslos zusammenknallen lassen. De Llano ist besonders berüchtigt dnrch die ordinären Schimpfe r e i e n, die er etwa im Göring-Stil und oft In angetrunkenem Zustand, abends durch den Sender von Sevilla in den Acther brüllt. vekllleruns In Pardubitz Der Abschluß der großen Manöver Pardubitz. Die Schlußübnngen der Arme« in Ostböhmen wurden an: Dienstag, den 25. August vormittags mit einer feierlichen Defilierung der Truppen abgeschlossen. Der Präsident der Republik Dr. Benes war in Begleitung des Nationalverteidigungstninisters M a ch n i k und der höheren KommaWanten der tschcchoflowaki» scheu Wehrmacht, sowie der Chefs der Delegationen der befreundeten Armeen auf dem Flugplatz bei Pardubitz erschienen. Der Defilierung wohnten auch die Vertreter der beiden Kammern der Nationalversammlung, die beiden Wehrausschüffe, mit dem Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses Malypetr, dem Vorsitzenden der Regierung Dr. H o d z a an der Spitze und einige Mitglieder der Regierung bei. Unter den zahlreichen offiziellen Persönlichkeiten, welche der Schlußfeier beiwohnten, befand sich auch der französische Gesandte in Prag deLacroix. Sehr wahr! Justizminister Dr. Wrer hielt in Stola(Slowakei) anläßlich der Eröffnung einer Schule der Arbeiterakademie«ine Rede, in der er u. a.- sagte, daß die tschechoslowakischen Deutschen in der. Freiheit der Presse, des Wortes, der Konfeffion und in den sozialen Belangen mehr Rechte genießen als die Deutschen in den deutschen Staaten. Eine Jubiläumsausgabe des»Sozialdemokrat" erscheint anlässlich seines fünfzehnjährigen Bestandes am Sonntag, den 30. August Di« AuSgaV« wird in einem Umfang von 40' Seiten erscheinen und mit Text, und Bildbeiträgcn reich auSgestattet sein. Bestellungen sind zu richten an di« Verwaltung deS„Sozialdemokrat", Prag XU» Fo chooa 62. dem?lrm so eine ausholende Bewegung, als ob er mich von der Brücke herunterfegen wolle. Da also mit Reden nichts zu machen war, holte ich meinen ministeriellen Ausweis heraus, der alle Behörden auffordert, mir„moralische Unterstützung" zu gewähren. Während er sich hindurch buchstabierte, arbeitete ich eifrig weiter. Natürlich hatten sich wieder Menschen angesammelt. Und die Redeschlacht war schnell in vollem Gange. Man lachte, deutete sich an die Stirn, Arbeiter legten sich besonders ins Zeug für mich. Frau und Schutzmann waren nicht zu beneiden. Der Schutzmann war nun fertig mit dem Durchlesen und stand ratlos da. Die Frau, da sie mit ihren Widersachern nicht fertig wurde, wandt« sich wieder an mich.„Sehen Sie, Sie sind so«in scheener alter Mann(dabei bildete ich mir ein, jung auszusehen trotz nieiner grauen Haare!), aber des is nicht hibsch von Ihnen, daß Sie sich vor das Kreiz setzen, was unser scheensteS Kreiz is auf der. ganzen Bricke! Sehen Sie, Sie sind ein gebildeter Herr, aber, des is nicht hibsch von Ihnen, daß Sie sich vor das Kreiz setzen,!vas unser scheensteS Kreiz is auf der ganzen Bricke! Sehen Sie, Sie sind ein großer Kinstler, aber des is nicht hibsch von Ihnen, daß Sie sich vor das Kreiz setzen, was unser scheensteS Kreiz iS auf der ganzen Bricke!" Ich war soweit fertig. Den Rest konnte ich von unten aus machen. Mit allen Zeichen gekränkter Unschuld kletterte ich von meinem lustigen Sih herunter.„Ich will nur Gutes mit Ihnen, Sie hätten kennen hinunterfallen in die Moldau", wollte mich die Frau besänftigen. Alle brachen in ein schallendes Gelächter aus, daß sie jetzt nachträglich damit ankam und als sie von neuem mir auf den Leib rücken wollte, da fegte sie der Schutzmann hinweg, mit derselben weitausholenden Armbewegung, di« vorher bei mir versagt hatte. Emil Stumpp, Seite 4 Mittwoch, 28. August 1938 tut: 198 Das schärte Land von Telemarken; Eine eigenartige und schöne Landschaft besitzt Süd-Norwegen, wo jetzt in Njulän das größte Kraftwerk Nord-Europas"erstanden ist. Noch.bis in die heutige Zeit hat sich diese.Gegend ihren naturhaftenCharakter bewahrt 3flgpeateul^eitm Erinnerung an Bucharin ' Vor einein halben Jahre war N. I. B n- char i n, Chefredakteur des Zentralorgans der Moskauer Regierttng ,',Jswestija", in Prag. Am 29. Feber hielt er iit Anwesenheit des russischen Gesandten Aicxandrowski und vieler führender Prager Kommunisten einen von der„Gesell, schäft für die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen mit der Sowjetunion" veranstalteten Vortrag, in dem er der faschistischen Hetze gegen die Sowjetunion entgegentrat. Er erklärte, daß die Zerstörung der abendländischen Kultur, der p o l it i s ch e T e r r'o r und die Bedrohung des Weltfriedens, die von faschistischer Seite der Sowjetunion zur Last gelegt werden, in Wahr- heit die Tendenzen des Dritten Reiches feien, während die Sowjetunion auf der Seite der Friedensfront und im Bunde niit den Demo» kratien Europas stehe und selbst aus deut Wege zur vollkommenen Deinokratie sei. Dieser Vortrag hat seinerzeit bett Zorn der Presse des Dritten Reiches erregt, und die„Frankfurter Zeitung" hat ihn als„deutschfeindliche Hetze" bezeichnet. In Moskau aber wird jetzt derselbe Bucharin, der damals die Sowjetunion gegen saschisüfche Anschuldigungen in Schutz nahm, der Verbindung mit der„trotzkistisch.faschistischen" Verschwörung geziehen! Demselben Bucharin, der die Behauptung, daß in der Sowjetunion Terror herrsche, als Verleumdung zurückwies, droht jetzt ein Prozeß des gleichen terroristischen Charakters wie ihn der Sinowjew-Prozeß auf. wies. Welche? Verbrechen ist Bucharin eigentlich angeklagt? Wer ihn damals in Prag hörte, wie er die Zusammenarbeit der Sowjetunion mit den Demokratien betonte und wer Zeuge der Szene nach Schluß des Vortrags war, als Bucharin seinen alten Lehrer, einen in Prag lebenden menschewistischen Emigranten, herzlich begrüßte, hatte nicht bett Eindruck, einen Mann vor sich zu haben, der den neuen Kurs der Sowjetunion als Verrat an der Weltrevolution betrachtete. Und Hoch unglaubwürdiger ist nach deni, was er damals vortrug, die Behauptung, er habe mit der Gestapo in Verbindung geständen. Auffällig war höchstens das eine: daß Bucharin den Namen Stalins nicht so oft und mit so viel An- betung auSspräch wie eS sonst bei kommunisti- scheu Zeitungsschreibern(in der Oesfentlichkeit) üblich ist. War das sein Verbrechen? Die„Gesellschaft für die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen mit der Sowjet- Union", deren Gast Bucharin vor einem halben Jähr war, würde den kulturellen Beziehungen, die sie Pflegt, einen Dienst erweisen, wenn sie in Moskau tun Auskunft darüber' ersuchte, wessen Bucharin beschuldigt wird und ob er" Ge- legenheit zu einer Verteidigung haben wird, wie sie einem Angeklagten in einem Lande.zusteht, in dem kein Terror herrscht und in dem die voll- konnnene Demokratie angestrebt wird. Wie sich die führenden Prager Kommnnisten, die damals Bucharin mit Beifall überschütteten, jetzt für ihn einsetzen werden, wird sich ja in den nächsten Tagen in ihrer Presse zeigen, die eben noch Beiträge"Bucharins veröffentlicht hat. Voin„Slowakischen Pfeil" getötet. Zluischcn den Stationclt Raser und Blansko erfaßte Samstag der neue Moiorcxprcßzug der Staatsbahnen einen Manu, der trotz der Warnungssignakc nahe bei den Schienen stehen geblieben war.'Die Identität, de» Toten konnte" noch nicht festgestellt werden. Es handelt sich um einen gutgekleidctcn Mann, der einen teueren Photoapparat bei sich trug. Ob er Selbstmord verüben wollte oder ein Opfer seines Photographenergeizetz geworden ist, wird untersucht. Nitfäll« I» Starkenbach. Im Bezirksstcinbruch in Starkenbach ging insvlge der langen heftigen Regenfälle eine Stcimvand nieder und hegrtib den'48jährigen Ernst S t r n a d e k aus Starkenbach und den 80jährigcn V. K u p k a aus Ruprachtitz unter sich. Beide konnten nur noch als verstümmelte Leichen geborgen werden. Ein dritter Arbeiter namens BiI« k, der mit den Steinmassen abstürzte, tvurde dabei schlver verletzt. In der Nähe der Bnbinek-Brettsäge bei Starkenbach ließ sich der 23jährige Friseurgehilse Dobias von einein Eiscnbahnzug überfahren, wobei ihm der Kopf vom Leibe getrennt wurde. Was ist ein Schmock? Die Antivort wird leichter fallen, wenn man deu nachstehenden Sport- ,bericht gelesen Hai:„Der Liebling der Zuschauer war Jakuschin(rechte Verbindung), ein Fußballakrobat eigener Prägung. Die Ruh« seines langen Körpers steht in einem merkwürdi- gcn Verhältnis zur Quecksilbrigkeit der Füße, die sich, wie cs scheint, selbständig gemacht haben, und den Gegner zur Ver- z wei flung brin g en können." Nachzulesen in" der„Noten Fahne" vom 28. d. M., welche damit»och. die folgende Meldung des" Tschechoslotv Korr.-Büros übertrumpft:„Deutschland schlägt die Tschechoslowakei— im Tanzen 11:10. Am 22. August fand in Salzbrunn ein z w i scheust a a t I i ch e s T a n z tu r Ni e r unserer füh-" rciiden Amateur-Paare gegen das deutsche Team statt. Dietschechojlowakischeu Paare verloren nur um einen Punkt, was einen sehr guten Erfolg bedeutet." Die Folgen eines Kustes."Der Kuß, den eine splceliige Olympiadchesucherin dem deutschen. Reichskanzler wider dessen Willen gegeben hat, ist von schweren Folgen begleitet gewesen,.Wie be-, richtet wird, hat die Tatsache, daß es einer Hhste- rikerin gelungen ist, nicht nur die Absperrungen" der Polizei und des Ordnungsdienstes im Stadion," sondern auch die persönlich« Leibwache Hitlers."zu" durchbrechen, Hitler in einen schweren Zustand der Aticntatsfurcht versetzt. Män erklärt,.daß. die. licbeStollc Matrone Hitler ja ebensogut ein Messer in die Brust hätte stoßeir.können.,- Er sind nun wegen sträflicher Pflichtverletzung" eilte Anzahl Mitglieder der" Leibwache entlassen tvorden, andere wurden aus der ersten, Linie des Dienstes zurückgezogen.. Die Leibwache,, die' bisher aus 16 Mann- bestand, wurde auf 80: Mann verstärkt., Schüsse auf britische Soldaten. Montag kehrten in Pciping ans einem.Kino durch eine mangelhaft beleuchtete Gasse drei britische Soldaten in die Kaserne zurück. Plötzlich wurde aus einem Automobil, das stehen blieb, gegen sie geschossen. DaS Auto verschwand dann rasch. Tie Soldaten bne- ben unverletzt, aber der sie begleitende Kuli wurde am Fuße getroffen. Die. britische Botschaft hat wegen deS Zwischenfalles bei den chinesischen Behörden- protestiert.. Im Zusammenhang; damit wird daran.erinnert, daß im- Juli das britische. Konsulargericht mangels an Belveisen zlvei britische Soldaten freigesprochen, hat, die von den Ja-, panern angeklagt waren, in die Angelegenheit, der Todes deS japanischen Offiziers Sasaki verwickelt gewesen zu sein. ES fragt sich, ob zwischen den. beiden Zwischenfällen nicht ein Zusammenhang'besteht DaS Ende der Segelschiffahrt. Lloyds' Register- veröffentlicht soeben die Statistik Uber den Schiffs-Tonnage-Bestand der Welt für das Jahr 1036/37. Danach befuhren am 1. Juli dieses Jahres..Schiffe mit einer Gesamttonnage- von 68,063.643 Tonnen. Die Zunahme gegenüber dein vorigen Jahr Ist geringfügig, sie beträgt nicht einmal ganz 180.000 Tonnen. Von der-Gesamttonnage verteilt sich nur etwas mehr als-eine Million Tonnen auf die Scgelschiffahrt, im,vorigen- Jahr wären es noch über 100,000- Tonnen mehr. Demnach kann man sich anSrcchnen, daß in zchn.Jqhron das letzte Handelssegelschiff von den Meeren", verschwunden sein wird.-Noch interessanter ist aber die Tatsache, daß sich-auch die Zahl der Dampfschiffe gegenüber der Zahl der mit Oel.betriebenen, Fahrzeuge- ständig vermindert. Die Tonnage der Dampfschiffe ist im vergangenen Jahr üm.isber 700,000 Tonnen-gesunken, die der mit Oel betriebenen Schiffe"jedoch um,fgst. 900.000 Tonnen' gestiegen. Unter den, Ländern, die im vergangenen Jahr ihre" Tonnage ant stärksten crhäht haben/ füngieren. an erster. Stesse Italien, Japan und Rußland.-",'", Der. Sohn Gandhis wird. Moslem. Alle Reden, Handlungen und Opfer.Gandhis haben nicht vermocht!"seilten"eigenen"Sohn beim Glauben"seiner Visser zu erhalten.. In. der Moschee von-Djouma bei Bostibay"hat der junge Gandhi In Gegenwart von 8000, mohammedanischen Jndery das feierliche Gelübde, abgelegt:."„Ich hqbe den.. Islam angenommen, jch.wepde" im. Jslajn, lche'lss-ich werde im Jslatu.stechen," Der-„junge." Gandhi.-der gegenwärtig 80", Jahre. alt ist,, hat. seinen- Hindu-Vör- namen Hi"rubal„ abgelegt, und. nennt sich jetzt Ab dullah Gandhi. Der Grund seines UcbertrittcS soll in schweren Differenzen mit. seinem Vater zu suchen sein.",.'._ Auto-Nnzlück.- In TreSdcn-Weißig ereignete sich ein schweres Kraftwagemmglück, dem drei Personen zum Opfer fielen. Eine Person wurde, verletzt. Bilanz der Sommerstürme. In Korea, wo. zwischen dem 12. und 16: August heftige Stürme wüteten, werden den amtlichen. Berichten zufolge, 43 Tote, , 83,6. Verwundete und 136 Vermißte gezählt. 80.0Q0 Häuser, wurden überschwemmt.und. teilweise vernichtet.,.-... Glasgow, daS jüngste Gangster-Dorad». Seit kurzem wird die große schottische Industriestadt "Glasgow von zahllosen Gangsterbanden unsicher ge- macht, die.nach-Chicagoer Muster- arbeiten, am hel» "len-Tage-Banken und Geschäfte überfallen-und die seit-jüngster" Zeiti.sich,sogar auf Menschenraub gelegt babcn. Dennoch habenudie-Gangster eine spezifisch britische Note:-sie drapieren Nämlich ihre Untaten mit religiösen Motiven. In Glasgow gibt-"es Dutzende: von", verschiedenen Sekten,- die- sich heftig untereinander bekämpfen, die" Gangster nutzen diese -Situation aus. Und wenn ihnen eine Tat gelungen ist, hinterlassen sie meisten», einen-Zettel mit einem biblischen Spruch. Zum Teil treten sie-auch als Priester der Sekten'auf und rauben dann die Kir- lbenkassen aus. Der Magistrat von Glasgow hat die Polizei qusgeforderi, mit allen Mitteln diesem Iliuvcsen, dar dem Ansehen der ganzen Lande», schade, ein Ende zu machen. Eine Million Menschenfresser. Der.schottische Anthropologe Dr. Amersville hat soeben ein Werk: herauSgegeben, in dem er seststcllt, daß es noch rund'eine. Million Menschen gibt, die. regelmäßig öder gelegentlich von Menschensleisch leben. 'Dr.- AmerSvisse gibt ans daß er sich bei verschiedenen Ressen selbst von dem Bestehen deS Kannibalismus habe- überzeugen können. Besonders häufig" sei dieser„Brauch"!"in manchen Teilen Jnnerafrikas und. in der Südsee, vor allem: aber auf den Neuen Hebriden Und auf den Fidschi- Inseln anzütreffen. Hier wäre wohl-daS gcsuchie Kolonialgebict für das Reich- der"Streicher und Göring." Erst Dichter, dann Generale! Aus der neuesten Statistik- der Stadt Paris geht hervor, daß nicht Iveniger äl» 837." Straßen" die Namen von Dichtern, Schriftstellern und Philosophen trägen. 812 Straßen sind den Politikern reserviert Und nur 284 Straßen führen den. Mme»'von Feldherren und Generalen. Amerika raucht mehr. Die Zigarettenproduktion der USA.erreichte"im Jul! die bisher nie verzeichnete Ziffer: von,14.8. Milliarden Stück. In- den ersten sieben Monaten 1936 betrug die Zlgarettenerzeugung 87,4; Milliarden Einheiten. Die Amerssaner rauchen damit. 1686 bereit»„wieder ebensoviel wie im Jahr der P"rösperith.„1927...■ > Der schottische Indianer. Ganz New Dort lacht : über die: Geschichte, eine» Schotten,- der, der"Tradition/ seine»-Lande»: getreu, eine»! herrlichen"Trsck gebrauchte, um Geld zu sparen.- Er- erschien-auf. dem Hauptpostamt, um /ein Telegramm an seine Familie aufzugeben. Als man-ihm-ssagte, daß:seine! Nämen»- unterschtift nicht berechnet würde/ entwarf er-einen neuen Text, der nur aus-der Namensunterschrift be- ftand und svlgcndcrmaßen lautete:'„Der'Mann"— der—: bi»— zum'^-iFreltag—bleibt".: M» der entsetzte> Beamte- fragte,- was- da»" bedeuten-1"sollte, ' setzte, ihm: dec. SchoUe än" aller-.Seelenruhe auseinander,.er-seiein. ehemaliger Indianerhäuptling, und die»,- sei sein wirklicher-indianischer-Name, ins Englische überse"tzt.,-Der Postbeamte war allerdings nicht aus,den.-Kopf gefallen, er bezweifelte die, indianische Herkunft d«s Schotten-und- weigert«-sich,"- das-Tclc- granun:in-.-dI«ser:.FoM^anzunen^-. Entflohener Sträfling. Dienstag um 18 Ijhr< entfloh" au» der Strafanstalt Borg btt Landarbei- ien in Litice der 43jährigd Sträfling Josef’ 2 c j t a aus Tkcbiö, der dort wegen de».Verbrg». chens des Raubmordes ein« lebenslängliche schwere Kerkerstrasc verbüßt. Der entsprungene Sträfling ist von hoher Gestalt, hat kastanienbraune Hagre, ein'längliches" Gesicht Und blaue Augen..Mit dem. linken Auge schielt, er und der Zeigesinger der linken Hand ist steif. Er floh in entwendeten Kleidern.- Er trägt eine dunkle Mütze, schlvarze Reithosen, und ein weißer"Hemd mit blauen Streifen. Es scheint,, daß er in der Richtung gegen P.l z e n e c geflohen ist., Felix von Weingartner, der Direktor- der WienerStaatsoper, ist von. seinem Amt« zurückgetreten. Er wird weiterhip als Dirigent, wirken? ' Eduard VIII..'steigert die Preise. Die" Erholungsreise deS englischen Königs an die jugo- slawische Adria hat bereits als sie angckündigt tvar,. unerivarteie Folgen gehabt. Zahlrciche Bc- sitzer von Hotels und Pensionen begannen nämlich schleunigst, die Preise ihrer Zimmer.und Mahlzeiten erheblich hcraufzusetzcn, Iw der Erwartung, daß dcv hohe Besuch zahlungskräftige Fremde in Massen an die Adria locken würde. Man-schmeichelte sich schon, der echten Riviera den Rang abgelaufen zu haben, wenigstens was-die Höhe der. Preise beiras. In der Tat sind diesmal weitaus mehr Fremde an die Gestade der Adria gekommen als sonst in den letztem Jahren. Aber im-letzten Augenblick griff die Regierung ein und zwang die HoielierS, alle Preissteigerungen sofort- wieder rückgäiigig. zu machen. Bereits einkassierte"Gelder müssen als Zusatzsteuer ebenfalls abgeliefert werden.- Die Insel der Sklavenhändler. Zwischen Jlalieit und dem Aräberreich shemcn schweben Verhandlungen über die Abtretung der ycmenitischen Insel Djebel-Zigour, eines kleinen Eilandes im Roten Meer zwischen Südaräbicn und Erythräa, die heute als HauptstLhpunlt des Sklavenhandels gilt. Djebel-Zigour ist die wichtigste Zwischenstation auf dem Leidensweg der Sklaven, die hier von den afrikanischen Händlern an ihre arabischen Berufskollegen verkauft und übergeben werden, also eine Art„Clearlng-house", in dem oft an einem einzigen Tage 100 oder mehr dieser Unglücklichen ihren Besitzer wechseln. Eine Anzahl käfigartiger Gefängnisse steht zur Unterbringung der Sklaven während ihres Aufenthalter auf der Insel zur Verfügung; riesige Wälle, BefestigungS- anlagcn, Wolfsgruben, Wassergräben und schließlich eine starke Bewachungsmannschaft machen sedcn Fluchtversuch unmöglich. Die englischen, französische und italienische Kriegsschiffe, dse nach.internationalem Uebereinkommen in diesen Gewässern den Polizeidienst ausüben, können zwar verdächtige Schisse anhalten und, ihre Beisitzer und Kapitäne"vor- Giincht-'siesseit^äber die -Insel" selbst gehört-zum Königreich--Aememund"ist dadurch ihrer BesehlSgewalt entzogen, ein-.Umstand, den sich die Sklavenhändler sehr Wohl zunutzezu machen Wissen. Ronald Colmans Unterschriften. Der Filmstar" Ronald Colman hat ein äusgezeichnetc» Mittel entdeckt,- um sich Scheckfälschung zu erwehren.""Er benutzt nämlich vier völlig verschiedene Unterschriften, die er sich voni Notar und-Gericht ausdrücklich hat beglaubigen lassen: di« ein« Unterschrift gilt nur- für Schecks, die zweit« nur für Autogramme, die dritte für Privatbriese und die vierte für Fikm- kontralte und sonstige Geschäftskorrespondenzl Auf diese verblüffende Weis« ist eS ihm bereits auch gelungen, einen Schwindler zu-entlarven, der b«i einer Hollywooder Großbank«inen Scheck über 6000 lar mit der Unterschrift Colman- präsentierte. Die Bank stellte jedoch fest, daß es sich um jene» Signum Colmans handelte, den er nur für Autogramme benutzte, niemals aber für Schecks. Der Dieb, der- sehr überrascht war, denn er hatte äußerst, geschickt gefälscht, wurde auf der.Stelle verhaftet. Bnnkoniunktur in England. Nach einer soeben veröffentlichten Statistik der Industrie- und Hqn- delskammec, sind seit Kriegsende in England upd Waler über drei Millionen Wohnhäuser ne», gebaut, tvorden. Da die Zahl der vor dem Krieg gebauten, heute noch benutzten Wohnhäuser, rund, stehen Millionen beträgt, sind also rund zwei. Fünftel aller englischen Wohnhäuser Neubauten.- Verglichen mit den entsprechenden. Ziffern in Frankreich.»pd Deutschland, ist der Häuserban in England, seit dem Kriege vier- bzw. sechsmal so groß und erreicht-fast die amerikanischen-Ziffern. Wahrscheinliches Wetter heute: Wechselnde, durchschnittlich abnehmende Bewölkung, im Ostendes Staates vereinzelte Schauer noch" möglich: abflauender Nordwestwind, allmähliche Erwärmung. — Wetteraussichten für morgen: Im ganzen schön, trocken und warm.' Vom Rundfunk ' SmPfehleuowerte» au» den Programm«»» Donnerltagr/:- Prag-7:^Morginkonzevt, 10:05: Deutsch» Presse,.: 11.05: MuZiks" Salonorchester, 12.10: Schallplattenkonzert,-.14: Unterhaltungsmusik, 18.50: Deutsche Presse, 16.50: Saxofonsolo, 18.05: Deutsche Sendung:- Sportvorschau' 18.10: Landwirtschaftlich« Sendung, 18.45: Deutsche Presse, 20:. Rundsunk- orchesterkonzert,- 22,15: Sälonorchesterkonzert.-—> Brünn 18.80: Tanzntustk, 17.40:' Deutsche Sendung: A rb«itersumk: Perlse«: P r.o>r'e» tarische Literatur.— Pretzsurz 14"?15: "Schallplattenkonzert.-—- Kaschau 12.05-. Operetten» lieber, 12185: MIttagrkonzert.- M.-Ostrou 17.05: Tanznmsik, 18.10: Deutsche Sendung:'Musik"und .Goethe,. t-, ,--- Rt.'lÖS Mittwoch, 26. August 1936 Seit« 8 Der Illegale Nazismus in Oesterreich In vollem Betrieb Die Folien. des„Freundschaftsvertrages" Wir haben schon einmal größere Partien aus dem illegal in Wien erscheinenden„Oeste r« reich isch en, Beobachter" abgedruckt, die einen vielsagenden Einblick in die Politik der Nazi in Oesterreich, aber auch der Berliner Po» litik gewährten. Das illegale Blatt erscheint trotz aller Freundschaft und„Nichteinmischung" lustig weiter. Was aber noch besser ist: er erscheint,' wie es allgemein heißt, sozusagen halbamtlich» t o l e r i e r t» i l l e g a I. Die Regierung Schuschnigg gibt sich keine besondere Mühe, es zu unterdrücken, es heißt sogar, sie haben den Nazi) dieses ein« illegale Blatt zugestanden und Herr Schuschnigg halte es für den Gipfel seiner Er» folge,-daß tatsächlich nur dieses«ine illegale Blatt'erscheine, da» hoch gewiffermaßen von seiner Polizei kontrolliert wird. Wir bringen im folgenden einige Proben au» der Folge 6 de»„Oesterreichischen Beobachter»" vom 11. August. Sie sind nicht so klassisch-: Formulierungen der gesamten' Nazipolitik wie unser seinerzeitiger Abdruck, aber sie geben doch allerhand interessante Aufschlüsse über die Ziele de» Nazirmu» und darüber,, wie sämmerlich Schuschnigg' der braunen Politik aufgeseffen ist. Da heißt e» z. B. gleich einleitend: „Ae ist sicher und bereit» allseits bekannt, daß außer den veröffentlichten drei Punkten da» Wesen de» Bertrage» in den in Aussicht gestellten Ausführungsbestimmungen enthalten sein muß. Die von „vaterländischer" Seite'vertretene Ansicht, Adolf Hitler habe mit Schuschnigg einen Freundschaftsvertrag auf Kosten de» nationalsozialistischen Bolle» in Oesterreich geschlossen, ist bi» zur Lächerlichkeit.unwahrscheinlich. Wahr ist, daß die begonnene und noch immer nicht ganz durchgefiihrte Amne- st i e eine deutsche B e r t.r a g» h e d i n« g u n g darstellt, daß darüber hinau» nach eine A n- zahl weiterer Vertragspunkte bestehen. Wir wollen darüber schweigen au» denselben Gründen, die die rücksichtsvolle Abfassung de» ganzen Vertrage» bedingt haben." Nach einer Polemik gegen den Polizeipräsidenten Skubl wird ein alter nicht mehr linientreue« Nazi angeschossen:■, „Der Mann, der dem Herrn Polizeipräsidenten dir Rückendeckung für eine nationale Zukunft abgeben solhistun» ein alter, aber sehr übler Be» kamt«,«'heißt: Dr. WalterRiehl. Er ist schandbarer noch, al» man jemals hätte glauben können." An.^rohupgen.mangelt e» nicht:."'^" H „E»>-gibt" ter Schindluder treiben will! Bi» dahin e r- I w a r t e n w i r von Parteigenossen,: Freunden und Wem deutschen! Bo^lke,in Oesterreich ruhige» b«var und bei Ausscheiden aus dem Dienste gegen Herrn Franz Prochaska, der allgemein als„Re- stanratenr" betitelt wurde, die Klage cinbrachte, weil er nicht den kollektivvertraglichen Lohn erhalten hatte. Er klagte die Differenz für die ganze Dienstzeit im Gesamtbetrag« von über 1499 KC. Bei der Verhandlung erhob die Gegenseite die Einwendung der fehlenden Klagelegitimaiion und' wieg-nach,-daß nicht der„Herr Restaurateur" Prochäskit' Jühaber' de't"Koiizessiöti'fef!'' sondern'! d c s s« 9 M u t t ft; Die Kkähe'Mi?älso danc- bengegangen und dem Gericht blieb nichts übrig, als sie von Haus aus ohne Verhandlung abzu- lvcisen. Außerdem muß der Kläger dem Gegenanwalt die Prozeßkosten von über 299 Kö ersetzen. Velkswirtschaft int Sozialpolitik Also doch Baustoffverteuerung I (R. F.) Wie das Statistische Staatsamt berechnet hat, betrug die Meßziffer der Prager Baukosten im Juki dieses Jahres(auf der Basis von Juli 1914— 199) 777 gegen 761 in der gleichen Zeit des Vorjahres. Dabei bleiben die Löhne mit 911(gegen 999 im Vorjahre) praktisch unverändert. Beim Kalk ist eine Preissteigerung von 759 auf 825 Jndexpunkte, beim Eisen von 699 auf 716, bei den Ziegeln von 698 auf 685, beim Bauholz von 574 auf 699 und bei Zement von 481 auf 598 festzustellen. Es ist allerdings richtig, daß die im Frühjahr 1936 eingesetzten Preisprüfungskommissionen wenigstens beim Zement eine kleine Preisherabsetzung erzwungen und bei anderen Baustoffen wenigstens eine noch weiter gehende Verteuerung verhindert haben, trotzdem beweisen diese Zahlen mit aller Deutlichkeit, daß die Fabrikanten sich die Baukonjunktur zu Nutze zu machen wußten, während die Arbeiterschaft an diesen erhöhten Gewinnen so gut wie gär keinen Anteil hatte. Zunahme der Kraftfahrzeuge Nach der Erhebung, die das Statistische Staatsamt monatlich vornimmt, wurden im Juli 1896 neue Kraftwagen und 1447 neue Motorräder(mit.und ohne Beiwagen) eingetragen. AIS Kraftfahrzeuge. werden die unmittelbar aus Fabriken oder aus Fabrik- bzw. Verkaufslagern gelieferten betrachtet. Bon der angeführten Gesamtzahl an neuen Wagen waren 1291 Personenwagen, 98'Last« wagen und 7 Autobusse. Tschechoslowakischer Erzeugung waren 1177(99.1 Prozent im Juni 1957), ausländischer Erzeugung 129(9.9 Prozent) Kraftwagen. Von den tschechoslowakischen Marken erreichten die Marken: Tatra 845, Skoda 887, Praga 281, Aero 159, Zetka 67, Jawa 39, Walter 12, Wikov 4. Bon der Gesamtzahl der neuen. Motorräder waren tschechoslowqkischer Erzeugung 1391(96.1 Prozent), ausländischer Erzeugung 56(3.9 Pro, . zent). Von den tschechoslowakischen Marken er- > reichten die Marken: Jawa 867, Zbrojovka 417, ' Ogar 92, Böhmerland 11', Praga 4. Vie militärische läge in Spanien AP. Im nachstehenden soll kurz untersucht werden, welche Faktoren den Regierungstruppen, welche den Aufständischen zuggte kommen. Was die Regierungsiruppen anbelangt, so. sind di« Milizen inzwischen besser ausgebildet, di«- bei'udevl'Rcgierung» verbleibenden-. Truppen, verstärkt-um die Jahrgänge» 1>984 und.1985,-.einheitlicher zusammengefaht, die gesamte Organisation ausgestaltet worden. Sehr fühlbar ist der Mangel a-n Offizieren, von denen nur ettva 19 Prozent regierungstreu sind. Dies gilt auch für die Gebiete, die die Regierung besetzt hält. Außerdem fehlt es teilweise an ausgebildetem Ersah für Artillerie, Pioniere etc. Das Verhältnis zwischen den wenigen Offizieren und der Miliz, die zum Teil auf ihre politische Leitung, eine Art Soldatenrat, hört, ist nicht immer das beste. Die-Mängel werden aber durch Opferbereiischaft, Elan und Enthusiasmus ausgeglichen. Die Aufständischen verfügen demgegenüber zunächst über straffere Organisation. Die Regimenter blieben zunächst intakt. Der Zulauf au» den Reihen der Faschisten (Spanische Phalanx), der Katholischen Volksaktion und ihrer Jugendgruppen, der Monarchi- Die Lage des deutschen Handwerks.(AP.) Da» deutsche Handwerk, das einstmals am gläubigsten den Versprechungen Hitlers vertraute, befindet sich in einer katastrophalen Lage. E» gibt im Reiche ca. 1,549.999 selbständige Inhaber von Handwerksbetrieben mit 1.5 Millionen Gesellen und Arbeitern, 599.99 Lehrlingen, 199.999 technischen und kaufmännischen Angestellten, sowie 259.999 mithelfenden Familienangehörigen. Diese fast 4 Millionen Beschäftigten ergeben zusammen mit den voll ihnen ernährten Familienangehörigen eine Handwerkerbevölkerung von 8 Millionen, was etwa einem Achtel"der Bevölkerung des Reichs entspricht. Während vor der Wirtschaftskrise das Gesamtjahreseinkommen des Handwerk» 4 Milliarden Mark betrug, ist es im vergangenen Jahre bis auf 1.8 Milliarden gesunken. Teilt man diese Summe auf die erwähnte Zahl von.Betrieben-auf, so ergibt sich für jeden von ihnen ein durchschnittliches Monats-Bratto- einkommen von noch nicht einmal 199 M. So ist «S nicht verwunderlich, daß ca. jeden Tag allein ist Berlin durchschnittlich 11 Handwerker bankerott machen. Die schweizerisch« Wehranleihe.(R. F.) Die schweizerische Eidgenossenschaft legt soeben ihre vom Parlament beschlossene Wehranleihe von 285 Millionen Schweizer Franken(etwa 1.8 Milliarden Kä) zur Zeichnung auf. Dabei find einige Neuerungen eingeführt worden, die auch in anderen Ländern als Mittel zur Mobilisierung der Spargelder der Massen beachtensweri-sind. Der Zinsfuß beträgt drei Prozent, was bei dem allgemeinen Stand, des schweizerischen ZinöniveauS (da» wesentlich höher als daS unsrige ist) als außerordiütlich niedrig bezeichnet werden nmß. Da man sich offenbar darüber klar war, daß ein großer Teil der Kapitalisten nicht bereit fein wird; sten und der Carlisten(Navarra und Baskische Provinzen) trug ebenso zur Auffüllung ihrer -Reihen bei, wie die Transporte aus Spanisch- -Marokko. Demgegenüber ist jedoch zu betonen, daß -die Soldaten auf der Seite der Aufständischen »ich t'-'m'.i't d'-e r'Lkel'ch e n A.»Po st-feru n g k ä m p f e n wie Pie Misizcn. Es kommen massenhaft Fälle von Uebcrläufertum vor. Die Mauren, unter beycit auch die allgemein antispanische Propaganda Fortschritte macht, erweisen sich als völlig undiszipliniert und sind bereits zum Schrecken der aufständischen Generale geworden. Das wichtigste aber ist die F e i n d s e l i g k e i t der Bevölkerung in den von den Aufständischen besetzten Gebieten. Ganz abgesehen davon, daß sowohl die Nord- wie die Siidarmce mit regierungstreuen Inseln im Rücke» zu rechnen haben,-ist die Stimmung der Bevölkerung, mag c» sich um Sevilla' und Cordoba oder Saragossa und Oviedo handeln, derart, daß die Truppen nicht wagen können, einen Aus- sall aus den Städten zu machen. Diese beiderseitigen Mängel erklären den Charakter des Stellungskrieges, die lange Dauer des Kampfes und das Ausbleiben von Entscheidungen. unter solchen Bedingungen ihr Geld zur Verfügung- zu stellen, hat man den Ausweg gesunden, die Stückelung der Anteile verhältnismäßig niedrig(199 Franken) zu wählen, und es den Zeichnern zu ermöglichen, ihre Anteile in zehn M o n a t s r a t e n zu zahlen. Diese zehn Franken pro Monat sind ein Betrag, den auch viele Arbeiter ohne Schwierigkeiten aufbringen können, ohne ihre ev. Saarguthabcn anzugreifen. Die Anleihe soll in fünf Jahresraten amortisiert werden. Man verspricht sich also von der Arbeitsbeschaffung, die durch die Anleihe ermöglicht wird, auch eine erhebliche Belebung der Wirtschaft. Die Anleihezeichnungcn können n i ch t n u r b e i t> e n B a n k e n, sondern auch bei jedem P o st a m t vorgenommen werden, was eine Ersparnis an Anleihespesen mit sich bringt. Jedenfalls ist diese,,Demokratisierung" der Staatsanleihen eine Beispiel, das auch für die Tschechoslowakei, wo bäi der letzten Wehranleihe in dieser Beziehung entschieden zu wenig geschehen ist, größere Beachtung verdient. Im Flugzeug zum Exerzierplatz. Auch die französische Armee modernisiert sich im Eiltempo. Bisher wat e», wie in anderen Ländern, Sitte, daß die jungen Rekruten per Eisenbahn an ihren Bestimmungsort gebracht wurden. Diese» Jahr nun hat«in großer Teil der neu Eingezogenen den Befehl bekommen, sich auf dem Flugplatz von Le Bourget einzufinden, von wo au» sie per Flugzeug nach der Maginot- Linie gebrächt werden. Die'französische Armee besitzt nämlich seit kurzem eine Reih« riesiger Verkehrsflug- zeuge, die je 59 und 69 Mann befördern können. Bevor also der jüngste Jahrgang die Uniform anzieht, wird ein Teil von ihnen Bekanntschaft mit der Lust machen, um dann, wohl zum Ausgleich, zehn bi»/-zwanzig. Meter unter der Erde im Bereich der Msaginot-Linie ausgebildet zu werden.- Seite 6 .Sozialdemokrat" Mittwoch. SS.«ugust 1930. Nr. 198 Sroger Rettung Um ein paar Kirschen.... Prag,(rb.) Der kleine Hauptzenge dieses Prozesses, der elfjährige Schuljunge, Stt> phan K., kam auf Krücken in den Gcrichtssaal gehumpelt und auf der Anklagebank sah der Mann, der ihn in diesen bedauernswerten Zustand verseht hat.. ES.ist der 67jährige Adolf Macek, ein Aus» gcdinger, der sich jetzt in der Wirtschaft seines Sohnes auf verschiedene Weise nützlich zu machen sucht. Als die Kirschen reiften, übernahm der alte Mann die Aufgabe eines Hüters und faß den ganzen Tag in einer Reisighütte in dem großen Obstgarten seines SohncS, um Kirschendiebe zu verscheuchen. Natürlich hatte er kein leichtes Spiel gegenüber de» Dorftindcrn, die bald da, bald dort in dem umfang- reichen Garten auftauchtcn, um ein paar Kirschen zu mausen. Das hätte nun zwar den reichen Bauern auch nicht zugrundegerichtet, aber dem Alten sah der unerbittliche Eigentumsbcgriff des Bauern wohl zu sehr im Blut, als daß ihn diese unbedeutenden Diebereien nicht furchtbar aufgebracht hätte», zumal da ihm die kleinen Spitzbuben regelmäßig entkamen. Eines Tages glückte es ihm aber doch, den Sohn seines Nachbarn, eben den kleinen Stephan K., zu erwischen, als dieser eben von einem Baume herabrutschte. Er nahm eilends seinen Leibriemen ab und lief, dem flüchtenden Jungen nach, wobei er blind auf ihn einhieb. Unter dem Hagel der auf ihn niederregnenden Hiebe stolperte der Kleine über eine Baumwurzel und brach sich das Bein. Ungeachtet dieser schweren Verletzung hieb der rabiate Alie unerbittlich weiter auf den Jungen ein, bis dieser bewußtlos liegen blieb. Die Eltern des mißhandelten Kindes erstatteten' die Anzeige. Adolf Macek wurde der schweren Körperverletzung angeklagt, da der Verdacht bestand, daß die schwere Fraktur durch sein wütendes Zuschagcn, wenn nicht herbeigeführt, so doch sehr verschlimmeri worden war. Dies war allerdings durch die ärztlichen Gutachten nicht klar zu beweisen nyd so'wurde er nur wegen Uebcrtrctung gegen die körperliche Sicherheit zu drei Monaten Arrest bernrteilt. Außerdem schwebt ei» Zivilprozcß nm den Schadenersatz, der nicht auf die leicht« Achsel zu nehmen ist, denn heute steht noch nicht fest, ob der verletzte Fuß wird volllommen wicderhcrgestellt werden können. AuSftugSzüg« der Tschechoslowakischen Staats- bahnen: In den Tagen vom 29. August bis 6. September eine Fahrt in die Beskiden für 429.— KL, vom 2. bis 28, September eine Kurreise nach Bad Sliak für 1120.— KL, vom 6. bis 18. September eine Reise in dle'Hohe Tatra für 580.— KL, vom 5. bis 18. Scptehlbcr eine Reise nach Karpäthornß- land für 600.— KL und am 6. September ein Son- dcrziig nach Kutnä Hora zu den HavliLek-Feiern für KL 42.—. Anmeldung mit Anzahlungen nimmt der Basar neben dem Wilsonbahnhof, Tel. 86.885, entgegen. Spart■ SpW-Xwpwpffege Olympia-Randbemerkungen Die Züricher bürgerliche Zeitschrift„Sport" bringt unter dem Titel„Olympia-Gedanken eines Lesers" u. a. folgendes:. Bei den Olympia-Berichten ist mir ausgefallen, daß der schöne olympische Geist nur bei der Eröffnungsfeier anwesend zu sein scheint und leider mit den aufsteigendcn Tauben das Fest wieder verläßt. Ob es nicht besser wäre, wenn man die Tauben- Nummcr streichen würde? daß ein Protest gegen die Amateyrgualifikation Immer erst erfolgt, wenn der Betreffende oder seine Mannschaft siegt oder siegen könnte. Kommt er nicht zum Sieg, kräht kein Hahn darnach. daß man die Turner in Nationen-Riegen antreten läßt und nicht den einzelnen Turnern eine fortlaufende Nummer gibt wie den Leichtathleten. Wenn die Auslosung erst am letzten Tage vorgenommen würde, blieben die Turner den Kampfrichtern wie dem Publikum ziemlich unbekannt. Die Namen der Turner wären nur dem AuSrechnungsbureau bekannt. Die Kleidung einheitlich. Wäre die» nicht viel interessanter, wenn dar Nationale ziemlich aus- geschatet würde? daß man die Zehnkämpfer ihre Uebungen an zwei Tagen erledigen läßt, während ein einziger Wettbewerb eines EinzelkampfcrS sich manchmal über Tage erstreckte. daß man noch immer Favoriten starten läßt, obwohl sie leider meistens versagen. Sind Außen- seiter-Siege nicht viel interessanter? Die Moskauer Fußballmannschaft„Dynamo" hat in Kladno gegen eine Elf Kladnoer Amateure — Mitglieder jenes Verbandes, den der russenfreundliche und von-der CsAF abgesetzte Obmann des mittelböhmischen Gaues, Fanta, vorsteht— gespielt und 8:1 gewonnen. Tas dritte Spiel der Russen fand in vteichenberg statt, wo sie ein fälschlich als Atus- Mannschaft von Nordböhmen bezeichnetes Team mit 10:0 schlugen. Die sowjetrussischen Tennisspieler haben in Prag keine großen Lorbeeren ernten können. Gehörien die Spieler des Klubs„CEC" teilweise zur tschechischen DurchschnittSklaffe, so waren sie bei den Männern immerhin imstande, die russischen„Meister" zu distanzieren. Keiner der Russen belaß ein wirkungsvolles Service und sind auch taktisch unerfahren. Besuchet die FelsenstMdte Wekelsdorf und Adersbach Weltberühmt als einzig dastehende Sandstelngebllde Die Naturdenkmäler zählen zu den beliebtesten Reisezielen tausender Touristen. Sommerfrischen— Herrlich angelegte Bäder—Hotels: Felsenstadt Adersbach— Bisenhammer« Wekelsdorf. Prospekte durch die Felsenverwaltungen. 3496 Die beiden Russinnen gewannen ihre Spiele, aber einen Maßstab über ihre wahre Spiclstärke konnten sie nicht erbringen. Die Ruffen hatten am Sonntag ihre weiteren Spiele abgesagt, weil sie anderen Auslandsverpflichtungen nachkomman wollten. Samstag siegte Dr. Novotny gegen Kudrjazeff 6—8, 5—7, 6:1, Multino gegen Vlasta Burian(der bekannte Prager Komiker) 6—1, 6—1, Siba gegen Nowi» koff 5—7, 6—8, 8—2 wegen Dunkelheit abgebrochen und Kalmickowa—Jaroö-Koscluh 7—5, 7—5. Am Sonntag spielte Siba mit Nowikoff im ersten Satz 9—7 und der Kampf wurde wegen Regen nicht mehr ausgetragen. Tepljakowa gegen die tschechische Spielerin Novotna 6—4, 6—2. Die Sowjet-Leichtathletin Dutzja Basffljew lief bei' einem Meeting in Moskau über 1000 Meter die Zeit von 2:58.4 Min., welche besser ist als der bürgerliche Weltrekord. Filme in Prager UcMiplelhliiisem Bis einschließlich Donnerstag, den 27. August '"Urania-Kino:.Königswalzer."— Adria:„Rose Marie." A.— Alfa:„Der Wildfang." Tsch.— Avion:„Rose Marie." A.— Beranek:„Dämon Weib." A.— Fenix:„Meuterei auf der Bounty." A.— Flora:„Im Spionagedienst." A.— Gaumont:„Die Entführung an der Riviera." D.— Hollywood:„Schatten der Vergangenheit." D.— Hvizda:„Boxer und Dame." A.— Julis:„Zwischenakt." D.— Klnema: Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna: Aktualitäten, Journale, Grotesken.— Lueerna:„Meuterei auf der Bounty." A. — Metro:„Charlie Chans Geheimnis." A..— Passage:„Schatten der Vergangenheit." D.— Praha:„Charlie Chans Geheimnis." A.—■ Radio: „Schmeung—Louis."„Der silberne Pfeil." A.— Skaut:„Sieben Polarhelden." Ruff.— Svitozor: „Zwischenakt." D.— Alma:„Dämon Weib." A.— Bajkal:„Der Fall des Rechtsanwalts Prentice." A. — Beseda:„Die unmögliche Frau." D.— Carlton: „Der Mann, den ich will." A.— Illusion:„Pension Mimosa." A.— Lido II:„Die unsterbliche Melodie." D.— Louvre:„Im Spionagedienst." Ä. — Maceika:„Rendezvous in Wien." D.— Olympier„Rendezvous in Wien." D.'— Roxy:„Dämon Weib." A.— U Bejvodu:„Die selige Exzellenz." D— Beletrhy:„Dantes Inferno." A. ist unerklärlich, Ich schlief oben in der ersten Etage und hörte und sah natürlich nichts." Hopkins untersuchte den Geldschrank.„Eine 'gute Arbeit", sagt« er,«die Herren Einbrecher haben Nachschlüssel gehabt: die vollkommen paßten, das Schloß ist nicht im geringsten verletzt. Wer hat Sie eigentlich von dem Einbruch benachrichtigt? Aber Sie zittern ja, Mr. Jefferson I Trinken Sie«inen Whisky, und geben Sie mir' auch ein Glas. Also, wer hat Sie benachrichtigt?" Der Herr des Hauses goß seinen Whisky hastig herunter:„Es war Sam, der Gärtner. Soll ich ihn holen lassen?" Der Kommissar nickte. Sam erschien.„Erzählen Sie, was Sie erlebt haben", sagte der Kommissar. : i»Ich hatte heute Abend Ausgang und besuchte ein Kino am Broadway.' Dann ging Ich noch i». einen Drug Store, trank etwas und'fuhr nach Hause. Als ich durch den Garten ging und am Haus vorüber kam, bemerkte ich durch die Fenster, das im ArbeitSzimyier Licht war, und zwar nicht das gewöhnliche Deckenlicht, vielmehr schien' es mir der Schein von ein oder zwei Taschenlampen zu sein. Ich trat leise an das Fen- ster heran, um zu sehen, wer. im Zimmer war, aber ich konnte nichts.erkennen, denn die Fenster- Mitteilungen aus dem Publikmrr. 'Man wirds an Ihrem Wang erkennen, daß'Sie von Jugend an Bata-Schuhe trugen. Denn der zarte Kinderfull fühlt sich nirgends so wohl wie im Bata-Kinderschuh, und der' elastische Gang bleibt dann für immer! Bon Kind an in Bata-Schuhen, bedeutet gesunde Füße bis ins Aller! Weil e» die Kind« nicht sagen, glaubt dis Mutter, daß sie sich wohl fühlen. In Wahrheit drücken sie die Schuhe, aber spielen ist ihnen wichtiger. Nach Jahren wird» dann«in Plattfuß' und ein Hinkegang. Sorgt vor, Ihr Mütter! Von Kind an in Bata-Schuhen, bedeutet gesunde Füße biS inS Alter! Entwicklung der Rundfunk« Dänemark hat im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten angemeldeten Rundfuykteil» nchmer. Auf 1000 Einwohner kamen Ende des JahreS 1935 164.4 Besitzer von Radioapparaten. Auf Dänemark folgt England, Schweden, Hol» land, Deutschland, Schweiz usw. Insgesamt wurden zu dem gleichen Datum in Europa 24,879.825 angemeldete Rundfuickteilnehmer gezählt. Dies bedeutet gegenüber 1984 eine Zunahme von 12.45 Prozent, während im Jahr« zuvor eine Steigerung vön 18.95 Prozent festgestellt werden konnte. Die höchste ptozentuale Steigerung ist'in den Landern zu konstatierend die heute erst in die erste Phase der Radioentwicklung eingetreten sind. So z. B. in einer Reihe mittelländischer Seestaaten. (Ari) Die Zeitschrift der „Internationalen Nadio-Union, „Radiodiffusion", veröffentlichte eine ausführliche Statistik Liber die Anzahl der in Europa angemeldeten Besitzer von Äadioappa« raten. klnE ant Slclnetuna nur ioi)9 81. Dezember in einem älnwov- 1035 Labe% , nec England, , 7,408.100 9.18 160.77 Deutschland , 7,192.952 17.00 107.61 Frankreich , 2,625.677 49.58 62.61 Holland« , 946.844 4.18 118.88 Schweden , 884.148 18.77 188.88 Tschechoslowakei , 847.955 22.23 57.52 Belgien. , 746.895 28.6 02.24 Dänemark - 600.226 7.22 164.41 Oesterreich , 560.120 6.2• 82.86 Italien, , 580.000 28.25 12.2 Polen, , 401.828 81.48 14.65 Schweiz, , 418.409 17.27 102.01 Ungarn, , 852.907 8.76 40.28 Spanien» , 808.988 42.07 12.84 Norwegen , 191.878 21.06 66.68 Finnland- , 144.721 12.07 30.14 Rumänien , 127.041 25.74 6.66 Jugosiawien , 81.885 22.81 5.84 Lettland, , 82.175 27.27 42.18 Irland, , 78.627 81.1 25.94 Litauen, , 26.768 88.85 10:71 Estland, , 24.198 48.77 21.72 Luxemburg , 22.657 67.— 75.52 Griechenland s 6.817 26.84 .1.02 USSR, , 2,800.000 24.— 16.67. Bilder, die-man lesen mnl Friedrich Stampfer: Di« 14 Jahr« der ersten deutschen Republik 640 Seiten kart. KL 80.—, gebd. KL 105.—, AlcxanderStein:. Adolf Hitler, Schüler der»Weisen von Zion"-' 120 Seiten kart. KL 18.—. Gregor Btenstock: Europa und die Weltpolitik 84 Seiten kart. KL 15—. Zu beziehen durch die Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XII., Slezskä 13. scheiben waren zugefroren, was ja schließlich{ein■ Wunder ist. Ich brauchte eine lange Zeit,' mn. durch Anhauchen und Fortwischen die Fensterscheiben wieder durchsichtigt zu machen, aber da war es zu spät. Das Licht war erloschen, und als ich ins Zimmer eindrang, tvar der Geldschrank offen und leer." Der Kommissar goß sich eln neues Glas Whisky«in:'„ES war doch Glatteis auf allen Wegen,' als Sie den Vorfall bemerkten, nicht wahr?» »Jawohl,. Herr Kommissar. Manmußte ganz vorsichtig gehen, um nicht hinzUsalleiif. Schnee war nicht gefallen." Der Kommissar erhob sich mit einem Ruck: »Ihre.Erzählung-stimmt nicht, Sam. Ich muß Sie auffordern, mit mir sofort zum Präsidium-zu fahren."-• Wie kamder Kommissar g u dieu ser Schlußfolgerung?- Fenster■ frieren nur auf der Innenseite.' Der Gärtner Sam kann also« unmöglich die Wahrheit'gesagt haben, als er erzählte, daß er von der.Gartenseite aus di« gefrorenen Fensterscheiben' aufgetaut habe.' x< Bezugibedingunge n: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Bost monatlich'AL 16.—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 96.—, ganzjährig KL 192.—.— Inserate wetben lau» Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Leitungsfrankatur wurde von der Volt- und Tele- graphendircktwn mit Erlaß Nr. 18.800/VII/108Ü.bewilligt.— Druckerei:.KrbiS", Druck-, Verlags« und LLituugS-A.-G. Prag...' Die kalte Nacht Die folgende Affäre spielte sich im vergangenen Winter in New Mark ab, es war, wie man sich erinnern wird, ein ungewöhnlich kalter Winter, und wochenlang fror es, als ob man sich am Nordpol befände. ' Infolgedessen fluchte der Kommissar Hopkins erheblich, als ihn eines Nachts— er hatte gerade Nachtdienst und fühlte sich in seinem warmen Büro sehr wohl— der Chef rufen ließ und ihm mitteilte, er müsse sofort nach Central Park 17. Der Besitzer der Villa, Mr. Jefferson, habe eben telephoniert und mitgeteilt, oaß man seinen großen Geldschrank und alles Geld und sämtliche Schmucksachcn gestohlen habe. Hopkins zog schimpfend seinen Pelz an und setzte sich in seinen Dienstwagen, um nach Central Park 17 zu fahren. Die zweistöckige Villa ivar von einem großen alten Garton umgeben. Der Butler, der die Tür öffiiete, führte den Kommissar schwelgend in das sehr große Arbeitszimmer. Hier stand Jefferson im Schlafanzug, darüber einen Morgcnrock, vor dem riesigen Geldschrank, der offen stand und völlig geleert war.„Was sagen Sie dazu, Hopkins?" rief Jefferson:.„Alles ist'weg, das Ganze