Samstag, 29. August 1936 Nr. 201 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (elnichlie&llch 5 Haller Porto) IN MRISCHECHQSIOWAKISCMN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DU MONTAG TÄGLICH FRÜH.«DAKTION UNO WWMTUNO mag XIUKKHOVA a. hiefon 53077. HEKAUSOat». SIEGFilP TAU». VEHAHTWOKjUeHBI KEP AKTE Ulti DK. EMU STKAUS3, HAO. Nach drei Tagen verzweifelter Angriffe auf Irun War seht in Spanitch-Marokko vor? (A.'P.) Die Nachrichten über Revolten in Spanisch-Marokko, insbesondere unter den marokkanischen Truppen des Generals Franco in Ceuta, mehren sich. Die eingeborenen Soldaten verweigern den Gehorsam mit der Begründung, sie seien bei ihrer Einstellung über den Zweck ihrer Verwendung getäuscht worden. Weiter wird gemeldet, daß in CeujäMaMwäse marÄkam- sche Frauen einträfen'Uno die Rückkehr ihrer Männer forderten. In einem Falle mutzten zur Unterdrückung der Rebellion Maschinengewehr-! abteilungen der spanischen Fremdenlegion einge», setzt werden. Besonders böses Blut hat die Einführung einer Kopf st euer in Spanisch- Marokko durch General Franco gemacht. ES, ist bekannt, datz sich General Franco in ständigen Geldnöten befindet, und das trotz der Unterstützungen, di« er von den verschiedensten Seiten in geldlicher Hinsicht erhält. Die ausländischen Gelldmittel reichen ebenso wie die freiwilligen Unterstützungen aus den Kreisen der Anhänger nicht aus. Zunächst hat Franco, um die Marokkaner und ihre Empfindlichkeit zu schonen, das Geld durch Zwangsmaßnahmen bei den Juden von Leuta, Tetüan und Melilla einzutreiben gesucht. Teilweise wurden die Juden gezwungen, Anleihen zu zeichnen, teils erfolgte eine direkte Beschlagnahme, teils wurden Steuern'verhängt, den tzöflichkeitscharakter hxrvor,.welcher delke die Möglichkeit der' Arbest'und der Ernährung seiner Menschen sichert. gab bekannt, datz DdnnerStag die Schlacht andauerte. Die Aufständischen leisteten hartnäckigen Widerstand, muhten aber einige Kilometer zurückgehen, da sie von Flugzeugen mit Bomben belegt wurden. Sieben Aufständische wurden in dem befestigtem Turm getötet, wo autzerdem viele Tote gefunden wurden. Die Gefangenen sagten aus, datz dies Soldaten seien, die sich gegen den Krieg ausgesprochen hatten und hingerichtet wurden. Beschlüsse einer Labour-Tagung London. Unter dem Vorsitz des Führers der Arbeiterpartei Attlee fand eine gemeinsame Sitzung der Nnterhausfraktion der Labourparty, des Vollzugsausschusses dieser Partei und des GencralratcS der Gewerkschaften zur Erörterung der spanischen Lage statt. Die Besprechung war autzerordentlich lebhaft. Nach einer Aenderung des vom nationalen Arbeiterrat eingcbrachten EntschlietzungSentwurfeS wurde schließlich dem Grundsatz der Nichteinmischung im' spanischen Bürgerkrieg, aber der finanziellen Unterstützung der Regierung zugestimmt. di« so ungeheuerlich'sind, datz die Juden in Larrasch und Elksar zum Beispiel ihren Schmuck verkaufen mutzten, um die neuen Steuern überhaupt bezahlen zu können, So lange es möglich war, vermied es Franco, auch die Marokkaner fnit Steuern zu belegen, denn er war auf ihre .militärisch« Rithilf« angewiesen, obwohl die ma- rolkantschen Toidflwn in^-üospamen lelbst Mn Schrecken der aufständischen Generäle wurden. . Am kritischesten ist die Läge im westlichen Gebiet. Franco ging mit rücksichtsloser Strenge vor, wodurch natürlich emeut Oel ins Feuer gegossen wurde. Der Pascha von Alkazar wurde verhaftet und ihm die Hinrichtung angedroht, falls er nicht das Verbot der Anwerbung für die spanischen Aufständischen, das er bei seinen Leuten«rlietz, aufhebe. Fünf der einflutzreichsten C a i d S sind bereits erschossen, sieben andere wurden zu Zwangsarbeit in Steinbrüchen verurteilt, und zwar zusammen mit regierungstreuen Marokkanern. Die Versuche, eine marokkanische Miliz aufzustellen, auf die sich Franco verlassen konnte und die es ihm ermöglichen würde, alle regulären Truppen zur Verwendung in Spanien fteizubekommen, sind bis jetzt wenig erfolgreich gewesen. Mit dieser Organisation Ivurde ein einflutzreicher Marokkaner, namens Sidris R i f f i, beauftragt. Ihm wurde angekündigt, datz er, wenn er Erfolge habe, zum Grotzvesier ernannt werden würde, und man fügte die Drohung hinzu, datz er bei einem Misserfolg etschoffen werden würde. Sidritz' Risst fand diese Ausgabe offenbar zu gefährlich, denn er begab sich nach Tanger, wo er über diesen Auftrag zurzeit immer noch— nachdenkt. Darauf verhandelte man mit zwei anderen CaidS, aber mit dem gleichen negativen Erfolg«,. Unter den Marokkanern zeigen siib also drei Richtungen: 1, diejenigen, die tatsächlich'mit den Aufständischen zusammenarbeiten, bzw. sich von diesen über die Zwecke der Einstellung täuschen Hetzen, 3. die'regierungstreuen Marokkaner, 8. diejenigen, die gegen beide sind und ein« allgemein spanienfeindliche Losung auSgeben. Bon dsesen wiederum wendet sich ein Teil überhaupt gegen die Einreihung in die Armee Francos,«in Teil dagegen benutzt die Einziehung, um im aufständischen Sinne weiterzuarbeiten. . Wenn man- bedenkt, datz in Spanisch-Marokko Einflüffe. der Aufständischen, der Volksfrontregierung und. der arabischen Nationalisten, hzw,' der europäerfeindlichen Mohammedaner 'sich.kreuzen» so.kann' man ermessen, welcher Hexenkessel sich dort entwickelt hat, zumal da die Ereigniffe auch nach Französisch-Marokko und nach der Tanger-Zone herüberspielen. Tanger ist.ein wahre»'Netz der internationalen.Agenten, Abenteurer iund Spitzel geworden. Nimmt man noch hinzu, datz ciu-, nationalsozialistische und faschistischem Einflüsse am Werk find, ^datzm'.' autzerdem der Antisemitismus, genährt durch■ die Aufständischen und ihre ausländischen ^Hstuepmänner,.'tolle Blüten treibt, so'-kommt man zu einem ungefähren Bild dessen,-waS sich' ätz. dieser Zone NordasrikaS abspielt... Militäraufstand angcklagt waren. Sieben Angeklagte wurden zum Tode verurteilt, sechzehn zu lebenslänglichem Kerker und einer wurde freigcsprochen. Vormarsch auf Mallorca Barcelona. Der Kommandant der aus Mallorca operierenden- Regierungsabteilüngen Mola geschlagen Die Aufständischen seit Mittwoch um keinen Schritt vorwärts gekommen Die Meldungen aus Irun find kurz, aber inhaltsreich. Alle Angriffe, welche die Truppen MolaS feit Mittwoch auf 3run unternommen haben, find abgewehrt worden. Wo die Aufständischen etwas an Boden gewinnen konnten, wurden sie durch den Gegenangriff der Verteidiger zurückgeschlagen. Freitag abends waren sie wieder dort, von wo sie vor drei Tagen zum Angriff angefeht haben. H« n d a y d Freitag vormittags herrschte an de« Front verhältnismässige Ruhe. ES hat den Anschein, daß di« Aufständischen deprimiert sind und ihre Angriffe nicht mehr mit dem an fänglichen Elan vortragen. Die Absicht, an den Kamm deS San Martial-BergeS heranzukom men» auf welchem di« Batterie der Regierungs truppen postiert ist, konnten sie nicht verwirklichen und die Stellung» von welcher aus sie unter schwerstem Feuer stehen, ist fest in den Händen der Verteidiger. Freitag nachmittags versuchten die Auf ständischen den Fuß des BergeS Turiarte zu nehmen, wurden jedoch durch Maschinengewehr feuer'zurückgetrieben. Artillerie und' Flieger beider Parteien bombardierten gegenseitig die Stellungen. Der Zusammenbruch de» Angriffs auf Irun geht müh' au» den Meldungen de» Rebellen- «ettdtrll^S e'vsst-l'Vkk'-hkkWk;'''Set' Freitag nachmittags nur mitteilt, datz die Kampfltge unverändert sei. Im übrigen berichtet Sevilla nur-von.. Fliegerangriffen. der- Aufständischen, welch«, die Ueberlegenheit de» aufständischen Flugwesens bewiesen hätten. . Dazu-teilt das Madrider KriegSministerlum mit, daß ein Flugzeug der Aufständischen einige Bomben über dem Flugplatz Getafe abgeworfen habe, jedoch sofort von der Flugabwehr verfolgt wurde. Die RegierungSfkieger warfen über Oviedo 8 Tonnen Bomben ab. Die Regierung meldet, datz die Aufständischen, in Avila den Befehl erhalten hatten, auf Valladolid zurück zugehen. Eine HdvaS-Meldung bestätigt, datz der Luftangriff"auf den Flugplatz Getafe nur gerin gen Sachschaden angerichtet hat. Madrid.(Havas) Das Gericht fällte Frei tag da» Urteil in dem Prozesse gegen 2t Offi ziere des Radfahrerbataillons ans der Stadt Alcala de Henares, die der Teilnahme an dem Die Pariser Reise Schacht’s Was wollte er— was hat er erreicht? Pari». Die Unterredung de» Ministerpräsidenten Blum mit Dr. Schacht dauerte eine Stunde. Dr. Schacht verweigerte', der Presse jede Erklärung, Auf die Frag«, ob er fnit dem Ergeb nis der Unterredung zufrieden ist, antwortete er: Wir sollte ich nicht zufrieden fei, wenn ich mit einem Mann verhandle, wir r» LtonBlum ist.Auf diese Frage eine» Berichterstatters, ob er mit dem Ergebnis feiner Reife npch. Frankreich»«stieben ist, antwortet« er: Ich.bin vollkommen mit. dem Ergebnis meiner Rklse zufrieden. Paris.»Petit Paristen" schreibt: . E» ist offensichtlich, datz Dr. Schacht«S sich zur Aufgabe gemacht hat, vor allem über die all« geMfine Weltwirtschaftslage und über die.tech nischen Fragen betreffend die Stabilisierung der Währung, der Kredite und der Rohstoffe zu spre chen,- dass er aber nicht,unterlaffen hat, einige da mit zusammenhängende Nebenfragen, wie es die delikate heikle Frage der K o l o ni e n ist, wel che Deutschland reklamiert, zu berühren. Anderer- fest» zögerte er auch nicht, Hitlers a n t i- b ossche wistischeS GlaubenSbe- k e n n t n t» zum Ausdruck zu bringen. Die Unjerredungen sind kaum in/die Tiefe dieser Punkt« eingedrungen, jhre. Prstfung kann. aber eilte reichhaltige Quelle vorteilhafter, EÄvägun-' genffeim’>'.> . Im»L e Po p ul al re" hebt'Rosenfeld fc- c»W'-W Kirche und Obrigkeit Als man, so erzählen die Evangelien, zu Jesus Christus Häscher schickte, die den Auftrag hatten, ihn zu hochverräterischen Aeutzerungen gegen die römische Herrschaft zu verleiten, antwortete er ihnen:„Gebt dem Kaiser was des Kaisers und Gott, was Gottes istl" Dieser Ausspruch enthält ein wichtiges Grundgesetz der christlichen Kirche: Er bringt zum Ausdruck, daß sich das Christentum nicht in weltliche Angelegenheiten mischen, sondern die Obrigkeit respektieren wolle. Christus hat mit jener Bemerkung sogar die Tyrannei als z» Recht bestehend anerkannt, die die Römer in seinem Vaterland« aus« übten. Als das Christentum zur Kirche gclvorden Ivar, hat es den Ausspruch seines Begründers noch popularisiert, indem es das Gebot prägte: „Seid untertan der Obrigkeitl", seid gehorsam euren Vorgesetzten und euren Regierungen, die von Gott bestellt sind. Freilich— die christliche Kirche hat als westliche Macht, die Auslagen der christlichen Lehren in souveräner Freizügigkeit geübt. Selber nach der weltlichen Alleinherrschaft strebend, hat der Papst sogar deutsche Kaiser mit dem Bannfluch belegt, Könige und Fürsten bestellt und abgesetzt, je nachdem es die Interessen der Kirche erheischten. Aber der Satz: „Seid untertan der Obrigkeitl" wurde trotz- alledem ununterbrochen von den Kanzeln gepredigt: Er hatte imnier volle Geltung für die Untertanen jener Obrigkeiten, die auch der Kirche genehm waren. DaS waren in früherer Zeit die Fürsten, die mit der Kirche gingen, das sind in der Gegenwart all« jene Regierungen^,. die der ^irche-achd'den-SMpitalifte>rgra«kübe«-,nach-dem-- Grundsatz verfahren:„Lebest und leben kaffen", -einem Grundsatz, dem sie nur dann volle Geltung verschaffen können, wenn sie das Volk unterdrücken und auSbeuten. So hat die Kirche, nach kurzen Scheingefechten, ihren Frieden mit der faschistischen Re- gierung Italiens geschlossen: Sie opferte auf dem goldenen Altar des Geschäftes, das sie mit Mussolini zum Nachteil des italienischen Volkes abschlotz, bedenkenlos und skrupellos das Blut der Priester und der Gläubigen die um ihrer katholischen Gesinnung willen von den Faschisten erschlagen lvordcn waren. Der Papst hält seine schützende Hand über die Diktaturen in Portugal und O e st e r r e i ch, ja, die Kirche hat sogar einen unmittelbaren und erheblichen Anteil an der Aufhebung der demokratischen Freiheitsrechte in diesen Ländern. In ll»- g.arn und in Polen ist die katholische Kirche mit den Regierenden verbündet, in D e u t s ch- land hat sie sich mit Hitler abgefunden, in den diktatorisch regierten südamerikanischen Ländern steht sie an der Seite des jeweiligen Diktators, sofern hinter diesem Kapitalisten verschanzt sind. Fragt man gläubige Katholiken, warum denn die Kirche in Deutschland so lammfromm ist und sich auf einen Scheinwiderstmrd gegen das Vorgehen Hitlers beschränkt, so sagen sie wohl mit einem frommen Augenaufschlag:„Gott hat uns diese Prüfung auferlegt, der Name des Herrn sei gelobt! Und unsere Gebote verlangen Gehorsam gegenüber der Obrigkeitl". In M e x i'k o z. B. ist das ganz anders: seit dort das Volk regiert, seit dort Schulen- errichtet werden und die Unwissenheit der breiten Massen, die die Voraussetzung zu ihrer Versklavung durch die Kapitalisten war, bekämpft wird, sind die Priester unter die Rebellen gegangen. Widerstand gegen die Obrigkeit, Hetze gegen sie— da» ist ihre Parole! Die Sowjetunion vollends wird als die Heimstätte des Teufels betrachtet. Kein Mittel ist der Kirche-im Kampfe gegen die„Gottlosigkeit" zu schlecht, obwohl doch, wenn die Thesen der katholischen Kirch; ernst genommen werden sollest sogar-die' bolschewistische Obrigkeit als von Gott; eingesetzt zu betrachten ist.' Das klassischeste Beispiel dafür, datz die. Kirche mit ihren eigenen Geboten-nach Belieben verfährt und sie lediglich den Gesichtspunkten des.kapitalistischen.Herrschaftsprinzips unterord- net, ist. in' diesen. Tagen S p a n i e n. Diese» Land, dds die Geburtstätte des JesuitiSmuS und der katholischen Inquisition ist, wurd«- jahrhundertelang von der-Kirche beherrscht. Durch alle -Phasen.der, spanischen Monarchie hindurch galt für die spanischen BostSmaffen das kirchliche Gebot:,'„Seid untertan der Obrigkeit!" Denn die. Obrigkeit war der Kirche untertan nutz del» Seite 2 TamStag, 20. August 1030 «r. 2Qf Kapitalisten. Nach dem Sturze der Monarchie fchivenlte die Kirche in die Reihen der Rebellen gegen die republikanische Obrigkeit ein.und als im Labre 1084 die Rechte gesiegt hatte, feg- n e t e n die katholischen Priester die Waffen der Regierung, mit dören Hilfe der Okioberaufftand der spanischen Arbeiter blutig und grausam nie« dergeworfen wurde. Gil Nobles und seine Garden konnten sich als die direkten Beauftragten Roms und seiner organisatorischen Institutionen betrachten. Die katholischen Blätter der ganzen Welt spieen Hast und Verachtung gegen die Arbeiter-Rehellen, die sich gegen die Regierung erhoben hätten. Die letzten, spanischen Wahlen fegten die RechtSregierung hinweg. Dazu trugeu nicht.zuletzt die unsagbaren Greuel bei, die in Katalonien und Asturien unter dem Schutze der Pfaffen von den katholischen Generalen begangen worden waren. Die neue Linksregierung genoß und geniestt das Vertrauen der B o l k S m e h r» beit, auch s i e müsste von der katholischen Kirche als die von Gott eingesetzte Obrigkeit betrachtet werden, der man Gehorsam schuldet. Sieh dal Plötzlich gelten die kirchlichen These» 7 tfommij(Barbox maifit(Revolution Ramon von Sriit» flondv Und so wollte der Präsident Rodriguez auch an seinem Werk— jenseits von Moral und Unmoral— nichts von fremden Händen getan sehen; um so weniger, als er nicht sicher wustte, ob es die immerhin verschönernden Hände Michelangelos waren. . Er gab dem Konsul nicht sofort eine Antwort. Was hätte er sagen sollen? Er mochte nicht so töricht erscheinen, als hätte er den Sinn des Angebotes mißverstanden. Moralische Entrüstung war auch nicht angebracht, da es-stch nun einmal um eine politische Frage handelte/ und sein Gegner genug Machtmittel besaß/ upt.auch als der moralisch Stärkere zu gelten..-.’ So zog er vor, eine ungewisse Geste zu machen. „Es kann sein: aber Sie unterschätzen das Ruhebedürfnis der Romanuelen. Selbst die Besitzer des Terrains werden dagegen kaum aufkommen." Der Konsul hakte schnell ein.• .„Wenn sich, zwei Parteien bilden, würde es wohl Unruhen geben. Fürchten Sie das nicht?" Das. war ein Gebiet, auf das Rodriguez nicht folgen wollte. ■„So weit kömmt es nicht",, sagte er, und diesmal verzichtete er auf daS Lächeln,„und der Unruhestifter hätte auch keine. Aufsicht, auf irgendeinen dauernden Erfolg.": Der Konsul hob sich von seinem Stuhl: groß, mächtig, breitbeinig stand er da und stützte seine starken Hände mit gespreizten'Fingern auf den Schreibtisch. „Run, ich wünschen daß Ihr Optimismus nicht mehr! Plötzlich ist gegen die rechtmäßige Obrigkeit jede Niedrigkeit und jede Bluttat erlaubt, ja Gebot I Plötzlich. ist die" katholische Presse der ganzen Welt voll von dem Ruf:.„Tod der spanischeN'Regierüng, es lebe die Rebellion!" Der gelinde Lärm des Scheinkampfes der katho«. lischen Kirche gegen das Dritte Reich ist ver- stnmmt, Arm in Arm mit Hitler marschieren sämtliche Bischöfe des Katholizismus, in den geistigen uni» materiellen Krieg gegen die recht« inäßige Regierung Spaniens. Der faschistische Rundsunk führt bewegliche Klagen über die Verfolgung der Kirche in Spanien, die katholischen Blätter liefern den Faschisten jegliches ge- wünschte Material gegen die„Roten"! Was gilt selbst daS schöne Gebot: /Liebe deinen Nächsten wie dich selbst"! Keine Bluitat der rebellierenden Militärs ist zu blutig und gemein, als daß sie nicht die Billigung der.Kirche fändet Es gibt Katholiken, die von der christlichen Religion mehr halten als von der K i r ch e, die sie verfälscht und für die eigenen weltlichen Zwecke zurechtbiegt. Sie gelten bei. ihren Bischöfen nicht mehr als Jesus unter den Pharisäern und Schrifjgelehrten galt.) recht behält. Ich wiederhole nochmals, in- Ihre inner» Angelegenheiten mischen wir uns grundsätzlich nicht. Selbstverständlich muß ich mir aber Vorbehalten, im Falle eines Ausstandes unsere Interessen mit allen Mitteln zu wahren, die mir nötig scheinen." „Selbstverständlich", wiederholte auch der der Präsident und begleitete seinen Besucher bis zur Türe. V. „Selbstverständlich", wiederholte er noch einmal, als er vor seinen'Schreibtisch trat und die schöne, breite, stille Straße hinunterblickte. Der Sekretär trat ein, „Ja, mein lieber Jgnaeio, es geht um den Kanal." „Und Sie haben nein gesagt?" Der.Präsident lächelte. „Sie sind noch sehr jung, mein Lieber! Glauben Sie wirklich, daß der Präsident von Ro- manuela dem Konsul Ritchie ein klares Nein sagen kann? So weit kam eS'übrigenS gar nicht,'' i,Der Kanal wird also gebaut?" „Wenn eS von mir abhgngt. nichti Die Frage ist nur, wie lange es von mir abhängen wird." ,.Sie denken doch nicht daran...? Sie wollen doch nicht zurücktreten...?* «Nein... das möchte ich wirklich nicht... vorläufig...".der Präsident ging einigemal im Zimmer auf und ab, dann'blieb er vor'Jgnaeio stehn.„Sehen Sie, ich bin in gewissen Dinge» ein Idealist'... und. dann bin ich maßlos eitel... 'ja, ja, sagen Sie keine Banalität.... ich bin maßlos eitel... es ist für. mich der größte Triumph, daß. ich aus Romanuela gemacht HÄe, was e» ist-... daß ich allein es gemacht, habe.-,. keine' Operettenrepuhltk, keine verkappte Kolonie einer Großmacht.... eine sachliche, anständige Gemein- schäft, der.ihre bescheidene Freiheit selbstverstäntft lich ist. ,-.,das dürste mir btsher,gelungen sein aber ich bin mir sehr wohl bewußt, daß ich damit der menschlichen Natur einen Ztvavg antue«>, Riß mitten durch die, Familien Hanoi Sohn al* Republikaner gefallen Barcelona.(HavaS.) An der aragoNischen Front herrscht auch weiterhin Ruhe. Die Vorhuten der Regierungstruppen befestigen ihre Positionen. Die Regleri^.gStruppen sind entschlossen, daS eroberte Terrain.festzuhalten und auch nicht einen Meter davon sich entreißen zu lassen. Die Nachricht, daß bet der Besetzung von Sietamo einer der Söhne de» Generals Llano, der in den Reihen der Republikaner kämpfte, getötet wurde, findet ihre Bestätigung. Sein-Leichnam fiel in die Hände der Aufständischen,-die ihn in HueSea beerdigten. Verluste und Demoralisierung der Rebellen Bayo nn e. Donnerstag abends versuchten steten Legionäre der Armee des Generals Mola zu desertire» und durchschwammen den-Fluß Bidastoa. Sie wurden von den Aufständischen gesehen, welche sechs der Deserteure töteten. Der stebente erreichte die Regiorungsmiliien und meldete, daß Donnerstag ISO seiner Kameraden getötet wurde» und daß di«.Zahl der Toten-auf der Sette der-Aufständischen 800 übersteigt. Der Kleinkrieg In Abessinien Rom. Di« Agenzia Siefani veröffentlicht ein Kommunique, welches besagt, daß eine Gruppe von 2Ü0 abessinische»„Räubern" Donnerstag nachmittags den Bersuch unternahm, stch Addis Abeba zu nähorn. Erythräische und italienische Truppen überfielen ste sofort und rieben ste auf. Auf italienisch« Seite wurden 1b ASkari getötet und 30 verwundet. Die Abestini« verloren 200 Tote. Die„mSnnllcken und fruchtbaren Völker" Rom.(DNB,) Mussolini sagte Donnerstag nachmittags in Pitenza in einer Kundgebung u. a.:„Die Völker mit den leeren Wiegen können ein Imperium nicht erobernd Sollten sie aber ein Imperium besitzen, so wird der Tag kommen, an dem es für sie vielleicht äußerst schwer sein wird, e» zu erhalten oder zu verteidigen.-Anrecht auf das Imperium haben die fruchtbaren Völker, jene Völker, die den Stolz und den Willen haben, ihre Raste über den Erdkreis ausznbreiten; die männlichen Böller im strengsten buchstäblichen Sinne de» ÄhorteS,"... " Regierungsumbildung In Bukarest? Bukarest. Die. offiziöse Regierung-Presse weist alle Gerüchte über Schwierigkeiten der Regierung infolge der- letzten Ereignisse d. h..infolge des verstärkten Auftretens' der äußersten Rechten, insbesondere infolge der dem ehemaligen'Finanzminister Madgearu übermittelten Drohung, als Phantasieausgeburten energisch zurück. Eine ändere Frage'.ist die Möglichkeit einer Kabinettsumbildung, welche von verschiedenen Setten für den Monat September vorausgesägt wird. Welchen Umfang sie überhaupt haben wird, läßt sich jetzt nicht. Voraussagen. es ist nichts Dauerndes, was ich schaffen konnte.. die Verschlingungen'sind heute viel zu dicht, als daß ein noch so kleines Staatsgebilde durch die Maschen könnte... ich weiß sehr wohl, daß dieser Kanal'für Romanuela wirtschaftlich da» werden kann, was man als eine Quelle von Aufschwung und Wohlstand bezeichnet... der Konsul hat mir nichts Neues damit gesagt... allerdings hat er mich mit der Aussicht auf meinen persönlichen Wohlstand zu fangen gesucht'.. Jgnaeio war noch so jung, daß"er empört fragte: .„Das hat er gewagt?" Rodriguez sah ihn lächelnd-an und setzte sich dann an seinen Schreibtisch. „Ja... das ist kein Wagnis... hätte ich moralisch entrüstet sein sollest? Sie hören ja, daß ich selbst von der Bedeutung des Kanals überzeugt bin..'.'er wird wohl auch eistes Tages gebaut werden,'/ -„Aber, wenn Sie das wisse».. warum..?" '„Aus Eitelkeit. aus reiner Selbstgefälligkeit! Solange ich lebe,'wünschte ich, daß Roma- nuela bliebe, was ich daraus gemacht habe. im Ernst der Wohlstand, den Großmächte bringen, wird eine» Tages teuer bezahlt.., wenn ein nächster Krieg im Stillen Ozean spielt, dann sind die Kanalfestungen-ein Kampfobjekt von. aller- größter Wichtigkeit /"./sie werden'angegriffen ünd verteidigt werden.'//. Flieger, Gasgranaten und so weiter dürfte» nicht immer genau wissen, was unserm- gryßsn Beschützer und wa» un» gehört... wir'selbst werden ja schon vorher in dergleichen Läge sein.. t ich glaübe, daß diese Möglichkeit allein genügt, uns. abzuhalten..." „Aber wenn&t ernsthaft dagegen sind..?" „Sie meinen,. daß.eine Großmacht, stch darum kümmern Wird? Gewiß.sie wivd stscht einfach in Romanuela' einmarschieren und dWLand besetzen... obwohl auch da» möglich wäre. es fass Beispiele*geben. aber dar hat sie äüch gar nicht nötig.>. man hat feinere Methoden /... es kann eine. Revolution ausbrechen. /.."-. Erfolge Im Kampf gegen einen ArbcMeridml In dem eben erschienenen Tätigkeitsberichte der Gewerbeinspektoren für dar Jahr 1984 wird festgestellt, daß sie ein weitere» Sinken de» Genusses alkoholischer Getränke durch die?lrbe!terschaft wahrnehmen konnten. viele Betriebsverwaltungen habe» diese vom Genüsse alloholischer Getränke durch die Gewährung billiger alkoholfreier Getränke abgehalten, von den Betrieben, in denen diese Bestrebungen konsequent angeivendet wurden, muß ein großer Metallindustriebetrieb erwähnt werden, dessen Verwaltung dieSmalS auch durch Borträge und entsprechende Schriften die Arbeiterschaft von der Schädlichkeit des Alkohols für die menschliche Gesundheit überzeugt hat. Eine Fahrradfabrik hat für die Angestellten Sodawasser in Flaschen zum Preise von 60 Heller verschafft; eine Brünner Wafsenfabrik wiederum hat Sodawasser an die Arbeiterschaft ftir einen niedrigeren Preis als die Gestehungskosten verkauft und muhte bei dessen Erzeugung sieben Arbeiter beschäftigen, um der bedeutenden Nachfrage zu entsprechen. Einige Textilbetriebe bekämpften den Genuß alkoholischer Getränke in der Weise, daß sie den verkauf von Milch durch Errichtung eigener Verkaufsstellen unterstützten, in denen sie der Arbeiterschaft die Milch zu einem niedrigeren Preise als dem getvöhnlichen Verkaufspreis überließen oder sie gestatteten den Molkereien die Errichtung von Berkaufsständen in ihren Betrieben. . Das, beobachtete Sinken des Biertrinkens ist nicht nur durch'ftiedrigere Löhne begristldet','-'sondern auch durch die Sparsamkeit der älteren, insbesondere verheirateten Arbeiter, die in So:ge vor einem Verluste ihrer Beschäftigung jede über- slüssige-Ausgabe vermeiden. In zwei Zucker- sabriken hat die Arbeiterschaft in der verflossenen Kampagne fast um die Hälfte Bier weniger getrunken als in der vorhergegangenen,' In einer andern Zuckerfabrik, in welcher zur Zeit der Kampagne 800 Personen beschäftigt waren, hat der Gastwirt täglich nicht einmal 60 Halbliter Bier verkauft, wiewohl«r in den vorhergegangenen I Jahren bis das Zweifache geschänkt hatte. Auch in einer großen Klavierfabrik ist der Konsum von Bier mindestens um 60 Prozent gesunken und in einer chemischen Fabrik ungefähr um ein Drittel. Eine große Baumwollspinnerei erließ ein strenges- verbot gegen das Zütragen von Bier in den Betrieb und in einigen größeren Strickereien wurde das Biertrinken bedeutend eingeschränkt. Einige Berichte begründen das Sinken des Genusses alkoholischer Getränke in den Industriebetrieben auch damit, daß bei einer Verringerung der Arbeiterschaft vor allen: notorische Alkoholiker- entlassen Ivurden und daß sie dann keine Arbeit mehr fanden. In einigen Zuckerfabriken sorgten die Be- tribsausschüsse der Arbeiterschaft selbst dafür, daß bekannte Trinker nicht beschäftigt wurden. Einen weniger erfolgreichen Kampf gegen das Biertrin» len in den Ziegeleien und Steinbrüchen hat das Gewerbeinspektorat in Karlsbad geführt, da dort die Arbeiterschaft angeblich ost zum Mittagessen nur ein Glas Bier und ein Stück Brot hat. Bei der Revision der Betriebe achteten die Gewerbeinspektoren auch auf die Einhaltung der Konzessionsbedingungen in' den Betriebskantinen und ihren Berichten zufolge wurde das verbot des Verkaufes von gedrannten alkoholischen Getränken immer streng eingehalten. Gegenminen Wirt, der ohne Bewilligung der Bezirksbehörde bei einem Bau eine Kantine errichtet hatte und weiters gegen die Verwaltung eines Betriebes, die die Führung der Betriebskantine einem Werkführer anvertraut hat, wur-e durch Erstattung der Anzeige ejngeschrfttep..Ein Gewerbeinspek- iorrät hat mit-Erfolg gegen das Ansuchen eines Besitzers einer größere» Ziegelei um Aenderung einer-'Käntinenkonzession-Ms- eMl GasthaÜSkdn» zession protestiert, da eS mit Recht' befürchtetes daß bei einer Gasthauskonzession der Konsum.von Spirituosen nicht so eingeschränkt werden kann wie in einer Betriebskantine. Auch in der Slo- w a k e i bessern sich die Verhältnisse.' Die Arbeiterschaft trinkt in manchen Industrieunternehmen alkoholische Getränke nnr noch vereinzelt und da noch im geheimen. Allerdings wird eS noch- einer weiteren erzieherischen Tätigkeit unter der Bevölkerung bedürfen, bevor die stellenweise so eingewurzelte Vorliebe für den Alkoholgenuß beseitigt werden wird. Ein Gewerbeinspektorat in der Slowakei erwähnt die geheitne Beschaffung von Alkohol durch eine primitive Erzeugung aus für die Biehfütterung bestimmter Melasse, Konfinierung Trotzkis? Oslo.(Reuter.) Das norwegische.,Justizministerium. beschloß, Trotzki und-dessen' Gattin zu internieren. Wie eS heißt, sollen ssie in-ihrem bisherigen Wohnorte in der Nähe von Noen'esoß konfiniert werden,, solange»icht esn. anderer Ost gefunden werde» wird. Zwei Sekretäre-Trotzkis werden augenblicklich des Landes verwiesen web« den.'Der Grund zu dieser Maßnahme ist, daß Trotzfli eS abgelehnt hat, sich den ihm hon'der norwegischen- Regierung auferegten Bedingungen zu unterwerfen.' Rydz-Smlgly unterwegs Warschau. Der Generalinspektor der polnischen Armee Rydz-Smiglp ist. Freitag in Begleitung des- Generalstabschefs. Stachiewiez sowie des Chefs der Kanzlei deS Generaltrup- peninfpektoratS, Obersten Strzelecki und des Adjutanten Vacqiwnereile mit hem Wien« Ex» Preßzug, d. i. via Tschechoslowakei, Oesterreich und die Schweiz nach Paris abgereist. Die polnische Presse kommentier/' die Reise sehr ausführlich. Das Organ der Militstrkreise „Polskä Zbrojna" betont die Bedeutuüng- der persönlichen Fühlungnahme der' Chefs' beiher verbündeten Armeen. Man könne jedpch-nicht umhin, daran zu erinnern, daß die Lage Polens häufig mit elementarer Notwendigkeit erfordere, daß es eine selbständige Politik betreibe, die nicht seine Verantwortung gegenüber der Geschichte auheracht läßt. Das Regierungsblatt„Expreß Porannt" betont die Bedeutung des polnischfranzösischen Defensivvertrages aus dem Jahre 1921. Wieder ein Grenizwlschenfall Im Osten Moskau.(Taß.) Aus Chabarowsk wird gemeldet, haß eine Gruppe sowjetrussisckier Grcnz- postsMvächter am 26. August an der sowjetrus- stsch-mandschurischen Grenze im Ravon von Poltawa von japanisch-mandschurischen Soldaten aus Handmaschinengewehren beschossen wurde. Durch das Feuer, das 20 Minuten andauerte,-wurden drei Pferde verwundet und eines getötet.... in Karie i Wien. Auf einer Presse-Konferenz bezeichnete Bundeskanzler Dr. Schuschnigg sämtliche von-na- tionalsozalistischen Kreisen verbreiteten Gerüchte über- eine bevorstehende neue Rekonstruktion- der Regierung als gegenstandslos, resp.-als.verfrüht. >"'i"Lpnp0»!! In-' bet'FitUhillltGtÜbt MuSvdwale's find wegen Lohnstreitigkeiten 1700 Bergärbeiter sti: den Streik getreten.'-..'-rri'' Ajaccio. Bei einer unter freiem.Himmel stattgefundenen politischen Versammlung kam cs piötz- lich ohne offensichtlichen Grund z» einer Schießerei. Fünf Personen wurden verletzt, davoü drei schwer. Madrid.(HavaS.) Der neue sowjetrussische Bps- schafter Marcel Rozenberg ist in Madrid eiiigetrosfjui. Verlanget überall Volkszünder „Solange Sie herrschen nichti'Das Bvlk .„DaS Volk!" Der Präsident winkte ab. „Die Plantagenarbeiter fürchte ich nicht, eS geht ihnen gut, die Arbeitslöhne sind anständig. Aber in den letzten Jahren hat sich städttscheS Bürgertum gebildet... ich hin- selbst-nicht- unschuldig daran... die beiläufige Gleichmäßigkeit, der Lebensführung hat sich nicht aufrecht erhqlten lassen... e» gibt Familien in Salvadolio, die auf dem-Weg zum GroßkapitaliSmus sind.dafür ist hier kein Raum,.., aber hie wittern sehr wohl, daß eine Bevormundung durch Mr. Ritchies Auftraggeber ihnen mehr von dem gibt,, was sie Ent- wicklungSmöglichkeften nennen, als die Freiheft, die ich ihnen gebe, und die sie als Zwang empsin>! den, weil es nicht die Freiheit ist, den.Eingeborenen zu Plündern.";;------• ,-r., --„Eine Revolution des Bürgertums?": „Nun, keine Revolution des Bürgertums'.', woher die Revolution kommen wird/ ist mtr überhaupt nichtgcmzklar. vielleicht weiß d'erKöü- sul Ritchie mehr darüber. i. er'hat e» sehr verständlich angedeutet. und ist eS einfrial so weit-, dann finden sich schon die Nutznießer. Der-güte Bonamaria zum Beispiel würde sich-Nicht längs wehren, meinen Platz einzunehmen."'■'• „Gerade den Advokaten Bonamaria hähe'M immer für besonder» zuverlässig'gehalten.", Der Präsident antwortete nicht und sah. zum Fenster hinaus. Dann stand er schnell auf. „Wir.'wollten bis.morgen de» Voranschlag süx. das Silb'erbergwerk in Santa.Eufemia-fertig bringen, Sie Prüfen wohl die Frachtkosten-»och einmal."..| - VI...■ 7^ Tommy Barbox stand am Hafen..Er langweilte sich' unendlich in Sältzadolid.. Was. fiel Montfort bloß ein,, ihn solange hier faulen zu' lassen? Fortsetzung folgt), Nr. 201 GamStag, 29. tluguft 1930 Sri«« 3 fuaetendeutsdiCT£citspte&ei Auch die zweite Falkenauer SdP-Tagung verboten Nachdem der KrcISparieitag der SdP in Falkenau verboten worden war, suchte di« SdP um die Bewilligung zur Abhaltung eines„Egerländer Arbeitertages" an. Nunmehr wird diese versuchte Umgehung deS ersten Verbotes durch »inen Bescheid der BczirkSbehörde in Falkenau zunichte gemacht, welche auch den„Egerländer Arbeitertag" untersagt hat. Oie Zensurpraxis * bei den Provlnzsendem Die Vorträge, die Uber unsere Provinzsen- der gehalten werden,' werden bei der Prager Zentrale des Radiojournals zensuriert. Diese Praxis hatt dieser Tage zur Folge, daß ein schon wochenlang vorher eingereichter Vortrag in der deutschen Arbeitersendung des Mährisch-Ostrauer Senders entfallen mutzte. Die»Prager Zensur hatte ihre Arbeit nochnicht geleistet. Der'Bortragende mutzte unverrichteter Dinge äuS dem Senderaum geheü, die'Ansage teilte dann mit, datz der Vortrag„aus technischen Gründen"entfallen müsse.— Wir finden eS überhaupt seltsam, daß die Provinzscn- der nicht ihre eigene Zensur haben. Die bisherige Praxis verlangt, datz die BortragStexte schon wochenlang vor dem Stattfinden der Sendung eingereicht werden und also an Aktualität ein- bützen. Das erhöht nicht die Freude an den Sendungen des Radiojournals und es ist selbstver- ständlich, datz sich die so erzwungene Unaktualität »der Sendungen gerade. im Bereiche der deutschen Sendung unheilvoll auswirkt. Die Forderung nach der Errichtung von Zensurstellen bei den P r o« v i nz send e r n ist also mehr als berechtigt und sicherlich ohne besondere Schwierigkeiten zu er» stillen. Arbeitslose Intellektuelle sind zur Hopfen p s t L ck e im Saazer Gebiet «Ingetroffen, einzeln und auch mit den Gruppen „wilder", nicht schon angeworbener Arbeitspartien.,Nun hat es das schon immer gegeben, datz nicht nur unter den Hopfcnpflückern, sondern auch unter anderen Gelegenheitsarbeitern Intellektuelle» austauchten. Und man fand»Intellektuelle ebenso wie im Bergbau auch unter den Land» straßenwanderern, den Tipplern. Aber das waren, einzelne und waren Gestrandete, durch irgendein» besonderes Ereignis oder durch ihre Charaktermängel aus der Bahn Geschleuderte. Jetzt, und nicht erst seit heute, sondern seit dem Einbruch der Kris«, ist die Zahl der Intellektuellen, die manuelle Arbeit suchen und sich jeder Gelegenheitsarbeit freuen, ganz beträchtlich. Da sinh abgebaute Beamte, die bei keiner Bank und in keinem Bureau mehr unterkommen können, und junge Doktoren, die nach der Vollendung der Studien vor dem Nichts stehen. DaS wäre nichts Schlimmes, datz auch Intellektuelle die körperliche Arbeit kennen lernen und die wenigsten werden es als schlimm empfinden. Das aber ist das Qualvolle, das Schreckiche^datz sie»nicht nur nicht»hosten können, 'nach einiger Zeit doch jenen Beruf ausüben zu können, für den sie sich so lange vorbereitet haben, sondern datz es ihnen auch unmöglich erscheint für die Dauer als Handarln^*t unterzukommeS—sie teilen das Los der Hunderttausend, die durch dizweifache Krise der kapitalistischen Wirtschaft aus dem Produktionsprozetz geschleudert wurden.. Und erscheint so manchem Arbeiter, der sich als über- stüssig empfindet, sein Leben sinnlos, so dem In«, tellektuellen, der sich so viele Jahre lang und so mühsam'„für daS Leben" vorbereitete, ganz besonders. Und da sich leider die meisten Intellektuellen mit gar vielerlei, aber nicht mit National» ölonomie befasste», auch dann nicht, wenn sie Nationalökonomie studierten, so erleben sie zlvar ihr Schicksal mit ungeheurem Groll, aber sie stehen auch dem Geschehen, dessen Opfer sie wurden, ohne Verstehen gegenüber und allzu oft neigen sie dann dazu, da ja ihr Studieren Ihnen so wenig Gewinn brachte, den Wert des Wissens, des Studierens, des Forschens überhaupt gering zu schätzen, nichts mehr vom Geist, alles von der Macht■ und von irgendeinem gottbegnadeten „Führer" zu erhoffen. In Deutschland hat diese Tragödie der Intellektuellen Jugend mit zuni Sieg des Faschismus beigetrggen. Heute ist gerade diese Jugend schon arg enttäuscht, aber diese Enttäuschung, die Erkenntnis, datz der Faschismus die Jugend betrogen hat, ändert nichts mehr an dem Geschehenen.— Auch bei uns ist es vor allem die deutsche intellektuelle Jugend, die von dem Schick«, sal der Arbeitslosigkeit ereilt wird. Schon sind es viele, die kaum noch auf Arbeit in dem erlernten Beruf zu hoffen wagen. ES ist gewitz keine Schande für sie, als Hopfenpflücker zu arbeiten. Aber es macht ihnen die Trostlosigkeit ihres jungen Lebens erst recht deutlich.— Als vor dem Kriege Egon Erwin Kisch e»^mal als Hopfenpflücker arbeitete, um«Ine Reportage schreiben zu können, war das ein besonderes se: k'iionelles Ereignis eines Intellektuellen. Jetzt ist das ein zwar nicht alltägicheS, weil die Hopfenpflücke nur eine bestimmte Zeit währt, aber doch ein alljährliches Ereignis gewo.sten. Nur Unwissenheit? DaS Hauptorgan Henleins»berichtet über einen Empfang des tschecho- slowakischen Komitees für den Weltjugendkon- gretz in Genf beim Präsidenten der Republik und knüpft daran die Bemerkung, datz der Baumeister G ü n z e l, der sich an diesem Empfang beteiligte, der e r st e deutsche Jugendführer war, der beim Präsidenten vorsprach. Selbswerständ« sich ist diese Behauptung» unrichtig, denn schon vor Monaten waren die Führer der. deutschen sozialistischen Jugend beim Präsidenten der Republik.» Sie trugen allerdings d i e Wünsche vor, wegen deren Erörterung der Empfang stattfand, während Herr Günzel über den Welt- jugendkongretz nichts zu sagen wusste, sondern Beschwerden des Deutschen TürnverbandeS vortrug. „Eine der hervorragendsten Persönlichkeiten der Weltpolitik" ist, nach der„D e u t s ch e n Press e", der„Wiederaufbau«! deS portugiesischen Staatswesens", Antonio de Oliveira Sa» lazar. Dieser Mann hat nämlich in Portugal eine Diktatur aufgerichtet, deren Grundlagen die gleichen sind wie»jene der von Dollfuss in Oesterreich geschaffenen. Nun hält zwar die „Deutsche Presse" auch den D o l I f u tz für einen großen Staatsmann, aber es ist auffallend, datz weder das portugiesische noch daS österreichische Volk die Meinung deS katholischen Blattes teilen— ganz abgesehen davon, datz die ganze Welt den Salazar nur für einen kleinen Tyrannen hält, der angesichts der Entwicklung in Spanien um seinen Diktatorposten zittert. Elbogener Brücke dem Verkehr übergeben. Die neue Egerbrücke in Elbogen, die schon vor Wochen fertiggestellt worden war, konnte bisher nicht benützt werden, weil die Strasse durch Cl- bogen gepflastert werden mutzte. Nun ist auch diese Arbeit fertiggestellt und der Verkehr flutet über die Brücke. Die Erschwernisse, die durch die jahrelange Umleitung des Verkehrs entstanden waren, sind endlich beseitigt. Wenn sie gegen die Linke gehen, dann sind Meldungen zweifelhaftesten Charakters in der Redaktion der„Deutschen Landpost" sehr beliebt. Dieses Blatt meldet wieder einmal, dass der spanische Staatspräsident Azana ans Madrid geflüchtet sei, obwohl sich die Univahrheit dieser Meldung schon einige Male her ausgestellt hat.Sie stammt vom Lügensender der Generale in Sevilla. Die andere Meldung der Landpost, die 126.000 Versicherte mehr als Im Vorjahr Nach dem Ausweis der Zentralsozialversicherungsanstalt waren bei den 298 Krankenversicherungsanstalten, welche ihrer Aussicht unterstehen,, im Juli dieses Jahres versichert a) nach dem Gesetz 221/1924(Arbeiter), Männer.... 1,370.972 Frauen.... 831.846 2,207.818 gegenüber dem Juni 30 um 30.426 mehr, gegenüber dem Juli■ 35 um 125.767 mehr;» b) nach dem Gesetz 117/26(PensionSver- sichernng)- Männer«,,. 121.318 Frauen...» 50.933 172.251 gegenüber dem Juni 36 um 4.421.weniger gegenüber dem Juli 35 um 6.774 mehr. Nach dem Bericht des(tschechischen) Zentralverbandes der Krankenkasse in Prag, welcher 84 Kassen umfaßt, näherte sich das Ansteigen der Versichertenzahl sm Juli! seinem Höhepunkt. Der Zuwachs bei einigen Anstalten wird durch einen Rückgang bei anderen ausgewogen. An den Neumeldungen hatten die Ban--und anderen Saisoimrbeiten den Hauptanieil. Ebenso sind die Abmeldungen zum grohen Teil auf die Beendigung von Bauarbeiten, zum andern darauf zurückzuführen, daß landwirtschaftliche HilsSarbei- Gangstergeschlchten ÄuS Hollywood wird uns geschrieben: .> m. v. Wer das saure Brot eines Holly- wsoder. Filmberichterstatters essen mutz, der kann sich'glücklich preisen, wenn.er an einem Abend die durch Mark und Bein schrillenden amerikanischen Polizeisirenen nicht auch noch von der Leinwand herunter hört, wenn nicht vor dem„Happy end", bevor, der unerschrockenste Detektiv die von den Gangstern gefangengehalteste weibliche Tugend befreit und in langem LiebeSkntz umfängt, ein« richtig« Schlacht aufgeführt wird, wenn nicht das rohe Schauspiel, datz einer durch einen Faustschlag ins Gesicht zu Boden gestreckt wird, in jeder zweiten »Szene zu sehen und zu hören ist. Es gehören in der Tat gute Nerven dazu. Immer wieder schaut man das zweierlei Gesicht der amerikanischen Gangster, die im bürgerlichen Leben als vollendete Genflemen austreten. Anfangs ärgert man sich, geht mitten im Film weg, später ertappt man sich eines schönen Abend» bei dem Gedanken, daß dw Filmproduktion auf dies« Weis« eine Lücke in der amerikanischen politischen Aufklärungsarbeit» auSsüllt, vor allem dem Hauptexportländ des amerikanischen Film», vor»allem Europa«ine Art Anschauungsunterricht geben könnte,, wohin die kapitalistische Wirtschaftsordnung letzten Ende» Mrt, zu einer widerlichen,' unerträglichen, von aflen al» unerträglich»empfundenen' Entartung der menschlichen Gesellschaft.>..',» Besonders fatzlich wurde da» neulich wieder einmal. R. K. O.-Studio lud zu einer Vorschau von„Grand Jury" ein. und zeigte eine Gangstergeschichte, Schema: Verhinderter Reporter. Da» Theater schloh daran einen Gängstersilm, Schema: Falschmünzer. Der Meisterdetektiv• wird von «megl wirklich ausgezeichnetes Schauspieler dargestellt, aber man kann e» nicht verstehen, datz ein Schauspieler von solcher Begabung sich dazu hergibt,-»den ganzen Film hindurch die Rolle de» rohen Gewaltmenschen, zu spielen, der immer wieder di« andern mit Faustschlägen niederschlägt. E» tut einem wirllich leid um so viel Kunst, die keine würdigeren Ausgaben findet. Um den Schmerz über diese Produktion zu vertiefen, um die kapitalsitische Wirtschaftsordnung von einer anderen Seite zu zelgen, mutzten die armen Filmreporter am Nächsten Abend den auch nicht gerade neuen Film vom gestohlenen Riesendiamanten über sich ergehen lassen mit dem allen Taschenspielerkunststück, wie man einen echten Diamanten gegen eine Nachbildung deS Steins auStauscht. In diesem' Film rettet Nicht der Meisterdetektiv, sondern der Meisterreporter die tugendvolle Heldin, nach der der Film:„The Return of Sophie Lang"(Die Rückkehr der.Sophie Lang) benannt ist. Das ist ein Paramountfilm. Immer tut es einem leid um den vielen Aufwand an guter Kunst und man atmet förmlich.auf, wenn tyan an einem Abend. die Ueberraschung erlebt, datz wenigstens lein Gangsteksilm»serviert,wird.» ' Will dieFIlmproduktlon wirllich zeigen, wohin ungerechte Gütervertetlung schließlich führen mutz? Solcher Anschauungsunterricht wäre sehr löblich‘ und^venigstcns die denkende Minderheit käme'dabei auf ihre Rechnung, aber der Filinprodüktion) geht es nicht, darum/ihr ist es nur umS Geschäfts» tun und wenn»sie mit»schlechten Filmen gpte Kassa machen kann, warum soll sie dann gute. Filme bringen, die vielleicht schlechte Kassa machen? Es geht um Geldgewinn, nicht um moralisch« Gewinne, i Die Wendung zum besserest Film mich vom Publikum, kommen.', Ole Zigarette. der Mademoiselle Judith. -Ein vergessenes Jubiläum . Eigentlich ist«S ein sehr bedeutsames Jubi- läum-wichtiger al».»viele», ander»; wa» sonst allgemein.auf' der■ Welt gefeiert wird. Dennoch ist gerade diese», Jubiläum in diesen Tagen ziemlich fang--und»klanglos-vorübergegangen; in den Augusttagen.de» Jahre» 1986 jährte sich zum hun» dertsien Mal« der Tag, an dem ein« Frauzum ierstenmale öffentlich eine Zigarette rauchte. Zumindest war eS die erste Europäerin, und die Sensation war gross, al» die Schauspielerin Judith vom Thöatre Palai» Royal in einer Sommerrevue des Jahres 1888 in einem für damalige Verhältnisse betont männlichen Kostüm auftrat und au» einer Zigarette mühevoll Rauch sog und in den Zuschauerraum pustete, wobei sie ein entsprechende» Chanson sang, indem sie erklärte, datz manche Frauen ja sogar Zigarre und Pfeife rauchten, warum sollten sie er nicht einmal mit der neuen Erfindung, der Zigarette, versuchen? In der Tat, die Zigarette war eine ganz neue Erfindung. Erst gegen Ende der zwanziger Jahre der vorigen Jahrhunderts, und zwar während deS Feldzuges Ibrahim Paschas gegen die Türken, kamen die ersten Zigaretten via Aegypten—Syrien nach Marseille. Ja, ursprünglich war die Zigarette nur eine Noterfindung: die Soldaten hatten während des Feldzuges keine Pfeifen und, rollten deshalb den, Tabstk in Papier ein. Das schmeckte so gut, dass man einige Proben davon nach Hause schickte, und wenige Jahre später war eS die besagte Mlle Judith, die»die Zigarette in Paris in Mode bracht«. Damit trat sie in heftigste Konkurrenz mit einer viel berühmteren^Zeitgenossin, nämlich mit Georg». Sand, der großen französischen Dichterin und Geliebten Muffet» und Chopin», die nicht nur in allen Pariser Salon» ihre dicken grohen Zigarren zu rauchen pflegte, sondern auch qualmend über die Boulevard» lief, worüber ganz Pari» Kopf stand. Aber Mlle Judith fand nicht so schnell Nachahmerinnen. Daß Frauen rauchten, diese un» heute so gewohnte Tatsache, blieb jahrzehntelang verpönt. Vor allem in Epgland, wo Queen Victoria ! auf» strengste dafür sorgte, daß keine» englische Lady .an ihrem Hofe niemals eine Zigarette zum Munde führte, geschweige denn«In« Zigarre oder Pfeif«, iwie,«» zum Beispiel in Holland seit Jahrhunderten Sitte wär. Seitdem haben sich gerade di« Sitten »iw England erheblich geändert, und e» existieren wohl nirgend» mehr zigarettenrauchend« Frauen al» jenif den britischen Inseln, von Amerika ganz» zu »schweigen.■ Th. Peters. von der beginnenden Anarchie in F r a n k r e i ch zu berichten weiß, entstammt dem hitlerfreund- lichcn polnischen Hetzblatt„Jllustrowany Kuryer Codzienny". Man sicht, die„Deutsche Lnndpost" ist ein verlätzlichcs Organ der Demokratie! ter bei den BezirkSkrankcnkassen abgcmeldet und bei den landwirtschastlichen Kassen angemeldct wurden, die infolgedessen eine Steigerung der Versichertenzahl austveisen. In der Industrie blieb bis auf wenige Ausnahmen die Beschäftigung unverändert. Von den 84 Anstalten meldeten 48 einen VersichertenzuivachS(im Durchschnitt drei Prozent, maximal 8»>/s Prozent), 27 eine Abnahme (maximal 5»4 Prozent, im Durchschnitt 2 bis 3 Prozent). Bei den übrigen betragen die Verschiebungen nicht mehr als 1 Prozent. Insgesamt waren bei den Kaffon des Zentralverbandes im Juli 827.268 Personen versichert, das ist um 992 mehr als im Juni und um 55.567 mehr als im Juli 1035, Forderungen der Margarinefabriken Prag. Donnerstag berief das Handelsministerium eine. Enquete ein, Heren'Gegenstand die Forderung von 45 der 48' Erzeugern von Kunstfett nach einer Preiserhöhung Ivar. Die Fabriken begründen ihr Verlangen damit, datz durch verschiedene Maßnahmen, wie die Vorschriften über die Mischung und durch die Preissteigerung der Rohstoffe die GcstehungSkostn sich im Vergleich zum März 1934 um 2 KC pro Kilogramm.erhöht haben. Den Forderungen der Fabriken traten die Vertreter der Genossenschaften und deS Fürsorgeministeriums entgegen, die die linstichhältigkeit der Argumente begründeten. Die Vertreter des Handelsministeriums erklärten, datz amtliche Erhebungen eingelcitct werden würden. Dr. Beneö und Dr. HodZa Prestburger Ehrenbürger. Die Stadtvertrctung von Preßburg trat Freitag unter grosser Beteiligung ihrer Mitglieder, Vertreter der Aemter und dec Bevölkerung zu einer außerordentlichen feierlichen Sitzung zusammen, auf der der Antrag des StadtratcS, den Präsidenten der»Republik Dr. Eduard Benes und den Vorsitzenden der Regierung Dr. Milan HodZa zu Ehrenbürgern der Stadt zu ernennen, einstimmig. angenommen tpurde. Der GesimdheitLminIster hat dem Sektionschef des GesundheitSministcriumS Dr. Rudolf Ziel anläßlich seines Abgangs in den Ruhestand den Dank und die Ancrkciinnng für die erfolgreiche Tätigkeit im staatlichen Gesundheitsdienst ausgesprochen. Genösse Dr. Lev Winter, der erste Fürsorgeministep der Republik und einer der Schöpfer der tschechoslowakischen Sozialversicherung, starb am 28. August 1935 Seite 4 SamSkag, 29. August 1939 Nr. 201 Der Bluttes von Lichterfelde A-esnEgkelkn. Parallelen „Heule offenbart sich Gott dem deutschen Volk in der Gestalt Hitlers"—.„Hitler durchgliiht Deutsch» lattd von nuten her. Er Ist ein Wunder."—„Adolf Hitler ist der Mund eines Heilandes, der int deutschen Volke Fleisch und Blut geworden ist"—„Der Herr im Hinnnel hat uns seinen Helfer gesandt, unseren Führer."(Aus deutschen Zeitungen und Zeitschriften.) „Die Ltalinschc Epoche."(Ausspruch Kamenews.)—„Stalin, bet Marschall des Weitproletariats".—„Ter teure Genosse Stalin, der Führer der Völker."(Aus Sotojelzeilungen.) Ter Henlein-Mann nach dem 80. Juni:.„Dar ist ein Man», der Hitler! Der packt zu!—^Selbstverständlich mußten die Staatsfeinde. vernichtet werdenl" Ter KPC-Mann nach dem Moskauer Prozeß: „Selbstverständlich mutzte man die Halunken er- fchietzenl Der Sowjetstaat Weitz' wenigstens zuzupacken!" Unwissenheit, ein demokratisches Grundrecht? Es gibt nun, da das Gemeindebüchereigesetz i n derSlowakei zehn Jahre in Kraft ist, 8003 slowakische, 640 ungarische, 37 russische und 36 deutsche Gemcindebüchereien in der Slowakei. Diese Zahlen sagen, Ivie segcttSreich diesös Gesetz, eines der wertvollsten unseres Staates, gewirkt hat. 8716 Gemeindebiichereien — das bedeutet die Eröffnung des Weges zum Buche für viele zehutauscnde Menschen. Aber der Bericht, der diese Zahlen meldet, sagt zugleich, daß mit der Schaffung dieses Gesetzes und selbst mit der Errichtung der Büchereien noch lange nicht alles getan ist. Denn es gibt unter diesen Büchereien auch solche, die n i ch t b e n ü tz t w e r d e n, weil die Bevölkerung nicht lesen k a n n. Ein Uebcl, das mit der Zeit verschwinde» Wird. Die Jugend, die heute in der Slowakei heranwächst, lernt lesen. Aber auch damit ist noch nicht alles getan! ES gibt Gemeinden, die es unterBerufung aufdie demokratischen Grundrechte a b I e h n e n, G ein cindebüchcrcicn zu errichten, weil sie der Meinung sind, datz ihnen n sein a n d b e f e h l e n kann, was in der Gemeinde zu geschehen hat!— Diese seltsame Auffassung von Demokratie ist tvohl leicht zu widerlegen durch den Hinweis darauf, datz StaatSgesetzen sich in jedem demokratischen Staate auch die Gemeinden unterordnen müssen, aber darauf kommt eS nicht so sehr an als auf die Erziehungsarbeit, die in diesen Gebieten noch zu leisten ist. Denn wird einmal begriffen, datz gerade daS zu den schönsten demokratischen Rechten gehört, sich frei und ungehindert fort- und nuf- wärtSznbiiden, dann wird eine solche Auffassung vom Wese» der Demokratie, datz sie daS Recht auf Unlvissenhcit gewähre, nicht mehr möglich sein. Tragödie auf der UrlaubSreise. Eine tschechische Studentengesellschast fuhr vor kurzem nach Jugoslawien, um dort den Sonnner zu verbringen. Einer der Teilnehmer, der auf die Warnungen nicht achtete und sich allzusehr der Sonne aussetzte, mutzte nach einigen Tagen mit einem Sonnenstich in ein Krankenhaus gebracht werden, von wo er in einem Anfall von Irrsinn slvh. Die Eltern, welche von der Gesellschaft erst verständigt wurden, als der Unglückliche in eine Anstalt für Geisteskranke überführt werde» mutzte, da er Tob« snchisanfälle hatte, holten den Kranke» ab. Während der Fahrt benützte dieser aber einen unbewachten Augenblick, um einen neuen Fluchtversuch zu mache». Er sprang aus dcni fahrenden Zug und blieb tot auf der Strecke liegen. Waggon in Brand. Am 28. August gegen 17.40 Uhr entstand während der Fahrt des Last« znges Nr. 8616 auf der Strecke zwischen Lew« l’icc' und Skalier n. Sv. in einem mit Stückgut beladenen Waggon ein Feuer. Durch die entstandene Störung erlitten einige Züge Verspätungen, insbesondere die Schnellzüge Nr. 148 und 18. Verletzt wurde niemand. Die Ursache deS Brandes untersucht die Staatsbahndirektion Brünn. Dem Goebbels gesagt! Meldung des Tsch. P. B. aus Paris:„Als Dr. Schacht Paris vcr- lietz, lehnte er das Ersuchen, seinen Abflug in einem Tonfilm festzuhalten ab und sagte:„Keine überflüssigen Worte und keine" Propaganda." Die gefährlichen Diplomatenehen. Durch einen Erlaß des Außenministers Titulescu ist den Angehörigen des rumänischen diplomatischen CorpS wie überhaupt allen Funktionären des ru- inänischcn Außenministeriums das Eingehen von Ehen mit Frauen anderer Nationalitäten als der rumänischen verboten lvovden. Sie beschimpfen die Toten! Die„Deutsche Zentral-Zeitung", die sich, wie die anderen bol- schewistischen Blätter in und außer Rußland, als Retterin der.Humanität vor dem Faschismus gebärdet, schrieb in einer Betrachtung Uber das Urteil gegen Sinowjew und Genossen u. a.': „die trohklstisch-stnowjetistische Bande, diese Mörderbande... diese gemeinen Konferrevolutio- näre... Die Banditen unterscheiden sich von den Faschisten nicht einmal nm dieses Haar... Diesen Hunden von gemeinen Mördern wurde der verdiente Lohn zuteil-. Stalin und seine Paladine scheinen sich noch vor den T o t e n zu fürchten! Wir entnehmen diese Teildarstellung dir Bluttragödie des 80. Ium 1884 dem Buche Konrad Heiden,„Adolf Hitler'' — eine Biographie. 18. bis 20. Tausend. Neue erweiterte Auflage. 464 Seiten. Kart. Fr. 6.—, Leinen Fr. 8.—. Europa Verlag, Zürich. Von den Erschießungen in Lichterfelde hat ein Augenzeuge und unmittelbar Beteiligter cipen Bericht gegeben, dem die folgende Schi!« derung entnommen ist: Etwa hunderiundsünfzig Todesopfer, durchwegs hörere SA.-Führer, warteten in einem schmutzigen Kohlenkeller auf das tzinausrufen. In kurzen Abständen ertönten jeweils vier Namen; das bedeutete: Exekution. Die Stimmung der Gefangenen war nach dem Bericht der tragischen Lage würdig: sehr fieberhaft, vom Gefühl für die Bedeutung der letzten Stunde brennend, bisweilen fast lustig, dann wieder toeihevoll gedämpft, aber fast nirgends eigentlich niedergeschlagen. So wenigstens haften diese vicrundzwanzig Stunden in der Erinnerung eines Mannes, der selbst in dieser Zeit dauernd mit dem Tode rechnete. Die Gefangenen wußten nicht, daß sie auf Befehl Hitlers erschossen' werden sollten; sie glaubten, auch ihr oberster Führer werde von der „Reaktion", zu der sie Göring und Goebbels zählten, irgendwo gefangen• gehalten oder sei vielleicht schon tot. Karl Ernst, Gruppenführer von Berlin, sehr wahrscheinlich Brandstifter des Reichstages, siel darum mit dem Ruf„Heil Hitler!" Die Männer im Kohlenkeller haben einen merkwürdigen Instinkt für die Unwägbarkeiten des Schicksals. Sie raten, wer beim nächsten Namensaufruf drankommen werde; in drei oder vier Fällen ti!isft es ein. Durch ein Kellerfenster sehen die Zurückbleibenden den Gefährten nach, wie sie über den Hof an die hintere Mauer gehen. Die Gehenden halten die Augen auf das Kellerfenster gerichtet. Än stiller Verabredung sehen die drunten denen droben fest in die Augen, um sie durch ihre Blicke auf dem letzten Gang zu stärken Dann stehen die Opfer sn einer Reihe zu vieren an der Mauer. Ein SS-Mann öffnet ihnen das Hemd über der Brust und zeichnet BolleS Verständnis für Stalin, und zwar ebenso für die Art, wie er sich seiner Gegner, seiner Rivale» von einst und aller, derer entledigt, die ihn an die Vergangenheit erinnern, wie für die Wandlung Rußlands, vom bolschewistischen Utopismus zum Realismus,— volles Verständnis für all das findet die italienische Presse. Der „Messagero"(Rom schrieb in einer Würdigung des Moskauer Prozesses:„Stalin steht auf dem Boden der Tatsachen und das, was seine Feinde als Verrat am Ideal bezeichnen, ist nichts anderes als der notwendige Kompromiß mit der Geschichte, der Logik und dem Leben. Gegen daS Programm des reinen Kommunismus stellt er die Schaffung der Armee, eine Wirtschaft, welche das Individuum respektiert, eine Stufenleiter der Werte, das kleine Privateigentum, eine Außenpolitik, die in Europa und Asien an die nationalen Traditionen anknüpft und endlich eine für die Nation vorteilhafte Innenpolitik."—Ob dieses verständnisvolle Lob den Kommunisten uneingeschränkte Freude bringen wird?- Ein gigantischer BerkehrSplan. Die jüngste Reise Roosevelts nach Kanada hängt u. a. mit einem gigantischen Verkehrsprojekt zusammen: der Herstellung eines schiffbaren Weges zwischen der großen Seen und dem Ozean. Der obere See, der Michigan-, Hevcon-, Erie- und Ontariosee, die zusammen eine Fläche von 248.000 Quadrat« kilometer bedecken, werden durch den St. Lorenzo«, ström mit dem Meer verbunden. Es handelt sich »m eines der Hanptindustriegebiete der USA; der Debroitslutz wurde 1029 von 19.000 Schiffen befahren. Die Schiffahrt auf großen Strecken leidet jedoch ustter Niveau-Unterschieden und endet in Montreal, wo alle Güter umgeladen werden müssen. Das neue Projekt enthält nun einen Schiffahrisweg für Hochseeschiffe, die auf diese Weise Chicago erreichen könnten! Obwohl Roosevelt sich für die Sache interessiert, sind noch große Widerstände vorhanden, da sowohl Kanada als auch die Nordstaaten der USA' davon einen Verlnst an Verkehrsleistungen befürchten. Verirrte Kugeln.. In einer französischen ani Flusse Bidassoa gelegenen Gemeinde wurden drei französische Einwohner während der Schlacht um Jrun durch verirrte Kugeln verwundet. EI»„Krisenberus". Den wohl seltsamsten aller Berufe hatte sich ein junger französischer Arbeitsloser ausgesucht, der jetzt vor dem Gericht des zehnten Pariser Arrondissements stand. Er besuchte in unauffälliger schwarzer Kleidung die Pariser Friedhöfe und prominierte dort in der Nähe frischer Gräber. Sobald er.trauernde weibliche Hinterbliebene gewahrte, die weinend an den Gräbern standen, trat er auf sie zu und versuchte, ihnen in wohlgesetzten herzlichen Worten Trost zuzusprechen. Meist begleitete er sie dann noch zum AuSgang de» Friedhofes! Hinterher stellten die so getrösteten Frauen, jedoch regelmäßig fest, datz ihnen irgendetwas abhanden gekommen war,, entweder die Handtasche, ein. Schmuckstück oder ein anderer Wertgegenstand! Auf die Anzeige einer seiner Opfer konnte der Mann jetzt verhaftet werden,.Der Richter verurteilte ihn zu drei Monaten Gefängnis, und zu der Verpflichtung, in«., nerhglb der nächsten drei Jahre keinen Pariser Friedhof zu betreten. ihnen'mit Rüßldhle um"die linke Brustwarze einen schwarzen Kreis: Zielscheibe! Nur fünf bis sechS Meier entfernt steht das Peloton"der acht SS.-Leute mit, seinen Karabinern, von'denen vier angeblich blind' geladen sind. Auch hier lautet das Kommando:„Der Führer will es. Heil Hiller! Feuer!" Die Geschosse zerreißen auf die Entfernung von fünf Metern das Fleisch grausam. Namentlich die Ausschußstelle wird. zu einem breiten Loch, und das herausfliegende Blei zerrt die inneren Teile mit. So kommt es, daß man nach dem Umsinken- der Gestalten'blutige Fleischteile und namentlich die dunkleren Herzstücke erkennen kann, die an der Mauer klebsn. Da die Exekutionen in kürzen Abständen auseinander folgen, ist die Mauer bald buchstäblich mit Blut und Menschenfleisch bedeckt. Fast alle Opfer gingen aufrecht und gefaßt in den Tod. In einem internen, für' die SA. bestimmten Bericht hat Goebbels gesagt, die SA- Führer seien bleich und zitternd zur Hinrichtung geführt worden. Die vorliegende Darstellung wendet sich nachdrücklich gegen diese Behauptung; die Haltung der meisten sei bis zuletzt fest gewesen. Dagegen hielten die Nerven der schießenden SS.-Leute der Belastungsprobe nicht lange stand. Namentlich bei den. späteren Exekutionen trafen viele Schüsse schlecht, so daß die Opfer zwar getroffen am Boden lagen, aber noch lebten. Dann trat der befehlshabende SS.-Führer heran und gab dem Liegenden mit dem Revolver den„Fangschuß" in den Kopf. All das war vom Kellerfenster aus zu sehen. Auf diese Weise starben in Lichterfelde gegen hundertundsünfzig Menschen, d. h. fast alle in dem erwähnten Keller steckenden Gefangenen. Da aber auch an den folgenden Tagen noch Schüsse gehört lourden, muß die Gesamtzahl größer sein. Bon Zeit zu Zeit wurden die Leichen aus einen mit Blech ausgeschlagenen Karren geworfen, der einer Metzgerei gehört« und sonst zu Fleischtransporten benutzt wurde. Wohin sie gefahren wurden! vermag der Bericht nicht zu sagen. Affen als Landwirte. Der Besitzer einer Obstplantage In Südafrika, der stch in seinem Privat- benif Jahrzehnte lang mit der Dressur von Affen beschäftigt hat, ist jetzt dazu übergegangen, bei der Ernte von Aepfeln und Orangen fünf Paviane zu verwenden, die er von klein auf grotzgezogen und dressiert hat. Die Affen pflücken nicht nur sorgfältig und schnell die Früchte, sondern sammeln sie auch in Körben und. tragen sie in die Lagerräume. Der Planiqgenbesitzer ist autzerordentlich zufrieden und will weitere Tiere für diese Arbeit abrichten, um späterhin ganz auf Menschenhilse verzichten zu können. Der Chirurg der Gangster. Im Erie-See fand man vor einiger Zeit die Leiche eines der berühmtesten Gangster-Chirurgen von Amerika, Joseph Mo- ran. Ilm den Hals, trug er einen schweren Stein, so daß eS sich sichtlich um einen Racheakt handelt ES gibt in Amerika keine bedeutende Mangsterbande, die nicht ihren eigenen Spezialisten auf dem Gebiete der Chirurgie hat. Diese Aerzte arbeiten wie die BerschönerungSspezialisten vor allem.daran,, die Gesichter der Gangste: durch kosmetische Operationen völlig zu verändern.' Aber sie führen auch Opera- nonen durch, die die Fingerabdrücke verändern, indem sie an die Fingerkuppen andere Hautstücke überpflanzen. Dr. Moran war eine bekannte Persönlichkeit in der Unterwelt von Chicago. Durch Zufall bekam er. einen flüchllgen Gangster als Patienten, als er noch ein kleiner Landarzt im Staate Illinois war. A»S Dankbarkeit führte ihm dieser erste Gangster-Patient seine Freunde zu, und alsbald spezialisierte sich Moran in der Gangster-Praxis. Er würde überführt, zu drei Jahren Gefängnis per» urteilt und auS dem Aerziestand ausgeschlossen. Als er aus dem Gefängnis kam, war seine.^Karriere" in der Unterwelt-gesichert.- Er war der- Hauptarzt der Dillinger-Bande, kam aber, wie die Gangster selbst- in Streit mit. anderen Banden und ist vermutlich einer feindlichen Gangster-Bande zum Opfer gefallen, da er sich, geweigert haben dürste, seine ärztliche Kunst'auch ihren Mitgliedern zukommen zu lassem» Reuer Hundekrieg in der Türkei. Die Gesundheitsbehörden von Istanbul sind wieder einmal von der.starken Zunahme herrenloser Hunde beunruhigt. Schon einmal ist gegen die Hunde ein regelrechter Krieg geführt worden, und zwar als sie nach dem Kriege in ganzen Rudeln die Straßen Istanbuls bevölkertest und eine Gefahr in sanitärer Beziehung darstellten. Seit damals ist die Ausrottung der herrenlosen Tiere in'be- stimmten Abständen durchgeführt worden." Jetzt aber stellt es sich heraus, daß die Hunde ständig Zuzug aus den thrakifchen Provinzen erhalten. Man hat wiederholt festgestellt, daß die Tiere von weit her nach Istanbul wandern und hat.jetzt Treibjagden und Sperren organisiert, um ihr Eindringen in die Stadt zu verhüten. Alle Straßen von Thrakien her find von Hundefängern geseprrt. Vor einigen Tagen hat sich"ein Unglücksfall ereignet:«in Hundefänger lvurde von einem Rudel hungriger Tiere angesallen, mit dem er trotz seiner Feuerwaffe nicht fertig werden konnte. Er wurde von den Hunden zu Todd gebissen. Fahrkbegiinstigung für Touristen- auf der Strecke Eervcnä Skala—Margccany. Die Mitglieder aller Tonristenvereine erhalten auf dieser Strecke bis 80. September 1936 eine 80pxozen- tige Fahrpreisermäßigung auch für- die Ueber- gangsstatiönen. Ein neues Forschungsinstitut BakaS. In der Jndustriegemeinde Bakov bei Zlin wird eben; der Bau eines Forschungsinstitutes für Gerber und Chemiker beendet. Außer den VersuchSwerkstät- ten Ivird dieses Institut eine Lesehalle" und eisten Lehrsaal für verschiedene Fachkurse erhalten. Die Laboratorien sichern der Erzeugung größte Wirtschaftlichkeit. Billige Fahrt zur Prager Messe, Da die-diesjährige Prager Herbstmesse im Messepaläst bereits am 4. September eröffnen wird, wurde vom Eisenbahnministerium auch die Gültigkeit der SSprozeü- tigen Fahrpreisermäßigung erweitert. Die Ermäßigung tritt für die Reise nach Prag bereits am 81. August in Kraft und bleibt bis 18. September in Wirksamkeit. Für die Rückreise Ist die Gültigkeitsdauer vom 4. bis 17. September bemessen. - Die schöne Witterung wird bei uns nunmehr anhalten! Wahrscheinliches Wetter Samstag: Vorwiegend heiter, trocken, weitere Erwärmung, ruhig. Auch in den Karpathen fortschreitende Besserung.— WetteranSsichten für Sonntag: Andauern des heitere» Wetters. VomRundfunk Lmpfehlenowerte» au» de» Programmen» Sonntag Prag: 7.00 Konzert ans Karlsbad. 8.80 Orgel« konzert. 9.88 Mussiks Salonguartett. 11.18 Militärkonzert. 12.88 Mittagskonzert. 18.80 Deutscher Ar- betterfpnk: Ernst Paul: Tag der Erinnerung an Franz Grundmänn. 14.00 Deutsche landwirtschäft- liche Sendung. 17.88 Deutsche Sendung: Klassische Zeugen. 17.40 Wochenrundfunkschau. 17.80 Ferdinand Raimund:„Der Verschwender." 18.80.Deutsche Presse. 22.88 Schallplattenkonzert.— Brünn: 17.88 Deutsche Sendung: Rundfunklustspiel aus dem Bauernleben.— Pressburg: 17.20 Slowakische Lieder.— Kascha«: 18.80 Tanzmusik.— Mährisch- Ostrau: 9.1Ö Liederkonzert. . Von den Kümpfen bei Irun Pioniere der farbigen Armee versuchen eine gesprengte Brücke Iviederheczustellen« Nr. 201 SamStag, 20. August 1030 Seift 5 Kauft Lose der Arbeltersiirsorge! Von 6vn sronrLelsckon IVIsnüvorn Die wettböhmitchen Konsumvereine Ctuafo n4 gehißt Mitgliederzahl Verkaufsstellen Unisatz ES betrug Braunkohlenförderung: Kokserzeugung: 4 1 017,000 800.800 811.000 1,188.800 1,187.200 1,170.000 183.800 140.800 124.000 deS Jahres Juli 1088 Juni 1086 Juli 1088 Juli Juni Juli Juli Jpni IM Die Absahentwicklung in den Steinkohlenrevieren ist anhaltend besser als in den Braunlohlengebieten, los die Vorräte solvohl gegenüber dem Juni als auch dem Vorjahrs-Juli gestiegen sind, und zwar um 71.600, bzw. 64.000 Tonnen. Die Steinkohlenvorräte sind gegenüber Juni 1086 um 2800 Tonnen höher, gegenüber dem Juli 1935 um 8000 Tonnen kleiner, Die Belegschaft in den Steinkohlenrevieren betrug im Juli 40.426 Mann<129 weniger als im, Juni 1936, 1173 weniger als im Juli 1985), in den Braunkohlenrevieren 27.407 Mann lnm 20 weniger als im Juni 1936, utn 254 Iveniger als im Juli 1985), Starkes Jutereffe in.Holland für die Prager .Herbstmeffe. Die Prager Messe hat heuer in Holland eine graste Propaganda durchgesührt, wobei die Importfirmen individuell eingeladen wurden. Nach einem Bericht der Geschäftsstelle der Prager Mesie in Amsterdamm ist daH Interesse für die Herbstmeffe äusterst rege. Stark gefragt werde» besonders technische Artikel, Lederhandschuhe, Strickwaren, Kunstseidenartilel, Sportartikel und alle Waren, die nicht der Kontingentierung unterliegen. Holland erwies sich bereits auf der letzten Messe als gute Kundschaft und es kann deshalb für die kommende Herbstmesse mit erhöhten holländischen Käufen gerechnet werden. Die österreichische Ausfuhr an Eisenerz ist in den letzten zwei Jahren bedeutend gestiegen. Noch im Jahre 1934 betrug die ErzauSsuhr nur 176.000 g, während sie im ersten Halbjahr 1036 auf 878.000 q im Werte von'rund 2 Millionen Schilling angestiegen ist. Unter den Hauptabnehmern ist die Tschechoslowakei mit 62 Prozent und Ungarn mit 83 Prozent. Alle diese Werke und Werte wurden innerhalb de» verhältnismäßig kurzen Bestandes aus eigener Kraft geschaffen. Alle die Vorteile, die die Konsumvereine jedes Jahr durch die preisregulierende Wirkung, durch den Verlauf von guter unverfälschter Ware zu den niedrigsten Tagespreisen schaffen, sind die Triebfeder, dast trotz der verheerenden Wirtschaftskrise, die sich besonders in den westböhmischen Industriegebieten am stärksten fühlbar macht',, ständig Fortschritte zu verzeichnen .sind. Allerdings sind diese Erfolge auch auf die unermüdliche Tätigkeit und auf die intensive Werbe- und Propagandaarbelt der Funktionäre und der Angestellten zurückzuführen. Die Gegner der Genoffenschaftsbewegung versuchen überall .und allerorts der Entwicklung des Genoffenschafts- wesenS Hemmnisse und Hinderntffe in den Weg zu legen und man schreckt auch vor den verschiedenen Verdächtigungen und Verleumdungen gegenüber den Funktionären und der gesamten Genossen- schaftSbewegnng nicht zurück. Der Aufstieg der westböhmischen Konsumvereine zeigt aber, dast alle diese Hindernisse den Fortschritt nicht aufhalten können und so finden wir, dast sich in allen Orten das Genoffenschaftswesen prächtig entwickelt. Die Genossenschaften WestböhmenS blühen, wachsen und gedeihen zum Trutz aller Feinde und zum Nutzen aller Mitglieder. Deshalb ergeht an alle Verbraucherfamilien der Appell, mitzuhelfen, dast. die Regenbogeufähne, da» Stzmbol der Genossenschaften, auf dem ganzen Erdball wird.■■■■ Genoffenschaftsbäckereien, genossenschaftlich« Fleischereibetriebe, Getränkeabteilungen mit Bierabfüllung, Sodawasser- und Limonadenerzeugung, Kaffee- und Getreideröstereien, genossenschaftlichen Oekonomiebetrieb (Ehodau), Ziegelei(Ehodau), Schrotmühle(Komotau), Tischlereien, Lastenautos mit eigenen Werkstätten, Sattlerei» eigene Häuser, in denen eine Reihe von Verteilungsstellen und Eigenbetriebe untergebracht sind. An Warenrabatt haben die westböhmischen Konsumvereine in diesem Geschäftsjahr AL 3,081.182.—, an Unterstützungen bei Sterbefällen und anderen Gelegenheiten Ai 280.004.— an die Mitglieder rückerstattet. Der Gesamtumsatz der westböhmischen.Konsumvereine im Geschäftsjahr 1088/86 beträgt AL 180,7 Millionen Ai, das ist gegenüber bem- Vorjahr ein Mehiiumsah von 6.5 Millionen AL. Dieser Umsatz verteilt sich auf die einzelnen Kön- sumveretne wie folgt: Verein 4086 8,818,2.00 8,488.100 -> 830.700 SKIavcnrcvoltc Im Ncgcrrcldi Überla, bas land der Kontraste Die westböhmischen Konsumvereine, die soeben ihren Jahresbericht fiir das abgelaufene Geschäftsjahr 1038/86 veröffentlichen, weisen nachstehendes schöne und erfreuliche Ergebnis auf: In Westböhmen bestehen zur.Feit 18 Konsumvereine. Sie zählen 84.822 Mitglieder und besitzen in 400 Ortschaften insgesamt 433 Verteilungsstellen. Ferner besitzen die westböhmischen Konsumvereine: 8 3 4 1088 6,418.100 8,629.600 . 1,018,600.. Der schwarz» Diktator MS der Weltkrieg ausbrach, regiert« in Liberia' Eharles Dunbar Kintz. Er erklärte Deutschland den, Kriegs und konfiszierte die in Monrovia ankernden deutschen Schiffe, woraus ein deutsches.U-Boot' da»'einzige liberianische Kriegsschiff in Grund bohrte. Weiter« Kamps- Handlungen fänden' nicht statt.. Aber., immerhin 1 1 3 26 1 128 Die Achillesferse Trotzdem war King ebenso wenig aus Rosen gebetiet, wie es jetzt sein Nachfolger Barclay ist. Die Stämme im Innern de» Landes sind noch Götzenanbeter. Sie haben Sklaverei, Mädchenkauf, sind fremdenfeindlich, und die Tomnia» an der liberianisch-französischen Grenze sollen sogar noch Kannibalen sein. Die Regierung in Monrovia tut alles, um sie zu zivilisieren. Schon King hat seinerzeit gegen die Tommastämme graste Expeditionen unternommen. Aber der einzige greifbare Erfolg war, dast England und Frank reich die Notlage Liberias auSnützten, um es zu „freiwilligen" Gebietsabtretungen zu bewegen. Außerdem übernahm Amerika die Finanzen, und bald darauf entrüsteten sich USA-Blätter heftig über das„rückständige" Liberia. Seitdem ist man > in Monrovia vorsichtig geworden. Man hat nichts Pariser Presse über die Verdoppelung der deutschen Dienstzeit.(Ru.)„Paris Soir" veröffentlicht interessante Angaben über die heutige und die kommende Stärke der deutschen stehenden Armee. Die deutsche Ärmee zähl! danach'gegenwärtig' 898.000 Mann,' davon.800.000 Reichswehr und 808.000 Dienstpflichtige. des Jahrganges 1014.-Nach der Einführung der zweijährigen Dienstzeit werde die Stärk« der deutschen Armee 1,365.000 Mann betragen, davon 800.000 Reichswehr, 508.000 Jahrgang 1914 und 467.000 Jahrgang 1918. Die Stärke der halbmilitärischen Formationen betrage rund 400.000, Dazu gehören vor allem die SA-Trup- pen. I» den Arbeitslagern werden gegenwärtig 275.000 Mann militärisch'ausgebildet.— Di« französische Presse aller Richtungen ist darüber einig, dast die neuen deutschen Rüstungen vor allem gegen Rnstland gerichtet sind. Der Krieg mit Frankreich, schreibt der„Jntransigeant", sei für Deutschland mit einem allzu grasten Risiko verbunden, biete dazu wenig Vorteile. Der Berliner Generalstab habe sich die Lehren der Vergangenheit zu Herzen genommen: nm» wolle dort einen Zweifrontenkrieg um jeden Preis vermeiden. Hitler erstrebe heute die Neutralität jener Kräfte, die seinen Plänen in Osteuropa hinderlich sein können.„Petit Journal" glaubt, dast der Plan von Hitler außerordentlich einfach und klar fei. Ein Mensch, der einen Angriff auf Ruhland in alle» Einzelheiten vorbereitet habe, fängt auf estnnal an, darüber zu schreien, daß Rußland ihn bedrohe. Das ist eine klassische Methode: zu Beginn de» letzten Krieger habe man in Berlin die Legende vpndem französischen Flieger« .überfall auf. Nürnberg in die Welt gesetzt.„Echo de Paris" weist auf di« Gewandtheit hin, mit der Hitler die spanischen Ereignisse auSgenutzt habe: Die Panik, die durch den spanischen Bürgerkrieg erzeugt wurde, habe di« Berliner Pläne sehr begünstigt. Ohne einen Augenblick zu.verlieren, stellte Hitler-seine Figuren auf.’ dem Schachbrett auf und legte los.. Vie-tolle Hetzkampagne gegen den Bolschewismus, der nicht bloß mit,der spanischen„Fronte populär"/ sondern auch unmittelbar• mit der französischen „Volksfront" in Zusammenhang gebracht wurde, erwie» sich als ein mächtiger Hebel, uni die Weltöffentlichkeit und besonder» die englische konservative öffentliche Meinung für Deutschland zu gewinnen und äegen Frankreich einzunehmen. Gleichzeitig müsse man', auch ein« Belebung der Tätigkeit der Pangermanisten.' in Mitteleuropa feststellen. Die Reis«' Horthy» beweist,' daß die 'Kräfte,, die die heutige europäische Ordnung zer- , stören wollen, im Begriffe seien, vom Wort zur Tat überzugchen. erhielt die schwarze Republik in Versailles eine kleine Kriegsentschädigung. Charles Dunbar King vereinigte eine größere Machtfülle in seiner Hand als irgendein Monarch. Er ernannte seine' Minister selbst und behandelte die Kongreßabgeordneten wie Schuh putzer. Aber er regierte trotzdem streng ver- saffungSgemäß. Und er hat viel für Liberia ge tan. Er förderte Plantagenbau und Export, baute Straßen, ließ die Häfen von Monrovia und Har- par ausbaggern, legte große Baumwollpflanzun gen an. Er baute auch ein Theater, komponierte selbst mehrere Niggersongs und schrieb sogar eine Niggerrevüe„Vorwärts, Madeleine", die' im. Pariser Moulin Rouge 1980 mit Erfolg zur Auf-1 gegen, die ilgeißen, aber man möchte nicht gern führung kam. I nach abessinischem Muster Kolonie-werden.... Die Kohlenförderung Im Juni weiter gestiegen JMe Zahl der Beschäftigten gesunken Sowohl im vergleich zum Juni als auch zum-Juli de» vergangenen Jahres ist die Kohlenförderung im Vormonat größer, (in Tonnen) die' Steinkohlenförderung Der-Rest de» Gesamtumsatzes, entfällt' aus di« kleineren-Vereine, die ihren Sih in Buchau, Gießhübel, HerrmännShütte, Liebenstein, Luditz, Schönau und Theusing- haben. In den Eigenbetrieben der westböhmischen Konsumvereine wurden insgesamt für 82.9 Millionen X? Waten' erzeugt. Die Broterzeugung' allein-beträgt im abgelaüfenen Geschäftsjahr in den acht Benoffenschaftsbäckereien 8.7 Millionen Kilogramm und der Gesamtumsatz in den Genossenschaftsbäckerelen beträgt.18.8 Millionen Ai. . In den drei genossenschaftlichen Fleischerei«, betrieben(Asch, Ehodau,. Karlsbad).'wurde» für. inSgefa>nt„14.4 Millionen Aii Waren erzeugt,-- Aus Kap Palmas berichtete'man über einen „schiveren, mit Grausamkeit geführten Bürgerkrieg in. der Negerrepublik Liberia". Tausende von Männern, Frauen und Kindern sollen einen Ver» zweislungSkamps gegen die' Truppen der Regierung führen, und die Regierung soll ein starkes Militärkontingent nach Sasstown, dem Zentrum des Unruhegebiets, entsandt haben. Bürgerkrieg unter Schlvarzen? Unterdrückung von Männern, Frauen und Kindern? Grausamkeiten einer„ziviltsationSuiuvürdigen" Regierung? Genau so begannen seinerzeit die ersten Nachrichten über Abeffinien. Und dann kamen„Kulturmission", Krieg, Annexion. Steht nicht Libera seit 1008 unter inter- nationaler Aufsicht und seit 1919 unter amerikanischer Finanzkontrolle? Produziert Liberia nicht Kaffee,'Kakao, Palmöl, Kolanüsse, Kautschuk, Mandeln'und Eisen? Und gibt es nicht noch ein paar andere„triftige". Gründe für eine„Befriedung"_uud Angliederung der„zur Selbstregie- rung nicht fähigen", schlvarzen Republik? Nun, litte werden eS ja vielleicht erleben... Wie die Republik Liberia entstand. Diese Intrigen sind so alt wie die Republik Liberia selbst.Sie datieren, genau gesagt, seit dem 81. Dezember 1816. Ihre Geschichte ist lehrreich. Damals gehörte die Pfesferküste dem Rocke» fester unter den Sklavenhändlern, dem Spanier Pedro Blanko. Mit orientalisch-barbarischem Prunk, mit einer Axmee von Spähern und Söldnern und einem Harem von 800 Frauen, hielt er.in seiner Faktorei am St. Paulsflust Hof, und seine Flott« verftachtete alljährich„12.000 Exemplare schwarzes Elfenbein" nach USA. Im ganzen- waren bis 1820 rund acht Millionen „exportiert" worden. Da begannen amerikanische Philantropen, die Negersklaven zu befreien. Freie sckpvarze Arbeiter überfüllten. die jungen Städte Neu-Englands und drückten die Löhne. Man sann nach einem Ausweg, gründete die„Kolonisationsgenossenschaft freier Neger", träumte von einem „schwarzen Palästina". Anfang 1820 verliest der erst« Schoner mit 86 befreiten Schwarzen Baltimore. Mit' 20 Ueberlebenden- landet« er zwei Monatei später an der Pfesferküste. Ein Delegierter: dec Kolonisationsgenossenschaft.erwarb für zwölf Messer, hier Hüte, vier Regenschirme und drei Taschenspiegel den Grund und Boden an der Mündung'des St. Paulflusses. Die Eingeborenen waren von Ihren Brüdern aus USA wenig begeistert. Waren das überhaupt Neger, die Roberts und King und Wilson hießen, das EhristuSkreuz anbeteten, sie selber Heiden und Barbaren schalten und Englisch'mit amerikanischem Tonfall redeten? Nein, das Ivaren Poro Menu,-„Portugiesen", weihe Teufel mit schwarzer Haut. Die Agenten des Sklavenhändler» Pedrp. Blaneo bestätigten es. Die Feindseligkeiten begannen. Die kleine Schar der schivar- zen Siedler zog sich entmutigt auf«ine klein« Flußinsel zurück. Erst als«in zweites Schiff neue Siedler aus USA brachte, wagten sie sich wieder auf das Festland, ' Vie schwarze Jungfrau von Orleans - Am.Kap Mesurado entstand die erste befestigte Siedlung der freien Schwarzen. Am Tage -rodeten sie den Busch/ in der Nacht stunden sie mit geschusterten Gewehren Wache auf den Palisaden der. Siedlung, um die feindliche Eingeborene herumschlichen. Fast allnächtlich spieltensich erbitterte Kämtzf« ich. Aber die Siedler hielten stand. Eine der ihrigen, die Negerheldin Mathilde Newport, begeisterte sie zu unerhörtem Heldentum. Als in einer Nacht die gesamte Bedienung de» einzigen Geschützes gefallen war, bediente sie selbst die Kanone, Die freien Schwarzen verehrten sie wie eine Göttin. Allmählich entstanden, läng» der Küste fruchtbare. Pflanzungen. Es bildete sich so etwas wie ein Staat,.der sogar Einfuhrzölle erhob. Darüber entrüstete sich England und erhob in Washington Protest. Die Amerikaner erklärten ausweichend, Liberia sei. nicht ihr Besch. Da, im Jahr« 1846, erklärten sich dje Schwarzen mutig zu einer freien, unabhängigen Republik. Au» ehemalige» Sklaven wurden Staatsmänner, Feldherren, Händelskapitäne. Al» Liberia» erster Präsident-Roberts nach London kam, empfing ihn die Königin Viktoria mit allen Ehren eines Staat»«' chefs und. schenkte der jungen Republik ihr erstes Kriegsschiff, die„Wachtel", Napoleon Hl. spendete ein-zweite» Schiff und Waffen für die liberianische' Armee. Die früheren Sklaven bauten. Schulen und Kirchen; Handelsschiffe fuhren unter liberianischer Flagge. Der junge Staat gab sich eine demvkratische Verfassung nach amerikanischem Musters die den Weißen streng verbietet, Land zu erwerben,' Staatsbürger zu werden oder gar öffentliche Aemter zu'bekleiden. Liberia ist ein Land, in dem di« Europäer nur geduldete Gäste sind. 1986 1986 1988 1986 1988 1988 In den ersten sieben Monaten- betrug die Steisilohlensörderung Braunkohlensörderung Koksproduktion. AL Karlsbad 11,808 87 26,888.844 Komotau 11.300 80 28,049.460 Mies 16.027 88 28,198.247 Ehodau 12.444 .100 28,180.827 Asch 8.790 41 16,205.887 Saaz 8.167 42 10,126.678 Seite 8 Sozialdemokrat" SamStag, 29. August 1936. Nr. 201' SVoger jevtung BUfettwagen der Straßenbahn? Wie..Tclcfltnf"»berichtet, plant der Ver- waltungLrat>>cr Prager Straß»nbahn, Wagen zu bestellen, in welchen ein Buffet in der Act der Speisewagen der Eisenbahnen eingebaut lvärc. Diese Wauen würden für Rundfahrten durch Prau benützt werden, wären also vor allem für die Fremden bestimmt. Trolleybus In Betrieb Gestern wurde die erste Trolleybuslinie von Primntor'B a x a eröffnet. Der Strecke von der HanSpanlla sollen in kurzer Zeit weitere, und zwar von Smichov zum Weihen Berg und in die Inner« Stadt, folgen. Gewerbliche Fortbildungsschulen In Prag II., Sinekkv 22, 8. Stock: n) Zweiklasstge allgemein» gewerbliche Fortbildungsschule für Lehrknaben und Lehrmädchen gewerblicher Berufe. b) Zweiklasstge gastgewerbliche Fortbildungsschule für Lehrknaben de- Gast« und ÄaffeehauSgewerbcS.— Einschreibungen im Sekretariate des Deutschen Handwerkcrver« einer in Prag II.. Sinekkv 22, 1. Stock, 9 bis 1 und 8 bis 8, bis zum 15, September. Dauer des Schul« sahreS: 2. September bis Ende Juni. ßmektssaat Zweieinhalb 3ahre schweren Kerker für Abteilungsvorstand Herget Die„geschwächte Vernunft** eines hohen Sparkassenfunkttonärs Prag,(rb.) Gestern wurde vor dem Strafsenat P l o c e k die seinerzeit vertagte Verhandlung gegen den 58jährigen Abteilungsvorstand einer hiesigen großen Sparkasse, Hermann Herget, und besten Mitangeklagten, den 35jährigen Vertreter Johann P a tz e l t, abgeschlossen. Gegenstand der Anklage bildete eine enorme Defraudation, deren sich Herget unter Mithilfe Patzelts zum Schaden seine» Instituts schuldig gemacht hat. Trotz de» immerhin auskömmlichen Gehaltes von 80.000 Xö, das Abteilungsvorstand Herget bezog, war er doch seit mehreren Jahren in beständigen Geldverlegenheiten, woran sein mehr als verschwenderischer Lebenswandel Schuld trug. Obwohl die Sparkasse ihren AbtcilungSvorstand bereits einmal nist 20.000 Xö saniert hatte, geriet dieser doch immer tiefer und tiefer in Geldverlegenheiten, was hei seiner, geradezu pathologischen Äer« f ch w e n d u n g S s u ch t nicht zu wundern ist.-Dprch verschiedene Liebesabenteuer— u. a. hielt cr^ine Geliebte aus, der er'äußer sonstigen Zuwendungen und Geschenken eine feste Apanage von 1000 K£ gesetzt hatte— und seine sonstige Lebensweise hatte er sein Familienleben vollkommen zerstört, wie denn auch seine Frau in diesem Prüzeß als Belastungszeugin austrat. Als die Lage ausweglos geworden war, entschloß sich Herget, sich durch eine Defraudation großen Stils zu helfen. Am 15. Jänner d. I. schickte die Vorsteherin dcS NonnenordenS der Voroncheriunen, der auf der Kleinseite ein Ordensspiral unterhält, eine Bedienerin zu der betreffenden Sparkaste, mit dem Auftrag, achtundvierzig Sparbücher, aus welche ein Teil des Ordcnsvermögcn» angelegt war, zwecks Zuschreibung der Zinsen für das ab gelaufene Jahr vorzulegen. Im Zug« dieser Manipulation gingen diese Sparbücher auch durch die Hände der AbteilungSvorstandeS Herget. Dieser, vollführte nun ein dreistes Defraudationsmanöver. Er bracht« eines der Bücher— lautend auf 140.000 Xi— zur Seite, was er, den dank seiner leitenden Stellung niemand kontrollierte, mit Leichtigkeit tun konnte. Am gleichen Tag noch setzte er sich mit seinem vertranten Freund und Kameraden verschiedener Darnächt«, dem Handelsvertreter Patzelt, ins Einvernehmen, der sich auch bereitwilligst in die Rolle de» Komplicen fand. Er übernahm das Sparbuch, legte er am folgenden Tag beim Auszahlungsschalter vor und behob mit gro» ßer Selbstverständlichkeit 120,000 Xi. Dann stellte er da» Einlagebuch dem famosen Ab« teilungrvorftand zurück, der«S mit der Zinsenzu- schrelbungSstampigliv' versah und sodann wieder in den Saufen der übrigen vierzig Sparbücher schob, als'ob nichts geschehen sei. Die Kumpane rechneten Beraehot die Felaenitldte Wekelsdorf und Adersbach Weltberühmt als einzig dastehende 8andsteingebHde Die Naturdenkmäler Sühlen zu den beliebtesten Reise** zielen tausender Touristen. Spmmerfrischen» Herrlich angelegte Bäder—Hotels: Felsenstadt Adersbach— Eisenhammer« Wekelsdorf. Prospekte durch die Felsenverwaltungen. 8496 damit, daß, wenn die Malversation aufflöge, der Verdacht sich Wohl gegen jeden andern eher richten werde, als gegen einen Funktionär in so gehobener Stellung, wie«- die HergetS war. Diese Kalkula- tion war an sich gar nicht.so uneben und jedenfalls schwebte eine ganze Reihe Keiner Beamten in der Gefahr, in«inen Verdacht zu geraten, der für ihre Existenzen hätte verhängnisvoll werden können. Das defraudierte Geld teilten die Spießgesellen derart, daß Herget als ingeniöser Projektant und Durchführender dieser Unternehmung den Löwenanteil erhielt, während sich der Helfer Patzelt mit lumpigen 25.000 Ui begnügen mußte. Beide.feierten*' dann den gelungenen Gaunerstreich in ihrer Weise aufs opulenteste. Die schlaue Rechnung HergetS, daß er über jeden Verdacht erhaben sei, erwies sich indessen al- falsch. Er selbst war e», der ungewollt die Polizei auf die richtige Spur brachte, indem er, der notorisch Verschuldete und in ewiger Geldverlegenheit Stek- kende, das Geld so unvorsichtig hinauszuwerfen begann, daß eS Aufsehen und schließlich Verdacht erregte. Rach kurzer Zeit waren die Detektivs ihrer Sache so gut wie sicher. Herget wurde verhaftet, brach nach kurzem Leugnen zusammen und gestand. Selbstverständlich aber berief er. sich darauf, er. sei geistig nicht normal und ergo auch nicht zurechnungsfähig, wie man denn überhaupt selten«inen Skan- dalvrozetz aus jenen»höheren"'Schichten erleben wird, in welchem nicht ein psychiatrisches Gutachten die Situation retten soll. Herget konnte sich tatsächlich auf eine gewisse erbliche Belastung berufen (Väter und Onkel Selbstmörder, zwei Tanten, geisteskrank) und'wurde außerdem durch die-.Leugen« schäft seiner eigenen Gattin als Luefiser hingcstellt. Bei der ersten Verhandlung ereignete sich nun der.ungewöhnliche Fall, daß die vom Gericht bestellten beiden psychiatrischen Gutachter einander heftig widersprachen. Während Dozent Dr. Bondy den Angeklagten für zurechnungsfähig erklärte und ihm höchstens„geschwächte Vernunft".zubilligen wollte(und trotzdem solch eine Karriere! A. d. R.), erklärte Dozent Dr. Kalmus, das Verfahren sei geeignet, Zweifel darüber auskommen zu lasten, ob Herget nicht tatsächlich seit einiger Zeit geisteskrank gewesen sei. Ein abschließende- Gutachten könne erst nach Prüfung des gesamten Materials abgegeben werden. Die scharfen Polemiken der beiden Gutachter schlossen bei der letzten. Verhandlung im April damit, daß der Gerichtshof die Sache vertagte und beschloß, zwei weitere Sachverständige.zu bestellen. Gestern erstatteten nun als neue Erperten Prof. Dr..Herfort und Dr.. Wiener ihr Gutachten, in welchem sie- Herget al» zurechnungsfähig' und strafgesetzlich verantwortlich erklärten, wenngleich ihm geschwächte Vernunft al» mildernder Umstand zuzubilligen' sei.' Der Gerichtshof verurteilte hierauf Hermann Herget zu zweieinhalb Jahren, seinen Komplicen Johann Patzelt. aber zu zwei Jähren schweren KetterS. Karin Hardt die Partnerin Adolf Wohkbrück» in dem Film „Port Arthur" JCunst umi Mssen, „DaS Wort", literarische Monatsschrift, Moskau. Redaktion: Bertolt Brecht, Lion Feuchllvanger, Willi Bredel(der in einer Rede vor Schrissstellcrn in.Moskau energisch die Hinrichtung Sinowjews und der anderen„Trotzkisten" forderte). Heft 2 enthält Beiträge von Feuchiwanger, Brecht, Ottwald, Toller, Oliver, Ludwig Marcus«, Ernst Bloch. Preis de» Heftes 7 Xi. Bilder aus Griechenland" ist der Titel der Ausstellung, welche die Redaktion der Kunstzeitschrift „Veraikon" im Kunstverein für Böhmen, Prag II., PStroßoya 12, Sonntag um 11' Uhr. vormittag» für geladene Gäste eröffnet. Die Ausstellung enthält ausschließlich Bilder de» bekannten tschechischen Künstlers Prof. Franz Sindelät, die er auf sein«« vielfachen Studienreisen in die Stätten der klassischen Kultur, vor allem in Griechenland, aber auch in Sizilien und Kleinasien, geschaffen hat.' VeremsnaeimMen, Allg.. Angestellten'Lerband Reichenberg, Ortsgruppe Prag II., Fügnerovo näm. 4,„Gcc". Monatsversammlung am 2. September.(Mittwoch), um 8 Uhr im Handwerkerheim, Smekky, mit Sekretär Grünzner, Reichenberg.— Ausschuß« sitzungam Mittwoch, den 9. September.. Republikanische Wehr(Ortsgruppe Prag). Samstag, den 29. August, Ausmarsch zur Ra» turfreundehüfte im Brdywald. Treffen pünktlich 15 Uhr, Smichower Bahnhof. Abfahrt 15.10 Uhr bis VSenor. Rückfahrkarte 6.80 Xi. Wanderkleidung. Ihre Gesundheit schützen Sie am besten, wenn Sie Ihre Nachkur im weltberühmten Tatra-Höhenkurorte Stary Smokovec, Altschmecks verbringen Tatra Sanatorium, Qrand Hotel, Hotel Hoepfner u. 11 Dependancen Mäßige Preise.- Prospekte Badedlrektion- Stary Smokovec © Ortsgruppe Prag. Sonnt» g, den 80. August, Zusammenkunft um 7 Uhr am Braniker Bahnhof. Fahrt nach Jarov. Wanderung: Zvole, Zahokaner - Tal, Sazava, Davle, Fahrpreis Xi 7.50. Führer: Korn.— Außerdem jeden Samstag und Sonntag Zusammenkunft in der Hütte im Brdy- Wald.— Voranzeige. Am 28. September (Doppelfeiertag) Wanderung in die schönsten Teile des Brdy-Waldcs. Anmeldung und' Information in der Geschäftsstelle. filme in Prager Lichtspielhäusern Vom 28. August bi» 8. September. Urania-Kino:„Der Klosterjäger". P. Richter. Ulmer.— Adria:„Rose Marie". A.— Alfa:-Küß nicht im Kino". A.— Avion:„Rose Marie". A.— Beranek:„Die blaue Brigade". Annabell«. Fr..— Fcniz:„Meuterei auf der Bounty"..Laughton, Gable. A.— Flora:„Sieben Polarhelden". Rust. — Gaumont:„Der Bettelstudent". D.— Hollywood:„Schatten der Vergangenheit". L. Ullrich. D. — Hvizda:„Lunapark". Eddie Cantor. A.— Juli»: „Der Bettelstudent". D.— Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna: Aktualitäten, Journale, Grotesken.— Lacerna:„Meuterei auf der Bounty". A.— Metro i„Der kleinste Rebell". Sh. Temple. A.—Passage:„Schatten der Vergangenheit". D.— Praha:„Ch. Chan» Geheimnis".— Radio:.„Wettlauf mit dem Tode". A.— Skaut: „Nachtangriff". A.— Sviiozor:„Der kleinste Rebell". A,— Alma:„Boxer und Dame". A.— Baikal:„Boxer und Dame". A.— Befedä:„Die lustige Scheidung". A.— Carlton:„Boccaccio". D. — Illusion:„Die Adler der Lüfte". A.— Lido II: „Drei bengalische Reiter". A.—• Louvre:„Boccaccio". D.— Maceika:„Boccaccio". D.'— Olympier „Adler der Lüfte". A.— Prrityn:„Weg zum Ruhm". Richard Tauber.—Roxy:„Rendezvous in Wien". D.— U Bejvodu:„Sage nie: Ich liebe Dich". D.— Beletrhy:„Boccaccio". D. Jetzt massen Sie unbedingt Ihre Blumen mit Blumei-Zauterhng begiessen, wenn sie schon blühen sollen 1 Paket Kä 6*60 durch die Verwaltung „Frauenwelt", Prag XU., Fochova tf. 62, und bei allen Kolnorteuren erhältlich Urania-Kino, Klimentsliä 4. -' Fernsprecher 61628; Der Kiostcrjagcr Hinter den Kulissen des rums Aus dem Tagebuch eines.Regisseurs Ein ehemaliger Filmregisseur, der in der Zeit des stummen Film» mehrere erfolgreiche Unterhaltungsfilme drehte, stellt uns seine Tagcbuchauszeichnungen zur Verfügung, die wir hier in zwangloser Folge wiedergeben. Sie gestatten.einen interessanten Einblick in di« „Gründerjahre", in denen aus. einem'Gemisch von ernster künstlerischer Arbeit, heiterer Hochstapelei,' spekulativem Abenteurertum und künstlerischer Konfektion die heutige Großmacht ' Film entstand., D. Red. I. Der Filmmagnat vom Balkan In den ersten Jahren nach-KriegSende schossen in Berlin die Filmgesellschaften wie Pilze aus dem Boden. Jeder, der sich anderweitig nicht durchsetzen: konnte,' warf sich auf die» Handwerk mit seinen'' phantastischen Möglichkeiten. Die Börse handelte-noch keine Fftmaktien, aber die Spekulation riß sich darum. Konfektionäre, Handwerker, Geschäftsreisende, kleine Schieber wurde» über Nacht Filmdirektoren und Regisseure mit „neuen, bahnbrechenden Ideen". An der oberen Friedrichstraße beherbergte jedes Haus fünf oder sechs Filmsirmen.' In der Putkammerstraße befand sich damals ein kleiner Friseursalon, in dem sich die benachbarten Fikmleutc rasieren zu lassen pflegten. Ec war fast.immer überfüllt, und es wurde deshalb viel gefachsimvelt. Der Friseurgehilse hört«'dabei andächtig zu. und trank die Worte der großen Männer wie'Honigseim. Der Friseurgehilfe war ein mazedonischer Serbe türkischer StaatSzugehörigkeit und hieß Franjo Ledic. Er war nicht dumm. WaS diese ehemaligen Ellenreiter im Hirn hatten, das batte er, so glaubte er wenigstens, im kleinen- Finger. Was sie konnten, konnte er auch. G/ld? Warum, denn? Sie batten ja auch alle ohne Geld ange» sangen. Franjo. Ledsc verließ den Friseurladen und, mietete in einem Hause der Friedrichstraße di«, ganze Dachetage. Er bezahlte mit einem in drei Tagen zahlbaren Scheck. Innerhalb dieser drei Tage fand er für eine der beiden Wohnungen einen Interessenten, der ihm dafür das Anderthalbfache- seines eigenen Mietspreises Mr die. ganze Etage zahlte.' So kam er zu einer Vierzimmerwohnung undBargeld. Da» große Geschäft, begann.- Zunächst,,bestellte Franjo Ledie ein Leuchtschild: das'er- in Hausbreite-über seinen Fettstem anüringcn ließ.' Eck war, was'heut« nicht mehr viele'wissest, die erste Lichtreklame' der' Berliner FriedrichSstadt und trug die.stolze Inschrift:„Ozean-Filmindustrie, offene Handelsgesellschaft, Gesteraldirektion: Franjo Ledie"^' Gleichzeitig erschienen in den großen Tageszeitungen kleipe., Anzeigen:„Okfizierswitwen, Resttner, kleine Sparer, die ihr'Geld nutzbringend anlegen wollen,' wenden- sich vertrauensvoll qnDie.Interessenten wurden nach, der Friedrichstraße 84' bestellt.' Dort verkaufte' man ihsten Anteilscheine der Ozean-Filmindustrie, des „derzeit günsti'gsten Filmunternehmens". Es gab Leute, die gleich für' 80.000 oder 50.000 Mark Anteile erwarben., Abends trug.man das Geld ist Waschkörben hinaus. Zu gleicher Zeit erschien zym-Erstaunen der gesamten Filmbranche folgende, bombastisch«. Hst« Kündigung der Fachpresse:«Die Ozean-Filmindu strie o. H. G. hat unter der Regie und künstlerischen Oberleitung ihres Generaldirektor» Franjo Ledic. mit den Ausnahmen'zu ihrem ersten En- semble-Groß-Spielfilm„Angelo, das Mysterium eines Schlosses" begonnen. Manuskript und Regie: Franjo Ledie; Hauptrollen: Ernst Dernburg und Lina Salten." -Ernst Dernburg und Ling-Salten waren damals.ist-Mode- Uber-es stimmte. Der Film würde ivsrklich-gedreht und da Ledic den tüchtigen Hilfsregisseur Carlo Capcllo engagiert, hatte,- wurde er auch'fertigt, Aber-dann kam die-Kata- strophe. Franjo Ledic hatte sich zu intensiv um die- Ausnahmen- bekümmert, der Film taugte infolgedessen nichts,-und kein Kino wollte die Uraufführung übernehmen. Da ging-Franjo-Ledic zu seinem.LastdSmanst,- dem ehemaligen Feuerfresser Sölimäniustd pachtete ihm auf achtAage die So.li« man.gehörenden. Passage-Lichtspiele ab. Hier startete nun'die Premiere-'Trotz leistungsfähiger Clague und großzügigster Presseabfütterunq waren jedoch die anderntags'erscheinestdeir Presse- kri.tikcn durchwegs' hundsmiserabel. AbcrLedic wußte sich zu helfen... Er war doch Friseur gewesen. Cr. frisiertp. also die abfälligen idritiken durch'Streichungen,uttd Punktierungen inanbr- kenstestde um,, ließ sie' dann in' esstem viersprachigen Kunstdruckheft'auf Büttttpapier drücken,' versandte- sie- an sämtliche Filmverlcihev Mitteleuropas.' mnd, verlauste,'sm den in. Berlin rettungslos durchgcfallenen Film- für das. Anderthalbfache set» .ner Herstellungskosten: nach^Holland.:.-; i Gleichzeitig erschienen die bewußten kleinen Anzeigen munter zweiter) und das Geld schien sich gqr nicht erschöpfen zu wollen. Außerdem gründete Franjo Ledic noch eine Filmschule und. ein Filmkabarett, in dem er sogar eigene„Dichtungen"' zum Bortrag: brachte,-Li« freilich auch da nach-aussahen. Eine von ihnen hieß„Der Aogha» Schlaf; ein« orientalische Filmromanze-"-, und. der erste ihrer etwa 80 Verse lautete in-des„Meisters" reizvollem Serbisch-Türkisch-Deutsch: „Omar liebte Soleika an Tagen ganzes Jahr,, als im Mondenscheine ihn Hussuf Beg nahm wahr. Fussus Beg warf Omar in härtestem Verließe, für verbotene Lieb', daß der Omar büße."-. Ueberflüssig zu-betonen, daß die filmbegei- sterten Leut« diesem Poem- Les großen Direktors fanatischen Applaus spendeten. Ächt Wochen später brachten Fachpresse, und Anschlagsäulen die zweite Ankündigung:„Nach dem Riesenerfolg ihr.es ersten Großfilms«Angelo., das Mysterium eines Schlosses",'beginnt'-die Ozean-Filmtndustrie unter der Regie und künstlerischen Oberleitung ihres Generaldirektors Franjo Ledic-mit den Aufnahmen ihres zweiten' Enfemble-Groß-Spielfilms:«Simrum,'der wun derliche Götze". Hauptrollen: Ernst Dernburg- und Lina Satten^ Sodann folgt:„Der Aogha» Schlaf",' eine orientalische- Filmromanze von' Franjo Ledic.- Sodann erscheint:„Europa 4iv Flammen", ein Monumentalepisodenfilm in 30 Teilen' zuije ü. Akten."... Die Filmbranche stand Kopf. Die Aufnah» men begannen. Die kleinen Anzeigen erschienen, weiter.-- Aber der-Geldstrom ebbte allmählich ab. Da machte Franjo Ledie Schluß. Während in den. RtiderSdorfer Kalkbergen di«- Afrikaszenen, des .„Simrum"»Film» gedreht wurden, bestiegen Franjo Ledil und Gemahlin-den Zug nach Wien, mm chon dort nach dem Balkan weiterzureisen. Man hat sie nie wiedergesehen, und die rund,- 40 Millionen Mark(Kurswert-von 1920), die-Ledie-in Berlin abschöpfte, sind.seltsamerweise auch ver« schwunden...:," Ä. P. Bezugsbe bin g un g e n:.Äei Zstftellung MS Sau»»der bei Bezug durch di.. Poft monatlich XL 18.—.', vierteljäbrig X« 48.—. bakbfSbrto Ke SS.->, ganzjährig Xi 192.—.— Inserate werden lau«.'. Tarif billigst berechuel. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.—Rückstellung von Manuskripten«folgt stur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Poft- und Tele»! graphendirektton-mit Erlaß Nr. l8chü0/VIM9g0 bewilligt.—^Druckerei:.OrbtS", Druck-, V«rlag»- und ZetttmgS^A.-G." Prag.---