Einzelpreis 1 KL Bmtantf 48 Seiften a.6,. Jahrgang Sonntag, 30. August 1936 Nr. 202 Fünfzehn Jahre»Sozia6demokrat« Den deutschen sozialdemokratischen Arbei- tcrn. unseres Landes, deren verständnisvolle Opferbereitschaft die Gründung unseres Blattes ermöglichte,’ deren Treue es auf seinem Wege begleitete, für ihre Verbundenheit mit unserer, mit ihrer Zeitung zu danken, ist in dem Augenblicke,-da wir auf anderthalb Jahrzehnte des Bestandes des„Sozialdemokrat" zurückblicken, Gebot'des Herzens. Denn, nur in dieser engen' Verbindung mit dem Wollen und Sehnen der Arbeiter vermag die sozialdemokratische Zeitung zu leben und zu wirken» aUS ihr schöpft sie ihre. Kraft, und daß es Sprecher und Anwalt der Arbeiter und Führer in ihrem Kampfe ist, ist die Legitimation des sozialdemokratischen Blattes. Die Geschichte der sudetendeutschen Arbei- terpresse beginnt nicht mit der Griindung des >,Sozialdemokrat", aber diese eröffnet einen neuen Abschnitt. Im alten Oesterreich, solange unsere Organisationen nur, Glieder der Lsterret- chischen Sozialdemokratie waren, konnten unsere genossen noch zur Not das Auslangen mit den KreiSbsättern finden, obwohl schon seit vielen Jfctan.; jMfc Wiene.r^AMft.H.Zeihtyg",.diese beft?..aller m deutscher,. Sprache geschriebenen lojülhiWkruWw MMMWikMaMn. Gründe« die mannigfachen Probleme dec Arbei- terbcwcgung in den Sudctenländcrn doch. nicht "nygöhend genug behandeln" konnte.' Die'Wer»' - selbstandtgüng.unserer'Beweguyg im^ neuen Hitpate machte die Gründung eines Zcntralblat- tes dec sudetendcutschen Sozialdemokratie, zur unabweisbaren Notwendigkeit. Karl! Eerrnak erfülltes das Gebot der Stunde..Dankbat gedenken wir feiner'fchöpferifchm Tat! , Die anderthalb Jahrzehnte des Bestandes unseres Blattes umfassen eine so gowallige Fülle umwälzender politischer Ereignisse wie in früheren Epochen nicht länge Reihen von Jahrzchn- ten: Das Verebben der revolutionären Bewegungen, die sich dem Kriege anschlossen, die Kämpfe um die deutsche Republik und den Untergang des Waimärer' Staates,.- die Erneuerung Wiens durch sozialistische BerwaltüngSkunst- und. den Kainpf um die österreichische Republik und den. htzröischen Kampf der österreichischen Arbeiter, den Aufstieg des skandinavischen Sozialismus, die innere Festigung-derSowjetunio» und die Liquidierung des ursprünglichen Bolschewismus, die Erschütterung der Weltlvirtschäst durch' die verheerendste aller Krisen deh Kapitalismus, Las Vordringen'deS Faschismus ustd hätfift^dyS Her- anreffen.der großen WSelnapdersetzung zwischen Demokratie und Dtiftgturl. Mischen^Kapitalismus und SoziaüSMUS'.nscht mehr innerhalb der. LandcSgrenzen,' sondern auf wahrhaft.inter- nationalctn Kampfboden.- Mehr Tragik als Triumphe der.Arbeiter- bctvcgung scheinen auf- den erste» Blick! diese .änderthalb Jahrzehnte'zu umfassen—. aber doch nur auf deß ersten Blick! Der tieftr Forschestde wird-erkennen,' daß dop, Faschismus,, weil er die Wirtschaftlichen Gegensätze,.di? der Kapitalismus erzeugt,mücht aufheben. lann und will, nur das tzet^nii^'MHj^ekÄner-mucht^RevoWyt^es«- kann, daß die gewandMe, in neueU ForMen wie- dererstehende soziäliftische BewegünWhm üher- wsiidechwird/V.ergissechwiriindie'serZeit, nicht revolutionäre Boden, istreäolutiopär ßl'r,.; In diese- ppdöhthalb. Jghrz^nte sällt auch das.fiir uns beglückcndste Ergebnis der soziali- Mlchen Bewegung in unserem Lande: ,2>{e ftellung enger Kanipfgemeinschaft mit der tjche- choslowakischen Brudertzätteil Sie mft vorberei- tet,.ihr nach KxäfMlgedicnk zu haben, darf unser VlEflch'wohlMMinigem.WkMDm"- Füt'die Nationale BerstanMungzu-tvft. -Ltzn, den Kämpf gegen MmytHpd'-WWw iW Mbren^detr NöliMdnheltMu Mirtich/P. lichen und politischen'Kampfbedingungen in unserem Lande'zu entsprechen, das wären die Ausgaben, die wir zu erfüllen trachteten. Sie bleiben, aber zu ihnen haben sich neue gesellt: In der Zeit der-Unterdrückung der Arbeiterbewegung in den deutschen Nachbarstaaten, der Ver- nichtung der sozialdemokratischen Presse ringS um uns, muß unser Blatt Kampfblatt sein auch fiir die deutschen und österreichischen Arbeiter, ist cs die journalistischcZahne des deutschen,Sozialismus in'Europa!- Der„Sozialdemokrat" wird seine Auf gaben zu erfüllen vermögen, wenn ihn so wie in den ersten anderthalb Jahrzehnten seines Bestehens das Vertrauen und die Treue-der Arbeiter trägt. In dieser Zuversicht wollen wir weiter arbeiten und kämpfen. t Nach kurzer Rückschau neuen Känipfen, neuen Stürmen entgegen I Sie sind die Stürme, die. den Untergang einer Welt ankündigen. Ja, cs ist ein hartes Los, in Sturmzeitcn zu leben. Aber es ist auch, nach einem Marx-Worte, beneidenswert, die ersten zu sein, die lebendig ins Neue Leben eingchen! Nicht unser Weg! In ihren Gräbern beginnen die Leichen der sechzehn Opfer des großen Prozesses zu modern, einige Zeit hindurch wird aus de» Moskauer Schalltrichtern noch wilder Schimpf gegen die Toten geschleudert werden, dann lvcrdcn neue Verfolgungen anderer„Verschwörer", neue Prozesse kommen, die Namen der. Hingerichteten tverden seltener genannt werden. Ob je die volle Wahrheit über diesen Prozeß der Welt belannt tverden tvird, ist fraglich. Auch einer späteren Zeit tvird cs kaum möglich sein, ihn auch nur aus den Akten zu rekonstruieren, denn unter Stalins Kommando tvird wohl auch dafür gesorgt tverden, daß Dokumente, die wider ihn und sein Herrschaftssystem sprechen töntiten, nie gefunden werden können. Nicht über den Prozeß, über den tvir unsere Meinung deutlich genug gesagt haben, soll heute nochmals gesprochen werden, sondern über das System, in dem er möglich war und dem er notwendig schien. Es ist das System der bolschewistischen Diktatur. Eine Diktatur, die mit dem, was Marx und Engels unter der so viel umstrittenen Diktatur des Proletariats verstanden, nichts gemein hat. Denn daß Rußland heute ein Arbeiter- und Bauern-Staat ist in dem Sinne, daß cs die alten Herrenklassen der Bourgeoisie und des. Groß- grundbesitzes nicht mehr gibt, besagt noch lange nicht,, daß,dje Arbeiter herrschen, Immer nur hat in Solojetru ßland- die-kommunistische Partei und 'In: ihr und-durch sie eine FuhretgruWe geherrscht. Auch Lenin wär unbestrittener Führer der kommunistischen Partei und des Sowjetstaates. Aber er war es kraft seiner-geistigen und moralischen lleberlegenheit, die von niemandem bestritten war, und er sah In denen,' die mit ihm dse Grundsteine des neuen Staates gelegt hatten, Mitarbeiter, nicht Rivalen— und nie lieh er zu Lebzeiten sich so vergöttern wie Stalin, der menschlich um so viel kleiner erscheint, je inehr er diese Beweihräucherung duldet, Stalin aber sah, im Gegensatz zu Lenin,'in den alten Bolschewiken, in den Mitarbeitern Lenins, von denen manche ihm geistig überlegen waren, tvenn auch keiner von der gleichen Energie und Rücksichtslosigkeit erfüllt war wie er, stets nur Rivalen. Er.hat von allem Anfang an nach der Alleinherrschaft gestrebt. Er hat sie verwirklicht. Lenin wollt« di« Diktatur des Proleta» riats und wollte auch sie nur als llebergang zu neuen Formen der Demokratie. Stalin hat, indem er nach und nach alle Rivalen beseitigte, nur noch die alten Formeln gelaßen, die.alte Terminologie, ja er hat mit'der neuen Verfassung eine neue denlpkratische Scheinsorm der BolkShecrschaft geschaffen— aber er Ist tatsächlich zum Alleinherrscher geworden. Er hat das Erbe der Zaren an- getretcn. Es ist ein gewaltiges Erbe. Es ist iin anderes, es ist ein Neues Rußland. Ein Rußland, das in- phantastischen Ausmaßen industrialisiert würde,' in dem die Landwirtschaft neue vcr- heihunsvolle Wege eingeschlagen hat, viel für die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse getan wurde, viel-auch für die Hebung des kulturellen Niveaus der Massen— das Analphabetentum wurde wirksam-bekämpft. Man könnte den Sta- linschen Absolutismus als aufgeklärten Absolutismus preisen. Nicht hoch-genug sind diese Leistungen, deren der Zarismus nie fähig gewesen wäre, zu werten. - Die. bolschewistische Revolution hat im russi- schen Volke gewaltige schöpferische Ktäft« geweckt. lSie haben das Land- gründlich verändert. Aber sie 'haben, nachdem' sie nur auf die Aufgabe des Wirt- schaftsaufbaues gelenkt' Wörden. ldaren,' ihnen Andere Wege gar-nicht-mehr- offen Wieben, zwar -in technischer Beziehung einen neuen Amerikänis- «andere Wege-gar. nicht'mehr offett blieben, zwar' Nicht das russische Volk zu einem-wirklich freien Wölke machen könnest,- Biel erzählt' man uns von «der neuen Lebensfreude des russischen Menschen. «Und er mag, wenwer auf sein« industriellen Leistungen blickt',-?, und er mag, wenn er sieht, daß es'-''wieder- bessere Kleider- Und genügend Eßen-- und allerlei- Vergnügungen gibt, das Tanzen' nicht mehr als'kleinbürgerliches' Vergnügen, der^Svrt sogar als Sowjettugend gilt, schon seines-Lebens froher sein als der Mensch der Zarenzelti Äs'.stich, daß Är gern bereit ist/sanstätt wie früher den lieben Goft Npn Väterchen Sta- «M M alls» ssrge» zu laß«,—. zumal-S ge-. Gering geschätzt von einer Zeit, die Aich mißbrauchte ., Zu Streit.undLügeund zu läppischem Spiel.. '> Und. freudig gröhlte, g/ä mein, Scheiterhaufen rauchte ■■■ Und. mieine:.treu'ßten Künder gingen ins. Exil,—- lUnd doch yerndßi',beweint, ersehnt, als m geschehen," Aller Vefbräch^n' schlimtnst'Mi' iCiinpf widef den Geist•— Muß i Herold", das Organ der Labour-Pärty, schreibt:„Die Kommunistische Partei Großbritanniens schreit nach Blut. Nicht weil ihre Führer wirklich blutdürstig sind, aber lveil Moskau die Parole äusge- gebcn hat und das Londoner Echo ihm entsprechen mutz. Sic stotzen narrische Beschuldigungen gegen die zum Tode Verurteilten aus, weil sie damit Stalin zu gefallen hoffen. Dabei waren es vor gar nicht langer Zeit Sinowjew und Tomski, um deren Gunst sie bemüht waren. Auf Befehl posieren sie als Demokraten. Auf Befehl lassen sie plötzlich die Maske fallen und feiern die Geheimpolizei und Justizmethoden, die des Zarismus würdig sind. Auf Befehl binden sie die Maske schnell wieder vor. Denn sie wollen in die Labour« Party zugelassen werden. Wenn sie daS erreichen, dann werden wir eines Tages auch bei uns den Rnf hören:„Erschiesst die RcptilienI", wenn irgendwelche von ihren Genossen von den Führern für Reptilien erklärt werden." Die„Solidarität", ein getarnter kommunistischer Verein, der sich unentwegt als neutral bezeichnet, schickt Rundschreiben über das Asylrecht der Emigranten auS. Die„Solidarität" hätte jetzt eine glänzende Gelegenheit, nachzulvcisen, daß ihre Tätigkeit objektiv und also ernst zu nehmen ist: auS Norivegen sind zwei Mitarbeiter Trotzkis auSgewiesen worden. Gegen Trotzli selbst, der ein Emigrant ist, wird in der kommunistischen Presse eine wütende Hetze entfaltet. Wird die „Solidarität" auch für Trotzki und seine Anhänger daS Asylrecht verlangen? Berhaftnng von Henleinlcuten. In Oderberg sind dieser Tage zehn Anhänger der Sude- teudeutschen Partei verhaftet worden. Die Gründe der Verhaftung wurden nicht bekannt- gegeben. Ein« vollbeschäftigte Industrie. AuS Aber» t h a m wird uns gemeldet: Erfreulicherweise Hai neuerdings die Handschuhindnstrie stark eingesetzt und eS sind alle Firmen mit Aufträgen überhäuft. KreiSaußsteüung in Wigstadtl. In Willst a d t l, der schlesischen Textilsiadt, wird heute eine„Kreisausstellung" eröffnet werden. Vorher sanden Ausstellungen in den Jahren 1802, 1000, 1008 irnd 1026 statt. Die Ausstellung wird folgende Gebiete umfassen: 1. Eine allgemeine Gewerbe-, Handels- und Industrieausstellung. 2. Eine grosse landlvirtschaftlichc Maschinenschau. 3. Die Jagdausstellung, Aguarien- und Terrarien- schau. 4. Eine Pflanzen-, Obst- und Gartenbauausstellung. 5. Die Rinder- und Schweineschau. 6. Die Bienen- und Kleintier-AuSstel- lung. 7. Das landwirtschaftliche Bildungs- und Organisationswesen. 8. Die Lehrlingsarbeiten- und FortbildungSschnlen-AuSstellung. 0. Eine Briefmarkenschau. 10. Die-Flugzeug-Ausstellung), Lüftschutzpropaganda und Flugzeugmodclle. . Rothau« Hausindustrie auf der Prager Messe. Auf der dieSjähriaen Prager Herbstmesse (4'. bis 18. September) wird im Messepalaste, 1. Stock, auch ein Sammelstgnd der Nothauer Hausindustrie untergebracht, sein, in dem Handarbeiten in Klöppel-, Tüll- und Stickrreitechnik zur Vorführung komen werde::. Der Gefangenenaufseher wird. eingesperrt. Der Tepliher Gefangenenaufseher L. wurde, dieser Tage von einem Polizisten in einen: Gasthaus aufgesordert, das Lokal wegen Eintritts der Sperrstunde zu verlassen. L. ging dem Polizisten nach und setzte ihn: auf der Gasse den Dienstrevol- ver an die Stirne. Der Polizist verhaftete den Angetrunkenen. Er wurde den: Leitmeritzer Kreisgericht überstellt. Der Revolver war geladen. Die Heide blüht! Zu der schönste^ Zierde des Waldes gehört es, wem: die Heide die Erika— ihre Blüten erschließt. Der Waldboden leuchtet dann in einem rötlichen Schimmer und daran erkennen Ivir den liebergang vom Sonnner zum Herbst. Heide gibt es in unseren heimischen Waldungen fast überall. Wie traulich läuten die kleinen Glocken der Heide ihr Späfsommerlied! Die Meüschen pilgern hinaus, nm Über dem I Leuchten der Heide froh zu werden. Glück ist es, DI« unfreiwilligen„Mitarbeiter“'gratulieren Uris Karl Cermak In diesen Tagen, da wir das fünfzehnjährige Bestehen des„Sozialdemokrat" feiern, gedenken wir des verstorbenen Karl öer mak, des Mannes, der an der Schaffung unseres Blattes einen Hauptanteil hatte und das stolze Wachstum seines Werkes nur kurze Zeit erlebte. in der Heide zu liegen, solange noch da? Honigkraut am Blüh-» ist. Ist seine Zeit erst um, dann iveht schon der Herbstwind. Ein Siebzehnjähriger erschiesst sich. In Lud- gersthal(Hultschin) erschoss sich der siebzehn Jahre alte Emil Konönh. Tas Motiv der Tat soll unglückliche Liebe sein.' Die Prager deutsche Arbeitersendung bringt in dieser Woche: Sonntag, 80. August, 18.50—14.00: Tag des Gedenkens an Franz Grundmann(Ernst Paul). M i t t w o ch, 2. September, 18.40—18.50: Arbeit?« . markt.— 18.20—18.40: Ter Aufschwung der französischen Arbeiterbewegung(Anton Steinberg).— 18.40—18.45: Soziale Informationen. Freitag, 4. September, 18.85—18.45: Aktuelle . zehn Minuten. Sonntag, 6,.September, 14.80—714.45: Spanien nach dem zweite:: Bürgerkrieg(Josef Kaut). Vie Beschäftigung In der Bekleidungsindustrie und den verwandten Berufsgruppen Der„Bekleidungsarbeiter" schreibt: Die mit Anfang 1036 einsetzende Besserung in der Beschäftigung unserer Berufe hielt bis Ende Juni an. im'Monat Juli ist eine kleine Verschechterung eingetreten. Im Jänner dieses Jahres waren 1062 Mitglieder arbeitslos oder setzten aus. Am 30. Juni waren cs nur noch 1120. Am 31. Juli stieg die Zahl wiederum auf 1351 an. Arbeitslos meldeten sich von: 1. Jänner bis 31. Juni'1036 insgesamt 2055 Mitglieder gegenüber 8884 in derselben Zeit des Jahres 1035." An: besten ist die Beschäftigng in der Hand- schuhindnstric, ungünstig ist die Lage der Schneider und Wäschearbeiter. Allgemein verschärft sich jedoch das Verhältnis zu den Unternehmern, weche die Löhne senken und die ArbeitSansorde- rungcn steigern. Exporterfolg gegen Japan. Die Schnheinfuhr Britisch-Jndien sank im letzten Finanzjahr,:daS am 81. März entdete, auf 2.0 Millionen Paar Schuhe gegen 4.8 Millionen Paar in: Jahre 1934/85. Der Rückgang geht fast ausschließlich auf das Konto Japans, dessen SchuhauSfuhr nach Britisch- Jndien um 50 Prozent zurückging. Der Tscheche« slowalei gelang eS dagegen ihren Anteil von 284.000 Paar auf 851.000 Paar, d. i. um fast 25 Prozent zu erhöhen. Auch in den ersten drei Monaten des laufenden Finanzjahres(d. i. April bis Juni 1986) sank der japanische Anteil ganz beträchtlich, während die Tschechoslowakei ihre Stellung am-indi- schen Schuhmarkt« behaupten kannte. Der Aufwand-für daS Bolköschulwesen in Böhmen wird für daS Jahr 1037 auf insgesamt 886 Millionen KC geschäht, wovon 861 Millionen auf den Personalaufwand und 25 Millionen Aä auf den Sachaufwand entfallen. Zur Deckung des Aufwandes tragen die Bezirschulfonds 28 Millionen, der Lehrerpensionsfonds 50 Millionen und daS Land Böhmen 244 Millionen Kü Bei. Den Rest von 621,8 Millionen als unbedeckten Aufwand übernimmt der Staat und deckt ihn zun: Teil direkt aus StaatSgsldern. An den Polkr- schulen Wirkten in: Jahre 1036 17.080 Lehrer und 1767 Hilfslehrer, an den Bürgerschulen 5605 Lehrer u::d 258 Hilfslehrer und Substituten,^ Katecheten gab es an Volksschulen 08 und an Bpc- gerschulen 857. Die Zahl der Volksschulen betrug 5844 mit 17.730 Klaffen und 176 Expostfnren, die Zahl der Bürgerschulen 052 mit 4747 Klgs- sen und Expositurei:. t'>. Stift 8 Caitttlnfl, 30. August 1038 „Sozigldemokrat" Nr. 209 am ••• 99 . fltiff an Saragossa Heran, ohne sich der Schlacht und einer- neuen Niederlage au?zusehen,, Sie zwangen die nationalen Heldent die bereit wüten,, für einige Flugzeuge und Maschinengewehre Teile ihres„Vaterlandes" an öle Lieferanten zu verkaufen, einen älteren Lehrsatz des Bürger- IriefleS zu beflreisen'l daß der HerioSuius der für eine Ueberzeugung Kämpfenden sich nicht nur im. Verbluten'vor der überlegenen Waffe erweist,, sondern neue Wefle des Kampfes üffnet. Die Stadt Saragossa konnte mit dieser Kampftveise nicht erobert werden, Zum Sturm dieser Stellung brauchen die Milizen bessere Waffen. Aber die Insurgenten wurden in die Ver, teidigung-gedrängt und verhindert, ihren Siez auSzunuhen... Cyrtae. Rom. Benifene Kreise erklären, daß keiner«' lei Demarchen oder Verhandlunflen im Ganfle seien,, welche die. im AnSlande verbreiteten Nachrichten über eitle vorbereitete Zusammenkunft. Mussolinis, mit Hitlers bestätigen, würden. Das'. Ministerium für Presse und Propaganda hat he«.'. stätigt, daß an dem Projekt, einer solchen. Züsqiu- menkunft nicht gearbeitet werde.' Appell zur Menschlichkeit London.(Reuter.) In London einssetroffe» gen Meldungen zufolge sind die Regierungen ses. der die Richtlinie» dieser Politik festsehen M. Bei einer Zusammenkunft der Diplomaten 'in H e n d a y e, die aits-Ancegung deSargenti-t mischen-Gesandten zustandekam, erklärte'die Mehrzahl-der Vertreter, dah sie von ihren Re^' .gierungen günstige- Oiichtlinien. für den an die .beiden''kämpfenden Parteien' richtenden Appells zur Menschlichkeit erhalten haben/.ES soll' ein Einschreiten soipohl bei her'spanischen Regierung, -als auch bei den Aufständischen erfolgen, alle-Vertreter von ihren Regierungen die- dies-•< bezsiglichen Instruktionen erhalten haben werde»!< -Dieses' Einschreiten wird allerdings nur. eine Aufforderung, keineswegs aber' eine direkte Ver»’ mittlung sein.■_■\ s!'. SÄ'"""P.4 . Nachtgefecht In Jerusalem Jerusalem. Am Berge Tabor kam es zu' einen) schweren Nachtgesecht zwischen britischen Truppen und arabischen Aufständischen. Zwei, englische Soldaten wurden getötet, drei verletzt! Die Höhe der Verluste auf arabischer Seite ist unbekannt. Gestern wurden in Tiberias vier'. Kinder durch die Explosion einer Bombe verletzt, Bei Kalkilieh entgleiste eil) Zug, wobeiLje.Lokomotive unh vser Wagen umstürzten. Todesopfer sind- nicht zu beklagen. Demission rumSnlsclien Regierung Paris. Die Hävas-Agentur erfährt auS Bukarest, daß Ministerpräsident T ata re Sc« Samstnfl in Sinaja in die Hände deS König- die Demission der.Regierusig gegeben hat. Der König hat TatareSc» mit der Bildung einer neuen.Regierung betraut..,., SämSigg NachjuiftagS fand'hier ein Mini- sterrat statt. Nach' dessen Abschluß gab Minister-' Präsident Tataresru folgende Erklärung ab! Um! die letzte Etappe unseres NegieruttgsprogrammeS erledigen zu können, habe ich eine Kabinettsumbildung auf brester Grundlage als notwendig^ erachtet,'.Zu diesem Zwecke habe ich dem König die Demission der.'Regierung'überreicht. gen Obrigkeit auffordert. Ganz Europa drohe durch den ,',Bolschewismus und den Kommunismus" große Gefahr.„Wenn Spanien dem Bol- 'schewistnussifnterlägtzl wäre das Schicksal Euro- Pas ernstlich bedroht*— sq heißt es in dem Hir-> tenbriefe wörtlich. Dann' bietet sich die Kirche als, Wahrer!» der deutschen Einheit qn,.,.'die durch ereligUsst.'.Verfolgungen Nicht gestört''.werdens dürfen„M ö g e G ö t t i n d I e s e i» sch w e«> r.e n'A u g e u b l i ck H i t l e r l> e i st e« h'.e ul" heisit es.in deiu- denklvürdigeu Kirchendokument.'.j.;',,... Ein„antibolschewistischer“ Hartnäckige Gerüchte Uber eine CAaslAwklAflr? Zusammenkunft Mussolinis mit Hitler«nddlCnDlUvK f Möse Gott Hitler beistehen I“ Eilt Hirtenbrief In DeutscNand Tankwaffe mit allen ihren Schwächen, deren schlimmste die notwendige Brennstoffzufuhr ist, und mit ihrer Stärke die Feuerwirkung' mit der Bewegung zu vereinen. Tanks konnten die Milizen nicht herbeischaffen. Aber sie fanden'eine neue Kainpfweise, die zu überraschenden Erfolgen führte. Nach deic Niederlage waren ihre Kräfte zu gering ge.- worden. Um ihre Zahl zu vervielfältigen, kombinierten sie den Partisanenkampf, den Guerillakrieg, mit der modernsten Kampfweise der motorisierten Abteilungen. Die von allen Militärs geforderte Bewegung(als Rettung vor dem vernichtenden Stellungskampf) wurde von den'! unausgebildeten Milizen spontan in der gefiiht- lichen Situation als Lösung gefunden. VJtit Stahlblech gepanzerte Lastwagen trugen Abteilungen von 100 bis 800 Mann von einer Ortschaft zur anderen. Wo sie auf die Truppen der Insurgenten stießen, führten die Abteilungen, kurze; erbitterte Gefechte, dis die Reguläre» er-' müdeten und vertoirrten. Nachdem Mola Truppen zum Kampf nach Norden und Osten abziehen nsußte, tvar'die Garnison zu schtvach geworden, um eine geschloffene Front um Saragossa zu bilden, Durch die Lücken, die Flanken und die RückziigSlinien bedrohend,, trugen^ die schlccht- btwasfneten Milizabteilungen langsam ihren An» und die herrschenden Klaffen dieser Staaten den' Sozialismus Haffen und so bereit sie sind, die' Arbeiterbewegung mit allen Mittel» zu bekämp- fen und einander dabei gegenseitig in-die Hände' zu arbeiten,.-!—es- ist doch keineswegs so, daß es zwischen ihnen keinerlei Interesse n» gegens ätz e gäbe. Polens Stellung zu Deutsch-, land ist keineswegs eindeutig,- ist es. trotz dem Freundschaftsvertrag mit dem Dritten Reich nicht.. Noch ist der Militärvertrag mit. Frankreich in Kraft— und Polen hält an ihm fest,' weil eS sich der Gefahr bewußt' wird, daß der starke Militärstaat Deutschland, ihm eines Tages sehr gefährlich werden kann.- Die Reise deS polnischen Staatschefs nach Frankreich zeigt, wie sehr gerade nach der Einführung' der Ztveisährigen Dienstzeit in Deutschland sich Polen dieser Gefahr bewußt ist. Es ist also zu-' mindest mit einigen. Zweifeln- aufzunehmen, daß Polen zu einer solchen Blockbildung bereit ist,. ES dürste auch Mussolini gar nicht' auf die Bildung eine- festen Block- änkommen.' Er wird und damit folgt er alter ttalieni» scher Tradition— lieber, nach keinet Seite f e ft gebunden fein, um nach - allen Seite» hin feine Eisen inS. Feuer lege«) .' zu können. Uni daS Zusammenspiel der'faschi- stischen Staaten— zum Beispiel Spanst». gegenüber"— zu ermöglichen, bedarf eS des feste» Block- nicht. Es ist nicht anzunehmen, daß Mussolini sich durch eine solche Bindung in einen dauernden Gegensatz zu Frans» ,-' -. reich bringen will.,._( ,■ ' J''' Trötz-'LllKent^M^fiüd''die Mtlichst, von einer solchen Blockbildung erzählen, vonPläi- nen vorläufig nur, nicht leichtfertig-abZutu».'Sie sind zumindest eine W a rnu ng für alle d,e«., m o k r a t i scheu St a a t e n zu ethöhter' Wachsamkeit'und sagen der Diplomatie der'demö»' kratischen Staaten, dieser leider viel zu unb'eweg«‘ lichen und' zu sehr in alten Traditionen verfall»- genen Diplomatie, mit welchen Eventualitäten zu rechnen-sei. Denn daß der Faschismus den„Bol-. ' schewismns" nennt und die Demokratie und bett ,• Sozialismus meint, bedarf keiner-Begründung.. Vor vanslger Terror;,?>*' London.(Reuter.) Zwei.britische Abgeord^ nete, die von einer Studienreise aus Danzig zu«'' rückgekehrt sind, erzählen, daß vor dem AmtSge- bäude des BölkerbUndkommiffarS Lester die Nationalsozialisten zwei Polizisten, aufgestellt haben, die jeden Besucher photographieren sollen; denn jeder Danziger Bürger, der irgendein, Gesuch zum Kommissar Lester bringt, soll al- Feind deS nationalsozialistischen Staates' angesehen werden. Die Abgeordneten behaupten,' daß ihnen dieser Vorfall von Personen voll bestätigt wurde, die wegen ihrer Gegnerschaft zum Nationalsozialismus verfolgt wurden. Der Berliner Berichterstatter der Ageuee HavaS meldet, in Berliner politischen Kreisen sei daS hartnäckige Gerücht.verbreitet, daß M n s s o l i n t in der zweiten Septemberhälfte Hitler eine» Besuch abstatten werde. - Der Möglichkeit eines solchen Besuches mißt man natürlich größte, politische Bedeutung bei. Mussolini, werde, so meint man, Hitlers Besuch in Venedig(1083) erwidern und dabei seine Dankbarkeit gegenüber Deutschland für dessen Verhalten während des A b e s s i n i e n k r i e» g e s zum Ausdruck bringen. Tatsächlich hat ja Hitler nicht bloß durch, die. Nichtteilnahme an den Sanktionen, sondern auch durch die Rhei'n» l a n d.b.e s e tz u n g, geholfen, die dazu führte, daß England,^iind /vor' allem Frankreich ihre Interessen in stärkerem Maße Deutschland zuwandten und Mussolini in Afrika freie Hand ließen', weil Frankreich sich nun aufs stärkste durch Deutschland bedroht fühlte, Muss o'I i n i S Besuch würde H i t l e r ungeheuer schmeicheln und in mehr unter den Einfluß Italiens bringen. Und daß es sich bei Mussolini, falls es zu diesem Besuche kommt, nicht bloß um einen Höflichkeitsakt handelt, ist selbstverständlich. So ist denn nichts natürlicher, als daß an diesen Besuch— wenn et auch vorläufig bloß durch ein Gerücht angekün« digt wird-— bereits politi sch e Kombitt a t i o n e n knüpfen. Der Berichterstatter d'er Agenre He^-S meldet, man sei in gewissen politische» Kre,..-n Berlin- der Ansicht, daß Deutschland und Jta- , lieg' um die Bildung eines a u t i b o l f dr'e tu i> ’; ski sich tti S^Aiikk-k Itb'l o ck S' Im Mittet^ ' enropa bemüht sind;'—'Bistrebimgen,!die dtirch die Ereignisse in Spanien'beschleunigt worden^ seien. ES stehe ein Abkommen in Vorbereitung, ' daS außer den btidetr. großen faschistischen Staaten auch P o l e n, O r ft e r r, i ch, A n g,a r n und vielleicht-auch B u l g a r i e n umfassen soll...- Das Gerücht,-' daß> eine Zusammenkunft Mussolinis mit Hitler bevorstehe, wurde'i'n R o m nicht bestätigt. Dort verweist man darauf,' daß eS in Berlin.gewiß Bestrebungen-zur Schaffung'eines„antimarxistifchen" Blocks gebe(das ist eine alte Lieblingsidee des-von Rosenberg in-' spirierten-»Führers"), daß aber Mussolini bisher solchen Plänen gegenüber-sehr zurückhaltend tvar, weil sich auS der Bildung eines solchen Blocks ernste internationale Konflikte- ergeben'könnten. „Antibölschewistisch" sind gewiß alle Staa» len, die im Zttsammenhäng mit dieser Kombination genannt werden. Aber so sehr die Diktatoren Nachtangriff auf Iran Erfolgloser UeberraschungsversUch— Mola schickt Verstärkungen 1 Das Bündnis der katholischen Kirche mit Hitler, übet das wir gestern an leitender Stelle schrieben, ist nun vollkommen geschlossen.' Die katholischen Bischöfe Deutschlands haben,'..wie Havas berichtet, auf ihrer Konferenz in Fulda; eindn Hirtenbrief konzipiert, der bot dem Nationalsozialismus tiefe Verbeugungen macht und Hitler als den Retter vor dem BblschewiSmuS preist. Der Hirtenbrief geht von den Ereignissen in Spanien aus, wo die Kirche bekanntlich ntvber Seite der Rebellen steht und das Volk zur.' Ge» ho.rsamsvertveigerung gegenüber der rechtmäßi- Dle b!8 Samstag Nachmittag eingetroffenen Nachrichten aus Jrun sprechen von nächtlichen AeberfSllen und erbitterten Kämpfen, welche bis in di« Morgenstunden ungehalten haben. Die Angreifer wurden wiederum zu» rückgeschlagen. Obwohl fle von Anfang an-mif überlegenen Kräften ausgerüstet waren, sehen ste sich gezwungen, immer neue Berstärküngen Heranzuholen, um die Stadt zu erobern.''■” Hendave. Kn der erbitterten- Schlacht, welche bis drei Uhr früh dauerte, konnten die öke- gieruugstruppen alle Angriffe zurückschlage» und die Aufständischen kotmten offenbar überhaupt nicht vorrücken. Um neun Uhr früh trat wieder. Ruhe ein, aber eS wird erklärt, daß die Anfstän» difchen neue Artillerieverstärkung erhielten. Ihre Bersnche, Jrun zn erobern, koste ten bereits so viel Menschenleben, daß sie die Stadt jetzt solange bombardieren wollen, biS fle sich ergibt. SamStag früh wurde Jrun von drei Flugzeugen der Aufständischen bombardiert. Die BolkS». front veröffentlicht darüber einen Bericht. Sie er klärt, daß es der Zweck dieser Aktion der Aufständischen ist, Berwirrnng nnd Detnoralisierung in die Reihen der Bürger von Jrun zu tragen. ES ist iü.tett nicht gelungen, dieses Ziel z» errei chen. Die Bolksfront gibt zu, daß die Artillerie. der Ausständifchett nnd ihre Flieger in Jrnn be deutende Schäden insbesondere in der Umgebung deS ÜlathanseS und in jenen Stadtvierteln, in denen die Miliz zufammengezogen war, ange richtet haben. Sonst werden von der Jrnn-Front keine Aenderunge» gemeldet. Erfolge der Regierung Madrid. Der Havas'-Korrespondent an der Leon-Front besuchte gestern die voit den Re- gierungötriippen eroberten strategischen Pofitio- nen und sah den Befestigungsarbeiten der Re gierungstruppen zu. Die Abteilung MangadaS rückt siegreich gegen Avila vor. Die Abteilung des Obersten Rubio besetzte daS Städtchen Espinar mit einem Munitionslager. Regierungstruppen unter dem Kommando des Obersten Benedito. Tor res sind bis an die Tore der Stadt Teruel heran gekommen. Die Artillerie hat.in der Stadt große Schäden augerichtet. DaS Kriegsministerium veröffentlicht einen Bericht', in welchem der Sieg der Regierungs truppen an der Nordfront mitgeteilt wird, wo die Aufständischen überall zurückgedrängt wurden. Moscheen In Madrid!.. x....-. ’^llstadrid. E?n AuMÜg her Aufständischen warf um Mitternacht Bomben auf den Tibeles- Platz ab, in dessen Umgebung sich das KriegS- mitttsteriui», die Postdtrektion und die Bank von Spanien befinden. Bier Personen wurden verletzt. Maurische Legionäre, die bei Navalperal zu den Regierungötruppen übergelaufen sind, sägen aus, daß vor ihrer Abreise aus Maxollo ein Auf stand unterdrückt wurde und daß viele Offiziert Saragossa Der Name dieser Festung fiel zum erstenmal in den Kriegsberichtens als der phantastische Sturm schlechtbewasfneter Milizen den Stoß des Insurgenten Mola auf Madrid in den Pässen des Guadarrama-Gebirges zum Stehen gebracht hatte. Saragossa mußte erobert werden, wenn nicht MolaS Stellung im Norden ungefährdet bleiben und Franeo die Freiheit, im Süden feine Truppen zu landen und seine Angrisfsstellung auszubauen, behalten sollte. Der Sturm blieb erfolglos. In Saragossa lagen die besten Regimenter Spaniens, gut ausgerüstet und geschult. Die Milizen BareelonaS, an Zahl überlegen, bezahlten ihre Unerfahrenheit im modernen Krieg mit ungeheuren Verlusten. DaS Hauptquartier in Lerida organisierte einen Rückzug. Die Milizen wurden gezwit.ngen, den furchtbaren Lehrsatz des Weltkrieges von neuem zu begreifen, daß der heroische Sturm gegen daS Maschinengetvehr unmöglich ist, daß die Verteidigung seit der Einführung dieser gefährlichen Waffe die stärkere Kampfposition bleibt. Alle waffentechnischen Versuche. der Nachkriegszeit beschäftigen sich mit diesem Problem. Die Literatur in den Bibliotheken der Kasernen ist um viele Bände reicher.geworden,.und die Fachzeitschriften waren jahrelang mit Artikeln zu dieser Fmge gefüllt. Die erste Unterweisung im Wehrsport des jungen Dritten Reiches galt dem Sturm eines Maschinengewehrnestes. Einige Länder versuchten, ihre Infanterie mit den kompliziertesten Angriffswaffen, Gewehrgeschützen, von der Infanterie mitgenommenen Spezial- minenwerfern und ähnlichen Waffen auSzuriisten. Es wurde vorgeschlagen, jeden Infanteristen mit eiitee Mäschinettpistole auSzuriisten, um int Stürm die Bedienung der Maschinengewehre unter einem Hagel von Geschoßen>n die Erde zu zwingen. Alle diese Versuche scheiterten an der Kompliziertheit der Waffenbedienung, der nur langjährig dienende Berufsarmeen geivachsen waren. Die mtbewegliche Artillerie hatte'schon im Weltkrieg versagt; dem Trommelfeuer begegnete die sich verteidigende Jüfattterie mit der Anfläsung her Formationen. Als ultima ratio blieb' die. und. Soldaten hittgerichtet worden sind. Den^ Mauren wurde versprochen, daß in Cordoba, Madrid und anderen Städten M o s ch e e n er, richtet werden würden.- Ol« Aufständischen melden: Sevilla. General de Llano sagte im Rund- fttttf, daß die in der Provinz Toledo operierende Abteilung der Aufständischen zwei Bataillone Re» giertitrgStruppen vollkommen aufgeriebett und ein drittes mit zahlreicher Mannschaft gefangen genommen habe; eine Menge Kriegsmaterial wurde erbeutet. Die Regierungstruppen hättet» Kampfplatze über 200 Tote zurückgelassen. Madrider Regierung kauft Lebensmittel Lieferungen gesichert Aus London wird g'euteldet: Die Londoner Exporteure erhalten von ihren' Agenten in Pari- und Brüssel die Nachricht, daß, ihnen von der Madrider Regierung g r o ß e A u f-, träge auf Leben-mittel, befoiiderö Zucker, erteilt worden feien. Die Zahlungen werdest angeblich von den Goldbeständen der Bank vost; Spanien ht Paris geleistet, wohin feit dem Bür- 1 zerkriege 600.000 englische Pfund in Gold auS- geführt wurden. Die Londoner Exporteure sind gewillt, die großen Aufträge auSznführen, da be- 1 könnt geworden ist, daß die Bank von Spanien,: die von der Regierung kontrofliert wird, bei der letzten Bilanz über zwei Mifliarden Peseten aus- wie-, die in den Madrider Tresors lagern. Dem-: nach hat die Bank von Spanien nach den Banken von Digland und Frankreich die größten Goldreserven.- Gil Robles daheim Die Maske fällt BnrgoS.(Havas.) Gil.Nobles ist Freitag aus Portugal in BurgoS eingetroffen. Auf dem Wege., traf.er-in Valladpsid, mit-General Mola züsammep. Nach seiner-Ankunft-iu^ßpr»- gos antwortete' er' auf die Frage, ob er sich ganz der Bewegung der Generäle Franeo und Pfolg anschließe:„Ich bin Spanier und Spanien.ist hier." Auf die Frage, ob er einen Versöhnungsversuch bei beiden Parteien versuchen werde, erwiderte Gil Nobles heftig, er würde dies ablehnen. SamStag ist Gil Nobles nach Salammtea abgereist, er erklärte aber nicht zu wissen, ob er dort bleiben oder nach Portugal zurückkehren- werde. . Nr. 202 Sanntaz, 6». August 1936 Seite 7 V Die Tubefrkulose als Todesursache in unseren Städten. Neben den Herzorkrankungen und verschiedenen KrcbSerscheinungen ist auch heute noch die Tuberkulose mit eine der häufigsten Todesursachen in den Städten unserer Republik So starben in Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern im Vorjahre Immer noch 4102 Menschen au dieser Krankheit. Bemerkenswert ist dabei, daß die Tuberkulosesterblichkeit bei.den Männern grober ist als bei den Frauen, denn von der Gesamtzahl an Todesfällen entfallen 2490 auf die Männer und mir. 1702. auf den weiblichen Teil der. Bevölkerung. Daiin Jahre 1034 He Gesamtzahl/der an Tuberkulose Verstorbenen in. den Großgemeinden 4287 betrug/. ist ein> schwacher Rückgang der Tuberkuloscsterblichkeit zu verzeichnen.-'7,'. Der Schulbeginn. An den Volks- und Bürgerschulen beginnt der Unterricht am Dienstag, den 1. September, an den Mittelschulen am Donnerstag, den 8. September. Billige Fahrt zur Prager Messe. Nachdem die diesjährige Prager Herbstmesse im Messepalast bereits.am 4. September eröffnet wird,, wurde vom Eisenbahnministerium auch dieGültigkeit der 88prozentigen Fahrpreisermäßigung. erweitert. Die Ermäßigung tritt für die Reise nach Prag ÜereitS'am 81. August in Kraft und bleibt bis 18. Septcnsbcr. in Wirksamkeit, Für die Rückreise ist die Giiltigkeitsdaüer vom 4. bis 17. September bemessen.>' Dir Tragödie von Rakwitz vor Gericht. Am 15. September soll vor dem Strafsenat der Brünner Kreisgerichtes die Verhandlung gegen, fünf Personen beginnen,.welchen die.Schuld an dem Tod der Räkwitzer Schulkistder in der Thaya zu- geschbsehen.wird,. Es smd dies der Fährmann Schuster, der Eigentümer der Fähre, der Rest- gütbesiherVcverla, der SchulleiterH ornan- s k y, der Lehrer N o v v t n h und die Lehrerin Z ä k o p'ä.!..... Nonstop-Fsng. noch. Mo-kau.. Heute starteten in, Prag zwei kleine tschechoslowakische Sportflugzeuge' zu' einem ununterbrochenen Fluge nach Moskau.' Die Besatzung besteht aus Stabskapitän Fuksa,.Kapitän. P o l m a, Oberleutnant Zclenh und Oberleutnant Hcjt- m a n e k:' Die Flieger wollen den Strecken- Weltrekord für Kleinflugzeuge brechen/ der bis jetzt 1011"Kilometer beträgt und von Stabskapitän Fu k sa gehalten wird. Die 1700. Kilometer■ lange Strecke nach Moskau soll in 15 Stunden zürückgelegt we'rdtn.' . Taifun, in Korea.' Im südlichen Korea wütet« Freitag ein hestiger Taisnn."Amtlich wird gemeldet,, daß 279 Personen, zugrunde gegangen sind; 88" werden vermißt, 45 haben Verletzungen davongetragen.' Der Taifun hat große SchiÜwn angerichtet. Zur Hinrichtung abbekufen?»Daily Telegraph" meldet, daß Alexander O z.e r s k i j, der Leiter der.Sowjethandelsdelegation, der den neuen englisch-sowjctruffischen Handelsvertrag unterzeichnet hat, nach Moskau abberusen wurde. Vermißtes Verkehrsflugzeug..Ein indoenglisches Verkehrsflugzeug der Imperial Airways Company, das Freitag um'23 Uhr in Basra gestartet ist,, ist bisher in Bahrein, dem Ort seiner nächsten. Landung, nicht«ingetroffen.. Die Verspätung hat Befürchtungen, hervorgerufen und. es wurden Militärflugzeuge zur Suche ausgesandt. AlS Greta Garbo arm war... Der frühere deutsche Filmproduzent Sch ratter hat eine Klage geegn- G r e t a G a r b o auf Rückerstattung vpn 12.000 Dollar eingebracht, die er ihr geborgt haben soll, al», er selbst reich war und Greta Garbo arm/ am-Beginn ihrer Karriere in Berlin stand; . Eisenbahnen in Spanien. Da» katalanische Netzder.. Eisenbähngesellschast /Madrid^—Zaragoza—Alicante(MZA.) wurde enteignet/ Auch die spanische Nordbahn.katalonischeSNetz, ist von den Arbeitern übernommen, Die Gesellschaft hat ungefähr 7000 Angestellte." Der Dlrektor,-der abgebaut ist,bezog 104.000 Peseta- jm Jahre, die Subdirektoren 69.000 und 52.000, andere höhere Beamt« 47.000, 48,000 und 41.000 Pesetas. Dies« Gehälter- wurden a b g e s ch a f f t. Die TageSlöhne- der' Arbeiter betrugen 1,07 his 5,50 Pesetas, Eine allgemeine Verbeste» rung dtr Bezüge her Arbeiter würde durchgefiihrt. Kollektivisierung des größte» Warenhauses von Barcelona. Verschiedene Warenhäuser Barcelonas wurdest kollektivssiert, bzw. unter Ar» bcikerkontrolle gestellt. Am 20. Juli beschlagnahmte das. Handelssyndikat der CNT. daS Warenhaus. Es wurden eint«chnischer und ein VerwaltungSrat eingesetzt. Der'erste besteht ans drei Technikern der-Firma, der zweite aus 12 Angestellten.. Der PeitvaltungSrat hat die.'tzxelutive gestellten.: Der VerwaltungSrat hat die Exekutivfunktion.. Der Versauf,der Firma, die- 5,000.000 Kapital bar hat,.erstreckt sich auf ganz Katalonien, daS durch, einest Autodienst. beliefert' wird.-Die Löhne, Arbeitszeiten-ußlv.^ werden verbessert, die einzelnen Abteilungen sollen nach bestimmten Gesichtspunkten vergrößert und das Personal.wieder Ermäßigt« Arbeiter-Wochenkarten aut den staatlichen Autobuslinien Mit Gültigkeit vom 31. August 1930 wurden vom Eisenbahmninisterium ans den staatlichen. Autbnslinicn folgende Ermäßigungen auf Grund ordentlich ausgestellter Arbeiter-Legitinialioiien eingeführt:" 1. a) Arbeiter-Wochenkarte» in beiden Rich- tiuigen für sechs Arbeitstage in der Woche zuni Preise deS fünffachen normalen Fahrpreises(für eine Fahrt) gemäß der Fahrpreistabelle. b) Arbeiter-Wochenkarten in beide» Richtungen für fünf oder vier Arbeitstage in der Woche zum Preise des vierfache» nonnale» Fahrpreises. 2. Arbeiter-Wochenkarten in einer Richtung gültig für eine Richtung und eine Fahrt täglich, und zwar:: a) für sechs Arbeitstage in der Woche zum Preise des dreifachen normalen Fahrpreises; b) für fünf oder vier Arbeitstage in der Woche, zum Preise des doppelten normalen Fahrpreises. 8. Nur höchstens drei Tage in der Woche beschäftigten Arbeitnehmern wird eine öüprozcntige Ermäßigung des Fahrpreises gewährt, wenn eine Bestätigung der Arbeitgebers über diese Beschäf- tigungseinschränkung vorgelegt wird. Aibeiterlegitimatiouen werden von den Wagenführern öder den zuständigen Autöstationcn ausgegeben. das Geld dazü" bekommen.- Aber die Studentin M." wollt« das Kind/.und-Peter wollte es auch, Mast ging zusti Standesamt sind Äeldete sogar di«''.Ehe an, st, Die-Trauüng sollte in vierzehn Tagen"stattfiüLeN,----■!” War Petec-dubch istin Glück-köstflvS gesttor«/ den' oder-hätttzn iithn.-Shrgest"unaufmerksam-ge» macht, denn er' Weir keineswegs wohlhabend atnd' eS stand bti'rchaü» nicht/fest, hast die Eltern Beras sich mttiihrer-Wahhzüfriedest gebest würdest, kinlgb Beim Passieren det' Straße wurde er das Opfers eines Perkehrsunfall».Bier- Mjostate lag-er M Krankenhaus../.'Die/ Aerzte. bemühten: sich nach bestem Könnest! um den"Studenten.'. Aber.es-half keine Amputation) keine Transfusion.-' Im- fünften' Monat'.stapstPetero X! V"»•<'•' Für Vera war es zu spät; einen AbortuS zil machen." Sic bekamdasKind.. Und/verlor die-.Familie/.- Me! sagten skch/vdn"der//,Ehrve'r« geffei>en?'löS., Um-sich, und-da»"KiNd. Änähren- zu. kennest,"'mußte! Piera iarbeiten. Aber miuck«' würdig: Hübsche Mädchen bekommen äst kapitalistischen-Ländeim- Arbeit'öst"-mir dann, wenn siv , nicht, nüriinett"aussehen; sondern aüch/ nett /sind) " und izwariifl-jtnem besonderen Sinne dieses Wortes, das,- manches Chefs-,zn"- veranlassen pflegt/ , ,,Ueberstundtn". zu. mache.»... i Du sollst nicht Daumenhalten I Falls du Ocsterrö.icher bist und den D'anulen für jeinanden hältst, der" nicht an die Erneuerung Oesterreichs-durch die Diktatur ustd die Vaterländische Front glaubt. Ansonsten,, wenn, mau zum Beispiel für einen'patriotischen Zucht- Häusler den Daumen hält, wird cs kaum als Missetat angesehen werden. \ Zwar ist. das Däumenhalten ein- Aber- glpubc, aber ein sehr verbreiteter, ein so. all- geinemer, daß kaum jemand sich bei der Ausübung dieses Brauches etwa» denkt..Er folgt eben nur einem allgemeinen Brauch. DaS hat in Wien auch eine Studentin getan. Ihr Bruder- iv'ar' in einem der vielen Hochverratsprozesse deS so-glücklich-innerlich"befriedeten Landes ange-' klagt. Er- wurde, was iiu Lande der praktischen.. Nächstenliebe gleichfalls nicht überrascht, zu fünf Jahren verurteilt.'Die Schwester, die an der Verhandlung tcilnahm, wollte. ihrem Bruder Trost spenden, wollte ihm zeigen, daß sie An- teil nimmt an seinem Schicksal, daß ihre sorgen- den Gedanken bei ihm sein werden. Zurufen konnte sie ihm daS nicht, so"verfiel sie. auf den' Einfall, ihm zu zeigen, daß sie für- ihn den Daumcn halte. Eine- schlichte- schwesterliche Sympathie- kundgcbuyg, rührend-in ihrer Naivität,- Aber welcher menschliche Zug. vermöchte einen Bürokraten, noch dazu einen faschistischen, zu rühren? DaS Daunienhalten der Studentin wurde zum Anlaß eines folgenschweren Amts- handelns. DaS Mädchen, das sich-nie politisch betätigt hatte, wurde telephonisch fiir einen der nächsten Tage zur Polizei vorgeladen. Dort wurde ihr. zu ihrer maßlosen Ueberraschung eine dreiwöchige Polizeistrafe zudiktiert, die sie so- fort antreten niußte. Nun wäre daS nichts so Schlimmes, drei Wochen in Haft zu sein. ES ist ehrend, von einer faschistischen Polizei eingc- sperrt.zu werden. Aber der Studentin ist mehr geschehe»! Auch ihre Existenz wurde v'cr- nichtetl .. Diese Polizeistrafe bedeutet für sie den Ausschluß vom weiteren UniversitätSstudiümI Der Weg, den sie sich selber vorgezeichnet hatte, ist-ihr versperrt, ihre Zukunstshoffnungen, sind Vernichtet. Der von Karl Krau» erfundene KaSmader, der jetzt das neue Oesterreich repräsentiert, wird lachend sggen:«IS ka Schänd, zu waS brauchen die Madeln studier'»! Soll'» heiraten und Strümps stopfen!" Aber außerhalb de» wieder katholisch gemachten Oesterreich, wird eS doch noch Menschen geben, die nicht, nur über da» Frauenstudi.um anders denke», sondern auch eine solche Strafe fiir das Daumenhalten,, zumal eS bislang nicht-gesetzlich-verboten-ist,, etwa», streng finden. schinen geliefert. Zum Spazierenschancn hat- Wan ein Periskops Wenn man sich ein wenig am Anblick seine» Gartens erfreuen will, schaut man also durchs'.Fernrohr. Vom Garten aus laufen unterirdische Gänge, mit getarnten Eingängen zum. HauS. Luftfeuchtigkeit und Temperatur werden, durch Automaten geregelt. DaS Land der taufend Seen,(mb) Mit dem Land der tausend Seen ist bis jetzt immer Finnland gemeint. Die Schweiz erhebt nun aber gleichfalls Anspruch auf diesen Titel. In ihrer Presse teilt sie mit, daß sie 1484 Seen hat, dazu 18.000 Weiher. Von den Seen liegen 14 im Jura, 112 auf der schweizerischen Hochebene, 1858 in der Alpenregion..— Man hätte es eigentlich nicht erwartet. Finnland, das auf der Karte ja nur 1 wie Waffcr mit Land däzwischen aussieht, wird nun vielleicht seinen Ehrennamen auf„Land der z e h n t a u s e n d Seen" steigern müssen. Wie sollt« man nicht«ntzückt sein? Als Dr. Schacht nach seiner Unterredung mit Blum gefragt- wurde, ob er- mit dem Ergebnis der Aussprache zufrieden sei,, antwortete er:„Wie sollte man nicht entzückt sein, wenn man mit einem Manne von den hohen Onalitäten Blums spricht?"— Das wird dem Hitler schlecht in den Öhren klingen. Blum ist nicht nur der Ministerpräsident Frankreichs, des„Erbfeindes", sondern auch Sozialist und Jude. " Woher kömmt di« Kirsche?(mh) Die Eroberungszüge des antiken Rom? brachten im ersten Jahrhundert vor Christus einige Legionen in die. Stadt Kerasun am-Schwarzen Meer. Geführt" wurden'sie von jenem General Lucullus, der"zwar nicht"seiner strategischen Leistungen, aber seiner Feinschmecker«! wegen bis auf den heutigen Tag berühmt geblieben ist. Er saiid in Kerasun einen Baum, deffen Früchte ihm ausgezeichnet mundeten/ und. er nahm sich einige Exemplare für den heimatlichen Garten mit. In Anlehnung an" ihren Ursprmigsort nannte man die Früchte„cerasus", ein Wort, das in verschiedenen. Formen in die abendländischen Sprachen«Ingegangen ist.(Cerise in Frankreich; cherry in England; Kirsche in Deutschland.) Plinius, in seiner Naturgeschichte, die im Jahre 7.7. nach Christus veröffentlicht wurde,, sagt, daß „innerhalb, von 120 Jahren die Kirsche über den Ozean bis nach Großbritannien gedrungen" war. Plinius selbst nannte sie„eine ungenießbare Frucht",-aber seine Zeitgenossen waren offensichtlich, und. mit Recht, anderer Meinung. ..- Ursprung deS Knopflochs.(mH)-Jenes Knopfloch, das recht unmotiviert- am oberen Ende des männlichen Rockaufschlags sich befindet und keinen andern Zweck hat, als diesen zu„zieren","verdankt— wie so vieles in der Herrgnmode— seinen Ursprung einer„königlichen" Laune. Zwar wav eS kein- Engländer,, der sic schuf, aber doch '• der Prinzgemahl der König» Victoria, der für - die internationale Hcrrenmode seinerzeit so ton- i angebend war wie/Eduard.VIII., als er noch - Prinz von Wales war. Der Prinzgemahl also, i- als er in England anlangt«, erhielt von seiner !l königlichen Braut einen Blumenstrauß überreicht, < und um sich ihr gegenüber besonders'aufmerksam :. zu zeigen, kam er.auf" den Einfall, mittels eines Pera wollt« nicht so„nett".sein: Vera wollte ehrlich abbeiten. Vera glaubte, daß, ein Mädchen nur eins zu verkaufen brauchte: entweder ihre Arbeit oder.sich.. Nicht beides zugleich. Und da verzichteten Vie Herren. Chefs eben auf ihre Arbeit und Vera hungerte. Die Folg« war,, daß zuerst das Kind.starb.- Und dann wollt« Pery auch selbst.nicht mehr leben., '//.„ES ist seltsam", schrieb sie in-ihrem Ab» schjedSbriefe," der in einem polnischen- Blatt!'zu lesest ipgr,, ,;daß d«r'S.tqat, der Säuglinge pait- tbut haben will und Abtreibungen" bestraft, fiir dies« Säuglinge später/wenn sie erwachsen-sind, nichts mehr übrig zu haben-scheint. Ich habe mich in jeder-Weise bemüht, ,mich"durch Arbeit zu er- stährcn.. Mir wäre jede Arbeit willkommen gewesen," wenn sie nur wiein Kind und mich am Leben- erhalten Hätte,' ,Es hieß,-ich sej ein Opfer .Her-Übis«.. Möglich!',HÄber dann ist es, vor allem eiye- Krise der- M o r al,,-- Und ich habe nur ein« ' Pitts r'Syllte die Gistdositz, die ich-jetzt, nehme, zu-geringisein, j«> laßt mich dennoch stechen, helft wir dichei,-gebt mir den Gnadenstoß,"--/ , i. Auf."-Hein'Selbstmörderfriedhof" in"Krakau -ljegt Perg M. begraben. /-.'-. Ein Op'ser untcr Vielen!"' eingestellt werden, das nach dem Brand des alten Taschenmessers ein Loch in den Nockaufschlag zu Hauses 1082 überflüssig geworden Ivar. I schneiden und darin eine Blnme zu befestigen. Rette Aussichten,(mb) Der englische In.!^chdem sich die Hofgesellschaft von dem Schrecken genicur Daily hat soeben ein Hans scrtiggcstcllt,»iefcä ZcrstörnngSIvcrkcScrholt hatte, begriff das er für einen Kunden gebaut hat. Er nennt,“M„epockple" Bedeutung- und vom es das. H a u s d c r Z u k u n f t. Es ist tief i nächsten Tag an galt cs als up lo dalc, mit bcmg- in die Erde versenkt; zum Schutz gegen-Wie-"" Anzug, herumzulaufen, gerangrisfe.sind, die Wände und di« Decke aus s, Tote, die lebendig sinw" Vom Rundfunk Empfehlen»erte» mm den Programmen, Montag Prag: 7.00 Morgenmusik. 10.05 Deutsche.Presse. 12.10 Schallplattenkonzert..14.05 Populäres Konzert. 15.50 Deutsche Presse. 17.40 Liederkonzert. -18:05 Deutsche.Sendung:-Pädagogischer Rundfunk. 18.80 Dr.- Stary: Erfolge, der neuen Vitaminforschung. 18.45 Deutsche Presse. 1.00 Berloiz: Fantastische.Sinfonie. 22.15 Tanzmusik.—- Brünn: 17.40 Deutsche Sendung. 18.20 Schrammeikonzert. '19.10 Filmschläger.— Preßburg r 11.00 Konzert. 14.15 Tanzmusik.— Kascha«: 12.05 Schallplattenkonzert. 16.10 Rundfunkorchesterkonzert. 18:30 Gei« genkonzert.— Möhr.-Ostrau: 12.35 MittagSüon» zcrt. 18.10 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Ritsch» mann: Internationale Lösung der Arbeitszeitfrage, Klavierkonzert.- Dienstag-, ' Prag: 10.l)5.'Deutsche Presse. 11.00 Rundfunk für deutsche Schule».-12.10 Schallplattenkonzert. 14.00.Populäres..Konzert.. 15.50 Deutsche Presse. 16,50 Schumann-Kompositionen',/ 18.05 Deutsche Sendung: Dr. Weil: Wirtschamiche» Relief. 18.45 Deutsche Pressei 22.15 Tanzmusik.— Brünn: 12.85 Mitt'agSkpnzert.-17.40 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Soziale Informationen; Dr.-Brügel: Verlor, gung-ter-KriegSteschidigten.— Preßburg: 22.80 .Chansons.— Kascha«: 11.05 Populäres Konzert, 12.05 Chansons. 16.10 Rundfunkorchesterkonzert.— Mübr.-Oftrau: 18.10 Deutsche Sendung:' Landwirtschaft;- Eine unter Vielen Map» muß^Zeitungen richtig,-lesen. Es koiP>lt..miIunter'vor, haß in.- eitler-kurzeniMel« düng zu einer Zeile mehr steht als in einem langen Leitartikel.:>',' s>.'!> Da ging vor kurzem,eine, Nachricht Aprch die polpssche-Presse, daß die, Studentin-,der Medizin Vera. M.— vorschweigen"wir/>pietätvoll- ihren Namen, weil sie/noch Brjtde'r und Schtyestern hat — sich das Leben gepvmnsvst'ün^i>«lnen'-e'rschüt- tcrndcn Slüschicdsbricf hinterlassen hätte., Das ist!«in/Stück Wirklichkeit.,' Ein/Stü'ck',Lcben/wie cs sich iiicht,in"Palen allein, sondern in jedem kapitalistischen Lande absiüeleli/kanti..'.',/. -- Der Name M? ist"ein guter Raine/ iN Polen beka'nnt" und- geachtet., Die/Fiustiliie," die.diesen Nanrcn-trägt, ist-nichts reich; aber wohlhabend. Was-könnte'ein Mädchen aus so-einem"Hause zmn,Selbstmord bewögen häben?-/ .-i Wir sind der Sache nachgegangen und haben folgendes".festgestellt:' Die'Studentin Vera lernte .iwKrakau, iwö-,sie-.studierte',, den-Studenten- Peter kennen.n Die Bekanntschaft wurde zu einer Liebschaft, die Liebschaft hätte-Folgen.; Die Studentin, M," hätte djo Folgest-leicht'"beseitigest-.känston^ Sie war Mcdfzitzecin und hätte außerdem, auch ‘"'.’.'.'.V,-„..t 2™—.31 Tote, die lebendig sind. Ende Juli dieses dickem Boton.' Licht'und"LÜst werdcn. durch Ma-! Jahres zog man bei Vitrylc-Francois einen Lcich- --jm.',..-.,, nam aus der Marne, den eine Anzahl Einwohner, i des Orlcs zweifelsfrei als den feit einigen Tagen verschwundenen Gastwirt Marccau Devctlc'idcnti- fiziertc». Da die Gattin des Toten gerade in Paris weilte und ohnehin genügend Zeugen vorhanden waren, verzichtete man ans ihr Zeugnis. Der Gastwirt wurde für tot erklärt, und seine Leiche zur Beerdigung freigegebcn. Am 31. Juli stellte sich jedoch heraus, daß Tevcttc lebte, ebenfalls nach Paris gefahren war und dort infolge des geschäftlichen ZusanuncnbrnchS seines Lokals eine Stellung in den Renault-Wcrkcn angenommen hatte. Der„lebende Tote" protestierte energisch gegen seine Totcrllärnng, jedoch bisher vergeblich; für die Behörden ist er nach wie vor gestorben, und seine„Wiederbelebung" erfordert ein langivicrigeS VcrtvaltungSvcrfahrcn. Man nah«: nunmehr an, daß der Tote ein in Vitry sehr bekannter Doppelgänger TcvettcS, der Klempner Jacquier, sei und verdächtigte.Dcvette sogar, Jac» quier umgcbracht zu haben. Aber auch Jacquier ist jetzt.aufgefundcn worden und erklärt mit Recht, sehr lebendig zu sein." Die Behörden suchen nun die Identität des zweifellos toten,"aber seltsamerweise von nirgendwo vcrnrißtcn und darum cigcnt- " licht„überzähligen" drillen„Doppelgängers" scst- 1 zustcllen. Elsenbahnarzt gesucht. In der nächsten Nilmmer deS Amtsblattes der-Tschechoslowakischen Republik wird ei» Konkurs auf. die. Stelle eines Eisenbahnarztes in Morchcnstetn veröffentlicht. Gesuche t bis 30. September 1036 bei der Staatsbahudirck- 1 iion Köuiggrätz. Herrenstoffe kaufenSle bestens Im Spezialhaus für Tuch*, Herren- und Damenstoffe S. SCHÖN MKHR. OSTRAU| 3674 1 Seite 8 Sonntag, 30. August 1936 „Sozialdemokrat" Nr. 208• Tschechoslowakei und Deutschland auf den südosteuropäischen Märkten Deutschland und Südosteuropa Der wirtschaftliche Einfluß Deutschlands in Siidosteuropa ist in den letzten Jahren außerordentlich gestiegen. Das zeigt sich besonders in den Ziffern des Außenhandels: von 1983 bis 1935 ist die deutsche Ausfuhr nach den fünf st'idosteuropälschen Ländern: Bulgarien, Griechenland, Jugoslavien, Rumänien und Ungarn, dem Werte nach um rund 64. Prozent, die deutsche Einfuhr aus diesen Ländern um rund 61 Prozent gestiegen. Die genannten fünf Länder hatten im Jahre 1928 einen Anteil von 3.4 Prozent an der deutschen Einftihr, 1935 bereits einen Anteil von 7.7 Prozent; ihr Anteil an der deutschen Ausfuhr hat im Jahre 1928 4.5 Prozent betragen, im Jahre 1935 bereits 5.9 Prozent. Unvergleichlich grö. tzer Ist jedoch die Rolle Deutschlands als Absatz markt und Bezugsgebiet in der Wirtschaft von SUdosteuropa. Deutschland hat im Jahre 1935 fast die Hälfte der bulgarischen, fast ein Drittel der griechischen, rund ein Viertel der ungarischen und fast je ein Fünftel der jugoslawischen und rumänischen Gesamtausftrhr abgenommen. Für einzelne wichtige Erzeugnisse dieser Länder ist die Bedeutung des deutschen Absatzmarktes außerordentlich groß. Im Jahre 1935 gingen etwa 50 Prozent der bulgarischen und Uber 40 Prozent der griechischen TabakauSfuhr nach Deutschland; 80 Prozent der Fleisch», 56 Prozent der Schweinefett-, 73 Prozent der Oelsaaten« und 62 Prozent der ObstauSfnhr Ungarns wurden in Deutschland abgeseht. Die folgende Tabelle stellt die Entwicklung des Handelsverkehrs zwischen Deutschland und Südosteuropa in den Jahren 1928—1935 dar. Anteil Deutschlands am Außenhandel Südosteuropas In v. H. „. der Gesamteln- bzw.-ausfuhr« Anteil Deutschland» an der Einfuhr von: 1928 1929 1931 1932 1933 1934 1935 Bulgarien,, ■ 21.2 22.2 28.8 25.9. 88.2 . 40.1 58.5 Griechenland,, • 8.6 9.4 12.2 9.7 10.2 14.7 18.9 Jugoflawien,, ■ 13.6 15.6 19.8 17.7 18.2 18.9 16.2 Rumänien,, a 28.7 24.1 29.6 28.7 18.6 15.5 24.4 Ungarn.,, 19.5 20.0 24.4 22.4 19.7 18.8 22.6 Anteil Deutschland» an der Ausfuhr von: Bulgarien,, 27.9 29.9 29.5 26.0 86.0 42*7 48.0 Griechenland,, A 26.9 23.2 14.1 14.5 17.9 28.0 29.0 Jugoslawien,, ■ 12.1 8.5 11.8 11.8 18.9 15.4 18.7 Rumänien,, ■ 18.4 27.6 11.5 12.8 10.6 16.6 16.5 Ungarn,,, ■ 11.8 11.7, 12.7 14.8 11.2 22.2 28.9 Zu dieser Tabelle, ist noch zu bemerken, daß, ein solches Land wie Bulgarien z. B. mehr als die Hälfte seiner Gesamteinfuhr aus Deutschland bezieht, Rumänien etwa ein Viertel, Ungarn niehr als ein Fünftel. Auch für die Türkei gewinnt der deutsche Absatzmarkt in immer steigendem Maße an Bedeutung: 1932 hat die Türkei bloß 20 Prozent ihrer GesamtanSfuhr in Deutschland untergebracht, dann beginnt aber ein stetiges Ansteigen des deutschen Anteils, so daß im Jahre 1935 die Türkei beinahe die Hälfte ihrer Ausfuhr in Deutschland absetzt.— In der Belieferung Deutschlands mit Rohstoften, halbfertigen Waren und Lebensmitteln spielt Südosteuropa heute eine große Rolle. So stammt weit mehr als die Hälfte der deutschen Einfuhr an Fleisch, Speck und Fleischwürsten, 43 Prozent der Einfuhr von Maisi ein Viertel der Einfuhr von Eiern, rund 46 Prozent der Einfuhr von Federn und Borsten, 42 Prozent der Einfichr von Rohtabak, mehr als ein Fünftel der Einfuhr von Mineralölen aus den fünf oben genannten südost- europäischen Ländern. Die Bedeutung Deutschlands als des wichtigsten Absatzmarktes für Südosteuropa ist auch der Grund für die fortschreitende Eroberung der südosteuropäischen Märkte durch die deutsche Industrie. Entscheidend aber für die Entwicklung des Handelsverkehrs zwischen Südosteuropa und Deutschland in den letzten Jahren sind die zweiseitigen Handels- und Verrechnungsabkommen, die Deutschland mit den einzelnen SUd- oststaaten seit 1934 abgeschlossen hat. Die deutschen Devisenschwierigkeiten haben seinerzeit dazu geführt, daß die dortigen Importeure, die schwerlich anderswo Kredit bekommen hätten, sich Süd- osteuropa als einen der Hauptlieferanten für den gewaltigen deutschen Rohstoffbedarf heraussuch- ten. Aus diese Weise entstanden große„eingefrorene" südosteuropäische Forderungen an Deutschland. Dabei muß man sagen, daß Deuffchland viel mehr Rohstoffe aus Südosteuropa bezogen hat als es fiir die eigene Industrie verwenden konnte: der Ueberschuh wurde wieder in andere Länder gegen Barbezahlung ausgeführt. Nun hak sich herausgestellt, daß bei der heutigen Situation die einzige Möglichkeit fiir die süosteuropä- ischen Staaten, ihre eingefrorenen Forderungen flüssig zu machen, die Erhöhung des Warenbezugs aus Deutschland ist. Statt also ihre Ausfuhr nach Deutschland zu vermindern, um auf diese Weise den unsicheren deutschen Kunden loszuwerden, gingen bei südosteuropäischen Länder den entgegengesetzten Weg, eben jenen der Steigerung der Einfuhr aus Deutschland. Auf diese Weise hat die deutsche Industrie andere Industrieländer von den südosteuropäischen Märkten In bedeutendem Maße verdrängt. Heute kann man bereits von einer weitgehenden Anpassung der südosteuropäischen Produktion an den deutschen Absatzmarkt sprechen, wa» natürlich die wirtschaftliche und somit auch die politische Abhängigkeit Südosteuropas von Berlin erhöht. Tschechoslowakei im Kampfe um die südosteuropäischen Märkte Unter den Ländern, die Südosteuropa mit Jndustrieerzeügniffen beliefern, spielt die T s ch e« choslowakei eine bedeutende Rolle. Folgende Tabelle stellt den Anteil der Nzichtigsten Länder an der Einfuhr Südosteuropas im Hahre 1985 dar. Anfalls der wichtigsten Länder an Im Jahre 1935 in Prozentei Bulgarien Griechenland Gesamteinfuhr; 100.0 100.0 Davon au»; Tschechoslowakei 0 ■ 9.8 8.0 Deutschland, ■ « 58.5 18. k Italien.,, a a 8.1 8.7 Oesterreich,, a a 6.4 1.8 Großbritannien, a a 4.7 15.5. Frankreich,, • 1.4 1.2 In der Einfuhr Bulgariens und Jugofla- wiens nimmt die Tschechoslowakei die ziveite Stelle nach Deutschland ein, in der Einfuhr Griechenlands steht die Tschechoslowakei an dritter Stelle hinter Deutschland und Großbritannien, in der Einfuhr Rumäniens'nimmt die Tschechoslowakei Ebenfalls die dritte Stelle, hinter Deutschland und Oesterreich, ein, während die Tschechoslowakei in der Einfuhr»ach Ungarn bloß der Einfuhr Südosteuropas i der Gesamteinfuhr Jugoslawien 100.0 Rumänien 100.0 Ungarn 100.0 14.0 10.3 4.8 16.2 24.4 22.6 10.0 •. 7.8 7.4 11.9 11.9 19.1 10.1 9.7 5.1 4.4 7.2 1.2 die vierte Stelle, hinter Deutschland, Italien, Oesterreich und Großbritannien;. einnimmt. Die Position der Tschechoslowakei im südosteuropäischen Handelsverkehr wird, im Vergleich zu Deuffchland, dadurch geschwächt, daß unser Land .als Absatzgebiet für die südosteuropäischen Rohstoffe und Agrarerzeugnisse' bedeutend hinter Deutschland zurücksteht. Abgesehen davon, daß uflser Markt an sich'kleiner ist, fällt besonders die Tatsache ins Geloicht, daß wir nach Südosteuropa vor allem Fertigerzeugnisse ausftihren, Rohstoffe und halbfertige Waren jedoch vornehmlich nicht aus Südosteuropa beziehen. Die Ausfuhr nach irgendeinem Lande steht aber unter den heutigen Verhältnissen in direkter Abhängigkeit von dgr Einfuhr aus demselben. Folgende Tabelle stellt die Entwicklung des Handelsverkehrs zwischen der Tschechoflolvaket und Siidosteuropa in den Jahren 1929 bi» 1985 dar. Anteil der Tschechoslowakei am Außenhandel Südosteuropas In v. H. der Gesamteln- bzw.-ausfuhr Anteil der ESN an der Einfuhr von: 1029 1980 1931 1932 1933 1934 193h Bulgarien. a 9.0 9.4 9.8 8.4 4.8 8.8 9.8 Griechenland i a a' 8.5 8.7 8.3 8.4 4.1 4.7 8.9 Jugoflawien ■ a a 17.5 17.6 18.2 15.6 12.1 11.7 14.0 Rumänien■ ■ a ■ 18.6 14.6 12.2 12.8 9.8 9.9 10.3 Ungarn., ■. ■ 21.5 21.0* 9.1 10.8 10.1 7.0 4.8 Anteil der ESN an der Ausfuhr von: 1929 1930 1931 1932 1033 1934 1085 Bulgarien. N■ ■ 4.8 6.4 4.6 8.1 8.5 8.6 — Griechenland .• a 1.1 4.4 1.0 1.6 1.7 1.9 2.7 Jugosawien'. B| ■; 5.4 8.2 15.5 18.2 10.8 11.8 18.4 Rumänien, .■ a 6.2 7.0 7.0 7.0 4.8 5.4 — Ungarn». ■ a 16.4 16.8 4.2 6.8 7.8 5.0 ' 4.5 Man kann aus dieser Tabelle deutlich sehen, da gerade in den letzten zwei Jahren die.tschecho- flowakische Ausfuhr sich in den beiden Staaten der Kleinen Entente, Rumänien und I»- goflawien, neue Positionen erobert hat. Aber die Steigerung unserer Ausfuhr nach diesen Ländern ist, im Vergleich zu den Erfolgen des deutschen Exportes, doch recht unbedeutend. Dagegen kann man bei Ungarn und Griechenland von einer direkten Verdrängung unserer Ausfuhr durch den deutschen Export sprechen.. Aber man kann doch behaupten, daß angesichts der scharfen deutschen Konkurrenz und der besonderen handelspolitischen Lage von der Tschechoslowakischen Republik, von der oben die Rede war, pnsere Exportindustrie sich auf den südosteuropäischen Märkten gutchält» WeizenüberfluD oder Weizenmangel? Wir haben bereits vor einem Monat in diesen Spalten(vergleiche Beilage zu Nr. 178) die Frage aufgeworfen, ob nicht die Verknappung der landwirtschaftlichen Vorräte und besonders jener des Weizens im Zusammenhänge mit den für dieses Jahr zu befürchtenden Mißernte» infolge der Dürre und der darauf folgenden Nässe,.nicht zu, einer allzu großen Knappheit und als Folge' da-' von zu einer allzu großen Steigerung der Welt- preise für Weizen und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse führen werde. Diese Befürchtung hat sich insoweit.als begründet erwiese», als tatsächlich die P r e i s e für Weizen auf allen freien Märkten über den Vorjahresstand hinauSgegan- gen sind. Wir sprechen von den sogenannte» Ter- mtnpreisen, d. h. von Preisen, zu denen die Großhändler und die Spekulanten die Lieferung' des Weizens für.einen bestimmten künftigen Zeitpunkt übernehmen. In diese» Terminpreisen spiegelt sich die voraussichtliche Entwicklung der Märkte ab. Der Terminpreis für September wird nun zur Zeit in Chicago mit etwa 110 Cents je Bushel Weizen notiert gegenüber 86 Cents zur gleichen Zeit des Vorjahres, und in Rotterdam werden nun fiir Septemberweizen etwa fl. 6 je Doppelzentner bezahlt, während man 1985 uni diese Zeit noch keine fl. 4 dafür zahlte. Das ist eine Steigerung zwischen 28 und 50 Prozent gegenüber dem Vorjahre. Ob diese Weizenhausse„berechtigt" ist, mft anderen Worten, ob diese hohen Weizenpreise sich zu halten vermögen, hängt- in erster Linie von dem Ausfall der großen Weizenernten in USA, Kanada, Argentinien und Austra»' lien ab. Man rechnet in den Bereinigten Staaten diesmal doch mit höheren Erträgen als im Vorjahr. Die amtlichen Schätzungen beziffern den Ertrag des Wintevweizens, der in den letzten Jahren rund drA Viertel der Gesamtweizenernte der USA ausmacht, auf etwas über 14 Millionen Tonnen, d. h. um 2.8 Millionen Tonnen mehr als die Borjahrsernte. In Kana d a glaubt man, daß die neue Ernte die vorjährige nicht erreichen werde. In Europa wird gleichfalls mit einer schwächeren Ernte gerechnet als in den beiden Borjahren, obschon man in den Donauländern und in P o l e n eine höhere Ernte erwartet. Dagegen sind die Ernteaussichten in den europäischen Einfuhrländern nicht besonders günstig, besonders hat die früh einsetzende Nässeperiode in Mitteleuropa eine schlechte Einwirkung auf die Saaten,gehabt. Die Ergebnisse der russischen Weizenernte find noch nicht'zu übersehen, man iveiß auch nicht, ivelche Menge in diesem Jahre von der Regierung zur Ausfuhr bestimmt wird. Der Einfuhrbedarf Europas, der in hem Jahr 1985/86 auf rund 9.5 Millionen Tonnen geschäht wurde, wird voraussichtich nicht unerheblich steigen. Für die Gestaltung der Weizenpreise fällt auch ins Gewicht, daß in USA und zum Teil auch in Kanada eine ausgesprochene Mißernte der übrigen Getreidearten, in Mais und in den anderen Futterpflanzen verzeichnet, wird. Die Gesamtaussichten der Weizenernte,in der nördlichen Erdhalbkugel sind somit eher-als ungünstig zu bezeichnen. Alles wird nun für die Gestaltung der Weizenpreise im kommenden Jahr von dem Ausfall der Ernte in der südlichen. Halbkugel,, also vornehmlich In Argentinien und Austra« lien abhängen. Aber ganz abgesehen von dem Ausfall der diesjährigen Weltweizenernte, sind Tendenzen heute deutlich sichtbar, die auf ttne Verknappung der Weizener» träge in den großen Getreidegebiet e n und im ZusPvnwiMiMttziyfft«pfM* Verminderung deS'Umfänges des Internationalen Händels Mit. Weizen Hinweisen. Eine Tatsache von weittragender Bedeutung ist zweifellos die nunmehr feststehende Erschöpfung der amerikanischen Böden. Die bierjährige Folge von nordamerikanischen Mißernten ist keineswegs als eine Zufallserscheinung anzusehen. Nach den Angaben des amerikanischen Landwirt- schaftSininisteriuins sind bei einer gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche von ruyd 145 Millionen Hektar etwa 14 Millionen, aso fast zehn Prozent, bereits anbauuntauglich geworden, 40 Millionen Hektar haben den größten Teil ihrer Kulturschicht verloren und bei 50 Millionen Hektar ist diese Erscheinung Im raschen Fortschreiten begriffen. Betroffen sind vor allem die Baum/ woll-, Mais- und Weizenanbaugebiete, wo jähr« zehnteang Raubbau getrieben, wurde. Zur Wie- deraufbesserung der geschädigten Bören sollen NU», nach dem Plan der jetzigen Regierung, die Weizenanbauflächen anderer Bebauung zugeführt werden. Die Einschränkung des WeizenaNbäueS soll in weiterer Entwicklung dahin führen, daß die Weizenerzeugung der NSA den Jnlandherbrauch im wesentlichen nicht überschreitet. Aber' auch in Kanada und Argentinien sind die Welzenböden erschöpft, wenn auch nicht In dem Maße wie in den Vereinigten Staaten. Auch, in diesen beiden großen Getreideländern geht die Entwick- lung zur Einschränkung der Wetzenanbauflächen und zum Uebergang zum sogenannten mixed far» ming, d. tz. zum Anbau, neben dem Getreide, von Futter- und lttilturpflaiizen, zum Obstbau und W Milch-und Fleischwirtschaft. Man muß also, wohl nicht vön. heute auf morgen,, aber doch für die kommende Zeit mit-einem Zürückgehen des Angebots an Weiz en seftenLder großen überseeischen Getreidelieferanten, rechnend In den bisherigen europäischen Einfuhrländern kann man jedoch die weitere Entwicklung' der Selbstversorgung mit Weizen feststellen. Das ist in erster Linie auf handelspolitische Und Devisenschwierigkeiten zurückzuflihren, hängt jedoch auch mit der allgemeinen Tendenz der. Industriestaaten zusammen, den Schwerpunkt ihrer Lebensmittel-und Rohstoffversorgung ins Inland zu verlegen. Sehr wichtig für die Gestal» tung der Getreide- und insbesondere der Weizen- markte ist die gegenwärtige B o r r a t s p o l i t i k der Regierungen der meisten europäischen Staa/' ten, die eine Boreindeckung zu Zeften niedrigen Preisstandes ermöglicht, andererseits bei knappen eigenen"Ernten es. erlaubt, eine Weile von eige- nen Reserven zu leben. Dadurch lockert sich aber der unmittelbaxe Zusammenhang zwischen.Ernteausfall und Einsuhrbedarf. Das kviickt aber auch, auf die Gestaltung der Preise ein, indem' eine Mißernte nicht sofort zum. Ansteigen der Preise zu fiihren braucht, da man doch zunächst apf eigene. Vorräte zurückzugreifen vermgg. .Sozialdemokrat" Nr. 202 Sonntag, 30. August 1030 Seite 0 Neuere arbeitsrechtliche Entscheidungen I lUksiMscKast und äosiaipoiM Pflanzenöl gegen Maschinen Die Tschechoslowakei hat einen erheblichen Bedarf an Pflanzenöls den cs beinahe ausschließlich isn Auslande decken Muh., Etwa 280 Millionen Kronen müssen jährlich aufgetvendet werdens für die Pflanzenöleinfuhr für die»Speise- fetterzcugung, und nochmals 160 Millionen Kronen für Pflanzenöle zur industriellen Berarbei- tung. Bei dem herrschenden Devisenmangelstößt lung eines Landes stets eine Steigerung des Welthandels gewesen. ES entspricht nicht der Wahrheit, daß«in Land weniger braucht als eS selbst erzeugt. Gerade daS Gegenteil ist Immer einge- ireten. Diebe st en Kunden der Industrieländer sind nicht die Agrarländer, sondern die anderen Industrieländer mit den verschiedenen Bedürfnissen und hoher Lebenshaltung. Deshalb glaub« ich immer noch, daß der internationale Handel ein gutes Barometer für die Erzeugung und den wachsenden Reichtum ist. Ich war in meinem Bericht bestrebt, die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit eines freien Handels im weiteren Sinne zu lenke». Ganz ohne Zweifel ließe sich sehr viel für den Gedanken des Freihandels mit größter Erzeugung und gering- sten Kosten sagen. Diese Begründung ist sicher von großer Schlagkraft gegen die Errichtung von Zollmauern. Aber cS gibt noch andere Gründe, die vielleicht noch wichtiger sind; dank einer modernen industriellen'Technik kann jedes gut regiert« Land Kapital bekommen, die notwendigen Rohstoffe eywerhen und allmählich die Lebenshaltung erhöhen. Wer nur unter der einen Bedingung, nämlich, daß die Weltmärkte ihm offen stehen. Ist djese Bedingung erfüllt, d. h. wenn eS seine im Land erzeugten Waren im Ausland absehen kann, dann mag der eigene Grund und Boden noch fq dürftig sein, dann mögen auch die wichtigsten Rohstoffe fehlen, das alles ist dann bedeutungslos. Schließen.sich aber für seine Ausfuhr die, Tore des Weltmarktes, dann befindet sich das Land in einer sehr unsicheren Lage. Dann kommen die Rohstoffe nicht herein, weil jeder internationale Austausch untevbunden ist. In einer Welt von Handelshindernissen kann es daher zwischen den Nationen keine soziale Gerechtigkeit und keinen Frieden geben... Anspruch auf Lohn betrachten, wie dies das Gericht schon im Erkenntnis Doh. A 8800/24 ausgesprochen hat. Denn bei dieser Art des Aussehens aus der Arbeit fallen die unerläßlichen begrifflichen Merkmale des ArbeitSverhältnisse», die Arbeit und der Lohn, weg, und bleibt überhaupt irgendein Moment de» bisherigen Arbeitsverhältnisse» in Gültigkeit, so kann das eventuell die Verpflichtung der Arbeitnehmers bedeuten, in das ArbeitSverhältni» einzutreten und außerdem nur noch die Vereinbarung, daß die bisherige» Arbeitsbedingungen wieder gelten sollen, wenn der Arbeitnehmer zur Arbeit neuerlich berufen wird. Da gerade deshalb, weil die künftige Berufung der Arbeitnehmers zur Arbeit beim Aussehen auf eine unbestimmte Zeit ausschließlich von der nächste» freien Entscheidung der Arbeitgebers abhängt, kann man während der Leit eines solchen Aussehens nicht vom Andauern des Arieits- verhältnisse» sprechen. Anders ist die Siwation beim Aussehen aus der Arbeit, eventuell ohne Lohn, aber für«ine aenau begrenzte Zeit, so daß nach Ablauf dieser Zeit der Arbeitgeber verpflichtet sein wird, den auSgesehten Arbeitnehmer wiederum nach den. bisherigen Arbeitsbedingungen zu beschäftigen, wogegen der Arbeitnehmer verpflichtet sein wird, die Arbeit wiederum anzunehmen. In einem solchen Falle wurde das ArbeitSverhäliniS nicht unterbrochen, sondern dauerteSweiteran. Wurde schon im Arbeitsvertrag an ein solches Aussehen gedacht und überschritt der Arbeitgeber die im Arbeitsvertrag für das Aussehen vereinbarten Grenzen nicht, so ändert stch durch daS Aussehen mich nichts am Inhalt des bisherigen vertraglichen ArbeitSverhältnisse». Bon der Auflösung de» Arbeitsverhältnisses kann man dann überhaupt nicht sprechen, und der Fall des Schutze» nach 8 22 des B.-A.-Gesehes wäre nicht gegeben. Ist aber das Aussehen aus der Arbeit für eine bestimmte Zeit nicht durch den ArbeitSvertrag gedeckt, so bedeutet dieses Aussehen zwar nicht die Auflösung des AvbeitrverhältnisseS, alleSdingS aber eine wesentliche Aenderung seines Inhaltes, Eine solche Aenderung im vertraglichen ÄrbeitSverhältniS kann der Arbeitgeber einseitig nicht hcrbeiführen. Läßt sich der Arbeitnehmer freiwillig darauf ein, so besteht allerdings für die Gewährung des Schuhes nach 8 22 des B.-Ä.-Ge- seheS keine Ursache. Wenn jedoch der Arbeitnehmer sich auf ein« solche Aenderung nicht einläßt, so dauert daS Arbeitsverhältnis unter den bisherigen Bedingungen weiterhin an und es ist Sache des Arbeitgebers, ob er das Arbeitsverhältnis wegen Widerstandes des Arbeitnehmers durch Kündigung oder eventuell durch Entlassung ohne Kündigung löse» will, wozu allerdings, wenn es sich um ein Betriebs- aurschußmitglied handelt, die Zustimmung dec Schiedskommission notwendig ist. deren Aufgabe eS dann ocher sein wird, die Umstände des Falles zu erwägen, zu beurteilen, ob die geforderte Zustimmung ausgesprochen werden soll oder nicht. DaS Aussehen aus der Arbeit für ein« genau begrenzte Zeit kann an und für stch also nicht der Auflösung des Arbeitsverhältnisses gleichgestellt werden und es ist deshalb auch nicht di« Zustimmung der Schiedskommission notwendig, außer vielleicht in dem Malle, daß das AuSseben für eine so lange .Zeit dauern soll, daß er in seiner praktischen AuS- wirküitg dem Arbeitnehmer dauernd die Eristenzbe- dingungen entziehen wurde, welche die Schubvorschrift de» 8 22 dem Mitglied des BetriebSauS- schnsseS sichern will." Freihandel und Autarkie Der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes legte der kürzlich stattgcfundenen Arbeitskonferenz einen umfangreichen Bericht vor, der sich mit den Fragen der Wirtschaft, der Sozialpolitik und der Tätigkeit des Büros befaßte. Zu diesem hoch interessanten Bericht, den wir bereits besprochen haben— haben 66 Redner auS allen sozialen Lagern und aus allen Teilen der Well das Wort ergriffen. Die nachstehenden Ausführungen stellen die im AuSzuge wiedergegebene Antwort des Direktors auf diese Reden dar, insbesondere über die sehr umstrittene Frage„Freihandel und Autarkie". Die Enttvicklung der letzten Jahre hat ganz zweifellos gezeigt, daß der einzige Weg zur Be- lebung des Außenhandels die Hebung der inneren Kaufkraft Ist. Nur wenn eine starke Nachfrage für heimische Erzeugnisse vorhanden ist, sind die Staaten bereit, auch ausländische Erzeugnisse aufzunehmen.. Daher führt auch die wirtschaftlich« Expansionspolitik allmählich zur Beseitigung der Zollgrenzen und die im Innern eines Landes erzielte Wirtschaftsbesserung greift allmählich auf andere Länder übet. Sin Redner hat zur Verteidigung der Zollgrenzen interessante Ausführungen gemacht. Er fragte, ob der Umfang des Welthandels mit Recht als«in Barometer des Wohlstandes angesehen werden kann und betonte, da auch vieltS siir die Länder spräche, die sich bemühten, nach Möglichkeit sich selbst zu genügen. Ich glaube, daß bis zu einem, gewissen Grad niemand diesem Standpunkt widersprechen wird. Niemand wird«inen vollständigen Freihandel gegenwärtig für möglich hälfen/ wie auch der Redner selbst wohl an eine gänzliche Autarkie nicht glaubt. Wgs mich von ihm trennt/ist meine Ansicht Wer die Folgen einer von Hm befürwortet«!; Politik. Die Wirtschaftsgeschichte lehrt un», daß in dem Maße, wie sich die Internationale Erzeugung entwickelt und. sich di« Industrien ausdehnen, die Lebenshaltung steigt/ Gleichzeitig wächst diei Nachfrage nach Roh- stoffen und weiteren Waren aller Art. Und da kein Land, die Bereinigten Staaten' und die Sowjetunion vielleicht ausgestöfstmest/auch sticht annähernd dis von.seinen Industrien benötigten' Rohstoffe auf eigenem Boden erzeugen kann, Ist die notwendige Folge der industriellen Entwick- Mehr denn se ist die Kenntnis Arbeitsrecht für die Arbeitnehmer von der allergrößten Bedeutung. Die sozialdemokratische Presse hat die Ausgabe, diese Kenntnis zu vermitteln. Sie wird In Hinkunft dieser Aufgabe in größerem Umfange nachkommen als bisher und von Zeit zu Zeit Uebersichten Über die wichtigsten arbeitsrechtlichen Entscheidungen veröffentlichen. Wir drucken heute die erste dieser Uebersichten ab. Anspruch auf Lohn nach§ 1154 b) Nach§ 1164 b) a. b. G. B. hat der Dienstnehmer nach vierzehntägiger Beschäftigung Anspruch auf Lohn höchstens in der Dauer einer Woche auch in dem Falle, wenn er infolge eines ivichttgen, sein« Person betreffenden Grundes die Arbeit oder den Dienst nicht leisten konnte, ohne dies vorsätzlich oder durch grobe Fahrlässigkeit verschuldet zu haben. Besteht dieses Hindernis in der Erkrankung oder einem Unfall des Dienstnehmers, so gebühren ihm an Stelle des im Absatz 1 ange- führten Lohnes erst in der dritten und vierten Krankheitswoche je 10 Prozent seines Lohnes, in der fünften und sechsten Krankhcitswoche je 20 Prozent des Lohnes, in deü siebenten und achten Krankheitswoche je 30 Prozent des Lohnes. Das Gesetz besagt aber nichts darüber, was unter dem Begriff„Lohn" zu verstehen ist. Nun hat das Oberste Gericht mit seiner Entscheidung vom 6. September 1086, Rv I 1644/85 entschieden, daß bei der Berechnung der Prozente nach 8 1154 b) Abs. 2, a. b. G. B. bei einem im Akkordlohn arbeitenden Arbeitnehmer der durchschnittliche Akkordlohn, keineswegs der Minimallohn, als Grundlage zu nehmen ist. In der Begründung führt das Oberste Gericht an: „In der zu beurteilenden Sache enthält der Kol- lektivvirtrag keine Bestimmung darüber, welcher Lohn al» Grundlage bei der Ausrechnung der Prozent« nach dem zweiten Absatz des 8 1154 b) o. b. Ä. B. im Wortlaut des Gesetzes vom 1. April 1921. Nr. 166, S. d. G. u. B. anzunehmen ist. Aus dem Wortlaut des Gesetzes, wo vom Lohn(von seinem Lohn) ohne Beschränkung auf den Minimallohn gesprochen wird unb aus dem sozialen Zweck des Gesetzes, durch welche» dem Arbeiter eine materielle Unterstützung bei länger dauernder Krankheit(vergl. Regierungsentwurf Druck 1604. Abgeordnetenhaus NSNE 1921, erste Wahlperiode, 2. Session) verschafft werden sollte, geht hervor, daß da» Gesetz bei der Ausrechnung der Prozente den tatsächlichen Gesämtlohn im Sinne hatte, den der Arbeiter in ter letzten Zeit vor der'Erkrankung hatte, keineswegs nur den Minimallohn, wenn man vor allem erwägt, daß eS dem erkrankten Arbeitnehmer nicht den Anspruch auf den ganzen Lohn, sondern nur auf einen bestimmten Prozentsatz zuerkennt." Der Achtstundentag gilt auch für Angestellte in Tabaktrafiken. Mit der Entscheidung vom 12. September 1985 Rv. II 429/85, stellt das Oberste Gericht fest, daß Angestellte(Verkäufer) in Tabaktrafiken Handlungsgehilfen sind, auf die sich die Vorschriften de» Gesetzes Uber die achtstündige Ar- betkszeit beziehen. DaS Oberste Gericht erklärt in . der Begründung, daß die zulässige Dauer der Arbeitszeit der Angestellten, die sich in einem Dienstverhältnis zum Trafikanten befinden, ausschließlich nach den zwingenden Vorschriften des Gesetzes Uber di« achtstündige Arbeitszeit zu beurteilen ist und daß im Falle uWewtlltgter lieberstunden der Arbeitnehmer wegen seiner Schädigung und wegen ungerechtfertigter Bereicherung de» Arbeitgebers Ersatz anstreben kann. Hat der BetrlebsausschuB das Einspruchsrecht bei Massen« entlassungen? ' Nach 8 3g) des B. A.-GesetzeS hat der Betriebsausschuß die Aufgabe, mit beratender Stimme bei kollektiven Entlassungen von Arbeitnehmern aus Gründen, die außerhalb des Arbeitsverhältnisses gelegen sind, mitzuwirken- wogegen Ihm bei Entlassungen einzelner, länger als drei Jahre im Betriebe beschäftigter Arbeitnehmer das Recht. zusteht, binnen drei Tagen nach der diesbezüglichen Mitteilung der Betriebsleitung bei der Schiedskommission Einspruch zu erheben! Die Schiedskommission nach dem B. A.-Gesetz hat nun bet einer Massenentlassung dem Betriebsausschuß das"Recht des Einspruches zuerkannt, wobei sic feststellt«, daß der Betriebsausschuß das Recht der Beschwerde sowohl bei Einzel- als auch bei Mäs- senentlaffungen habe, wenn nur die Bedingung der länger als drei Jahre dauernden Beschäftigung erfüllt sei. Das Oberste Verwaltungsgericht hat ist diesem Falle nüt seinem Erkenntnis vom 18. Sep- tcuibcr 1984, Nr. 22.280/88, dahin entschieden; dstß im Falle einer Massenentlassung im Sinne des 8.3 lit. g), Abs. 1 des Gesetzes Nr. 880/21 S. d. G. u. V. dem Betriebsausschuß n ikch t das Recht des Einspruches nach dem Absatz 2 derselben gesetzlichen Bestimmung zusteht, und daß deshalb auch die Schiedskommission, wenn der BetriebSauSschüß ' in einem solchen Falle doch Einspruch überreicht, nicht zuständig ist, sachlich darüber zu entscheiden. DaS Oberste Verivaldustgtzgedicht ,hat damit das Erkenntnis Boh. A 11,880/34 bestätigt, in welchem es auSsprach/daß sich das deck Be- tcieSSausschuß 4m 8»,M g), Abs. 2, des B.-A« *■ Gesetzes gewahrte Einspruchsrecht gegen die Ent- lassuug von im Betriebe ununterbrochen länger als ddli Jahre beschäftigten Arböitiiehmern auf, die Fälle der Mäffenesttlassststgen nicht bezieht. Aussetzen aus der Arbeit DnS Aussetzen aus der Arbeit hat besonders In der jetzigen Krise außerordentlichen Umfang angenommen. Es bedeutet praktisch, daß der Arbeiter keine Arbeit leistet, daher auch keinen Lohn empfängt, aber die Zusicherung erhält, entweder nach einer bestimmten oder auch unbestimmten Zeit wieder arbeiten zu können. Wichtig ist die Rechtslage, die durch das Aussehen aus der Arbeit entsteht. In dieser Hinsicht hat das Oberste Gericht mit der Entscheidung vom 1. März 1085, Rv. I 115/85, ausgesprochen, daß unter AuSsetzen auS der Arbeit im allgemeinen die Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses ohne Lohnanspr»ch-zu verstehen ist.„Wurde der Arbeitnehmer gegen seinen Willen ausgesetzt, so hat er Anspruch auf den Lohn für die ganze Zeit, während der er ausgesetzt war". Aussetzen von BetrlebsausschuB« mltglledern Zur Frage ,ob das Aussehen aus der Arbeit von B.-A.-Mitglicdern einer Entlassung gleichzustellen ist, zu der gemäß 8 22, Ws. 2 des B.-A.-Gesetzes die Schiedskommission ihre Zustimmung erteilen muß, hat das Oberste VerwaltungS- gcricht mit seinem Erkenntnis vom 81. Oktober 1984 Nr. 8188/38 entschieden, daß das Aussetzen aus der Arbeit für eine genau begrenzte Zeit an und für sich noch nicht der Auflösung des Arbeitsverhältnisses gleichzustellen ist, gegen welche das Mitglied des BeriebSausschusses im Sinne des 8 22, Abs. 2, des Gesetzes Über die BetricbSaus- schüsse geschützt und zu welcher auch die Zustimmung der Schiedskommission notwendig ist. In der Begründung führt das Oberste Verwaltungsgericht u. a. an: „DaS Gesetz Uber die BetricbSauSschüsse kennt daS Aussehen au» der Arbeit nicht. Da» Betriebr- ausschußmitglicd ist nach dem Wortlaut des 8 22, Abs. 2, nur gegen Entlassung geschützt. Diese Entlassung au» der Arbeit kann aber nicht ander» denn als die Auflösung de» ArbeitSverhälckisse» aus dem Willen de» Arbeitgebers begriffen werden, die entweder durch Kündigung oder durch Entlassung ohne Kündigung, d. h. ohne Einhalckng der vertraglichen oder gesetzlichen Kündigungsfrist, verwirklicht werden kann, insoweit eine solche Entlassung nach dem Gesetz zulässig ist. Der Schutz, welchen da» Gesetz den Betriebsausschußmitgliedern gewährt, muß also auf jedtvcde einseitig« Willensäußerung de» Arbeitgebers bezogen werden, die auf die Auflösung de» Arbeitsverhältnisse» hinzielt und e» Ist gleichgültig, ob man diese Dirspofitjon al» Kündigung oder Entlassung oder AuSsetzen au» der Arbeit bezeichnet. ES kommt nur darauf an, ob durch diese Disposition da» Ar- beitSverhältni», u. zw. durch«ine einseitig« Willen»- äußerung de» Arbeitgeber» aufgelöst wurde. Al» eine solche Auflösung de» ArbeitSverhältnisse» muß man ganz unzweifelhaft da» AuSseben au» der Arbeit für eine unbestimmte Zeit ohne irgendwelchen - Deutsche Aufrüstung Wer wird es länger aushalten— der gemästete Militarismus oder das gemolkene Volk? der Pflanzenöl-Import für die Spiesefetterzeu- gung auf immer größer« Schwierigkeiten. ES wird daher jetzt von den beteiligten Interessengruppen der Plan verfolgt, di« Lieferländer für Pflanzenöle zur Abnahme von Erzeugnissen unserer Maschinenindustrie zu bewegen. Der Pflanzenöl-Import soll danach künftig im Wege des Kompensationsverkehrs erfolgen und dabei auch erhöht werden. Die Tschechoftowakei brauchte dann dafür keine Devisen mehr zu bezahlen, sondern die Bezahlung erfolgte durch die Lieferung von Maschinen. Die Regelung könnte die gegenwärtigen Schwierigkeiten in der Rohstosfversor« gung der Speisefettindustrie wohl mildern, Wer eine Lösung des Rohstoffs- und Devisenproblems bedeutet die Flucht in den Kompensationsverkehr nicht. Tschechoslowakische Wirtschaftsnachrichten Erneuerung des ZuckerkartellS. Die Vorverhandlungen zur Erneuerung des Zuckerkartells,, das mit dem nächsten Kampagncjahr abläuft, haben bereits begonnen. ES wird damit gerechnet, daß trotz der bestehenden Interessengegensätze zwischen den Zuckerindustriellen und den Rübenbauern bi» Dezember d. I. ein vollständiges Einvernehmen erzielt werden kann. Erhöhte Mineralöl-Einfuhr. Die Mineralölbezüge der Tschechoslowakei betrugen iin ersten Halbjahr 1086 198.400 Tonnen. Sie waren damit um 7.6 Proz. höher als in der gleichen Vorjahrszeit. Am stärksten hat die Benzineinfuhr zu- genommen. Sic ist von 68.800 Tonnen auf 96.400 Tonnen gestiegen. Ausbau der Elektrizitätsindustrl«. Um di« Leistungsfähigkeit des Elcktrizitätsiverles in Tic« bovice-Klimkovice zu erhöhen, wird in Kürze ein neuer Turbogenerator gebaut werden. Er wird der größte werden, den es in der Tschechosloivakei gibt. Verzögerung der Bildung deS FlachSshndikatS. Die Verhandlungen über das Zustandekommen des Flachssyndikats haben sich solange hingeschleppt- daß es für den Absatz der diesjährigen Ernte nicht mehr in Betracht kommt. Im Spätherbst werden die Flachsbauer zu neuen Besprechungen zusammentreten. Biebsyndikat bleibt bis auf weiteres. Der Vertrag über das Viehsyndikat läuft Ende Sev- tcmber ab. Da infolge der für sie gegenwärtig günstigen Situation die Viehzüchter kein aktuelles Interesse an der Errichtung des Biehmonn« Pols haben, wird die Geltungsdauer des Vieh» syndikats verlängert werden. Bulgarien liefert Eisenerze für di« Tschechoslowakei. Nachdem kürzlich als erste Eisenerzlieferung Bulgariens an die Tschechosloivakei 6000 Tonnen für die Berg- und HÜttfckverks-Gestsl«' schäft eistgetrosfen sind, werden zur Zeit Verhandlungen Über weitere größere bulgarische Eisenerzlieferungen geführt. Die Tabakernte. Obwohl die Tabak-Anbau«' fläche in der Tschechoslowakei von 10.012 auf 9806 Hektar zurückgegangen ist, erwartet man von der Ernte den gleichen Ertrag wie im Bor« jahr. Eine Tabakernte von 18,5 Millionen Kilogramm deckt den Jahresbedarf der 20 Fabriken der tschechosowakischen Tabakregie zu etwa 60/ bis 65 Prozent. Der, Devisenvorrat. Nach dem letzten AuS-' weis der Nationalbank hat der Devisenbestand eine Erhöhung um 1.8 Millionen AL erfahrest/ so daß er 28.6 Millionen AL beträgt. Seite 10. Sonntag, 30. 9fiifliif(103fl „Sozialdemokrat" Nr. 203 Sowjet-Fiugindustrle die mächtigste der Welt Moska ii.(Laß.) Die Zeitschrift„Za Hndiistrializariju" veröffentlicht ein Interview mit Mitgliedern der französischen Luftfahrtdele- gatlvn, di, Zeit i» der Sowjetunion weilt. Der Borsitzende der Delegation Henry Potez erklärt in dein Interview u. a„ daß die Flugzeugindustrie der Sowjetunion bereits beute als die mächtigste der Welt.anerkannt werden miiss«. Potez würdigt sodann die Leistungen der Flieger und Apparate bei dem Flugtag in Tusch i» o und sagt:„Besondere Ansmcrtsamtcit verdient vom Dtandpuiikte des, Faschismus der I zweimotorige Schneilbomber und die Staffeln der Jugdflugzenge, die in Tuschiuo gezeigt wur- 1 den. ES flpd dies Maschinen mit großerGe- schwindigkelt und Manövrierfähigkeit." Potez sprach ferner di« Hoffnung aUS, daß der Besuch der französischen< Lnftfahrtdrlegation die Beziehungen zwischen den Luftfahrtindustrien der beiden Länder festigen werde, denn beide Partner könnte» da raus großen. Nutzen ziehen. Der Oberinspektor des französischen Lnftfnhrtniinisterinms tNoncrnl Lagarde sprach sich sehr lobend über die sowjetruffische Flngzeugindnstrie auS und sägt« hinzu, das, er zum ersten Male die Herstellung von Flugzeugen in einem so großen Serienbau gesehen habe. Die Sowjetflugzeuge halten«inen kühnen Berglrich mit den besten Weltmarke» aus. Land und Leute im Bäderdreieck linier dem Sammelnamen Bädcrdrcicck ist Im engeren Sinne das Gebiet der drei Wclikur- ortc.Karlsbad, FranzcnSbad und Maricubad, im weiteren wohl das ganze Egerland vom Fuße des Keilberges bis zur bayrischen Grenze zu verstehen. Eingebettet, zwischen den Hühenziigen des Erzgebirges im Norden nnd den Dilppaner Bergen und dem Teplcr Hochland im Süden, zählt dieser Landstrich zn den schönsten Flecken unseres an Na, turschünheiten doch gewiß nicht armen Landes. Die Täler dec Eger nnd Tcpl, der Kaiserwald, die Ausläufer des Fichtelgebirges nnd das Erzgebirge in seinem tvestböhmischcn Teil sind Perlen für den Naturfreund, in die als strahlende Kronen die Wcltbädcr mit ihren herrlichen Anlage» eingebettet sind. Der Dichter des„Faust", der so oft durch das Egerland nach Karlsbad gereist ist, hat immer wieder seiner Bewunderung für dieses schöne Gebiet Ausdruck gegeben nnd manches Fleckchen hat ihn zu zeichnerischer Betätigung veranlagt. Aber nicht nur mit Natnrschönheitcn ist da3 Bäderdrcicck reich ansgestattet, es barg auch und birgt noch Natur- und Bodenschätze von unermeßlichem Wert: Die zahlreichen Hcilguellen, denen Millionen Menschen in aller Welt ihre Wiedergesundung verdanken, lirancrzvorkommen in Jo.- nchimsthal, auS denen daS für die medizinische Wissenschaft und Hcillunde unentbehrliche Radium gewonnen tvird und die daS kleine Bergstädtchen JoachimSthal.iznm berühmtesten Rndinmheilba? der Welt gemacht haben, ferner Braunkohlenlagcr in den Bezirken Karlsbad, Elbogen und Falkenau, deren Förderung einmal an die zwanzigtausend Menschen Beschäftigung bot, während heute kaum mehr ein Viertel davon eine karge Existenz fristet, und schließlich Kaolinerde von vorzüglicher Qua« lität, deren Verarbeitung in der Porzellanindn strie diesen.westböhmischen Industriezweig weltberühmt gemacht hat. In früheren Zeiten gab eS hier auch noch Zinn- nnd Silbcrerzbergbau. Daß sich an der Quelle solcher Bodenschätze große Jndu- strie» bildeten, die wiederum Händel und Ge- tvcrbc zum Aufblühen brachten, ist nur selbstverständlich. Außer der Braunkohlen- und Porzel- Innindustrie entstanden hier Großbetriebe der Glasindustrie(Maierhöfen, Rcusattl, Bleistadt), der Textilindustrie(Ncudek, Falkenau, Zwodau, Licbauthäl, Asch, Fleißcn, GraSlitz), der Metallindustrie(Rothau-Ncudek, Platten, Eger) und der chemischen Industrie in Falkenau, neben denen fick) noch eine ganze Reihe anderer Industriezweige elwickelten; es seien davon-nur die Musikinstru- mentcncrzeugung in GraSlitz und Schönbach, soEin Kolporteur von einst Ehe ec zum Kolporteur cmporsticg, war er Dienstmann. An seiner Düitzc leuchtete eine stets - mangeihast geputzte„Nr. 28".. Denn Dienstmann Krause trug seine gelbe Mütze weder mit Stolz noch mit Liebe. Das machte: er war von einer Schwärmerei erfüllt, die. mit der gelben Mütze nichts zu tun hatte. Alfons Krause schwärmte für alles, tväs gedruckt zu lesen war. Er huldigte dem gedruckten Wort in unbedingter ■ Ehrfurcht. Denn alles was gedruckt Ivar, mußte etwas Bedeutendes sein, konnte nicht angeztvcifelt werden, Ivar vollkommen, llnvollkommenes wurde eben nicht gedruckt. Alfons Krause war ans zwei Zeitungen ,..abonniert. Die eine erschien morgens, die andere L abends. Alfons Krause las beide von der ersten !j bis zur letzten Zeile, saß dabei auf dem Dienst- .! mannswagen, zerstocherte im Laufe' des Tages ' jeden Satz zweimal und verstand doch nur jeden . drittem Aber je dunkler ihm eine Wendung, ein Bild, eine Artikelpartie blieb, uni so unbedingter stieg seine Hochachtung vor dem schwarzen Zeilengefüge. Der Geist des unverständlichen Anßor- ■Y gewöhnlichen wehte daraus hervor und riß den Dienstmann Nummer 26 zu bewunderndem Kopf- schütteln hin: wenn wo etwas passierte—am , anderen Tage spätestens war die Menschheit anf- uzerksam gemacht, gewarnt,.belehrt.. Alle?-durch . die Zeitung! Bon Amerika war darin die Rede, von Asien, Afrika und noch viel.unbekannteren ' Gegenden. Was die Menschheit wohl ohne dicö .. bedrückte Papier wäre? Ein Land wüßte nichts fg v.om anderen, und die Weißen wären,vielleicht ge- M nau noch so dumm wie die Schwarzen. /' Alfons Krays« konnte sich die Menschheit W ohye manche Einrichtung denken— ohne Zeitung KD?.... Aber der Dienstiuann I Hatten Dienstmäii- W-!! ner-etwas nüt! der Zeitung' zu schassen?" Nein, wie die Leder-Handschuhlndüstric des oberen Erzgebirges erwähnt, die.einmal vielen Hunderten Menschen Arbeit uud Brot gaben. Heute ist das Bild anders, fast durchwegs sehr düster.'.-Hatten alle diese Industrien in-der alten Nionarchie ein Absatzgebiet mit mehr als ßO Millionen, Einwohnern zur Verfügung, so muhten sie sich nach'dem Umsturz auf das neue, nur ein Viertel des alte» betragende Staatsgebiet umstellen. Das hatte-zunächst gewaltige EinschrSn- kiingcn zur Folge und nur.nach und nach konnte durch die Belebung des Exportes ein Teil des Ausfalles wcttgcmacht werden. Dann setzte die Krise ein, die sich gerade in Wcstböhmen verheerend answirkte, zumal da sie durch verfehlte Maßnähincn der Industrie selbst noch außerordentlich verschärft wurde. Nur einige Daten sollen davon Zeugnis oblegen: In der B a u- gar nichts. Darum, trug Alfons Krause, seine blonde Mütze stets gesenkten Hauptes. . Nur einmal schien, diese Mütze in höherem Gelb zu strahlen: als der Dienstmann Nummer 26 einen Ballen Drucksachen vom Bahnhof zur Universität za transportieren hatte. Auf seinem, Alfons Krauses Magen rollte Papier dahin— richtiges, bedrucktes, zu kleinen Heften gebundenes Papier. lind er, Alfons Krause, durfte diesen Wagen lensen. Wie ein Held erschien er. sich, der' das Heil der Menschheit durch, den Schmutz der Straße dirigiert. Er vergaß den hehren Augenblick nie wieder, starrte. manchmal verträumt ins Straßengewühl und machte schlechte Geschäft«.. Bis er eines Tages wieder.einmal mit gehobenem Kopf« einherschritt, das Gesicht blanker als die'Nr. 26:' er hatte sich entdeckt,-sich und den Beruf,' für den er geboren.• Eine Woche darauf Ivar der kleines eckige Dienstmann Ä.r, 26 ans der Reihe' seiner Kol- Igen am Bahnhof verschwunden.. Dafür, konnte man ihn täglich mit einer, riesigen. Tasche durch die.Straßen eilen sehen.. Wäre. es nicht, auf. Alfons.Krauses wichtigem Gesicht zu'.lesen,', gewesen—--'-der pliunpen Tasche sah.mgn'S nicht an, was sie. Heiliges barg:'.vormittags Zeitschriften, nachmittags Zeitungen. DaS Leben.hatte den Dienstmann Nr. 26 zum Kolporteur avancieren lassen..'.., Wenn er, mit dem Generalanzeiger bepackt, treppauf, treppab durch-die. Mietskasernen.stieg,, kgm- erreich vor'wie einMissionar, der täglich! neue Heilsbotschaften ausbreitet... Den Spitz-- namen„Zeitungslrause", den ihm einigeGal-! senkllpel,vcrlichen,.nahm.er.als einen.Ehren-, titel Wund trug.den Kopf sthr.hpch,..Denn.er,- der ehemalige Dienstmann, Ivar über Rächt die. linken Hand' von. Leuten..geworden,- die.' alles wußten,' ällSS'erfuhren,'darüber' schrieben.' UNd i n du st r ie ist.die Zahl-der Beschäftigten gegenüber-der Zeit nach dem Umsturz-nm die Hälft«, gegenüber den Jahren 1928/28 sogar UM fast 75 Prozent zurückgegangen; im B e.r g b a v wurden im Jahre 1.021 noch: 12H00'versicherte Bergleute gezählt, während cs zu Ende-1985 nur noch 450V wären; in der Ker a m- und G l a S- industrie wurden vor Einbruch der Krise 1S.OOO Beschäftigte und ein. Umsatz- von 800 Millionen verzeichnet,, heute zählt sie' noch rund 10.000-Beschäftigte und einen Umsatz-von 100 Millionen; die M e t a l l I n d u. st r i e der» zeichnet einen Rückgang der'Beschäftigten uw 65 Prozent, wobei sich vor allem die Betriebsstill» legungen in Rothay und Neudek katastrophal ausgewirkt Haben. Wie folgenschwer die Wirtschaftskrise und,die Absperr- und DcvIsenmäßNahmen der verschiedenen Staaten schließlich auch die Weltbäder getroffen habe», ist in der Qcffcntlichkeit wohl ebenfalls genügend bekannt geworden. Aehn- lich ist das Bild aber auch in allen anderen In- dnstriezweigcn, so daß man, ohne zu übertreiben, sagen darf, daß dieses Westbühm«n tatsächlich an der Spitze der Notstandsgebiete steht und cs die Aufgabe aller staatlichen Faktoren' sein mühte, hier mit.allen.Kräften und Mitteln eine Aende- rung.'zuiu Besseren hcrbeizuführen; nicht, nur zugunsten'unserer Arbcitsmenschen, die ein schier unfaßbares Maß an Geduld, Opserwilligkcit und Disziplin' aufgebracht haben,' sondern auch im ureigensten Interesse des Staates sclbstl . Und'unsere Menschen?, Es ist da nicht viel zu sägen.' Dein,'aufmerksamen Leser wird es angesichts der oben wicdcrgegebeücn Zahlet! schon bewußt geworden sein, daß es sich'um ein an Ent- behrungen gewöhntes Völkchen handeln muß. Was aber.in den' KrisenjahrcN an Not.uüd Leid über diese Menschen gekommen ist, das geht bis hart an die Grenze des Erträglichen und daS ist auch zu zwar so. vollkommen, daß', es gedrückt werden mußte. - AlsonS Krause konnte' zwischen den stattlichen' Reihen'.seiner' Bekannten- umherstochern, wie'er' wollte-—er fand nicht einen' darunter, der einmal etlvaS geschrieben hätte, was nachher gedrückt worden, war..Aber tvaS'.inl-der Redaktion des Genemlanzeigers geschrieben wurde, mußte'alles gedruckt werden. Alles!'' Darum erschauerte. Kraiifc in' Ehrfurcht vor den Leuten, die!in der Redaktion saßen. In einem Raum«, von dem Krause, nicht einmal! ein« rechte Vorstellung gewinnen konnte— da saßen die sogar drin.!.Üyd ganze Sätze, die ZeityngSkraüse nicht einmal, richtig verstand,' die hatten? ihren Ur» sprüüg im Schädel dieser Leusel! Sic waren der Kopf der Zeitung— Alfon? Krause Ivar das Beist.''/''- .■'. In'Alfons Krause wälzte sich, isst! die Frage, wie-er- besuchsweise we.nigstens einmal: in- di« Redaktion,des Generalanzeigers gelangen könnte. Abey er bebt« vor. deM Wagnis zurück, weyn er der Leute gedachte', die da. oben' schrieben..„Sie isitzd doch'-der ehemalige Dieisstmann: Nummer t26", würde man ihn-da oben.empfangen,„Sie sind in'der'Volksschule nicht über di« dritte Klasse hiüänSgekommen,. ztv'e'hnal'' Wen' l geblieben, 'Jhrchn. Lehrmeister.' sstäter- dürchgebrapnt, schulden, Ihrer,.verheirateten- Schchester vstoch' immer lzivelustddreiftlg Mark.y,'?. . Das allcö würde man ihm da. oben auf den iKopf zusagen..HpM'ÄMÄkch'-Mrika, Asien, Eisenbahnunglücke, Erdbeben— alles saß ist diesen Köpfen,, ging von dä aufs.Papier und wurde gÄrisckt.i:Er wußte bestimmt: die Leyte der Redaktion- wohnten. nicht in- Aststpälieu,,.Aber. sie ^.schrieben davoni. ats friihstWA. sst täglich dort. jAlso-müßten, sie erst recht dey Alfons Krause, der .sich in', ihrer.Htadt au.shielt, diirch und durch jkennen.• IC..Ä4.OTäS':>..'.-. '!'Mer' biclleicht hätte-.ihn.'«ine? ehrfürchtige Marika Roekk spielt eine der Hauptrollen. in der' Verfilmung von Millöckers Operette„Der Bettelstudent". einem-guten Teil die Crkläruung dafür, warum' dieses schon im Stadium der Verzweiflung befindliche Volk sich in so großem Maße von den Schlagworten der.Hcnleinpartei irrcführcn ließ. Zn. einem anderen Teil.waren.es der betont soziale Anstrich und das Schlagwort von der Heimat,-.mit? denen die SHF operierte, denn dieses Volk hier: liebt seine Heimat über alles. Das übrige besorgte-die nationalistische Propaganda, die in unzähligen verfehlten staatlichen Blaßnahmen noch aus der Zeit der nationalen Regierungen und des Bürgerblocks, sowie in dem.erbitternden Vorgehen vieler Bürokraten eine— von, der anderen Seite vielleicht gar nicht'beabsichtigte— für die deutschen Nationalisten aber um so wirksamere Hilfe sand. In Westböhmen war der Ausgangspunkt der Henleinbewegung; es ist klar, daß hier nicht der erste große Abbruch zu verzeichnen sein wird, znmal das Bürgertum durch seine feige Kapitulation vor der braunen Welle stark in den Hintergrund gedrängt wurde und nun demagogisch arbciterstenndliche Töne anschlägt. Aber von Dauer wird dieser große Betrugsver- such auch hier nicht sein;-die Ernüchterung-macht Fortschritte-und jemehr die-Regierung bei der Arbeitsbeschaffung. die.westböhmischen Notstandsgebiete berücksichtigen und Härten der Verwaltung abbauen, wird, desto früher, wird.auch, ist diesem Gebiete der Henleinspuk verfliegen. Daß die sozialistischen Kaders-demAnsturm standgchaltcn haben- und nun seit Monaten, in einer»och nie erlebten Aktivität die neue Offensive vorbereitcn, das hat der Westböhmische Arbeitertag am 2. August in Falkenau bewiesen, bei dem mehr als 25.000. Arbeitende.und Arbeitslose aufmarschierten.. Und das war ihre von SiegeS- bewußtseist erfüllte! Parole: Wir- werden daS Bäderdreieck, wjr.werden. Westböhnien der soziä- listischen'Fdee zurückerobernl F. W. 'Köhler ladet Werner zur Hascniagd ein. Plötzlich /kqmMt.eine,Häsin gelaufen.. Werner hebt den Püster.— Halt/ nicht schießen, schreit Köhler-— das ist unsere Häsin Bella! Ans die schießen, wir! nie! — Kommt eüi Rammler gesprungen.— Jetzt, schieß, drängt Köhler,— daS ist Emil. Auf den schießen wir-inuUer. Sehnsucht doch.noch' einmal,-iw die. heiligen Räume hinäufgetrieben! Weins' der Kolporteur nicht- vou^so mancherlei Gefahren' mmlastert .würde. ES kam ein schneeiger Winterabend,-da stand Im.Lokalteil des. Generalanzeigers" zu lesen:''''--■;.’•''•• l, ' Im Dienst« des Generalänzeiger» verunglückt ist gestern. Unser wackerer Kolporteur-'-AlsonS Krause durch einen! Sturz auf der Treppe..... Der Verunglückt«llägstn Kvankcnhaüst! und, schmunzelte selig-zur Decke!.' Betgessest haste.er den Schmerz im verbundenen! Fuß, vergessen das Gebrumm des Arztes-von.einem„koniplizierten Küöchelbvuch".'' In' Krauses Hand zitterte der aufgeschlagene'Generalanzeiger'. Ab und zy hob er das Blatt übers- Gesichts las- Wieder und-’wieder:„Im• Dienste des Generälanzeigers verunglückt-.-ist-gestern-'unser wackerer Kolporteur Er, der-ZeitüngSkrausei-',' Er war dieser wackere Kolporteur ,und er war ,, für,, die Zeityyg. verunglückt.- DaS! war ettvaS,' denn die Leüte. in deren,Köpfen Afrika und.Asien.ist-— die hatten von ihm geschrieben! UNd dqS-war. gedruckt.worden.,'7-,..-: Als der Frühllisg. blühte,.'hinkte Zeitüngs« kraus« lächelnd aus, dem Krankenhaus«, richtete lächelnd?.im'.Hausflur-.einer belebten. Straße einen Zeitüngsstand ein. Er hinkte mit Stolz uitd.ließ' diesen.StoM jeden- fPü.resiÄdep-sich.nach hem-hinkenden-Bein erkundigte.- Deün- er.-'-der-. Alfons'.Krays«,.'.hätte /sein? gesundes Bein'- für- etwas geopfert, ohne das die.Weißcn-Heutc'.gc-, naü so-dumm.-'wären wie die'Schwarzen!!!!.,:-^-! Und so ost die Langeweile seinen Zeitungsstand umschlich, zog-er',«in gefaltetes,, ynsäübereS Papier ayS detn.-Röä!, um,zum. hundertsten Male zu- lesen':„Im. Dienste--deS; Generalanzcigers yprunglückt.! .''-Er, der AlfonS Krause, der ehemalige Dsd.nstiü.aniü! der! nie-gegstnibt ch'atte,-daß?«r'S M Lebe»'s«. West.btiNlleN-rvLwde!' R. G;' 4 O J a hre- Qualität Ein Detail aus den modern eingerichteten' Werkstätten der Firma 8BOR, Gustav Sborowltz& Sohn Kleiderfabrik In Prootejov -. Heuer feiert die.Firma SBOR, Gustav Sborolvitz st Sohn, Prostöjov,. ihr-tOjähriges Jubiläum. Vor vierzig Jahren noch, ganz klein, hat sich dieselbe 4« dieser verhältnismäßig, kurzen, Zeit so enUvickeltl daß-sie heute zu den-größten und führeyden'ihrer Bräuche in der Tschechoslowakei.gehört, Die Grundlage dieses Erfolges war, daß sie stets-bestrebt war, für wenig Geld gute Qualität und wirklich! erstklassige Ausarbeitung zu bieten Tas ist und bleibt, ihr Ziel. ,„Sozialdemokrat" 9!r. 302 Sonukag, 30. August 1086 Seife 11' Vorteile 3231 Der Mm 8pHrt-8pU-Xörp§rpskeA & . Einen neuen Weltrekord int Hürdeulaufen über 110 Meter erzielte bei einem Meeting in Oslo der' amerikanische Olympiasieger ToIonS in der aus» gezeichneten Zeit von 13.7 Sek. and unterbot damit seinen von ihm gehaltenen Rekord nm 0.4 Sek. Sanatorium Maktinstal, Zwickau i. B. Die Anstalt erfreut sich zurzeit des besten Besuches. Die Gäste genießen in prachtvoller Umgebung in vollen Zügen die Schönheiten der Spätsommertage. Außer den bekannten Heilbehelfen hat die rührige Leitung des Sanatoriums nunmehr durch die Aufstellung eines Nadiotherm-Kurzwellen» apvarates der Firma Elektrotechna für die Kurgäste einen weiteren flüchtigen Bereich von wir- kungSvollen Behandlungsmöglichkeiten erschlaffen. Bekanntlich Ist die Verwendung des Radiotherm- Apparates die modernste Errungenschaft auf dem Gebiete der Kurzwellenbehandlung. Die für die Hauptsaison geltenden mäßigen Pauschalpreise erfahren für den Monat September eine weitere Ermäßigung um 10 Prozent. Ausführliche Auskünfte und Prospekte durch die Anstaltsleitung, Zwickau. Rechtzeitige Anmeldung erbeten, damit die Verwaltung allen Wünschen der ankommenden Gäste bestens entsprechen kann. Verwendung;: Kinderfreunde, Prag. Dienstag, den l.'September, um 18 Uhr, wichtige Ausschuß-Sitzung'im Parteiheim.: keine Aussicht auf einen Preis bei diesem Turnier gab— sich aber einen solchen versprach. Wie es ausgefallen ist, das zeigt die Endllassifizierungl Bom bürgerlichen Sportsklavenmarkt. Die Prager Slavia verkaufte ihren Stürmer Bradai an den französischen FC Sochaux für 100.000 Franken(zirka 180.000 Ui). Der Spieler selbst erhielt ein Handgeld von 80.000 Franken. Diese Ablöse ist bisher die höchste in der Tschechoslowakei. Der.bürgerliche Tenniö-Profi Henri Cochet (Frankreich) wurde von der Sowjetregierung eingeladen, einige Schan-Tennisspiele und Borträge in der SSSN zu halten. Os» Diktat des Kohlenkartells ’ Die Aktion des Kohlenkariells gegen die außenstehenden Firmen, deren zwölf auf den Index gesetzt wurden und nicht beliefert werden sollen, wird nun ausgedehnt auf die kleinen Händler/ DaS Kartell schreibt ihnen eine Kaution von jo 8000 UL vor(für diese Menschen eine riesige Summe) und eine weitere bar zu erlegende Kaution von 800 Ui, aus welcher Strafen gedeckt werden sollen. Die Kohlengroßhandlungen sollen beäüsfichtigt werden, ob sie an Händler liefern, die sich diesem Diktat des Kartells nicht fügey wollen..- Fingierter Ueberfall. Freitag abends zuel- deie auf der Polizei in Bokoviee die Jnlaffistiii einer Prager Firma, daß sie unterivegS Überfallen und um 20.000 UL sowie einen Ring beraubt worden wäre.- Während bet Einvernahme verwickelte sie sich aber in Widersprüche und gestand schließlich, den Ueberfall fingiert zu haben. Kleptomanie? Freitag wurde in Prag die Gattin eines, höheren Staatsbeamten, wohnhaft in Nusle, verhaftet. Sie hatte Tilephonautomateu auf dem Wenzelsplatz geöffnet und das Geld genommen.-.Wegen ähnlicher Diebstähle wurde sie schon, im Jahre-1934 bestraft. Nach einem ärztlichen,Ausweis-ist sie Kleptomanin.^ , Strastenbahnnnfälle. Freitag wollte bei der Kaserne auf dem Hradschin der Soldat Rudolf Cewiuka von einem Straßenbahnwagen abspringen.-- Er fiel gegen eine Mauer und erlitt schwere Verletzungen.— Am gleichen Tage wollte die 2j- jährige Hausgehilfin-Rosa Benda in der Krälov- stä in Karlin auf einen Wagen der. Iller-Linie aufspringen. Sie glitt aus und fiel auf das Pflaster, wo sie mit schweren Verletzungen liegen blieb,.--,.■(., 628.000 Wähler In Prag Rach der letzten Wählerstattstik, welche aus Grund des im Juli durchgeführten ReklamattonS- verfahrens Verbeffert wurde, gibt eS in Prag 027.634 Wahlberechtigte, davon 281.026 Männer und"848.709 Frauen. ES haben'also-die Wählerinnen ist Prag eine Majorität von fast 04.000.'..... Der kleinste Rebell. Auf der Suche nach, einer Star-Rolle für das Wunderkind Shirley Stemple hat man sich in-Hollywood wieher einmal der nordatnerilanischen Sezessionskrieges.' er»' innert und eine Kriegsepisode erdichtet, In-der cs so rührend, tragisch und edelmütig zugeht, wie es in Shirley Temple-Filmen immer dec Fall zu seinpflegt.-Als Tochter eines verwegenen Hauptmanns der Konföderierten-Arniee aus den Südstäaten,er-. lebt das unschuldige Kind die-Jagd der feindlichen .Yankees" nach ihrem Vater, dem, als er gefaßt wird, nur die Tatsache das Leben'rettet, daß die Kleine, die gerade ihre Mutter verloren hat, das Herz des feindlichen Obersten rührt, aber sie muß. dann mtterleben, daß. der Vater,' den»der feindliche Oberst zur-Flucht verhalfen hat, abermals gefangen und mit-, seinem Rettep zugleich zum Tode ver- Dahllen-Parade am Graben -if-Ejne- Dahlienschau, veranstaltet vorn Zen- kralverbänd der i Gartenkolonien in Gemeinschaft mit/.der. nationalen Gesellschaft der Züchter und Liebhaber ist am Samstag im Myslbeck-Pavillon eröffnet worden; leider bleibt sie nur heute und morgen noch zugänglich. Als vor genau hundert Jahren die erste Ausstellung dieser Blumen in Prag stattfand, kannte man die Dahlie nur in der aus lauter kleinen Tüten. zusammengesetzten Ballform Shstley Teinplft' spielt diesmal in' deni-Film-„Der llttNste-Äebell^ dessen Handlung dem Stofflreis. des großen amerikanischen Bürgerkrieges eiithonimen! ist,.eine.'krirge- .:’ rische Rolle.,. Die Grundlagen der tschechoslowakischen Fllmproduktlon (Dl. F.) Es ist ein bekannter„Argument" für die schlechte Qualität der meisten der einheimischen Filme, daß die beschränkte PublikumSbasiS, die ein in tschechischer Sprache gedvehter Film besitzt, die Produzenten dazu zwinge, sich den breitesten„Pu- blikumSgeschmack".anzupassen, d: h. kleinbürgerliche Kitschfilme herzustellen.Im Lichte der Zahlen sehen die. Dinge etwas anders aus-. Die durchschnittlichen Produktionskosten für abendfüllende Spielfilme betragen 860,000 K£. Davon kommen 140.000 Kä. Staatsbeitrag(aus dem lllcglstrienmgsfoirds) in Abzug, so daß ein Betrag von 740.000 XL zu decken ist. Wie sich aus der letztjährigen Zahlungsbilanz ergibt, wurden an Auslandlizenzen für tschechoslowakische Filme insgesamt 4 Millionen XL- eingenommen, woraus hervorgeht, daß. ein. dank seiner Qualität ausfuhrfähiger Film sich etwa"zur Hälfte im. Ausland bezahlt.macht. Daß die Herstellung fremdsprachiger'Äerslonen bei einem g u i en Film nicht erforderlich ist, haben die Erfolge von-„Hej. Rnp", „Reka" und'„MarySa" bewiesen. Da für- einen ausländischen Film, in der Tschechoslowakei meistens-weniger als 100.000 Kö Lizenzgebühr bezahlt wird,.ist es klar, daß der einheimische Markt - für einen., qualifizierten Film niemals ausreichen kann. Ohne Export kann sich unsere.Filmproduktion nicht entwickeln;' Export setzt aber Qualität voraus. Witkowitzer Bergbau und Eisenhiittengewerkschaft Mur. Ostrava 10 Telephon Nr. 8161—57 i Prager Büro: Praha II.» Bredovskä 9 Telephon 203.41 Drei Selbstmorde. Gestern gegen 1 Uhr früh kam der 88jährige Arbeitslose L. K. in die Klinik Schlosser und gab an, 80 zweizöllige Nägel verschluckt zu haben. Er wurde in Behandlung genommen.— Freitag wurde der 24jährige Knecht I. G. auf die Klinik Jiräsek gebracht, da er sich kurz vorher bei der Station Zbuzany.vor einen Zug gestürzt hatte. Es wurde bei ihm eine schwere Gehirnerschütterung und verschiedene Knochen- , briiche festgestellt.— In. seiner Wohnung in ZiZ- untqr dem Namen„Georgine", so"benännt nach dem kov erhängte sich der 58jährige Geschäftsmann A. Botaniker Georgi. Inzwischen hat sie dem Botani- I. wegen unheilbarer Krankheit. ker Wahl zu Ehren den aNmen'.Dahlie" erhalten. Abex nicht nur den Namen hab sie gewechselt. Unter den-Händen der Züchter hat sich eine schier unüber sehbare Mannigfalttgkett der Formen und^ Farben entwickelt, die man der etwa», simplen„Georgine" nicht.zügetraut hätte.' Die Dahliensorten zahlen beute bereit» nach mehreren Tausenden, und kaum einLiebhabergarten wäre groß genug,, sie alle zu vereinen. Manche verschwinden auch mit der Zeit wieder, degenerieren und sterben au» wie nach und nach jede gärtnerische Züchwng. Wer alljährlich treten neugezüchtete Varianten an ihre Stelle. In Gestalt der Ball» und Pompondahlien lebt auch die alte Georgine noch fort. And auch dieser Form ge winnen. die Züchter immer neue Reize ab, wie man in der Au»stellung an den formschönen und zart farbigen Sorten„Helenka" und„Bilcm", an der weißen.^karel Eapek" oder an der dunkelroten „Sensaee" mit den strahligen Röhrenblüten sehen kann. Ungleich mannigfaltiger an Formen und Far ben sind jedoch die großblutigen Dekorationrdahlien mit ihren Riesenblumen und die strahligen, mit» unter auch gekräuselten Kaktusdahlien. Die Besucher der Ausstellung bekommen Zettel in die Hand ge drückt, auf denen sie die acht schönsten Sorten ver zeichnen sollen. Wer hier ist wirllich die Wahl schwer. Acht Sorten mit einem Preise krönen wollen, heißt ebensoviele und noch mehr preiswürdige aus- schließen. E» sei nur auf einige der schönsten auf- merklam gemacht.„Premie I, zartgelb mit zart rot überlaufenen Spitzen, die herrliche„Horä Tä- bor", wetnrot mit mattgoldener Unterseite,„Ma- saryk Osvoboditel", leuchtend scharlach mit zartem Silberrosa,„Mila Pakova", prangend gelb mit zinnoberroten Effekten,„Australia", die man al» „Gold-mit Blut" bezeichnen könnte,„Goodnight", samttg schwarzröt„Zlati slnnce", zitronengelb und champagnerfarben,..John I. Thorpe" gelb mit roten Strichen,„Maria Hermanovä" matwiolett und branngold changierend, wie alter Taft,„Esme ralda" in angebräuntem Goldgelb mit rosa über hauchten Spitzen. Und von den bizarr geformten Kaktusdahlien die brennendrote„Satan",. hie große gekräuselte„Ballego» Surprise" in schnee igem Weiß,.^Offenbarung" in zartestem Lila, die scharlachrote' ,,Soniök§" und die elegante-„Dr: Hugo DvorÄ-, gelb M' chämpAgnetrösa/ Uiit ge» ipältenen Spitzen. Prachtsortimente-neuer Phloxe und Gladiolen-nehmen an der Dahlienparade teil. Und l schließlich verdient noch eine amerikanische Astern-Neuheit„Sunshine" Beachtung, bei der die inwendigen Möhrenblüten in ein zart gesternelte» Kissen verwandelt sind. - Botwinstik und- llapablanka Sieger n Nottinghamer Schach-Turnier. Am Freitag wu st diese»-Schachturnier beendet und' endete wie fol Botwinnik(NSSR) und Capablanca 10, Reshev y und Enwe(Weltmeister) 9.5, Aljechin(Exwe- meister 9, Fine 8.5(1), Flohr(Tschechoslowak) und La»ker 8.5, Bidmar 6, Bögoljubow und Tav- kower 5.5, Tylor 4.5(1), Alexander. 8.5, Thoma! 4 und Winter si-5 Punkte.— Interessant dabei ist, d z der ehemalige-Russe und derzeit, deutsche.Staat- bürger Bogoljubow in einemRadio-Jnterbi> in Holland dem sowjetrussischen Meister Botwin: k Sport-Paradoxa Wenn der Verein für Rasensport in£ elnii' Sandplatz sein eigen nennt. Wenn der mit Sicherheit und Rühe arbeiten ü Tormann einen leichten Ball durch die Beine g- hen läßt. Wenn das Siegestor in der Luft hängt. -Wenn der robuste Verbinder einen lendenlahme' Schub aufs Tor abgibt. Wenn der glatzköpfige Mittelläufer haargena. zuspielt. Wenn der stohstchere Verteidiger über den Bai säbest. I’ Wenn der Tormann ein sicheres Tor verhütet Wenn-dem Sturin die Luft ausgeht.> Wenn der iviittelstürnier iw Felde fchwlmi t. Wenn der schnelle Flügelstürmer dem Ball u' langsam nachsetzt.-■;,: Filme In Prager Llchtsplelhäi|sern ■f Boni 28. August bi» 3. Septembers Urania-Kino:„Der Klosterjäger". P--Richter, Ulmer.— Adria:„Rose Marie". A.—Alsa:„Küß nicht im Kino". A.— Avion:„Rose Watte".- Ü.— Beranck:„Die blaue Brigade". Anngnella. Fr.—> Fejiix:„Meuterei auf der Boumy"'. Langhton, Gable. A.— Flora:«Sieben Polarhclden". Ruis. '—- Gaumont:„Der- Bettelstudcnt'jKkD.— Hollywood:„Schatten der Vergangenheit?. L. Ullrich. D. —Hvkzda:„Lnisapgrl"/ Eddie Eamor. A.-— Julii: „Der Bettelstudent". D.— Kineim: Journale, Gro« teSken, Reportagen.'— Koruna: Aktualitäten, Journale, Groteskew'— Lucema:H(Meuterei auf der Böimty"."A. Metro:.De«lelnfte- Rebell". Sh. Temple- A.— Passage:„SMten der Pergnngen« heft". D.— Praha:„CH. Mans Geheimnis".—- Radio-.„Wettlauf mit dcmATode"j A.— Skaütr „Nachtangriff". A.Svtnzor:„Der kleinste Re« pA". U„— Alma:„BGer und Dame"! A.—• Bajkal:„Boxex und Dame".- A.— Beseh»:„Die lustige Scheidung". A. Carlton:„Boccaccio". D. JllufiöUt'Die Adlerflier Lüfte".- A.— Lido Ur „Drei bengalische ReiteÄ'. A.— Louvre:„Boccac-.. eip". D.— Mnrcöka: /Boccaccio". D-— Olympier .»Adler der Lüfte".— Perityu:„Weg zum Ruhm". Richard-Taukl— Roxyr«,Rendezvous in- Wien", D.—U Akiv»;-.„Sage nie: Ich-liebe. Dich". D,— Bclctrjsi/:„Boccaccio". D.. JCütdec= L freunde urteilt wird. Wer damit ist die.Geschichte nicht hu Ende: denn das unentwegt hoffnungsvolle und tapfere Kind macht sich mit dem treuen Negerdientr zusammen nach Washington zum Präsidenten Lincoln auf, der das Gnadengesuch der kleinen Bittstellerin nicht ablehnen kann— und so wendet sich alles(obwohl der Krieg noch gar nicht zu Ende ist) zum Guten.— Das Schauspieltalent(oder richtiger: das unheimliche NachahmungS- und Len. stelluNgStalent)' der Shirley Temple kann sich'm dieser Kosttimrolle erstaunlich ausleben, die ihr auch-Gelegenheit gibt,-ihre'Kunst beim Step-Tanz und beim Vortrag des„Polly-Molly-Doodle" vorzuführen. Obgleich so bekannte Schauspieler wie John Bole» und Jack Holt Mitwirken, beherrscht das Wunderkind- alle Szenen und bringt'die' Minder und Erwachsenen Im Zuschauerraum zu/'- einem Wechsel von Rührung, Statinen und Lachen,' gegen dön sich' kritische Eüyvände nicht zu halten.pgrmL- gen.-rr-eis— Der Bettelfttident. Die Tohfilmerzeuger werden immer wieder rückfällig. Ded Film-kehrt'sozusagen auf den Schauplatz seiner Jugendsünden zurück. Stumme Filme von einst werden vertont und da auch die. erfolgreichen Sujet? aus der stimmen Vergangenheit des Filmes sich erschöpfen, werden mangels, neuer.Ideen die Tonfilme neu^edreht. Würden sie h'esset, wäre alles schön- und gut» Aber meist begnügt man-sich', ein. bischen neue Sauce um deiMltenMrvttewMMhren-Bei der Usa-hat> man ssEein'ziwiM-:,ßelegt. Bier Pchnhs Entfältuim größer Pracht-M' Kostü- iiken--(allerdings inst' historischer Genauigkeit. und GrütWschkeit).,, Massenszenen,.-viel für-Ayge und 'Ohp-: Der Wirbel-soll die Stimmung, das Tempo, dq» Gefühl- ersehen, Man ist doch nicht ganzdarauf gekommen, wie mgn.die', hübschen alten Operetten, für die.Leinwand zurechtschtteioern könnte. (Vielleicht!' weil-es überhaupt nicht voll- gelinden kann.)'Manchmal macht man'auch neue.Musik zu den' allen"Operetten! Siehe„Boccaccio". Aber da man seit einiger Zeit von einer Millöcker-Renaissance spricht, blieb man diesmal— und dog war die beste Idee dieses Film»— bei der Munk Millöckers. Sie ist das Erfreulichste und Erguick- lichste an dem Film. Es singt diemal keine Jarmila Novotna, deren Sttmme in der ersten Verfilmung de»„Bettelstudenten" erklangt. Aber dafür nst dieser Film geschloffener und bringt eine ganze Reihe beachtenswerter Einzelleistungen. Fritz Kämper-, die hübsche lebendige Marika Röck, die deob« komische Ida Wüst und eine Fülle anderer, sie gefallen mögen. Aber eigentlich möchte man gerne einmal einen Film sehen, der einen neuen Etc- fall mitbringt. Das wäre ein wahrhaft seltews Vergnügen. jkj Bezugs bedi n g u n n e n: Bei Zustellung ms Haus öder bei Bezug durch di. Post monatlich llö 16.—. vierteljährig Kä 48.—. halliäbrig Kd 9ö—. ganzjährig XL 10E—.— Inserate werden laut Tarif! billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Mckstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— 5 e ZeimngSirankatur/vurde von der Post- und Tele- graphendirellwn mit Erlab Nr. 18.800/Vll/lS80 bewilligt.— Druckerei: ,pvrbiS"..Druck-, Verlag»-und Zeit igg-A.-G. Prag, Lchnallaukenda WWW W MM i M System„Wltkowltz- Henschel Lanova" liaÖfil-lflftt?'(«teliendo Motore) UICbCl MUiUlC‘ s”xäS’ 1™' Erstklassige Qualität, moderne, weltbekannte Konstruktion mit sinnreicher Anordnung der Verbrennungskammern, Dilsen und Ijuftspeicher. 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Andere Er- worbszweige sind entstanden als HauS- und Notarbeit in Gegenden, in denen voraufgegangene ErwerbStüligkeiten rrsiegten wie der erzgebir- gische Zinn- und Sill erbergbau. Dort verwandelten sich brotlos gewordene Bergarbeiter, anderswo darbende Waldarbeiter allmählich in S"'«lzeupkbnitzer und Musikinstrmntzntenbauer und ihre Frauen beugten sich über deck Klöppelsack, lernten Handschuhe nähen und künstliche Blumen machen. Not macht für niedrige Löhne willig; die Lehr-.' solcher Kunstfertigkeiten waren oft findige I'.i.ternehmer, die vor allem auch Nehmer waren. In anderen Gegenden drängte die Kargheit der Natur die Bewohner an den Webstuhl. And auch zugewanderte Gewerbe' wie die Glasindustrie des BöhmerwaldeS, der Teplitzer Pflege, des Haidaer Gebiets, des JsergebirgeS kamen nicht wahllos und zufällig in diese Gegenden, sondern siedelten sich dort an, weil sie ursprünglich auf die reichen Holzvorräte angewiesen waren, die ihnen die Gebirgswälder boten. Wären derartige Erwerbszweige von Anfäng an Notindustrie, weil di« Not nach dem Bersiegen bisheriger Erwerbsquellen sie den Gebirgsbewohnern aufzwang, so sind, sie vielfach durch all« Zeiten auch in anderem Sinne Notindustrien geblieben. Ja, auch die Not ist eine Gabe der heimatlichen Erde. Die armen Spanschachtelmacher im Adlergebirge, deren Spanschachteln, Siebe und Schindeln niemand mehr begehrt, wissen«in bitteres Lied davon zu singen. Es ist eine„Gabe", die immer mehr feiernden Händen verabreicht wird, nachdem die Wirtschaftskrise soviel« Spinnmaschinen und Webstühle, Glashütten und Kohlengruben stillgelegt und besonders in den sudetendeutschen Gebieten zu einem Grad der Notlage geführt hat, der ja auch schon politisch verheerend und unheilstiftend gewirkt hat. So schön'die sudetendeutsche Landschaften allen ihren einzelnen Gebieten ist, so erschütternd sind di« sozialen Bilder, denen der Wanderer begegnet. Und so reich das Füllhorn landschaftlicher Reize'ausgeschüttet ist, so bedrückend sind die Gedanken und Empfindungen, die- sich allerorten äufdräntzen. Daran zu erinnern ist unumgänglich am Jubiläumstage dieser Zeitung, die seit ihrem Bestehen der Aufgabe dient, Mittel und Wege zur Wandlung ausfindig zu machen, Kritik zu üben, Forderungen zur Linderung mid Heberwindung sozialer Not zu stellen, Widerstände zu bekämpfen und Kräfte des.Willens und der Gesinnung zu sammeln und zu stärken.. Edgar Hahnewald. Prometheus Prometheus hatte kaum herab in Erdennacht den Onell des Lichts, der Wärm'«nd alles Lebens, das Fen«, döm Olymp gebracht, sieh, da verbrannte sich— denn Warnen- war vergebens manch dummes Jüngelchen die Faust.aus Unbedacht. Mein Gott! Was für Geschrei«Hube», nicht da so manche dumme« Bube« erzdnmmer Papa, erzdumme Mama, rrzdumme Leibs- und Seeleuamme! Welch Gänsegeschnatter die Klerisei, welch Truthahugekoller die Polizei!— Jst's weise, daß man dich verdamme,. gckenedeite Gottesflamme, aufreie Denk- und Druckerei?, -' Gottfried August Bürg e r, Sudetendeutsche Landschaft Im Altvdtergeblrge Wollgraswiesen die » ircss Die Bösige von der Terrasse des Heimes der Arbeiterfürsorge , in Hirschberg Blich auf das Mittelgebirge In die ganz anders gestimmt« Fclsenszenerie des Elbesandsteingebirges, aus deffen dunklen Nadelwäldern sich der Wall des Erzgebirges erhebt, der nun in langem Zuge die Grenze Böhmens gegen Westen trägt. Mit seinen langen Straßendörfern, mit den Streusiedlungen auf den Kammflächen, mit seinen ernsten Fichtenwäldern, mit den alten Bergstädten Inmitten verwachsener Halden bietet eS ein gänzlich anderes Landschaftsbild als das Die Graphitgruben und Torfstiche des südlichen Böhmerwaldes, die westböhmische Porzellanindustrie, die Braunkohlengruben im Brüxer, Duxer» Teplitzer Revier, der Hopfenbau im Saazer Gebiet, die Waldwirtschaft in den Gebirgswäldem, die Obstplantagen und Weinberge des Mittelgebirges sind ebenso wie die. heilkräftigen Thermen und Säuerlinge von Marienbad, Karlsbad, Franzensbad, Gießhübel, Bilin, Teplih und die Seinen Namen hat der Landstrich von den Sudeten, jenem 800 Kilometer lang sich erstrek- kenden Gebirgszuge, der sich in reicher Gliederung, von Tälern und alten Paßstraßen durchschnitten, aus dem Mährischen Gesenke(von Je- seniky— Eschengebirge abgeleitet) mit dem Altvater, aus dem Adler», Heuscheuer-, Riesen» und Jsergebirge zusammensetzt und dem sich der Jeschkenzug und das Lausitzer Gebirge anschließen. Im Laufe der Zeit aber ist«S üblich geworden, von den deutschbesiedelten Grenzgebieten Böhmens, Mährens und Schlesiens ganz allgemein als vom„Sudetendeutschtum" zu sprechen, worunter nun auch die Bewohner Nordwest- und Westböhmens längs des' Erz- ■ gebirges und auch des BöhmerwaldgebieteS mitverstauden werden. ES ist also ein weitausgedehnter Landschaftsraum, der als„sude- Riesengebirge. Aber auch über seine Kämme gehen die Winde rauh und auch hier schneit wie im Adlergebirge der Hafer ost auf dem Halme ein. Auf den Kammwegen zaust der Sturm die zähen Ebereschen, die„Buglbeerbaame" des erzgebirgi« scheu Volksliedes. Ihr« korallenroten Beerentrauben sind der einzige Schmuck der einsamen Höhe— welcher Gegensatz zu dem doch so nahen Mittelgebirge, an dessen Südhängen um Lobositz die Mandelbäume blühen. Zwischen Mittelgebirge und Erzgebirge lang hingezogen erstreckt sich das nordwestböhmische Braunkohlenbecken mit seinen Schächten und Gruben um Töplitz, Dux, Brüx. Glashütten flammen, Schächte rauchen, Förderbahnen kreisen um sperrige Gestänge. Kohlenzüge kriechen wie eiserne Raupen.mit weißem Atem; sie streben zur Elb« Yin, und do.t liegt Aussig wie eine rauchgeschwärzte Pforte. Dort hat das nordwestböhmische Industriegebiet seinen wichtigen Umschlaghafen. Mittelgebirge und Duppauer Gebirge flankieren das wellige Saazer Land, den Hopfengarten Böhmens. Es ist das Gebiet, in dem Boden und Klima die günstigsten Bockbedingungen für den stellenweise auch im Elbegebiet, um Melnik und Raudnitz betriebenen Hopfenbau bieten. Es ist«Ine eigenartige Landschaft, in der die beranket«» Stangengerüst« in regelmäßigen Gevierten di« Wälder ersetzen. Die Eger, die das Hopfenland durchfließt, kommt aus dem in aller Welt bekannten„Bäderdreieck": Karlsbad, Marienbad, Franzensbad. Dort sind wir im eigentlichen Egerland mit der alten Wallensteinstadt Eger dicht an der Landesgrenze. In tzxr Näh« von Eger erhebt sich der Tillenberg als nördlicher Borposten des BöhmerwaldeS, auf dessen Rücken entlang die Grenze zwischen Böhmen und Bayern verläuft. Und wieder ist es eine gänzlich andere Gebirgslandschaft. Ein Urwaldgebirge. t»It sagenhaften Einsamkeiten,, mit verborgenen Moorfilzen und abgrundtiefen Bergseen, an deren Ufern'gespenstische Baumleichen- bleichen. Ein Waldgebirge, aus dem nur die höchsten Gipfel- gleich, nackten Steinhäuptern aufragen, als.kahle Klippen wie der Plöckenstein, der zweigipflige Osser, bett, der tschechische Volksmund in frömmig-naiver Anschauung„die Brüste der Mutter Gottes", nennt, alse zersplitterte Trümmerklippe wie der Lusen.. Das ist,-in flüchtigen Bildern'lose aneinandergereiht, die sudetendeutsche Landschaft in ihrer unerschöpflichen Vielfalt,' dieauch im Wesen der Menschen,, in ihren. Snten üna Gebräuchen, in herber Verschlossenheit- oder regsamer Lebhastig» ckeit ihren Ausdruck findet und in der Sprache wiederklingt, Aus bayrischem und fränkischem Anklang. im Böhmevwatd und Egerland bis zum -schlesisch gefärbten Laut sprechen die Mundarten -em vielerlei Deutsch, aus;bem die Sprachforschung die verschiedene» StammeSverwandtschaf- ten heraushört.' Und vielfältig wie di«'Landschaft ist auch die wirtschaftliche Betätigung der Bevölkerung, Den landschaftlichen Gegebenheiten entsprechen ja die- alteingesessenen Erwerbszweige. tendeutsche Landschaft'' zu betrachten ist, ein i Grenzgebiet, das sich aus sehr verschieden ge-- arteten Landschaften zusammensetzt. ES stellt\ sich reihum vorwiegend als Gebirgsland oder doch i Gebirgsvorland dar, denn auch dort, wo das I Gebiet sich als„Niederland" auSbreitet, ist eS- I noch hügelig bewegt und bildet oftmals nur den- Uebergang zu anderen gebirgigen Gestaltungen. Di« Grenzgebirge sind ja nicht einfach eine hohe! gleichmäßige Mauer, sondern in langen geologischen Prozessen sind da und dort Teile ihrer uralten Stöcke abgerissen worden, die nun wie das Tepler Hochland und der Kaiserwald bei Karls, bad inselartig vom Muttergebirge getrennt, ihv eigenes Dasein führen. AnderSwo sind ihnen ändere Gebirgsgruppen vorgelagert, die späteren Vorgängen ihre Entstehung verdanken, wie.-die Sandsteinfelsen der Daubaer Schweiz, der Adersbacher und Weckelsdorfer Felsenlabyrinthe, wie die rotvioletten Hügel des Rotliegenden, die das Riesengebirge auf der Linie Eisenbrod—Freiheit und in der Breite zwischen tzohenelbe und Arnau als Vorgebirge begleiten, und die vulkanischen Bergscharen des Böhmischen Mittelgebirges und des Duppauer Gebirges. Auch die Flüsse und Ströme, die Jser, die Eger, die unzähligen kleineren Flüsse und Gebirgsbäche, vor allem aber di« Elbe haben bei der Landschaftsgestaltung tätig mitgewirkt und das bewegte Relief noch reicher modelliert. So ist im sudetendeutschen Raume- ein -. äußerst vielgestaltiges Landschaftsbild entstanden, das sich in einem Begriffe nicht erschöpft. Selbst ' in sich einigermaßen geschlossene Landschaften lösen sich in«in lokal sehr unterschiedliches Ge- sprenkel auf, da ja die wechselnden geologischen Baustoffe gestaltgebend sind; man braucht nur -, einmal die geologische Karte des Böhmischen ..Mittelgebirges zu betrachten, auf der die Farbmarkierungen der GesteinSarten so wirr durcheinandergemengt sind, daß es den Eindruck macht, als bqhe ein Maler seine in alle Farben getauchten. Pinsel übermüttg über der Kart« ausgespritzt. Ditz gestaltenreiche Reihe sudetendeutscher LmrdschastSbilder beginnt an der Mährischen Pfort»,-.Dort erstreckt sich das Mährische Gesenke, «in hohes Waldgebirge, über deffen breite Masse der Altvater, das schlesische Grenzland beherrschend, 14vg Meter hoch ausragt. Ein dichtbesiedeltes Industriegebiet mit den Städten Freiwal- dau, Jägerndorf, Troppau, Sternberg, Schönberg umgibt lianzartig das Gebirge. Vom Geseifte durch einen Sattel getrennt/ erhebt sich aus welligem Kuppenland der rauhe? Hochflächen, übereile die Hohe Mens« hintöeg- blickt, in den sunipsigen Seefeldern entspring» die Adler, die dem Gebirge den Namen gegeben bat. In seinem Bereiche besiedelt di« deutsche Bevölkerung, arme Gebirgler i» weltfernen Dörfern, nur einen schmalen Grenzstreifen, der sich überS Heuscheuergebirge ins Braunauer Ländchen hin« abzieht. In diesem-Wsnkel,.bekannt durch,'die kulturgeschichtlich bedeutsame Bencdiktinernbtei in Braunau, taucht inmittep der umrahmenden . Gebirgslandschaft der Quadersandsteinzug wieder auf, der sich vom Elbesandsteingebirge her, teilweise unterbrochen und verborgen, am Riesengebirge entlang zieht und nutz stellenweise wie im Königreichwald zwischen Arnau und Königinhof einmal zum Vorschein kommt/.. In- den roMantf- schen„Felsenstädten" von Adersbach und WeckelS- dorf hat die Verivitiernng des(eicht zerstörbaren Gesteins Gestaltungen hervorgebracht, die die pit- Kammflachen, in deren Quellbäche der Elbe entspringen." Oft noch liegen sie unter meterhohem Schnee begraben, wenn unten nm Hohenelbe schon die Obstbäume blühen. Und an sonnigen Wintertagen prangt und funkelt weißer Glanz über blendenden Flächen, über Gipfeln, deren Namen schon Verheißungen sind: Geierguck« und Sturmhaube, Hohes Rad und Reifträger, Planur und Silberkamm— das Wort funkelt wie sonniger Winter. Aber das Riesengebirge ist mich launisch,'wetterwendisch und gefährlich. Mit jähen Schneestürmen überfällt den unkundigen Skiläufer der weiß«. Tod, und jeder Winter fügt der Todeschronik des Riesengebirges neue Tragödien hinzu. ' Im landschaftlichen Bilde ähnlich, aber mil» der, von raunende» Wäldern umhüllt schließt sich dem Riesengebirge das Jsergebirge an, das zu der hohen Spitze des JeschkenS hinüberschaut. An seinem Fuße-liegt Reichenberg im Neißetal ausgebreitet. In welliger Senkung schimmert Ga- toresken Szenerien der Sächsisch-Böhmischen Schweiz auf kleinerem Raum wiederholen und die von der'Volksphantasie oder auch von trinkgeld« heischend.« Fremdenführern mit allen nur erdenklichen Benennungen bedacht worden sind. Längst aber hat da.S Riesengebirge den Blick auf sich gezogen. AIS hohe Scheidemauer.zwischen Preußisch-Schlesien und Böhmen erhebt eS seinen langgestreckten Kamm über die Baumgrenze. Von den Gletschern der Eiszeit tief eingeftäste Kartäler geben den steilen GebirgSflanken den Charükter alpiner Landschaftsszenerien. Als kantige Pyramide überragt die Schneekoppe den breitrückigen Kamm noch um zweihundert Meter. Neber 1800 Meter hoch gipfelt sie sich auf; eS ist di« höchste Erhebung im weiten Raume zwischen der Hohen Tatra und bcnt Dachstein in de» Salzburger Alpen. Knieholzpelze bedecken die weiten klonz. Und dort funkeln alle Wege bunt von den .Mittern und Scherben aus den Hütten und Werkstätten der Glasindustrie. Unter den hohen Wällen dieser Gebirge «eitet sich das nordböhmische Kreidebecken aus. Es begleitet die Elbe auf ihrem Laufe vonKöni- sinhof bis Leitmeritz als das einzige ausgedehnt« Flachland, in das das sudetendeutsch« Gebiet in seinen Ausläufern hineinragt. Bon der Elbe in Kamm des ÄdlcrgebirgeS. Auf seinen einsatsiew»ielsach gewundenem Lauf durchschnitten, erstreckt nh längs d«r Sprachgrenze eines der landschaftüb reizvollsten Gebiete der sudetendeutschen Wtdschaft: das Böhmische-Mittelgebirge. Mit Men Schwärmen von runden und'spitzen Ba- sckt- und Klingst einkuppen, mit Tüfflegeln, mit? ratschenden Bäche» in schattigen. Tälern, mit stündlichen Ortschaften an'Ufern und Hängen,, int dem Blütenschnee der Obstbäüm« imFrüh« M und dem Erntesegen, im Herbst glejcht«s q«r sonnigen Gartcnlandschaft. Bom schönge- fapntcn Rollberg, vom spitzen Kleis, von den Wspiegeln UM Hirschberg im Osten erstreckt sie m bis zum Löwenhaupt des Barschen, bis zu den Lstiner Bergen im Westen, von den Granitrücken » Lausitzer Berglandes bis zur flachen Au« de», mteren Egerlaufes, über der sich die blaue Glocke vS Rip erhebt. I. Aus dem hellen Raume dieser anmutigen ierglandschaft bricht bei Bodenbach die. Elbe ein V 81 Seite 13 „Sozialdemokrat" Nr. 202 Sonntag, 30. August 1036 Durch Qualitätsarbeit sich schuf MMWWOWWMWUWWW^WMWMWWWMWWWWWiWWWiWWWWUWMWWWWWWW» —> die Marke S8Oft den besten Ruf! Der lachende Papier horb Wenn eine Redaktion von einem in drei Jahr- 'zehnten' neben dem Papierkorb gereisten Redakteur auigerechnet Redaktionserinnerungen Orden will).so kann e» sich nur um eine Jubiläumsnummer handeln. Denn sonst pflegen Zeitungs- leute nicht gern mit, Erlebnissen au» dem Bau auf» zuwarten, weil damit zuviel schöne Illusionen. der Leser zerstört werden könnten. Ich will also hier nur dem Papierkorb nur Epssoden fischen, die den .braven Glauben de» Leser» an die Redaktion nicht allzu.sehr gefährden. Meine journalistischen Memoiren reichen ins wilhelminische Deutschland zurück, und da taucht als Hauptfigur aus dem Nebel der Vergangenheit vor allem der Staatsanwalt hervor. Denn die Jüngsten muhten immer verantwortlich zeichnen, unsere Wege waren mit Paragraphen gepflastert, man wurde vor den Gerichten sehr bald ein abgebrühter Stammgast, der bei der Feststellung der Personalien schon nicht mehr hinhörte. Und so passierte es denn einmal, daß ich meine Fran verleugnete. Mr hatten am Tage vorher geheiratet, ohne Auflehen zu erregen. Nur ein Gang zum Standeiamt, von dort wieder In die Redaktion zurück. E» war damals unsere Art Protest gegen bürgerliche Konvention(während man heute jede» Fest bereut, da» man nicht seierte, wie e» stell). Am nächsten Tage stand ich vor meinem irdischen Richter. Die Üblichen personellen Fragen, die üblichen. Antworten.„Verheiratet?"—„Nein>-. Ja doch, entschuldigen Sie, seit gestern." Da wankte selbst die zementene Würde ver- preußter Richter und stille Heiterkeit schmolz wie Buttet Über ihre Gesichter- * Unser Erbfeind sah al» erster Staatsanwalt in Görlitz. Verfolgte unsere Kopfblätter. Einmal bekam er mich zu fassen. Beleidigung preußischer Richter. Klotzige Sache. Ich verteidigte'mich mit einer gewaltigen Rede a la Rosa Luxemburg, deren Haltung vor Gericht un» Jungen von damal» al» Borbild'voranleuchtete. Ich donnertet„Sie, meine Herren, Sie haben die Macht, Sie können mich verurteilen, aber stärker als Bajonette und Paragraphen———" usw. usw. Ergebnis: sechs Monate Gefängnis. Der Staatsanwalt beantragte sofortige Verhaftung, aber da» Gericht machte nicht mit. Ehe Ich die Strafe antrat, leisteteRch mir nach altem Brauch eine Reise. Mazedonien. An der albanischen Grenze tobte gerade ein Ausstand gegen die Jungtürken. Don dort schrieb ich dem Staatsanwalt eine Karte:„Herzliche Grübe au» der türkischen Freiheit.". Als ich mich einige Monate später im Görlitzer Gefängnis zum Strafantritt. einfand, atmete er hörbar auf. Er war mein Gefängnisdirektor und gestand mir später einmal, daß er auf die Karte hi», schon den Steckbrief entworfen hatte. * Dieselbe Staatsanwaltschaft wurde von unS mit einem Aprilscherz hereingelegt., Ich hatte für die Aprilnummer einen BersammlungSlbericht gedichtet, wonach Genosse S. vor der Freideniergruppe in Heidenau einen mit Beifall aufgenommenen, tiefschürfenden Bortrgg hielt Wer das Thema:.„Der liebe Gott, wie er ist und wie er sein sollte." Gotteslästerung, dachte der Staat»- auwalt, fürchte die Sttrn und sandte dem.Genossen Z. eine Vorladung. Die Sache endete mit Lachen liick»! . Die erzgcbirgischen Handschuhmacher gehör«» zu den Pionieren der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung WestböhmenS, wie auch die Metallarbeiter des Eisenwerkes Rothäu-Neudek zu den Stoßtrupps unserer Bewegung gehörten. Sie trugen schon im vorigen Jahrhundert die Fahne der Sozialdemokratie über die.Erzgebirgskämme und \ stehen auch.heute noch treu und'fest zu ihr; Der Ascher Grenzzisiftl mit seiner weit verzweigten Textilindustrie, der GraSljtzer Musikwinkel, wie auch daS JoachimSthaler Bergland'.geben noch viele Gelegenheiten zum Studium des Lebens und der LebenSverMtnissc der arbeitenden' Menschen WestböhmenS. Und, auch auf den Höhen des Gebirges, wo die Klöppel in den Hütten klappern und Spitzen zart-und duftig von Kindern, Frauen und Männern in schlecht bezahlter'Heimarbeit geklöppelt werden, zeiat sich unS die besondere Eigenart des Gebirgslebens in, seiner ganzen Vielfalt. Und wohin man sich wendet, die Erzgebirgler kennen zu lernen, überall stößt man äuf- ihr« Armut, der Menschen. Gewiß, wir wollen Redakteure hinausschicken a» die Stätten der Aäbeitundin die Orte des Elends. Aber wir können nicht überall sein. Ruftuns oder schreibt uns, Genossen, die Zeitung ist für euch be- stimmst, euch soll sie diene.n l.- Wir wissen, daß unsere Presse noch nicht-so ist, wie sie unsere Leser wünschen. Der- enge Raum schränkt uns ein, unsere. Mitt«!'erlauben uns nicht, unseren Nachrichtenapparat so auSzu- gestalten, wie es notwendig wäre. So zum Beispiel find wir mit unserer ausländischen Berichterstattung fast ausschließlich auf die eine amtliche Quelle angewiesen,, während die großen-Bürgerblätter eigene Vertretungen im Ausland- besitzen. Dabei- ist aus einzelnen Ländern eine! sozialdemokratische Berichterstattung unmöglich. Wir werden uns aber auch da bemühen, nist den wenigen Mitteln, die unS zur Verfügung steheU, etwas-zu. schaffen. Leider ist es vor dem Siege des Faschismus in Deutscheland.und Oesterreich nicht gelungen, eine- internationale sozigldemo- kratißhe Berichterstattung zu organisieren;- Mr die nächste Zukunft ist um so weniger, daran zu denken.,- Mit den finanziellen-Fragen, unserer Presse hängt eng. zusammen die ihrer Organisation», die in der Krise ihre schwere Probe zu bestehen-hätte. Unser Pressekonzern, von Eermak geschasfen und von Taub betreut, ist die eigenartige Form unseres Zeitungswesens, wje sie unseren- besonderen Verhältnissen und Bedürfnissen- entspricht; Welches Schicksal seiner in. Zukunft harrt, wissen wir nicht.- Wer vergessen wir hei allem. waS wir-tun, nicht, welch große Bedeutung uysere Presse" für die Partei und, dje realpolitische, Erziehung des südetendeutschen Volkes hat,'die heut« notwendiger ist ÄS je. D i e Z c t t u n g v e r« 'm ist st e l t p o l ist.i s ch e S W i s s-e n'?-. Ohne politische Bildung aber'-werden -wir n i chst di e Schlach te-n'schlag-en?i» denen wIr uns eine vessere Zu!-- kunft erkämpf-en werdejfl; ■ Emil S t r a u ß.- -Soziakdemokrat" Nr. 202' Sonntag, 30. August 1936 Seile 15 vss Kohlenbecken WM- Teplitz-Schönau—Komotau !rst 33 Kc 3. KS 6. 13.* 22.- Wahn« und Ir womitJl vdem Sonnenbad MIVEA V ¥ Damit vermindern Sie die Gefahr des Sonnenbrandes, und Ihre Haut bekommt den schönen, broncefar- SD benen Teint. Nivea-Creme Nivea-Öl.. AM schweift der Blick von den Hängen des EezigcbirgcS in das flache' Tal,.das von Aussig bis hinter Brüx im.. Süden, vom böhmischen Miltclgebirge begrenzt wird, lieber den Städten qualmt'''der. Räuch der Schlote, zwischen den Stuten liegt'der Dunst der Kohlenhalden, überall! ragen Fördertürme in die Luft. Der Spiegel der Teiche und Pingen leuchtet ZU den Gebirge« höhen empor, iin Sommer liegt die helle Farbe rcifeMn Getreides Über der Landschaft.' Düster ist.dirSi'.Erzgeblrge, dessen Wand. Im. hohen Nor- deä steil aufstcigt. Dunkle, tiefe Wälder rauschen a>ff.!'seiniN Hängen,' romantische Ruinen sind in ilmesiveüborgen, viele Städtchen und Dörfer hWFäi^n.ihm.Schutz gesucht.. . Einstmals gab dem Leben im Gebirge und an seinem Fuße der. Bergbau das Gepräge. Kimnnt ,inan von Nollendorf, von dem. aus Na- poleon iin Jahre 1818 die Schlacht bei Kulm leitete- über Tellnitz und di« GeierSburg, so ist man bald gefangen von dem Reize des Städt- chens Graupen, das in einem Gebirgstal ansteigt und noch Immer Kunde gibt von dem alten Glanz, den es in der Blüte des Ztnnbergbaus hatte. Uralte Häuser stehen an der Straße, stille,.verträumte Gassen- führen rechts und links, entlang an wiesen- und wälderbedeckten Hängen, in den Gebirgswald, in den Mauern der Rosenbürg spinnen Märchen und Gespenster. Richtö sieht man von dem schönen Ort, wenn man auf dem Mückenberg steht, so eng hat sich die Siedlung in das Gebirge hineingeschmiegt. Unten aber, vor den Toren der Stadt, sieht man an der Straße nach Teplitz-Schönau die verfallene Prolopikirche, ein Wahrzeichen der ersten Siedlung GrallpenS, die sich dort befand. Bald ruht der. Blick auf den.milden Linien des Mittelgebirges, dem die flache, dunkle Kuppe des Teplitzer Schloßbcrgcs vorgelagert ist. Drüben fesselt der Kegel des Donnersberges den Beschauer: in.schöner Linie hebt er sich aus der Ebene. Der Rotgennebel, der manchmal das weite Tal erfüllt, so daß es von den Bergen scheint, als breite sich zwischen den Kuppen deS Erzgebirges und denen des Mittelgebirges ein silbernes Meer, hebt sicht' Und du siehst dort die Städte T e p l i h- Sch ö n a» Und'T N r n, überlagert voin braungrauem Dunst und Rauch, umgeben von Fabrik» lamincn, Förderschächten, qualmenden Tagbauen. Du. hörst nicht, aber du siehst die wuchtige Shm- phonie der Arbeit, die in diesem Jndustriebecken gespielt wird: nicht mehr mit feuer Kraft wie einst, da es hier weniger Sorgen gab, weil mehr Arbeit Ivqr.- Rechts.drüben, zwischen Teplitz- Schönau. rurd der alten Bcrgmannstgdt. D u x, lauert esn/düster-schönet Berg: dunkel und dro- heD'liegt er da,' wie ein Löwe vor dem Sprung. DerBilinfr Barschen, einer der größten und romantischesten Basaltfelsen Europas, interessantestes: Kind der Bergfamilie des Mittelgebirges, lieht,weit hinein in- böhmische Land und blickt üliiüber. zu den Erzgebirgskuppen Strobnitz und Stürüter. Seltsam ist dieser'zerklüftete Barschen nicht nur wegen seiner Form: auf ihm wachsen Pflanzen, die es sonst nirgends gibt. Das Borschenveilchen darfst du dir freilich nicht pflücken- es steht unter strengem Schutz, aber wenn'du einmal hinaufgestiegen bist aüf den Felsen,' wirst du die Märchenschönheit, die sich zu deinen Füßen breitet, wirst du den weiten" Blick über- das-schöne- arbeitserfüllte Land nie-mehr vergessen. Am Fuße des Barschen sprudeln, wie in dep ganzen Bruckspalt« van Aussig bis Eger, warme Ouellen. Und wenn du glaubst, daß das ltand der Kohlenhalden aus der Näh« nicht schön sieht, so gehe einmal, wenn die Sonne hinter Dux rot versinkt, an dem Barbarateich vorbei: du stehst ergriffen und stumm. Vom Barschen aus siehst du nach Westen, da liegen spitze Kegel ganz in der Nahe, di« Höhen von Prohn und Sellnitz. Und noch weiter: da erhebt sich aus Rauch und Dünst, unter dem du eine große Stadt vermutest, ein'fchl^ßgekrönter Kegel, es ist der Brüx er Schloßbcrg. Zu seinen Füßen liegt die düstere betriebsame.Bräunkohlenstadt Brüx, von ihr führen.wichtige Verkehrswege nach dem Norden, nach OberleutenSdorf und- den vielen- Siedlungen, di«' sich am Fuße des Erzgebirge» binziehen. Wenn du von Dux aus an dein Fuß des Gebirges entlang wanderst, kommst du nach G ö r k a u mit dem Schloß RothcnhauS, nach, E,i s e nh e r'g, ebenfalls mit einem stolzen Schloß' auf grünem Gebirgshang, und K o m o» tau, der großgewordenen, immer noch wachsenden Stadt, von der aus die Verkehrswege weiter nach dein Westen führen und nach der Hopfenstadt TaaLiind nach Prag. ,*kn Harker Arbeit müssen die Gebirgsbewohner ihr.karges Brot verdienen: hier findest dn^ Gebirgshauern, die-Jahr um Jahr um das AfgDen und Ernten ihrer paar Hälmchen Ge- treijie und.ihrer Kartoffeln kämpfen und nichts hqM.'vom'flehen als Mühe und Arbeit. In ihä'fharinabcrg und Bran dau, wohin d» pqn OberleutenSdorf aus kommst, ist.Industrie ZU Haus«:' di« Spielzeugmacher werken dort, ganze Familiesi, vom Großvater bis zum vier« und. fünfjährigen Enkel und- vom frsihen Morgen bis zum späten Wend— eS reicht trotzdem kaum aufs trocken« Brot. JenseitSder Grenze gibt es für- keinen-unserer Menschen mÄr Arbeit. Früher wär daS anders. Da gab es in Deutschland allerdings noch eine Demokratie..: Die Bergarbeiter unten Im Tal sind njcht viel besser." dran. Eie arbeiten, drei Schichten in der Woche. Wenn«S hoch geht, verdienen sie 100 bis 120 AL. Di« Krise mißt hier die deutschen und die tschechischen Klassengenossen im gleichen Maße. ES gibt viel tschechische Bevölkerung unten: in den Städten Dux und Brüx bildet sie fast die Hälfte der Bewohnerschaft. Bruch sst eine in der Mehrheit tschechische Siedlung. Die Arbeiterbewegung.hat schon in alter Zelt Wurzel gefaßt und nach dem Kriege stieß sie auch auf den GeblrgSkamm vor. Die hungernden Sptelzeugmacher von Brandau und. Kattzarinaberg sind treu« Anhänger der sozialistischen Bewegung. Mit der Textilindustrie, die in Teplitz-Schönau undk in OberleutenSdorf stark vertreten ist, ist eS jetzt besser bestellt. Die Strumpfwirkerelen find voll beschäftigt, aber die Rationalisierung hat vielen Menschen für immer den Arbeitsplatz genommen. Seht, das ist unsere Heimat, nach der sich das Herz in Sehnsucht verzehrt, wenn wir in der Die Mitarbeiter der Zeitung Bescheidenheit verbietet, allzuviel von der Arbeit der Redakteure zu sprechen. Da- tun Übrigens dann, wenn sie sich ärgern— seltener, wenn sie zufrieden sind— die Leser reichlich genug. Schließlich machen ja auch wirklich nicht die Redakteure allein, eine Zeituiw; viele, sehr viele, die nur selten erwähnt werden, arbeiten an ihrer Herstellung mit und jede Blattfolge verdankt, ihr Entstehen dem Zusammenwirken vieler. . Würdigen wir einmal, was wir. gerne tun, die.Leistungen unserer Kolleginnen uny Kollegen in der Verwaltung! ES ist zugleich eine edle Rache, denn, wcnndtt Verioaltung an die Re.däktionSkosten denkt, an Gehäller- und Honorare, verflucht sie jedesmal die' Redaktion und ist geneigt^ In ihr bloß«in überflüssiges Anhängsel der Verioaltung zu sehen,'deren Arbeit Geld herel'nbringt,. denn sit klsinmert. sich um Inserate und Abonnements! Wir aber, die. Redaktion,.wir. kosten bloß Geld! Da» wissen die Redakteure, und sie wissen, wieviel Arbeit e» kostet, den Betrieb in Ordnung zu halten, sie haben eine heilige Scheu, eine' ehrfürchtige Scheu vor den Kästen.iNit den Kartotheken und vor den großen Büchern in der-Buchhaltung und vor den Men-' schen; die darin, Bescheid wissen,. Und weil sic wissest, wie wichtig-diese Arbeit ist, ächten und. Fremde sind, die uns mit Freiide erfüllt, wen» wir ihre Luft atmen dürfen und mit dem Kummer, der der Kummer ums Brot ist. Läßt uns kämpfen für unsere Heimat! Sie wird dann ganz unser sein, wenn die Armut aus ihr getilgt ist. Heiliger werden dann ihre Wälder rauschen, schöner ihre Bäche singen, beseelter ihre Berge grüßen! K. K. schätzen sie die Kolleginnen und Kollegen der Verwaltung viel mehr alS diese die armen Redakteure.' Weil wir Redakteure bescheiden sind und die Arbeit, der Verioaltung zu würdigen wissen, herrscht zwischen ihr und der Redaktion zumeist sin sehr gute» Einvernehmen, Gutes Einvernehmen gibt eS auch fast immer zwischen der Redaktion und den technischen. M i t a r b e i t e r n, den Setzern und Korrektoren sund den Männern an derRot.attonS mm s ch i n e. ES wird bloß getrübt, wenn man! in später Stunde noch einen Manuskriptstoß in die Setzerei schickt und der Metteur erklärt, daß ganz unmöglich das alles noch gesetzt werden könne. Der Untbruchsredak- tcur ärgert sich, wenn i er eine ihm wichtig erscheinende Meldung nicht mehr untorbrlngt und die Setzer ärgern sich über die. schrecklichen Handschriften nmilcher Mitarbeiter.- Gemeinsam mit den Lesern ärgern sich die Redakteure über die Druckfehler und so besteht, außer der Arbeit am gemeinsaßien Werk, auch«in!e schöne Gemeinschaft des gegenseitigen SichärgernS zwischen Redakteuren und technischen Mitarbeitern. Schließlich entsteht auch eine gewiss«" Gemeinsäm- keit der< Nervosität. Zeitungsarbeit ist. zermürbende,' ist nervenzerstörende Arbeit.' Richt nur hie Arbeit in den Redaktionszellen ist es," auch die"im Setze.rfaal, äN den Maschinen, denn sie ist Nachtarbeit und ist von der Hast diktiert." Daß diese str wenige. Ngchtftwiden zusammengedrängte. diese von der täglich sich erneuernden Sorge um das rechtzeitige Fertigwerden erfüllte Arbeit, ein kompliziertes Zusammenspiel, sich trotz gelegentlicher Schivierigkeitcn doch im allgemeinen reibungslos vollzieht, das danke» ivir vor allem der Einsicht, dem Fleiß, der Kameradschaftlichkeit unserer Kollegen in der Druckerei I Aber wenn die Zeitung gedruckt ist, hat sie noch einen langen Weg zurückzulcgcn, bis sie zu den Lesern gelangt. Ta müssen Expeditionsarbeiter in nicht minderer Eile wie die Setzer arbeiten, da müssen Postler und Eisenbahner mihvirlen, da müssen fleißige Kolporteure von Hans zu Hans und von Wohnung zu Wohnung laufen. O, es hängt nicht wenig vom Fleiß, vom Eifer, von der Pünktlichkeit der Zeitungsausträger abi Genossinnen nnd Genossen gibt cs unter ihnen, die seit vielen Jahren schon diese Arbeit leisten und in ihr viel mehr ein Paricianit sehen als eine kleine Bcrdienstmöglichkeit. Sicht der Kolporteur soder die Kolporieurins, seine Arbeit als Parteiarbeit an, dann freut er.sich jedes neuen Abonnenten, wirbt er unermüdlich für die Zeitung, der er sich zugehörig fühlt als Mitarbeiter und cs ist nicht einmal ganz nnbc- rcchtigtcr Stolz, wenn ein Kolporteur des Wachsen des AbonnentenstandcS in seinem Orte als sei» besonderes Verdienst, als seine Leistung ansieht I Aber mit der Erwähnung des Austrägers sind»och icineswegs alle Mitarbeiter genannt. Mitarbeiter der Zeitung ist jeder Genosse, der für sie wirbt, ist jeder, der ihr eine Nachricht übermittelt, jeder auch, der freundschaftliche Kriiil an ihr übt. Nur a»S dem Zusammenspiel der Redaktion mit diesem weitgespannten Kreis der Mitarbeiter entsteht eine Zeitung, die den Par- teittoiwendigkeiten und den Bedürfnissen der Leser entspricht. Die Feier deS fünfzehnjährigen Bestandes unserer Zeitung ist willkommene Gelegenheit, allen Mitarbeitern zu danken für das, was sie ,filr'unser Blatt und damit auch für unsere Par-' ,'tei, für die Arbeiterbewegung geleistet haben. Für Fehler, die unvermeidlich waren— denn es gibt auch bei redlichstem Bemühen kein mängelfreies Menschenwcrk— dürfen wir wohl Verzeihung unserer Leserschaft ertvartcn. Mängel zu beseitigen, Fehler ans ein Mindestmaß zurück- zuführen, wird nm so eher möglich sein, je enger, dichter, kameradschaftlicher in den kommenden Jahren daS ZnsammcMvirke» zwischen Redaktion und Mitarbeitern seit» wird. Zwanzigstes Jahrhundert D-S ist das Lied Bon unserer Zeit: DI« Erde bebt, Die Erde schreit— Sie schreit in tollem Fieberwehn Sie schreit nach Tod Und Untergehn, Nach neuem Sein Und Auferstehn. Ihr Beten wandelt sich In Much? In Hatzgesan, Ihr Segensspruch. In tausend Wunden Brennt Ihr Leib.— Wird ihrer Qual Richt Endlichkeit? Ist keiner Retter dieser Zeit?! Wo bist du--- Mensch?! Ach noch— so weit! O hört Die Erde bebt Und schreit— I» tausend Wunden Brennt ihr Leib. Sie schritt nach mir, Sie schreit nach dir, Hier stehe ich— O hör ihr Lttd! Halt' mit den Schritt— Schrei mit den Schrei ES sei— tf sei: vergeh- was Spreu l Aus Untergang Di« Erde neu—• Die Menschheit neu— , Jahrhundert frei! Ern« Habersettl. Seite Iß Sonntag- 80. August 1936 Sozialdemokrat" Nr. 202 S)aa in fier Zeichnung von Helmut Krommer. Das Näddien Chung-lan Bo» Sonnt) CI. Rieger Eine der dichterischesten, mit grösster.Innerer Anteilnahme erzählten Episoden des so überaus lebendigen, an Geschehen überreichen Bucher „Fahr zur Hölle, Jonny" bon Jonny G. R t e< gcc(Bcrlag. der Büchergi lde Gutenberg) ist die tragische Geschichte der suugcn chinesischen Revolutionärin Chung-Ian. Wir drucken diese Stelle aus dem Buche mit Erlaubnis des Berlags ab. Chung-Ian war Nordchinesin. Sie kam von dem alten Peking herumer. Diesen blumigen Mädchennamen hatte'sie nur angenommen. Der Name ihrer Familie lautete anders. Aber das war „Das Mädchen, Chung-lan würde" gestern'hin», gerichtet.".Seine Auaen starrten', auf eine gelb'e Papierblume. Ich konnte feinen.Atem hören,' so still war es. Bon der Stratze tönte da» Geräusch vorbei- schlütfender Schritte. Und das'dumpfe Summen der gewaltigen Stadt, Dort drüben brüllt« das fiebernde, stolze, unerbittliche'Shanghai.— Aber" dar Mädchen Chung-Ian gab es nicht mehr in dieser Stadt... Wu hielt seine- Äugest-"immer''noch, astf"die Papierblumet gerichtet, als er weitersprach." ..„Sie trug eine Nummer.—897— wie die 896 Hingerichteten vor ihr;"-" C'~, r Jetzt Iah er endlich von der Blume fort, auf seine steifgestreckten Finger.' Draußen; hupte ein Auto. Blacks polternde Stimme wär'einen'Moment mi. hören. Ich wagte nicht zwfragen und wartet«/daß WU weitersprach.. "-.Er. hob seine- müden Augen,'drehte sie- daN»' langsam.zu.mir.;> .'„Sie wollt« die Macht der Arbeiter ustd Bauern." I, Nur sein Gewand knisterte leise.alr er ausstand. Er neigte leicht seinen Kopf, blickte auf die Bücherreihen.. Sehr leise sprach er, sehr eindringlich:„Der Geist unseres Volker fällt unter den Schwertern der Henker." Unverwandt sah er mich an, als ob er endlich etwas sagen mühte. Seine Hände steckten in den langen, weiten Aermeln seiner Gewandes. Er blickte mich immer noch an. ES wurden nur vier quälende Worte bei mir. „Ich mißtraue dem Geist." Eigentlich sagte ich dar unter dem Einfluß seiner Augen. Ich wußte nicht recht)" Ivarum. Wu drehte sich um und verschwand mit gesenktem Kopf in seinem. Hintcrzimmer. Ich war eben)- falls aufgestanden. Als Ich hochblickte, stand er wieder im Türrahmen. Ich vermied seinem Blick zu begegnen. Mir war Plötzlich, als ob gar nichts weiter im Raum wäre, nur seine Augen und die gelbe Papierblume. Ich starrte auf die gelbe. Blume... Hörte nur seine schwingend« Stimme:„Sie wollte auf dem Wege zum Richtplah die Worte der Arbeiter und Bauern" rufest und fhre Lieder singen, wir es andere vor ihr taten.' Sie blieb"stumm auf dem Wege... Die Henker hatteniihr zuvor die Zunge hcrauSgeschnitten."-- Die Tür klappt« hinter, seinem Rücken zu. Ich war allein. Für die große Sache:.Chung-InnS Worte hrannte» in mir.'Und) heute war dar strahlende, heilige chinesische LotoSfest.'-> . Ich gab. ja. aller, hatte ELung-Ian-gesagt.' Ja, sie hatte alles gegeben,. . AllesI'. i.?;. Alles* Leid,, alle- Hartnäckigkeit'und. Kraft' de» Willens, all. ihr Wissen und Wen" eisernen Fleiß. Alle verzweifelte Rebellion, deren cjü Mcnsch fähig ist. Alle» hatte-das gelbe Mädchen Chung-lan gegebenem Kampfe gegen die starre Grausamkeit.«inet fÜNftauscndjährigen Araditioii.- Hymnus;;. i loh bin dasSchwert.ioh bin die Flamme. ".Ich habe euch erleuchtet in der. Dunkel- '. heit, und als. die. Schlacht begann,. focht ich votan, in'der[ersten Reihe.“, 1 Rund um mich her.liegen die. Leichen meiner Freunde, aber, wir haben gesiegt.'wir- haben.gesiegt,., aber rund umher-liegen, die Leiohen meiner Freunde. In die jauchzenden Triumphgepänge tönen die Choräle■dir Totenfeier. Wir haben flber weder Zeit' zur Freude noch zur Trauer. Aufs neue erklingendie Trommeten, es-güt,'neuen Kampf. loh bin das Schwert, tost bin die Flamme. Heinrich H e i n e Land unter dem Altvater Keilförmig schiebt sich.bet Gebirgszug der Sudeten,-der seine höchste und zugleich breiieste Aufstafselung zwischen dem A l t v a t e r und dem SP sie glitzer Schneeberg aufweist, tief in düs Innere von Mähren. Die letzten Ausläufer liegen'unmittelbar vorOImütz. Nach allen Richtungen laufen die Abdachungen des Gebirges. So weit diese Berglandschaft reicht, so weit reicht auch das deutsche Gebiet des Olmützer Wahlkreises. Während in Böhmen die deutsche Bevölkerung an den SUd- resp. Osthängcn der Gebirge siedelt, wohnt sie hier im eigentlichen Sudctenzug in allen. Tälern des Gebirge»' und in den unmittelbar an das Gebirge angelehiiten Niederungen. Hier wohnen rund 880.000 Deutsche. Der Charakter des. Landes formte die Mensche» und ihre Wirtschaft. Uralte Bergwerke liegen beute'verlassen da und es zeugen höchstens überwucherte und baumbewachsene Halden von. der Arbeit vergangener Geschlechter. Die L a n d- wirtschaft, die einem großen Teie des Bolles Arbeit und Brot geben mutz, Ist lveit weniger erträglich als unten in der fruchtbaren Hanna. Die Arbeiter, die einstmals in einer blühenden Industrie beschäftigt wardn, leiden unter der Wirtschaftskrise schwer. Ganze Zweige der Industrie sind ausgestorben. So stehen die Z ö p t a u e r Werke, einst die berühmtesten von ganz Oesterreich, nicht nur still, sondern die Gebäude sind dem Erdboden gleichgemacht worden. Die einstmals dem Volke Beschästlgung'gebcndc Haus- i n d u st r i e der Weber ist so gut wie auSgestor- ben. Grotze Spinnereien— in Wiesenberg und Friedland— wurden stillgelegt, ehemals berühmte Textilfabriken, wie etwa die Vorhangfabrik in G r o tz st o hl, haben'aufgehört zu schassen. Auch die sonstige Industrie, wie, etwa die weitbekannte schlesische'S t e i n i n d u st r I e ini Becken von Freiwaldau- Friedeberg, leidet schwer unter den Verhältnissen unserer Zeir. Der Export, der die Lebensgrundlage dieses großen Gebietes lvar, ist so gut wie erschlagen und damit hörte natürlich, auch das normale wirtschaftlich« Leben auf. Neue Industrien brachte die private Wirtschaft in größerem Maß- slabe nur in der Ku n' sts e i d e n erz e u g u n g hervor, die allerdings im Bezirke Römer st a d t eine derartige Ausdehnung^ ausweist,, datz dieser ganze Bezirk davon lebt. So also sieht) wenn In kurzen Strichen die Verhältnisse der Bevölkerung des Altvatergebietes gezeichnet werden, das Leben aus, das sich gegenwärtig nur in seinen Schattenseiten einem fleitzi- gen und ordentlichen Volke bietet. Was hier geschehen müßte, das wäre die Schaffung von E r s a tz i n d u st r i e n, denn cs ist ganz ausgeschlossen, datz die untergegangene Textil- und Eisenindustrie jemals wieder in altem Glanze erstehen kann.- Geht der Staat daran, die drängenden Probleme der Wirtschaft zu lösen, mutz er In der angcdeutctcn Richtung Vorstotzen. Alles andere ist unzulängliches Stückwerk, geht dem großen Problem der organischen N e u g e ssa l t u n g d er Wirt- schäft nicht zu Leibe. Die frühzeitige‘ Entwicklung der mittelalterlichen Wirtschaft nach der industriellen Seite hin brächte cS mit sich, datz es hier schon ein Weberproletariat zu einer Zeit gab, da anderswo von einer"eigentlichen Arbeiterschaft noch nicht gesprochen werden konnte. Kein Wunder, datz sich die Proleten ihre eigenen Gedanken über ihre Lage schon frühzeitig machten und Feuer und Flamme waren, als die Ideen Lassalles heriiberschlugen über die Grenzen. ES mag ein symptomatisches Zeichen sein, datz der erste Konsumverein aus dem Gebiete, des ehemaligen Oesterreich-Ungarn in Sternberg entstand, jener.Stadt, die in den Zeiten der Manufaktur eine hervorragende Stelle in" der österreichischen Textilindustrie einnähm. Datz'heute die"Konsumgenossenschaft in"Mähr.- Schönbcrg zum größten Unternehmen dieser Art im"südetendeNtschen Gebiet angewachsen ist, wag nut als Beweis dafür gelten, daß die Entwicklung geradlinig weitcrgelaufen ist. Die Weber, diese ersten modernen Prolc- sarier, waren es also, dielbegeistert zur sozialistischen.Bewegung. stießen, als die Jdeön der grüßest. Vorkämpfer unserer Bewegung zu ihnen .gedrungen.Waren. Kein Wunder, daß das Textil- prolctariat dieses Landes eine ganze Reihe, von hervorragenden. Menschen hervörbrachte, die später. Großes uyd Wundlegendes leisten sollten. Nordmähren gab der Bewegung in Wien'"nd.^in H a n ü s ch, war ein novdmährischer Webergesell, ab. Der bedeutendste unter ihnen, Ferdinand Han u s ch, war ei nnordmährischer Webergesell, der in Sternberg-seine ersten-Proben organisatorischen-Könnens ablegte. Auch;Oswald'Hilleb'x an d, der glühende Volksredner, entstammte -dein. Baden der grünen Schics. Unser« heutige Arbeiterbewegung kann, sich würdig an die Seite der"' besten"Gebiete des Staates stellen.-Freilich, auch an uns gingen die Wogen der faschistischen Bewegung", nicht spurlos vorüber."Diesen 1 Tribut an die aus dem Dritten Reich herübcrschlagende» Gedanken mußten auch wir'bezahlest..Aber dir Bewegung steht fest und unerschünert.'Mag cs sich um die^P artet handeln oder um die Gewerk sch ast en-oder um die anderen Organisationen. Sie glle haben kein« Einbußen erlitten, sie sitzd' weiter der ünerschüt« terliche Ker« des- denkenden- Proletariats des ganzen Gebietes:- x „Sozialdemokrat" Nr. 202 Sonntag, 80. August 1980 Seite 17 Bei einem«Wohl« nationalen BerLrftherm« Ml kam«. Mit tschechischer M d««M«r«MM. Da,«rfw deutsche sozialdemokrattschrBkMtP redigiert—» dem tschrchjschen Genoss«, Steznikek den geborgt und die Blattgriindung gewagt. Nicht jedes Wagnis glückte so wie dieses. Manche der mit allzu wenig Geld und zuviel Op- timismnS gegründeten Zeitungen ging zugrunde. Aber aus jenen. Anfängen— aus diesen„zweiten Anfängen" nach den Niederlagen der Arbeiterbewegung infolge der Pcrselutionen und der Spaltung— entwickelte sich jene Parteipress«, über die heute die sudctendeutsche Sozialdemokratie verfügt. Rückschau auf diese mühevollen Anfänge sagt uns, ei» wie kostbares Gut die Arbeiterpresse den Arbeitern seit jeher Ivar. Sic ist ein nicht minder kostbares Gut heute. Wir verwalten dankbar ein Erbe unserer Pioniere, wenn wir die Arbeiterpresse, die unter so grossen Opfern geschaffen wurde, in der so viel Idealismus und Begeisterung und Treue ganzer Generationen der Ar« beiterklasse lebt, hingebungsvoll betreuen, wenn wir-ihrer Ausgestaltung und ihrer Verbreitung unsere besten Kräfte weihen. WM find, noch in Archiben die^vergilbten' Blätter der ersten Arbeiterzeitungen zu finden? aber da jene, die sie schufen, zwar— gewiss noch in sehr btscheidenem Rahmen r— Geschichte mach« ten, aber nicht Geschichte, schrieben, ist Uber die Schwierigkeiten ihrer Gründung, Wer ihre harten Lebenskämpfe nur wenig bekannt. Nur aus den Erzählungen alter Genossen, aus den Lebens« ertnnerungen der Pioniere weiss man ein wenig voh diesen Anfängen unserer Presse. Die Namen det Zeitungen, die Zeit ihrer Gründung und ihres Erlöschens, die heut« zumeist vergessenen Namen ihrer Redakteure, diese Daten sagen nicht diel, geben kein lebendiges Bild der Anfänge, ihrer Schwierigkeiten,' ihrer abenteuerlichen Gefahren. „D e r A r b e i t e r", dessen erste Nümmer am 10. Jänner 1871 in Prag erschitn.war das erste in deutscher Sprache geschriebene Arbeiterblatt In den Sudetenländern. Redakteur war Josef Svaiin»,«in Tscheche, und das Blatt war ja auch von tschechischen Sozialisten und Arbeiterfreunden'— sie waren viel mehr wacker« Arbeiterfreunde als Sozialisten—geschaffen worden, um eine Verbindung zwischen tschechischer und deütcher Arbeiterbewegung herzüsiellen. Wohl waren'sich die Männer, die den„Arbeiter" schrieben, der Notwendigkeit einer politischen Tätigkeit der Arbeiter bewusst, aber da die Erkennt-- niss« des modernen Sozialismus.noch nicht hu ihnen- gedrungen-waren, kann„Der Arbeiter" keineswegs schon als sozialdemokratische Zeitung gelten. Die junge Arbeiterbewegung, auch die im industriellen deutschen Norden Böhmens, stand ja damals, suchend und tastend, erst am Anfänge ihres Weges. Rührend ist die Begründung der Notwendigkeit des Zusammengehens tschechischer und deutscher Arbeiter:„Leiden wir nicht alle, ob nun unser« Mütter uns an der Wiege mit einem deutschen oder böhmischen Lied in>den Schlaf einlullten, an dem gleichen Druck, an der gleichen Ueberbürdung, an der gleichen Entbehrung, an der gleichen Not?"—„Der Arbeiter" hat sticht lange bestanden. Aber zu seinem Ruhm ist zu vermelden, dass er so eifrig die Kampfgemeinschaft tschechischer und deutscher Arbeiter betonte. ES hat in der Geschichte der Arbeiterbewegung beider- Nationen Zeiten der gegenseitigen Entfremdung.gegeben, aber iimmer wieder setzte sich die Erkenntnis ihrer Schicksals« gemeinschaft durch, und es mag als Beweis, instinktiven-Erkennens der proletarischen Kampfnotwendigkeiten-noch vor dem Durchsetzen wirk- lichen Klassenbewusstseins gelten, dass das erste Wort dhr ersten deutschen' Arbeiterzeitung der internatftznälrn'VerbrMWM gglfl und dem deutschen'Genossen Franz Liss.. Kur wenige NUMtittM können etMiiktsN.„Der Morgenröte" folgt die zuerst^ in,Fischern, dann in Ege, erscheinende„BollSwacht", dieser dtp zu- herauSgegeben und. geschrieben von deutschen sozialdemokratischen Arbeitern, war- de? am 13. Juni l87z-. in Reichenberg inSLeben getretene„Arbeiter.freund". So wurde die Zeitung auf Antrag Josef KannichS genannt, dieses politischen, journalistischen- und/-poetischen. Pionier» der nordböhmischen Arbeiter. In keiner deutschen Stadt wär eine Buchdruckerei zu finden,-die bereit gewesen-.wäre:-die Zeitung zu drucken;. schliesslich fand sich.«ine tschechische Druckerei in.'Präg, die fit-hierstellte.:. Redakteur des Blattes, das bis, zum' 24. August 1882 erschien, war.der Bäcker Rudolf August. WoM des, , sen Name freilich nicht in Ehrengemvnnt.wkrden kann, weil Wolf bald zum bezahlten Verräter an'der Arbeiterbewegung wurde. Der„Arbeiterfreund" erschien-' zweimal monatlich. Weder er,-noch,«ine» der später ge« gründeten Arbeiterblätter war' eine' Zeitung iUv heutigen Sinne.' Sie erschien aber dämal» in anderer Form kaum als-notwendig. Es galt/ die Lehren des Sozialismus- zu-verbreiten., Arbeiterförderungen zu vertreten,,! den- Kampf gegen soziale Missstände zu führen. Stkllung zu den wichtigsten Ereignissen zu nehmen,' Wch» richtenvermttthmg stand damals noch lang» nicht! im Vordergründe der Aufgaben der sozialdemokratischen Presse. Eine der wichtigstMAt^gaben erblickte der Reichenberger„Arbeiterfreund" in d'xr"Herbeiführung einer Verständigung imüv- halb der sozialistischen Arbeiterschaft. Der" Haupt«, sächlich. in' Wien und Biederösterreich tobend.«' Kampf zwischen- Oberwinoer und Scheu, journalistisch geführt von der Wiener„Bolck»« st i m m e" und devÄN Wiener-Neustadt erscheinenden„Gleichhe'tt",.hatte die österreichische Arbeiterbewegung schwer'erschüttert.^ Erst al» dis beiden- Führer im Streikt Oesterreich verlas« sen hatten, konnte, allerdings auch.-bsgünftigt durch da»ie"ReilKknbergMGe-^ noffen unter Führung de» DäckenneksterVMrdi< nan.d Schwarz,. Reichenberg.swurH. für'einige Zeit das Zentrum'"peri österreichischen Arbeiterbewegung..Einige.Jahre i hindurch- erschienen! dort sogar drei sozialistische Blätter: der,„Urbei-s teMund", die«SoMssioWMMündschgMund' dW,völk»freünv7->,-Mk. MW Zenträlorgan'der «meUaaltiW W Der Einigung der Partei folgte in wenigen Jahren, al» unter dem Druck der Mzialistenver« folgungcn anarchistische Strömungen' einen Teil ^hWMerseWchenMbeiteMafi^eMsswMeine; neüö Spaltung, die- in ,-Radikale" und„Ge- mässigte".- In. dieser Berfolgungsära gingen dis, Arbeiterblätter zu Grunde, nur eine Zeitung, die' -injenen'stürtnischenTagen-gisch'äfflststntrdchch'er-- mochte alle Schikanen,^ alle Mahregelüngen' zu überdauern; per im Jahre 1885 in Brünn gegründete„PolkSfreund". der Ächte/,noch, hiifieht- uno"sbmlt däsAltestc'Matt unsKdr Partei Ist... Hier kann nicht di« Geschichte der sudetendeutschen Arbeiterbewegung', die'ja auch di« Geschichte unserer-Press« ist, erzählt werden. Wer sie kennen lernen will,. greife- vor allem zu den Büchern:„Die Entstehung der deutschböhmischen Arbeiterbewegung^ und-,,Bgn.Hainfeld.bjS.zmn. Weltkriege" von Emil S t r a u ss, denen auch die Angaben diese» Aufsätze» entnommen find: Die sudetcndeutschen Arbeiter lasen damals die in Wien erscheipendeti Blätter ihrer„Richtung", „Zukunft" Wer„Wahrheit", und den über die Grenzen geschmuggelten Züricher„Sozialdemokrat",^"die aus London kommende anarchistische„Freiheit". Die Rcichcnbcrger Arbeiter, zumeist Anhänger der„radikalen" Richtung, schufen sich da» Blgtf„De r R a d i k a l e", da» vom 8. September 1888 bl» zum 2. April 1888 erschien. Als der-,.Radikale" eingegangen war— die Gegensätze innerhalb der- Bewegung begannen Mmählich an Bedeutung zu verlieren, die Sehnsucht nach der Einigung begann zu wachsen,' der dem Gedankhn sofortiger Revolution und politischer Attentate, huldigend«„Radikalismus" wurde mehr,und mePe als Irrtum erkannt— hatten die deutschen Arbeiter Böhmen» keine eigene Zeitung mehr, So bliäb es eine ganze Reihe von Jahren. AuS Drlittn-kam der„Volksfreund" -zu ihnen, au» Wien Ann Victor Adlers im Jahre 1888 gegründete„Gleichheit", kam vom Juli 1894 an deren Nachfolgerin: die„Arbeiter- Zeitung". Die Aufgabe, die Gegensätze zu überbrücken und aus. den zufammengefchtosshnen Fraktionen eine einheitliche Partei zu machM'ste lebendig-zu machen iM Bewusstsein der Arbeiter, die Arbeiter zu.lehren, ihren Kampf unter den-besonderen Schwierigkeiten Oesterreich» zu führen, die'Aufgabe grundsätzlicher Klärung vermochte kein Blatt so zu' erfüllen,wie die„Gleichheit" und dann di«„Arbeiter-Zeitung". In den Jahren des Aufbaues der neuen. Partei und der Sammluqg der-Kräfte-zu neuenKämpfen, waren eigene sudetendeutsche Blätter keine unbedingte Notwendigkeit. Der gewaltige Aufschwung der' Betwegung nach her erstell'Maifeier'im Jähre 1899 und der Eintritt der Partei in den Wahlrechtskampf mussten das Bedürfnis und dar Verlangen nach eigenen Zeitungen-auch hierzulande erwecken. In- rascher Folge entstehen sozialdemo. kratische Blatter,"/-- Noch im Jahre 1899. tyird in Westböhmen „D i e M 0 r g e.n r ö t e" gegründet,-'al» gemein«" »le Anfänge unserer Arbeiterpresse Südmährisches Landproletariat Von Lehrer Hans S c h r 01 h> Schier unabsehbar wogen in S ü d m ä h« ten die Gctrcidemeere, grünen um freundliche Dörfer die Gärten, klimmt an sanften Hängen die Rebe hinan. Manch verträumtes Städtchen mit reicher historischer Vergangenheit entzückt den fremden Besucher und von beherrschenden Höhen schauen Schlösser und Ruinen lveit ins Land. Ein heiterer Himmel wölbt sich über dem gesegneten Stiickchen Erde und wenn in der sommerlichen Glut die Lust zittert und flimmert, dann wird einem ordentlich warm bis ins Herz hinein. Und unendlicher Segen quillt hier miS fruchtbarem Boden. Brot für alle schenkt die Ackerkrume in überströmender Fülle. Ein glückliches Volk könnte hier wie in einem prächtigen Garten zufrieden leben. Doch ein Gespenst geht trotz allem natürlichen Reichtume in Südmähren um: die Noti Noch ängstigt es nicht jedermann. Satt« Grossgrundbesitzer haben weite Flächen fruchtbarsten Bodens vor Jahrhunderten krasl Herrenrechtes zu ihrem Eigen erklärt und schmälern den anderen das Brot. Eine unzureichende Bodenreform hat wenig Wgndel schaffen, können. Dann gibt es auch noch-wohlhabende Bauern, die behäbig die Früchte ihrer-Arbeit geniessen können. Aber neben ihnen Hausen die Entrechteten einer unsinnig gewordenen Gesellschaftsordnung, die Häusler und T a g lö h n er. So geht denn auch ein tiefer Riss durch die siidmährischen Dörfer,, der zwei Welten unüberbrückbar trennt. Alles Gefasel von einer sagenhaften„Dorfgemeinschaft" vermag diese Gegensätze zwischen Arm und Reich' nicht zu ver» söhmn. Jedes südmährische Dorf führt diesen sozialen Unterschied schon rein äusserlich plastisch vor Augen. Es stellt baulich keine Einheit dar, sondern zerfällt'. Überall in zwei gänzlich verschiedene Teile. Da ist zunächst in. jedem Dorfe der Kern der alten Ansiedlung, gewöhnlich kurz der Ort genanüt. Hier stehen, wohl schon seit Jahrhunderten unverrückt, wenn auch wiederholt umgebaut, die geräumigen Häuser der Bauern. Stuben und Kammern sind in genügender Zahl vorhanden; der mit der„Tretten" gezierte Hof führt zu den verschiedensten Stallungen und wird gegen den oft sehr grossen HauSgarten mit einer wuchtigen Scheune abgeschlossen. Wir können die Entwicklung des alten untertänigen Dorfes im Ostteile Südmährens bis zum 15. Jahrhunderte zurück verfolgen, im Westteile allerdings nur bis in die Zeit des 80jährigen Kriege». An den»Ort", der sich häufig in einen „Ober-" Und„Unterort" gliedert, schliessen sich die Elendsviertel derHäuSlerund Tag l^ö h n e r an. Nicht selten kann man beobachten, dass auf demselben Flächenraume,'den ein-grosses Bauernhaus einnimmt, Gruppen von z« h n b i S f ü n-fzehn armseligen H' ü t t e n sich-drängen. Wir wissen noch wenig Wer die Entstehgng dieses vierten Stande» auf dem flachen Lande. Erst dl« Quellen, nach dem 80jährigen Kriege bringen einige», Licht in die Geschichte de» Landproletariates. Besonders- Wer da» Teisipo seiner zahlenmässigen Entwicklung Md wir Üidlich gut unterrichtet.-Das alte Grund« auch vom Jahre 1.897-zählt z. B. in E r d b e r g neben einem Ganzlehenbauer, 48 Halb-/undt21 Viertellehenbauern nur vier Kleinhäusler auf. Hundert Jahr«/später, l. I. 1792 ist. die-Zahl der Bauern gletchgeblieben.-die Kleinhäusler gber sind schon äuf dieMttlich« Zahl voll 111 angewachsen. Dann geht e» in immer rascherem Tempo und bald ist die-Zahl-der nur wenig oder" säst nicht» Besitzenden"doppelt und dreifach so-gryh wie oie der Bestifteten. Waren eS, früher meistens -Zngewanderte. föPntz/eSmun jvor allem die Kinder und Kinde»kiM>er der ,alten-,Bauern,, die die Zahl des Proletariat» erschreckend schnell vergröbern. So ähnM, Entwickelt sich die soziale Differenzierung überall. . Sin gewaltiger geschichtlicher' Prozess, die AMtzE st, l t'u n g-b; e r soziale n Verhältnisse auf-dem flachen Lande, anfänglich ,nux wenig, beachtet, reift heute zu folgenschwersten politischen Entscheidungen heran« erst in Eger, dann, in Fallenau, seit 1904 In ihrer Begeisterung." Das gesamte Vermögen Karlsbad erscheinende„Volks Wille". In- der Partei bestand damals in einem Barbetrag Steinschönau beginnt 1891 der von Glasarbeitern von rund vierzig Gulden." ^geschaffene, au» der„GlaSarbeiter-Zeitung" her«! habenden" Genossen wurden weitere dreihig Gul- vorgegangcne„Nordbühmisch e B 0 l k S-.' b o t e" zu erscheinen, der später nach Bodenbach übersiedelt. Im Mai 1892 wird in Aussig der „Gesellschafter" gegründet, als Blatt auch der Teplitzer Genossen. Im Feber 1894 erscheint m Teplitz die erst« Nummer des Blattes„Volks stimme". Zunächst wird auch noch der„G e- s« l l s ch a f t« r" im Teplitzer Organisations gebiete verbreitet. Später erscheint" da» Tep litzer Blatt unter dem Titel„BollSrecht", wird "in Aussigeinige Zeit hindurch als-Kbpfblatt ver breitet, bis die Aüssiger unter diesem Titel ihr. heute als Tagblatt erscheinendes Blatt. heraus- geben, und die Teplitzer Zeitung', den"Namen „Freiheit" zu tragen-beginnt." Schon die Anführung der Erscheinungsorte /sagt, dass diefekleinen Blätter, zunächst nur zwei, mal monatlich'/erschcineud, in jenen Orten ent ständen» die natürliche Mittelpunkte der Be wegung waren.: Das war.damals und lange Zeit hindurch ihre Stärke-und dass sie sich auf'die organisierten sozialdemokratischen Arbeiter stützen, mit ihnen als Abnehmer rechnen/,konnten, da» war der Lebensboden dieser durchwegs armen, mit be scheidensten Mitteln arbeitenden Blätter. Sie er schienen als Organe, dei, Organisationen, ja, das war Voraussetzung ihres Erscheinen»! ES wurde freilich in viel späterer/Zeit/ die ganz andere An- sordcrungen an Zeitungen stellt, zu einem ge wissen Hemmnis ihrer Fortentwicklung, es er schwerte ihnen den Weg vom Organ der Partei, das nur für die Parteigenossen bestimmt war, zu einer über den Nahmen der Genossen hinaus wirkenden Zeitung. Unsere Darstellung ist lückenhaft, es stehen Im. Augenblick nicht die Daten' aller-Arbeiter blatter zur Verfügung,-7- aber e» soll ja auch nicht die Geschichte unserer Parteipress« erzählt, eS soll nur ein wenig über ihre Anfänge gesagt werden. Aber über die Schwierigkeiten einer solchen Blattgründung, aber auch über den herr lichen Optimismus der Arbeiter, die sie wagten, soll doch noch gesprochen werden. Am besten Wohl -mit den plastischen Worten Josef Seligcrs, der in der„F reihe! t" im Juni 1929 von den-fernen Tagen der Gründung des Blattes erzählte: „ES war so gegen Weihnachten 1898, als sich zuM ersten Male eint' Bezirkskonferenz von Vertrauensmännern de» Teplitzer Bezirkes in „WikheliNStal" in Turn mit der Frage der Grün dung eine» eigenen Blattes für da» AgitationS- gebiet beschäftigte, Hessen Zentrum Teplitz damals Üikll geworden war: Es waren wM an tzie fünf zehn Genössen beisammen, also eist recht beschei dene» Häuflein. Aber'damals könnten wir mit Massstäben, wie den hellte gewöhnten, nicht messen, und wa», den Genossen e-<»:'M AOs W WZ, LWW MMKZ DM WWW W Wß'-■;>X$4 MG ZWWWM 2'M Wff'l ML M .4 M ^5 j»n W/5F» nw Mk7 . r n•■* J< ä Tai 1’M W ■I7*» i 4*S 1< I T k 'fWS AD WffGM V fl W^WT^WWWWWDWA ■Ji'J<’;','7y'-;i,i -„Sozialdemokrat" Nr. SYS . Sonntag, SV. August 1VSS Seite iS ? clsmolc^okkclisn /^vsmÄk'sc^s 6ss | HL, i£ W WW WWW Gelte 20 Sonntag, SO. August 1936 „Sozialdemokrat" Nr. LOS Leitung und Technik Vor fünfzehn Jahren, im Sommer 1.921, wurde die Oeffentlichkeit auf echt amerikanische Weise mit einer neuen Erfindung bekanntgemacht, von der cS zuerst schien, daß sie der Zeitung entscheidende Konkurrenz brachen könnte und die nun der große Helfer der Zeitung geworden ist. Einige Wochen vor dem großen Boxkampf Carpentier-Dempseh in New gork war bereits in Pittsburg eine Radiostation eingerichtet worden, die regelmäßig Konzerte sendete. Das Interesse der Amerikaner war für diese Sendungen jedoch sehr mäßig und nur ein kleiner Kreis von technisch Interessierten hatte davon' Kenntnis genommen. Nun kam der Kampf von Carpentier gegen Dempseh. Ohne besondere Vorankündigungen errichtete die Westinghouse Compagnie ein« Sendestation am Kampfplatz. Sie fing durch Mikrophone die Atmosphäre des Kampfplatzes ein, übertrug Glockenzeichen und Beifall des Publikums. Durch einen Ansager ließ sie fortlaufend den spannenden Kampf schildern. Nun begriff jeder Amerikaner, was die neue Erfindung Radio für ihn bedeutete und man stürzte in die Geschäfte, um so einen Apparat zu erstehen. In New York wurde die erste Sendestation eingerichtet, die das normale Programm wie es heute üblich Ist, sendete. Die Zeitungen setzten sich mit Begeisterung und ganz uneigennützig für die Erfindung ein. Schon dieser New Aorker Sender hatte ja einen großen Teil seines Programms für Zeitungsnachrichten reserviert und die Zeitungen hätten eigentlich dieses Radio als ihren ärgsten Feind betrachten müssen. ES gab auch in den folgenden Jahren, in denen sich ganz Amerika aus den Radioapparat stürzte und in den Läden zeitweise die Radiogeräte bis zum letzten Stück ausverkaust waren, genug Pessimisten, die einen Untergang der Zeitungen prophezeiten. Sie sagten, da würde doch niemand mehr nach einer Zeitung' rennen, wenn er aus jedem Lautsprecher die neuesten Nachrichten hören könnte. Es hat sich aber gezeigt, daß gehört eben nicht gelesen ist, daß das Radio dieBedeutung der Zeitung nicht abschwächte. Die Zeitung hat im Gegenteil am Radio einen treuen Helftr gefunden. Wie könnten wir heute auch nur in diesem Maße Nachrichten über den Kampf des spanischen Volkes gegen seine Generale bekommen, wenn nicht die Rundfunksender Spaniens ihre Nachrichten in- den Aether schicken würden. Wohl sind«S ost übertriebene, gefärbte und auch falsche Nachrichten, die beide feindlichen Sendegruppen verbreiten. Aber sie ermöglichen estrohd«m dem AuSlänkTunbehindert Maj'eine sich«in ungefähres Bil^dec Lage zu machen. Gerade, an diesem Beispiel wird aber. zugleich,^die, notwendige Rolle der Zeitung sichtbar. Wie wäre es dem einzelnen Radiohörer möglich— selbst Ivenn er«inen übermodernen, weitreichenden, sehr teuren Apparat hatte— alle spanischen Sender zugleich zu hären I Er wäre immer in einer gewissen Zeit auf die Meldungen der einen Seit« angewiesen, zumal da Barcelona und Burgos, das Hauptquartier der aufständischen Generale auf gleicher Welle senden. Der starke Sender Barcelona erreicht«S dadurch, daß Burgos nur in einem ganz beschränkten Gebiet unverzerrt gehört und auch verstanden werden kann. Das Chaos dieser Radiomeldungen kann au» diesen Gründen nur di« Zeitung möglichst entwirren. Sie kann di« Nachrichten übersichtlich dem Leser darbieten. Wenn sie eS will, kann sie natürlich auch, wie es in diesem Fall manche bürgerliche Zeitung unternimmt, nur die Nachrichten der aufständischen Generale und ihrer faschistischen Verbündeten in Europa bringen und so ihr« lieben Leser noch dümmer machen als sie schon sind. Di« Arbeiterpresse hat diese Methoden nicht nötig. Sie hält eS für falsch, sich selbst und die Leser mit falschen, wenn auch besseren Nachrichten, betrügen zu wollen. Für uns kann das Radio nicht ein neues BerdummungSmittel, sondern es muß eine neü« Möglichkeit zur VolkSaufklärung sein.- Wie heute ein modernes Radiogerät eine Selbstverständlichkeit, für jede leistungsfähige Redaktion ist, so sind in. den letzten Fahren noch andere Erfindungen und technische Verbesserungen in den Dienst der Zeitung gestellt worden. Lebhafter konnten die Zeitungen durch die Verbesserungen der Reproduktionstechnik und den damit verbundenen Materndienst gemacht werden.. Man verschickt, heute«in Stück gepreßte Papp« und wenn dann in der Druckerei auf sie Letternmetall gegossen wird,"erhält man.-sofort, den Druckswck für ejn Bild.-Durch dieses billige Verfahren ist eS den Zeitungen möglich. geworden, täglich«ine ganze Anzahl Bilder zu bMgen. Auch die Aktualität derBilder ist dadurch, gesirrt, daß die Matern nicht im Eisenbahnzug viele Tag« unterwegs zu sein brauchen. Da» Flugzeug kann sie heute in wenigen Stunden an ihrem Bestimm, mungsort abliefern. Dadurch ist heute jede,Zeitung in der Lage, aktuelle Bilder zu bringen,.< Wenn vor fünfzehn Jahren in Paris etwa Un». ruhen ausgebrochen waren, dann ging der Redakteur in sein Bildarchiv und-,suchte unter^der Rubrik Part». Fand er nur dfm Eiffelturm, datzn! kam dieser in die Zeitung mit- der, Unterschrift:' Pariser Eiffelturm,,in besten Nähe gestern Unruhen ausbrachen. Heute bekommen die Zeitungen mit dem Flugzeug die Mater eine» Bilde», auf, dem dann wirklich dieUnruhest zu sehen sind. Einige wenige Zeitungen mit Rieseuauflagen lassen sich heute sogar Bilder im Bildfunk drahtlos übersenden. Im ZeitungSbetrieb ist natürlich mit dem wie ne etwa di« Franzosen zu pflegten auSgegeben von einem Manne gegen da» tausend- s ss ttMuw«4* len Kampf zu ersparen, feiern sie Feste, stimmen Könige» vergeblich kümpfttn! Aber so wahr St« die Geschlagenen hinter Wein und Braten'Sie- leidenschaftlich und gierig an Meinen Lippen han dle Geschlagenen hinter Wein und Braten'Sie- geshymnen anl Ja, es ist dieselbe Umkehr wie bei den römischen Saturnqilen l Wie sich dort die' Sklaven zu Tische setzten und sich als Herren ge« bürdeten, so setzen sich heutzutage die Besiegten zu Tische und' gebärden.sich in pomphaftgeschmacklosen Anerkennungstoasten als Siegeri ...Lassalle. Materntransport der Dienst de» Flugzeuges nicht erschöpft. Sonderberichte au» allen Teilen der Welt können heut« die Redaktionen in einem Bruchteil der früheren Zeit durch Flugpost erreichen. Dadurch ist auch die Zeitung, für die ein gen, und.,so wahr Meine Seele in reinster Begeisterung erzittert, indem, sie in die Ihrig« überströmt, so wahr durchzuckt mich die Gewißheit: Der Augenblick wird kommen, wo wir den Blitz werfen, der diese Presse in ewige Nacht begräbt! Lassalle.- seitenlanger telegraphischer Spezialbericht unbezahlbar wird, in der Lage, durch Sonderberichterstatter vom Oxt der Ereignisse au»-Stellung, nehmen zu lassen, wie e« un» zum Beispiel Wer. die spanischen Kämpft möglich ist. DI«„geistigen^. Deutedisn;; Wenn der Deutsche auf feiste Geschichte zurückblickt,,.'so fistdet er«inest Hauptgrund seiner langsamen politischen- Entwicklung, wie der elenden Literatur vor Lessing,' in den„befugten Schriftstellerst^ Di«,- Gelehrten von Fach und Zunft, von' Pribtlegium,-die Doktoren und fon« fügen Ohren, die charakterosen/ Universitätsschriftsteller de» 17. und 18. Jahrhundert» mit ihren steiftn Zöpfen und-ihrer vornehmest Pedanterie und ihren winzigen mikrologischen Dis- sertationen, sie habest.sich zwischen da» Volk und den Geist, zwischen das Leben und die Wissen« schäft, zwischen die Freiheit und den Menschen gestellt.-. Marx. HitlerIn» Stammbuch Tendenzgesehe, Gesetze, die keine objektiven Normen geben, sind Gesetze des Terrorismus, wie sie die Not des Staate» unter Robespierre und di« Verdorbenheit de» Staates unter den römischen Kaisern erfunden hat. Gesetze, die nicht di« Handlung als solche, sondern die G e s i n n u n g des Handelnden zu ihren Hauptkriterten machen, sind nicht» al» positive Sanktionen der Gesetzlosigkeit, Da» GesinnungSgefttz ist kein Gesetz de» Staates für die Staatsbürger, sondern da» Gesetz einer Partei gegen eine andere Partei. Das Tendenzgefttz hebt die Gleichheit der Staatsbürger vor dem Gesetz auf. Es ist.'«in Geist der Scheidung, nicht der Einung und alle Gesetze der Scheidung sind reaktionär. Es ist kein Gesetz, sondern ein Privilegium... Gesinnungsgesetze basieren auf der Gesinnungslosigkeit, auf der unsittlichen, materiellen Ansicht vom Staat. Die sind«in indiskreter Schrei des böfen Gewisfens. Marx. Den deutschen Journalisten ... wohin da» Auge sah-ist Deutschland, wohin der Blick fiel ist deutschen Zetjungen— überall la», sah, hörte man'von Festen, Beran» staltungen von Festen, Beschickungvcht Festen-Jft eS erhört? Wa» feierten diese MeÜwürdhgest? Während die Lage de» Lande» so ist, daß man in ■Sai iiw>«ichomehen-soNte-dow« st» Festei Fest»- wie sie etwa di« Franzosen zu feiern pflegten Nicht die Griechen... Wenn nicht«ine totale Umwandlung unserer Presse«intritt, wenn dies« ZeitungSpest noch fünfzig Jahre so ftrtwütet, so muß unser Volksgeist verdecht Und-zugrunde gerichtet sein bi» in seine Tiefen! Denn ihr begreift: Wenn Tausende von Zeitungsschreibern, dieser, heutigen Lehrer de» Volks, mit' hunderttausend Stimmen täglich ihre stupid« Unwissenheit, ihre Gewissenlosigkeit, ihren Eunuchenhaß gegen alle» Wahre und Große in Politik, Kunst und Wissenschaft dem Bolle einhauchen, dem Bolle, da» gläubig und vertrauend nach. diesem Gifte greift, weil e» geistige Stärkung au» demselben zu schöpfen glaubt, nun, so muß dieser Volksgeist zugrunde gehen und wäre er noch dreimal so herrlich! Nicht da» begabteste Boll der Welt, sticht die Griechen, hätten«ine solch«' Presse überdauert! Lassalle. Leitung als Geschifft Wenn jemand Geld verdienen will, so mag er Cotwn fabrizieren oder Tuche oder auf der Börse spielen. Wer daß man um schnöden Gewinstes willen-alle Brunnen de» Bollsgeistes vergifte und dem Bolle den geistigen Tod täglich aus tausend Röhren-kredenze— es ist das höchste Verbrechen, daS ich fasten kann! Lass-all«. Landsknechte DaS sind die modernen Landsknechte von der Feder, das geistige Proletariat, das stehende Heer der Zeitungsschreiber, das öffentliche Meinung macht und dem Volle tiefere Wunden geschlagen hat al» da» stehende Heer der Soldaten; denn dieses hält doch nur durch äußere Gewalt das Boll zu Boden, jene» bringt jhrn die innere Fäulnis, vergiftet ihm Blut und Säfte! Lassalle. Tod dieser Presse!- - Halten Sie fest, miiglühender Seele fest an dem Losungswort, da» ich Ihnen zuschleudere: Haß und Verachtung, Tod und Untergmig der genügen, Press»!, Eil,ist da» eine.kühne-Losung, ausgegeben von einem Manne gegen da» tausend- >n Vie Schmach unseres Jahrhunderts Marx und Lassalle über die bürgerliche Presse HobelspMne aus unserer Werkstatt Au» ernstem, verantwortungsvollen Berufsleben Heiteres zu erzählen, ist immer«ine heikle Sache. Ob da» Lehrer-tun oder Künstler oder Journalisten oder wer immer— stets ist da» mit der Gefahr verbunden, daß etliche Zuhörer oder Leser, nachdem- sie sich Wer-solche» AuS-der« Schule-Plaudern mehr oder weniger, amüsiert haben, nachher gedankenlos oder gar übelwollend das Urteil weitergeben: Na, denen geht» nicht gerade schlecht; siir die ist alle»«ine Hetz, die kriegen ihr Geld umsonst l' Und recht verständlich ist die Hinneigung zu spFhem Urteil, wenn, es sich um heitere Erzählungen au» dem Bereichs jener handelt,, deren berufliche Lebensaufgabe darin besteht,-mitzuhelfen an der Bdseitigussg sozialen Elend», wirtschaftlicher Not, aller luten politischen Unrechts. ,*-."^.7' Wenn mcsts es temchch wagt, soztttägen aus einer Werkstatt,,in der«» um die ernstesten DÜjge geht und in. der schwere» Holz gezimmert wird, einmal auch'ganz leichte Hobelspäne ausfliegen zu lassen..^ ist der ErkitiNtni», daß Ernst und Frohsinn«inatA«:,-sticht immer unbedingt widersprechen müssen,' und in der Hoffnung, jedermann werde e» verstehen,, daß verantwortungsbewußte Mästner nicht eben auch-traurige Geseift»-sein müssens diefrvheS Schaffen nicht kennen, oder -strengefBflllbattd^u^sten,'habest, unter bendst man jede» Lächeln verbergen' kann und soll.."'- ' Schade, daß^-wir unseren Lesern keine Vorstellung davon geben können, ein wie komischer KauMustd'dennöch klüger Kopf und leidenschaftlich überzeugter Sozialist) jener vollMondgestch- tige' Kollege war, anden/tch-nicht zurückdenken kandwchste'mIckMftichzettWWMwMchlWfechM ' erimftm,- die er während derKWsWÜMM trug!.,, Ich weiß bis He'üft-Mcht,---ob MtstÄK» schuhungSmethod« de» Genossen snennen wüMtt Großwald) mehr Ausdruck seiner Bequemlichkeit oder aber seiner'Sparsamkeitwar. Jedenfalls zog, er immer«rst geruhsam, di« Straßenschuhe, bön stiststs MWc?!'«he'H?-UPF«dM die-Händ nahm; und-ebenso sicher weist e»-auf sein«,praktisch-ökonomisch« Veranlagung hin/. daß ihn..nie-, malS, wenn ihn Während des Schreibens Hunger überkam, feinemMagen Verlegenheiten zu bereiten gezwungen war; denn er hatte ist.der eisten Ecke seine» Zimmers, in der weder Zeitungen noch Bücher lnoch Straßen- oder Hausschuhe) lagen,' immer ein paar Kasserolen, Heferln und Papier« sackerln- bereit, au» denen er nach Bedarf Tee oder Kaffee, Rudeln oder Nockerln hervorzuzaubern vermochte. Allerdings regelmäßig nur bis sieben Uhr abend». Wenn nicht' gerade die Sonne vom Himmel fiel oder sonst,«in ganz großes Ereignis plötzlich eintvat, das zu behandeln dem Genossen und Kollegen Großwald ressortmäßig zufiel,'macht« er vor sieben Uhr Ordnung in-seiner Redaktionsküche, zog seine Stiefeln an und verschwand. Nunist er seit vielen Jahren ganz-au» unserer Redaktion geschwunden und da» gibt mir den Mut zu,der Unanständigkeit, nicht nur da» eben'Gesagte' stehen zu lassen,,sondern auch folgender Episode zu gedenken. ,. Eine» Abends stürzte der Telephonsteno« graph ganz aufgeregt aus seiner Zelle» ml» der man'schon vorcher AWrufe de» Schrecken». und, der'Erregung gehört.batte. Im Nu waren, all« Kollegen um ihn versammelt. Sin entsetzliches politischesAtteMt hstbe sich>iist» der HstüpMdt, eines benachbarten Landes, ereignet, so berichtete der Stenograph, der die Meldung eben aufgenom« men hatte. Eine Wejft diskutierten wir das Ereignis. Dann erllärt«- der Mefte-afteur- dich - darüber-selbstverständlich/ gekeitarttkelt-werden müsse und daß Großwald den Aufsatz zu schreiben Habe. Eben,schlugdieUhr^vom.yqhen Kirchturm siäbenUhr; Großwald warbereit». in Schphest.-Ei: fluchte wie«in Rohrspatz, beteuerte, daß«r gqrnichtder.techft Mannsei.djesen Artikel zu schreiben, ltzß er übsigen», verabredet !tiichW. E» blt«b,bei.der Bestimmung. Großwald. WWMKWiWWsMW WMe Schuhe Pir Füße W ließ UWKW Wer Mb Papier fliegen. Dann wurde der AMelvor versammelter Redaktion vorgelesen. Getreulich hatte Großwald ,niedergeschrieben, däß der verhaftete Attentäter iWiFraUzose-' namen» Giandboi» seif'zu deutsch heißt-da»! ungefähr Großwald.- Und unser Groß-; ivald merkte.auch,-,nochnicht»,- al» wir un» ha» Lachen verbissen, da der Leitartiller ernsthaft vorlas, auf die Spur dieses Attentäter» sei man durch, di« Mitteilung einer Frau Plaschke gekommen., Erst al» der Jüngste unter, den Redakteuren bei einer nicht minder komischen Stellt laut herausplatzft, bekam der vertrauensselige und Übrigen» herzensgute Großwald Wind. Wir aber kamen gar nicht mehr dazu', ihm im"«in- zelnen zu erzählen, wer die Falschmeldung,' 4>iw sen Grubenhund im eigenen Hause,-auf dem Gewissen hatte, wie alles, der Telephonanruf au»' einer Zelle von der Straße, kurzum die ganz« Hetz abgekartet gewesen sei. Groftvald hatte in-' zwischen längst abermals die Schuhe gewechselt und war unter Lachen'und Aerger davongerannt. Ein andermal kam Großwald in redaktionf^ 'stiller FrÜhnachmittagSstunde in das Zimmer eine» Kollegen, bei dem gerade die ganze Corpüst versammelt war, und berichtest des Langen und Breiten, daß eben ein durchreisender arbeitsloser Journalist und Feuilletonschriftstellei: bei Ihm.gewesen sei und daß er ihm- ffür eine, zu letsstW größere Arbeit einen für unsere Verhältnisse gn» sehnlichen Geldbetrag.durch, die' Verwaltung habe anweisen lassen. Wir schälten gutmütig Grdßh waldS Vertrauensseligkeit, die'-' vielleicht- eistom Schwindler aufgesessen sei,TlMSneuIgk,eiteynianN'!flost-Mii den: grausamen Unsinn- von Tür zst^-MÜMM Nu -waren'älleiZöllegen, beffammen.'Alle-^cwend.ie Schuld»dem, TageSneuigkeitenredayeur.-- Der tobte. Ließ aus her Druckerei das' Manuflript holen. Undda.stand'wiMch.ganz-Mtm-UnL chn'-UnterttftlMi--^ Tausende Obdachlose— Leichen schwimmen auf .-iw'-. Wer also, so schrie er, hat«S auf dem Gewissen, daß aus dem großen ein kleines„o" gemacht uyd daß der Gedankenstrich weggelassen würde?! Die AüseiNaNdersetzümHnttb den Kollegen war- sticht» weniger al», liebenswürdig.— bi» ein Werraschter Genoss« auS der Verwaltung' .hinzukastC-'und ein Exemplar de».Sozialtzestü»«' krat" vorwies, dal den Untertitel richtig enthielt. Der TageSneuigkeitenredükteür.riß den Muüd auf. Wa» war da geschehen? Nun, der Nachtredakteur hatte eigens für den TaqeSneusgkeltest- lollegen ehr-einziges Exemplar mtt dem Eiitfetzen Irreginden itnsinstigen- Tiftl hersMin^lafföstl ,Nachdem da» flar,gestellt war, trat wiedetshei«' terer Frieden in der Rebaktjoniein--/ Er, dauert bir^tzeütö,-mi.'''''' „Soziuldemokrat" Nr. 203 Sonnlag, 30. August 1036 Sette 21 Im ostböhmischen Grenzwald Von Alfred——— Dort, tue das Allvater« und Adlergeblrge aneinanderstohe», wo die mährisch-schlesische, di« böhmische und die reichsdeutsche Grenze am Schneeberg zusammenlaufen, liegt, in 550 Meter Höh«, das Städtchen Grulich. Das Gebiet, fürda» diese Keine Textilindustriestadt der Zen- Holzschnitzer-Häuschen trälpünkt des wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Lebens ist, ist im allgemeinen sehr fruchtbar. Landwirtschaft wird in den Dörfern betrieben und wie in allen Gebirgen, Ist auch hier die Heimarbeit stark verbreitet. Wir finden in der"näheren und weiteren Umgebung der Stadt Grulich. die verschiedensten Zwergindustrien, in denen bei schlechter Entlohnung und langer Arbeitszeit die Menschen einen äußerst harten Kampf ums Dasein führen. Da treffen wir auf die Holzschnitzkünstler in E r k i tz, kommen zu den Bürstenmachern in M ä h r i s ch-K arlLdorf, zu- Zwirnknopfarbeitern, Pappschachtelarbeitern und manchen anderen. Biele Menschen, die hier schön seit Jahren arbeitslos sind, haben sich währen- des Sommers einem anderen Beruf zugewendet, dem Beeren» und Pilzsuchen. Mr wenige Kronen bringen sie die Früchte an den Mann. Andere arbeiten während des Sommers auf dem Lande und nur im Winter führen sie das Schnitzmesser. Jene sind dann aber häufig leicht geneigt, die Löhne zu drücken. Die Holzschnitzer haben vor Jahren eine Genossenschaft gegründet, deren Aufgabe es ist, den Absatz der Produkte zu regeln, bie- Lebensrechte der Holzschnitzer zu wahren, für gerechte Entlohnung und Abwehr der Schmutzlon» kurrcnz zu sorgen. Daß sie ihre Aufgaben zu «tfüllen trächtet, zeigt sich daran, daß«S immer» hin gelungen ist, den JähreSümfatz auf 100.000 Kronen zu bringen. Auf den einzelnen entfällt davon freilich nicht allzuviel, doch dem eifrigen Strebender Genossenschaft wird es schließlich doch gelingest, die Holzschnitzer in der gegenwärtigen Krisenzeit doch soloeit als möglich zu unterstützen. Auch ein« Fachschule für Holzschnitzkunst ist in Grulich, in der di« Schnitzereien handwerklich und künstlerisch unterrichtet wird. Mit dem Besuch der Fachschule allein ist allerdings das Gewerbe noch lange nicht erlernt. Denn zum Unterschied zu mancher anderer Heimarbeit, die man in vier» zehn Tagen beherrschen kann, erfordert das Holzschnitzen viel Fleiß und Fingerfertigkeit, jedoch auch schöpferischen Kunstsinn. Da» lehrt«in Besuch bei den Holzschnitzern in Erlitz. Kilometerweit zieht sich das Dorf zu beiden Setten der Landstraße. Kleine, niedliche Häuschen, mit weit vorgebauten Dachgiebeln, in heller Farbe gemalt und dunkel abgesebt, stehen in diesem Wald» und Wiesengrund, Bom nahen Deutschland her, aus dem Würfelgrund, bürgerte sich in der Zwesten Hälfte des vorigen Jahrhun» Bin Bürstenholz-Schnitzer derts die Holzschnitzkunst hier«in und nährt heute noch etwa-800 Seelen, Än den Niedrigen Stu» ben sitzen die Schnitzer an ihren Bänken auf den Schemeln. Ueber ihre Arbeit gebeugt, kerben sie mir hem Schnitzmesser in rohe Hölzklötzchen Per» tiefungen, bis sich unter ihren geschickten Händen gar wundersame Tier» und" Bogelgruppen. formen. Schivalben. und Schwalbennester, Zier- gegenstände, Spielzeug, Mickimäuse auf Rollern, Schreibzeuggarnituren, Hirsche, kurz alles, fertigest di? Schnitzer kunstgerecht an. Mancher einer hat" eine Bändsäge in seiner Keinen Werkstatt stehen, die er mit dem Fuß In Bewegung steht und auf der er die Klötze und Klötzchen Rohholz zurecht schneidet. Biele jedoch müssen auch diese Arbeit mit der Handsäge verrichten, da di^Kreuzer zum Kauf einer Bandsäge bisher noch nie ausreichten. Die Luft in den Keinen, niedrigen Arbcitsräumen ist mit Holzstaub geschwängert und ich verstehe sogleich, warum der alte Schnitzer, bei dem ich Einkehr gehalten habe, so gern an die Luft, in das Strahlenlicht des Sonnenballs geht. Er klagt über schlechte Geschäfte und allzugeringen Verdienst. lind ich kann es ihm glauben, daß es ein armseliges Leben ist, das er mit seiner Familie fristet/ Denn vom Achtstundentag ist keine Rede, denn wenn Aufträge vorliegen, müssen täglich noch immer 10 Stunden gearbeitet werden und wenn dann die Woche herum ist, find kaum 70 KL verdient. Ich verlasse den alten Holzschnitzer In Erlitz, der mir die Hand schüttelt und zum Abschied ein herzliches„Freundschaft" zuruft. Meine Wanderung siihrt mich weiter. Ber» gan geht es, durch den Hochwald und in etwa einer Stunde stoße ich auf der Höhe auf die ersten Häuser von Mährisch-Karlsdorf. Bis an den bemalten Höhenrücken schiebt sich dieses Dorf heran, das gegen 700 Einwohner zählt. Eine lange, kaum endenwollende Sied» lungSkette ist dieses Dorf, in dem die B ü r st e n- m a ch« r e i zu Haufe ist.' Unten im schönen Friesetal plätschert der Bach dahin, und die gut Han» K u d l i ch, der österreichische Bauernbefreier, war ein Emigrant. Wolle dreiundzwanzig Jahre vergingen, bevor er seinen Fuß zum ersten Mlale wieder auf heimatlichen Boden setzen konnte. Seine Ansichten, um derentwillen er zu einem Führer der Achtundvierziger-Revolution geworden und aus seinem Vaterland« gehetzt worden war, hatten sich in der freien Luft Amerikas nicht geändert. Al» er am 12. Mai 1872 wieder nach Troppau.kam, hielt er hier vor Deutschen und Tschechen ein« Red«, deren Grundgedanken sich heut« vor allem jene zu Herzen nehmen sollten, die dem Rassegedanken huldigen, vom Hass« gegen deutsche Emigranten leben und sich einem„Führer" verschrieben und trotzdem Hans Kudlich als einen der ihren feiern. Hans Kudlich, der in Troppau auch vom Arbeiterverein begrüßt wurde— bet Arbeiterverein war dem Äauernbefreier biweit vor die Tore der Stadt entgegengekommen —, feierte vor allem dieFr« iheit— einen Begriff, der der Mehrheit der heutigen Deutschen fremd zu sein scheint, und wandt« sich dann dem Verhältnis zwischen Deutschen und Slawen zu. Im nachfolgenden bringen wir Teile aus seiner Troppauer Rede nach der. Wiedergabe in der„Deutschen Zeitung", Wien, vom 14. Mai 1872, In Amerika hat es mir anfangs gar nicht gefallen. Auch Amerika hatte seine Sklaven, und ich habe mich darin nicht heimisch gefühlt, bis auch dort sich derselbe Kampf entspann zwischen den Anhängern der Sklaverei und den Anhängern der Freiheit, und erst als ich diesen Kampf gekämpft hatte, zwar nicht mit dem Schwerte, sondern mit" der Feder und der Zunge, erst dann, als di« Sklaverei vernichtet war, fing ich an, mich dort heimisch zu fühlen und ich kann Ihnen, mitteilen, daß die nördlichen Staaten und die Städte Amerikas den Segen der Aufhebung der Sklaverei in ihren Geldbeuteln fühlen. Denn-der befreite Sklave kauft zehnmal mehr als der Plan- tagenbesther bei den Städtern gekauft hat. ..... Sie, mein« Herren, sind, im Besitze freiheitlicher Zustände, die Ihnen.wenigstens einen Kampfplatz geben, auf"dem Sie eine schönere"Zukunft sich erkämpfen können I Weine verehrten HerrenI Mozu ist die G e- schichte da? Ist sie bloß, da, daß ymn darüber schlecht« Witze macht, oder.ist sie da, daß man«ine L ehre daraus zieht? Und was kann die Lehre sein, die man daraus zieh!?■ Ich gestehe zu. Ich bin ein Deutscher, ich bin stolz darauf, eS zu sein, ich danke" Gott, daß"ich es hin!.... DaS ist aber n i ch t' m e i n Verdi enst; ich müßte" ebenso"zufrieden sein, wenn ich als S l a w egeboren wäre! In diesem Lande Schlesien sind die Geschlechter so gekreuzt,. daß kein Mensch weiß, was" für. Blut in seinen Äderst ursprünglich rollte, ob deutsches oder slawisches, gepflegte Landstraße führt abwärts nach Roth- tpasser, Gegenüber der Kirche steht das Haus, in dem sich die Verteilungsstelle des Konsumver- tinS Grulich befindet. Das ist mein Ziel, denn der, Lagerhalter Weiß ist zugleich auch Ber- Holzschnitzer hei der Arbeit trauenSmann unserer Lokalorganisation. Ueber dem Tisch in seiner Stube hängt groß das Bildnis von Karl Marx. Weiß siihrt mich nun in die Behausungen der Bürstenmacher und erklärt mir, waS dieses schöne Friesetal im Grunde ge< kein Mensch weiß, ob sein Urahn ein Deutscher oder ein Slawe war'— waS übrigens jedem ganz gleichgültig sein kann— ebensowenig wie unsere Frauen wifsen, daß einmal unsere Vorfahren Protestanten gewesen sind, und als Sie dies am Ende alle wissen. Daraus folgt, daß >vir gegenseitig in nationaler, politischer ustd religiöser Beziehung t o l e r a n t sein müssen gegeneinander. Die siamesischen Zwillinge, die Sie vielleicht gegen«in Keines Eintrittsgeld zu sehen Gelegenheit hatten, sind kn einer sehr unangenehmen Situation, sie sind an einer Seite zusammengewachsen, aber d> Heiden Herren vertragen sich sehr gut, sie sehen, sie können sich nicht losschneiden lassen und kommen gut miteinander aus, vielbesseralSdieTfchechenund dieDeutschen in Böhmen!.... Solang« Ahr, Deutsche und Slawen, nicht miteinander geht, solange wird an einen Frieden in Oesterreich nicht zu denken sein...» nommen doch fiir ein ElendSgcbiet ist. Denn die BUrstenmachcrei, im vorigen Jahrhundert hier eingeführt, nährt die Menschen heute kaum mehr, da die Maschinenarbeit die Handarbeit verdrängt hat. Und wenn nicht die Konsum- und Produk« tivgenosscnschaft Grulich ihren Bedarf an Bür» sten bei den Heimarbeitern von Mährisch-KarlS- dorf decken Iviirde, müßten die schaffenSgcwöhnten Hände der Bürstenmacher noch mehr feiern. Dieses kleine Mährisch-Karlsdorf, in seiner abgeschiedenen Waldeinsamkeit zwischen Alwater- und Adlergebirge, hat aber dennoch seinen Anschluß an die große tveite Welt gefunden. Denn ans Rußland, China, Siam, Kalkutta, Mexiko koinmt die zur Verarbeitung koinmende Rohware, die Reißlvurzel und die Borsten in das stille Dorf. Die Heimindustrie, sonst ivenig beachtet, wird so zum Mittler zlvischcn Waldeinsamkeit und Welthandelsplätzen. In früheren Zeiten hatten die Bürsteninacher auch ihre Berufskrankheit. Unge» nügende Desinfizierung der ausländischen Borsten verursachte eine Krankheit, die die Brandblase genannt wurde. Ein schwarzer Punkt, so groß wie ein Knopf, entstand an Händen oder im Gesicht. Und wenn dieser Punkt sich in der Nähe einer Blutader bildete, dann legte sich binnen drei Tagen der stärkste Miami zum Sterben bin. Ein 70jähriger Bürstenmacher, bei dem wir Einkehr halten, erzählt resigniert, daß er früher zehn bis Wölf Leute beschäftigt habe und heute kaum selbst für sich zu tun hat. Ein anderer Alter, bei dem ich eine photographische Aufnahme machen will, empfängt mich verärgert:„Ich hoa koa Arbeit, hoa koa Bürst." Aus seinen alten, aber noch jugendfrisch glänzenden Augen spricht der Groll über das erzwungene Nichtstun. Bei einem anderen, der Hölzer für die Bürsten schnitzt, werd« ich Zeuge, wie unser Vertrauensmann helfender und aufklärender Apostel sein muß. Die von der Not gepeitschten Leut« lauschen den Aufllävungen unseres Vertrauensmannes. Und den Leuten geht die Wahrheit seiner Worte ein.«Ja, die Sozialdemokraten sind nicht schuld, das sehen wir!" Voller Stolz erzählt Weiß, wie trotzig sich unsere Leute der Lügenhaftigkeit der Henleins entgegenwerfen. Wie wacker sich unsere Genossen im letzten Wahlkampf geschlagen Haben. Wie unermüdlich sie Flugblätter getragen, Plakate geklebt haben und auch jetzt zu jeder Stunde gern bereit sind, der Partei Opfer zu bringen. Trotz der heftigsten Angriffe der Henleins hat unsere Partei in diesem kleinen Orte am 10. Mai nur 8 Stimmen eingebüßt. Und das will in so einem Elendsviertel wahrhaftig sehr viel heißen. Er leben in Schlesien seit Menschengedenken deutsche Gemeinden härt neben slawischen.'"Solange ich mich erinnere, ist weder Slawisierung noch Germanisierung gegenseitig versucht worden. Wo ist also, wenn sie Hand in Hand gehen, Gefahr vorhanden? Ihre Freiheit zu beschützen, ihre Schulen zu verbessern, die Selbstverwaltung ihrer Gemeinden auszuüben und dieses Land in geistiger und materieller Hinsicht zu heben, ist ihr gemeinschaftliches Interesse; ich sehe aber die größte Gefahr, wenn dieser Zwiespalt unter euch fortdauert.... Ich gestehe, daß die politische AufKärung, daß der wahre Patriotismus, der darin besteht, daß man sich um die Angelegenheiten der Stadt, des Dorfes, des Landes s e l b st bekümmert, sie nicht einem, zwei, drei oder vier Führern überläßt, daß diese politische Entwicklung, seit ich fort gewesen bin, ungeheuer zugenommen hat, und ich hoffe, daß Sie in dieser Arbeit fortfahren werden, daß jeder Mann sich um die öffentlichen Angelegenheiten bekümmern wird, eingedenk des amerikanischen Sprichivortcs: „Ewige Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit l* 3Van« XuMimu Sebuttanaua m XOBeiutein(Schlesien) ' Nach einer RadleruM von Helmut Krommer. einem.Großneffen des Bauornbofrelers. Die siamesischen Zwillinge Von Han» Kudlich Sette 22 Sonütag, 80. August 1986 .Sozialdemokrat"'- Nr. 202 Schnipsel aus dem Gerichtssaal trb.) Der Gerichtssaalreferent, der seine täglich« Aufgabe im engen Rahmen seiner Rubrik erfüllt, muh dabei seinen Lesern manche» schuldig bleiben, was er nur bruchstückweise an anderer Stelle und zu anderer Gelegenheit nachtragen kann. Au» der Unzahl der ernsten, komischen und grotesken Episoden, die der Gericht»- saalmann im Laufe der Jahre zu bemerken Gelegenheit hat, greife» wir heute aufs Geratewohl einige heraus, um den Lesern das Geschehen im Gerichtssaal einmal auch von einer anderen, sozusagen inoffiziellen Seite vorzuführen. Senattpräildent alt Gerlchttkanier Einer der ausgezeichnetsten Richter de» Prager Strafkreisgerichte» war OGR Dr. Jaroslav K v a p l l, der vor einigen Jahren in den Ruhestand trat. Wer ihn zuerst sah, wie er mit grimmig verzogenem Gesicht, zornige Blitze durch seine scharfen Brillengläser schießend, dem Angeklagten zudonnerte: „Mensch, eine furchtbar« Strafe wartet Jhrerl"— der mußte ihn für die verkörperte Unerbittlichkeit halten. Und doch hat kaum ein Richter mildere Urteile gefällt— wo es am Platze war:— und doch hat kein Richter, wenn er in dem Angeklagten ein Opfer verhängnisvoller Umstände erkannte, einen sonnest laum möglichen Freispruch so zu begründen gewußt, wie Dr. Kvapil, der ein ebenso vorzüglicher Gesetzkenner wie Mensch war! Eine kleine, aber bezeichnende Episode ist mir in Erinnerung geblieben. Eine Verhandlung hatte sich bi» spät in den Nachmittag ausgedehnt, so spät, daß die zwölf vorgeladenen Zeugen die GerichtSkaffa bereit» geschlossen fanden. Es waren durchwegs arme, blutarme Teufel, Holzfäller, landwirtschaftliche Arbetter und kleine Häusler, von denen kaum einer mehr al» einige Kronen in der Tasche hatte. Sie waren aus einem Dorf an der Sazawa nach Prag gekommen. Da» Fahrgeld hatten sie aufgetrieben, aber für die Rückfahrt reichte e» nicht mehr. Sie hatten mit Recht ertvartet, daß man ihnen ihre Zeugengebühren auszahlen werde und nun war durch irgendein Versehen die GerichtSkasta geschlossen. Ratlos kamen sie zurück in den GerichtSsaal, wo sich OGR Kvapil eben seine» Talare» entledigt hatte und sich anschickte, die Wanderung nach seinem Stamm- kasseehau» anzutreten. An«inen Heinnvcg zu Fuß war für die Zeugen nicht zu denken, denn die Ent- sernung betrug an die siebzig Kilometer. Dr. kwapil hörte ihre Klagen an und machte ein grimmige» Gesicht. Dann aber holt« er seine Briestasch« heraus und überzählte deren Inhalt. Es reichte gerade und so zählte er den Zeugen a»S eigener Tasche ihre Gebühren hin. Ihren Dank sschnitt«r lurz ab.„Heutv'werde-ich-im» Kaffeehaus schuldig bleiben müssen"', murrte.er,„aber seid froh, daß ich gestern mein GPhalt bekommen,:habt..Wmm heute ein höhere» Datum wäre, hätte ich auch nicht helfen können." Ein rührender Gerichtssaalbericht und seine Folgen Die 80jährige Klementine K. war wegen falscher Zeugenaussage in ihrem EhescheidungSprozeß zu zwei Monaten bedingt verurteilt worden. Sie wollte von ihrem liederlichen Mann loskommen, den sie nur deshalb geheiratet hatte, um ihrem unehelichen Kinde einen legitimen Vater zu verschaffen. Der Mann war ein Taugenichts, der von dem Geld« seiner Frau ein Lotterleben führte, bi» sie schließlich die Scheidungsklage einbrachte. Im Verlauf diese» Prozesse» machte sie dann in einem heissen Punkt unter Zeugeneid ein« falsche Aussage, die da» strafgerichtliche Nachspiel zur Folge hatte. Klementine K. hatte ein Vermögen von 800.000 Ki. Da» ausführlichste und farbigste Referat schrieb Redakteur X., Gerichtssaalreferent eine» in Klein» bürgerkreisen weit verbreiteten Blatte». Da» Referat erschien am Sonntag und Zehntausend« von Lesern lasen mit Rührung von dem traurigen Geschick der .Klementine K. Der Auwr diese» Referate», ein erfolgreicher und srüchtbarer Romanschriftsteller, suchte und fand in den.trockenen Akten psychologische Zusammenhänge, tragische Situationen und, Komplikationen in Hülle und Füllt. Er schilderte di« einsame Jugend de» mutterlosen Mädchen» im Hause eine» lieblosen Vater» und einer noch liebloseren Stiefmutter, ihre Sehnsucht, nach Glück, die ste zu einem flüchtigen Abenteuer verleitete, infolgedessen sie Mutter und au» dem Vaterhause verstoßen wurde, während der gewissenlos« Kindesvater, den sie nicht näher kannte, verschwunden blieb. Weiter wurde geschildert, wie nach mehreren Jahren Elend» die Erbsch aft, von 800.000 Ki nach ihrem Vater sie der Existenzsorgen enthob und wie ste nun einen Baier für ihr Töchterchen sucht«, um abermal»«ine furchtbare Enttäuschung zu erleben. Wie sie nun nach einem— wenn auch milden— Urteil einsam dastehe, ohne Freunde und mit schwer erschüttertem Vertrauen zu Welt und Menschen... Man sagt, daß e» keine edlen und guten Menschen mehr gebe! Solchen Skeptikern müßte der Stoß von Briefen gezeigt werden, den Kollege-k. in den folgenden Tagen auf seinem Redaktionsschreibttsch vorfand. Man sollte gar nicht sür möglich halten, wie viele wackere Männer sich erboten, der armen, vereinsamten Klementtne die Hand zu einem neuen Leben»- glück zu reichen. Jeder von ihnen, der eigenen Aussage nach, ein Musterstllck aller evdenssichen männlichen Tilgenden. And jeder bat den„hochverehrten Herrn Redakteur", er möge doch gütigst die Bekanntschaft mit dem schwergeprüften Mädchen vermitteln. In keinem dieser edlen Angebote fehlte freilich die mehr oder weniger deutliche Frage, o b j en e 300.000 Ki nicht vielleicht«in Druck, fehler seien, Hand In Hand mit diesen schriftlichen Angeboten gingen Persönliche Borsprachen bei dem geplagten Autor jene» Referate», die ganz dem gleichen Zweck dienten. Zwei unter diesen Heiratskandidaten, ersichtlich Herumtreiber erster Sorte, stellten fich sogar als jener seinerzeitige Verführer und spurlos verschwundene Kindervater vor und bekundeten ihre Sehnsucht nach„Weib und Kind"— immer vorausgesetzt, daß e» mit den 889.808 KL seine Richtigkeit habe... . Während noch der Redakteur mit der Abwim« melung der ungebetenen Wohltäter befaßt war, gingen verschiedene Gesinnungsgenossen dieser unternehmenden Leute einen anderen Weg,'indem sie fich dirttt an.denAorsitzenden de» Senate» wandten, TO Ittien Fäst beihandKt"hätte" Mtt bescheidenen Ersuchen, die Vermittlung der Bckannt- 'schäft* K?btsöt Da half nicht»— die Verhandlung mußte vertagt werden... Herr Halama war aber gar nicht der ahnungslose Mann am Lande, den er geschickt genug gemimt hatte. Er wußte sehr wohl, daß die Vorladung nicht ihm gehörte. Wer er nahm sie gerne an und hütete sich, den Irrtum aufzuklären. Als wir mit ihm die Treppe heriintergingen, war seine Duliök-Sttmmung wieder da und er machte au» seinem Herzen kein« Mördergrube.„Meine Alt«, ihr Herren, meine Alte, da» ist ein Luderchen; ein Luderchen, mit Verlaub. Wie ost hab ich schon nach Prag fahren, wollen, aber schmalen Geleisen standen, und anders, wenn au» ihm da» bunte. Gemisch vieler Geräusche: Kreischen der Maschinen, Klirren det Haken, Gespräch und Geschimpfe der Männer«mporstieg. Die im Lärm und Brau» der Arbeit stehen,, die murrend oder lachend hinuntersteigen zu neuer Schicht oder müde, und aufseufzend heraufkom- men zu ersehnter Rast,- zu ein wenig Kurzweil und. ein bißchen Liebe— sie werden von. diesem Zauber nicht erfaßt, O ja, auch sie freuen sich eine» Sonnentage» l Auch, sie heben manchmal, froher gestimmt, die Äugest, wenn Lerchentriller zu ihren Ohren drang. Aber es wirkte lächerlich, spräche man zu ihnen einmal von der eigenartigen Schönheit der Industrielandschaft,, zu ihnen, die In dieser Landschaft arbeiten, müsse», schwere, schmutzige, gefährliche— und schlecht entlohnte Arbeit leisten.. Ich habe mich oft über die Bergarbeiter gewundert, kaum sie richtig verstehen können, obwohl ich doch selber ein Bcrgarbeiterkind bin. Sie können so lange, so unendlich lange so vieles erwägen! Ist Zeiten bitterster Notleine Explosion — Trotz, Wut, Empörung;,,.Streik. Und dann wieder«in Zurückstnkey in» Gewohnte, die Welle revolutionärer Empörung verflutet"in den Alltag Mit feinest kleinen" Erlebnissen und großen Sorgen. Ist zü-istesttgen. geht die jäh aufgeflackerte Begeisterung in häuernd« Glut über. Ja, aber ist«» denn bet anderen Astbeiterst,' "anderen Berufsgruppen so viel ander»? Lange betrachtete ich daß Bild. DI« goldene Funken stiegen mir Gedanken, in» Bewußtsein, die mjr erstanden in seyer Zeiti da ich so oft diese Landschaft sah. Ist" ihrer Dürftigkeit niemal» hat sie mich fahren lassen. Nicht au» de« Augen läßt sie mich, kein Gla» Bier gönnt si«i mir. Aber gegen die Vorladung vom Gericht kanst sie nicht» machen. Hahaha— und so bin ich ihr au»ge« kommen. So eine Vorladung, meine Herren, da» ist so wie ein Uclanbschein beim Militär." Die Majestätsbeleldlsungen des Tippelbruders „Das wäre also Ihre fünfundsiebzigst« Strafe" meint« der Vorsitzende nach verkündetem Urteil, zu dem allen verhutzelten Männlein auf der Anklagebank.„Und Ihre 68 Jahre haben Sie auch schon auf dem Buckel. Wer weiß, wie weit Sie e» noch bringen." «Vergelt» Bott, Herr Rat", grinste der Per« urteilte und ließ sich abführen. Weswegen und zu welcher Strafe damal» der alt« Franz Meminek verurteilt wurde, ist mir entfallen. Aber seine sonderbare Lebensgeschichte habe ich mir gemerkt, wie"sie mir der Staatsanwalt erzählte, der diesen Kauz al» junger Bezirk»richter in irgendeiner südböhmische» Stadt lange vor dem Kriege kennen lernte und in der Folgezeit noch vielemale mit ihm zu tun haste. Franz Kkeminek war von Jugend an ein unverbesserlicher Landstreicher. Er war auf keine Weise, weder durch Zureden, noch durch Strafen zu einem seßhaften Leben und regelmäßiger Arbeit zu bringen. Im Übrigen tat er niemandem etwa» zuleide, stahl nicht und bettelte bei den Einheimischen auch bloß um etwa» Essen. Höchsten» Fremde ging er um Geld an.. Er vaziert« nämlich nur in einem verhältnismäßig kleinen Gebiet, wo"ihn die Leute kannten und sogar gern hatten. Aber zum Arbeiten brachte ihn keiner. Den ganzen Frühling und Sommer trieb sich Kkeminek ledig und ungebunden herum. Übernachtete im Freien, in verlassenen" Wächterhütten oder im Heu. Sobald aber der Herbst mit Kälte und Regen kam, suchte er sich ein Winterquartier Im BerichtSgefängni». Um dahin zu ge«. langen,, mußte er sich zunächst etwa» Hinreichende» zuschulden kommen lassen,> um für einige Monate versorgt zu sein. Nun— der Zauberschlüssel, der ihm die Pforten des ersehnten Astzl» öffnete," war damals, in der Vorkriegszeit, der Majestätrbeleidi« gungsparagraph. Zur Begehung diese» Delikte» hatte er seine besondere Methode, die er Jahr für Jahr mit geradezu ritueller Strenge einhielt.. So gern und geschickt er sonst den Gendarmen au» dem Weg ging— zur Herbstzelt suchte er selbst zur Gendarmeriestation und wenn der Wachtmeister ihn so daherkommen sah, legte er gleich die Proto- kollformulare zurecht und griff nach Helm und Säbelkoppel, denn er wußte,\ wa» nun kommen würde. Kkeminek trat nach höflichem Anklopfen" ein, nahm den durchlöcherten Filz vom Schädel und stand in„Habt-Acht!"-Stell»ng vor dem Herrn Wachtmeister. Auf dessen barsche» ,-Wa» wollen Sie?"- er- fclgte. die. stramm-.militärische Antwort:. f"ichKekkr'W'a'ch tmwsfter> meldrsngehor- fsazmftj'de.ruH« vr Kassier kastn-mj-ch'.- ä-ä!" Das Weitere fand sich von selist^Mr. da» Winterquartier, war gesorgt...., Nebst diesen termingemäßen Strafen liefen noch verschiedene außertourliche‘ kleine Verurteilungen wegen Vagabundage, Trunkenheit u. dgl. auf, aber nie ein Eigentumsdelikt, woraüf Kkeminek sich viel einbildete.' Nach dein Umstürz sah sich indessen Kkeminek diese» nützlichen Paragraphen» beraubt und mußte sich nach Ersatz umsehen. E» heißt übrigen», daß er, der sich um da», wa» in der Welt vorging, grundsätzlich nicht kümmerte, im Herbst 1818 vom Zusammenbruch Oesterreich» dadurch erfuhr, daß der Gendarm auf seine übliche„Meldung" freundlich erwidertes„Mich auch!" Kkeminek versuchte zuerst, die nützliche Beleidigung der Majestät durch, Beleidigungen der republikanischen Gendarmen zu ersetzen, aber da» führte nicht zum"erwünschten Ziel und bekam ihm auch anderweitig schlecht. Nun, begab er sich auf„große Walz" mid ließ sich in seinem früheren Wirkungsgebiet nur selten sehen. Die Jahre vergingen.und die Strafkart« Kkeminek» füllte, sich immer mehr— auch ohne MajestätSbelei- digungen. . Wir haben seither Kkeminek nicht wiedcrgesehen. Vielleicht ist ihm währen- der Inzwischen vergangenen Jahre bereit» ein ewiger RUheort zuteil, geworden.■ hatte ich nach Schönheiten gesucht und sie gefunden und damit den Weg zur Lebensfreude..'.' Plaudernde, lachende Damen und-Herren streifen vorüber. Die-meisten haben.für da» Bild kaum mehr al»«inen flüchtig, darüber hinweggleitenden Blick. Welcher Einfgll, so etwas, Häßliches zu malen! Gleich neben der Buchhandlung lockt.«in Kaffeehaus, Wird die Türe geöffnet. so.quillt Musik heraus, Tanzmusik,.neue Schlager.■ Dort drinnen wird gescherzt und gelacht uyd geflirtet, ^werden ernste Gespräche geführt und Geschäfte abgeschlossen. Ich weiß schon,, daß auch so mancher seine Sorgen mitnimmt in» KaffeehauS. Und doch— in mir steigt jäh der Gedanke aus,.daß all da» Geflüster, und Gejauchze der Freude und alle» fröhliche Lachen sich wandelte in. einen einzigen wilden, flagend-anklagenden Schrei de» Schmerze», de» Entsetzen» und de». Grauens, könnte man mit plötzlichem Griff die Insassen aller Kaffeehäuser, ustd aller Bergnügüngsorte des Lande» Hinwegreißen von" den Klängen" süßer- .Musift von Spiel, und. Tanz, au» den Stunden- -genießerischen" Tändeln», hinweg von deck Tischen' der Lebensfreude,..und sie hineinstoßest, in die. ^dunklen Schlünde der Bergwerke, in die. Gluthitze .der Hochöfen, in die Ziegeleien und in den" Lärm der Fabriken.— oder hineinstellen indie Wyh« "nungen"der Arbeitslosen, in dies« Wohnungen mit erkalteten Herden und leeren Speiseschränkenl Welch ein Schreckensschrei würde die Welt durchs gellen! «ein Schrei erhebt sich— Musik, süße Dlu« sik strömt au» dem benachbarten Kaffeehause und ich stehe noch" immer sinnend vor,dem Bilde."',- >,Sozialdemokrat" Nr. 202 Sonntag, 30. Augnst 1030 Seite 23 Ich reise in die Böhmische Schweiz Sudetendeutsche Fremdenverkehrs-Förderung Groh ist das Jammern der mit der Fremdenverkehrs-Industrie Verbundenen über den schlechten Geschäftsgang. In den Grenzgebieten wird vor allem das Ausbleiben der reichs- deutschen Gäste beklagt und Uber diesem Klagen vergibt man ganz, die Hände zu rühren, um den Ausfall wettzumachen. Man erlebt da die seltsamsten Dinge. In FranzenSbad z. B. hatte ich Gelegenheit, mit einer Wirtin zu reden, die mit düsterer Miene erklärt«, dah„halt nur Tschechen" kämen, während die Gäste aus Deutschland auSblieben. Ich versuchte, ihr begreiflich zu machen, dah die Reichsdeutschen doch ohnehin kein Geld ine Land bringen, da sie aus ihrer Heimat keins mitnehmen dürfen. Aber das nützte nichts: erstens seien andere Motive für das Ausbleiben der reichsdeutfchen Gäste mahgebend, vor allem die»Hetze", die„gegen Deutschland" betrieben werde, und dann seien die Reichsdeutschen eben Reichsdeutsche. Die sind/ das war dieser„Weisheit" Schluß, gewissen Leuten auch dann lieber als die zahlungskräftigen Tschechen, wenn sie kein Geld mitbringen. Die Herren vom Frem- denverkehr, die so bewegt über das Fehlen der Hilfe durch die Aemter klagen, tun in der Regel selber gar nichts, um sich in den neuen Verhältnissen zurechtzufinden:'sie pflegen ihre politischen Gefühle, strapazieren aber die Vernunft nicht im geringsten. Man kann aber, wenn man unsere Fremdenverkehrsverhältnisse beobachtet, noch andere bezeichnende Erfahrungen machen als diese mehrminder politischen. Die BähmischeSchweizist ein landschaftliches Juwel, um das uns die ganze Welt beneiden kann. Von Bodenbach-Tetschen wandert man über HerrnSkretschen oder Ohlisch nach Dittersbach und Rennersdorf in einem wahren Paradies. Biele lieben dieses niärchenschäne Stück Erde so, daß sie es Jahr um Jahr aussuchen, um Körper und Seele gesunden zu lassen. Das sind die alteingesessenen Sommergäste, die sichs nicht verdrießen lassen, all den Widrigkeiten zu trotzen, die den Besuch der Böhmischen Schweiz erschweren. Da tatsächlich weniger Reichsdeutsche kommen als früher— die doch kommen haben kein Geld—, ist es mit dem Besuche der Som- nierfrischen in der Böhmischen Schweiz schlecht bestellt. Denn nicht nur, daß man sich auch hier nicht auf den Besuch aus dem sudetendeutschen Gebiet und aus Mittelböhmen umstellen will, nicht nur, daß jegliche'Fremdenverkehrswerbung, fehlt, wird noch alles getan, lun'die Besucher, die sich dsnnoch in die'Gegend verirren,'gehörig! ab-, zuschrecken. Wer durch HerrnSkretschen geht, mutz gewärtig sein, mindesten- zwanzig Mal von 'Kellnern, und Hotelbesitzern aus der Gaffe zum Verspeisen eines Gansbratens oder zum Mieten eines Zimmers eingeladen zu werden. Beim dritten Male lacht der Fremde über die„schnurrige" Art der Werbung, beim fünften Mal wird er schon verdriehlich, nach dem zehnten Mal faßt er den Entschluß, den Ort so rasch wie möglich zu durcheilen, um der ständigen Belästigung zu entgehen. Hier haben offenbar die Gastwirte noch nicht begriffen, datz die Neigung zum„Einkehren" nicht pon den überfreundlichen Einladungen, sondern von Appetit und Bedürfnis bestimmt wird, Hat man aber das Bedürfnis, etwa ein Abendessen zu verzehren, und folgt man diesem Bedürfnis, — ja, dann kann es geschehen, datz man nach allen Regeln der Kunst gewürzt wird, so datz man sich gelobt, nie wieder in HerrnSkretschen zu speisen. Ein Beispiel: Ich bestelle, da eS kein geschloffenes Abendessen gibt, eine Rindsroulade mit Knödel.- Es bleibt nichts anderes übrig, denn nun sitze ich einmal hier und ich habe nicht mehr viel Zeit bis zur Abfahrt des Autobusses. Die Entscheidung fällt, mir schwer, denn di« Rindsroulade kostet Kt 12.—Sie wird, denke ich mir, dementsprechend zubereitet und groß sein. In dieser Annahme habe ich mich geirrt. Ich bestell« beim Kellner auch„ein Mineralwasser". Er bringt.mir eine winzige Flasche Teplitzer Stadtquelle, also nicht das allevberühmteste und deshalb teuerste Tafelwasser, und berechnet dafür KL 4.-7—.(Eine viel größere Flasche Gietzhübler kostet im Speisewagen KL 3.801) Mit den Bedienungsprozenten lasse ich für das wirklich einfache 'Nachtmahl also KL 18.— hier! Ich liebe HerrnSkretschen sehr,«cher eS wird'mir. wohl nie mehr einfallen, mich dort in ein Gasthaus zu setzen. Ich nehme'an, datz die Gastwirte und Hoteliers durch ihr jetzige» Verhalten das Vielfache dessen verlieren, was sie durch das Festsetzen solcher Presse verdienen. ' Mein Ziel ist Dittersbach, die Perle der Böhmischen Schweiz. Schon in Bodenbach und Wetschen habe ich mich' bei verschiedenen Stellen erkundigt, wa» für Autobusverbindungen eS nach Dittersbach gibt. Es war- ganz' ausgeschlossen, auch, nur ungefähre: geschweige denn verläßliche Angaben, zu bekommen. In den- Fahrplänen ist eine, staatliche Linie zu.finden, die. von Böhmisch- Kamnitz über Dittersbach führt, aber die Wagen Vieser. Linie fahren nur an Sonntägen. Jn HerrnSkretschen endlich erfahre ich! dah von Böh- Misch-Kamnitz auch eine privat« Autobuslinie nach Dittersbach.'führt und datz man auch von HerrnSkretschen aus über DitterSbachnäch Kreibih fahren . känm.Ich mache mich äuf die Suche nach dem Fahrplan. Nach der Durchsicht bin ich enttäuscht: «»'gibt heute keine gut« Verbindung mehr. Vor sichtigerweise aber frage ich«InenKellner des Gasthauses, in dessen Nähe der Autobus seinen Standplatz hat.„Ach", sagte er,„der Fahrplan stimmt nichtI Sie haben heute noch Verbindung!" Auch der Chauffeur bestätigt später, datz der Fahrplan nicht stimmt, die Druckerei habe ihn verpatzt. Der„Einfachheit" halber und aus„Erspa- rungSgründen" hat man halt den verpatzten Fahrplan aufgchängt, in der Hoffnung, datz sich die Fahrgäste schon durchfragen werden. In Dittersbach steige ich in einem Hotel ab. ES fällt mir gleich auf, datz beim Eingang nur die Zugsverbindungen nach sächsischen Orten angegeben sind, nicht aber jene nach sudetendeutschen oder tschechischen. Zwar sind hier tschechoslowakische Gäste gern gesehen, aber man ist geistig und deshalb auch in der Praxis noch völlig und aus» schlietzlich auf die Reichsdeutschen eingestellt. Die Frage, ob man für einen zweitägigen Aufenthalt Pension haben könne, wird verneint: das„st e b c nicht dafür"! Vcn solchem Entgegenkommen gerührt, beschlietzt man, das nächst« Mal anderS- wo abzusteigen. ES sind wenig Sommergäste da, aber eS könnten viel mehr hier sein: eS fehlt an einer entsprechenden Propaganda. Man verläßt sich darauf, datz die B e s u.'ch e r werben. Die Spazierwege sind schlecht markiert. Auf der Wilhelminen» wand sind die Holzstege zu'einem Aussichtspunkt derart vermorscht, datz der Zugang geschlossen werden muhte. Geht man von Dittersbach oder RennerSdorf aus zur Balzhütte, so findet man an jeder Wegkreuzung eine Tafel mit der Aufschrift „Verbotener Weg". Ein Mann aus RennerSdorf erzählt uns, daß die Herrschaft"— es sind die Kinskys!—viele Weg« gesperrt hat, ohne dazu berechtigtzusein, denn die Bevölkerung habe sich ein Servitut er- worben. Diese Wcgsperrungen schädigen natürlich den Fremdenverkehr: man mutz auf dem einen vorgezeichncten Weg bleiben und kann die Schönheiten des Waldes nicht mehr so genießen wie früher. Aber die Bevölkerung, di« durch diese Maßnahme der Herrschaft selbstverständlich schwer geschädigt wird, rafft sich nicht dazu auf, das ungesetzliche Vorgehen bei den Wegsperrungen zu bekämpfen. Es ist wahr: den Vermietern der Sommerwohnungen geht es sehr schlecht, sie sind in der Regel arnie Teufel. Aber man muß ihnen doch damals und kaute Ein Rückblick auf die letzten fünfzehn Jahre des Films stellt Ansprüche an das Erinnerungsvermögen. Denn der Film, der überhaupt erst seit vierzig Jahren existiert, hat sich in stürmischem Tempo entwickelt: was vor fünfzehn Jahren im Film modern war, ist heute nicht nur altmodisch, sondern beinähe verschollen, die groben Erfolge von damals„Das indische Grabmal", „Madame Dubarry",„Quo vadiS" und„Das Kabinett des Dr. Caligari" sind vergessen und buchstäblich verblichen, und selbst wenn man sie heute noch vorsühren könnte, würden sie absonderlich wirken: stumme, lichtarme Bilder, mit übertriöbenen, ruckartigen Bewegungen, die uns die Fortschritte der BeleuchtungS- und Aufnahmetechnik in den letzten anderthalb Jahrzehnten deutlich zum Bewußtsein bringen. Und wer erinnert sich heut« noch der„StarS" von dazumal, die noch gar nicht„Stars" hießen? Bor fünfzehn Jahren kannte jeder die Namen Olaf Föntz und Gunnar TolnaeS, Max Lands und Carlo Aldini, Gloria Swanson und Fern Andra.Mary Pickford, Mia May und Ossi OSwaldä. Längst sind sie verklungen, und die' Gesichter dieser Berühmtheiten, die damals pon allen Kinoplakaten herablickten und immer wieder auf der Leinwand erschienen,.sind heute so vergessen, datz man sie. kaum noch wiedererkennen würde. Sie waren die Lieblinge des Publikums,— das heute andere Götter hat und nicht, danach fragt, was aus den Leuten geworden ist, für die es sich vor fünfzehn Jahren hell begeistert und brennend interessiert hat. Oder gibt eS noch Frauen, die um den frühverstorbenen Rudolf Valentina weinen, der damals als der.schönst« Mann der Welt galt; gibt es noch Männer, denen die Schwestern Lilian und Dorothy Gifh als der Inbegriff aller Anmut und Romantik erscheinen; gibt eS noch Knaben, die sich für den großen Cowboy Tom Mx begeistern? Aus Gloria Swanson ist Greta Garbo gefolgt, aus die Schwestern Gish folgten Lia de Putti und Annabell», nach Valentina kamen Ramon Novarro und Maurice Chevalier, Ton: Mix wurde von Douglas Fairbanks verdrängt, und auch der. ist heute schon ein.älterer Herr, der zwar hin und wieder noch im Film erscheint, aber nicht mehr von Gagen, sondern von'Aktien lebt. Aber nicht allesind verschollen und' vergessen, die vor fünfzehn Jahren atn Film schufen und auf der Leinwand erschienen.' Unvergessen ist/eine Schauspielerin wie Asta Nielsen gibliehen, die damals schon auf der Höhe, ihrer Kunst stand und di« noch vvr.vier Jähren züm letztenmal« im.Film erschien,- und andere wie Emil' JästningS und Conräd Beidt, die'damals berühmt zü» werden begannen, gehören noch heut« zü den-besten und bekanntesten Filmdarstellern der Welt.') Auch Pola Kreditanstalt der Deutschen «g. Den. m. b. H. Hauptanslatt Prag II, Krakauergasse 11 Derwaltungskapltal V30 Millionen Rö-.Haftungskapital 00MillionenK6 DilklMrung oller GeldgeWste Sie K.d. I. ist die iudetendeutfiste Boltsgeldünftalt aller Stände u. Berufe 81 Niederlassungen raten, daß sie einen Teil der Energie, die sie ftir das Beklagen ihrer Lage auswenden müssen und für das Rufen nach den Reichsdeutschen, zur Wahrung ihrer Rechte«insehen mögen. Einzeln werden sie, auch auf dem Gebiete der Propaganda, nichts erreichen, zusmnmengeschlossen aber bilden sie eine respektable wirtschaftliche Macht, die auch für die Hebung des Fremdenverkehrs unendlich viel tun könnte, soviel, daß der Ausfall des reichsdeutschen Besuches um das Vielfache wettgemacht würde! Das Land ist so schön, daß in einer Zeit, da tausende ins Ausland reifen und an andere Punkte wandern, der Hinweis auf die Krise keine Erklärung für die Notlage im nordböhmischen Fremdenverkehr ist. Selbswerständlich haben auch die Behörden, vor allem die Eisenbahn, auf dem Gebiete der Berkehrsförderung und der Werbung für die s u- detendeutschen Sommerfrischen ihre Pflicht zu tun. Aber auch die unmittelbar Betroffenen müssen sich rühren. Und sie müssen vor allem für die Beseitigung jener Mißstände eintreten, die den Zuzug der Fremden henunen anstatt ihn zu fördern. Arthur Krämer. Negri und Henny Porten haben sich auf der Leinwand-gehalten—ja.sogar Harry,Piel,ist. im.deut- . scheu Film„unsterblich" geblieben,unwhat e» nach der Gleichschaltung zum Filmfachschäftsführer von Goebbels Gnaden gebracht. Wer die Geschichte de» Films in den letzten anderthalb Jahrzehnten zu schreiben hätte, mühte vor allem der Regisseure gedenken, die damals daran arbeiteten, dem Film, der noch bis zum Weltkrieg nur«ine Art Schaustellung war, künstlerischen Stil zu geben. Als ersten von ihnen müßte er den Amerikaner I. W. Griffith nennen, der schon 1010 die Großaufnahme eingesührt und mit der Betonung der Mienenspiels und der Gebärde den eigentlichen ffilmstil geschaffen hatte. Alle, die vor fünfzehn Jahren die letzte große Epoche des stummen Films einleiteten, sind Schüler dieses Griffith gewesen, der damals auf der Höhe seiner Erfolge stand. Der Berliner Ernst Lubitsch, der als Filmkomiker begonnen hatte und mit der „Madame Dubarry" seine erste'große Regie-Lei- stung liefert«, schritt duöch das Tor, das der Amerikaner geöffnet hatte, und ihm folgten Murnau, Fritz Lang und Mauritz Stiller, der Greta Garbo entdeckte und 1922 zum erstenmale, aber ohne sonderlichen Erfolg in Berlin spielen ließ. Alle diese Filmschöpfer waren vom Expressionismus beeinflußt, der damals auch da» Theater beherrschte, aber jeder entwickelt« seinen eigenen Stil. Lubitsch wandt« sich der Filmkomödi«, dem„Kammerspiel" zu, er wurde der eigentliche Erfinder'der filmischen Pointe, die er noch jetzt— in Hollywood— meisterhaft beherrscht, und daß ihm das Hitler-Regime die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt hat, kann nichts an der- Tatsache ändern, datz er mit der„Che im Kreise" und„Lady Windermeres Fächer" die ersten Muster des güten, 'weder plumpen noch kitschigen Films in Deutschland geschaffen hat. Murnau, der später gleichfalls nach Amerika ging und-dort gestorben ist, schuf einen ausdrucksvollen, beseelten Film-Realis« muS, an dessen Höhepunkte die JanningS-Filme „Der letzte Mann" und„Sein letzter Befehl", sich noch viele erinnern werden. Stiller war der Meister der Film-Romantik, für die fein„Gösta Ber- ltng" das berühmteste Beispiel.'war, und Fritz Lang, der heute Emigrant ist, experimentierte-mit einer Mischung aus Romantik» und' technischer Utopie, er schuf Monstre-Filme wie„Dr. Ma- buse",„Die Nibelungen" und„Metropolis", über deren Wert man streiten.kann, die aber beispiel-: gebend für die Ausnützung filmischer Möglichkeiten waren. Gewiß hat der Film, seit'jenen Tagen er», staunlich« technisch« Fortschritte gemacht, aber wenn wir angesichts der heutigen Filmproduktion, die zühi'größten- Teil in Routine und Schablone erstarrt ist, an die unermüdlichen Versuche und Bor-' stötze von damals zurückdenken/ kann ün»«in neidische- Gefühl überkoMmen,. Dabei'- stand' vor fünftzehn Jahren der wirklich, große Ausfchwüng der-Films-noch-bevor.' Erst im Jahre-1923-begann er, als der erste schon fast vergessene Russenfilm„Polikuschka" durch Europa zog und die Kenner das Werden eines neuen Film-Geistes ahnen ließ und als Charlie Chaplin, den man vorher nur aus grotesken Kurzfilmen kannte, mit dem Film„The Kid" hervortrat, in dem auch Jackie Coogan seine erste grotze Rolle spielte. Im Zeichen Chaplins und der Russen stand die Film- Kunst der nächsten sechs Jahre: mit Eisenstein» „Panzerkreuzer Potemkin", mit Pudowkins„Mutter" und Chaplins„Goldrausch" hat der stumme Film im Jahre 1925 seine Gipfel erreicht, ein Jahr zuvor war auch der erste Bergncr-Film „Nju"(mit Jannings und Conrad Beidt) erschienen, bald darauf eroberte Greta Garbo al» „Anna Karenina" das Filmpiwlikum der Welt, und auch der tschechische Film hat damals mit MachatyS„Erotikon" seine erste künstlerische Leistung offenbart. Vier Jahre später, 1929, kam die nächste grotze Wende in der Geschichte des Films: der Tonfilm begann von Amerika aus seinen SiegeS- zug.„Der singende Narr" und„Das Komödiantenschiff", ztvei künstlerisch unbedeutende Filme, eroberten das Publikum, das sich vom technischen Fortschritt Hinreitzen lietz, von Sprache und Gesang, die nun-plötzlich im-Kino ertönten. Es be« gann in Europa die endlose Serie der Operettenfilme, die heute,, nach sieben Jahren, noch immer nicht erledigt zu sein scheinen, es begann eine immer stärkere Monopolisierung und Vertrustung del Filmproduktion, die durch die Tonfilm-Apparatur und die notwendigen neuen Atclierbauten noch viel kostspieliger als vorher geworden war. Viele der besten Schauspieler und Regisseure der Stummfilmzeit verschwanden, der künstlerische Wagemut geriet ins Stocken, der Ruffenfilm wurde in feiner Entwicklung unterbrochen, und Chaplin stand der tönendenNcuerung feindselig gegenüber. Gewiß hat auch der Tonfilm bedeutend« Künstler zur Geltung gebracht: einen Regisseur wie Renh Clair, einen Filmzeichner wie Walt Disney und Schauspieler Ivie Harry Baur, Wallace Beery, Annabell», Marlene Dietrich und Paula Wessely. Aber wenn wir an die Gipfelpunkte des stummen FilmS zurückdenken, werden wir sagen, datz der Tonfilm mehr ein technischer als ein künstlerischer Fortschritt war,— ein Fortschritt freilich, der unheute schon selbstverständlich erscheint. Nach sieben Jahren Tonfilm ist man schon wieder dabei, sich auf die nächsten Neuerungen vorzubereiten: auf den farbigen Film, der voriges Jahr bereits in Amerika gestartet wurde, auf den plastischen Film, dessen erste Proben soeben in Frankreich erschienen sind— und auf den durch„Fernseher" übertragenen Film, mit dem die Techniker auch schon, besonders in England, experimentieren. Es ist sehr wahrscheinlich, daß nach weiteren fünfzehn Jahren die Filme von heute genau so „vorsindflutlich" erscheinen werden wie uns die Filme des Jahres 1921. Ob aber mit der technischen Vervollkommnung auch«ine künstlerische erzielt werden wird, das Ivird nicht von Erfindungen abhängen, sondern von Aenderungen der Machwerhältnisse im Film, der sich heute in den Händen spekulierender Kapitalisten befindet oder gar— wie der deutsche Film— zum Propaganda- und Verblödungsinstrument einer kunst«, geist- und wahrheitsfeindlichen Diktatur geworden ist.—eis-r- ■ Vom Pythagoräischen Lehrsatz Die Wahrheit, sie besteht in Ewigkeit, wenn erst die blöde Welt ihr Licht erkannt}, der Lehrsatz, nach Pythagoras benannt, gilt heute, wie er galt zu seiner Zeit. Ein Opfer hat Pythagoras geweiht den Göttern, die den Lichtstrahl ihm gesandt} es taten kund, geschlachtet und verbrannt, einhundert Ochsen seine Dankbarkeit. Die Ochsen'seit dem Tage, wenn sie wittern, daß eine neue Wahrheit sioh enthülle, erheben ein unmenschliches Gebrülle; Pythagoras erfüllt sie mit Entsetzen; und machtlos, sich dem Licht zu widersetzen, verschließen sie die Augen und erzittern. ■ Adalbert von Chamiss o Seife 24 Sonnfag, 80. August 1088 „Sozialdemokrat" Olt. 202 Die Sonne der Menschheit In dem Roman„Der Karren" von B. Trauen erzählt ein Jndiancrmäd- chen dem Burschen, der sie gerade entdeckt hat und mit Liebe umgibt, dar folgende schöne Märchen. Der Roman erschien in der BUchergilde Gutenberg. Die bösen Geister, die die Menschheit vernichten wollten, weil sie eine Schöpfung der guten Götter war, hatten die guten Götter besiegt und sie alle erschlagen. Als das geschehen Ivar, löschten sie die Sonne aus mit Schnee und mit Eis und mit lalten Stürmen. Und da begann eine ewige Nacht auf Erden. Alles war von Eis bedeckt. Die Menschen froren zu Tode. ES wuchs nur ganz spärlich Mais, der die Menschen mit großer Not am Leben hielt. Aber viele, viele starben Hungers. Es wuchsen leine Bäume mehr mit süßen Früchten ES blühten keine Blumen mehr. ES sangen keine Bügel mehr. Die Grillen und Zikaden hörten auf zu geigen und zu flöten. Die Menschheit starb dahin, und alle Tiere der Wälder und der Prärien starben, so daß auch die Männer immer seltener nur ein Tier erjagen konnten, um ihre Frauen und Kinder zu ernähren und sie mit wärmenden Fellen zu bekleiden. Als die Not nun immer größer wurde, da riefen alle Häuptlinge und Könige der indianischen Völler einen großen Rat zusammen, um zu beschließen, wie sie eine neue Sonne schaffen könnten. Denn am Himmel standen nur die klaren Sterne. Die Sterne hatten die bösen Götter nicht auslöschen können. Auf ihnen lebten die Geister der abgeschiedenen Menschen, die sich gut zu verteidigen verstanden, weil ihnen von den guten Göttern Kraft verliehen worden war, und weil es ihre Aufgabe toar, für ewig die Sterne am Leuchten zu erhalten. Viele Wochen lang dairerte der große Rat der Könige. . Aber niemand wußte einen Weg, wie man eine neue Sonne schaffen könnte. Nun war unter den Königen ein Sabio, ein großer Weiser, der mehr als dreihundert Jochre schon alt toar und alle Geheimnisse der Natur gelernt hatte. Und der sagte: „Wohl gibt es einen Weg, eine neue Sonne zu schaffen, Ein junger,'starker und sehr tapferer Mann muß zu den Sternen gehen. Dort niuß er die Geister der Abgeschiedenen bitten, ihm von jedem Stern ein kleines Stückchen zu geben. Diese kleinen Stückchen Sterne muß er sammeln und mit sich tragen, höher und immer höher, bis er endlich oben im Mittelpunkt des Himmelsgewölbes angelangt ist. Dort muß er alle die kleinen Stückchen Sterne an seinen Schild heften. Und wenn er das getan hat, dann wird der Schild sich in eine große leuchtende und heiße Sonne verwandeln. Ich selbst würde wohl gehen und eS tun. . Aber ich bin alt und schwach. Ich vermag nicht mehr gut zu springen. Ich kann darum nicht von einem Stern zum andern springen. Und ich bin auch nicht mehr stärk und ge- ' wandt genug, Speer und Schild zu führen und mit den bösen Göttern zu kämpfen, die es verhindern werden, daß eine neue Sonne geschaffen '• wird." Als der Weise gesprochen hatte, sprangen alle Könige, Häuptlinge und großen Krieger, die im Rat saßen, auf und riefen: „Wir sind bereit zu gehen." Darauf sagte der Weise: „ES tut Euch viel Ehre, daß Ihr gehen wollt. Aber es kann nur einer gehen, und dieser eine muß allein gehen mit seinem Schild, weil nur eine Sonne geschaffen werden darf. Zu viele Sonnen würden die Erde vetbreo- nen. Derjenige, der geht, muß das größte Opfer bringen, das ein Mensch nur bringen kann. Er muß sein Weib verlassen, seine Kinder, seinen Vater und seine Mutter, seine Freunde und sein Volk. Er kann niemals wieder zurückkehren auf die Erde. Er muß für ewig am Himmelsgewölbe wandern, den Schild in seiner Linken. Und er muß für ewig gerüstet sein, die bösen Götter, die nicht ruhen werden, die Sonne abermals auszulüschen, zu bekämpfen. Er kann die Erde und sein Volk Immer sehen, aber er kann nicht mehr zurückkehren. Er ist für ewig ein Einsamer im Weltall. Bedenke baS ein jeder wohl,»he. er gehe." MS die Könige das vernahmen, wurden sie alle verzagt. Keiner von Ihnen wünschte sich für ewig von seiner Frau und seinen Kindern, von seiner Mut» . ter, von seinen Freunden und von seinem Volk zu trennen. Ein. jeder von ihnen zog vor, dereinst zu sterben und unter seinem Volke und in seiner Erde zu ruhen.. Da war ein langes Schweigen im Rat. Wer dann endlich sprach einer"der jüngsten Häuptlinge: „Ich möchte reden, ihr tapferen Männer. .Ich bin.jung und stark und wohlgeübt in den Paffen. Ein Lehrerleben ans i (rb.) Es wird kaum jemand bestreiten, wollen, daß der Lehrer von heute nicht auf Rosen gebettet ist. Und dennoch— was für ein Unterschied zwischen der sozialen und wirtschaftlichen Position de» modernen Jugenderziehers und de» Schulmeisters der sogenannten„guten alten Seit" I Der Aufstieg des Lehrerstandes ist eng verknüpft mit dem Zerfall des feudal-klerikalen Obrigkeitsstaates, dessen Machthaber au» begreiflichen Gründen kein Interesse daran haben konnten, daß Aufklärung und wirkliche Bildung in den breiten Massen der verachteten Untertanen Eingang finden. Der Schulmeister war dazu da, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lehren— alle» darüber hinausreichende war in den Augen der Herrschenden von Uebel. ES ist wenig mehr als sechs Jahrzehnte her, daß das Reichsvolk S- schulgesetz geschaffen wurde, da», getragen von demokratischen Ideen nicht nur die Grundlagen der allgemeinen Volkserziehung schuf, sondern auch der Lehrerschaft als Träger der Volksbildung eine menschenwürdige Existenz sicherte und sie aus unwürdiger Mhängigkeit erlöste. War doch bis dahin der Schulmeister mehr minder nur ein Handlanger der allmächtigen Klerisei, war er doch bis dahin infolge seines BetielgehalteS auf erniedrigende Spenden der Eltern seiner Schulkinder angewiesen, wenn er mit seiner Familie leben wollte. «- Im Iägerndorfer Siadtmuseum sind die Zeugnisse des Lehrers Anton Kremling ausgestellt, die eine ergreifende Illustration des dornigen Lebensweges eines Lehrers in jener«guten alten Zeit" sind und als solche verdienen, festgehalten zu werden. Geboren 1830, besucht Anton Kremsing zunächst die„k. k. H a u p t s ch u l e" in Jägern» darf.(Als er mit achtzehn Jahren diese Anstalt verläßt, ist sein Vater dortselbst immer noch „suppllerender Lehrer"!) Im Jahre 1840 tritt Anton Kremling in den„k. k. Präparande n k u r s für Schulkandidaten" in T r o p p a u ein, den er mit Auszeichnung absolviert.(Lehrerbildungsanstalten gab es damals noch nicht.) Nach Beendigung dieses„Präparan- denkurses" erhält Anton Kremling eine Stelle als„Sch^ilgehllfe" bei der„Fürsterzbischöflichen Stadtpfarre Sankt Mauriclus" in Olmütz, und zwar an der Diözefauch a u p t sch u l e. Diese Stellung ist freilich nach damaligem Brauch unbesoldet. Nebenbei schuftet der jung« Lehramtskandidat und absolviert 1851 nebst einem Kurs für Taub st um« . Ich„habe., eine junge undi-schöne Frau>>dte' ich sehr liebe, mehr als mich selbst. Und ich habe einen prächtigen Jungen, der gleich meinem Herzblut ist. Und ich habe eine liebe und gütige Mutter, deren Schuh und deren Hoffnung ich bin. Und ich habe viele geliebte Freunde. Und ich liebe mein Volk, in dem ich geboren wurde, und von dem ich ein untrennbare» Teilchen bin. Mer mehr als mein Weib, mehr al» meinen Jungen, mehr als meine Mutter, meine Freunde und mein Volk liebe ich die Menschheit. Ich kann nicht vollkommen glücklich sein, wenn ich die Menschheit leiden sehe. Die Menschen brauchen eine Sonnen Ohne Sonne muß die Menschheit vergehen. Ich bin bereit, zu gehen und den Menschen die Sonne zu bringen, was immer auch mein Los und Schicksal sein möge."- Es war Chicovaneg, ter so gesprochen hafte. Er nahm Abschied von seinem Weibe, seinem Jungen, seiner Mutter und seinem Volle. Versehen mit dem Rat de» Weisen, machte er sich auf, sich auszurüsten. Er fertigte sich einen starken Schild au» Tigerhaut und aus Schlangenhaut. Er fertigte sich«Inen Helm au» einem mächtigen Adler. Und er fertigte sich starke Schuhe au» den Tatzen eine» mächtigen Tiger», den er im Dschungel erlegt hatte. Dann ging«r au», die gefiederte Schlange zu suchen. Er fand sie nach vielen Jahren Suchen» in einer tiefem dunklen Höhle. Sie war da» Symbol der Welt. Darum wurde sie bewacht von einein bösen Zauberer, der tm Solde der bösen Götter stand. Mit viel List und Klugheit gelang e» ihm, den bösen Zauberer zu erschlagen. Er machte ihn trunken mit süßen Säften aü» Maguey. Und al» der böse Zmcherer ganz im Rausche lag und alle seine vierzig Augen geschlossen waren, schlich sich Chicovaneg heran und tötete ihn mit seinem Speer, den er vergiftet hatte mit hundert Giften, die ihm der Weise alle genannt hatte. Dann sang er süße Lieder, und auf seiner Schalmei flötete er schmelzende Melodien; und da kam die gefiederte Schlange hervor und folgte ihm, allen seinen Befehlen gehorchend. Hierauf ging Chicovaneg auf seine große Wanderung, bi» er nach vielen Jahren und unter vielen Kämpfen mit bösen Göttern an da» Ende der Welt kam. Hier waren die Steme am ttefsten über der Erde. Den untersten Stern konnte er mit einem leichten Sprung erreichen. ler„guten alten Zeit“ menunterricht noch einen Lehrgang für römische nGrabgesang(alle» mit vorzüglichem Erfolg—„summa cum laude".) Im gleichen Jahr erhält er die.Lehrbefähigung für Trivialschulen". Seine außerordenllichen Studiumerfolge nützen ihm aber wenig, denn e» vergehen vier Hungerjahre, ehe Anton Kremling 1888 au» dieser Praktikantenstellung erlöst wird. Er kommt al»— ebenfalls unbesoldeter—„Schulgehilfe" nach Troppau. Mit 28 Jahren hat er die erste Anstellung erreicht, die ungewisse Aussichten auf einen definitiven Posten(soweit in damaliger Zeit von einem solchen die Rede sein kann) eröffnet. Den neuen Posten versteht er mit solchem Erfolg, daß ihm gleich im ersten Jahre eine Belobung de»„Fürst-Erzbischöflichen Konsistorium»" in Olmüh zuteil wird. Da» ist aber auch alle». Ein fixe» Gehalt bleibt dem belobten Schulgehilfen nach wie vor versagt. Da» dauertsiebzehn Jahre... l Erst im 48. Lebensjahr«(1878) avanciert der vorzüglich qualtfiziorte„Schulgehilfe" und erhält al» erste festbesoldete Stellung einen Posten an der Troppauer„Normal- Hauptschule", mit einem JahreSgehalt von— zweihundert Gulden., Wie ein solcher Märtyrer mit seiner mehrköpfigen Familie unter diesen Umständen leben konnte.erscheint geradezu al» ein Wunder. Zum Glück erfolgte kurz darauf eine Wende. Anton Kremling wird im Sinne des eben in Kraft getretenen Reichsvolksschulgesetzes 1878 zum UebungSschullehrer ernannt, mit 800 Gulden JahreSgehalt, 200 Gulden Aktivitätrzulage und 100 Gulden Ouinquenial- zulage(Zulage nach je fünf Jahren). Dank dem Reichsvolksschulgesetz steigen seine Einnahmen von 200 auf 1100 Gulden. Damit ist der Ueber- gang in eine neue und bester« Epoche vollzogen. Nun findet auch seine vorzügliche Klassifizierung eine'praktische Anerkennung. Anton Kremling wird zum Professor der neugegründeten Troppauer Lehrerbildungsanstalt ernannt. Der wohlverdiente ruhige und sorgenfrei« Lebensabend aber'bleibt ihm versagt. Die Entbehrungen seiner jüngeren Jahre haben seine Lebenskraft untergraben. Professor Kremling stirbt 1880 und brr Totenschein de» kaum küjährigen nennt als Todesursache Altersschwäche... Er sttrbt vorzeitig, verbraucht, aufgerieven im Kampfs umS tägliche Brot. ..Er: erzählt« drnGeistern der Wgeschiedtrtdn,' die hier auf diesem Stern wohnten, und die schwarz waren von Angesicht, weil sie nicht indianischen Blute» waren, daß die Menschen keine Sonne hätten, und daß er sein Weib und sein Volk verlassen habe, um den Menschen ein« neue- Sonne zu bringen. --'Die Geister gaben Ihm freudig ein kleines Stückchen ihres Sterne», um den Menschen zu helfen. Chicovaneg heftete dq» Stückchen mitten auf seinen Schild, wo e» sofort in strahlender Schönheit zu leuchten begann wie ein Diamant. Bon nun an vermochte er seinen Weg in der tiefen Stacht schon bester zu sehen, weil diese» winzige Sternlein an seinem Schild ihm leuchtete. Nun sprang er von Stern zu Stern. Und überall, wohin er auch immer kam, und ganz gleich, ob die Geister gelben, weißen, braunen oder schwarzen Angesichts waren, sie gaben ihm willig ein kleine» Stückchen ihre» Sterne». Und al» er zu jenen kam, die seine» Blute» waren, wurde er mit großer Freude empfangen. Sie waren stolz darauf, daß er einer ihre» Blute» sei, der den Menschen die Sonn« bringen wolle. Sie stärkten seinen' ermüdeten Körper und schärften seine Waffen. Mit jedem Sprung, den er von einem zum andern Stem tat, wurde sein Schild leuchtender. Und al» der Schild nun endlich so leuchtete, daß«r den größten der Sterne wett überstrahlte, da-wurden die bösen Götter seiner gewahr. Sie erkannten, daß er auf dem Wege war, den Menschen eine neue Sonne zu schaffen. Und sie begannen, ihn mit großer Wut zu bekämpfen und ihn am Weitergehen zu hindern. Sie ließen die Erde erbeben, um die Sterne zu erschüttern, damit er den Sprung zum nächsten Stem verfehlen sollte. Sie wußten wohl, baß, wenn er auch nur einen Sprung verfehle, er dann in da» schwarze Weltall fallen würde, au» dem er sich nicht mehr befreien könne, well hier die bösen Geister alle Macht in Händen hatten. Wer Chicovaneg war Nug. Wenn ein Stem zu nein war, um ihn gut zu sehm, dann ließ er die geflederte Schlange erst Aussicht halten. Und sie sagte ihm die Enffemung, so daß er im richtigen Schritt anlaufen konnte, um nicht zu kurz zu springen, um aber auch nicht über den Stem hinwegzuspringen. War die Entfernung zu groß für einen Spmng, so ließ er die gefiedert« Schlange, zuerst hinüberfliegen und sie hielt ihren Schweif so herabhängend, daß er mit leichtem Sprung den Schweif erhaschen und an dem Körper der gefiederten Schlänge hinaufllettem konnte. Al» er nun immer höher stieg am Himmel»« gewölbe und sein Schild immer leuchtender wurde, Krankheiten ind stet» mit unausbleiblichem Kräfieverfall verbunden und darum ist die Widerstandsfähigkeit de» Körpers für den Verlauf einer Krankheit aus« chlaggebend. Der Körper muß„sich selbst" helfen; die» gelingt ihm nur, wenn er beizeittn gekräftigt wird. Ein bequeme» und gern genommene» KräftigungSmsttel sind Malzextrakte. Darein« Malzextrakt mit einem hohen Bitamingehatt erfrischt die Nerven und erhöht die Spannkraftl Wenn Sie darum Gehe-Malz da» dickflüssige, leichtverdauliche reine Naturprodukt in Ihren täglichen Speiseplan aufnehmen, bauen Sie vor, denn Sly kräftigen rasch Ihren Gesamtorganismus. Gehe-Malz ist in Originaldosen zu 280 g und 800 g in allen Apotheken und Drogerien erhältlich i begannen endlich die Menschen auf der Erde ihn zu sehen. Sie wußten, daß er ihnen nun die Sonne bringen würde. Und sie wurden fröhlich und feierten viele Feste. Wer sie konnten auch sehen, wie schwer sein Weg war. Und wenn sie die Entfernung zum nächsten Stern sahen und erkannten, daß er diesen Stern in seinem Sprung vielleicht gar fehlen würde, so bemächtigte sich ihrer eine tiefe Berzweiflung. Sic sahen auch den Kampf der bösen Götter gegen ihn. Die bösen Götter ließen heftige Stürme heulen, die alle Hütten der Menschen zerstörten und ihre Felder verwüsteten. Die bösen Götter überschwemmten die Erde mit Wasterfluten, und sie ließen die Berge feurige Lava ausspeien, um die Menschen zu vernichten, ehe die Sonne am Himmel stand. Und die bösen Geister schleuderten glühende Steine nach dem hinaufilimmenden Chicovaneg. Sie warfen so viele, daß Tausende der Stein«' Noch'bi»'heute"über den nächtlicheN'Him-' mel dähinfliigen.'>‘jr 0”■ Wer höher'Md Höher^stieg Chicovästeg: Leuchtender und immer- leuchtender wurde sein Schild. Blumen begannen zu wachsen und zu blühen«, auf Erden. Die Bügel kamen wieder und sangen früh«' liche Lieder. Mango» und Papaya» begannen an den Bäumen zu reifen, und Bananen, Tuna», Tomaten gab es bald in- Füll«. Und dann endlich, al» die Menschen eine» Tage» aufsaheN, stand die Sonne strahlend und warm am Himmelsgewölbe, mitten am Himmel hoch über ihnen. Und sie feierten ein große» Sonnenfest, Chicovaneg zu Ehren. Mer ohne Unterlaß sind die bösen Geister am Werk, die Sonne wieder auszulöschen. Dann hüllen sie die Erde In. schwarze Wolken und machen die Leute fürchten, daß die- Sonne nun auSgeläscht sei. Jedoch Chicovaneg, der Tapfere, ist auf der Wacht. Hinter seinem goldenen Sonnenschild kauert er, um die Menschen vor den bösen Geistern zu schützen.'- Und wenn die bösen Geister e» gar zu arg treiben, dann gerät er in Zorn, und er schleudert seine blitzenden Pfeile über die Erde hin, um die bösen Götter, die sich in den schwarzen, dicken Wolken verstecken, zu treffen und zu verjagen. Dann rüttelt er an seinem Schild, daß wil« de» Donnern die Lüfte erzittern macht. Und wenn er endlich die bösen Götter ver«. jagt hat, dann malt er seinen buntfarbigen Bogen am Himmel auf, um den Menschen zu verkünden, daß sie ruhig sein mögen, und daß er nicht zu« gcken wird, daß die Sonne noch einmal von den bösen Göttern verlöscht und zerstört werde. Bücher, die man lesen ml Friedrich Stamp f e r: Di« 14 Jahr« der ersten deutschen Repuklik «40 Seiten kart. KC 80.—, gebt». Kfi 105.—» AleranderSte in:< Adolf Hitler, Schäler der„Weisen von Zion" 120 Setten kart. Xä 18.—. Gregor Vien stock: Europa und die Welwolittk - 84 Seiten kart. AS 15— Zu beziehen durch die Zentralstelle für da» Bildunglwesen, Pro» XU» Slezskä 18. »Sozialdemokrat" Nr. 202 Sonnkag, 30. August 1030' Seite 25 Genosseiuuiaftweilage■ Dreißig Jahre fjcnosscnsdiaftlhhc Arbeit in den Sndctengcbletcn DIE DEVISE UNSERER ZEIT I71ß O NICHT WILLKÜRLICHE ERZEUGUNG OHNE RÜCKSICHT AUF DIE KAUFKRAFT DES KONSUMENTEN, SONDERN PLANMÄSSIGE PRODUKTION, BEDINGT DURCH DEN BEDARF DER MITGLIEDER, IST DIE AUFGABE UNSERER KONSUMGENOSSENSCHAFTLICHEN EIGENPRODUKTION. DIE GENOSSENSCHAFTLICHEN PRODUKTIONSBETRIEBE ERZEUGEN HOCHWERTIGE QUALITXTSWAREN BEI BEACHTUNG STRENGSTER HYGIENE AUSSCHLIESSLICH FÜR DIE GENOSSENSCHAFTLICH ORGANISIERTEN KONSUMENTEN. NUR IN DIESEM RAHMEN IST ES MÖGLICH, DIE GENOSSENSCHAFTLICHEN EIGENPRODUKTIONSBETRIEBE SO AUSZUBAUEN, DASS SIE MIT DER WIRTSCHAFTLICHEN LAGE DES VERBRAUCHERS SCHRITT HALTEN. I'''' 1 HELFET DESHALB MIT AM AUSBAU DER GENOSSENSCHAFTLICHEN EIGENPRODUKTION DURCH WERBUNG NEUER MITGLIEDER UND STÄNDIGEN BEZUG DE R GEN O SSE NSC HA ETLICHEN Die Konsumgenoffenschaftsbewegung versucht von der Verbraucherseite her die wirtschaftliche Befreiung des Volkes in die Wege zu leiten. Durch die Errichtung eigener Betriebe, von Läden, Werkstätten, Lagerhäusern und Fabriken verschafft sie den Arbeitern grosse unmittelbare Vorteile. In der Konsumgenossenschaft erhält der Arbeiter seine Lebensbedürfnisse in bester Qualität zu billigen Preisen. Der Ueberschuh, der sich am Jahresschluffe ergibt, bleibt in der Borfügungs- geivalt der Genossenschaftsmitglieder. Der Profit des Einzelnen ist beseitigt. Die Reserven, die au» de» Erträgnissen der Genossenschaft gebildet werden, bleiben gemeinsamer Besitz aller Genossenschafter. Der Ertrag wird nach der Anteilnahme des einzelnen Mitgliedes an der Genossenschaft verteilt. Wer mehr leistet, dem wird mehr gegeben. Konsumgenossenschaft bedeutet das Betreiben w'irklicher Wirtschaftsdemokratie. Eine Bewegung, die der wirtschaftlichen Befreiung der VollSmaffen gilt, mutzte von Anfang an eine starke Anziehungskraft auf die sozialistisch denkenden Arbeiter ausüben. Trotzdem haben sich verhältnismätzig spät die Arbeiter der Sude« tengebiete der Konsumgenoffenschaftsbewegung in weiterem Ausmatze angeschlossen. Bor dreitzig Jahren gehörten schon die meisten der damals bestehenden deutschen Konsumgenossenschaften in den historischen Ländern dem„Zentralverbande der österreichischen Konsumgenossenschaften in Wien" an. Der Verband verzeichnete 1908 in Böhmen, Mähren und Schlesien 128 deutsche Konsumgenossenschaften mit 38.498 Mitgliedern, die einen Jahresumsatz von ö. Kr. 10,242.000.— erzielten. Die meisten Konsumgenossenschaften beschränkten ihre Tätigkeit auf den Ort, an welchem sie ihren Sitz hatten. Die durchschnittliche Mit- gliederzahl betrug nur 277; die Zahl der Bertei- lungsstellen wird wahrscheinlich kaum 260 erreicht haben. Das Zögern der Arbeiter die Konsumge« noffenschaften als eine Waffe gegen privatkapitalistisches Profitstreben zu benützen, mag als eine Nachwirkung der von Lassalle verfochtenen Ideen sein, dah e» unmöglich ist, durch die genossenschaftlichen^ Selbsthilfeorganisationen der Arbeiter zur Verbesserung der Lage der Arbeiterklasse beizutragen, dah sich die Arbeiter vielmehr in Produktivgenoffenschaften zusammenschliehen müssen, die mit Unterstützung des Staates es ermöglichen sollen, die wirtschaftliche Freiheit für di« Arbeiter zu erringen. Die meisten Gründungen der Konsumgenossenschaften in den Sudetengebieten erfolgten in den beiden Jahrzehnten zu Ende des vergangenen und zu Beginn dieses Jahrhunderts. Der Staat benützte sie während des Kriege» al» Lebons- mittelverteileryund die Kriegsjahre brachten den fprunghasten Ausstieg der Konsumgenossenschaften. Denn die gleichmätzige Versorgung der ihnen angeschlossenen Bevölkerung trat bei der Not an allen Lebensmitteln gegenüber dem Profithandel mit seiner Bevorzugung der zahlungskräftigen Kundschaft allen sichtbar vor Augen und verschaffte ihnen überall Sympathie und Anerkennung. In den Konsumgenossenschaften ist jedes Mitglied gleichberechtigt und gleich verpflichtet. Als 1918 in der Tschechoslowakei die Konsumgenossenschaften die Trennung von der Wiener Zentralorganisation vollzogen, wurde der„Verband deutscher Wirtschaftsgenossenschaften" gegründet. Im erstenJahresberichte von 1919 weist der Verband 194 Konsumgenossenschaften mit 182.000 Mitgliedern aus, die einen Jahresumsatz von Kö 166,841.000.— erzielten. Da» rasche Wachstum der Genossenschaften hielt in den ersten^tachkriegsjahren an. Sie setzt« ihre aufsteigende Entwicklung durch den Ausbau des Verteilungsstellennetzes fort, eigene Bäckereien und Fleischereien wurden errichtet. DaS unausgesetzte Steigen der Spareinlagen erleichterte die Erwerbung eines, bedeutenden Realbesitzes. Nur zweimal gab es in der anfsteigenden Entwicklung kurze Rückschläge. Der erste entstand durch das rasche Sinken der Preise in den Jahren 1921—28 und durch den Verlust«ine» Teile» der Kriegsmitglieder. Der zweite Verlust traf nur den Umfatz der Genossenschaften durch die entsetzlich« Auswirkung der Krise in den Jähren 1982—86. In dieser Zeit erfolgte noch die Absplitterung einiger kommunistischer Konsumvereine, die ungefähr 19.000 Mitglieder und.j#, 85,ppp.ppo,-tr Jahresumsatz zählten. Der Zusammenschluss. der. viektkffklÄnin GbnoffenfchäfwnW^Wittgrhffe- derte die Zahl der Genossenschaften, erhöhte aber wesentlich ihre Leistungsfähigkeit. Am 80. Lun! 1935 zählte der Verband 187 Genossenschaften mit 248.000 Mitgliedern, die in 1686 Vertei- lungsstellen einen Umsatz von KL 447,682.000.— erzielten. Der Umsatz im kürzlich verflossenen Geschäftsjahre ist gegenüber dem Vorjahre um 18 Millionen Kronen gestiegen. Die rückläufige Bewegung der Spareinlagen, die in den Krisenjahren von 196 Millionen Kronen auf 189 Millionen Kronen gesunken sind, ist zum Stillstand« gekommen. Diese gute Enttvicklung der Konsumgenossenschaften in den deutschen Notstandsgebieten, gerade in der Zeit, in der ihre politischen und wirtschaftlichen Gegner die grössten Anstrengungen machen, die Organisationen zu schlvächen und wenn möglich zu vernichten, wäre undenkbar gewesen, wenn di« Konsumgenossenschaften den armen Schichten der Bevölkerung nicht grosse wirtschaftliche Vorteile bieten würden und wenn«8 ihnen nicht gelungen wäre, ihre Mitglieder zu begeisterten Anhängern für die Verteidigung der genossenschaftlichen Idee und der hohen sittlichen Grundlagen, ans denen die Bewegung beruht, zu gewinnen. Das erfreulichste an der Entwicklung der Konsumgenossenschaften ist, dass sie zu einer grossen Massenbewegung geworden sind, die nicht nur wichtige wirtschaftliche Aufgaben für die Arbeiter erfiillt, sondern zugleich auch eine erzieherische und bildende Tätigkeit auSübt. Die Konsumgenossenschaften sind die Wirtschaftsschule der Arbeiter geworden. In 180.000 Exemplaren wird die genossenschaftlicheZeitung„Das Familienblatt" unter den Mitgliedern verbreitet. DaS BildungS» und Erziehungswesen» nimmt einen immer grösseren Raum In der Tätigkeit der Genossenschaften ein. Tausende Frauen sind es, die in unermüdlicher Werbearbeit den Genossenschaften immer neue Anhänger zuführen und den Erzeugnissen der genossenschaftlichen Eigenbetriebe ein immer breiteres Absatzgebiet verschaffen. Der Umsatz der Zentrale, des Gee-Ver- bände», ist im letzten Jahre auf beinahe 800 Millionen Kronen gestiegen, di« Eigenbetriebe sinddaran mit,68.Millionen beteiligt. Auch vieKrssensahre'"haben' die' genossenschaftliche Fabriken der Armen, denn das sind die Genossenschafter im Durchschnitt, ivaren beschäftigt, während rings Profitbetriebe still gelegt wurden. Die Konsumgenossenschaften betreiben eine geregelte BedärfSdeck nngsw irisch a f t, die den Menschen und seinen Bedürfnissen dient, nicht aber des Profits wegen erfolgt. Die deutschen Genossenschafter haben sich für die jetzt kommenden drei Jahre ein Werbeziel gesteckt: Sie wollen 20.000 neue kaufende Mitglieder gewinnen und de» Umsatz gegenüber dem jetzt verflossenen Geschäftsjahr um 80 Millionen Kronen steigern. Der Gee-Verband soll an dieser Steigerung mit 20 Millionen teilnehmen. Die Eigenproduktion des Verbandes soll un: zehn Millionen höher werden. Der Dreijahrsplnn sieht vor, dass zugleich mit der stärkeren Erfassung der Haushaltbediirfniffe der Mitglieder, die Werbearbeit für die genossenschaftlich eLdee, für die Ziele und Grundsätze der Bewegung auf das nachhaltigste betrieben werden soll. Die Auflage des„Familienblattes" soll auf 180.000 gebracht werden. Fed« Genossenschaft und jede Kreisorganisation soll eine Werbe- und BildungSstelle errichten, deren Tätigkeit durch die ain Sitze des Verbandes geschaffene Werbe stelle auf das nachdrücklichste gefördert werden soll. Die konsumgenoffenschaftliche Organisation Ist in allen Ländern, in denen sie nicht durch faschistische Gewalt in ihrem Bestände eingeengt oder zerstört wurde, im Vormarsch. Die direkte Verbindung der Konsumgenossenschaften mit den landwirtschaftl. Genossenschaften hilft an der Lösung des grossen Problems mit, den Gegensatz zwischen industrieller Verbraucherschaft und landwirt- schaftl. Erzeugern zu überbrücken. Unaufhaltsam vollzieht sich der Aufstieg der weltumspannenden genossenschaftlichen Wirtschaftsorganisation, die ringS umgeben von der Privatwirtschaft den Beweis dafür erbringt, dass die Massen der Bevölkerung imstgirde sind, selbst ihr wirtschaft» licheSSchicksalzu bestimmen und dabei b o st e L e i st u n g e n zu erzielen. Die deutschen Konsumgenoffenschafter wollen stärker werden. Dem einheitlichen Willen von 260.000 Familien, wird der Erfolg nicht versagt b.ve'tbe-m.'.,'.- Rudolf Fischer. ren.Wezirkch-'U^DistriktSkonstsMvereiNeNcherNiin- Eigenproduktion nicht'zu hemmen vermocht!" Die Seite 26 Sonnta«. 80. Aunnst 1036 .Sozialdemokrat" 92t. 202 Die tklnkaafeqaelle der orgnnisterteu verbrauchet tu RotdmLhreu und Westschleste» Ist dl» 86 vetteilunzestelle»* 14.660 Mitglieder- 86 Mtllloue« K6 Zahreeumsatz 8,000.000 Kü Umsatz— 30 Verteilungsstellen 4600 Mitglieder Eigene.Bäcker ei 8572 Werden Sie Mitglied 3093 SBiaaciSoaaawtiotwBwSoPOPWWtwqtWtaBwtsaatwqaS i |i 3S38 Bewahret Treue Eurer Genossenschaft, sie schützt Eure wirtschaftlichen Interessen ist des grvöte genossenschaftliche Unternehmen in der Tatra, hat 82 Verkaufsstellen, 7500 Mitglieder, 10 eigene Häuser ■Isen« Bezeugung von delikatem Bryndzen-Käse Konsum- und Sparverein in Neuern iier Zentralkonsumgenossenschaft Mähr. Ostrau bekommen Sie in jeder Filiale de* Konsum-Vereines Mies 58 Verteilungsstellen, eigene Fleischerei eigene Backerei für 7600 Mltgllederfamlllen WWWWW"" »BUDUCNOST« Konsum-, Spar- und Brzaugungs- Genossenschaft In SplisM Nova Vas < Darum sebe Einkaufskrone dem Konsumverein! -7- 8564 2500 Mitglieder o 19 Verteilungsstellen Rund 90.000- KB Jährl. Rückvergütung. Schliefit Euch anl Konsum-Produktiv- und Spargenonentchaft IN LANDS KRON, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung. Kartelle, Konzerne, Monopole verursachen Teuerung! Die Konsumgenossenschaft schützt dich vor diesen, werde darum auch Mitglied der Konsumgenossenschaft„Budoucnost“ In Mähr. Ostrau tsn Konsum- und Spargenossenschaft„Vorwärts“ Bratislava Zentralbüro r Zentralmagazin: ' Ratzersdorferstraße 29—31 im eigenen Hause Filialen»——■ Bratislava: hatzersdorferstraße 29—81, Donaugasse 80, Radllnakystraße 71, Dynamitfabrik, Patronenfabrik, Zvo- lenergasse 9S5, Ziegelfeld, Leinwebergasse 10, Lumnltzergasse 3, Soltös- gasse 17—19 Oberufer: Hauptstraße 88, Hauptstraße 148, Habern 146 Engerau: K. Marxstraße 64, Stefanlk- straße 80 St. Georgen: Mtttergasse 101 Sommerein: Ungargasse 147, Fruchtplatz 18 Biskupice: Üzkä ullce 81 8559 Die Konsumgenossenschaft ist die beste Einkaufsquelle des organisierten Konsumenten. Tretet deshalb als Mitglied der Konsumgenossenschaft b e 1 und besorgt.eurq Einkäufe nur in ;pben. angeführten*:.Ab gab e s t»l 1 e n In AN und die ihm angeschlossene in TtUttthurQ sind die leistungsfähigen Wirtschastsunternehmungen der organisierten Verbraucher im nordböhmischen Niederlande ÜII« Schreibwaren Papierwaren 353» Schulbedarfm; 20 eigene Häuser 8833 Arbeiter-Konsumverein Bodenbach 49 Verteilungsstellen Für das Geschäftsjahr 1936/86 gewähren wir auf alle Einkäufe, die bei uns getätigt werden, 6•/, 858g Rabatt in barem Gelde. Kreisverband der westböhmischen Konsumvereine Karlsbad »IE WESTDOUniSCHEN KONSUMVEREINE mit ihren Zentralen in ASCH, AUSCHOWITZ, BUCHAU, CHODAU, EGER, GIESSHÜBEL, HERMANNSHÜTTE, KARLSBAD, KOMOTAU, LIEBENSTEIN, LUpiTZ, MIES, SAAZ, SCHÖNAU, THEUSING zählen zurzeit rund 68.000 MITGLIEDER und sie besitzen 450 Verteilungsstellen mit einem Jahresumsatz von 132 Millionen, 7 eigene moderne Bäckereien, 3 eigene maschinell eingerichtete Fleischereien und eine Reihe anderer genossenschaftlicher Betriebsstätten. DIE WESTBÖHMISCHEN KONSUMVEREINE besitzen ferner 144 eigene Häuser, eine Reihe großer Warenmagazine, 28 Lastenautos, eigene Tischler-, Schlosser-, Sattler*, Binder- und Autoreparaturwerkstätten. In den letzten 2 ücsdiältslähren wurden allein insgesamt 9 Millionen Kronen DüdnerBOftiiig an die Mitglieder verrechnet Alle diese Werte und alle diese Vorteile wurden aus kleinen Anfängen und Aus"eigener Kraft geschaffen. Deswegen appellieren die westböhmischen Konsumgenossenschaften abermals an alle Fernestehenden: WERDET MITGLIED. UND KAUFT ALLES INDEN VERTEILUNGSSTELLEN UNSERER ' GENOSSENSCHAFTEN!'Dadurch heft'ihr mit aufbauen eine heue Zukunft für alle Menschen, die 87a> sozialistische Wirtschaftsordnung! DER KREIS VORSTAND „Sozialdemokrat" Nr. 202 Sonntags 30. August 1036 Seite 27 Tropenfrüchte am Elbestrand Wünsche A. G. Schreckenstein. AluMser Sparkasse etomegtolfiralte 15|17 mit Äahlftelle in GGretkenstein in Beethovenstraße Nr. 27 UH ECHTER Landschaft ist von eigenartigem Neig. Sieht man von der Ferdinaudshöhe gegen die Elbe, so gewahrt man im Vordergrund den Schreckenstei», jenseits des Stromes aber hat eine riesige Fabrik ihre Gebäude anSgebreitet und rings um sie ist eine schmucke, moderne Wohnstadt grupiert: eS sind die Schichiwerke, die Wohnstadt ist Schreckenstein. Am Fuße der Ferdinaudshöhe strebt die alte Brücke über den Strom, ein wenig weiter flußabwärts spannt sich die neue Beneöbrücke über den fthtft, auf der sich nunmehr das bewegte deshalb noch lange nicht.' Hundert Jahre sind ins Land gegangen, hun. bett Jahre, die das Antlih der europäische» Erde Leben zwischen den beiden Städten abspielt. Schleppdampfer und Personenschiffe ziehen unter den Brücken ihre Bahn, Segler flitzen über die Wellen. Am linsen Elbeufer droht-der düstere Marienberg, einer der größten Basaltsellen Europas. Auf dem schmalen Streifen zwischen dem hochragenden Fels und der Elbe befinden sich die Straße und die Eisenbahn, die nach Bodenbach und Dresden führen, zwischen der Fer- dinandshöhe, dem Marienberg und den dem Erzgebirge vorgelagerten Höhen de» Mittelgebirge»< ist Aussig gelagert, Rauch qualmt über die Stadt, Lärm schallt empor, grau liegen mächtige Fabri« ken da: die Große Chemische und die Glaskabrik am westlichen AuSgang der Stadt. Aussig hat eine sozialdemokratische Verwaltung: der Bürgermeister der Stadt,’ Leopold Pölzl, ist zum Symbol des Fortschritt» geworden, den die Stadt in den lebten Jahren gemacht hat. Husten? Heiserkeit? Diese oft bösen sfelgen einer Verkühlung befestigen rasch und sicher die längst in alle»- Kreisen der' Bevölkerung bekannten Mars« malz-BonbenS. Keine Quälerei' mit einem hartnäckigen,' eist Körper erschüttert^'- Husten, der jede Lebenskraft raubt, w.' nn man zu MarSmalz greift Aussig a. E. Gegründet 1887 Erzeugung von sechs Waggon» Seife ausreicht, mit Laugen- und Sodalösungen kochend gemischt wird. Der chemische Prozeß beginnt, bei dem Glyzerin und alle Verunreinigungen ausgeschieden werden und zum Schluffe die reine klare lochende Seife oben schwimmt. Die Seife erstarrt in Gießmaschinen, deren Wafferkühlung den Erstarrungsvorgang in einer halben Stunde vollendet. Oder es erfolgt die Trocknung in Eisenkästen mit abnehmbaren Sei» tenlvänden und die Formung durch besondere Seifenschneidemaschinen. Die Seifenriegel oder Seifenplatten sind fertig. Schnell wird-noch die Fabriksmarke eingepreßt und dann die bereitstehende Kiste gefüllt und verschloßen. Der Versand kann beginnen. Da» ist so einer der Produktionszweige, die man im Schreckensteiner Schichtwerk bewundern kann. Andere Räume widmen sich den Waschpulvern oder den Scheuermitteln oder es werden Kerzen gegossen; man kann auch alle möglichen Toiletteartilel, meist alte Bekannte, begrüßen, Zahnpasten, HautcrLmen, Toiletteseifen, die viel fetthaltiger sind als die einfachen Waschseifen und einem schwierigeren ProdultionSprozeß unterliegen, da sieht man Waschmittel für blondes und dunkles Frauenhaar und Streupuder für Säuglinge, eine verwirrende Fülle von Erzeugnissen... Man ist benonunen, wenn man den Betrieb verläßt. Zu viel hat man gesehen. Jeder Zweifel an der Güte der Organisation ist durch die Fülle des Gebotenen erschlagen worden. Im Surren der Maschinen hat man da» Denken verlernt. Man braucht eine gewisse Zeit, um sich zu erholen, wieder zu sich zu kommen. Der Mund plappert automatisch:»Herrlich weit haben wir es gebrachtl" Bis dann auf einnml der Bann gebrochen ist und der Gedanke zu Bewußtsein kommt, daß bei dieser blendenden Organisation leider da» wichtige Endglied vergessen worden ist: die zahlungSkräf- tige Käuferschaft. Fritz Tejessy. {Jason. „große" Ludwig XIV, von Frankreich sich trotz aller. Prachtüion'.Versailles. hüchsteiw.alle D!o- »nie den Körper wusch, können>vir ermessen, was tvir der Seife, verdanken. Heute geht e» mit, der Seifenerzeugung „ganz'schnell". Oer Apparat ist eingespielt, die Organisation klappt vom Eingeborenendorf in Guinea bis zum Laden im entlegensten Erz- gebirgStal. Erst kommt die Reinigung der Oelfrüchte. Wenn sie von tropischen Beimengungen und dem Reisestaub gesäubert sind, werden sie in schweren Walzenstühlen zerlleinert, worauf daS grobe Pro, butt mit Dampf erwärmt, befeuchtet und in Seifenpressen dem Druck von hunderten Atmosphären ausgesetzt wird. DaS Oel rinnt ab, die Oelkuchen, die ein vorzügliche» Biehfutter bilden, bleiben zurück. Run reinigen Filterpreffen da» Oel, daS darauf in mächtigen Kesseln, von denen jeder den Rauminhalt eine» großen Zimmers faßt und zur Die Industriestadt Aussig Eingeschlossen von den sanften Höhen de» Böhmischen Mittelgebirges, liegt die größte sudetendeutsche Stadt, Aussig, an jenem weit« geschtvungenen Elbebogen, an dem sich die Landschaft nach dein Westen öffnet, um dann in da» Teplitz-Schönauer Decken Lberzugehen. Aussig» Tagesverzinsung Sparmarken- und Heimsparbüchse«-Ausgabe Vermietung von Schrankfächern 11 wohlhabender und kultivierter Menschen gewesen' i; ist. Wenn berichtet wird, daß das„Händchen" der ! angeblich so schönen Tochter Gustaf Adolfs von > Schweden, der Königin Christine, unter dem. ver- °krustetM^SHm»b.nicht.. öu sehen war. und der Als.Richard Wagner 1842.auf der Burg-I Wie.bei allen technischen Fortschritten muß« ruiue Schreckenstein den Plan zum„Tannhäuser" ten auch bei der modernen Seifenindustrie ver- eniwarf, kann das liebliche Elbetal den Dichter- schieden» Schwierigkeiten, nicht nur die Oelfrage, komponisten zu allem andern nur nicht zu der! überwunden werden. BI» in die Mitte des vorigen tropisch-schwülen. Ueppigkeit des BenuSberge» be-. Jahrhundert» verstand man nicht, aus künstlicher geistert haben. Die Landschaft, die er damals sah,'Soda konzentrierte Laugen herzustellen, sondern, überragte zwar noch kein Fabrikschornstein, die mußte sich mit wässrigen Auszügen von Pflanzen. Ackerschollen waren noch nicht unter Produkiions»! asche behelfen! war die Qualität der Seife überhallen verschtvunden, die Lust roch noch nicht nach' aus beeinträchtigte. Und doch war auch diese Seife verbrannter Braunkohle und den Abgasen der, schon ein großer Fortschritt, denn wir müssen uns Aussiger Chemischen, aber tropisch-üppig Ivar sie vor Augen halten, daß das vorchristliche Zeitalter die Seife überhaupt noch nicht kannte, daß ihre gewerbsmäßige Erzeugung erst aus dem v. Jahrhundert nach Christi bezeugt ist und daß sie mehr verändert haben als je ein Jahrhundert.vor- Ibis in» 10. Jahrhundert ein Vorrecht weniger her. Die Gegend um den Schreckenstein hat-sich mnMb-kb-nd-r und kulttulsrtör Menlckisn aewelsn jedoch keinesfalls, den Vorstellungen vom Venus berg angeglichen. Den Strom beherrscht eine mächtige Staustufe,' neben der- die dräuende Rit- tterburglMh mehr alS-ssrMk'M'Ari'ßfoFN'KirA iderspielzeug-wtrkt.die'-Wasserstmdiestau^rmdche- wegen.sich'ordeiEch zwischen Däuünen wie^es.sich fürs 20. Jahrhundert gehört, und aus dem Aus siger Becken ragen die hohen Kamine der Jndu» striewerke empor, höher als Berg und Burg zu sammen. Und doch hat die Gegend heute einen tropi schen Einschlag. Tausende und aber tausende'Ton nen tropischer Früchte werden hier verarbeitet, Früchte aus Blüten, deren Schimmer den Früh- lingSzauber des Elbetale» nicht bereichert hat. Sie sind tausende Kilometer weit Über» Meer gefah ren, haben erst' in Hamburg den Ueberseedampfer verlassen und sind dann in Kähnen elbaufwärts bis zu jenem Aussig gezogen worden, dessen Wa renumschlag-noch immer größer ist al» der irgend«' ! eines anderen Flußhafen» am Strome, von Ham burg abgesehen, das Fluß« und Seehafen zugleich ist. In Westafrika ist die O e l p a l m e zu Hause. Ueber eine Milliarde Tschechenkronen be«. trägt der Wert de» Palmöl» und der Palmkerne, die allein au» diesem Gebiet auSgeführt werden. Doch die wirtschaftlichen Interessen der Menschen haben sie längst über alle heißest. Zonen der Erde verbreitet. Ueberall, wo die Sonne tropisch nie- derbrennt, kann man sie biS zu einer Meereshöhe von 1000 Metern antreffen. In Oft« und West indien gedeiht sie nicht'minder gut als.ini tropi schen Südamerika. Au» den brasilianischen Kampo» stammt ein anderes Gewächs, dem vor hundert Jahren auch niemand geweissagt hätte, daß seine Früchte einst Aussiger Schleppkähne füllen würden. Heute wächst die Erdnuß in fast allen tropischen und sub tropischen Gegendest der. Erde, im, nördlichen Afrika wie in Asten, ja sogar in einzelnen Gebieten Südeuropas konfmt sie fort. In. ihrer-stroh gelben, leicht zu öffnenden'dünnen Schale wird -sie manchmal al» billige Näscherei für anspruch»- 'lose Geschmäcke in Lebensmittelgeschäften verkauft. Sie wächst' äst einer krautigen Pflanze; erst die reifende Frucht senkt den Stengel" zum.' Boden, bohrt sich in die Erde und reift al»„Erdnuß" au». Ohne da» Oel der Oelpalme und der Erd nuß ist die Aussiger Seifenindustrie undenkbar. Es ist. noch gar nicht so lange her/ daß die Oel» kerne und Erdnüsse die Elvereise machen.. Roch bi» in die siebziger Lahre de» vorigen Jahrhun derts mußte sich die mitteleuropäische Seifester zeugung.- auf inländische Rohstoffe-beschränken - und brachte daher in deinen Betrieben nur ein für unsere Begriffe sehr minderwertige» Erzeug nis zustande. Al» jedoch die.billigen Mhstoffe ans dem.. Welwmrkt erschienen^ schossen-überall, wo ihre Anfuhr! billig herbeigeführt werben konnte, also dar allem ist See- und. Flußhäfen, die Großbetriebe empor. Aussig-Schreckenstein verdankt seinen Schichtbetrieb dtm gleichest Stastd« ortSgesetz, das ähnliche Werke ist Hmstburg-tzar« bürg-Dremen.Stettin.'amNieder-'und'Mittel« ryetst- öddr-cksti der- Elbe- b i»' nach> Riesa' entstehen ließ« I w U i| 2? i Hl ij K- «Seite 28 Sonntag, 30. Wigttst 1938 „Sozialdemokrat" Nr. 202- Karlsbader Zentralmolkerei, r. 6. m. b. H., Karlsbad ANTON HUBL Tuchgroßhandelsgesellschaft m. b. H.- Gegründet ,1784 PRAG II.« Jungmannova 33 Aussig:t Brünn:: Karlsbad:: Wien:: Zagreb Verlangen Sie bei Ihrem Schneider die H Ü B L- Kollektion! xjgK Mitglieder der Konsumvereine! Beziehen Sie Ihre Produkte wie: Pasteurisierte Vollmilch, mlffi Rahm, Butter, Fruchtjoghurt„Jovo“, Frucht-Trunk(das tBlUlgB neue durststillende Milchmischgetränk) sowie alle Käse- X, H/ Sorten und besonders Emmentaler-Käse aus dem xMy heimischen Unternehmen der Zentralmolkerei 3M Verlangen Sie überall dis vorzügliche ungarische Salami Marke JOB Tonwaren- und Ofenerzeugung josir TRonUfi POLICE n. M. 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Er hatte er« gründet, daß die konsequente Gewerkschaftsarbeit, her Drang nach höheren Löhnen, besseren Arbeit-« bedingungen,. die erzwungene Kollekttvregelung dieser Bedingungen für alle Industrien sich immer Mehr zu einer monopolistischen Einflußnahme auf die Wirtschaft, entwickle, welche der Unternehmer« initiative außerordentlich schädlich sei und sie schließlich gänzlich untergraben müsse. Hatte dieser gelehrte Herr die Augen vor der iPirklichkeit verschlossen? Dies ist kaum anzuneh« men, aber sicher ist, daß er bewußt sein Wissen in den Dienst de» Kapitalismus stellen wollte. Sein'« Theorie hatte auch in Mitteleuropa, besonder» in Deutschland begeisterten Widerhall gefunden, in stinem Heimatland« blieb sie wirkungslos. Stellen wir die Frage umgekehrt: Was wäre aps der Wirtschaft geworden, wenn die sogenannt« Unternehmer-Initiative in den letzten Jahren sich hemmungslos hätte ausleben können? Die Antwort ist nicht schwer; der Wert der Arbeit wäre ndch mehr herabgemindert worden, die Arbeitermasten wären auf die Lebensstufe ostasiatischer Kulis herabgesunken, die Kaufkraft wäre vollständig vernichtet und mit ihr die Wirtschaft. Der Profitegoismus der Kapitalisten hätte diese Ent« Itzicklung sehr rasch erzwungen. Die Theorie CastelS besagt, daß die Gewerkschaftsarbeit vom Kapitalismus als Bedrohung feiner Interessen angesehen wird. Der Kapitalismus, der. für sich volle Koalitionsfreiheit fordert tz. B. zur Bildung von Kartellen) war und ist ein Gegner der Koalitionsfreiheit der Arbeiter ufid-Angestellten, besonder» wenn dies« in mar« Mischer Richtung auSgenützt'wird. Gegen völkische Gewerkschaften, gegen gelbe Bereinigungen haben die Unternehmer nichts einzuwenden, im Gegenteil, dies« werden Meist von ihnen gefördert. Nn4 dem Wunsch« des Großteils der Unternehmer Men sich di« Gewerkschaft«» schön brav nur mit dir Arbeitslosenunterstützung beschäftigen. Die Feindschaft der,Unternehmer-richtet sich also nur gegen die'freien Gewerkschaften, die ihr« Auf» Mit dem wachsende».Aufgabengebiet der Ge- werkschaften ist diese Feindschaft größer geworden. Noch vor wenigen Jahren betrachtete man als fast ausschließliche Aufgabe der Gewerkschaften den Wschluß^von-Kollektivverträgen,' die Betreuung her BetriebSauSschüste und die Einflußnahme aus die sozialpolitische Gesetzgebung. Diese Aufgaben wurden auch mit allem Nachdruck betrieben. Aber die Entwicklung der kapitäliMchen Wirtschaft hat sehr rasch eine bedeutend«Wtweit«rung der Ge- 'Werkschaftsaufgaben erzwungen.' Än Pen letzten Jahren haben sich di« tn Pu« strielle Konzentration und die Kart«llbil d u n g mit Riesenschritten ent, wickelt. Heut« zählen' wir Oereit» über'800 Kar« tell«. Seit. 1980 sind ein«'Reihe von gewerkschaftlichen Kämpfen, von Streiks in kartellierten Betrieben verloren gegangem Die Lehre dieser' Kämpfe ist,, daß Kartellbetriebe einzeln nicht mit genügend ErfolgsäuSsicht bestreikt.werden können, solange der kartellierte Produltionsapparat groß und stark genug ist, denProduktionsentgang wett-, zumachen und den bestreikten BetriÄ-entsprechend zu entschädigen..Der generell kartellierten Produktion kann pur noch mit generellen Kampfhanp-. lungen beigekömmen' werden. Hie'zir.g'ehören außerordentliche Kräfte, die zü entwickeln und zu erhalt«» hesrte die.wichtigst«, Aufgabe sein' muß. Zur Crreichimg dieseS ZieleS ist mehr denn je die Erziehung, der Axbeitermaffen zum Klaffenkampf und deren Abwendung von denScheingewerlschaf- 'ten'trfmdirlichl'Histz'u' kommt daS" erforderliche Maß vyn Wirtschaftsschulung. Nur Wer die Ent« Wicklungstendenz' der kapitalistischen Wirtschaft, erkennt,' kantl feine Gewerkschaftsarbeit ihr an« Paffen. Inmitten größtdrÄrisenot habeN7tdir erlebt, däßchie moderne Kartellpolitik der Industrie skrupelloser Und-rücksichtSloser alS der Einzel« UnterqehMechdeN'Pröfitschlch? betreibt. In, der Oeffentlichkeft.fiehtmanim.allgemeinen nUr die PreiSpolÜikhdir Kartelle als. schädlich an. Biele ander« Kaptelllvirküngen, sind- überhaupt nicht sichtbar«IS solche. Die Kartellverträge haben Dutzende B e t r i e b s st tlle gu N g e n er- möglicht, bei denen die Unternehmer mit Millionenbeträgen entschädigt und die Arbeiter und An-^ gestellten der Arbeitslosenfürsorge des Staates und der Gewerkschaften überlassen wurden. Di« Kartellierung ermöglicht« in erhöhtem Maße die Rationalisierung der Betriebe, di« Typisierung und Normierung der Produkte. Tausende Arbeiterexistenzen sind diesen Kartellwtrkungen zum Opfer gefallen. Heute»och verzeichnen wir in der Republik über 500.000 Arbeitslose. Die WirtschastSpreffe begrüßt dies« außerordentliche»Senkung" der Arbeitslosenzif- fer. Dieselbe Presse hat erst kürzlich den gegenwärtigen Wirtfchastsftand als neue Konjunktur gekennzeichnet und versucht abzuschätzen, wann di« neue Krisenwelle kommen werde. Noch sind, über eine halb«Million Arbeitsloser auS dieser Krise vorhan- denundschon unterhält man sich darüber, wann die nächste Krise kommen w er d e. Richtig ist^ daß der ProdukttonSumfang in fast allen Industriezweigen gewaltig gestiegen ist und i» einigen schon wieder den Konjunkturstandard erreicht hat. Aber die Zahl der Beschäf tigten hat diese Steigerung bei weitem nicht mitgemacht. Sehr spät erst ist die Sttmme der Gewerkschaften vernommen worden, welche diese Tatsachen immer wieder aufzeigte und Abhilfe forderte. Einige Maßnahmen des Staates sind den gewerkschaftlichen Forderungen entgegengekommen, so die Betriebs st illegungs- Berordnung und' da» Kartellges«tz. Beide vermochten aber nicht die Entwicklung auf« zuhalteu. Sie könnten ersddann wirklich wirksame Waffen der Gewerkschaften sein, wenn sie auf die Schäden der Kartellpolitik gründlicher eingingen, wenn'sie nicht nur«ine überwachende und teils vorbeugende Funktion hätten. Die Stillegungsverordnung ist z. B. schon keine Waffe mehr in allen jenen Fällen, wo vor ihrer Entstehung Betriebe auS rein spekulattven Beweggründen gegen hohe Entschädigungen stillgelegt wurden. Das Kartcllgesetz hingegen nimmt anf diese Kartellwirkungen überhaupt, keine Rücksicht. Ein großer Mangel wird hier sichtbar. Der demokratische Staat duldet noch immer kraffe Auswirkungen eines ausgesprochenen wirtschaftlichen Absolutismus. Er trägt, gemeinsam mit den Gewerkschaften den Schaden davon. Er hat lln- DRUCK- UND VERLAGSANSTALT THUM& CO. WARNSDORF Verband der Glas- und Keramarbeiter und-brbeiterinnen In der CSU.' Zentrale In Teplitz-Schönau WattstraBe Nr. 1859 ALLE METALLARBEITER gehören in ihre Berufsorganisation, den Internationalen Metallarbeiterverband 3719 ■'L!'.';r.[Li i,. Lesangstraße Nr. 23 \^Tedes Mitglied erhält jederzeit und in jeder Lage^us- kunft,;Rat und Hilfe •.e.’vA■<:’-,■<;- f< iiÄw BEITRITTSERKLÄRUNGEN bei allen Betrlebßvertrauensmähnem oder /von dbr Zentrale' 'Komotau ' M'" Air' av W) -ja, r; •’A iHl 'MM KM summen fiir die Arbeitslosenfürsorge aufzubrin- gcn, er erleidet Verluste an Sieuereingängen, indem er nicht eimnal die Nutziueßer der Krise ec» fasten kann. Daraus ergibt sich: Die politische Demokratie kann einen w irisch aftlichenAbso l'u t i S m u S n i ch t ertragen. Bescheidene Anfänge zur Schaffung einer Wirtschaftsdemokratie wurden geschaffen, Das B e t r i e b s a u s s ch ü s fege s e h bildete den Anfang, aber man merkt diesem Gesetz nur den guten Willen an, es erfaßt seine wichtige Aufgabe nur sehr zögernd und mit allzuviel Rücksichtnahmc auf die Wirtschaftspoten» taten. In letzter Zeit wurde ein weiterer Schritt unternommen, in der Frage der Zwangssyndizierung. Zum erstenmal wurden Gewerkschaften zur Mitwirkung Lei einer großen wirtschaftlichen Maßnahme berufen. Aber auch hier ist in allem noch das alte Zögern zu spüren. Die entscheidende Initiative überläßt inan immer noch dem Unternehmertum. Der wirtschaftliche Absolutismus wird nicht beseitigt, nur ein klein wenig eingeschränkt.’s. Es muß unsere Aufgabe sein, die eingctre- tene Entwicklung z» beschleunigen. Die Wirtschaft braucht eine Planung, eine Organisation; die bisherige chaotische Wirtschaftsabwicklung hat dies eindeutig bewiesen. Aber diese Organisation darf nicht den Kapitalisten, den Nutznießern der Wirtschaft überlassen bleiben, die Initiative gehör t'indieHanddeSStaates unter entscheidender Mi t w i r k u n ff der Gewerkschaften. Gegenstand einer Wirtschaftsorganisation müssen nicht nur die Fragen der Absatzregelung und der Preise sein, sondern ebenso die Löhne und Arbeitsbedingungen der Arbeiter und Angestellten. Es gibt bei uns noch keinen M i n d e st l o h.n, noch keine untere Grenze fiir die menschliche Existenz, der Wert einer geleisteten Arbeit wird noch vielfach«inseittg voM Unternehmer allein bestimmt. Auch hier liegt ein bescheidener Anfang vor. Die Regierungsverordnung Nr. 80 vom Jahre 1035 schützt die Köl- ^lektivvcrttäge, Tausende unglückliche«Opfer der !Äcist,sckv'elcheSIÄN'«niKoll«ktivberträg-chaden,- siNtz hingegen volllonuueii schutzlos dem Ausbeutungswillen skrupelloser Unternehmer ausgeliefert. Daraus ergab sich die gewerkschaftliche Forderung nach Allgemeinverbindlichkeit derKoltiekti Überträge, die aber.bisher nur in d»r Textilindustrie für einzelne Gebiete erfüllt wurde.. Alle aufgezählten Handlungen sind lleine Teilfragc» der erforderlichen Organisierung der Wirtschaft auf streng demokratischer Basis. Sie zeigen die Richtung der neuen erweiterten Ge- werkschaftsäufgaben an, die sich zentral entfalten müssen. Zur Entfaltung dieser Aufgaben muß große Arbeit geleistet werden. Die Wirkung der Rationalisierung kann nur dann wirksam bekämpft werden, wenn die erforderliche Uebersicht über die Entwicklung der Produktion und der Beschäftigung vorhanden ist. Hier muß die amtliche Stattstil helfend eingreifen. Wir haben wohl eine genaue Statistik des Außenhandels, aber noch immer keine Statistik der Produktion und d e r B e s ch ä f t i g u n g in den einzelnen Industriezweigen. Diese ist auch in vieler Hinsicht erforderlich zur richtigen Beurteilung der Kartelltätigkeit., Diese Aufgaben fallen dem Staate zu. Der Arbeiterklasse bleibt.es Vorbehalten, die Voraussetzungen für die gewollte Entwicklung zu schaffen. Ein gewerkschaftlicher Einfluß und eine richtunggebende Mitwirkung kann, nurwon den freien Gewerkschaften erwartet werden,,niemals von jenen Scheingewerkschaften, welche..ihre Existenz selbst vom Bestand des Kapitalismus abhängig gemacht haben. Bei dem' erweiterten Aufgabenkreis dürfen wir also nicht vergasten,-daß.di« freien Gewerkschaften die Fähigkeit zu der erforderlichen Machtentfaltung aufbringen müssen. Das heißt, daß wir mehr denn je, auf die'Stärkung unserer Gewerkschaften,, auf die zahlenmäßige und ideologische Erfassung der Arbeitermaffen bedacht sein müssen. Es gilt, das zu schaffen, was Prof. Cassel als Schreckgespenst den Kapitalisten vorgehalten hat, das Gewerkschaftsmonopol als einzig mögliches Gegengewicht gegen, den. sich rapid entwickelnden Monopolkapitalismus. Franz D i n n e b i e r. WWDWWWWWW ,“ Ja tu MldMMM NM Slti: Sternberg . Erfaßt alle aktiven Arbeiterinnen ' und Arbeitet der tschechoslowakischen Tabakregie sowie, auch jene im Ruhestände! Die Gewerkschaf t gewährt, den Mitgliedern '.'KfahkenunterstUtaungund ' Beerdigungskostenbeiträge ss» Seife 30 »Sozialdemokrat" Nr. 202 Sonntag« 80. August 1V36 Alle Sportarten werden gepflegt■ uer« Klliflier gehlrea In den ATU S Die zuständige Berufsgemeinschaft aller Privatangestellten in Industrie, Handel-und Verkehr.. sowie für kaufmännische Lehrlinge, Lehrmädchen, Praktikanten, Volontäre, Jung angestellte, Schüler der‘ Handelsakademie oder Reichenberg, Turnerstrasse 27 \VI N I’EK BEI .Schuhmacher, Ledergalanteriearbeiter u. Koftermacher sowie der Friseurgehilfen Parteigenossen und-Genossinnen, werbet unter diesen Berufsgruppen für unseren Verband! Schönau, Eichwalderstraße 39- Bodenbach, Dresdnerstraße.- 888<* Reichenberg, Schloß-.. gasse 1- Jägerndorf, Masarykplätz 21- Brünn, Bahnhofstraße 10- Trautenau- M. Schönberg -schule, der Facl “Hochschule ist d| allgemeine angestellten-Verhand Der rabriRarbeiler-Derband ' In der£xl. Hcnubllk Silz Russig a. d. Karlsgaüe 1 ist dft, zuständige freie Gewerkschaft der Arbeiterschaft der chemischen Industrie, der Papier« erzeugungS« und«VemrbeltnngSindustrie, der Gummi«,- Rucker«, Zement«, Thamofle» und Kunststeinindustrie, der Kunschlumenindustrie, sowie verwandter Berufe in der Tschechoslowa« fischen Mepublik und vertritt jederzeit und rückhältlö» die wirtschaftlichen< und sozialen .."■ v Interessen der gesamten organisationszuständigen Arbeiterschaft. Außer den Vertrags« und lohnpolitischen Aufgaben fowie Leistungen für VildungSzwecke bat der Verband allein an Unterstützungen bis Ende 1035 an feine Mitglieder den Betrag von Ai 43,403.427.83, darunter rund 40 Millionen Ai an Arbeitslosenunterstützung auSbezahlt. Es ist daher Pflicht einer jeden Fabrikarbeiters, seiner Gewerkschaft anzugehären- Die sozialen Kämpfe der Zukunft verlangen unbedingt die geschlossene gewerkschaftliche Front der Arbeiter» X. klaffe. Bist Du noch nicht Mitglied, dann vollziehe ohne Aufschub Deinen Beitritt zum Fabrikarbeiter- Verband. . Bist Du aber Mitglied» dann agitiere unerschrocken und erfolgreich unter Deinen noch indifferenten Arbeitskollegen,. Fabrikarbeiter, aulzur Tatl mit seinen- G e sjc hält s s t eil en in: Karlsbad, ?', il 0 j” i ii li. 1 Invalidenstraße 14, Häus,jBri'ohr“ Teplitz- 1-, Gewerbe- oder technischen nuL’^uthsinnnalöiJijIisiä; ,vjfxrfrjKaiix.v W»hfinstf nsUa ni.■.*■ i• jnnt: UNION DER TEWWWMWMM AWH fürdastschechosIowakIsche StaatoUCtÄat W : ZENTRALE: REICHENBERG, SCHLEUSENGASSE Nr.12 Sekretariate in Asch, Freudenthal, Jägern dort, Mähr. Schönberg, Reichenberg,Römerstadt, Rumbürg, Teplitz, Trautenau, Warnsdorf, Zwittau Unterstützungen: Streik-, Arbeitslosen-, Hinterbliebenen-, Entbinduhgs* sowie Kbtfalls-Unteretützung und Rechtsschutz An Unterstützungen, wurden bisher KS 821,978^668*— ausbezahlt, davon allein an Arbeitslosenu^terstüteüng'.^6 8Wj716.976^7- An Lohnerhöhungen wurden bisher 660 Mill.Kö erreicht- Wöchentl. erscheinendes Fachblatt- Verbandsvorsitzender: Gen. Anton Roscher’ '.?.- ft-'..-i jX.i...»> i.--... Jeder Textilarbeiter gehört als Mitglied in die größte und leistungsfähigste Gewyrkschaft der Textilarbeiter unseres Staates, in die' i „Sozialdemokrat" Nr. 202 Sonntag, 30. August 1936 Seife 31 DRUCK- UND VERLAGSANSTALT 3552 Transportable Kassen, Einmauer-Tresore. Tabernakel, bank-Tresor-Anlagen 8610 Frottierware n-Weberei ✓ George Elfter Grottau 8515 X- 1 Al TILIPHONNr. 1747 AktltMiitllicliili. Frla.l.R. L S. Tannwafd ■ I» WOLF Mm i Bedruckte und seflrbte Prospekte kostenlos öfl n s 11 s e Tel I so hl engen Alle Partei-, Gewerkschafts-, Sport- und Kultur-Körperschaften der Verbreitungsgebiete der„Volkspresse", der„Volkswacht" und des„Adlergebirgs- boten“ bestellen nur bei uns! Wir liefern olle Suchdrudtarieikn von der einfachsten bi» zur erstklassigsten Ausführung zu zeitgemäßen Irtisen! 8680 REICHENBERG bahnstcmassc» Kolonialwaren— Kaffee Delikatessen KteMtftu. Blusen-StUfe sowie Kopftücher In Baumwolle. Wolle und Kunstseide Kiltnndnickirel, Flrlwrei end Apgretar Rolffs* Cie VORWÄRTS G.M.B.H., TROPPAU-KATHAREIN POSTFACH TROPPAU 8B, TELEFON 293 wUAur> Derlanget überall DoUuziinder! Eduard Klinger l Comp Reichenberg Rosemann& Spitz Reichenberg Fabrik für automatische Bfickereimasohinen 8579 RWNbllS, MMttStt.1v Telephon 8888 kssseneneusuns ws.iira8rai8eili.keki. MORCHEHSTERK Mbi81‘,’ b B*UMEISTERi Tannwald er 'S-'jf■• Baumwollspinnfabrik VjjKS I tuUwye—4* Reichenberg, die nordbBhmische Metropole Am Kuße des Jeschlen breitet sich die groß« Siedlung Reichen berg aus. Man muß ihr Atsch die Bororte Reichenbergs zuzählen, die SU. sammengenommen. ebensoviel Einwohner haben wie Reichenberg.selbst und durch zahlreiche- Ber- lehrSmittel mit der Stadt zu einer Einheit Bet« schmolzen. Undf allüberall schießt» aus/.dieses Siedlung hohe Esten In den Himmel, davon zeu« gend, daß hier eiste Stätte raslloser Arbeit isst Reichenberg Ist schon in alten Zeiten eine Tuche macherstadt geblieben; die Textilindustrie bet herrscht auch heute noch daS- Lebe» der ganzen Reichenberger Landschaft. Hier befinden sich die größien Textilfabriken: der Tschechoslowakei/ alle Arten deS Textilgewerbes find vertreten; Weberei, Spinnerei, Färberei, Teppicherzeugung.. Die Reichenberger Meste, die alljährlich Kunde gibf von der Betriebsamkeit dieses.Landstriches, und dem Können seiner Bewohner, wird von den strt zeugniste» der Teztil-und der GlaSistdpstrie beherrscht. Denn'. In der Nähe Reichenberg-, liegt die GlaSstadt G a b l o n-z,' weltberühmt dstrch ihre Erzeugnisse.' In Gäblonz'stedeln Erzeuger und Exporteure.der GlaSwaren,. in den.Tälern des schönen JsergebirgeS sitzen die Schleifer. ... Das Industrieleben konnte die Schönheit der nordböhmischen Landschaft nicht beeinträchtigen. Tiefdunlle Wälder rauschen an den Berghängen, weit sieht der Jeschlen ins Land, da» Wahrzeichen Nordböhmens. Und so wie Reichenbergs Landschaft Tausenden und aber Tausenden Arbeit und Brot gibt,.gibt sie Tausenden und aber Tausenden Freude und Erquickung. jMO MM feMWMW« Sitz Reichenberg, Miihlseldstrasse 52 Sekretariate:... Reichenberg, Mühlfeldstraße SS Karlsbad, Hau»„Volkswille-, Kantstraße Olmlltz, Gabelsberger Gaffe Nr. 4/1II llllteverkschMllche LkßmWm w SntMtn Ha SffentllAen Sitnftes Fachgruppen und Sektionen für die, einzelnen Berufsgruppen— Krankenunterstiihung, Not« fallsunlerstiitzung, Stellenlosenunierstützung sowie Siaat»zuschuß, Rechtsschutz in allen Berufsangelegenheiten— ISO Ortsgruppen. Fachblatt „Der neue Weg". Es liegt im Interesse jedes einzelnen, alle noch außerhaB unserer Reihen.stehenden öffentlichen Angestellten für l den Verband zu werben- Niemand schlitzt euch,' .wenn nicht die Organisation! km 011118} 0.91 Schmirgelfelsgaste Nr. 12 die kosMA sem kl . Bedarf aa Srucfcsucfceal WM Mikl L R Äftrtkrei tliliie MlvMl8ivdfefeMß«i SsMertarife für MMelzivzszvkSe m jnn Stttiat non Rflöitijttiteii » Alles Nähere zu WchjeUWlM^^ « sttlhMeMM«m Mi kröffei del Reiekendekg unck lanmaald «W Dachdecker empfehlen fich zurvortrilhafteinfAeferung folgender Artikel: Sajrdsen, KMkamiue, Las« und elektrische Stocher, Stauvsauger, elektrische Lesen, elektrische Wärme- und i-eUapparote seder Art, Kühlschränke, Badezimmer, einrichtnngen usw. Seite 32 Sonntag, 80. August 1V38- .Sozialdemokrat" Nr. 202 Schlesische Textilarbeiter MT 9721 Schafwollwaren- undFlIzfabrlken 'n> i/ Seiden- und Wollwaranlabrlk 3535 fff MBmK i MOllG t SÖHNE TiuijiB'J FR-»«™»«-.W PrinzipderDiktatur praktisch mutz, will sie den Gegner schlagen, in erster Lime .gerecht fein und,sie darf«» insbesondere im Kampfe"gegen dl« Krise an EntschlosseWit Und Energie nicht fehlen lasten. Unterstützt sie so durch'ihre-tatkräftige? Initiativ« die Arbeit der Sözialdemokratir». die M, einer grsährdefen Einbruchsstelle der deutschen Faschismus Grenzwachl hält,, dann wird die Tschechosiowakische Republik, auch Im schlesischen Abschnitt ihrer Nord-Ost«' Flanke.ausreichend g e s i ch e r t sein. H. L. ' pjp■ vermochte, Wag die Tschechen seinerzeit mit Recht' den Deutschnationalen»M Morstchrss machteni praktizieren sie setzt selber. Der-nHioNill« Chauvinismus feiert auch in'Schlesien sei« Orgienr Bei den Behörden, auf der Bahn, bei der Post fast keine Deutschen mehr. SMst der.schlichtest entlohnte Landbriesträger„mutz"«in Tscheche sein. Noch dazu einer, der.in^ der Regel nur sehr mangelhaft deutsch spricht. Wenn irgendwo staatliche Arbeiten vergeben werden, genietzen in den meisten Fällen^tschechische Firmen und tsche« chische Arbeiter den Borzug. WiesichdaS psychologisch auSwirtt, kann man sich d^rken. Herrn Goebbels Agitation findet hier guten Boden. Die Rundfunksender Breslau und-Gleitvitz toben sich aus nach Herzenslust—'und Prag lässt es geschehen. Ein deutscher Sender? Das verträgt das„nationale Prestige" nicht. Hitler darf zufrieden sein. • Unter solchen Umständen hat unsere Partei keinen leichten Stand. Da sie in der Regierung vertreten, ist, wird sie für alle Sünden des tschechischen ThauviNiSmuS miwerantwortlich gemacht. Ihre unbestreitbaren Erfolge auf sozialem Gebiet wiegen di«, Schäden, die von ander«», per» ursacht werdest, nicht auf. Dennoch' findet' das Wirken unserer Partei bei den einsichtiges» Arbeitern,.die sich auch in ärgster Krisenzeit klareß Denket» betvahrt'Haben, Anerkennung. Bor allegt d'ortl wo-'ein gukgeschulter Fünktonärkadre für unermüdliche Aufklärung sorgt, gelingt eS dem faschistischen Gegner selbst, trotz> grösster Anstrengung nicht, in, die sozialistische«-Reihch» Breschen zu schlagen,. ES seien chier.mur die Gemeinden Wigstadtl und Sstächendorf erwähnt, zwei rote Hochburgen, an denen alle. Angriffe Hc braunem-Nqzi zuschanden.werden., Auch-.« Jägerstdorf,. Würbental, Benisch, KarlStal und vielen anderen Orten,,in-denen prächtige MenHandarbeitsgarne AnlerfSden Heft- und Mafchlnengurne Leinenzwirne ete. nur mit der bewShrten Grenzlmß» di« grotze Aufgabe zu«PWn hat, ,'thre moralische Ueberlegenheit' gegestühtr dem Prinzipber Diktatur prattisch zu vedstWi.. Sie »INEN- UNv baumwoii- , 1’K*■ TABCHENTUCHINDUSTBIE schoss Mr» BEI HOHENELBE IN BÖHMEN BaknHollon HUort(Kunde« n./L) Wer das Altvatergebirge durchwandert,, ist überrascht von der sfülle landschaftlicher Schönheit, die sich dem Auge darbietet. Ausgedehnte Forste bedecken den Höhenzug, besten, höchste Gipfel wie kleine, Helle Jnselst aus dem dunklen Waldmeer emporragen, in das rauschende Wildbäche tiefe Furchen gezogen haben, romantische Schluchten, die sich allmählich zu lieblichen Tälern erweitern. Steht man oben auf den Bergen,, die In vieler Hinsicht an das Riesengebirge erinnern, dann geniesst man Nach Osten zu eine wundervolle Fernsicht. Weit schweift der Blick in die fruchtbare schlesische Tiefebene, die fern am Horizont mit dem Dunstblau des„Himmels" verschmilzt. Bei klarem Wetter gewahrt man von gewissen Punkten aus recht deutlich ein schmales, glitzerndes Band: den Oppa-Flutz, Grenzscheid« zweier Staaten und heute.—'zweier Weitem Jenseits liegt Hitlers Dritte Reich,'diesseits datschechoslowakische Schlesien. Es Ist ein schönes,- aber arme» Land, das sich an den Ostabhängen der Sudeten äusbreitet. Arm vor allem, seit auch die Krise hier ihren Einzug hielt. In den dichtbesiedelten Industriestädten und-Dörfern ,stösst man auch da, wie, anderswo in der Republik, auf Fabriksruinen, deren Mancrreste den Eindruck gespenstischer Oede Hervorrufen. Biele Betriebe sind stillgelegt, die Hände, die in ihnen einst so emsig schassten, müs- ' sen nun schon seit Jahren feiern. Die Arbeitslosigkeit'in diesem Gebiet ist verhältnismässig grotz. Hart betroffen'ist inÄiesondece der Bezirk Jägerndorf, der in der Reihe der Notstandsbezirke zur„Spitzengruppe" zählt. Wohl das stärkste Kontingent im schlesischen Proletariat stellen die Textilaicheiter. Die Textilindustrie ist hier sozusagen„zu Hause". Jä- gcrndorfer Tuch, Benischer Leinen, Wigstadtler Seidenwaren sind ihrer vorzüglichen Qualität wegen ist der ganzen Welt bekannt. Weniger bekannt ist, Latz die Arbeiter in den schlesischen Textilfabriken, die seit letzter Feit eine etwas bessere Beschäftigung aufweisen, autzerordentlich schlecht bezahlt werden. Stundenlöhne von einer Krone sind keine Seltenheit. Wer— in Jägerndorf— 120 bis 100 Kronen wöchentlich heimbringt, gilt schon als„guter Verdiener". Di« Aalst dieser„Glücklichen" ist aber nicht allzu grotz. Etwas günstiger sind die Lohnvcrhältniste in der Metallindustrie, die freilich in Mittelschlesien einigermassen schwach vertreten ist. Nichtsdestoweniger liegt auch bei den Metallarbeitern da» Lohnniveau heute beträchtlich unter dem der Borkriegszeit. Sehr'schlecht verdienen di« Holzarbeiter, die vorwiegend irü obern Oppa-Täl anz^« treffen sind, ferner die Waldarbeiter in dm zumeist dem^Deutschordmzeehörigm^Forstm^.^So- jvclk"kc1cht auch in Schlesien'die'christltch- Räch'« stenlicbe der Kirche nicht, um die Arbeiter, menschenwürdig zu entlohnen. Den Bauarbeitern geht eS hier wie überall. Da es für sie wenig Arbeit gibt, hungern sie sich schlecht und recht durchs Leben. Früher sanden sie gelegentlich, wie so viele andere Proleten, drüben'in Deutschland Beschäftigung. Seit Hitler dort regiert, hat das vollständig aufgehört. Früher kamen auch tausende Touristen und Sommerfrischler herüber und brachten Geld tnS Land, aber dieser Zustrom ist- heute gleichfalls nahezu versiegt. Schuld daran sind natürlich— so behauptet wenigstens Henleins Flüsterpropaganda und unzählige Menschen glauben«S leider— die Marxisten und die Tschechen. In-den Sommermonaten freiten sich die Arbeitslosen noch halbwegs hin. Sie gehen in die Wälder'ihrer Heimat um Pilze und Heidelbeeren, die sie dann in der Stadt zu Spottpreisen' verkaufen^' I» Petersdorf und Johannestal sind die Hausierer daheim. Ihr LoS ist über alle Massen beklagenswert. Wo einst ein gewisser Wohlstand herrschte, brüten fetzt Elend-und schlimmste Not: Die Partei hat eS In diesem Landstrich, der von der Geissel„Wirtschaftskrise" so arg heimgesucht ist, ungeheuer schwer. Die breite Maste des verelendeten Proletariats ist verzweifelt und darum messiasgläubiger denn je. Während ein Teil in der Religion Trost sucht und auf irgendein göttliches Wunder wartet, setzt der weitaus grössere alle Hoffnung auf Hitler und dessen süde- tendeutsche Handlanger. Auch im schlesischen Grenzland war bei den Maiwghlen, de» vorigen ÄahreS Henlein der eigentliche Sieger. Am pgfi-- tischen Kräfteverhältnis hat sich seither winig'ste- ändert. Mit der„Volksgemeinschaft" will eS zwar längst nicht mehr klappen und dieBrand- katastrophe hat auch'in der SdP- ihr«-sichthiirSn Spuren hinterlassen, im grotzm-'und stanzen abhr steht das GroS der damaligen Hcnleinwählec nach wie vor im Lager der faschistischen Reaktion. Es ist dies- hauptsächlich das-Verdienst einer Staatspolitik, die sich süst dort, wo- es am Ndt» wendigsten wäre, noch nicht zu„entösterreichern" W 5 schen die Bewegung betreuen,^besitzt dl« Partei Positionen, die-nicht erschüttert werdenkönnen! Im letzten Halbjahr ist in den Partelbezirken Troppau Und Jägerndorf ein erfreulicher Aufs stteg zu verzeichnen, der davon Zeugnis ahlegtt dass die Ide« des Sozialismus wieder auf dem Bomiarsch ist und aufs neue Raum gewinnt. xm.Hakenkreuzlertmn wäre m-Schlesien längst erledigt, wenn-MSN an den veranüvort« lichen Stellen des Staates endlich erkennen würde, daG.bitz Demokratie gerade im bedrohten Kmwrt-StrSmpf«— heute selbst im kleinsten Orte unseres Landes bekannt— kann man nicht nur in fast allen Staaten Europas finden, sondern man trägt sie in allen fünf Erdteilen. Sie werden in den gross«» Fabrikanlagen der Firma I. Kunert& Söhn« ht Warnsdorf, Nordböhmen, erzeugt. Dieses erst vor einem reichlichen Jahrzehnt gegründet« Unternehmen ist durch feine hohe Leistungsfähigkeit in dieser kurzen 8«tt weltbekamit geworden. Die Firma Kunert besitzt in Warnsdorf ganz moderne Fabrikgebäude mit Helten und gefunden ArbeitSrSumen, wie man sie selten findet. Sie verfügt über eigene Kraft-, Licht- und Wärmeaylagsn, sowie über einen reichhaltigen Ma- schinrnpart modernster Konstruktion. ES werden aus« schliesslich DameNfmÜnpfe erzeugt, wobei Naturseide, Kunstseide, Flor und Wolle zur Verarbeitung gelan» 'gen. DI«-Herstellung erfolgt vom einfachen Rohstoff« Faden bis zum fettigen Strumpfe, ja sogar bis zym versandfertigen Katton in eigenen Spezialbettteben. -Durch diese Zusammenfassung aller ArbeitSgänge in -einem Unternehmen, sowie durch di« Beschäftigung geschulter Fachkräfte, ist ei Kunett gelungen, seinen -Erzeugnissen bei ausserordentlich niedrigen Preisen «ine besonders-hochwertig« Qualität zu geben. Ge» gentoättig werden 2800 Arbeiter beschäftigt und täg» lich 80.000 Paar Strümpfe erzeugt.- In'Einem Monate sind dal nahezu 1% Millionen Paar, die all« ihre Käuferinnen finden. Die'Fa. Kunert bescht heut« nicht nur die grössten Strumpffabriken der Tscheche« flowakei, sondern ganz Europas. Die^zweitgrösste Strumpffabrik unseres Landes beschästigtoerzeit ea. 800 Arbeiter, stn Verhältnis zu Kunett also nur ungefähr 80 Prozent. Trotz Wirtschaftskrise, höher Zollmauern und Einfuhrbeschränkungen konnte ti« Firma Kunett auch dl« Ausfuhr den Jahr zu Jahr -bedeutend steigern, so dass Kunett heute in dsr Strumpfbranche auch al» Exporteur führend ist.— Tin weiterer Beweis der Leistungsfähigkeit diese» Groh-Unternehmen».- 8887a W «I »,®ojinTbcmo!rnt" Skr. LOS Sonniag, 80. August 1886 Sette 88 Seiten 9arfei-XetiHination flaftatte I SWS I Kauft nur bei uffieren Inserenten! Freudenthal M87 » Färberei Druckerei u. mech. Weberei S3M Lieferant des Gec-Verbandes Erste mechanische Jaquard-Weberei Leinwand- und Tischzeug-Fabrik G. Marburg& Söhne ■BST-NIUHBITBN. ITO*» M. MISEN Ml V WM UP q AWM P» VH. N U TlElektrofahrzeug sinh heute noch Konkurrenten. .Vielleicht nuc.-darum," weil dieses Jahrhundert jtrost/allen Fortschritten., auf-elektrischen Gebieten, "doch noch nicht.das. Jahrhundert der Elektrizität ist. Vielleicht begiiint eist uhch' phantastlschercs -Zeitalter technischer Zuhunft, da» wirklicheWek« trozeitälter erst ich Jahre zweitausend..! Zu befürchten ist nur, dast sich bi» zu ,diesen herrlichen Zeittn die Menschen mittlerweile ausgerottet haben.'"Elektrische Erfindungen^^ die offensichtlich«str" ddst'F»rtfsWk-Md"sdes-tWer- - Verständigung-dienen müssten, werdest dazu-.benutzt, stch gegenseitig das Leben säuer zik machen. ES ist"-Unglaublich! wie Ivir Menschen unS esner herrlichen EMühüstg,. wie züM Beispiel' des Radios;, unwürdig erweisen. Zukunftsmärchen aus dem Jahre 2000 waren cs vor dem großen" Kriege noch, dast alle Menschen in"ihren Wohnungen Musik aus jedem fernen Lande der Wett hören können. Dast sie vor allem selbst wählen können, waS sie davon hören wollen. Nur ein Knopfdruck, nur daS Drehen an einem Skalagrisf und wir hören die Welt sprechen. So wie das Telephon noch eine Einrichtung für jeden werden must— wie e» zum Beispiel Schweden schon im weitesten Maste durchgeführt hat so must das Radio auch eine Einrichtung für jeden werden können. Wir sehen e» also, was uns alles der Fortschritt der Technik zu bieten vermag. In den Hochspannungsleitungen der Elektrizitätswerke wartet schon der Strom, um alle diese Dinge in Betrieb zu festen. Die Industrie steht bereit, für alle genügend Wunderapparate aller Art zu erzeugen. Wir müffen nur die altmodischen Ber« teiler de- Goldes dazu bringen, an den Lohntagen I Oberland-Elektrizitätswerk durttuttat Licht- und Kraftinstallationen -4 FRANZ HANIKA etn foalaler unö oefunöOeftlicmer ' 3705 9580 gestosten. Wie der Fuhrmann auf abschüssiger Sirahe, wen» das vorwärts rollende Rad seines Wagens schneller und schneller zu laufen beginnt, einen Holzklotz dagegen klemmt, so versucht man' der Entwicklung andere Klötze enigegenzuklemmen. Diese Klötze heisten Maschinenzerstörung, Warenvernichtung und wenn eS nicht mehr anders zu gehen scheint— Krieg. So rasend schnell ginge die Entwicklung, durch die Beherrschung neuer Natür» kräfte, zu einem angenehmen Leben fiir alle auf der Erde— aber die Gehirne der oft so klug redenden Verteiler der Güter und der Arbeit reichen für diese Entwicklung nicht mehr aus. Ihr Bauch fährt im amerikanischen Sechszylinder-Automobil hundertzwanzig Kilometer die Stunde auf den. Betonstrasten und ihr Gehirn denkt im Postkutschentempo auf holprigem Weg mit Ach und Krach fünfzehn Kilometer die Stunde. Durch diese sonderbaren Zustände im Apparat der Wirtschaft erhalten nicht alle das, was die Technik heute schon bereit ist, jedem zu geben. Sehen wir uns nur um, was uns alles der Fortschritt der Technik zu bieten vermag, In den HochspannungSdrähten der Kraftwerke wartet schon der Strom, um alle diese Dinge in Betrieb zu setzen, die die Industrie bereit ist- für uns zu erzeugen.""* Was denken wir uns heute schon, wenn wir frühmorgens aus dem Bette klettern und mit einer Drehung am Schalter die. elektrische Glühbirne zum Leuchten bringen I Da wär da» Entzünden einer Petroleumlampe schon• gedankenreicher. Zuerst kletterte die gute Mutter aus dem Bett, um also die Petroleumlampe anzuzünden. Sie begann das damit, dah- sie in der Stube herumkroch, um die Streichhölzer aufzufinden. Streichhölzer sollen bekanntlich immer dort liegen, wo sie, wenn man sie im Dunkeln sucht, niemals liegen. Beim Lichtschalter hat der menschliche Geist, diese Tücke de» Objekts überwunden. Lichtschalterhäbensich bei Tag und Nacht immer an derselben Stelle der Wand aüfzuhalten.. Aber die Streichhölzer befanden sich im Dunkeln immer ganz wo ander»! Sie waren die ersten fünf Minuten einfach unauffindbar. Deshalb begann die gute Mutter den armen Vater zu beschuldigen. Er hätte sicher die Streichhölzer irgendwo^ D Worauf der-apn« Bater sich ebenfalls au» dem Bette wählte und" im Dunkeln ächzend. ist der Stube heruiniiu- kriechen begann. Es handelt sich tnunernoch nm das Anzünden der Petroleumlampe. Deshalb begaben sich die Eltern, nachdem der Bater. erst unter Fluchen ejne. leere Schachtel, die Mutter aber.einige. Zest. später.unter.belehrenden.More, ten doch an der richtigen Stelle eine volle Schach« III j 6 d 0 m m o d e rn e n und . sparsamen Haushalt wird nur GAS UND anstatt Kohle und Petroleum verwendet Auskünfte erteilen bereltwilUgBt Städtische Gas-, Wasser- und Blektrlzltäts- Elektrizitätswerk der Stadt Neudek übernimmt alle ins Fach einschlägigen Installationsarbeiten zur prompten Durchführung GroBes Lasier von sämtlichen elektrotechnischen Artikeln wie: Kochapparate, Bügeleisen, Luster u. s. w. .an Verlangen Sie Offerte' wie sie im Korridor stehend, das Holzkohlenbügeleisen in wilden Kreisen schwangen, um die Kohlen in Glut und da»"Eisen auf die richtige Temperatur zu bringen.";. Da deö Berschlust bei den meisten Bügeleisen im Laufe der Jahre mangelhaft geworden war, konnten alle herumstehenden Familienmitglieder damit rechnen, im wahrsten Sinne des Wortes feurige Kohlen aufs Haupt gestreut zu bekommt». Auch die Eisen, die in "der Kohleglut des Ofen» glühend gemacht wurden, um dann in da» Bügeleisen gesteckt zu werden, die hatten ihre Tüeken. Die hatten wieder da» Bestreben, allen Kindern und der Mutter selber auf die Füsse zu fallen. Und heute? Heute knipsen wir am, Schalter, worauf sich daS Bügeleisen brav selbsttätig, immer auf ditz richtige Temperatur einstellt."" ES gibt heute eine Menge"elektrischer Geräte, deren sich unser« Vorfahren auch nicht in einer primitiven unpraktischen Mart bedienen konnten. Wie schön ist es heute, einen Staubsauger zu besitzen,. der den Staub unp den Schmutz wirklich"nicht nur"ast"der Oberflächtz wegnimmt, sondern der jedes Gewebe auch in der Tief« reinigt.. Dadurch ist diese» Elektrogerät nicht, nur eini Stütze zur Arbeitserleichterung, er ist heute zu einem friedlichen Wettbewerb geworden. Di« verschiedenen Gebiete für Ga» und für Elektrizität wurden im Laufe der Entwicklung .abgegrenzt und geklärt. Dort, wo man heUte sowohl Gas als,auch Elektrizität verwendet,..kann mast sicher" sein, däh die" Entscheidung- zu dem einen oder zum anderen oft ein«in individueller Entschluss jft," oft auch nach besonderen wirtschaftlichen örtlichen Vorteilen gefasst. " Wie da» letzte Jahrhündert.da» Jahrhundert der Dämpfkraft und der Dampfmaschine und. der Zeitahschni.tt.de».festen Brennstoff», der Kohle war» so leben wir im Jahrhundert der Elektrizität und zugleich im Jahrhundert der Berbren- nungSkrastmaschinen und ihrer flüffigen Brennstoffe, Benzine» Benzole und Treiböl«. Während ; im Transportwesen auf der Landstraste, der i Benzinmotor die Herrschaft an sich gerissen hat, ist in den Städten die Strassenbahn im Personest- maffenverkehr noch. Meinherrscherin. Einen Kampfabschnitt, den Elektrizität oder BetbrennüngSmotor noch einem alten Jahrhundert" chstreisten müffen, den stellen di« Eisenbahnen ' dar../Schnelltrleb wagen mit flüssigem TriebstoF ".oder Elektrifizierung- das ist die grosse Kampffrage. Heute neigt sie in verschiedenen Ländern, mehr Tschechokronen an mehr Leute zu verteilen- Dann brummen die Hochkvannungen vor Ueber«. lastung, dann singen die Transmissionen»Eilig! — eilig" und jeder kauft sich alles von dem schönen Dingen» die"er eigentlich alle braucht und haben Muh. K. D.- -^Sozialdemokrat" Nr, 802 Sonntag, 30. AugustlOllS lüsten ZEMENT ALLER SORTEN LIEFERN WIR AUS DEN MITGLIEDS FABRIKEN . STRASSENBAHN-U.AUTOBUSLINIEN I Üstredni elekträrny, akciovä spoleönost, Praha Zentral-Elektrizitätswerke I. 6., Prag lailjelneikelr mit England- Bulgarien- Jugoslawien- Rumänien VERKEHRS- U. REISEBÜRO DER STRASSENBAHN BEI DER HAUPTPOST Untere Ausiandsinioien in LONDON(48, Biahopagate, e.c.2.) soriA(Boulevard Dondoukoff 39) BELGRAD(PrestolonaBlednlcov Trg 2) BUCADEST(Cälea Vlctörlel 31) ..ift. ft Andlo-ccdiosioYaklsdie and Wager Crcditbank, Praha Königshof• Beroun Ciikowitz. Lietavskä Luika La des Malomörice Strämberk Vftkovice Home Srnie Stupava Radotin . Prag-Podoli Settenz dadurch, daß sie mit den wirtschaftlichen Verhältnissen, den Import- und IBxportbedingungen, den geltenden Devisenbestimmungen usw. sowohl der Cechoslovakel als auch der Staaten, in denen sie Ihren Sitz haben, vertraut sind, wertvolle Dienste bet der Anbahnung und Durchführung des Handelsverkehres mit diesen Staaten. IS Filialen In Wer Cechoaiovaklschen Republik Buckerabtellunu Die erzeugte Energie von ungefähr 80 Mill. ■ KWh jährlich wird zum Teil In der nächsten Um« gebung konsumiert(dem Verein für chemische und metallurgische Produktion in Aussig werden unge- ', fahr 60 Mill. KWh geliefert werden), zum Teil "wird sie auf eine Spannung von 85 und 100 KV transformiert und dem Netz der Zentral-Elektrizi« tätSwerkezugeführt werden, welche nach einem Ver- trag mit dem Staat den Betrieb der Elektrizitäis- werkeS besorgen. . Der■ Gesamt-JnvestitionSaufwand der Zen» --Iral-ElekirizitätSwerke erreicht eine Höhe von rund. 800 Millionen KL. Da»'erforderliche Kapital wurde durch Bege« / kWgf zweier Emistionen von 6prozentigen Teilschuldverschreibungen mit. staatlicher Garantie mit : eitlem Bilanzwert von. 60,800.000 Kö und durch\ Anleihen von den Aktionären und au- dem Staat- lichen Elektrizitätsfonds in. einer Gesamthöhe von ■■ 85.900.000, Xi beschafft,.Bon dem, investierten Ka- " PItälMurden bisher durch Wschreibungsn 140 Mil- >. lionen, XL.amortisiert. "'. 7'Der'' Reservefondr" erreichte Ende 1986 7 Xi.8,76S.OÜO. Der/MterftühungSfonds für dieAn- gestelltenbeträgt!X6Ü80!0Ü0.Der Bruttoertrag - für den gelieferten Strtmt betrug im-Jahre 1986 " Xä'4'4',680.000. .' Aus dem ReingÄoinn von Xä 1,880.000 wurde - im Jährel985 ebenso wie. in den sieben vorangt- ; gangenen Jahren eine Dividende von 4 Prozent aus« .' bezahlt. Die Zentral-ElektfizitätSwerke.sollen da» be- j. deutendste ProduMonS. und DistribütionS-Elektri- J zitätStWerk in Böhmen und jn Verbindung mit den ».grössten Gruben- Uitd Wasser-Elcktrizitätsweckeu ' amhaufdem ganzen Gebiet der NepMik sein. VERX^UfZTELLsi 0EP ZEMENTFABRIKEN G. M. B. H.• PRAGH.,VÄCLAVSK£ NÄM. 60 UPHONIX'i TE LE FO N i 3 0.2,,’ 41 TE L E G R A MM ADR ESS Ei C E M ENTPROD t J Die Zenträl-Elektrizität-Werke A.-G. in"Präg' wurden im Jahre.1922. mit einem Aktienkapital von. 80 Millionen Xi.gegründet, an welchem dec Staat einen Anteil, voh 16! Millionen, dar Land. Böhmen von. 6 Millionen und die Hauptstadt Prag einen. solchen von..8 Millionen. Xi haben.. Alr^ ge-, meinnütziges.Unternehmen wurden'ste'-dürch den-', Erlaß, der Ministeriums für öffentliche Arbeiten,. vom 1. August 1928 Zl. 18a.68/24.L8—27.192 äi-' 1923 erklärt. Bei der staatlichen' Grübe.,»Hodwlg* in..^ee-7, stadtl bei Brüx errichteten sie/ein.- Elektrizitätswerk mst.einer Leistungsfähigkeit von- 70.0.00 K.W, roel« 1. cheS Abfallköhlenforten'tierheizt,; für.^ Wslche keine!!'• ändere BertveDüngRstt 7 7_•. Der erzeugte Strom wird auf: eine Spannung, von 110 KV.- transformiert und.dstrch eine 108 Ki».' lometer lange Leitung nach Prag geleitet, wo er.in 7. zwei TranSsorMatorenstationen ,in Prag-Nord in. t.. Soleschowitz(51.0007KVA) undPraa-SUd in hd Micble(63.000. KVA) auf. eins. Spannung von. 23 KV transformiert Witt). Im 1 nordböhmischen> Gebiet wird der Strom durch.Leitung mit einer TSHannüng von A KV verteilt.! ,l! 7')--'-!l- Im Jahre 71986 wurden.288,640)000 KWh erzeugt, von welchen L08.894M6 KWh den Ab» '. nebmern(Elektrische Unternehmungen der Haupt-... stadt Prag, Genoffenfchaftsbetriebe in Drajice staatliche! Gruben'eimi-nordböhmlschitn Kohlenbechen,,... Elektrizitätswerk Brüpund' Gemeinde TvrZiee) ge-' "• liefert wurden. Die j größte'Belastung deS Elekpri- »itätrwerker war 56.800'KTV.» die. grösste TageS- produktion 866.200 KWh.«jmgesamt wstkdew itn■ ' Jahre 1986 18.655 Waggons'Abfallkohle verheizt. > Zu Beginnder Jahre»'^1986:'würden.zwei' Wasser-Elektrizitätswerke in Brani n. Vlt. und in, ' Schreckenstein an der Masaryk-Staustufe in Vettieb gesetzt, welche durch Leitungen mit 100 KV an dal . Berteilungrsyftem der Zentral-Elektrizitätrwerke -. nngeschlossen. sind und parallel mitdem mit Dampf' .' betriebenen-Elektrizitäswerk in Seeswdtl arbeiten Der Staat prpsektiett die Ausnützung der Mol- ,. dau-Wasserkräfte durch den Bau von Vier Wasser- 7 kräffastlagen in Brank, StTchovice, Slapy.und Zvi-... ." totiee-!.'.... ' In den Jähren 1989—1986, exrichf-te der . Staat. elnWehr. und' Ächwußenfapnnern, und die c . Zentral-Elektrizitäswerke ein eigener Elektrszitäts'-. ' werk in'Brant, welche» f die Wasserkraft nst-' ,me> i Kaplan-Turbinen mit einer) Fassungskraft von je•' 75 mt/sek.! bei einem Gefälle, von 18 Meter(nach' , Durchführung der, Ausbaggerung de» Flußbette» unterhalh des.WehreS) äuSsiUtzt. > Die Leistung der(iseneratoren 2 X 9880-KVAl> .(Insgesamt 13.500 KW),(SpännuNg 0.8 KV, 160 " Umdrehungen/Min. Die erzeugte Energie von unge« . führ. 40 Mill. KWh jährUch,(nach.durchgeführter. Ausbaggerung) wird auf! eine SpaNnungvön.110" KV tranSformiertünd nach--.Prag'geleitet .Dar Nektrizitätrwerk,,äübdtet^alr''Mffersta-'7 . iibn für dar Elätrizitätstvekk. in' Ttkchpvwe, mit"'' ...welchem.er.ein Betrieb»- und ProduktionSganze» ' bildet..7...7'.' ' Zur Berbefserüng- der.! GchiffechrtSverhältnisse « unteren Elbe,. erbaute der Sfaat bei. Schrei«,. '. eine. Wehr und' Schtl^ußenkäMinern.' Die'' . durch die Hebung,des. Wasterspiegxlr um. ungefähr> - 7 Meier, entstandene Wasserkraft-wird in einem an-. geschloffenen Elektrizitäswerk. mit.drei Kaplan-Tur- .. binen-von einer Fassungskraft von 100 m'/sek. und 4 " 100-UMrihungemMin,' aiitzieäützt.> Die! Generätö-' renleistung beträgt 8 X 8700 KVA(insgesamt.. . 19.500 KW), die Spannung 10.5'KV.' INDUSTRIEWERKE DER SIRRT AUSSIG VERWALTUNGSGEBÄUDE KARLSGASSE-HERRENGASSE ELEKTRIZITÄTS- UND FERNHEIZWERK VERKAyFSSmLESPITALPLAT£_^!^^^ .GASWERK VERKAUFSSTELLE LANGEGASSE Ä..7:in iü^.rrxr.'. ,lf'ir^,iL-«u Seite 36 Sonntag/ 30. Augftst 1986 -Sozialdemokrat" Nr. 203 Wer vorbereitet ist, Man kann sich gegen Gas schützen! FATRAA.G s fdcion-uiHi UcMWalMaLc» Privat-Tdcion-Gcscllschatt Prag L, Dlouna 49, Itlelon Nr. 616-47* niete-verkauf Verwendet Verwendet mehr mehr Stahlblech! Stahlblech! jeder Art und jeden Umfanges installiert *'■ f BuntschießcnS hingewiesen worden, Die verschiedenen Sorten von MiftgaSgranaien oder GiftgaS- bomben werden heute— international übereinstimmend— mit Kreuzen in einer Kennfarve versehen. Weibkreuzgranaten enthalten Reizgase gegen die Augen, eS sind die sogenannten Tränengase. Blau kreuzgranaten enthalten Arsine, die auf die Nasen- und Rachenschleimhäute einwirken. Sie dringen durch die"MaSken und zwingen sie abzureiben. Diese sogenannten Mailkenbrecher werden nur beim Bunt» schieben gefährlich, da» heW, wenn zu"diesen Weibkreuz« und Blaukreuzgranaten die Brünkreuz- und Vir, liefern Urnen die verläßlich« amtlich begutachtete GASMASKE' FÄTRA.— Komplette Ausrüstung(d. i. Maske und Filter) schon von K<$ 89*— franko. Ihr Leben schlitzen zuvor läßlich die Überprüf": ten Kampf*, Industrie- u. Feuerwehrfilter, die wir zu unseren Masken liefern. Verschieben sie nicht unnütz den Einkauf— ■ sie müssen sich in dem Gebrauch der Maske üben, wenn sie sie tatsächlich schützen soll. Schreiben sie uns noch heute um ein Gratisangebot! Diejenigen, die sich in trügerischer Selbstbeschwichtigung vormachen wollen,.• datz man zwar nicht einen kommenden"Krieg, aber doch die neuen Schrecken der Giftgasanwendung auf offene Städte vermeiden könne, diese Leute können sich durch die Lektüre des Zentralorgans der deutschen Hitlerjugend von ihren Illusionen-heilen lassen..Das genannte Organ„Wille und Macht" schreibt über dt« Heiligkeit solcher Verträge und zum Genfer Protokoll über das. Verbot des Gaskrieges, dem sich Deutschland angeschloffen hat:. „Im Protokoll vom 17, Juni 1988 wurde neuerdings die Verwendung von Giftstoffen verboten."Doch dieses Verbot ist faktisch ein Fetzen Pavier. Seinen Wert hat der damalige Führer der deutschen Delegation am besten mit den Worten auSgcdrückt: Die Beschlüsse dieser Kommission sind die Tinte nicht wert, mit denen sie geschrieben wurden." Das ist die geistige Grundlage, auf der dann die deutschen Schulkinder auch praktisch in die Fabrikation von Giftgas;» eingeführt werden. Unter dem Titel„Schulversuche zur Chemie der Kampfstoffe" ist im Verlag Carl Heymann, Berlin W 8, ein Lehrbuch erschienen, das die Schullehrer im Unterricht zu den Experimenten befähigen soll; die— nach diesem Buch— in der Jugenderziehung auf dem Gebiete der KriegSchemie im Interesse des Staates mtd seiner Erhaltung gestellt werden. Angefangen von dieser Jugenderziehung zum Gaskrieg, wird jeder Deutsche in jedem Lebensalter in das Retz zur Abwehr von Gasangriffen eingeschaltet. Eine Riesenorganisation macht in täglichen Uebungen alle mit den Problemen deS Gaskrieges vertraut. Soll man angesichts solcher Vorbereitungen anderer Staaten für seine eigene Untätigkeit immer noch mit einigen fadenscheinigen Behauptungen, eintreten? Es wird erstens schon lein Krieg kommen und zweitens sind gegen die modernsten neuen Giftgase doch sowieso alle Garmarken unwirksam."Zu diesen miteinander verknüpften Behauptungen kann man vernünftigerweise nur sagen, daß der, der fie aufstellt, eine weltfremde Ahnungslosigkeit mit einem geheimnisvollen Fachwissen in ganz unglaubwürdiger Weis« verknüpfen will. „Sollte der Krieg dennoch auSbrechen", so mub die Arbeiterschaft schon mit allen den GaSabwehrmit- teln vertraut sein, die wir nach dem heutigen Stande- der Technik besitzen. Man darf nicht unter Hinweis auf die unkontrollierbaren Zeitungsnachrichten auftauchenden neuen Giftgase, mit phantastischer Wirkung, Abwehr gegen die bekannt kriegsmäßig brauchbaren Giftgast— GistNebel und Giftskaube^—- vernachlässigen.• - Seit dem ersten Gasangriff" in der Rächt vom 22. auf den 28. April 1918 bei Npern, der von 18.999 Gasvergifteten fünftausend tötete, find über 21 Jahre verstrichen. Unterdessen wurden über dreitausend chemische Stoffe auf ihre Einsatzmöglichkeit im Gaskrieg untersucht und etwa zwanzig als brauchbar befunden. Gegen alle diese Giftkampsswffe gibt es technische Abwehrmöglichleiten. Bon jenen, die die Schrecken des GiftgaSkrie» geS schildern, ist oft auf die Gefahr deS sogenannten KftlZlK-CHAUDOIR Metall«, Kabel- und elektrotechnische Werke, Aktiengesellschaft Zentrale: PRAG I., Ullce 28. M|na 17 Telephon: 382-41, 352-42, 239-76, 316-61, 351-25, 305-30 Abteilung Projekte und Installationen: Praa-Smlchov. PIxeftskA CF.1O- Telephon: 444-55 Serie Fabriken in Prai-GMlClIPV md Modenbaih Kupfer- und Messingwerk, Kabelfabrik, Fabrik isolierter. Leiter, Isolierrohrfabrik, Apparatefabrik, Zählerfabrik, Fabrik alkalischer Akkumulatoren -"-. j"' Gelbkreuzgranaten verschossen werden. DaS maskenlose Öpferwlrd dann durch Lewisit und Phosgen zerfressen und erwürgt:" Diese Methode ist aber nur an ter Front denkbar,-wo im Trommelfeuer die Garantie besteht, daß sich die Einschläge der verschiedenen GistgaSgranaten überdeckt«. Eine solche Möglichkeit besteht bei einem- Luftangriff auf ÄNe offene Stadt" praktisch nicht. Er besteht keinerlei.. Wahrscheinlichkeit, daß dort, wo eine: Reizgalbombei abgeladen wurde, nun auch eine Giftgasbombe abgeworfen werden kann. Dem Angreifer.jritdiWi Kombination vön Sprengbomben, Brandboütbevsiund Giftgasbomben kompliziert genug sein. Gegen«ine solche Angriffsmethode kann aber die Abwehr organisiert, werden. Er wird, ost verkannt^ daß ebenso wichtig. Wie die gut konstruierte" Malkch die Vertrautheit mit ihrer Verwendung ist. Nicht nur technische Äerbesserungen erhöhest die Sicherheit, sondern auch die Uebungen in der Märke. Ganz abgesehen von demProblem einer Massenhersorgung der ganzen" Bevölkerung mit Gew« maskcn, ist e-. notwendig, daß"alle die Orggtti^ve tionen, die bei der Luftabwehr die Rettungsmaßnahmen übernehmen werden und übernehmen müssen," heute schon genügend Gasmasken zur Schulung eines möglichst großen Kreises von Meschen besitzen. Hier, an dieser Stelle müssen" alle Arbeiterobga> nisatione« auf«in Lehrbeispiel hiNgewiesen werden, das uni zeigt, wie Im Augenblick der Gefahr die Arbeiterorganisationen auch allein den Gasabwehrschutz besorgen müssen.. Im Mai 1928 explodiert« auf dem Fabrikgelände des Giftgasfabrikanten Stoltzenberg in Hamburg- ein Tank mit Phosgen. Ein« Wolke der schauerlichen Gelbkreuzgaser wälzte fich gegen Haryburg. Die Explosion geschah um fünf Uhr nachmittags. Einige Stunden später wirren achtzig Samariter und Samariterinnen vön den Nrbcitcrsamari- tem tätig., Sie tranSpörtierten in kurzer Zeit dreihundert Giftgaskranke, aus den vergasten Piohnun- gen. Zu diesem Zwecke waren Krankenwagen und AutotaxiS beschlagnahmt worden. Die HilfStätig- keit dauerte-bi» züm anderen Morgen um ntzun Uhr. Bis zu diesem. Zeitpunkt war kein Sanitäter, vom Roten"Kreuz"an der Unglückrst«lle-zusehen,-obwohl" djese-Organisation in dem vergasten Wilhelmiburg' Kolppnew h< .. In den U. 8. A. werden jährlich pro Kopf der Bevölkerung«ist. 71 kg, in Gtoßbrltannien' ea. 66 kg, in'Deutschland ca.! 27 kg, in der Tschechoslowakei aber nur ca. 16 kg Bleche, verbraucht. Die Verwendungsmöglichkeit vielseitig: Geschirre, Konserven, Verpeckungen, Apparate, Knüpfe, Bauzwecke, Möbel, Behälter, kessel etc. etc— Die Inländis^hp Blechindustrle ist gerüstet, auch den höchstgesteliten Ansprüchen nachzukommen und scheut keine Mühe und kein Opfer, um auf der Höhe der Zstit zu bleiben, in der. festen-Überzeugung, daS ftahlbleshdas Material der lukunH ist. Mp»T-l-pH°nansckM.mnd| H»LßeWe?^|H?M| uFüttertn^e? Luftschutz auf, brestest?^. Wir- straff organisiert uyd porbereitet ist, können auch im Gefahrenfalle vorübergehende Räumungen vön Wohnvierteln durchgeführt. werden. Jene Eva«" kuierung— totale Entleerung der Großstädte von den Einwohnern—, die manchmal al» billige Patent-! lösung empfohlen wird, dürft« kaum ein Staat auch auf-kürzere Zeit, ohne schwerste Gefährdung seiner Abwehrbereitschaft gegenüber dem angreifenden Frle« denSbrecher, durchführen können. K. D. Rekonstruktion und Instandhaltung bestehender Anlagen Projekte u. Kostenanschläge. bereitwilligst u. unverbindlich ksdM iAWyWscAeii und technische Gummi iikdiieni■•?«.», „Sozialdemokrat" Nr. 202> Sonntag, 80. August 1038 Seite 87 Alle Kreise ML Ml/ 8482 Prima Treibriemen £222 Voikszondcr Ludwig Kraus nUtsn OPTISCHE WERKE und billigst EKSTEIN& CO NEUERN Schlachthofstr. 834 Dia Nähmaschine für Sie— Ziclc-iadc- und Gradstich— Sie endest, stickt, stopft, nähl Knöpfe an, macht Knopflöcher, säubert Stoll* und Lederkanlen u. s.w. 50 modernst eingerichtete Zimmer Bekanntes Cafö-Restaurant Vorzügliche Küche bei aollden Preisen sind begeistert von den vorzüglichen Fahreigenschaften der TATRA* Wagen— einfache Bedienung, geringer Verbrauch von An- triebastoffen, stündige Verläßlichkeit. Viele Briefe unserer Kundschaft vom Urlaube bestätigen uns dies von neuem. Der TATRA- Wsgen ist sowohl für den Beruf, wie für dis Fahrt in der Stadt gut geeignet. Unverbindliche Probefahrt von der nächsten Verkaufsstelle TATRA überzeugt sie von den unerreichten Vorzügen der Marke jeder Art und Ausführung liefert rasch Gewöhnte» ist nicht tmmeu richtig. Weil wir im Herbst und Winter am besten Rundfunk hören, kaufen wir auch die Geräte in• dieser Zeit. Eigent« lich ist eS nicht ganz richtig, denn im Hevbst und Winter find die EmpfangSverihältnisse so auSge- zeichnet, daß auch ein weniger gutes Gerät befrie- digendeck Empfang bringt. Wir können also um diese Zeit ein Gerät gar nicht so prüfen, wie wir eS eigentlich gern nwchten. Dar können wir nur jetzt im Sommer am besten. Aber,' werden Sie sagen, die neuen Rundfunkgeräte erscheinen doch im Herbst und wenn ich mir schon ein Gerät kaufe, so soll eS ein ganz modernes sein. Das. war bisher so. In diesem Jahre hat die Firma ,Radiotechna, die bekannte größte tschechoslowakische Fabrik für Rundfunkgeräte, bereits letzt zwei'neue Empfänger her« ausgebracht, die alle guten Eigenschaften besitzen für die die Geräte Sintern Telefunken bekannt sind. Wenn Sie also da- Gerät Ihrer Wähl jetzt unter schlichteren Bedingungen prüfen rwollen, gehen Sie zum echten.Rundfunkhändlcr, wo Sie die: neuen Empfänger Trial. Rekord und, Choral näheren können, Elektroautomatlsdie Kühlschränke TATRA ATB sind eine unerläBUehe Einrichtung für die Erhaltung ihrer Gesundheit Lieferant des Konsum-Vereines„Vorwärts" Karlsbad Druckerei Gärtner c Cs Bodenbach Die vielseitige Leistung der Nniversal stllinerva M 18 wird Sie entzücken. Diese Maschl ne näht vollendeten Perlstich vor- und rücklvärts. Sie stickt wunderbar alle Arten der modernen Kun ststickerei. Sie stopft Wäsche, Strümpfe. Sie endclt tZick-Zack- Stich). Sie kurbelt, seht Spitzen ein, vcreieiigt Stoffenden. Sie verrichtet Lochstickereien sMiideira) in sauberster Ausführung bei größter Leistung. Sie näht Knöpfe an mit außerordentlicher ltzaltbarkeit. Sie näht Knöpflöcher aus in jeder Länge. Sie ist zum Biesennähen in allen Linien und fbreiten und vielen anderen Arbeiten besten? geeignet. 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Muflhft 1038 Sozialdemokrat" Mr. 202 Die Zudterindusirie Die tschechoslowakische Zuckerindustrie Da» KOCHEN SIE ■4 OBST EIN! mehr Zudfcrl DGOGK>OGGOZ)M)G GOGGOGGMWOGOTGG GO L@T©T(§)T©] II urä2tü.K i l o g r a m m t.s.ch^e.ch o.s l o w a, ^>KW3,uL,e r^aM,f rTiDiAR eich«! iwa Fi,?«l fj»t w 85>j»-o n e n. 80 r. Kilogramm I Wir zahlen im Lande für ein Kilo gramm 6:20 Kronen. Ob hier nicht durch eine Aenderung in der ZuckerpreiSpolitik dem Zucker. - verbrauch eine neue kräftige Anregung gegeben werden kann? Kenner der Wirtschaft und der sozialen Verhältnisse unseres Landes bejahen diese Frage und meinen,' daß' auch bei niedrigeren Zuckerpreisen die Industrie noch immer ihr gutes Auskommen findet, und daß die Erhöhung des Zuckerkonsums zu einer Belebung der Produktion und einer Verbesserung der Lage all derer führe, die durch di« Zuckerindustrie Beschäftigung und Erwerb finden. Wirtschaftsjahr AuSfuhrrasfinerie Ausfuhrwert Okt.-Sept. in Tonnen in Millionen KC 1980/81 482.682 612 1981/82 449.488 446 1982/88 268.957 285 1988/84 144.876. 124 1984/85 197.174 141 Jnnerhaw fünf Jahren ist demnach die Zuckerausfuhr der Menge nach um etwa 6.0% zurück gegangen. Am Wert gemessen beträgt die AUS- Da» laufend« Zuckerjahr bringt«In« weit«« Verminderung der Produktton. In Uebereinstim» mung damit weist auch die Zahl der in Tätigkeit befindlichen Zuckerfabriken eine Abnahme auf. Allein' in den zwei Jahren von 1981/82 zu 1984/85 sind von 188 Fabriken 17 au-geschieden. Desgleichen hat die Anzahl der von den Zuckerfabriken während der Kampagne geleisteten Arbeitstage sich verringert. Bom Standpunkt der Arbeiterschaft au» gesehen, bedeutet'da», daß ihr ohnohntz geringes Einkommen durch den zunch« mendew Ausfall von Arbeitstagen'noch mehr geschmälert/worden ist.'’"' Mit einer raschen und durchgreifenden Wendung der Lage in der Zucker-Weltwirtschaft kann nicht gerechnet werden. Selbst wenn die von der internationalen' Zuckerindustrie fortgesetzt, unternommenen Bemühungen auf Wiederherstellung des Welt-Zuckerkartells Erfolg haben follten, ist nicht damit zu rechnen, daß die tschechoslowakische Zuckerausfuhr so bald oder überhaupt jemal- wieder den alten Stand erreichen dürste. Darum muß der Auswettung des inländisch, en Absatzmarktes erhöhte Beachtung geschenkt-werden. Es besteht einUnter- k o n s u m inZucker. Und dieser Unterkonsnm ist kein freiwilliger. Er ist erzwungen, weil die Zuckerpreise, die sehr hoch iiber dem W«ltn»arkt- prei» liegen, In'keinem Verhältnis zum Eiüköm« men der arbeitenden Bevölkerung stehen. Ohne Zoll und ohne andere Belastung kosten in Ham- l>urä2lü.K i l o g r a m m t.s.ch^e.ch o.s l o w a, r^aM.f rTiDiAR eiche! iwa r'r, l'vjr» t W 85>j»-o n e n. 80 Kildgramml Wir zahlen im Lande für ein Kilogramm 6/20 Krönen. ' Ob hier nicht durch eine Aenderung in der ZuckerpreiSpolitik dem Zuckerverbrauch eine neue kräftige Anregung gegeben werden kann? Kenner der Wirtschaft und der sozialen Verhältnisse unseres Landes bejahen diese Frage und meinen,' daß' auch bei niedrigeren Zuckerpreisen die Industrie noch immer ihr gutes Auskommen findet, und daß die Erhöhung des Zuckerkonsums zu einer Belebung der Produktion und einer Verbesserung der Lage all derer führe, die durch di« Zuckerindustrie Beschäftigung und Erwerb finden. .Sozialdemokrat" Nr.' 202 Donatas. 30. August 1036 Delle 89 Prostejov I Ascheurnen BronzefIguren Alle Kunstarbeiten Zucficr stärkt aus Edelmetallen Wer Inseriert- verkauft! Verlanget In Eueren Konsumvereinen 3727 und das Restaurant Anträge um Aufnahme in diese Heime sind durch die Zuständigen Krankenversicherungsanstalten, Revierbruderladen, Heilfonds usw. einzubringen: Billige und schmackhafte Mittagessen von Kd 5'— aufwärts.- Der Garten wurde renoviert und ein Tanzparkett eröffnet.- Jeden Sonntag grosse Tanzunterhaltung tm Steinenaal.?arf(Jn höfUchat ein Lebeda u. Fiter STÄDTISCHE LICHT- und KRAFTWERKE HOHENELBE Strom- und Gasllelerung fUr alle , Verwendungszwecke, Ausführung von elektr. Installationen für Licht und Kraft. Verkauf von Motoren und elektr. Installationsmaterial. Gesund Wasserleitungs-Installationen. „Unfervcrhand Egerland“lm Rclchsvcrband deutscher Krankenversicherungsanstalten In Eger „CAMP“ DAS IDEILE KLIPPBETT für Wanderungen, Ausflüge und Sportfahrten, macht Ihren Aufenthalt In der Natur zum wahren Genüsse. Sie werden unabhängig von Unwirtlichkeit. 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Alois Taussig 8 Söhne Erste Hohenst&dter meoh. Bunzlauer Kochgeschirr- und Tonwaren-Fabrik Hohenstadt 101 ED Telegr. Taussig Hohenstadt— Telephon Dl Lieferant der Konsumvereine StrcClteer . UlüMe ^WWWWWWWWWWWWM Verlanget In allen ^SC-Warenkäusera Hohenelber Taschentücher Sie weist, was sie will, die kluge Hausfrau, wenn sie beim Einkauf stets die erprobte und bewährte Marke verlangt. Dal bekannte Markenzeichen ist ihr mit Recht Symbol der immer gleichbleibenden Qualität und diese rechtfertigt stets von Neuem da» der Marke entgegengebrachte vertrauen. Wie vieles von dem Neuen, dal fast täglich im Handel auftaucht, verschwindet schon nach kurzer Zeit, weil sich eben nur da» Beste halten und durchsetzen kann. Meist fehlt dann die langsährige Erfahrung die den Erzeugern alteingeführter und bewährter Markenwaren zur Verfügung steht und die Güte ihrer Erzeugnisse garantiert. 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ES ist«in linde», warme» Wort, da» Wort Heim, und man denkt dabet an streichelnde Hände— Frauenhände, Mutterhände; denn Helm und Frau sind Begriffe, die zusammengehören und ein» sind. Um die Frau herum und durch sie entsteht da» Heim, hier ist ihr Gebiet, auf dem sie sich voll entfalten und verschenken kann. In jedem anderen Berufe und bei jeder Lebensaufgabe muß sie der Konkurrenz de» Mannes standhalten, sie kann von ihm verdrängt werden, aber auf diese» Gebiet kann er ihr nicht ten, wie e» sich manch armer Millionär nicht träumen läßt. Erwartet den Mann nach schwerer Arbeit und Mühe ein soche» Heim, wie gerne kommt er nach Häusel Er freut sich auf den freundlichen Gruß, da» liebevolle Gehcgtseln. Ni« überfällt die kluge und takwolle Frau den Mann, wenn er müde und zermürbt nach Hause kommt, mit Klagen über Verdruß, den man gehabt, sie spricht nicht von Sorgen. Es findet sich später Zeit dazu, daß sie ihm alles mitteilt. Dann können sie sich gegenseitig ruhig aussprechen, dann erträgt sich auch alles Schwere leichter, weil man weih, daß man cS gemeinsam trägt und der Mann Trost und Zuversicht bei seiner Frau findet, wie einst als kleiner Knabe bei seiner Mutter. So erhält sie de» Frieden, ohne den das Heim eine Hölle werden kann. Oft erfüllt sie töricht« kleine Wünsche mst lächelndem Verständnis: denn nur so ist es ihr möglich, großen Torheiten zu steuern. Sie ist stets bereit, mit den Kindern zu Cwwe'. folgen, hier ist er der Nehmende, der Beschenkt«. Die Frau ist eS, di« dem Heime durch ihre Arbeit die äußer« Gestalt, durch ihr Wesen da» Gepräge gibt. ES ist ihre Schöpfung und von ihrem Charakter, ihrer Klugheit, ihrem Takt und ihrer Güte hängt es ab, ob au» einer Wohnung«in Heim wird. Daß Sauberkeit, Ordnung und Pünktlichkeit die Grundlagen sind, auf denen ein Heim besteht, ist selbstverständlich. Doch erst das liebevolle Umgehen mit den toten Gegenständen, Geschmack und Geschick atmen ihnen Leben ein, machen sie vertraut und anheimelnd. Die Frau mit bescheidenen Geldmitteln wird dabei oft viel mehr ihre wertvollen Anlagen hervorheben als die Begüterte. Durch ein paar frische Blumen,«inen nett gedeckten Tisch zu jeder Mahlzeit, ein noch so bescheidenes Gericht, das nett hergerichtet auf den Tisch kommt,«ine langentbehrte LieblingS- fpeife kann man so viel Behagen um sich verbrel- plaudcrn, sie ist zu Hause in der Welt jvdeS einzelnen. Sie vereinigt um sich die Familie bei Gesprächen und Diskussionen über alles, was sie weiß und sie will, daß eS ihre Kinder wissen. Und diese Gespräche prägen sich tiefer ein in die Seel« des Kindes als alles, was eS aus Schulbüchern lernen kann. Da» Beispiel ihres Lebens ist ein Wegweiser für das Kind durch sein eigenes, ganze» Leben, die Erinnerung an das Heim, in dem eS aufgewachsen, ein moralischer Schutz und ein kostbarer, innerer Besitz. ES ist schwer, der Familie ein Heim zu bieten und zu erhalten. Die Frau aber kann eS dank ihrer natürlichen, angeborenen Gabe, immer das Richtige zu erfühlen, wo der Verstand keinen Weg weiß. Es sst ihre Aufgabe, dieses Geschenk der Natur nicht verkümmern zu lassen. Bekommt sie doch als Lohn von ihrer Familie das zurück, waS sie selber gab— Liebe. Valerie Krammer. r- Kauft PolliHilnileri—, Seite 42 Sonntag, 30. August 1930 „Sozialdemokrat" Nr. SOS Erste Prager Krankenversicherungsanstalt der Handels- und Prlvatansestellten In Prag, Jungmannova 29 wurde im Jahre 1858 als Verein gegründet, welcher seinen Mitgliedern ärztliche Hilfe, Behandlung im eigenen Spi- tale und Gewährung von Medikamenten zusicherte. Diese Form der Krankenversicherung blieb bis zur Gesetzwerdung der Krankenversicherung erhalten und wurde der Verein im Jahre 1889 in eine Ver- einskrankenkaffa umgewandelt. Demnach ist diese Krankenversicherungsanstalt die älteste in unserem Staate und blickt auf eine reiche und gedeihliche Arbeit, welche sie im Jntereffe der Privatangestellten in fast 80 Jahren geleistet hat, zurück. Bereits vor dem Kriege hat diese Krankenkassa, welche damals den Titel„Krankenanstalt des Prager Handelsgremiums" führte, die Heilpflege ihrer Mitglieder im erweiterten Maße eingeführt, ohne dass eine gesetzliche oder statutarische Bestimmung über ähnliche Leistungen etwas bestimmt hätte. Das Hauptaugenmerk widmete die Anstalt der Bekämpfung von Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten und Nervenerkrankungen. Im damaligen, der Anstalt gehörenden Prager Handels- spitale sind spezielle Abteilungen für diese Krankheiten errichtet worden, welche von erstklassigen Fachärzten geleitet wurden und deren Ausbau im Arbeitspläne der Krankenkassa war. Der Krieg machte jedoch eine Erweiterung dieser Einrich- tungen unmöglich und erst nach dem Kriege begann die Anstalt unter neuer Leitung die Heilpflege gründlich auszubauen und widmete insbesondere der präventiven Heilfürsorge auf allen Gebieten große Aufmerksamkeit. Nachdem das Prager Handelsspital an das Gre- mium dkr Prager Kaufmannschaft vber- gegaNgen ist, sah sich'bie"Anstälfge- zwimgen, einen gleichwertigen Ersatz zu finden und wurde dieser in der Gründung und Erbauung des Sanatoriums Sa- nopz gefunden. In diesem Sanatorium stehen der Krankenversicherungsanstalt 65 Betten zur Verfügung und sind dort- selbst Abteilungen errichtet für Chirurgie, interne Krankheiten, Gynäkologie und Geburtshilfe, Dermatologie, Urologie, Augenerkrankungen, Laryngologie, Neurologie und eine besondere Röntgenstatton. Die gesamte physikalische Therapie steht dem Pattenten zur kostenlosen Benützung zur Verfügung. Aber auch für ambulante Behandlung hat die Krankenversicherungsanstalt zur Genüge gesorgt und ein großes modernes Ambulatorium im eigenen Hause in Prag II., Jungmannova 29, errichtet, welchem die Ambulatorien in Brünn, Mähr.-Ostrau und Brattslava angegliedert wurden. In allen diesen Ambulatorien ordinieren bestqualifizierte Fach, ärzte, so z. B. in Prag allein versehen den ambulanten Dienst 25 Spezialärzte, denen das nöttge Aerzte- und Hilfspersonal zur Seite steht. In Prag ist nebstdem ein spezielles modern eingerichtetes Zahnambulatorium errichtet worden, welches sich eines großen Zuspruches der Mitgliedschaft erfreut. In Brünn besteht eine besondere Mutter- und Säuglingsberatungsstelle. Die Krankenversicherungsanstalt verfügt über eigene Kurhäuser in Karlsbad, Franzensbad und Trenkin-Teplitz und hat mit allen in Betracht kommenden Kurorten und Heilanstalten sowie einer Reihe von Erholungsheimen Verträge abgeschlossen, wo die Mitglieder Unterbringung und Verpflegung sowie die Behandlung vollkommen kostenlos, also auf Rechnung der Krankenversicherungsanstalt erhalten. Seit mehreren Jahren veranstaltet die Krankenversicherungsanstalt besondere Kinderaktionen und entsendet die Kinder der Mitglieder in Kindererholungsheime. Im heurigen Jahre wurden insgesamt 294 Kinder in solche Erholungsheime entsendet. Die Krankenversicherüngsanstalt, welche bei ihrer Gründung 36 Mitglieder, nach dem Kriege 595,7 Mitglieder zählte, weist Wüte*sWMitgliederzqA Mn über 77.000 aus. SANATORIUM SAHOPZ PRAG- S M IC H OV über dem.Park SantoSka. modern ausgestattete und billige Anstalt für Interne Erkrankungen, Operationen und Entbindungen. Freie Aerztewahl. Auskünfte erteilt die Direktion mündlich,telephonisch, brieflich Telephon 403-81,-52,-53,.54 8668 Das Haus In der Sowie In R O 2 N O V pod RadhoStim Ganzjährig getiffnet Bezirks-Krankenverstcherungsanstalt Neudek Verlast- and Aewinnrechnung für da» Ich» 1935. » Ki 2,703.115.00 Versicherungsbeiträge, vermogenSertrag., Sonstige Einnahmen, Aktiva Kassabarschast Einlagen... Kommunaldarlchen. Gewinn Ki 8,647.106.75 „ 108.639.55 „ 195.891.10 Überschuh, Summe,, lluhenstünde an Beiträgen: der Krankenversicherung der Jnv. u. Alt.«Vers. Ersätze Diverse Schuldner,, Unbewegliche Güter,, Inventar.,,,, Sonstige Aktiva,,, Summe•■■ s■ • Verlust Versicherungsleistungen: An Versicherte■ An Familienangehörige Verwaltungskosten. Abschreibungen., Sonstige Ausgaben, Überschuh,,, Summe,,,, Versichertenstand 9745, Beitragssatz 5.6%. vermögen des miherordentlichen Unterstlihungssonds per 81. 12. 1985 UL 4,455.827.90. Ki 8,951.687.40 Summe■■■■■ KL 8,951.687.40 Bilanz zum 81 12. 1935. Passiva KL 48.671.20 BersicherungSleistungen «e 171.218.60 181.721.90 Verwaltungskosten.. 8.554.45 15.000.00 Sonstige Passiva.. 514.597.00 gentral-Soz. Vers. Anst. 618.266.00 Reservefonds,,,, 1,400.488.95 826.818.85 506.100.65 20.811.70 886.049.85 661.881.00■ 98.267.00 -dU— 12.847.85 Der auherordentltche Unterstützungsfonds besitzt ein in den Jahren 1981 und 1982 neu errichtetes vorzüglich eingerichtetes Krankenhaus mit SO Betten. Die BerpflegSkosten sind in der Nl. Klaffe für Versicherte von Krankenversicherungsanstalten mit KL 22.50, für deren Familienangehörige und für Private mit KL 25.— und in der H. Klaffe mit Ki 40.— täglich festgesetzt. Im Jahre 1985 nahmen dar Krankenhaus 926 Personen in Anspruch und zwar durch 11.298 Tage. In der chirurgischen Abteilung wurden 875 der verschiedensten Operationen M17 ausgeführt. -FLUIDOS-PH MMsMEv spow > DAS m SW| f 3676 /ft-X A T lt uAA-ftAt->00 der Bezirks-Krankenversicherungsanftatt in Mähr.-Altstadt nnterm Schneeberg Hygienische Einrichtung, Seehöhe 586 m. Allgemeine Bequemlichkeit. Ganzjährig geöffnet. Tägliche Pension Ki 26.—. Luftkurort, Sommerfrische, Wintersportplatz, Zentralheizung, elektr. Licht, Warm- und Kaltwaffer, Höhensonne, Diathermie, Winter- und Sommerliegehalle. Indikation: Rekonvaleszenz, Unterernährung, Erschöpfungszustände, Chlorose, Anämie, Neurasthenie, Schlaflosigkeit, Basedow-, Herz- und Gefäherkranküngen, nicht tuberkulöse LungenaffektioneN usw. Auf Wunsch Prospekte unentgeltlich, Anmeldungen'und Anfragen erledigt' die Bezirkskrankenversicherungsanstalt -MfS Mähr.-Schönberg, Telephon 67.'.-stn.n- Kauft Lose Arbeiterfürsorge 100 Millionen Kronen 1628 In einem Jahrzehnt für soziale Fürsorge He Bezirks* Krankenversicherüngsanstalt in Aussig zahlte.in dein Jahrzehnt 1926 bis 1985 aus für: I Krankengeld......... K8 53,643.009*85 i.Mutterschaftsleistungen...... 4,588.103*46 ÄrztUohe Honorare......., 16,788.443*64 Arzneien und andere Heilmittel,„ 8,597.318*08 Behandlungen in Spitälern, Heil-•?*. \ anstalten, Bädern und Sanatorien„ 12,105.886*40. Begräbniskosten..,....., 1,831.444*40 Auf Kosten der Anstalt besuchten: rund 4000 Menschen Bäder und Sanatorien, jähr? lieh Je, 70 Kinder das herrliche Kindererholungshehn in Dittersbach, Jährlich Je 85 jugendliche, gesund- I' heitlich bedrohte Versicherte das Erholungsheim in Hirschberg am See 3 e demNeugeborenen überreicht die Anstalt seit 5 Jahren als erstes Geburtstagsgeschenk eine geschmackvolle Säuglingsausstattung Das Zahria m b u la torlu m. wurde in den 9 Monaten seines Bestandes von 5492 Personen besucht Es wurden u. a. ausgeführt: 9198 Zahnextraktionen, 5445 Flomben,'2852 Wurzelfüllungen und ,6988 Zahnersätze »Sozinkdemokrat" Nr. 202■ Sonntag, 80. August 1030 Seite 43 fen gu: einet grober. Gemeinschaft, die ihnen in solchen'Fällen Schutz und Hilfe bieten soll. Nicht sie allein sollen für die notwendigen Mittel auflommen, sondern ebenso- sollen auch diejenigen dazu beitragen, denen sie ihre Arbeitskraft verkaufen. Darum mutz die Sozialversicherung eine Zwang»v«r- sicherung sein, eine Einrichtung, die kein Mitgliü» der Gemeinschaft auSlätzt. lieber zwei Millionen Mitglieder hat sie jetzt und wenn wir noch die Bielen dazurechnen, die notgedrungen feiern müssen/aber durch ihre Mitgliedschaft schon'Ansprüche erwoiBen haben,. kommen wir etwa zur doppelten Fahl,!Da müssen auch die Versicherungseinrichtungen schon gewaltige.Grütze erreichen, die solche Massen betreuen sollen. Im Falle der Krankheit mutz jeder feinen BersicherungSträger leicht erreichen können;- daher ist örtliche Zusammenfassung notwendig. Richt weniger als 207. Krankenkassen gab es am 1. Jänner dieses Jahres, deren Aufgabe es ist, einerseits die Leistungen der Krankenversicherung zu gewähren,, anderseits den Verkehr der Versicherten, mit dem einen groben Träger der JnvaliditätS- und Altersversicherung, der Zentralstqialverstche- rungSanftalt in Prag, zu vermitteln. Denn die letztgenannte Versicherung,,die'an dm einzelnen Arbeiter Leistungen"oft durch eine ganze Reihe von Jahren emSzghlt;"kann nur von einen; mächtigen, lei» stungSfähigen Institut durchgeführt werden, das alle -Acheiftr des Staates auch rein äutzerlich zu einer -rotz« Gemeinschaft vereint. Geldleistungen , Wenn Krqnkheit, Mutterschaft oder dauerndes Erwerbslosigkeit dem Arbeiter die Fortsetzung fei» Empfänger erscheinen mag, bedeuten in ihrer Gesamtheit doch eine gewallte Summe, die nicht nur den einzelnen Bedürftigen, sondern auch der gesamten Volkswirtschaft zu Gute gekommen ist'und deren Kauflraft auf die Wirtschaft zweifellos belebend wirken mutz. Hellflirsorga Die Soziawerstcherung kann sich nicht darauf, beschränken, den erkrankten Arbeitern, einen Ersetz' für ihr normale»! Einkommen zu bieten, sondern sie! mutz trachten, ihnen die verlorene Erwerbsfähigkeit, möglichst rasch wieder zurückzugeben. Darüber Hinan» aber ist es ihre vornehmste Aufgabe, den Verlust der Erwerbsfähigkeit.'möglichst überhaupt zu verhindern oder, wo da» nicht geht,. wenigstens hin- auSzuschieben. Dadurch aber wächst'-die Bedeutung! der Versicherung weit Wer-den Kreil- hinaus, für den sie ursprünglich bestimmt ist, ,deny sie wird äuk diese Weise zu einem der wichtigsten Träger der VolkSgosundheitSpflege. Die Krankenkgssen haben im Jahre 1084 für die ärztlich^ Behandlung der Versicherten, für Medikamente und Spitalsbehandlung beinahe eine Viertelmilliarde, für dieselben Leistungen an Familienangehörige der Versicherten gegen 70 Millionen XL ausgegeben. Während in früheren Jahrep die Ausgaben für Geldleistungen bei ihnen nicht unwesentlich höher waren al» der Aufwand für die Leistungen, der Hellfürsorge, sehen wir au» den angeführten Zählen, daß sich da» Verhältnis immer mehr zu Gunsten der Heilfürsorge verschiebt, und datz im Jahre 1084 die Beträge für Heilfürsorge dieGeldlelstungen schonüberholt haben. Nicht» ist unrichtiger al» diese Vorstellung. Da» Geld, da» in Form von Beiträgen an die Anstalt gezahlt wird, führt diese der Volkswirtschaft zum größten Teil sofort wieder zu, indem sie dem Staat und änderen öffentlichen Einrichtungen(zum Teil auch an Privatpersonen), A n l e ih en gewährt, die auf diese Weise wieder dem Volksganzen zu Gute kommen, lind da die Anstalt kein auf Gewinn gerichtete» Unternehmen ist, kann diese» Geld, da» da Gemeinnützen stiftet, so billig sein, wie bei keinem privaten Geldinstitut. So mancher, der eine Funktion-in. feiner Gemeinde innehat, Weitz davon zu'berichtens welchen Segen für-seine Heimat die großzügige und entgegenkommende'Finanzpolitik der .ZenträlsozialversicherungSanstält bedeutet. In dieser'Zeit'der. Not an Arbeit'bedeutet gerade dlese» grotze Vermögen, da» letzten Ende» ein Vermögen der Arbeiterschaft l ist, einen wesentlichen' Faktor der Arbeitsbeschaffung und kömmt-auch auf diese Weise den Versicherten wieder zu Gute. Auf uyserem Strelfzug haben wir gesehen, wie auf dem Gebiete der Sozialversicherung in den letzten fünfzehn Jahren, auf die wir heut« zurückblicken, Großes zum Wohle der Allgemeinheit geleistet worden ist. Aber eS genügt, sich an di» Forderungen von damals zu erinnern, um zu sehen, wieviel noch zu tun übrig bleibt. Ein« neue, damals noch nicht vorhersehbare Entwicklung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse hat den damals gezogenen Aufgabenkrei» noch erweitert. Dies« Aufgaben ist zäher und unermüdlicher Arbeit ihrer Lösung näherzubringen, ist Arbeit an der Hebung des Wohlstandes und der Kultur der AÄeiterklasse. Gehen wir an» Werk! MuiWUdwNMi. Die tschechoslowakische Sozialversicherung Rückschau nach 15 Jahren Derselbe Reichsparteitag von Tetschen, der vor fünfzehn Jahren den»Sozialdemokrat" zum Zentralokgan der Partei bestimmte, behandelte in ausführlicher Weise die damals besonder» aktuellen Fragen der Sozialversicherung. Die Tage des Umstürze» hatten drei Jahre früher der Arbeiterklasse die Erfüllung einer ganzen Reihe der dringendsten sozialpolitischen Forderungen, namentlich den Achtstundentag gebracht. Wer für ein so kompliziertes und weit ausgreifende» Aufbauwerk, wie die Sozialversicherung, war diese Zeit höchster politischer Anspannung zu unruhig. Umso lauter wurde der Ruf nach seiner Verwirklichung, al» die Verhältnisse sich einigermahen konsolidiert hatten. Freilich waren nun die Kapitalisten und ihre Wortführer nicht mehr so ängstlich gegenüber der jäh zur Macht gelangten Arbeiterschaft, wie Im November 1918 und hatten darum keine sonderlich« Eile, dem schon aus weiter Vorkriegszeit datierenden Verlangen nach der Sozialversicherung Rechnung zu tragen. Diese Umstände machen un» den Ton jener Resolution verständlich,- die in Tetschen zum Punkte Sozialversicherung angenommen wurde und in der es hieß: »Seit mehr- al» drei Jahrzehnten erhebt die Arbeiterschaft die Forderung nach Einführung der Alter», und Invalidenversicherung, Witwen, und Waisenversorgung und- nach einer- zeitgemätzen Reform der bestehenden Arbeiterverstcherung Wer« Haupt- In machtvollen Kundgebungen hat die Arbeiterschaft schon im alten Oesterreich ihrem unbeugsamen Willen nach Verwirklichung dieser Forderung Ausdruck verliehen und sie ist heute angesichts der durch den Krieg und die Nachwirkungen del Kriege» geschaffenen Lage fester denn je entschlossen, mit allen ihr zu Gebote stehende« Mitteln dafür einzutreten, datz der Schutz de» arbeitslosen, erkrankten, verletzten und invaliden Arbeiters, die Vorsorge für die Hinterbliebenen in einpn den LeienIberMjrMen.entsprechenden, Ausmaße durchgeführt wird." Jnffvelteren verWM^MSMI'iR'kMif' schleunigste Behandlung und Inkraftsetzung her entsprechenden Gesetzesvorlagen Und zeichnete- in' elf detaillierten Punkwn die Grundzüge der geforderten Versicherung. Nicht ganz so rasch und nicht ganz in dem geforderten Umfang sollte das große Werk verwirklicht werden. AI» da» Sozialversicherungsgesetz beschlossen wurde, schrieb man schon Oktober 1924 und der Zeitpunkt seine» Inkrafttretens war ungewiß. Er brachte auch keine wesentliche« Verbesserungen in der Krankenversicherung, kein« Vereinheitlichung der bis dahin selbständig bestehenden Zweig«(Unfallversicherung, Bruderladen), aber e» erfüllte doch im wesentlichen di« jahrzehntealte Forderung der Arbeiterschaft, indem e» das bi» dahin unvollständige-Gebäude der Sozialversicherung durch die Einführung der Invalidität»« und Altersversicherung der Arbeiter krönte. Wie sehr e» sich gerächt hat, daß der weiteren Forderung de» Parteitage» nach gleichzeitiger Einführung einer obligawrischen Arbeitslosenversicherung nicht entsprochen wurde, braucht wohl an dieser Stelle nicht besonder» erörtert zu werden. Noch mehr als weitere eineinhalb Jahrs stand da» Gesetz nur auf dem Papier; am 1, Juli 1920 trat e» endlich in Kraft. Noch war von seinen Auswirkungen wenig zu spüren, al» schon die! Gegner auf dest Plan traten, um«» wesentlich'zu verschlechtern. Die Wahlen von 1920 hatten! den Einfluß der Arbeiterklasse herabgemindert, der Bürgerblock ergriff das Ruder der-Regierung und vermeinte, durch ein schändliche», von allen ernst denkenden Menschen verurteilte» Attentat die eben errungen«. Sozialversicherung ihre» wesentlichen Werte» berauben zu können.' Aber di« immer, mehr hervortretend« Annäherung aller sozialdemokratischen Parteien, der entschlossene Wille der gesamten Arbeiterschaft, vereitelte den Anschlag. Der hiswrische Einheitskongretz von Smichov im Jänner 1928 widmet« den Fragen der Sozialversicherung seine volle Aufmerksamkeit und nahm ein auSaezeichnews Referat eine» der Schöpfer de» Gesetzeswerke», Dr. Leo Winter», entgegen, Der Propagmda« apparat der Arbeiterparteien arbeitete fieberhaft; statt der Sozialversicherung zu schaden, qarb der heimtückisch« Regierunglentwurf für sie und brachte den breitesten Schichten erst ihre wahr« Bedeutung zum Bewußtsein..Heute kann gesagt werden, daß unser« Bemühungen, hie Sozialversicherung zu popularisieren, bei weitejn sticht den Erfolg hätten, den die Regierungsno-. Selle hatte", sagte Winter in seinem Referat. So erzwang der widerstand der Arbeiterschaft ein» gründliche Durchberatung der'Novellierung, die einige organisatorische Mängel de» ursprüng- ilchen Gesetzes heseisiatei den geplagten Anschlä-, gen de» Bürgerblocke» die Schärse nahm und so gar noch einige gar nicht unwesentliche Verbesserungen brachte. Insbesondere war die» die Verkürzung der Wartezeit, die den sofortigen Beginn der Rentenauszahlung ermöglichte und damit weiter kräftig zur Popularisierung der Versicherung beitrug. Die hereinbrechende Wirtschaftskrise war ein größerer Feind als die im ganzen fruchtlosen Bemühungen des Bürgerblocks. Sie zwang zu einer neuerlichen Novellierung des Gesetze», die im Jahr«^1984 durchgeführt werden muhte und die den Arbeitern Opfer in den Leistungen der Krankenversicherung nicht ersparen konnte. Trotzdem muß gesagt werden, daß auch diese Schlacht glänzend geschlagen wurde, denn es gelang, in der Jnvaliditäts, und Altersversicherung noch Verbesserungen durchzusehen. In der Gestalt des Alterszuschusses wurde gerade den alten Arbeitern, den Kämpfern, die wegen der kürzen Zeit seit Einführung der Versicherung ihrer Vorteile nur in kargem Ausmaße teilhaftig waren, eine wesentliche Erhöhung ihrer Renten zuteil. So hat sich die Sozialversicherung in den letzten füntzehti Jahren der Entwicklung ange- paht. Vorübergehende Rückschläge im Gefolge der Wirtschaftskrise können ihre Bedeutung nicht mindern. Was.sie geleistet hat, ist.wirklich. imposant; wir wollen, es in dem folgenden kleinen Streifzug«in wenig genauer betrachten. Schidcsalsgemelnadiaft— Versicherungsgemeinschaft Alle, die da von der Arbeit ihrer Hände leben, mögen sie auch in den verschiedensten Berufen tä- iig sein und den mannigfaltigsten Beschäftigungen nachgehen, sind verbunden- in der SchicksalSgemein- schaft der Arbeiterklasse. Ihnen allen gemeinsam ist da» Bedürfnis nach Schutz im Krankheitsfall« und in der Mutterschaft, nach Vorsorge für den Fall der dauernden Erwerbsunfähigkeit(Invalidität) und de» Alters, sie alle bangen um da» Wohlergehen Hrep„Kehzg,in,!dei; Zeit nach ihrem Wleben. So Miot-äS rjchtiswnd. natürlich, sie zusammenzufai-! ner Tätigkeit verwehren, wenn da» Alter seine Kräfte schwächt oder wenn durch seinen Tod die Familie den Ernährer verliert, mutz in erster Linie Ersatz geschaffen werden für das bisherig« Einkommen. Dazu sind di« Geldleistungen der Versich«, rung bestimmt. Di« Krankenkassen gewähren«in Krankengeld, das etwa zwei Dritteln des Lohnes, bei finanziell schlechter gestellten Kassen während der ersten Zeit der Krankheit der Hälfte de» Lohne» entspricht. Die Beträge, die auf diese Weise jährlich an die Versicherten auSgezahlt werden, stellen beachtliche Summen dar! betrugen st« doch noch Im Jahre 1984, als durch die Arbeitslosigkeit Massen von Arbeitern au» der Versicherung au»scheiden mutzten, beinahe 200 Millionen XL. An Mutterschaftsleistungen wurden im selben Jahre beinahe 89 Millionen auSgezahlt und an BegräbniSgeldern gewährten die Kassen Über 8y 2 Millionen K£. Dazu kamen noch Meldleiswngen an erkrankte Familienangehörige der Versicherten von gegen 10 Mill. Xi. Die JnvaliditätS- und Altersversicherung gewährt an wiederkehrenden Geldleistungen Jnvaliditäts-, Alters-, Witwen- und Waisenrenten, deren Höhe abgestuft ist nach dem Lohn und der in der Versicherung verbrachten Zeit. In den zehn Jahren der Bestehen» der Versicherung ist die Zahl der Rentner mächtig angestiegen, im Gefolge der Krise sogar stärker als man ursprünglich angenommen batte. Go gab e» zu Ende de» Jahre» 1085 schon fast 180.000 JnvaliditätSrentner, etwa 27.000 AlterSrentner und zusammen mit den Witwen- und Waisenrenten etwa 207.000 Rentner überhaupt. Die Auszahlungen an Renten stiegen ebenfalls im Laufe der Jahr« beträchtlich und erreichten im Jahre 1935 insgesamt beinahe 800 Millionen Xi; seit ihrer Einführung hat die Versicherung über 41 Milliarden Xi an Renten gewährt. Darin sind allerdings die Beträge enthalten, die der Staat zu den einzelnen Renten beiträgt. Bon den einmaligen Leistungen der Sozialversicherung hat insbesondere der.A u» st a t- tungSbettrag rasch Popularität erlangt; nicht weniger al» 185 Millionen Xi wurden bi» Ende 1085 an junge Frauen anläßlich ihrer Verheiratung ausgezahlt. Alle Leistungen der Zentralso- zialverstcherungSanstalt einschließlich de» StaatSbet- trage» zu den Renten haben den Betrag von einer .Milliarde^Xi schon überschritten. Dies«,Beträge, jo Äyug zureichend auch sd.ie einzeln« Leistung W. detl, Die ZentralsozialversicherungSanstali führt unter Mitwirkung der Krankenkassen ebenfalls ein« großzügig angelegte Heilfürsorge durch und unter« stützt außerdem au» ihren Mitteln öfientliche Einrichtungen, welche den Zwecken der Volksgesundheit dienen. Ihr« erste Sorge mutz er sein, In der Bekämpfung der Volkskrankheiten Entscheidende» zu leisten und dabei steht wieder die„Proletarierkrankheit", die Tuberkulose an erster Stelle. Nicht nur durch Behandlung akuter Fälle und durch Unterstützung von Fürsorgeeinrichtungen kann die Volksgesundheit gehoben werden, sondern«S ist auch notwendig, di« allgemeinen Lebensbedingungen zu heben, unter denen die Wohnungsverhältnisse eine wichtige Rolle spielen. So ist die Heilfürsorge der ZentralsozialversicherungSanstalt ein weitverzweigtes Netz, dessen wohltuende Einwirkung nicht nur de» Versicherten, sondern der ganzen lebenden und künf- ,iigen Generation unschätzbare Dienste leistet. DI« Finanzwirtschaft der Versicherung Die Krankenkassen gewähren kurzfristige Leistungen, die laufend aus den eingehenden Beiträgen der Versicherten und ihrer Arbeitgeber gedeckt werden können. E» ist also nicht notwendig, daß sie, außer kleineren Reserven für Fälle besonderen Bedarfes(Epidemien), grob« Vermögen ansammeln. Die Krise hat allerdings an den Reserven gezehrt, so datz diese jetzt ungewöhnlich niedrig sind. Sie betrugen zu Ende 1984 etwa» über 800 Millionen XL, während di« gesamten Ausgaben in diesem Jahr« über 770 Millionen XL betrugen. In der Invalidität»- und Altersversicherung ist er dagegen nötig, «in Vermögen anzusammeln, auS dessen Ertrag dl« Leistungen zum Teil gedeckt werden sollen. Denn das, wa» di« Versicherten in späteren Jahren an Beiträgen bezahlen, reicht lange nicht dazu au», di« Leistungen zu decken, di« dann gewährt werden müssen. Damit ist erklärt, warum die Zentralsozialversiche« rungSanstalt heute über ein Vermögen von mehr al» fünf Milliarden XL verfügen kann und muh. Nur dem Uneingeweihten kann die» al» ungesund erscheinen, aber die Gegner der Versicherung haben versucht, gerade an diesem Punkt mit ihrer Agitation einzusehen. Sie haben iich dabei bemüht, den Eindruck zu erwecken, als ob dies« fünf Milliarde« streng bewacht, irgendwo im Keller liegen würden, stqtt,gl», flüssige» Geld unter das Volk«r. kommen. Nit Spiritus kocht überall! Sette 44 Sonntag, 80. August 1936 .Sozialdemokrat" Nr. 202 Einheitsverband der PmratantfcstciHcn in der Tschechoslowakei Angestellte In Wirtschaft und Gesellschaft Im Verlaufe der seit 1929 an« dauernden Weltwirtschaftskrise sind bedeutsame Veränderungen in der Struktur des kapitalistischen Systems in die Erscheinung getreten. Vor allem bat sich in der Zu» sammensebnng der Arbeiterklasse eine sichtbare Umschichtung vollzogen. Die Nationalisierung, die Technisierung und die Nesorm der Betricbsorganifa« tion hat bei den manuellen Arbeitern eine große, wachsende Zahl an menschlichcir Arbeitskräften frei gesetzt, so das; sich das Gewicht der Angestellten innerhalb der gesamten Arbeitnehmerschaft wesentlich verstärkt hat. Die Einführung von Biiromaschincn hat wohl auch bei den ausgesprochenen Angestelltenbetrieben, wie den Banken und Versicherungsgesellschaften Menschen verdrängt, dagegen ist die tvachscnde Bedeutung der Angestellten ini Handel und in der Industrie unverkennbar. Die gewaltige Ausbreitung des Handels, die Intensivierung des Verkehrs, der Reklame und der auf- sichtssührenden Tätigkeit in der Industrie hat das Anwachsen der kaufmännisch, adininistrativ und konstruktiv arbeitenden Angestellten in den letzten Jahren austerordentlich beschleunigt. Mit den Wandlungen der Fabrikation»- und Vcr- kaufSmcthodcn ist das Heer der Angestellten nicht nur zahlenmästig angcsticgen, sondern es. hat auch eine crhähte volkswirtschaftliche, soziale und kultnrclle Bedeutung in Staat und Gesellschaft getvonnen. Für die ganze Arbeiterschaft ist angesichts dieser veränderten Zusammensetzung ihrer kollektiven Kräfte die Entwicklung der freigewerkschaftlichen Angestelltenbcivegung znm mastgeb- lichcn-Faktor für die Entfaltung ihrer organisatorischen Gesamtkraft gctvorden. Gleich den Arbeitergewcrkschaften und teils in erhöhtem Biaste sind daher den Angestellten- Äewerkschaften große und neue Aufgaben zur cberwindung überholter und zux. Schaffung ^eucr"höherer Gesellschaftsformen erwachsen/ Weit über den Rahmen einzelner sozialer Reformen hinaus hat cs sich der Einheitsverband der Privatangestellten in der Tschechoslowakei zum Ziel gesetzt, dieser wichtigen Volksschicht ihren Platz an der Sonne zu erkämpfen und die rund 800.000 Privatangestellten dieses Landes in engster Wechselwirkung mit der internationalen Gewerkschaftsbewegung zu befähigen, entscheidend an der Neuordnung der Wirtschaftsorganisation mitzuwirken. Organisationsentwicklung Gewerkschaftsfragen sind Machtfragen— von dieser Erkenntnis ausgehend hat der Einheitsverband seit seinem Bestehen Organisationsgrundsätze befolgt, die es den Angestellten ermöglichen sollen, der geschlossenen llntcrnehmerfront die’ zielbewusste Einheitsgewerkschaft der Angestellten entgegenzustellen. Ohne Rücksicht auf Rasse, Konscssion, Geschlecht und Nationalität hat sich die Armee der Angestellten formiert. Die Privatangestellten, die im Zeichen des Grost- betricbs von den patriarchalischen Dienstverhältnissen ihrer Vorgänger, für die das Arbeitnehmerverhältnis einst nur ein UebergangSstadium zur späteren Selbständigkeit sein sollte, längst losgelöst sind, sind organisationsbewustt und klassen» bewusst geworden. Sie sind es den Arbeitern der Industrie schuldig, als wichtige Schicht des arbeitenden Volkes nicht nur an der Arbeitsstätte, sondern auch im organisierten Arbeitskampf ein machtvoller Bundesgenosse zu werden. Falsch verstandener Individualismus und Standesdünkel wurden überwunden. Zählte der Einheitsver- band 1918 nur 1890 Mitglieder, so zeigt die folgende Entwicklungsreihe im raschen Aufstieg den Erfolg des Organisationsgedankens. 1929; 34.000 Mitglieder, und der letzte Verbandskon- grest des EVP konnte eine Heerschau von über 68.000 Mitglieder, darunter 16.000 Frauen, abhalten. In den letzten drei Jahren war die Zahl der männlichen um 68, die der weiblichen Mitglieder um mehr als 120 Prozent gewachsen. Die Sonderinteressen der einzelnen BerufS- gruppen werden durch die Fachsektionen für Industrie, Handel, Geschäftsreisende, Versicherungswesen, Genossenschaften, AdvokatenbüroS, Zahntechniker und Filmindustrie wahrgenommen, die grasten sozialen Probleme aber sind Aufgabe der geeinten Gesamtorganisation. Eine aufstrebende Jugendorganisation und ein besonderer„Gewerkschaftlicher Studentenverband" pflegen fachliche, soziale, wirtschaftliche und allgemein-kulturelle Bildungarbeit. Die Zugehörigkeit zur gewerkschaftlichen'Landeszentrale sorgt für die Verwirklichung der Solidarität zwischen Arbeiterund Angestelltenschaft. Die organisierte Selbsthilfe des Verbandes findet ihren lebendigen Ausdruck in' zahlreichen Mrtschaftsgetrsebe einzugreifen. Mit einem eigenen Wirtschaftsplan für die Tschechoslowakei zeigt der Verband den Weg durch planvolle und gemeinwirtschaftlich orientierte Organisation von Produktion und Absatz den Reichtum an Naturschätzen, an technischem Fortschritt und an Millionen von menschlichen Arbeitskräften zu gestatten, um Produktionskraft und Massenkaufkraft in Einklang, den Menschen Brot und Arbeit, Wohlstand und Lebensfreude zu bringen, Die Beherrschung de» Staates durch die Privatwirtschaft soll einer staatlich gelenkten und voit den Arbeitern, Angestellten und Konsumenten getragenen Wirtschaftsorganisation weichen. Unter dem maßgeblichen Einfluß der Gewerkschaften soll alle Wirtschaft und alle Arbeit nur um der Menschen willen geführt und geleistet werden. Die Produktion hat dem Bedarf der Menschen zu dienen. Sozialpolitik.. Es entspricht den Grundrechten der demokratischen Republik, daß die menschliche Arbeitskraft unter dem besonderen und erhöhten Schutz des Staates stehen muß. Der parlamentarische Wortführer des Einhciksvcrbandes, Abg. Robe r t K l e i n, hat mit Unterstützung der sozialdemokratischen Parteien in jahrelanger, mühevoller Arbeit 1984 im neuen Privatangestellten« gesetz das einheitliche, soziale und autonom« An- mit der AvbeitSmarltregelung in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht. Die neueren Forderungen de» VerbandStagS auf diesem Gebiet betreffen den Ausbau der Sozialrente, die Einführung der Gcfchwisterrenten, die Anrechnung der zweiten Hälfte der nicht"versicherten Dienstzeit, die Erweiterung des PcrsonenkreiseS der Pflichtversicherten und das Verschwinden der Ersatzinstitute. Der Abschluß von GegenseitigkeitSver» trägen mit anderen Staaten wird als unerläßlich erklärt. Die Zweig« der Sozialversicherung für die Angestellten sind zu vereinheitlichen. Der Verband fordert, daß der Kreis der Betriebe, auf die das Gesetz fiir^die Betriebsvertretungen, Anwendung findet, erweitert wird, unter Permehrung der Befugnisse der BetriebSauSschüsse. Die Gewerkschaften sollen in den BetriebsauSfchüssert wie in den, Gehilfenausschüssen unmittelbar vertreten sein. Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit werden u. a. die Verlängerung der Schulpflicht, Ilm« schulungSmaßnahmen und besondere die Rationalisierung betreffenden gesetzgeberische Anordnungen deS Sozialschubes gefordert. Auf Grund einer umfangreichen Enquete über das kaufmännische Unterrichtsivesen hat der Verband den gesetzgebenden Behörden ein sorgsam durchgearbeitetes FortbildungS-, Fach« und allgemeines Schulprogramm unterbreitet. Für die Regelung der Gehaltsverhältnisse vertritt der Verband das gesetzlich gewährleistete System der Kollektivverträge unter Sicherung ihrer Unabdingbarkeit und Ausdehnung der Geltung auf alle Betriebe. Zur Austragung aller AÄeitS« und Dienstvertragsstreitigkeiten sollen die Sozialgerichte durch Errichtung besonderer Abteilungen an di« Bedürfnisse der Privatangestellten angepaßt werden. Im Zusammenhang mit den Vorgängen bei„Phönix" sind besondere Vorschläge für die Neuregelung des privaten Versicherungswesens ausgearbeitet worden. Es wird vor allem eine besondere selbständige Abteilung in der zuständigen Aussichtsbehörde verlangt, deren Wirkungskreis verfassungsmäßig zu verankern wär«. Nach ddm sozialen Programm des Einheitsverbandes müssen die Gewerkschaften an allen bestehenden und noch zu errichtenden Körperschaften der sozialen und wirtschaftlichen Selbstverwaltung direkt und gleichberechtigt beteiligt werden. Sie haben die aktjve Mitarbeit an der Errichtung von Arbeitskammern zu fordern. Du Haos des Einbeltsverbandes Einrichtungen, die dem Mitglied in den Wechseln fällen des Arbeitslebens Schutz, Recht und Hilf« bringen. Hier seien die Stellenvermittlung, Rechtsberatung und Rechtsschutz, Unfallversicherung, Unterstützung bei längerer Krankheit, Badekur, Erholungsheime in B.«Sternberg, Ro/jnov und das Sanatorium Prag-Smichow erivähnt. Der Verband hat als eine zum Genter System gehörende Organisation im letzten Berichtsabschnitt von 1980—1986 allein an Arbeitslosenunterstützung 24 Millionen XL zur Auszahlung gebracht. Eine reiche Fachliteratur, Jugendzeitschriften, Funktionärkurse, eine umfassende Kulturabteilung und Fortbildungs-Veranstaltungen bezeugen das rege geistige Leben des Verbandes. Es ist der Ssnn dieser modernen Gewerkschaftstätigkeit, den Menschen im ganzen zu erfassen. Aus der sozialen Berufsorganisation ist im Einhcitsverband die echte Lebensgemeinschaft der Schicksalsgenossen gewachsen, die beute gezwungen sind, im Schatten der Gesellschaft zu leben und gemeinsam den Weg ins Freie angetreten haben. Wirtschaftspolitik Je mehr die Träger deS herrschenden kapitalistischen Systems in der Ueberwindung der Krise, der Arbeitslosigkeit und der Arbeitsnot versagen, unifo mehr wurde sich der Einheitsverband seiner Mission bewußt, aktiv, positiv und konkret in das der Privatangestellten In Prag !- ' gestelltenrecht zur Kodifizierung geokckchtt- Und schon hat das Ringen um den, weiteren AÜSbau dieses Gesetzes eingesetzt.' llnglciche Kündigungsfristen sollen die ungleichen Kräfteverhältnisse zwischen Unternehmer und Angestellten ausgleichen. Ein nach der Dienstzeit abgestuf« teS Abkehrgeld soll den aus dem Betriebe ausscheidenden Angestellten gesetzlich gesichert werden. Der Verband tritt dafür ein, daß durch weitgehende Verkürzung der- Arbeitszeit diese einer gerechten Verteilung der vorhandenen Arbeitsmenge angepaßt wird,' ohne. daß' damit eine Gehaltkürzung verbunden sein darf. Die örtlichen und bezirklichen Erfolge auf dem Gebiete der Sonntagsruhe und der Ladensperre sollen unter Festsetzung der Sonntags- und Feiertagsruhe, der Zeit des Oeffnens und Schliessens der Geschäfte und der Wttagscuhe für das gesamte Staatsgebiet eine einheitliche Regelung erfahren. Die Provisionsreisenden werden nach dem dem Parlament vorliegenden Gesetzentwurf in den Genuß des Angestelltenrechts und der Pensionsversicherung gesetzt. Die Rechtslage der Zivilmusiker soll geklärt werden. Für die-Zahntechniker verlangt der Verband einen schnellen Erlaß der Regierung! Bei der letzten Novelle zur Pensionsversicherung konnte neben anderen Fortschritten die Schaffung der Sozialrent« für langfristige Erwerbslos« erreicht werden. Dieser grundfätzllche Erfolg hat die Sozialversicherung zum erstenmal ■i^Für dlefrkmqkraflyhe Republik "»De^'SkNhcikskieAWlft bekennt sich freudig zur demokratischen Slaaisverfassung und erblickt in der Deniokratie die vornehmste Art deS Zusammenlebens der Menschen. Er hält jedoch die Demokratie nicht nur für ein Kennzeichen' dec äußeren Staatsform, sondern sieht im-.ihk die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Grundlage für das- Gemeinschaftsleben des ganzen Volkes. Die Ordnung eines demokratischen Wirtschaftslebens muß den Grundsätzen der Gerechtigkeit mit dem Ziel der Gewährleistung eines menschen« .würdigen Daseins für alle entsprechen. In der Demokratie wird der Schutz der. menschlichen ; Arbeitskraft zum besonderen und höchsten Rechtsgut der Nation. Di« Arbeiter und Angestellten haben deshalb ein unveräußerliche» Recht auf aktiv« Mitwirkung, und Mitentscheidung im Wirtschaftsleben. Ihre Voraussetzung, ist die voll« Anerkennung der Gewerkschaften.und die Gewerkschaftsfreiheit. Die demokratische Republik bedarf zur Erfüllung Ihrer sozialen Sendung einer demokratischen Wirtschaftsverfassung, die das Mitbestimmungsrecht der- Gewerkschaften sicherstellt. Mitbestimmung bedeutet auch Mit« verantwortung. Der Einheitsverband ist sich dieser DlitverantwortungSpflicht bewußt. Seine ganze Tätigkeit beweist, daß er mit dem Recht auf Anteilnahme an der Wirtschaftsführuijg auch den Wirtschaftswillen hat, die Angestellten aus dem heutigen Elend herauSzufüöcen, einer besseren Zukunft entgegen. Die Mineralöl-Raffinerien Vacuum Oll Company A.-G.» Prag: Raffinerie Kölln Fanto-Wierke Aktlen-Gesellschaft, Prag: Raffinerie Pardublce und Neu-Oderberg Apollo Mineralölraffinerie A.-G.. Bratislava: Raffinerie Bratislava und M.-Schönberg PHvoxer Mineralölwerke A.-&, M.-Ostrau- Pflvoz Kraluper Mineralölraffinerie, Prag: Rafft- nerle Kralupy SUdkarpathlsche Mineralölraffinerie und i Handels-Aktiengesellschafts Prag: Raffinerie-Mukatevo Weinberger* Ortner, Leglfta-Mlchal’any j Industrie- und Handeis-A.-a, Koilce: Raffinerie Strttskö liefern Qnalltatsbctrlebsstoiie für Kraftfahrzeuge, Traktoren, Dieselmotoren Sette 45 „Soziakbemokrat" Nr. 202' Sonntag, 80. August 1936 Sank- und Dersidierungsniesen Versicherungsanstalten So Wie seit vielen Jahrzehnten die Arbeiter- bewegung in allen Kulturländern— um den Profit privater, kapitalistischer Unternehmer" auS» zuschalten—den gemeinsamen Einkauf, die Produktion und Verteilung der. zur LebenShlfltung ' notwendigen Güter durch die Schaffung und den imponierenden Ausbau der Konsumgenossenschaften organisiert Hot, so hat sie, allerdings viel spater, auch das Versicherungswesen in die eigene Handigenommen. Auch die Versicherung gehört zu den Gütern,-die zur Lebenshaltung den Menschen unbedingt notwendig sind, besonders in ihren Hpuptzweigen, der Lebens- und Feuerversicherung..Und hier sind es wieder die, minderbemit« testen. Volksschichten, die Werktätigen in Stadt uiw Land, die auf einen solchen Versicherungsschutz in erhöhtem Matze angewiesen sind- Aller Möglichkeiten beraubt, im Notfälle einen größeren materiellen Schäden ohne fremde"Hilfe wieder gutzumachen, können sie sich gegen die Tüllen des Schicksals nur durch den Abschluß einer" angemessenen Versicherung schützen. Lediglich aus dieser Tatsache erklärt.sich, die ungeheure Ausbreitung der kleinen Lebensversicherung, der sogenannten Arbeiter» oder Bolksversicherung, in fast- allen Ländern der Erde. Bor der Eirfführung der modernen Volksversicherung war der Abschluß einer Lebensversicherung, der damals nur unter, der Voraussetzung einer gründlichen ärztlichen Untersuchung und der Zahlung verhältnismäßig hoher JahreS- prämien zugelassen wurde, das Vorrecht der besser; situierten Kreise. Die breiten Massen jedoch— die sogenannten„Ilefnen Leute"— mutzten sich mit dem höchst minderwertigen Ersatz durch Sterbeoder BegräbniSkassen begnügen, die in fast jedem Orte und jedem Berufe zu Tausenden- neben- der Arbeiterbewegung bringen. Dazu kam ein weiterer furchtbarer Mißstand: der enorme verglltungSlose Verfall von Verpcherungen. Gewiß war die vorzeitige Einstellung der Prämienzahlung in vielen Fällen auf die. schwankenden wirtschaftlichen Verhältnisse der Versicherten zurückzuführen, ost auch auf ihre Unkenntnis und Gleichgültigkeit, aber ebensoviel dürste auch die gewissenlose Werbearbeit von Agenten dazu beigetragen haben, die den Versicherten zu Leistungen überredeten, welche er auf die Dauer unmöglich erfüllen konnte.(Sogenannte Gewaltakquisitionen). Ungezählte Millionen sind auf diese Weise den wirtschaftlich schwächsten Jahr für Jahr verloren gegangen; denn die Verpflichtung der Gesellschaften, den Versicherten wenigstens nach dreijährigem Bestehen ihrer Versicherung eine Rückvergütung zu gewähren, wurde erst viel später bei Einführung der BersicherungS- vertragSgesetze geschaffen. Diese Mißstände waren eS, welche die Arbeitnehmer-Organisationen, in erster Linie aber die Genossenschaften, veranlaßten, eigene Bersiche- rungSgeftllschasten ins Leben zu rufen, um- den minderbemitteten VollSschichten auf gemeinnütziger Grundlage einen guten und billigen Versicherungsschutz zum Selbstkostenpreise zu bieten. Dazu kam noch das Bestreben, die"riesigen Kapitalien,^ die aus den Prämien" der Besicherten" angesammelt werden müßen,-selbst zu verwalten und sie, soweit möglich, wieder den Kreisen nutzbar zu machen, aus denen sie geflossen sind,"Insbesondere durch die Förderung der gemeinnützigen- wirtschaftlichen Bestrebungen der ArbeiterLeivegung.- Nach und nach entstanden-in fast allen Ländern mit moderner Arbeiteichewegung derartige eigene Versicherungsanstalten', die teils von den Genossenschaften allein, teil» iw-solidarischer Zlisam- Prag II., Fügnerovo näm. 4 • MELDET EUCH ALS MITARBEITER| Darum schließt Versicherungen ab, nur bei der eigenen,gemeinnützigen Versicherungsanstalt einander vegetierten, plötzlich verschwanden und ^unter.ejnem anderen Namen wieder neu erstan- htji,..• T ES ist daS Schichsal einer jeden Sterbe», Begräbnis» oder PensionSkalle, die picht auf ein-, wandfreier versicherungstechnischer- Grundlage- ruht, nach einer— höchstens aber nach zwei Deneratwnen— an Mitgliederschwund oder an .Kem Fehlen der notwendigen Rapitalreserven zu» »runde-zu gehen und die verbleibenden Mitglieder, wie am längsten Treue gehalten und-die größten jOpser gebracht haben, nun aber vor dem Nichts. Rehen, in Not und Enttäuschung sich selbst ztt WerlasseN. Dich"Erfahrung ist seit Jahrhunderten in jedem Landeftmmerund immer-wiederge» ,macht worden; aber auch hier, lehrt die Geschichte, «aß die Menschheit aus ihr nichts lernt. Erst in "Ker jüngsten 3«it.-ist map in den Ländern,-welche Sm Versicherungswesen als führend- bezeichnet , oerden müssen, dazu übergegangen, derartige jSterbekasien von Gesetzes wegen zu zwingen, sich jtüf verstcherun'gStechnische Basis umzustellen oder -aber, wenn-sie daS-nicht mehr können(weil das ^Defizit schon zu groß ist), sie überhaupt zu per- ! steten und aufzulösen,- bevor sie noch"weiteres" Inheil anrichten,-ckönpey, j> i,-;?.--,--,- Aber auch,-der stüheren privaten Volksver» icherung,hastetenschwereMißstsinde,an,dieihren. lrsprung in der übermätzigen-Erwerbstendenz "Ker Unternehmer-hasten und denVersicherten alljährlich Unsummen sauer verdienter Spargroschen "entzogen. Um da» Geschäft zu forcieren, wurden an die"Agenten. hohe Provisionen. gezahlt,-, die Mropagända verschlang Richnbestäget die Aktionäre verlangten und erhielten gewaltige Dividenden. Alles das mußten die Versicherten"mit auf» menarbeit mit den Gewerkschaften gestagen.wer» den. Ueberall- genießen-diese Gesellschaften die aktivste- Unterstützung aller Arbeitnehmer-Lrgani» sastopen.-Sie fiyd iw einer besonderen Gruppe dem Internationalen Genoffenschaftsbund angeschlossen und tauschen so ihre Erfahrungen zum gegenseitigen Nutzen auS. Welche finanzielle Macht-sie schon heute repräsentieren," obwohl die meisten von ihnen noch recht jung find, geht aus nachstehender Vermögen-Übersicht hervor: Sitz'" der Gesellschaft vermögen ,.».->"! in Millionen Kä VJ...;f.■'‘.-.- Ende 1086- Manchester(England).," 2718.4 Stockholm(Schweden)"",-,",! 624.2 Haag(Holland)....»■, 822.8 Prag(„Eechoslavta")i■, 278.8 Kopenhagen(Dänemark),, 272.1 ' Sofia(Bükgärien).", ,181.1 Brussel(Belgien).,,. 128.6 H'elsingfors(Finnland).,. ,. 83.6 Riga(Lettland).., ,.,-- 7.9 Tel Aviv(Palästtnä)■. i" 6.1 Oslo(Norwegen),.,, 4.9 Paris(Frankreich).. i-h"' 8Ä' . Madridl(Spänien) Insgesamt in Millionen EL 4620.3 . Vynizwei weiteren Gesellschaften, nämlich der schweizerischen sowie der rumänischen, liegen die-für Ende 1986 maßgeblichen Zahlen noch nicht tiöifl, DieseLlrheiterzVersicherungchmstMien Bei" sitzen also ein vermögen von mehr als 4^ Mil-' liarden EL. Wieviel Segen hiermit zum Wohles der breiten MassenHestisstt werden kann und ge stiftet wird, braucht an dieser Stelle nichtauS- einandergesetzt zu-werden. Und wieviel Segen diese Gesellschaften tagaus, iagein im Schicksal des Einzelnen durch Auszahlung der Versicherungssumme beim Tode eines Versorgers" oder bei sonstigen UnglückSfällen' spenden, kann man sich auSmalen, wenn man bedenkt, daß Millionen Werktätiger sich ihren eigenen Versicherungsanstalten anverstaut haben.. Bekanntlich haben vor kurzem auch die deutschen Genoffenschaften und Gewerkschaften in unserer Republik eine eigene Versicherungsanstaft, die„Vorsorge", in» Leben gerusen, die ihren Geschäftsbetrieb bereits ausgenommen hat. Wie notwendig die Gründung einer solchen Gesellschaft war, beweist am besten der katastrophale Zusammenbruch des„Phönix". Tendenzen wie die des „Phönix",■ das Streben, nach möglichst hohen Altionärgewinnen oder nach übermäßiger Expansion sind bei genossenschaftlich verwalteten naturgemäß ausgeschlossen. Sie wollen ausschkießlich Sparkasse KSnzgsvera a. d. Eger Errichtet 1809- Postsparkassenkonto Prag Nr. 201.830 , Fernsprecher. Ist. 1 Selbständige, gemeinnützige u. öffentliche Deldanstalt .nach dem Gesetze vom.14. April 1020, 8-802 Die Amtoräume befinden sich im eigenen Gebäude KirchplatzRe. 221 dem Interesse der Versicherten dienen. Mögen unsere Arbeiter, Angestellten und Beamten- den Segen der Versicherung ebenso klar erkennen und mögen sie beim Aufbau dieses neuen Unternehmens die gleiche Solidarität und Tatkraft an detr Tag legen wie ihre Kameraden in den anderen Kulturländern! VERSICHERUNGEN ALLER ART UNION VEIHICHERUNGS-A.-G. HM, PRAG FILIALEN: REICHEN BERG- BRONN- BRATISLAVA 3379 Paftiskä 12 Telephon 17280, 17280 Republik? 14 Telephon 081, 847» Flllaldlrektlon: Brünn Berwaltungsvermögen ea 90,000.000 gk Strengste Wahrung des Geschäftsgeheimnisses Sparet»e,«« BodenvaGer Sparkasse! TBITHQ Filialdirektion- Bratislava MF u N&mSstf W PRÄG I1.,VODICKOVA 20 Telephon 286-41 die UerhalsanstaU vieler deutscher"Verbünde ■ betreibt nachstehende Branchen: Unfall-, Haftpflicht-, Einbruch-, Diebstahl und Wasserleltungsschäden-Versicherungen aller f Art. Versicherungen von Automobilen gegen Beschädigung und Feuer, Garantie-, Kau- tlons-, Zeitkarten- und Maschlnenbru.ch-Versicherungen I Die heimische Versicherungsanstalt für Schlesien und Nordmähren, i der. Seien seifige Feuerversicherungs-Verein in ibddcnau i versichert zu den günstigste^ Bedingungen bewegliche und unbewegliche Sachen gegen Brand-, Blitz- und Explosionsschäden Freudenthaler Sparkasse imrigrstenEebände in Freudenthal SchMerstraße Nr. 11 Gegründet im Jahre 1868 «erwaltunssvernTSsen Ki 42,000.000 Fernruf 21— Postscheck-Konto Prag 801,684------- ''"' 1 ,,«E01«tmm5 IMldM GARANTIEFONDS ENDE 1835 W 113,802.5898» Bisher wurden anScMderiüber 331 Millionen K8 ausbezahlt 2683 I f .Sozialdemokrat" Nr. LV2 Ski»»' 46 Sonntaa, 80. August<1986 ORLI5"L 368» KarlSperlich gehvren tu Ihre Berufsorganisation, den Sternberg, •P Xtffl 3*JU i.»'".t. In der TBcheohOBlownkiBehen Republik —L Alle Einlagen SPARCASSA IN BRUNN SohannMfaiM 4—8 3640 3662 55.000 Hausfrauen sind Mitglieder der - STIHL-ROLLIDEII, SOHENPLICHER, SCHERENGITTER p 8840 1 Wll Bund der Angestellten der deutschen Theater DER EDELSTE BAUSTOFF Branntwein-und Likör-Erzeugung rück, mit vielen Leiden und Freuden, Kämpfe« und Erfolgen. Die Stadt mit ihrer einst reichen Textilindustrie, mit ihren in der Kleinstadt besonders krassen Gegensätzen von" arm und reich, wirtschaftlichen, Unterdrückern und wirtschaftlich Geknechteten schuf und.bildete«ine Arbeiterbewegung, die keine Verfolgung von ihrem einst be» schritten«: Weg abhalten konnte. MochtenPoli- zei und Behörden auch mit den schärfsten Mitteln der Gewalt, allzuoft der brutalsten Gewalt," die der habsburgischen Despotie" zur.Verfügung:stände die Vorkämpfer des Brünner Proletariats drangsalieren: Die Arbeiterschaft hielt treu zu ihnen Und"zu ihrem Ideal. Sie blieb treu dem Gedanken ihrer Organisation und"dem Sozialismus, wenn ihr auck> alltäglich vom Spielberg heritb als düsteres Symbol habsburgischer Willkür die Zwingburg des altöstevreichischen Staatsgefängnisses drohte. Der düstere Steinblock dort oben am Spielberg zwischen lebenden grünen Berghängen, dieses grauenhafte, schreckenerregende Verlieh mit seinen lichtlosen, feuchten Kasematten, in denen Menschen elend verreckten, Verbrecher neben politisch dem österreichischen Regime Unliebsamen, Mörder neben nach Freiheit dürstenden Idealisten— er war das Hoheitszeichen der habsburgischen Stärke und Willkür,, das scheinbar für Jahrtausende hinaus den Gedanken altösterreichische Despotie versinnbildlichen sollte. Wohl ist dem Spielberg in den Fahren der nationalen Befreiung der tschechischen Arbeiterschaft das Schicksal der Bastille erspart geblieben,.noch immer thront dort oben die Feste als Sinnbild einstiger Macht— sie ist aber auch der Brünner Arbeiterschaft zur ständigen Mahnerin dafür geworden, an der Demokratie festzuhalten und sie mit allen Kräften zu verteidigen, damit nie wieder der Brünner Spielberg zum Verlietz-von Freiheitskämpfern werde. PORTALE IN EISEN, ANTICOROSTAHL UND DUOBRONZE a „Solldarltät-Vtcla“ ! ß !! Feinste LIKÖRE BRONN, OlmUtzer Str. 38- Tel. 16-386 »Wer von den älteren Genossen in den Ländern des alten Oesterreichs. hätte nicht Erinnerungen an Brünn? An diese Stadt, die doch ehemals, obwohl sie immer eine gemischtsprachige Stadt gewesen ist, für das Deutschtum in Oesterreich so eine Art Potsdam und Weimar zugleich war." Mit diesen Worten leitete der verstorbene, unvergehliche Friedrich A u st e r I i h seine„Erinnerungen an Brünn" in der Festnummer des Brünner„Bolkssreund" zum 60jährigen Jubiläum dieser ältesten sozialdemokratischen Arbeiterzeitung auf dem Gebiete der altösterreichischen Monarchie im Jahre 1931 ein. Und kaum treffender konnte man die Hauptstadt des kleinen mährischen Landes„mit ihrem Sinn für politische Ordnung und Disziplin" charakterisieren, kaum besser die Bedeutung des mährischen Manchester für die Arbeitdrbcwcgung Alt-OesterreichS umreihen. Schon die Tatsache allein, dah eS gerade Brünn war, wo im Iahte 1881 mutige und auf- opfernde Sozialisten die Anregung zur Gründung einer regelmähig erscheinenden sozialdemokratischen Zeitung gaben,, die Tatsache, dah. von Bxü'nn aus".Männer wie H y b e s'und T u sa r, Eldersch und Habrman, Römer und Stampfet, in jüngster Zeit Dr. Ezech, Taub, N i e h n e r und so viele andere, deren Namen in der Geschichte der sozialistischen Arbeiterbewegung einen guten Klang haben, ihren Weg nahmen, dah sie sich ihre ersten politischen Lorbeeren in Brünn holten, lassen die Bedeutung BrünnS für die proletarische Bewegung Oesterreichs erkennen. Ein kleiner Kreis von Handwerkern und Gewerbetreibenden war es, die mutig in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts ihr Bekenntnis zu der damals noch recht neuen Idee des Marxismus ablegten und in dem„ArbeiterbildungSverein" den Grundstock zur organisierten mährischen"Arbeiterbewegung schufen. Trotz aller Persekutionen und Drangsalierungen, Drohungen und Aussperrungen, die ihre wirtschaftliche Existenz mehr als einmal unsicher machten, blieben sie wackere Kämpfer für ihr politisches Ziel," Sprecher des politisch, geistig und sozial geknechteten Proletariats. Als zur Zeit des grohen Textilarbeiterstreiks Im Lahre 1869 der. Arbeiterbildungsverein behördlich aufgelöst wurde, war die Erkenntnis, dah nur in der Organisation die Kraft zur Befreiung der Arbeiterschaft liegt, schon so fest verankert, dah bald neue Arbeitervereine auf Brünner Boden" erstanden und schon nach, kurzer Zeit auch der ArbeiterbildungSverein wieder zu neuem Leben erwachte. Gejagt und verfolgs od'h vei?Mikttls^ der österreichischen Poitzen- oft in sich selbst- uneinig?.'"blieb,"doch die Btünner'Arbeiterschaft ihrer grohen Sendung treu": Mitwegberelter zu sein einer grohen Idee. Alle die vielen Richtungsstreite im Proletariat blieben nicht ohne Wirkung auch auf die Brünner Arbeiterbewegung. Radikale und Gemähigte, Zentralisten und Separatisten, in den Jahren der grohen Spaltung der Nachkriegszeit, Sozialdemokraten und Kommunisten, alle suchten ihrenEinfluh auf das Brünner Proletariat zu behalten und zu festigen. Aber ebenso oft ist auch von Brünn wiederum der Ruf nach Einigung ausgegangen, wollte die Brünner Arbeiterschaft die Arbeiterklasse. der ganzen Welt einig erhalten und sie so kampffähig purchen für ihre grohen Aufgaben. So blickt die Brünner Arbeiterschaft auf eine grohe, traditionsreiche Vergangenheit zu- Das sozialistische Brünn In der Vergangenheit liefert 8828 die bestbekannte Mühle- Johann Grafs Erben Josiowitt bei Znaim Zentralheizung^ sanitäre Anlagen, fiäs- n. Wasserleitung S. KLEIN Brünn Nove 14. TaLisin, ums ,866S•; sowie deren Pfandbriefe gerieften Mündel sichert! eit UND SÄMTLICHE BISENKONSTRUKTIONEN ERZEUGT SPEZIELL FsERGON, BROUN, ZEILE 107. 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August 1036 Der Böhmerwald Skoda populär 8729 Spare In der Zeit RMiere- licht und dunkel »87 IDraht ge-FLe chte Soldsctwetdei ^MMgiHgliiUMktln^ Kolonialwaren en grol ff Ilsen 8548 Pilsner Ilctien-Brauerei Dambrinus-Mbräu empfehlen Ihre vorzüglichen Lager». Schank* und dunklen Biere GBC H In Prag und deren Filialen K Vertretungen ASAP- Werk Mladä Boleslav M fj 'J? 35 PatetateJelnsodajiTasC LSEMLER-.R.HIRSCi-i liefert das Fachgeschäft Otto horc Denn der Böhmerwald ist in wirtschaftlicher Hinsicht seit je ein Sorgenkind gewesen. Bor Pein Umsturz« war er«in wahres Menschen- rcscrvoir für Wieg, er war eine'Quelle der Arbeit für das benachbarte Bapern. Wie viele tausende Pöhmerwäldler verließen zu dieser Reit' ihre dörfische Heimat, um nach der Hauptstadt der Monarchie zu ziehen! Sie gingen nicht freiwillig, vielmehr zwang fle die Rot dazu, den väterlichen Hof zu verkästen'und meist als Bauarbeiter iw die Welt zu ziehe». In Bayern,wiederum arbeit stten unser« Böhmerwaldmenschen als Forst> arbciter, aber auch in den zahlreichen Glasfabriken und Porzellanerzeugungen; die an der Gxgnze des Böhmerwaldes vorhanden waren. Das alles haben der Krieg und der darauf svlgende Umsturz gewaltig geändert. Die neuem staatlichen Grenzen und" die schleichende Wirt» schaftslrisc, die das neuö Oesterreich von allem Anfang an erlebte, duldeten keinen Huzug.auS hem fremden Staate mehr. Als auch in Deutsch»- lgnd die Zahl der freien Arbeitsstellen immer kleiner wurde, waren die Böhmerwäldler die! etste'n, die ihre Arbeit verloren. Und seit Hitler; ist eS noch schlimmer, geworden. Die Nazis redens zwar viel von den Grenzlanddeutschen, unseren« Böhmerwaldarbeitern abet, die von der Not ge- jbvungen drüben Arbeit, suchen, verwehren sie sie mit aller Gewalt. In den-letzten Lagen wurde sogar der reichsdeutschen Bevölkerung verboten,- »tschechische" Waldbeeren zü kaufen, womit, die letzt« schmale Berdienstmöglichkeit ünserer Böhmerwäldler genommen ivurdc. ■ J Ergoß sich früher der Menschenüberschuß de» Böhmerwaldes in das heutig« Ausland, so versuchen jetzt die wandernden Bauarbeiter im Jn- lände Beschäftigung zu erhalten. Aber auch da» schiitert ost an der mangelnden Baubewegung uyd noch viel öfter daran, daß e» sich mn Deutsche handelt, denn in den Augen vieler tschechischer Unternehmer ist jeder Deutsche«in Henleimngnn Md-daher ein Staatsfeind. Daß dies« Taktik dem Staate nicht dient, wurde von uns. schön so ost gesägt, daß Man e» eigentlich gar nicht mehd> wjederbgle»,müßte.... So.mÄsten di« Menschenalso meist in der Heimat bleiben. Wie sieht e» dort nun aus? Nach dem Umsturz haben di« Sozialdemokraten/ ei« Pächterschutzgesetz geschaffen, dösten günstig« Wirkungen sich heute noch zeigen. Aber, der. Böhmer- tpaldbqden ist. mager. Kaum.genug Kraft gibt et, um ein paar Kartoffeln anzubauen und so ist- die wesentliche landwirtschaftliche Produktion Eigentlich di« Viehzucht. Da der kleine Böhmerwaldbauer sehr arm ist, hat er nichts, von den' hohen Viehpreisen, zumal da» Getretdemonopol ihm.die Futtermittel, die ,«r.lausen muß..der»! feuert hat. Er muß da» Bish geradezu einer Zeit! verkaufen» da das stsleisch am billigsten ist und, Wird auf diese Weise, oft um den Ertrag der bitteren Arbeit geprellti die ihn das ganze Jahr an dii' Scholle bindet. 3658-.»bei Hlnch<--, f..., Pilsner Keramische Werke «tzOle«GPP;j| empfiehlt ftuerftß» Koch» (ef4ttte,eaI(«MW> große« :j;- Sortiment in Bluwentöpfen speste Vezngeqnelle für Konsum-Vereine -. ix,• f»..4 Bürgerliches Brauhaus ®catiinbet 1795.. P. BUdwNS MWWWMKMk verwendet unter ärztlicher Aufsicht verfertigte, modernste Bandagen, Gummistrümpfe, Bauch- u. Leistenbruchbänder, Prothesen aller Art, sowie orthopädische Schuhe und Krankenwagen von den. 4)tiOd'«2Derle der Invaliden in Pilsen, Bahnhofstraße 30 Z Ein Prosit auf di« Gesundheit mit Pilsner Urquell dient wirklich der Gesnndheltl Der muß nicht durstig sei», den der Anblick de» blanken, goldgelben Pilsner Urquell» mit der dichten weißen Haube zu einem tiefen Schluck verlockt. ES ist ein Schluck, der ungemein angenehm ist, der neuen Appetit auch beim Satten hervortust. Darum krönt da» Pilsner Urquell den Genuß des Gabelfrühstück», de» guten Mittagesten» und Nachtmahl». Pilsner Urquell ist ein Labsal für Gesunde, eine Arznei für Kranke. BerühnUe Kapazitäten au» Arztekreisen empfehlen wärmsten» ei» Gla» Pilsner Urquell bei Übersäuerung de» Magen», Appetitlosigkeit, Blutarmut, Bleichsucht. Sie schreiben Pilsner Urquell Rekonvaleszenten nach Jnfektion»krankh«Iten vor und al» wirksame» Diätetikum bei Magen» und Darmleiden. Pilsner Urquell ist flüssige» Brot— ist die Quelle de» Leben» und der Gesundheit. Pilsner Urquell schmeckt— nach Pilsner Urquell schmeckt e». Daher immer nur Pilsner Urquell au» dem Bürgerlichen Brauhaus« in Pilsen.,,-....... 8579 Macriilnsn Mr wuniiakriKea,•roMIOiea- riasUHIICII maedilnen, naaikali- □ RMMef- maidilncn modernster Konstruktion der weltbekannten Marke Adolf Eisner* Nachfolger Inhaber Albert leiimnn Samen- und Landesprodukten-Geschllft in Pilsen Telephon Nr. 188 a Gegründet 1891 ein rascher Sportswagen, macht Sie zum Herrn der Straßen. Seine Geschwindigkeit ist hervorragend, sein geringer Verbrauch verblüffend, seine elegante Linie bezwingend j Und die Industrie? Einst gab eS tnV Böh» snerwald«ine große und künstlerisch« Glasindustrie. Wir erinnern uns alle an die Stillegung der Glasfabrik in Hol letschen, und. misten, daß von der Glasindustrie säst nicht».mehr vorhanden ist. Mit Ausnahme der Papierfabrik in Krumau' känn inan dasselbe auch von diesem Erzeugni»zweig«; sagen.? Die ssorste sind zum großen Teil., verstaatlicht und wir hören immer und immer wieder bistert Klagen' darüber, wie die staatlichen storswerwaltungen di« Löhne drük- ken- und wie sie bestrebt....sind,. die ansässigen deutschen Arbeiter gegen Tschechen auszutauschen, stum Böhmerwaldgebiet im weiteren Sinn« gehört aber auch der weltberühmte Kurort. Martenhad, der alljächrlich zahlreichen Men- schen eine saisonmäßige ArbeitSMlegenheit gab. Damit ist«S nun'fast auch vorbei und wir wissen/ daß daran wieder da» Dritte Reich di« Hauptschuld trägt, das«S so vielen Reichsdeutschen unmöglich macht, die Heilquellen dieses Kurortes zu besuchen. So bleibt dem Böhmerwäldler eigent- sich— von kleinen Ausnahmen abgesehen— nur die. Heimarbeit übrig. Hier handelt es sich um. Permtutter« und Holzdrechsler, di« Knöpfe und andere Gegenstände aus dun Material erzeugen und in einer anderen Gegend wieder die Awirn- knöpfemacher. Was Heimarbeit bedeutet/ da» läßt sich hier nur andeuten. Die Menschen sind oft gezwungen, dar Holz au» den Wäldern zu stehle», weil sie fstr die Arbeit einer ganzen s?a- mili« in vierzehn-'und' sechzehnstündiger Arbeitszeit nicht einmal, so viel verdienen, nm das Rohmaterial kaufen zu können. Wirtschaftlich ist der Böhmerwald also ein Elendsgebiet.; Wohl rauchen in der.größten Stadt Westböhmen», in P i l s«n,. die'Schlot« der Rüstungsindustrie.■ Aber Pilsen ist eine tschechisch« Stadt und«S sperrt sich wirtschaftlich voM' deut«, scheu Sprachgebiet, das hart am Rande der Stadt beginnt, fast völlig ab. Die Aachl der deutschen Arbeiter in den Skodawerken ist gering, die gahl der deutschen Kumpels in den Kohlengruben des Pilsner Beckens wird immer kleiner. Sind nun-die Böhmerwäldler samt und sonders Staatsfeinde und Gegner der Demokratie? Trotz Henleinsieg und wirtschaftlicher'Rot sind unsere Organisationen, di« oft stundenweit von der Bahn entfernt liegen, und deren'Betreuung gus diesen geographischen Gründen besonders schwer ist, unerschüttert geblieben! Daß der Ge- danke de» Sozialismus in den Menschen weiter-, ltbt, daß sie trotz dem Terror der Großbauern und der Unternehmer.unserer Bewegung die Treu« halten, da» hat im Juni der KreiSarbestertag-in T.a ch a u wirklich prachwoll gezeigt, der nur au»! MimTdl der.BShmetMfldeS.kgst/siebent•»•rl|liil-ig|lli(lni .«n.groaund,«Bde.tall, | liefert , Etigroa-GeachMft und Magazine: - Nimiall repabJlky 14 8657 Filiale: Detail-Verkauf KramAtoty aady 2 Sette 48 Sonntag, 80. August 1988 „Sozialdemokrat* Nr. 209 1 Maxim Na Pankrtd Nr.09 rnANZ STEPHAN Gurken- Einlegerei T Besuchet die schBnite Stadt SQdmihren( ZNAIM reg. G.m. d. H. KlMMM! 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Ostrau Z Bahnhofstraße40 J M■< •, fiJbrt sämtliche Bankgeschäfte durch; Nimmt Einlagen auf Einlagebüehee u. laufende Rechnungen an; Führt Geschäfte .mit Wertpapieren durch;-Gewährt Anleihen aller Art Gelegenheitskäufe aller Art ,< Das neue Schlachthaus In Zhalm Die sanitären Einrichtungen der letzten Reih die die Sorge-für die Erhaltung der Gesundheit-de» Volke- übernommen haben, sind den breiten Schichten der Bevölkerung noch-zu wenig bekannt und wird-denselben nicht da» nötige Verständüi», entge« gengebracht. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen in früheren Zeiten und noch heute in wenig kultivierten Ländern, an Krankheiten, die vom Tier auf den Me»scheu übertragen werden, sterben, kann man den Wert gewisser sanitärer Einrichtungen,. wie Schlachthöfe, nicht genug einschähen. Di« Ueberwa- chung de» Handel» mit Fleisch, unsere» wichtigsten Nahrungsmittel», durch fachlich gebildete Organe solvie dessen-erste Zubereitüng an dazu-bestimmtem Platze, gibt dem Menschen der jetzigen Zeit" eine sichere Gebühr, datz seine Gesundheit von dieser Seite an»»nicht angegriffen wird. Die Stadt Znaim erbaute In den letzten Jahren ein neue» moderne» Schlachthau», da» den Anforderungen dieser Stadt vollkommen entspricht. HRAZDIRA&2ARUBA SPEZI ALFABRIK FÜR MEDIZIN.- TECHN.^EDARF PRftGIIV, Telefon Nn 603411' Komplette Einrichtungen, für Operationssäle Sterillaiefanipgen• Laboratorien- Seziersäle Hydro* und ThiBrmotherapeutische Anlagen g!525tS252525252SE585Z5E5i525852525252525Era m Bier gibt Kraft, Gesundheit u. Zufriedenheit Cj S Jr inkct| l Sfeclover Sier I H welche« mltdM«*H«>.AussteUungsprelBen H U ausgeMlohnet wurde-b' m n Aktienbrauerei Bf eclav S Oute Ware, reelle Bcnicnund llaitlie Preis® bei der Fe. Erste südmährische Selchwaren-, Salaml- und Fleischkonserven-Fabrik Alois Repa, Znalm Tel»: 174• Telegr.: Hepa Znalm- Speiialltftt: Dauersalami Marke»Tourist«. 8661 erOntoattngafft M KalchttMe 17 »Bin tat me GEC-Warenhäuser In«. W. Reich, Generalvertretung ,d. T* 1 Ulan lihlQr ätliuf 11, tut IL lilni a Seine Lage an der östlichen Seite der Stadt wurde richtig gewählt, da in dieser Gegend nordwestliche Winde vorherrschen. Beim Betreten de» Schlachthause» mutz jeder Besuchet zugeben, datz nicht nur in den Arbeitsräumen, sondern auch autzerhalb dieser die peinlichste Reinlichkeit herrscht. Die» ist-dadurch ermöglicht, datz eine entsprechende Verkleidung der Wände aller Räume de» Schlachthause» mit wcitzen Wetzen, sowie die Pflasterung der Futzböden und Wege auch autzerhalb der Schlachträume durchgeführt wurde, so datz auch der fein» fvhlige Besucher die Vorstellung, die er sich von einem Schlachthaus« gebildet hat, vollkommen verliert. Die modernen Einrichtungen, wie Aufzüge, fahrbare Haken zur Beförderung de» Fleische» aus den Schlachträumen in die Fleischkammer stören nicht im geringsten da» Auge de» Besucher». Da alle Verunreinigungen und Abfälle, die. einer schnellen Zersetzung, besonder» in der warmen Jahrelzeit anheimfallen, rechtzeitig durch Abspülen und gute Kanalisation. oder Entfernung..qgf and«««,,Wp» weggescham werden und für eine gut« Ventilation gesorgt ist, ist di« Anlage völlig geruchlos. Di« Fleischbeschau sowie die Untersuchung de» Schweige« fleische» auf Trichinen wird- durch den ständigen Dienst«ine» Tierarzte» besorgt. Wenn man auch da» Znaim» Schlachthau» jenen der Grotzstädte nicht vollkommen gleichstellen kann, so erfüllt e» doch ganz seinen Zweck und wird auch im Falle einer zukünftigen Ausbreitung d« Stocht den Anforderungen voll entsprechen. E» kann al» Muster für Städte mit gleicher'Bevölkerungsanzahl hingestellt werden. .\DAS_ BILLIGE VOLKS-MÖBEL?. 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