1 16. Jahrgang Mittwoch, 2. September 1936 Nr. 204 Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto) IENTRALORGAN DEE DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECNQSIOWAKISCNEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG.XII» FOCHOVA 62. TELEFON S3077. HERAUSGEBER* SIEGFRIED TAUB.' VERANTWORTLICHER REDAKTEUR* DR. EMIL STRAUSS, FRAG. das Verdun der spanischen Freiheitskämpfer Atidoaig.. IT! l.M In' 1-4.^11].*Khwrren Kümpfen um Iran^5)«acht.-- En enttpaffnet werden. Diese Maßnahme trifft selbstverständlich in erster Linie die faschistischen Eifer- nen Garden, die nnter ftakenlreuzlerischcm Einfluß stehen und znm guten Teile mit reichSdeut- schem Geld arbeiten. V* Ans Bukarest wird dem Tschechoslowakischen Preßbüro geschrieben: - Das nach dem heutigen Ministerrat ausge» gebene amtliche Kommunique ist in seinem auf die Innenpolitik bezüglichen Teil als eine Einheit zu verstehen. ES ist die Absicht der Regierung, oie politische Auseinandersetzung der Parteien auf die sachliche Argumentation und auf die normal« Id eenproganda zurückzuftihren und„jede Propaganda der Tat" zu unterbinden. Diesem Zwecke dient sn erster Linie die A u f« l-ik-s u-n g der Par teig ar den/ Diese Auflösung soll nach allen'Pichtungen gleichzeitig erfolgen und,«ach etwaige Geheimzirkel erfassen. Dje.Jugend/-llör allem die studentische Jugend, soll durch den A r b e i t S'd i e n st, der in Rumänien eineNeuheit darstellt, produktiver Arbeit im Interesse Ver Allgemeinheit, zugeführtwerden. Als weiterer.Vorteils dpr Arbeitsdienstpflicht' wird die Neutralisierung. s.der Wirkungen, der Jntellek- iuellenarbeitSlosidkeit. angesehen, die. für. den Rechtsräd'ikalismus.als Mittelstandsbewegung zweifellos, ein stärker pshcholpgischer Antrieb ist. Nach seiner Meldung der„Luptä" wird die mit d« AüSarbeitmig des Gesetzes, betreffend die Ar» beitSoftnstpflicht betraute iirterniintsterielle Kommission,' Axbeitsplätze, Arbeitsgebiet, Unterbrin- güng^dex Dienstpflichtigem sowie die Disziplinar- vorschsfltcn. festlegen, welche vermutlich.bin für dsc vormilitärische Ausbildung bestehenden Vor- schrjften.n'achgcüildct sein Werdest.. Die angekün- digt'e Ncüordmiyg der Hochschuldisziplin wird dahin verstaiwen,- daß eine' gewisse Einschränkung; der Höchschulautonomie eintreten dürfte»! Die! „Ljspta".glaubt, zu wissen, ,däßt die,RWrstng.an> alle politischen Parteien, einey.Appell richten.wird,; das Werk der Befriedung.'dds. öffentlichen Lebens zti',.unterstützen:'Ist' diesem Sitzüe hat sich auch Innenminister I u c a anläßlich derUebernahme seines Ressorts, geäußert. rauften dafür zu erlangen, daß die auf diese! Weise gewonnene polnische. Ausrüstung. niemals, gegen'irgend einen der berbülideten Frankreichs benützt'werden', wird.. Selbstverständlich'bestünde« die beste Garantie für. Frankreich dgrin,.haß eine! Basis für bessere Beziehungen zwischen Warschau« upd Prag geschaffen, würde..'\ ReimS. Der polnische Generalissimus! 'R Ud,<'S migltz, btt Luftfahrtminister Pierre E» t/ der Chef deS franzüstschrn Generalstabes! General. Ga m.e.li n,' bi«.Begleiter-Rydz-i Smiglys Und die Mitglieder ÜeS französischen« GenetalftabeS sind DienStäg früh um 7'Uhr'auS ReimS.»Um Besuch detz Schlachtfelder der Chani- pagueUnd»Ur Teil»ahmr än'deu-Ma»s n i ve r n im Gebiete von Suipes, im Depä'rte-^ ment Marne* atgereist.-...- Verhandlungen? Hendave.(Havas.) Die ChefS der diplomatischen Millionen, die zur Zeit auf französischem Gebiet an der spanischen Grenze weilen, haben ihren Doste», denargentinis chen Botschafter, ermächtigt, sich telegraphisch mit einem Plan an die Madrider Regierung z» wenden, der eine Milderung der Härten des Bürgerkrieges herbeiführen soll. Zwischen de» beide» kämpfenden Parteien würden die Militär-Atta» chts und das Rote Kreuz vermittel». Der argentinische Botschafter setzt große Hoffnungen auf diese» Schritt. Der spanische Aussenminister Garcia gab das Versprechen, daß er sich mit dieser Angelegenheit ernsthaft beschäftigen werde. Zwischen den Negierungen von BurgoS und Madrid wurden bereits die B e r z e i ch n i f s e der Gefangenen auS getauscht. ES kursieren Gerüchte, die allerdings vorläusig noch mit größter Reserve aufzuyehmen sind, wonach General Mol» sich zur Zeit an der baSkischen Küste aufhält, w»' vielleicht tatsächlich di« Verhandlungen ausgenommen werden dürfte». Die relative Ruhe, die am DienStag an der Front bei DuipuSeoa herrschte, wird in Zusammenhang mit diesen Gerüchten gebracht. Vie Kirche hat einen guten Nagen j, Madrid. Die Polizei verhaftete den Bankier Luize.M u geir o. bei dem Kleinodien und Wertpapiere im.Werte, von 88 Millionen Peseten hin» ttrlegt waren,.die verschiedenen, religiösen Kon» gregationeil-gehörten,^ Das beschlagnahmte Ber- »nögen wurde aus die' Palizri^rrektson'in Madrid Za.. '. Gegen die Eisernen Garden Scharfe MaBnahmen der rumänischen Regierung Am Dienstag trat die neue Regierung Tatareseu zu ihrer ersten Bera- . tuns zusammen« Das ausgegebene amtliche Kommuniquee bringt zum Aus» druch, daß das neue Kabinett entschlossen ist, mit dem Rechts-Extremismus aufzuräumen, der daS Land fortgesetzt beunruhigt und viele Terrorakte verschuldet hat. Bor allem soll an de» Hochschulen, die die Tummelplätze der rechtsradikalen Student« sind, Ordnung gemacht werden. Die Ministerien für Unterricht, Justiz und für Inneres habe» ent sprechende Maßnahmen getroffen, die von der Gr» samtregierung-«billigt wurden. Dir Tätigkeit Der politisch«. Partei«»'wird durch diese Maßnah»«» »ichtiberührt.'.Die Staatsangestellten, die nutzt nach dm Gesetzen handeln, werden verfolgt wer den. Für dir Universitäten wird ein neneS Statut auSgearbeitet werden,' durch daS die Verletzung der UniversttätSdistipliN'verhindert werden foll. Eine einschneidende Maßnahme ist die Einführung deS allgemein,« n A r b eitS die n- st e S für die Jugenblichen' im Alter von 18 bis 21 Jahren. Durch die Zusammenfassung der Ju gend in den Arbeitslagern soll der Einfluß der rechtsradikalen Strömungen auf die Jugendge- tevche»«erd«. Bon Bedeutung'ist auch der Be schluß, daßdie politischen Garden aller Parteien IruiL ffAsfigarraga^ Qyarzun w. Hemani' Bei Luftkrieg in Spanien 3m spanischen Bürgerkrieg wird jetzt von beiden Seiten die Luftwaffe in stärkerem Maße eingesetzt. Montags und Dienstags wurden viele größere Städte bombardiert. RegierungSflugzeuge warfen Montag nachmittags über DnrgoS eilte größere Anzahl von Bomben ab, die einige Todesopfer erforderten. Die Aufständischen setzten besonders im Kampfe gegen 3 r u n die Lnftwaffe ein» Fliegerbomben trafen ei« Dhnamitlager und zerstörten es. Auch über Bilbao, San M arti al und Dale«eia wurden Bomben abgeworfen. Einige Flugzeuge der Aufständischen bombardierte« Madrid, die viel Derlnste an Menschenleben verursachten. RegierungSflugzeuge zerstreuten die Angreifer, ehe fie sich ihrer Bombenlast vollständig entledigen konnten. lym . Behoble. Der Sonderberichterstatter der AgenreHavaS meldet: Bereits feit einigen Tagen konnte man annehmen, daß daS Aufständi schen-Kommando in dem Bewußtsein, daß auf der von RegirrungSmill, verteidigten Straße nach Jrun kein Erfolg.erzielt werden könnte, versuchen werde, über die B e r g h ä h e« hinweg auf Iran vorzustoßen. Die letzten Ereignisse bestätigen, wir rS scheint,' diese BorauSsehungcn. Die Aufständi schen haben tatsächlich auf den Behoble und Jrun beherrschenden Berggipfeln Geschütze aufgestellt und.eine artilleristische Vorbereitung entfaltet, die doppelt so Hefti» ist als früher. Diese Artillerie vorbereitung hat vornehmlich den Zweck, dir Schützengräben.der Regierungstruppen zu zer trümmern'und das Fort San Martial zu per- Nichten,. andertrseitS die Straße»wischest.,Ärufl «MSan MaMäl ass wichnge-»erkrhrSmiÜel? das die BeHÄoiger vpn Jrun stäNdig zu ihfer' Bersorgung und»um. Truppentransport'benützen, zu bombardieren. Demgegenüber habt» die Re- gierungstruppen ein Geschützfener eröffnet, daß den von den Aufständischen besetzten Sektor vo.ll- kommen äbricgelt. Zugleich würde auch Maschk» inengewehrfrurr eingesetzt, daS dem Bornmrsch de« Infanterie eine» wahrhaften Feuerwall entgegen- stellt. Soweit festgestellt werden konnte, Halen sich die Positionen»wisch« Alunda und, Lapunche n i ch.t. geändert» Vie Regierungs-Offensive bei Huesca Barcelona.(Havaö.) In einer Rundfunk- . Meldung heißt es, daß eine katalanische Kolonne die Verbindung zwischen den von den Aufständi schen besetzten Städten Saragossa und Te- ru'el abgeschnitten haben. Oberstleutnant San dion« meldet, daß die' Reqierungstruppcn den Bprstoß. gegen das vollkommen eingechslossene Huesca fortgesetzt haben, Oberst Bilalba, der Oberbefehlshaber- der Regierungskräfte im Ab schnitte HueSca, Meldet, daß der Feind große Ver luste erlitten habe.' Meldungen aus' privater! Quelle bestätigen diese Angaben und führen an,' daß von den Regierungstruppen eine heftige ..Offensive gegen HueSca unternommen wurde, hie für sie erfolgreich verlief. Die Aufständischen for derten dringend Hilfe auS Saragossa. .'. Paris, 1. September.(HavaS.h Die Blätter-widmen auch Ipelter den Berichten über ben -.Pariser Aufenthalt des'Generalinspektors General Bydz-SMigly vielRaüm.Sie äußern einmütig ihre Befriedigung über den herzlichen Geist,' von wel»! chem' seine gegenwärtigen Verhandlungen In >''Kgnkreich'burchbrüngen sind. Sie! rechnen damit, 'daß diese Diskussionen zu'glücklichen.Ergebnissen ' für beide LändevfÜhben' Werden! igegenständ'Lee Päxtsev vörhandlungjen tst die iFrage von iWee'-j diten,'ioelche iPolen. ermöglichen würden, wi ', Frankreich Bestellungen von Kriegsmaterial^zui - v«Wben, und in Polen Vie Artegristdustrie aus«' zubäüen. Es sst.'möglich, daßfich bik dieses Ber- handlungeN beiderseits der französisch-polnische, Vchrag vom Jahre 1g23' festigen wird. An-be- stimmtdn'Stollen gibt sich das Bestreben, künd, Ga- t-i l.-.i RUstungskredlte für Polen Rydz-Smlgly bei den französischen Manövem bessere Beziehungen Warschau-Prag gefordert Fori Guade/u Fuenterrabia Spanische Bilanz (AP.) Rach sechs Wochen Bürgerkrieg in Spanien ergibt sich folgendes militärische Bild: Katalonien wurde in wenigen Tagen von den Aufständischen gesäubert und ist seitdem in der Lage, seine Truppen gegen daS zwischen Katalonien und Madrid liegende Aragonien sowie gegen die Balearen, die ursprünglich den Nationalisten in die Hände gefallen waren, einzusetzcn. In den. Provinzen Valencia, einem der reichsten Gebiete Spaniens, sowie C a st e I l o n, wurde die Lage ebenfalls sehr schnell zugunsten der Regierung entschieden. Hier blieb auch das Militär großenteils auf der Seite der Negierung, es wirkt an den Kämpfen in Aragonien nut. Was die Lage in Aragon i e n anbelaugt, so werden die Städte Huesca und Terucl belagert, nach deren Einnahme der konzentrische Angriff auf Saragossa erfolgen kann. Dessen Fall würde dann die Aktion gegen Navarra, das sich in den Händen der mit den Aufständischen zusammengehenden Karlisten befindet, insbesondere gegen dessen Hauptstadt Pamplona, ermöglichen, wobei die Regierungstruppcn auf Hilfe aus den regierungstreuen baskischen Gebieten zu rechnen haben. Die Besetzung der' Eisenbahnlinie Saragossa—Madrid würde auch die direkte Verbindung Madrid—Barcelona sichern und den Angriff auf daS in N tu* Kastilic n gelegene Burgos, den Sih der Gegcnregierung von Cabanellas, ermöglichen. Das baskische Küstengebiet, mit Jrun und San Sebastian ist in den Händen der Rcgic- rüngsftmppen. Die Stellungnahme der Basken wurde dadurch entschieden, daß die zentralistisch eingestellten Aufständischen die AutoüomiewUnsche der. Basken(ebenso wie die der Katalanen) ablehnten. Die Angriffe auf die erwähnten Hafenstädte, die bis jetzt alle, gescheitert sind, beiveiscn, wie unangenehm dem General Mola dieser Wind im Rücken ist, der ihn an einer erfolgreichen Aktion gegen. Süden hindert. In Asturien wurde die Hafenstadt Gijon von den RegieruugStruppen im Bunde mit de» Bergarbeitern eingenommen, während Oviedo noch bclagcrttzjvird. Wenn es fällt, Ivürde die asturische Miliz'frei werden, um gegen das von den Aufständischen besetzte Leon(Hauptstadt Salamanca) vorzustoßen. Die Stützpunkte MolaS für den Angriff auf Madrid sind Avila und Segovia. Da aber in der Sierra de Guadarrama die Angriffe der Aufständischen abgeschlagen wurden, wartet Mola auf die Hilfe des Generals Franco. Dies gibt den Kämpfen in E st r e m a d u r a Ihre Bedeutung, denn von dort sollte die Verbindung zwischen Süd- und Nordarmee der Aufständischen bewerkstelligt werden. Die Aufständischen beherrschen aber trotz der Einnahme' von Bajadoz und des Besitzes einiger Stützpunkte wie Caceres und Trujillo noch nicht die ganze Provinz. Die Balearen sind bis auf Palma de Mallorca zurückerobert. Im Süden werden Granada und Cordoba von den NegicrungStrup- pen belagert. Mala g«.befindet sich in den Händen der Regierung, Sevilla, Cadix und H u e l v a in den Händen, der Aufständischen, Murcia und Alicante hingegen in den Händen der Regierung, während Cartagena zu den Nationalisten überging.. Daß di« Kanarischen Inseln und Spanisch-Marokko in den Händen der Aufständischen sind, ist bekannt.-- So ungünstig eine Zeitlang die Lage der spanischen Regierung beurteilt wurde, so wenig ist doch.zu verkennen', daß Madrid eine Reihe von Aktivposten aufweist, Die Miliz hat sich inzwischen konsolidiert,' und es ist gelungen, die Disziplin im gvoßen.'und ganzen zu festigen. Die Regierung verfügt-aber auch über! beträchtliche Geldmittel, die ihr erlauben, auch einem längeren Andauern der. Kämpfe, ohne, große', Unruhe entgegenzusehen. Abgesehen von den normalen Geldquellen, Über die die,'Regierung disponieren kann','da sie die reguläre Macht repräsentiert, sind auch spontan Sammlungen zustande gekommen, die ziemlich erhebliche Beträge ergehen haben! dadurch kann der Bedarf, der ,Milizsoldaten und ihrer Familien gedeckt werden. Die Sum» meu, die vhn der Bevölketung! soweit sie regierungstreu ist/in täglicher Sammelarbeit aufge» bracht werden, reichen sogar aus/um einen Reservefonds anzulegen. Natürlich sind diese Quellen>nicht unerschöpflich/ aber für den Augenblick und.auch noch für die nächste Zelt ist die Finanzierung. gesichert/.' Sette S Mittwoch, S. September 1036 Nr. 201 Ein sehr wesentliches Moment aber ist, daß die Negierung sich in der Lage befindet, ihre Be- >v a f f n n n n u» d Ausrüstung selbst herznstellcn. Die Mehrzahl der Industriegebiete befindet sich in ihren Händen. Man hat errechnet, das; üb Prozent der gesamten Industrieproduktion in den Gebieten liegen, die sich in den Händen der regierungstreuen Truppen und Milizen befinden. Aber ganz abgesehen davon, daß dies siir die Wafsenprodultion von ungeheurer Bedeutung ist, ist auch mit der Tatsache zu rechnen, daß die Sympathien der arbeitenden Bevälkerung für die Regie- r u n g das„Potentiel de guerre" der Regierungstreuen dem. der Aufständischen überlegen machen. In wenigen Tagen vermochte Barcelona seine Industrieproduktion auf den Kriegsbedarf imizustellen. So fabrizieren die Hispnno-Werke 2001) leichte Fliegerbomben täglich, eine Menge, die für den Bedarf der Regierungsarinee ausreicht. Im Gegensatz dazu sind die Aufständischen auf die Einfuhr der Munition usw. aus dem Ausland angeiviescn. So skeptisch man über die Einhaltung des NichteinmischungSabkonunenS denken mag, so lassen doch die Munitionszusuhrcn schon fraglos fühlbar nach. Für die Aufständischen ergeben sich aber gleichzeitig auch andere ungünstige Faktoren. Dio Mauren tverden immer unzuverlässiger, so daß man bereits die Fremdenlegionäre gegcir sie einsetzen mub, die aber ebenfalls nicht allzu zuverlässig sind. In Spanisch-Marokko gärt eS, so daß sich weitere Truppentransporte von dort von selbst verbieten. Und schließlich ist ein Teil der Bevölkerung der okkupierten Gebiete aufsässig. Daß Franco nicht mit einem UeberraschungScoup durchdringen konnte, wirkt sich verhängnisvoll ans. Manche deuten das Unentschiedene dcS Kampfes zuungunsten der Regierung, aber wenn diese auch noch nicht Granada und Cordoba, Saragossa und Oviedo einzunehmen vermochte, so sind die Aufständische» ja auch vor Malaga und vor San Sebastian und Jrun nicht weiter gekommen, und gesiegt haben tvürden sie ja erst, wenn sie in Madrid und Barcelona, Valencia und Murcia eingezogen wären. Zunächst ist tvciter mit eineni Stellungskrieg zu rechnen. Funkberichte aus Madrid Ans Madrid wird mis gemeldet, daß der Allgemeine Ardeiterveriand einen Rurzwellen- Rundfunkdienst eingerichtet hat. Im Namen des Bundes der deutsch;«» Freunde Spaniens werden täglich nm 12.80 Uhr und 22 Uhr deutsche Nachrichten auf Welle 40 m gesandt. Der Sender ist sehr stark.(Anmcrkung der Redaktion: Es ist.auü der Meldung nicht ersichtlich, ob«S sich um west» .. oder mitteleuropäische Beit handelt. 12.80' Uhr x«westeuropäischer Zeit entspricht 13.30 Uhr mitteleuropäischer, 22 Uhr westeuropäischer Zeit 23 Uhr mitteleuropäischer.) Prozeß gegen Aufrührer Madrid. Das Volksgericht fällte das Urteil gegen die Artillerieoffiziere aus Carabanchel in der Provinz Madrid, die der Beteiligung an dein Militärausstand angeklagt waren. Der Oberst Cäncdo und die Kapitäne Marcelino Diaz. San- chez Lopez und Varela wurden zum Tc^c verurteilt. 1b Angeklagte, für die der Staatsanwalt die Todesstrafe beantragt hatte, wurden zu lebenslänglichem Kerker und sechs weitere Angeklagte zu Kerkerstrafen von, je sechs Jahren verurteilt. 10 fiommu fSarftox macht(Revolution ftoiMn von Srtt* flondv „Niemals, Donna Fulvia", wiederholte er eindringlicher.? Fulvia trällerte ein paar.Takte aus„Carmen", bevor sie sich enischloß, ihrem Verehrer einen ironisch-schnmchienden Augenaufschlag zu gönnen. „Sie wissen, Ivie ich Sic schätze", flötete.sie, „Von- einer Frau lvie Sic lvill man nicht geschätzt werden, Donna Fulliia." „Was will inan denn'', fragte Fulvia unschuldig. „Als wüßten Sie eSinichtl"^DicSmal schlug der Advokat seine kleinen, dunllcn Augen schmachtend auf und zupfte an' dcm'.schwarzgesärbien Schnurrbart, der dünn, aller verwegen auf der wulstigen Oberlippe ritt.-„Als wüßten Sie es nicht, dah ich Sie liebe..." „Ach, ach, mein lieber Freund, Sie scherzen..." „Ich scherze nicht". Der Advokat Bonamaria schüttelte energisch den kahlen Schädel.„Ich liebe Sie, Donna Fulvial Ich wäre bereit, alles zu tun, damit Sie mir glauben... jede Dummheit..." „Ist eS nicht beleidigend?" Fulvia lehnte sich zurück und sah, den Kopf auf der rechten Schulter, niit dem oft erprobten, schelmischen Blick zum Advolaten hinüber,„ist cS-nicht beleidigend? Immer bieten die Männer uns an, Dummheiten zu begehn I AIS ob ein kluger Mann uns nicht lieber wäre!" „Ein kluger Mann, der Ihretwegen Dummheiten begeht, am liebsten, nicht ivahr. Mrs. Fulvia", warf Tommy Barbox ein, der gerade eine längere halblaute Rede beendet hatte und nun, tvährcnd Diego Martinez seinen schönen braunen Kopf nachdenklich senkte, mit einem balben Ohr den Dialog zwischen Sängerin und Advokaten belauschte. „Oh, Tommy I Fulvia drohte mit neckisch erhobenem Zeigefinger. Aber Tommy war bereits anderswo. Diego Martinez hatte ihm die Hand auf den Arm gelegt und flüsterte eine längere Antwort auf Tommys Rede. „Halten Sie mich nicht für einen jilugen Mann?, fragte Bonamaria. „Sie? Sie sind gewih ein ungeheuer kluger Mann", erwiderte Fulvia mit ein''wenig'übertriebenem Pathos.„Soweit ein bescheidener Theaterverstand das beurteilen kann." „Warum also....?" Der Advokat zog ein klägliches Gesicht.„Bin ich Ihnen zu alt", fragte er schließlich mit dem Blick des verendenden Hirsches, der den Gnadenstoh. erwartet.„Ja, ja," antwortete er sich selbst, denn er hörte dieses „ja" doch lieber von sich als von Fulvia,'„ich bin zu alt oder ich sehe wenigstens so aus'..'.(mein Herz ist noch jung", fügte er hinzu und legte die linke Hand mit gespreizten Fingern' aus die Brust,„mein Herz ist jung... aber wasinützt das? Sie sehen nur meinen kahlen Schädel und nicht mein Inneres." „Wie Sie reden, mein Lieber I" Fulvias Stimme Ivar weich und mitleidig. Wer bevor sie noch Tröstendes darüber sagen konnte,s dah der kahle Schädel gerade ein besonderer Reiz an BonamariaS Persönlichkeit sei, wurde^die Türe aufgerissen, und der Inspizient Agosttir rief: „Zwischenakt!" Dann verschwand er wieder.•"> Fulvia hatte eS so eingerichtetjdaß. Ago- stin ihr rechtzeitig mitteilte, wenn der Akt zu Ende ging, Caldelari wusste ja, datz^sie iir,ihrer Garderobe Besuche empfing, aber wissen und sehen Ivar zweierlei.' Wenn er eintrat und daS Zimmer voll fand, dann gab es eine heftige Szene,. war das Zimmer aber leer, so begnügte er sich mit den üblichen Klagen. „Es tut mir leid, meine Herren..." Fulvia stand auf und machte einen neckischen Knix. Bonamaria küßte ihr die Hand und lispelte: „Auf morgen!" Diego Martinez war heute abends sichtlich mit seinen Gedanken entfernt. Aber zu einem feurigen Blick und einem Handkuß reichte es noch immer. Und auch zu einem leisen: „Sie wissen, wie ich Sie liebel" „Heute war es nicht sehr deutlich zu merken," lachte Fulvia. Aber ihr Lachen war«in wenig gereizt, penn sie mochte eS nicht, wenn ihre Verehrer sich in ihrer Garderobe um andere Dinge kümmerten, als um ihre anmutige Persönlichkeit.. „Verzeihen Siel Morgen habe ich nur. für Sie Augen und Ohren!" Als letzter'verschwand Tommy Barbox. Auf«! geräumt wie immer nahm er FulviaS Hand zwischen die seinen: „Eine strenge Königin!.'. Die Untertanen dürfen an nichts anderes denken.?" „War es denn so wichtig, das man gerade in meiner Garderobe erledigen mußte?" Tömmy lachte harmlos. «Keine Spur! Ein Interview mit dem reichsten Mann Romanuelas. Fünfzig Zeilen. Höchstens!" „Und für meine Rosina hatten Sie nur zehn!" ,»Können Sie das vergleichen? Zehn Zeilen voll Begetsterpng■, sind mehr wert als fünfzig Zeilen voll Bananenexport und Baumwolle.", Aber Fulvia hatte gute Augen. „Martinez sah gär nicht so aus, als ob Ihr nur von Baumwolle und Bananen gesprochen hättet? „Mein Mott, etwas Politik wär auch dabei. Sonst schmecken den Lesern die Bananen nicht." Agöstin erschien noch einmal warnend in der Tür. 9400 Arbeitslosenkinder waren im Erholungsheim Die Aktion des Gesundheitsministeriums abgeschlossen— Fast alle Kinder haben zugenommen Die staatliche Erholungsaktion für Kinder Arbeitsloser und für jugendliche Arbeitslose, die im heurigen Frühjahr vom Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen und körperliche Erziehung i>n Einvernehmen mit dem Fürsorgeministerium organisiert wurde, ist nunmehr abgeschlossen. In ihrem Rahmen wurde mehr alS 9400 Kindern und jugendlichen Arbeitslosen«in«nent- geltlicher sechSwächentlichrr Anfenhalt in«in«m klimatisch günstigen Erholungsheim ermöglicht und durch genaue Richtlinien für- einen sachge- inäßen Pflege-, Behandlungs- und Ernährungsdienst und eine nach ärztlichen Grundsätzen festgestellte Diät für einen guten Erfolg der den Kindern zuteilgewördenen ErholungSsürsorge vorgesorgt. Die Unterbringung der Kinder erfolgte in Erholungsheimen, die sich auf das ganze Gebiet der Tschechoslowakischen Republik verteilten und durch regelmäßige Berichterstattung dem Ministerium die Uebevwachung des Erholungsd'.ensteS ermöglichten. Jedem Teilnehmer der Erholungsaktion wurde vom Ministerium eine Garnitur, bestehend a»S Seife, einem Waschlappen, einer Zahnbürste und Zahnpasta, beigestellt. ■■■■■■■■MSSSBSESSflBaiMHE Auf Grund der von allen Erholungsheimen an daS Gesundheitsministerium erstatteten Berichte über den Gesundheitszustand der Kinder kann schon heute gesagt werden, daß dieAktion durch au S erfolgreich abschloß, denn bei nahezu allen Kindern wurde ein Gewichts» zuwachS sowie ein« Erhöhung der Widerstandsfähigkeit des Organismus konstatiert, die sich in einer größeren Leistungsfähigkeit dcS Körpers sowie in einer Verringerung öder Ausmerzung der'Krankheitssymptome kundgibt. Die definitiven Ergebnisse dieser Aktion werden erst auf Grund einer für weitere drei Monate nach Abschluß des KurgebraucheS vörgekehr- ten ärztlichen Evidenz und Untersuchung festgestellt. Di« Ergebnisse aller vorangeführten Untersuchungen und Beobachtungen werden im Gesundheitsministerium und in der Staatlichen Gesundheits-Anstalt wissenschaftlich bearbeitet und werden so eine sozialhygienische Erhebung einzigartigen Charakters bilden. Schon aus den vorläufigen Ergebnissen kann man erkennen, dah die staatliche Hilfsaktion den Kindern einen bedeutenden Gewinn brachte. Darum ist es zu bedauern, daß nur ein kleiner Bruchteil jener Kinder, die einer Gesundheitsfürsorge bedürfen, in die Aktion einbezogen werden konnte. Der Fall Vrany In den„Lidovi Listy" wird eine Unterredung mit einer als sehr gut informierten Politiker bezeichneten Persönlichkeit wiederge- gebcn. die sich über di« Aspirationen des„Ben- kov"»Chefredakteurs Vrany äußerte. Wir zitieren den entscheidenden Teil der Erklärungen: „Das plötzliche Gerede über die bolfchewisti» sche Gefahr bei uns(unter der Patronanz des agrarischen Innenministers) und über die Gefahr, welche von der Linken droht, in welche auch Minister Sramek eingereiht wird, das ist nur dic spanische Waiid, der künstliche Nebel über dem Manövergelände, hinter welchen etwas ganz anderes getrieben wird. Es geht um einen Angriff des Senators Branh auf die Position HodZas in der Partei und auf HodjaS Regierung. Der„Ven- kov" will Hodjja die Koalition unter den Händen zerschlagen. Beachten Sie doch, daß Hodja nach der Rückkehr vom Urlaub sich gegen die kämpferische Teilung heS Volles in eine Rechte und eine Linke gestellt hat, die Limcdcr staatspolitischen Mitte vertrat, welche von allen RegierUngSpar« icicn verfolgt wird, und das; der„Venkov" Unmittelbar danach einen unablässigen Kampf eben gegen diese Konzeption HodZaS führt. Senatöl Vranh macht sich lustig darüber, daß alle im Zentrum sein wolle:«, und danstt polemisiert er gegen H.odja und nur zunl Schein gegen Sie(d. h. die VolkSpartci. D. Red.). Und genau so ist daS Zusammenwerfen der sozialistischen‘ Regierungsparteien mit den Kommunisten, die absichtliche Bestreitung der Unterschiede zwischen Henlein uyd den deutschen Regierungsparteien ein Kampf gegen HodjaS RcgierungSposttion und seine Konzeption. Senator Vranh kann es Hodja nicht vergeßen, daß er im Kampfe vor der Präsidentenwahl abgelehnt hat, mit ihm ein Hasardspiel zu spielen." Sprunghafte Heischverteuerung! Einige wenige Ziffern zeigen, wie berechtigt die aktuellen wirtschaftlichen Forderungen sind, die eben von der Partei erhoben wurden. Von allen Seiten seht eine Preissteigerungsoffensive ein, welche das ohnehin armselige LcbcnShaltungSbud- get breitester Massen über den Haufen zu werfen droht, denn die Verteuerung bet einem Artikel zieht den Preiszuschlag bei anderen nach sich. Die Fleischprcise sind in den letzten Tagen sprunghaft in die, Höhe gegangen. Rindfleisch kostete vor einem Jahr auf den Prager Schlachthöfen 6.01 KL, im heurigen Juli 10.80 bis 11 KL und Ende August 13 KL. Schweinefleisch stieg in derselben Zeit von 9 auf 13 KL. Der Einzelhandel verlangt noch höhere Preise. Dagegen gibt es sehr schnell wirkende und einfache Mittel. Die Erweiterung der Einfuhr ist imstande, den notwendigen Ausgleich zwischen der Kaufkraft der, Bevölkerung und dem Preisniveau hcrzustellen.' Die'Teuerung ist"schließlich"ßüm g rohe n Teil'auch durch die Spekulation verursacht, welche, gestützt auf dic gute Futtermittelernte, die Beschickung des Marktes drosselt und die Preise derart In die Höhe treibt. Hier sofort und energisch cinzugreifcn, ist eine Aufgabe, welcher sich die Behörden nicht werden entziehen können. Die Entwicklung der DTJ. Der Bericht des tschechischen Arbeiterturn- und Sporwerbandes, welcher in den nächsten Tagen erscheinen wird, gibt.cine Uebersicht über die Fortschritt« im Läuse des Jahres 1938. Trotz der wirtschaftlichen Notlage, welche einen, allerdings unbeträchtlichen, Rückgang der beitragenden Mitglieder verursachte, ist die Gesamtmitgliedszahl des Verbandes gestiegen. Die DTJ zählen im vergangenen Be richtsjahr 142.338 Angehörig« gegenüber 133.982 im Jahre 1934. Dieser Zuwachs äußert sich' hauptsächlich bet dem Nachwuchs und den Zöglingen. Die Uebersicht über die Zugehörigkeit der Mitglieder zu anderen Arbeiterorganisationen zeigt ein« Zunahme der politisch, gewerkschaftlich und vor allem der genossenschaftlich Organisierten,«ine Abnahme der Arbeiter-Abstinenten und der Freidenker. Der Präsident der Republik hat am Dienstag den venezuelanischen Gesandten Dr. Tovar L ä n g e in Antrittsaudienz empfangen. Ferner empfing der Präsident den amerikanischen Gesandten Pedro Cerisol a in Abschiedsaudienz, weiters Vertreter der Internationalen Krankenhausgesellschaft und sodann den Professor der New gorker Universität Charles H o ge s. Schließlich empfing der Präsident unseren Gesandten in Moskau Bohdan P a v l ü. vrany klagt. Nach recht langer Zeit erscheint im„Venkov" die Mitteilung, daß Senator Vranh die Klage gegen den Chefredakteur des„Ceskä Slovo", K. Z. Klima, und gegen die„Lidovö Listy" eingebracht hat. Der Postdienst am 28. September. Am 28. September l. I. wird der Dienst im Post-, Telegraphen- und Telephonverkehr wie an Feiertagen versehen. Die Post wird auch in Landbriefträgerbezir- ken zugestellt werden. Sonntagspleite der Stalinisten Eine interessante„Konferenz“ in Karlsbad Am Sonntag tagte im Cast„Am Kai" in Karlsbad eine von dem aus der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei ausgeschlossenen P e ch e r einberufene Konferenz, deren Ausgabe eS war, über die beste Taktik zur Herstellung der von den Stalinisten angestrebten„Volksfront" zu verhandeln. Der Mißerfolg der Konferenz geht schon aus ihrem schwachen Besuch hervor: ganze 17 Teilnehmer waren erschienen. Hauptredner war der Kommunist Korb, der zweieinhalb Stunden sprach. Nach den„weltpolitischen" Darlegungen beschimpfte er Trotzki, von dem er sagte, daß er «leider" nicht bei den in Moskau erschossenen Sechzehn sei. In der Tschechoslowakei müsse die Volks» front„von unten" gegen den Willen der„Oberen" hergestellt werden. Der Kommunist Ehrlich.(Kreissekretär der KPTsch in Karlsbad) gab Richtlinien für die Arbeit, die in der sozialdemokratischen Partei zur Herstellung der Volksfront zu leisten wär«. Er und Korb empfahlen, auf«ine offene Agitation zu verzichten und Wühlarbeit von Mann zp Mann zu leisten. ,.Die Teilnehmer an dieser Konferenz, an der im Sinne der Ausführungen Korbs und Ehrlichs diskutiert wurde, waren: Korb, Ehrlich (Karlsbad, Frank(Karlsbad), Pecher (Neud«k), Weigert(Aich), Schneider (Aich), Bauernfeind(Nothau), S ch i l- bach(GraSlih, Erhärt(Asch), Fuchs (Silbcrbäch), Schilhanck(Komotau?), Götz,(Bernau), Michael Walter(Eger) Außerdem waren noch zwei Teilnehmer aus Bernau und je einer aus Rothau und Auschowih da, deren Namen uns nicht bekannt sind. Pecher klagt« am Schlüsse der fiinfitündigen Konferenz(Motto:„Gut Ding will Weile haben!") über den schwachen Besuch und meinte, daß es gelingen werde, das Gehörte in die Tat umzusetzcn. „Auf Wiedersehen, unvergleichliche Fulvial Und seien Sie mir morgen wieder gnädig!" Tommy Barbox lachte ihr zu, und da er noch über ihre Lucia von Lammermor einen Bericht nach New gork versprochen hakte, lächelte auch Fulvia verheißungsvoll. Denn New Kork, das war-für sie das Ziel. Was bedeuteten alle Triumpfe in Europa und gar hiet gegen die Metropolitan! Davon träumte sie, wenn sie-dem begeisterten Salvadolidcr Publikum Kußhände zuwarf.*"" VIII.' „Hallo, Meister Bonamaria! Haben Sie ein paar Minuten Zeit für mich?" Der Advokat saß trübselig in seinem Bureau und sah mechanisch die Akten«ine» Prozesse» zwischen Alonso Clarinö und Höratto Äaleana durch. Clarinos rotgelb gestrichene» Auto hatte den Winöhund GaleaNaS gestreift,.den besten Renner Mittelamerikas. Galeäna verlangte eine märchen» 'hafte Summe al» Schadenersatz, während Clarino überhaupt nicht» bezahlen wollt«. Nun ging-der Prozeß schon in'.sein drittes'Jahr. Bönamaria wendete sich um. In der Türe stand Tömmy Barbox. „Rommen Sie nur! Ich habe zwar viel dringende Geschäfte, aber für Sie..." Tommy Barvox lachte ungläubig. „Ein Liebesbrief an Frau Caldelari,' wa»?" Tommy hatte das beruflich geheiligt« Vorrecht den Indiskretion. Er durfte.immer nach allem fragen,.man nahm es ihm nichpübel. Und selbst Privatangelegenheiten durste man ihm an« vertrauen; sofern nichts davon die Leser der Montfortblätier interessieren konnte,: war er unbedingt verschwiegen. So durste auch der Advokat Bonamaria schmerzlich da» Gesicht verziehen, denn et Muht« einigermaßen sicher zu sein, daß seisie Gefühle keinen Anlaß zu einer Depesche liesern würden. ..(Fortsetzung folgt), MM . Nr. 204 , Mittwoch, 2. Septeniber 1938 Seite 3 Jubiläum der Stachanow-Bewegung Die„Leningradskaja Pravda" vom 8. August erinnert in ihrem Leitartikel daran, daß am 81. August 1986, sich zum ersten Male der Tag jährt, an dem Häuer Alexei Stachanow einen noch nicht da gewesenen Rekord der ArbeitS» leistung aufstellte. Stachanow wurde damit zum Helden der Sowjetunion und«S dauerte gar nüht lange, so tauchten auch in anderen Zweigen der Wirtschaft die Stachanowzen auf. Es setzte eine Intensivierung der Arbeit und Rationalisierung der gesamten Wirtschaft ein, die cs mit sich brachte, daß mit einem Schlag die Arbeitsnormen um einen ziemlich hohen, Prozentsatz erhöht wurden. Dadurch und durch«in verzweigtes Prämienlohnsystem wurde die Erzeugung sprunghaft gesteigert. Die»Leningradskaja Pravda" schreibt in dem erwähnten Leitartikel, daß in Leningrad in den crstcn sieben Monaten des Jahres 1986, des sogenannten Stachanow- Jahres, die industrielle Produktion um 81.9 Prozent gesteigert wurde, d. h. eS wurden um zirka eine MiNiarde mehr Produkte erzeugt und der Wirtschaft zugeführt. Die Steigerung ist natürlich en den einzelnen Industriezweigen verschieden. Am höchsten ist sie wohl in der Maschinerchan-Jndustrie, wo sie 50 Prozent beträgt, in der schweren Industrie im allgemeinen 85.6 Prozent usw. Daraus ersehen wir, daß in der SSSR immer noch dem Ausbau der Schwerindustrie und vor allem dem Maschinenbau das größte Augenmerk gewidmet wird. Allmählich kommt es zur Erhöhung der Erzeugung in der leichten und Lebensmittelindustrie, in der Landwirtschaft und in der Viehzucht. Damit wird die Lebenshaltung der sowjetrussischen Bevölkerung allmählich gebessert werden. Die Hoffnung, di« die mit der SSSR sympathisierende Arbeiterschaft Mittel» und Westeuropas daran knüpfte, daß daraus auch eine allmähliche wirkliche Demokratisierung der Verwaltung in Sowjetrußland erstehen werde, ist aber durch die letzten Ereignisse in der SSSR auf das Bitterste enttäuscht worden. Gerade aus diesen Ereignissen ist«s auch klar ersichtlich, daß di« neue Sowjetkonstitution dem russischen Volke uur eine Scheindemokratie im reinsten Sinne des Wortes bringen wird. Ein Jahr Stachanow-Bewegung hat, wie gezeigt wurde, die russische Wirtschaft sprunghaft nach vorwärts gebracht. Für die Arbeiter aber hat die Stachanow-Bewegung mancherlei Bedenkliche». Außerordentliche Leistungen einzelner, die unter besonders günstigen Verhältnissen erzielt wurden, werden nicht nur zu nachahmenswerten Vorbildern, sondern zu den von allen Arbeitern geforderten Normalleistungen. Und damit wird— in einem Lande, in dem die Gcwcrlschastcn der Funktion, Anwälte der Arbeiter gegenüber den Unternehmern(in diesem Falle der Staat) zu sein, entkleidet wurden— das Stachanow-System zu einem Antreibesystem. Außerdem droht die Gefahr, daß bei diesem System des Schnell- und Vielarveitens mehr auf die Quantität als auf die Qualität geschaut wird, daß also schließlich zwar sehr viel Güter erzeugt werden, aber schlechtere. Also wäre auch von einem vollswirtschaftlichen Standpunkte aus, der die Interessen der Arbeiter nicht berücksichtigt, das Stachanow-System sehr kritisch zu beurteilen. In einem so diktatorisch regierten Lande aber kann sich keinerlei Kritik hervorwagen, ohne daß der Kritiker sofort verdächtigt wird, ein Staatsfeind zu sein. Also wagt der BolkSwirtschaftler kaum etwas zu sagen, um nicht als Trotzkist verfolgt zu werden, und der Arbeiter kann aus dem gleichen Grunde nichts anderes tun, als versuchen, den gewaltig gesteigerten Arbeitsforderungen zu entsprechen. GegenprozeB Slnowjew-Trotzkl? London. Das Internationale Büro für die Bereinigung der Sozial-Revolutionäre übermittelte der Londoner Presse eine Mitteilung, in der die Errichtung einer Sonder-Kommission vorgeschlagen wird, welche ins einzelne.untersuchen soll, was an der gegen Trotzki erhobenen Terror- Anklage wahr ist, Diese Kommission müßte alle Dokumente und Zeugenaussagen aus dem Moskauer Prozesse zur^Beifügung gestellt, erhalten, so wie sie auch die Möglichkeit haben müßte, an Ort und Stelle die Beweggründe des Urteils prüfen zu können. Einzig und allein auf diese Weise könnte die Kommission-ihr Urteil in einer so ernsthaften Angelegenheit fällen, wie dies das Moskauer Urteil und die Beschuldigung Trotzkis sei, Im Zeichen der deutsch* polnischen Freundschaft ♦ Das polnische statistische Amt peröffentlicht Ziffern über das Minderheitenschulwesen in Polen.- Daraus geht hervor, daß die deutschen Gchulen Polen» im letzten Jahr« von 55.700 Schülern besucht waren, das ist um 7000 weniger als vor fünf Jahren. Noch größer war die Ber- minderung der deutschen Schulen; von 768 Volksschulen vor? fünf Jahren bestanden im letzten Schuljahre nur noch 490, also um'278 weniger. Weit'üngünstiger lauten, aber noch die Ziffern füt das deutsche Mittelschulwesen in Polen. Während 1930/81 noch 20> deutsche Gymnasien mit 7700 Schülern bestanden,, war diese Zahl im letzten Schuljahre auf 20 Anstalten mit 8100 Schülern gesuiiken. Das einzige deutsche Lehrerseminar in Polen.zählte.noch 1980 400, 1985 binaegen nur tzwch 100 Zöglinge.. fudetendcutscfier Zeitspie&cl Zwei Zeltlager der Jugend In Westböhmen wurden in den letzten Tagen zwei Jugend-Zeltlager durchgeführt, die von großer Bedeutung für die geistige Betreuung des sozialistischen Nachwuchses zu werden versprechen. In D o n a w i tz bei Karlsbad war das Zeltlager der sozialistischen Jugend, da» eine Woche dauerte, dreißig Teilnehmer zählte und als reines Schulungslager gestaltet war. Ucker die Fragen der Jugendbewegung sprach der Lagerleiter Erich E r n st, die politische Schulung lag in den Händen Fritz TejessYS, Dr. Feldmann-Fischer sprach über die sexuelle Frage. Außerdem wurden Borträge von Rudolf K r e j s k y und Fanny B l a t n Y gehört. Im Lager war Rauch- und Trinkverbot und strenge Disziplin, deren Gesetze von den Lagerinsassen aufgestellt worden waren. Auch den Körperübun- gen wurde großes Augenmerk geschenkt. Selbstverständlich legte man auch auf den unterhaltendromantischen Teil des Logerlebens großen Wert. Am vergangenen Donnerstag wurde das Lagec abgeschlossen. Erich Ernst unterwarf aus diesem Anlaß alle Geschehnisse und die geleistete Arbeit einer Kritik, die den Zweck hatte, Erfahrungen für daS Dessermachen zu sammeln. Die im Lager versammelte sozialistische Jugend hatte guten Kontakt mit der Parteibewegung des Ortes gefunden. Biele Parteigenossen nahmen an den Borträgen teil und bedauerten ebenso wie die Lagerinsassen, daß das Lager nicht länger dauern konnte. Die Lagervertvältung besorgte Marie G ü n z e l. Ungefähr zur gleiches Zeit hatte die Turnerjugend WestböhmenS in S ch a b e n ein Schulungs-Zeltlager. Es waren vierzig junge Menschen versammelt, die gute Kameradschaft hielten und mit Eifer mitarbeiteten. Das Lager war in den großen Plan des'Atus zur Aktivierung seiner Jugendbewegung eingebaut, das Lagerprogramm war nach diesem Gesichtspunkt gestaltet. Es wurde durch einen Bortrag des BundeSerzie- hers Rudolf Storch eingeleitet, über gewerk- schaftlicbe Fragen sprach der KreiS-GewerkschaftS- obmann HrdliLka, über die organisatorischen und pädagogischen Fragen trug Mykura vor. Ueber das Atus-Sportabzeichen lehrte der KreiS- turnwart Perlet.— Besonderes Interesse erregte der von Mykura behandelte Plan des AtuS, im Jahre 1987 ein Zeltlager für 1000 Jugendliche zu errichten.— Auch in diesem Lager kam der unterhaltende, vor allem aber der körperbil- dendeTeil,,.nicht zu kurz. Zwanzig Lagericilneh- mer unter 21 Jahren waren am Äbschlußtag zur Prüfung für daS Sportabzeichen vorbereitet. KreiSerzicher Job mit den beiden BczirkSerzle- hern Walter und Iltis tvaren Prüfer. Organisationskenntnifs e mußten ebenso wie politischer Wissen bewiesen werden. Gut wurden von allen die verlangten Kommandos beherrscht, die achttägige Lagerschule hatte gute Früchte gezeitigt. Krelblch gegen Kreibich Wir sind dank der zahlreichen Wandlungen, die der„Revolutionär" Karl Kreibich im Verlaufe seiner sechzehnjährigen Tätigkeit bei den Kommunisten durchgemacht hat, wahrlich nicht leicht aufs Neue in Erstaunen zu versetzen. Diesmal aber— wir gestehen es freimütig— ist«S ihm gelungen, sogar uns zu verblüffen. Ausgerechnet e r hält eS für nötig, in Verteidigung der gegen die alten Bolschewiki gerichteten Ausrottungskampagne auf zwei Seiten der „Roten Fahne" gegen Trotzki zu Felde zu ziehen. Seine Arbeit ist wohl das beschämendste journalistische Produkt, daL ein Kommunist bisher geliefert hat. Wir wollen uns mit diesem Pamphlet nicht auseinandersetzen, ebensowenig wie wir Ursache haben, Trotzki— gegen den wir ost mit sachlichen Argumenten polemisierten,— zu verteidigen. Lediglich zur Charakteristik dessen, Ivel- cher Wandlung ein Mensch in der Moskauer Hldnc Erinnerung Die Ausgabe der JubiläumSnununer de» „Sozialdemokrat" veranlaßte unseren altey Freund R. B. zu folgender Zuschrift: 1909 tagte in Prag ein Landesparteitag der deutschen Sozialdemokratie Böhmens. Als Redakteur des Gablonzer„Gebirgsboten" hatte ich daran teilzunehmen und als einer der jüngsten Delegierten die— wenig arbeitsreiche— Funktion eines Schriftführers zu übernehmen. Der herrliche Wahlsieg vom 14. Mai 1907, der uns zusammen mit den nachfolgenden Stichwahlen 16 Mandate auf rund 160.000 Stimmen in den deutschen Wahlbezirken Böhmens gebracht hätte, erwies die sudetendeutschen Industriegebiete wieder einmal als di« Hochburg, der Partei und die Parteileitung in Wien pachte dies zum Ausdruck, indem sie Dr. ViktorÄdler, Friedrich Austerlitz und Dr. Karl Renner, entsendete; übrigens alle drei in den Sudetenländern gckoren. Einer der Beratungsgegenstände war di« Frage der Schaffung eines zentralen Parteiorgans in Prag. Wir hatten damals nur ein einzige» Tagblatt, die„Arbeiter-Zesiung" in Wien. Einflußsphäre fähig ist, sei daran erinnert, dah Kreibich einst über Trotzki anders dachte als heute. Es war am Karlsbader Parteitag von 1920, da Kreibich in seinem Rededuell mit unserem unvergeßlichen Josef Seliger stand und Trotzki für sich reklamierte; damals schien ihm der Begründer der Roten Armee di« Verkörperung des Revolutionärs zu sein. Im Protokoll über diesen denkwürdigen Parteitag lesen wir im Schlußwort Kreibichs auf Seite 851 folgendes: „Für mich ist Moskau nicht Ausland, für mich ist Moskau die Heimat der internationalen Sozialdemokratie. Für mich gibt«s keinen Fremden, für mich find Trotzki und Lenin, di« die größte und gewaltigste geschichtliche Tat In der modernen Arbeiterbewegung vollbracht haben, keine Fremden, für mich find das Genossen, d i e mir so nah« stehen, wie jeder Liebste vonJhnenhierim Saal t." Den Mann, den er damals zu lieben vorgab und vor Lenin stellte, bezeichnet er heute als Agenten der Gestapo und als geistigen Vater der Leyschen„Arbeitsfronti" Kann man politisch noch tiefer sinken als Kreibich? Scharfe Angriffe gegen die SdP In der ersten Nummer der„Deutschen Arbeit", des Organs der neugegründcten Deutschen Arbeiterpartei lGrupve Hugo Simm, Adam Fahrner), nimmt ein Arbeiter das Wort zur Kritik an der SdP. Er schreibt u. a.: Es bestehen trotz einer Volksgemeinschaft dieselben schweren sozialen Gegensätze in Volk und Heimat wie vor dem Wahlsiege der SdP. Der Führerkreis der SdP kam» auf Gründ seiner eingegangenen geistigen wie finanziellen Bindungen zu bestimmten Interessengruppen weder für den Arbeiter, Angestellten noch Bauern, ja nicht einmal für die Industrie etwas erringen oder durchsetzen. Eine politische Partei ohne Programm und eine politische Partei, die jedem helfen will, gerät mit der Zeit in«inen Instand, wo sie ohne nur einen geholfen zu haben, selbst an ihren eigenen Schwierigkeiten zerfällt. Sie erlebt früher oder später eine entscheidende Niederlage. Eine Partei, deren Absolute Mehrheit aus Arbeitern besteht, verlangt nach einem zumindesten revolutionären sozialistischen Marschtempo. Der rnn seine Lebensexistenz ringende Sudetendeutsche will nicht nur einen eindeutigen, sondern äüch' einen sichtbaren immer erreichbaren lebendigen Sozialismus der Tat. Der Arbeiter, Angestellte und Bauer, sa selbst der schwache Nndustriemann werden sich, je länger sie Mitglied der SdP sein werden, «mso besser davon überzeuge» könne», daß die Politik und die mit dieser verbundene Taktik des FührerkreiseS der SdP eine seinen soziale» Interessen zuwiderlaufende ist. tz Fadrikdrand In GroBprlesen Dienstag nachmittags, kurz nach 1 Uhr, entstand in der Seifenfabrik Kaffavia ein Brand, der bedrohliche Formen annahm. Niedergebrannt ist das große Magazin, der Expeditionsraum und die Garagen. Daß das Feuer nicht auf die Fabrikationsgebäude Übergriff, ist lediglich der günstigen Windrichtung zu danken. Zu dem Groß- feuer waren außer der Ortswehr und den Wehren der Umgebung drei Löschzüge der Freiwilligen Wehren der Stadt Aussig, der Stadt Schreckenstein, die Feuerwehr der Schichiwerk« und die von Nestomitz auSgerückt. Die Brandursache konnte noch nicht festgestellt werden. Ein„Fest der Solidarität' wurde am Sonntag in Wegstädtl abgehalten. Veranstalter waren die deutschen und die tschechischen Sozialdemokraten. Die Teilnahme war groß. Für die deutschen Sozialdemokraten sprachen Mangold(Wegstädtl) Unsere Blätter hatten an Zahl und Häufigkeit des Erscheinens bedeutend zugenommen. Sie erschienen meistens zwei- bis dreimal in der Woche Aber sie waren nur Krcisblätter mit oft unbc- fricdigend niedriger Auflage, ohne raschen Nachrichtendienst guS Wien und Prag, ohne Agenturoder gar eigene Depeschen, von Telephonaten gar nicht zu reden. Allerdings war damals daS ganze politische Leben in Wien konzentriert, soweit es sich um die deutschen Teile Altösterreichs handelte. Für die Tschechen war auch damals schon Prag der Mit- telpunkt, die tschechischen Genossen hatten hier ihre Partei- und GewerksaftSzentrale. Aber die Zuständigkeit(Kompetenz) des böhmischen Landtages war gering und wenn er schon einmal zusammentrat, flog er gewöhnlich glsbald infolge des nationalen Kampfes wieder) auf. Außerdem war er ein echtes Kuricnparlament ohne einen einzigen Arbeitervertreter und aus beiden Gründen für uns belanglos. Unsere Landes-Parteileitung trat -meistens in Teplitz zusammen, wo ihr leitender Geist, unser unvergeßlicher JosefSeliger, lebte. Die parlamentarische Arbeit unserer Partei wurde im Wiener ReichSrat geleistet und dorthin schauten wir, soweit wir nicht durch die örtlichen Aufgaben in Anspruch genommen waren. und Kern(Prag). Ein besonderes Gepräge erhielt das Fest durch die Teilnahme einer großen Gruppe der Skauts und der deutschen sozialistischen Jugend auS Prag. Die„Rumbnrgex Zeitung" bringt ihre enge Verbundenheit mit dem Dritten Reich auch dadurch zum Ausdruck, daß sic die Existenz und das Programm des Prager Rundfunks überhaupt nicht anzeigt. Auch von dec Prager deutsche» Sendung nimmt sie leine Kenntnis. Sie beschränkt sich auf die Programmanzcige der reichsdcutschen Sender. Der Präsident In der Slowakei Prag.(Tsch. P.-V.) Der Präsident der Republik folgt der vom Präsident-Befreier T. G. Masaryk begründeten Tradition, die sür das Staatsoberhaupt alljährlich einen längeren Aufenthalt in der Slowakei fcstsetzt. Der Präsident der Republik begab sich daher am'DienStag, den 1. September, nach Topoläianky mit dem Programm, heiler einige Gebiete der westlichen, südlichen und mittleren Slowakei zu besuchen. Pie slowakischen Manöver eröffnet Nitra. Die Schlußübungen in der Westslowakei haben begonnen. Sie werden vom Lan- dcs-Militärtmnmandantcn. Tivisionsgeneral Josef Votruba vorbereitet und geleitet. Leiter des SchiedSrichterdienstcS ist Divisionsgeneral Hrabiik. Dienstag werden die Anfangs-Gruppierungen der Blauen und Roten vorgcnommen und von 15 llhe an wurde die Erknndungstätigkeit der Fliegerkräfte beider Parteien eröffnet. Die allgemeinen Feindseligkeiten beginnen am 2. September, nm 5 Uhr früh. Die Partei der Blauen konzentriert ihre Kräfte im Raume von Nitra, und ztvar westlich des Flusses gleichen Namens. Die rote Partei befindet sich am Hron-Massiv zwischen dem Eipcl- und dem Gran-Fluß im Raume von Lcvice und östlich sowie nordöstlich hievon besetzten die Roten mit vorgeschobener Infanterie den Ucbergang über den Granfluß westlich von Levice. 26 Tote In Bochum ® u cf; ii m. Die Schlagwetterexplosion aus der Zeche„Bereütigtc Präsident" in Bochum hat nach den neuesten Feststellungen 26 Tote und 18 Bcrletzte gefordert. Ein Bergknappe wird noch vermißt. I» Kürze: Wien. Wie dar„Weltblait" meldet, werden öffentliche Sammlungen sür den Bau von Flugzeuge» veranstaltet werden. Unbestätigte Gerüchte besagen, daß die Bundesregierung die Absicht hat, in der nächsten Zeit eine Inlandsanleihe zur Finanzierung der weiteren Ausrüstung aufzulegen. Bukarest. Ministerpräsident Tatarcscu ersuchte T i t u l e S c u, Rumänien weiterhin im Völkerbund zu vertreten. Titulcsc» hat darauf noch nicht geantwortet. London. In amtlichen Kreisen wird die Nachricht bestätigt, daß König Eduard VIll. aus Griechenland in die Türkei reisen wird, wo er wahrscheinlich mit dem Präsidenten der türkischen Republik Attatürk zusammcntreffen wird. Warschau. 500 Streikende, die eine Fabrik in Lodz besetzt haben, haben den Hungerstreik begonnen, um die Forderung nach Einführung der Kol- lcltivvertrageS durchzuietzen. Einige dieser Arbeiter niußten ins Krankenhaus geschafft werde». In Lodz wurden drei öffentliche Arbeiterversammlungen veranstaltet, wobei der Generalstreik für den Fall beschlossen wurde, als der Kollcktivvcrtrag nicht !eingefvhrt wird. -■ So wurde denn auf dem LandcSpart'eitag einer Tagblattgründnng in Prag entgcgcngehal- tcn, daß sic nicht anf das Interesse breiter Massen am Ort des Erscheinens rechnen könnte, sondern das Verbreitungsgebiet in einem konzentrischen Ring in mindestens zweieinhalb Stunden Bahnfahrt Entfernung suchen müßte. Dort aber kämpften bereits die Wochenblätter schwer genug und bei der schlechten materiellen" Lage der Arbeiter wäre ein starker Absatz des Zentralblattes um so weniger zu erhoffe», als es stiaturgemäß Ke lokalen Angelegenheiten nicht in dpr nötigen W< ise berücksichtigen könnte. Die Parteizentrale war nicht in der Lage, das finanzielle Risiko auf sich zu nehmen und sa blieb es bei dieser Debatte. Zwar kam es bald zur Verschmelzung der Blätter von Rcichcnberg und Gahlonz, und noch vor dem Krieg zur Herausgabe eines Tagblatts in Reichenberg, aber sonst blieb alles beim alten. Erst tvährend des Krieges wurden die meisten Wochenblätter in Tageszeitungen umgewandelt.' Die Gründimg der Tschechoslowakischen Republik und die Konzentrierung des politischen Lebens in Prag machte dann die Schaffung eines zentralen Tagblatte» in der Hauptstadt notwendig. Stile 4 Mittwoch, t. September 1938 Wr. 204 Verschanzungen der spanischen Regierungstruppen. Die Kampffront nordöstlich von Madrid bietet der Militärgruppe außerordentlich große Schwierigkeiten, weil das gebirgige Gelände den Regierungstruppen vielfach natürliche Schlupfwinkel gewährt. Hier sieht man einen Milizsoldaten auf dem„Mo de Somosiera" velglen grllKt uns! Ole Redaktion des„Peuple“, des Zen- tralorgans der belgischen Arbeiterpartei, sandte dem„Sozialdemokrat" anläßlich seines fünfzehnjährigen Bestehens folgendes Schreiben: Werte Genossen t Aus Anlaß des.fünfzehnten Jahrestages der Gründung des Prager„Sozialdemokrat“ senden wir Ihnen unsere wärmsten Glückwünsche und die Versicherung, daß wir mit unseren herzlichsten Empfindungen bei Ihnen sind. „Le Peuple“ hat mit Sympathie und Bewunderung Ihre mutigen Bemühungen im Dienste des Sozialismus und der Demokratie in der jungen Tschechoslowakischen Republik verfolgt. Ihre Mission als Organ der deutschen Sozialisten in der Tschechoslowakei war eine besonders schwierige. Sie sind ihr mit Klugheit und Mut gerecht worden und wenn heute die deutschen und tschechischen Sozialisten in der Tschechoslowakei solidarisch und brüderlich im Kampf für die Verteidigung des Sozialismus und Ihrer demokratischen Republik vereinigt sind, so kann man nicht daran vorübergehen, daß die unablässige Bemühung Ihres Tagblattes an diesem glücklichen Resultat einen starken Anteil hat. Seitdem die faschistische Barbarei die beiden Nachbarländer, die in Ihrer Zunge reden, überflutet hat, ist den deutschen Sozialisten der Tschechoslowakei die ruhmvolle Aufgabe geworden Wache zu halten an den Grenzen ihrer Republik. Es ist uns nicht unbekannt, wie schwer diese Aufgabe ist. Ein Grund mehr für die belgischen, wie für die Sozialisten aller anderen Länder, Sie in Ihrem Kampfe zu ermutigen. Wir wissen, daß Sie durchhalten und siegen werden. Freundschaft! Anerkennung durch das „Prävo Lidu“ Unter dem Titel„Ein Pfeiler der deutschen Sozialdemokratie“ bringt das„Prävo Lidu“ vom Dienstag eine Würdigung der Jubiläumsnummer des„Sozialdemokrat“, Es schreibt u. a.: Der„Sozialdemokrat“ legt der Oeffentlichkeit eine umfangreiche Ausgabe von fünfzig Seiten vor und mit einem Inhalt, welchem nicht nur die deutschen Arbeiter,' sondern alle mit Interesse folgen werden, sich und der Geschichte dos Sozialismus, unseres staatlichen politischen Lebens beschäftigen und schließlich auch jeder praktische Zeitungsmensch, der den allgemein journalistischen Fortschritt beachtet Wir grüßen von ganzem Herzen die fünfzehnjährige Arbeit des Zentralorgans der deutschen Sozialdemokratie, denn es ist dies hauptsächlich eine schöne Reihe von. Jahren gemeinsamer Arbeit für das sozialistische und demokratische Ideal, vereint mit dem aufrichtigen Bemühen um die Festigung der tschechoslovakischen Demokratie und der konstruktiven Sendung der Tschechoslovakischen Republik. Spanien auf dem WeltjugendkonsreB Gcuf. Auf bcin Weltjugendkongreß in Genf wurde nach einigen Eröffnungsansprachen die all- gcineinc Debatte über die Ziele des.Kongresses und über die Organisierung des Weltfriedens er» öffnet. Zahlreiche Delegierte sprachen über die Lage der fugend in den einzelnen Staaten Große Aufmerksamkeit erweckte der s p a- n i s ch e Vertreter, der Montag spät abends mit einer siinfzehngliedrigen Delegation aus Madrid eingetrossen ist. Die spanische Delegaiion setzt sich nickst bloß aus Vertretern der Sozialisten oder der koimnunistischen Partei, sondern auch aus Katholiken, Delegierten von Sportorganisationen und Vertretern der sogenannten republikanischen Tilgend zusammen. Unter den spanischen Delegierten befindet sich auch eine 18jährige Spanierin, die direkt von der Front, lvo sie kürzlich verwundet wurde, in Genf eingetroffen ist. Beim Eintreffen der spanischen Delegation wurden in der Plenarsitzung des JngendkongresseS den Spaniern Ovationen bereitet. Für die Tschechoslowakei sprach Dienstag Dr. Cebe, der beim Betreten der Tribüne von allen Delegierten mit Beifall begrüßt wurde. Dr. Cebe sagte im wesentlichen, daß die tschechoslowakische junge Generation glücklich ist, weil sie in einer freien und demokratischen Heimat anslvachsc. Die Tschechoslowaken sind besorgt, daß die Jugend ihrer nationalen Minderheiten sich ebenfalls dentokratisch in loyaler Zusammenarbeit mit der Majorität entlvickcle. Stellvertreter für Gömbös Budapest, 1. September. Ministerpräsident GömböS erschien heute vormittags beim Reichsverweser in Gödöllö in Audienz. GömböS teilte nachher der Regierung mit, daß er über die Feststellung des ärztlichen Konsiliums den Reichsver- wcser unterrichtet und von ihm einen weiteren sechswöchigen Urlaub verlangt habe. Der Reichsverweser gewährte ihm diesen und auf seinen Vorschlag betraute er den Ackerbauminister D a- r a n y i damit, während der Abwesenheit des Mi- uisterpräsidentcn die Geschäfte des Ministerpräsidiums tvdhrzunehmen. Ein Volk, das sich der Macht verschreibt, verdummt. Nietzsche. Die freien Berge und das Zeichen der Unfreiheit Seit etwa einer Woche— so schreibt uns ein Leser, der aus familiären Gründen jetzt ein Paar Tage in Kärnten znbrachte— scheinen dieses schönen Landes herrlich-freie Berge noch um ein Paar Grade mehr verdunkelt, als ohnehin chon vorher. Das Hakenkreuz Hot wieder auch offiziell feinen Einzug in den öftorrcichifchen Landen gehalten. Am 28. August sah man in östcr- rcichischcn Sommerfrischen allenthalben etliche Gast- und auch Privathäuser beflaggt. Und man erfuhr, daß die Regierung diese Bcwimpe- lung auö Anlaß der Aufhebung der Tausend- markspcrre den Bewohnern„empfohlen"habe. Und tags darauf waren an den Fronten etlicher, Hotels bereits die ersten Hakenkreuz- Wimpel zu sehen. Die Regierung hatte zwo?- angeordnet, daß solche Hakenkreuz-Wimpel nur im Verein- mit drei anderen Hoheitszeichen aufgezogen werden dürften und daß alle Flaggen dieselbe Gröhe aufweifen müßten. Aber daß sich nicht alle Hoteliers und GasNvirte um diese Ver- fügung scheren und daß man solche Hakenkreuz- Wimpel beispielsweise auffallend und größer als seine Nachbarn vorsindct, die cs rechts und links zu je zweit flankieren, scheint doch zu beweisen, daß viele, die also die Wiederkehr der rcichs- deutschen Gaste in Oesterreich begrüßen, die wahren Intentionen der Regierung so hitler- freundlich wie nur möglich auslcgen; und auslegen dürfe n, denn niemand schreitet gegen solche Bevorzugung des Hakenkreuzes ein. Aber auch von solchen Symptomen darf man nur sehr vorsichtig auf die eigentliche Ein- stellung österreichischer BcvölkcrungStcile zurückschließen. Fragt man einen Gastwirt oder Kaufmann oder Angestellten, ob er sich aus das Wic- dcrauftauchen der Reichsdeutschen freue, so bekommt man fast regelmäßig die zumindest sehr vorsichtige Antwort, daß cs sich hiebei doch um eine f i n a uz teile Angelegenheit handle, die eben materiell für den Einzelnen, für die Gesamtheit, für die Volkswirtschaft des Bundesstaates von Bedeutung sei. Es ist also besonders für einen ansländifchcn Besucher sehr schwer, die Gesinnung österreichischer Menschen von heute zu ergründen.. In dieser Zeit, die so viele Begriffe auf dcu Kops stellt, ergibt sich auch dieses Merkwürdige, daß inan in Oesterreich zweifellos in vielen Fällen. nun das Geld vorzuschützen scheint, wo. man die nazistische Gesinnung bemänteln will— während cs doch in dieser Zeit sonst eher Brauch ist, von Idealen zu-sprechen, wenn man das Geld meint. Freilich machen die Oesterrcichcr von 1986, wen», man halbwegs mit einem von ihnen zu vertraulicherer Aussprache gelangt, aus ihren Anschauungen kein Hehl, gleichviel- nach- welcher Richtung sie neigen. Nach'wie vor nimmt man sich in Oesterreich—- anders als in Deutsch, land'—vor der Amtlichkcit nicht so in Acht wie vor einem reißenden. Wölf, der jederzeit drejn- fahren könnte;.nian geht»Ur dem Wächttier möglichst aus dem Wege..Und. jetzt um so mehr,s als in diesem Lande mehr denn, je alles unberechenbar geworden zu sein scheint..Man tappt dort gänzlich im Dunkeln über die Vorstellungen einer Regierung und eines Systems, die selber' nm.Halbdunkel dahsndänunorn.^ Darüber aber. besteht kein Zweifel, daß dieses Halbdunkel durch das Schwarz des Hakenkreuzes, das nun festlich gehißt wird,-noch um ein Paar Schatten finsterer geworden ist— gleichviel, ob die einen zur Bestätigung ihrer;,heimlichen" Gesinnung gerne noch die Reichsmark als Zuwage in Empfang nehme» oder ob die anderen gerne das Geld nehmen/ gleichviel von wciHcS kommt.' Der Prager. Gesangverein„Typographia" ist gestern' in Moskau eingetroffen, wo er herzlich begrüßt wurde. Bei dem nachnültagS vom„Voks" gegebene» Empfang wurden die Gäste den Sowjetkünstlern und den, Vertretern der Negierung vorgestellt. Heute gibt„Typographia" das erste Koiizert. Sonderzug zum Weltfriedenskongress. Mittwoch, den 2. September, um 11.50 Uhr verläßt den Prager Wilsonbahnhof der Sonderzug nach Briisiel mit der tschechoslowakischen Delegation zu dem unter dem Vorsitze Lord Robert Cecils und Pierre Cots veranstalteten Weltfriedenskongreß. Die unter der Leitung von Professor Dr. Kozäk, Dr. Sychrova und Senatorin Plamt»- kova stehende Delegation zählt 888 Mitglieder. Kanonenboot„Eduardo Dato". Das spanische Kanonenboot„Eduardo Dato", das jetzt im . Hafen von A lgeeiras von dem Kreuzer„Jaime L" zusammengeschossen wurde, hat eine abenteuerliche Geschichte. Die spanische-Regierung wollte es-vor vier Jahren an die Republik Kolumbien verlaufen, die das Schiff gegen die Rebellen von Laetieia einsetzen wollte, die ihren.Distrikt als. unabhängige Republik proklamiert hatten und sich später an die Republik Ecuador anschlossen. Die übrigen südamerikanischen Staaten protestierten jedoch gegen den bereits beschlossenen Verkauf,, und die Ausfahrt des Schiffes unterblieb. Hätte Man -damals den Verkauf durchgeführt, so wäre das Schiff wahrscheinlich von den Rebellen zusammen» geschoßen worden, da die kolumbianischen Truppen -kurz darauf von den verbündeten Laeticianern und -Ecuadoranern entscheidend geschlagen wurden. Für Menschen mit Aberglauben'Ivar das setzt doch vernichtete Kanonenboot, ohnehin ein IlnglückSschisf, da es den Namen des im Jahre. 1922 von drei Anarchisten erschoßenen spanischen Ministerpräsidenten trug.'' . Die gute Gesellschaft. Die Gendarmerie hat in Stein an der'Donau eine» geheimen Näcktklub ausgehoben,, besten Mitglieder— 40 Personen— Männer und Frauen der guten Gesellschaft sind. Die Leute kamen in-einem bekannte» bürgerlichen Gasthaus in Stein zusammen, wo sie einem abgeschlossenen Raum zur Bersü- gung hatten. Wie die Erhebungen ergaben, wurden dort wüste Feste und Hasardspiele veranstaltet. Die Namen, der Klpbmitglieder werden vorläufig von den Behörden geheimgehalten. Die Teilnehmer werden sich wegen Uebertretung der öffentlichen Sittlichkeit zu verantworten haben. Politische Schulung von Gewerkschaftsfunktionären.. Ter Einheitsverband der Privatangestellten veranstaltete In dep'letzten Augustwoche in E i ch w a l d eine sechstägige Fu n l t i ö n-ä r- sch ule(Leiter i Hugo Glase r-KarlSbad und Josef L e n k-Teplitz). Zweck dieses Lehrganges war, die Gewerkschafter volkswirtschaftlich'und politisch durch Vorträge vyn Fachleuten.und Wechselreden über aktuelle TageSsrqgen zu. schulen. Eines der HaNptreferate war das des Dr. Luitpold Sterns über„Gewerkschaft untz PW l i t i k", welches. mit ganz besonderem- Inter-, eise ausgenommen wurde. Die Besucher der Schulei beschlossen,'in- einem Begrüßungsschreiben an-den Vorstand der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen. Gewerkschaft Md-, Partei-zu betonen' und der' Partei- und- deren Spitzenfunktionä» renfjir,die Unterstützung,z»ldanken nud die Partei-. der Mitarbeit der Einheitsverhändler- zu versichern. Urteil gegen Wesemann. uitverändept: Vor dem Berner Appellationsgericht' als BerufuygS- instänz:begann am Dienstag' früh. die. Verhänd- lung über den'Entführer' des deiitschenlEmi»' grautest:: Berthold.Jaköb,..Dr.!- Hans W/est. e- mann. Der V er-teig er, plädierteauf eine Ermäßigung deS erstinstanzlichen Urteils in bezug auf das Strafausmaß und die Strafart. Der Staatsanwalt beantragte, den Angeklagten statt zu dreijährigem Zuchthaus zu dreijährigem Gefängnis zu verurteilen. Nach langer Beratung fällte das Appellationsgericht folgendes Urteil;: „Das erstinstanzliche Urteil wird bestätigt unter Einrechnung der Sicherheitshast und der Appellationshast. Der Angeklagte trägt die Kosten mit Einschluß einer Urteilsgebühr von 100 Franken." Riefenbrände. In Bromberg in. Nordwestpolen ist in einen: staatlichen Mühlenbetriebe ein Brand ausgebrochen. Die Höhe des verursachten Schadens beziffert sich auf eine Million Zloty.' Der uiedergebrannte Betrieb gehört zu den größten dieser Art in Polen.— In der Gegend von Campine in Belgien wurden durch einen Brand tausend Hektar Heideland vernichtet. Feuerwehrabteilungen gelang es des Feuer- Herr zu werden. Leningrad an der fünften Stelle unter-den' Städten Europas. Nach einer Meldung der„Leningradskaja Pravda" vom 9. August zählt die Bevölkerung Leningrads zum 1. August 108» insgesamt 2,728.700 Menschen. Nach der Be- völkerungSzahl nimmt Leningrad den fünften Platz unter den Städten Europas ein(hinter London, Paris, Berlin und Moskau). Reue Fluglinie nach Moskau. Gestern haben die tschechoslowakischen staatlichen Aerolinieu gemeinsam mit dem sowjetrussischen Aeroflot den Verkehr auf der neuen Fluglinie Prag—Ujhorod —Kluj—Jassy—Kijetv—Brjansk—Moskau aufgenommen. Napoleon— Landbesitzer in Amerika.' Die amerikanische Regierung hat vor einigen Tagen im Staate Colorado ein Landgebiet von rund 8800 Hektar erworben. Daran wäre nichts besonderes, wenn man nicht bei dieser Gelegenheit erfahren hätte, daß dieses Stück Land bisher eigentlich französisch war, denn ei war im Jahre 1808 von Napoleon I. für ein paar hundert Dollar erworben worden. Die Erben Napoleons haben niemals Anspruch auf dieser Stück Land erhoben, von besten Existenz sie sicherlich nicht einmal etwar wußten, und auch in Washington war, dies nicht bekannt, hätte man nicht zufällig eine uralte Akte gefunden. Daraufhin wurde jetzt schleunigst Napoleon» Besitz requiriert. ES fano eine feierliche Zeremonie statt, bei der der Gouverneur von Colorado die amerikanische Flagge hißte und mit Würde erklärte:„Im Namen der Bereinigten Staaten erkläre ich dieses Territorium für Eigentum der Bereinigten Staaten." Geheimnis um eine wertvolle Uhr. Dieser Tage erschien bei einem Karlsbader Juwelier ein rumänischer Staatsangehöriger, um eine Platinuhr auf ihren Wert schätzen zu lasten.- Der Goldarbeiter stellte fest,, daß es sich um ein außerordentlich kost- bares Stück handle, denn die Platinuhr war mit einer Menge von Brillanten besetzt und hatte einen Wert von etwa 88,000 Ai. Indessen zeigte sich bei der Prüfung des Wertstücke-, daß die vorgefchrie- bene amtliche Punze fehlte, weshalb der Juwelier die Polizei verständigte, die dann die Uhr beschlagnahmte, weil der Berdacht besteht, daß sie auf-irregu- lärem Wege in die Tschechoslowakei gelängt ist. An der Staatlichen Schule für Kanzlei- und Kammerstenographen(in Prag I., Dusni ul. 7, Gebäude der Realschule) finden die Einschreibungen vom 14. bis 19. September d. I. täglich von 17 bi- 19 Uhr statt, ES wird eine Abteilung für Anfänger und für Kanzleistenographie nach dem System Herout Mikulik und eine Abteilung für Kammerstenographie nach dem Herout Mikulik- und nach dem Gabelrbergerschen System eröffnet werden. Wenig Aussicht auf Schönwetter. Die allgemeine Luftdruck- und Temperaturverteilung"in Europa ist für die Entwicklung deS Wetters in unseren Gegenden ungünstig! Ein Hochdruck über Island, ein Tiefdruck im Ostseegebiet und gleichzeitige warme Witterung in Sübeuropa bedingen- eine- andauernde Strömung von kühler Luft-von Norden bi- Nordwesten gegen Mitteleuropa. Infolgedessen wird sich der bisherige Wettercharakter bei un» noch erhalten,-r- Wahrscheinliches Weiter heute: Ber< nateS wieder seine regelmäßigen Sendungen.Vornehmen' wird. Die jetzige» Sendungen gescheh»»! über' den wesentlich schwächeren' Straschstiher Sender, sind daher an manchen Orten-nicht deutlich hörbar,.. Räch dem Umbau des LiblieeriStn- dcr wird, der Straschnitzer Sender wieder,.feiste! Sonderprogramme aussenden. Nr. 204 Mittwoch, 2. September 1930 Seite 5 „Unpolitischer Sommer in Dänemark Wenn man während des Sommers dl« grüßen politischen Blätter Kopenhagens beim Morgenkaffee las, hatte man den Eindruck, das« Dänemark das glücklichste Land in Europa ist und seine Bevölkerung ein sehr schönes, ruhiges »und'gesicherte- Leben führt. Die Schlagzeilen, die'kn der dänischen Presse eine sehr große Rolle spielen und in anderen Ländern unbekannte Diinenstoncu auftveisen, verkündeten es täglich oder'gar, wenn dieses oder jenes Blatt mehrere Ausgaben erscheinen läßt, zwei- und dreimal täglich. Alles, was hier als„Sensation" dem' Lefepublilum serviert wivd, duftet vor allem nach Frieden, Wohlstand mid— Humor. Die Sonuner-Revue im Apollo-Theater— eine jährlich wiederkehrendc Begebenheit. Eine fixe Sommer-Revue Im Phönix-Theater— ein Erfolg, der von allen gesehen und gewürdigt werde» muß. Eine Sonuner-Revue in dein neuen Bellevue-Theater niit seinem munteren Vorhang nach einem Badostrandmotiv und seinem Zeltdach kst von den Blättern zu einem„Ereignis" ge- stempelt worden. Und gar die Soimncrrevue in einem solch mondäne«» Badeorte, wie Hornback I Den« langen kritischen Artikel folgt eine leichtere- Plauderei über dasselbe Dheista, und jeder, der „dabei Ivar", findet seinen Namen im Blatte. *. Der Kopenhagener Humor ist wegen seiner Frische und Muntevheit und Schlagfertigkeit weit und breit bekannt, und die zahlreichen Sommerund Winterrevuen sprudeln von Geist und Er« sindsmnkeit.» Die besten Dichter genieren sich hier im Lande nicht, einen amüfanten'„Song" für eine Revue zu schreiben, die Komponisten und Kunstmalev^nehnien gern die Aufgabe auf sich, für Revue-Theater etwas Neues und Originelles zu schaffen. Wenn eS auch ohne zwei Dutzend schön gesonnt« Mädchenbeine nicht möglich ist, ein« gute Revi«e aufzuziehen, so gleitet ihr Inhalt dagegen nie ins Erotische. Der politisch« Witz feiert sein« Triumphe, wie auch kein Kopenhagener Blatt es sich versagen darf, täglich mehrere politische Karikaturen zu bringen. Niemand mag er noch so hoch stehen, wird geschont, aber auch niemand bösartig verletzt. Als der Justizminister Zahl« iin vorigen Herbst demissionierte, sandten ihm versaininelte Karikaturisten eine Dankadresse— wieder durch«ine Karikatur— für„tägliche Zusammenarbeit". Der sozialdemokratische Ministerpräsident S t a u n i n g hat sein«.Popularität und Belicbheit nicht nur seinen großen Fähigkeiten, sondern auch dem Geist« der dänischen Karikaturisten und Chansondichter zu berdanken. Wenn er auch, wie jeder eS hier weiß, der erste ist, der herzlich über einen gegen ihn gerichteten, aber gelegenen Witz lacht, so hgt er auch andererseits.'sülcht«vrnigc. innerpolitischc' Sorgen./, Eine Teilwahl in di« Erst« Kgmmer steht vor der Tür, und Stauning hat die Führung in der Kampagne uni die Demokratisierung dieser Kammer iibernommen. In der zweiten Kammer haben die Sozialdemokraten mit den koalierten Anhängern der Radikalen Linken ein« sichere Majorität, während die Konservativen und die Bauernlinke die Opposition bilden. Das höhere Wahlalter für die Erste Kammer und das veraltete Wahlsystem führten dazu, daß die Oppo- sitiön in der Ersten Kammer so stark ist. Dies stört di« sozial« Gesetzgebung der sozialdemokratisch geführten Regierung in hohem Mäße. Immer wieder werden Kredite für' die soziale' Fürsorge, di«-in der Zweiten Kammer ihr« Majorität fanden, von der Ersten Kanmier glatt verwürfen,' auch dann, wenn eS sich um die «vichtigsten Krisenveranstaltungen handelt. Die Regierung hat sich zur Aufgabe gestellt, die Erste Kammer gänzlich abzuschaffen. Die Regierung», Parteien wollen planmäßig die Majorität in der Ersten Kammer getuinnen, um dann die allerdings langwierige und koniplizierte Kampagne durchzusühren, die nach der Verfassung notwendig, sein wird, nm.die Erste Kmnmer ganz aufzulösen und die ganze RegierungSinacht der demokratischen Zweiten Kammer zuzuführen. Daß die Opposition, die die Erste Kammer als ihre sichere Domäne erachtet, nach Wegen und Mitteln sucht, um den SiegeSgang der dänischen Demokraten zur Strecke zu bringen und die sozialdemokratische Majorität in der Ersten Kammer nicht zuzulaffens'ist allzu verständlich,—■ und da in einein solchen Kampfe all« Mittel der Oppositionsführung gleich, anwendbar scheinen, hat sie c? verstanden, geschickt ihre Spielkarten zu mischen und einen großen Trumpf wenn noch nicht auSzuspieleni so doch anzumetden. Dieser Trumvf Ist mit dem großen europäischen Problem identisch, daS mich anderswo immer wieder genannt wird, ohne gelöst zu werden: Deutschland.' ' DaS Persagen der Streka-Front gleich nach ihrer Bildung und"das klägliche Versagen des Völkerbundes Im italienisch-abessinischen Kon- j fliktc hat auf die Psyche deS dänischen Volkes tief gewirkt. Wenn man mit einem Dänen über die außenpolitischen Probleme spricht, zählt er an den Fingern auf, wa» alles Deutschland bald „annektieren" wird: zuerst Memel, dann Danzig, dann den polnischen Korridor oder gar zuerst Schleswig und den polnischen Korridor erst später. Da» Problem Schleswig hat auch die Gemüter, in jenen Länderteilen beunruhigt, die nach dem Volksplebiszite dem dänischeü Reiche zugesprochen wurden. Die Folg« diese; Beunruhigung Ist die Bildung'einen dänischen Gvenztpehr, der die gesamte-Jugend Dänisch« Schleswigs beigetreten ist. . Die Reglerüng StauningS hat klug und vorsichtig gehandelt, als sie sich geweigert hatte, her Grenzwehr den Eharakter staatlicher Miliz zu geben oder für sie eine staatliche Subvention z«p bewilligen. Wieder und wieder bewnte, Stauning, daß die miliätrischen Kräfte eines sülch kleinen Landes, wie es Dänemark ist, keinem Angriff von außen gewachsen sein können und, daß die übliche«! Tag-' und Nachtübungen dev Braunhemden jenseits der Grenze keinen Anlaß! bildeten, in Däneinark den alten Militarismus wieder einzuführen. Grenzschutz— ja, die passenden und notwendigen Maßnahmen gegen even- tncllc Grenzverletzungen— ja, welchen Zweck hätte es aber, Millioen und Abcrinillionen für! di? Ausrüstung hinauSzuiverfen, wen» ein kleines Land keine quantitativ starke Armee bilden kann? Die dänische Sozialdemokratie, sich der eventuelle» Gefahr bewußt, ging so weit, daß sie das alte Programmprinzip des passiven Widerstand«» gegen jeden Krieg auf dein letzten Kongreß aufgegeben und die Notwendigkeit proklamiert hat, den territorialen Bestand mit allen Mitteln zu verteidigen. Jedoch genügt diese Umwandlung der Sozialdemokratie den Oppositionsparteien noch lange nicht. Sie schreien nach Aufrüstung, nach Verstärkung aller VerteidigungS- Die Beseitigung der demokratische» Verfassung in Griechenland durch die Errichtung der Diktatur Metaxas ist sofort dazu benutzt Ivorden, den griechischen Arbeitern die gewerkschaftlichen Rechte zu nehmen, die ihnen durch den Friedensvertrag und das Statut der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf gesichert werden sollten. DaS Recht auf freie gewerkschaftliche Bereinigung, daS KoalitionS- und VersammlungSrccht sind in Griechenland wieder einmal vernichtet. Sofort nach Ausrufung der Diktatur Metaxas wurden die I Führer der freien GewerlschaftSorganisationen Griechenlands, dieGenossen TalomiriS.Tsavis und Evanghelou, verhaftet, viele andere Gewerkschaftsfunktionäre sind inzwischen bereits verbannt worden. Unter der Duldung des DiktaturregimeL «verden die GewerkschasisbüroS von den Faschisten ständig bedroht und das Gewerkschaftshaus von Athen ist bereits von den Faschisten unter Rechtsbruch beseht worden. Die Lage der Gewerkschaften kann nicht drastischer gekennzeichnet werden als durch den Tatbestand, daß der Diktator Metaxas zum Arbeitsminister«inen ehemaligen Sekretär der. freien Gewerkschaften namens Deme- tratoS gemacht hat, der sich als willfähriges Instrument,-hfr Diktatur.erweist und,einen erbitte«?, ten Kampf gegen die freien. GewekkschaftSorgani- sationen und die griechischen Arbeiter führt, die er in faschistische Scheingewerkschaften zu pressen versucht. Kommunisten für die„französische Front." (Nu.) Die Aktion der französischen Kommunisten für die Bildung einer nationalen Front nimmt einen immer größeren Umfang an. Man kann schon jetzt feststellen, daß die vor einigen Wochen ausgestellte Parole der„Französischen Front" heute zum Leitmotiv der ganzen Propaganda der Kommunisten gewordeit ist. Vor einigen Tagen hat in einem der größten Pariser Säle eine Riesenversammlnng stattgefunden, in der der Führer der Konununisten, Maurice Thores, sich über di« aktuellen Aufgaben der heutigen Politik äußerte. Man müffe, führte ThoriS aus, den Der SdilHbrudi Kurzroman von I. Jla Die Nachricht, daß die„Bradford" gesunken sei, erreichte ihn am Arbeitstisch. Ein Angestellter der SchiffahrtSlini« überbrachte sie und sprach iin Namen der GeseUschast die üblichen- Worte des Beileids. Professor Hales entließ den Mann, mit scheinbarer Fassung. Dann brach er neben seinem Schreibtisch nieder tvie ein Klotz. Die Wochen, die der Trauerbotschaft folgten, waren von Fieberträumen umnebelt, von feurigen Rädern durchkreist, in Belvußtlosigkeit eingehüllt. Die Zeitungen veröffentlichten von Zeit zu Zeit Bulletin», die anfangs keine Hoffnung zu geben schienen, später kürzer und optimistischer wurden und dann verstummten. Der im ganzen Lande bekannte und ungemein beliebte Wissenschaftler galt als gereitet. Als' der Dunst, der die Sinne des Patienten eingehüllt hatte, sich zerteilte, schien der Lc- benswillen zunächst gebrochen, und der schwache. Körper sträubte sich mit solcher Beharrlichkeit gegen sein« Gesundung, daß die Aerzte sich keinen Rat wußten. Dann setzte sich die Natur durch mit ihrem Trieb, Geschaffenes zu erhalten. Langsam ging e» aufwärts, und nach wochenlangem Krankenlager konnte der Professor in seine Wohnung zurückkehren. Mary war nicht mehr. Sie fehlte. Jetzt erst wurde HakeS sich bewußt, wie sehr sie ein Teil seiner selbst gewesen war. Jetzt erst bemerkte er, daß auch seine Arbeit, an der sie kaum teilzuhaben schien, durch ihr« stille Anwesenheit im benachbarten Raum viek Schwung und Manz bekommen hatte. Jetzt erst Mite er, daß ein Leben, dem diese Frau genommen war, ebenfaNS ein mechanische» Werken sein würde, ohne Feuer, ohne Buntheit, ohne Eifer. Und da ihn die Arbeit, der er sich zuvor mit Leib und Seele verfallen glaubte. mittel und nach den dazu notwendigen großen Krediten. Woher soll aber das Geld kommen, nachdem Dänemark erst vor wenigen Wochen einen Kredit in Schweden aufgenonuneit hat? D!« Opposition hat ihre Antwort bereit: das Geld würde da sein, wenn man die ganze soziale Fürsorge, die von der Regiermig systematisch eingeführt Und durchgcführt wurde, auf einmal ganz und gar streichen würde. ' Dieser Schachzug ist in einen« Momente gezogen ivorden, wo die Gemüter gern und leicht Feuer sangen können und gar wolle««. Für dei« kleinen Mann im Lande ist eine Losung„geschaffen" worden,.die ihm besagt, daß Stannin» und seine sozialdemokratische Regierung die Verteidigung des Landes gegen die Gefahr vom Süden nicht wollen.' Ergo müsse der kleine Mann, wem« .er das Wahlrecht für die Erste.Kummer besitzt, seine Stimme jenen Parteien geben, die für die „Rettung des Landes" arbeiten. Gegen, diese Demagogie kämpft die Sozialdemokratie, kämpfen auch die Anhänger der Radikalen Linken, aber der Kampf nahm bisher ke!««e überhitzten Formen an. Er tvivd erst jetzt im Herbst entbrennen. Jnzlvischen nah»« der herrliche skandinavische Sommer mit seinen Hellen Nächten alle Bevöl- kerungSklasien mehr in Anspruch, als die innenpolitischen Streitigkeitei« und außenpolitischen Konflikte. M. S. Frieden uin jeden Preis retten! Zu diesem glveck müsse sich Frankreich gegen alle Abenteuer zu einer Einheitsfront zusammenschliehen. Bildet eine „Französische Front", um die Unabhängigkeit Frankreichs zu schützen. Bildet eine„Französisch- Front", um die P l ä n e H i t l e r S, der auf unsere inneren Streitigkeiten rechnet, zunichte zu niachen. Wir empfinden gegeniiber niemanden einen Haß, wir fühlen uns als Erben der große«« Vergangeicheit, die Ivir an niemanden abtreten wollen. Wir sind Franzosen, und wir sind stolz d a r a n fl— Diese neueTonart der kommunistischen P r o p a g a n d a, die sich rein nationaler Redensarten bedient, ist zweifellos auf-eine Moskauer Weisung zurückzusühren: in Moskau macht man gegenwärtig gleichsalls „nationale Politik" und erblickt in Frankreich vor allen« einen militärischen Bundesgenossen. Man will also in Moskau keine Klassenkämpfe in Frankreich Zlilassen, die das Land«nilitärisch vielleicht schlvächen könnten. Verhandlungen zwischen den Nationalsozia- listen und Faschisten.(Ru.) Wie der Berliner Mitarbeiter deS Pariser„M a t i n" mitteilt, haben unlängst in Rom Perhandlungen zwischen den Abgesandten deS Münchner Büros für nationalsozialistische Außenpolitik, daS von Alfred 'ist v s c n,b e'x.'g geleitet wird,^ und analogen faschistischenÖrgänlfationen stattgefünden. Man. wollte sich über einige grundsätzliche Punkte' einigen, um später die Vereinbarung den beiden Regierungen zur Bestätigung vorzusegen. Diese Verhandlungen erstrebten«ine bestimmte Gleichschaltung der Poljtik von Rom und von Berlin gegenüber der„bolschewistischen Gefahr". Wie der Korrespondent iveiter mitteilt, haben die Münchner Abgesandten vor allem betont, daß die spanischen Ereignisse bereits bewiesen haben, welche Gefahr der Bolschewismus darstellt. Nun müsse man sich aber, Ivie man in Münche«« annehme, mit Bestiinmtheit auf eine ähnliche Entwicklung sn Frankreich einstellen. Die Politik der Regierung Blum soloie die Opposition, der sie in einigen einflußreichen Kreisen begegne, müssen Frankreich unvermeidlich zu inneren Wirren ««icht mehr fesseln konnte, verspann er sich in Erinnerungen, hegte die Dinge, die seine Tote zu- rückgelassen hatte, wie lebende Wesen, schlich zu ihrem Schrank und atmete den Duft ihrer Kleider, saß an ihrem zierliche«« Schreibtisch, neben dem sich seine knochige Kompaktheit seltsam genug a««S- nahm, und führte ihre Feder übers Papier,«inklar hoffend, die versunkenen Schriftzüge der Frau zu erwecken, irgendeine Botschaft aus unbekannten Welten zu empfangen. Sein vielfach gefurchtes Gelehrtengesicht wurde unwirklich klein in dieser Zeit. Wenn er durch die Straßen ging, führte er lange, lautlose Gespräche mit Mary, wenn er erwachte, grüßte er ihr schmales, kluges Gesicht, davon einen« Wandbild auf ihn niedersah, und wenn er abends das Licht löschte, tastete er im Du««kel nach ihrer warmen Hand, strich über ihr leicht gewelltes, seidiges Haar. Ihr Gedeck wurde täglich auf den Tisch gelegt, ihr Ruheplatz im Garten wurde an jedem Nachmittag so bereitet, wie sie es gewöhnt war. - Dann geschah das große Wunder. Mary kam zurüÜ. Der Schiffbruch, die Rettung! die abenteuerliche Wanderung mit einigen Gefährten durch öde Wildnis— ohne die Möglichkeit, Nachrichten zu geben oder zu empfangen— all daS wäre ein« Geschichte für sich. Sie gehört nicht hierher. Mary kam zurück und nahm ihren Platz wieder ein, ihren Platz am Tisch und im schattigen Garten, ihren Platz an der Seit« des Manne» auf den gemeinsamen Spaziergängen, ihren Platz im geselligen Kreis. Hales, der zunächst vom Glück fast ebenso niedergeworfen wurde wie. zuvor vom Leid, gewöhnte sich an ihre Auferstehung. Alles schien wie ehedem, Aber alles war anders als ehedem. Er hätte nicht sagen können, was ihn störte. War ihr Schritt läuter geworden, daß er ihn bet der Arbeit belästigte? Sie war schön wie je. Und dennoch— lag uist ihren leicht gefärbten Mund nicht ein »euer Zug? War ihre Stirn früher nicht weißer, treiben. Deshalb sei eS notwendig, bereits jetzt einen deutsch-italienischel« Block zu bilden, der auf alle Eventualitäten gefaßt wäre. Wie der „Matin" mitteilt, sind dies« Münchner Vorschläge bei den römischen leitenden faschistischen Kreisen auf großes Mißtrauen gestoßen. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die heurige Ernte Vorläufige Schatzungen des Statistischen Staatsamtes Das Statistische Staatsaint veröffentlicht die Ergebnisse der vorläufigen Schätzung der Durchschnittsekträge auf 1 Hektar und der.Gesamterträge an marktfähiger(Vordcrkorn) und nichtmarktfähiger(Hintcrkorn) Ware zusammen bei der heurigen Er««te der Hauptgetreidearten, von Raps und Frühkartoffeln.(Die Zahlen in der Klammer bedeuten die Ergebnisse der-endgültigen Schätzung vom Jahre 1938). Die Durchschnittserträge auf 1 Hektar betragen: Winterweizen 15.9(17.8), SonnNer- weizcn 15.0(13.1), Wintcrroggen 13.8(10.3), Sommerroggen 10.3(11.1), Wintergerste 18.5(16.3), Soinmergerste 15.3(16.5), Hafer 15.9(13.4), Halbfrucht 14.0(16.5), Mais 19.7(15.0), Raps 14.5(12.9), Frühkartoffeln 78.7(67.7). Die Gesamterträge betragen schätzungsweise (in q): Winterlveizen 14,165.665(16,181.457) Sommerweizen 540.040(718.117), Winterroggen 13,761.762(16,160.375), Sommerroggen 191.714(223.602), Wintergerste 120.634(90.886), Sommergerste 0,611.624 (10,523.328).Hafer 12,193.501(10,271.200) Halbfrucht 87.842(00.330), Mais 1,685.180 (1,170.880), Raps 67.805(47.077), Frühkartoffeln 8,321.404(2,710.127). Prager Herbstmesse von 2705 Aiissteller» beschilft. Die Ausstellerzahl auf der diesjährigen Prager Herbstinesse,«vejche bereits diesen Freitag eröffnet wird, beträgt nach vorläufigen Erhebungen 2795 gegen 2783 Firmen aus der vor-' jährigen Herbstmesse. Die Beschickung der Mess« ist somit aus dem hohen Niveau der letzten Veranstaltungen geblieben. Das Ausland ist heuer mit 198 Auißtellern vertreten. In der Beschickung der, Herbstmesse hat sich der Zu» zur Exp«tveranstaltung,.w«iterU>myliiktt.„ Während,,, verschiedene kleinere und. miitler« Firmen weggefallen sind, gelang«S demgegenüber die Zalil> der Exportfirmen in den«vichtigsten Branchen weiter zu erhöhen. Die Vermietete Fläche beträgt zur Herbstmesse 33.762 Ouadratineter und liegt damit«>m 146 Quadrätineter m«ter Vorjahrshöhe. Dieser Rückgang geht zu Lasten der freien Fläche ain Alten Ausstellungsgelände. Rumäniens Austenhaiidelsaktivm«« 2.5 Mrd. Lei. Im Monate Juli betrug die rumänische Einsuhr 882 Mill. Lei,«nährend die Ausfuhr 1513 Mill. Lei erreichte. ES ergibt sich so»«it ein Ausfuhrüberschuß von 631(iin Vormonat 416) Mill. Lei. Das Außcnhandclsnltivun« in den ersten sieben Monaten 1986 stieg damit bereits auf 2,5 Milliarden Lei. ihr Auge nicht lebendiger geioesen? Wie kam eS, daß ihn ihre Fragen— nach seiner Arbeit, nach seinen Freunden, nach seine» gelegentliche«« Reifen— mit einenunale ungeduldig machten? Diese Fragen waren dumm und oberflächlich. Harte Worte. Aber sie kamen ihm ungerufen in den Kopf, und sie trafen die Wahrheit. Vielleicht«var sie noch benommen von ihren« Abenteuer, von den Strapazen unter einer tödlichen Sonne. DaS Ivükde vorübergehen. Aber es ging nicht vorüber. Es wurde schlimmer von Tag zu Tag. Es kam so«veit, daß er nervös von- der Arbeit auffuhr, wenn sie leise, die Tür üffflete, und sie erregt auS dem Zinuner Ivies. Es kam soweit, daß ihn bei den Mahlzeiten das Klappern ihrer Gabel belästigte, das Niedersehen einer Taffe, das unerheblichste, unvermeidlichste Geräusch. Sie. begannen einander aus dem Wege zu gehen. Er schützte seine Arbeit vor, sie Ihr Kopfweh. Er ärgerte sich, sie meinte oft und heimlich. Beide begriffen.nicht, was geschehen war. Kurz vor Weihnachten ka«n Alfred. Auf einer seiner Reisen war er wieder einmal in die Stadf verschlagen worden und nistete sich eh«, Ivie er, es in solchen Fällen stets zu tun pflegte, als sei es auf Lebenszeit, Sein lustiges junges Gesicht verdüstert« sich nach wenigen Tagen. Er, der kaum beteiligte und'unverwirrte Dritte, lebte mit ihnen und sah, was die beiden nicht sehen konnten. Eines Tage» fagte er es Hales mit sachlichen Worten: „Du hast unrecht, aller Freund. Du irrst dich. Mary ist nicht schuld, sie hat sich nicht geändert, sie ist, wie ich sie immer gekannt habe. Aber mit ihrem eigenen Schatten wird sie nie konkurrieren, können, mein Junge. Was sie dir nach ihrem Tode«var, wird sie dir Im, Leben niemals sein. Du hast'dich in di« tote Marl« verliebt, die Lebende geht dich wenig an. Ich glaube— ihr solltet euch trennen." Und sie trennten sich. Stift 6 (Sojinlbeinnftni*. , Mittwoch, S. September 1938. Ar.' 28k Tmger Mümg UnerkreuIIcKeL su5 einer prszer kerlenicolonle Wir lesen im Karlsbader„Volkswille" In K; einem Bericht über das Moraweb-Heim in Euer, das als Ferienheim für Prager deutsche . Schulkinder dient, u. a. folgendes: Die /linder gehören de» verschiedensten Reli- gloncn und, Konfessionen an. Trotzdem wurde von ' ihnen verkannt, daß alle ani Gebet teilnebmen. Vom ' Kirchenbesnch wurden schließlich die anderskonfcstio- »eilen und keiner Konfession angchörendcn Kinder befreit. Ten jüdischen Kindern aber sagte eine Ans- sichtsperson: Euch schadctS nicht, ihr geht mitl- Schlicßlich must auch die Verwaltung ahne», das; - sich unter den Prager deutschen Kindern auch solche befinden, deren Eltern nicht toiiiischen, dast sie den . ganzen Tag über der reichSdcntfchc» nationalsozia- lisrischcn Propaganda durch den Rundfunk auSgeseht sind. Während der Olympiade haben die Kinder fortgesetzt die Zweck-Berichterstattung des Propa- gandaministeriums zu hören bekommen. Schließlich gibtS ja auch noch andere und für die Kinder wertvollere RundfunkdarbictiingenI— Ganz unmöglich aber must es fein, dast eine AuffichtSdame den Kindern; die sich bei einem Spaziergang in einem Rupa- Geschäit eine Kleinigkeit kanfe» wollten, dies mit folgender Begründung verbietet:„Hier wird nicht in einem tschechische» Geschäft gekauft. Hier wird bei Deutschen gekauft! Wenn ihr wieder in Prag seid, könnt ihr bei den Tschechen kaufen!" Weih die Dame nicht, dast in diesen Filialen im deuischcn Gebiet auch deutsche Angestellte beschäftigt wer- dcu? lind was soll mit dieser nationalistischen Sta- chclci bei den Kindern überhaupt erreicht werden?— Ein anderes unliebsames Vorkommnis ereignete sich auf einem Ausflug nach FranzenSbad. Die Kinder träfe» tvährend der Kurnmsik ein. Weil sich nun ein Diädchen nicht so still verhielt, wie eS die Aufsicht?» dame Frcnzel für notwendig erachtete, versetzte sie dem Kind kurzerhand eine Ohrfeige. Sie erregte damit daS Mihsallen einiger FranzenSba» dec Kurgäste. ES ist vorgckonunen, dast bei ganz geringen Vergehen die Kinder damit bestraft wurden, dast sic knien mußten. Wir können uns denken, daß eine solche barbarische Strafe ganz zu vermeiden ist, wenn aber die Leitung sie für zulässig erklärt, dann sollte nur bei ganz schweren Vergehen zu ihr gegriffen werden. Vielleicht wäre es richtiger, bei so schtverwicgenden Vergehen die Kinder lieber aus der Ferienkolonie zu entlasten.— Wir wissen nicht, welche Gründe die Verwaltung veran- lastt haben, eine richtige Briefzensur einzusüh- reu. Jedenfalls wird die Verpflichtung für die Kinder, alle ein- il»d auSgehendc Poil crft üom Ani- fichtspersonal lesen zu lassen,.von den größeren als unwürdig empfunden. Aber auch den Eltern kann er nicht, gleichgültig sein, ob die Kinder schreiben dürfen, wa» sie möchten, oder nur, was die Auf- jichiSpcrsonen dulden. Der„Voltswille" knüpft an diese Feststellungen die Bemerkung, dast eine sorgfältigere A u SW a h l des AnfsichtSpersonalS zweckmäßig ist. Wir sind, da wir die Prager Lehrerschaft kennen, davon überzeugt, dast die hier geschilderten Vorkommnisse ihrem Willen nicht entsprechen. Die Herbstsession des Prager Schwurgerichts Prag,(rb.) Wie wir erfahren, wird die nächste Schwurgerichtsperiode am 10. September xröfsnet werden. Nach dem vorläufigen Programm werden nur fünf Prozeße zur Verhandlung gelangen. Tas gröstic Interesse dürfte eine Anklage wegen Menschenraubes auf sich ziehen, die vom ursprünglich zuständigen Leitmeritzer Kreisgericht nach Prag delegiert wurde. Xmrst tmcl MsseNk Mitteilungen der Kanzlei des Deutschen Theaters Abonnement 1936/37 aufgelegt! Ausgabe der Plätze für bisherige Abonnenten bi» Donnerstag, den 16. September. Vormerkungen Mr neueintre- tende Abonnenten werden schon jetzt entgegengenommen. Vorverkauf Mr fämtliche Vorstellungen täglich! '. Eröffnungsvorstellung: Sonntag, den 6. September. Äesämtaufführung von Goethe»„F a u st", 1. und 2. Teil, in der Bearbeitung von: Richard Beer-Hofmann, mit der Musik von Salmhofer.