Freitag, 11; September 1936 16. Jahrgang Nr. 212 1ENTRAIORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAO TÄGLICH"FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova u. telefon 51077. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Port*) Blums Stellung gefestigt Oesterreichs Miliz— 100.000 Mann .. Wim. Vizekanzler Baar-Banreufcls sprach Mittwoch abends über die Aufgabe der Frontmiliz. Die Miliz sei dazu da, der Vaterländischen Front den starken Rückhalt einer natürlichen Brachialgewalt zu geben. DaS Bundesheer werde sehr gut eine Verstärkung durch freiwillige Jäger brauchen können, wenn einmal in einem brennenden Europa Oesterreichs Grenzen zu verteidigen sein sollten. Ferner sollen Sondermilizen in allen wichtigen Betrieben, wie bei der Post, beim Telegraphen, bei der Eisenbahn, sowie bei den Gas- und Elektrizitätswerken eingestellt werden. Jäger und Standmiliz zusammen würden etwa 100.000 Mann umfassen. 290 Millionen Kronen österreichisches Budgetdefizit Dafür Verkürzung der Selbstverwaltung Wien. Der von der Bundesregierung beschlossene Entwurf des Finanzgesetzes für das Jähr 1037 zeigt in der laufenden Gebarung Ausgaben von etwa über 1080 Millionen Schilling und Einnahmen vin 1940 Millionen Schilling. Ter Gesamtabgang inclusive Investitionen beträgt rund 58 Millionen Schilling. Die bcträcht- lichen Mehrausgaben"für die Ausgestaltung der Wehrmacht finden ihre Deckung aus den laufenden Einnahmen. Um jedoch, die Bedürfnisse ande« rcr Zweige der Verwaltung.nicht allzusehr verkürze^ zu müssen, werden noch ander« Beitragsduellen erschlossen,,So Lgf ein von der. Bundesregierung beschlossenes Gesetz den Ländern und der Stadt Wien in der Form einer Kürzung ihres Ertragsanteiles an den gemeinschaftlichen.Bundesausgaben für das Jahr 1937 ein« Beitragsleistung an den Bund in der Höhe von rund 14 Millionen Schilling, auf. Auch werden der Oester- rcichischcn Kasino-A.-G. und der Oesterreichischen Radio-Gesellschaft durch Bundesgesetze Sonderabgaben zu den erhöhten Lasten des Bundeshaushaltes auferlegt. Vor dem Entscheidungskampf? Madrid. An der.Talavera-del-Tajo-Front haben die RegierungStruppcn am Mittwoch die beiden Flügel ihrer Front verlängert Dckdurch, daß die Front der Regierungstruppen bis zu den AüSläufem der Sierra de Credos rechts und bis zu den.Dörfern Alcaudette, Lanava,- Puerto und San Vincento links verlängert, woden ist, wird das Durchbrechen der verschiedenen Ausständischen- Kolonnen unmöglich gemacht, die die Verbindung der RegierungStruppcn an der Tallavera-Front abschncidcn wollten.■ Im Verlauf des Tages würde' die Konzentrierung neuer- RcgierungS- Streitkräfte fortgesetzt, die gut mit Geschützen ausgerüstet sind. - Es scheint, dass.die Aufständischen gleichfalls ihre Kräfte konzentrieren." General Franco nahm Mittwoch, abends eine Besichttgung der Front Bet- Talävera de la Reine vor und besuchte. persönlich /sämtliche Positionen, in denen Truppen zum A n g r i f f auf M a d r i d zusammengezogen'sind.--,.•. Barcelona. In Negierungskreisen wird erklärt, daß rine Kolonne, unter drm Kommando des Obersten Durruti-an der aragonischrn Front unweit Bäbastro. ein Kavallerie-Regiment der Aufständischen umzingelt t und gefangen- genommen hat/'.' Bauern gegen Aufständische : Madrid. DaS: KriegSmsnisteriM teilt', mit: Jn:E/st-i?'eim äidin'.r.a. kam es zu-Zusammen-- Wssen' zwischen Bauern und- Aufständischen, was beweist daß die Bevölkerung des dortigen,-Gebiete-'mit? dem' AüsstäNdischen-Regime. ünzufrie- iten.-istt r Bodenreform In Katalonien .7 8 a r r e l. o N' a.. Die katalanische Regie rung ordnete an, daß zum Zwecke der Reorgani- sation der katalanischen Wirtschaft in neun-Kreisen Land zur Perteilung gelange.' In der Happt- stadt eines jede« dieser greise.wird rin Wirtschaftsrot errichtet werden, der aüS Bertretern 'verschiedener politischer und syndikalistischer Organisationen gebildet wird. Paris. Der amtliche Bericht über die Berhandlunge» deS BerwoltungSauSschusseS'■ der sozialistischen Partei, welcher Mittwoch spät nachts anSgegeben wurde, ninunt mit Befriedigung die Erklärung der Allgemeinen Arbeitskonföderation (EGT.), ebenso wie das Ergebnis der Verhandlungen der plötzlich einberufenen Linksdelegation in der Kammer zur Kenntnis. Es war selbstverständlich, daß er seinem Vertreter in der Regierung, dem Ministerprästdenten B l n m, daS Vertrauen aussprechen mußte. Der drohende Konflikt wurde so beseitigt und di« innere politische Position deS Ministerpräsidenten ist unzweifelhaft weiter gefestigt. Davon zeugte die Morgenprefsr, die auch einig« grundlegende Aenderungen in der Erklärung der EGT: hauptsächlich die Anerkennung der Autorität der verfassungsmäßigen Faktoren verzeichnet, di« die EGT nicht zu ersetzen beabsichtige. Auch darin sieht die Presse einen Erfolg deS Ministerpräsiden- Niirnbcrg. Am Donnerstag hielt Hitler lediglich beim Apell des ReichSarbeitsdiensteS eine Ansprache, die politisch von keiner Bedeutung war. Dafür sprach Rosenberg vor dem Partei-, longress.über.den„e n,'t f.dj.c i d en di n Dt.e l t- t a mpst'^tvobei ergänz aussergewöhnlich schärfe Ausfälle gegen Sowjetrüssland unternahm. Die „ZersetzungSkeime", welche dem Bolschewismus seine„zerstörende Arbeit" ermöglichen, seien nicht auf das russische Territorium beschränkt, sondernwirkten in allen Weltstädten der Erde. Aus dem spanischen Konflikt sei„selbst sür die blödesten Augen" die Lenkung der bolschewistischen Kampfmethoden von Moskau-aus sichtbar gewor« den. Rosenbergs weitere Ausführungen waren dem-Thema.„Verschwörerarbeit des Weltjudentums" gewidmet. Man könne Marxismus und Bolschewismus nicht erfolgreich bekämpfen,'wenn man das Judentum ausnchmc. Am Nachmittag sprach Dr. Goebbels über„Bolschewismus in Theorie und Praxis", wobei er ausführlich die militärischen Machtmittel besprach, die der Sowjetunion zur Verfügung stehen und die angeblich 11 bis 14 Millionen'Sol- daten einschließen. Goebbels wiederholte dann das von der tschechoslowakischen Regierung aus-- Alcazar In Brand gescholten Nach abgelehnter Aufforderung zur- Uebergabe Das Madrider Blatt„M u n d o O b r e r o" meldet, dass von Regierungsseite zu dem Kommandanten der Aufständischen im Alcazar ein Parlamentär, Major R o j o, mit der Forderung nach Uebergabe entsandt wurde. Die Aufständischen, die aufmerksam gemacht worden wären, dass ei» Unterhändler zu-ihnen komme,' hatten das.Feuer eingestellt. Rojo kam bis in die Festung, wo er mit verbundenen Augen durch unterirdische Gänge weitergeführt wurde, Er kehrte dann'in einerhalben Stunde zurück und-teilte. MoSkan.-.(Tassl) Boi den Truppenmanövern des weissrussischen Militärbezirkes spielte'sich am Mittwoch ein grosses„Luftgefecht"Gunter Beteiligung-'schneller Bombenflugzeuge,-Jagdflugzeuge und Schlachtslugzeuge ab.• In 170 Kilometer Diese-im Rücken des Gegners wurde aus der-Lüft eine gewaltige Truppenlandung mit 160-Maschinengewehren und 18 Äefchützen- vorgenommeni .Die Landung der öiehr-älS-iLÜV Manii^aüs. hgn Flusszeügen währte nur sieben bis ächt Minuten'.- /Diese"gssäjnte^äutzerorLenlltchl-kymtzlizierte/OP«'^ ration, die unter neuen Verhältnissen durchgeführt Würde,- iMelt«/sich'-genäu-«ach dem gesahte-i .Plan ab. Die--niedergehenden Fallschirmspringer ten, well dicS eine» Beweis für das Abrücken der EGT von den kommunistischen extremen Aktionen ist. Die Rechtsblätter sparen allerdings nicht mit ironische Bemerkungen auf Kosten der Kommunisten, deren Sprecher, Deputierter T h o r« z, nach ihrer Behauptung bei de» Verhandlungen der Linksdelegation absolut isoliert dastand. Die Kommunisten hatten sich in einem Schreibe» noch vor der Sitzung deS Verwaltungsausschusses der sozialistischen Partei zu Konzes, sivnen nach allen Richtimge» hi» bereit erklärt. Schließlich waren sie auch geneigt, von ihrer bettelten Bezeichnung„französische Front" abzustehen, und versprachen, der Regierung für de» Kampf in der Kammer eine zahlenmäßige Unterstützung. Die gestern bekanntgegebenen, oppositio. nellen Interpellationen haben deshalb wahrscheinlich keine Aussicht auf Erfolg bei der Abstimmung. drücklich dementierte Märchen von den„roten Flugzeugstühpnnkten. in. der Tschechoslowakei", deren Zahl in der letzten Zeit auf 36 vermehrt prorden' sei. Goebbels rechnete für zahlreiche -G.kPssstWL.l>,nd Industriezentren genau, au», in wie- viel Minutin sie für die Bomber dir„roteü Kampfgeschwader"' von' den tschechoslowakischen Flugplätzen aus erreichbar seien. Keine Konzessionen In der Frage der! Kolonien L o n d a n. In einem Kommentar zu der Psoklamntion HitlerS in Nürnberg schreiben „Time s": Die öffentliche Meinug in Großbritannien wird niemals geneigt sein, ernst über die Rückgabe der Kolonien zu denken, außer eS würde sich um die Regelung in koloniale» Fragen ganz allgemeinen Charakters handeln, nnd nur in'dem Falle, daß Deutschland im Austausch dagegen praktisch auf den Krieg als Instrument der Politik verzichten würde. In Deutschland wird gegenwärtig die KriegSmentalität geschürt und heute Konzessionen zu mache», würde einfach eine Aufpwnterung zu größerem Verlangen von morgen-sein. den RegierungStruppcn mit, dass die Aufständischen es aülehnen zu unterhandeln und darauf beharren, dass im Alcazar Frauen und Kinder belassen werden. Nach dieser Antwort begann das Bombardement der. Festung aufs neue. Mittwoch um 22 Uhr wurde gemeldet, daß aus dem Alcazar Flapimen herausfchlagen, nachdem ihn^ schwere Artillerie»um,terbrochen.bombardiert.hatte., Wir es scheint, ist«ine bestimmte Zahl von. Aufständischen durch die unterirdische» Gänge in verschiedene Gebäude«ntkommeni die in der Nähe. des Alcazar' liegen. Bon Regierungsseite wurden, alle Maßnahmen getroffen, um die Flucht ans dem Alcazar zu verhindern. führten Maschinengewehre und Patronen-mit. Von den Flugzeugen-aus wurden gleichzeitig Kano- neu gelandet. Dec Volkskommissär fürVerteidi- gunsi,'-'. Marschall lWoroschilow,-«äNssevtei sich sehr anerkennend über diese- glänzende Operation und «dankte, den,Teilnehmern der- AüSfÜhr'uisgs^diesör Teiitzähme'/Die Mitglseder der'aüSläüdW'en Mi- i litäriiiissiosien säh'eyi'tnit-.^grosse'm'Interesse'-, den ; Manöver« zu und- u n ic rh i elten< sich stift Myrschall Würöschiww'überdaS Gesehene.'--''-'•’■-. Der'lMlische Generalmajor- Wävell'erllgrte r -Hätte' ich all. dies nicht niit eigetien Augen gesehen, so hätte'ich. niemals geglaubt, dass man stiiie derartige Operation durchführen kann." OlßMlselis Fürsorge fiir die Notstandsgebiete Die Stimme eines tschechlsdien Journalisten Wir haben uns vor einigen Tagen an dieser Stelle mit den Verhältnissen in den industriellen Grenzbczirken befasst und auf die Notivendigkeit tatkräftigeren Eingreifens im Interesse der durch Krise und Arbeitslosigkeit schwer geprüften Bevölkerung hingcwiesen. Dabei haben wir besonders hervorgehoben, dass der Staatspräsident ebenso wie der Ministerpräsident sich der grossen politischen Bedeutung des Eingriffes des Staates im Interesse der Notgcbiete bewusst sind, !daß aber die Träger der StaatSv crwaltung nicht immer Verständnis und guten Willen haben, das von der Staatsführung als notwendig Erkannte auch zu tun. Gewiss gibt eS unter der Beamtenschaft soivohl der obere» als auch der unteren Instanzen Menschen, Ivelche die Gesetze mit sozialem Gefühl und dem Bewusstsein der Verantwortung auwcnden, aber wir haben im vergangenen Jahre doch ausserordentlich viel Fäll« registrieren müssen, aus denen llnverständnis und inanchmal schlechter Willen gegenüber jenen vorlag, die unverschuldet in das Elend geraten sind, aus dem sie Ausiveg suchen. - Dass die Krisengebiete-ungesäumter Hilfe- bedürftig sind, sehen nachgerade alle jene ein, ivelche unser deutsches Industriegebiet aus eigener Anschauung keimen lernen. Man beachte, ioelche Eindrücke der Ehcsredaktenr des Blattes der tschechischen VollSpnrtet Jan Sch e in ost empfangen hat und wie sich seine Auffassung vielfach mit jener deckt, die wir in-unserem-erwähnte» Artikel ausgesprochen haben, Schcinost schreibt, daß er in den Ferien die Grenzgebiete besticht und daß alle Gespräche, die er mit Deutschen' geführt habe, mit Klagen über die schwierigen Wirtschaftsvorhaltnisse geendigt hätten. Er sagt darüber: „In Gegenden, welche einstens blühende Industriegebiete waren, wie zwn Beispiel das Karlsbader, ist es wirklich schlimm... und Ihr erfahret, dass in Ncudek, dem'einst so gut beschäftigten, die arme» Tschechen und Deutschen so begierig Hundefleisch zusammenkaufen, dass die- Fleischer der Nachfrage nicht nachkomnien können ldäs Kilogramm kostet drei Kronen)... Man kann nicht sagen, dass dar Volk überhaupt kein Vertrauen zur Regierung habe und dass es nicht deren gute Absichten erfasse. Aber es erscheint ihm, dass die Regierung nicht genug stark ist, um durchzuführen, was sie wirklich will und daß die Bürokratie ihrenJntentionennichtgenug entspricht. So ein heimischer Gewerbetreibender trägt es schwer, daß die Reparatur eines öffentlichen«Gebäudes Firmen aus Prag anvcr- traut wird, während man auch im dortigen Gebiete gute Unternehmungen hat und daß man dabei nicht hauptsächlich heimische Arbeitskräfte beschäftigt. Hier sollte.die Staatsverwaltung so wie in anderen Dingen die Interessen-des Gebietes, das ihrer Fürsorge anvertraut', ist, mehr ivahre», als sie vielfach tut. Denn glaübt, die Wurzel all der "- deutschen Opposition im Volke,'liegt Glicht in der -politisch gewerbsmäßigen Intelligenz nnd in jenem shrcr Teile, der seit jeher-nach Berlin blickt, sondern in wirtschaftlichen Dingen." Jeder Schritt überzeugt Euch davon. Hftr kann die.-Regierung unverhältnismäßig viel-nicht nur durch ihre direkten Maßnahmen erzielen,'sondern durch die Kontrolle der bürokratischen Stellen,-wenn diese wirklich das tut, was die Regierung wünscht und wenn , sie sich in-ihre Intentionen einlebt ,." Es wäre, zu wünschen, dass reckst viele.tschechische Politiker, mit so'offenen Augen unsere Grenzgebiete bereisen, wie es der Wesredakteur des SrämeMatteS getan, hat..Jene, welche.nur das tschechische/ insbesondere stur die'agrarischen Gegenden kennen, haben, gqr.keines Vorstellung von der.'.Krisennot und. dein'' El.end- stpst' industriellen Grenzgebiet. Die' objektiven Tschechen,'' welche aus eistester.' Anschauung' unsere• skiotstqndsgebiete be- sichtigcn würden, kämen dann auch zu dem klugen politischen Schluss,, den Sckstinost auS seinen Betrachtungen zieht:.'„Unsere'.deutschen Staatsbürger, haben mehr, wertbolle persönliche Rechte, als die. Deutschen im Reiche. Dieser.' tschechoftolvaki» schew Freiheit'muss man den' Nychdtpck tatsächls« cher'wirtschaftlicher Hilfe ssür., die Grenzgebiete geben.". Schimpfkanonaden gegen die Sowjetunion und Ihre Verbündeten Das Glanzstück der Sowjetmanöver . Fallschirmlandungen Im Rücken des Gegners Seite 2 Freitag, 11. September 1936 Nr. 212 Der erste Ministerrat Maßnahmen gegen die Teuerung— Erhöhte Exportförderung Prag. Amtlich wird gemeldet: Der Minister« rat hielt am 19. September nachmittags seine erste reguläre Sitzung ab. Der Vorsitzende der Regierung erstattete.Bericht über die Maßnahmen, welche zur Bekämpfung der Versuche unbegründeter Verteuerung teilweise bereit» getroffen wurden und teiliveise vorbereitet werden. Ferner erstattete der Vorsitzende der Regierung Bericht über die Maßnahmen zur Belebung dcrAuSfuhr. Seinem Antrag gemäß beschloß der Ministerrat, zwecks erhöhter Förderung der Ausfuhr dem aus Vertretern der zuständigen Ministerien zusanuncngcsehten engeren Komitee aufzutragen, innerhalb fünf Tagen Richtlinien für die erhöhte Ausfuhrförderung auszuarbeiten. Auf Grund dieser Richtlinien iverden sofort die Verhandlungen des c r w e it e r t c n Ausschusses ausgenommen werden, um die" erhöhte Ausfuhrförderung möglichst rasch zu verwirklichen, wie dies die Lage aus dem Arbeitsmarkt und dar Bedürfnis der Exportproduktion erfordern. Der Minister de» Aeuhercn referiert« hierauf Uber die gesamte auswärtige Lage und Uber die wichtigsten Ereignisse der internationalen Politik und befaßte sich sodann ausführlich mit der bevorstehenden Konferenz der Kleinen Entente. Ferner erteilte der Mintsterrat seine Zustimmung, daß die Getreidegesellschaft die Ausfuhr des überschüssigen Weizens und der überschüssigen Gerste ermögliche. Der Ministerrat genehmigte die Maßnahmen zur Fortsetzung der staatlichen Ernährung»- a k t i o n für Arbeitslose und beschränkt arbeitende Personen und der Brotzuteilung an Arbeitslose in den von der Arbeitslosigkeit besonders betroffenen Orten. Schließlich behandelte die Regierung die umfangreiche Tagesordnung der administrativen, wirtschaftlichen und personalen Angelegestheiten. •_ Lohnverhandlungen In der mlttelböhmhchen Metallindustrie Donnerstag wurden in der mittelböhmtschen Metallindustrie Verhandlungen über die Forderungen eingeleitet, die die beiden VertragSorga- nisationen, das ist der tschechische Verband der Metallarbeiter und die nantionalsozialistische Ge- tverkschastSvereinigung, erhoben haben. Abgeordneter H a m p l und Generalsekretär Skastäh begründeten die vorgelegten Forderungen, welche eine allgemeine Erhöhung des Lohnniveaus, ferner wichtige Regelungen der Akkordsätze und die Berkürzung der Arbeitszeit betrafen. Nach einem, gegenseitigen Meinungsaustausch wurde eine engere Arbeitsko mmission eingesetzt, welche die meritorischen Verhandlungen führen wird. Die Verhandlungen tverden zu Beginn der kommenden Woche fortgesetzt werden. Sie betreffen 31 Firmen, welche rund 40.099 Arbeiter beschäftigen. Brünner Waffenfabrik an rumänischen Rüstungswerken beteiligt Die„Neue Zürcher Zeitung" berichtet, daß der englische Rüstungskonzern Vickers seine Aktien der größten rumänischen Wafsenfabrik Uzi- ncle Metalurgie di Copsa-Mica si Cugir an die Brünner Zbrojovka abgetreten hat. An der Fabrik sind ällch,der"' rumänische-Stabt"'und', die Eisenwerke Reschiha beteiligt. Die Brünner Waffenfabrik ist auch an der im Ausbau befindlichen „Prima Fabrica Metalurgica Romana" beteiligt. 2ivnobank und Agrarbank Wie der„Prager Börsencourier" berichtet, Iverden die Beziehungen zwischen dec Agrckrni banka und Zivnostenskä banka immer engere. Beide Banken haben z. B. ein Interesse am Aus- siger Chemische» Verein. Die Agrärnt banka besitzt bereits seit längerer Zeit ein größeres Paket des Aussiger Vereins, in welchem bekanntlich die Zivnobank dominiert. Zwischen den beiden Banken schweben nun Verhandlungen über eine Erweiterung des Besitzstandes der Agrarbank und di« Zivnobank soll bereit sein, dem agrarischen Institut ein weiteres größeres Aktienpaket zu überlasten. Die Annäherung der beiden Banken ist auch politisch nicht ohne Interest« mit Rücksicht darauf, daß hinter der Zivnobank di« Nationaldemokraten, hinter der Agrarbank die tschechischen Agrarier stehen. Eine StaatSverteidigiingiwachc? Das Innenministerium will, wie die„Lidovt Noviny" berichten, in den Grenzbezirken eine neue Sicherheitsinstitution, die StaatrverteidlgmigSlvache, errichten, die sich au» uniformierter und nichtuniformierter Mannschaft rekrutieren soll. Sie wird militärisch organisiert, jedoch dem Innenmini st erium unterstellt sein. Di« Wache wird aus den Grenzgendarmeriekorps gebildet werden, von denen sie sich aber durch ihre Organisation und ihre besonderen Ausgaben unterscheiden soll. In erster Instanz wird sie den Be- zirksbehörden, eventuell den örtlichen Polizeiämtern untergeordnet sein. Ihre Wirksamkeit soll sich auf Grenz-, Finanz-, staatlichen Sicher» heits- und Eisenbahndienst erstrecken. Der Präsident der Repnblik empfing am 9. September in Topoliianky den außerordentlichen Gesandten und bevollniächtigtcn Minister in Paris Dr. Stefan Osuskh. Ministerpräsident Dr. Hodja empfing Donnerstag vormittags eine Deputation der slowakischen parlamentarischen. Vertreter, mit denen er über die Frage der Aufnahme von Kräften in den öffentlichen Dienst in der Slowakei konfiN rierte. Der Deputation gehörten die Abgeordneten Lanka U r s i n» und Dr. Martin Sokol sowie Senator Dr. M« d c r l y an. Fürforgeministeo Gen. Fug. tztekaS spricht Sonntag um 10 Uhr vormittags im Prager Rundfunk über aktuelle Probleme der Sozialpolitik. Schul- und Kulturfragen deö Landes Böhmen. In der am 7. d. M. abgehaltenen Schul- kommissionssitziing des Landes Böhmens wurde u. a. beschlossen, daß die LandeSvertretun'g Stiftungspreise für schöngeistige Literatur, Kunst, Bildung, Theater, Film, Jurnaltstik und Volkswirtschaft im Betrage von 89.900 Kö schaffen soll, Die Gemeinden MNd Bezirke werden abermals aufgefordert, der volkstümlichen AufkÄ-' rungsarbeit eine größere Unterstützung flngedet« hen zu lassen. Ferner spricht sich die Kommission für die Weiterbelassung der Lehrerpraktikanten aus und verlangt die Fortsetzung der Vorarbeiten zur Errichtung der Akademie für autonome Verwaltung fiir Böhmen. Grundsätzlich spricht sich die Kommission für die Teilung der Leitung der BoUs- und Bürgerschulen auS, und zwar empfiehlt sie die Trennung der Leitung bei mehr als zehn Klassen, bzw. wenn eine Bürgerschule mit einer fünfllaffigen Volksschule verbunden ist. Genosse Jllner verlangte außerdem, daß bei der Auflassung von Schulllaffen die definitiven eine größere Berücksichtigung erfahren. Der Ostrauer Prozeß vertagt. Die Verhandlung gegen die polnischen Schulstürmer, die neuen Konfliktsstoff in die tschechisch-polnischen Beziehungen brachten, gerade als sie sich etwas besser zu gestalten versprachen, wurden am Donnerstag vom Senat auf uiwestimmte Zeit vertagt. Vorher war eine Zeugin, deren jetzige Aussagen ihren früheren widersprachen, unter dem Verdacht des Meineides im Gerichtssaal verhaftet worden. Der Angeklagte B o c e k, der sein Geständnis, etnige- male bei den Lokalaugenscheinen wiederholt hatte, erklärte plötzlich, er habe keine Fenster eingeschlagen, und der Angeklagte Gemza habe sie auch bei diesen Exkursionen gegen die tschechischen Schulen nicht gefahren. Diese Erklärung rief große Erregung hervor. Der französische Unterrichtsminister Jean Zav besuchte Donnerstag vormittags in Begleitung des Ministers Dr. Franke das französische Realgymnasium in Prag. Hierauf stattete er dem Vorsitzenden, der, Regierung Dr. Hodja und dem Außenminister Dr. Krofta einen Besuch ab. Um IS Uhr reiste der Minister vom Flugplatz in Kbelyab., Warnunsan den Faschismus Plymouth, Die Vom Generalrat des Kongresses der britischen GewerkschastSorganisaUvnen angenommene Resolution bezüglich Spaniens betont neuerlich, daß größte Sorgfalt notwendig sei, um vorzubeügen, daß die feierlichen internationalen Verpflichtungen zum Schaden der spanischen Regierung auSgeniitzt werden: Der Kongreß erklärt, daß es eine besondere Aufgabe der britischen Regierung sei, in größiem Maße ihren Einfluß aufPortugal auSzuüben, daß es in loyaler Weife an der Durchführung der internationalen Abkommen mitarbeitet. Der Präsident des nächsten Kongresses B e v i n schlug hieraus die Annahme der Resolution vor Md erklärte: ES ist meine aufrichtigste Ueierzeugung, daß der Augenblick- gekommen ist, wo die demokratischen Mächte Hitler und Mussolini saßen müssen: Nehmt nns nicht ans die leichte Waage! Die Menschen haben mit Anrecht geglaubt, daß wir unS nicht wehren werden, weil wir den Frieden lieben. DaS. ist ein Irrtum. Der Faschismus wird die Welt nicht beherrschen, weder mit Intrigen noch mit anderen Mitteln I Der Antrag des Delegierten Zak, der eine Intervention in Spanien verlangte, wurde von dem Kongreß mit 2,978.099 gegen 81.000 Stimmen abgelehnt. Locamokonferenz—19. Oktober? Land» n.(Reuter.) ES wird bestätigt, da» Großbritannien nach einer Beratung mit der französischen Regierung der italienischen und der deutschen Regierung Vorschlägen wird, daß di« Konferenz der Lorarnomächte in London am 19. i Oktober zusammentrete. Die MW der englischen Gewerkschaften zu Spanien, RuBland und zur Einheitsfront In seiner Eröffnungsansprache an den Jahreskongreß der englischen Gewerkschaften, der in Plymouth tagt, erklärte der Präsident des Kongresses, Ä. H. Findlay u. a. „Wir entrichten jenen unseren feierlichen Gruß, die ihr Leben hingeben im Kampfe gegen den bewaffneten Angriff auf die Freiheit der spanischen Nation und- auf die Einrichtungen bürgerlichen Rechts, die nach Jahrhunderten der Unterdrückung und Mißwirtschaft vor fünf Jahren erfolgt sind. Niemand wünscht das Recht der Zeitungen zu'behindern, verschiedene politische Richtungen-zu>unterstütz«n. Aber wir verurteilen die Zeitungen dieses Landes, die über den spanischen Krieg Greuelberichte bringen und die Tatsache» verdrehen. Es Ist eine verbrecherische Torheit, einen Teil der Preffe zu erlauben, Parteileidenschaft und Klassenhaß zu entfachen und den internationalen Brand zu schüren, in einem Augenblick, da sich Krieg und Frieden die Waage halten." Uebcr-die Sowjetunion sägte Findlay:„Wir waren überaus erfreut, vor kurzem zu hören, daß eine der demokratischsten Verfassungen der Welt in diesem großen Lande eingesührt werden solle, und eS war ein schwerer Schlag für unS,- daß die Diskussion über diese Verfassung überschattet und verdrängt wurde durch einen Prozeß und eine Hinrichtung von Männern, die früher die Führer der Sowjets waren und nun omgeklagt wurden, sich zum Umsturz der Sowjetunion verschworen zu haben. Dennoch bin ich Überzeugt, daß Sowjetrußland einen großen Beitrag zum menschlichen Fortschritt und zum Weltfrieden liefern kann und auch geliefert hat. Ich möchte sowohl die britische als auch die deutsche Negierung warnen und erklären, daß die britische Arbeiterbewegung niemals darin einwilligen, sondern entschieden dagegen kämpfen wird,:, daß in Westeuropa der Frieden vorübergehend gesichert wird,- während man Hitler freie Hand im Osten und gegen die Sowjetunion gibt." Auf die Forderung der Liberalen und Kommunisten nach einer E i n h e i t s f r o n t erwiderte Findlay, daß Parteien, die ihre eigenen Grundsätze nicht aufgeben wollen, dasselbe auch nicht von der Labour-Party erwarten können. „Wir sind gemeinsam gegen den Faschismus und können uns in diesem Kampfe auch zu gemeinsamen Maßnahmen zusainmensinden, ohne deshalb unsere Grundsätze aufzugeben. Jede Partei kann die Drohung- des Faschismus auf, ihrer eigenen Plattform bekämpfen, jede, kann die anderen^von ihrer eigenen Plattform aus unterstützen, wenn ihr Ziel tatsächlich die Verteidigung der Demokratie ist." 18 tfommv föarbox matfit(Revolution Tioman mm* flondv „Ich sehe nicht, wo da ein Wagnis ist? Jeder Mensch in Salvadolid weiß es doch, daß Sie ein Hanswurst sind". Bonamaria zeterte furchtbar. „Und Sie?! Sie Abenteurer, glauben Sie man weiß nicht, tvie Sie zu Ihrem Geld gekommen sind? Wer hat die Waffen»ach Venezuela geschoben und nachher seine Auftraggeber bei der Negierung denunziert? Das war ein feines Geschäft! Zum Dank hat Ihnen die Regierung die Waffen noch einmal bezahlen dürfen! Aber Sie müssen nicht glauben, daß man sich hier Ihre Anmaßung noch lauge gefallen lassen wird; es wird alles ganz anders werden, ganz anders! Utid dann werden Sie an mich denken I" „Seien. Sie doch still", flüsterte Tommy ihm iys Ohr.„Draußen sind Leute; wollen Sie, daß' ganz Salvadolid morgen, davon spricht?" Und dann drängte er sich an Martinez und sagte leise: -„Bleiben Sie ganz ruhig, Sie sehen ja, daß er von Sinnen ist." Aber das nützte wenig; die beiden Helden schimpften zwar leiser, aber nicht minder heftig. Sie gaben einen komischen Kontrast, Martinez ,satz breit und bärenkräftig da und blieb stoch verhältnismäßig gelassen, während der Advokat auf und ab lief und abwechselnd die rechte oder die linke Hand drohend gegen Martinez schüttelte. Er dachte nicht einmal daran, wie wenig staatsmännisch sein Benehmen war, er sah nur Martinez yor sich, wie er neben Fulvia saß und strahlte, als wäre sein Sieg schon entschiede». „Oh ja," zischte der Advokat,„es wird, hier eine Zeit kommen, wo Ihnen Ihr Geld nichts' nützen wird.Und Ihr protziges Auto auch nicht." „Was geht Sie mein Auto an? West» es mir paßt, laufe ich eins mit einem goldenen, Kühler." „Das sähe Ihnen ganz ähnlich! Das sind die einzigen Mittel, mit denen Sie kämpfen können. Aber Sie täuschen sich; man läßt sich vielleicht von Ihnen spazieren fahren. Und das ist alles, Im Grunde weiß man sehr gut, wer Sie sind". Diesmal bekam auch Martinez einen roten Kopf. „Wer ist man? Was sind das für Redensarten? Man fährt eben gern niit mir im Auto spazieren, das ist es, was Sie ärgert. Es ist amüsanter, als zuzusehen, wie ein alter Geck die Augen verdreht." Bonamaria fiel in einen Stuhl. „Sie haben das gehört, Senor Barbox, Sie haben das gehört! Dieser Mensch beleidigt mich, dieser Mensch beleidigt eine Dame, er rühmt sich ihrer Gunst! Eine Dame, die so hoch über ihm und seiner Frechheit steht, daß ein Wort genügen würde..." Aber jetzt war Martinez erst in Zug gekommen; er sprang auf und beugte sich über den Tisch: „Sie werden kein Wort sprechen, hären Sie, nicht ein Wort, sonst nehme ich Sie nächstens vor dieser Dame am Kragen; merken Sie denn gar nicht, wie sait sie Ihre lächerlichen Äffereien hat?" Bonamaria brachte nur mühsam ein spöttisches Lachen zuwege: „Das werden wir noch sehen! Haha! Da» werden wir sehen! In ein paar Tagen wird sich da» ja zeigen, Sie aufgeblasener Muskelprotz! Ihre Rolle ist dann, ausgespielt! Was haben Sie einer Frau zu bieten? Geld und noch einmal Geld! Das mag genügen, wenn Sje sich vor ihren armen Feldarbeiierinnen als Don Juan aufspielen. Einer Frau von dem Rang, von dem Verstand..." Plötzlich sahen sie, daß Ealdelari in der Türe stand. Wann er eingetreten war, wußten sie nicht. Tommy hatte der Tür« den Rücken gedreht und ünunterbrochett versucht, den Kampf der Helden zu zähmen, und die beiden Kämpfer waren-selbst viel zu sehr in ihren Streit vertieft, als daß. sie irgend etwas anderes gemerkt hätten. Caldelari sah mit aufgerissenon Augen von einem zum andern. ES gab ein« größere Pause. Dann ging Martinez zur Türe. „Ich bedaure nur, daß ich heute gekommen bin; ich hätte ja wissen können, mit wem ich es zu tun habe." Und dann ging er. Bonamaria sprang auf. .„Senor Barbox, Sie sind mein Zeuge, daß ich keinen Streit gesucht habe,- daß ich keinen Namen genannt habe... aber natürlich, wenn man mit solchen Menschen zu tun hat.... Und er schoß neben Ealdelari zur Türe hinaus. Der Kapellineister trat näher, „Von.., wem-l.. haben die Herren gesprochen?" Da Tommy Barbox nicht wußte, wa» Eal» delari schon gehört hatte, war das eine heikle Frage. Doch er war entschlossen,' alles zu leug-, sten und die unwahrscheinlichsten Dinge zu behaupten.- „Ach, das-war nichts... ein kleiner Streit beim Kartenspiel... der Advokat hatte Pech, und da gab es eben einen Wortwechsel zwischen ihm und Martinez,. „Ja... aber... sie sprachen doch von einer Frau... ich habe das ganz deutlich gehört... Sie schienen sich doch um ein« Frau zu streiten...."' i Tommy brauchte Zeit. «Von einer Frau...? Richt daß ich -wüßte... es war.solch ein-Durcheinander/daß man überhaupt kein Wort verstehn konnte." Doch Cäldeläri ließ nicht locker. „Nein, nein... es war ganz klar...cs handekte sich um eine Frau... Sie müssen mir sagen, wer diese Frau ist. Tommy lachte breit und unbefangen.' „Ach so.ja natürlich... das war auch ein. Grund... man soll ja nicht über solche Dinge sprechen... aber, mein Gott... es sind kein« Prinzessinnen, um die es sich handelt... Martinez ist wahnsinnig in-di« kleine Rivade» neira verliebt... in die schwarze... wissen Sie? Und der Advokat auch... ein alter Wüstling, haha... möchte nian das. glauben, daß der in seinem Alter noch solche...? Aber Caldelari streckte abwehrend die Arme aus. „Das sagen Sie jetzt... aber ich-glaube Ihnen kein Wort... es geht nicht um eine Dirn«-... eS geht... um. n- Er sank am Tisch zusammen und verbarg sein Gesicht in den Händen. Tommy-gefiel diese Wendung ganz und gar nicht. Er wollte-sich nicht alle seine Pläne durch Weibergeschichten verderben lassen... noch dazu durch ein einfache» Gerede....sein« beiden'Helfer- hatten ja schließlich gar-nicht» gesagt. und konnten wohl auch gar nichts sägen.-Tommy glaubte nicht einen Augenblick, daß einer von den beiden bei Fulvia irgendwelche berechtigt«.Hoffnungen hatte... wenn eS wenigstens ein Skandal gewesen wäre, aus dem man etwa» machen konnte:.. aber nicht». nicht das geringste ... zwei Dummköpfe, di« er nun eben vorläufig brauchte und die ihn mit ihren Privatangelegenheiten belästigten... und jetzt dieser eifersüchtige Kapellmeister.., das war entschieden zuviel Tommy.benützte den Augenblick, sah sich noch einmal nach Caldelari um,' der regungslos am Tisch saß; dann zuckt« er die. Achseln Die unbekannte Diktatur Portugal,.das Hinterland der spanischen Revolution Von Eia. Lissabon Genau ein Jahr ist es her, seit Portugal den ersten-Putschversuch erlebt hat, der In-einem der drei- orthodox-faschistisch regierten Länder Europas stattgefunden hat. Auch damals meuterte"ein Schiff, auch damals- waren es mit sozialistischen, Ideen sympathisierende Matrosen und Offiziere, die sich gegen die seit 1028- bestehende Staatsordnung aufzulehnen versuchten. Und auch damals waren die Machtmittel der.Herrschenden stark genug, um hie Revolte im Keim zu. ersticken. Aber schon datiml» ahnte man, daß cS im Gebälk dieser Diktatur, die im übrigen Europa so gut wie unbekannt geblieben-ist, bedenklich zu knistern begonnen hat. Heute hat der mißglückte Husarenstreich der beiden Kriegsschiffe, die aus Lissabon zu den spanischen Antifaschisten fahren wollte», prinzipielle und vielleicht sogar entscheidende Bedeutung. Wer Portugal kennt, kann sich nicht darüber täuschen. Mehr als ein halbes Dutzend Putsche und Revolten, dazu noch die Erschütterung des Weltkriegs, in anderthalb Jahrzehnten— ein Rekord, wie ihn kein zweite» Land Europa'»-aufweisen-käiini 1012 wird die portugiesische Monarchie gestürzt. 1018 erklärt Deutschland den Krieg an Portugal, das eine einzige Formation an die Westfront schickt; und die kriegSungewohnien Portugiesen haben gerade das Pech, einen Punkt verteidigen zu müssen, an dem die Deutschen zum Hauptangriff ansetzcn,.. Rur ein paar Mann kommen lebend zurück. . 1017, noch während deS Krieges, Revolte in Lissabon. 1021 Offiziersaufstand. 1028 droht der EtaatSbankrott: die übermäßig gut geratene Ernte wird von Schiebern nach Spanien verkauft, und Enbe des Jahres hat Portugal kein Getreide mehrt April 1025: Militärrevolt«. Juli 1025: OffizierS- pulsch.„Mehr Macht dem Hee'rl" heißt die immer lauter werdende Parole, die Rettung bringen soll. Die Steuern werden auf dem Papier unaufhörlich erhöht, praktisch aber überhaupt nicht mehr gezahlt. Ein Drittel aller privaten Kapitalien ist von den patriotischen Bürgern im Ausland angelegt worden. Seuchen wüten unter der entschlich armen Bevölkerung, die zu 85 Prozent weder lesen noch-schreiben kann. Handel, Finanz und Beamtenschaft bilden das Trifolium der Korruption. Auf Generäle werden Bomben geworfen, Minister bekommen Kugeln in den Leib. Die Arbeiterschaft, an ihren Hungerlöhnen verzweifelnd, tritt in wilde Streiks. Aber sie ist durch Analphabetismus und mangelnde Schulung an der klaren Erkenntnis ihrer Lage, der Bereinigung ihrer Kräfte zur organisierten Macht gehindert. So spielen sich die Kämpfe um die Herrschaft auf ihrem Rücken und auf ihre Kosten ab. Am 27. August 1028 frühmorgens wird der Funlscnder Lissabon von aufständischen Trappen bt-' setzt und morst da» Programm ßkr Umstürzler über dar Land: VerfaffungSändenmg, Abschaffung deS Parlaments, Aufrüstung, Justizreform, Steuervereinfachung, Pribatverantwortung der Beamten, Garantie von Leben und Eigentum. Ein einfaches, militärisches, gutbürgerliches Programm. Die verängstigten, portugiesischen Mittelschichten glauben aufatmen zu dürfen. Die Revolution gelingt/ Staatspräsident und Regierung danken ab. General Carmona wird Präsident, ist eS bis heute geblieben. AV einer her Minister die neue Kabinettsliste den Journalisten hekanntgibt, fügt er nebenbei hinzu:„UebrigenS, Finanzminister ist ein gewisser Dr. Oliveira Salazar, bisher Mathematikprofessor an der Universität Coimbra. ES heißt, der Mann soll nicht Übel sein..." Wer hätte damals ahnen können, daß der unbekannte 27jährige Dr. Salazar einmal der Diktator Portugals werden könnte? Der Mann aus Coimbra verstand cs, mit seinen Rechenkünsten dar Budget sichtbar kn Ordnung zu bringen, durch Manipulationen und Anleihen. Und 1088 steckt dar deutsche Beispiel an! inan gibt ihm die„totale Macht". Man, daS heißt die Jesuiten, die wahren Herren und Besitzer des Landes, die' zu klug sind, um sich anders als in Zivil auf der Straße zu zeigen. Der neue Diktator Dr. Salazar— er gibt sich diesen Titel selbst— macht aus Portugal nach berühmten Mustern„o estado novo", den„neuen Staat": durch brutale BersolgungderSozialistenundKom- munisten— sie wurde» erschossen, vertrieben oder schmachten in den unterirdischen Zitadellen von Lissabon und Porto—, Versagung de» Parlaments, Aufhebung der demokratischen Rechte, Reden, Aufmärsche und Paraden der aus dem Boden gestampften Einheitspartei-Truppen, Uniformierung der Jugend. Einführung de» faschistischen Grußes, obligatorische Unterschrift der offiziellen Briefe mit„A bem da nacäo",„Zum Wohl der Nation". Das sind Ideen des nach italienisch-deutschem Muster gegründeten Propagandaministeriums, das Salazars Führerporträt in allen Stuben aufhängt, mit den modernsten Propagandamethodcn— Film, Funk, Photo— arbeitet und jedem Portugiesen die gedruckten„Zehn Gebote" des neuen Staates in die Hand drückt, in denen es heißt:„Der neue Staat ist jung, die moralische und politische Avantgarde, garantiert die Unabhängigkeit der Nation, repräsentiert die Autorität, fördert die Familie, gründet Syndikate und Korporationen, er ist die Stärke und Macht, er fordert Opfer, verlangt den Sin« für Gemeinnutz— und will Portugal zur einstigen Größe seines Imperiums emporführen..." Wie schaut dieser neue Staat nun in Wirklichkeit aus? Um auf das Volk in Druck und Schrift einwirken zu können, bringt man ihm das Lesen bei — zunächst in den vollbesetzten Gefängnissen, wo die gefangenen Frauen neben ihren gleichfalls im Ge.- fängnis untergebrachten Kindern, alle in der blauweiß gestreiften Kerkeruniform, gemeinsam daS Alphabet lernen.--. Es gibt noch mehr Dinge, die nun einmal zu einer richtigen faschistischen Diktatur gehören. Etwa die Homosexualität, die besonders im Propagandaministerium und im ÄEB, dem Jugendverband, blüht. Man ruft zu flammenden-Taten iivf„o gloria de la raca". Der Raffe? Der Fremde wundert, sich über diese„ besondere Ausgeburt des faschistischen Rafse- ftmmelS. Denn die portugiesische Rasse ist so etwa dar tollste Gemisch Europas— aus semitischen Phöniziern. Kelten, Juden— die sich im Mittelalter zu Tausenden taufen ließen und in der Bevölkerung aufgingcn —,- Negern und Indianern au» de« Kolonien. Man sieht den Portugiesen und den Portugiesinnen ihr Rassengemisch an, und den Frauen insbesondere scheint e» für Ihren interessanten Typ gut bekommen zu sein. Man ist amtlicherseits stolz auf die.„Ueberwin- dung" der Weltkrise. Aber unter, welchen Opfern! Portugal ist ein Fischer- und Bauernland. Die Regierung vertritt nicht die Interessen der Werktätigen, aber auch nicht de» Finanzkapital», sondern de» grundbesitzenden Kleru». 'Sie hält da» Land, so lang und gut e» geht, in der Schwebe zwischen Konjunktur und Krise. Portwein und Sardinen, die Hauptproduite des Landes, können nicht von de» Portugiesen verbraucht werden, weil sie dazu nicht genug Geld haben; denn die Portweinproduktion ist ganz in den Händen der Engländer, die auf da» Land stärksten Einfluß haben und den Portwein-Monopolpreis hochhalten. Den Portwein trinken dafür die valutastärkeren Norweger, die ihrerseits wieder ihren Stockfisch liefern, der al»„Bacalhau" in hundert Variationen zum portugiesischen Nationalgericht geworden ist. Die portugiesischen Sardinen aber gehen an» — deutsche Kriegsministerium, als Konserven für den Kriegsfall. Dadurch ist die Berührung zwischen den beiden faschistischen Ländern recht eng geworden, und man nennt es beiderseits„Kultur"-Austausch. Vielleicht kriegen es aber die Nationalsozialisten mit der Angst zu tun, wenn sie. erfahren, daß ihre südwestlichen Freunde zu 80 Prozent der Bevölkerung syphilitisch sind, wie gewissenhafte medizinische Statistiker bezeugen... Die putschenden spanischen Generäle wußten, daß sic sich auf da» gesinnungSverwandte Portugal stützen konnten. Salazar, Carmona und ihr« Freund» wissen aber ebenso gut, daß ein Spanien d«S siegreichen Sozialismus ihre letzte Stunde bedeutet. Darum tun sie alles, um den Rebellen ein Hinterland für RüstungSlieferung und-Transit, Lebensmittelversorgung und Zuflucht zu bieten. Doch da» portugiesische Volk wartet nur auf den Augenblick, um mit Hilfe seiner spanischen Freunde die verhaßten Diktatoren loSzuwerdcn, die seit nunmehr zehn Jahren'als Parasiten, seiner mühseligen Arbeit herrschen. VMM Ml MM Provisionsvertreter appellieren an den Fi- nanzminifter gegen Besteuerungshärten. Durch das Gesetz vom 2. Juli d. I. wurden die Pro- visionSreiseildcn und-Vertreter, soweit sie pcn- sionSvorsichcrt sind oder ein Jahres-Bruttoeinkommen von nicht mehr als 40.000'KL haben, von der Eriverüsteuer befreit: Nichtsdestoweniger wurden seither Tausenden von ProvisionSvertre- tern, die unter diese Bestimmung fallen, für er ,,sie g'en.lr.e Steuerabschnitte dje Er-, werbstcuer vorgeschrieben. Zahllose Steuerverfahren lvegen Erwerbsteuer,' die so begannen oder gegen Provisionsvertreter der gleichen Art am 2. Juli schon schwebten, werden fortgeführt. Die Union der Geschäftsreisenden und Vertreter hat sich deshalb an den Finanzminister mit der Bitte gewendet, durch eine allgemeine Verfügung alle solche Verfahren niederzuschlagen. Di« Union beruft sich darauf, daß man seinerzeit, als die Provisionsvertreter von der Umsatzsteuer befreit wurden, das gleiche Verfahren beobachtete. Internationale Meister der Langflngerzunft Prag,(rb.) Der 48jährige EliaSCohen ist rumänischer Staatsbürger, aber rühmlichst bekannt bei de» Polizeibehörden und.Strafgerichten zweier Kontinente. Nach Auskunft der internationalen Kriminalzentrale ist er in achtzehn europäischen und amerikanischen Großstädten wegen Taschendiebstahls abgcstraft worden. Wir führen nur einige seiner Strafen an: in N i z z a zwei Jahre, in Borde a u x zwei Jahre, in Buenos Aires ein Jahr, in W i e n ein Jahr usw. Nicht minder he» | könnt ist sein Berufskollege und Freund, der 87jäh- ' rige reichsdeutsche Staatsangehörige Johann K o st i s z k i, dem da» internationale Kriminalamt ein ähnliches Leumundszeugnis auSstcllt. . Diese beiden Kapazitäten der internationalen Langfingerzunft, die im Wiener Kriminal enge Freundschaft geschlossen hatten, trafen einander zufällig in Prag, wo sie bisher, jeder für sich, ihr Gewerbe betrieben hatten, und schlossen sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen, die sich.alsbald durch eine Häufung von Strafanzeigen wegen verwegener Taschcndiebstähle in der Straßeichahn auSlvirkic, Die Polizeidirektion alarmierte ihre Spezialisten und daS Glück war dem Polizeiinspektor S a l a L hold, dessen geschultem Auge am 12. Juli in einem über- fülllen Straßenbahnwagen der Neunerlinie zlvei. elegante und exotisch aussehende Herren aufsielen, die sich auf die Hintere Plattform drängten, ohne einander scheinbar zu kenne». Er nahm sie unter Beobachtung und der Blick de» Polizisten bemerkte, Iva» dem Laien, der sich von der blitzschnellen Fingerfertigkeit geschulter Taschendiebe keine Vorstellung machen kann, sicher entgangen wär?. Der ältere der beiden Gentleman— EliaS Cohen— zog auf v'r- tuose Weise einem wohlsituicrt auSsehcndcu Herrn die Brieftasche. Gleich darauf begann der zweite mit dem Bestohlenen aus nichtigem Anlaß einen Wortwechsel— das bekannte Ablenkungsmanöver— worauf beide beim Museum den Wagen verließen, aber nur, um auf der Stelle von Jnsp. Salai festgenommen zu werden. Beide waren natürlich aufs höchste entrüstet über die Verdächtigung, aber auf dem Polizeikomissariat wurde die gestohlene Brieftasche zustande gebracht— allerdings nicht bei den« eigentlichen Dieb, sondern im Rockärmcl seines Komplicen Kostiszki, dem sei» Kumpan sofort nach dem Diebstahl da» corpus delicti zugcstcckt hatte, wie das iil solchen Fällen üblich ist. Vor dem Strasse natTro st bekannte sich Kostiszki, der durch Auffindung der Brieftasche überführt war, schuldig und erklärte sogar, selbst de» Diebstahl begangen zu haben. Elias Cohen spielte den absolut Unschuldigen. Auch das ist unter Komplicen solchen Range» üblich. Der Ueberführte, der nicht» mehr zu verlieren hat, entlastet den minder belasteten Komplicen, der sich ihm im Fall seines' Freispruches später al» nützlich erweisen kann. Dieses taktische Manöver scheiterte in diesem Fall denn der Detektiv: Salai"war Augenzeuge des.Diebstahles,, gewesen und erklärte unter Eid, de» Elia» Cohen als»' eigentliche» Täter. Da» Urteil lautete für beide, auf je fünfzehn Monaten schweren Kerkers und Landesverweisung.. MtteNungen aus dem Publikum. In Ihrem Haushalte sollten Sie immer ein. Fläschchen mit Alpa-Franzbranntwein zur Hand haben. Massagen mit Alpa fördern den Blutkreislauf, stärken-und erfrischen de» Organismus, Alpa zum Mundausspülen benützt, desinfiziert. die Atmungswege und schützt vor ErlältuiigSkrank- heiten. Ballett im zudrthans ■Von Josef Weekeborg Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Bilibid ist nicht die Bezeichnung eineneuen Spieles, ist nicht der Name eines afrikanischen Menschenstammes, ist nicht die Ueberschrist eine» Kindermärchens. Bilibid hat nichts mit Märchen, Kindern und Spiel zu tun. Bilibid heißt: das moderne Grauen. Wer hat je etwas von Bilibid gehört? Auf der breiten Caffterrasse von Manila, zwischen schöueuFrauen, den weißen Smokings der Männer und den Tangorhythmen der spanischen Musiker, fällt zum ersten Mal das geheimnisvolle Wort: Bilibid. Aber in dieser paradiesischen Umgebung, in der zauberhaften Atmosphäre Manila» klingt eS wie etwas Luftige», Leichtes, Spielerisches. Oh, bitte! Man spricht über den neuen Gouverneur, den letzten Ball, über die Politik der Vereinigten Staaten und den letzten englische« Film. Und dann: so. nebenbei, sagt einer:„Wir könnten' doch morgen nachmittags nach Bilibid fahren. Ihr wißt, wir waren schon lange nicht' um halb fünf Uhr dort..." Alles stimmt begeistert zu. Man erfährt nur, daß Bilibid um hall» fünf Uhr nachmittag- die größte Sehenswürdigkeit von Manila ist.>-' Am nächsten' Nachmittag, Punkt vier, steht man mit dem Kodak vor dem Hotel. Hie Spanier, kommen, gutgelaunt, lustig.' Alles freut sich auf Bilibid. Sie haben alle etwa- Kindliche-, die Menschen von Manila. Und. außerdem sind die Zucker» kurse um vier Punkte gestiegen, Aber, len Kodak muß ich zu Hause lassen.-- In'Bilibid darf man nicht photographieren. DaS Wäre staatsgcfährlich. Di«-Fahrt ist kurz. Dann-halten die Wagen vor einem riesenhaften Gebäudekomplex, den ein« fünf Meter höhe Mauer umschließt. Mauern, wie mck« sie hon' den.Kasernendcr Fremdenlegion im Toyking, den^ ainerikanlschen.Irrenhäusern und. der Mörderinsel von San Francisco her kennt. Irgendwo schlägt eine Uhr ztveimal. Es ist halb fünf. Und plötzlich geht die riesenhafte Mauer lautlos auseinander, und dahinter wird ein Käfig mit dicken Eisenstangen sichtbar. In diesen Käfig tritt man und hinten schließt sich die Mauer. DaS geht alles sehr still und sehr schnell. Die Freunde von den Philippinen lachen sich krank, wie sie .mein erstauntes Gesicht sehen.„Ja, was haben Sie denn geglaubt? Natürlich, jetzt wissen Sie eS: Bilibid ist das berühmte Zuchthaus von Manila, das Zuchthaus a la mode..." Unterdessen hat sich, wieder automatisch, di« eine Käfigtüre geöffnet und den Weg in ein neues Gitter gewiesen, dasselbe Spiel der Gittertüren wiederholt sich. Es wird einem schwül. Man wird wohl noch schöne Dinge zu sehen bekommen, wenn das hier nur der Eingang ist. Die zweite Tür führt geradewegs auf eine schmale Wendeltreppe, auf der nicht zwei Menschen nebeneinander gehen können. Zehn Stufen, zwanzig Stufen. Bon oben blicken drei Soldaten herunter. Und es gehört nicht viel Phantasie dazu, um'festzustellen, daß diese Schildwachen ihre Geivehre schuhfertig in der Hand halten... Durch eine Stahltüre kommt man In einen schmalen Gang, der von verschlossenen Zellen flankiert wird. Eine kurze Rampe.— dann steht man in einem arenähaften Rondeau, das wie ein modernes Amphitheater Sitze hat. Oben die noblen mit. Plüsch überzogen, unten die gewöhnlichen Holzsessel. Ganz hinten eine Loge.„Für den Herrn Generalgouverneur I" DaS Theater ist glänzend beseht. Ganz Manila scheint sich hier«in mondäne» Rendezvous gegeben zu haben. Man grüßt einander, schwenkt die Hüte. Wo bin ich eigentlich/In einem Zirkus, einem.-Theater,, einem Zuchthaus? Bor meinem Platz sehe ich in einem geschlossenen Kreis strah- lenförmig ausgehende Rampen und Zellengänge. Sie sind sö angelegt, daß die Gefangenen der einzelnen Zelle« einästder nichtsehen können. Nur nach vor« geht ihr Blick, auf. den Zuschauerraum. Diese- Zuchthaus ist diabolisch angelegt, Laß man es von einem Amphitheater mit einem einzigen Blick umfassen kann. Beim ersten Gongschlag kommt durch den mittleren Gang eine Musikkapelle heranmarschiert. Die Musiker tragen alle das gleiche, leinerne, hellblaue Gewand, sie sind alle geschoren und zwischen den Messingblechen ihrer Instrumente blitzen Die Bajonette der Begleitwachen. Immer ein Musiker und ein Soldat. Ein Horn und ein Geivehr, eine Flöte und ein Bajonett. Ein zweiter Gongschlag. Die Kapelle, die sich jetzt um die runtzum führende Rampe gruppiert hat, beginnt zu spielen: das„Star spangled Banner", dir amerikanische Hymne. Beim letzten Ton öffnen sich wie mit einem Zauberschlag die vielen hundert Türen der Zellen. Aus allen Zellen treten die Sträflinge, nach Rassen in Sektoren gruppiert: links die Chinesen, vor uns die Philippinen, rechts die Weißen. Es ist eine schaurige Vision, diese Sträflinge da' vor ihren Zellen in Habtachtstel- lung, lautlos und auf weitere Befehle wartend. Wie viele' können es sein? Zweitausend, auch mehr. Die Vision'nimmt Bewegung.an. Denn die Musiker haben einen Foxtrott zu spielen begonnen, und die Gefangenen machen alle dieselben rhythmischen, pewegungen. Zwei Schritte vor, drei zurück, Arme heben, in den Hüften Wippen. Staunenswert, diese Präzision dieses Hexenspuks, wie Maschinenmenschen in Trance bewegen sie die Arme, die Füße. Also das ist Bilibidl Das Zuchthaus, in dem die Verbrecher an jedem Nachmittag zwischen halb fünf und halb sechs'rhythmische Uebungen«ach der Begleitmusik abgedroschener Foxtrotts und Slow-Fox machen müssen;.wenn... wenn sie ihr Essen bekommen wollen, Es ist schon vorgekommen, daß einer der zweitausend Ballett- Statisten plötzlich zu revoltieren begann, die Farce eben nicht mehr mitmachen konnte. Aber es hat ihm dann leid getan. Denn eS:ist noch' immer angenehmer^ rhythmisch zu. turnen, als in Dunkelhaft.zu sitzen und zwei Tage kein warmes Essen zu-bekommen. Und die Lebenslänglichen? Die werden, eben lebenslänglich. Ballett machen. Jeden Nachmittag; von halb, fünf bis halb sechs. Einige freuen sich sogar darauf, behauptet jemand aus meiner Gesellschaft. ES ist doch die einzige Abwechslung während des ganzen langen Tages, die Musik spielt, man wird sein Essen bekommen— ist das Leben im Bagno nicht schön? Plötzlich fühlte ich, wie jemand- vor mir Iveint. Ich fühlte eS nur, denn die blaffe, schivarze Frau weinie lautlos, und nur am Zittern ihrer Schultern konnte, man ihre Erregung erkennen. Von Zeit zu Zeit wischte sie sich die Tränen aus den Augen, um besser auf einen der Männer im Sektor der Lebenslänglichen schauen zu können. Welcher war es? Vielleicht Pol Leone oder der blaffe schlanke Mensch, der jetzt mit dem dreifachen Mörder die letzte Figur der Quadrille tanzte? Ihr Mann, ihr Bruoer, ihr Geliebter? Die Tragödie ist schnell erzählt. Maria Va- rella war mit neunzehn Jahren an den Großkauf- mann Barella verkuppelt worden;.einen, rohen, gewalttätigen Patron, der mit der ganzen Stadl' in Streit lebte, seine Untergebenen handgreiflich züchtigte und nicht davor zurückschrcckte, sein? Frau zu- schlagen. Als er erfuhr, daß sie. einige. Mal«■ in Gesellschaft des Malers Andrea beim' FUnf-Uhr-Tee gewesen war, schlug er sie noch, mehr. DaS Verhängnis wollte, daß Andra einmal. dazukam und das alles mitansehen mußte. Das' VerhäNgiS wollte, daß Andrea einen Revolver.bei- sich trug und traf. Die Geschworenen von Manila. find in.Liebesmorden nicht so nachsichtig wie ihr: Pariser Kollegen. Andrea'bekam lebenslänglichen. Kerker.' U«d seit dem Tag seiner Verurteilung saß. Märig'hier an diesem Platz. Jeden Nachmittag um halb fünf, dreihundertstinsundsechzigmal im. Jahr. Und immer blickte sie starr auf- die.Gruppe.: der Schwerverbrecher, mit denen Andrea Ballett■ tanzen mußte. Das Publikum kannte sie, man. reservierte ihr immer ihren Platz, von dem aus sie.’ Andrea am nächsten war. Und wann wurde der Maler verürteilt? Vor sechs Jahren. Sechs Jahre. hindurch sitzt Maria Varella an jedem Nachmittag. hier und schaut auf Andrea.. Das Leben, schreibt- die unwahrscheinlichsten Romane' und Bilibid könnt« heute, auch im dunkelsten Europa sei».-- Seile 6 „Sozialdemokrat Freitag, 11. September 1988. Rr. 212 Teaaer fettunq Bildungsarbeit der Gewerkschaften. Ter angc.» kündigic. Aufbau des neuen Systems ineinander» greifender Bildnngsknrsc wird von der Kultur» abtcilung des EinhcitsverbandeS der Privaiangc- stclltcn schon in diesem Herbst in Angriff genommen. Außer zahlreichen Sprachcnkurscn, Kurse» für Ma» schinenschrciben und Stenographie sind n. a. diese Sondcrkurse vorgesehen: Gebühre» und Steuern; moderne Vcrkaufsmethodcn; moderne VcrkanfS- Methoden für Geschäftsreisende und Vertreter; die Kunst des AuSlagcarrangicrens; Warenkunde; Volks- ivirtschast; die Praxis der Hauswirtschaft. Die Kurse werden ans;cr in tschechischer auch in deutscher Sprache abgebalte» ivcrdcn, falls sich eine genügende Zahl deutscher Teilnehmer meldet. Kür Arbeitslose ist,eine Reihe von Frciplätzcn bestimmt.— Am 8. Oktober. 111.30 Uhr, findet im EinhcitSverband in Prag II., Ra Zbolcnci 18, ein JnformationSabcnd für die Teilnehmer aller Kurse statt.— Auskünfte erteilt der ZentralbildimgSanSschuß des EinheitSvcr- bandes, II., Ra Zbolcnci 18, lTclcphon 478-41/48). Herbst I» der Hohen Tatra. Die Tschechoslowakischen StaatSbahncn veranstalten in den Tagen vom 1». bis 28. September eine» Sondcrzug nach der Hohen Tatra lTatranskä Lomnica, Srbsks Plcso). Die Unterkunft erfolgt in erstklassigen staatliche» Hotels, von wo aus Ausflüge in die Berge unternommen lverde». In: Preise von 505.— Ki sind inbegriffen die Fahrt mit dem Schnellzug hin und zurück, die Wohnung und Verpflegung, Trinkgelder, Führer, Unfall-Versicherung sowie auch Versicherung des Gepäcks. Anmeldungen mit einer Angabe von K£ 50.— werden im Basar der ESD in Prag, neben dem Wilson-Bahnhof, Telephon 883.88, auch schriftlich, entgegengenommen. Jamst und IPte&w Der Arzt am Scheideweg Gleich zuSpielzcitbeginn, unmittelbar nach dem„Faust", einen Bernhard Shaw— das ist jedenfalls ein guter Anlauf, Und hoffentlich sind nun nicht die Acrzte böse, das; man zu Ehren von.Shaw's achtzigsten Geburtstag sein Aerztestück spielt, das die„Menschen in Wein" in etlvaS kräf- tigcrcil und nicht durchaus entzückenden Farben schildert, In einer lange nach Vollendung seines „Arzt am Schcidclvcg" geschriebenen Vor rede— bei Shaw ist eben selten etlvaS nicht sonderbar— nennt er dieses sein Stück selber schon cttvas veraltet, denn medizinische Theorie» seien Modcsachc und deshalb rasch veränderlich; aber als verläßliche Aufzeichnung der Modetheorien im Jahre 1000 solle inan diese Komödie gelten lassen... Natürlich wußte und weiß Shalv, daß sein Stück beträchtlich mehr und anderes als eine Dramatisierung inzwischen überholtet: Modetbcorien wär uüd geblieben Ist, wie denn.ja auch sein spater geschriebener Essay über.die Acrzte(der nun bereits auch seine zwanzig Jahre alt sein dürfte), wen» auch überspitzt schon in der Anlage und in manchem überaltert, dennoch vor allem in seinen Grundgedanken nach wie vor gültig ist: nämlich in der sozialistischen Erkenntnis Von der Abhängigkeit und Bedingtheit auch der medizinischen Wissenschaft und Praxis von dem „mörderischen Unsinn" der bürgerlichen Gesellschaft. In Shaw'S Acrztckomödie scheint zlvar die fundamentalste Krankheit, nämlich die auf einen; Großteil der.Patienten und der Acrzte lastende Armut,, uicht im Vordergrund des Geschehens und der Kritik zu stehen, vielmehr die gewiß nicht unstrittige ärztliche„Macht" über Leben und Tod, die aber gclviß, ivenigstenS zum Teil, gleichfalls vom Allgemeinzustand der Heilkunst und ihrer Ausübung, in der kapitalistischen Gesellschaft bedingt ist. Und wenn auch Doktor Ridgeon mit keiner klassenmäßig genau bestimmten, sondern vor allem mit einer ethische» und psychologischen Frage als Arzt am Tchcsdcwcg steht, so werden doch auch hierin Probleme der menschlichen und also sozialen Gesinnung widcrgcspicgelt. Darüber, ob Doktor Ridgeon rich- yg handeln würde, wcmr er sich für die Erhaltung des Lebens eines braven und ehrenhaften nützlichen DurchfchnittSkollcgcn unter Opscrung der Lebens eines künstlerisch hochbegabten Halunken entscheidet, läßt sich, vielleicht noch heute diskutieren— allerdings unter anderen Voraussetzungen, als sie Shalv's Stück bietet, indem Doktor Ridgeon doch auf jeden Fall fast als Mörder gekennzeichnet bleibt, weit er einerseits vor keiner sachlich zwingenden Alternative steht, anderseits durch sein privates niännlichcS Licbesempfindcn beeinflußt ist. Hierin eben zeigt Shaw das Mcnschlichc-Allzu- menschliche am Arzt— freilich ohne eine wahrhaft brauchbare Lösung zu zeigen. Seit 1V08 hat sich einiges geändert; auch in der Medizi»; und auch Bernhard Shaw; er ganz bcstimnit nicht zu seinem Vorteil.„Der Arzt am Schcidclvcg" gehört noch nicht zu jenem von Shaw geschaffenen Typus des bei all seinen Reizen doch auch fragwürdigen„ironischen Dramas". Vielmehr weist Shaws Acrztckomödie— bei allem Spott und SarkaSmuS, trotz aller Paradoxa, die sich auch hierin’ reichlich finden.— dennoch eine durchaus ernste, sittliche, auch im Humorigen doch mehr satirische als witzelnde Grundhaltung auf. Tapfer ist das Problem gestellt, und die bitteren Wahrheiten, die den Acrzten und ihrer Wissenschaft gesagt werden, cutuicnschlichen nicht, haben kaum die Wirkung, die Kluft zwischen Acrzten und Nichtärzten zu erweitern, sondern eben alle im Menschlichen sich finden zu lassen. Die Ausführung am Deutschen Tbcater ist als ausgezeichnet zu bezeichnen— bis aut eine Voraussetzung: eS ist nämlich nicht recht cinzusehe», Ivarum man die Handlung i» die Gegenwart verlegte lund dies durch die Beclvendnng des Staubsaugers als eines ReguistteS noch besonders betonte); hätte man, wie es doch zweifellos den Jntcntioiien des Autors entspräche, die Handlung als in der Vorkriegszeit spielend erkenntlich gemacht, so hätte man vermutlich Inhalt und Hintergrund der Komödie dem Verständnis und Empfinden der Menschen von heute viel näher gebracht. Vielleicht liegt es vor allem an diesem Versuch zeitlicher Verlagerung, daß die Wiedergabe nicht ganz so mit Anerkennung ausgenommen wurde, als cs die übrige Ausarbeitung sowohl durch den Regisseur als auch durch die Darsteller verdieni hätte. Herr M a r l ä inszenierte mit fühlbar feinem Instinkt für die Schattierungen zwischen dem Komödienhaften und dem Tragischen der Handlung und ihres Hintergrundes; dir kämniermysikalischi Dämpfung, die allen Akten auferlegt war, dürste alle gemein als angemessen empfunden worden sein; das Acrzte-Scxtett zeigte sich vorzüglich eingespielt. Herr S i c d l e r gab dem Sitz Ridgeon durchaus die nölige Portion von Verhaltenheit, Selbstbewußtscin und Skeptizismus, Herr Götz war als Sir B. B. vorschriftsmäßig und erheiternd selbstzufrieden, simpel, aber vielleicht doch ein wenig zu tänzerisch in der sonst zweifclios richtige»„Musikalität" dieser Figur. Prachwoll Herr Taub in der.Gedrücktheit der erbarmungswürdigen Erscheinung des grmen Arztes, Herr E o st a überzeugend rechtlich und trocken (wenn auch ein wenig zu humorlos); Mariä und Herr R f r i t s ch sein neues Mitglied) waren Träger zweiter Stimmen durchaus.auf dem.Platze. An Elisabeth Fothy, die man gleichfalls zum ersten Male auf unsecer Bühne sah, ist vorläufig gefällige Erscheinung und schöne-(nicht durchaus richtig behandeltes) Organ sowie ein nicht störender, aber auch nicht förderlicher ungarischer Akzent festzustellen; da» romantische., leidenschaftliche, Wesen, das die Figur der Frau Dubcdat verlangt,'wurde von der Darstellerin kaum zum Ausdruck gebracht. Neu bei uns ist schließlich Herr Walter Szurovy; sein Debüt in der schwierigen Rolle des Windhundes und Genies Dubedat darf als durchaus geglückt bezeichnet wer- dcn; nur müßte Wohl irgendwie durchleuchten, daß Dubcdat den besonder» Sympathischen zum großen Teile doch nur spielt; etwa» von dem schlechten Kerl müßte doch auch der Zuschauer spüren. ■' Die kleineren Rollen waren bei den Damen Rodenberg und Bringolf und bei den Herren Trabaüer und Padlcsak In guten Händen.'S. G. Premiere der Galerie Dr. Feigl Die Galerie Dr, Feigl ist vom Jnngmannplab nach dem Masarykkai übersiedelt und cröfsnet dort Ihre schönen hellen Räume mit einer Ausstellung der letzten Arbeiten zeitgenössischer Prager Künstler, unter denen zwei wundervolle Bilder von Willi No w a k, zwei seiner verklärenden Sommerszenerien, durch die sorgfältige Ausgewogenheit der Komposition und den reizvollen Reichtum der farbigen Stimmung besonders erfreuen. Neben der von sommerlicher Heiterkeit durchleuchteten Badeszene Nowaks hängt das„Mädchen vor der Agave" von O. Koko s ch k a. Die unmittelbare Nachbarschaft der beiden Bilder läßt interessante Vergleiche zwischen den beiden Künstlern zu, die bei einer auf den ersten flüchtigen Blick vorhanden scheinenden Gleichgestimmtheit mancher ihrer Bilder, die noch große Verschiedenheit ihrer künstlerischen Auslassung und SchassenSweise einprägsam erkennen lassen. Bon V. Sedläkek sieht man zwei seiner hcllräumigen, großzügig erfaßten Landschaften, denen man immer gleich gern begegnet. Josef E a p e k ist mit zwei eigenartigen Bildern vertreten, von denen die„Frauen mit den Krügen" mit dem stimmungSersüllten Dunkel der Farben eins werden. Franta Tichy stellt farbige Zeichnungen aus, darunter einen sehr witzig aufgefaßten „Jongleur". Bon Holy fällt die frisch impressionistisch gemalte„Elbe bei Nimburg" auf, von Nada der in graurötlichcr Stimmung gehaltene„Wintertag", Yon F. Feigl zwei in gedämpften erdigen Farben gemalte Szenen, von N i ch a r d W i e S n.e r das ausdrucksvoll sprechende Porträt eines Komvo- nisten. ld. Heute 8 Uhr„Elektra" von Richard Strauß. Die Vorstellung leitet. Generalmusikdirektor Gustav B r e ch e r al» Gast. Sonntag erste Wiederholung„Faust", 1. und 2. Teil.(D 2). Spiclplan de» Neuen Deutschen Theaters. Donnerstag 71b; Der Arzt.am Scheidewege, C 2.— Freitag 8: Elektra, D 1. Spielplan der Kleine« Bühne: Donnerstag 8: Li eb« m i t.l 0 0 P S.— Freitag 71b: Mein Sohn, der Minister, KultttrverbändS- freuyde und freier Verkauf.— Samstag 8: Mein Sohn» der Minister. Falken, Achtung! SamStag, den 12. September, Horststunde für alle Kameradschaften. Beginn 4 Uhr im Verein deutscher Arbeiter, Prag II., Ve Smei- käch 27. Liederbücher und-Texte mitbringen. Programm: Kinderfreunde-Feier.— Helferratrsitzüng al» um 6 Uhr.. Der Kreis Prag der Sozialistischen Jugend hält, heute um 20 Uhr itn kleinen Handwerkervereinssaal. Prag II, Ve Smeikäch 22, seinen H e r b st a p v e l l ab. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. Blaute Hemd! SJ-Legitimation mitbringen. Tagesordnung: Organisationsbericht. Bericht über die politische Lage. Unsere kommende Arbeit. A Leichtathletische» Klubmeeting. Zum Beginn der Herbstsaison veranstalten wir ein Klub-Meeting,' da» in Forin eine» Zehnkämpfer gyS- getragen werden soll, an dem- sich PRAG sämtliche Sportler des Atu» beteiligen. Die Wettkämpfe finden auf- der Hetzlnscl mit folgendem Programm statt, u. zw.: SamStag, 12 September, 16 Uhr: Kugelstoßen (7% Kg.), Weitsprung, Schleudcrball, Diskus. 400 Meter, und Sonntag, 18. September, 18 Uhr: 60 Meter, Hochsprung, Speerwerfen, Dreisprung, 1500 Meter. Wir eriuchen alle Genossen und Ac- nossinncu, recht zahlreich zu erscheinen und Bekannte mitznbringen. Unsere Erfolge sollen gesteigert, die Zahl der Sportler vergrößert werden. Kommet allej Beweiset Eure Solidarität!— Stafettenlauf in Nusle, Sonntag, den 13. d. Um 9 Uhr vormittag» treffen sich alle Leichtathleten in Atus-Dreß(weiße Hose, weißes Leibchen mit Dreieck und roter Gürtel) auf dem DTJ-Platz Nusle. Die Strecke beträgt 6 mal 400, Meter und er nehmen zwei AtuSftaffeln daran teil.— Ein gemütliche» Beisammensein findet Sonntag, de» 13. b., nach Abschluß de» Klub- Meetings auf der Hetzlnscl gemeinsam mit der An- gcstelltenfugend statt au» Anlaß der zum Militär einrückenden Genoffen. Erscheinet auch hiezu recht zahlreich.. © Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 13. September, Zusammenkunft um halb 8 Uhr früh am Smichower Bahnhof. Fahrt nach RadoUn, Wanderung Karl- stcin. Fahrpreis etwa 7 KS.■ Führer: Pick..— Voranzeige. Zwei-Tagc-Wandcrnng am 27. und 28. September von der Hütte über de» Brdy-Waldkamm nach Hokovice. Zusammenkunft am 26. September in der Hütte im Brdy-Wald. Beginn der Hcrbstscric im Fußball. Den' Gruppen- sowie Bezirksspielleitern der gesamten 6. AtuS» KreiSgebieteS diene zur Kenntnis, das am 4. Oktober 1986 die Herbstserie beßinnt. Die.Spielleiter der erstklassigen Vereine haben, laut einer Mitteilung der Kreisspiclleltung, bi»' spätestens 14. September ihren Verein beim zuständigen Bezirk zu melden. Die Bezirke müssen, bis 17. September die Mannschaften der Kreisspielleitung bekanntgeben, damit die Einteilung erfolgen kann. Nachzügler wirken auf keinen Fall berücksichtigt. Die Schweizer Arbeitersportler entsenden zur Wintersport-Olympiade der SASJ, weiche in Jo« hannisbad bim 12. Bi» 11. Feber 1087 stattfindct, acht ihrer besten Wintersportler. ES werden aber auch noch andere Teilnehmer zu diesem Wintersportfest kommen. Urania-Kino, KllmenKhä 4. .Fernsprecher 61623. Bretter, die die Well bedeutea Naue Bücher Der politische Mord Im Frühjahr dieses Jahres erschoß der jugo- slatvische Student Frankfurter in dec Schweiz den nationalsozialistischen Propagandaleiter Gnftlosf. Ter Prozeß soll dcnnlächst stattfindcn. Hitlers Presse beginnt bereits mit einem Trommelfeuer, das die Schweizer Richter verwirren soll. Tas braune Regime spielt sich als Gegner des politischen Ror» des auf. Tas mag grotesk klingen, aber es gehört nun einmal zu der verlogenen Methode der braunen Bonzcrie, sich dauernd und mit unwahrscheinlichem Gedröhne sittlich über Gegner zu entrüsten. Es war darum gut, daß der Europa-Verlag(Zürich) in diesen Tagen eine Schrift herausbrachte, das diese plötzlichen HumanitätSapostcl unter die kritische Lupe nimmt. Es heißt«Der politische Mord", und sein Verfasser jst der Schweizer Jurist HansKiIian. Mit einer vorbildlichen Gewissenhaftigkeit behandelt der Verfasser sein Thema und bringt eine kurze Geschichte des politischen Mordes vom Altertum bis zur Neuzeit. Er weist«ach, daß es seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der sogenannten Kulturwelt keine, politische Richtung mehr gab,'die den politischen Mord verteidigt hätte. Erst der Weltkrieg zerstörte alte Rechtsausfassungen und untergrub mit vier Jahre• Massenmord die moralischen Grundlagen der kapitalistischen Welt. August Bebels seherische Vorkriegsbrophezeiung: „Ein moderner Krieg wird ein Versinken Europas in die Barbarei»ach sich ziehen"— sie droht furchtbare Wirklichkeit zu werden. Diktaturen erhoben Terror, Folter, Bestialität zur politischen StaatS- raison. Faschismus und Nationalsozialismus glorifizierten die„Ausrottung des Gegners", erhebenden politischen Mord zur heroischen Angelegenheit. Diese Seuche beginnt in Deutschland mit der völkischen Bewegung. Man hat früher den Thran n.e nmord sittlich gerechtfertigt, ein Schiller verklärte ihn dichterisch. Die Hakcnkrcuzlerci hat den„S ch ä dl in g smo r d" eingeführt, und die reaktionären Richter des republikanischen Deutschland kamen der neuen Seuche weit entgegen. Man weiß, wie offen die Nazipresse ein Jahrzehnt hindurch die Mordhebe gegen Demokraten, Pazifisten und Marxisten betrieb. Man weiß, daß Hitler jenen Mörder», die in Potemba 1932 einen, sozialistischen Landarbeiter viehisch abschlachtcten, ein Sympathie- telcgramn: sandte. Man weiß, wie diese Vestialität nach dem Reichstagsbrand wciterging. Den Justizorganen des Dritten Reiches weist. Kilian die Duldung der Morde in den Konzentrationslagern und die Begünstigung der Maffcnschlächtcrei vom 80. Juni 1984 nach. In Kerker und KZ wurde» Todesstrafen für Disziplinarvergehen eingeführt, Strafen, die auch in„Zweifclsfällen" vollzogen werden sollen. Es gibt ein deutsches Gesetz vom 3. Juli 1934, daS Massenmorde wie die vom 30. Juni rechtens als Staats notwehr erklärt. Hat das noch ettvaS mit Recht zu tun? Nein, jagt der Schweizer Jurist, eS ist eine staatlich sanktionierte Mischung von A n a r ch i e u n d Verkommenheit. lind die Vertreter dieses blutigen Systems zeter» über ein Attentat, das einen Vertreter der braunen Bestialität hinwegraffte I Kilian will mit seiner Schrift den Mord, von Davos weder bemänteln noch rechtfertigen; er wünscht im Gegenteil, daß in dieser Angelegenheit mit unbeirrbarer Klarheit Recht gesprochen wird. Aber eS ist ein Stück au» dem Tollhaus, wenn die Hitlersche Presse die Mordtaten des eigenen Regimes beschönigt oder verschweigt, und die Welt mit moralischem Geschrei erfüllen möchte,, wenn irgendwo ein Vertreter des Terror» der eigene«..Methode.zum Opfer fällt. Darum ist es ein Verdienst und eine Notwendigkeit, daß diese Schrift erschien. B. Br. Ange Seidler: Pari» Hotel Schöne Sonne(Verlag Julius Kittl» Nachf., Mähr.-Ostrau). Eine zweifellos begabte Journalistin schreibt einen Roman. Ein wenig JoeLederer, ein wenig Irmgard Kenn und beinahe ein wenig von der ins Fra'g- tvürdige-Laszive, gewollt Nuttenhafte,' abgleitenden Käte Biel, wenig Originelles, außer, ein paar Mäniriertheiicn— so könnte man Stil und epische Form des Romans der Ange Seid.!er charakterisieren, die zweifellos den Ehrgeiz hat, mehr zu sein und mehr zu geben. Es läßt sich auch nach diesem ersten,'reißerischen Erfolg nicht sägen, ob au» der gewandten Schriftstellerin, die von der Preffe kommt und von der Preffe ein bifferl verdorben wurde; noch, eine ernste.'Gestalterin des ungeheuren Stoffes wird,.an den sie sich herangcwagt hat. Denn er ist, wie im Grunde ja in jedem ernsten Roman, der große Stoff der Zeit schlechthin, der gemeistert tvcrden soll. Im einzelnen gewinnt das Schicksal der Menschen unserer Epoche auch Gestalt, mancher ist nicht nur richtig und scharf gesehen, sondern auch so geschildert, daß cs ein bleibendes Bild für den Leser prägt. Anders freilich bleibt oberfiächlich und fast ein wenig, schludrig.— Als Zcitdokument ist der Roman mindestens ebenso lesenswert wie als leicht«, .schmissige Lektüre.- Er öffnet«inen immerhin erschreckenden Blick in den Abgnind, in die ganze Leere der Seele einer gewissen jungen Generation von heute, die an nichts, an schlechthin gar nichts glaubt, die Über die alte»'Götter witzelt linb keine neuen kennt. Eine wahrhaft verdammte Generation,.aus ber kaum etlvaS werben kann als jene Hölle, die sich seit Jahren Über den alten Kontinent ausbreitetl— Nebenbei sei vermerkt, daß es recht läppisch ist, dem' roten Wien auch heute noch mit ben abgegriffenen Phrasen des bürgerlichen Unverständnisses für eine neue Sozialmoral, die in dem Werk Breitners zum erstenmal greifbare Gestalt annahm, Schmach antun zu wollen I• E. F. Helmuth Groth:' Kamerad Peter, Roman. Europa-Verläg, Zürich.— Dieser Buch hätte«in starker Roman werden können; es gibt di« Leidensgeschichte eines Paares, da» au». Hitlerdcutschland flüchten muß. Der Mann hat für die Freiheit gekämpft, nun werden' die Landstraßen Europa» seine Heimat. Da» Elend der Emigration jagt ihn umher. Scharfe Worte über da» Versagen der„Roten Hilfe"'fallen. Den'zweiten Teil de» Bucher füllt ein Traum au»; der Geflüchtete ist ein großer Geigenvirtuose geworden und erfindet mit emigrierten Technikern eine verteufelte Wunderrakete, die das Dritte Reich zur Kapitulation zwingt— der Wunschtraum derer, die an den braune« Feind nicht heran können. Erst am Schlüsse«fährt man,■ daß die Sensationen de» zweiten Teile»«In Stück Schlafphantasie sind. Die Landstraße nimmt-den armen Haben wieder auf.— Der Traum hätte im ersten Teil psychologisch vorbereitet' werden, hätte im Den- ken de» Heimatlosen zu sehen sein müssen, er müßte schon al» Wachtraum da'sein, dann hätte au» dem Buch, trotz manch anderer Mängel, ein Geschlossene», Einheitliche» werden, khnnen. Wozu gibt eS Lekwren?, Warum hat keiner dem nicht sehr erfahrenen Autor : diese. Spur gezeigt? So, wie es nun. blieb, sitzen : Wirklichkeit und Vision fremd und verwirrend neben» einander. rg,' Tschechische soziale Dichtung, sfräü« Richte r. hat. al» sozialistischer Journalist in Mährisch- Ostrau das Leben und Leiden.der Bergarbeiter kennest gelernt und dnrchfühlt. Die schwarze Erde, wie er diese» Gebiet nennt, schildert er in seinem in der Bibliothek des Julin» Zeyer-Fonds erschienenen Ge« dichtband„Rebe a zemi"(„Himmel und Erde"). Das Buch, ist dem schlesischen Barden Petr BezruL gewidmet, Richter» Poesie ist aber kein Nachhall der wuchtigen Bezruischen Dichtung, sie ist'unbeeinflußt und eigenartig geblieben. Er singt.vom Kohlenhauer, dessen Hände zu Stangen, dessen Augen, zu Kohlen und dessen ganzer Körper zur MasöRne geworden ist, von Proletarierkindern und Arbeiterkolonien und von der Trauer, die über-diesem Revier, hängt. Menschenverbrüderung ist sein Dichtertraum, und er glaubt an den Erlöser Sozialismus. Der zweite Abschnitt des GedichthandeS enthält Gedichte' Über seine Heimat-unter armen Widern. Richters Gedichte sind«ine Bereicherung der tschMschen so« zialon Poesie.- r.' i.' Dir Mütter. Der Pilsener Schriftsteller-B. I. 'Krysa hat e» sich zur. Aufgabe gestellt,-ein Werk über- die, Mütter von. Leuten zusammenzustejlen, welche einen Namen in der tschechoslowakische«. Kulturwelt besitzen; DaS: Sammelwerk„Rade maminky" („Unsere Mütter"), welches;im VerlagA- Deo' dourek in Hohenbruck erschienen ist, enthält Beiträge' von mehr al» 800 Personen(darunter, zahl«' reiche Deuttche). Außer allgemeinen Daten-über di« Mutter sind in diesem sehr interessanten Buche- Prosaarbeiten'und Gedichte,, welche von großer Pie« tät zeugen. Wir sehen hier,, wie die.-,meisten hervor« ragenden. Leute der /tschechischen Oeffentlichkeit aü» ärmlichen Verhältnissen'hervorgegangcn stnd undwj«. oft die'proletarischen Eltern sich«iß Verdienst'M: da» tschechische Kulturleben erworben'haben.' Diese»- „Sammelwerk der Mutterliebe" wird, gewiß inihe«; sondere ,in- den Schulen Verbreitung linden, aber auch sonst bietet es viel- Material für Literatürhiftö« riker, Psychologen-und Pädagogen; Die'alphabetisch .geordneten Namen der Autdrewsindsein gute» Nach»' schsggewerk und' AdreffenverzelchniS.. r.;fi«tz'i BezugSbedtngung en: Bei Zustellung ins Sau» oder be; Bezug durch, di. Poft monatlich Kö 16;—. vierteljährig Ki 48.—. hallfährw Ki 96.— gänzjShrfgKS ists—' Mf-.e仫 Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt Nur bei Einsendung der Netourmarken.— Die ZeitunMiankatur wurde von der Poft« uüd Tür« graphendireftwn mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei: ,pOrbiS", Druck-. Aerlaal- und Zeituels.S.-G. Ppag.